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Abdullah, Muhammad Salim. Islam für das Gespräch mit Christen. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Mohn, 1992. Der Autor dieses Buches ist ein Mann von beeindruckender Kompetenz: Journalist, Fachreferent für Islam, Leiter des Zentralinstitutes Islam-Archiv-Deutschland, Vertreter des islamischen Weltkongresses in der BRD und bei den Vereinten Nationen, sowie Mitglied des Exekutivrates des Kongresses. Darüberhinaus muß man ihm das Zeugnis ausstellen, sowohl ein Kenner des Islam als auch der deutschen religiösen Mentalität zu sein. Wie der Titel richtig aussagt, soll das Buch Christen ein neues Verständnis für den Islam ermöglichen. In oft rührender Weise und mit fähiger Feder schildert der Autor den, wie er meint, mißverstandenen Islam und seine Glaubenslehre. Der im Qur’an, den Hadithen (Traditionen) und dem Islam als Religion unbewanderte Leser wird, zumal wenn er das Gelesene mit den allgemein bekannten Praktiken der Volkskirche vergleicht, sicher von dem Inhalt des Buches tief berührt sein. Der erste Teil des Buches schildert kurz und eindrucksvoll aus islamischer Sicht seine Offenbarungslehre, Propheten, Buch und Glaubenslehre. Im zweiten Teil entwickelt Abdullah die islamische Polemik gegen den christlichen Glauben. Dies geschieht mit Einfühlungsvermögen und Verständnis. Mit viel Geschick versteht es der Autor, den Islam und seine Lehre und Praxis dem Westler nahezubringen. Wo offensichtliche Tatsachen gegen den Islam sprechen, wendet er sich auch offen dagegen, was die Glaubwürdigkeit des Buches nur noch festigt. Blauäugig erklärt er beispielsweise den „heiligen Krieg“ und wendet sich mit einer sehr schwachen Exegese sowohl gegen die Lehre als auch die geschichtlichen Tatsachen. Obwohl Abdullah seiner Dialogbereitschaft wiederholt Ausdruck verleiht, geht er seinerseits keinen Kompromiß ein. Entschieden lehnt er die Göttlichkeit und Gottessohnschaft Jesu, seinen Kreuzestod und damit die biblische Heilslehre ab. Natürlich wird auch die Bibel in Frage gestellt, wo sie nicht mit dem Qur’an übereinstimmt - und das leider bei allen wesentlichen Aussagen. Trotz gegenteiliger Beteuerung ist dieses Buch klar anti-biblisch und wohl die beste Werbung für den Islam, die mir bekannt ist. Gerhard Nehls, em 1993-2. |
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Abraham, K. C. und Bernadette Mbuy-Beya (Hg.). Spirituality of the Third World, Orbis Books: Maryknoll, 1994. Es ist das Verdienst von Orbis Books, jeweils die regionalen Tagungen und Vollversammlungen der 1976 gegründeten „Ökumenischen Vereinigung von Dritte-Welt-Theologen“ (Ecumenical Association of Third World Theologians - EATWOT) zu dokumentieren. Vorliegender Band gibt die „papers and reflections“ der 3. Vollversammlung vom Januar 1992 in Nairobi wieder. Kennzeichnend für die theologische Arbeit ist der ganzheitliche Ansatz, der persönliche Frömmigkeit, Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit, Kampf gegen Armut und Unterdrückung und die daraus resultierende Theologie als Einheit sieht. „Der Schrei der Dritten Welt ist der Schrei nach Leben“ (2). Hierauf muß Frömmigkeit und Theologie relevante Antworten geben. Stimmen aus Lateinamerika, Afrika und Asien regen zum Nachdenken an. Dr. Johannes Triebel, em 1997-1. |
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Adegbola,
E.A.Ade. Traditional Religion in West Africa.
Daystar Press: Ibadan, 1983. Das vorliegende Buch enthält eine Sammlung von Aufsätzen verschiedener Autoren über die traditionellen Religionen Westafrikas. Unter drei Hauptpunkten ‑ Religiöse Persönlichkeiten, Funktionen der Religion, Religionssysteme ‑ finden wir eine Fülle von Informationen. Man liest über Priester, Riten und Feste, Moralfragen, Mythologien, Symbolismus, afrikanische Vorstellungen vom Menschen und von Gott, um nur einige Themen zu nennen. Für an Informationsmaterial über traditionelle afrikanische Religionen Interessierte ist dieses Buch eine wahre Fundgrube. Das unterscheidende Merkmal dieses Buches besteht aber darin, daß es nicht nur die sonst üblichen Beschreibungen enthält. Einige der Autoren machen den Versuch des Vergleichens, Erklärens und Interpretierens der traditionellen Religionen. Der Herausgeber schreibt folgendes dazu: „Die meisten Studien über traditionelle Religionen aus der Sicht des Missionars tendieren in erster Linie dazu, Beschreibungen zu sein. Dies wächst (neben der Bequemlichkeit) aus der Priorität der phänomenologischen Methode heraus. Es ist der Vorteil dieser Methode, daß Methoden der Feldforschung der Sozialanthropologen daraus entwickelt wurden. Während Beschreibungen notwendig sind, sind sie offensichtlich nicht immer ausreichend. Erklärungen und Interpretationen müssen eingebracht werden. Gerade aber dies ist die schwierigste und empfindlichste Aufgabe.“ Langjährige Erfahrung zeigt, daß der Hauptgrund der Faszination der Afrikaner durch Für uns sind diese Entwicklungen eine Herausforderung in dem Sinne, daß wir beginnen müssen, die religiöse Umgebung und Herkunft unserer afrikanischen Brüder zu verstehen. Einmal müssen auch wir zu einem neuen Verstehen der traditionellen afrikanischen Religionen kommen. Zum andern müssen wir uns der Wichtigkeit bewußt werden, daß eine gründliche, klare und zweckmäßige biblische Theologie für Afrika entwickelt werden muß. Hier kann das interpretierende Raster nur die Bibel sein. Das vorliegende Buch mit seinen Beschreibungen, Erklärungen und Interpretationen des westafrikanischen religiösen Denkens kann man darum jedem empfehlen, der die Seele unseres afrikanischen Bruders und Mitmenschen kennenlernen und verstehen will. Battermann, em 1988-1. |
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Adeney,
Miriam.
Daughters of Islam: Building Bridges with Muslim Women, As an
anthropologist and a Christian, Miriam Adeney comes to the issue of Missions
among Muslim women with a particular sensitivity and insight. However, her
interest in understanding the cultural and anthropological aspects of Muslim
women’s lives does not deter Adeney from a firmly grounded missiology. The
result is a book which draws heavily on the real life stories of women from
across the Islamic world who have come to believe in Jesus as more than a
mere prophet balanced by firmly grounded missiological insights. Adeney
begins her book with the Biblical accounts of Hagar, from whose son the
Muslim world would trace their genealogy, encountering God’s merciful, loving
presence in the midst of hardship. From this moving story, Adeney asserts the
love of God for Muslim women, and the clear call to give a compassionate
witness to the hope of Christ. In a time
in history in which there is a tendency in the West to wrongly stereotype
Muslim women as forcefully veiled, repressed, uneducated and oppressed,
Adeney paints the extremely varied experiences of Muslim women in her chapter
‘Every Woman is an Exception.’ Through several chapters, she tells the
stories, albeit at times in a somewhat unrefined literary style.
Nevertheless, she manages to communicate the realities of women from both
lower and upper class, from religious as well as nominal Muslim upbringing,
from such varied countries as North Africa, Southeast Asia, the Middle East,
and She
underlines the importance of a culturally contextualized yet biblically sound
witness through firmly built friendships and trust, speaking into areas of
their lives that concern them as opposed to wielding a particular rhetoric.
However, she does not refrain from sharing accounts in which despite flawed
witnesses, Muslim women came to believe. In the
end, it becomes clear through the accounts of women who came to Christ
through the loving witness of believers, through painful life experiences,
through dreams and visions, that God has unlimited means to draw the hearts
of Muslim women. With or without us, He will stir the hearts of the hungry to
seek Him and as promised in scripture ‘those who seek, shall find.’ And yet,
Adeney gives us cause to recognize the part we may be privileged to play in
prayer, authentic friendship, acts of kindness, and being prepared to give an
answer to the hope that we have. In the
preface of her book, Adeney states that her aim for the book is ‘to educate
about important parts of Muslim women’s lives. To elucidate some mission
strategies…and to encourage.’ It is clear that she has managed to do just
this. For those who are just stepping foot into the arena of missions among
Muslim women, it is an insightful and helpful tool. For many of us who have
been walking with our Muslim friends and long for them to be our sisters in
faith, it is encouraging to read the accounts of those women who have heard
the call of Christ and responded. It reminds us that although the way may be
long and narrow, we must persevere in patient and faithful prayer and
witness. Lisa Dik, em 2006-2. |
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Albrecht, Rainer. Eine Trommel allein singt
kein Lied. Evangelische Predigt in Nordwest-Tanzania. Erlangen: VELM, 1996. Fast 30 Jahre nach Beginn seiner Forschungen veröffentlicht Rainer Albrecht hier seine Doktorarbeit. Durch die Hinzufügung unkommentierter Predigten der frühen 90er Jahre versucht er, die zeitliche Verzögerung zu überbrücken. Überhaupt nehmen die jeweils vollständig wiedergegebenen Predigten gut ein Drittel der Arbeit ein. Das ermöglicht dem Leser, den erfrischenden Untersuchungsgegenstand unmittelbar auf sich wirken zu lassen. Zahlreiche Nebenbemerkungen Albrechts zum Umfeld erweisen sich als außerordentlich hilfreich. Hier spürt man den intimen Afrikakenner heraus. In der Einzelkritik findet der originelle, beispielreiche Predigtstil sein uneingeschränktes Lob. Die afrikanische Eigenart der Frage des Predigers, die auf eine Antwort der Gottesdienstbesucher wartet, würdigt Albrecht ausdrücklich mit dem Untertitel seines Buches „Dialogisches Geschehen in einer Kultur der Oralität“. Ein echter Austausch kann eine Predigt aber nicht sein. Das Stilmittel wird wohl eher zur Erhöhung der Spannung und Einbindung der Zuhörer eingesetzt. In der streckenweise begeisternd treffsicheren theologischen Bewertung entdeckt Albrecht Defizite, benennt aber leider auch den Pietismus der Missionare sowie die ostafrikanische Erweckungsbewegung als Hauptimpulsgeber „verkürzten“ theologischen Denkens. So berechtigt seine Kritik in vielen Punkten sein mag, reflektiert sie oft nur seine eigene theologische Vorliebe wie im Falle Christologie vs. quietistischer Jesulogie. Welch ein Segen, daß die Lutheraner Jesus verkünden! Da gibt es in Tansania durchaus anders gelagerte Fälle. Ein kleiner Wunsch am Rand: Die beigefügte Landkarte mit den unleserlich klein gedruckten Ortsnamen wäre durch eine Hervorhebung der im Buch erwähnten Predigtorte entscheidend aufgewertet worden. Winfried Schwatlo, em 1997-4. |
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Ali, Michael Nazir. Frontiers in Muslim-Christian
Encounter. Oxford: Regnum Books, 1991. Der Generalsekretär der CMS und frühere Bischof der „Church of Pakistan“ greift in diesem Buch die wichtigsten theologischen und missiologischen Themen für eine Begegnung von Christen und Muslimen auf, u. a. die Lehre von Gott und die Christologie im islamischen Kontext, die Bedeutung der Heiligen Schrift, Ganzheit im Evangelium, Kontextualisierung und Evangelisation, Glaube im Dialog, die Kirche und die sozial-politischen Ordnungen. Nazir Ali als Insider vermittelt hilfreiche und praktikable Einsichten. Eine Studienanleitung zu Themen der Lehre, theologischen Charakteristika und Titeln (Namen) und ein Personen- und Sachindex sind angehängt. Klaus Brinkmann, em 1997-4. |
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Ali, Othman & Hassan Samir. Islamische Kräfte und Gemeinde Jesu. 1991. & Wolfgang Zschaler; Othman Ali (Hg.). Gesprengte Brücken. Muslime wählten Jesus. 1992. Der jüngste Golfkonflikt hat viele Fragen aufgeworfen und
neue Feindbilder geprägt. Endlich gibt es ein christliches Buch, das die
Fronten nicht verhärtet, sondern
Verständnis zu wecken versucht. Das Besondere an dem Buch ist, daß seine Autoren, aus dem Islam kommend,
eine klare Bekehrung zu Jesus Christus vollzogen haben. Sie schreiben aus
eigenem Erleben des Islam und aus fundierter Kenntnis der politischen
Entwicklungen und der christlichen Missionsarbeit in der islamischen Welt: Entstehung und Ziele des islamischen Funda Die zweite Neuerscheinung Gesprengte Brücken füllt eine echte Informationslücke. Den fünf Erlebnisberichten von ehemaligen Muslimen sind fachkundige Erläuterungen des Islams aus der Feder Othman Alis angefügt. Dadurch gewinnt der „westliche“ Leser ein tieferes Verständnis, das notwendig ist, um die Situation von Konvertiten, besonders nach der Bekehrung, zu verstehen. Sehr einfühlsam werden die Leiden und Anfechtungen der Konvertiten beschrieben, unter anderem in einem Gedicht. Aber auch der Trost und die Stärkung des Glaubens durch Jesus tritt deutlich hervor. Dieses Buch zeigt deutlich, daß sich die Mühe der Mission unter Muslimen lohnt, und Gott in der islamischen Welt seine Gemeinde baut. Reinhard Born, em 1993-2. |
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Al-Sain, Johanna; Ernst
Schrupp. Ich
kämpfte für Allah. Eine Frau auf der Suche nach der Wahrheit. Brockhaus/Oncken: Wuppertal/Zürich, 2000. Johanna wächst in einem christlichen Elternhaus auf, findet jedoch nicht zu einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus. Antworten auf ihre Fragen scheint sie im Islam zu finden, zu dem sie auf der Suche nach Wahrheit konvertiert. Sie setzt sich ganz in einer politisch aktiven islamischen Gruppierung ein, betreibt Mission und Schulungsarbeit und macht sogar die Wallfahrt nach Mekka, wird aber bei ihrem Aktivismus für den Islam wie in zwei Ehen mit Muslimen immer tiefer enttäuscht. Als sie keinen Ausweg mehr sieht, findet sie zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. Zwei Exkurse erläutern Hintergründe und vermitteln Wissen über den Islam als Religion, politisches System und Kultur, sowie über grundlegende Unterschiede zwischen Islam und christlichem Glauben. Nur selten wird andernorts so deutlich auf die Versäumnisse des christlichen Abendlandes in der Begegnung mit Muslimen und dem Islam hingewiesen (Verabschiedung vom christlichen Glauben, Entkirchlichung und Säkularismus, Pluralismus und Sinnleere). Ein authentischer Bericht, der auch Einblick in die „Schwächen“ des Islam vermittelt (statt Heilsgewißheit Werkgerechtigkeit, statt Veränderung des inneren Menschen Aktivismus und Druck, statt Seelsorge an Zweifelnden Verfolgung von Abgefallenen). Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-2. |
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Alvarez-Cineira, David. Die Religionspolitik des Kaisers Claudius und
die paulinische Mission.
Herders Bibl. Studien 19, Freiburg: Herder, 1999. In dieser umfangreichen Studie will der Verfasser Aspekte der paulinischen Mission auf dem Hintergrund der zeitgenössischen kaiserlichen Religionspolitik erklären. Im ersten Teil (10-224), untersucht A-C daher die Hinweise auf die Religionspolitik des Kaisers Claudius (41-54 n. Chr.), deren Auswirkungen für die ur-christl. Mission schon an Apg 18.1-3 deutlich werden. Nach einer Übersicht über die vorhandenen Quellen zeichnet A-C die Haltung des Kaisers zur römischen Religion, zu fremden westlichen Religionen, zu verschiedenen griechischen Kulten, zu orientalischen Religionen und zu den Juden nach (knapp: „… Anstrengungen für eine Wiederbelebung des altrömischen Kults neben reichsweiter Toleranz gegenüber anderen Religionen, falls diese keine Gefahr für die Pax Romana darstellten“, 411). Nach einführenden Beobachtungen und Darstellung der ersten Periode paulinischer Mission (226-59), wendet sich A-C im zweiten, allgemein der paulinischen Mission gewidmeten Teil zunächst dem erwähnten Claudiusedikt zu als einem Faktor für die Verschlechterung der Verhältnisse zwischen Juden und Christen (260-90). Das Christentum war ein möglicher, auch politischer Unruhefaktor innerhalb des Judentums und somit angesichts der hier empfindlichen kaiserlichen Religionspolitk bedrohlich. Nach dem kaiserlichen Edikt stellten die Christen eine politische Gefahr für das Überleben der Juden dar, was die Härte der Auseinandersetzung erklären mag. Auf diesem Hintergrund versteht A-C die Konflikte mit den Juden und deren Vorgehen gegen Christen in Thessalonich (Apg. 17.6f, 1 Thess 2.14-16). Ferner sieht A-C das Claudiusedikt als den Auslöser der christlichen anti-paulinischen Mission, die sich in den Gegnern in Galatien und im Philipperbrief zeigt (291-340). Die judenchristlichen Massnahmen gegen Paulus, opportunistisch und politisch motiviert, gehen auf diese Reaktion des Judentums gegen das Christentum in der Diaspora zurück. Die Gegner wollten verhindern, dass sich die von Paulus geprägte christliche Bewegung (ohne Gesetz und Beschneidung) als eine vom Judentum getrennte Religion darstellte und somit die bisher genossenen (jüdischen) Privilegien verlieren und zum collegium illicitum erklärt werden würde, was für alle Gemeinden schwerwiegende Folgen hätte haben können. Wenn A-Cs Überlegungen stimmen, wäre dies ein weiterer Hinweis auf die Datierung und die Empfänger des Galaterbriefes. Abschließend wendet der Verfasser die im ersten Teil gewonnenen Erkenntnisse auf „Paulus und die Christen in Rom“ an (Entstehung des Christentums in Rom und Zustand der Gemeinden nach dem Claudiusedikt sowie die Darstellung des Römerbriefes, vor allem die in 16.17-20 und 13.1-7 gegebenen Hinweise). A-Cs Studie zeigt erneut, dass die Kenntnis und Berücksichtigung der politischen und religionspolitischen „Grosswetterlage“ für ein Verständnis von Wesen und Verlauf der urchristl. Mission interessante Hinweise bereithält. Paulus bewegt sich auch hier nicht in einem luftleeren Raum, sondern wurde mit Zwängen und Umständen konfrontiert, die dem Evangelium gemäss zu meistern waren. Das Verhalten des Paulus und seine Äußerungen angesichts dieser Umstände, zu denen sich moderne Parallelen finden lassen (Verleugnung des Evangeliums, um möglichen Verfolgungen zu entgehen), können auch heutigen Missionaren und missionarischen Gemeinden Wegweisung bieten. Dr. Christoph Stenschke, em 2002-4. |
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Anania, Valeriu. Bilder vom Reich Gottes. Metzingen:
Verlag Sternberg, 2002 Im Zentrum der fünf Themenbereiche, die augenblicklich durch eine Sonderkommission des ÖRK untersucht werden sollen, steht das Kirchenverständnis. Die einzelnen christlichen Denominationen fordern mehr „eigenes Profil“; sie vergessen, dass in der gegenwärtigen globalen Auseinandersetzung der Religionen Christen sich durch ihr gemeinsames Zeugnis für das Evangelium von Jesus Christus über alle Grenzen hinweg profilieren müssen. Das christliche Profil ist das von Jesus verkündigte Reich Gottes. Das schöne Buch von Valeriu Anania, Bilder vom Reich Gottes erscheint zum rechten Zeitpunkt. Wir finden darin hervorragende Bilder mit tiefsinnigen Erklärungen zu 59 Ikonen und Fresken aus 16 Klöstern und Kirchen Rumäniens. Die „kunstvolle und tief greifende Auslegung bedeutender Ikonen und Fresken durch den Schriftsteller, Dichter und Bibelübersetzer Valeriu Anania“ (Landesbischof G. Maier im Vorwort) fördern das orthodoxe Glaubensverständis und die Tiefe seines theologischen Denkens. Der „wahrhaft europäische Patriarch“, Valeriu Anania, wurde durch den reichen geistlichen Schatz seiner südlich von Hermannstadt (Sibu) gelegenen Heimat als Kind und später als Mönch geprägt. Er entwickelte sich im Laufe seiner über 80 Lebensjahre zum Meister einer „Theologie der Nuancen“. Die Fotografien verdanken wir Victor Bortas, Lehrer für Fotografie und freischaffender Künstler. Leider sind einige Bilder nur mit Hilfe einer Lupe richtig erkennbar. Der Anhang, „Von Württemberg nach Rumänien“ (S.80-87), rundet den Bildband ab mit einer kurzen Würdigung von Valeriu Anania als „ökumenischen Brückenbauer“ und einer „Gemeinsamen Erklärung“ zwischen der rumänischen Erzdiözese und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ( S.86-87). Die hinter den Bildern vom Reich Gottes stehende biblische Theologie wird im an Plato erinnernden Dialog zweier fiktiver Gestalten, des älteren Erzpriesters Bartolomeu und des jüngeren Valeriu erklärt. Sie geben die Stichwörter zur Entschlüsselung der Geheimnisse der Fresken und Ikonen in Klöstern der Olteria, dem südlichen Teil Rumäniens. In Deutschland ist dieses Gebiet unter dem Namen Walachei bekannt. Die Konzentration auf wenige Bildmotive läßt die „theologische Tiefe“ zum Vorschein kommen; sie ist in diesem Band wichtiger ist als das „kunsthistorische Interesse“. Die Ikone (Bild) hat ihren Ursprung in der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und ist nach Gregor von Nyssa „ein mit Farbe geschriebenes Evangelium“ (S. 12). Neben Christus, dem Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt und der Gottesmutter Maria, sind die Heiligen Bildgegenstand. Sie reichen von Nikanor, über Georg, den Drachenkämpfer, bis zu den großen Philosophen (S.12- 33). Der Held ist wichtig als Sieger und Symbol der Fürbitte. Die Schlange, Symbol des Teufels, wird mit dem „Hinabgestiegen in die Hölle, um die Ketten der Gefangenen zu lösen“ in Verbindung gebracht. Die Auferstehung wird zur Handlung. Christus hebt Adam und Eva aus den Gräbern; der in Ketten gefesselte Teufel wird vom Engel an seinen Hörnern hinabgedrückt (Fresko- Ikone der Klosterkirche Clocociou, S.16). Die Ikone spielt eine gottesdienstliche Rolle. Die Ikonostase als Altarwand erinnert an den Vorhang des jüdischen Tempels, der das Heilige vom Allerheiligsten trennt und zerriss als Jesus am Kreuz starb. Die Bilderwand vereinigt Malerei und Holzschnitzkunst. Erst nachdem das 7. Ökumenische Konzil von Nizäa (787) den langen Bilderstreit in der Orthodoxie beendete, holten die Gläubigen ihre Ikonen wieder aus ihren Verstecken hervor und reihten sie aneinander vor der Altarschranke. So wird die Ikonostase zum Buch für Analphabeten, wie der große Missionspapst Gregor der Große es einmal formulierte. Vorbilder waren die ersten byzantinischen Zeichnungen und Malereien biblischer Texte. Mittelpunkt ist die Königstür mit dem Heiland der Gottesmutter, meist gefolgt von den Schutzheiligen der Kirche. Die Ikone unterscheidet sich von anderen Bildern dadurch, dass sie Teil der göttlichen Liturgie ist. Die Ikonostase ist eine „durchscheinende Wand“ (S.27); die Deesis- Ikone „ist die vollkommenste bildhafte Darstellung für das Symbol Jesse“ (S.27, Bild 14): „Christus, du bist der Sproß aus Isais Wurzel und dessen Blüte“. Das zeigt der Eucharistische Christus der Fresko- Ikone im Refektorium des Klosters Hurezi (Bild 15, S.28) wunderbar. Isai und Abraham (Bild 13, S.26) erreichen gleichsam kosmische Proportionen. Der Weinstock ist Metapher für die Idee der Einheit zwischen Christus und der Kirche, die aus der Eucharistie entsteht. Aus der Wunde des Lanzenstosses am Kreuz erwächst ein Weinstock (Fresko-Ikone der Apostel-Kapelle in Hurez, S.29). Durch das Herabrufen des Heiligen Geistes wird Brot zum kostbaren Leib und Wein zum Blut Jesu Christi; es erinnert daran, dass der Herr sich selbst seinen Jüngern darreicht. Diese geistliche Hierarchie beginnt mit Melchisedek, dem Priester Gottes des Höchsten, der Abraham segnet (1.Mose 14, 18- 20), der nach dem Hebräerbrief (5,10; Psalm 110, 4 zitierend) bezeugt, dass Jesus „ein Priester ewiglich und nach der Ordnung Melchisedeks ist“; er steht nach Paulus höher als Abraham. David, die geistliche Ordnung und die königliche Abstammung tradierend, verweist auf Jesus Christus als König im Reich Gottes und als Priester, der sein eigenes Leben geopfert hat (S.31). Die Ikonostase ist dreidimensional „als Krone eines Baumes“ so wie Christus die beiden Testamente und den Kosmos verbindet (S.32). Die Fresken spiegeln auch zeitgeschichtliche Ereignisse wider. Das Schiff (Kirche) fährt durch gefährliche Wasser (S.39). Im Maul des Drachens ist der mit Pfeil und Bogen bewaffnete Mohammed zu sehen, der auf den leibhaftigen Christus auf dem Altartisch zielt. Neben der Darstellung der Hölle spielt die Deesis (S.45-53) eine große Rolle. (Deesis heißt Fürbitte). Die Ikone Deesis (S.45) erinnert an den „Zeugen“ Johannes den Täufer und die fürbittende „Gottesmutter Maria“ (S.57-64). Den Abschluss bilden eindrückliche Ikonen und Fresken über die Dreieinigkeit (S.67-76). Als Fazit bleibt: „Die Fresken und Ikonen sind die Mission der christlichen Künstler. Sie sind eine Einladung in Bildern zur Teilnahme am Reich Gottes, das durch Jesus Christus eröffnet ist“ (S.75). Der Verlag Sternberg ist hoch zu preisen für diesen Bildband, der sich als Geschenk gut eignet und glaubenden Protestanten, Katholiken, aber auch dem Glauben fernstehenden Menschen, gleicherweise den Weg öffnet zum Verständnis der geheimnisvollen Glaubenswelt aus orthodoxer Sicht. Prof. em. Karl Rennstich, em 2003-1. |
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Anderson, Allan. Moya.
The Spirit in an African Context. Pretoria: Sigma, 1991. Kasukuti,
Ngoy. Recht
und Grenze der Inkulturation. Heilserfahrungen
im Christentum Afrikas am Beispiel der Kimbanguistenkirche. Erlangen: Verlag der Ev.-Luth. Mission, 1991. Beide Autoren unternehmen eine nötige Neubewertung Afrikanischer Unabhängiger Kirchen (AUK) verbunden mit kritischer Sichtung bisheriger Standardliteratur (Sundkler, Oosthuizen, Beyerhaus, Martin) und theologischer Einordnung afrikanischen Christentums. Der in Südafrika lebende evangelikal-charismatische Weiße A. Anderson schildert die Entstehungsgeschichte der dortigen AUKs und Pfingstkirchen, die er in Anlehnung an seinen Lehrer Inus Daneel „Geist-Kirchen“ (nicht: zionistisch, messianisch oder prophetisch) nennt, – gegenüber der Gruppe der „äthiopischen“ Kirchen. Er möchte sie aus dem synkretistischen Abseits herausholen, indem er ihre Pneumatologie als relativ gelungenen Versuch kontextueller Theologie darstellt, die ernstlich auf das von Ahnen- und Geisterkult bestimmte afrikanische Existenzverständnis eingeht, besonders auf das ‚Lebenskraft’ („power“) - Konzept. Er beschreibt ausführlich ihre pastorale Praxis, die großen Wert auf charismatische Geist-Manifestationen wie Geist-Empfang, Glossolalie, Prophetie und geistliche Leiterschaft legt. Seine These ist, daß die Geist-Kirchen mit ihrer Betonung der dritten Person des dreieinigen Gottes bisher die angemessenste christliche Antwort bieten auf das afrikanische Grundbedürfnis nach einer lebenssichernden Macht. Er sieht in dieser Heraushebung ‚pneumatologischer Existenz’ auch eine größere biblische Nähe als es bisher westliche und afrikanische Theologen wahrgenommen haben. Wenn auch teilweise zu idealisierend und biblisch-theologisch oberflächlich, ist dieses Buch Anreiz genug zur Neubesinnung auf die AUK-Gemeindepraxis als relevantes Bestätigungsfeld neutestamentlicher Pneumatologie. Der Afrikaner Ngoy Kasukuti, Bischof der lutherischen Kirche in Zaire, befaßt sich mit der größten und immer noch stark wachsenden AUK in Afrika, der 1921 entstandenen Gemeinschaftsbewegung Simon Kimbangus (ca. 5 Mill. Mitglieder). Sein Buch verarbeitet kritisch die Literatur von M.L. Martin und W. Ustorff. Er schildert die Religions- und Gottesvorstellungen seines Bantu-Stammes, besonders die Heilsbedeutung der Übergangsriten (Geburt, Initiation, Heirat, Tod) und der Ahnen und wie sich die Heilslehre der Kimbanguisten auf diesem Hintergrund profiliert. Er kommt zum Schluß, daß es sich bei dieser AUK am Anfang noch um einen genuin christlichen Ausdruck religiöser Bewältigung des bedrohten Alltagslebens handelte. Er beobachtet aber einen theologischen Bruch in der Soteriologie in dem Moment, als sich ab 1957 die EJCSK (Kirche Jesu Christi von Simon Kimbangu) unter dem Sohn des Gründers organisierte und Simon Kimbangu als konkurrierenden Heilsmittler neben Jesus Christus stellte. Damit sei die Grenze der Inkulturation überschritten, was sich auch im Abendmahls- und Taufverständnis widerspiegele. Anregend sind die in
die Darstellung der AUK eingestreuten theologischen Reflexionen Detlef Kapteina, em 1995-3. |
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Anderson, Gerald H., u. a.
(Hg.). Mission Legacies.
Biographical Studies of Leaders of the Modern Missionary Movement. Maryknoll: Orbis,
1994. Diese 75 wissenschaftlichen Biographien von Experten über führende Persönlichkeiten der modernen Missionsbewegung (v. a. 19. und 20. Jahrundert) bilden das derzeit umfangreichste und qualifizierteste Sammelwerk. Die Beiträge umfassen (1) Förderer der Mission in der Heimat wie Gordon, Simpson, Franson und Mott, (2) Missionare in Afrika wie Livingstone oder Gutman, (3) in China wie Nevius, Taylor und Reichelt, (4) in Südostasien wie Carey und Martyn, (5) Theologen und Historiker wie Warneck, Schmidlin, Latourette, Freytag und Neill, (6) Theoretiker und Strategen wie Kraemer, McGavran und Tippet und (7) Administratoren wie Venn, Anderson und Hartenstein. Die Darstellung und Bibliographie ist von unterschiedlicher Qualität und Aktualität, je nach Datum der Erstveröffentlichung im ‘International Bulletin of Missionary Research’ (IBRM) ab 1977. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf Personen englischsprachiger Herkunft. Alle erfaßten Deutschen wurden unter obigen Beispielen erwähnt, ausgenommen die katholischen Bibliographen Streit, Dindinger und Rommerskirchen. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn ein weiterer in Aussicht gestellter Band zu Nordafrika, dem Mittleren Osten, Nordostasien, dem Pazifik und Lateinamerika zustandekäme. Bis dahin muß man im IBMR nachschlagen. Christof Sauer, em 1998-1. |
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Bacon, Daniel W. From Faith to Faith. The influence of Hudson Taylor on the faith missions movement. Singapore, 1984. Wohl niemand hat die evangelischen Missionen, jedenfalls im interdenominationellen Bereich, so entscheidend geprägt wie Hudson Taylor, der Gründer der China Inland Mission. Die Biographien über ihn und sein Lebenswerk sind ja auch im deutschsprachigen Raum weit verbreitet. Mit diesem Buch legt Bacon eine übersichtliche Untersuchung über Taylors Prinzipien (S.12-69) und über den Einfluß dieser Prinzipien auf die gesamte Bewegung der interdenominationellen Glaubensmissionen (S.79-129) vor. In einem dritten Teil untersucht er, welche Bedeutung Taylors Prinzipien heute haben. Über die Geschichte der
Glaubensmissionen gibt es nur wenig wissenschaftliche Literatur. Umso bedeutsamer ist Bacons Veröffentlichung, die von der UeMG als Studien Klaus Fiedler, em 1986-4. |
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Badenberg, Robert. The Body, Soul and Spirit
Concept of the Bemba in Zambia. Fundamental Characteristics of Being
Human of an African Ethnic Group. edition afem: mission academics, Bd. 9.
Verlag für Kultur und Wissenschaft:
Bonn, 1999. Diese Publikation ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Es handelt sich um die Ergebnisse einer Feldforschung, in deren Verlauf der Autor mit einer modernen ethnologisch-linguistischen Methode gearbeitet hat. Er gibt sich zu erkennen als Vertreter (und Verfechter!) der sogenannten kognitiven Ethnologie (bislang auch kognitive Anthropologie genannt). Mit Hilfe der kognitiven Ethnologie können insbesondere Begriffssysteme und Denkformen einer Gesellschaft erfaßt und beschrieben werden, die mit anderen wissenschaftlichen Mitteln nicht zugänglich sind. Über die dazu nötigen detaillierten Sprachkenntnisse verfügt der Autor: Er ist seit mehr als 10 Jahren Missionar bei den Bemba, einer Ethnie im Norden Sambias. Das zentrale Thema seiner Untersuchungen, der Begriff „Seele“, gilt in der neueren Ethnologie als einer derjenigen Forschungsgegenstände, die am schwierigsten zu erfassen sind und daher immer noch eher selten bearbeitet werden. Den Begriff „Seele“ untersucht der Autor aber nicht isoliert, sondern eingebettet in die Frage nach den Begriffen „Körper“ und „Geist“ im Denken der Bemba. Er liefert damit eine eingehende Beschreibung des Menschenbildes dieser Volksgruppe, deren Denkrahmen von animistischen Grundstrukturen gebildet wird. Dieses Menschenbild – und das ist eine der bedeutenden Qualitäten der Untersuchung – wird nicht beschrieben unter Zugrundelegung von europäischen Seelenvorstellungen als Vergleichsgegenstand. Er greift vielmehr auf sogenannte „emische Kategorien“ zurück, also ausschließlich auf diejenigen Gesichtspunkte, unter denen die fraglichen Begriffe von Mitgliedern der Bemba-Gesellschaft (zumindest in den Grundzügen) verstanden und benützt werden. Auf diese Weise entsteht ein Menschenbild, das den Missionar (und nicht nur diesen!) befähigt, bei seinem Versuch, biblische Vorstellungen von der Natur des Menschen zu vermitteln, in einer Weise vorzugehen, die unter anderem sogenannte „kognitive Dissonanzen“ vermeiden hilft. D. h., er beugt gegen die Formulierung von verhängnisvoll falschen, schiefen oder zumindest problematischen Wiedergaben des Begriffs „Seele“ und entsprechenden Theologien vor, wie sie in der Missionsgeschichte und in der Geschichte der Bibelübersetzungen durch Missionare aus dem europäisch-abendländischen Kulturkreis so häufig entstanden sind. Das Ganze ist in flüssiger, leicht nachvollziehbarer Sprache geschrieben. Es ist lesenswert, nicht nur, weil es Basiswissen zu einem afrikanischen Weltbild vermittelt, sondern erkennen läßt, wie man selbst an die Erforschung eines solchen Weltbildes im eigenen Arbeitsgebiet herangehen kann. Es sei daher keineswegs nur den afrikaorientierten Mitarbeitern der verschiedenen Missions- und Entwicklungshilfeorganisationen zum Studium empfohlen! Prof.Dr. Lothar Käser, em 2000-3. |
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Baer, Martin; Olaf Schröter. Eine Kopfjagd: Deutsche in
Ostafrika. Spuren kolonialer Herrschaft. Berlin: Ch. Links Verlag, 2001. Dieses Buch ist kein Missionsbuch im engeren Sinn, jedoch ist es für den Missionar bzw. Missionsinteressierten insofern interessant, weil es in gekonnter, ja geradezu in spannender Weise in die Kolonialgeschichte einführt. Eingerahmt in die dramatische Geschichte einer Kopfjagd in Deutsch-Ostafrika, werden in einzelnen in sich abgeschlossenen Kapiteln am Beispiel der Kolonie „Deutsch-Ostafika“ folgende Themen erörtert: Motive und Geschichte des Kolonialismus, Aufstände der einheimischen Bevölkerung, Mission und Kolonialismus, Kolonialpolitik, und die Rezeption des Kolonialgedankens in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und in der Bundesrepublik. Wer zu solchen Themen sonst keinen Zugang findet, bekommt ihn in diesem hervorragend illustrierten und mit vielen zeitgenössischen Abbildungen versehenen und gut aus Quell- und Sekundärliteratur schöpfenden Buch. Von besonderem Interesse dürften die Kapitel über die deutsche Schuld sein. Denn dort wird der Mythos von den Deutschen als harten aber gerechten Kolonialherren erschüttert. Schonungslos werden die Verbrechen der Deutschen in Deutsch-Ostafrika geschildert: Zahllose Stockhiebe, ungerechte Exekutionen, brutale Unterdrückung und Ausbeutung menschlicher und materieller Ressourcen. Wie sich diese Demütigungen in die schwarzafrikanische Volksseele eingegraben haben und sich bis in die Gegenwart auswirken, kann nur erahnt werden. Obwohl die Autoren gegen besseres Wissen die stereotype Behauptung „Kolonisieren ist Missionieren, Missionieren ist Kolonisieren“ in die Überschrift des interessanten Kapitels über Mission und Kolonialismus aufnahmen, kommen sie dann in den Ausfuhrungen überraschender Weise zu einem ausgewogenen Urteil. Alles in allem handelt es sich bei diesem Buch um ein faires Buch, das vor allem Lust macht auf mehr, auf mehr Kolonialgeschichte. Daher sei diese Lektüre vor allem Missionaren empfohlen, die in ehemaligen Kolonialgebieten arbeiten und zur wissenschaftlichen Spezialliteratur keinen Zugang finden. Elmar Spohn, em 2003-3. |
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Balz, Heinrich. Where the Faith has to Live.
Studies in Bakossi Society and Religion. Part I: Living Together. Part II:
The Living, the Dead and God. Dietrich Reimer Verlag: Berlin, 1984/1995. Balz, Heinrich. Weggenossen im Busch. Erzählende
und theologische Briefe aus Kamerun. Erlanger Verlag für Mission und Ökumene:
Erlangen, 1998. Der Missionar als Forscher. Was das heißt, verdeutlicht das Werk des Missionstheologen Heinrich Balz. Von 1973 bis 1983 war er Missionar und Dozent am Theologischen Seminar der Presbyterianischen Kirche in Nyasoso in Kamerun, im Gebiet des Volkes der Bakossi. Ein Jahr lang stellte ihn die kameruner Kirche und die Basler Mission für Forschungen frei. Teil I konnte er 1984 nach seiner Rückkehr nach Deutschland als Habilitationsschrift in Heidelberg vorlegen; Teil II entstand während seiner Lehrtätigkeit als Professor für Missionswissenschaft in Berlin. Zur Zeit lehrt Balz am Tumaini University College Makumira/Tanzania Systematische Theologie und Religionswissenschaft. Der Titel der umfangreichen Studie „Where the Faith has to Live“ ist Programm. Glaube, gleich ob der der alten Religion oder der christliche Glaube, muß sich verorten. Deshalb muß nach dem Ort, dem Kontext gefragt werden, „wo der Glaube lebt“, um dann auch aufzuzeigen, wie der Glaube lebt und wie neuer Glaube wächst. „Wenn der neue Glaube wirklich leben, seine Identität bewahren und Wurzeln schlagen soll, muß er wissen, wo er zu leben hat; er muß die alten Fragen verstehen, auf die er … als die neue Antwort angesehen wird.“ „Die Antworten des christlichen Glaubens können nicht ohne die Fragen verstanden werden, die von der traditionellen Religion gestellt werden“ (II 5 und 808). Die Studie über eine afrikanische Religion, hier die Religion der Bakossi, kann also nicht mit der „Glaubenslehre“ einsetzen, sondern muß zunächst das Umfeld in Augenschein nehmen, in dem die Menschen leben. Deshalb widmet sich Teil I der Gesellschaft der Bakossi, ihrer sozio-politischen Struktur, ihren Traditionen und Entstehungssagen und den Institutionen, die das Zusammenleben regeln. Balz weiß, daß sich Gesellschaft und Religion nicht strikt voneinander trennen lassen, sondern sich gegenseitig beeinflussen, dennoch werden in der Betrachtung jeweils andere Akzente gesetzt. Deshalb gehören auch beide Teile, der sozialanthropologische und der religionswissenschaftliche, zusammen. Mit Recht werden „parareligiöse“ Phänomene wie Geheimgesellschaft, Hexerei und Zauberei bewußt im Umfeld von „Gesellschaft“ und nicht von „Religion“ behandelt. Balz’ Studie ist ein Beleg dafür, daß es notwendig ist, regional begrenzte Studien durchzuführen, um afrikanische Gesellschaftsformen und Religionen zu verstehen und gerade auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Völkern zu erkennen. Deshalb ist auch im Plural von „afrikanischen Religionen“ zu sprechen. Dennoch lassen sich auch immer wieder Parallelen zwischen den einzelnen Völkern in verschiedenen Teilen des Kontinents entdecken. Darin liegt das Reizvolle der Studie für Missionare, die in anderen Teilen Afrikas arbeiten. Im Vergleich mit der eigenen Situation können soziale, legendär-mythische und religiöse Fakten besser verstanden und eingeordnet werden. Der umfangreiche zweite Teil behandelt in vier Kapiteln die Religion der Bakossi. Dabei kann auch jedes Kapitel zunächst für sich gelesen werden. Unter dem Titel „die Lebenden, die Toten und Gott“ (in dieser Reihenfolge!) geht es um Tod und Beerdigung, das Dorfahnenfest ndie, Familienheiligtümer und schließlich den nahen und fernen Gott. Diese Reihenfolge der Betrachtung macht den Ansatz von Balz deutlich: „Glaubensüberzeugungen und Glaubensbekenntnisse sollten nie isoliert betrachtet werden, ohne im Blick zu haben, worauf die Menschen, ausgedrückt durch Verehrung (worship) und Gebet, wirklich vertrauen“ (II 664). Balz geht in seiner Forschung also von der religiösen Praxis aus, um von da aus zu fragen, was im Zentrum der Religion steht und wie dann die Botschaft des Evangeliums ihre Relevanz erweisen kann. Jedes der vier Kapitel ist nach dem gleichen Grundschema aufgebaut. Nach der einleitenden Darstellung des Problems wird die Forschungsgeschichte vorgestellt, beginnend mit Vertretern des Volkes der Bakossi. Ihnen weist Balz so einen Ehrenplatz zu, oder anders gesagt, er nimmt die afrikanischen Kollegen als Religionswissenschaftler und theologische Partner ernst. Bei den Quellen handelt es sich vor allem um Dissertationen und Abschlußarbeiten der Theologiestudenten am Seminar. Erst dann folgen die Forschungsergebnisse und Berichte der früheren Missionare, die in diesem Gebiet gearbeitet haben, allen voran J. Ittmann. Ihre Schriften liegen meist nur in deutsch vor und werden den Kamerunern in einer englischen Zusammenfassung zugänglich gemacht. In einem dritten Teil folgen die eigenen Forschungsergebnisse von Balz und schließlich eine zusammenfassende Auswertung. Ein zentrales Kapitel ist das über das Dorfahnenfest ndie. Balz hat als Beobachter an mehreren Festen teilgenommen und die dort gesprochenen Gebete erstmals auf Band aufgenommen, übersetzt und ausführlich analysiert. Eine wichtige Frage lautete: Welche Rolle spielt hier Gott, und welche Bedeutung haben die Ahnen? Sein Ergebnis ist eindeutig: „Nicht Gott, sondern die verstorbenen Menschen, die Dorfahnen … sind das Herzstück und das Zentrum der traditionellen ndie-Gebete. Mehr noch, sie sind das Zentrum der traditionellen Bakossi-Religion insgesamt, wie sie in diesem öffentlichen Gebet lebendig ist, also dem Ausgangspunkt, von dem aus alle anderen Elemente dieser Religion betrachtet und eingeordnet werden müssen“ (II 380). Die Religion ist also nicht theistisch, sondern Ahnen-zentriert (II 381). Gott spielt nur eine periphere Rolle, er scheint mehr und mehr in Vergessenheit geraten zu sein, obwohl er immer noch bekannt ist. Die Ahnenverehrung steht also in Konkurrenz zum Ersten Gebot. Die entscheidende Frage ist nun, wie Gott zum Zentrum der Religion werden kann, wie es von der (Aner-)Kenntnis Gottes zur Anbetung Gottes kommen kann. Um diese Frage geht es letztlich im vierten Kapitel. Die missionarische Aufgabe ist es, die traditionelle Gotteserkenntnis durch die christliche Botschaft zu verändern, zu christianisieren. Die Offenbarung Gottes in Jesus Christus ist also nicht etwas, was nur zum traditionellen Gottesbild hinzukommt, sondern etwas, das einen neuen Zugang zu dem Gott gewährt, der bereits bekannt war. In diesem Teil ist Balz nun nicht mehr nur Religionswissenschaftler, sondern zugleich Missionar und Missiontheologe. Seine Ausführungen können für viele, die mit diesen Fragen in Afrika und anderswo zu tun haben, eine wichtige Hilfe sein. Balz hat sein Werk bewußt in englisch geschrieben, damit es vor allem auch seine Kameruner Kollegen lesen können. Damit hat er aber darüber hinaus den afrikanischen Kirchen insgesamt einen wichtigen Dienst erwiesen. Denn hier werden auch für andere Teile Afrikas wichtige Anregungen zur Auseinandersetzung mit den traditionellen Religionen und zur Entwicklung einer eigenständigen Theologie gegeben. Deshalb sollte dieses Werk in allen englischsprachigen theologischen Seminaren Afrikas in der Bibliothek vorhanden sein. In gewisser Weise als Begleitbuch zum theologischen Werk lesen sich die „erzählenden und theologischen Briefe“. Zehn Jahresrundbriefe von 1974-1983, ergänzt durch Beobachtungen bei einem weiteren Aufenthalt in Kamerun 1995, werden hier zusammengetragen. Sie sind in gewisser Weise Werkstattberichte, lassen den Hintergrund, von dem aus die Forschung getan wurde, erkennen. Höhepunkt ist sicherlich der Bericht über die Teilnahme am Dorfahnenfset. Wichtig ist hier, zu sehen, daß dies theologisch sehr wohl reflektiert war, daß Balz schließlich auf dem Fest eine christliche Predigt halten konnte (dokumentiert in ‘Where the Faith has to Live II’ 377f) und so in einen wirklichen Dialog mit den Vertretern der alten Religion kommen konnte. Sicherlich kann man die Frage, ob ein Missionar als Forscher an einen traditionellen religiösen Fest teilnehmen kann und soll, sehr kontrovers diskutieren. Aber Balz zeigt, daß sich dadurch nicht nur Möglichkeiten für ein besseres Verstehen der alten Religion ergeben, sondern auch für die missionarische Verkündigung. Insgesamt sind diese Briefe von Balz eine interessante Informationsquelle über Kamerun und zugleich eine unterhaltsame missionstheologische Lektüre, erzählend und theologisch. Sie lassen uns den Missionar Balz als Forscher näherkommen. Dr. Johannes Triebel, em 2000-1. |
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Bammann,
Heinrich (Hg.). Lutherische
Mission in Südafrika. Dankesgabe
für Ernst-August Lüdemann.
Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen: Hermannsburg,
1990. Diese kleine Festschrift ist eine Dankesgabe für den aus der Mission in Südafrika ins Leitungsamt des ELM Niedersachsen berufenen Ernst-August Lüdemann. Wie alle Festschriften ist es eine bunte Mischung verschiedener Beiträge, die in diesem Fall aber alle dadurch verbunden sind, daß sie von Mitarbeitern derselben Mission und der von ihr gegründeten Kirche geschrieben sind. Der Herausgeber steuert einen Artikel über den ersten einheimischen Missionar unter den Bakwena ba Mogopa bei (interessant für die Diskussion um die „transkulturellen Drittweltmissionare“), Heinrich Voges reflektiert Amt und Auftrag des Missionars (unter Berufung auf Luther, interessant für Freikirchler als kritische Anfrage). Mehrere Artikel nehmen speziell auf lutherische Theologie Bezug, und alle Artikel ermöglichen einen Einblick in die Arbeit einer heutigen lutherischen Mission. Drei Artikel sind von schwarzen Südafrikanern geschrieben (Andreas Khose reflektiert seine Zeit in Deutschland). Klaus Fiedler, em 1993-1. |
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Bammann, Heinrich. Inkulturation des Evangeliums unter den
Batswana in Transvaal/Südafrika. Am Beispiel der Arbeit von Vätern und Söhnen
der Hermannsburger Mission von 1857 – 1940. edition afem: mission
academics 17. Nürnberg: VTR, 2004. Das vorliegende Buch ist die Veröffentlichung der Promotionsarbeit des Autors, die im Jahr 2002 von der Universität von Südafrika (Department of Missiology) angenommen wurde. Sie gewährt einen aufschlussreichen Einblick in die Anfänge und Motivation der Hermannsburger Mission in Südafrika, die immerhin eine der ersten deutschen Missionsinitiativen in Afrika war. In den zentralen drei Hauptkapiteln (218 S.) werden Hunderte von Berichten und Briefen von sechs Missionaren ausführlich verwertet und thematisch dem geschichtlichen und sozio-kulturellen Kontext ihres Wirkungsfeldes und den relevanten Bereichen möglicher „Anknüpfung“ der Inkulturation zugeordnet. Es handelt sich um drei Väter (Jensen, Behrens und Penzhorn) und um ihre im Missionsgebiet aufgewachsenen drei Söhne, die in das Transvaal Gebiet gesandt wurden und dort je unter drei Volksgruppen (Bafurutshe, Bagopa, Bafokeng) des Batswana Stammes von 1857-1940 wirkten. Bammann konzentriert sich bei seiner Analyse auf die Phänomene der Übergangsriten (Geburt, Beschneidung, Heirat, Tod), der Polygamie, Zauberei, Brautpreis-Sitte, Heilmethoden und des politischen Patriarchats (Häuptlingskultur) im Leben der Afrikaner. Im Blick auf die Missionare erstaunt ihre Ignoranz einer biblischen Perspektive von Gebetsheilung und die Selbstverständlichkeit, mit der sie Homöopathie als ihre missionarische Alternative anboten und Ernst Penzhorn sogar bei Krankheit seiner Kinder, wo europäische Medizin versagte, einen traditionellen Medizinmann aufsuchte (S.286). Einleitend befasst sich der Autor mit einer Begriffsbestimmung und missionstheologischen Einordnung von ‚Inkulturation’, wobei die Unterschiede zur Enkulturation, Akkulturation und besonders ‚Interkulturation’ diskutiert werden. Im Schlusskapitel wird die Arbeit der Missionare missionstheologisch ausgewertet. Dabei wird nicht an herber Kritik der kontextuellen Defizite im Wirken dieser Missionare gespart. Es sind die klassischen Fehler aller erwecklichen Missionen des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihrer mangelnden Differenzierung zwischen eigener frommer, konfessioneller Kultur und dem Evangelium und zum anderen mit eben der zu kurz gekommenen Inkulturation des Evangeliums in die Tiefen der religiösen Lebenswelt des afrikanischen Stammes hinein, mit dem die Missionare eng und aufopferungsvoll zusammenlebten. Bammann hat selbst in diesem Gebiet 25 Jahre lang in
Südafrika als Gemeindebetreuer der Das Bestechende an Bammans Buch ist, dass die Missionsarbeit von zwei aufeinander folgenden Generationen dargestellt wird, die zudem kontinuierlich eine einzige Volksgruppe eines einzigen Stammes an einem einzigen Ort mehr als 80 Jahre lang begleiteten. Die Unterschiede zwischen beiden Generationen werden präzise herausgearbeitet und es zeigt sich, dass die Generation der Söhne ihre Akkulturationsvorteile zur Inkulturation nutzten. Der flüssige Erzählstil und die anschaulichen Beispiele von Erlebnissen der Missionare lassen die damalige Zeit für den Leser lebendig und spannend werden. Diese Fallstudie einer zwar paternalistischen, aber vom Rettungseifer erfassten Mission der „ersten Stunde“, die trotz aller Fehler doch viele Menschen mit dem Evangelium erreichte und so die Entstehung afrikanischer einheimischer Kirchen bewirkte, ist ein Gewinn (nicht nur) für missionsgeschichtlich Interessierte. Dr. |
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Bär, Hans. Heilsgeschichtlicher Bibelunterricht.
McIlwains Programm ‘Building on Firm Foundations’ im Einsatz unter den Karen
im Bezirk Omkoi (Nordthailand). edition afem - mission academics Bd. 3. Verlag für Kultur und
Wissenschaft: Bonn: 1998. Hans Bär war von 1982-1995 mit der ÜMG in Nordthailand, wo er unter dem Volk der Sgaw Karen arbeitete. Hier lernte er das Programm des Heilsgeschichtlichen Bibelunterrichtes von Trevor McIlwain, ‘Building on Firm Foundations’ kennen und wandte es in seiner Missionstätigkeit an. Im vorliegenden Buch stellt er dieses Programm McIlwains vor. Dabei ist der Untertitel etwas irreführend, da sich von den 150 nur 12 Seiten mit dem Einsatz dieses Programmes unter den Karen beschäftigen. Im Wesentlichen stellt Bär das Programm von McIlwain dar und bewertet es. Dieser Darstellung ist eine weite Verbreitung zu wünschen, denn McIlwains Programm ist eine Form des Bibelunterrichtes, die nicht nur in der Außenmission, sondern auch in Deutschland Bedeutung gewinnen sollte. Je weniger biblisches Grundwissen in einer Gesellschaft vorhanden ist, umso wichtiger wird es, dieses Grundwissen zu vermitteln. McIlwain hat dazu ein Programm entwickelt, das die Vermittlung biblischen Grundwissens zum Inhalt der Missionstätigkeit und der darauffolgenden Gemeindeaufbauarbeit macht. Dem Programm von McIlwain liegt die Erkenntnis zugrunde, daß die Bibel zum großen Teil aus Geschichte besteht. In und durch diese Geschichte wird Gottes Heilshandeln mit der Menschheit deutlich. Darum ist die beste Methode des Bibelunterrichtes, diese Geschichte Gottes mit der Menschheit (Heilsgeschichte) nachzuerzählen. Dies geschieht nach McIlwain in drei Schritten. Zunächst wird die biblische Geschichte (vor allem das AT) nacherzählt (S.24ff), ohne schon im AT von Jesus zu sprechen (S.103). Erst wenn das NT in den Blick kommt, wird von Jesus berichtet. Das Ziel dieses Bibelunterrichtes ist es, die Menschen vor eine Entscheidung für oder gegen Jesus zu stellen. In einem zweiten Schritt werden die neuen Gläubigen gesondert unterrichtet. McIlwain legt sehr viel Wert darauf, Ungläubige und Gläubige nicht gemeinsam zu unterrichten (S.30f). Den Gläubigen wird dann erneut die biblische Geschichte von der Schöpfung bis zum neuen Himmel und der neuen Erde präsentiert, wobei diesmal schon im AT von Jesus die Rede ist (S.30ff). Durch diesen Unterricht sollen die Gläubigen im Glauben weitergeführt werden. In einem dritten Schritt sollen schließlich die im Glauben gewachsenen Christen ein drittes Mal in der biblischen Heilsgeschichte unterrichtet werden. Diese dritte Phase ist zur Zeit noch im Aufbau (S. 38f). Bär bewertet das Modell McIlwains zurecht sehr positiv. Kritisch bemängelt er lediglich die teilweise sehr strikten dispensationalistischen Ansichten McIlwains (S.83ff) sowie die grundsätzliche Ablehnung, in der Evangelisation auf die Bedürfnisse und Fragen der Menschen in den verschiedenen Kulturen einzugehen (S. 103f). Bärs Darstellung selbst liest sich teilweise etwas
stockend, was u.a. den häufigen Zitaten zuzuschreiben ist. Auch die inhaltliche
Gliederung könnte zielgerichteter sein. Nicht immer Dr. Hans-Georg Wünch, em 1999-4. |
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Barrett, David; George T.
Kurian; Todd M. Johnson. World Christian Encyclopedia: A Comparative Survey
of Churches and Religions in the Modern World. 2 Bände. Oxford
University Press: New York, Oxford usw., 2001. 1968 schlossen sich Kirchen- und Missionsstatistiker unter Leitung des evangelikalen Missionsmannes David Barrett zu einem Mammutprojekt zusammen, dass 1981 zur ersten Ausgabe der WCE führte, die einer der renommiertesten Wissenschaftsverlage der Welt verlegte. Der Band gewann mit seiner Erfassung aller Denominationen der Welt schnell weit über den christlichen Bereich hinaus Bedeutung, da er zugleich zum Mercedes der Religionsstatistik avancierte, bot er doch für viele Länder einmalige Daten an. Die lang ersehnte zweite Ausgabe auf dem Stand des Jahrs 2000 läßt die erste Ausgabe weit hinter sich, denn viel hat sich in den letzten 20 Jahren getan. Die evangelikale Missionswissenschaft hat jedes Schattendasein abgeschüttelt und längst ist die Missionsstatistik als Motor für Planen, Motivieren und Beten anerkannt. Die vorliegenden Bände bieten eine erdrückende Fülle von Daten zu allen möglichen und unmöglichen Fragen rund um die christlichen Kirchen und die Religionen der Welt. Was wollen sie wissen: Wieviel Geld jährlich in Honduras an christlichen Geldern schätzungsweise veruntreut wird? Wieviel vollzeitliche kirchliche Mitarbeiter auf Hawai arbeiten? Wieviel Geld jährlich für christliche Medien in Deutschland ausgegeben wird? Wieviel mehr ein schweizer Christ für die Mission gibt als ein deutscher Christ? Ob der Islam in Indonesien vor allem durch Bekehrungen oder durch biologischen Zuwachs zunimmt? Wieviele charismatische und pfingstkirchliche Denominationen und Splittergruppen in Kanada beheimatet sind? Wieviele Märtyer es im Laufe der Geschichte schätzunsgweise gegeben hat? Wieviele Evangelikale in Köln wohnen? Oder wann die methodistische Kirche in Paraguay gegründet wurde? Neben den umfangreichen Registern, Begriffserklärungen, Abkürzungs- und Literaturverzeichnissen, dem Adressverzeichnis und einem Atlas finden sich folgende großen Blöcke in den beiden Bänden: * Übersichtstabellen zur weltweiten Situation (24 S. in Bd. 1) * Darstellung der Länder der Erde (neben den Statistiken jeweils mit Texten zur Lage der Menschenrechte, der Religionsfreiheit und des Verhältnisses von Religion und Staat, sowie der Geschichte und Stand der Religionen und der Christenheit) (800 S. in Bd. 1) * Zahlen zu den 270 größten Religionen (12 S.) * Zahlen zu 12.600 Völkern und Volksgruppen, inkl. des Status der Evangelisation (230 S.) * Daten zu 13.500 Sprachen und Dialekten der Welt einschließlich des Status der Bibelübersetzung (290 S.) * Daten zu 7.000 Großstädten (85 S.) * Daten zu 3.030 Provinzen der 238 Länder der Welt (30 S.) Wie zuverlässig sind die Daten? Trotz der umfangreichen Mitarbeiterliste und der vielen Literaturlisten (etwa pro Land) ist es natürlich unmöglich, jeweils anzugeben, wie jede Zahl errechnet wurde. Die Ausführungen zur Frage, wie die Daten erhoben wurden, sind recht dünn und David Barrett ist dafür bekannt, seine Daten ungern mit anderen auszutauschen und zu diskutieren, ganz im Gegensatz etwa zum Autorenteam bei ‘Operation World’ um Patrick Johnstone. Die gigantische Organisation zum Datensammeln, die Barett aufgebaut hat, erfaßt sicher fast jede Kirchen- und Religionsstatistik, die irgendwo erstellt wird und dort, wo keine anderen Daten vorliegen, wird man ihm wohl folgen müssen. Dennoch dürfte der Anspruch des Vorwortes, mit den Bänden ausschließlich Fakten und keine Interpretation zu liefern, kaum zu halten sein. Denn wie will man etwa die Zahl der „Great Commission Christians“, also die Zahl derer, die den Missionsbefehl persönlich ernst nehmen, erheben, ohne zu interpretieren, wo doch kaum ein Pastor diese Zahl für seine Gemeinde angeben könnte. Missionsstatistik ist seit William Carey 1792 mit einem missions- und religionsstatistischen Buch die moderne Phase der evangelischen Weltmission ausgelöst hat, unverzichtbar, aber sie sollte sich nicht überhöhen und sich einen Wahrheitsgrad zumessen, den es in einer sich ständig ändernden und nicht zu überschauenden Welt einfach nicht gibt. Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1. |
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Bauckham,
Richard. Bible
and Mission: Christian Witness in a Postmodern World. Carlisle: Paternoster, Grand Rapids: Baker,
2003. Das vorliegende Bändchen des britischen Neutestamentlers
Richard Bauckham (University of St. Andrews, Schottland) geht auf zwei Vorlesungsreihen
zurück. Der Stil der Vorlesungen wurde weitgehend beibehalten, jedoch durch
Fußnoten ergänzt. In „A Hermeneutic for the Kingdom of God“ beschreibt B.
zunächst unter den Stichworten „zwischen McWelt und Jihad“ die Situation der
Welt nach dem 11. September 2001. Die sich universalisierende Kultur, die
gegenwärtig alle Partikularität und Verschiedenheit zu unterdrücken
trachtet, ist der globale Kapitalismus, in dem B. eine sechste große universale
Ordnung sieht (nach dem antiken Griechenland und Rom, dem mittelalterlichen
Christentum, dem Islam und der von der Aufklärung bestimmten Zivilisation
der westlichen Moderne). Diese
universalen Kulturen sind geprägt von einer eigenen Meta-Erzählung (narrative)
und ihrem Drang nach Globalisierung mit der einhergehenden Unterdrückung
anderer Kulturen („… with the ever-increasing threat to local cultures
throughout the non-western world by the so-called Coco-colonization of the
world, the relentless universalization of commercialized American culture“,
7). Im Gegensatz zu diesem Trend gewährt und fördert das Christentum
historisch und gegenwärtig kulturelle Hete-rogenität. Die Frage nach dem
Verhältnis zwischen dem Partikularen und dem Universalen ist eine Leitfrage
des Autors. Nach dieser hilfreichen Analyse geht es um eine Hermeneutik für
das Reich Gottes. B. will die missionarische Ausrichtung der Bibel ernst
nehmen und ihre Bewegung vom Partikularen zum Universalen nachzeichnen: „This
is a universalist direction that takes the particular with the utmost seriousness.
Christian communities or
individuals are always setting off from the particular as both the Bible and
our own situation defines it and following the biblical direction towards
the universal that is to be found not apart but from within other particulars.
This is mission“ (11). Diese Bewegung hat in der Bibel eine zeitliche („mission
is a movement into the new future of God), eine räumliche („mission is a
movement towards ever-new horizons“) und soziale Dimension („mission is a
movement that is always being joined by others, the movement, therefore, of
an ever-new people“, 13-15). Durch viele Beispiele zeigt B. überzeugend: „The
realistic narratives of Scripture portray only the ever-recurrent setting
out from the particular towards the universal in a movement which can move
in a universal direction only by way of other particulars, since the goal is
not an abstract universal but the ingathering of all particulars into the one
kingdom of the one God“ (16). Kapitel zwei zeichnet diese Bewegung „Von dem Einen zu den Vielen“ im AT nach (27-54): von Abraham zu allen Geschlechtern der Erde, von Israel zu allen Völkern, von dem in Zion herrschenden König zu den Enden der Erde und zu allen über den Weg des Geringsten (die Erniedrigung Christi und die Torheit des Kreuzes): „… God’s purpose begins with a singular choice: God singles out first Abraham, then Israel, then David. The three movements that begin with these three choices by God each has its own distinctive theme, one aspect of God’s purpose for the world. … The trajectory that moves from Abraham to all the families of the earth is the trajectory of blessing. The trajectory that moves from Israel to all the nations is the trajectory of God’s revelation of himself to the world. The trajectory that moves from God’s enthronement of David in Zion to the ends of the earth is the trajectory of rule, of God’s Kingdom coming in all creation“ (27). Kapitel drei untersucht den geographischen Horizont der Bibel („Geography - Sacred and Symbolic“, 55-81). B. fragt nach dem Bewusstsein der Bibel für die Völkerwelt und nach ihren geographischen Horizonten (Völkertafeltradition, Völkerorakel der Propheten, die Enden der Erde in atl. Sicht in verschiedenen Himmelsrichtungen) sowie nach dem Verhältnis von Jerusalem als Zentrum und dem Horizont der Völkerwelt. Abschließend geht es um die Bedeutung der Sendung Israels zu den und für die Völker schon im AT und um das bleibende „Diaspora-Wesen“ des Volkes Gottes. Das abschließende Kapitel beschreibt das christliche Zeugnis für die Wahrheit in einer postmodernen und globalisierten Welt. Dazu zählen die biblische Meta-Erzählung und die postmoderne Kritik und ihr Wesen als eine nicht-moderne Meta-Erzählung ganz anderen Charakters. Ferner geht es um diese biblische Geschichte und die ökonomische Globalisierung, in der B. einen neuen Imperialismus sieht und sie einer vernichtenden Kritik unterzieht. Die Folgen der biblischen Geschichte für die Bezeugung der Wahrheit werden deutlich (die ganz andere Qualität der Herrschaft Gottes). B. beleuchtet das christliche Zeugnis angesichts sich globalisierender Mächte (so schon urchristlich gegenüber den Ansprüchen des römischen Reichs) sowie die biblische Geschichte und ihre Betonung kultureller Verschiedenheit. Prof. Bauckham hat für Bibelwissenschaftler, Missiologen, Missionare und alle an Mission Interessierten ein enorm inspirierendes Büchlein vorgelegt, das hilft, die Mission der Kirche zu verstehen und als integralen Bestandteil von Gottes Geschichte mit dieser Welt zu sehen, nämlich als Teil der biblische Meta-Erzählung des Reiches Gottes. Trotz seines geringen Umfangs enthält dieses klar und verständlich geschriebene Buch viele wichtige und herausfordernde Gedankenanstöße für unser Verständnis der Bibel, der gegenwärtigen globalen Entwicklungen und – daraus abgeleitet – unserer missionarischen Aufgabe. Prof.Dr. Christoph Stenschke, em 2005-4. |
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Baumann, Andreas. Der Islam – Gottes Ruf zur Umkehr? Eine
vernachlässigte Deutung aus christlicher Sicht. Basel: Brunnen Verlag
2003. Andreas Baumann greift ein Thema auf, das in der neueren theologischen Diskussion um den Islam bisher am Rande stand. Diese bewegt sich weitgehend im Spannungsfeld zwischen Dialog und Harmonisierung einerseits sowie Apologetik und missionarischem Handeln andererseits. Andreas Baumann aber stellt die alte Frage nach dem Platz des Islam im Weltregiment Gottes und nach dem, was Gott der Christenheit mit dem Islam sagen möchte. Gewiss sieht der Verfasser die vielfachen Herausforderungen des Islam an die christliche Kirche und ihren Glauben, stellt aber fest, dass gegenwärtig neben Abgrenzung, Mission und Dialog die christliche Selbstkritik und der Ruf zur inneren Umkehr weitgehend fehlen. A. Baumann geht der biblischen Sicht vom Gericht Gottes nach und befragt die Kirchen- und Theologiegeschichte nach Beispielen für eine Deutung des Islam als Gerichtshandeln und Bußruf Gottes. Das bekannteste Beispiel ist sicher Martin Luthers Ruf an die Deutschen zur inneren Umkehr angesichts der Türkengefahr (der Islam als „Zuchtrute“ Gottes). In weiteren Kapiteln zeigt A. Baumann auf, wie und warum die christliche Kirche von der Zeit Muhammads an bis heute im Blick auf den Islam versagt hat und welche Verheißung darauf liegt, dass Christen angesichts dieses Versagens zum biblischen Evangelium umkehren. Ein Anhang mit kurzen Überblicken über die Kernländer des Islam, über die wichtigsten orientalischen Kirchen und die Hauptgründe für das Entstehen des Islam sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Register der Anmerkungen runden das Buch ab und regen zum weiteren Arbeiten an. Es ist A. Baumann zu danken, dass er dieses lange vernachlässigte Thema aufgegriffen und neu zum Bewusstsein gebracht hat. Sein Buch hat theologische Tiefe und ist doch leicht lesbar. Es sei allen, die sich über das Phänomen Islam und die Welt der Muslime mehr Klarheit verschaffen wollen, sehr zur Lektüre empfohlen. Eberhard Troeger, em 2004-4. |
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Baumann, Andreas. Der Orient für Christus: Johannes Lepsius
- Biographie und Missiologie. TVG Brunnen: Gießen 2007. Dr. Johannes Lepsius (1858-1926) war eine faszinierende und vielschichtige Persönlichkeit; heute jedoch ist er meist nur noch wegen seines Einsatzes für die Armenier während der Zeit des Genozides bekannt. Der Rahmen für seine diesbezügliche Tätigkeit war Lepsius‘ umfassenderes Missionsengagement als Gründer und Direktor der Deutschen Orient-Mission und der Dr. Lepsius Deutschen Orient-Mission und seine Aktivitäten als profilierter theologischer Autor und als Herausgeber von Missionszeitschriften. Für den deutschsprachigen Bereich darf er als einer der Pioniere der christlichen Mission unter Muslimen gelten. Seine sehr vielgestaltigen Aktivitäten können nur recht verstanden und eingeordnet werden mithilfe eines tiefgehenden Verständnisses seiner Theologie und Missiolo-gie, die die Grundlage und Motivation für seine ganze Arbeit darstellen. Sie sind der „innere Schlüssel“, um Lepsius recht zu verstehen. Ein missiologisches Forschungsprojekt über Johannes Lepsius muss sich mit vielen Hindernissen auseinandersetzen: Es muss ein enormer Umfang von Archivmaterialien bewältigt werden, zu denen gerade erst – parallel zu dieser Forschungsarbeit – ein ausführliches KatalogVerzeichnis erarbeitet wurde. Zudem gibt es die von Lepsius gegründeten Missionsgesellschaften seit rund einem halben Jahrhundert schon nicht mehr. Da Lepsius ein recht eigenständiger Denker war, der in kein theologisches und missiologisches Lager so recht hineinpasste, hat er auch keine direkten Nachfolger gehabt, die sein Erbe weitergeführt hätten. Außerdem hat Lep-sius sein Missionsdenken in keinem zusammenhängenden Werk veröffentlicht. Vielmehr muss es aus seinen theologischen Werken und aus der Vielzahl seiner Artikel in Missionszeitschriften herausgearbeitet werden. Jedoch ist Johannes Lepsius von solch herausragender Bedeutung, dass sein Werk und sein Denken eine sorgfältige Untersuchung und systematische Interpretation verdient. Andreas Baumann hat in seiner nun in Buchform erschienenen Doktorarbeit diese Aufgabe gekonnt übernommen. Er erarbeitet darin erstmalig einen zusammenhängenden und vollständigen Überblick über Johannes Lepsius‘ Missiologie, die er somit auch für Fragestellungen der Gegenwart fruchtbar macht. Als notwendiges Nebenprodukt hat er die bisher umfangreichste Biographie über Johannes Lepsius geschrieben (113 S.); denn Lepsius und seine Schriften können nur in ihrem Kontext recht verstanden werden. Baumann wendet deshalb gekonnt einen literarhistorischen Ansatz auf die Quellen an, der es ihm ermöglicht sie in ihren Kontext eingebettet zu deuten und so auch Entwicklungen im Denken von Johannes Lepsius im Laufe seines Lebens aufzuspüren. Es ist sinnvoll, dass die Untersuchung sich auf die Missiologie von Lepsius beschränkt, da keiner der vielen anderen Aspekte seines Lebenswerkes bisher in der Tiefe erforscht wurde – mit Ausnahme seines Einsatzes für die Armenier. Diese äußerst umfangreiche Aufgabe bleibt anderen Studien vorbehalten. Baumann tut auch gut daran, dass er seine Studie nur auf die veröffentlichten Quellen von Lepsius beschränkt und nicht auf die unzähligen unveröffentlichten Manuskripte, Notizen und Briefe ausdehnt. Auch sieht die Arbeit zu recht ab von dem Versuch einer erschöpfenden Analyse der vielfältigen Ursprünge, Wechselwirkungen und der Wirkungsgeschichte von Lepsius‘ Theologe und Missiologie, was Aufgabe einer weiteren Forschungsarbeit von gleicher Größenordnung wäre. Die Primärliteratur und die relevante Sekundärliteratur wurden – soweit feststellbar – vollständig ausgewertet, wobei die Bibliographie des Buches einen beeindruckenden Umfang von 54 Seiten aufweist. Die einzelnen Kapitel des Buches beschäftigen sich mit Lepsius' Biographie, seiner Theologie (115 S.), seiner Missionsarbeit unter Muslimen (110 S.) und wichtigen missiologischen Einzelfragen (101 S). All dies wird eingerahmt von einer Einleitung und einem Schlussteil (50 S.), der Johannes Lepsius‘ „Missiologisches Erbe“ herausarbeitet. Der entscheidende Forschungsbeitrag von Baumann ist dabei die Rekonstruktion der Missiologie von Johannes Lepsius, die er zunächst ausführlich untersucht und danach in 18 Thesen prägnant zusammenfasst. Dabei wird überzeugend die Eigenständigkeit von Lepsius herausgearbeitet und es wird deutlich, dass kein heutiges „missionstheologisches Lager“ ihn – etwa im Gegensatz zu anderen – gänzlich für sich beanspruchen kann. So finden sich beispielsweise sowohl wichtige Gemeinsamkeiten mit der gegenwärtigen deutschsprachigen evan-gelikalen Missionstheologie als auch markante Unterschiede. Sorgfältig werden im Schlussteil des Buches noch beispielhaft einige der wichtigsten Aspekte der Missiologie von Johannes Lepsius in Beziehung gesetzt zur Fragestellung nach dem Verhältnis von Mission und gesellschaftlicher Verantwortung, wobei der Autor hierbei sein eigenes missiologisches Profil erkennen lässt. Es wird dabei deutlich, dass eine Beschäftigung mit Johannes Lepsius‘ Missiologie auch durchaus fruchtbar sein könnte für die heutige missio-logische Diskussion, wie etwa für den ökumenisch-evangelikalen Dialog über das rechte Missionsverständnis. Dr. Christof Sauer, em 2008-3. |
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Baumann, Andreas. Die Apostelstraße. Eine
außergewöhnliche Vision und ihre Verwirklichung. Brunnen Verlag: Giessen, 1999. Andreas Baumann, Absolvent des Theologischen Seminars St. Chrischona und Prediger in Rheinfelden, hat sein missiologisches Studium in Korntal mit einer Forschungsarbeit über die berühmte „Apostelstraße“ abgeschlossen. Die vom Gründer der Pilgermission St. Chrischona, Christian Fr. Spittler (1782-1867), angeregte Straße sollte über eine Kette von 12 Missionsstationen von Jerusalem durch das Niltal in das Hochland von Äthiopien führen. Zwischen 1860 und 1875 wurden 5 Orte in Ägypten und im Sudan mit Handwerkermissionaren der Pilgermission besetzt. Schließlich scheiterte jedoch das Projekt u. a. an politischen und finanziellen Ursachen. Die Apostelstraße wird immer wieder in der Missionsliteratur erwähnt und hat – bis heute – die Gründung von missionarischen Vorposten und Gemeinden an strategisch wichtigen Routen angeregt. Es fehlte bisher aber eine gründliche Erforschung der Quellen, des historischen Umfeldes und der Wirkungsgeschichte der Apostelstraße. Deshalb konnte die „Apostelstraße“ als romantische Idee Spittlers ein wenig belächelt werden. Das hat sich durch die Arbeit von Andreas Baumann geändert. Es ist ihm zu danken, daß er das reichlich vorhandene Archivmaterial sowie die Sekundärliteratur umfassend gesichtet und ausgewertet hat. Dadurch ist es nun möglich, die Apostelstraße mit konkreten Menschen, ihren Erwartungen, Mühen und Enttäuschungen zu verbinden. Dadurch wird auch das geistliche und missionarische Denken aller an der Apostelstraße Beteiligten besser sichtbar. Über „Tränensaat“ und „Freudenernte“ muß in der Missionsarbeit immer wieder nachgedacht werden – gerade in unserer, sehr an der aufweisbaren Leistung orientierten Zeit. Insofern ist A. Baumanns Arbeit nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Missionsgeschichte des 19. Jahrhunderts, sondern auch die Beschreibung eines geistlich-missionarischen Vermächtnisses, dem viele Leser und Nachahmer zu wünschen sind. Eberhard Troeger, em 1999-4. |
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Beck, Hartmut (Hg.): Wege in die Welt. Reiseberichte aus 250 Jahren Brüdermission. VELM:
Erlangen, 1992. Dieses Buch stellt eine Ergänzung zu Hartmut Becks Geschichte der Brüdermission mit dem Titel „Brüder in vielen Völkern“ dar. Rund 20 Texte geben bis zum Jahr 1916 Einblick in etwa 200 der 250 Jahre Mission der Herrnhuter Brüdergemeine. Allerdings wird hier nicht die Missionsarbeit selbst dargestellt, sondern die Reisen der Missionare in die Polarregion, die Karibik, nach Zentralasien, Indien und Grönland und die damit verbundenen erheblichen Schwierigkeiten. Schwere Unwetter, Schiffbruch, Krankheit, Verwicklung in Kriege und Gefangenschaft, feindselige Schiffsmannschaften, Geldmangel und Hunger, Ausgeliefertsein aufgrund ihrer Rechts- und Schutzlosigkeit und vor allem Einsamkeit angesichts der gewaltigen Aufgabe der Pioniermission kennzeichneten die oft monatelangen Reisen an die entlegenen Bestimmungsorte der ausgesandten Männer und Frauen. Daß alle Texte aus Tagebüchern und eigenhändigen Reiseberichten stammen, macht das Buch zu einem eindrücklichen Zeitzeugnis. Christine Schirrmacher, em 1995-1. |
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Beck, Hartmut. Brüder in vielen Völkern. 250 Jahre Mission der Brüdergemeine. Verlag der Evg.-Luth. Mission, Erlangen 1981. Herrnhut, das ist die Mutter der deutschen evangelischen Missionen. (Die noch ältere dänisch-hallesche Mission gibt es ja schon lange nicht mehr). Nicht nur, daß Herrnhut die älteste Mission ist, es hat auch für die Entstehung der großen Missionen (wie Basel, Berlin oder Leipzig) wichtige Vorarbeiten geleistet. Interessant ist auch die Struktur der Herrnhuter Brüdergemeine als einer „volkskirchlichen Freikirche“, bei der fast von Anfang an Weltmission wichtiges Grundelement des Auftrags der Kirche war. Das hatte zur Folge, daß heute der weitaus größte Teil der Moraven in den „Missionsgebieten“ lebt. Außerdem ist die Brüder-Unitat eine der wenigen internationalen evangelischen Kirchen. Hartmut Beck, Missionarskind (geboren in Surinam), Missionar (in Tansania) und Pfarrer einer Brüdergemeine (in Hamburg) hat zum 250jährigen Jubiläum der Herrnhuter Missionsarbeit ein bedeutendes und gut lesbares Buch veröffentlicht, das das bisherige, von Karl Müller und Adolf Schulze zum 200jährigen Jubiläum erschienene Buch ablöst. Das Buch ist auch interessant für den, der sich mit Fragen der Gemeindestruktur und ihren Veränderungen beschäftigen will. Geschickt ist auch seine Darstellung der Verflechtungen zwischen Mission, Kolonialismus, Sklaverei, Sklavenbefreiung, Handel und Predigt. Weil er die historischen Details kennt, vermeidet er Generalisierungen. Er zeigt, wie sowohl die Identifikation mit den Opfern des Kolonialismus als auch Gehorsam gegenüber der Obrigkeit (in jeweils unterschiedlicher Mischung) geistliche Realitäten waren (lesen Sie einmal auf S. 248/9 die Geschichte von der Nichteroberung Silos). Klaus Fiedler, em 1985-2 |
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Becken, Hans-Jürgen. Wo der Glaube noch jung ist: Afrikanische Unabhängige Kirchen in Süd-Afrika.
Erlangen, 1985. Das Buch ist eine wesentliche Bereicherung der immer noch spärlichen deutschen Literatur über die Afrikanischen Unabhängigen Kirchen (AUK), die immerhin mit 33 Millionen Anhängern gut 15% der afrikanischen Christenheit ausmachen. Das Bestechende an diesem Buch ist es, daß die Vertreter der AUK selbst ausführlich zu Wort kommen. Das kann nur jemand präsentieren, der wie Becken seit 1951 in Afrika tätig ist und seit 1965, also seit zwanzig Jahren, eng mit diesen Kirchen zusammenlebt. Allein als solche erzählerisch beschreibende Darstellung der AUK in Selbstzeugnissen ist es ein gelungenes Werk, das eine würdige Weiterführung und Aktualisierung der Arbeit Bengt Sundklers („Bantupropheten in Südafrika“, 1964) ist. Becken will aber mehr als nur darstellen. Er möchte die AUK als ebenbürtigen Partner im ökumenischen Gespräch vorstellen, der einen substantiellen Beitrag zur afrikanischen Theologie und zur Mission in Afrika liefern kann. Für ihn sind diese von den Missionskirchen unabhängig gewachsenen Gemeinschaften eine authentische „afrikanische Antwort auf die christliche Botschaft“ (S.11), eine „missionarische Bewegung“ (S. 274) der weltweiten Kirche Jesu Christi. Sehr überzeugend
wird das Besondere am Beitrag des AUK-Christentums herausgestellt: das ganzheitliche Heilsverständnis (in der Zusammenschau von
Seelenrettung und körperlicher Heilung),
die Bedeutung der prophetischen
Heiler als begeisternde Vorbilder
und die missionarische Wirkung der Gemeinschaft der „geheilten Heiler“,
die sich durch Fürbitte (in
Heilungsgottesdiensten) und durch Fürsorge (in Heilungsheimen) um
das Leid des Nächsten kümmert. Ausführlich wird die vielfältige Verwendung von Symbolen beschrieben (z.B. Asche, Wasser, Berge, Fahnen, Kerzen), und die Theologie des Liedgutes eines AUK wird exemplarisch herausgearbeitet. Die Schlußkapitel geraten zu einem dringenden Appell an die westlichen und afrikanischen Missionskirchen, in den Dialog mit den AUK einzutreten und sie als gleichgesinnte Missionspartner für Afrika anzusehen. Denn es wäre zu den nun über 6000 AUK in Afrika nicht gekommen, wenn es nicht die Missionskirchen gegeben hätte, von denen sich die ersten abgespalten hatten (seit 1819), deren Führer aber viel von ihren Mutterkirchen mit herübergenommen haben und die auch nur dort Kirche bauen konnten, wo ihnen die Bibel in ihrer Muttersprache zur Verfügung stand. Der theologisch Interessierte vermißt vielleicht ein gründlicheres Eingehen auf die Synkretismus-Problematik. Ekklesiologische Bedenken erheben sich bei der von Becken so euphorisch geschilderten Massenbewegung des Cancele-Kultes, den er als gelungene Weiterführung der AUK im Sinne einer das ganze Volk erfassenden Kirche versteht. Fasziniert hier nicht das Ideal der Volksnähe (,,Volkskirche“) mehr als das biblische Ziel der Christusnähe? „Wo der Glaube noch jung ist“ ‑ ein markanter Meilenstein zur Orientierung auf dem verschlungenen Pfad der Begegnung mit den unabhängigen Kirchen in Afrika. Detlef Kapteina, em 1986-4. |
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Becker, Dieter. Die Kirchen und der Pancasila-Staat:
Indonesische Christen zwischen Konsens und Konflikt. Missionswissenschaftliche Forschungen NF 1. Verlag der Ev.-Luth.
Mission: Erlangen, 1996. Auch wenn die Lage der Kirche Jesu in keinen zwei Ländern der Erde wirklich gleich ist, gibt es kaum ein Land der Erde, in dem die Kirche auf eine so einmalige Situation stößt, wie in Indonesien. Das Land ist islamisch und doch ist der Islam nicht Staatsreligion. Als m. W. einziger Staat der Erde macht Indonesien weder eine bestimmte Religion zur Staatsreligion, noch ist er religiös indifferent, sondern erhebt den Glauben an einen Gott zu einem der staatstragenden Säulen der Staatsphilosophie, der ‘Pancasila’. (Vgl. meine Beiträge „Religion ist Pflicht in Indonesien“ Idea-spektrum 56/57/1981 vom 21.10.81 und „Javanische Mystik“. Factum 10/1987: 3-6). Dieter Becker stellt in seiner Heidelberger Habilitationschrift von 1993 die Geschichte und Gegenwart der protestantischen Missionen und Kirchen in Indonesien dar, wobei der Schwerpunkt bei den älteren Kirchen liegt. Bedauerlich ist, daß Becker praktisch nur die im Nationalen Kirchenrat zusammengefaßten Kirchen berücksichtigt und die außerhalb stehenden und meist auch jüngeren Kirchen, die aus der indonesischen Erweckung entstanden sind, nur am Rande erwähnt (z. B. S. 260-261 die Einschätzung „charismatischer“ Gruppierungen). Dabei geht es Becker aber nicht um die Missionsgeschichte an sich, sondern um ihr Verhältnis zur politischen Ordnung des Landes in der Kolonialzeit, der ersten Phase der Unabhängigkeit unter Präsident Sukarno bis 1965 und der gegenwärtigen Struktur seit 1966 unter Präsident Suharto. Der Leser bekommt dabei auch einen ausgezeichneten Überblick über die politische Geschichte Indonesiens bis Mitte der 80er Jahre. Die Reaktionen der protestantischen Kirchen auf die politischen Gegebenheiten erhebt Becker minutiös aus einer Großzahl von Quellen und aus seiner vor Ort gesammelten Einsichten. Ich kenne derzeit kein Buch, das Missionaren oder Missionsgesellschaften einen besseren Einblick in die ‘Pancasila’ und in das ungewöhnliche Verhältnis von Religion und Politik in Indonesien und die Reaktionen der christlichen Kirchen darauf gibt. Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-1. |
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Bediako, Kwame. Theology and Identity. The Impact of Culture upon Christian Thought in the Second Century and in Modern Africa. Oxford: Regnum Books, 1992. Ist es möglich, als Afrikaner seine eigene Kultur, Tradition und religiöse Vergangenheit voll zu bejahen und zugleich überzeugter Christ zu sein? Lassen sich Afrikanersein und Christsein miteinander verbinden, oder gilt, wie der renomierte presbyterianische Theologe Bediako aus Ghana nachdrücklich in Kap. 6 beschreibt, auch heute noch wie vielfach bis zur Mitte dieses Jahrhunderts alles Afrikanische als heidnisch und damit als unwertvoll, unwichtig, abzulehnend? Demgegenüber betont Vf.: „Ohne Erinnerung (an das Alte) haben wir keine Vergangenheit, und ohne Vergangenheit haben wir unsere eigene Identität verloren, denn die Vergangenheit ist auch unsere Gegenwart.“ (237) Die missionarische Verkündigung trifft in Afrika weder auf eine religiöse und kulturelle tabula rasa noch bringt das Evangelium nur etwas ganz Anderes, das zur afrikanischen Tradition in keinerlei Beziehung steht, wie es noch Byang Kato (vgl. Kap. 10) in den siebziger Jahren sah. Vielmehr geht es um das rechte Verhältnis von Kontinuität und Diskontinuität von afrikanischer Tradition und christlichem Glauben. Nur in einem ausgewogenen Verhältnis von beidem, Kontinuität und Diskontinuität, kann sich eine eigene afrikanische christliche Identität entwickeln. Dieser Fragestellung widmet sich Bediako in seiner bereits im Juli 1983 in Aberdeen eingereichten Dissertaion. Die Fragestellung ist nicht neu. Bereits die Apologeten im zweiten nachchristlichen Jahrhundert hatten sich damit auseinanderzusetzen. Deshalb geht Vf. zunächst auf vier Vertreter von ihnen ein (Tatian, Tertulian, Justin und Clemens von Alexandria), um aufzuzeigen, wie sie sich zu ihrer Zeit mit der hellenistischen Religion und Philosophie auseinandergesetzt haben und im Kontext dieser kulturellen Gegebenheiten das Evangelium verständlich machen wollten. Vf. stellt die missionarische Intention der Apologeten stark heraus und behandelt ihre Theologie also bewußt unter missiologischen Gesichtspunkten. Nicht eine radikale Verurteilung des Hellenismus (so höchstens Tertulian), sondern eine bewußte kritische Auseindersetzung mit ihm und eine positive Aufnahme partieller Wahrheiten unter Wahrung biblischer Maßstäbe prägte ihre Arbeit. Ähnlich untersucht Vf. dann vier treffend ausgewählte afrikanische Theologen der Gegenwart, die sich in Bezug auf ihren Kontext der gleichen Problematik stellen, mit dem Unterschied, daß sie zugleich gegen das Vorurteil ankämpfen mußten, daß der afrikanische Hintergrund anders als der Hellenismus minderwertig, ungebildet und rückständig sei. Während der nigerianische Methodist Bolaji Idowu die „Kontinuität Gottes in der afrikanischen religiösen Erfahrung“ (293) und Offenbarung Gottes auch in der afrikanischer Religion in den Mittelpunkt stellt, geht es dem kenianischen Anglikaner John Mbiti darum, afrikanische Religiosität und Tradition als praeparatio evangelica hervorzuheben. Mulago gwa Cikala als katholischer und frankophoner Vertreter aus dem Zaire betont die Partizipation am Leben und an der Gemeinschaft als Kontinuum. Nur der evangelikale Byang Kato aus Nigeria lehnt jegliche Relevanz afrikanischer Tradition für den christlichen Glauben ab, eine Position, die auch in der evangelikalen Missiologie zum Glück als überwunden gelten kann. Wie der (hellenistische) „unbekannte Gott“ der Athener schließlich als der Eine Gott, allmächtige Vater und Schöpfer aller Dinge bestätigt wurde (429), muß es auch in Afrika zu einer „Synthese zwischen christlicher religiöser Verpflichtung (commitment) und kultureller Kontinuität“ (432) kommen, die keineswegs einen theologischen Synkretismus impliziert. Afrika lebt ebenso wie die alte Kirche schon seit langem im Kontext religiösen Pluralismus. Deshalb gibt es andere Antworten als das westliche Christentum, das sich diesem Phänomen erst langsam nähert (432ff). Bediakos Buch ist eine anregende, nach-denkenswerte, nicht immer bequeme Lektüre, die wichtige Perspektiven eröffnet. Alle, die an Theologie, Mission und Kirche in Afrika interessiert sind, sollten daran nicht vorübergehen. Dr. Johannes Triebel, em 1996-2. |
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Bergunder, Michael; Jörg Haustein (Hg.). Migration und Identität.
Pfingstlich-charismatische Migrationsgemeinden in Deutschland. Beiheft
der Zeitschrift für Mission Nr. 8, Frankfurt: Lembeck, 2006. Dieser Band enthält die Beiträge der Fachtagung „Migration und Identität. Pfingstlich-charismatische Gemeinden fremder Sprache und Herkunft in Deutschland", die in Heidelberg im Juni 2004 stattfand. Er gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil bietet mit zwei Artikeln einen Überblick zur Thematik des Buches. Claudia Währisch-Oblau stellt „Die Spezifik pentekostal-charismatischer Migrationsgemeinden in Deutschland und ihr Verhältnis zu den >etablierten< Kirchen“ (S.10-38) überzeugend und leserfreundlich geschrieben dar. Ausgehend von einem empirischen Überblick über die pentekostal-charismatischen Migrationsgemeinden im Rheinland und in Westfalen wird eine Taxono-mie erarbeitet, ihre Charakteristika dargestellt, das Verhältnis untereinander und zu den deutschen Kirchen beschrieben. Der zweite Überblicksartikel von Cornelis van der Laan über „Nicht-westliche pfingstliche Migrationskirchen in den Niederlanden“ (S.40-59) kann den Anspruch des gewählten Titels und auch den des Buches nicht einlösen. Denn van der Laan gibt einen – durchaus interessanten – Überblick über die niederländische Migrationspolitik, die Situation der Migrationsgemeinden und ihr Verhältnis zur niederländischen Gesellschaft. Aber die dem Leser angekündigte Zuspitzung auf die pfingstlich-charismatischen Kirchen fehlt vollständig. Im zweiten Teil des Buches werden Fallstudien präsentiert. Der Artikel von Afe Adogame „Dinge auf Erden um Himmels Willen tun. Aushandlungsprozesse pfingstlicher Identität und die afrikanische religiöse Diaspora in Deutschland“ (S.60-82) basiert auf der Analyse einer Kirche, die von zwei afrikanischen Einwanderern in Deutschland gegründete wurde. Auf einem hohen abstrakten Sprachniveau wird aufgezeigt, wie komplex die Identitätsfindung und die theologischen Wandlungsprozesse des Einzelnen und der untersuchten Diaspora-Kirchen sind. Die sich daran anschließende Fallstudie „>Wartendes Israel und Israel am Ziel< Leid und Wunder von Pfingstgemeinden afrikanischer Migranten in Deutschland“ (S.83-106) von Evangelos Karagiannis ist von besonderem Interesse. Er schildert die sehr unterschiedlichen sozioökonomischen Rahmenbedingungen von zwei Pfingstgemeinden in einer ostdeutschen Stadt und setzt sie in Bezug zu ihren ebenfalls sehr unterschiedlichen theologischen Schwerpunktsetzungen. Auch wenn der Rezensent das Fazit: „Was die Predigt der Pastoren vor allem reflektiert, ist die Ressourcenausstattung ihrer Kirche, deren Konsolidierungsgrad als Organisation, das Spektrum ihrer Möglichkeiten“ für überzogen hält: Die Varianz pfingstlicher Theologie wird exemplarisch deutlich. Das macht die Studie so interessant. Jörg Haustein geht der „Pfingstbewegung und Identität im Kontext äthiopischer Migranten in Deutschland“ (S.107-126) nach. Dazu informiert er in der ersten Hälfte seines Beitrages über die pfingstlich-charismatischen Bewegungen in Äthiopien, um dann die Situation, Identität und Theologie der äthiopischen pfingst-lichen Christen in Deutschland zu schildern. Werner Kahl – Studienleiter an der Missionsakademie in Hamburg – untersucht in seiner Fallstudie „Zur Bibelhermeneutik pfingstlich-charismatischer Gemeinden aus Westafrika in Deutschland“ die Art und Weise, wie in Ghana die Bibel gelesen wird. Dazu hat er in Ghana präferierte biblische Passagen quantitativ empirisch erhoben. Der besondere Wert seines Beitrages ist, dass hier einer der zentralen Punkte charismatisch-pfingstlicher Identität und Theologie angesprochen wird. Wie sich langfristig der ökumenisch-pfingstliche Dialog weiterentwickeln wird, hängt zweifelsohne auch davon ab, ob bei dieser Frage nach einer angemessenen Bibelhermeneutik gemeinsame Verständigung möglich sein wird. Der dritte Teil des Buches ist der religionswissenschaftlichen und theologischen Reflexion gewidmet. Michael Bergunder gibt einen kenntnisreichen Überblick über die „Pfingstbewegung, Globalisierung und Migration“ (S.155-170) im weltweiten Kontext. Allan Anderson, bekannt als herausragender Kenner der Pfingstbewegung der Universität Birmingham, geht leider kaum und auch nur sehr allgemein auf das Thema seines Artikels „Was europäische Christen von afrikanischen Pfingstlern lernen können“ (S.170-189) ein. Stattdessen gibt er einen fundierten Einblick in die afrikanisch-pfingstliche Kirchengeschichte und geht auf die Identität und Pluralität der Pfingstbewegung ein. Der Abschluss ist einem der großen – und wohl von allen Pfingstlern geliebten – Theologen der Pfingstbewegung vorbehalten: Walter J. Hollenweger. Ausgehend von der Frage „Was ist charismatische Theologie? Oder: Was muss sich ändern?“ (S.190-206) möchte er kritische Theologie und Spiritualität versöhnen. „Die Trennung zwischen ge-lebter Spiritualität und kritischer Theologie ist ein Verlust für die Universität. Deswegen ist die Präsenz dieser Immigrationskirchen in unseren Universitäten und in unserer Gesellschaft wichtig“. Trotz der offensichtlichen Schwierigkeit einzelner Autoren, das gestellte Thema zu fokussieren, ist der Band empfehlenswert. Denn diese Thematik wendet sich einem in der deutschen theologischen und missionswissenschaftlichen Diskussion weitgehend vernachlässigten Thema zu. Und die Gründung des interdisziplinären Arbeitskreises „Pfingstbewegung“ an dieser Tagung zeigt, dass der Prozess der Erforschung der charismatisch-pfingstlichen Bewegung weltweit und in Deutschland weitergehen wird. Dr. Andreas Kusch, em 2008-1. |
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Berneburg, Erhard. Das Verhältnis von Verkündigung
und sozialer Aktion in der evangelikalen Missionstheorie. TVG. R. Brockhaus: Wuppertal, 1997. Diese von Prof. Beyerhaus betreute Tübinger Dissertation
zeichnet minutiös und zuverlässig die Entwicklung des Titelthemas in der evangelikalen
Welt seit etwa 1960 bis 1990 nach. Dabei dienen vor allem evangelikale
Großkonferenzen, etwa die Lausanner Kongresse und Konsultationen, als
Ausgangspunkt. Der Einfluß der Eschatologie auf die Sicht der sozialen Aktion
wird zu Recht besonders berücksichtigt (z. B. S.18+35-36+157-160+301-316),
wobei die Position des Autors kaum durchschimmert. Der Autor warnt sowohl vor
einer Evangelisationstheorie, die aus - meist Thomas Schirrmacher, em 1998-3. |
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Bevans, Stephen B. Models of Contextual Theology. Maryknoll/N.Y.: Orbis 1992. Bevans schöpft aus seiner 7jährigen Erfahrung auf den Philippinen. Er ist Professor für historische und dogmatische Studien am Catholic Theological Union Seminary in Chicago/Illinois. In seinem Buch baut er seinen gleichlautenden Artikel aus Missiology: An International Review 13 (1985) aus. Modelle versteht er als vereinfachende und verdeutlichende Rekonstruktionsversuche der Wirklichkeit. Sie beschreiben die Realität „da draußen“ nicht vollständig, aber bilden sie durchaus wirklichkeitskongruent ab. Er faßt die von ihm beschriebenen Modelle als deskriptiv bzw. komplementär auf, d. h. sie sind für ihn nicht exklusiv, wie bei Hesselgrave und Rommen in ihrem Buch Contextualization: Meaning, Methods, and Models (S.157), sondern sie ergänzen einander. Vom Übersetzungsmodell, das sich am stärksten an der Bibel bzw. der Tradition orientiert, geht die Beschreibung der Modelle über das synthetische Modell und das Praxis-Modell zum am radikalsten an Kultur und Kulturveränderung interessierten anthropologischen Modell. Das Transzendenzmodell steht gewissermaßen über allen, da es nicht vom zu formulierenden Inhalt, sondern vom formulierenden Subjekt ausgeht, das versucht, seinen Glauben auf authentische Art auszudrücken. knappe und präzise Beschreibung der Modelle läßt sich durch den klaren Aufbau (Terminologie - Beschreibung der Voraussetzungen - Kritik) gut nachvollziehen. Jedes der Modelle wird durch das Beispiel eines Theologen aus der westlichen und der Zweidrittelwelt illustriert. Die leider nicht als Fußnoten, sondern am Ende organisierten Nachweise verraten fundierte Kenntnisse der Literatur. Das Buch kann durchaus als Übersicht, Diskussionshilfe, praktische Anleitung und Einführung zur Thematik dienen, wie der Herausgeber Robert Schreiter in seinem Vorwort meint. Es bildet ein katholisches Gegenstück zu dem von Hesselgrave und Rommen veröffentlichten evangelikalen Standardwerk. Auch wenn Bevans gewisse Präferenzen für das synthetische und das Transzendenzmodell zeigt, beantwortet er die Frage, welches das beste Modell sei: „It depends on the context“ (S.112). Martin Sachs, em 1996-1. |
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Bevans,
Stephen B.; Roger P. Schroeder. Constants in Context: A Theology of Dieses Buch ist eine der wesentlichen Neuerscheinungen im Bereich der Missionstheologie. Die nordamerikanisch-katholischen Autoren (beide Mitglieder der SVD-Ordensgemeinschaft und Professoren an der Catholic Theological Union, Chicago) sind keine missionswissenschaftlichen Unbekannten. S. Bevans hat bereits wesentliche missiologische Quellensammlungen und wegweisende Arbeiten zur kontextuellen Missionstheologie verfasst. Mit Constants in Context setzen die Autoren die missionstheologische Tradition von David Bosch fort, bieten zugleich aber einen neuen Ansatz und verarbeiten neuere Dokumente und Entwicklungen. Der erste Teil des Buches (Part I, S.7-73) bietet eine biblische Grundlegung anhand der Apostelgeschichte und erklärt den missionstheologischen Grundansatz des Werkes: er besteht im Herausarbeiten von sechs missionstheologischen „Konstanten“ in den „Kontexten“ der Mission in Geschichte und Gegenwart. Die sechs Konstanten stellen theologische Grundthemen dar, mit denen christliche Mission in allen Kontexten und zu allen Zeiten zu ringen hat: Christologie, Ekklesiologie, Eschatologie, Soteriologie, Anthropologie und Kultur. Diese Themen werden verknüpft mit drei theologischen Traditionen, die idealtypisch an Tertullian, Origenes und Irenäus festgemacht und durch die Jahrhunderte in verschiedenen Bewegungen und Theologen aufscheinen. Dieser Ansatz ist – trotz gewisser Vereinfachungen – innovativ, pädagogisch sinnvoll und geht stellenweise quer zu den gewohnten missions- und religionstheologischen „Schubladen“ und bietet somit Anstöße zum kreativen Neudenken. Ähnlich wie bei Bosch – allerdings in größerer Nähe zur spezifisch missionshistorischen Entwicklung - wird dann Missionstheologie in historischen Epochen entfaltet (Part II, S.73-280): Mission in der frühen Kirche, Mission und die mönchische Bewegung, Mission und die Handelsbewegung, Mission im Zeitalter der Entdeckung, Mission im Zeitalter des Fortschritts, Mission im 20. und 21. Jahrhundert. Auch die Mission der Pfingstkirchen und neuerer Bewegungen in der nichtwestlichen Welt findet Berücksichtigung. Nach jeder Epoche wird nach den Konstanten, ihrer Spiegelung in den konkreten missionstheologischen Traditionen (z.B. auch in der Lausanner Bewegung bis 1992) und dem Ertrag für heute gefragt. Das jeweilige Ergebnis wird in Form einer Übersichtstabelle geboten. Dieser Teil ist der umfangreichste und bietet (ergänzend und relativ wenig überschneidend zu Bosch) eine Fundgrube missionstheologiegeschichtlichen Wissens. Den Abschluss (Part III, S.281-398) bildet eine gegenwartsbezogene systematisch-missionstheologische Reflexion der Mission als: (1) Teilnahme an der Mission des Dreieinigen Gottes, (2) befreiender Dienst im Reich Gottes, (3) Verkündigung Jesu Christi als universaler Retter, (4) prophetischer interreligiöser und versöhnender Dialog. Auch diese Themen werden jeweils wieder im Licht der sechs Konstanten gespiegelt. Das Buch bietet eine erfrischende Lektüre: ein großer Überblick und eine faire Darstellung aller Traditionen wird mit inspirierenden Gedankenanstößen verbunden. Der Ansatz von Konstanz und Kontextualität wird in Nähe zu biblischen Texten, historischen Kontexten und der theologischen Diskussion der Gegenwart entfaltet. Die ausführlichen und informativen Fußnoten finden sich erst am Ende des Buches, was beim Lesen etwas hinderlich ist. Ein echter Wermutstropfen ist das Fehlen einer Bibliographie. Erschlossen wird der Text durch einen detaillierten Index und hilfreiche Karten und Tabellen. Dieses Buch stellt wohl jetzt schon – zumindest im englischsprachigen Raum – eine neue Standardeinführung in der Tradition von David Bosch dar. Dr. |
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Beyer,
Ulrich. Und viele wurden hinzugetan. Mission und Gemeindewachstum in der Karo-Batak-Kirche/Indonesien. Verlag der VEM, Wuppertal; Verlag der
Ev.-Luth. Mission, Erlangen, 1982. Im Jahre 1890 begann die protestantische Mission im Land der Karo-Batak. In den ersten
Jahren breitete sich das Evangelium nur langsam aus. Nach drei Jahren sehr
intensiver Arbeit waren erst sechs Karo-Batak
getauft worden. Die Mission erschien als
Anhängsel des Kolonialismus, außerdem galten für Gemeindeglieder sehr
strenge Regeln, die ihnen keinerlei Kontakt zu ihren früheren
Verwandten und zum Stamm ließen. Damit waren sie von ihrem
eigenen Volk getrennt. Im Laufe der Jahre wuchs die
Kirche langsam. 1935 gab es 4189 getaufte Christen, 1,5% der
Bevölkerung. 1941 wurde
die Karo-Batak-Kirche selbständig mit dem Namen: Gereja Batak Karo Protestan (GBKP). 1945, nach dem Ende der japanischen Besetzung, stellte sich die GBKP hinter die entstehende Republik Indonesien. In der darauffolgenden nationalistisch/kommunistischen
Periode fand sich die Kirche in einer schwierigen Lage: Das Buch ist sehr sorgfältig geschrieben, auch die Details werden nicht übersehen. Auch in den großen Städten wie Medan und Jakarta gibt es Karo-Batak Gemeinden mit eindrucksvollen Mitgliederzahlen: in diesen Gemeinden fühlt sich der Karo-Batak zu Hause, wenn er in der Fremde leben muß. Am Schluß des Buches wird die Gebetsgruppen-Bewegung erwähnt, die interdenominationelle Gebetsgruppen
bildet, die das bieten sollen, was den
verfaßten Kirchen an innerem Leben
fehlt. Der Verfasser hat das Buch
systematisch, fast mathematisch geschrieben.
Christ werden erscheint in seiner
Darstellung eher als die Annahme eines
bestimmten Systems und weniger als eine Begegnung mit einer lebendigen und Leben spendenden geistlichen Gemeinschaft:
der Gemeinde Jesu Christi. Während seines Dienstes unter den Batak kannte der Rezensent die erwähnten Missionare Neumann und Muylwijk persönlich, er war auch ein guter Freund von General Isaak Pandjaitan. Die Genauigkeit, mit der das Buch geschrieben wurde, beeindruckt. Das Buch ist sehr zu empfehlen. Hans van der Boom, em 1985-3 |
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Beyerhaus, Peter. Er sandte Sein Wort. Theologie der
christlichen Mission, Bd. 1: Die Bibel in der Mission. Wuppertal/Bad Liebenzell:
R. Brockhaus Verlag/VLM, 1996. Die bibliographischen Angaben dieses Buches zeigen bereits, daß der Tübinger Missionswissenschaftler ein umfangreiches Opus geplant hat, das an Gustav Warnecks „Evangelische Missionslehre“ aus den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erinnert. Sowohl der Gesamttitel als auch der des ersten Bandes spiegeln wesentliche Grundüberzeugungen und Intentionen des Autors wider, denn „Mission“ wird hier „in ihrem ureigenen Wesen“ als „Sendung des Wortes Gottes in die Welt“ verstanden. „Solange christliche Mission im tiefen Respekt vor der Autorität dieses Wortes, welche die des dreieinigen Gottes selber ist, ihren Dienst der Versöhnung an Israel und den Völkern tut, bleibt sie authentische Mission. Nur so lange ist sie Fortsetzung der Sendung Christi und des Geistes vom Vater … (und) nimmt … teil an der trinitarischen Missio Dei“. Dieses Missionsverständnis setzt ein Schriftverständnis voraus, „welches die Heilige Schrift – bei aller Offenheit für ihr geschichtliches Gewordensein und für die Mannigfaltigkeit der in ihr redenden Zeugen – als ein in sich geschlossenes Ganzes betrachtet“. Denn „durch die Wirkung des prophetischen Wortes wurde Menschheitsgeschichte zur Heilsgeschichte“. Schließlich fand „die Heilsgeschichte in der Sendung des Sohnes“ ihren „die Äonen wendenen Höhepunkt“. Damit das Wort dieser Offenbarungsgeschichte „vollinhaltlich und unversehrt bis an das Ende der Zeiten in ursprünglicher Kraft ergehen könne, ging die Verkündigung Christi und seiner Apostel und Propheten durch die Inspiration des Geistes ein in das geschriebene Wort heiliger Schriften, die im Kanon der Bücher Alten und Neuen Testaments, der Bibel, ihre endgültig besiegelte Gestalt gefunden haben“. Peter Beyerhaus entfaltet das Thema jedoch nicht losgelöst von den – meist kontrovers verlaufenden – Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, an denen er selbst engagiert beteiligt war, sondern versucht, eine „biblisch-theologische Begründung der Mission zu entwickeln“. Im ersten Kapitel „Die Notwendigkeit missionstheologischer Grundlagenklärung“ skizziert der Autor die Entwicklung seit 1961, dem Jahr der Eingliederung des Internationalen Missionsrates in den Ökumenischen Rat der Kirchen. Daraus ergibt sich in nuce die Konzeption des ersten Bandes. In elf weiteren Kapiteln, die sich in drei Teile gruppieren, knüpft Beyerhaus zunächst „dankbar … an die Tradition heilsgeschichtlichen Denkens in der deutschen evangelischen Missionswissenschaft“ an (Teil I: Die Bibel – das Buch der Mission). Er plädiert dafür, lernwillig, aber in „wachsamer Auseinandersetzung mit andern heute vertretenen Positionen“ diese Anknüpfung zu vollziehen (Teil II: Die hermeneutische Krise der Mission und ihre mögliche Überwindung). Der Autor verweist auf die „verheerenden Folgen für die Theologie und Praxis der Mission … die entstehen, wenn das reformatorische Formalprinzip Sola Scriptura preisgegeben wird“. Teil III (Missionarische Verkündigung in biblischer Vollmacht) erörtert, „wie echte missionarische Verkündigung nach Inhalt und Gestalt durchgehend von der Autorität der Heiligen Schrift bestimmt ist und ihre überzeugende, aufbauende Vollmacht gewinnt.“ Mit seiner Ermutigung zur „Orientierung der Mission an den elementaren heilsgeschichtlichen Aussagen der Bibel“ möchte der Autor keinen neuen Gedanken in die Missionstheologie einführen, sondern im Gegenteil nur „das erneut aussprechen, was zu allen Zeiten die Grundüberzeugung wahrhaft christlicher Mission gewesen ist, besonders, soweit sie im Erbe der Reformation und des klassischen Pietismus gründete“. So knüpft Beyerhaus konkret an die Bemühungen von Missionstheologen wie Gustav Warneck, Walter Freytag und Karl Hartenstein an. Nach Konzeption und Inhalt kann dieser Band als Lehrbuch dienen und alle anregen, die an der Aufgabe der Mission in irgendeiner Form mitarbeiten oder an den verschiedenen Detailthemen weiterarbeiten wollen. Dazu ist der Anhang eine gute Hilfe. Er enthält eine Übersicht der erwähnten internationalen Konferenzen und ein Abkürzungsverzeichnis. Die umfangreiche Bibliographie (mehr als 50 Seiten!) gliedert sich in vier Gruppen: Lexika und Quellensammlungen, Quellentexte, Konferenzberichte, sowie Sekundärliteratur. Ein Bibelstellen-, Personen- und ein differenziertes Sachregister ermöglichen die Arbeit am Detail. Mit diesem umfangreichen Werk legt Peter Beyerhaus „die reiche Frucht seines Lebens als Missionar, Forscher und Lehrer“ vor. Möge diese Frucht als Lehrbuch weitere Früchte tragen. Dr. Erich Scheurer, em 1996-4. |
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Beyerhaus,
Peter. God’s
Kingdom and the Utopian Error. Discerning
the Biblical Kingdom of God from its
Political Counterfeits. Wheaton: Crossway, 1992. Peter Beyerhaus, Professor für Missionswissenschaft in
Tübingen, hat über das christliche Verständnis
des Reiches Gottes gründlich geforscht
und nachgedacht. Sein neuestes Buch sollte als Fortsetzung seiner
früheren Bemühungen verstanden werden, der englischsprachigen Welt die konservative Position in der evangelikal
- ökumenischen Auseinandersetzung
verständlich zu machen. Er verbindet eine tiefschürfende biblische
Ergründung mit einer sorgfältigen Analyse der wichtigsten Missionskonferenzen,
der ökumenischen Vollversammlungen und deren jüngster Dokumente. Beyerhaus’
Kernthese ist, daß die biblische Lehre von Gott von denen verdreht wird, die
das Reich Gottes mit politischen Ideologien gleichsetzen. „Volkstheologien“ ist seine Bezeichnung dafür.
Nach Aussage des Autors gibt es Versuche von einigen in der
ökumenischen Bewegung, eine Einigung
zwischen den beiden Flügeln der Debatte um soziales Handeln und
Evangelisation herbeizuführen. Doch dann müßten Evangelikaie nicht nur
Kompromisse auf der oberflächlichen
politischen Ebene eingehen, sondern auch ihr Verständnis der
biblischen Heilsgeschichte ändern. Gott wird sein Reich errichten,
indem Einzelne zu Glaubenden und dann zu Jüngern gemacht werden. Für Beyerhaus
ist die Kirche, wenn auch nicht mit dem Reich Gottes identisch, so doch
Gottes messia-nische Gemeinschaft. Gott, nicht der Mensch, wird das Königreich errichten. Auch wenn große Teile des Buches aus Beiträgen zu bestimmten
Anlässen bestehen, entsteht durch einen guten Aufbau eine sinnvolle Gedankenführung,
beginnen mit der Sicht des Reiches Gottes
in der evangelikalen Eschatologie bis zum letzten Kapitel über das Martyrium als Tor zum Himmelreich. Von besonderem Interesse ist das kurze Kapitel „Zehn Kriterien zur Un William Wagner (übersetzt von Thomas Schirrmacher), em 1993-2. |
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Beyerhaus, Peter. Krise und Neuaufbruch der Weltmission: Vorträge,
Aufsätze und Dokumente. Verlag
der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell,
1987. Wer sich grundsätzlich informieren will über die Geschichte der Missionstheologie, sowohl von Seiten des ökumenischen Rates der Kirchen als auch der evangelikalen Lausanner Bewegung; wer sich speziellen Fragen wie Mission als Evangelisation oder Revolution, Armut, Rassismus, Verhältnis der christlichen Missionen zu anderen Religionen und Kulturen widmet; wer eine erste Einsicht in die Situation der missionarischen Kirchen auf anderen Kontinenten erhalten oder sich erstmalig oder vertiefend mit der Problematik nachkolonialistischer Mission befassen will, der sollte zu dem vorliegenden Sammelband mit Vorträgen und Aufsätzen des Herausgebers von 1970 bis 1984 greifen. Die einzelnen Erarbeitungen sind meist leicht überarbeitete Vorträge, gut zu lesen, und geben deshalb auch dem Nichttheologen einen tiefen Einblick in die theologische und kirchenpolitische Diskussion. Der Verfasser vertritt selbst einen evangelikalen Standpunkt und ist engagierter Gesprächspartner. Das Buch ist von daher keine objektive, journalistische Information, sondern ein äußerst informativer und ein engagierter Gesprächsbeitrag. Für alle ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter könnte der Sammelband ein Fortbildungsseminar und eine hilfreiche Horizonterweiterung in der Situation und Problematik der weltweiten Mission sein. Einen eigenen Standpunkt kann man sicher an der Position von Peter Beyerhaus profilieren. Der Anhang mit Originaldokumenten, so z.B. der Lausanner Erklärung, eine Zeittafel über wichtige ökumenische und evangelika-le Ereignisse zum Thema von 1961 bis 1984, eine Literaturliste und ein Personen- und Sachregister machen das Buch zu einem wertvollen Nachschlagewerk, das auch zu einzelnen Themen wegen der in sich abgeschlossenen Kapitel gut zu lesen ist. Manfred Beutel in: Praxis der Verkündigung (Oncken) 3/89. Em 1989-4. |
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Beyerhaus, Peter. Theologie als Instrument der Befreiung.
Brunnen Gießen/Basel (TGV) 1986. Befreiungstheologie, Black Theology, Home-land- und Minjung-Theologie finden seit 1976 einen Zusammenschluß in der „ökumenischen Vereinigung von Dritte-Welt-Theologen (EATWoT)“. Nachdem der Tübinger Ordinarius für Missionswissenschaft und ökumenische Theologie zunächst die Entstehung und den wesentlichen Einfluß des Ökumenischen Rats der Kirchen darstellt, analysiert er die Inhalte und Ziele dieser Bewegung: Subjekt und Objekt dieser Theologie ist das „Volk“ im Sinne einer (hier unaufgebbaren) marxistischen Sozialanalyse. Beyerhaus zeigt auf, daß die damit verbundene Interpretation der Bibel und die ideologisierte Umdeutung markanter biblischer Begriffe (z.B. Erlösung, Jesus, Reich Gottes) eine Preisgabe maßgeblicher Glaubenswahrheiten bedeutet. Jürgen Kuberski, em 1987-1. |
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Billington Harper, Susan. In the Shadow of the Mahatma: Bishop V.S. Azariah and the Travails of Christianity in Britih India, Studies in the History of Christian Missions, hg. v. R. E. Frykenberg, Brian Stanley, Grand Rapids USA: Eerdmans/Richmond UK: Curzon, 2000. Susan B. Harper, ehemalige Dozentin für Geschichte und Literatur an der Harvard University, gelingt es, in dieser wissenschaftlichen Biographie das Leben des ersten indisch-anglikanischen Bischofs und Missionsleiters, Vedanayagam Samuel Azariah (1874-1945), in seiner Bedeutung für den Bau der indischen Demokratie in der letzte Phase britischer Herrschaft zu analysieren und darzustellen. Von einer säkular verengten Geschichtsschreibung sei der Beitrag des evangelikal und evangelistisch geprägten Bischofs bisher nicht wahrgenommen worden. Gemäß dem Anliegen der neuen Reihe „Studies in the History of Christian Missions“ möchte die Autorin mit ihrer Monographie die Bedeutung der – oft geschmähten – christlichen Mission und geistlich motivierter Persönlichkeiten für die Profangeschichte herausstellen. Aufgrund eines umfassenden Quellen-Studiums (das neben Archivalien aus Indien, Großbritannien und den USA auch die noch lebendige „oral tradition“ und Fotos – vgl. Bildteil in der Mitte des Buches – einbezieht) entwirft die Autorin ein detaillgetreues Bild Azariahs und seiner Zeit, das sie unter das Motto stellt: „Im Schatten des Mahatma (Ghandi)“. Azariah war ein Zeitgenosse Ghandis und hatte wie dieser das Ziel der sozialen Erneuerung Indiens. Doch weil Azariah zwar positiv zur nationalen Unabhängigkeit Indiens eingestellt war, aber auch deren subnationale Problematik kannte, und vor allem den wirklichen Weg zur Erneuerung in der Bekehrung der Menschen zu Jesus Christus und ihrer Eingliederung in die Kirche sah (S. 46, 55), und diesen Weg auch konsequent und mit größtem Erfolg beschritt, geriet er zunehmend in einen Konflikt mit und – zumindest was die historische Sichtbarkeit betrifft – in den Schatten Ghandis, der christliche Bekehrung aus politischen und religiösen Gründen (als Eingriff ins Dharma – die „göttliche Weltordnung“ – ablehnte). Doch damit sind wir bereits zum Höhepunkt der Biographie vorausgeeilt, die von der Autorin in einem geschickten Spannungsbogen in vier Teilen entfaltet wird. Im ersten Teil („The Rise“, S. 9 – 90) beschreibt sie die Herkunft und Prägung Azariahs durch die Missionsarbeit des evangelikal geprägten Low-Church-Flügels der Anglikanischen Kirche (Church Missionary Society) in der südostindischen Provinz Tinnevelly, sein Engagement im asiatischen CVJM, in dem er die evangelistisch-internationale Welterneuerungsvision John Motts und der christlichen Studentenbewegung in sich aufnahm, und seine – von britischen Missionaren angeregte – Gründung der beiden ersten unabhängigen indischen Missionsgesellschaften, der Indian Missionary Society (IMS) und der National Missionary Society (NMS) Die mit letzterem tiefgründig verbundene Problematik – Azariah wird zum Ausführenden der Indigenisierung-Visionen westlicher Missionare – kommt in der folgenden Etappe, seiner Konsegration zum ersten einheimischen Bischof der indo-anglikanischen Kirche (1912) (Teil II: „The Reign“, S.91-220), noch stärker zum Vorschein. Azariah, der ein befähigter und geistlich geprägter Leiter war, und sich auch als Bischof vor allem für die praktische Evangelisations- und Gemeindebauarbeit unter der armen Dorfbevölkerung engagierte, steht von da an im Konfliktfeld zwischen progressiven und konservativen Engländern einerseits und zwischen nationalistischen Indern und der einfachen indischen Dorfbevölkerung andererseits, wobei jeweils die letzte Gruppe der genannten Parteien seine Ernennung zum Bischof – bei aller Befürwortung seiner Person – kritisch sah. Verwestlichung (und damit auch das Vorhandensein britischer Bischöfe) „wurde von den lange unterdrückten niederen Kasten nicht als Schwäche und Anpassung an dominante westliche Missionare gesehen, sondern als symbolische Kampfansage an die repressive einheimische Sozialordnung. In diesem Licht wurde die von Missionaren geforderte ‚Indigenisierung’ nur als eine weitere Form der Unterdrückung verstanden“ (S. 150, Übers. FW). Azariahs bischöfliches Ringen um die Überwindung kirchlicher und sozialer Zersplitterung in Indien durch denominationelle Streitigkeiten und Kastenwesen wird im dritten Teil des Buches dokumentiert („The Resolutions“, S.221-288). Eine entscheidende Kluft allerdings hielt Azariah für nicht überbrückbar (Teil IV: The Rift, S.289-366). Und diese Kluft brachte ihn unausweichlich auf Kollisionskurs mit Mahatma Ghandi, mit dem er – von der Herkunft bis zu den Hoffnungen für Indien – so vieles gemeinsam hatte. Die Autorin, die manche Archiv-Texte hier zum erstenmal präsentiert, zitiert Azariah, wie er den unvermeidbaren Konflikt beschreibt: „Wir … sind davon überzeugt, dass Menschen von einer Zugehörigkeit in die andere überwechseln. ‚Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Kreatur’. Eine neue Kreatur kann nur in einer neuen Umgebung leben. Das christliche Leben kann nur in der Gemeinde richtig gelebt werden. Das bedeutet, mit der alten Gemeinschaft zu brechen und in eine neue Gemeinschaft einzutreten … Mr. Ghandi hält davon nichts“ (S.336, Übers. FW). Azariah aber, der in seiner Provinz die Bekehrung von vielen Tausenden und die geistlich-soziale Erneuerung dörflicher Strukturen durch die kirchliche Arbeit erlebte, war von der Notwendigkeit und Richtigkeit dieses Weges überzeugt. Auch das am 12. Februar 1937 geführte „Spitzen-gespräch“ zwischen Ghandi, Azariah und einem weiteren anglikanischen Bischof änderte nichts an der Ablehnung Ghandis gegenüber der christlichen Evangelisation, und ebenso wenig an Azariahs theologischer Haltung. Im Gegensatz zu Ghandi lehnte er den selektiven Umgang mit der Bibel ab und hielt an der Notwendigkeit von Bekehrung und Gemeinde fest. Er widersetzte sich auch der selbst unter Missionarskollegen „populären Tendenz der Zwischen-Kriegs-Jahre, den religiösen Glauben in säkularen Utopismus zu verwandeln, oder zumindest die evangelikale Evangeliumsbotschaft durch ein ‚social gospel’ zu ersetzen“ (S.358). Azariah stand bis zum Schluss für die Unabhängigkeit Indiens ein. Aber er sah die Gefahr, dass der Nationalismus sich mit einer fanatischen und einseitigen Renaissance des Hinduismus verbinden und zur Christenverfolgung führen könnte. Außerdem kannte er die subnationalen ethnischen und kastenbezogenen Auseinandersetzungen aus nächster Nähe und wusste nur zu gut, dass beträchtliche Teile der ländlichen Bevölkerung die britische der brahminischen und hinduistischen Herrschaft vorzuziehen würden. Harper arbeitet heraus, dass Azariahs Beitrag für die indische Demokratie vor allem in seiner Weigerung, sich politisch vereinnahmen zu lassen, bestand, und in seiner so bewahrten Freiheit, sich auf die sozial wirksame Evangelisation und den Gemeindebau zu konzentrieren. Azariah ging einen eigenen missionarischen Weg. „Er folgte dabei weder den westlichen Normen, die von den meisten Dorfbewohnern bevorzugt wurden, noch den indischen Normen, die von den westlichen Missionaren und den indischen Nationalisten bevorzugt wurden“ (S.176). Am Ende des Buches gesteht die Autorin: „Selbst die besten analytischen Theorien können die Individualität eines Mannes wie Azariah nicht voll erklären“ (S. 358). Es ist in dieser kritischen, aber weder trockenen noch zynischen missionsgeschichtlichen Biographie gelungen, mit analytischem Fingerspitzengefühl „die Freiheit des Menschen als historischem Agenten“ und die Bedeutung geistlicher Überzeugungen für den Lauf der Geschichte deutlich zu machen. Der Text wird hilfreich ergänzt durch vier Landkarten, 16 Fotoseiten, einen Index und eine 75-seitige Bibliographie, die erstmalig auch eine vollständige Zusammenstellung der Publikationen Azariahs enthält. Dr. Friedemann Walldorf, em 2002-3. |
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Blocher, Jacques A.;
Jacques Blandenier. L’évangélisation
du monde: Précis d’histoire des missions. Bd. 1: Des origines au XVIIIe
siècle. Institut
Biblique de Nogent, Lavigny: Editions des Groupes Missionnaires:
Nogent-sur-Marne, 1998. Es ist erfreulich, daß in letzter Zeit vermehrt französische Bücher zu missiologischen Themen publiziert werden. Meist handelt es sich um Übersetzungen aus dem Englischen. Das vorliegende Buch jedoch wurde von zwei französischsprachigen Autoren verfaßt. Dieser Überblick über die Missionsgeschichte bis ins 18. Jahrhundert ist äußerst interessant geschrieben. Da praktisch keine Fußnoten verwendet werden, liest es sich sehr leicht. Die Schlußfolgerungen am Ende jedes Kapitels führen dem Leser immer wieder den Bezug zur Gegenwart vor Augen. Wer meint, das Anliegen der Mission sei nach Paulus in Vergessenheit geraten, wird mit Überraschung feststellen, auf welchen Wegen sich das Evangelium während diesen 18 Jahrhunderten ausgebreitet hat, wie z. B., daß Europa vom 6.- 8. Jahrhundert von Mönchen aus Irland missioniert wurde. Das Buch ist auch für Kenner der Materie sehr zu empfehlen. Wenig bekannte Aspekte der Missionsgeschichte werden erörtert und, wo möglich, in Beziehung zu Frankreich gesetzt. Wußten Sie z. B., daß die Mongolei im 12. Jahrhundert von China her missioniert wurde? Und wer weiß schon, daß König Eduard I. von England im Jahre 1287 die Eucharistie von einem mongolischen Mönch aus Peking empfing und zwar in der französischen Stadt Bordeaux? Zur Zeit der Reformation war die Weltmission noch kein Thema. Daher erstaunt es, zu lesen, daß der französische Admiral Coligny in Brasilien ein „protestantisches Frankreich“ gründen wollte. Warum diese Expedition nach zehn Monaten aufgegeben wurde, und warum fast alle Missionare umkamen, wird ausführlich behandelt. Ein wirklich spannendes Buch! Wer nach einem bestimmten Thema sucht, wird sich dank des Index rasch zurechtfinden. Man darf schon auf den zweiten Band über das das 19. und 20. Jahrhundert gespannt sein. Jacques Blandenier plant die Veröffentlichung in etwa zwei Jahren. Stefan Schmid, em 1999-4. |
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Blöchle, Herbert. Luthers Stellung zum Heidentum im Spannungsfeld
von Tradition, Humanismus und Reformation. Frankfurt: Peter Lang, 1995. In der gegenwärtigen Debatte um eine Theologie der Religionen drohen die reformatorischen Positionen immer mehr in den Hintergrund zu geraten. Eine evangelische Stellungnahme wird aber nicht darauf verzichten können, das Zeugnis der Reformatoren ernsthaft zu bedenken. Um so erfreulicher ist es, daß Herbert Blöchle in einer an der Kieler Theologischen Fakultät eingereichten Dissertation den Versuch unternommen hat, eine Gesamtdarstellung von Luthers Stellung zum Heidentum zu bieten. Eine derartige Untersuchung ist nicht nur als historischer Beitrag zur religionstheologischen Diskussion der Gegenwart zu begrüßen, sondern auch deshalb, weil es eine solche Gesamtdarstellung bislang nicht gab, so daß Blöchles Dissertation zugleich eine empfindliche Lücke der Lutherforschung schließt. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Blöchles Studie darf in methodischer und inhaltlicher Hinsicht als gelungene Untersuchung betrachtet werden, die geeignet ist, die aktuelle religionstheologische Debatte zu befruchten, obwohl sie sich streng auf eine Darlegung des historischen Befunds beschränkt und bewußt „auf jegliche Aktualisierung … durch Bezugnahme auf die gegenwärtige Situation“ verzichtet (16). Ein über 200seitiger Anmerkungsteil (mit fast 2700 Fußnoten) und ein 60seitiges Quellen- und Literaturverzeichnis veranschaulichen die methodisch sorgfältige, minutiös belegende und eine Fülle von Quellen und inhaltlichen Gesichtspunkten berücksichtigende Vorgehensweise des Autors. Blöchle schildert zunächst Luthers (durch das Bibelstudium, den Humanismus und die Türkengefahr veranlaßte) „Begegnung mit dem Heidentum“ (19-33), um dann seine „biblisch-theologische Stellung zum Heidentum“ (35-72), seine „Stellung zur griechisch-römischen Antike“ (73-150), seine „Stellung zum Islam und zu den Türken“ (151-192), seine „kritisch-religionsvergleichende Stellung zum Heidentum“ (193-230) und schließlich seine „Stellung zum Heidentum im Christentum“ zu beleuchten (231-250). Das Ergebnis ist nicht nur, daß Luther eine überraschend vielschichtige und differenzierte Sicht des „Heidentums“ vertrat, sondern auch, daß die Überwindung des „Heidentums“ als Gestalt verfehlter Religiosität (religio falsa) eine zentrale Thematik seiner Theologie darstellt: Luther vermochte aufgrund seiner (sich auf Röm 2,15 stützenden) Bejahung eines universal erkennbaren und gültigen Naturrechts die geistig-religiöse Welt der griechisch-römischen Antike in kultureller und sittlicher Hinsicht erstaunlich positiv zu würdigen (77-126), ohne der Neigung des zeitgenössischen Humanismus zu erliegen, die Antike zu idealisieren (127-150). Ebenso war er bereit, auch positive Aspekte in der Frömmigkeit und Sittlichkeit des Islam (161-168) anzuerkennen. Zugleich aber hielt er in Konsequenz seiner Rechtfertigungslehre an der biblischen Grundüberzeugung fest, „daß die nichtchristlichen Religionen die Menschen nicht zum Heil führen können“ (47): Über Heil oder Unheil entscheiden „allein der Glaube an Christus und die Gliedschaft an seinem Leibe …“ (50). Originalität und besondere Brisanz gewinnt Luthers Sicht des „Heidentums“ durch die These, daß dieses nicht nur eine vor- und außerchristliche Größe, sondern auch eine innerchristliche Realität darstellt: Diese gefährlichste, weil nicht so offenkundige Gestalt des Heidentums entsteht überall da, wo der rechtfertigende Glaube an Christus verweigert und das Evangelium verleugnet oder verfälscht wird (242-247). Luther hat seinen Kampf für das rechte Verständnis des Evangeliums zutiefst als Kampf für „die Befreiung des Evangeliums aus seiner todbringenden Umstrickung durch das Heidentum“ (232, 247-250) verstanden. Seine Überzeugung, daß bis zur Wiederkunft des Herrn auch das Christentum als geschichtliche Religion notwendig vom „Heidentum“ durchsetzt ist, kann dazu helfen, den exklusiven Heilsanspruch des Evangeliums mit der demütigen Einsicht des Glaubenden zu verbinden, daß kein Mensch - auch der Christ nicht - die Gefährdung durch das Heidentum definitiv hinter sich hat. Werner Neuer, em 1996-3. |
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Bong Rin Ro (Hg.). Christian Suffering in Asia. Evangelical Fellowship of Asia / Asia Theological Association, 1989. Christen in verschiedenen Teilen Asiens erfahren zunehmend Verfolgung und Leiden durch militanten Hinduismus, islamischen Fundamentalismus, Kommunismus, Nationalismus und wirtschaftliche Armut. Die Referate einer Konsultation der Asiatischen Evangelischen Allianz über „die Gemeinde mitten im Leiden“ in Hongkong (24.-27. Febr. 88) sind in diesem Band zusammen mit sechs weiteren Artikeln und einem seelsorgerlichen „Brief an die Gemeinden in Asien“ wiedergegeben. Theologisches hält sich mit erschütternder Berichterstattung aus den verschiedenen Ländern die Waage. Immer wieder erschallt der Ruf nach einer der Lage entsprechenden „Theologie des Leidens, die westliche Theologen möglicherweise nicht ganz verstehen werden.“ Möge diese Kritik an westlicher Verdrängung des Leidens heilsam sein. Zugleich sollte sie aber dazu führen, daß wir das reiche theologische Erbe bei Hartenstein, Freytag, Bonhoeffer und Traugott Hahn uns wieder zueigen und den asiatischen Christen zugänglich machen. Warum sind die Ergebnisse der AfeM-Tagung im Januar 1988 „Missionarische Existenz in Zeugnis und Leiden“ noch nicht nach Asien vorgedrungen? Christof Sauer, em 1989-3. |
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Bonk, Jonathan J. Missions
and Money. Affluence
as a Western Missionary Problem. Orbis:
Maryknoll, 1991. In einer wirtschaftlichen Variante des Themas von David und Goliath, das den Christen so sehr am Herzen liegt, zeigten die letzten zweihundert Jahre David (die westlichen Missionare) als den, der Sauls Rüstung an hat und Sauls Waffen trägt und so gegen einen Goliath (das Missionsfeld) marschiert, der mit einem Fell gekleidet und nur mit ein paar Steinen und einer Schleuder bewaffnet ist. Die wirtschaftliche Macht war auf der Seite der Missionare aus dem Westen. Diese gehörten in manchen Fällen zu multinationalen Missionsgesellschaften, deren jährliches Budget jenes der gastgebenden Regierungen übertraf und stellten für diese Länder sehr bedeutsame Quellen an Devisen dar. (S.1) Das Zitat faßt die Situation seit den Anfängen missionarischer Arbeit aus dem Westen zusammen. Die meisten Leute, sowohl auf Seiten der Missionare als auch auf Seiten derer, denen sie dienten, haben den Mißerfolg beim Ernten der Garben für Christus zum Teil dem Reichtum der westlichen Missionare zugeschrieben. In seinem Buch behauptet Jonathan J. Bonk, daß die Übermittlung und Inkulturation des Evangeliums durch das Ungleichgewicht zwischen dem relativen Reichtum der Missionare und der Armut der Menschen, die sie zu evangelisieren suchen, bedingt ist. Es sind im Grunde zwei Fragen, die er das ganze Buch hindurch behandelt: 1. Untergraben die gegenwärtigen Missionare trotz ihrer Aufrichtigkeit das Evangelium und behindern sie dessen Inkulturation durch ihren relativen Reichtum? 2. Führt vielleicht der Reichtum des Missionars bei den einheimischen Bekehrten zu feindschaftlichen Gefühlen - entweder bewußt oder unbewußt - dem Missionar gegenüber? Von einem afrikanischen Standpunkt aus würde die oben angeführte Frage zu einer Antwort in dem Sinne führen, daß in der westlichen Missionsarbeit des 19. Jahrhunderts die Afrikaner mit dem Verständnis zum Christentum „bekehrt“ wurden, daß Christ zu sein irgendwie gleichbedeutend sei mit reich sein. Als sie dann das Evangelium von Jesus Christus angenommen hatten, wie es von den westlichen Missionaren gepredigt worden war, entdeckten sie, daß die oben angegebene Gleichung nicht funktioniert, und deshalb verband der/die bekehrte Afrikaner(-in) das Evangelium nicht mit seiner/ihrer gegenwärtigen Situation; es war ein Evangelium für reiche Leute. Dies bewirkte dann, wie Desmond Tutu formuliert, eine religiöse Schizophrenie, in der die bekehrten Afrikaner an Gottesdiensttagen Christen sind und an anderen Tagen Afrikaner. Trotz der Tatsache, daß jene Afrikaner einige „Handdowns“ von den Missionaren bekamen, machte die immer noch existierende tiefe wirtschaftliche Kluft die Bekehrten letztlich ärgerlich. Bonk, Dozent an einer amerikanischen Bibelschule, verlangt weder eine Verleugnung des Reichtums noch Resignation, aber er ruft alle Missionare auf, durch einen Akt bewußter Selbstentäußerung Macht, Ansehen und Einfluß abzulehnen (S. xvi). Bonk ist tief besorgt über das Problem des westlichen Reichtums als Hindernis bei der Verbreitung des Evangeliums. Das Buch zeigt auch sein tiefes Verständnis für die biblischen Schriften. Wenn man nun die Empfehlungen für die Missionare durchliest, könnte man auf die Idee kommen, Bonk zu treffen und zu sehen, wie er lebt und ob er ein solcher Mann ist, der lebt, was er schreibt und sich auch so benimmt? Oder verbreitet er nur einen guten Grundsatz, einfach professionell und gelehrt, ohne entsprechend zu leben? Ich wünschte, ich würde diesen Mann treffen. Dann könnte ich ihm ein paar Fragen stellen, die dieses Buch vollständiger machen würden. Fulata Lusungu Moyo, em 1995-4. |
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Börner, Fritz. Freikirchlicher Gemeindebau in Österreich. Eine Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft
Evangelikaler Gemeinden in Österreich
(ARGEGO) mit einem historischen Rückblick in die Kirchengeschichte und die Geschichte der Bekennergemeinden auf österreichischem Boden. Linz: Selbstverlag, 1989. Als langjähriger Missionar in Österreich legt Börner seine gründlich erarbeitete Magisterarbeit vor. Die kirchengeschichtlichen Kapitel greifen bis zur Christianisierung des Landes im Römerreich zurück und reichen bis zu den Hintergründen der Rekatholisierung nach der Reformation. Mit der Beschreibung der einzelnen Gemeinden innerhalb der täuferisch gesinnten ARGEGÖ im 4.Kapitel beginnt die eigentliche Forschungsleistung Börners. Geordnet nach Gemeindeverbänden fragt er nach deren Geschichte, Problemen, Gemeindegründern, gegenwärtigem Zustand und Statistik. In einem weiteren Kapitel werden die unterschiedlichen Methoden des Gemeindebaus nach Gemeindegröße, geographischen Schwer Zahl? Dann sollten nächstes Jahr z,B- auch die neuen Titel von Beyerhaus, Bosch und Fiedler dort Erwähnung finden. Missionen mit theologisch gebildeten Mitarbeitern sollten auf dieses Jahrbuch in ihrer Bibliothek nicht verzichten. Christof Sauer, em 1992-4. |
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Bosch, David. An die Zukunft glauben: Auf dem
Wege zu einer Missionstheologie für die westliche Kultur. Studienheft Weltmission heute 24. Evangelisches
Missionswerk: Hamburg, 1997/2. Das vorliegende Heft, eine Übersetzung des 1995 erschienenen Orginals „Believing in the Future: Toward a Missiology of Western Culture“, beruht auf einem Vortrag, den Bosch im Januar 1992 kurz vor seinem tragischen Unfalltod vor Missionswissenschaftlern in Paris hielt. Er stellt seine Skizze einer westlich-kontextuellen Missionstheologie auf der Grundlage seines großen missionstheologischen Werkes „Transforming Mission“ (1991) vor. Der Analyse der postmodernen Welt unter dem Motto „Wo keine Vision ist, verdirbt das Volk“ (Sprüche 29,18), folgt eine Untersuchung der Wurzeln in der Aufklärung und eine Positionsbestimmung des christlichen Glaubens. Die westliche Kultur lebe „parasitisch“ vom Christentum, das sich seinerseits jedoch weitgehend an die Religion der Aufklärung angepaßt und damit seine erneuernde und missionarische Kraft verloren habe. Aufbauend auf dieser Vorarbeit zeichnet Bosch in vier Zügen eine Missiologie für den Westen: Sie müsse (1) die Theologie grundsätzlich als missionarisch begreifen, (2) sozial-ethische Implikationen haben, (3) uns zum Erbarmen mit der Not der Dritten Welt befähigen und (4) angesichts des atheistischen Götzendienstes im Westen den einzigen lebendigen Gott der Bibel verkündigen. Das Buch ist erfreulicherweise kostenlos, bzw. gegen eine freiwillige Spende beim EMW erhältlich. Friedemann Walldorf, em 1999-3. |
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Bouman,
Johan. Christen
und Moslems. Glauben sie an einen Gott? Gemeinsamkeiten und
Unterschiede. Gießen: Brunnen,
1993. Mit großem Scharfsinn verfolgt der emeritierte Professor für Religionsgeschichte und Islamkenner präzise das im Titel genannte Thema. Bei dem jeweiligen Verständnis von Sünde, Vergebung und Versöhnung sind die Gemeinsamkeiten noch größer. Die entscheidenden Unterschiede werden an der Person Jesu deutlich und kündigen sich bei den Schilderungen Abrahams schon an. Bouman berücksichtigt die historische Entwicklung des Korans und macht damit scheinbar gegensätzliche Aussagen im Koran verständlich. Dabei räumt er der Darstellung biblischen Glaubens jedoch gleichen Raum ein. Er kommt zu dem Ergebnis: Da der Koran im Namen seines Propheten und als Wort Gottes die Heilstat Gottes in Christus verneint, ist der Gott der Versöhnung in Christus nicht der Gott des Korans (S. 99). Die Rede von einer „abrahamitischen Ökumene“ sieht er genauso kritisch wie das Aufgeben des Trinitätsdogmas zugunsten des Dialogs. Den Dialog hält er durchaus für notwendig. Jedoch muß er von beiderseitiger Wahrhaftigkeit geprägt sein. Eine notwendige, sachliche Klarstellung, die manchmal den gebildeten Leser fordert. Christof Sauer, em 1996-2. |
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Bouman, Johan. Leben mit fremden Nachbarn.
Die Rolle von Ethik, Kultur und Religion in einer multikulturellen
Gesellschaft. Giessen/Basel:
Brunnen Verlag, 1995. Johan Bouman analysiert die deutsche – heute multikulturelle – Gesellschaft auf die Frage hin: Wie können Menschen so unterschiedlicher nationaler Herkunft und religiöser Überzeugung friedlich miteinander zusammenleben? Für Bouman entscheidet sich diese Frage daran, ob sich die multikulturelle Gesellschaft auf eine für alle verbindliche ethische Grundlage verpflichten läßt, da nur so Konflikte aus diesem Zusammenleben bewältigt werden können. Nach Darstellung verschiedener ethischer Konzepte wie z. B. von Fichte, Hegel, Kant, Marx u. a., sowie der jüdischen, christlichen und islamischen Ethik kommt Bouman allerdings zu dem Schluß: „Es ist der westlichen Kultur nicht gelungen, eine allen gemeinsame Ethik zu entwerfen und in der Praxis durchzusetzen“ (24). Damit wird Boumans Buch zu einem berechtigten Vorwurf an die nachchristliche westliche Gesellschaft, die vielleicht nicht an ihrem ethischen Pluralismus an sich scheitern würde, jedoch anderen ethischen Konzepten wie z. B. dem Islam nichts entgegenzusetzen hat. Da jedoch nur die biblische Ethik die Frage nach Ursprung und Bewältigung des Bösen in der Welt überzeugend beantworten kann, erhält der biblische Auftrag an Christen, Buße, Glauben und Liebe zu verkündigen, aufgrund der starken Zuwanderung von Muslimen ganz neue Dringlichkeit. Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-2. |
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Brakemeier, Gottfried (Hg.). Glauben
im Teilen bewahrt. Lutherische
Existenz in Brasilien. Verlag der Ev.-Luth. Mission Erlangen, 1989. Es ist ein besonderes Buch: Eine Kirche der südlichen Hemisphäre stellt sich selbst vor. Bisher schrieben meist Europäer über die Kirchen, die aus „ihrer“ Missions- oder Überseearbeit hervorgegangen sind. Hier porträtiert sich die Kirche selbst. Daß dabei das Umfeld, die Geschichte, die sozialen und soziologischen Faktoren ebenso zur Sprache kommen wie die Theologie, versteht sich von selbst. Daß diese Kirche nicht bei sich selbst stehen bleiben will, sondern im Miteinander-Teilen des Glaubens weiter voranschreiten will, im eigenen Land (wo die Lutheraner nur fast 1% der Bevölkerung ausmachen) und über die Landesgrenzen hinaus, bestimmt den Ausblick. Das Original erschien in portugiesisch «Pre-senca Luterana 1990», eine englische Ausgabe ist geplant. Die Gastgeberin der 8. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes will mit uns ins Gespräch kommen. Wir dürfen mit ihr Bekanntschaft schließen. Johannes Triebel, em 1990-2. |
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Bramsen, Paul D. The Way of Righteousness. Good News for Muslims. CMML Spring Lake, New Jersey, 1998. Das Material „The Way of Righteousness” gehört meiner Meinung nach zum Besten, was es für Muslime gibt. Das Buch ist die englische Übersetzung von ursprünglich in Wolof (größte Bevölkerungsgruppe in Senegal) gehaltenen Rundfunkansprachen. 1992, nachdem der amerikanische Missionar Bramsen mit zwei senegalesischen Mitarbeitern zuschauen musste, wie zuvor verteilte Literatur ungelesen zerrissen wurde, entstand die Idee für „The Way of Righteousness“ (wörtlich übersetzt: Der Weg der Gerechtigkeit, bzw. Rechtschaffenheit). Dem Missionar wurde klar, dass chronologisch aufgebaute Lektionen, die klar die Begeben-heiten und die Botschaft der Propheten Gottes darstellen, und die über staatliche Radiostation ausgestrahlt werden, nötig sind. Wie viele andere Missionare nahm auch er, wie er im Vorwort schreibt, Trevor McIlwans „Firm Foundations“ (New Tribes Mission) als Fundgrube zur Erstellung seiner speziellen 100 Bibellektionen. Der Autor wünscht ausdrücklich, dass die Lektionen in andere Sprachen zu Sendezwecken übersetzt werden. Um dies einfacher möglich zu machen wurde das Material, zu dem auch 20 Kassetten der 15-minütigen Radiolektionen gehören, herausgegeben. Der Autor bittet nur um Rücksprache, um die Vollständigkeit der Lektionen zu bewahren. Ferner ist die englische Ausgabe für englisch sprechende Muslime gedacht, die auf diese Weise im Selbststudium behutsam und gründlich die Lehren der Thora, Psalmen, Propheten und des Neuen Testaments verstehen können. Dabei geht es vor allem darum, dass sie verstehen, dass es ohne Blutvergießen keine Vergebung gibt. Die Opfer von reinen Tieren, die Gott in seiner Güte im Alten Testament als „Weg“ zur Bedeckung der Sünde der Menschen gegeben hat, war ein Symbol und eine Prophetie für das stellvertretende und erfüllende Sterben Jesu, als einzig gültiges Opfer zur Vergebung von Sünden. Die Lektionen bauen chronologisch aufeinander auf und sind doch in sich abgeschlossen. Jede der 100 Lektionen ist gefüllt von zu einem Hauptthema gehörenden Gedanken und Bibelworten. Dem Leser wird in der ersten Lektion z.B. deutlich gemacht, dass Gott zu den Menschen gesprochen hat. ER ist Gott, und zwar der einzige und der Allmächtige. Er sprach durch die Propheten oft und auf verschiedene Art. Sie schrieben auch für ihn Gottes Wort auf, geführt durch den Heiligen Geist. Gott möchte, dass die Menschen dieses, sein Wort verstehen. Sein Wort ist ewig und in ihm ist Leben. Gott hat sich selbst offenbart und auch den Weg zur ewigen Rettung. „Höre! Öffne deine Ohren und komme zu mir. Höre, und deine Seele wird leben.“ In den beiden letzten Lektionen (99 u. 100) geht es zusammenfassend darum, wer Jesus ist. Die Lektionen sind in einfachem Englisch geschrieben, in gesprochenem Stil, ursprünglich für afrikanische Muslime. Vielleicht wird dem ein oder anderen der Stil zu einfach erscheinen, aber der Inhalt ist anspruchsvoll und spricht Herz und Verstand gleichermaßen an. Dabei wird immer Rücksicht auf Denken und Fühlen von Muslimen genommen, ohne Kompromisse bei der Botschaft einzugehen. Zu lernen, wie man mit Muslimen in einer nicht „westlich“ geprägten Weise über die Bibel spricht, ist wirklich wichtig, denn sonst entstehen leicht Missverständnisse. Die Lektionen sollten von Leuten durchgearbeitet werden, die Muslime auf dem Herzen haben und ihnen die Botschaft von der Rettung durch Jesus auf ihnen gemäße Art nahe bringen wollen. Die Leben schaffende Wahrheit der Bibel leuchtet in den Lektionen immer neu und aus einer vielleicht neuen Perspektive auf und macht das Hineinarbeiten in die Materie zu einem geistlichen Gewinn. Die über 500 Seiten Lektionen sind lang, aber zu schaffen, z.B. als Stille Zeit. Das Buch ist folgendermaßen eingeteilt: Vorwort, 100 Lektionen in 4 Teilen (gut ersichtlich im Inhaltverzeichnis, mit Name der Lektion und Bibelstellen), 4 Anhänge: wie man die Kassetten zu Lehrzwecken (z.B. in Gruppen) einsetzen kann, Sprichworte der Wolofs (in den Lektionen verwendet), Unterrichtsmethodik mit dem Material, Ein-blicke in den Islam (sehr gut zum Verständnis der islamisch geprägten Menschen für Christen, und sehr gut zum Ausräumen von Falsch-interpretationen von Begriffen wie „Sünde“, „Sohn Gottes“… für Muslime). Dabei wird nicht nur die Religion fair erklärt, sondern auch was im Koran über Jesus steht. Mir gefällt das Buch sehr gut, weil es für Muslime mit liebendem Herzen geschrieben ist und den Leser eindringlich und dennoch höflich zum Nachdenken bringt, den „Way of Righteousness“ Gottes in Jesus richtig zu begreifen. Ulrike Kinker, em 2002-2. |
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Brandau, Robert. Innerbiblischer Dialog und dialogische
Mission. Die Judenmission als theologisches Problem. Neukirchen-Vluyn:
Neukirchener Verlag 2006. Die Wuppertaler Dissertation (Klappert) über die Diskussion um die Judenmission nach 1945 im Kontext ökumenischer Missionstheologie und der Israellehre Karl Barths bekräftigt und begründet in historischer ebenso wie in exegetischer und systematisch-theologischer Hinsicht das Nein zur Judenmission. Die Differenzierung des Dialogbegriffs in einen innerbiblischen Dialog von Christen und Juden, einen interkonfessionell-ökumenischen Dialog unter Christen und einen interreligiös-missionarischen Dialog der Völkerkirche mit anderen Religionen/Weltanschauungen ist hermeneutisch unabdingbar und theologisch geboten. Innerbiblisch bedeutet: Christen und Juden begegnen einander als Zeugen Gottes voreinander; sie geben Anteil an den je eigenen Erfahrungen mit dem Gott Israels. Das gemeinsame Bekenntnis zu dem Gott Israels markiert die Grenze heidenchristlicher Mission, deshalb ist nur der interreligiöse Dialog missionarisch. Die Völkermission (im „Missionsbefehl“ Mt 28: ethne, biblisch zu unterscheiden von „Israel“) ist strikt von dem an die jüdische Jüngergemeinde ergehenden Auftrag zur Sammlung des eschatologischen Gottesvolkes Israel (Mt 10,6) – die nicht zu dessen Aufhebung führen kann – zu unterscheiden. Ein heidenchristliches „Zeugnis“ für Israel hat kein biblisches Fundament, vielmehr sind das aufgrund der Bundeszuverlässigkeit des Gottes Israels bleibend erwählte Gottesvolk und die Völkerkirche (die auf voreilige Identifikation mit Israel zu verzichten hat) gemeinsam zur Heiligung des Namens des Gottes Israels berufen. Die messianische Sendung des Christus Jesus mit Israel realisiert die vergegenwärtigende Repräsentation des Gottesvolkes Israel gegenüber den Völkern. Die Beziehung zum ersterwählten Volk gehört mithin zum Inhalt des in der Mission der Kirche zu verkündigenden Evangeliums und mitnichten in den Bereich ihres missionarischen Auftrags. Diese Hauptthese(n) der nicht nur äußerlich gewichtigen, sondern in jeder Hinsicht eindringlichen Arbeit werden entfaltet, indem die wesentlichen Transformationsprozesse judenmissionarischer Theologie exemplarisch rekonstruiert und kritisch beleuchtet werden. In immenser Dichte werden dabei nicht nur die Positionen der klassischen Judenmission des 19. Jhs. (F. Delitzsch, G. Dalman) referiert und eingeordnet (u.a. in den Kontext der radikal-pietistischen Ablehnung der Judenmission, des eigenen Wegs Zinzendorfs, der Instituta Judaica, samt Exkursen zu Luther und Calvin), dann in zwei Kapiteln die wirkmächtige Israeltheologie Barths sowie das ökumenische Dialogprogramm erörtert, vielmehr wird in detaillierter Kleinarbeit sowie gelungenem Zusammenspiel von Darstellung und Reflexion die Fülle ökumenischer und kirchlicher Dokumente zur Judenmission gesichtet (ein Schwerpunktkapitel, S. 171-343, das nicht zuletzt die jeweiligen „impliziten systematischen und missionstheologischen Voraussetzungen“ offenlegen soll), worauf ein ebenfalls umfangreiches Kapitel „Konflikte um die Judenmission“ folgt. Auf dieser Grundlage legt der Autor in kritischer Rezeption Barths einen eigenen Entwurf zur Judenmission vor (Kap. VI), der gegen das prägende Modell der Subsumtion Israels unter die Völker, gegen die Paganisierung Israels durch Individualisierung und Universalisierung des Evangeliums die theologische Bedeutung der bleibenden Erwählung Israels in der eingangs skizzierten Form stark macht. Die christologischen und ekklesiologischen Gründe dafür, dass Christen in dem durch Jesus repräsentierten Israel keiner anderen, fremden Religion, sondern der eigenen Erwählung und damit dem Gott Israels begegnen, werden vertieft und die Ergebnisse in einem Epilog in 29 Thesen und einem Ausblick gebündelt. Das alles liest sich – bei dem heiß umstrittenen Thema vielleicht kaum verwunderlich –durchweg spannend (auch wenn es um „Verlautbarungen“ geht), wobei eine gewisse Redundanz nicht zu übersehen ist. Die wiederum erscheint angesichts des Fehlens jeglicher Register (schade, ein erheblicher Mangel!) zwar akzeptabel, kann diese aber freilich in keiner Weise ersetzen. Dennoch ist die beeindruckende Menge an Material unaufgeregt und profund aufgearbeitet – wenn man bedenkt, dass die Position des Vf. eben so, wie er es selbst für eine jüdische Sicht formuliert, „eine, allerdings nicht die einzige Möglichkeit der Wahrnehmung“ darstellt (462). Bei aller systematischen und missionstheologischen Entschiedenheit lässt sich fragen, ob hier nicht exegetisch Kategorien eingetragen werden, die (vorab) anderweitig gewonnen wurden. Als Indiz dafür könnte auf die merkwürdige Diskrepanz zwischen dem vielfach spürbaren Konkretionswillen und der im eigenen Entwurf zu konstatierenden grandiosen Abstraktion vom konkreten „Israel“ hingewiesen werden. Ist es nicht Anzeichen einer höchst problematischen Wahrnehmung des Gegenübers (das es trotz aller Einsichten bleibt), wenn „Israel“ plötzlich ständig gleichsam als Chiffre für die Eigeninterpretation herhalten muss? Oder wie ist es zu verstehen, wenn Christus – und das ist doch der Christus des apostolischen Zeugnisses! – „Teil der Prophetie Israels“ ist, wenn der Auferstandene als „der Repräsentant Israels“ Israel in der Welt vergegenwärtigt, oder gar „Christus Jesus als der verheißene Messias Israels die missionarische Existenz Israels verkörpert“ (! 456f)? Erfolgt christliche Mission tatsächlich „in Teilhabe an der Mission Israels“ (461)? Weitere Punkte wären anzusprechen, um die Befürchtung zu formulieren: Droht hier nicht die gerechtfertigte Intention in ihr Gegenteil umzuschlagen? Ohne die inhärierenden Probleme zu verharmlosen, kann man sich am Ende schon fragen, wo jüdische Menschen mit ihrer Wahrnehmung und vitalen Religiosität sich hier wirklich angesprochen finden. Je nach dem, in welcher Weise man das Christentum als „im Grunde jüdisch“ reklamiert, wird dem christlich-jüdischen Dialog das Gegenüber geradezu genommen und somit tendenziell der Boden entzogen. Zumindest wäre mehr als wünschenswert gewesen, die Aspekte, die das rabbinische Judentum (mit der Mischna als „Gründungsdokument“) in die Wirkungsgeschichte des Christentums einzeichnen (vgl. J. Neusner, M. Hilton, D. Boyarin), in die Diskussion mit einbezogen zu sehen. Die klare Differenzierung des „Israel“-Begriffs etwa in Röm 9,6 – das sei nur eben angedeutet – nötigt wohl doch zur analogen Differenzierung (auch) in missionstheologischer Hinsicht: Israel ist nicht einfach Israel. Am Ende bleibt – beispielhaft – E. Jüngels Votum (EKD-Synode 1999) bedenkenswert: Judenmission ist als gänzlich unbrauchbarer Begriff abzulehnen, und zugleich: Die deutschen Kirchen sind „ganz und gar unberufen“, Israel im Namen Jesu anzusprechen. Doch ebenso gilt: „Aus der Bezeugung des Evangeliums in Israel ist ja die Kirche hervorgegangen. Sie müsste ihre eigene Herkunft verleugnen, wenn sie das Evangelium ausgerechnet Israel gegenüber verschweigen wollte.“ (zit. S. 139). Zwischen einer (theologisch und menschlich) verantwortlichen Realisierung dieser Sachverhalte und einem „Heilstriumphalismus“ (371) liegen Welten. So ist das Thema auch mit dieser herausragenden Arbeit nicht endgültig geklärt, wie könnte es auch. Sie wird dennoch auf lange Zeit den Standard markieren, hinter den die Debatte nicht mehr zurückfallen darf. Dr. Friedmann
Eißler, em 2007-2. |
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Brandl, Bernd. Die Neukirchener Mission. Ihre
Geschichte als erste deutsche Glaubensmission. (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte
128) Rheinland-Verlag: Köln und Neukirchener Verlag: Neukirchen, 1998. Dissertationen sind keine Kriminalromane. Zumindest in Stil und Darstellung dieses Buches, das 1997 von der Ev.-theol. Fakultät in Leuven (Belgien) als theologische Dissertation angenommen wurde, liegt hier eine Ausnahme vor. Der Rezensent begann zu lesen und ruhte nicht eher, als daß er alle 456 Seiten gelesen hatte. Tanaland (Kenia) und Salatiga (Indonesien) treten dabei ebenso lebendig vor Augen wie Ludwig Doll oder Julius Stursberg in Neukirchen. Und doch handelt es sich hier um ein sehr gut recherechiertes und mit missionstheologischem Sachverstand verfaßtes Fachbuch, das – wie das Vorwort ankündigt – einen weißen Fleck auf der missionsgeschichtlichen Landkarte schließen hilft. Dabei hat sich der Verfasser keine leichte Aufgabe gestellt: Drei Hauptschauplätze der Geschichte der Neukirchener Mission in ihren z. T. sehr unterschiedlichen Entwicklungen galt es darzustellen, ohne dabei die gemeinsamen Linien aus dem Blick zu verlieren. Gerade dies gelingt auch sehr schön. So wird deutlich, wie eine in der Heiligungsbewegung wurzelnde Glaubensmission einerseits innovativ wirksam werden kann und andererseits sich aus diesem Erbe ernsthafte Probleme ergeben, die bis in die Gegenwart manches Scheitern zu verantworten haben. Drei wichtige Stichworte seien genannt, die über die Neukirchener Mission hinaus Relevanz besitzen: (1) Der sogenannte „Glaubensstandpunkt“: alle Versorgung wurde von Gott erwartet. Damit sind sowohl an Menschen gerichtete Bitten als auch eine geregelte Gehaltsstruktur ausgeschlossen. In seinem Schlußteil zeigt Brandl, daß ein institutionalisierter Glaubensstandpunkt ein Widerspruch in sich ist. (2) Heiligung als Ideal der Missionare für die zu gründenden Gemeinden. Danach ist die zweite nota ecclesiae nach der Verkündigung des Wortes die individuelle Bekehrung, die durch ein geheiligtes Leben belegt wird. Als Konsequenzen daraus sind dann eine starke Betonung der Gemeindezucht, die Gefahr der Gesetzlichkeit und - im Angesicht einer pioniermissionarischen Herausforderung - große Differenzen über Grundfragen der Ekklesiologie zu nennen. So taucht z. B. immer wieder die Frage nach der Taufe, ihrem Stellenwert und dem Taufritus auf. (3) Das Selbstverständnis der Missionare – allein von Gott gesandt – führte auf allen Missionsfeldern zu großen Konflikten aufgrund des von diesem Selbstverständnis geförderten Individualismus, vor allem nach Abebben der Erweckung. Brandl stellt alle diese Entwicklungen mit großer Offenheit und doch zugleich großer Behutsamkeit dar - an keiner Stelle ergreift er die Partei einer Person, auch wenn er in den einzelnen Sachfragen klar und deutlich urteilt. Zuletzt noch einige kritische Bemerkungen und Anfragen, die aber in keinster Weise den Wert dieser Arbeit schmälern können: Der Satz des Buches wurde offensichtlich mit einem Textverarbeitungssystem erstellt, das dann so schöne Trennungen wie Tauft-heologien (S. 430), oder Hilf-sprediger (S. 42) im Manuskript hinterließ. Die Währung der 1880er war wohl kaum die DM (S. 75 & 85) und Glasgow liegt nicht in England (S. 332). Inhaltlich könnte man fragen, ob die AIC als „geglücktes Beispiel einer aus einer Glaubensmission hervorgangene Denomination“ wirklich so geglückt ist. Schließlich stellt sich die Frage nach der Definition von Glaubensmission, wenn der Verfasser die AEM als fast ausnahmslos aus Glaubensmissionen bestehend charakterisiert (S. 449). Nach der Lektüre des Buches erscheint es fast so, als würde der Neukirchener Mission dieser Name begründet abgesprochen. Dies würde dann aber für viele der AEM-Missionsgesellschaften gelten. Dr. Norbert Schmidt, em 1999-4. |
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Brecht, Martin (Hg.). Philipp Friedrich Hiller. Gott
ist mein Lobgesang. Der Liederdichter des württembergischen Pietismus. Ernst Franz Verlag: Metzingen, 1999. Im ersten Teil beschreibt Walter Stäbler einfühlsam und gekonnt das Leben und Wirken des 1699 geborenen „Dichters, Pfarrers und Theologen“ Philipp Friedrich Hiller. Über die Klosterschulen Denkendorf und Maulbronn führte Hillers Weg zum Theologiestudium nach Tübingen. Dort bescheinigte man ihm „guten Verstand“ und „Bescheidenheit in den Sitten“. Als Vikar predigte er „kurz und gut und führet sich wohl auf“ (20). Der Seelsorger und Prediger, der seit 1751 keine Predigt mehr halten konnte, weil seine Stimme versagte, wurde zum Schriftsteller. Bei seinem Tod 1769 hinterließ er in der Gemeinde und Kirche „einen guten Namen“ (42). Die enge Verbindung Hillers mit Halle und Herrnhut und dem damaligen Pietismus wird erläutert. Wolfgang Schöllkopf zeigt auf, „dass sich die unterschiedlichen Traditionen des Pietismus alle auch als Singbewegung ausprägten“ (63). Martin Brecht skizziert Hillers „Geistliches Liederkästlein“ als „eines der Medien für die tägliche Andacht“ (87-137). Hillers Motivation ist das Lob Gottes und der Ruhm des Allerhöchsten. Die theologische Konzeption des Liederkästleins lautet: „Gottes Größe ist unaussprechlich“ (103) und „der Geist erforscht die Tiefen der Gottheit“ (117). Deshalb kann Hiller das Leben bejahen. Im zweiten Teil des Liedkästleins beschreibt er den Tod, die Erscheinung Christi und die Ewigkeit mit den Worten „Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen“ (133ff). Der zweite Teil des Buches konzentriert sich auf „Erfahrungen und Nachwirkungen“ Hillers. Zum „Schatz im Gepäck der Auswanderer“ nach Amerika und Rußland in den Hungerjahren 1816/17 gehörte nach Günther Mathia auch Hillers Liederkästlein. Es tröstete nach dem Bericht des Basler Missionars Saltet die Gefangenen des 1826 überfallenen schwäbischen Kolonistendorfes Katharinenfeld in Rußland. Das Liederkästlein wurde zum Gesangbuch der Pregizer Gemeinschaft in Besarabien, Georgien, Ungarn und Israel und zum Trostbuch für viele Menschen in aller Welt. In der Tat: „An Hiller ist mehr dran, als man weiß.“ Er ist ein großer Liederdichter und Theologe, von dem heute, in der Zeit der Theologievergessenheit viele Pfarrer viel lernen können. Das Doppelgebot der Liebe als Selbstauslegung Gottes und als Schöpfung einer neuen individuellen Lebensführung im Sinne der sozialen Freiheitsverhältnisse schafft Person und menschliche Gemeinschaft neu… Gemeinschaft am Leid führt nicht in Vereinzelung, Gottferne und Tod, sondern zur schöpferischen Verheißung des Evangeliums gehört die Zuversicht der Gottesgemeinschaft (85). In der Praxis der Liebe sah Hiller den Zusammenhang von Frömmigkeit und gelehrter Theologie. Diese oft vergessene Seite des schwäbischen Pietismus hat später Dietrich Bonhoeffer wieder aufgenommen. Dem von Martin Brecht herausgegebenen Buch muß man eine weite Verbreitung wünschen, vor allem unter denen, die Theologie, Frömmigkeit und Gemeinde trennen. Prof. Dr. Karl Rennstich, em 2001-2. |
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Breman, Christina Maria. The Association of Evangelicals
in Africa: Its History, Organization, Members, Projects, External Relations
and Message. Zoetermer: Boekencentrum, 1996. Die Niederländerin Christina M. Breman war viele Jahre Sekretärin an der Freien Universität Amsterdam. Mit 45 Jahren wird sie Missionarin der Africa Inland Mission in Tanzania, nachdem sie ein gründliches Theologiestudium absolviert hat (BTh, MTh, Mdiv). Schon nach 2 Jahren muß sie aus Krankheitsgründen zurück in die Heimat und beginnt dort mit der umfangreichen historisch-missiologischen Dissertation über die Evangelische Allianz Afrikas (AEA). Christina Breman hat sehr gründlich rechechiert (50 Seiten Literaturangaben) und viele Interviews vor Ort durchgeführt. Das Buch gibt einen umfassenden Einblick in die Organisationsentwicklung einer dynamischen Bewegung der Evangelikalen in Afrika. Vor allem die Persönlichkeiten, die die AEA geprägt haben, werden einfühlsam und prägnant geschildert (Downing, Kato, Odunaike, Adeyemo). Breman selbst schreibt aus evangelikal-reformierter Perspektive, stellt aber andere theologische Positionen fair dar. Nur der Bericht über PACLA II ist etwas einseitig, da nur Kritiker zu Wort kommen und nicht die Beteiligten selbst, wie bei den übrigen Konferenzberichten. Die AEA wurde 1969 auf amerikanische Initiative hin (IFMA, EFMA) gegründet, hat sich aber zu einer echt afrikanischen Bewegung entwickelt. Für mich ist das Besondere an diesem Buch das kulturelle Einfühlungsvermögen in die afrikanische Kultur und Weltanschauung, das die Besonderheiten der Evangelikalen in Afrika eindrücklich darstellt (Prägung durch das Häuptlingsdenken, pragmatische Zusammenarbeit mit Vertretern anderer Glaubensüberzeugungen, Betonung des engagierten Betens, eine holistische Sicht von Religion und Glauben). Die Geschichte der AEA ist eine erstaunliche Erfolgsstory, vor allem in den Bereichen theologische Ausbildung, BEST, NEGST, Akkreditierung, TEE, Christian Education. Die Verf. geht aber auch auf Rückschläge, allzu-menschliches, auf dem Papier formulierte große Ziele und die mangelnde Umsetzung in der Praxis ein. Besonders schwer auszuhalten ist die Spannung, einerseits die Initative aus den Grassroot-Bewegungen der Evangelikalen aufzunehmen und zu begleiten und auf der anderen Seite als kontinentales Zentralbüro in Nairobi autokratisch von oben nach unten eine Organisation am Leben zu erhalten, und das mit allen Engpässen - vor allem finanzieller Art - die jeder kennt, der länger in Afrika gearbeitet hat. Breman stellt die erstaunlichen Fähigkeiten von Tokunboh Adeyemo heraus, der jetzt schon 21 Jahre Generalsekretär der AEA ist. Für wen ist das Buch hilfreich? Missionare können in afrikanische Organisationskultur einen feinfühligen Einblick erhalten. Christliche Leiter, die mit Afrikanern zusammenarbeiten, tun gut daran, sich durch die Dissertation Hintergrundinformationen über die Evangelikalen dieses Kontinents zu verschaffen. Vor allem aber sollten viele Leiter in Afrika dieses Buch zur Hand nehmen. Da das Werk sehr umfangreich (und für Afrikaner sehr teuer) ist, wäre es eine gute Möglichkeit dieses Buch bei Besuchen in Afrika als Geschenk mitzubringen. Horst Engelmann, em 2000-1. |
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Brenton Betts, Robert. Christians in the Arab East. Lycabettus Press, Athen, zweite neu
bearbeitete Auflage 1978. Wie konnte es geschehen, daß die christliche Kirche in den meisten Ländern des arabischen Nahen Ostens bis heute überlebt hat? Warum ist es den Christen unter islamischer Herrschaft so viel besser gegangen als den Muslim in Spanien, Portugal oder Sizilien? Wie kam es, daß die Christen im Libanon bei der einzigen Volkszählung, die jemals stattgefunden hat, eine hauchdünne Mehrheit und damit die Macht im Staat bekamen? — Wer diese und viele andere Fragen über Geschichte und heutige Lage der christlichen Minderheitskirche im Nahen Osten beantworten möchte, der sollte zu Betts Buch greifen. Es ist eine hervorragend geschriebene und auch gut lesbare soziologisch-geschichtliche Darstellung, die inzwischen in Athen in der zweiten Auflage erschienen ist. Klaus Fiedler, em 1985-2. |
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Bria, Ion; P. Chanson, J. Gadille, M. Spindler (Hg.), Dictionnaire oecumenique de missiologie: Cent mots pour la mission, (Association francophone oecumenique de missiologie), Paris/Genève/Yaoundé: Du Cerf/Labor et Fides/Cle, 2001. Die Französischsprachige Ökuemenische Gesellschaft für Missionswissenschaft (Association francophone oecumenique de missiologie) hat bereits 2001 dieses Ökumenische Wörterbuch der Missiologie (hier abgekürzt DOEM) herausgegeben. Begonnen wurde die Arbeit bereits 1988 von Père Joseph Levesque und nach seinem Tod 1995 von Ion Bria, Philippe Chanson, Jacques Gadille und Marc Spindler weitergeführt und zum Abschluss gebracht. Das Buch trägt den Untertitel „Hundert Worte für die Mission“. Und tatsächlich sind es genau hundert Stichworte, unter denen das Thema der Mission wissenschaftlich von vielen Seiten her beleuchtet wird. Natürlich liegt der Vergleich mit dem Lexikon missionstheologischer Grundbegriffe, hg. von Karl Müller und Theo Sundermeier, 1987 (LMG) nahe. Hier waren es 110 Stichworte. Doch das vorliegende Werk ist keine Übersetzung, sondern eine eigenständige Arbeit. Die fränzösischsprachigen Autoren haben ihre eigenen Akzente gesetzt. Schon das erste Stichwort, das den Reigen der Begriffe eröffnet, „Adaptation“, sucht man im LMTG vergeblich. Das gleiche gilt für die Stichworte „Annonce de l´Evangile“, „Apostolicité de la mission“, „Eglises locales“, „Internationalisation de Missions“, „Liberté réligieuse“ „Plantation de l´Église“,“Syncretisme“ u. v. m. Interessant: den Artikel zu „Bibel und Mission“, den im LMG der Mitherausgeber des DOEM, Marc Spindler, geschrieben hat, verfasst hier eine andere Autorin. Das thematische Spektrum ist leicht anders gelagert als im LMG und reicht weiter in die Bereiche der Missionsgeschichte und -praxis hinein. Dafür fehlen spezialisierte Beiträge zu afrikanischer, chinesischer, indischer oder lateinamerikanischer Theologie oder den Glaubensmissionen wie im LMG. Jedem Artikel ist eine ausführliche Bibliographie und eine Übersicht verwandter Begriffe zugeordnet. Insgesamt sind 45 Autoren vorwiegend aus dem französischsprachigen Bereich an dem Werk beteiligt. Das Buch wird abgerundet durch ein Abkürzungsverzeichnis, ein Verzeichnis der Autoren, einen Sach- und Personenindex und schließlich ein Inhaltsverzeichnis. Das Werk ist eine wichtige Ergänzung zu den bisherigen missiologischen Nachschlagewerken und (nicht nur) für Französisch sprechende Missiologen unentbehrlich. Dr.
Friedemann Walldorf, em 2006-1. |
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Brinkmann, Klaus (Hg.). Missionare und ihr Dienst im
Gastland. Referate der
Jahrestagung 1997 des AfeM. edition afem - mission reports 5. Verlag für
Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1998. „Missionare und ihr Dienst im Gastland“ ist eine 175-seitige Fundgrube für Gäste und solche, die es werden wollen. In elf Referaten beleuchten neun Missionspraktiker, wie der Einsatz des Missionars gelingen kann. Dabei besticht die Erkenntnis, daß es weniger auf die fachlichen, als die persönlichen Qualitäten des Mitarbeiters ankommt. Beziehungsorientierte Charaktereigenschaften wie Humor, echte Demut, Höflichkeit und Geduld sind auf lange Sicht wirkungsvollere Missionsmittel als ein projektorientiertes „Zack, zack, jetzt aber ran, die Zeit läuft“. Gästebetrieb ist nicht immer eine einfache Sache, weder für den Gastgeber noch für den Gast: Im Land seiner Bestimmung angekommen, spürt der Neuling (er wußte es schon vorher), daß seine Kollegen aus der ganzen Welt kommen und er sich nun an mindestens zwei Kulturen anpassen muß, der des Gastlandes und der des Teams. Lohnt sich die Arbeit in interkulturellen Teams? Sie kann das effektivste Team überhaupt sein, wenn einige Voraussetzungen stimmen (S. 31, 121ff). Was kann alleinstehenden Missionaren helfen, Anschluß ans Team zu gewinnen? Kinderspielzeug mitnehmen! Aber nicht um fortan als Dauerbabysitter von den Missionaren ‘mißbraucht’ zu werden, sondern um freundschaftlichen Kontakt zu ihnen zu bekommen. Sollen wichtige, die Arbeit betreffende Entscheidungen auf dem Feld oder von der Heimatzentrale getroffen werden? Wenn möglich auf dem Feld, wie das Beispiel des Paulus zeigt (S.68-70). Wie sollen sich die Missionare bei massiven sozialen Ungerechtigkeiten wie Ausbeutung und Unterdrückung im Gastland verhalten? Unbeirrt auf das Verkündigen des Evangeliums beschränken, oder politisch und sozial aktiv werden (S. 152ff)? Auch für die gastgebende Kirche können die Gäste anstrengend sein: So können sich viele Missionare einfach nicht daran gewöhnen, unangemeldet „nur so“ Besuche zu machen, obwohl das in manchen Kulturen unersetztlich ist. Einige unter ihnen sind so vielseitig begabt und packen derart viele Dinge erfolgreich an, daß sie damit ihre einheimischen Mitarbeiter erschlagen. Ungewollt rauben sie diesen ihre Motivation und ersticken ihre Eigeninitiative. Andere gehen so unbedarft mit ihrem Geld und ihren Gütern um, daß sie unbeabsichtigt die Blicke der Einheimischen auf ihren Besitz anstatt auf Jesus lenken. Die Referenten zeigen nicht nur die Probleme, sie versuchen auch anhand der Bibel und ausgewählter Fallbeispiele Antworten zu geben. Bei aller Problemanzeige wird nicht vergessen, daß die Gäste nicht aus eigenem Antrieb in die Mission gehen, sondern von dem gesandt sind, der Fremdlinge und Gäste jetzt zu Mitbürgern und Gottes Hausgenossen machen will (Eph 2,19). Wer sollte dieses Buch lesen? Der heimkehrende Missionar. Ihm kann es eine äußerst hilfreiche Anleitung sein, seinen Dienst kritisch zu überdenken. Aber auch der Missionskandidat und die, die ihn für seinen Einsatz vorbereiten, werden profitieren. Johannes Böker, em 1999-3. |
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Brugnoli, Carlo und
Michèle. Erzählt
es allen Völkern. Ermutigende Perspektiven zum Thema Weltmission. Projektion J: Wiesbaden, 1995. Die Autoren Carlo und Michèle Brugnoli sind Missionspraktiker, Leiter eines JMEM-Zentrums in der Schweiz, die mit ihrem missiologischen Kompaktkurs herausfordern, anstecken und begeistern wollen. In wohltuender Weise wird dabei die Dichotomie zwischen Missionaren im Ausland und Gemeindegliedern zu Hause überwunden. Alle werden eingeladen zum gezielten Engagement für die Weltmission, zur kreativen Unterstützung von Missionaren sowie zur Weltmission vor der Haustür. Dabei liegen den Autoren besonders die unerreichten Völker am Herzen. Dies ist ein außerordentlich praktisches Buch. Kurze Gedanken zur Missionstheologie sind mit eindrucksvollen Fakten und anschaulichen Erfahrungsberichten kombiniert. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Gebet, insbesondere für die Bekehrung von einzelnen Freunden. Andere Themen sind Evangelisation, Nacharbeit, effektive Kommunikation sowie Kinder- und Jugendarbeit. Da das Buch als Werkbuch gestaltet ist, wird jedes Kapitel mit einem Fragenkatalog abgeschlossen, der zum weiteren Nachdenken anregt. Freier Raum auf diesen Seiten lädt dazu ein, Antworten gleich niederzuschreiben. Leider fehlt fundierte Bibelauslegung. Es sind zu viele orthographische und Übersetzungsfehler verblieben, etliche Formulierungen sind altmodisch-fromm. Bei den spektakulären Berichten über umstrittene Großaktionen hätte ich mir mehr kritische Distanz gewünscht. Hier wird der Glaubensmut (Zukunftsoptimismus) deutlich, der von dem charismatischen Vorverständnis her zu verstehen ist. Trotz dieser Unzulänglichkeiten ist das Buch wegen seiner Praxisnähe und engagierten Darstellung zu empfehlen. Dr. Detlef Blöcher, em 1998-1. |
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Bürkle, Horst (Hg.). Die Mission der Kirche. AMATECA
Lehrbücher zur katholischen Theologie Bd. XIII, Paderborn: Bonifatius, 2002. In diesem Werk unternimmt der emeritierte Münchener Missionswissenschaftler Horst Bürkle in Zusammenarbeit mit 7 Mitverfassern, darunter 3 weitere Missiologen (Karl Müller, SVD, +2001), Arij A. Roest-Crollius, S.J., Horst Rzepkowsky, SVD, + 1996), 2 Soziologen (Anton Rauscher, S.J., Manfred Spieker) und 2 Dogmatikern (Bonaventura Kloppenburg, O.M.F., Leo Kardinal Scheffzyk) den begrüßenswerten Versuch, auf begrenztem Raum in wissenschaftlicher und doch gemeinverständlicher Form für den Gebrauch an Hochschulen, Gymnasien wie auch im pastoralen Bereich ein Kompendium vorzulegen, in dem alle Gebiete und Themen der christlichen Mission prägnant und informativ zur Darstellung kommen: ihre exegetische und dogmatische Begründung, ihre Geschichte, ihre Verbreitung auf allen Erdteilen und in den Kulturkreisen der Menschheit sowie in den Problemstellungen angesichts der religiösen, politischen und sozialen Herausforderungen der Gegenwart. Das Buch erscheint in der Reihe „Lehrbücher zur katholischen Theologie“, in welcher der Herausgeber bereits einen früheren Band (III) veröffentlicht hat, der sich mit den nicht-christlichen Religionen und deren theologischer Interpretation beschäftigt. Die beiden Bände ergänzen sich also gegenseitig. Kennzeichnend für die ganze, im Aufbau begriffene Reihe AMATECA (Associazione Manuali di Teologia Cattolica) ist, daß in ihr alle theologischen Disziplinen aus einer Perspektive behandelt werden, die sich entschieden der Autorität des römisch-katholischen Lehramtes unterstellt und dabei besonders dessen Verlautbarungen aus neuer Zeit seit dem II. Vaticanum und dem Pontifikat der letzten Päpste in z.T. umfangreichen Zitaten zu Worte kommen läßt. So nimmt im Personenregister der gegenwärtige Papst Johannes Paul II. mit 46 Verweisen mit Abstand den ersten Platz ein (vor 20 Hinweisen auf Publikationen des wichtigsten Mitverfassers Karl Müller, dessen 1985 erschienene Missionstheologie hier noch einmal aktualisierend ausgewertet wird). Diese Orientierung an den lehramtlichen Aussagen bedeutet auch für den nicht-katholischen Leser einen zweifachen Gewinn: Zum einen gibt er dem Gesamtwerk angesichts der Vielzahl von Themen und Mitverfassern eine innere Geschlossenheit und Repräsentativität. Obwohl auch die gegenwärtige katholische Missionswissenschaft durch Spannungen zwischen einer konservativen (z.B. J. Amstutz und J. Dörmann) und einer progressiven Richtung (z.B. G. Collet und L. Rütti) beeinflußt ist, auf die auch gelegentlich verwiesen wird, werden so doch jene Einseitigkeiten vermieden, die manchen anderen, von der persönlichen Position des Verfassers bestimmten Monografien anhaften. Der Leser bleibt also nicht im Unklaren über die offizielle Haltung, welche die Kirche Roms hinsichtlich ihrer weltweiten Sendung einnimmt und wie sie in den Entscheidungen und Instruktionen zu den mannigfachen Problemen verbindlichen Ausdruck gefunden hat. Der andere Vorteil dieser Anlage ist der, dass tatsächlich ein so gut wie vollständiges Spektrum missionarischer Aspekte des heutigen kirchlichen Weltengagements entfaltet werden kann. Denn die Aufgaben und Probleme der verschiedenen Teilkirchen in aller Welt sind durch die zentrale Koordinierung der gesamtkirchlichen Organe und die direkte päpstliche Aufsicht ständig präsent und werden in ihrer grundsätzlichen Bedeutung durchdacht, ob es sich etwa um die heute sehr im Vordergrund stehende Frage der Inkulturation von Evangelium und Kirche handelt, oder um das Engagement der Laien bei der Bezeugung der christlichen Botschaft in den mannigfachen Lebensbereichen, oder die Verbindung von Verkündigung und sozialpolitischer Verantwortung, oder den Dialog mit anderen Religionen und Welt-anschauungen oder auch die Neu-Evangeli-sierung einst christianisierter Völker in Europa und in den beiden Amerikas. Trotz dieser bewusst angelegten kirchenamtlichen Perspektive bringt die Lektüre des vorliegenden Kompendiums auch dem evangelischen Leser, ob Fachwissenschaftler oder interessiertem Laien, echten Gewinn, und dies aus einem dreifachen Grund: Erstens sind die missionarischen Herausforderungen der Welt sowohl in ihren religiösen als auch ihren säkularen Aspekten weithin die gleichen, so dass der evangelische Missiologe fast überall auf die auch ihn ständig beschäftigenden Fragen stößt. Zweitens gibt es nach der vom II. Vatikankonzil bewirkten Entspannung im interkonfessionellen Verhältnis eine ökumenische Zusammenarbeit sowohl im wissenschaftlichen als auch im praktischen Bereich, letztere auf den einzelnen Kontinenten wohl im unterschiedlichem Maß, am wenigstens offenbar zwischen der Katholischen Kirche und den (von Kloppenburg summarisch so bezeichneten) „Nichtkatholiken“ in Lateinamerika! Fast alle Beiträge sind von einem ehrlichen Respekt vor den Leistungen auch evangelischer Missionare und Missiologen geprägt, was sich in den häufigen Rekursen auch auf protestantische Literatur bekundet. Drittens, und das dürfte das Wichtigste sein: Die theologische Begründung der Mission aus dem Heilsratschluss des Dreieinigen Gottes, die in den Sendungen des Sohnes und des Geistes ihre grundlegende Verwirklichung und ihre Weiterführung in der Mission der Kirche findet, unterscheidet sich in den drei Hauptkonfessionen nicht mehr wesentlich. Deswegen kann sich K. Müller im zweiten Kapitel bei der alttestamentlichen und neutestamentlichen Begründung der Mission weithin auf evangelische Theologen wie J. Blauw, D. Bosch, F. Hahn, M. Hengel, O. Michel, A. Rétif und C. Stuhlmueller stützen. Bei aller erfreulichen Gemeinsamkeit in der Missionsschau des vorliegenden katholischen Lehrbuchs können die verbleibenden Unterschiede nicht übersehen werden. So fällt dem Rezensenten als Erstes auf, dass in den Aufsätzen der Autoren, so weit sie protestantische Kollegen nicht nur erwähnen, sondern explizit zu Worte kommen lassen, der evangelikale Beitrag zur neuzeitlichen Missiologie relativ geringe Aufmerksamkeit findet. Das ist um so befremdlicher, als spätestens seit dem Aufbruch der Lausanner Bewegung, aber schon seit den sechziger Jahren, schon rein operationell der Löwenanteil zur heutigen Weltevangelisation einschließlich der Diakonie von evangelikalen Gesellschaften, Verbänden und einheimischen Kirchen geleistet und von einer beachtlichen missiologischen Literatur wissenschaftlich begleitet wird. Hinsichtlich der theologischen Zielsetzung der Mission fällt auf, dass in konsequenter Entfaltung des Buchtitels die korporative ekklesiologische Dimension der Mission als eine der Kirche als ganzer gestellten Aufgabe und als ein zu ihrer weltweiten Gestaltwerdung führendes Werk bildet. Das gilt für alle Autoren, von Bürkles grundlegendem Beitrag über die „Mission der Kirche im religiösen und kulturellen Kontext der Gegenwart“ bis zu Manfred Spiekers abschließender Behandlung der Probleme der „Kirchen im postkommunistischen Transformationsprozeß“. Als die wesentliche Problematik betrachten sie dabei die „Inkarnation“, d.h. Verleiblichung der Kirche in den mannigfachen Kulturen der Menschheit. Gewiss würden heutige evangelikale bzw. reformatorische Missiologen diesen Aspekt ebenfalls einbeziehen. Aber als vorrangige Aufgabe der Mission würden sie der bis zu Paulus zurückreichenden Tradition folgen und mit diesem die soteriologische, d.h. die auf die Rettung der vom Evangelium noch unerreichten Menschen aus sündiger und dämonischer Gebundenheit und vor dem kommenden göttlichen Zorngericht herausstellen. Das haben einst - in inhaltlicher Parallele zu Gustav Warnecks Missionslehre – auch katholische Missions-wissenschaftler in der Münsteraner Schule (J. Schmidlin; Th. Ohm) in dem sogenannten „Konversionsmodell“ vertreten (vgl. Abschn. 3.6 „Die verschiedenen Modelle“, S. 111-114). Zu dessen Ablösung hat sicher nicht nur die Durchsetzung des „Plantationsmodell“ der Löwener Schule beigetragen, sondern heute sicher noch stärker die optimistische Beurteilung der Heilsmöglichkeit auch in den nichtchristlichen Religionen bzw. gar durch sie, wie sie aus den Dialog-Instruktionen des Vatikans sowie der Weitherzigkeit des jetzigen Papstes in seinem Umgang mit den Repräsentanten anderer Religionen (Assisi 1986 und 2002!) hervorzugehen scheint (Der von dem Münsteraner katholischen Missiologen Johannes Dörmann dagegen erhobene Einspruch wird in einer Anmerkung auf S. 156 zwar vermerkt, aber dezent zu entkräften versucht). Immerhin warnte gerade auch Johannes Paul II. selber (vier Jahre nach „Assisi I“) in seiner Missions-Enzyklika vor einer missbräuchlichen Zurückstellung der Verkündigungsaufgabe zugunsten eines neutralen interreligiösen Dialogs. Eine überzeugende Begründung der Notwendigkeit der Bekehrung sucht man jedoch in den Beiträgen des vorliegenden Buchs vergeblich, abgesehen von dem Aufsatz Leo Scheffzyks über die „Grundlagen der Reevangelisierung im Vatikanum II und in der päpstlichen Lehrverkündigung“. Er widmet den 3. Abschnitt dem Thema: „Das Zentrum der Neuevangelisierung: die Notwendigkeit der Umkehr“ (S. 333-338). Hier bildet den Hintergrund allerdings der von ihm beobachtete Verlust von Religion in der säkularistischen Gesellschaft und die mangelnde Spiritualität sogar in der Kirche selbst. Ein weiterer theologischer Schwerpunkt, an dem sich evangelikale Missionstheologen von der hier dargelegten römisch-katholischen Position unterscheiden werden, ist die von ihnen mit Karl Hartenstein und Walter Freytag betonte eschatologische Ausrichtung der Mission als Wegbereiterin des wiederkommenden Herrn. Gewiß wird dieser biblische Aspekt, den K. Müller bei der Behandlung der paulinischen Missionstheologie (nach D. Senior und D. Bosch) als wesentliches Thema derselben nennt (S. 68), nicht übergangen. Aber er stellt für diese Autoren, ebenso wie für das kirchliche Lehramt, kein dringliches Motiv dar. Was sie davon abhält, ist einerseits die oft protestantisch-ökumenischerseits beschworene Furcht, dass Apokalyptik zur Lähmung der Weltverantwortung führe, andererseits der auffallende Geschichtsoptimismus in der missionarischen Planung , wie er ja von Papst Johannes Paul II. in zahlreichen Verlautbarungen und Aktionen im Blick auf das erwartungsvoll eingeläutete Dritte Millennium vertreten worden ist und noch wird. Angesichts dieser innergeschichtlichen Zukunftshoffnung tritt - drittens - auch die für die biblische Reichs-Erwartung nach Röm 11,25 so zentrale Rolle des alten Bundesvolkes Israel zurück, so sehr im Sinne des heutigen, schuldbewußten Versöhnungsbemühens Roms auch positiv die heilsgeschichtliche Verbundenheit der Kirche mit Israel betont wird (S. 69). Erfreulich ist angesichts der sich gegenwärtig weithin durchsetzenden Diffamierung der Judenmission auf protestantisch/ökumenischer Seite die Aussage von Karl Müller (S. 69 f.), „dass die Juden immer ein Recht hatten und auch heute noch haben zu hören, dass Jesus der Christus ist, d.h. dass die Kirche als Folge davon ihrerseits das Recht und die Pflicht hat, das Evangelium auch den Juden zu verkündigen.“ Prof. em. Dr. Peter P. J. Beyerhaus, em 2002-4. |
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Burnett, David. Clash of Worlds. East-bourne: MARC 1990. Dr. David Burnett ist der Leiter des Missionary Orientation Centre von WEC International
in England und Fellow of the Royal Anthropological Institute. Er war Missionar
in Indien und ist Autor von „God’s Mission:
Healing the Nations” (1986) und „Unearthly
Powers: A Christian Perspective on
Primal and Folk Religions” (1988). Dr. Peter Cotterell, Rektor des London Bible College, schließt sein Vorwort zu dem Buch: „Dies ist ein Buch für Leute, die bereit sind nachzudenken; aber es verursacht dem, der es tut, keine unnötigen Kopfschmerzen.“ Burnetts Stil ist klar und verständlich. Als guter Lehrer illustriert er die wesentlichen Punkte mit Anekdoten und Beispielen. Das Buch behandelt ein einziges Thema: Weltbilder (‚worldviews’). „Die meisten von uns haben das Wort gehört. Wenige wissen, was es wirklich heisst. Hier ist die Antwort. Ich entsinne mich keines Buches, das so eindeutig und elegant dieses Thema behandelt.“ (Peter Cotterell). Burnett behandelt nach grundsätzlichen Ausführungen die Weltbilder des Säkularismus, Animismus, Hinduismus, der Chinesen und des Islam. Er geht dann auf die Veränderungen der Weltbilder ein (New Religions Movements, New Age Movement, Neo-paganism). Danach untersucht er die Grundsätze des christlichen Weltbildes, wie es andere Weltbilder transformiert und wie im Zusammenprall mit anderen Weltbildern das Evangelium sachgemäß bezeugt und verkündigt werden kann. Burnetts Anliegen ist, Christen zu helfen, im Konflikt der Weltbilder die andere Seite und das eigene Weltbild zu verstehen. Erst dann ist eine echte Kommunikation des Evangeliums möglich. Dietrich Kühl, em 1991-3. |
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Burnett, David. Dawning of the Pagan Moon. Eastbourne: MARC, 1991. Dr. David Burnett ist „Fellow of the Royal Anthropological Institute” und vom WEC International als Dozent an das All Nations Christian College in Ware, Hertfordshire ausgeliehen.
Er ist Autor von God’s Mission: Healing
of the Nations (1986), Unearthly
Powers: A Christian Perspective ofPrimal and Folk Religions (1988) und Clash of Worlds (1990). Bumett möchte in seinem Buch zeigen, daß An eine kurze Einführung über die religiösen Vorstellungen der Kelten und Angelsachsen schließen sich Ausführungen über Esoterik und Magie im Mittelalter und in der Neuzeit an. Der erste Teil schließt dann mit einer Untersuchung über die Hintergründe und Entwicklungen der neueren „Pagan Revival“. Der zweite Teil geht auf Zusammenhänge zwischen der Göttin Gaia [Erde] und dem Feminismus und ökologischen Bewegungen ein. Den Abschluß des zweiten Teiles bildet ein Kapitel über CG. Jungs Psychologie, Mircea Eliade und ihre Verbindungen zur modernen Belebung des Heidentums in der christlichen Welt. Ein dritter Teil geht auf die Magie und ihre Verbindung zur Religiosität ein und bespricht auch die verschiedenen Feste im Zusammenhang mit dem Jahreszyklus und dem Lebenszyklus. Ein vierter Teil untersucht die Frage, wer eigentlich von dieser neuen religiösen Welle erfaßt ist. Es wird deutlich, daß das Neuheidentum nicht nur irgendwelche Randsiedler erfaßt, sondern mittlerweile eine große Gefolgschaft auch in der Mittelklasse und unter den Intellektuellen hat. Ein letzter Teil geht auf die Haltung der Gesellschaft zu denen ein, die offen dem neuen Heidentum angehören. Danach wird die Rolle des Mythos füf den Glauben untersucht. Den Abschluß bildet eine biblische Antwort auf das Phänomen der „Pagan Revival“. Ein Nachwort an die neuheidnischen Leser, eine Liste mit 73 heidnischen Zeitschriften in England und ein Index runden das Buch ab. Mit fast 10 £ ist das Buch deutlich teurer als die anderen Bücher von David Bumett. Dietrich Kühl, em 1993-1. |
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Burrows, William R. Redemption and Dialogue:
Reading Redemptoris Missio and Dialogue and Proclamation. Maryknoll/New York:
Orbis Books, 1994. Wenn der bekannteste Vertreter der Christenheit, Papst Johannes Paul II., sich zum Thema Mission äußert, ist das zweifelsohne für Missiologen interessant. In dem Buch „Redemption and Dialogue“ veröffentlicht der frühere Missionar und heutige Leiter des Orbis-Verlags, William Burrows, zwei wichtige katholische Dokumente zur Mission. In Teil I und II werden die vollständigen Texte der Enzykliken „Redemptoris Missio“ und „Dialogue and Proclamation“ zum ersten Mal auf englisch zugänglich gemacht. Beide Dokumente werden von ausführlichen Kommentaren katholischer Missionswissenschaftler begleitet. In einem dritten Teil folgen Stellungnahmen verschiedener Missiologen aus aller Welt, die die Schwächen und Stärken der Verlautbarungen kritisch beleuchten. Dank des durchdachten dreiteiligen Aufbaus erhält man ein gutes, abgerundetes Bild über Inhalt und Bewertung der Dokumente. Die beiden Verlautbarungen des Vatikans sind nach einem langen Entstehungsprozeß ausgewogen, aber auch an manchen Stellen etwas unklar. Man erkennt, daß der Vatikan über fähige Theologen verfügt und daß Papst Johannes Paul II. die ‘Missio ad Gentes’ bzw. ‘Neu-Evangelisierung’ ein echtes Anliegen ist. Allerdings ist aber auch die katholische Betrachtungsweise unübersehbar. Hervorragend untersucht und geschrieben sind die Kommentare von Marcello Zago, O.M.I. und Jacques Dupuis, S.J., eher durchschnittlich die neun Kritiken von den unterschiedlichsten theologischen Gesichtspunkten aus. Für besonders gelungen halte ich die beiden Kritiken von Eric J. Sharpe und Jack Voelkel; letztere aus evangelikaler Feder. Insgesamt handelt es sich um ein lesenswertes, manchmal etwas langatmiges Buch, wenn man sich für Missionstheologie interessiert. Gesamtnote: gut. Martin Sachs, em 1997-3. |
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Bush,
Luis and Larry Lutz. Partnering in Ministry: The Direction of World Evangelism. InterVarsity Press: Downers Grove (IL), 1990. PartnersInternational/ChristianNationals Evangelism Commission, dessen Präsident der Südamerikaner Luis Bush ist, ist eine weltweit operierende Organisation, die mit Kirchen und evangelikalen Zusammenschlüssen in Missionsländern Partnerschaften eingeht, um diesen Spendengeldern vorwiegend aus den USA zur Verfügung zu stellen, die diese Kirchen und Zusammenschlüsse selbständig verwalten und einsetzen. Bush und der Verantwortliche von PI für Publikationen, Larry Lutz, legen in diesem Buch eine umfassende Begründung vor, warum sie eine solche Partnerschaft als den einzigen in der Zukunft gangbaren Weg ansehen, der den Kurs der Weltevangelisation entscheidend verändern könnte. Anhand von vielen Beispielen wird erläutert, wie Partnerschaft zwischen Missionsgesellschaften und einheimischen Kirchen und Zusammenschlüssen aussehen kann und wie Missionsgesellschaften die Verantwortung an einheimische Christen abgeben können, ohne sich deswegen völlig zurückziehen zu müssen. Die Autoren befürworten im Gegenteil, daß Missionsgesellschaften unbedingt weiter zur Verfügung stehen sollten, um die von den einheimischen Mitarbeitern erkannten Lücken unter deren Leitung zu füllen. Auch wenn ich das Buch wärmstens empfehlen möchte, sei eine kritische Rückfrage erlaubt. PI läßt zwar den einheimischen Partnern die Freiheit zu entscheiden, wie die Gelder eingesetzt werden, erwartet aber offensichtlich ein hohes Maß an häufigen Rechenschaftsberichten, was damit begründet wird, daß man sich auf glaubwürdige Organisationen beschränken will und den Spendern gegenüber verpflichtet sei. Nun ist so etwas innerhalb der amerikanischen Kultur durchaus normal. Wird das aber von den auf diese Weise doch ein Stück weit überwachten Organisationen noch als Partnerschaft empfunden? Gibt es keine den entsprechenden Kulturen besser angepaßten Kontrollmöglichkeiten als monatliche schriftliche Berichte an eine internationale Zentrale? Ich gestehe aber zu, nicht die Erfüllung der Verträge in der Realität zu kennen, die ja wesentlich partnerschaftlicher sein kann, als der Eindruck, der bei mir durch die schriftliche Darstellung geweckt wurde. Es wäre sicher interessant zu erfahren, wie die ‘Betroffenen’ die Überprüfung und Überwachung empfinden. Thomas Schirrmacher, em 1994-2. |
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Carey, S. Pearce. William Carey: Der Vater der
modernen Mission. CLV: Bielefeld, 1998. Endlich erscheint nach mehreren Jahrzehnten wieder eine Biographie des Vaters der modernen Weltmission in deutscher Sprache und zum ersten Mal eine ausführliche. Es handelt sich allerdings nicht um die Übersetzung einer neueren englischen Biographie, sondern der sehr erfolgreichen, 1923 erschienen und 1934 zuletzt korrigierten populären Biographie von Careys Urenkel, die zwar keine kritischen Töne enthält und natürlich die erst nach dem 2. Weltkrieg einsetzende Careyforschung nicht berücksichtig, dafür aber auf viele bis dahin unbekannten Familiendokumente zurückgriff. Dennoch sollte die Biographie weite Verbreitung finden, zumal sie durch den für ein gebundenes Buch sehr günstigen Preis besticht und ein ideales Geschenk in Missionskreisen sein dürfte. Die Übersetzung von Benedikt Peters ist ausgezeichnet und flüssig zu lesen, die Aufmachung mit Fotos und das Schriftbild lassen nichts zu wünschen übrig. Typisch für die Biographie ist, daß sie theologische Fragen und eine theologische Einordnung Careys praktisch völlig unterläßt, was jedoch praktisch für die gesamte Carey-Literatur gilt. Lediglich Peter Masters verweist in seinem Vorwort darauf, daß Carey und seine Mitarbeiter „überzeugte Calvinisten“ waren. Ein Anhang mit kurzen Hinweisen zu 54 Jahren Forschung seit der letzten Überarbeitung der englischen Ausgabe und mit Hinweisen zu Careys theologischem Standort wäre deswegen wünschenswert. Bei dieser Gelegenheit könnte man auch statt reiner Verweise auf englische Literatur deutsche Literatur nennen, insbesondere die in der edition afem erschienene deutsche Übersetzung von Careys Hauptwerk! Dr. Thomas Schirrmacher, em 1999-3. |
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Carpenter, Joel A. und
Wilbert R. Shenk. Earthen Vessels. American Evangelicals and Foreign Missions, 1880-1980. Eerdmans: Grand Rapids, 1990. Dies ist ein Buch, das Fakten ins rechte Licht rückt: Zum einen nimmt es endlich die Tatsache wahr, daß seit den 50er Jahren die Mehrheit (heute wohl 90%) aller amerikanischen Missionare evangelikal ist (S.317). Zum anderen sieht es realistisch, daß die Geschichte der evangelikalen Missionsbewegung (neben der Geschichte der Frauen in der Religion) zu den am meisten vernachlässigten Themen der amerikanischen Kirchengeschichtsforschung der neueren Zeit gehört, gleich, ob bei evangelikalen oder nicht evangelikalen Historikern (L. Sweet, S.317). Obgleich Evangelikaie nach 1945 bedeutende Beiträge zur Missionsliteratur geleistet haben (Shenk, S.317-334), gehört die Missionsgeschichte (neben Missionstheologie und dem christlichen Zeugnis gegenüber nicht-christlichen Religionen) zu den vernachlässigten Bereichen. Eine Geschichte der evangelikalen amerikanischen Missionsbewegung ist noch nicht geschrieben (wohl auch für kein anderes Land), aber Earthen Vessels als Sammelband bemüht sich, Schneisen zu schlagen, Informationen zu bieten und Entwicklungen aufzuzeigen. Da die religiöse Welt Amerikas uns weitgehend unbekannt ist - die in manchen Kreisen übliche Standardpolemik gegen die „fundamentalistischen Fernsehevangelisten“ und die „electronic church“ hilft da auch nicht weiter - und die Amerikaner zugleich den weitaus größten Anteil am evangelischen Missionspersonal stellen, vermittelt das Buch wesentliche Einblicke in amerikanische Missionstheologie und damit zugleich auch in prägende Kräfte der heutigen (zumindest der evangelikalen) Missionsbewegung. Earthen Vessels wird durch einen Aufsatz von Andrew Walls, Edinburgh, über die amerikanische Dimension in der Geschichte der Missionsbewegung eingeleitet. Die anderen Autoren sind Nordamerikaner oder leben in Nordamerika. Nicht englischsprachige Literatur nehmen sie nur insofern wahr, als sie in englischer Übersetzung vorliegt (zB. Peter Beyerhaus S.330; Klaus W. Müller S.320). Die Aufsätze können in drei Gruppen zusammengefaßt werden. Zuerst die historischen
Arbeiten. Dana L. Roberts stellt anhand
der für die Glaubensmissionen so wichtigen Theologie A.T. Piersons und
A.J. Gordons die Bedeutung der prämillennialen Eschatologie für die Glaubensmissionen besonders und für die evangelikalen Missionen insgesamt dar.
Joel A. Carpenter stellt ua. die Bedeutung der Heiligungsbewegung für die Glaubensmissionen dar (S.117ff). Dagegen wird das für die Glaubensmissionen wesentliche Kirchenverständnis der Brüderbewe Direkt der Missionstheologie (dem zweiten Bereich) ist Charles Van Engens Artikel gewidmet: A Broadening Vision: Forty Years of Evangelical Theology of Mission, 1946-1986. Typisch für den dritten Bereich ist Orlando E. Costa’s Artikel: Evangelical Theology in the Two-Thirds World. Das Buch ist das Ergebnis einer Konferenz: „A Century of World Evangelization: North American Evangelical Missions, 1886-1986“, die im Wheaton College, nicht weit von Chicago, stattfand. Es wäre gut, wenn solch eine Konferenz mit dem Ziel, ein ähnliches Buch zu schaffen, auch einmal für den deutschsprachigen Raum stattfinden könnte. Klaus Fiedler, em 1993-4. |
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Carson,
D.A. (Ed.). Telling
the Truth: Evangelizing Postmoderns. Grand Rapids: Zondervan, 2000. Dieser theologisch und praktisch inspirierende Sammelband zum Thema Evangelisation in der Postmoderne dokumentiert eine Konferenz, die 1998 an der Trinity Evangelical Divinity School in Deerfield bei Chicago stattfand und darüberhinaus u.a. von der Intervarsity Fellowship, Campus für Christus, den Navigatoren und dem Billy-GrahamCenter getragen wurde. Herausgeber ist der bekannte evangelikale Neutestamentler Donald Carson (ebenfalls Trinity), der bereits mit einer umfassenden Analyse der pluralistischen Postmoderne in The Gagging of God (Zondervan 1996) sein Herz für Evangelisation in diesem Kontext offengelegt hat. Das Buch erschließt das Thema in 8 Teilen. Im 1. Teil (Opening Plenaries) führt Ravi Zacharias in das Thema ein, bleibt aber eher an der Oberfläche. Im 2. Teil (The Challenge) wird die Herausforderung des religiösen Pluralismus (H. Netland) und die Epistemologie der Postmoderne (Hink-son/Ganssle) analysiert. Der 3. Teil (Critical Topics) bewegt sich dann ins Zentrum wesentlicher Fragestellungen zur Evangelisation in der Postmoderne. James Sire („Why should anyone believe anything at all“) macht deutlich, dass die Frage nach Wahrheit auch für postmoderne Menschen relevant bleibt. Mark Dever analysiert das evangelistische Reden von Sünde in der Postmoderne. Phillip Jensen und Tony Payne beschreiben eine praktische und biblisch fundierte Methode („Two ways to live“), das Evangelium in einem postchristlichen Kontext mit prägnanten Illustrationen zu formulieren und persönlich zu kommunizieren. Im 4. Teil (Crucial Passages) werden zwei wichtige Bibeltexte näher untersucht (John Nyquist, Die Rechtfertigung des Sünders nach Römer 3 und Colin Smith, Die Aufgabe des Botschafters nach 2. Kor. 5,11-21). In Teil 5 (Church, Campus, Ethnicity) werden besondere Zielgruppen ins Auge gefasst: Afro-Amerikaner, asiatische Amerikaner und Studenten. Um die Beziehungsebene der Evangelisation geht es in Teil 6, in dem mit Robert Coleman (The Lifestyle of the Great Commission) ein Klassiker zu Wort kommt. Teil 7 bringt Erfahrungsberichte und Strategien vor allem aus den Bereichen Studenten- und Jugendarbeit. Schließlich sind in Teil 8 die Schlussreferate von A. Fernando („The Urgency of the Gospel“) und D. Carson („Athens Revisited“) dokumentiert. Hier findet sich viel inspirierendes Material, das aufgrund seiner oft grundlegenden Natur auch für den europäischen Kontext relevant ist. Die wesentlichsten Beiträge jedoch finden sich m.E. in Teil 3. Einen Nerv der Thematik trifft hier Mark E. Dever, Pastor einer Baptistengemeinde auf dem Capitol Hill in Washington D.C. in seinen Beitrag „In einer postmodernen Welt von Sünde reden“, den ich darum im Folgenden ausführlicher darstelle. Jan ist postmodern, hält sich für sündlos und christlich: „Jeden Tag werde ich neu erschaffen, jeder Tag ist ein Neuanfang - frisch und rein. Ist das nicht die biblische Botschaft der Gnade Gottes?“ Auf die Frage, was denn mit dem Kreuz Christi, dem Zorn Gottes und der Notwendigkeit der Vergebung der Sünde von der Jesus gesprochen habe sei, antwortete Jan: „Damit kann ich nicht viel anfangen“. Mit dieser Begebenheit eröffnet Mark E. Dever seinen aufschlussreichen Aufsatz, in dem er aufzeigt, dass im postmodernen Denken (das auch das Alltagsdenken der meisten Menschen heute geworden ist) Sünde keinen Sinn macht, weil es weder einen allgemeinen Sinn des Lebens (Metanarrativ) gibt, gegen den man verstoßen könnte noch einen göttlichen personalen Sinnstifter, dem gegenüber man verantwortlich wäre. Für die Evangelisation bedeutet das nach Dever ein vierfaches: 1. Kommunikation: die Wirklichkeit von Gut und Böse, die in Gottes Person verankert ist (und nicht nur ein „modernes“ Metakonzept ist) kann kommuniziert werden. Auch postmoderne Menschen empfinden Ungerechtigkeit und Bosheit. Es kann für sie befreiend sein, nun auch eine kognitive Kategorie für diese Realität zu verstehen. 2. Gemeinschaft: Auch der postmoderne Mensch, lebt in Beziehungen, die Verantwortlichkeit erfordern. Er kann dieser Realität nicht entkommen. Die biblische Überzeugung, dass jeder Mensch im Ebenbild Gottes erschaffen ist und damit wert, gut behandelt zu werden, bietet eine wirkliche Grundlage für Gemeinschaft und lässt sie gelingen. Das sehen und erleben postmoderne Menschen. 3. Gewissen: Auch wenn postmoderne Menschen nicht an eine Persönlichkeit glauben, haben sie ein Gewissen - denn auch sie sind nach Gottes Bild er schaffen. Christen sollten hier Mut haben und sich nicht ängstlich verstecken, auch wenn ihre Überzeugungen nicht up-to-date erscheinen und belächelt werden. A. Huxley spricht für viele, wenn er zugibt, dass die Überzeugung von der Sinnlosigkeit des Lebens ihm größere sexuelle Freiheiten zu ermöglichen schien. Hilfreich ist J. Bunyans Erzählung The Holy War: Die Macht in der Stadt Menschenseele wird von dem falschen Prinzen Diabolos usurpiert, der nun die ganze Stadt beherrscht. Nur der Stadtschreier Alter Mann Gewissen bricht manchmal aus und rast wie wahnsinnig durch die Straßen und schreit: Diabolos ist ein Lügner. Prinz Immanuel ist der wahre König von Menschenseele. Doch er wird immer wieder eingefangen und zur Ruhe gebracht. 4. Bekehrung: Trotz aller schlauen Theorien, Evangelisation in der Postmoderne ist entmutigend. Nur Gott selbst kann neue, wahre Überzeugungen und ein neues Leben in Menschen schaffen. Auch wenn wir die Postmoderne nicht in allem verstehen - wenn wir das Evangelium kennen und weitergeben, dann gehören wir zur Kirche der Zukunft. Erwähnenswert ist auch der Beitrag von Michael P. Andrus, der dafür pädiert, dass das Ziel der Evangelisation nicht nur die „Decisions for Christ“ als vielmehr die „Disciples of Christ“ sein sollten. In seinem Artikel „Conversions beyond mere Religious Preference“ betont er die Notwendigkeit theologischer und ethischer Substanz im Prozess der Umkehr von einem Leben der Selbstgefälligkeit zu einem Leben in der Nachfolge Christi. Bekehrung müsse verstanden werden als ganze Lebenshingabe an die Wahrheit christlicher Weltanschauung und die Wirklichkeit eines christlichen Lebenstils. Angesichts der kulturellen Bedeutungslosigkeit von Taufen in einer baptistischen Kultur (USA), sei darum eine Zeit der Bewährung der Taufe vorzuschalten. Das Buch will kein umfassendes Kompendium zur Evangelisation sein (dazu würde z.B. eine Diskussion des brit. Konzepts der „Alpha-Glaubenskurse“ u.a.m. gehören), sondern eher eine Momentaufnahme der Ergebnisse der Konferenz in Deerfield. Das wesentliche Anliegen des Sammelbandes ist es, einen von der biblischen Wahrheit geprägten Ansatz der Evangelisation im Kontext der Postmoderne zu durchdenken und praktizieren zu helfen (vgl. den Titel des Buches). Alle Autoren werden vorgestellt, jeder Beitrag ist mit einer kurzen Bibliographie versehen, was hilfreich ist. Weniger sinnvoll scheint es, dass die (eher wenigen) Fußnoten erst ganz am Ende des Buches nach Kapiteln getrennt erscheinen. Das macht das Auffinden sehr unbequem. Erschlossen wird dieser empfehlenswerte Sammelband durch einen Themen-, Personen- und Schriftstellen-Index. Dr. Friedemann Walldorf, em 2004-1. |
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Christen in islamischen
Ländern. Hg. v. Referat für
Mission, Ökumene und Kirchlichen Entwicklungsdienst
des Ev. Oberkirchenrat der Ev.
Landeskirche in Württemberg, Stuttgart 1993, 84 S. In beschränkter Auflage erhältlich gegen
Schutzgebühr von DM 10.00 plus Porto bei:
IMATEL, z. Hd. Frau Rudolf, Ev. Pressehaus, Theodor-Heuss-Str. 23, D-70174 Stuttgart. Von einem in England
lebenden Theologen aus einem mehrheitlich islamischen Land stammt
dieser Bericht für die württembergische Landessynode
über die Lage der Christen in Ägypten,
Malaysia, Nigeria, Pakistan, Saudi-Arabien, Sudan und Türkei. Über
die Länderberichte hinaus wird über die
allgemeinen Hintergründe der Diskriminierung
von Christen in islamischen Ländern und die Verhaltensmöglichkeiten
der betroffenen Christen informiert. Abschließend
werden zehn Empfehlungen für Christen in westlichen Ländern gegeben.
Die erschütternden Berichte sind durchwoben von Bezügen zum christlichen
Zeugnis in diesen Ländern. |
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Clarke, Peter B. Atlas der Weltreligionen. Entstehung,
Glaubensinhalte, Entwicklung. München: Fredering & Thaler, 1995 - 2.
Aufl. Oliphant, Margaret. Atlas der Alten Welt. Eine atemberaubende
Reise zu den Hochkulturen der Menschheit. München: Fredering &
Thaler, 1994 - 2. Aufl. Die aufwendige farbige Gestaltung mit Fotos, Karten, Graphiken, Übersichten und Kastentexten gehört zum besten, was es zum Thema Religionen und Kulturen gibt. Die beiden Atlanten sind dabei pädagogisch hervorragend aufgearbeitet und für die Aufmachung sehr preisgünstig. Die große Fülle des Stoffes wird neben dem Haupttext auf viele kleinere Texte, Begriffserklärungen und Bildbeschriftungen leicht lesbar aufgeteilt. Im Religionsatlas werden die zehn größten Weltreligionen ausführlich vorgestellt. Viele weitere Religionen werden in einem Lexikon im Anhang vorgestellt. Die Darstellung erfolgt meist durch einen Wissenschaftler, der der jeweiligen Religion angehört, ist dafür aber sehr sachlich und auf dem neuesten Stand. Der Atlas der Alten Welt beschreibt Mesopotamien, Ägypten, Persien, Europa, Griechenland, die Römische Welt, Indien, China und Nord-, Mittel- und Südamerika. Er ist damit einerseits für Bibelleser von Interesse, andererseits aber auch für jeden, der mit den Nachfahren dieser Hochkulturen zu tun hat und sich eingängig über deren Kulturleistungen informieren will. Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-4. |
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Clauss,
Mechthild.
College in Koyom: Lehren
und Lernen im Tschad. Erlangen: Verlag der Evangelisch-Lutherischen Mission, 1992. Die Afrika-erfahrene Pädagogin erzählt über Erlebnisse als Lehrerin an einem College im südlichen Tschad. Neben persönlichen Erfahrungen verarbeitet sie in meist kurzen, gut lesbaren Kapiteln vor allem Aufsätze ihre Schüler, in denen sich deren Denken und Konflikte widerspiegehi. Letztere liegen immer wieder in der Spannung zwischen traditionellen Werten und erstrebtem Fortschritt. Das Kapitel „Gesetz und Gewissen“ gibt einen lesenswerten und praktischen Einblick in die Problematik um Schuld-und Schamorientierung, in einem anderen Kapitel geht es um „Brautpreis-Sitten“. Es kommen auch immer wieder Anforderungen zur Sprache, die das Leben und Lehren in einer solchen Umgebung an eine Lehrerin aus Europa stellen. Hilfreich ist auch der kurze Überblick „Grundinformationen über den Tschad“ am Ende des Buches, abgefaßt vom Direktor des College. Der Leser erhält auf wenigen Seiten die wichtigsten Informationen über die jüngere Geschichte sowie gegenwärtige politische, wirtschaftliche und soziale Lage krisengeschüttelten Landes. Alles in allem bietet
das anschaulich und erfrischend geschriebene Buch eine guten Einblick
in Denken und Leben der südtschadischen Landbevölkerung sowie damit gegebenen
Herausforderungen für die Pädagogik. Es
ist lesenswert für jeden, der beabsichtigt, in einem afrikanischen Land als Pädagoge tätig zu sein,
aber auch für solche, die sich allgemein für die Denkweise der
schwarzafrikanischen Bevölkerung im Spannungsfeld von Tradition und Fortschritt interessieren. Christof Sauer, em 1995-4. |
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Clemm, Volker (Hg.). Mission kreativ: im persönlichen Umfeld,
in unserem Land, in der ganzen Welt. Wuppertal: Brockhaus, 2002. Diese Rezension ist längst überfällig, denn das Buch erschien bereits 2002. Überflüssig ist sie keinesfalls, denn das Buch bietet eine Vielzahl von zwar kurzen, aber durchaus tiefgehenden und praktischen Perspektiven zur Weltmission. Der Herausgeber ist seit 1998 verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Missionshauses Bibelschule Wiedenest aus dessen Umfeld auch fast alle Autoren stammen. Das Buch hat drei Teile. Im ersten Teil geht es um die Person des Missionars: „Jetzt bist Du dran“ (S. 4-68). Themen wie Berufung, Begabung, Einsatz-möglichkeiten und Herausforderungen des Missionarsberufs stehen im Mittelpunkt. Unter der Überschrift „Karriere mit Gott“ entfalten Missionare aus drei Kontinenten ihren Berufs-weg als Berufungsweg mit Gott. Zum Beispiel Matthias Drochner, ursprünglich Pilot und Fluglehrer, jetzt Bibelschullehrer in Peru, fragt: „Kann ich überhaupt ‚Karriere mit Gott machen‘? Ich denke, ja. Aber wenn es schon um den Dienst für Gott geht, sollte ich auch Gottes Definition von Karriere und Erfolg gelten lassen“ (S. 37). Erfolg wird hier neu definiert als Treue, Gehorsam, Dienst, Liebe, Glaube und Gebet. Grundlage für die geistliche „Karriere“ im Missionarsberuf ist für Drochner folgerichtig die geistliche Berufung durch Gott. „So eine Berufung kann der Einzelne als gefühlsmäßig eindrückliches Geschehen erleben oder in einem mehr analytischen Prozess der Reflexion“ (S. 37). Die Berufung gibt Halt angesichts von Durststrecken, Selbstzweifeln und Angriffen von anderen. Ralf Kaemper setzt sich in seinem Beitrag „Warum ich nicht in die Mission gegangen bin“ erfrischend nüchtern und kritisch mit bestimmten Berufungsverständnissen (Gott hat mich genau in dieses Land berufen) und pauschalen Appellen zur Mission im Ausland (Stichwort: Fußtritt statt Ruf) auseinander. Er plädiert für eine nüchterne Bestandsaufnahme der eigenen Fähigkeiten: „Nicht jeder ist für jede Situation und für jedes Land geeignet“ (S. 67). Es wird deutlich, dass das Hören und Vertrauen auf Gott und möglichst nüchterne und realistische Wahrnehmungs- und Entschei-dungsprozesse im Bereich Berufung und Führung zusammengehören. Der zweite Teil des Buches „Worum es bei Mission eigentlich geht“ (S. 69-138) beleuchtet wichtige Themen der Weltmission. Ernst Schrupp bindet eigene biographische Erfah-rungen in seine Reflexion des Ziels der Weltmission ein, nämlich die „Mobilisierung der ganzen Gemeinde, d.h. aller Gemeinden in allen Ländern zur Weltmission“ (S. 71), um das Evangelium unter allen Völkern und Menschen bekannt zu machen – weltweit und in Deutschland. C. Stenschke zeigt biblisch-theologisch die Einbindung des Menschen in die Mission Gottes als persönlicher Auftrag und Verheißung auf. Grundlagen und Erfahrungen der Gemeindegründung werden in Beispielen aus Meckenburg-Vorpommern, Tansania und Nepal präsentiert. K. Brinkmann reflektiert über die „Zukunft der Mission“ und bietet nachdenkenswerte Perspektiven, u.a. über zunehmende Widerstände und Leidens-bereitschaft, Mission durch Migration, neue Möglichkeiten durch Kurzzeiteinsätze und den missionarischen Aufbruch in der Dritten Welt. Grundsätzlich wird die Bedeutung der Wiederkunft Jesu als Triebfeder der Mission betont. Der dritte Teil bietet „Tipps für deine Gemeindearbeit“ (S. 139-190). Eine neu gegründete Gemeinde in Neubrandenburg berichtet, wie sie von Anfang an den weltmissionarischen Horizont einbezog und trotz geringster finanzieller Ressourcen einen Missionar in Pakistan als „global player“ unterstützt. Es finden sich weiter: Bausteine zum Predigen über Weltmission, für einen Jugendkreis, für Kinderarbeit. Das Buch schließt mit einem Serviceteil (S. 191-207) mit nützlichen Adressen und Literaturhinweisen. Fazit: ein vielseitiges, informatives und motivierendes Praxis-Buch für junge Leute (und ihre Lehrer/Leiter), das auch theologische und missiologische Themen einbezieht und den Mut mitbringt, kontroverse und sich ergänzende Sichten (z.B. Berufung) zu thematisieren. Dr. Friedemann Walldorf, em 2007-1. |
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Collier, Richard. Der General Gottes - William Booth. Die Geschichte der Heilsarmee. Verlag der St. Johannis Druckerei,
Lahr-Dinglingen. Als CT. Studd und
seine Braut Priscilla Stewart 1888 den Rest ihres gewaltigen Vermögens verschenkten, erhielt William Booth davon
den größten Teil; schon vorher war die Heilsarmee für die Ausweitung ihrer Arbeit in Indien mit 5000 Pfund bedacht worden.
Dies ist nur ein Beispiel von vielen für
die engen Beziehungen, die in den ersten Jahrzehnten zwischen der Heilsarmee und vielen interdenominationellen Glaubensmissionen bestanden und die auf gemeinsame Wurzeln in der Heiligungsbewegung zurückzuführen sind. Deswegen ist dieses Buch für alle, die sich für evangelikale Missionsgeschichte interessieren, eine hilfreiche und spannende Lektüre. Collier beschreibt
eindrucksvoll die Arbeit William Booths, seiner Frau Catherine, einer großen
Predigerin, und ihrer Kinder, von
denen zwei, Bramwell und Eva, später Generale der Heilsarmee wurden. Danach wird das Buch allerdings dem Anspruch, eine Geschichte Klaus Fiedler,
em 1987-1. |
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Conrad, Christa. Der Dienst der ledigen Frau in
deutschen Glaubensmissionen. edition afem, mission scripts Bd. 12. Verlag für Kultur und
Wissenschaft: Bonn, 1998. Die Autorin ist theologische Lehrerin in Tansania. Sie verknüpft in ihrer ursprünglichen Magisterarbeit theologische und missionsgeschichtliche Aspekte mit ihrer persönlichen Erfahrung, ergänzt durch eine Umfrage unter Missionsgesellschaften und ledigen Missionarinnen. Im ersten Teil stellt Christa Conrad die Frage, inwieweit durch die Neugeburt in Christus ein neues Miteinander von Männern und Frauen entsteht. Bei der Überlegung, ob Galater 3,28 nur soteriologische oder auch funktionale Gleichheit meint, kommt sie zu dem Schluß, dass Frauen und Männer in gleicher Weise gerufen und begabt sind und überall mit den ihnen verliehenen Gaben dienen können. Interessant ist der missionshistorische Teil des Buches. In der frühen Missionsgeschichte waren Frauen Hilfskräfte. Mit Hudson Taylor und dem Entstehen der ersten Glaubensmissionen wurden Frauen auch als selbständige Pioniermissionarinnen eingesetzt. Taylor mußte seine Haltung stark verteidigen, nannte auch praktische Gründe für seine Entscheidung, doch im Vordergrund stand seine biblische Begründung. Als weiterer wegweisender Vertreter dieser Sicht sei F. Franson erwähnt: „Alle verfügbaren Kräfte müssen angesichts der nahen Wiederkunft des Herrn eingesetzt werden.“ Für dieses Ziel galt es, Grenzen zu überwinden. Zur Evangelisation durch Frauen sagte Franson, das Problem liege nicht in der Frage, was die Bibel lehrt, sondern im Mangel an brüderlicher Liebe. Catherine Booth, Charles und Priscilla Studd, Hedwig von Redern und ihre adeligen Bekannten in Berlin sowie der DFMGB spielten eine Vorreiterrolle für den Verkündigungsdienst der Frauen. In den deutschen Glaubensmissionen galt anfangs: „Mit gutem biblischem Gewissen lassen wir unsere Schwestern Evangelium verkündigen“ (H. Coerper). Doch schon bald gingen Missionsgesellschaften dazu über, für Evangelisations-, Gemeinde- und Lehraufgaben Frauen nur dort einzusetzen, wo Männer fehlten oder versagten. Nur wenige Missionsgesellschaften gestehen Frauen die gleichen Rechte und Pflichten wie Männern zu. Für viele ledige Missionarinnen bleibt eine Diskrepanz zwischen ihren Gaben, ihrer persönlichen Berufung und dem, was Verantwortliche in der Mission ihnen an Dienstmöglichkeiten zugestehen. Frau Conrad fragt in ihrem Schlußsatz: „Ob es uns gelingt, die große Vision der Väter und Mütter neu zu beleben: eine Leidenschaft zu wecken, die stark genug ist, starr gewordene Strukturen zu durchbrechen, damit alle Gaben, die der Herr Frauen und Männern schenkt, in der Mission eingesetzt werden können?“ Eine Frage – und ein Buch, dessen Lektüre für Missionare und Missionarinnen, sowie für Missionsverantwortliche befruchtend wirken könnte. Hanna Weiberle, em 1999-4. |
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Cook, Guillermo (Hg.). New Face of the Church in
Latin America: Between Tradition and Change. Maryknoll/N.Y.: Orbis
Books, 1994. Es ist spannend, was sich in Lateinamerika ereignet. Unzählige Artikel und Bücher erschienen aufgrund der 500-Jahr-Feier des lateinamerikanischen (katholischen) Christentums. Aber das Bild der Christenheit wandelt sich. Heute gehen sonntags mehr Protestanten zum Gottesdienst als Katholiken. Besonders Pfingstgruppen zeigen ein explosives Wachstum. Bleibt dies so, wird das nächste Jahrhundert Lateinamerikas protestantisch. Wie aber gehen Christen aller Couleur mit der zunehmenden Armut und der sozialen und politischen Ungerechtigkeit um? 21 Artikel sammelte Guillermo Cook in diesem Band, der die religiöse Situation Lateinamerikas beleuchtet. Cook ist Mitarbeiter der ‘Latin American Mission’ und wirkte viele Jahre in Brasilien und Costa Rica. Die Beiträge stammen von namhaften Autoren aus verschiedensten kirchlichen Gruppen. Der Herausgeber hat sie in fünf Gruppen eingeteilt: Teil 1: 1492-1992. Veränderung und Kontinuität (historisch); Teil 2: Die Dynamik der Veränderung (v.a. sozioreligiös); Teil 3: Volksreligion: Tradition und Veränderung (sozioreligiös); Teil 4: Regionale Studien (v.a. soziopolitisch); Teil 5: Die Zukunft der lateinamerikanischen Kirche. So verschieden die Autoren der einzelnen Artikel sind, so verschieden sind auch ihre Akzente und die Qualität der Beiträge. Insgesamt ist dieser Band für jeden Interessenten und Kenner der religiösen und soziokulturellen Situation in diesem Kontinent ein gut gelungenes Kompendium lateinamerikanischer Stimmen. Martin Sachs, em 1997-3. |
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Coomes, Anne. Festo Kivengere, Gottes Bote
für Afrika. Metzingen:
Ernst Franz Verlag, 1997. Durchaus keine „Heiligenvita“ ist dieses Buch geworden, sondern eine ausführliche, ehrliche Biographie des ersten afrikanischen Erweckungsevangelisten von internationalem Rang. 1919 im Südwesten Ugandas als Hirtenjunge unter nicht eben hoffnungsvollen Umständen geboren und anfänglicher Gegner des Christentums, erwog Kivengere schon Anfang 20 Selbstmord als Ausweg. Er war lange Dorfschullehrer, und die Schulbildung der Jugend blieb ihm sein ganzes Leben lang ein Anliegen. Später wurde er Schulinspektor und – nach seiner Bekehrung – Evangelist, der ganz Uganda, Tanganjika und Teile Kenias bereiste: „Den Preis dafür zahlte die Familie. Die Kinder wuchsen praktisch ohne ihn auf“ (80). Es folgten Studienzeiten in Europa, Amerika (1966 Master of Divinity) und Australien. Kivengere wurde nicht nur bekannt als Übersetzer für Billy Graham, sondern erhielt bald selbst weltweit Einladungen zu Evangelisationen. 1967 wurde er zum Priester ordiniert, 1972, kurz nach Idi Amins Machtübernahme, zum Bischof geweiht. 1977 mußte er vor Idi Amin aus Uganda fliehen und erlebte ganz persönlich, daß sein weiterer Dienst für Gott von der für ihn sehr schweren Vergebung für Idi Amin abhing. – Zwar schildert das Buch detailliert Kivengeres Lebensweg, es fehlt aber etwas an Zusatzinformationen zu den erwähnten Namen von Personen und Organisationen. Mehr Hinweise hätte ich mir auch gewünscht, wo es um Kivengeres geistlichen Werdegang und die Prägung seiner theologischen Ansichten geht, wie z. B. seinen engagierten Einsatz für die Frauenordination in seiner Diözese. 1988 starb Kivengere an Leukämie. Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-3. |
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Coomes, Anne. The Authorised Biography of Festo Kivengere. Eastbourne: Monarch,
1990. Eine Biographie des weltbekannten Afrikaners in Englisch. Mit großem Engagement hat Anne Coomes, eine englische Journalistin, umfassende Recherchen vorgenommen und, mit der Zustimmung von Festo Kivengere, Freunde, Kritiker und seine Familie befragt. Die umfangreiche Biographie des „Billy Graham von Afrika“ öffnet das Verständnis für die von Missionaren beeinflußte Entwicklung des Enkels des letzten großen Königs aus dem Stamme der Bahororo. Das Buch zeigt Festos Weg zum talentierten Pädagogen und späteren Lehrer-Missionar in Tansania, zum leidenschaftlichen Evangelisten und gleichermaßen geachteten wie kritisierten Bischof Festo Kivengere. Die Geschichte dieses unermüdlichen Weltreisenden in Sachen Gottes ist untrennbar verbunden mit der Erweckungsge-schichte seines Landes Uganda. Die etwas ausführliche
Darstellung seiner Coomes ist es gelungen, den weltbekannten Prediger mit seiner biblisch-geistlichen Nüchternheit zu aktuellen Fragen sprechen zu lassen: bleibende Erweckung ohne Gesetzlichkeit, politisches Handeln ohne Parteinahme, Frau-enordination und klerikale Tradition, Theologie und Weltkirchenrat, Liebe zu Katholiken, sozial-missionarischer Einsatz für Flüchtlinge, das Verhältnis zu den Moslems u.a. Ein kleines Manko: Der Biographie mit ihrer ausreichenden Quellenangabe hätte ein Namens- und Sachregister beigefügt werden sollen. Konrad Brandt, em 1994-1. |
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Corrie,
John (Ed.), Samuel
Escobar, Wilbert R. Shenk (Consulting Editors), Dictionary of Mission Theology: Evangelical Foundations. Nottingham, England: Inter-Varsity Press, 2007. Das vorliegende missionstheologische Nachschlagewerk enthält 166 Fachartikel von 139 Autoren. Über ein Drittel der Autoren kommt aus Asien, Lateinamerika und Afrika, was bereits ein wesentliches Anliegen der Herausgeber reflektiert, nämlich missiologische Herausforderungen angesichts der Globalisierung und Polyzentralität christlicher Mission („from every-where to everywhere“) aus evangelikaler und auch nichtwestlicher Perspektive neu zu durchdenken. In der Einleitung skizziert der Herausgeber, John Corrie, Tutor für Mission und Ethik am Trinity College in Bristol, England, das Profil des neuen Lexikons: (1) die Integration von Theologie und Mission, die in der westlichen Theologie oft vernachlässigt worden sei („all theological categories are inherently missiological and all missionary categories are profoundly theological", S. xv) und ein daraus sich ergebendes holistisches Missionsverständnis ("it is the universal mission of God which defines the scope of our involvement in it“, S. xvi); (2) eine kontextuelle Sicht von Mission und Theologie; (3) ein klares und zugleich weiträumiges evangelikales Profil, das traditionelle evangelikale Positionen (Autorität der Bibel, Einzigartigkeit Jesu, Evangelisation) mit neuen evangelikalen Themen (Heiliger Geist und Religionen, Ökologie, politisches Engagement etc.) verbindet. Das neue Lexikon möchte sich gezielt von anderen Nachschlagewerken unterscheiden und nicht „reproduzieren“ oder „zusammenfassen“, was auch andernorts nachzulesen sei, sondern frisches und originelles Missionsdenken an gegenwärtige Fragestellungen herantragen (S. xv). Es enthält kaum deskriptive oder historische Artikel über Personen und Organisationen, sondern konzentriert sich auf theologische Konzepte und aktuelle Fragestellungen wie „AIDS“, „African Theology“, „Arts“, „Buddhist relations“, „caste“, „culture“, „holistic mission“, „Muslim relations“, „spiritual warfare“, „transformation“. (Unglücklicherweise fällt allerdings gleich das erste Stichwort aus dem gesetzten Rahmen, da der Begriff „accomodation“ in der zeitgenössischen Diskussion und Mission nur noch als missionshistorischer Verweis eine Rolle spielt. Warum er hier zusätzlich zu „contextualization“ eingefügt wurde, bleibt unklar). Bereits die Lektüre einiger Artikel zeigt den innovativen Ansatz des Lexikons, aber auch seine Grenzen. Auf beeindruckende Weise beschreibt J. Jongeneel im Artikel „Mission theology in the 20th Century“ den methodischen Ansatz der Missionstheologie und wichtige Beiträge des 20. Jahrhunderts. Er fordert dazu heraus, über Boschs opus magnum hinauszudenken und die Erforschung von Paradigmenwechseln in der Missionstheologie nicht nur von der Kirchengeschichte, sondern von den Entwicklungen der Weltreligionen her zu denken. Die Geschichte und der Beitrag der spezifisch evangelikalen Missionstheologie im 20. Jahrhundert werden jedoch nur kurz gestreift. Kang-San Tan beschreibt aktuelle Positionen und Herausforderungen für eine evangelikale „Theology of religion“ (sic) und gibt Anregungen, über die gewohnte Exklusiv-Inklusiv-Pluralistisch-Dreiteilung hinauszudenken. Dick Dowsett bietet nüchtern und informiert wesentliche Perspektiven zur brenzligen Frage nach „hell/judge-ment“. H.W. Ritter (ÜMG) beschreibt „Motives for mission“ in ihrer theologischen Entwicklung und als geistliche Herausforderung für die Zukunft. D.E. Singh bietet einen interessanten Überblick zu christlich-muslimischen Beziehungen („Muslim relations“) und diskutiert die Kontextualisierungsmodelle C1-C6. Worin allerdings der Bezug seiner Beschreibung christlicher Naturerlebnis-Reisen (S.255) zum Thema besteht, wird nicht recht deutlich. K. Rajendran unterzieht das Konzept der „Unreached peoples“ einer kritischen Analyse und bietet dabei interessante und wichtige Einsichten aus indischer Perspektive, die ursprüngliche Definition und Entwicklung des Konzepts in der evangeli-kalen Missionstheologie wird jedoch nicht dargestellt. Der Artikel zu „Theology of Mission“ bietet ein gute Typologie und methodische Hinweise zur Missionstheologie; nicht ganz zutreffend scheint die Feststellung, dass das heilsgeschichtliche Denken in der katholischen und evangelikalen Missionstheologie (mit der Ausnahme von Rene Padilla) keine besondere Rolle gespielt habe (S. 382). Als methodisch problematisch empfinde ich den Artikel „managerial missiology“, der nicht deutlich macht, dass es sich bei diesem Begriff um eine polemische Fremdeinschätzung und eine (sicherlich nicht ganz unberechtigte) kritische Sichtweise, aber nicht um eine objektive Darstellung der Missiologie D. McGavrans, der Church-Growth-Schule und der AD-2000-Bewegung handelt. Auch die Herkunft des Begriffs selbst wird nicht belegt. Im Blick auf die Auswahl der Stichworte (die natürlich immer selektiv sein muss) fällt auf, dass Artikel zu Stichworten wie attrition (die vorzeitige Rückkehr von Missionaren, vgl. die umfangreichen WEA-Forschungen dazu), member care, violence/war sowie zu Bible/hermeneutics/epistemology fehlen. Auch fällt auf, dass gerade angesichts des ansonsten überzeugenden polyzentrisch-globalen Ansatzes Artikel zu Asien, Afrika und Lateinamerika als Bezugsfelder kontextueller Theologie vorhanden sind („Asian theology“ etc.), Artikel zu Europa und Nordamerika aber trotz wichtiger kontextuell-missions-theologischer Beiträge und Entwicklungen dort fehlen. Diese kritischen Anmerkungen sollen jedoch nicht von dem großen Wert dieses Nachschlagewerks ablenken. Es bietet auf 461 Seiten eine Vielzahl gründlich recherchierter und innovativer Perspektiven, einen bisher einzigartigen Überblick und Einblick in aktuelles globales evangelikales Missionsdenken (vor allem im anglophonen Raum), das sich neuen Herausforderungen stellt, Kategorien erweitert, sich altem Lagerdenken verweigert und dem Beitrag evan-gelikaler Theologen aus der nichtwestlichen Welt einen angemessenen und prominenten Platz einräumt. Das neue Wörterbuch stellt eine gute Ergänzung zum umfassenderen Evangelical Dictionary of World Missions (2000) dar und ist ein wichtiges und nützliches Werkzeug für Missiologen, Bibliotheken und theologisch Interessierte mit globalem Horizont. Dr. Friedemann Walldorf, em 2008-4. |
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Crossman, Eileen. James O. Fräser. Der Bergsteiger Gottes, Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung, 1994. In dieser packenden Biographie erzählt Eileen Crossman die Geschichte ihres Vaters James Fräser, der trotz zweimaliger Ablehnung durch die China-Inland-Mission seinen Weg zu den entlegensten Völkern im Grenzland Chinas zu Burma und Thailand suchte, um ihnen das Evangelium zu bringen. Hier wird jedoch nicht an der Legende des „Fräser vom Lisuland“ weitergearbeitet, kein übermenschlicher Glaubensheld gezeichnet, sondern der Mensch James Fräser, der in seiner Schwachheit, seinen Zweifehl und seinen täglichen Kämpfen mit sich selbst und den Gefahren einer unbekannten Umwelt von Gott als sein Werkzeug für die Mission unter den Bergvölkern (Lisu, Karen) gebraucht wird. Lebendig wird das Buch durch die vielen Zitate aus den Tagebüchern Fräsers, die den Leser unmittelbar in seine Begegnungen mit den Menschen um ihn herum einbeziehen. Zusammen mit den sorgfältigen Recherchen Crossmans trägt dies zu einem eindrucksvollen und realistischen Bild Chinas und der Aufgaben eines Missionars in den Randgebieten Chinas bei. Durch die Zitate wird das Buch darüberhinaus zu einer wichtigen Quelle für weitere Arbeiten über eine Missionsgeschichte Chinas. Ein besonderer Verdienst Frau Crossmans ist es, die Geschichte der unter ihrem Vater entstandenen Gemeinden bis in die Gegenwart hinein darzustellen. Insgesamt ist dieses spannende Buch eine rundum gelungene Kombination einer realistischen Biographie James Fräsers, einer Quellensammlung und eines Beitrages zur Kirchengeschichte der südchinesischen Völker. Stefan Müller, em 1995-4. |
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Dahling-Sander, Christoph; Andrea Schultze, Dietrich Werner, Henning
Wrogemann (Hg). Leitfaden Ökumenische Missionstheologie.
Gütersloh: Chr. Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, 2003. Das vorliegende Einführungswerk ist motiviert von der Erkenntnis, dass christliche Mission „alles andere als nur ein vergangenes Phänomen“ ist: „Mission, der spannungsvolle Prozess der Kommunikation und neuen Inkulturation des christlichen Glaubens … ist in vollem Gang“ (S.10). Das Zentrum der Aktivität liege in den Ländern des Südens und die Kirchen Europas brauchten Neubelebung aus dieser Richtung. Darum sind die Herausgeber aus dem Umkreis der „Arbeitsgemeinschaft Ökumenische Forschung“ (AÖF seit 1988) auch überzeugt, dass Missionswissenschaft als Fachdisziplin auch in Deutschland nicht etwa gestrichen, sondern „ausgebaut zu werden verdient“. Das vorliegende Kompendium zeigt, wie das aussehen kann und gibt erste Einblicke in die vielfältigen Themen- und Forschungsbereiche dieser Disziplin, die im Titel (etwas reduktiv) als „Missionstheologie“ bezeichnet wird. Die folgenden fünf Zugänge werden in 32 Aufsätzen näher beleuchtet: 1. „Mission in Geschichte und Wissenschaft“ (S.17-112). Hier werden hermeneutisch-methodische Grundfragen und historische Zusammenhänge thematisiert. Dabei wird deutlich, dass auch das Missionsverständnis der Herausgeber nicht homogen ist. Wrogemann definiert Mission und die damit verbundene Wissenschaft durch die interkulturelle und interreligiöse Begegnung. Die Beschäftigung mit dem deutschen Kontext gehört für ihn darum nicht zur Missionswissenschaft, sondern zur Praktischen Theologie. Werner hingegen, dessen Ansatz ich hier für richtig halte, entfaltet gerade einen missionswissenschaftlichen Ansatz für Deutschland (vgl. unter 5.). Die biblische Fundierung von Mission (R. Achenbach, S.32-50) bleibt missionstheologisch an der Oberfläche und wird auch in ihrer Kürze der großen Relevanz biblischer Theologie für das missiologische Denken und der Forschungsarbeit in diesem Bereich (z.B. BISAM, Okure, Köstenberger/Obrien, Glasser, Van Engen, Stuhlmacher, Schnabel etc.) nicht gerecht. Hier liegt ein Schwachpunkt des Sammelbandes. 2. „Konfessionelle Profile“ (S.113-246). Hier stellen orthodoxe, römisch-katholische, protestantische, baptistische, evangelikale, pfingstliche und ökumenische Vertreter Grundlinien ihrer jeweiligen Sicht zur Mission vor. Ein wichtiges Kapitel, das die ergänzende und reiche Vielfalt missionstheologischer Perspektiven der weltweiten Gemeinde Jesu Christi deutlich macht. Dies ist eine große Stärke des vorliegenden Bandes. 3. „Mission, Dialog und Religionen“ (S.247-318). Hier untersucht C. Lienemann-Perrin die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Mission und Dialog, U. Grabe argumentiert (m. E. gegen Paulus und das NT), dass die christliche „Mission“ am jüdischen Volk gerade darin bestünde, es gerade nicht für Christus gewinnen zu wollen. Fragwürdig ist m. E. auch die von Klaus Hock vorgestellte einseitige historische und religionswissenschaftliche Betrachtungs- und Anwendungsweise des Fundamentalismus-Begriffs, die gegenteiliger Beteuerungen zum Trotz zu einer recht undifferenzierten Zusammengruppierung katholischer, evangelikaler und islamischer Richtungen führt. Hock schlägt zwar vor, man solle im Blick auf Evangelikaie und Fundamentalisten doch „um eine zumindest grobe (!) Differenzierung bemüht sein“ (S.306), schafft es aber dennoch immer wieder Pietisten und Evangelikaie in die Nähe des Fundamentalismus zu rücken, indem er „Gemeinsamkeiten“ und „fließende Übergänge“ betont. 4. „Mission, Partnerschaft und Globalisierung“ (S.319-456) befasst sich mit aktuellen Strukturen und Themenbereichen weltweiter Mission. U. a. macht C. Währisch-Oblau auf die missiologische Relevanz v. a. afrikanischer Migrationskirchen in Deutschland aufmerksam. Weitere wichtige Themen in dieser Sektion sind: Gewalt, Frauen, Heilung, Entwicklung, Partnerschaft. 5. „Mission in den Kontexten der Welt“ (S.457-562) bietet inspirierende regional-kontextuelle Perspektiven: Afrika (M. Roser), Asien (K. Schäfer), Lateinamerika (Dahling-Sander). Wichtig ist, dass auch Europa und Deutschland als eigene missionarische Kontexte untersucht werden (Ionita, Werner). Meine historisch-kontextuell-theologische Untersuchung zu ökumenischen Missionstheologien für den europäischen Kontext in den Jahren 1979-1993 (Die Neuevangelisierung Europas, Gießen/Basel, 2002), die u. a. auch auf die Beiträge des Europäischen Lausanne Kommittees eingeht, wurde hier noch nicht wahrgenommen. Dietrich Werner fordert mit Recht dazu auf, die Frage nach einer Missiologie für den Westen aus deutscher Perspektive durchzubuchstabieren und praxisrelevant zu bündeln. Erste wichtige Anregungen hierzu hat die Jahrestagung 2004 der DGMW in Zusammenarbeit mit der AMD bereits gegeben (vgl. Zeitschrift für Mission 3 und 4/2004). Das vielseitige und wichtige Werk schließt ab mit einem Verzeichnis missiologischer Zeitschriften und Standardwerke, von Anschriften aus dem Missionsbereich sowie der Herausgeber und Autoren. Aus evangelikaler Sicht erfreulich und anerkennenswert ist, dass mit dem Aufsatz von Bernd Brandl „Mission aus evangelikaler Perspektive“ (S.178-199) und auch die Arbeit des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie (AfeM) zumindest ansatzweise thematisiert wird (leider fehlt ein Hinweis auf den AfeM im Adressen-Anhang. Die Zeitschrift „Evangelikale Missiologie“ wird allerdings aufgelistet). In Spannung zu dieser erfreulichen Tatsache steht die oben bereits kritisierte und m.E. verzeichnende Einordnung von Pietismus und evangelikaler Theologie in die verallgemeinernde und tendenziöse Kategorie „Fundamentalismus“ (Aufsatz von K. Hock, S. 306ff). Hier möchte ich Herrn Hock und auch den Herausgebern die Frage stellen: gibt es wirklich mehr Gemeinsamkeiten zwischen islamischen Fundamentalisten und Evangelikaien, als beispielsweise zwischen „evangelikalen“ und ökumenischen“ Missionstheologen? Verzerrt ein verallgemeinernd religionswissenschaftlicher Gebrauch des Fundamentalismus-Begriffs hier nicht grundlegende hermeneutische, ekklesiologische und missiologische Zusammengehörigkeiten? Sollten wir hier nicht gemeinsam an einer neuen Sichtweise arbeiten? Ein erster Schritt ist (nicht nur) mit diesem Band ja schon getan. Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-2. |
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Damson, Erwin. Gezeichnet Mielke - Streng
geheim! Hänssler Verlag:
Holzgerlingen, 1999. Ein wenig spektakulär klingt der Titel schon. Alltäglich sind die schlaglichtartigen Berichte auch nicht. Erwin Damson, Leiter des Missionswerkes „Licht im Osten“ (LiO), berichtet sehr persönlich über die Facetten seiner Arbeit in den Jahren der kommunistischen Diktaturen. Von ihnen wurde ihrer Ideologie entsprechend Religion mit allen Mitteln bekämpft. Besonders zielten sie auf jede Art von Literatur, speziell auf die Verbreitung der Heiligen Schrift. Damson schildert sehr ehrlich die Spannung zwischen missionarischer Nächstenliebe und dem bewußten Verstoß gegen Gesetze der Ostblockländer. Er glorifiziert die ‘Ostlandfahrer’ nicht und zeigt realistisch die Belastungen, wobei das Risiko für die Empfänger ohnehin viel größer war, denn ihr Leben war bedroht. Damson vertritt die Meinung, daß die Arbeit von LiO unverzichtbar für die Ausbreitung des Evangeliums war. Zahlreiche Christen aus den verschiedenen westlichen Ländern stellten sich für diese Arbeit zur Verfügung. Das Klischee vom seichten Christentum läßt sich angesichts dessen nicht aufrecht erhalten. Ausführlich geht Damson auf einen erschütternden Fall ein. Ein Bruder verriet unter anderem Aktionen von LiO an die ‘Stasi’. Diese hatte ihn zielstrebig eingeschleust. Unübersehbarer Schaden entstand, zahlreiche Personen und Familien wurden gefährdet. Erschreckend, daß der IM Pastor war und sich als Evangelist allgemeiner Wertschätzung erfreute. Auf die Wurzeln der verbrecherischen Heuchelei geht Damson nicht ein. Fragen danach bleiben. Als Empfänger und Transporteur von Literatur darf ich zustimmen: Geld, Anstrengung, Angst und Risiko waren gut angelegt. Richard Bergmann, em 2000-1. |
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Daniels,
Eugene. A
Protestant Looks at the Catholic Church in Mission. Highlights
of Church Teaching since 1891.
Monrovia, California: MARC, 1993. Daniels, Baptistenpastor und seit 1963 vollzeitlicher Mitarbeiter bei World Vision, arbeitete zwischen 1983 und 1991 auf den Philippinen an positiven Beziehungen zwischen World Vision und katholischen Bischöfen. Er versucht in seiner Studie zu zeigen, daß in der katholischen Missiologie Entwicklungshilfe und Evangelisation zwei wichtige Komponenten sind. Die Tatsache, daß Evangelikaie und Katholiken hier übereinstimmen sowie die ökumenische Offenheit der Katholiken bilden einen Imperativ, der dringend eine positive Reaktion der Evangelikaien erfordert. – Ob Daniels Wunsch sich allerdings in der Praxis verwirklichen läßt bzw. verwirklicht werden sollte, bleibt fraglich. Andreas Wieland, em 1995-2. |
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Danyun. Aufbruch im
Reich der Mitte. Zeugen der Erweckung in China berichten. Wiesbaden:
Projektion J, 1994. Auf fast 400 Seiten wird hier eine unausgewogene Mischung aus Geschichte und Gegenwart, aus Möglichem und offensichtlichen Lügen präsentiert, die sich im Vorwort gar selbst als eine Sammlung von Berichten aus China bezeichnet. Schon bei geringstem Vorwissen über China müssen diese Geschichten äußerst fragwürdig erscheinen.
Während die Kirche in China blüht und die 10-millionenste Bibel gedruckt
wird, versucht der Autor uns weiszumachen,
der Der theologische Standpunkt des Autors und seiner Gruppe ist eindeutig: Während es in Nordost-China auch neben der 3-Selbst-Kirche bereits Hausgemeinden nahezu aller Konfessionen gibt, gehen sie davon aus, daß sie dort die ersten „wirklichen Christen“ sind. So gewinnt diese Sekte ihre Anhänger vor allem aus den Kreisen der chinesischen Kirche („Durch ihren Einfluß kamen mehrere hundert Menschen aus der 3-Selbst-Kirche heraus“, 355). Beweis des wahren Christseins eines Menschen ist für sie die Fähigkeit zum Heilen und Wundertun. Zusammenfassend muß man sagen, daß dieses Buch in Deutschland zur Verwirrung über die Lage der chinesischen Kirche beitragen soll, so wie in China die „Missionare“ der pfingstlerischen Sekte, die in diesem Buch als Helden auftreten, zur Verwirrung der chinesischen Christen und zur Zersetzung der einheimischen Kirchen ihren unheilvollen Beitrag leisten. Stefan Müller, em 1995-4. |
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Danz, Christian; Ulrich H.J. Körtner (Hg.). Theologie der Religionen:
Positionen und Perspektiven evangelischer Theologie. Neukirchen:
Neukirchener Verlagsgesellschaft, 2005. Der vorliegende Sammelband ist herausgegeben von den systematischen Theologen C. Danz und U.H.J. Körtner, die beide an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien lehren. Unter den weiteren Autoren befinden sich mit R. Bernhardt (Basel), J. Fischer (Zürich), M. Hüttenhoff (Uni Saarland), D. Korsch (Marburg), A. v. Scheliha (Osnabrück) weitere fünf systematische Theologen, mit D.-M. Grube (Utrecht) ein Religionsphilosoph und Ethiker und mit U. Tworuschka (Jena) der einzige Religionswissenschaftler. Missionswissenschaftler sind nicht beteiligt. Die Veröffentlichung versteht sich als Beitrag zur neueren Theologie der Religionen, die immer noch ausgehend von der konzeptionellen Trias von Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus gleichzeitig versucht diese zu erweitern (etwa durch den Ansatz der komparativen Religionstheologie), und die sich weiterhin mit dem noch ungelösten Grundproblem „der Vermittlung der Geltung der eigenen Religiosität mit einer positiven Würdigung fremder Religionen“ (VI) beschäftigt. Der Band soll die gegenwärtige „Differenziertheit und Breite der Debattenlagen … in der gegenwärtigen evangelischen Theologie“ (VI) vermitteln. Die Einleitung der Herausgeber bietet einen guten Überblick über die Beiträge des Buches, das die Thematik in vier Teilen bearbeitet. Im ersten Teil legt Uwo Tworuschka die religionswissenschaftlichen Grundlagen, nach denen bereits die Begriffe „Religion“ und „Gott“ weder allgemeingültig definiert noch interreligiös harmonisiert werden dürfen. Im Gegensatz zur älteren Religionswissenschaft, die nach Harmonie suchte, betont die neuere die Differenziertheit und Komplexität religiöser Realitäten und Prozesse: es glauben eben nicht letztlich alle an den selben Gott. Im zweiten Teil des Buchs wird dieser Befund vertieft und theologisch reflektiert. A. V. Scheliha ist der Meinung, dass man nicht von festen Religionen, sondern eher von synkretistischen „Verflüssigungen und Austauschprozessen“ ausgehen und diese in einer Theologie der Religionen berücksichtigen müsse. U. Körtner plädiert für einen metakritischen Inklusivismus, der seine eigene Standortrelativität zugibt, aber andererseits an dem evangelischtheologischen Kritierium festhält „ob Christus als letztgültige Heilsoffenbarung die Mitte des Glaubens bleibt oder ob er einem anderen religiösen Heilsereignis … untergeordnet wird“. In den fremden Religionen sei der biblische Gott als der verborgene Gott zu sehen, eine Anfechtung für den Glaubenden, die aber letztlich aus der Mitte des Heilsereignisses in Christus interpretiert werden könne. Im dritten Teil des Buchs plädiert R. Bernhard für einen „mutualen Inklusivismus“, die im Gegensatz zum Pluralismus im eigenen Glauben selbstkritisch wurzelt (nicht in Meta-Theorien), aber die authentische Offenbarung Gottes auch in anderen Religionen zugesteht. M. Hüttenhoff verbindet pluralistische Religionstheologie mit der Rechtfertigungslehre. Er hält es für theologisch legitim, die ev. Rechtfertigungslehre von ihrer Bindung an die Überzeugung, dass Tod und Auferstehung Christi objektiv heilskonstitutiv sind, zu trennen. Übrig bleibt das Prinzip Gnade und Glaube an einen heilschaffenden Gott, das auch in anderen Religionen zu finden sei. Konkret wird das am Beispiel der indischen Bhakti-Frömmigkeit beschrieben. Dennoch bleibe diese Theologie im eigenen konfessionellen Glauben verwurzelt, die reduzierte ev. Rechtfertigungslehre bleibe Maßstab für eine angemessene Gottesbeziehung, die nicht in allen Religionen zu finden, aber doch in ihnen jederzeit möglich sei. Im letzten Teil des Buchs plädiert D. M. Grube dafür, die Wahrheitsfrage (die offen bleiben muss) von der kon kreten Gestaltung des religiösen Pluralismus zu trennen. Abschließend führt D. Korsch anstelle von „Wahrheit“ den Begriff der „Lebensdeutung“ ein. Religionen vermitteln nicht Wahrheit, sondern bieten die Möglichkeit zur notwendigen Deutung und Bearbeitung der „Asymmetrien“ des Lebens. In diesem Sinn könne man Religionen aufwerten. Der Maßstab ist, „ob sie über eine hinreichende interne Differenziertheit verfugen, die es ihnen erlaubt, mit gesellschaftlicher Komplexität umzugehen“ (S. 12). In der Tat bietet dieser Band gegenüber den Konzeptionen von Hick und Knitter neue Perspektiven durch seine durchgehende Betonung der empirischen Differenzerfahrungen zwischen den Religionen und der Betonung der „Unhin-tergehbarkeit“ eigener Voraussetzungen. Hier wird nicht mehr vorschnell von Konsens und Einheit gesprochen, sondern religionswissenschaftlich und hermeneutisch differenzierter hingeschaut. Andererseits stellt sich die Frage, ob die Versuchung der Metatheorie hier z. T. nicht nur neue, konfessionell gewandete Formen annimmt, etwa in dem Versuch Hüttenhoffs eine abstrahierte ev. Rechtfertigungslehre mit einer bestimmten Formulierung von Bhakti-Frömmigkeit auf einen Nenner zu bringen. Diese reduzierte Rechtfertigungslehre ist m. E. eben auch ein Meta-Konstrukt. Insgesamt bietet dieser Band einen guten Einblick in die religionstheologische Diskussion aus systematisch-theologischer, evangelischer und deutschsprachiger Perspektive. Leider fehlt dabei die Perspektive der Missionswissenschaft. Da ist doppelt schade, einmal angesichts der Tatsache, dass die theologische Reflexion der Religionen einen wichtigen Ursprung und Ort in der christlichen Mission hatte, sowohl im Neuen Testament (Paulus in Athen) als auch in der Kirchengeschichte (z.B. B. Ziegenbalg 1706), zum anderen, weil Missionswissenschaftler wie L. Newbigin, D. Bosch, T. Sundermeier oder P. Peterhaus wichtige Beiträge geleistet haben. Dennoch und gerade deswegen ist das Buch für Missionswissenschaftler eine wichtige Lektüre und Anregung. Dr. Friedemann
Walldorf, em 2005-4. |
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Deane,
Hudson. Good
and Faithful - New Zealand Missionaries and their experience of attrition.
Mairangi Bay, Neuseeland: Daystar
Publications Trust, 2008. Warum brechen Missionare ihren Einsatz ab, und wie lässt sich dies vermeiden? Dies sind zwei entscheidende Fragen in der modernen Weltmission, denn eine vorzeitige Rückkehr ist oft mit zerbrochenen Lebensperspektiven, enttäuschten sendenden Gemeinden, ja Zweifeln an Gottes Führung, unterbrochenen Projekten und immenser Fehlinvestition verbunden. Hudson Deane hat diese Fragen so vielen evangelischen Missionaren gestellt, wie er nur irgendwie erreichen konnte. Während andere Studien meist Missionsleiter befragten, hat Deane die Betroffenen selbst zu Wort kommen lassen: 92 neuseeländischen Missionare von 19 Missionswerken wurden mit Fragebogen und ausführlichem Telefoninterview befragt, und er tat dies auf einfühlsame Weise, um möglichst ehrliche Antworten zu erhalten. Dabei traten einige unerwartete Ergebnisse zutage. Beispielsweise benennen Missionsleiter oft zwischenmenschliche Konflikte als Hauptgrund für die Rückkehr, während die Missionare vor allem familiäre (14.3%), arbeits- (13.2%) sowie werksbezogene (10.7%) Gründe benannten, und Konflikte mit Kollegen (2.6%) erst auf den 13. Platz kam - entgegen landläufiger Meinung. Dieser drastische Unterschied verdeutlicht, dass Missionsleiter und betroffene Missionare durchaus unterschiedliche Überzeugungen haben können, die sich gegenseitig ergänzen und Teil des Gesamtbildes darstellen. Die Gründe für die Rückkehr sind auch vom Familienstand der Missionare abhängig: Während Singles vor allem unter Arbeitsüberlastung (9.0%), emotionalem (7.8%) und kulturellem Stress (7.2%) sowie Mangel an persönlicher Unterstützung (6.8%) leiden, macht den Verheirateten vor allem die Ausbildung ihrer Kinder (15.3%) und der Abschluss von Projekten (10.9%) zu schaffen. Missionare werden in jedem Zivilstand und jeder Lebenssituation herausgefordert und benötigen spezifische persönliche Unterstützung und Leitung. Das wird auch im Kap 4 deutlich, in dem der Autor die Antworten nach den verschiedenen Altersgruppen in der Mission untersucht: Während den Pionieren (geb. vor 1946, engl. Boost ers) vor allem ihre physische Gesundheit, mangelhafte Mitwirkung bei Entscheidungen und emotionaler Stress zu schaffen machten, setzt den baby boomers (geb. 1946-64) vor allem die Ausbildung ihrer Kinder, emotionaler Stress, Pflege ihrer Eltern und Arbeitsüberlastung zu und den Gen X-ern (geb. 1965-83) der kulturelle Stress, physische Gesundheit, Einsamkeit und mangelnde persönliche Erfüllung im Dienst. Was können sendende Gemeinden, Ausbildungsstätten, Missionswerke und Gemeinden im Einsatzland beitragen, um die vorzeitige Rückkehr zu reduzieren? Auf diese Frage machten die drei genannten Altersgruppen an Missionaren jeweils ganz konkrete Vorschläge, die sehr bedenkenswert sind und den Weg in die Zukunft der Mission weisen. Das abschließende Kapitel befasst sich mit den Stärken und Schwächen der neu aufkommenden Generation an Mitarbeitern, üblicherweise Gen Y (geb. 1984+) genannt. Deane fordert vor allem flachere Hierarchien in Missionswerken, neue Ausbildungsmodelle, Lernen im Team und experimentelles Lernen, Partnerschaften von sendenden Gemeinden, Ausbildungsstätten und Missionswerken, kontinuierliche Weiterbildung, integrierte Lernprogramme und weist auf die entscheidende Rolle der Gemeinde im Einsatzland hin, ob und welche Missionare eingeladen werden. Diese Maßnahmen sind erforderlich, damit die neue Generation ihren Platz in der Mission findet, so Deane. Damit weist die Studie weit über den nationalen Horizont von Neuseeland hinaus und beleuchtet grundsätzliche Aspekte der modernen Weltmission. Die statistische Basis ist zwar begrenzt, doch das Werk bietet umfassende Inspiration und Reflektion für jeden, der mit der Sendung und Betreuung von Missionaren befasst ist: Gemeindeälteste, Pastoren, Bibelschullehrer, Missionsleiter, Missionare... Der Stil ist zwar etwas nüchtern und weniger unterhaltsam (da der Autor die Vertraulichkeit der Interviewten mit allen Mitteln wahren wollte), doch ist das Werk eine Pflichtlektüre für alle, die in Gottes globaler Mission mitarbeiten. Dr. Detlef Blöcher, em 2008-4. |
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Decker, Rudolf. Ruanda: Tod und Hoffnung im
Land der Tausend Hügel.
Begegnungen und Eindrücke 1. Hänssler-Verlag, 1998. Decker, Rudolf. Im innersten Afrika: Hutu und
Tutsi zwischen Vernichtung und Versöhnung. Begegnungen und Eindrücke 2. Neuhausen:
Hänssler-Verlag, 1998. Ein Umdenken macht sich bemerkbar. In einem evangelikalen Verlag erscheinen nun auch Bücher politischen Inhalts. Das ist zu begrüßen; haben doch die Christen den Geruch, weltfremd und -fern zu leben. Sagen wir, ein Anfang ist gemacht; denn es geht in den Büchern um den fehlenden Frieden in einer immer noch fernen Weltregion, die einen Mordrausch überstehen mußte, der bis heute noch nicht völlig abgeklungen ist. Über hundert Jahre Christentum und ein halbes Jahrhundert der Erweckung haben die Feindschaft zwischen zwei gegnerischen Ethnien Afrikas nicht entscheidend schwächen können. Hier sind auch politische Lösungen gefragt. Der Autor ist Bundestagsabgeordneter und hat von der amerikanischen Gebetsfrühstücksbewegung her den Gedanken der Verantwortung vor Gott und den Menschen im Blick. seinen Gesprächspartnern bot er an, zu diesem Freundeskreis von Politikern hinzuzustoßen. In erzählendem Ton und nicht auf wörtliche Genauigkeit der wiedergegebenen Dialoge bedacht, entfaltet Rudolf Decker die erstaunliche Geschichte politischer Vermittlung in einem ethnischen Konflikt, der mehrere afrikanische Staaten in Atem hält. Sie geschah auf höchstem Niveau: Alle Präsidenten der Region trifft der Leser in den beiden Büchern wieder. Das erste, eine überarbeitete Fassung des 1995 noch anonym erschienenen Buches, setzt einige Jahre vor der 1994 ausbrechenden Katastrophe in Ruanda ein. Der später in einem Flugzeug abgeschossene, verstorbene Präsident kam auf Decker zurück, um in der schwelenden Auseinandersetzung das Gesetz des politischen Handelns wieder an sich zu reißen. Doch die Bemühungen scheiterten. Das tat dem Optimismus des Autors keinen Abbruch, der unermüdlich weiterhin überwiegend auf dem Luftwege einer Pendeldiplomatie den Vorzug gab, die um die Variante der geistlichen Wortbetrachtung und des Gebets bereichert wurde. Vielleicht muß man dem Autor eine zu positive Bewertung der Wirksamkeit solcher Rahmenhandlungen ankreiden. In diesem Gebiet des christianisierten Afrika ist man vielfach aus Gewöhnung religiösen Riten gegenüber aufgeschlossen. Mir fiel in diesem Zusammenhang auch in den Büchern die fast formelhafte Erwähnung Gottes als dem Unsichtbaren je öfter je mehr störend auf. Gut kommt in den Büchern heraus, daß Vorwürfe und Mißtrauen das Denken der Politiker beherrschen. Statt auf Gewalt muß in diesen Umständen auf politische Räson und persönliche Kontakte gesetzt werden. Decker und seine Mitstreiter gaben nicht auf - hier beweist der CDU-Politiker seine überparteiliche Einstellung; er kann den SPD-Mann Hans-Jochen Vogel zu seinem Kreis zählen. Sie luden sogar nach Deutschland ein, um alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen. Das zweite Buch fährt mit den Folgeereignissen ab 1996 im gleichen Stil fort. Das Krisengebiet verlagerte sich nun in das südlich von Ruanda gelegene Burundi. Der Bürgerkrieg in Zaire - jetzt Demokratische Republik Kongo - wird nur am Rande wahrgenommen, denn dort ist die Vermittlung Deckers nicht gefragt. Nur der persönliche Kontakt zu Mobuto wird erwähnt. Spätestens hier wird klar, daß die christliche Initiative zur Völkerverständigung den freundschaftlichen Umgang mit dem aus deutscher Sicht verhaßtesten Staatsführer sucht und ohne erkennbare innere Skrupel pflegt - eine ethische Entscheidung zugunsten der Träger politischer Verantwortung. Decker beschreibt die Gastfreundschaft Afrikas. Er nimmt auch den Leser auf den Besuch einer katholischen Missionsstation und auf Safaris durch Nationalparks mit. Da nur seine Einsätze dargestellt werden – die allerdings durch eingestreute Analysen der politischen Situation begleitet sind und so alle Konfliktparteien erfassen – tritt die Ungeheuerlichkeit der Bürgerkriege und des Völkermordes etwas in den Hintergrund. Das Auge des Betrachters ruht da schon eher auf der ärmlichen Kleidung vieler Afrikaner und betont auf diese Weise den Gegensatz zu ihren gut betuchten Politikern um so deutlicher. Die in zeitlicher Reihenfolge angeordnete Erzählung gibt ein realitätsgetreues Bild Afrikas mit seinen Schönheiten, Hindernissen und präsidialen Wohnsitzen wider. Ich kann die leicht lesbaren Bücher als gute Ergänzung zu den Berichten der Missionare Ostafrikas empfehlen. Winfried Schwatlo, em 1999-3. |
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Decorvet, Jeanne. Samuel Ajayi Crowther. Un père de l’Église en Afrique noire. Foi vivante 309. Édition des Groupes Missionnaires/Les Éditions du Cerf: La Côte-aux-Fées/Paris, 1992. Dem Leben des ersten schwarzen anglikanischen Pastors ist dieses Buch gewidmet. Der wohl 1806 geborene Ajayi wurde als Teenager von Sklavenjägern gefangengenommen, auf dem Weg in die Gefangenschaft jedoch von einem britischen Schiff befreit und nach Freetown, Sierra Leone, gebracht. Dort kam er zum Glauben und war einer der ersten Schüler auf der neugegründeten Missionarsschule der Anglikaner in Foura Bay bei Freetown, in der er später auch Direktor wurde. Weitere wichtige Stationen seines Lebens sind seine Ordination 1843 und die Weihe zum Bischof 1864. Crowther nahm an einigen Forschungsreisen auf dem Niger teil und gründete die Niger-Delta-Mission. Durch den stärker werdenden Druck der Briten wurde er mehr oder weniger unfreiwillig zu einer wichtigen Figur der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegung und für viele zu einem der Gründerväter der Republik Nigeria. Das Buch gibt uns einen interessanten Einblick nicht nur in das Leben dieses Pioniers der schwarzafrikanischen Kirche, sondern auch in die Bemühungen der Mission, Schwarzafrikaner für die Missionsarbeit zu gewinnen in einer Zeit, in der in vielen Staaten noch die Sklaverei und die damit verbundene Sicht der Afrikaner als Menschen zweiter Klasse vorherrschte. Das Buch zeigt sowohl die Beweggründe als auch die ersten Gehversuche dieser neuen Missionspolitik auf. Es erwähnt auch die großen Entbehrungen, die ein Europäer zu dieser Zeit auf dem Schwarzen Kontinent auf sich nehmen mußte. Wir erhalten Einblick in eine Zeit des Übergangs, in der die Sklaverei zwar noch bestand, aber schon bekämpft wurde. Wir erleben lebendig den Verlauf und die Motive der Forschungsreisen auf dem Niger mit. Schließlich schildert uns das Buch auch die Entwicklung der Kolonialpolitik und die Zuspitzung der Probleme, die sich bereits vor der Jahrhundertwende abzeichneten und zu ersten Auseinandersetzungen führten, in die selbst eine so friedliebende Persönlichkeit wie Crowther verwickelt wurde. Alles in allem ein interessantes Buch in französischer Sprache, das einen lebendigen Einblick gibt in die Missionsarbeit des 19. Jahrhunderts auf dem schwarzafrikanischen Kontinent. Martin Schröder, em 1999-4. |
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Dembowski, Hermann & Wolfgang Greive (Hg.): Der
andere Christus. Christologie in Zeugnissen
aus aller Welt. Erlangen:
VdELM, 1991. Diese Anthologie christologischer Entwürfe ermöglicht eine intensive Begegnung mit Christuszeugnissen, die sich durch ihre jeweilige sozio-kulturelle Prägung stark unterscheiden. Die Palette reicht vom jüdischen, europäischen, lateinamerikanischen bis zum asiatischen Kolorit. Ein unbestreitbarer Verdienst ist, daß durch die ökumenische, interkulturelle Kommunikation der Versuchung gewehrt wird, das Christusbild im je eigenen kulturellen Kontext dogmatisch zu verabsolutieren und unreflektiert als authentisch biblisch zu tradieren. Doch muß kritisch gefragt werden, wo Christus nur anders und wo ein anderer Christus verkündigt wird. Gewiß führt das Ernstnehmen der Inkarnation zu unterschiedlicher Akkultu-ration des Christuszeugnisses. Christus geht in die jeweilige konkrete Lebenswelt ein, aber er geht nicht in ihr auf. Der biblische Kontext darf nicht aus seinem alttestamentlichen Verste-henszusammenhang herausgelöst werden, daß aus der Person Jesus Christus ein wie auch immer zu bestimmendes Prinzip wird, das dann in die fremdkulturellen Denkkategorien nivelliert wird. Das ist eine Anfrage an die asiatischen Entwürfe und an die Minjung-Theologie. In diesem Zusammenhang fällt auf, daß nur in der Befreiungstheologie Lateinamerikas, wenn auch selektiv, das AT Erwähnung findet. Aber genau hier liegen doch wohl die Grenzen und Gefahren einer Kontextualisierung der Christologie. Ein nützliches Buch, mit dem auseinanderzusetzen sich lohnt. Gerold Schwarz, em 1993-1. |
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Dengler, Sandy. Susanna Wesley: Powerfrau und
Methodistenmutter.
Brunnen-Verlag: Gießen: 1998. In diesem biographischen Roman beschreibt die Autorin Sandy Degler das Leben von Susanna Wesley (1669-1742), der Mutter von John und Charles Wesley, von ihrer frühen Jugend bis zu ihrem Tod. Die Erzählung setzt ein, als Susanna, die jüngste von 25 Kindern, 13 Jahre alt ist. Das intelligente Mädchen studiert die Bibel und kann bereits hebräisch, griechisch und englisch – und das zu einer Zeit, als fast keine Frau lesen und schreiben konnte, geschweige denn studieren durfte. In diesem Jahr ereignen sich zwei wichtige Dinge: Susanna lernt nicht nur ihren zukünftigen Ehemann, Samuel Wesley, kennen, sondern entscheidet sich auch dafür, die Kirche ihres Vaters zu verlassen und wieder der englischen Staatskirche beizutreten. Dieser Schritt zeigt, daß die englische Gesellschaft im 17. Jahrhundert in das Lager der anglikanischen Staatskirche und der Nonkonformisten gespalten war. Die Königstreue wirkte sich später auch politisch aus und brachte den Wesleys viel Leid. Im folgenden erlebt der Leser nun den täglichen Kampf der Wesleys mit: die Armut, die körperliche Schwachheit (Susanna gebar fast jährlich ein Kind – insgesamt 19) hohe Schulden und politisch bedingte Anfeindungen durch die Menschen. Es ist beeindruckend, daß Susanna Wesley – trotz aller Probleme – nie den Glauben an Gott aufgab. Wie sehr die mütterliche Erziehung ihre Kinder beeinflußte, zeigt sich im Missionsstil ihrer Söhne John und Charles, die die Strukturliebe ihrer Mutter erbten und später als „Methodisten“ bezeichnet wurden. Diese Biographie von Susanna Wesley ist leicht lesbar und erbaulich für alle, die sich fragen, wie groß ihr Einfluß auf die nächste Generation überhaupt ist. Tatiana Heuser, em 1999-3. |
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Detlef, Kapteina. Afrikanische Evangelikale Theologie:
Plädoyer für das ganze Evangelium. edition afem, mission academics 10,
Erlangen: VTR, 2001. Detlef Kapteina, der selbst zehn Jahre in einer Lehr- und Missionstätigkeit in Westafrika und später als Missionssekretär in EBM (Elstal) für Afrika arbeitet, untersucht in seiner Dissertation an der Evangelischen Theologischen Faculteit in Leuven/Belgien die Entstehung einer Afrikanischen Evangelikalen Theologie (AET). Dabei bezieht er sich ausschließlich auf afrikanische evangelikale Theologen und maßgebende Konferenzen und Beschlüsse. Mit dieser umfangreichen Arbeit stellt er die Notwendigkeit eines eigenständigen Profils der AET dar und beschreibt ihre Entwicklung. So beginnt seine Darstellung im ersten Teil mit einem geschichtlichen Überblick und den ersten Gedankenanstößen von Byang H. Kato. Mit seinen Grundlagen beschäftigen sich weitere Konferenzen und er wird als Vorbereiter einer AET herausgestellt. Kapteina beschreibt wichtige Konferenzen und Beiträge im zweiten Teil, um die Entwicklung und Notwendigkeit einer Abgrenzung der evan-gelikalen Theologie aufzuzeigen. Dies nimmt einen sehr umfangreichen Teil ein. Hier gelingt es, entscheidende Merkmale herauszuarbeiten. In einem dritten Teil stellt er die theologischen Konzepte der AET in den Gebieten der Hermeneutik, der Soteriologie und der Christologie dar. Die wegbereitenden Gedanken prominenter Vertreter der AET, wie Tite Tienou, Tokunboh Adeyemo und Kwame Bediako, werden dargestellt und ihre Einflüsse zur Prägung einer AET beschrieben. Kapteina bewertet im vierten Teil die Grenzen der AET und weist auf Defizite hin. Er zeigt auch den theologischen Beitrag für die weltweite evangelikale Missionstheologie auf. Das Buch vermittelt einen weitreichenden übersichtlichen Einblick in die Entwicklung einer AET. Als Darstellung und Zusammenfassung einer geschichtlichen als auch einer theologischen Entwicklung in Afrika empfiehlt es sich besonders für Missionare in Afrika und darüber hinaus für die Auseinandersetzung mit dem Thema der Entwicklung einer Theologie in einer nichtwestlichen Kultur. Kapteina ist es gelungen einen Beitrag für die afrikanische christliche Theologie zu leisten und ihre eigene Stellung innerhalb der evangelikalen Theologie aufzuzeigen. Mathis Kögel, em 2004-2. |
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Dictionary of the Ecumenical Movement. Hrsg. von Nicholas Lossky u.a., Genf: WCC 1991. Hier soll nur nach dem missiologischen Ertrag dieses Lexikons gefragt werden, das in über 600 Artikeln die ökumenische Bewegung im weitesten Sinne beschreibt. Der Rezensent fand ca. 60 Beiträge, die neben missionsrelevanten Sachthemen auch 15 Biographien und 16 Institutionen oder Bewegungen darstellen. Die Hoffnung auf einen besonderen Beitrag des Lexikons zur Geschichte des Internationalen Missionsrates (IMR), einem wesentlichen Motor der ökumenischen Bewegung, wird allerdings etwas enttäuscht, (wie schon Gerald Anderson in seiner Rezension in IBMR bemerkt). Selbst ein Amerikaner vermißt biographische Beiträge zu Karl Hartenstein und Walter Freytag, die nur äußerst marginal erwähnt werden! Doch viele biographische Porträts sind herausragend und kommen im „Lexikon zur Weltmission“ von Neill nicht vor (N. Goodall, B. Graham, K. Grubb, J.A. Mackay, Neil], Newbigin, D.T. Niles, Potter, J.V. Taylor) oder übertreffen es (Mott, Oldham, W. Paton). Bei R. Allen ist man dagegen mit Neills Lexikon besser bedient. Unter den besprochenen Organisationen sind auch ausgesprochen evangeli-kale verzeichnet, doch fehlen leider gerade bei „Lausanne Committee“ die sonst üblichen grundlegenden Literaturhinweise, während der Artikel „Lausanne Covenant“ Sekundärlitertur verzeichnet. Die Konferenzen des IMR werden unter „ecumenical Conferences“ dargestellt. Unter „evangelical missions“ findet sich der irrtümliche Hinweis, die AEM sei der Herausgeber von Idea! Womit das Lexikon einem Missiologen vielleicht am meisten dient, ist die Darstellung des Missionsverständnisses in der heutigen ökumenischen Bewegung bzw. der Uminterpretation von Mission und ihrer Verdrängung durch andere vorrangigere Themen, wie auch in diesem Lexikon der Fall. Die Schlüsselartikel hierzu sind von ehemaligen Generalsekretären des ÖRK verfaßt: Potter schreibt über „mission“ und E. Castro über „evangelism“. Aufschlußreich ist auch die Neudefinition von Bekehrung („conversion“). Weitere Artikel von Interesse sind ua.: „inter-religious dialogue, inculturation, missio dei, moratorium, pluralism, proselytism, syncre-tism, uniqueness of Christ, universalism“. So ist dieses wissenschaftliche Werk, an dem Autoren aus vielen Ländern und Konfessionen mitgearbeitet haben, eine außerordentlich beachtenswerte Leistung, aber im Blick auf den Ertrag für die Mission eher symptomatisch für die heutige ökumenische Bewegung. Christof Sauer, em 1993-3. |
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Die Guten Seiten 94/95. Das Handbuch für Christen. 2. völlig neu bearbeitete Ausgabe, Hg. vom Johannes Institut, Projektion J Verlag. Nach langem Anlauf ist Februar 1994 die zweite Ausgabe dieses christlichen Adressbuches erschienen. Über 10.000 Adressen aus allen Bereichen christlicher Aktivitäten machen es zum nützlichen Nachschlagewerk. Diese Ausgabe hat nun einen alphabetischen Index und ein Stichwortregister. Wie schwierig es ist, Adressen aktuell zu halten und sinnvoll in Rubriken zu ordnen, zeigen die Eintragungen zum AfeM und zu em. Der AfeM erscheint gleich drei mal: In der Rubrik „Arbeitskreise – Evangelisation“ (!) als AfeM Dr. Klaus Fiedler, Ratingen, dann als AfeM, Korntal (AEM) und als AfeM, Esslingen. Ich hätte ihn eher unter „Mission – Verbände“ gesucht, wo auch die Deutsche Gesellschaft für Missionswissenschaft zu finden ist. Die Zeitschrift em erscheint zu Recht in der Rubrik „Missionszeitschriften“, könnte aber auch noch unter Fachzeitschriften aufgeführt werden. Wer Missionsadressen sucht, findet diese nach Einsatzgebieten geordnet. Die Guten Seiten bieten wohl die umfangreichste Sammlung charismatischer und neuester Missionen. Es scheinen aber nicht alle Adressen, die man in Jahrbuch Mission mit weiteren Informationen versehen findet, verzeichnet zu sein. Deshalb hätte man auf es verweisen können. Eine besonders interessante Beigabe ist die Aufstellung von Fred McRae über „Unerreichte Ausländergruppen in Deutschland“, auf S.133-163 in einer Randspalte abgedruckt. (Auch separat beim Autor erhältlich.) Eine ähnliche Aufstellung mit Kurzcharakterisierungen findet sich zu Ausbildungsstätten. Das Nachschlagewerk ist so nützlich, daß es zumindest jede Missionszentrale in ihrem Büro haben sollte. Eine Diskettenversion mit Suchprogramm wäre wünschenswert. Christof Sauer, em 1994-3. |
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Dirks, Friedrich. Das Evangelium im afrikanischen Kontext: Interkulturelle Kommunikation bei den Tswana. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, 1986. Jeder Missionar wird sich mit der Frage beschäftigen müssen: Wie übersetze ich die Frohe Botschaft von Jesus Christus? Es war nicht immer so, daß dieser Frage in der Mission eine besondere Bedeutung beigemessen wurde. Heute muß das jeder Missionar tun. Wir sind feinfühliger geworden. Es ist uns bewußt geworden, daß der europäisch orientierte Missionar in seiner eigenen Kultur aufgewachsen ist und in seinem christlichen Glauben und Denken westlich – wie Dierks sagt „verbal“ – geprägt ist. Friedrich Dirks war mehr als dreißig Jahre Missionar im südlichen Afrika. „Die Fragen und Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der missionarischen Kommunikation der christlichen Botschaft in einer interkulturellen Situation hat Jahrzehnte lang meine eigene Missionsarbeit geprägt“ (S.10). Dierks beschäftigt sich mit „interkultureller Kommunikation“ oder „kontextueller Verkündigung“ des Missionars. Der westlich verbalen Verkündigung stellt er die „nichtverbale Kommunikation“ des Afrikaners gegenüber. Zur nichtverbalen Kommunikation gehören vorwiegend Symbole und Riten, die Dierks dem traditionellen Glauben des Afrikaners entnommen hat. Das Symbol (z.B. S.40 ff.) und der Ritus (S.67f.; 105 ff.;
160) sind nichtverbale Kommunikationsmittel,
die die unabhängigen Kirchen
Afrikas (S.45; 105) von Anfang an in den Vordergrund ihrer
Verkündigung gestellt haben. Westlich
orientierte Kirchen haben diese
Grundbedürfnisse des Afrikaners zu wenig gesehen, erkannt und aufgenommen. Das Buch ist in vierzehn Untertitel aufgeteilt. Die ersten vier Punkte sind eine grundlegende Darbietung, in der sich Dierks damit befaßt, wie die biblische Botschaft zu einem „Kommunikationsprozess“ werden muß, wenn sie durch die Vermittlung des „Senders“ an den „Empfänger“ auf dem Boden der einheimischen Kultur und Religion ausgetragen wird. Die Punkte 5-13 stehen paradigmatisch für die „interkulturelle Kommunikation bei den Tswana“. Als Anknüpfungspunkte wählte Dierks die Begriffe „Religion“, „Gott“ und „Heil“. Jeder Begriff wird auf drei Ebenen untersucht. Zunächst behandelt Dierks das traditionelle Verständnis von Religion, Gottesbild und Heil (5; 8; 11). Daran schließt sich die „missionarische Verkündigung“ an (6; 9; 12); eine Reflexion zur Übersetzung der Botschaft des Evangeliums durch die Missionare. Auf der dritten Ebene befaßt sich Dierks mit dem „Christentum der Tswana“ (7; 10; 13). In diesem Teil werden auch Probleme der zweiten Generation angesprochen. Kapitel 14 ist eine kurze Schlußbemerkung. Das Buch ist entstanden aus der reichen Diensterfahrung des Verfassers. Die ausführlichen Beispiele aus den Dienstjahren Dierks’ unterstreichen seine missionstheologischen Untersuchungen und lassen das Buch jedem Missionar empfehlen, der es mit Afrika zu tun hat oder darüber hinaus ein Gespür und eine erweiterte Sensibilität für die „interkulturellen Kommunikationen“ entwickeln möchte. Heinrich Bammann, em 1987-3. |
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Dortzbach,
Deborah & W. Meredith Long. The Aids Crisis – What We Can Do. Downers Grove. Ill., USA: IVP, 2006. Deborah Dortzbach und Dr. W. Meredith Long arbeiten beide für „World Relief“ und greifen auf über 20 Jahre Erfahrung im Bereich HIV zurück. Das Buch verspricht eine praxisorientierte Antwort zur HIV/AIDS-Frage. Wie können wir, insbesondere die Kirchen, auf die Krise AIDS reagieren? Es spannt einen Bogen zwischen der verheerenden weltweiten AIDS Situation bis hin zum Einzelschicksal, wo Hoffnung zu sehen ist. Es gibt ca. 40 Mio. HIV infizierte Menschen. Bis 2010 rechnet man mit 25 Mio. Waisen und weiterhin schneller Ausbreitung bei fehlender kurativer Therapie sowie fehlenden Impfstoffen. Hinsichtlich der Krankheit besteht ein starkes soziales Stigma. Auch weil AIDS sehr schnell eine ethische Diskussion entfacht, werfen die Autoren in diese Situation hinein Fragen auf, um den Leser zu mobilisieren und ihn zu praktischem Handeln zu bewegen. Die Autoren schreiben aus christlicher Sicht mit großer medizinischer und sozialer Erfahrung. Sie ergänzen das mittlerweile unüberschaubare Angebot an Literatur zum Thema HIV/AIDS durch einen christlichen, sehr stark praxisorientierten und partizipatorischen Ansatz. Das Buch gibt einen Überblick über das Thema AIDS, beginnend mit Grundlageninformationen über die Krankheit selbst, sowie über die Situation in den einzelnen Teilen der Welt. Ein ganzes Kapitel ist dem Schutz der Jugend gewidmet. HIV/AIDS betrifft vor allem Menschen im Fortpflanzungsalter (15-49 Jahre). Verschiedene Möglichkeiten, die Jugend aufzuklären und sie zu schützen, werden diskutiert. Ein anderes Kapitel gilt der Familie. AIDS kann hier durch Ignoranz, Tradition, Scham und andere Gründe sehr zerstörend wirken. Es geht besonders um Ehen, kritische Beleuchtung von Kinderheimen, Pflege innerhalb der Familie und wie Kirchen durch Bedarfsanalyse, Beratung, spezielle Angebote, Zeit, Essen und Liebe helfen können. In einem weiteren Kapitel unter der Überschrift „Gewalt von AIDS“, geht es den Autoren u.a. um Frauen, die kein Mitspracherecht im Bereich Sexualität haben, fehlende Impfstoffe, mangelnde sexuelle Aufklärung, fehlende Vermittlung von Werten wie sexuelle Reinheit und den Wert des Lebens selbst. Kondome seien die primäre Waffe gegen eine Infektion bei denen, die sich sexuell risikoreich verhalten. In dem sehr praktischen Kapitel zum Thema Betreuung wird über die Pflichten und Möglichkeiten des einzelnen Familienmitglieds, der Regierung und der Kirche gesprochen. Kirchen spielen eine bedeutende Rolle, insbesondere bieten sie einen geistlichen Rahmen in säkularen Präventionskampagnen. Das Buch zeichnet sich aus durch eine gelungene Kombination aus gut recherchierten Daten und Widerspiegelung der Realität, die oft dem Nicht-Infizierten, insbesondere in der westlichen Welt, verborgen bleibt. Die Autoren legen sehr viel Wert auf eine persönliche Identifikation mit dem Thema und mit den infizierten und betroffenen Menschen. Das Buch ist auch für den Laien verständlich, eine wirkliche Hilfe sowohl für den Einzelnen als auch eine gute Grundlage für Organisationen und Kirchen, um den Betroffenen umfassend zu helfen, denn HIV/AIDS ist nicht nur ein rein medizinisches Problem. Lebendige persönliche Beispiele aus dem Leben von Betroffen verdeutlichen die einzelnen Aussagen und bringen dem Leser die Problematik vom Kopf ins Herz, was in Nachrichten oder wissenschaftlicher Literatur in der Regel nicht erfolgt. Das Buch zeigt, dass HIV/AIDS auch ein Problem ist, bei dem Kirchenleiter ihre Verantwortung übernehmen müssen, was durch Unkenntnis und Ignoranz bisher viel zu wenig geschehen ist. Es ruft auf, die Diskussion zu beenden, ob Christen auf die AIDS Problematik überhaupt antworten sollten. Aber auch der Einzelne wird hinterfragt hinsichtlich seiner Haltung gegenüber Infizierten, Homosexuellen und der Bereitschaft sich zu identifizieren und praktische Hilfe zu leisten. Mit viel Feingefühl werden die Schicksale dem Leser nahe gebracht. Durch die Fragen am Ende der Kapitel motiviert dieses Buch zum Nachdenken und Handeln. Es ist ehrlich geschrieben und stellt klar, dass AIDS-Arbeit schmerzhaft und lang ist und nicht zu großem Ruhm führt. Es ist ein Arbeitsbuch, das das Wesentliche für die AIDS-Arbeit beinhaltet. Dieses Buch ist nicht als medizinisches Fachbuch gedacht. Das Ziel, in dieser kurzen Fassung Menschen zum Nach-und Mitdenken anzuregen, wird aber erreicht. Es gibt einen umfassenden Eindruck des Problems AIDS. Mit seinen breiten HIV- und AIDS Buch-und Online-Literaturangaben ist dieses Werk ein mobilisierendes, praktisches, anrührendes und herausforderndes Arbeitsbuch, das in allen Bereichen Standardwerk sein sollte, entweder als Grundlage oder Ergänzung zu den anderen Basiswerken, da AIDS ein multisektorales Problem ist, dass definitiv nicht nur medizinisch in den Griff zu bekommen ist. Dr.med. Ulf
Basting-Neumann, em 2008-2. |
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Dubach, Alfred; Roland J. Campiche (Hg.). Jede(r) ein
Sonderfall? Religion in der Schweiz. NZN Buchverlag: Zürich, Friedrich Reinhardt:
Basel, 1993. Zerfall oder Aufwärtstrend der Religion – was stimmt heute in den sogenannten modernen westlichen Gesellschaften? Um ein präzises und umfassendes Bild der religiösen Situation zu bekommen, wurde 1988/1989 eine Studie von einem fünfköpfigen Expertenteam des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institutes in der Schweiz durchgeführt. Die dabei erzielten Ergebnisse sind von der religiösen Entwicklung in Europa nicht zu trennen. Dabei werden Themen wie die Individualisierung des Glaubens, die Stellung des einzelnen zu den Institutionen, die Glaubensorientierung vermit teln, der Grad der Loyalität der Schweizer zu ihren Kirchen, die wachsende Säkularisierung und das Verhältnis von Religion und Kultur behandelt. In den Schlußfolgerungen verknüpfen die Autoren diese Themen- und Fragenkomplexe und geben Überlegungen und Anregungen für die Zukunft. Die Experten haben wissenschaftlich sauber gearbeitet. In den gesamten Text sind präzisierende Tabellen und Graphiken eingearbeitet. Im Anhang finden sich eine Beschreibung der Stichprobe, der bei dieser Umfrage verwendete Fragebogen mit einer Häufigkeitsauszählung, sowie eine Bibliographie. Ablauf und Ergebnisse der Untersuchung können vom Leser geprüft werden. Als Adressaten werden alle diejenigen angegeben, die im religiösen Bereich engagiert sind, die die religiöse Lage besser einschätzen wollen und die daran interessiert sind, heutige Religiosität zu verstehen oder fundierte Äußerungen zum Thema Religion machen wollen. Leider ist dabei die wissenschaftliche Sprache bei aller Genauigkeit zu hoch, sodaß nur der Experte, nicht aber der interessierte Laie den Inhalt versteht. Das ist sehr zu bedauern, da das Buch endlich Fakten zu diesem interessanten Thema liefert, und das nicht nur für Schweizer! Veronika J. Elbers, em 1995-4. |
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Dudley-Smith, Timothy. John Stott: The Making of a Leader (Bd. 1), Leicester: IVP, 1999. Dudley-Smith, Timothy. John Stott: A Global Ministry (Bd.2), Leicester: IVP, 2001. Mit Recht wurde festgestellt: Billy Graham war der Motor
und John Stott der Kopf des evangelikalen missionarischen Neuaufbruchs seit
den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Vor allem die Lausanner Bewegung, deren
Wurzeln bereits auf dem Weltkongreß für Evangelisation 1966 in Berlin gelegt
wurden, ist geprägt von Stotts biblischtheologischem Denken, verbunden mit
ökumenischer Gesprächsbereitschaft, einer Weite des Horizonts und einer
Haltung der Demut. John Stott ist der theologische Denker hinter der
Lausanner Verpflichtung von 1974, dem Grunddokument gegenwärtiger evangelikaler
Missionstheologie in aller Welt. Das Leben dieses missionstheologisch so bedeutsamen Mannes erzählt T. Dudley-Smith, ehemaliger Bischof der anglikanischen Kirche und Freund John Stotts, in diesen beiden Bänden auf über 1000 Seiten. Jeder der acht Abschnitte der zweibändigen Biographie ist einem Jahrzehnt in Stotts Leben gewidmet (von den 1920ern bis in die 1990er Jahre), und beginnt mit einer kurzen zeit- und kirchengeschichtlichen Beschreibung des Jahrzehnts und konzentriert sich dann in mehreren Unterkapiteln (insgesamt 28) auf Leben und Werk des „Protagonisten“ in diesem Zeitraum. Im Zentrum des ersten Bandes stehen die formativen Jahre des jungen Stott (Bekehrung, Berufswahl), die u.a. durch einen durch Stott Pazifismus ausgelösten Konflikt mit dem Vater geprägt sind, und der prägende Dienst als Hauptpastor („Rector“) in der Londoner anglikanischen All Souls Gemeinde (seit 1950). Auch nach der Aufgabe dieses Amts 1970 bleibt Stott als „rector emeritus“ mit der All Souls Gemeinde verbunden. Der zweite Band beschreibt die weltweite Ausdehnung des Dienstes von Stott von den 1960ern bis in die 1990er Jahre. Hier bekommt der Leser Einblick in Stotts Rolle in der Lausanner Bewegung, seine prägenden Teilnahme am Evangelikal-Römisch-katholischen Dialog über Mission (ERCDOM) oder das von ihm geführte missionarisch-apologetische Projekt des „London Institute for Contemporary Christianity“. Viel Raum bekommen auch theologische Entwicklungen in Großbritannien, wie z.B. die spektakuläre Auseinandersetzung um den Verbleib der Evangelikalen in der Church of England, in der John Stott und Martyn Lloyd-Jones 1966 konträre Positionen vertraten. Nicht alle diese Entwicklungen werden für den nicht-britischen Leser von erhöhtem Interesse sein. Darüber hinaus bietet Dudley-Smith immer wieder auch gründliche Einblicke in das literarische Schaffen Stotts, indem er die wichtigsten Publikationen in ihrer Bedeutung in den Lebenslauf integriert und darstellt. Dudley-Smith ist sich der Schwierigkeit, Biographien über lebende berühmte Männer zu schreiben, sehr wohl bewusst, mit denen man auch befreundet ist. Wie zu erwarten hält er sich darum in seinem Urteil sehr zurück. Stott hat ihm allerdings vollen Zugang zu den privaten Papieren gegeben und ihn gebeten keine „Hagiographie“, sondern „eine ehrliche Einschätzung meines Lebens und Wirkens zu geben – mit Ecken und Kanten“ (Bd.1, S.15, meine Übersetzung). Das ist auch weitgehend gelungen, wenn auch verständlichlicherweise die sympathische Beschreibung die kritische Analyse überwiegt. Streckenweise empfindet man die Darstellung als zu detailreich und weit ausholend, so dass man erst den roten Faden wieder suchen muss. Stott selbst faszinierten Biographien am meisten, die „nicht nur die Geschichte erzählen, sondern das Geheimnis aufdecken“ (Bd.1, S.12). Das kann und will dieses zweibändige Werk nicht bieten (obwohl am Schluss doch das „Geheimnis“ Stotts in drei Dingen festgestellt wird: rigorose Selbstdisziplin, völlige Demut und eine betende Geisteshaltung, Bd.2, S.453). Es ist vielmehr eine überaus gründliche und materialreiche Dokumentation über das Leben und Wirken Stotts vor dem bewegten Hintergrund des 20. Jahrhunderts und im Zeugnis vieler Zeitgenossen. Das Buch ist mit ausführlichen Fußnoten, einer Bibliographie (nicht der Werke Stotts – eine solche hat der Autor separat veröffentlicht) und einem Index versehen. Ein tabellarischer Lebenslauf wäre zur Übersicht hilfreich gewesen. Insgesamt: ein authentisches und inspirierendes Bild eines herausragenden missiologisches Denkers des 20. Jahrhunderts, eine wichtige Quelle für evangelikale Missionsgeschichte im 20. Jahrhundert. Dr. Friedemann Walldorf, em 2004-1. |
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Dueck,
Gerry. Kids
for The World. A Guidebook for Children’s Mission Resources. William Carey
Library: Pasadena, 1990. Dieses Arbeitsbuch läßt das Herz von Mitarbeitern in der Kinder- und Jugendarbeit höher schlagen. Auf 57 Seiten werden amerikanische Hilfsmittel zum Thema Mission für diese Altersgruppe aufgeführt und vierfach registriert: Lehrpläne, Bücher, Geschichten, Arbeitsmaterialien, Medien, Lieder, etc mitsamt Bezugsadressen. Die andere Hälfte bietet konkrete Anleitungen: einen 52-stündigen Lehrplan, Beispielstunden und -geschichten, Arbeitsanleitungen und Kopiervorlagen. Davon erscheint manches für uns adaptierbar. Besser wäre jedoch ein gleichartiges Verzeichnis für den deutschsprachigen Raum. Ein Anfang war in der Bibliographie evangelikaler Missionen (bem) enthalten. Wer hat Interesse? Christof Sauer, em 1995-2. |
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Ekman, Ulf. Doctrine - The Foundations of
the Christian Faith. Uppsala: Word Life
Publications, 1996. „Doctrine“ ist die englische Übersetzung der schwedischen Originalausgabe von 1995. Sie ist Ekmans Versuch einer systematischen Theologie. Herausgekommen ist dabei eher ein biblisch-theologisches Handbuch, in dem Ekman seine Erkenntnisse und Einsichten addiert. Seine „Lehre“ besteht zu einem großen Teil aus einer Kette von biblischen Zitaten und Auflistungen (Extrembeispiele 27-38 und 219ff.) Der Buchaufbau folgt den klassisch lutherischen Loci. Ekman, der ja ein dezidiert charismatischer Vertreter und Anhänger einer Glaubenstheologie Haagin’scher Prägung ist, erwarb an der Universität Uppsala einen theologischen Grad. Nur wenige Aussagen (z. B. Rechtfertigung schließt die körperliche Heilung mit ein, 186ff.) und allenfalls die kurz gehaltenen Kapitel über Pneumatologie und Angelologie (speziell der Abschnitt über Dämonenaustreibung) machen deutlich, daß hier nicht bloß ein lutherisch-evangelikal geprägter Pastor am Werke war. Bei der Soteriologie schlägt Ekmans Herz. Das beweist allein schon der Umfang des Kapitels. Allerdings zeigt sich hier auch eine besondere Schwäche des Buches, denn die Trennlinien, z. B. zur Christologie, werden nicht immer deutlich gezogen. Generell sind Gedankenführung und Kapitelaufbau nicht immer klar strukturiert; eine kreisende und sich häufig wiederholende Tendenz ist erkennbar. Ekman kommt in seiner „Lehre“ mit nur einer Fußnote aus (eine Erläuterung zur jüdischen Bar Mizwa). Eine Bibliographie sowie ein Index fehlen völlig. Biblische Aussagen erscheinen als einzige Quellenangaben. Die drei im Nachwort aufgeführten altkirchlichen Bekenntnisse (Apostolikum, Nizänum und Athanasianum), auf denen Ekmans Lehre basieren soll, werden im Text nicht zitiert. Sollen sie die Kontinuität mit den Anfängen der christlichen Kirche ausdrücken oder ein reformatorisches Selbstverständnis dokumentieren? Mehr als 40 DM sind für dieses Buch jedenfalls ein recht hoher Preis. Joost Reinke, em 1997-4. |
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Elliot, Elisabeth. Amy Carmichael. Ein Leben in
der Nachfolge. Neuhausen:
Hänssler, 1995. Der bekannte indische Bischof und Missionshistoriker Stephen Neill äußerte einmal, daß aus heutiger Perspektive und aus Liebe zur Wahrheit eine große Anzahl erbaulicher Missionarsbiographien neu geschrieben werden müßten. Auch auf dieses Buch, das den Werdegang Carmichaels von Irland über Japan, China und Ceylon nach Indien und die Entstehung der Dohnavur-Fellowship zur Rettung von Tempelkindern beschreibt, trifft sein Urteil zu. Für Neill war Amy Carmichael keine Unbekannte, denn er hatte sie in Dohnavur selbst kennengelernt. Er mußte die Arbeit aber bald verlassen, da sich unüberbrückbare Differenzen ergaben. Ohne den Einsatz und das Werk von Amy Carmichael und auch Elisabeth Elliot gering schätzen zu wollen, empfinde ich diese Biographie als oft beschönigend und damit ein bißchen unehrlich. Die vielen Konflikte und Anfeindungen, denen die Dohnavur-Fellowship ausgesetzt war, sind nicht nur einfach Angriffe des Satans, wie sie es selbst empfunden haben, sondern auch das Ergebnis eigenen Verschuldens, von falschem Autoritätsdenken und Führungsverständnis bis zu Überängstlichkeit und Unflexibilität. Wenn die Dohnavur-Kinder beim Eintritt in ein College weder das indische Englisch noch Tamil richtig verstehen bzw. sprechen konnten, ist dies z. B. ein sehr deutlicher Hinweis darauf, daß hier eine ungesunde und auch ungeistliche Isolation stattgefunden hat. Der Stil der Autorin (er soll wohl erbaulich sein) ist mir ein wenig zu süßlich und die Erzählung oft unzusammenhängend. Bedauerlicherweise kann ich daher diese Lektüre einem heutigen anspruchsvollen Missionsinteressierten nicht empfehlen, sondern muß mich Neill in dem Rat anschließen, eine neue Biographie über Amy Carmichael zu verfassen. Martin Sachs, em 1997-2. |
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Engel,
James F. & William A. Dyrness. Changing the Mind of Missions – Where Have
We Gone Wrong? Downers Grove:
InterVarsity Press, 2000. Dieses Buch ist ein hilfreicher Beitrag zur Diskussion um die Spannung zwischen Missionswerken und Gemeinden. Als jemand der seit vielen Jahren in der missionarischen Arbeit im Ausland tätig ist, muss man schon kräftig schlucken, denn manche traditionellen Überzeugungen werden in Frage gestellt. Die Autoren sind bekannte Missionswissenschaftler: Dyrness lehrt am Fuller Seminary und Engel im Ruhestand am Eastern College. Auch wenn sie den nordamerikanischen Kontext im Blick haben, ist ihre Kritik auch für europäische Missionswerke von Bedeutung. Nach Ansicht der Autoren ist die westliche Missionsarbeit stark von der Moderne beeinflusst. Mission wird als Bewegung vom Zentrum zur Peripherie verstanden, der Glaube als persönliche Angelegenheit betrachtet, und Missionsstrategien sind pragmatisch begründet. Dies erweist sich in einer postmodernen Welt als negativ. Die große Chance für die Mission liegt darin, dass die Postmoderne wieder näher an den ursprünglichen Werten dran ist, wie sie besonders in der Zweidrittel-Welt geschätzt werden und wie sie Jesus zu seiner Zeit gelebt hat: Religiöse Vorstellungen haben auch im öffentlichen Leben Platz, die Realität des Bösen wird anerkannt, und Gemeinschaft ist wichtiger als Individualität. Anhand der fiktiven Geschichte eines Missionsdirektors, seiner Missionsgesellschaft und einer mit ihnen verbundenen Gemeinde beschreiben die Autoren in spannender Weise die Herausforderungen im Verhältnis Missionsgesellschaft – Gemeinde sowie einen möglichen Lösungsansatz. Das Paradigma ihrer Missionsstruktur stammt von Jesu selber: die Aufrichtung und Ausbreitung des Reiches Gottes und seiner Herrschaft auf der ganzen Welt. Die Kernbotschaft lautet: „Mission in einer postmodernen Welt wird Gemeinde-zentriert sein, ausgerichtet auf Stärkung und Befähigung der Leute Gottes. Die Botschaft des Evangeliums wird wieder ganzheitlich gesehen, ausgedrückt durch Worte und glaubhaft gemacht durch das ‚Salz und Licht’ das von aufrichtiger Gemeinschaft kommt (Mt 5,13-16). Individuelle Initiativen werden der Arbeit in Netzwerken Platz machen, wobei die Stärken der Einzelnen sich gegenseitig ergänzen, indem Christen zusammen denken, arbeiten und beten um die Herrschaft Christi auszubreiten“ (S.80f.). Das Buch ist lesenswert für Gemeindemitarbeiter denen das Anliegen der Weltmission am Herzen liegt. Eine Gemeinde, die sich nicht als Institution, sondern als lebendigen Organismus versteht, hat auch bei postmodernen Menschen große Chancen. Das Anliegen der Weltmission wird nicht nur durch finanzielle oder personelle Unterstützung gefördert, sondern die Gemeinde nimmt eine aktive Rolle ein: sie mobilisiert ihre eigenen Ressourcen und ergreift die Initiative, um einen bestimmten Auftrag auszuführen. Dies geschieht oft in Zusammenarbeit mit einer Missionsgesellschaft. Mission ist nicht nur ein Programmpunkt unter vielen, sondern das weltumspannende versöhnende Werk Gottes bestimmt alle anderen Gemeindeprogramme. Die zweite Zielgruppe des Buches sind die Missionsgesellschaften. Sie werden nicht darum herumkommen, sich zu verändern, ein Prozess der Transformation ist gefragt. Dabei sollte sich eine Missionsgesellschaft u.a. folgende Frage stellen: „Welchen Unterschied würde es auf die Weltsituation bzw. auf die Gemeinden in den sendenden Ländern machen, wenn unsere Organisation nicht bestehen würde?“ Die Autoren haben nicht die Antworten auf alle Fragen, aber sie machen Mut, sich auf eine Pilgerreise in unbekanntes Land einzulassen. Ein spannendes Unternehmen! Reinhold Strähler, em 2006-4. |
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Engel,
James F. & William A. Dyrness. Changing the mind of Missions – Where have
we gone wrong? Downers Grove: Intervarsity Press, 2000. Kaum ein anderes missiologisches Buch hat zu einem solch radikalen Umdenken in der Weltmission aufgerufen, wie der vorliegende Band der beiden bekannten Missiologen James F. Engel und William Dyrness. Mit großer Sorge beobachten die Autoren die Anpassung vieler Missionswerke an den westlichen Wirtschaftspragmatismus (S. 18) und befürchten ihr Aussterben in den nächsten 10 Jahren, weil sie Mission stellvertretend für die Gemeinden statt mit ihnen zusammen tun. Viele Missionsleiter sähen Gemeinden lediglich als Quelle für Personal und Finanzen an, statt ihnen zu dienen (S.122). Gemeinden müsse ihre zentrale Rolle in der Mission wieder zurück gegeben werden (S.110-142). Das Modell der Glaubensmissionen, das auf Freiwilligen basiere (S. 146), die nur auf Gott vertrauten, sei weder biblisch begründbar noch werde es von Gemeinden in den Heimatländern länger hingenommen (S.75). Darum rufen die Autoren zu einer echten Partnerschaft zwischen Missionsgesellschaften und Gemeinden in den Heimatländern (S.81,127) auf. Gemeinden sollten unmittelbar am Leben und Wirken ihrer Missionare beteiligt sein. Zudem beklagen die Autoren, dass westliche Missionswerke weitgehend einem menschlichen Strategie- und Methoden-Denken (S. 67) zum Opfer gefallen sei, das sie mit Samuel Escobar als „Managerial Missiology” (S. 87) bezeichnen: Strategisches Planen und Problemlösung, numerische Ergebnisse, Finanzierungspläne (S. 68), Kommunikationstechniken (S.68), Marketingstrategien (S.69) und Fundraising (S.73) bis hin zu irreführenden Erfolgsstorys (S.72), das Vertrauen auf westliche Macht und Einfluß (S.45), Verquickung von Evangelium mit westlicher Kultur (S.80) bestimmten viele Aktivitäten. Dies basiere auf dem Leitbild der „Moderne” (S.61ff, 78), d.h. der Ideologie von Vernunft, Zahlen (S.68ff), Management und Methoden (S.106), die längst von der Postmoderne abgelöst worden sei (S.173ff). Dadurch verschließe man sich dem Wirken des Heiligen Geistes und werde taub für seine Leitung. Im gleichen Atemzug werde Mission auf Evangelisation (möglichst viele Menschen mittels vorgefertigter evangelistischer Methoden – „prepackaged evangelistic tools” genannt - mit dem Evangelium zu erreichen, S.64; 87) reduziert, die auf die örtliche Situation im Einsatzland wenig abgestimmt seien. Mission sei zu einer „Industrie” (S.50) verkommen, auf einen Massenartikel reduziert, den es zu vermarkten gelte (S.69). Mission sei stattdessen Gottes Mission; es geht um die Verherrlichung Gottes. ER ist verantwortlich für das Ergebnis, nicht wir Menschen (S.37). „Mission fließt aus dem Herzen von Menschen, die durch den Heiligen Geist transformiert wurden und alles verlassen, um Christus zu folgen” (S.36). Im Zentrum des biblischen Missionsauftrags stehe zudem das „Jünger Jesu machen” (S.31,64), das Wachstum in der Heiligung (S.88), die Integration von Gläubigen in eine Gemeinde (S.102,117), Hingabe und Transformation des ganzen Lebens (S.29), die Herrschaft Jesu in seinem Volk (S.39; 115). Die Gemeinde solle ein Segen für die Umgebung darstellen („soziale Transformation”, S.64, 89). Aufrüttelnd sind die Worte eines afrikanischen Gemeindeleiters: „Your people brought us Christ, but never taught us how to live”(S.22). Das Evangelium sei nicht eine Privatsache ohne gesellschaftliche Relevanz (S.22, 65). Das schließe die Wahrnehmung von struktureller Sünde und Ungerechtigkeit (S.93) ein. Es gehe um Erlösung und Versöhnung, Evangelisation und soziale Transformation (S.64). Dabei sei die Kooperation von Missionswerken untereinander (S.71; 96,181) wie auch mit lokalen Gemeinden im Einsatzland (S.76) zwingend erforderlich, statt Konkurrenzdenken und isolierten Einzelinitiativen (S.96) Raum zu geben. Entscheidungen sollten vor Ort getroffen (S.77) und große Allianzen (S.171; 181) in den Einsatzländern gebildet werden, statt wirtschaftlicher und politischer Macht (S.45f) und Kontrolle aus dem Westen (S.97). Da habe die alte Arbeitsweise mit der Abhängigkeit von externer Finanzierung (S.73) oft die Entwicklung von Eigeninitiative (S.73) und einheimischen Resourcen (S.20) eher behindert. Die bisherigen Markenzeichen der westlichen Mission „Organisatorische Brillianz und zentralisierte Verwaltung” (S.67) müßten ersetzt werden durch schlanke Administration bei verstärkter Motivation und Befähigung von Mitarbeitern (Schulung von Führungskräften S.160). Statt der Fixierung auf Projektziele (S.113; 166) sollte jeder einzelne Mitarbeiter persönlich gefördert werden (S.124; 153ff). Statt hierarchischen Führungsstrukturen (S.113; 148) und Kontrolle von oben (S.23) werben sie für dezentralisierte Teams (S.158), lokale Initiativen (S.98) und die Ermöglichung alternativer Wege (S.158). „Gebet ist wichtiger als Aktion; Dienstbereitschaft und Selbstaufgabe wichtiger als Dominanz und Kontrolle” (S.166). Dieser fundamentale Richtungswechsel in der Mission müsse zügig eingeleitet werden (S.167). Dafür böte der gesellschaftliche Wechsel von der Moderne zur Postmoderne einen gute Chance, da letztere geprägt sei von dem Wunsch nach persönlichen Beziehungen, Vertrauen, Spontaneität, Spiritualität und ganzheitlichem Leben (S.81;173-183). Diese markanten Thesen sind eingepackt in eine spannende Rahmengeschichte von einer fiktiven Gemeinde und einem Missionswerk, die aus der Not heraus beide den vorgeschlagenen Paradigmenwechsel wagen. Diese Geschichte zieht sich durch das ganze Buch hindurch - die Abschnitte sind am Seitenrand durch einen Balken klar gekennzeichnet - und überträgt die grundlegenden Gedanken auf die konkrete Situation von Missionswerken und Gemeinden. Mit ihren mutigen Gedanken fordern die Autoren zum Neu- und Umdenken heraus und provozieren Widerspruch – kein missiologisches Buch wurde in letzter Zeit so heftig diskutiert (vgl. Mission Frontiers Dez. 2000, S.5, EMQ Jan. 2001, S.92-98); keinem anderen wurde so viel destruktive Kritik unterstellt. Es ist aber zugleich ein hoffnungsfrohes Buch, denn es zeigt neue Wege auf und macht Gemeinden und Werken Mut, Veränderungen zu wagen (S.143-172). Kein anderes Buch habe ich so inspirierend empfunden und mit so viel Gewinn gelesen. Zwar kann ich mich der unkritischen Euphorie über die Postmoderne (mit ihren unbestreitbaren Vorzügen wie auch Nachteilen) nicht uneingeschränkt anschließen, ebenso wenig den scharfen Kontrasten, die sie zwischen dem alten und dem neuen Denken sehen – es ist aber gerade die Stärke der amerikanischen Denkweise, komplexe Fragen auf wenige Grundprinzipien zurückzuführen und einfache Antworten zu finden, die mit großem Engagement und Überzeugungskraft vorgetragen werden. Zudem sehe ich das Problem nicht nur auf Missionsgesellschaften und ihrer Leitung beschränkt – das radikale Umdenken ist ebenso bei den Missionaren gefordert, denn ihnen kommt eine entscheidende Rolle im Verhältnis zu ihren Heimatgemeinden und den Kirchen im Einsatzland zu – dieses Thema ist in dem Werk leider ausgeklammert. Das Buch ist spannend geschrieben; die Leitgedanken werden in den verschiedenen Kapiteln immer wieder in neuer Form entfaltet und prägen sich so besser ein. Fußnoten verweisen auf weiterführende Literatur. Mit praktischen Fragen wird zum Überprüfen der Effektivität von Missionswerken eingeladen und die einzelnen Phasen des Veränderungsprozesses skizziert (S.143-173), auch wenn mir diese den Eindruck vermitteln, dass die Autoren doch wieder auf das sonst kritisierte Methoden-denken zurückgreifen mußten. Das äußerst praktische Buch schließt Checklisten mit provokativen Kernfragen ein, wie etwa: „1. Welchen Unterschied würde es für die Welt machen, wenn dieses Missionswerk aufgelöst würde? 2. Welchen Unterschied würde es für die Gemeinden in den Heimatländern machen? 3. Was können wir beitragen zum Leib Christi, der bereits in dieser Volksgruppe am Werk ist?” (S.150) Von keinem anderen Missionsbuch bin ich so sehr inspiriert und herausgefordert worden wie dem vorliegenden. Es ist zum Lesen sehr empfohlen, ja es sollte Pflichtlektüre für jeden Missionsleiter und Missionar sein. Dr. Detlef Blöcher, em 2001-3. |
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Enger, Philipp A. Die Adoptivkinder Abrahams. Eine
exegetische Spurensuche zur Vorgeschichte des Proselytentums. Beiträge
zur Erforschung des Alten Testaments und des Antiken Judentums 53.
Frankfurt/Main: Peter Lang, 2006. Philipp Enger promovierte im Wintersemester 2002/03 mit einer Studie zur Vorgeschichte des Proselytentums an der Humboldt-Universität in Berlin, die er nun in überarbeiteter Form veröffentlicht. Der Studienleiter in einem Bildungswerk der EKD begibt sich hier auf die Suche nach Konversionsphänomenen im Alten Testament, also nach dem, was in der Missiologie auch als „Bekehrung“ bezeichnet wird. Um dabei der Gefahr einer „Rechtfertigung der aggressiven christlichen Missionsideologie durch angebliche jüdische Vorläufer“ (S.31) zu entgehen, gründet Enger die seiner Untersuchung zugrunde liegende Definition von „Konversion“ auf die Ergebnisse moderner Human- und Religionswissenschaft. Von H. Mohr (Art. Konversion/Apostasie in Handbuch religionswissenschaftlicher Grundbegriffe, 3: 436-45, 436, Hg. H. Cancik u.a., Stuttgart, 1993) übernimmt er drei Indikatoren für eine gelungene Konversion: (1) Die Veränderung der kognitiven Grundeinstellung, sichtbar oft durch Bekenntnisakte, (2) die Neuorientierung der Mentalitäts- und Verhaltensmuster und (3) der soziale wie religiöse Statuswechsel in Form einer Integration in die Gemeinschaft. In dem ausführlichen exegetischen Teil seiner Monographie trägt Enger in kanonischer Rei-henfolge (Tora, Propheten, Schriften) die Texte von der Aufnahme des Fremden (Dtn 23,2-9 u.a.), dem Umgang mit den Gibeonitern (Jos 9), sowie das Tempelgebet Salomos (1.Kö 8,41-43) und die Erzählung von Naaman (2.Kö 5) zusammen. Hier finden sich zwei Exkurse zu Jitro (Ex 18,11) und Rahab (Jos 2,9-11). Es folgen Überlegungen zu den Deportierten in Samaria (2.Kö 17,24-41), dem Ausländer in Jes (56,1-8), dem ger („Fremdling“) in Hes, den Seeleuten und Niniviten in Jon, sowie zu Rut (1,16f) u.v.m. Indem sich Enger im Bereich „Tora“ auf 250 Seiten fast ausschließlich mit den Gesetzes-texten zur Problematik des ger beschäftigt, reiht sich seine Studie in die einschlägigen Untersuchungen von C. Van Houten (The Alien in Israelite law, Sheffield, 1991) und C. Bultmann (Der Fremde im antiken Juda, Göttingen, 1992) ein, lässt jedoch eine Auseinandersetzung mit J.E.R. Kidd (Alterity and Identity in Israel, Berlin, 1999) und M. Zehnder (Umgang mit Fremden in Israel und Assyrien, Stuttgart, 2005) vermissen. Enger kommt in seiner Studie zu einem überwiegend negativen Ergebnis. Für die vorexilische und exilische Zeit könne in keinem Fall von Konversion gesprochen werden. Trotz aller Integrationsbestrebungen habe der ger letztlich keinen Zugang zur Versammlung (‘edah) und Gemeinschaft der „Söhne Israels“. Zur Aufnahme des Edomiters und Ägypters in die Versammlung (qahal) in Dtn 23,2-9 postuliert Enger eine Vorform des Texts, in der es lediglich um eine Duldung im Land gegangen sei. Erst in nachexilischer Zeit sei der Wunsch nach Integration in die „utopische Gemeinschaft“ hinzugekommen (S.296). Die Erzählung von Naaman diene „einzig der politischen und religiösen Selbstwertsteigerung jüdischer Leser“ (S.500), Elisa versage ihm in seiner Antwort die autoritative Anerkennung (2.Kö 5,19). Bei Rut sieht Enger ein Problem darin, dass „ihr Verhältnis zu ihrer moabitischen Heimatgottheit ungeklärt bleibt“ (S.505). Die Seeleute und Niniviten im Buch Jona durchleben keine Integration in die jüdische Gemeinschaft. Lediglich fünf von Enger deutlich nachexilisch datierte Texte öffnen Nichtjuden den Zugang zum Judentum: Esr 6,21; Neh 10,29; Jes 56,1-8; Hes 14,5-7.11; Est 9,27. Nur die beiden letzten Stellen lassen Enger zu der Hypothese gelangen, „daß der historisch existente Konvertit zum Judentum ein Phänomen der östlichen Diaspora im 3. Jahrhundert ist.“ Enger schließt, dass diese Option einer Konversion in alttestamentlicher Zeit „weit von einer allgemeinen Akzeptanz, theologischen Etablierung oder gar förmlichen Institutionalisierung entfernt“ ist. Völlig abwegig sei von daher die Annahme missionarischer Werbung im Alten Testament (S.518). Enger bietet eine hervorragende Zusammen-stellung und ausführliche exegetische Untersuchung zahlreicher missiologisch bedeutsamer Texte, insbesondere zur Problematik des ger. Auffällig ist hier das fast völlige Fehlen von Belegen aus den Narrativtexten der Tora, dem weiter hätte nachgegangen werden können. Trotz anfänglicher Bedenken (vgl. S.23, 54) stützt Enger einen großen Teil seiner Ergebnisse auf die Basis umstrittener literarkritischer Hypothesen. Vielfach unterstellt er den Texten tendenziöse Absichten und gibt sich hinsichtlich ihrer Historizität sehr pessimistisch. Obwohl er in seiner Einführung nachzeichnet, wie sehr die Indikatoren für Konversion im Wandel begriffen sind, legt er sich auf ein wohl eher engführendes Modell fest und führt seine Untersuchung so zu einem negativen Ergebnis. So ist sein Werk, nicht nur aufgrund der 30 engbedruckten Seiten bibliographischer Anga-ben, herausfordernd und unverzichtbar für alle, die sich mit dem Phänomen der „Bekehrung“ im gesamtbiblischen Zusammenhang beschäftigen möchten. Dr. Siegbert Riecker, em 2007-1. |
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Escobar, Samuel. A Time for Mission: The Challenge for global Christianity, The Global Christian Library, Leicestershire: Langham Literature & InterVarsity Press, 2003. Samuel Escobar ist Peruaner und Professor für Missiologie am Eastern Baptist Theological Seminary sowie Präsident der United Bible Societies. Er war als Missionar und Dozent in verschiedenen Ländern der Welt tätig. Escobar legt uns mit seinem Buch einen einführenden Überblick über die missionarischen Herausforderungen der globalen Christenheit im 21. Jahrhundert vor. Erschienen in der Reihe der Global Christian Library (Hg. John Stott u. David Smith) dient diese Einführung in die christliche Mission (so will Escobar das Buch verstanden wissen, S. 170) dem Ziel der Serie, der Verschiebung christlicher Gravitationszentren in die 2/3 Welt Rechnung zu tragen. Dabei sollen nicht-westliche Autoren relevante theologische Themen aus der Perspektive ihrer eigenen Kultur reflektieren. Ausgehend von den Veränderungen der globalen Missionssituation zu Beginn des 21. Jahrhunderts entwirft Escobar unter Berücksichtigung der Missionsgeschichte ein trinitarisch-theologisches Missionsmodell, um es für die gegenwärtige globale Situation fruchtbar zu machen. Neben den bekannten missiologischen Wandlungs-Phänomenen (geographische und soziale Veränderung der treibenden Kräfte christlicher Mission), beschäftigt sich Escobar intensiv mit den Auswirkungen der Globalisierung und der postmodernen und postchristlichen Gesellschaftsentwicklung auf die Mission. Dabei warnt er nachdrücklich davor, die materialistische und gewinnorientierte Ideologie der Globalisierung ähnlich unkritisch wie früher den Imperialismus als notwendigen Aktionsrahmen aller missionarischen Bemühungen anzunehmen. Die wirtschaftliche Verabsolutierung radikalisiert Armut und wird so zur Herausforderung ganzheitlicher Mission. Transkulturelle Missionskooper |