Buchrezensionen in em der Jahrgänge 1985-2008

Abdullah, Muhammad Salim. Islam für das Gespräch mit Christen. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Mohn, 1992.

Der Autor dieses Buches ist ein Mann von beeindruckender Kompetenz: Journalist, Fach­referent für Islam, Leiter des Zentralinstitutes Islam-Archiv-Deutschland, Vertreter des islamischen Weltkongresses in der BRD und bei den Vereinten Nationen, sowie Mitglied des Exekutivrates des Kongresses. Darüberhinaus muß man ihm das Zeugnis ausstellen, sowohl ein Kenner des Islam als auch der deutschen religiösen Mentalität zu sein.

Wie der Titel richtig aussagt, soll das Buch Christen ein neues Verständnis für den Islam ermöglichen. In oft rührender Weise und mit fähiger Feder schildert der Autor den, wie er meint, mißverstandenen Islam und seine Glau­benslehre. Der im Qur’an, den Hadithen (Tra­ditionen) und dem Islam als Religion unbe­wanderte Leser wird, zumal wenn er das Gelesene mit den allgemein bekannten Prakti­ken der Volkskirche vergleicht, sicher von dem Inhalt des Buches tief berührt sein.

Der erste Teil des Buches schildert kurz und eindrucksvoll aus islamischer Sicht seine Of­fenbarungslehre, Propheten, Buch und Glau­benslehre. Im zweiten Teil entwickelt Abdullah die islamische Polemik gegen den christlichen Glauben. Dies geschieht mit Einfühlungsver­mögen und Verständnis. Mit viel Geschick versteht es der Autor, den Islam und seine Lehre und Praxis dem Westler nahezubringen. Wo offensichtliche Tatsachen gegen den Islam sprechen, wendet er sich auch offen dagegen, was die Glaubwürdigkeit des Buches nur noch festigt. Blauäugig erklärt er beispielsweise den „heiligen Krieg“ und wendet sich mit einer sehr schwachen Exegese sowohl gegen die Lehre als auch die geschichtlichen Tatsachen. Obwohl Abdullah seiner Dialogbereitschaft wiederholt Ausdruck verleiht, geht er seinerseits keinen Kompromiß ein. Entschieden lehnt er die Gött­lichkeit und Gottessohnschaft Jesu, seinen Kreuzestod und damit die biblische Heilslehre ab. Natürlich wird auch die Bibel in Frage ge­stellt, wo sie nicht mit dem Qur’an überein­stimmt - und das leider bei allen wesentlichen Aussagen. Trotz gegenteiliger Beteuerung ist dieses Buch klar anti-biblisch und wohl die beste Werbung für den Islam, die mir bekannt ist.

Gerhard Nehls, em 1993-2.

Abraham, K. C. und Bernadette Mbuy-Beya (Hg.). Spirituality of the Third World, Orbis Books: Maryknoll, 1994.

Es ist das Verdienst von Orbis Books, jeweils die regionalen Tagungen und Vollversamm­lungen der 1976 gegründeten „Ökumenischen Vereinigung von Dritte-Welt-Theologen“ (Ecu­me­nical Association of Third World Theolo­gians - EATWOT) zu dokumentieren. Vorlie­gender Band gibt die „papers and reflec­tions“ der 3. Vollver­sammlung vom Januar 1992 in Nairobi wieder. Kennzeichnend für die theolo­gische Arbeit ist der ganzheitliche An­satz, der persönliche Frömmigkeit, Einsatz für Freiheit und Gerech­tigkeit, Kampf gegen Ar­mut und Unterdrüc­kung und die daraus resul­tierende Theologie als Einheit sieht. „Der Schrei der Dritten Welt ist der Schrei nach Le­ben“ (2). Hierauf muß Frömmigkeit und Theologie rele­vante Ant­worten geben. Stim­men aus Latein­amerika, Afrika und Asien re­gen zum Nach­denken an.

Dr. Johannes Triebel, em 1997-1.

Adegbola, E.A.Ade. Traditional Religion in West Africa. Daystar Press: Ibadan, 1983.

Das vorliegende Buch enthält eine Samm­lung von Aufsätzen verschiedener Autoren über die traditionellen Religionen West­afrikas. Unter drei Hauptpunkten ‑ Reli­giöse Persönlichkeiten, Funktionen der Re­ligion, Religionssysteme ­‑ finden wir eine Fülle von Informationen. Man liest über Priester, Riten und Feste, Moralfragen, My­thologien, Symbolismus, afrikanische Vor­stellungen vom Menschen und von Gott, um nur einige Themen zu nennen. Für an In­formationsmaterial über traditionelle afri­kanische Religionen Interessierte ist dieses Buch eine wahre Fundgrube. Das unter­scheidende Merkmal dieses Buches besteht aber darin, daß es nicht nur die sonst übli­chen Beschreibungen enthält. Einige der Autoren machen den Versuch des Vergleichens, Erklärens und Interpretierens der traditionellen Religionen.

Der Herausgeber schreibt folgendes dazu: „Die meisten Studien über traditionelle Re­ligionen aus der Sicht des Missionars ten­dieren in erster Linie dazu, Beschreibungen zu sein. Dies wächst (neben der Bequem­lichkeit) aus der Priorität der phänomenologischen Methode heraus. Es ist der Vorteil dieser Methode, daß Methoden der Feld­forschung der Sozialanthropologen daraus entwickelt wurden. Während Beschreibun­gen notwendig sind, sind sie offensicht­lich nicht immer ausreichend. Erklärungen und Interpretationen müssen eingebracht werden. Gerade aber dies ist die schwierig­ste und empfindlichste Aufgabe.“

Langjährige Erfahrung zeigt, daß der Haupt­grund der Faszination der Afrikaner durch
ihre traditionellen Religionen gerade hier zu suchen ist. Heute haben wir in Afrika ein großes Fragen danach, ob die Katego­rien, die Denkweisen und die Weltanschau­ung, die in ihren Religionen zum Ausdruck kommen, in das Bild der biblischen Offen­barung eingefügt werden können. Neue afrikanische Theologien, Splitterkirchen und eigenständige christlich-traditionelle Gruppen zeugen von diesem Verlangen.

Für uns sind diese Entwicklungen eine Her­ausforderung in dem Sinne, daß wir begin­nen müssen, die religiöse Umgebung und Herkunft unserer afrikanischen Brüder zu verstehen. Einmal müssen auch wir zu ei­nem neuen Verstehen der traditionellen afrikanischen Religionen kommen. Zum andern müssen wir uns der Wichtigkeit bewußt werden, daß eine gründliche, klare und zweckmäßige biblische Theologie für Afrika entwickelt werden muß. Hier kann das interpretierende Raster nur die Bibel sein.

Das vorliegende Buch mit seinen Beschrei­bungen, Erklärungen und Interpretationen des westafrikanischen religiösen Denkens kann man darum jedem empfehlen, der die Seele unseres afrikanischen Bruders und Mitmenschen kennenlernen und verstehen will.

Battermann, em 1988-1.

Adeney, Miriam. Daughters of Islam: Building Bridges with Muslim Women, Downers Grove: Intervarsity Press, 2002.

As an anthropologist and a Christian, Miriam Adeney comes to the issue of Missions among Muslim women with a particular sensitivity and insight. However, her interest in understanding the cultural and anthropological aspects of Muslim women’s lives does not deter Adeney from a firmly grounded missiology. The result is a book which draws heavily on the real life stories of women from across the Islamic world who have come to believe in Jesus as more than a mere prophet balanced by firmly grounded missiological insights.

Adeney begins her book with the Biblical accounts of Hagar, from whose son the Muslim world would trace their genealogy, encountering God’s merciful, loving presence in the midst of hardship. From this moving story, Adeney asserts the love of God for Muslim women, and the clear call to give a compassionate witness to the hope of Christ.

In a time in history in which there is a tendency in the West to wrongly stereotype Muslim women as forcefully veiled, repressed, uneducated and oppressed, Adeney paints the extremely varied experiences of Muslim women in her chapter ‘Every Woman is an Exception.’ Through several chapters, she tells the stories, albeit at times in a somewhat unrefined literary style. Nevertheless, she manages to communicate the realities of women from both lower and upper class, from religious as well as nominal Muslim upbringing, from such varied countries as North Africa, Southeast Asia, the Middle East, and Iran, pinpointing the particular cultural issues that are most prevalent in each area. At the same time she acknowledges later the most crucial objections to preconceived and often false notions of ‘Christianity’ that tend to be widespread in the Islamic world and which most Muslim women, regardless of their specific cultural identity share in common. She goes on to outline strategies and approaches that take into consideration these preconceptions. 

She underlines the importance of a culturally contextualized yet biblically sound witness through firmly built friendships and trust, speaking into areas of their lives that concern them as opposed to wielding a particular rhetoric. However, she does not refrain from sharing accounts in which despite flawed witnesses, Muslim women came to believe.

In the end, it becomes clear through the accounts of women who came to Christ through the loving witness of believers, through painful life experiences, through dreams and visions, that God has unlimited means to draw the hearts of Muslim women. With or without us, He will stir the hearts of the hungry to seek Him and as promised in scripture ‘those who seek, shall find.’ And yet, Adeney gives us cause to recognize the part we may be privileged to play in prayer, authentic friendship, acts of kindness, and being prepared to give an answer to the hope that we have.

In the preface of her book, Adeney states that her aim for the book is ‘to educate about important parts of Muslim women’s lives. To elucidate some mission strategies…and to encourage.’ It is clear that she has managed to do just this. For those who are just stepping foot into the arena of missions among Muslim women, it is an insightful and helpful tool. For many of us who have been walking with our Muslim friends and long for them to be our sisters in faith, it is encouraging to read the accounts of those women who have heard the call of Christ and responded. It reminds us that although the way may be long and narrow, we must persevere in patient and faithful prayer and witness.

Lisa Dik, em 2006-2.

Albrecht, Rainer. Eine Trommel allein singt kein Lied. Evangelische Predigt in Nord­west-Tanzania. Erlangen: VELM, 1996.

Fast 30 Jahre nach Beginn seiner Forschungen veröffentlicht Rainer Albrecht hier seine Dok­torarbeit. Durch die Hinzufügung unkommen­tierter Predigten der frühen 90er Jahre versucht er, die zeitliche Verzögerung zu überbrücken. Überhaupt nehmen die jeweils vollständig wie­dergegebenen Predigten gut ein Drittel der Ar­beit ein. Das ermöglicht dem Leser, den erfri­schenden Untersuchungsgegenstand unmittel­bar auf sich wirken zu lassen. Zahlreiche Ne­benbemerkungen Albrechts zum Umfeld er­weisen sich als außerordentlich hilfreich. Hier spürt man den intimen Afrikakenner heraus.

In der Einzelkritik findet der originelle, bei­spielreiche Predigtstil sein uneingeschränktes Lob. Die afrikanische Eigenart der Frage des Predigers, die auf eine Antwort der Gottes­dienstbesucher wartet, würdigt Albrecht aus­drücklich mit dem Untertitel seines Buches „Dialogisches Geschehen in einer Kultur der Oralität“. Ein echter Austausch kann eine Pre­digt aber nicht sein. Das Stilmittel wird wohl eher zur Erhöhung der Spannung und Einbin­dung der Zuhörer eingesetzt.

In der streckenweise begeisternd treffsiche­ren theologischen Bewertung entdeckt Albrecht Defizite, benennt aber leider auch den Pietis­mus der Missionare sowie die ostafrikani­sche Erweckungsbewegung als Hauptimpuls­geber „verkürzten“ theologischen Denkens. So be­rechtigt seine Kritik in vielen Punkten sein mag, reflektiert sie oft nur seine eigene theolo­gische Vorliebe wie im Falle Christologie vs. quietistischer Jesulogie. Welch ein Segen, daß die Lutheraner Jesus verkünden! Da gibt es in Tansania durchaus anders gelagerte Fälle.

Ein kleiner Wunsch am Rand: Die beige­fügte Landkarte mit den unleserlich klein ge­druckten Ortsnamen wäre durch eine Hervor­hebung der im Buch erwähnten Predigtorte entscheidend aufgewertet worden.

Winfried Schwatlo, em 1997-4.

Ali, Michael Nazir. Frontiers in Muslim-Chri­stian Encounter. Oxford: Regnum Books, 1991.

Der Generalsekretär der CMS und frühere Bi­schof der „Church of Pakistan“ greift in diesem Buch die wichtigsten theologischen und mis­siologischen Themen für eine Begegnung von Christen und Muslimen auf, u. a. die Lehre von Gott und die Christologie im islamischen Kontext, die Bedeutung der Heiligen Schrift, Ganzheit im Evangelium, Kontextualisierung und Evangelisation, Glaube im Dialog, die Kirche und die sozial-politischen Ordnungen. Nazir Ali als Insider vermittelt hilfreiche und praktikable Einsichten.

Eine Studienanleitung zu Themen der Lehre, theologischen Charakteristika und Titeln (Namen) und ein Personen- und Sachindex sind angehängt.

Klaus Brinkmann, em 1997-4.

Ali, Othman & Hassan Samir. Islamische Kräfte und Gemeinde Jesu. 1991. & Wolfgang Zschaler; Othman Ali (Hg.). Gesprengte Brücken. Muslime wählten Jesus. 1992.

Der jüngste Golfkonflikt hat viele Fragen auf­geworfen und neue Feindbilder geprägt. End­lich gibt es ein christliches Buch, das die Fron­ten nicht verhärtet, sondern Verständnis zu wecken versucht. Das Besondere an dem Buch ist, daß seine Autoren, aus dem Islam kom­mend, eine klare Bekehrung zu Jesus Christus vollzogen haben. Sie schreiben aus eigenem Erleben des Islam und aus fundierter Kenntnis der politischen Entwicklungen und der christli­chen Missionsarbeit in der islamischen Welt: Entstehung und Ziele des islamischen Funda
mentalismus werden dargestellt. In einer sorg­fältigen Studie wird das islamische Menschen­rechtsverständnis analysiert und mit dem west­lichen verglichen. Ursachen und Auswirkungen der Golfkrise werden beleuchtet. Die Autoren setzen sich auch mit der Situation Israels und den damit verbundenen heilsgeschichtlichen Fragen auseinander. Alle diese Aspekte werden immer wieder in Beziehung gesetzt zur Gemeinde Jesu, zur missionarischen Arbeit und zur Situation der Konvertiten. Ein interessantes Kapitel ist dem Thema „Kolonialismus und missionarischer Auftrag“ gewidmet. An der Ernsthaftigkeit der Missionare hegen die Auto­ren keinen Zweifel, doch der Unterschied zwi­schen Absicht und Ausführung des Anliegens wird klar herausgestellt: „Missionare lebten in der Regel nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich in zu großem Abstand von den Ein­heimischen. Sowohl das Wohnen als auch der mitmenschliche Umgang geschahen aus dieser Distanz heraus“ (67). Leidenschaftlich wird zu mehr partnerschaftlicher Zusammenarbeit auf­gerufen und davor gewarnt, aus einem Konver­titen die Kopie eines westlichen Christen machen zu wollen. Fazit: fundiert, engagiert und gut präsentiert.

Die zweite Neuerscheinung Gesprengte Brücken füllt eine echte Informationslücke. Den fünf Erlebnisberichten von ehemaligen Muslimen sind fachkundige Erläuterungen des Islams aus der Feder Othman Alis angefügt. Dadurch gewinnt der „westliche“ Leser ein tieferes Verständnis, das notwendig ist, um die Situation von Konvertiten, besonders nach der Bekehrung, zu verstehen. Sehr einfühlsam werden die Leiden und Anfechtungen der Konvertiten beschrieben, unter anderem in ei­nem Gedicht. Aber auch der Trost und die Stärkung des Glaubens durch Jesus tritt deut­lich hervor. Dieses Buch zeigt deutlich, daß sich die Mühe der Mission unter Muslimen lohnt, und Gott in der islamischen Welt seine Gemeinde baut.

Reinhard Born, em 1993-2.

Al-Sain, Johanna; Ernst Schrupp. Ich kämpfte für Allah. Eine Frau auf der Suche nach der Wahrheit. Brockhaus/Oncken: Wuppertal/Zürich, 2000.

Johanna wächst in einem christlichen Eltern­haus auf, findet jedoch nicht zu einer persönli­chen Beziehung zu Jesus Christus. Antworten auf ihre Fragen scheint sie im Islam zu finden, zu dem sie auf der Suche nach Wahrheit kon­vertiert. Sie setzt sich ganz in einer politisch aktiven islamischen Gruppierung ein, betreibt Mission und Schulungsarbeit und macht sogar die Wallfahrt nach Mekka, wird aber bei ihrem Aktivismus für den Islam wie in zwei Ehen mit Muslimen immer tiefer enttäuscht. Als sie kei­nen Ausweg mehr sieht, findet sie zum leben­digen Glauben an Jesus Christus.

Zwei Exkurse erläutern Hintergründe und ver­mitteln Wissen über den Islam als Religion, politisches System und Kultur, sowie über grundlegende Unterschiede zwischen Islam und christlichem Glauben. Nur selten wird an­dernorts so deutlich auf die Versäumnisse des christlichen Abendlandes in der Begegnung mit Muslimen und dem Islam hingewiesen (Verabschiedung vom christlichen Glauben, Entkirchlichung und Säkularismus, Pluralismus und Sinnleere).

Ein authentischer Bericht, der auch Einblick in die „Schwächen“ des Islam vermittelt (statt Heilsgewißheit Werkgerechtigkeit, statt Ver­änderung des inneren Menschen Aktivismus und Druck, statt Seelsorge an Zweifelnden Verfolgung von Abgefallenen).

Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-2.

Alvarez-Cineira, David. Die Religionspolitik des Kaisers Claudius und die paulinische Mission. Herders Bibl. Studien 19, Freiburg: Herder, 1999.

In dieser umfangreichen Studie will der Verfasser Aspekte der paulinischen Mission auf dem Hintergrund der zeitgenössischen kaiserlichen Religionspolitik erklären. Im ersten Teil (10-224), untersucht A-C daher die Hinweise auf die Religionspolitik des Kaisers Claudius (41-54 n. Chr.), deren Auswirkungen für die ur-christl. Mission schon an Apg 18.1-3 deutlich werden. Nach einer Übersicht über die vorhandenen Quellen zeichnet A-C die Haltung des Kaisers zur römischen Religion, zu fremden westlichen Religionen, zu verschiedenen griechischen Kulten, zu orientalischen Religionen und zu den Juden nach (knapp: „… Anstrengungen für eine Wiederbelebung des altrömischen Kults neben reichsweiter Toleranz gegenüber anderen Religionen, falls diese keine Gefahr für die Pax Romana darstellten“, 411).

Nach einführenden Beobachtungen und Darstellung der ersten Periode paulinischer Mission (226-59), wendet sich A-C im zweiten, allgemein der paulinischen Mission gewidmeten Teil zunächst dem erwähnten Claudiusedikt zu als einem Faktor für die Verschlechterung der Verhältnisse zwischen Juden und Christen (260-90). Das Christentum war ein möglicher, auch politischer Unruhefaktor innerhalb des Judentums und somit angesichts der hier empfindlichen kaiserlichen Religionspolitk bedrohlich. Nach dem kaiserlichen Edikt stellten die Christen eine politische Gefahr für das Überleben der Juden dar, was die Härte der Auseinandersetzung erklären mag. Auf diesem Hintergrund versteht A-C die Konflikte mit den Juden und deren Vorgehen gegen Christen in Thessalonich (Apg. 17.6f, 1 Thess 2.14-16). Ferner sieht A-C das Claudiusedikt als den Auslöser der christlichen anti-paulinischen Mission, die sich in den Gegnern in Galatien und im Philipperbrief zeigt (291-340). Die judenchristlichen Massnahmen gegen Paulus, opportunistisch und politisch motiviert, gehen auf diese Reaktion des Judentums gegen das Christentum in der Diaspora zurück. Die Gegner wollten verhindern, dass sich die von Paulus geprägte christliche Bewegung (ohne Gesetz und Beschneidung) als eine vom Judentum getrennte Religion darstellte und somit die bisher genossenen (jüdischen) Privilegien verlieren und zum collegium illicitum erklärt werden würde, was für alle Gemeinden schwerwiegende Folgen hätte haben können. Wenn A-Cs Überlegungen stimmen, wäre dies ein weiterer Hinweis auf die Datierung und die Empfänger des Galaterbriefes.

Abschließend wendet der Verfasser die im ersten Teil gewonnenen Erkenntnisse auf „Paulus und die Christen in Rom“ an (Entstehung des Christentums in Rom und Zustand der Gemeinden nach dem Claudiusedikt sowie die Darstellung des Römerbriefes, vor allem die in 16.17-20 und 13.1-7 gegebenen Hinweise). A-Cs Studie zeigt erneut, dass die Kenntnis und Berücksichtigung der politischen und religionspolitischen „Grosswetterlage“ für ein Verständnis von Wesen und Verlauf der urchristl. Mission interessante Hinweise bereithält. Paulus bewegt sich auch hier nicht in einem luftleeren Raum, sondern wurde mit Zwängen und Umständen konfrontiert, die dem Evangelium gemäss zu meistern waren. Das Verhalten des Paulus und seine Äußerungen angesichts dieser Umstände, zu denen sich moderne Parallelen finden lassen (Verleugnung des Evangeliums, um möglichen Verfolgungen zu entgehen), können auch heutigen Missionaren und missionarischen Gemeinden Wegweisung bieten.

Dr. Christoph Stenschke, em 2002-4.

Anania, Valeriu. Bilder vom Reich Gottes. Metzingen: Verlag Sternberg, 2002

Im Zentrum der fünf Themenbereiche, die augenblicklich durch eine Sonderkommission des ÖRK untersucht werden sollen, steht das Kirchenverständnis. Die einzelnen christlichen Denominationen fordern mehr „eigenes Profil“; sie vergessen, dass in der gegenwärtigen globalen Auseinandersetzung der Religionen Christen sich durch ihr gemeinsames Zeugnis für das Evangelium von Jesus Christus über alle Grenzen hinweg profilieren müssen. Das christliche Profil ist das von Jesus verkündigte Reich Gottes.

Das schöne Buch von Valeriu Anania, Bilder vom Reich Gottes erscheint zum rechten Zeitpunkt. Wir finden darin hervorragende Bilder mit tiefsinnigen Erklärungen zu 59 Ikonen und Fresken aus 16 Klöstern und Kirchen Rumäniens. Die „kunstvolle und tief greifende Auslegung bedeutender Ikonen und Fresken durch den Schriftsteller, Dichter und Bibelübersetzer Valeriu Anania“ (Landesbischof G. Maier im Vorwort) fördern das orthodoxe Glaubensverständis und die Tiefe seines theologischen Denkens.

Der „wahrhaft europäische Patriarch“, Valeriu Anania, wurde durch den reichen geistlichen Schatz seiner südlich von Hermannstadt (Sibu) gelegenen Heimat als Kind und später als Mönch geprägt. Er entwickelte sich im Laufe seiner über 80 Lebensjahre zum Meister einer „Theologie der Nuancen“. Die Fotografien verdanken wir Victor Bortas, Lehrer für Fotografie und freischaffender Künstler. Leider sind einige Bilder nur mit Hilfe einer Lupe richtig erkennbar.

Der Anhang, „Von Württemberg nach Rumänien“ (S.80-87), rundet den Bildband ab mit einer kurzen Würdigung von Valeriu Anania als „ökumenischen Brückenbauer“ und einer „Gemeinsamen Erklärung“ zwischen der rumänischen Erzdiözese und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ( S.86-87).

Die hinter den Bildern vom Reich Gottes stehende biblische Theologie wird im an Plato erinnernden Dialog zweier fiktiver Gestalten, des älteren Erzpriesters Bartolomeu und des jüngeren Valeriu erklärt. Sie geben die Stichwörter zur Entschlüsselung der Geheimnisse der Fresken und Ikonen in Klöstern der Olteria, dem südlichen Teil Rumäniens. In Deutschland ist dieses Gebiet unter dem Namen Walachei bekannt.

Die Konzentration auf wenige Bildmotive läßt die „theologische Tiefe“ zum Vorschein kommen; sie ist in diesem Band wichtiger ist als das „kunsthistorische Interesse“.

Die Ikone (Bild) hat ihren Ursprung in der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und ist nach Gregor von Nyssa „ein mit Farbe geschriebenes Evangelium“ (S. 12). Neben Christus, dem Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt und der Gottesmutter Maria, sind die Heiligen Bildgegenstand. Sie reichen von Nikanor, über Georg, den Drachenkämpfer, bis zu den großen Philosophen (S.12- 33). Der Held ist wichtig als Sieger und Symbol der Fürbitte. Die Schlange, Symbol des Teufels, wird mit dem „Hinabgestiegen in die Hölle, um die Ketten der Gefangenen zu lösen“ in Verbindung gebracht. Die Auferstehung wird zur Handlung. Christus hebt Adam und Eva aus den Gräbern; der in Ketten gefesselte Teufel wird vom Engel an seinen Hörnern hinabgedrückt (Fresko- Ikone der Klosterkirche Clocociou, S.16).

Die Ikone spielt eine gottesdienstliche Rolle. Die Ikonostase als Altarwand erinnert an den Vorhang des jüdischen Tempels, der das Heilige vom Allerheiligsten trennt und zerriss als Jesus am Kreuz starb. Die Bilderwand vereinigt Malerei und Holzschnitzkunst. Erst nachdem das 7. Ökumenische Konzil von Nizäa (787) den langen Bilderstreit in der Orthodoxie beendete, holten die Gläubigen ihre Ikonen wieder aus ihren Verstecken hervor und reihten sie aneinander vor der Altarschranke.

So wird die Ikonostase zum Buch für Analphabeten, wie der große Missionspapst Gregor der Große es einmal formulierte. Vorbilder waren die ersten byzantinischen Zeichnungen und Malereien biblischer Texte. Mittelpunkt ist die Königstür mit dem Heiland der Gottesmutter, meist gefolgt von den Schutzheiligen der Kirche. Die Ikone unterscheidet sich von anderen Bildern dadurch, dass sie Teil der göttlichen Liturgie ist.

Die Ikonostase ist eine „durchscheinende Wand“ (S.27); die Deesis- Ikone „ist die vollkommenste bildhafte Darstellung für das Symbol Jesse“ (S.27, Bild 14): „Christus, du bist der Sproß aus Isais Wurzel und dessen Blüte“. Das zeigt der Eucharistische Christus der Fresko- Ikone im Refektorium des Klosters Hurezi (Bild 15, S.28) wunderbar. Isai und Abraham (Bild 13, S.26) erreichen gleichsam kosmische Proportionen. Der Weinstock ist Metapher für die Idee der Einheit zwischen Christus und der Kirche, die aus der Eucharistie entsteht. Aus der Wunde des Lanzenstosses am Kreuz erwächst ein Weinstock (Fresko-Ikone der Apostel-Kapelle in Hurez, S.29). Durch das Herabrufen des Heiligen Geistes wird Brot zum kostbaren Leib und Wein zum Blut Jesu Christi; es erinnert daran, dass der Herr sich selbst seinen Jüngern darreicht.

Diese geistliche Hierarchie beginnt mit Melchisedek, dem Priester Gottes des Höchsten, der Abraham segnet (1.Mose 14, 18- 20), der nach dem Hebräerbrief (5,10; Psalm 110, 4 zitierend) bezeugt, dass Jesus „ein Priester ewiglich und nach der Ordnung Melchisedeks ist“; er steht nach Paulus höher als Abraham. David, die geistliche Ordnung und die königliche Abstammung tradierend, verweist auf Jesus Christus als König im Reich Gottes und als Priester, der sein eigenes Leben geopfert hat (S.31). Die Ikonostase ist dreidimensional „als Krone eines Baumes“ so wie Christus die beiden Testamente und den Kosmos verbindet (S.32).

Die Fresken spiegeln auch zeitgeschichtliche Ereignisse wider. Das Schiff (Kirche) fährt durch gefährliche Wasser (S.39). Im Maul des Drachens ist der mit Pfeil und Bogen bewaffnete Mohammed zu sehen, der auf den leibhaftigen Christus auf dem Altartisch zielt.

Neben der Darstellung der Hölle spielt die Deesis (S.45-53) eine große Rolle. (Deesis heißt Fürbitte). Die Ikone Deesis (S.45) erinnert an den „Zeugen“ Johannes den Täufer und die fürbittende „Gottesmutter Maria“ (S.57-64). Den Abschluss bilden eindrückliche Ikonen und Fresken über die Dreieinigkeit (S.67-76).

Als Fazit bleibt: „Die Fresken und Ikonen sind die Mission der christlichen Künstler. Sie sind eine Einladung in Bildern zur Teilnahme am Reich Gottes, das durch Jesus Christus eröffnet ist“ (S.75). Der Verlag Sternberg ist hoch zu preisen für diesen Bildband, der sich als Geschenk gut eignet und glaubenden Protestanten, Katholiken, aber auch dem Glauben fernstehenden Menschen, gleicherweise den Weg öffnet zum Verständnis der geheimnisvollen Glaubenswelt aus orthodoxer Sicht.

Prof. em. Karl Rennstich, em 2003-1.

Anderson, Allan. Moya. The Spirit in an African Context. Pretoria: Sigma, 1991.

Kasukuti, Ngoy. Recht und Grenze der Inkulturation. Heilserfahrungen im Christen­tum Afrikas am Beispiel der Kimbanguistenkirche. Erlangen: Verlag der Ev.-Luth. Mis­sion, 1991.

Beide Autoren unternehmen eine nötige Neubewertung Afrikanischer Unabhängiger Kirchen (AUK) verbunden mit kritischer Sich­tung bisheriger Standardliteratur (Sundkler, Oosthuizen, Beyerhaus, Martin) und theologi­scher Einordnung afrikanischen Christentums.

Der in Südafrika lebende evangelikal-charismatische Weiße A. Anderson schildert die Entstehungsgeschichte der dortigen AUKs und Pfingstkirchen, die er in Anlehnung an seinen Lehrer Inus Daneel „Geist-Kirchen“ (nicht: zionistisch, messianisch oder prophetisch) nennt, – gegenüber der Gruppe der „äthiopi­schen“ Kirchen. Er möchte sie aus dem synkretistischen Abseits herausholen, indem er ihre Pneumatologie als relativ gelungenen Ver­such kontextueller Theologie darstellt, die ernstlich auf das von Ahnen- und Geisterkult bestimmte afrikanische Existenzverständnis eingeht, besonders auf das ‚Lebenskraft’ („power“) - Konzept. Er beschreibt ausführlich ihre pastorale Praxis, die großen Wert auf cha­rismatische Geist-Manifestationen wie Geist-Empfang, Glossolalie, Prophetie und geistliche Leiterschaft legt. Seine These ist, daß die Geist-Kirchen mit ihrer Betonung der dritten Person des dreieinigen Gottes bisher die ange­messenste christliche Antwort bieten auf das afrikanische Grundbedürfnis nach einer lebenssichernden Macht. Er sieht in dieser Heraushebung ‚pneumatologischer Existenz’ auch eine größere biblische Nähe als es bisher westliche und afrikanische Theologen wahrge­nommen haben. Wenn auch teilweise zu idea­lisierend und biblisch-theologisch oberfläch­lich, ist dieses Buch Anreiz genug zur Neube­sinnung auf die AUK-Gemeindepraxis als relevantes Bestätigungsfeld neutestamentlicher Pneumatologie.

Der Afrikaner Ngoy Kasukuti, Bischof der lutherischen Kirche in Zaire, befaßt sich mit der größten und immer noch stark wachsenden AUK in Afrika, der 1921 entstandenen Ge­meinschaftsbewegung Simon Kimbangus (ca. 5 Mill. Mitglieder). Sein Buch verarbeitet kri­tisch die Literatur von M.L. Martin und W. Ustorff. Er schildert die Religions- und Got­tesvorstellungen seines Bantu-Stammes, be­sonders die Heilsbedeutung der Übergangsriten (Geburt, Initiation, Heirat, Tod) und der Ahnen und wie sich die Heilslehre der Kimbanguisten auf diesem Hintergrund profiliert. Er kommt zum Schluß, daß es sich bei dieser AUK am Anfang noch um einen genuin christlichen Ausdruck religiöser Bewältigung des bedrohten Alltagslebens handelte. Er beobachtet aber einen theologischen Bruch in der Soteriologie in dem Moment, als sich ab 1957 die EJCSK (Kirche Jesu Christi von Simon Kimbangu) unter dem Sohn des Gründers organisierte und Simon Kimbangu als konkurrierenden Heils­mittler neben Jesus Christus stellte. Damit sei die Grenze der Inkulturation überschritten, was sich auch im Abendmahls- und Taufverständ­nis widerspiegele.

Anregend sind die in die Darstellung der AUK eingestreuten theologischen Reflexionen
ihrer Inkulturationsbemühungen und der Schlußteil über mögliche Anknüpfungspunkte einer relevanten christlichen Theologie in Afri­ka. Warum nicht mehr davon, anstelle des gedehnten und desintegrierten Teils über die Stammesreligion?

Detlef Kapteina, em 1995-3.

Anderson, Gerald H., u. a. (Hg.). Mission Legacies. Biographical Studies of Leaders of the Modern Missionary Movement. Mary­knoll: Orbis, 1994.

Diese 75 wissenschaftlichen Biographien von Experten über führende Persönlichkeiten der modernen Missionsbewegung (v. a. 19. und 20. Jahrundert) bilden das derzeit umfangreich­ste und qualifizierteste Sammelwerk. Die Bei­träge umfassen (1) Förderer der Mission in der Hei­mat wie Gordon, Simpson, Franson und Mott, (2) Missionare in Afrika wie Livingstone oder Gutman, (3) in China wie Nevius, Taylor und Reichelt, (4) in Südostasien wie Carey und Martyn, (5) Theologen und Historiker wie Warneck, Schmidlin, Latourette, Freytag und Neill, (6) Theoretiker und Strategen wie Kraemer, McGavran und Tippet und (7) Admi­nistratoren wie Venn, Anderson und Harten­stein. Die Darstellung und Bibliographie ist von unterschiedlicher Qualität und Aktualität, je nach Datum der Erstveröffentlichung im ‘International Bulletin of Missionary Research’ (IBRM) ab 1977. Der Schwerpunkt liegt ein­deutig auf Personen englischsprachiger Her­kunft. Alle erfaßten Deutschen wurden unter obigen Beispielen erwähnt, ausgenommen die katholischen Bibliographen Streit, Dindinger und Rommerskirchen. Es wäre sehr zu begrü­ßen, wenn ein weiterer in Aussicht gestellter Band zu Nordafrika, dem Mittleren Osten, Nordostasien, dem Pazifik und Lateinamerika zustandekäme. Bis dahin muß man im IBMR nachschlagen.

Christof Sauer, em 1998-1.

Bacon, Daniel W. From Faith to Faith. The influence of Hudson Taylor on the faith missions movement. Singapore, 1984.

Wohl niemand hat die evangelischen Mis­sionen, jedenfalls im interdenominationellen Bereich, so entscheidend geprägt wie Hud­son Taylor, der Gründer der China Inland Mission. Die Biographien über ihn und sein Lebenswerk sind ja auch im deutschspra­chigen Raum weit verbreitet.

Mit diesem Buch legt Bacon eine übersicht­liche Untersuchung über Taylors Prinzipien (S.12-69) und über den Einfluß dieser Prinzipien auf die gesamte Bewegung der interdenominationellen Glaubensmissionen (S.79-129) vor. In einem dritten Teil un­tersucht er, welche Bedeutung Taylors Prin­zipien heute haben.

Über die Geschichte der Glaubensmissionen gibt es nur wenig wissenschaftliche Litera­tur. Umso bedeutsamer ist Bacons Veröf­fentlichung, die von der UeMG als Studien
buch herausgegeben worden ist. Daniel Bacon ist seit 1978 Heimatdirektor der UeMG in USA; dieses Buch ist seine Dis­sertation (D.Miss.) für Trinity Evangelical Divinity School, Deerfield, Illinois (1983).

Klaus Fiedler, em 1986-4.

Badenberg, Robert. The Body, Soul and Spi­rit Concept of the Bemba in Zambia. Fun­damental Characteristics of Being Human of an African Ethnic Group. edition afem: mission academics, Bd. 9. Verlag für Kultur und Wis­senschaft: Bonn, 1999.

Diese Publikation ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Es handelt sich um die Ergeb­nisse einer Feldforschung, in deren Verlauf der Autor mit einer modernen ethnologisch-lingui­stischen Methode gearbeitet hat. Er gibt sich zu erkennen als Vertreter (und Verfechter!) der sogenannten kognitiven Ethnologie (bislang auch kognitive Anthropologie genannt). Mit Hilfe der kognitiven Ethnologie können insbe­sondere Begriffssysteme und Denkformen ei­ner Gesellschaft erfaßt und beschrieben wer­den, die mit anderen wissenschaftlichen Mit­teln nicht zugänglich sind. Über die dazu nöti­gen detaillierten Sprachkenntnisse verfügt der Autor: Er ist seit mehr als 10 Jahren Missionar bei den Bemba, einer Ethnie im Norden Sam­bias. Das zentrale Thema seiner Untersuchun­gen, der Begriff „Seele“, gilt in der neueren Ethnologie als einer derjenigen Forschungsge­genstände, die am schwierigsten zu erfassen sind und daher immer noch eher selten bear­beitet werden. Den Begriff „Seele“ untersucht der Autor aber nicht isoliert, sondern einge­bettet in die Frage nach den Begriffen „Körper“ und „Geist“ im Denken der Bemba. Er liefert damit eine eingehende Beschreibung des Men­schenbildes dieser Volksgruppe, deren Denk­rahmen von animistischen Grundstrukturen ge­bildet wird. Dieses Menschenbild – und das ist eine der bedeutenden Qualitäten der Untersu­chung – wird nicht beschrieben unter Zugrun­delegung von europäischen Seelenvorstellun­gen als Vergleichsgegenstand. Er greift viel­mehr auf sogenannte „emische Kategorien“ zu­rück, also ausschließlich auf diejenigen Ge­sichtspunkte, unter denen die fraglichen Be­griffe von Mitgliedern der Bemba-Gesellschaft (zumindest in den Grundzügen) verstanden und benützt werden.

Auf diese Weise entsteht ein Menschenbild, das den Missionar (und nicht nur diesen!) be­fähigt, bei seinem Versuch, biblische Vorstel­lungen von der Natur des Menschen zu ver­mitteln, in einer Weise vorzugehen, die unter anderem sogenannte „kognitive Dissonanzen“ vermeiden hilft. D. h., er beugt gegen die For­mulierung von verhängnisvoll falschen, schie­fen oder zumindest problematischen Wieder­gaben des Begriffs „Seele“ und entsprechenden Theologien vor, wie sie in der Missionsge­schichte und in der Geschichte der Bibelüber­setzungen durch Missionare aus dem europä­isch-abendländischen Kulturkreis so häufig entstanden sind.

Das Ganze ist in flüssiger, leicht nachvollzieh­barer Sprache geschrieben. Es ist lesenswert, nicht nur, weil es Basiswissen zu einem afrika­nischen Weltbild vermittelt, son­dern erkennen läßt, wie man selbst an die Er­forschung eines solchen Weltbildes im eigenen Arbeitsgebiet herangehen kann. Es sei daher keineswegs nur den afrikaorientierten Mitar­beitern der ver­schiedenen Missions- und Entwicklungshilfe­organisationen zum Studium empfohlen!

Prof.Dr. Lothar Käser, em 2000-3.

Baer, Martin; Olaf Schröter. Eine Kopfjagd: Deutsche in Ostafrika. Spuren kolonialer Herr­schaft. Berlin: Ch. Links Verlag, 2001.

Dieses Buch ist kein Missionsbuch im engeren Sinn, jedoch ist es für den Missionar bzw. Missi­onsinteressierten insofern interessant, weil es in gekonnter, ja geradezu in spannender Weise in die Kolonialgeschichte einführt. Eingerahmt in die dramatische Geschichte einer Kopfjagd in Deutsch-Ostafrika, werden in einzelnen in sich abgeschlos­senen Kapiteln am Beispiel der Kolonie „Deutsch-Ostafika“ folgende Themen erörtert: Motive und Geschichte des Kolonialismus, Aufstände der ein­heimischen Bevölkerung, Mission und Kolonialis­mus, Kolonialpolitik, und die Rezeption des Kolo­nialgedankens in der Weimarer Republik, im Drit­ten Reich und in der Bundesrepublik. Wer zu sol­chen Themen sonst keinen Zugang findet, be­kommt ihn in diesem hervorragend illustrierten und mit vielen zeitgenössischen Abbildungen versehe­nen und gut aus Quell- und Sekundärliteratur schöpfenden Buch. Von besonderem Interesse dürften die Kapitel über die deutsche Schuld sein. Denn dort wird der Mythos von den Deutschen als harten aber gerechten Kolonialherren erschüttert. Schonungslos werden die Verbrechen der Deut­schen in Deutsch-Ostafrika geschildert: Zahllose Stockhiebe, ungerechte Exekutionen, brutale Un­terdrückung und Ausbeutung menschlicher und materieller Ressourcen. Wie sich diese Demütigun­gen in die schwarzafrikanische Volksseele einge­graben haben und sich bis in die Gegenwart aus­wirken, kann nur erahnt werden. Obwohl die Autoren gegen besseres Wissen die stereotype Behauptung „Kolonisieren ist Missio­nieren, Missionieren ist Kolonisieren“ in die Über­schrift des interessanten Kapitels über Mission und Kolonialismus aufnahmen, kommen sie dann in den Ausfuhrungen überraschender Weise zu einem ausgewogenen Urteil.

Alles in allem handelt es sich bei diesem Buch um ein faires Buch, das vor allem Lust macht auf mehr, auf mehr Kolonialgeschichte. Daher sei diese Lektüre vor allem Missionaren empfohlen, die in ehemaligen Kolonialgebieten arbeiten und zur wis­senschaftlichen Spezialliteratur keinen Zugang fin­den.

Elmar Spohn, em 2003-3.

Balz, Heinrich. Where the Faith has to Live. Studies in Bakossi Society and Religion. Part I: Li­ving Together. Part II: The Living, the Dead and God. Dietrich Reimer Verlag: Ber­lin, 1984/1995.

Balz, Heinrich. Weggenossen im Busch. Er­zählende und theologische Briefe aus Kame­run. Erlan­ger Verlag für Mission und Öku­mene: Erlangen, 1998.

Der Missionar als Forscher. Was das heißt, verdeutlicht das Werk des Missionstheologen Heinrich Balz. Von 1973 bis 1983 war er Mis­sionar und Dozent am Theologischen Seminar der Presbyterianischen Kirche in Nyasoso in Kamerun, im Gebiet des Volkes der Bakossi. Ein Jahr lang stellte ihn die kameruner Kirche und die Basler Mission für Forschungen frei. Teil I konnte er 1984 nach seiner Rückkehr nach Deutschland als Habilitationsschrift in Heidelberg vorlegen; Teil II entstand während seiner Lehrtätigkeit als Professor für Missi­onswissenschaft in Berlin. Zur Zeit lehrt Balz am Tumaini University College Maku­mira/Tanzania Systematische Theologie und Religionswissenschaft.

Der Titel der umfangreichen Studie „Where the Faith has to Live“ ist Programm. Glaube, gleich ob der der alten Religion oder der christliche Glaube, muß sich verorten. Deshalb muß nach dem Ort, dem Kontext gefragt wer­den, „wo der Glaube lebt“, um dann auch auf­zuzeigen, wie der Glaube lebt und wie neuer Glaube wächst. „Wenn der neue Glaube wirk­lich leben, seine Identität bewahren und Wur­zeln schlagen soll, muß er wissen, wo er zu le­ben hat; er muß die alten Fragen verstehen, auf die er … als die neue Antwort angesehen wird.“ „Die Antworten des christlichen Glaubens können nicht ohne die Fragen verstanden wer­den, die von der traditionellen Religion gestellt werden“ (II 5 und 808). Die Studie über eine afrikanische Religion, hier die Religion der Ba­kossi, kann also nicht mit der „Glaubenslehre“ einsetzen, sondern muß zunächst das Umfeld in Augenschein nehmen, in dem die Menschen leben. Deshalb widmet sich Teil I der Gesell­schaft der Bakossi, ihrer sozio-politischen Struktur, ihren Traditionen und Entstehungssa­gen und den In­stitutionen, die das Zusammen­leben regeln. Balz weiß, daß sich Gesellschaft und Religion nicht strikt voneinander trennen lassen, sondern sich gegenseitig beeinflussen, dennoch werden in der Betrachtung jeweils an­dere Akzente gesetzt. Deshalb gehören auch beide Teile, der sozialanthropologische und der religionswissenschaftliche, zusammen. Mit Recht werden „parareligiöse“ Phänomene wie Geheimgesellschaft, Hexerei und Zauberei be­wußt im Umfeld von „Gesellschaft“ und nicht von „Religion“ behandelt.

Balz’ Studie ist ein Beleg dafür, daß es not­wendig ist, regional begrenzte Studien durch­zuführen, um afrikanische Gesellschaftsformen und Religionen zu verstehen und gerade auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Völ­kern zu erkennen. Deshalb ist auch im Plural von „afrikanischen Religionen“ zu sprechen. Dennoch lassen sich auch immer wieder Par­allelen zwischen den einzelnen Völkern in ver­schiedenen Teilen des Kontinents entdecken. Darin liegt das Reizvolle der Studie für Mis­sionare, die in anderen Teilen Afrikas arbeiten. Im Vergleich mit der eigenen Situation können soziale, legendär-mythische und religiöse Fak­ten besser verstanden und eingeordnet werden.

Der umfangreiche zweite Teil behandelt in vier Kapiteln die Religion der Bakossi. Dabei kann auch jedes Kapitel zunächst für sich gele­sen werden. Unter dem Titel „die Lebenden, die Toten und Gott“ (in dieser Reihenfolge!) geht es um Tod und Beerdigung, das Dorfah­nenfest ndie, Fa­milienheiligtümer und schließ­lich den nahen und fernen Gott. Diese Reihen­folge der Betrachtung macht den Ansatz von Balz deut­lich: „Glaubensüberzeugungen und Glaubens­bekenntnisse sollten nie isoliert be­trachtet wer­den, ohne im Blick zu haben, wo­rauf die Men­schen, ausgedrückt durch Vereh­rung (worship) und Gebet, wirklich vertrauen“ (II 664). Balz geht in seiner Forschung also von der religiö­sen Praxis aus, um von da aus zu fragen, was im Zentrum der Religion steht und wie dann die Botschaft des Evangeliums ihre Relevanz erweisen kann.

Jedes der vier Kapitel ist nach dem gleichen Grundschema aufgebaut. Nach der einleitenden Darstellung des Problems wird die For­schungsgeschichte vorgestellt, beginnend mit Vertretern des Volkes der Bakossi. Ihnen weist Balz so einen Ehrenplatz zu, oder anders ge­sagt, er nimmt die afrikanischen Kollegen als Religionswissenschaftler und theologische Partner ernst. Bei den Quellen handelt es sich vor allem um Dissertationen und Abschlußar­beiten der Theologiestudenten am Seminar. Erst dann folgen die Forschungsergebnisse und Berichte der früheren Missionare, die in diesem Gebiet gearbeitet haben, allen voran J. Ittmann. Ihre Schriften liegen meist nur in deutsch vor und werden den Kamerunern in einer engli­schen Zusammenfassung zugänglich gemacht. In einem dritten Teil folgen die eigenen For­schungsergebnisse von Balz und schließlich eine zusammenfassende Auswertung.

Ein zentrales Kapitel ist das über das Dorfah­nenfest ndie. Balz hat als Beobachter an meh­reren Festen teilgenommen und die dort ge­sprochenen Gebete erstmals auf Band aufge­nommen, übersetzt und ausführlich analysiert. Eine wichtige Frage lautete: Welche Rolle spielt hier Gott, und welche Bedeutung haben die Ahnen? Sein Ergebnis ist eindeutig: „Nicht Gott, sondern die verstorbenen Menschen, die Dorfahnen … sind das Herzstück und das Zen­trum der traditionellen ndie-Gebete. Mehr noch, sie sind das Zentrum der traditionellen Bakossi-Religion insgesamt, wie sie in diesem öffentlichen Gebet lebendig ist, also dem Aus­gangspunkt, von dem aus alle anderen Ele­mente dieser Religion betrachtet und eingeord­net werden müssen“ (II 380). Die Religion ist also nicht theistisch, sondern Ahnen-zentriert (II 381). Gott spielt nur eine periphere Rolle, er scheint mehr und mehr in Vergessenheit gera­ten zu sein, obwohl er immer noch bekannt ist. Die Ahnen­verehrung steht also in Konkurrenz zum Ersten Gebot. Die entscheidende Frage ist nun, wie Gott zum Zentrum der Religion wer­den kann, wie es von der (Aner-)Kenntnis Gottes zur Anbetung Gottes kommen kann.

Um diese Frage geht es letztlich im vierten Kapitel. Die missionarische Aufgabe ist es, die traditionelle Gotteserkenntnis durch die christ­liche Botschaft zu verändern, zu christianisie­ren. Die Offenbarung Gottes in Jesus Christus ist also nicht etwas, was nur zum traditionellen Gottesbild hinzukommt, sondern etwas, das einen neuen Zugang zu dem Gott gewährt, der bereits bekannt war. In diesem Teil ist Balz nun nicht mehr nur Religionswissen­schaftler, sondern zugleich Missionar und Missiontheo­loge. Seine Ausführungen können für viele, die mit diesen Fragen in Afrika und anderswo zu tun haben, eine wichtige Hilfe sein.

Balz hat sein Werk bewußt in englisch ge­schrieben, damit es vor allem auch seine Ka­meruner Kollegen lesen können. Damit hat er aber darüber hinaus den afrikanischen Kirchen insgesamt einen wichtigen Dienst erwiesen. Denn hier werden auch für andere Teile Afri­kas wichtige Anregungen zur Auseinanderset­zung mit den traditionellen Religionen und zur Entwicklung einer eigenständigen Theologie gegeben. Deshalb sollte dieses Werk in allen englischsprachigen theologi­schen Seminaren Afrikas in der Bibliothek vorhanden sein.

In gewisser Weise als Begleitbuch zum theolo­gischen Werk lesen sich die „erzählenden und theologischen Briefe“. Zehn Jahresrundbriefe von 1974-1983, ergänzt durch Beobachtungen bei einem weiteren Aufenthalt in Kamerun 1995, werden hier zusammenge­tragen. Sie sind in gewis­ser Weise Werkstatt­berichte, lassen den Hintergrund, von dem aus die Forschung getan wurde, erkennen. Höhe­punkt ist sicher­lich der Bericht über die Teil­nahme am Dor­fahnenfset. Wichtig ist hier, zu sehen, daß dies theologisch sehr wohl reflek­tiert war, daß Balz schließlich auf dem Fest eine christliche Pre­digt halten konnte (dokumentiert in ‘Where the Faith has to Live II’ 377f) und so in einen wirklichen Dialog mit den Vertretern der alten Religion kommen konnte. Sicherlich kann man die Frage, ob ein Missionar als Forscher an einen traditionellen religiösen Fest teilnehmen kann und soll, sehr kontrovers diskutieren. Aber Balz zeigt, daß sich dadurch nicht nur Möglichkeiten für ein besseres Verstehen der alten Religion ergeben, sondern auch für die missionarische Verkündi­gung.

Insgesamt sind diese Briefe von Balz eine in­teressante Informationsquelle über Kamerun und zugleich eine unterhaltsame missions­theologische Lektüre, erzählend und theolo­gisch. Sie lassen uns den Missionar Balz als Forscher näherkommen.

Dr. Johannes Triebel, em 2000-1.

Bammann, Heinrich (Hg.). Lutherische Mis­sion in Südafrika. Dankesgabe für Ernst-August Lüdemann. Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen: Hermannsburg, 1990.

Diese kleine Festschrift ist eine Dankesgabe für den aus der Mission in Südafrika ins Leitungs­amt des ELM Niedersachsen berufenen Ernst-August Lüdemann. Wie alle Festschriften ist es eine bunte Mischung verschiedener Beiträge, die in diesem Fall aber alle dadurch verbunden sind, daß sie von Mitarbeitern derselben Mis­sion und der von ihr gegründeten Kirche ge­schrieben sind. Der Herausgeber steuert einen Artikel über den ersten einheimischen Missio­nar unter den Bakwena ba Mogopa bei (inter­essant für die Diskussion um die „transkultu­rellen Drittweltmissionare“), Heinrich Voges reflektiert Amt und Auftrag des Missionars (unter Berufung auf Luther, interessant für Freikirchler als kritische Anfrage). Mehrere Artikel nehmen speziell auf lutherische Theo­logie Bezug, und alle Artikel ermöglichen einen Einblick in die Arbeit einer heutigen lu­therischen Mission. Drei Artikel sind von schwarzen Südafrikanern geschrieben (Andreas Khose reflektiert seine Zeit in Deutschland).

Klaus Fiedler, em 1993-1.

Bammann, Heinrich. Inkulturation des Evangeliums unter den Batswana in Transvaal/Südafrika. Am Beispiel der Arbeit von Vätern und Söhnen der Hermannsburger Mission von 1857 – 1940. edition afem: mission academics 17. Nürnberg: VTR, 2004.

Das vorliegende Buch ist die Veröffentlichung der Promotionsarbeit des Autors, die im Jahr 2002 von der Universität von Südafrika (Department of Missiology) angenom­men wurde. Sie gewährt einen aufschlussreichen Einblick in die Anfänge und Motivation der Hermanns­burger Mission in Süd­afrika, die immerhin eine der ersten deutschen Missionsinitiativen in Afrika war. In den zentralen drei Haupt­kapiteln (218 S.) werden Hunderte von Berichten und Briefen von sechs Missionaren ausführlich verwertet und thematisch dem geschichtlichen und sozio-kulturellen Kontext ihres Wirkungsfeldes und den relevanten Berei­chen möglicher „Anknüpfung“ der Inkulturation zugeordnet. Es handelt sich um drei Väter (Jensen, Behrens und Penzhorn) und um ihre im Missionsgebiet aufgewachsenen drei Söhne, die in das Transvaal Gebiet gesandt wur­den und dort je unter drei Volksgruppen (Bafurutshe, Bagopa, Bafokeng) des Batswana Stammes von 1857-1940 wirkten.

Bammann konzentriert sich bei seiner Analyse auf die Phänomene der Über­gangs­riten (Geburt, Beschnei­dung, Heirat, Tod), der Polygamie, Zauberei, Brautpreis-Sitte, Heilmethoden und des politischen Patriar­chats (Häupt­lings­kultur) im Leben der Afrikaner. Im Blick auf die Missionare erstaunt ihre Ignoranz einer biblischen Perspektive von Gebetsheilung und die Selbstverständlichkeit, mit der sie Homöopathie als ihre missio­narische Alter­nati­ve anboten und Ernst Penzhorn sogar bei Krankheit seiner Kinder, wo europäische Medizin versagte, einen traditionellen Medizinmann aufsuchte (S.286).

Einleitend befasst sich der Autor mit einer Begriffsbestimmung und missionstheologischen Ein­ordnung von ‚Inkulturation’, wobei die Unterschiede zur Enkulturation, Akkulturation und beson­ders ‚Interkulturation’ disku­tiert werden. Im Schlusskapitel wird die Arbeit der Missionare missions­theo­lo­gisch ausgewertet. Dabei wird nicht an herber Kritik der kontextuellen Defizite im Wirken dieser Mis­sio­nare gespart. Es sind die klassischen Fehler aller erwecklichen Missio­nen des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihrer mangelnden Differenzierung zwischen eigener frommer, konfessioneller Kultur und dem Evangelium und zum anderen mit eben der zu kurz gekom­menen Inkulturation des Evangeliums in die Tiefen der religiösen Lebens­welt des afri­ka­nischen Stammes hinein, mit dem die Missionare eng und aufopferungsvoll zusammenlebten.

Bammann hat selbst in diesem Gebiet 25 Jahre lang in Südafrika als Gemeindebetreuer der
Hermannsburger Mission in ev.-lutherischen Kirchengemeinden mit 900-6000 Mitgliedern gear­beitet. Trotz des zahlenmäßigen Wachstums dieser Kirche schaut er zielgenau auf die Schwachpunkte der Methoden der Mis­sionsväter und -söhne, ohne zu übersehen, dass eine positive Entwicklung im Inkulturations­prozess bei den Söhnen zu erkennen ist. Das Buch wird so zu einem authentischen und ehrlichen missions­ge­schichtlichen Fall­bei­spiel des „Großen Jahrhunderts“ (19. Jh.) der neueren protestan­ti­schen Mis­sion.

Das Bestechende an Bammans Buch ist, dass die Missionsarbeit von zwei aufeinander folgenden Genera­tio­nen dargestellt wird, die zudem konti­nuierlich eine einzige Volksgruppe eines einzigen Stammes an einem einzigen Ort mehr als 80 Jahre lang begleiteten. Die Unterschiede zwischen beiden Genera­tio­nen werden präzise herausgearbeitet und es zeigt sich, dass die Generation der Söhne ihre Akkulturationsvorteile zur Inkulturation nutzten. Der flüssi­ge Erzählstil und die anschaulichen Beispiele von Erlebnissen der Missionare lassen die dama­li­ge Zeit für den Leser lebendig und spannend werden.

Diese Fallstudie einer zwar paternalistischen, aber vom Rettungs­eifer erfassten Mission der „ersten Stunde“, die trotz aller Fehler doch viele Menschen mit dem Evan­ge­lium erreichte und so die Entstehung afrikanischer einheimischer Kirchen bewirkte, ist ein Gewinn (nicht nur) für missions­ge­schichtlich Interes­sierte.

Dr. Detlef Kapteina, em 2006-4.

Bär, Hans. Heilsgeschichtlicher Bibelunter­richt. McIlwains Programm ‘Building on Firm Foundations’ im Einsatz unter den Karen im Bezirk Omkoi (Nordthailand). edition afem - mission academics Bd. 3. Ver­lag für Kultur und Wissenschaft: Bonn: 1998.

Hans Bär war von 1982-1995 mit der ÜMG in Nordthailand, wo er unter dem Volk der Sgaw Karen arbeitete. Hier lernte er das Programm des Heilsgeschichtlichen Bibelunterrichtes von Trevor McIlwain, ‘Building on Firm Foundati­ons’ kennen und wandte es in seiner Missi­onstätigkeit an. Im vorliegenden Buch stellt er dieses Programm McIlwains vor. Dabei ist der Untertitel etwas irreführend, da sich von den 150 nur 12 Seiten mit dem Einsatz dieses Pro­grammes unter den Karen beschäftigen. Im Wesentlichen stellt Bär das Programm von McIlwain dar und bewertet es.

Dieser Darstellung ist eine weite Verbrei­tung zu wünschen, denn McIlwains Programm ist eine Form des Bibelunterrichtes, die nicht nur in der Außenmission, sondern auch in Deutschland Bedeutung gewinnen sollte. Je weniger biblisches Grundwissen in einer Ge­sellschaft vorhanden ist, umso wichtiger wird es, dieses Grundwissen zu vermitteln. McIl­wain hat dazu ein Programm entwickelt, das die Vermittlung biblischen Grundwissens zum Inhalt der Missionstätigkeit und der darauffol­genden Gemeindeaufbauarbeit macht.

Dem Programm von McIlwain liegt die Er­kenntnis zugrunde, daß die Bibel zum großen Teil aus Geschichte besteht. In und durch diese Geschichte wird Gottes Heilshandeln mit der Menschheit deutlich. Darum ist die beste Me­thode des Bibelunterrichtes, diese Geschichte Gottes mit der Menschheit (Heilsgeschichte) nachzuerzählen. Dies geschieht nach McIlwain in drei Schritten. Zunächst wird die biblische Geschichte (vor allem das AT) nacherzählt (S.24ff), ohne schon im AT von Jesus zu sprechen (S.103). Erst wenn das NT in den Blick kommt, wird von Jesus berichtet. Das Ziel die­ses Bibelunterrichtes ist es, die Menschen vor eine Entscheidung für oder gegen Jesus zu stellen.

In einem zweiten Schritt werden die neuen Gläubigen gesondert unterrichtet. McIlwain legt sehr viel Wert darauf, Ungläubige und Gläubige nicht gemeinsam zu unterrichten (S.30f). Den Gläubigen wird dann erneut die bi­blische Geschichte von der Schöpfung bis zum neuen Himmel und der neuen Erde präsentiert, wobei diesmal schon im AT von Jesus die Rede ist (S.30ff). Durch diesen Unterricht sollen die Gläubigen im Glauben weitergeführt werden. In einem dritten Schritt sollen schließ­lich die im Glauben gewachsenen Christen ein drittes Mal in der biblischen Heilsgeschichte unterrichtet werden. Diese dritte Phase ist zur Zeit noch im Aufbau (S. 38f).

Bär bewertet das Modell McIlwains zurecht sehr positiv. Kritisch bemängelt er lediglich die teilweise sehr strikten dispensationalistischen Ansichten McIlwains (S.83ff) sowie die grundsätzliche Ablehnung, in der Evangelisa­tion auf die Bedürfnisse und Fragen der Men­schen in den verschiedenen Kulturen einzuge­hen (S. 103f).

Bärs Darstellung selbst liest sich teilweise et­was stockend, was u.a. den häufigen Zitaten zuzuschreiben ist. Auch die inhaltliche Gliede­rung könnte zielgerichteter sein. Nicht immer
werden die Zusammenhänge der einzelnen Unterpunkte deutlich. Trotz dieser Schwächen ist Bärs Buch eine weite Verbreitung zu wün­schen, ebenso wie dem von McIlwain entwik­kelten Heilsgeschichtlichen Bibelunterricht.

Dr. Hans-Georg Wünch, em 1999-4.

Barrett, David; George T. Kurian; Todd M. Johnson. World Christian Encyclopedia: A Comparative Survey of Churches and Reli­gions in the Modern World. 2 Bände. Oxford University Press: New York, Oxford usw., 2001.

1968 schlossen sich Kirchen- und Missionssta­tistiker unter Leitung des evangelikalen Missi­onsmannes David Barrett zu einem Mammut­projekt zusammen, dass 1981 zur ersten Aus­gabe der WCE führte, die einer der renom­miertesten Wissenschaftsverlage der Welt ver­legte. Der Band gewann mit seiner Erfassung aller Denominationen der Welt schnell weit über den christlichen Bereich hinaus Bedeu­tung, da er zugleich zum Mercedes der Religi­onsstatistik avancierte, bot er doch für viele Länder einmalige Daten an.

Die lang ersehnte zweite Ausgabe auf dem Stand des Jahrs 2000 läßt die erste Ausgabe weit hinter sich, denn viel hat sich in den letz­ten 20 Jahren getan. Die evangelikale Missi­onswissenschaft hat jedes Schattendasein abge­schüttelt und längst ist die Missionsstatistik als Motor für Planen, Motivieren und Beten aner­kannt. Die vorliegenden Bände bieten eine er­drückende Fülle von Daten zu allen möglichen und unmöglichen Fragen rund um die christli­chen Kirchen und die Religionen der Welt. Was wollen sie wissen: Wieviel Geld jährlich in Honduras an christlichen Geldern schät­zungsweise veruntreut wird? Wieviel vollzeit­liche kirchliche Mitarbeiter auf Hawai arbei­ten? Wieviel Geld jährlich für christliche Me­dien in Deutschland ausgegeben wird? Wieviel mehr ein schweizer Christ für die Mission gibt als ein deutscher Christ? Ob der Islam in Indo­nesien vor allem durch Bekehrungen oder durch biologischen Zuwachs zunimmt? Wie­viele charismatische und pfingstkirchliche De­nominationen und Splittergruppen in Kanada beheimatet sind? Wieviele Märtyer es im Laufe der Geschichte schätzunsgweise gegeben hat? Wieviele Evangelikale in Köln wohnen? Oder wann die methodistische Kirche in Paraguay gegründet wurde?

Neben den umfangreichen Registern, Be­griffserklärungen, Abkürzungs- und Literatur­verzeichnissen, dem Adressverzeichnis und ei­nem Atlas finden sich folgende großen Blöcke in den beiden Bänden:

* Übersichtstabellen zur weltweiten Situation (24 S. in Bd. 1)

* Darstellung der Länder der Erde (neben den Statistiken jeweils mit Texten zur Lage der Menschenrechte, der Religionsfreiheit und des Verhältnisses von Religion und Staat, sowie der Geschichte und Stand der Religionen und der Christenheit) (800 S. in Bd. 1)

* Zahlen zu den 270 größten Religionen (12 S.)

* Zahlen zu 12.600 Völkern und Volksgruppen, inkl. des Status der Evangelisation (230 S.)

* Daten zu 13.500 Sprachen und Dialekten der Welt einschließlich des Status der Bibelüber­setzung (290 S.)

* Daten zu 7.000 Großstädten (85 S.)

* Daten zu 3.030 Provinzen der 238 Länder der Welt (30 S.)

Wie zuverlässig sind die Daten? Trotz der umfangreichen Mitarbeiterliste und der vielen Literaturlisten (etwa pro Land) ist es natürlich unmöglich, jeweils anzugeben, wie jede Zahl errechnet wurde. Die Ausführungen zur Frage, wie die Daten erhoben wurden, sind recht dünn und David Barrett ist dafür bekannt, seine Da­ten ungern mit anderen auszutauschen und zu diskutieren, ganz im Gegensatz etwa zum Au­torenteam bei ‘Operation World’ um Patrick Johnstone. Die gigantische Organisation zum Datensammeln, die Barett aufgebaut hat, erfaßt sicher fast jede Kirchen- und Religionsstatistik, die irgendwo erstellt wird und dort, wo keine anderen Daten vorliegen, wird man ihm wohl folgen müssen. Dennoch dürfte der Anspruch des Vorwortes, mit den Bänden ausschließlich Fakten und keine Interpretation zu liefern, kaum zu halten sein. Denn wie will man etwa die Zahl der „Great Commission Christians“, also die Zahl derer, die den Missionsbefehl persönlich ernst nehmen, erheben, ohne zu in­terpretieren, wo doch kaum ein Pastor diese Zahl für seine Gemeinde angeben könnte. Mis­sionsstatistik ist seit William Carey 1792 mit einem missions- und religionsstatistischen Buch die moderne Phase der evangelischen Weltmission ausgelöst hat, unverzichtbar, aber sie sollte sich nicht überhöhen und sich einen Wahrheitsgrad zumessen, den es in einer sich ständig ändernden und nicht zu überschauen­den Welt einfach nicht gibt.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1.

Bauckham, Richard. Bible and Mission: Chris­tian Witness in a Postmodern World. Carlisle: Paternoster, Grand Rapids: Baker, 2003.

Das vorliegende Bändchen des britischen Neutestamentlers Richard Bauckham (University of St. Andrews, Schottland) geht auf zwei Vorle­sungsreihen zurück. Der Stil der Vorlesungen wurde weitgehend beibehalten, jedoch durch Fußnoten ergänzt. In „A Hermeneutic for the Kingdom of God“ beschreibt B. zunächst unter den Stichworten „zwischen McWelt und Jihad“ die Situation der Welt nach dem 11. September 2001. Die sich universalisierende Kultur, die gegenwärtig alle Partikularität und Verschie­denheit zu unterdrücken trachtet, ist der globale Kapitalismus, in dem B. eine sechste große uni­versale Ordnung sieht (nach dem antiken Grie­chenland und Rom, dem mittelalterlichen Chris­tentum, dem Islam und der von der Aufklärung bestimmten Zivilisation der westlichen Moder­ne). Diese universalen Kulturen sind geprägt von einer eigenen Meta-Erzählung (narrative) und ihrem Drang nach Globalisierung mit der einhergehenden Unterdrückung anderer Kul­turen („… with the ever-increasing threat to local cultures throughout the non-western world by the so-called Coco-colonization of the world, the relentless universalization of commercial­ized American culture“, 7). Im Gegensatz zu diesem Trend gewährt und fördert das Christen­tum historisch und gegenwärtig kulturelle Hete-rogenität. Die Frage nach dem Verhältnis zwi­schen dem Partikularen und dem Universalen ist eine Leitfrage des Autors. Nach dieser hilfrei­chen Analyse geht es um eine Hermeneutik für das Reich Gottes. B. will die missionarische Ausrichtung der Bibel ernst nehmen und ihre Bewegung vom Partikularen zum Universalen nachzeichnen: „This is a universalist direction that takes the particular with the utmost serious­ness. Christian communities or individuals are always setting off from the particular as both the Bible and our own situation defines it and fol­lowing the biblical direction towards the univer­sal that is to be found not apart but from within other particulars. This is mission“ (11). Diese Bewegung hat in der Bibel eine zeitliche („mis­sion is a movement into the new future of God), eine räumliche („mission is a movement towards ever-new horizons“) und soziale Dimension („mission is a movement that is always being joined by others, the movement, therefore, of an ever-new people“, 13-15). Durch viele Beispiele zeigt B. überzeugend: „The realistic narratives of Scripture portray only the ever-recurrent set­ting out from the particular towards the univer­sal in a movement which can move in a univer­sal direction only by way of other particulars, since the goal is not an abstract universal but the ingathering of all particulars into the one king­dom of the one God“ (16).

Kapitel zwei zeichnet diese Bewegung „Von dem Einen zu den Vielen“ im AT nach (27-54): von Abraham zu allen Geschlechtern der Erde, von Israel zu allen Völkern, von dem in Zion herrschenden König zu den Enden der Erde und zu allen über den Weg des Geringsten (die Er­niedrigung Christi und die Torheit des Kreuzes): „… God’s purpose begins with a singular choice: God singles out first Abraham, then Israel, then David. The three movements that begin with these three choices by God each has its own distinctive theme, one aspect of God’s purpose for the world. … The trajectory that moves from Abraham to all the families of the earth is the trajectory of blessing. The trajectory that moves from Israel to all the nations is the trajectory of God’s revelation of himself to the world. The trajectory that moves from God’s enthronement of David in Zion to the ends of the earth is the trajectory of rule, of God’s Kingdom coming in all creation“ (27). Kapitel drei untersucht den geographischen Horizont der Bibel („Geography - Sacred and Symbolic“, 55-81). B. fragt nach dem Bewusstsein der Bibel für die Völkerwelt und nach ihren geographischen Horizonten (Völkertafeltradition, Völkerorakel der Prophe­ten, die Enden der Erde in atl. Sicht in verschie­denen Himmelsrichtungen) sowie nach dem Verhältnis von Jerusalem als Zentrum und dem Horizont der Völkerwelt. Abschließend geht es um die Bedeutung der Sendung Israels zu den und für die Völker schon im AT und um das bleibende „Diaspora-Wesen“ des Volkes Gottes. Das abschließende Kapitel beschreibt das christ­liche Zeugnis für die Wahrheit in einer postmo­dernen und globalisierten Welt. Dazu zählen die biblische Meta-Erzählung und die postmoderne Kritik und ihr Wesen als eine nicht-moderne Meta-Erzählung ganz anderen Charakters. Fer­ner geht es um diese biblische Geschichte und die ökonomische Globalisierung, in der B. einen neuen Imperialismus sieht und sie einer vernich­tenden Kritik unterzieht. Die Folgen der bibli­schen Geschichte für die Bezeugung der Wahr­heit werden deutlich (die ganz andere Qualität der Herrschaft Gottes). B. beleuchtet das christ­liche Zeugnis angesichts sich globalisierender Mächte (so schon urchristlich gegenüber den Ansprüchen des römischen Reichs) sowie die biblische Geschichte und ihre Betonung kultu­reller Verschiedenheit.

Prof. Bauckham hat für Bibelwissenschaftler, Missiologen, Missionare und alle an Mission Interessierten ein enorm inspirierendes Büchlein vorgelegt, das hilft, die Mission der Kirche zu verstehen und als integralen Bestandteil von Gottes Geschichte mit dieser Welt zu sehen, nämlich als Teil der biblische Meta-Erzählung des Reiches Gottes. Trotz seines geringen Um­fangs enthält dieses klar und verständlich ge­schriebene Buch viele wichtige und herausfor­dernde Gedankenanstöße für unser Verständnis der Bibel, der gegenwärtigen globalen Entwick­lungen und – daraus abgeleitet – unserer missio­narischen Aufgabe.

Prof.Dr. Christoph Stenschke, em 2005-4.

Baumann, Andreas. Der Islam – Gottes Ruf zur Umkehr? Eine vernachlässigte Deutung aus christlicher Sicht. Basel: Brunnen Verlag 2003.

Andreas Baumann greift ein Thema auf, das in der neueren theologischen Diskussion um den Islam bisher am Rande stand. Diese bewegt sich weitgehend im Spannungsfeld zwischen Dialog und Harmonisierung einerseits sowie Apologetik und missionarischem Handeln andererseits. Andreas Baumann aber stellt die alte Frage nach dem Platz des Islam im Weltregiment Gottes und nach dem, was Gott der Christenheit mit dem Islam sagen möchte.

Gewiss sieht der Verfasser die vielfachen Herausforderungen des Islam an die christliche Kirche und ihren Glauben, stellt aber fest, dass gegenwärtig neben Abgrenzung, Mission und Dialog die christliche Selbstkritik und der Ruf zur inneren Umkehr weitgehend fehlen.

A. Baumann geht der biblischen Sicht vom Gericht Gottes nach und befragt die Kirchen- und Theologiegeschichte nach Beispielen für eine Deutung des Islam als Gerichtshandeln und Bußruf Gottes. Das bekannteste Beispiel ist sicher Martin Luthers Ruf an die Deutschen zur inneren Umkehr angesichts der Türkengefahr (der Islam als „Zuchtrute“ Gottes). In weiteren Kapiteln zeigt A. Baumann auf, wie und warum die christliche Kirche von der Zeit Muhammads an bis heute im Blick auf den Islam versagt hat und welche Verheißung darauf liegt, dass Christen angesichts dieses Versagens zum biblischen Evangelium umkehren.

Ein Anhang mit kurzen Überblicken über die Kernländer des Islam, über die wichtigsten orientalischen Kirchen und die Hauptgründe für das Entstehen des Islam sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Register der Anmerkungen runden das Buch ab und regen zum weiteren Arbeiten an.

Es ist A. Baumann zu danken, dass er dieses lange vernachlässigte Thema aufgegriffen und neu zum Bewusstsein gebracht hat. Sein Buch hat theologische Tiefe und ist doch leicht lesbar. Es sei allen, die sich über das Phänomen Islam und die Welt der Muslime mehr Klarheit verschaffen wollen, sehr zur Lektüre empfohlen.

Eberhard Troeger, em 2004-4.

Baumann, Andreas. Der Orient für Christus: Johannes Lepsius - Biographie und Missio­logie. TVG Brunnen: Gießen 2007.

Dr. Johannes Lepsius (1858-1926) war eine fas­zinierende und vielschichtige Persönlichkeit; heute jedoch ist er meist nur noch wegen seines Einsatzes für die Armenier während der Zeit des Genozides bekannt. Der Rahmen für seine dies­bezügliche Tätigkeit war Lepsius‘ umfassende­res Missionsengagement als Gründer und Direk­tor der Deutschen Orient-Mission und der Dr. Lepsius Deutschen Orient-Mission und seine Aktivitäten als profilierter theologischer Autor und als Herausgeber von Missionszeitschriften. Für den deutschsprachigen Bereich darf er als einer der Pioniere der christlichen Mission unter Muslimen gelten. Seine sehr vielgestaltigen Ak­tivitäten können nur recht verstanden und ein­geordnet werden mithilfe eines tiefgehenden Verständnisses seiner Theologie und Missiolo-gie, die die Grundlage und Motivation für seine ganze Arbeit darstellen. Sie sind der „innere Schlüssel“, um Lepsius recht zu verstehen. Ein missiologisches Forschungsprojekt über Jo­hannes Lepsius muss sich mit vielen Hindernis­sen auseinandersetzen: Es muss ein enormer Umfang von Archivmaterialien bewältigt wer­den, zu denen gerade erst – parallel zu dieser Forschungsarbeit – ein ausführliches Katalog­Verzeichnis erarbeitet wurde. Zudem gibt es die von Lepsius gegründeten Missionsgesellschaf­ten seit rund einem halben Jahrhundert schon nicht mehr. Da Lepsius ein recht eigenständiger Denker war, der in kein theologisches und missiologisches Lager so recht hineinpasste, hat er auch keine direkten Nachfolger gehabt, die sein Erbe weitergeführt hätten. Außerdem hat Lep-sius sein Missionsdenken in keinem zusammen­hängenden Werk veröffentlicht. Vielmehr muss es aus seinen theologischen Werken und aus der Vielzahl seiner Artikel in Missionszeitschriften herausgearbeitet werden. Jedoch ist Johannes Lepsius von solch herausragender Bedeutung, dass sein Werk und sein Denken eine sorgfältige Untersuchung und systematische Interpretation verdient.

Andreas Baumann hat in seiner nun in Buch­form erschienenen Doktorarbeit diese Aufgabe gekonnt übernommen. Er erarbeitet darin erst­malig einen zusammenhängenden und vollstän­digen Überblick über Johannes Lepsius‘ Missio­logie, die er somit auch für Fragestellungen der Gegenwart fruchtbar macht. Als notwendiges Nebenprodukt hat er die bisher umfangreichste Biographie über Johannes Lepsius geschrieben (113 S.); denn Lepsius und seine Schriften kön­nen nur in ihrem Kontext recht verstanden werden. Baumann wendet deshalb gekonnt ei­nen literarhistorischen Ansatz auf die Quellen an, der es ihm ermöglicht sie in ihren Kontext eingebettet zu deuten und so auch Entwick­lungen im Denken von Johannes Lepsius im Laufe seines Lebens aufzuspüren. Es ist sinnvoll, dass die Untersuchung sich auf die Missiologie von Lepsius beschränkt, da kei­ner der vielen anderen Aspekte seines Lebens­werkes bisher in der Tiefe erforscht wurde – mit Ausnahme seines Einsatzes für die Armenier. Diese äußerst umfangreiche Aufgabe bleibt an­deren Studien vorbehalten. Baumann tut auch gut daran, dass er seine Studie nur auf die veröf­fentlichten Quellen von Lepsius beschränkt und nicht auf die unzähligen unveröffentlichten Ma­nuskripte, Notizen und Briefe ausdehnt. Auch sieht die Arbeit zu recht ab von dem Versuch einer erschöpfenden Analyse der vielfältigen Ursprünge, Wechselwirkungen und der Wir­kungsgeschichte von Lepsius‘ Theologe und Missiologie, was Aufgabe einer weiteren For­schungsarbeit von gleicher Größenordnung wäre. Die Primärliteratur und die relevante Se­kundärliteratur wurden – soweit feststellbar – vollständig ausgewertet, wobei die Biblio­graphie des Buches einen beeindruckenden Um­fang von 54 Seiten aufweist. Die einzelnen Kapitel des Buches beschäftigen sich mit Lepsius' Biographie, seiner Theologie (115 S.), seiner Missionsarbeit unter Muslimen (110 S.) und wichtigen missiologischen Einzel­fragen (101 S). All dies wird eingerahmt von einer Einleitung und einem Schlussteil (50 S.), der Johannes Lepsius‘ „Missiologisches Erbe“ herausarbeitet. Der entscheidende Forschungs­beitrag von Baumann ist dabei die Rekonstruk­tion der Missiologie von Johannes Lepsius, die er zunächst ausführlich untersucht und danach in 18 Thesen prägnant zusammenfasst. Dabei wird überzeugend die Eigenständigkeit von Lepsius herausgearbeitet und es wird deutlich, dass kein heutiges „missionstheologisches Lager“ ihn – etwa im Gegensatz zu anderen – gänzlich für sich beanspruchen kann. So finden sich bei­spielsweise sowohl wichtige Gemeinsamkeiten mit der gegenwärtigen deutschsprachigen evan-gelikalen Missionstheologie als auch markante Unterschiede.

Sorgfältig werden im Schlussteil des Buches noch beispielhaft einige der wichtigsten Aspekte der Missiologie von Johannes Lepsius in Be­ziehung gesetzt zur Fragestellung nach dem Verhältnis von Mission und gesellschaftlicher Verantwortung, wobei der Autor hierbei sein eigenes missiologisches Profil erkennen lässt. Es wird dabei deutlich, dass eine Beschäftigung mit Johannes Lepsius‘ Missiologie auch durchaus fruchtbar sein könnte für die heutige missio-logische Diskussion, wie etwa für den ökumenisch-evangelikalen Dialog über das rechte Missionsverständnis.

Dr. Christof Sauer, em 2008-3.

Baumann, Andreas. Die Apostelstraße. Eine außergewöhnliche Vision und ihre Verwirkli­chung. Brunnen Verlag: Giessen, 1999.

Andreas Baumann, Absolvent des Theologi­schen Seminars St. Chrischona und Prediger in Rheinfelden, hat sein missiologisches Studium in Korntal mit einer Forschungsarbeit über die berühmte „Apostelstraße“ abgeschlossen. Die vom Gründer der Pilgermission St. Chrischona, Christian Fr. Spittler (1782-1867), angeregte Straße sollte über eine Kette von 12 Missions­stationen von Jerusalem durch das Niltal in das Hochland von Äthiopien führen. Zwischen 1860 und 1875 wurden 5 Orte in Ägypten und im Sudan mit Handwerkermissionaren der Pil­germission besetzt. Schließlich scheiterte je­doch das Projekt u. a. an politischen und finan­ziellen Ursachen.

Die Apostelstraße wird immer wieder in der Missionsliteratur erwähnt und hat – bis heute – die Gründung von missionarischen Vorposten und Gemeinden an strategisch wichtigen Rou­ten angeregt. Es fehlte bisher aber eine gründ­liche Erforschung der Quellen, des historischen Umfeldes und der Wirkungsgeschichte der Apostel­straße. Deshalb konnte die „Apo­stel­stra­ße“ als romantische Idee Spittlers ein wenig belächelt werden. Das hat sich durch die Arbeit von An­dreas Baumann geändert. Es ist ihm zu danken, daß er das reichlich vorhan­dene Ar­chivmaterial sowie die Sekundärlite­ratur um­fassend gesich­tet und ausgewertet hat. Dadurch ist es nun möglich, die Apostelstraße mit kon­kreten Men­schen, ihren Erwartungen, Mühen und Enttäu­schungen zu verbinden. Da­durch wird auch das geistliche und missionari­sche Denken aller an der Apostelstraße Betei­ligten besser sichtbar.

Über „Tränensaat“ und „Freudenernte“ muß in der Missionsarbeit immer wieder nachge­dacht werden – gerade in unserer, sehr an der auf­weisbaren Leistung orientierten Zeit. Inso­fern ist A. Baumanns Arbeit nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Missionsgeschichte des 19. Jahr­hunderts, sondern auch die Beschrei­bung eines geistlich-missionarischen Ver­mächtnisses, dem viele Leser und Nachahmer zu wünschen sind.

Eberhard Troeger, em 1999-4.

Beck, Hartmut (Hg.): Wege in die Welt. Rei­seberichte aus 250 Jahren Brüdermission. VELM: Erlangen, 1992.

Dieses Buch stellt eine Ergänzung zu Hartmut Becks Geschichte der Brüdermission mit dem Titel „Brüder in vielen Völkern“ dar. Rund 20 Texte geben bis zum Jahr 1916 Einblick in etwa 200 der 250 Jahre Mission der Herrnhuter Brüdergemeine. Allerdings wird hier nicht die Missionsarbeit selbst dargestellt, sondern die Reisen der Missionare in die Polarregion, die Karibik, nach Zentralasien, Indien und Grönland und die damit verbundenen erheb­lichen Schwierigkeiten. Schwere Unwetter, Schiffbruch, Krankheit, Verwicklung in Kriege und Gefangenschaft, feindselige Schiffs­mannschaften, Geldmangel und Hunger, Aus­geliefertsein aufgrund ihrer Rechts- und Schutzlosigkeit und vor allem Einsamkeit an­gesichts der gewaltigen Aufgabe der Pionier­mission kennzeichneten die oft monatelangen Reisen an die entlegenen Bestimmungsorte der ausgesandten Männer und Frauen. Daß alle Texte aus Tagebüchern und eigenhändigen Reiseberichten stammen, macht das Buch zu einem eindrücklichen Zeitzeugnis.

Christine Schirrmacher, em 1995-1.

Beck, Hartmut. Brüder in vielen Völkern. 250 Jahre Mission der Brüdergemeine. Verlag der Evg.-Luth. Mission, Erlangen 1981.

Herrnhut, das ist die Mutter der deutschen evangelischen Missionen. (Die noch ältere dänisch-hallesche Mission gibt es ja schon lange nicht mehr). Nicht nur, daß Herrnhut die älteste Mission ist, es hat auch für die Entstehung der großen Missionen (wie Ba­sel, Berlin oder Leipzig) wichtige Vorarbei­ten geleistet. Interessant ist auch die Struk­tur der Herrnhuter Brüdergemeine als ei­ner „volkskirchlichen Freikirche“, bei der fast von Anfang an Weltmission wichtiges Grundelement des Auftrags der Kirche war.


Das hatte zur Folge, daß heute der weitaus größte Teil der Moraven in den „Missions­gebieten“ lebt. Außerdem ist die Brüder-Unitat eine der wenigen internationalen evangelischen Kirchen.

Hartmut Beck, Missionarskind (geboren in Surinam), Missionar (in Tansania) und Pfarrer einer Brüdergemeine (in Hamburg) hat zum 250jährigen Jubiläum der Herrnhu­ter Missionsarbeit ein bedeutendes und gut lesbares Buch veröffentlicht, das das bis­herige, von Karl Müller und Adolf Schulze zum 200jährigen Jubiläum erschienene Buch ablöst.

Das Buch ist auch interessant für den, der sich mit Fragen der Gemeindestruktur und ihren Veränderungen beschäftigen will. Ge­schickt ist auch seine Darstellung der Ver­flechtungen zwischen Mission, Kolonialis­mus, Sklaverei, Sklavenbefreiung, Handel und Predigt. Weil er die historischen De­tails kennt, vermeidet er Generalisierungen. Er zeigt, wie sowohl die Identifikation mit den Opfern des Kolonialismus als auch Ge­horsam gegenüber der Obrigkeit (in jeweils unterschiedlicher Mischung) geistliche Rea­litäten waren (lesen Sie einmal auf S. 248/9 die Geschichte von der Nichteroberung Silos).

Klaus Fiedler, em 1985-2

Becken, Hans-Jürgen. Wo der Glaube noch jung ist: Afrikanische Unabhängige Kir­chen in Süd-Afrika. Erlangen, 1985.

Das Buch ist eine wesentliche Bereicherung der immer noch spärlichen deutschen Lite­ratur über die Afrikanischen Unabhängigen Kirchen (AUK), die immerhin mit 33 Mil­lionen Anhängern gut 15% der afrikani­schen Christenheit ausmachen.

Das Bestechende an diesem Buch ist es, daß die Vertreter der AUK selbst ausführlich zu Wort kommen. Das kann nur jemand präsentieren, der wie Becken seit 1951 in Afrika tätig ist und seit 1965, also seit zwanzig Jahren, eng mit diesen Kirchen zusammenlebt. Allein als solche erzähle­risch beschreibende Darstellung der AUK in Selbstzeugnissen ist es ein gelungenes Werk, das eine würdige Weiterführung und Aktualisierung der Arbeit Bengt Sundklers („Bantupropheten in Südafrika“, 1964) ist.

Becken will aber mehr als nur darstellen. Er möchte die AUK als ebenbürtigen Part­ner im ökumenischen Gespräch vorstellen, der einen substantiellen Beitrag zur afrika­nischen Theologie und zur Mission in Afri­ka liefern kann. Für ihn sind diese von den Missionskirchen unabhängig gewachsenen Gemeinschaften eine authentische „afrika­nische Antwort auf die christliche Bot­schaft“ (S.11), eine „missionarische Bewe­gung“ (S. 274) der weltweiten Kirche Jesu Christi.

Sehr überzeugend wird das Besondere am Beitrag des AUK-Christentums herausge­stellt: das ganzheitliche Heilsverständnis (in der Zusammenschau von Seelenrettung und körperlicher Heilung), die Bedeutung der prophetischen Heiler als begeisternde Vorbilder und die missionarische Wirkung der Gemeinschaft der „geheilten Heiler“, die sich durch Fürbitte (in Heilungsgottes­diensten) und durch Fürsorge (in Heilungs­heimen) um das Leid des Nächsten küm­mert.

Ausführlich wird die vielfältige Verwendung von Symbolen beschrieben (z.B. Asche, Wasser, Berge, Fahnen, Kerzen), und die Theologie des Liedgutes eines AUK wird exemplarisch herausgearbeitet.

Die Schlußkapitel geraten zu einem dringen­den Appell an die westlichen und afrikani­schen Missionskirchen, in den Dialog mit den AUK einzutreten und sie als gleichgesinnte Missionspartner für Afrika anzu­sehen. Denn es wäre zu den nun über 6000 AUK in Afrika nicht gekommen, wenn es nicht die Missionskirchen gegeben hätte, von denen sich die ersten abgespalten hat­ten (seit 1819), deren Führer aber viel von ihren Mutterkirchen mit herübergenommen haben und die auch nur dort Kirche bauen konnten, wo ihnen die Bibel in ihrer Mutter­sprache zur Verfügung stand.

Der theologisch Interessierte vermißt viel­leicht ein gründlicheres Eingehen auf die Synkretismus-Problematik. Ekklesiologische Bedenken erheben sich bei der von Becken so euphorisch geschilderten Massenbewe­gung des Cancele-Kultes, den er als gelun­gene Weiterführung der AUK im Sinne einer das ganze Volk erfassenden Kirche versteht. Fasziniert hier nicht das Ideal der Volks­nähe (,,Volkskirche“) mehr als das biblische Ziel der Christusnähe?

„Wo der Glaube noch jung ist“ ‑ ein mar­kanter Meilenstein zur Orientierung auf dem verschlungenen Pfad der Begegnung mit den unabhängigen Kirchen in Afrika.

Detlef Kapteina, em 1986-4.

Becker, Dieter. Die Kirchen und der Panca­sila-Staat: Indonesische Christen zwischen Konsens und Konflikt. Missionswissenschaft­liche Forschungen NF 1. Verlag der Ev.-Luth. Mission: Erlangen, 1996.

Auch wenn die Lage der Kirche Jesu in kei­nen zwei Ländern der Erde wirklich gleich ist, gibt es kaum ein Land der Erde, in dem die Kirche auf eine so einmalige Situation stößt, wie in Indonesien. Das Land ist isla­misch und doch ist der Islam nicht Staatsreligion. Als m. W. einziger Staat der Erde macht Indonesien we­der eine bestimmte Religion zur Staatsreli­gion, noch ist er religiös indifferent, sondern erhebt den Glauben an einen Gott zu einem der staats­tragenden Säulen der Staatsphilosophie, der ‘Pancasila’. (Vgl. meine Beiträge „Religion ist Pflicht in Indonesien“ Idea-spektrum 56/57/1981 vom 21.10.81 und „Javanische My­stik“. Factum 10/1987: 3-6). Dieter Becker stellt in seiner Hei­delberger Habilitationschrift von 1993 die Ge­schichte und Gegenwart der protestanti­schen Missionen und Kirchen in Indonesien dar, wo­bei der Schwerpunkt bei den älteren Kirchen liegt. Bedauerlich ist, daß Becker praktisch nur die im Nationalen Kirchenrat zu­sammengefaß­ten Kirchen berücksichtigt und die außerhalb stehenden und meist auch jünge­ren Kirchen, die aus der indonesischen Erwec­kung entstan­den sind, nur am Rande erwähnt (z. B. S. 260-261 die Einschätzung „charismatischer“ Grup­pierungen).

Dabei geht es Becker aber nicht um die Mis­sionsgeschichte an sich, sondern um ihr Ver­hältnis zur politischen Ordnung des Landes in der Kolonialzeit, der ersten Phase der Unab­hängigkeit unter Präsident Su­karno bis 1965 und der gegenwärtigen Struktur seit 1966 unter Präsident Suharto. Der Leser bekommt dabei auch einen ausgezeichneten Überblick über die politische Geschichte Indonesiens bis Mitte der 80er Jahre. Die Reaktionen der protestanti­schen Kirchen auf die politischen Gegebenhei­ten erhebt Becker minutiös aus einer Großzahl von Quellen und aus sei­ner vor Ort gesammel­ten Einsichten. Ich kenne derzeit kein Buch, das Mis­sionaren oder Missionsgesellschaften einen besseren Einblick in die ‘Pancasila’ und in das ungewöhnliche Verhältnis von Religion und Politik in Indonesien und die Reaktionen der christlichen Kirchen darauf gibt.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-1.

Bediako, Kwame. Theology and Identity. The Impact of Culture upon Christian Thought in the Second Century and in Mo­dern Africa. Oxford: Regnum Books, 1992.

Ist es möglich, als Afrikaner seine eigene Kul­tur, Tradition und religiöse Vergangenheit voll zu bejahen und zugleich überzeugter Christ zu sein? Lassen sich Afrikanersein und Christsein miteinander verbinden, oder gilt, wie der re­nomierte presbyterianische Theologe Bediako aus Ghana nachdrücklich in Kap. 6 beschreibt, auch heute noch wie vielfach bis zur Mitte die­ses Jahrhunderts alles Afrikanische als heid­nisch und damit als unwertvoll, unwichtig, ab­zulehnend? Demgegenüber betont Vf.: „Ohne Erinnerung (an das Alte) haben wir keine Ver­gangenheit, und ohne Vergangenheit haben wir unsere eigene Identität verloren, denn die Ver­gangenheit ist auch unsere Gegenwart.“ (237) Die missionarische Verkündigung trifft in Afrika weder auf eine religiöse und kulturelle tabula rasa noch bringt das Evangelium nur et­was ganz Anderes, das zur afrikanischen Tra­dition in keinerlei Beziehung steht, wie es noch Byang Kato (vgl. Kap. 10) in den siebzi­ger Jahren sah. Vielmehr geht es um das rechte Verhältnis von Kontinuität und Diskontinuität von afrikanischer Tradition und christlichem Glauben. Nur in einem ausgewogenen Verhält­nis von beidem, Kontinuität und Diskontinui­tät, kann sich eine eigene afrikanische christli­che Identität entwickeln. Dieser Fragestellung widmet sich Bediako in seiner bereits im Juli 1983 in Aberdeen eingereichten Dissertaion.

Die Fragestellung ist nicht neu. Bereits die Apologeten im zweiten nachchristlichen Jahr­hundert hatten sich damit auseinanderzusetzen. Deshalb geht Vf. zunächst auf vier Vertreter von ihnen ein (Tatian, Tertulian, Justin und Clemens von Alexandria), um aufzuzeigen, wie sie sich zu ihrer Zeit mit der hellenistischen Religion und Philosophie auseinandergesetzt haben und im Kontext dieser kulturellen Gege­benheiten das Evangelium verständlich machen wollten. Vf. stellt die missionarische Intention der Apologeten stark heraus und behandelt ihre Theologie also bewußt unter missiologischen Gesichtspunkten. Nicht eine radikale Verur­teilung des Hellenismus (so höchstens Tertu­lian), sondern eine bewußte kritische Ausein­dersetzung mit ihm und eine positive Auf­nahme partieller Wahrheiten unter Wahrung biblischer Maßstäbe prägte ihre Arbeit.

Ähnlich untersucht Vf. dann vier treffend ausgewählte afrikanische Theologen der Ge­genwart, die sich in Bezug auf ihren Kontext der gleichen Problematik stellen, mit dem Un­terschied, daß sie zugleich gegen das Vorurteil ankämpfen mußten, daß der afrikanische Hin­tergrund anders als der Hellenismus minder­wertig, ungebildet und rückständig sei.

Während der nigerianische Methodist Bolaji Idowu die „Kontinuität Gottes in der afrikani­schen religiösen Erfahrung“ (293) und Offen­barung Gottes auch in der afrikanischer Reli­gi­on in den Mittelpunkt stellt, geht es dem ke­ni­a­ni­schen Anglikaner John Mbiti darum, afri­ka­ni­sche Religiosität und Tradition als praepara­tio evangelica hervorzuheben. Mulago gwa Ci­ka­la als katholischer und frankophoner Vertre­ter aus dem Zaire betont die Partizipa­tion am Le­ben und an der Gemeinschaft als Konti­nu­um. Nur der evangelikale Byang Kato aus Ni­ge­ria lehnt jegliche Relevanz afrikani­scher Tra­di­tion für den christlichen Glauben ab, eine Po­si­tion, die auch in der evangelikalen Mis­sio­lo­gie zum Glück als überwunden gelten kann.

Wie der (hellenistische) „unbekannte Gott“ der Athener schließlich als der Eine Gott, all­mächtige Vater und Schöpfer aller Dinge be­stätigt wurde (429), muß es auch in Afrika zu einer „Synthese zwischen christlicher religiöser Verpflichtung (commitment) und kultureller Kontinuität“ (432) kommen, die keineswegs einen theologischen Synkretismus impliziert. Afrika lebt ebenso wie die alte Kirche schon seit langem im Kontext religiösen Pluralismus. Deshalb gibt es andere Antworten als das westliche Christentum, das sich diesem Phä­nomen erst langsam nähert (432ff). Bediakos Buch ist eine anregende, nach-denkenswerte, nicht immer bequeme Lektüre, die wichtige Perspektiven eröffnet. Alle, die an Theologie, Mission und Kirche in Afrika inter­essiert sind, sollten daran nicht vorübergehen.

Dr. Johannes Triebel, em 1996-2.

Bergunder, Michael; Jörg Haustein (Hg.). Migration und Identität. Pfingstlich-charis­matische Migrationsgemeinden in Deutsch­land. Beiheft der Zeitschrift für Mission Nr. 8, Frankfurt: Lembeck, 2006.

Dieser Band enthält die Beiträge der Fachtagung „Migration und Identität. Pfingstlich-charisma­tische Gemeinden fremder Sprache und Her­kunft in Deutschland", die in Heidelberg im Juni 2004 stattfand. Er gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil bietet mit zwei Artikeln einen Überblick zur Thematik des Buches. Claudia Währisch-Oblau stellt „Die Spezifik pentekos­tal-charismatischer Migrationsgemeinden in Deutschland und ihr Verhältnis zu den >etablierten< Kirchen“ (S.10-38) überzeugend und leser­freundlich geschrieben dar. Ausgehend von ei­nem empirischen Überblick über die pentekos­tal-charismatischen Migrationsgemeinden im Rheinland und in Westfalen wird eine Taxono-mie erarbeitet, ihre Charakteristika dargestellt, das Verhältnis untereinander und zu den deut­schen Kirchen beschrieben. Der zweite Über­blicksartikel von Cornelis van der Laan über „Nicht-westliche pfingstliche Migrationskirchen in den Niederlanden“ (S.40-59) kann den An­spruch des gewählten Titels und auch den des Buches nicht einlösen. Denn van der Laan gibt einen – durchaus interessanten – Überblick über die niederländische Migrationspolitik, die Si­tuation der Migrationsgemeinden und ihr Ver­hältnis zur niederländischen Gesellschaft. Aber die dem Leser angekündigte Zuspitzung auf die pfingstlich-charismatischen Kirchen fehlt voll­ständig.

Im zweiten Teil des Buches werden Fallstudien präsentiert. Der Artikel von Afe Adogame „Din­ge auf Erden um Himmels Willen tun. Aushand­lungsprozesse pfingstlicher Identität und die afrikanische religiöse Diaspora in Deutschland“ (S.60-82) basiert auf der Analyse einer Kirche, die von zwei afrikanischen Einwanderern in Deutschland gegründete wurde. Auf einem ho­hen abstrakten Sprachniveau wird aufgezeigt, wie komplex die Identitätsfindung und die theo­logischen Wandlungsprozesse des Einzelnen und der untersuchten Diaspora-Kirchen sind. Die sich daran anschließende Fallstudie „>War­tendes Israel und Israel am Ziel< Leid und Wunder von Pfingstgemeinden afrikanischer Migranten in Deutschland“ (S.83-106) von Evangelos Karagiannis ist von besonderem Inte­resse. Er schildert die sehr unterschiedlichen sozioökonomischen Rahmenbedingungen von zwei Pfingstgemeinden in einer ostdeutschen Stadt und setzt sie in Bezug zu ihren ebenfalls sehr unterschiedlichen theologischen Schwer­punktsetzungen. Auch wenn der Rezensent das Fazit: „Was die Predigt der Pastoren vor allem reflektiert, ist die Ressourcenausstattung ihrer Kirche, deren Konsolidierungsgrad als Orga­nisation, das Spektrum ihrer Möglichkeiten“ für überzogen hält: Die Varianz pfingstlicher Theo­logie wird exemplarisch deutlich. Das macht die Studie so interessant.

Jörg Haustein geht der „Pfingstbewegung und Identität im Kontext äthiopischer Migranten in Deutschland“ (S.107-126) nach. Dazu infor­miert er in der ersten Hälfte seines Beitrages über die pfingstlich-charismatischen Bewegun­gen in Äthiopien, um dann die Situation, Iden­tität und Theologie der äthiopischen pfingst-lichen Christen in Deutschland zu schildern. Werner Kahl – Studienleiter an der Missions­akademie in Hamburg – untersucht in seiner Fallstudie „Zur Bibelhermeneutik pfingstlich-charismatischer Gemeinden aus Westafrika in Deutschland“ die Art und Weise, wie in Ghana die Bibel gelesen wird. Dazu hat er in Ghana präferierte biblische Passagen quantitativ empi­risch erhoben. Der besondere Wert seines Bei­trages ist, dass hier einer der zentralen Punkte charismatisch-pfingstlicher Identität und Theo­logie angesprochen wird. Wie sich langfristig der ökumenisch-pfingstliche Dialog weiterent­wickeln wird, hängt zweifelsohne auch davon ab, ob bei dieser Frage nach einer angemessenen Bibelhermeneutik gemeinsame Verständigung möglich sein wird.

Der dritte Teil des Buches ist der religionswis­senschaftlichen und theologischen Reflexion ge­widmet. Michael Bergunder gibt einen kennt­nisreichen Überblick über die „Pfingstbewegung, Globalisierung und Migration“ (S.155-170) im weltweiten Kontext. Allan Anderson, bekannt als herausragender Kenner der Pfingstbewegung der Universität Birmingham, geht leider kaum und auch nur sehr allgemein auf das Thema seines Artikels „Was europäische Christen von afrikanischen Pfingstlern lernen können“ (S.170-189) ein. Stattdessen gibt er einen fundierten Einblick in die afrikanisch-pfingstliche Kirchengeschichte und geht auf die Identität und Pluralität der Pfingstbewegung ein. Der Abschluss ist einem der großen – und wohl von allen Pfingstlern ge­liebten – Theologen der Pfingstbewegung vor­behalten: Walter J. Hollenweger. Ausgehend von der Frage „Was ist charismatische Theo­logie? Oder: Was muss sich ändern?“ (S.190-206) möchte er kritische Theologie und Spiri­tualität versöhnen. „Die Trennung zwischen ge-lebter Spiritualität und kritischer Theologie ist ein Verlust für die Universität. Deswegen ist die Präsenz dieser Immigrationskirchen in unseren Universitäten und in unserer Gesellschaft wich­tig“.

Trotz der offensichtlichen Schwierigkeit einzel­ner Autoren, das gestellte Thema zu fokussieren, ist der Band empfehlenswert. Denn diese The­matik wendet sich einem in der deutschen theo­logischen und missionswissenschaftlichen Dis­kussion weitgehend vernachlässigten Thema zu. Und die Gründung des interdisziplinären Ar­beitskreises „Pfingstbewegung“ an dieser Ta­gung zeigt, dass der Prozess der Erforschung der charismatisch-pfingstlichen Bewegung weltweit und in Deutschland weitergehen wird.

Dr. Andreas Kusch, em 2008-1.

Berneburg, Erhard. Das Verhältnis von Ver­kündigung und sozialer Aktion in der evan­gelikalen Missionstheorie. TVG. R. Brock­haus: Wuppertal, 1997.

Diese von Prof. Beyerhaus betreute Tübinger Dissertation zeichnet minutiös und zuverlässig die Entwicklung des Titelthemas in der evan­gelikalen Welt seit etwa 1960 bis 1990 nach. Dabei dienen vor allem evangelikale Großkonferen­zen, etwa die Lausanner Kon­gresse und Kon­sultationen, als Ausgangspunkt. Der Einfluß der Eschatologie auf die Sicht der sozialen Aktion wird zu Recht beson­ders be­rücksichtigt (z. B. S.18+35-36+157-160+301-316), wobei die Position des Autors kaum durchschimmert. Der Autor warnt sowohl vor einer Evangelisationstheorie, die aus - meist
eschatologischen - Gründen gegen jede soziale Aktivitäten ist, als auch vor einer Gleichord­nung von Evangelisation und sozialer Verant­wortung. Er unterscheidet aber deutlich zwi­schen einer primären sozialen Verantwor­tung dem einzelnen gegenüber und der sekun­dären sozialen Verantwortung im Sinne von Verän­derung von Strukturen. Diese Unterschei­dung wird in den evangelikalen Dokumen­ten zu we­nig berücksichtigt. Als Kernpro­blem der Evan­gelikalen sieht er – m. E. sehr zutreffend – mit Klaus Bockmühl das Fehlen einer evangelika­len Sozialethik (S.257 u. ö.) und das Ver­nachlässigen der Schöpfungsethik (bes. S.267ff+275ff).

Thomas Schirrmacher, em 1998-3.

Bevans, Stephen B. Models of Contextual Theology. Maryknoll/N.Y.: Orbis 1992.

Bevans schöpft aus seiner 7jährigen Erfahrung auf den Philippinen. Er ist Professor für histo­rische und dogmatische Studien am Catholic Theological Union Seminary in Chicago/Illi­nois. In seinem Buch baut er seinen gleichlau­tenden Artikel aus Missiology: An Internatio­nal Review 13 (1985) aus. Modelle ver­steht er als vereinfachende und verdeutlichende Re­konstruktionsversuche der Wirklichkeit. Sie beschreiben die Realität „da draußen“ nicht vollständig, aber bilden sie durchaus wirklich­keitskongruent ab. Er faßt die von ihm be­schriebenen Modelle als deskriptiv bzw. kom­plementär auf, d. h. sie sind für ihn nicht exklu­siv, wie bei Hesselgrave und Rommen in ihrem Buch Contextualization: Meaning, Methods, and Models (S.157), sondern sie ergänzen ein­ander.

Vom Übersetzungsmo­dell, das sich am stärksten an der Bibel bzw. der Tradition ori­entiert, geht die Beschreibung der Modelle über das synthetische Modell und das Praxis-Modell zum am radikalsten an Kultur und Kulturveränderung interessierten anthropologi­schen Modell. Das Transzen­denzmodell steht gewissermaßen über allen, da es nicht vom zu formulierenden Inhalt, sondern vom formulie­renden Subjekt ausgeht, das ver­sucht, seinen Glauben auf authentische Art auszudrücken. knappe und präzise Be­schreibung der Modelle läßt sich durch den klaren Aufbau (Terminologie - Beschreibung der Vorausset­zungen - Kritik) gut nachvollzie­hen. Jedes der Modelle wird durch das Beispiel eines Theolo­gen aus der westlichen und der Zweidrittelwelt illustriert. Die leider nicht als Fußnoten, son­dern am Ende organisierten Nachweise verra­ten fundierte Kenntnisse der Literatur. Das Buch kann durchaus als Über­sicht, Diskussi­onshilfe, praktische Anleitung und Einführung zur Thematik dienen, wie der Herausgeber Ro­bert Schreiter in seinem Vor­wort meint. Es bil­det ein katholisches Gegen­stück zu dem von Hesselgrave und Rommen veröffentlichten evangelikalen Standardwerk. Auch wenn Be­vans gewisse Präferenzen für das synthetische und das Transzendenzmodell zeigt, beantwortet er die Frage, welches das be­ste Modell sei: „It depends on the context“ (S.112).

Martin Sachs, em 1996-1.

Bevans, Stephen B.; Roger P. Schroeder. Constants in Context: A Theology of Mission for Today. American Society of Missiology Series 30, Maryknoll: Orbis, 2004.

Dieses Buch ist eine der wesentlichen Neuerscheinungen im Bereich der Missionstheologie. Die nordamerikanisch-katholischen Autoren (beide Mitglieder der SVD-Ordensgemeinschaft und Professoren an der Catholic Theological Union, Chicago) sind keine missionswissenschaftlichen Unbekannten. S. Bevans hat bereits wesentliche missiologische Quellensammlungen und wegweisende Arbeiten zur kontextuellen Missionstheologie verfasst. Mit Constants in Context setzen die Autoren die missionstheologische Tradition von David Bosch fort, bieten zugleich aber einen neuen Ansatz und verarbeiten neuere Dokumente und Entwicklungen.

Der erste Teil des Buches (Part I, S.7-73) bietet eine biblische Grundlegung anhand der Apostelgeschichte und erklärt den missionstheologischen Grundansatz des Werkes: er besteht im Herausarbeiten von sechs missionstheologischen „Konstanten“ in den „Kontexten“ der Mission in Geschichte und Gegenwart. Die sechs Konstanten stellen theologische Grundthemen dar, mit denen christliche Mission in allen Kontexten und zu allen Zeiten zu ringen hat: Christologie, Ekklesiologie, Eschatologie, Soteriologie, Anthropologie und Kultur. Diese Themen werden verknüpft mit drei theologischen Traditionen, die idealtypisch an Tertullian, Origenes und Irenäus festgemacht und durch die Jahrhunderte in verschiedenen Bewegungen und Theologen aufscheinen. Dieser Ansatz ist – trotz gewisser Vereinfachungen – innovativ, pädagogisch sinnvoll und geht stellenweise quer zu den gewohnten missions- und religionstheologischen „Schubladen“ und bietet somit Anstöße zum kreativen Neudenken.

Ähnlich wie bei Bosch – allerdings in größerer Nähe zur spezifisch missionshistorischen Entwicklung - wird dann Missionstheologie in historischen Epochen entfaltet (Part II, S.73-280): Mission in der frühen Kirche, Mission und die mönchische Bewegung, Mission und die Handelsbewegung, Mission im Zeitalter der Entdeckung, Mission im Zeitalter des Fortschritts, Mission im 20. und 21. Jahrhundert. Auch die Mission der Pfingstkirchen und neuerer Bewegungen in der nichtwestlichen Welt findet Berücksichtigung. Nach jeder Epoche wird nach den Konstanten, ihrer Spiegelung in den konkreten missionstheologischen Traditionen (z.B. auch in der Lausanner Bewegung bis 1992) und dem Ertrag für heute gefragt. Das jeweilige Ergebnis wird in Form einer Übersichtstabelle geboten. Dieser Teil ist der umfangreichste und bietet (ergänzend und relativ wenig überschneidend zu Bosch) eine Fundgrube missionstheologiegeschichtlichen Wissens. Den Abschluss (Part III, S.281-398) bildet eine gegenwartsbezogene systematisch-missionstheologische Reflexion der Mission als: (1) Teilnahme an der Mission des Dreieinigen Gottes, (2) befreiender Dienst im Reich Gottes, (3) Verkündigung Jesu Christi als universaler Retter, (4) prophetischer interreligiöser und versöhnender Dialog. Auch diese Themen werden jeweils wieder im Licht der sechs Konstanten gespiegelt.

Das Buch bietet eine erfrischende Lektüre: ein großer Überblick und eine faire Darstellung aller Traditionen wird mit inspirierenden Gedankenanstößen verbunden. Der Ansatz von Konstanz und Kontextualität wird in Nähe zu biblischen Texten, historischen Kontexten und der theologischen Diskussion der Gegenwart entfaltet. Die ausführlichen und informativen Fußnoten finden sich erst am Ende des Buches, was beim Lesen etwas hinderlich ist. Ein echter Wermutstropfen ist das Fehlen einer Bibliographie. Erschlossen wird der Text durch einen detaillierten Index und hilfreiche Karten und Tabellen. Dieses Buch stellt wohl jetzt schon – zumindest im englischsprachigen Raum – eine neue Standardeinführung in der Tradition von David Bosch dar.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2006-3.

Beyer, Ulrich. Und viele wurden hinzugetan. Mission und Gemeindewachstum in der Karo-Batak-Kirche/Indonesien. Verlag der VEM, Wuppertal; Verlag der Ev.-Luth. Mission, Erlangen, 1982.

Im Jahre 1890 begann die protestantische Mission im Land der Karo-Batak. In den ersten Jahren breitete sich das Evangelium nur langsam aus. Nach drei Jahren sehr intensiver Arbeit waren erst sechs Karo-Batak getauft worden. Die Mission erschien als Anhängsel des Kolonialismus, außerdem galten für Gemeindeglieder sehr strenge Regeln, die ihnen keinerlei Kontakt zu ihren früheren Verwandten und zum Stamm lie­ßen. Damit waren sie von ihrem eigenen Volk getrennt. Im Laufe der Jahre wuchs die Kirche langsam. 1935 gab es 4189 ge­taufte Christen, 1,5% der Bevölkerung. 1941 wurde die Karo-Batak-Kirche selbständig mit dem Namen: Gereja Batak Karo Protestan (GBKP). 1945, nach dem Ende der japanischen Besetzung, stellte sich die GBKP hinter die entstehende Republik In­donesien. In der darauffolgenden nationa­listisch/kommunistischen Periode fand sich die Kirche in einer schwierigen Lage:
sie wollte sich zurückhalten! Daraus ging die Gründung von Hausgemeinden und Bibellesegruppen hervor, meist unter der Führung von Laien. Damals gab es nur acht ordinierte Pfarrer. Die alte gendang Musik wurde wieder eingeführt ‑ jetzt christlich geprägt, nicht mehr dämonisch. Auf diese Weise schlug die Kirche Wurzeln in der traditionellen Kultur, und deswegen schlos­sen sich viele ihr an. Am 30.9.1965 versuch­ten die Kommunisten, die Macht zu über­nehmen; sechs Generale, unter ihnen der christliche Toba-Batak General I. Pandjaitan, wurden ermordet. Durch das schnelle Eingreifen von General Suharto wurde diese Machtübernahme verhindert, und es kam zu einem umfassenden Gegenschlag gegen die Kommunisten und ihre Werkzeu­ge. Dabei wurden 100 000 getötet. Die indo­nesische Gesellschaft wurde bis in ihre Grundfesten erschüttert. Viele Karo-Batak suchten Sicherheit und Geborgenheit und fanden sie darin, daß sie sich der Kirche anschlossen. In nur drei Jahren (1965-68) wuchs die Kirche von 35 000 auf 76 000 Mitglieder. Das darauffolgende stetige Wachstum wurde durch Pancasila, die „fünf Säulen“ des indonesischen Staates, veran­laßt. Jeder Indonesier mußte sich für eine der fünf anerkannten Religionen entschei­den. Die Karo-Batak entschieden sich über­wiegend für die GBKP, denn so konnten sie in ihrem Volk und in ihrer Kultur blei­ben. (Der Islam war für sie nicht anziehend, weil Karo-Batak sehr gerne Schweinefleisch essen.) Der Kirche schließt man sich als Familie oder als Sippe an, Übertritte ein­zelner sind selten. Es wurde klar, daß allein der Glaube an Jesus den geistlichen Hunger stillen kann, und der Glaube an Jesus war es, der die Karo-Batak anzog.

Das Buch ist sehr sorgfältig geschrieben, auch die Details werden nicht übersehen. Auch in den großen Städten wie Medan und Jakarta gibt es Karo-Batak Gemeinden mit eindrucksvollen Mitgliederzahlen: in diesen Gemeinden fühlt sich der Karo-Batak zu Hause, wenn er in der Fremde leben muß.

Am Schluß des Buches wird die Gebets­gruppen-Bewegung erwähnt, die interdenominationelle Gebetsgruppen bildet, die das bieten sollen, was den verfaßten Kirchen an innerem Leben fehlt. Der Verfasser hat das Buch systematisch, fast mathematisch geschrieben. Christ werden erscheint in seiner Darstellung eher als die Annahme eines bestimmten Systems und weniger als eine Begegnung mit einer lebendigen und Leben spendenden geistlichen Gemein­schaft: der Gemeinde Jesu Christi.

Während seines Dienstes unter den Batak kannte der Rezensent die erwähnten Mis­sionare Neumann und Muylwijk persönlich, er war auch ein guter Freund von General Isaak Pandjaitan. Die Genauigkeit, mit der das Buch geschrieben wurde, beeindruckt. Das Buch ist sehr zu empfehlen.

Hans van der Boom, em 1985-3

Beyerhaus, Peter. Er sandte Sein Wort. Theologie der christlichen Mission, Bd. 1: Die Bibel in der Mission. Wuppertal/Bad Lie­benzell: R. Brockhaus Verlag/VLM, 1996.

Die bibliographischen Angaben dieses Buches zeigen bereits, daß der Tübinger Missionswis­senschaftler ein umfangreiches Opus geplant hat, das an Gustav Warnecks „Evangelische Missionslehre“ aus den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erinnert. Sowohl der Ge­samttitel als auch der des ersten Bandes spie­geln wesentliche Grundüberzeugungen und Intentionen des Autors wider, denn „Mission“ wird hier „in ihrem ur­eigenen Wesen“ als „Sendung des Wortes Gottes in die Welt“ ver­standen. „Solange christliche Mission im tiefen Respekt vor der Autorität dieses Wortes, wel­che die des dreieinigen Gottes selber ist, ihren Dienst der Ver­söhnung an Israel und den Völ­kern tut, bleibt sie authentische Mission. Nur so lange ist sie Fortsetzung der Sendung Christi und des Geistes vom Vater … (und) nimmt … teil an der trinitarischen Missio Dei“. Dieses Mis­sionsverständnis setzt ein Schriftverständ­nis voraus, „welches die Heilige Schrift – bei aller Offenheit für ihr geschichtliches Gewor­densein und für die Mannigfaltigkeit der in ihr redenden Zeugen – als ein in sich geschlos­senes Ganzes betrachtet“. Denn „durch die Wirkung des prophetischen Wortes wurde Menschheits­geschichte zur Heilsgeschichte“. Schließlich fand „die Heilsgeschichte in der Sendung des Sohnes“ ihren „die Äonen wendenen Höhe­punkt“. Damit das Wort dieser Offenbarungs­geschichte „vollinhaltlich und unversehrt bis an das Ende der Zeiten in ursprüngli­cher Kraft er­gehen könne, ging die Verkündigung Christi und seiner Apo­stel und Propheten durch die In­spiration des Geistes ein in das geschrie­bene Wort heiliger Schriften, die im Kanon der Bü­cher Alten und Neuen Testaments, der Bibel, ihre endgültig besiegelte Gestalt gefunden ha­ben“.

Peter Beyerhaus entfaltet das Thema jedoch nicht losgelöst von den – meist kontrovers ver­laufenden – Entwicklungen der letzten Jahr­zehnte, an denen er selbst engagiert beteiligt war, sondern versucht, eine „biblisch-theologi­sche Begründung der Mission zu entwickeln“.

Im ersten Kapitel „Die Notwendigkeit mis­sionstheologischer Grundla­genklärung“ skiz­ziert der Autor die Entwicklung seit 1961, dem Jahr der Eingliederung des Internationalen Missionsrates in den Ökumenischen Rat der Kirchen. Daraus ergibt sich in nuce die Kon­zeption des ersten Bandes.

In elf weiteren Kapiteln, die sich in drei Teile gruppieren, knüpft Beyerhaus zunächst „dankbar … an die Tradition heilsgeschichtli­chen Denkens in der deutschen evangelischen Missionswissenschaft“ an (Teil I: Die Bibel – das Buch der Mission). Er plädiert dafür, lern­willig, aber in „wachsamer Auseinandersetzung mit an­dern heute vertretenen Positionen“ diese Anknüpfung zu vollziehen (Teil II: Die herme­neutische Krise der Mission und ihre mögliche Überwindung). Der Autor verweist auf die „verheerenden Folgen für die Theologie und Praxis der Mission … die entstehen, wenn das reformatorische Formal­prinzip Sola Scriptura preisgegeben wird“. Teil III (Missionarische Verkün­digung in biblischer Vollmacht) erör­tert, „wie echte missionarische Ver­kündigung nach Inhalt und Gestalt durchgehend von der Autorität der Heiligen Schrift bestimmt ist und ihre überzeugende, aufbauende Voll­macht ge­winnt.“

Mit seiner Ermutigung zur „Orientierung der Mission an den elementa­ren heilsgeschichtli­chen Aussagen der Bibel“ möchte der Autor keinen neuen Gedanken in die Missionstheolo­gie einführen, sondern im Gegenteil nur „das erneut aussprechen, was zu allen Zeiten die Grundüberzeugung wahrhaft christlicher Mis­sion gewesen ist, besonders, soweit sie im Erbe der Reformation und des klassischen Pietismus gründete“. So knüpft Beyerhaus konkret an die Bemühungen von Missionstheologen wie Gustav Warneck, Walter Freytag und Karl Hartenstein an.

Nach Konzeption und Inhalt kann dieser Band als Lehrbuch dienen und alle anregen, die an der Aufgabe der Mission in irgendeiner Form mitar­beiten oder an den verschiedenen Detailthemen weiterarbeiten wollen. Dazu ist der Anhang eine gute Hilfe. Er enthält eine Übersicht der er­wähnten internationalen Kon­ferenzen und ein Abkürzungsverzeichnis. Die umfangreiche Bibliographie (mehr als 50 Sei­ten!) gliedert sich in vier Gruppen: Lexika und Quellensammlungen, Quellentexte, Konferenz­be­richte, sowie Sekundärliteratur. Ein Bi­bel­stel­len-, Personen- und ein diffe­renziertes Sach­register ermöglichen die Arbeit am Detail. Mit diesem um­fangreichen Werk legt Peter Beyer­haus „die reiche Frucht seines Lebens als Mis­sionar, Forscher und Lehrer“ vor. Möge die­se Frucht als Lehrbuch weitere Früchte tra­gen.

Dr. Erich Scheurer, em 1996-4.

Beyerhaus, Peter. God’s Kingdom and the Utopian Error. Discerning the Biblical Kingdom of God from its Political Counterfeits. Wheaton: Crossway, 1992.

Peter Beyerhaus, Professor für Missionswis­senschaft in Tübingen, hat über das christliche Verständnis des Reiches Gottes gründlich geforscht und nachgedacht. Sein neuestes Buch sollte als Fortsetzung seiner früheren Bemüh­ungen verstanden werden, der englischsprachi­gen Welt die konservative Position in der evangelikal - ökumenischen Auseinanderset­zung verständlich zu machen. Er verbindet eine tiefschürfende biblische Ergründung mit einer sorgfältigen Analyse der wichtigsten Missions­konferenzen, der ökumenischen Vollversamm­lungen und deren jüngster Dokumente. Beyer­haus’ Kernthese ist, daß die biblische Lehre von Gott von denen verdreht wird, die das Reich Gottes mit politischen Ideologien gleichsetzen. „Volkstheologien“ ist seine Bezeichnung dafür. Nach Aussage des Autors gibt es Versuche von einigen in der ökumenischen Bewegung, eine Einigung zwischen den beiden Flügeln der Debatte um soziales Handeln und Evangelisa­tion herbeizuführen. Doch dann müßten Evan­gelikaie nicht nur Kompromisse auf der ober­flächlichen politischen Ebene eingehen, son­dern auch ihr Verständnis der biblischen Heilsgeschichte ändern. Gott wird sein Reich errichten, indem Einzelne zu Glaubenden und dann zu Jüngern gemacht werden. Für Beyer­haus ist die Kirche, wenn auch nicht mit dem Reich Gottes identisch, so doch Gottes messia-nische Gemeinschaft. Gott, nicht der Mensch, wird das Königreich errichten. Auch wenn große Teile des Buches aus Beiträgen zu bestimmten Anlässen bestehen, entsteht durch einen guten Aufbau eine sinnvolle Gedanken­führung, beginnen mit der Sicht des Reiches Gottes in der evangelikalen Eschatologie bis zum letzten Kapitel über das Martyrium als Tor zum Himmelreich. Von besonderem Interesse ist das kurze Kapitel „Zehn Kriterien zur Un
terscheidung zwischen dem biblischen König­reich und seinen utopischen Verfälschungen“. Beyerhaus legt einen erfrischenden Zugang zu einem Problem offen, das die Kirche des 20. Jahrhunderts seit langem plagt. Seine Position als respektierter deutscher Theologe trägt sehr zur Annahme seiner Schriften in den englisch­sprachigen Kirchen bei. Es gibt nur wenige konservative deutsche Wissenschaftler, die so viel Respekt und Anerkennung in der evange­likalen Welt genießen. Seine handfesten bibli­schen Argumente, kombiniert mit einem klaren Blick für die Geschichte, haben der Kirche er­neut eine wertvolles Werkzeug beschert.

William Wagner (übersetzt von Thomas Schirrmacher), em 1993-2.

Beyerhaus, Peter. Krise und Neuaufbruch der Weltmission: Vorträge, Aufsätze und Dokumente. Verlag der Liebenzeller Mis­sion, Bad Liebenzell, 1987.

Wer sich grundsätzlich informieren will über die Geschichte der Missionstheologie, sowohl von Seiten des ökumenischen Rates der Kirchen als auch der evangelikalen Lausanner Bewegung; wer sich speziellen Fragen wie Mission als Evangelisation oder Revolution, Armut, Rassismus, Verhältnis der christlichen Missionen zu anderen Re­ligionen und Kulturen widmet; wer eine erste Einsicht in die Situation der missio­narischen Kirchen auf anderen Kontinenten erhalten oder sich erstmalig oder vertiefend mit der Problematik nachkolonialistischer Mission befassen will, der sollte zu dem vorliegenden Sammelband mit Vorträgen und Aufsätzen des Herausgebers von 1970 bis 1984 greifen.

Die einzelnen Erarbeitungen sind meist leicht überarbeitete Vorträge, gut zu lesen, und geben deshalb auch dem Nichttheologen einen tiefen Einblick in die theologi­sche und kirchenpolitische Diskussion. Der Verfasser vertritt selbst einen evangelikalen Standpunkt und ist engagierter Ge­sprächspartner.

Das Buch ist von daher keine objektive, journalistische Information, sondern ein äu­ßerst informativer und ein engagierter Ge­sprächsbeitrag. Für alle ehren- und haupt­amtlichen Mitarbeiter könnte der Sammel­band ein Fortbildungsseminar und eine hilfreiche Horizonterweiterung in der Situa­tion und Problematik der weltweiten Mis­sion sein.

Einen eigenen Standpunkt kann man sicher an der Position von Peter Beyerhaus pro­filieren.

Der Anhang mit Originaldokumenten, so z.B. der Lausanner Erklärung, eine Zeittafel über wichtige ökumenische und evangelika-le Ereignisse zum Thema von 1961 bis 1984, eine Literaturliste und ein Personen- und Sachregister machen das Buch zu einem wertvollen Nachschlagewerk, das auch zu einzelnen Themen wegen der in sich abge­schlossenen Kapitel gut zu lesen ist.

Manfred Beutel in: Praxis der Verkündigung (Oncken) 3/89. Em 1989-4.

Beyerhaus, Peter. Theologie als Instrument der Befreiung. Brunnen Gießen/Basel (TGV) 1986.

Befreiungstheologie, Black Theology, Home-land- und Minjung-Theologie finden seit 1976 einen Zusammenschluß in der „öku­menischen Vereinigung von Dritte-Welt-Theologen (EATWoT)“. Nachdem der Tü­binger Ordinarius für Missionswissenschaft und ökumenische Theologie zunächst die Entstehung und den wesentlichen Einfluß des Ökumenischen Rats der Kirchen dar­stellt, analysiert er die Inhalte und Ziele dieser Bewegung: Subjekt und Objekt die­ser Theologie ist das „Volk“ im Sinne einer (hier unaufgebbaren) marxistischen Sozial­analyse. Beyerhaus zeigt auf, daß die damit verbundene Interpretation der Bibel und die ideologisierte Umdeutung markanter bibli­scher Begriffe (z.B. Erlösung, Jesus, Reich Gottes) eine Preisgabe maßgeblicher Glau­benswahrheiten bedeutet.

Jürgen Kuberski, em 1987-1.

Billington Harper, Susan. In the Shadow of the Mahatma: Bishop V.S. Azariah and the Travails of Christianity in Britih India, Studies in the History of Christian Missions, hg. v. R. E. Frykenberg, Brian Stanley, Grand Rapids USA: Eerdmans/Richmond UK: Curzon, 2000.

Susan B. Harper, ehemalige Dozentin für Geschichte und Literatur an der Harvard University, gelingt es, in dieser wissenschaftlichen Biographie das Leben des ersten indisch-anglikanischen Bischofs und Missionsleiters, Vedanayagam Samuel Azariah (1874-1945), in seiner Bedeutung für den Bau der indischen Demokratie in der letzte Phase britischer Herrschaft zu analysieren und darzustellen. Von einer säkular verengten Geschichtsschreibung sei der Beitrag des evangelikal und evangelistisch geprägten Bischofs bisher nicht wahrgenommen worden. Gemäß dem Anliegen der neuen Reihe „Studies in the History of Christian Missions“ möchte die Autorin mit ihrer Monographie die Bedeutung der – oft geschmähten – christlichen Mission und geistlich motivierter Persönlichkeiten für die Profangeschichte herausstellen.

Aufgrund eines umfassenden Quellen-Studiums (das neben Archivalien aus Indien, Großbritannien und den USA auch die noch lebendige „oral tradition“ und Fotos – vgl. Bildteil in der Mitte des Buches – einbezieht) entwirft die Autorin ein detaillgetreues Bild Azariahs und seiner Zeit, das sie unter das Motto stellt: „Im Schatten des Mahatma (Ghandi)“. Azariah war ein Zeitgenosse Ghandis und hatte wie dieser das Ziel der sozialen Erneuerung Indiens. Doch weil Azariah zwar positiv zur nationalen Unabhängigkeit Indiens eingestellt war, aber auch deren subnationale Problematik kannte, und vor allem den wirklichen Weg zur Erneuerung in der Bekehrung der Menschen zu Jesus Christus und ihrer Eingliederung in die Kirche sah (S. 46, 55), und diesen Weg auch konsequent und mit größtem Erfolg beschritt, geriet er zunehmend in einen Konflikt mit und – zumindest was die historische Sichtbarkeit betrifft – in den Schatten Ghandis, der christliche Bekehrung aus politischen und religiösen Gründen (als Eingriff ins Dharma – die „göttliche Weltordnung“ – ablehnte).

Doch damit sind wir bereits zum Höhepunkt der Biographie vorausgeeilt, die von der Autorin in einem geschickten Spannungsbogen in vier Teilen entfaltet wird. Im ersten Teil („The Rise“, S. 9 – 90) beschreibt sie die Herkunft und Prägung Azariahs durch die Missionsarbeit des evangelikal geprägten Low-Church-Flügels der Anglikanischen Kirche (Church Missionary Society) in der südostindischen Provinz Tinnevelly, sein Engagement im asiatischen CVJM, in dem er die evangelistisch-internationale Welterneuerungsvision John Motts und der christlichen Studentenbewegung in sich aufnahm, und seine – von britischen Missionaren angeregte – Gründung der beiden ersten unabhängigen indischen Missionsgesellschaften, der Indian Missionary Society (IMS) und der National Missionary Society (NMS)

Die mit letzterem tiefgründig verbundene Problematik – Azariah wird zum Ausführenden der Indigenisierung-Visionen westlicher Missionare – kommt in der folgenden Etappe, seiner Konsegration zum ersten einheimischen Bischof der indo-anglikanischen Kirche (1912) (Teil II: „The Reign“, S.91-220), noch stärker zum Vorschein. Azariah, der ein befähigter und geistlich geprägter Leiter war, und sich auch als Bischof vor allem für die praktische Evangelisations- und Gemeindebauarbeit unter der armen Dorfbevölkerung engagierte, steht von da an im Konfliktfeld zwischen progressiven und konservativen Engländern einerseits und zwischen nationalistischen Indern und der einfachen indischen Dorfbevölkerung andererseits, wobei jeweils die letzte Gruppe der genannten Parteien seine Ernennung zum Bischof – bei aller Befürwortung seiner Person – kritisch sah. Verwestlichung (und damit auch das Vorhandensein britischer Bischöfe) „wurde von den lange unterdrückten niederen Kasten nicht als Schwäche und Anpassung an dominante westliche Missionare gesehen, sondern als symbolische Kampfansage an die repressive einheimische Sozialordnung. In diesem Licht wurde die von Missionaren geforderte ‚Indigenisierung’ nur als eine weitere Form der Unterdrückung verstanden“ (S. 150, Übers. FW). Azariahs bischöfliches Ringen um die Überwindung kirchlicher und sozialer Zersplitterung in Indien durch denominationelle Streitigkeiten und Kastenwesen wird im dritten Teil des Buches dokumentiert („The Resolutions“, S.221-288).

Eine entscheidende Kluft allerdings hielt Azariah für nicht überbrückbar (Teil IV: The Rift, S.289-366). Und diese Kluft brachte ihn unausweichlich auf Kollisionskurs mit Mahatma Ghandi, mit dem er – von der Herkunft bis zu den Hoffnungen für Indien – so vieles gemeinsam hatte. Die Autorin, die manche Archiv-Texte hier zum erstenmal präsentiert, zitiert Azariah, wie er den unvermeidbaren Konflikt beschreibt: „Wir … sind davon überzeugt, dass Menschen von einer Zugehörigkeit in die andere überwechseln. ‚Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Kreatur’. Eine neue Kreatur kann nur in einer neuen Umgebung leben. Das christliche Leben kann nur in der Gemeinde richtig gelebt werden. Das bedeutet, mit der alten Gemeinschaft zu brechen und in eine neue Gemeinschaft einzutreten … Mr. Ghandi hält davon nichts“ (S.336, Übers. FW). Azariah aber, der in seiner Provinz die Bekehrung von vielen Tausenden und die geistlich-soziale Erneuerung dörflicher Strukturen durch die kirchliche Arbeit erlebte, war von der Notwendigkeit und Richtigkeit dieses Weges überzeugt. Auch das am 12. Februar 1937 geführte „Spitzen-gespräch“ zwischen Ghandi, Azariah und einem weiteren anglikanischen Bischof änderte nichts an der Ablehnung Ghandis gegenüber der christlichen Evangelisation, und ebenso wenig an Azariahs theologischer Haltung. Im Gegensatz zu Ghandi lehnte er den selektiven Umgang mit der Bibel ab und hielt an der Notwendigkeit von Bekehrung und Gemeinde fest. Er widersetzte sich auch der ­selbst unter Missionarskollegen „populären Tendenz der Zwischen-Kriegs-Jahre, den religiösen Glauben in säkularen Utopismus zu verwandeln, oder zumindest die evangelikale Evangeliumsbotschaft durch ein ‚social gospel’ zu ersetzen“ (S.358).

Azariah stand bis zum Schluss für die Unabhängigkeit Indiens ein. Aber er sah die Gefahr, dass der Nationalismus sich mit einer fanatischen und einseitigen Renaissance des Hinduismus verbinden und zur Christenverfolgung führen könnte. Außerdem kannte er die subnationalen ethnischen und kastenbezogenen Auseinandersetzungen aus nächster Nähe und wusste nur zu gut, dass beträchtliche Teile der ländlichen Bevölkerung die britische der brahminischen und hinduistischen Herrschaft vorzuziehen würden. Harper arbeitet heraus, dass Azariahs Beitrag für die indische Demokratie vor allem in seiner Weigerung, sich politisch vereinnahmen zu lassen, bestand, und in seiner so bewahrten Freiheit, sich auf die sozial wirksame Evangelisation und den Gemeindebau zu konzentrieren. Azariah ging einen eigenen missionarischen Weg. „Er folgte dabei weder den westlichen Normen, die von den meisten Dorfbewohnern bevorzugt wurden, noch den indischen Normen, die von den westlichen Missionaren und den indischen Nationalisten bevorzugt wurden“ (S.176).

Am Ende des Buches gesteht die Autorin: „Selbst die besten analytischen Theorien können die Individualität eines Mannes wie Azariah nicht voll erklären“ (S. 358). Es ist in dieser kritischen, aber weder trockenen noch zynischen missionsgeschichtlichen Biographie gelungen, mit analytischem Fingerspitzengefühl „die Freiheit des Menschen als historischem Agenten“ und die Bedeutung geistlicher Überzeugungen für den Lauf der Geschichte deutlich zu machen. Der Text wird hilfreich ergänzt durch vier Landkarten, 16 Fotoseiten, einen Index und eine 75-seitige Bibliographie, die erstmalig auch eine vollständige Zusammenstellung der Publikationen Azariahs enthält.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2002-3.

Blocher, Jacques A.; Jacques Blandenier. L’évangélisation du monde: Précis d’histoire des missions. Bd. 1: Des origines au XVIIIe siècle. Institut Biblique de Nogent, Lavigny: Editions des Groupes Missionnaires: Nogent-sur-Marne, 1998.

Es ist erfreulich, daß in letzter Zeit vermehrt französische Bücher zu missiologischen The­men publiziert werden. Meist handelt es sich um Übersetzungen aus dem Englischen. Das vorliegende Buch jedoch wurde von zwei fran­zösischsprachigen Autoren verfaßt.

Dieser Überblick über die Missionsge­schichte bis ins 18. Jahrhundert ist äußerst in­teressant geschrieben. Da praktisch keine Fuß­noten ver­wendet werden, liest es sich sehr leicht. Die Schlußfolgerungen am Ende jedes Kapitels führen dem Leser immer wieder den Bezug zur Gegenwart vor Augen. Wer meint, das Anlie­gen der Mission sei nach Paulus in Vergessen­heit geraten, wird mit Überraschung feststellen, auf welchen Wegen sich das Evan­gelium wäh­rend diesen 18 Jahrhunderten aus­gebreitet hat, wie z. B., daß Europa vom 6.- 8. Jahrhundert von Mönchen aus Irland missio­niert wurde.

Das Buch ist auch für Kenner der Materie sehr zu empfehlen. Wenig bekannte Aspekte der Missionsgeschichte werden erörtert und, wo möglich, in Beziehung zu Frankreich ge­setzt. Wußten Sie z. B., daß die Mongolei im 12. Jahrhundert von China her missioniert wurde? Und wer weiß schon, daß König Eduard I. von England im Jahre 1287 die Eu­charistie von ei­nem mongolischen Mönch aus Peking empfing und zwar in der französischen Stadt Bordeaux?

Zur Zeit der Reformation war die Weltmis­sion noch kein Thema. Daher erstaunt es, zu lesen, daß der französische Admiral Coligny in Bra­silien ein „protestantisches Frankreich“ grün­den wollte. Warum diese Expedition nach zehn Monaten aufgegeben wurde, und warum fast alle Missionare umkamen, wird ausführ­lich behandelt. Ein wirklich spannendes Buch!

Wer nach einem bestimmten Thema sucht, wird sich dank des Index rasch zurechtfinden. Man darf schon auf den zweiten Band über das das 19. und 20. Jahrhundert gespannt sein. Jac­ques Blandenier plant die Veröffentlichung in etwa zwei Jahren.

Stefan Schmid, em 1999-4.

Blöchle, Herbert. Luthers Stellung zum Hei­dentum im Spannungs­feld von Tradition, Humanismus und Reformation. Frankfurt: Peter Lang, 1995.

In der gegenwärtigen Debatte um eine Theolo­gie der Religionen drohen die reformatorischen Positionen immer mehr in den Hintergrund zu gera­ten. Eine evangelische Stellungnahme wird aber nicht darauf verzichten können, das Zeug­nis der Reformatoren ernsthaft zu bedenken. Um so er­freulicher ist es, daß Herbert Blöchle in einer an der Kieler Theologischen Fakultät eingereichten Dissertation den Versuch unter­nommen hat, eine Gesamtdarstellung von Lu­thers Stellung zum Heidentum zu bieten. Eine derartige Untersuchung ist nicht nur als histori­scher Beitrag zur religi­onstheologischen Dis­kussion der Gegenwart zu begrüßen, sondern auch deshalb, weil es eine solche Gesamtdar­stellung bislang nicht gab, so daß Blöchles Dissertation zugleich eine empfindliche Lücke der Luther­forschung schließt.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Blöchles Studie darf in metho­discher und in­haltlicher Hinsicht als gelungene Untersuchung betrachtet werden, die geeignet ist, die aktuelle religionstheologische Debatte zu be­fruchten, obwohl sie sich streng auf eine Darlegung des historischen Be­funds beschränkt und bewußt „auf jegliche Aktualisierung … durch Be­zugnahme auf die gegenwärtige Situation“ ver­zichtet (16). Ein über 200seitiger Anmer­kungsteil (mit fast 2700 Fußnoten) und ein 60seitiges Quellen- und Literaturverzeichnis veranschaulichen die methodisch sorg­fältige, minutiös belegende und eine Fülle von Quellen und inhaltlichen Gesichtspunkten berücksichti­gende Vorgehensweise des Autors.

Blöchle schildert zunächst Luthers (durch das Bibelstudium, den Hu­manismus und die Türkengefahr veranlaßte) „Begegnung mit dem Hei­dentum“ (19-33), um dann seine „biblisch-theologische Stellung zum Hei­dentum“ (35-72), seine „Stellung zur griechisch-römischen Antike“ (73-150), seine „Stellung zum Islam und zu den Türken“ (151-192), seine „kritisch-religionsvergleichende Stellung zum Heiden­tum“ (193-230) und schließlich seine „Stellung zum Heidentum im Christentum“ zu beleuch­ten (231-250). Das Ergebnis ist nicht nur, daß Luther eine überraschend vielschichtige und differenzierte Sicht des „Heidentums“ vertrat, sondern auch, daß die Überwindung des „Heidentums“ als Gestalt verfehlter Reli­giosität (religio falsa) eine zentrale Thematik seiner Theologie darstellt: Luther vermochte aufgrund seiner (sich auf Röm 2,15 stützenden) Beja­hung eines universal erkennbaren und gül­tigen Naturrechts die geistig-religiöse Welt der griechisch-römischen Antike in kultureller und sittlicher Hinsicht erstaunlich positiv zu würdi­gen (77-126), ohne der Neigung des zeitgenös­sischen Humanismus zu erliegen, die Antike zu idealisieren (127-150). Ebenso war er bereit, auch positive Aspekte in der Frömmigkeit und Sittlichkeit des Islam (161-168) anzuerkennen. Zugleich aber hielt er in Konsequenz seiner Rechtfertigungslehre an der biblischen Grundüberzeu­gung fest, „daß die nichtchristli­chen Religionen die Menschen nicht zum Heil führen können“ (47): Über Heil oder Unheil entscheiden „allein der Glaube an Christus und die Gliedschaft an seinem Leibe …“ (50).

Originalität und besondere Brisanz gewinnt Luthers Sicht des „Heidentums“ durch die These, daß dieses nicht nur eine vor- und außer­christliche Größe, sondern auch eine in­nerchristliche Realität darstellt: Diese gefähr­lichste, weil nicht so offenkundige Gestalt des Heidentums entsteht überall da, wo der recht­fertigende Glaube an Christus verweigert und das Evangelium verleugnet oder verfälscht wird (242-247). Luther hat seinen Kampf für das rechte Verständnis des Evangeliums zu­tiefst als Kampf für „die Befreiung des Evan­geliums aus seiner todbringenden Um­strickung durch das Heidentum“ (232, 247-250) verstan­den. Seine Über­zeugung, daß bis zur Wieder­kunft des Herrn auch das Christentum als ge­schichtliche Religion notwendig vom „Heidentum“ durchsetzt ist, kann dazu helfen, den exklusiven Heilsanspruch des Evangeliums mit der de­mütigen Einsicht des Glaubenden zu verbinden, daß kein Mensch - auch der Christ nicht - die Gefährdung durch das Heidentum definitiv hinter sich hat.

Werner Neuer, em 1996-3.

Bong Rin Ro (Hg.). Christian Suffering in Asia. Evangelical Fellowship of Asia / Asia Theological Association, 1989.

Christen in verschiedenen Teilen Asiens erfahren zunehmend Verfolgung und Leiden durch militanten Hinduismus, islamischen Fundamentalismus, Kommunismus, Natio­nalismus und wirtschaftliche Armut. Die Referate einer Konsultation der Asiatischen Evangelischen Allianz über „die Gemeinde mitten im Leiden“ in Hongkong (24.-27. Febr. 88) sind in diesem Band zusammen mit sechs weiteren Artikeln und einem seelsorgerlichen „Brief an die Gemeinden in Asien“ wiedergegeben. Theologisches hält sich mit erschütternder Berichterstat­tung aus den verschiedenen Ländern die Waage. Immer wieder erschallt der Ruf nach einer der Lage entsprechenden „Theo­logie des Leidens, die westliche Theologen möglicherweise nicht ganz verstehen wer­den.“ Möge diese Kritik an westlicher Verdrängung des Leidens heilsam sein. Zu­gleich sollte sie aber dazu führen, daß wir das reiche theologische Erbe bei Harten­stein, Freytag, Bonhoeffer und Traugott Hahn uns wieder zueigen und den asiati­schen Christen zugänglich machen. Warum sind die Ergebnisse der AfeM-Tagung im Januar 1988 „Missionarische Existenz in Zeugnis und Leiden“ noch nicht nach Asien vorgedrungen?

Christof Sauer, em 1989-3.

Bonk, Jonathan J. Missions and Money. Affluence as a Western Missionary Problem. Orbis: Maryknoll, 1991.

In einer wirtschaftlichen Variante des Themas von David und Goliath, das den Christen so sehr am Her­zen liegt, zeigten die letzten zweihundert Jahre David (die westlichen Missionare) als den, der Sauls Rüstung an hat und Sauls Waffen trägt und so gegen einen Goliath (das Missionsfeld) marschiert, der mit einem Fell gekleidet und nur mit ein paar Steinen und einer Schleuder bewaffnet ist. Die wirtschaftliche Macht war auf der Seite der Missionare aus dem Westen. Diese gehörten in manchen Fällen zu multi­nationalen Missionsgesellschaften, deren jährliches Budget jenes der gastgebenden Regierungen übertraf und stellten für diese Länder sehr bedeutsame Quel­len an Devisen dar. (S.1)

Das Zitat faßt die Situation seit den Anfängen missionarischer Arbeit aus dem Westen zusammen. Die meisten Leute, sowohl auf Sei­ten der Missionare als auch auf Seiten derer, denen sie dienten, haben den Mißerfolg beim Ernten der Garben für Christus zum Teil dem Reichtum der westlichen Missionare zuge­schrieben. In seinem Buch behauptet Jonathan J. Bonk, daß die Übermittlung und Inkultura­tion des Evangeliums durch das Ungleichge­wicht zwischen dem relativen Reichtum der Missionare und der Armut der Menschen, die sie zu evangelisieren suchen, bedingt ist.

Es sind im Grunde zwei Fragen, die er das ganze Buch hindurch behandelt:

1. Untergraben die gegenwärtigen Missionare trotz ihrer Aufrichtigkeit das Evangelium und behindern sie dessen Inkulturation durch ihren relativen Reichtum?

2. Führt vielleicht der Reichtum des Mis­sionars bei den einheimischen Bekehrten zu feindschaftlichen Gefühlen - entweder bewußt oder unbewußt - dem Missionar gegenüber?

Von einem afrikanischen Standpunkt aus würde die oben angeführte Frage zu einer Antwort in dem Sinne führen, daß in der west­lichen Missionsarbeit des 19. Jahrhunderts die Afrikaner mit dem Verständnis zum Christen­tum „bekehrt“ wurden, daß Christ zu sein irgendwie gleichbedeutend sei mit reich sein. Als sie dann das Evangelium von Jesus Chri­stus angenommen hatten, wie es von den west­lichen Missionaren gepredigt worden war, ent­deckten sie, daß die oben angegebene Glei­chung nicht funktioniert, und deshalb verband der/die bekehrte Afrikaner(-in) das Evangeli­um nicht mit seiner/ihrer gegenwärtigen Situa­tion; es war ein Evangelium für reiche Leute. Dies bewirkte dann, wie Desmond Tutu for­muliert, eine religiöse Schizophrenie, in der die bekehrten Afrikaner an Gottesdiensttagen Christen sind und an anderen Tagen Afrikaner. Trotz der Tatsache, daß jene Afrikaner einige „Handdowns“ von den Missionaren bekamen, machte die immer noch existierende tiefe wirt­schaftliche Kluft die Bekehrten letztlich ärger­lich.

Bonk, Dozent an einer amerikanischen Bibelschule, verlangt weder eine Verleugnung des Reichtums noch Resignation, aber er ruft alle Missionare auf, durch einen Akt bewußter Selbstentäußerung Macht, Ansehen und Ein­fluß abzulehnen (S. xvi). Bonk ist tief besorgt über das Problem des westlichen Reichtums als Hindernis bei der Verbreitung des Evangeli­ums. Das Buch zeigt auch sein tiefes Verständ­nis für die biblischen Schriften.

Wenn man nun die Empfehlungen für die Missionare durchliest, könnte man auf die Idee kommen, Bonk zu treffen und zu sehen, wie er lebt und ob er ein solcher Mann ist, der lebt, was er schreibt und sich auch so benimmt? Oder verbreitet er nur einen guten Grundsatz, einfach professionell und gelehrt, ohne ent­sprechend zu leben? Ich wünschte, ich würde diesen Mann treffen. Dann könnte ich ihm ein paar Fragen stellen, die dieses Buch vollständi­ger machen würden.

Fulata Lusungu Moyo, em 1995-4.

Börner, Fritz. Freikirchlicher Gemeindebau in Österreich. Eine Untersuchung der Ar­beitsgemeinschaft Evangelikaler Gemeinden in Österreich (ARGEGO) mit einem historischen Rückblick in die Kirchengeschichte und die Geschichte der Bekennergemeinden auf öster­reichischem Boden. Linz: Selbstverlag, 1989.

Als langjähriger Missionar in Österreich legt Börner seine gründlich erarbeitete Magisterar­beit vor. Die kirchengeschichtlichen Kapitel greifen bis zur Christianisierung des Landes im Römerreich zurück und reichen bis zu den Hintergründen der Rekatholisierung nach der Reformation. Mit der Beschreibung der ein­zelnen Gemeinden innerhalb der täuferisch ge­sinnten ARGEGÖ im 4.Kapitel beginnt die ei­gentliche Forschungsleistung Börners. Geord­net nach Gemeindeverbänden fragt er nach de­ren Geschichte, Problemen, Gemeindegrün­dern, gegenwärtigem Zustand und Statistik. In einem weiteren Kapitel werden die unter­schiedlichen Methoden des Gemeindebaus nach Gemeindegröße, geographischen Schwer Zahl? Dann sollten nächstes Jahr z,B- auch die neuen Titel von Beyerhaus, Bosch und Fiedler dort Erwähnung finden. Missionen mit theolo­gisch gebildeten Mitarbeitern sollten auf die­ses Jahrbuch in ihrer Bibliothek nicht verzich­ten.

Christof Sauer, em 1992-4.

Bosch, David. An die Zukunft glauben: Auf dem Wege zu einer Missionstheologie für die westliche Kultur. Studienheft Weltmission heute 24. Evangelisches Missionswerk: Ham­burg, 1997/2.

Das vorliegende Heft, eine Übersetzung des 1995 erschienenen Orginals „Believing in the Future: Toward a Missiology of Western Cul­ture“, beruht auf einem Vortrag, den Bosch im Januar 1992 kurz vor seinem tragischen Un­falltod vor Missionswissenschaftlern in Paris hielt. Er stellt seine Skizze einer westlich-kon­textuellen Missionstheologie auf der Grundlage seines großen missionstheologischen Werkes „Transforming Mission“ (1991) vor. Der Ana­lyse der postmodernen Welt unter dem Motto „Wo keine Vision ist, verdirbt das Volk“ (Sprüche 29,18), folgt eine Untersuchung der Wurzeln in der Aufklärung und eine Positions­bestimmung des christlichen Glaubens. Die westliche Kultur lebe „parasitisch“ vom Chri­stentum, das sich seinerseits jedoch weitgehend an die Religion der Aufklärung angepaßt und damit seine erneuernde und missionarische Kraft verloren habe. Aufbauend auf dieser Vorarbeit zeichnet Bosch in vier Zügen eine Missiologie für den Westen: Sie müsse (1) die Theologie grundsätzlich als missionarisch be­greifen, (2) sozial-ethische Implikationen ha­ben, (3) uns zum Erbarmen mit der Not der Dritten Welt befähigen und (4) angesichts des atheistischen Götzendienstes im Westen den einzigen lebendigen Gott der Bibel verkündi­gen. Das Buch ist erfreulicherweise kostenlos, bzw. gegen eine freiwillige Spende beim EMW erhältlich.

Friedemann Walldorf, em 1999-3.

Bouman, Johan. Christen und Moslems. Glauben sie an einen Gott? Gemeinsamkei­ten und Unterschiede. Gießen: Brunnen, 1993.

Mit großem Scharfsinn verfolgt der emeritierte Professor für Religionsgeschichte und Islam­kenner präzise das im Titel genannte Thema. Bei dem jeweiligen Verständnis von Sünde, Vergebung und Versöhnung sind die Gemein­samkeiten noch größer. Die entscheidenden Unterschiede werden an der Person Jesu deut­lich und kündigen sich bei den Schilderungen Abrahams schon an. Bouman berücksichtigt die historische Entwicklung des Korans und macht damit scheinbar gegensätzliche Aussa­gen im Koran verständlich. Dabei räumt er der Darstellung biblischen Glaubens jedoch glei­chen Raum ein. Er kommt zu dem Ergebnis: Da der Koran im Namen seines Propheten und als Wort Gottes die Heilstat Gottes in Christus verneint, ist der Gott der Versöhnung in Chri­stus nicht der Gott des Korans (S. 99). Die Rede von einer „abrahamitischen Ökumene“ sieht er genauso kritisch wie das Aufgeben des Trinitätsdogmas zugunsten des Dialogs. Den Dialog hält er durchaus für notwendig. Jedoch muß er von beiderseitiger Wahrhaftigkeit ge­prägt sein. Eine notwendige, sachliche Klar­stellung, die manchmal den gebildeten Leser fordert.

Christof Sauer, em 1996-2.

Bouman, Johan. Leben mit fremden Nach­barn. Die Rolle von Ethik, Kultur und Reli­gion in ei­ner multikulturellen Gesellschaft. Gies­sen/Basel: Brunnen Verlag, 1995.

Johan Bouman analysiert die deutsche – heute multikulturelle – Gesellschaft auf die Frage hin: Wie können Menschen so unterschiedlicher nationaler Herkunft und religiöser Überzeu­gung friedlich miteinander zusammenleben? Für Bouman entscheidet sich diese Frage daran, ob sich die multikulturelle Gesellschaft auf eine für alle verbindliche ethische Grund­lage verpflichten läßt, da nur so Konflikte aus diesem Zusammenleben bewältigt werden können. Nach Darstellung verschiedener ethi­scher Konzepte wie z. B. von Fichte, Hegel, Kant, Marx u. a., sowie der jüdischen, christli­chen und islamischen Ethik kommt Bouman allerdings zu dem Schluß: „Es ist der westli­chen Kultur nicht gelungen, eine allen gemein­same Ethik zu entwerfen und in der Praxis durchzusetzen“ (24). Damit wird Boumans Buch zu einem berechtigten Vorwurf an die nachchristliche westliche Gesellschaft, die vielleicht nicht an ihrem ethischen Pluralismus an sich scheitern würde, jedoch anderen ethi­schen Konzepten wie z. B. dem Islam nichts entgegenzusetzen hat. Da jedoch nur die bibli­sche Ethik die Frage nach Ursprung und Be­wältigung des Bösen in der Welt überzeugend beantworten kann, erhält der biblische Auftrag an Christen, Buße, Glauben und Liebe zu ver­kündigen, aufgrund der starken Zuwanderung von Muslimen ganz neue Dringlichkeit.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-2.

Brakemeier, Gottfried (Hg.). Glauben im Teilen bewahrt. Lutherische Existenz in Brasilien. Verlag der Ev.-Luth. Mission Er­langen, 1989.

Es ist ein besonderes Buch: Eine Kirche der südlichen Hemisphäre stellt sich selbst vor. Bisher schrieben meist Europäer über die Kirchen, die aus „ihrer“ Missions- oder Überseearbeit hervorgegangen sind. Hier porträtiert sich die Kirche selbst. Daß da­bei das Umfeld, die Geschichte, die sozialen und soziologischen Faktoren ebenso zur Sprache kommen wie die Theologie, ver­steht sich von selbst. Daß diese Kirche


nicht bei sich selbst stehen bleiben will, sondern im Miteinander-Teilen des Glau­bens weiter voranschreiten will, im eigenen Land (wo die Lutheraner nur fast 1% der Bevölkerung ausmachen) und über die Lan­desgrenzen hinaus, bestimmt den Ausblick.

Das Original erschien in portugiesisch «Pre-senca Luterana 1990», eine englische Aus­gabe ist geplant. Die Gastgeberin der 8. Vollversammlung des Lutherischen Welt­bundes will mit uns ins Gespräch kommen. Wir dürfen mit ihr Bekanntschaft schließen.

Johannes Triebel, em 1990-2.

Bramsen, Paul D. The Way of Righteousness. Good News for Muslims. CMML Spring Lake, New Jersey, 1998.

Das Material „The Way of Righteousness” gehört meiner Meinung nach zum Besten, was es für Muslime gibt. Das Buch ist die englische Übersetzung von ursprünglich in Wolof (größte Bevölkerungsgruppe in Senegal) gehaltenen Rundfunkansprachen. 1992, nachdem der amerikanische Missionar Bramsen mit zwei senegalesischen Mitarbeitern zuschauen musste, wie zuvor verteilte Literatur ungelesen zerrissen wurde, entstand die Idee für „The Way of Righteousness“ (wörtlich übersetzt: Der Weg der Gerechtigkeit, bzw. Rechtschaffenheit). Dem Missionar wurde klar, dass chronologisch aufgebaute Lektionen, die klar die Begeben-heiten und die Botschaft der Propheten Gottes darstellen, und die über staatliche Radiostation ausgestrahlt werden, nötig sind. Wie viele andere Missionare nahm auch er, wie er im Vorwort schreibt, Trevor McIlwans „Firm Foundations“ (New Tribes Mission) als Fundgrube zur Erstellung seiner speziellen 100 Bibellektionen. Der Autor wünscht ausdrücklich, dass die Lektionen in andere Sprachen zu Sendezwecken übersetzt werden.

Um dies einfacher möglich zu machen wurde das Material, zu dem auch 20 Kassetten der 15-minütigen Radiolektionen gehören, herausgegeben. Der Autor bittet nur um Rücksprache, um die Vollständigkeit der Lektionen zu bewahren. Ferner ist die englische Ausgabe für englisch sprechende Muslime gedacht, die auf diese Weise im Selbststudium behutsam und gründlich die Lehren der Thora, Psalmen, Propheten und des Neuen Testaments verstehen können. Dabei geht es vor allem darum, dass sie verstehen, dass es ohne Blutvergießen keine Vergebung gibt. Die Opfer von reinen Tieren, die Gott in seiner Güte im Alten Testament als „Weg“ zur Bedeckung der Sünde der Menschen gegeben hat, war ein Symbol und eine Prophetie für das stellvertretende und erfüllende Sterben Jesu, als einzig gültiges Opfer zur Vergebung von Sünden. Die Lektionen bauen chronologisch aufeinander auf und sind doch in sich abgeschlossen. Jede der 100 Lektionen ist gefüllt von zu einem Hauptthema gehörenden Gedanken und Bibelworten.

Dem Leser wird in der ersten Lektion z.B. deutlich gemacht, dass Gott zu den Menschen gesprochen hat. ER ist Gott, und zwar der einzige und der Allmächtige. Er sprach durch die Propheten oft und auf verschiedene Art. Sie schrieben auch für ihn Gottes Wort auf, geführt durch den Heiligen Geist. Gott möchte, dass die Menschen dieses, sein Wort verstehen. Sein Wort ist ewig und in ihm ist Leben. Gott hat sich selbst offenbart und auch den Weg zur ewigen Rettung. „Höre! Öffne deine Ohren und komme zu mir. Höre, und deine Seele wird leben.“ In den beiden letzten Lektionen (99 u. 100) geht es zusammenfassend darum, wer Jesus ist.

Die Lektionen sind in einfachem Englisch geschrieben, in gesprochenem Stil, ursprünglich für afrikanische Muslime. Vielleicht wird dem ein oder anderen der Stil zu einfach erscheinen, aber der Inhalt ist anspruchsvoll und spricht Herz und Verstand gleichermaßen an. Dabei wird immer Rücksicht auf Denken und Fühlen von Muslimen genommen, ohne Kompromisse bei der Botschaft einzugehen. Zu lernen, wie man mit Muslimen in einer nicht „westlich“ geprägten Weise über die Bibel spricht, ist wirklich wichtig, denn sonst entstehen leicht Missverständnisse.

Die Lektionen sollten von Leuten durchgearbeitet werden, die Muslime auf dem Herzen haben und ihnen die Botschaft von der Rettung durch Jesus auf ihnen gemäße Art nahe bringen wollen. Die Leben schaffende Wahrheit der Bibel leuchtet in den Lektionen immer neu und aus einer vielleicht neuen Perspektive auf und macht das Hineinarbeiten in die Materie zu einem geistlichen Gewinn. Die über 500 Seiten Lektionen sind lang, aber zu schaffen, z.B. als Stille Zeit.

Das Buch ist folgendermaßen eingeteilt: Vorwort, 100 Lektionen in 4 Teilen (gut ersichtlich im Inhaltverzeichnis, mit Name der Lektion und Bibelstellen), 4 Anhänge: wie man die Kassetten zu Lehrzwecken (z.B. in Gruppen) einsetzen kann, Sprichworte der Wolofs (in den Lektionen verwendet), Unterrichtsmethodik mit dem Material, Ein-blicke in den Islam (sehr gut zum Verständnis der islamisch geprägten Menschen für Christen, und sehr gut zum Ausräumen von Falsch-interpretationen von Begriffen wie „Sünde“, „Sohn Gottes“… für Muslime). Dabei wird nicht nur die Religion fair erklärt, sondern auch was im Koran über Jesus steht.

Mir gefällt das Buch sehr gut, weil es für Muslime mit liebendem Herzen geschrieben ist und den Leser eindringlich und dennoch höflich zum Nachdenken bringt, den „Way of Righteousness“ Gottes in Jesus richtig zu begreifen.

Ulrike Kinker, em 2002-2.

Brandau, Robert. Innerbiblischer Dialog und dialogische Mission. Die Judenmission als theologisches Problem. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag 2006.

Die Wuppertaler Dissertation (Klappert) über die Diskussion um die Judenmission nach 1945 im Kontext ökumenischer Missionstheologie und der Israellehre Karl Barths bekräftigt und begründet in historischer ebenso wie in exegetischer und systematisch-theologischer Hinsicht das Nein zur Judenmission. Die Differenzierung des Dialogbegriffs in einen innerbiblischen Dialog von Christen und Juden, einen interkonfessionell-ökumenischen Dialog unter Christen und einen interreligiös-missio­narischen Dialog der Völkerkirche mit anderen Religionen/Welt­anschauungen ist hermeneutisch unabdingbar und theologisch geboten.

Innerbiblisch bedeutet: Christen und Juden begegnen einander als Zeugen Gottes voreinander; sie geben Anteil an den je eigenen Erfahrungen mit dem Gott Israels. Das gemeinsame Bekenntnis zu dem Gott Israels markiert die Grenze heidenchristlicher Mission, deshalb ist nur der interreligiöse Dialog missionarisch. Die Völkermission (im „Missionsbefehl“ Mt 28: ethne, biblisch zu unterscheiden von „Israel“) ist strikt von dem an die jüdische Jüngergemeinde ergehenden Auftrag zur Sammlung des eschatologischen Gottesvolkes Israel (Mt 10,6) – die nicht zu dessen Aufhebung führen kann – zu unterscheiden. Ein heidenchristliches „Zeugnis“ für Israel hat kein biblisches Fundament, vielmehr sind das aufgrund der Bundeszuverlässigkeit des Gottes Israels bleibend erwählte Gottesvolk und die Völkerkirche (die auf voreilige Identifikation mit Israel zu verzichten hat) gemeinsam zur Heiligung des Namens des Gottes Israels berufen. Die messianische Sendung des Christus Jesus mit Israel realisiert die vergegenwärtigende Repräsentation des Gottesvolkes Israel gegenüber den Völkern. Die Beziehung zum erst­erwählten Volk gehört mithin zum Inhalt des in der Mission der Kirche zu verkündi­genden Evangeliums und mitnichten in den Bereich ihres missionarischen Auftrags.

Diese Hauptthese(n) der nicht nur äußerlich gewichtigen, sondern in jeder Hinsicht eindringlichen Arbeit werden entfaltet, indem die wesentlichen Transformationsprozesse judenmissionarischer Theologie exemplarisch rekonstruiert und kritisch beleuchtet werden. In immenser Dichte werden dabei nicht nur die Positionen der klassischen Judenmission des 19. Jhs. (F. Delitzsch, G. Dalman) referiert und eingeordnet (u.a. in den Kontext der radikal-pietistischen Ablehnung der Judenmission, des eigenen Wegs Zinzendorfs, der Instituta Judaica, samt Exkursen zu Luther und Calvin), dann in zwei Kapiteln die wirkmächtige Israeltheologie Barths sowie das ökumenische Dialogprogramm erörtert, vielmehr wird in detaillierter Kleinarbeit sowie gelungenem Zusammenspiel von Darstellung und Reflexion die Fülle ökumenischer und kirchlicher Dokumente zur Judenmission gesichtet (ein Schwerpunktkapitel, S. 171-343, das nicht zuletzt die jeweiligen „impliziten systematischen und missionstheologischen Voraussetzungen“ offenlegen soll), worauf ein ebenfalls umfangreiches Kapitel „Konflikte um die Judenmission“ folgt. Auf dieser Grundlage legt der Autor in kritischer Rezeption Barths einen eigenen Entwurf zur Judenmission vor (Kap. VI), der gegen das prägende Modell der Subsumtion Israels unter die Völker, gegen die Paganisierung Israels durch Individualisierung und Universalisierung des Evangeliums die theologische Bedeutung der bleibenden Erwählung Israels in der eingangs skizzierten Form stark macht. Die christologischen und ekklesiologischen Gründe dafür, dass Christen in dem durch Jesus repräsentierten Israel keiner anderen, fremden Religion, sondern der eigenen Erwählung und damit dem Gott Israels begegnen, werden vertieft und die Ergebnisse in einem Epilog in 29 Thesen und einem Ausblick gebündelt.

Das alles liest sich – bei dem heiß umstrittenen Thema vielleicht kaum verwunderlich –durchweg spannend (auch wenn es um „Verlautbarungen“ geht), wobei eine gewisse Redundanz nicht zu übersehen ist. Die wiederum erscheint angesichts des Fehlens jeglicher Register (schade, ein erheblicher Mangel!) zwar akzeptabel, kann diese aber freilich in keiner Weise ersetzen. Dennoch ist die beeindruckende Menge an Material unaufgeregt und profund aufgearbeitet – wenn man bedenkt, dass die Position des Vf. eben so, wie er es selbst für eine jüdische Sicht formuliert, „eine, allerdings nicht die einzige Möglichkeit der Wahrnehmung“ darstellt (462).

Bei aller systematischen und missionstheologischen Entschiedenheit lässt sich fragen, ob hier nicht exegetisch Kategorien eingetragen werden, die (vorab) anderweitig gewonnen wurden. Als Indiz dafür könnte auf die merkwürdige Diskrepanz zwischen dem vielfach spürbaren Konkretionswillen und der im eigenen Entwurf zu konstatierenden grandiosen Abstraktion vom konkreten „Israel“ hingewiesen werden. Ist es nicht Anzeichen einer höchst problematischen Wahrnehmung des Gegenübers (das es trotz aller Einsichten bleibt), wenn „Israel“ plötzlich ständig gleichsam als Chiffre für die Eigeninterpretation herhalten muss? Oder wie ist es zu verstehen, wenn Christus – und das ist doch der Christus des apostolischen Zeugnisses! – „Teil der Prophetie Israels“ ist, wenn der Auferstandene als „der Repräsentant Israels“ Israel in der Welt vergegenwärtigt, oder gar „Christus Jesus als der verheißene Messias Israels die missionarische Existenz Israels verkörpert“ (! 456f)? Erfolgt christliche Mission tatsächlich „in Teilhabe an der Mission Israels“ (461)? Weitere Punkte wären anzusprechen, um die Befürchtung zu formulieren: Droht hier nicht die gerechtfertigte Intention in ihr Gegenteil umzuschlagen? Ohne die inhärierenden Probleme zu verharmlosen, kann man sich am Ende schon fragen, wo jüdische Menschen mit ihrer Wahrnehmung und vitalen Religiosität sich hier wirklich angesprochen finden. Je nach dem, in welcher Weise man das Christentum als „im Grunde jüdisch“ reklamiert, wird dem christlich-jüdischen Dialog das Gegenüber geradezu genommen und somit tendenziell der Boden entzogen. Zumindest wäre mehr als wünschenswert gewesen, die Aspekte, die das rabbinische Judentum (mit der Mischna als „Gründungsdokument“) in die Wirkungsgeschichte des Christentums einzeichnen (vgl. J. Neusner, M. Hilton, D. Boyarin), in die Diskussion mit einbezogen zu sehen. Die klare Differenzierung des „Israel“-Begriffs etwa in Röm 9,6 – das sei nur eben angedeutet – nötigt wohl doch zur analogen Differenzierung (auch) in missionstheologischer Hinsicht: Israel ist nicht einfach Israel. Am Ende bleibt – beispielhaft – E. Jüngels Votum (EKD-Synode 1999) bedenkenswert: Judenmission ist als gänzlich unbrauchbarer Begriff abzulehnen, und zugleich: Die deutschen Kirchen sind „ganz und gar unberufen“, Israel im Namen Jesu anzusprechen. Doch ebenso gilt: „Aus der Bezeugung des Evangeliums in Israel ist ja die Kirche hervorgegangen. Sie müsste ihre eigene Herkunft verleugnen, wenn sie das Evangelium ausgerechnet Israel gegenüber verschweigen wollte.“ (zit. S. 139). Zwischen einer (theologisch und menschlich) verantwortlichen Realisierung dieser Sachverhalte und einem „Heilstriumphalismus“ (371) liegen Welten.

So ist das Thema auch mit dieser herausragenden Arbeit nicht endgültig geklärt, wie könnte es auch. Sie wird dennoch auf lange Zeit den Standard markieren, hinter den die Debatte nicht mehr zurückfallen darf.

Dr. Friedmann Eißler, em 2007-2.

Brandl, Bernd. Die Neukirchener Mission. Ihre Geschichte als erste deutsche Glau­bensmission. (Schrif­tenreihe des Vereins für Rheinische Kir­chengeschichte 128) Rheinland-Verlag: Köln und Neukirchener Verlag: Neu­kirchen, 1998.

Dissertationen sind keine Kriminalromane. Zumindest in Stil und Darstellung dieses Bu­ches, das 1997 von der Ev.-theol. Fakultät in Leuven (Belgien) als theologische Dissertation angenommen wurde, liegt hier eine Ausnahme vor. Der Rezensent begann zu lesen und ruhte nicht eher, als daß er alle 456 Seiten gelesen hatte. Tanaland (Kenia) und Salatiga (Indonesien) treten dabei ebenso lebendig vor Augen wie Ludwig Doll oder Julius Stursberg in Neukirchen. Und doch handelt es sich hier um ein sehr gut recherechiertes und mit missi­onstheologischem Sachverstand verfaßtes Fachbuch, das – wie das Vorwort ankündigt – einen weißen Fleck auf der missionsgeschicht­lichen Landkarte schließen hilft.

Dabei hat sich der Verfasser keine leichte Aufgabe gestellt: Drei Hauptschauplätze der Geschichte der Neukirchener Mission in ihren z. T. sehr unterschiedlichen Entwicklungen galt es darzustellen, ohne dabei die gemeinsamen Linien aus dem Blick zu verlieren. Gerade dies gelingt auch sehr schön. So wird deutlich, wie eine in der Heiligungsbewegung wurzelnde Glaubensmission einerseits innovativ wirksam werden kann und andererseits sich aus diesem Erbe ernsthafte Probleme ergeben, die bis in die Gegenwart manches Scheitern zu verant­worten haben. Drei wichtige Stichworte seien genannt, die über die Neukirchener Mission hinaus Relevanz besitzen: (1) Der sogenannte „Glaubensstandpunkt“: alle Versorgung wurde von Gott erwartet. Damit sind sowohl an Men­schen gerichtete Bitten als auch eine geregelte Gehaltsstruktur ausgeschlossen. In seinem Schlußteil zeigt Brandl, daß ein institutionali­sierter Glaubensstandpunkt ein Widerspruch in sich ist. (2) Heiligung als Ideal der Missionare für die zu gründenden Gemeinden. Danach ist die zweite nota ecclesiae nach der Verkündi­gung des Wortes die individuelle Bekehrung, die durch ein geheiligtes Leben belegt wird. Als Konsequenzen daraus sind dann eine starke Betonung der Gemeindezucht, die Gefahr der Gesetzlichkeit und - im Angesicht einer pio­niermissionarischen Herausforderung - große Differenzen über Grundfragen der Ekklesiolo­gie zu nennen. So taucht z. B. immer wieder die Frage nach der Taufe, ihrem Stellenwert und dem Taufritus auf. (3) Das Selbstverständ­nis der Missionare – allein von Gott gesandt – führte auf allen Missionsfeldern zu großen Konflikten aufgrund des von diesem Selbstver­ständnis geförderten Individualismus, vor al­lem nach Abebben der Erweckung. Brandl stellt alle diese Entwicklungen mit großer Of­fenheit und doch zugleich großer Behutsamkeit dar - an keiner Stelle ergreift er die Partei einer Person, auch wenn er in den einzelnen Sach­fragen klar und deutlich urteilt.

Zuletzt noch einige kritische Bemerkungen und Anfragen, die aber in keinster Weise den Wert dieser Arbeit schmälern können: Der Satz des Buches wurde offensichtlich mit einem Textverarbeitungssystem erstellt, das dann so schöne Trennungen wie Tauft-heologien (S. 430), oder Hilf-sprediger (S. 42) im Manu­skript hinterließ. Die Währung der 1880er war wohl kaum die DM (S. 75 & 85) und Glasgow liegt nicht in England (S. 332). Inhaltlich könnte man fragen, ob die AIC als „geglücktes Beispiel einer aus einer Glaubensmission her­vorgangene Denomination“ wirklich so ge­glückt ist. Schließlich stellt sich die Frage nach der Definition von Glaubensmission, wenn der Verfasser die AEM als fast ausnahmslos aus Glaubensmissionen bestehend charakterisiert (S. 449). Nach der Lektüre des Buches er­scheint es fast so, als würde der Neukirchener Mission dieser Name begründet abgesprochen. Dies würde dann aber für viele der AEM-Mis­sionsgesellschaften gelten.

Dr. Norbert Schmidt, em 1999-4.

Brecht, Martin (Hg.). Philipp Friedrich Hil­ler. Gott ist mein Lobgesang. Der Lieder­dichter des württembergischen Pietismus. Ernst Franz Verlag: Metzingen, 1999.

Im ersten Teil beschreibt Walter Stäbler ein­fühlsam und gekonnt das Leben und Wirken des 1699 geborenen „Dichters, Pfarrers und Theologen“ Philipp Friedrich Hiller. Über die Klosterschulen Denkendorf und Maulbronn führte Hillers Weg zum Theologiestudium nach Tübingen. Dort bescheinigte man ihm „guten Verstand“ und „Bescheidenheit in den Sitten“. Als Vikar predigte er „kurz und gut und führet sich wohl auf“ (20). Der Seelsorger und Prediger, der seit 1751 keine Predigt mehr halten konnte, weil seine Stimme versagte, wurde zum Schriftsteller. Bei seinem Tod 1769 hinterließ er in der Gemeinde und Kirche „einen guten Namen“ (42).

Die enge Verbindung Hillers mit Halle und Herrnhut und dem damaligen Pietismus wird erläutert. Wolfgang Schöllkopf zeigt auf, „dass sich die unterschiedlichen Traditionen des Pie­tismus alle auch als Singbewegung ausprägten“ (63). Martin Brecht skizziert Hillers „Geist­li­ches Liederkästlein“ als „eines der Me­dien für die tägliche Andacht“ (87-137). Hillers Moti­vation ist das Lob Gottes und der Ruhm des Allerhöchsten. Die theologische Konzep­tion des Liederkästleins lautet: „Gottes Größe ist unaussprechlich“ (103) und „der Geist er­forscht die Tiefen der Gottheit“ (117). Deshalb kann Hiller das Leben bejahen. Im zweiten Teil des Liedkästleins beschreibt er den Tod, die Erscheinung Christi und die Ewigkeit mit den Worten „Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen“ (133ff).

Der zweite Teil des Buches konzentriert sich auf „Erfahrungen und Nachwirkungen“ Hillers. Zum „Schatz im Gepäck der Auswanderer“ nach Amerika und Rußland in den Hungerjah­ren 1816/17 gehörte nach Günther Mathia auch Hillers Liederkästlein. Es tröstete nach dem Bericht des Basler Missionars Saltet die Ge­fangenen des 1826 überfallenen schwäbischen Kolonistendorfes Katharinenfeld in Rußland. Das Liederkästlein wurde zum Gesangbuch der Pregizer Gemeinschaft in Besarabien, Geor­gien, Ungarn und Israel und zum Trostbuch für viele Menschen in aller Welt.

In der Tat: „An Hiller ist mehr dran, als man weiß.“ Er ist ein großer Liederdichter und Theologe, von dem heute, in der Zeit der Theologievergessenheit viele Pfarrer viel ler­nen können. Das Doppelgebot der Liebe als Selbstauslegung Gottes und als Schöpfung ei­ner neuen individuellen Lebensführung im Sinne der sozialen Freiheitsverhältnisse schafft Person und menschliche Gemeinschaft neu… Gemeinschaft am Leid führt nicht in Verein­zelung, Gottferne und Tod, sondern zur schöp­ferischen Verheißung des Evangeliums gehört die Zuversicht der Gottesgemeinschaft (85).

In der Praxis der Liebe sah Hiller den Zusam­menhang von Frömmigkeit und gelehr­ter Theologie. Diese oft vergessene Seite des schwäbischen Pietismus hat später Dietrich Bonhoeffer wieder aufgenommen.

Dem von Martin Brecht herausgegebenen Buch muß man eine weite Verbreitung wün­schen, vor allem unter denen, die Theologie, Fröm­migkeit und Gemeinde trennen.

Prof. Dr. Karl Rennstich, em 2001-2.

Breman, Christina Maria. The Association of Evangelicals in Africa: Its History, Organi­zation, Members, Projects, External Relati­ons and Message. Zoetermer: Boekencentrum, 1996.

Die Niederländerin Christina M. Breman war viele Jahre Sekretärin an der Freien Universität Amsterdam. Mit 45 Jahren wird sie Missiona­rin der Africa Inland Mission in Tanzania, nachdem sie ein gründliches Theologiestudium absolviert hat (BTh, MTh, Mdiv). Schon nach 2 Jahren muß sie aus Krankheitsgründen zu­rück in die Heimat und beginnt dort mit der umfangreichen historisch-missiologischen Dis­sertation über die Evangelische Allianz Afrikas (AEA).

Christina Breman hat sehr gründlich reche­chiert (50 Seiten Literaturangaben) und viele Interviews vor Ort durchgeführt. Das Buch gibt einen umfassenden Einblick in die Organisati­onsentwicklung einer dynamischen Bewegung der Evangelikalen in Afrika. Vor allem die Persönlichkeiten, die die AEA geprägt haben, werden einfühlsam und prägnant geschildert (Downing, Kato, Odunaike, Adeyemo). Bre­man selbst schreibt aus evangelikal-reformier­ter Perspektive, stellt aber andere theologische Positionen fair dar. Nur der Bericht über PA­CLA II ist etwas einseitig, da nur Kritiker zu Wort kommen und nicht die Beteiligten selbst, wie bei den übrigen Konferenzberichten.

Die AEA wurde 1969 auf amerikanische In­itiative hin (IFMA, EFMA) gegründet, hat sich aber zu einer echt afrikanischen Bewegung entwickelt. Für mich ist das Besondere an die­sem Buch das kulturelle Einfühlungsvermögen in die afrikanische Kultur und Weltanschau­ung, das die Besonderheiten der Evangelikalen in Afrika eindrücklich darstellt (Prägung durch das Häuptlingsdenken, pragmatische Zusam­menarbeit mit Vertretern anderer Glaubens­überzeugungen, Betonung des engagierten Be­tens, eine holistische Sicht von Religion und Glauben).

Die Geschichte der AEA ist eine erstaunli­che Erfolgsstory, vor allem in den Bereichen theologische Ausbildung, BEST, NEGST, Ak­kreditierung, TEE, Christian Education. Die Verf. geht aber auch auf Rückschläge, allzu-menschliches, auf dem Papier formulierte große Ziele und die mangelnde Umsetzung in der Praxis ein. Besonders schwer auszuhalten ist die Spannung, einerseits die Initative aus den Grassroot-Bewegungen der Evangelikalen aufzunehmen und zu begleiten und auf der an­deren Seite als kontinentales Zentralbüro in Nairobi autokratisch von oben nach unten eine Organisation am Leben zu erhalten, und das mit allen Engpässen - vor allem finanzieller Art - die jeder kennt, der länger in Afrika gearbei­tet hat. Breman stellt die erstaunlichen Fähig­keiten von Tokunboh Adeyemo heraus, der jetzt schon 21 Jahre Generalsekretär der AEA ist.

Für wen ist das Buch hilfreich? Missionare können in afrikanische Organisationskultur einen feinfühligen Einblick erhalten. Christli­che Leiter, die mit Afrikanern zusammenar­beiten, tun gut daran, sich durch die Disserta­tion Hintergrundinformationen über die Evan­gelikalen dieses Kontinents zu verschaffen. Vor allem aber sollten viele Leiter in Afrika dieses Buch zur Hand nehmen. Da das Werk sehr umfangreich (und für Afrikaner sehr teuer) ist, wäre es eine gute Möglichkeit dieses Buch bei Besuchen in Afrika als Geschenk mitzubringen.

Horst Engelmann, em 2000-1.

Brenton Betts, Robert. Christians in the Arab East. Lycabettus Press, Athen, zweite neu bearbeitete Auflage 1978.

Wie konnte es geschehen, daß die christli­che Kirche in den meisten Ländern des arabischen Nahen Ostens bis heute über­lebt hat? Warum ist es den Christen unter islamischer Herrschaft so viel besser ge­gangen als den Muslim in Spanien, Portu­gal oder Sizilien? Wie kam es, daß die Chri­sten im Libanon bei der einzigen Volks­zählung, die jemals stattgefunden hat, eine hauchdünne Mehrheit und damit die Macht im Staat bekamen? — Wer diese und viele andere Fragen über Geschichte und heutige Lage der christlichen Minderheitskirche im Nahen Osten beantworten möchte, der sollte zu Betts Buch greifen. Es ist eine hervorragend geschriebene und auch gut lesbare soziologisch-geschichtliche Darstel­lung, die inzwischen in Athen in der zwei­ten Auflage erschienen ist.

Klaus Fiedler, em 1985-2.

Bria, Ion; P. Chanson, J. Gadille, M. Spindler (Hg.), Dictionnaire oecumenique de missiologie: Cent mots pour la mission, (Association francophone oecumenique de missiologie), Paris/Genève/Yaoundé: Du Cerf/Labor et Fides/Cle, 2001.

Die Französischsprachige Ökuemenische Gesellschaft für Missionswissenschaft (Association francophone oecumenique de missiologie) hat bereits 2001 dieses Ökumenische Wörterbuch der Missiologie (hier abgekürzt DOEM) herausgegeben. Begonnen wurde die Arbeit bereits 1988 von Père Joseph Levesque und nach seinem Tod 1995 von Ion Bria, Philippe Chanson, Jacques Gadille und Marc Spindler weitergeführt und zum Abschluss gebracht. Das Buch trägt den Untertitel „Hundert Worte für die Mission“. Und tatsächlich sind es genau hundert Stichworte, unter denen das Thema der Mission wissenschaftlich von vielen Seiten her beleuchtet wird. Natürlich liegt der Vergleich mit dem Lexikon missionstheologischer Grundbegriffe, hg. von Karl Müller und Theo Sundermeier, 1987 (LMG) nahe. Hier waren es 110 Stichworte. Doch das vorliegende Werk ist keine Übersetzung, sondern eine eigenständige Arbeit. Die fränzösischsprachigen Autoren haben ihre eigenen Akzente gesetzt. Schon das erste Stichwort, das den Reigen der Begriffe eröffnet, „Adaptation“, sucht man im LMTG vergeblich. Das gleiche gilt für die Stichworte „Annonce de l´Evangile“, „Apostolicité de la mission“, „Eglises locales“, „Internationalisation de Missions“, „Liberté réligieuse“ „Plantation de l´Église“,“Syncretisme“ u. v. m. Interessant: den Artikel zu „Bibel und Mission“, den im LMG der Mitherausgeber des DOEM, Marc Spindler, geschrieben hat, verfasst hier eine andere Autorin. Das thematische Spektrum ist leicht anders gelagert als im LMG und reicht weiter in die Bereiche der Missionsgeschichte und -praxis hinein. Dafür fehlen spezialisierte Beiträge zu afrikanischer, chinesischer, indischer oder lateinamerikanischer Theologie oder den Glaubensmissionen wie im LMG. Jedem Artikel ist eine ausführliche Bibliographie und eine Übersicht verwandter Begriffe zugeordnet. Insgesamt sind 45 Autoren vorwiegend aus dem französischsprachigen Bereich an dem Werk beteiligt. Das Buch wird abgerundet durch ein Abkürzungsverzeichnis, ein Verzeichnis der Autoren, einen Sach- und Personenindex und schließlich ein Inhaltsverzeichnis. Das Werk ist eine wichtige Ergänzung zu den bisherigen missiologischen Nachschlagewerken und (nicht nur) für Französisch sprechende Missiologen unentbehrlich.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2006-1.

Brinkmann, Klaus (Hg.). Missionare und ihr Dienst im Gastland. Referate der Jahresta­gung 1997 des AfeM. edition afem - mission reports 5. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1998.

„Missionare und ihr Dienst im Gastland“ ist eine 175-seitige Fundgrube für Gäste und sol­che, die es werden wollen. In elf Referaten be­leuchten neun Missionspraktiker, wie der Ein­satz des Missionars gelingen kann. Dabei be­sticht die Erkenntnis, daß es weniger auf die fachlichen, als die persönlichen Qualitäten des Mitarbeiters ankommt. Beziehungsorientierte Charaktereigenschaften wie Humor, echte De­mut, Höflichkeit und Geduld sind auf lange Sicht wirkungsvollere Missionsmittel als ein projektorientiertes „Zack, zack, jetzt aber ran, die Zeit läuft“.

Gästebetrieb ist nicht immer eine einfache Sa­che, weder für den Gastgeber noch für den Gast: Im Land seiner Bestimmung angekom­men, spürt der Neuling (er wußte es schon vor­her), daß seine Kollegen aus der ganzen Welt kom­men und er sich nun an mindestens zwei Kul­turen anpassen muß, der des Gastlandes und der des Teams. Lohnt sich die Arbeit in inter­kulturellen Teams? Sie kann das effektiv­ste Team überhaupt sein, wenn einige Vorausset­zungen stimmen (S. 31, 121ff).

Was kann alleinstehenden Missionaren hel­fen, Anschluß ans Team zu gewinnen? Kinder­spielzeug mitnehmen! Aber nicht um fortan als Dauerbabysitter von den Missionaren ‘miß­braucht’ zu werden, sondern um freund­schaftlichen Kontakt zu ihnen zu bekommen. Sollen wichtige, die Arbeit betreffende Ent­scheidungen auf dem Feld oder von der Hei­matzentrale getroffen werden? Wenn möglich auf dem Feld, wie das Beispiel des Paulus zeigt (S.68-70). Wie sollen sich die Missionare bei massiven sozialen Ungerechtigkeiten wie Aus­beutung und Unterdrückung im Gastland ver­halten? Unbeirrt auf das Verkündigen des Evangeliums beschränken, oder politisch und sozial aktiv werden (S. 152ff)?

Auch für die gastgebende Kirche können die Gäste anstrengend sein:

So können sich viele Missionare einfach nicht daran gewöhnen, unangemeldet „nur so“ Besuche zu machen, obwohl das in manchen Kulturen unersetztlich ist. Einige unter ihnen sind so vielseitig begabt und packen derart viele Dinge erfolgreich an, daß sie damit ihre einheimischen Mitarbeiter erschlagen. Unge­wollt rauben sie diesen ihre Motivation und er­sticken ihre Eigeninitiative. Andere gehen so unbedarft mit ihrem Geld und ihren Gütern um, daß sie unbeabsichtigt die Blicke der Einheimi­schen auf ihren Besitz anstatt auf Jesus lenken.

Die Referenten zeigen nicht nur die Pro­bleme, sie versuchen auch anhand der Bibel und aus­gewählter Fallbeispiele Antworten zu geben. Bei aller Problemanzeige wird nicht vergessen, daß die Gäste nicht aus eigenem Antrieb in die Mission gehen, sondern von dem gesandt sind, der Fremdlinge und Gäste jetzt zu Mitbürgern und Gottes Hausgenossen machen will (Eph 2,19). Wer sollte dieses Buch lesen? Der heim­kehrende Missionar. Ihm kann es eine äußerst hilfreiche Anleitung sein, seinen Dienst kri­tisch zu überdenken. Aber auch der Missions­kandidat und die, die ihn für seinen Einsatz vorbereiten, werden profitieren.

Johannes Böker, em 1999-3.

Brugnoli, Carlo und Michèle. Erzählt es al­len Völkern. Ermutigende Perspektiven zum Thema Weltmission. Projektion J: Wiesbaden, 1995.

Die Autoren Carlo und Michèle Brugnoli sind Missionspraktiker, Leiter eines JMEM-Zen­trums in der Schweiz, die mit ihrem mis­siologischen Kompaktkurs herausfordern, an­stecken und begeistern wollen. In wohltuender Weise wird dabei die Dichotomie zwischen Missionaren im Ausland und Gemeindeglie­dern zu Hause überwunden. Alle werden ein­geladen zum gezielten Engagement für die Weltmission, zur kreativen Unterstützung von Missionaren sowie zur Weltmission vor der Haustür. Dabei liegen den Autoren besonders die unerreichten Völker am Herzen. Dies ist ein außerordentlich praktisches Buch. Kurze Gedanken zur Missionstheologie sind mit ein­drucksvollen Fakten und anschaulichen Erfah­rungsberichten kombiniert. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Gebet, insbesondere für die Be­kehrung von einzelnen Freunden. Andere Themen sind Evangelisation, Nacharbeit, ef­fektive Kommunikation sowie Kinder- und Ju­gendarbeit. Da das Buch als Werkbuch gestal­tet ist, wird jedes Kapitel mit einem Fragenka­talog abgeschlossen, der zum weiteren Nach­denken anregt. Freier Raum auf diesen Seiten lädt dazu ein, Antworten gleich niederzu­schreiben. Leider fehlt fundierte Bibelausle­gung. Es sind zu viele orthographische und Übersetzungsfehler verblieben, etliche Formu­lierungen sind altmodisch-fromm. Bei den spektakulären Berichten über umstrittene Großaktionen hätte ich mir mehr kritische Di­stanz gewünscht. Hier wird der Glaubensmut (Zukunftsoptimismus) deutlich, der von dem charismatischen Vorverständnis her zu verste­hen ist. Trotz dieser Unzulänglichkeiten ist das Buch wegen seiner Praxisnähe und engagierten Darstellung zu empfehlen.

Dr. Detlef Blöcher, em 1998-1.

Bürkle, Horst (Hg.). Die Mission der Kirche. AMATECA Lehrbücher zur katholischen Theologie Bd. XIII, Paderborn: Bonifatius, 2002.

In diesem Werk unternimmt der emeritierte Münchener Missionswissenschaftler Horst Bürkle in Zusammenarbeit mit 7 Mitverfassern, darunter 3 weitere Missiologen (Karl Müller, SVD, +2001), Arij A. Roest-Crollius, S.J., Horst Rzepkowsky, SVD, + 1996), 2 Soziologen (Anton Rauscher, S.J., Manfred Spieker) und 2 Dogmatikern (Bonaventura Kloppenburg, O.M.F., Leo Kardinal Scheffzyk) den begrüßenswerten Versuch, auf begrenztem Raum in wissenschaftlicher und doch gemeinverständlicher Form für den Gebrauch an Hochschulen, Gymnasien wie auch im pastoralen Bereich ein Kompendium vorzulegen, in dem alle Gebiete und Themen der christlichen Mission prägnant und informativ zur Darstellung kommen: ihre exegetische und dogmatische Begründung, ihre Geschichte, ihre Verbreitung auf allen Erdteilen und in den Kulturkreisen der Menschheit sowie in den Problemstellungen angesichts der religiösen, politischen und sozialen Herausforderungen der Gegenwart. Das Buch erscheint in der Reihe „Lehrbücher zur katholischen Theologie“, in welcher der Herausgeber bereits einen früheren Band (III) veröffentlicht hat, der sich mit den nicht-christlichen Religionen und deren theologischer Interpretation beschäftigt. Die beiden Bände ergänzen sich also gegenseitig. Kennzeichnend für die ganze, im Aufbau begriffene Reihe AMATECA (Associazione Manuali di Teologia Cattolica) ist, daß in ihr alle theologischen Disziplinen aus einer Perspektive behandelt werden, die sich entschieden der Autorität des römisch-katholischen Lehramtes unterstellt und dabei besonders dessen Verlautbarungen aus neuer Zeit seit dem II. Vaticanum und dem Pontifikat der letzten Päpste in z.T. umfangreichen Zitaten zu Worte kommen läßt. So nimmt im Personenregister der gegenwärtige Papst Johannes Paul II. mit 46 Verweisen mit Abstand den ersten Platz ein (vor 20 Hinweisen auf Publikationen des wichtigsten Mitverfassers Karl Müller, dessen 1985 erschienene Missionstheologie hier noch einmal aktualisierend ausgewertet wird).

Diese Orientierung an den lehramtlichen Aussagen bedeutet auch für den nicht-katholischen Leser einen zweifachen Gewinn: Zum einen gibt er dem Gesamtwerk angesichts der Vielzahl von Themen und Mitverfassern eine innere Geschlossenheit und Repräsentativität. Obwohl auch die gegenwärtige katholische Missionswissenschaft durch Spannungen zwischen einer konservativen (z.B. J. Amstutz und J. Dörmann) und einer progressiven Richtung (z.B. G. Collet und L. Rütti) beeinflußt ist, auf die auch gelegentlich verwiesen wird, werden so doch jene Einseitigkeiten vermieden, die manchen anderen, von der persönlichen Position des Verfassers bestimmten Monografien anhaften. Der Leser bleibt also nicht im Unklaren über die offizielle Haltung, welche die Kirche Roms hinsichtlich ihrer weltweiten Sendung einnimmt und wie sie in den Entscheidungen und Instruktionen zu den mannigfachen Problemen verbindlichen Ausdruck gefunden hat.

Der andere Vorteil dieser Anlage ist der, dass tatsächlich ein so gut wie vollständiges Spektrum missionarischer Aspekte des heutigen kirchlichen Weltengagements entfaltet werden kann. Denn die Aufgaben und Probleme der verschiedenen Teilkirchen in aller Welt sind durch die zentrale Koordinierung der gesamtkirchlichen Organe und die direkte päpstliche Aufsicht ständig präsent und werden in ihrer grundsätzlichen Bedeutung durchdacht, ob es sich etwa um die heute sehr im Vordergrund stehende Frage der Inkulturation von Evangelium und Kirche handelt, oder um das Engagement der Laien bei der Bezeugung der christlichen Botschaft in den mannigfachen Lebensbereichen, oder die Verbindung von Verkündigung und sozialpolitischer Verantwortung, oder den Dialog mit anderen Religionen und Welt-anschauungen oder auch die Neu-Evangeli-sierung einst christianisierter Völker in Europa und in den beiden Amerikas.

Trotz dieser bewusst angelegten kirchenamtlichen Perspektive bringt die Lektüre des vorliegenden Kompendiums auch dem evangelischen Leser, ob Fachwissenschaftler oder interessiertem Laien, echten Gewinn, und dies aus einem dreifachen Grund:

Erstens sind die missionarischen Herausforderungen der Welt sowohl in ihren religiösen als auch ihren säkularen Aspekten weithin die gleichen, so dass der evangelische Missiologe fast überall auf die auch ihn ständig beschäftigenden Fragen stößt.

Zweitens gibt es nach der vom II. Vatikankonzil bewirkten Entspannung im interkonfessionellen Verhältnis eine ökumenische Zusammenarbeit sowohl im wissenschaftlichen als auch im praktischen Bereich, letztere auf den einzelnen Kontinenten wohl im unterschiedlichem Maß, am wenigstens offenbar zwischen der Katholischen Kirche und den (von Kloppenburg summarisch so bezeichneten) „Nichtkatholiken“ in Lateinamerika! Fast alle Beiträge sind von einem ehrlichen Respekt vor den Leistungen auch evangelischer Missionare und Missiologen geprägt, was sich in den häufigen Rekursen auch auf protestantische Literatur bekundet.

Drittens, und das dürfte das Wichtigste sein: Die theologische Begründung der Mission aus dem Heilsratschluss des Dreieinigen Gottes, die in den Sendungen des Sohnes und des Geistes ihre grundlegende Verwirklichung und ihre Weiterführung in der Mission der Kirche findet, unterscheidet sich in den drei Hauptkonfessionen nicht mehr wesentlich. Deswegen kann sich K. Müller im zweiten Kapitel bei der alttestamentlichen und neutestamentlichen Begründung der Mission weithin auf evangelische Theologen wie J. Blauw, D. Bosch, F. Hahn, M. Hengel, O. Michel, A. Rétif und C. Stuhlmueller stützen.

Bei aller erfreulichen Gemeinsamkeit in der Missionsschau des vorliegenden katholischen Lehrbuchs können die verbleibenden Unterschiede nicht übersehen werden. So fällt dem Rezensenten als Erstes auf, dass in den Aufsätzen der Autoren, so weit sie protestantische Kollegen nicht nur erwähnen, sondern explizit zu Worte kommen lassen, der evangelikale Beitrag zur neuzeitlichen Missiologie relativ geringe Aufmerksamkeit findet. Das ist um so befremdlicher, als spätestens seit dem Aufbruch der Lausanner Bewegung, aber schon seit den sechziger Jahren, schon rein operationell der Löwenanteil zur heutigen Weltevangelisation einschließlich der Diakonie von evangelikalen Gesellschaften, Verbänden und einheimischen Kirchen geleistet und von einer beachtlichen missiologischen Literatur wissenschaftlich begleitet wird.

Hinsichtlich der theologischen Zielsetzung der Mission fällt auf, dass in konsequenter Entfaltung des Buchtitels die korporative ekklesiologische Dimension der Mission als eine der Kirche als ganzer gestellten Aufgabe und als ein zu ihrer weltweiten Gestaltwerdung führendes Werk bildet. Das gilt für alle Autoren, von Bürkles grundlegendem Beitrag über die „Mission der Kirche im religiösen und kulturellen Kontext der Gegenwart“ bis zu Manfred Spiekers abschließender Behandlung der Probleme der „Kirchen im postkommunistischen Transformationsprozeß“. Als die wesentliche Problematik betrachten sie dabei die „Inkarnation“, d.h. Verleiblichung der Kirche in den mannigfachen Kulturen der Menschheit. Gewiss würden heutige evangelikale bzw. reformatorische Missiologen diesen Aspekt ebenfalls einbeziehen. Aber als vorrangige Aufgabe der Mission würden sie der bis zu Paulus zurückreichenden Tradition folgen und mit diesem die soteriologische, d.h. die auf die Rettung der vom Evangelium noch unerreichten Menschen aus sündiger und dämonischer Gebundenheit und vor dem kommenden göttlichen Zorngericht herausstellen. Das haben einst - in inhaltlicher Parallele zu Gustav Warnecks Missionslehre – auch katholische Missions-wissenschaftler in der Münsteraner Schule (J. Schmidlin; Th. Ohm) in dem sogenannten „Konversionsmodell“ vertreten (vgl. Abschn. 3.6 „Die verschiedenen Modelle“, S. 111-114). Zu dessen Ablösung hat sicher nicht nur die Durchsetzung des „Plantationsmodell“ der Löwener Schule beigetragen, sondern heute sicher noch stärker die optimistische Beurteilung der Heilsmöglichkeit auch in den nichtchristlichen Religionen bzw. gar durch sie, wie sie aus den Dialog-Instruktionen des Vatikans sowie der Weitherzigkeit des jetzigen Papstes in seinem Umgang mit den Repräsentanten anderer Religionen (Assisi 1986 und 2002!) hervorzugehen scheint (Der von dem Münsteraner katholischen Missiologen Johannes Dörmann dagegen erhobene Einspruch wird in einer Anmerkung auf S. 156 zwar vermerkt, aber dezent zu entkräften versucht). Immerhin warnte gerade auch Johannes Paul II. selber (vier Jahre nach „Assisi I“) in seiner Missions-Enzyklika vor einer missbräuchlichen Zurückstellung der Verkündigungsaufgabe zugunsten eines neutralen interreligiösen Dialogs. Eine überzeugende Begründung der Notwendigkeit der Bekehrung sucht man jedoch in den Beiträgen des vorliegenden Buchs vergeblich, abgesehen von dem Aufsatz Leo Scheffzyks über die „Grundlagen der Reevangelisierung im Vatikanum II und in der päpstlichen Lehrverkündigung“. Er widmet den 3. Abschnitt dem Thema: „Das Zentrum der Neuevangelisierung: die Notwendigkeit der Umkehr“ (S. 333-338). Hier bildet den Hintergrund allerdings der von ihm beobachtete Verlust von Religion in der säkularistischen Gesellschaft und die mangelnde Spiritualität sogar in der Kirche selbst.

Ein weiterer theologischer Schwerpunkt, an dem sich evangelikale Missionstheologen von der hier dargelegten römisch-katholischen Position unterscheiden werden, ist die von ihnen mit Karl Hartenstein und Walter Freytag betonte eschatologische Ausrichtung der Mission als Wegbereiterin des wiederkommenden Herrn. Gewiß wird dieser biblische Aspekt, den K. Müller bei der Behandlung der paulinischen Missionstheologie (nach D. Senior und D. Bosch) als wesentliches Thema derselben nennt (S. 68), nicht übergangen. Aber er stellt für diese Autoren, ebenso wie für das kirchliche Lehramt, kein dringliches Motiv dar. Was sie davon abhält, ist einerseits die oft protestantisch-ökumenischerseits beschworene Furcht, dass Apokalyptik zur Lähmung der Weltverantwortung führe, andererseits der auffallende Geschichtsoptimismus in der missionarischen Planung , wie er ja von Papst Johannes Paul II. in zahlreichen Verlautbarungen und Aktionen im Blick auf das erwartungsvoll eingeläutete Dritte Millennium vertreten worden ist und noch wird.

Angesichts dieser innergeschichtlichen Zukunftshoffnung tritt - drittens - auch die für die biblische Reichs-Erwartung nach Röm 11,25 so zentrale Rolle des alten Bundesvolkes Israel zurück, so sehr im Sinne des heutigen, schuldbewußten Versöhnungsbemühens Roms auch positiv die heilsgeschichtliche Verbundenheit der Kirche mit Israel betont wird (S. 69). Erfreulich ist angesichts der sich gegenwärtig weithin durchsetzenden Diffamierung der Judenmission auf protestantisch/ökumenischer Seite die Aussage von Karl Müller (S. 69 f.), „dass die Juden immer ein Recht hatten und auch heute noch haben zu hören, dass Jesus der Christus ist, d.h. dass die Kirche als Folge davon ihrerseits das Recht und die Pflicht hat, das Evangelium auch den Juden zu verkündigen.“

Prof. em. Dr. Peter P. J. Beyerhaus, em 2002-4.

Burnett, David. Clash of Worlds. East-bourne: MARC 1990.

Dr. David Burnett ist der Leiter des Missionary Orientation Centre von WEC Inter­national in England und Fellow of the Ro­yal Anthropological Institute. Er war Mis­sionar in Indien und ist Autor von „God’s Mission: Healing the Nations” (1986) und „Unearthly Powers: A Christian Perspective on Primal and Folk Religions” (1988).

Dr. Peter Cotterell, Rektor des London Bible College, schließt sein Vorwort zu dem Buch: „Dies ist ein Buch für Leute, die be­reit sind nachzudenken; aber es verursacht dem, der es tut, keine unnötigen Kopf­schmerzen.“ Burnetts Stil ist klar und ver­ständlich. Als guter Lehrer illustriert er die wesentlichen Punkte mit Anekdoten und Beispielen. Das Buch behandelt ein einziges Thema: Weltbilder (‚worldviews’). „Die meisten von uns haben das Wort gehört. Wenige wissen, was es wirklich heisst. Hier ist die Antwort. Ich entsinne mich keines Buches, das so eindeutig und elegant dieses Thema behandelt.“ (Peter Cotterell). Bur­nett behandelt nach grundsätzlichen Aus­führungen die Weltbilder des Säkularismus, Animismus, Hinduismus, der Chinesen und des Islam. Er geht dann auf die Verände­rungen der Weltbilder ein (New Religions Movements, New Age Movement, Neo-paganism). Danach untersucht er die Grundsätze des christlichen Weltbildes, wie es andere Weltbilder transformiert und wie im Zusammenprall mit anderen Weltbildern das Evangelium sachgemäß bezeugt und verkündigt werden kann. Burnetts Anliegen ist, Christen zu helfen, im Konflikt der Weltbilder die andere Seite und das eigene Weltbild zu verstehen. Erst dann ist eine echte Kommunikation des Evangeliums möglich.

Dietrich Kühl, em 1991-3.

Burnett, David. Dawning of the Pagan Moon. Eastbourne: MARC, 1991.

Dr. David Burnett ist „Fellow of the Royal Anthropological Institute” und vom WEC Inter­national als Dozent an das All Nations Chri­stian College in Ware, Hertfordshire ausgeliehen. Er ist Autor von God’s Mission: Healing of the Nations (1986), Unearthly Powers: A Christian Perspective ofPrimal and Folk Religions (1988) und Clash of Worlds (1990).

Bumett möchte in seinem Buch zeigen, daß
Okkultismus und Esoterik nicht nur eine Rand­erscheinung unserer westlichen Gesellschaft sind. Die Wiederbelebung alter germanischer Religionen hat zu einer neuen religiösen Be­wegung geführt. Der Autor macht dies am Bei­spiel Großbritanniens deutlich.

An eine kurze Einführung über die religiö­sen Vorstellungen der Kelten und Angelsach­sen schließen sich Ausführungen über Esoterik und Magie im Mittelalter und in der Neuzeit an. Der erste Teil schließt dann mit einer Un­tersuchung über die Hintergründe und Ent­wicklungen der neueren „Pagan Revival“.

Der zweite Teil geht auf Zusammenhänge zwischen der Göttin Gaia [Erde] und dem Fe­minismus und ökologischen Bewegungen ein. Den Abschluß des zweiten Teiles bildet ein Kapitel über CG. Jungs Psychologie, Mircea Eliade und ihre Verbindungen zur modernen Belebung des Heidentums in der christlichen Welt.

Ein dritter Teil geht auf die Magie und ihre Verbindung zur Religiosität ein und bespricht auch die verschiedenen Feste im Zusammen­hang mit dem Jahreszyklus und dem Lebens­zyklus.

Ein vierter Teil untersucht die Frage, wer eigentlich von dieser neuen religiösen Welle erfaßt ist. Es wird deutlich, daß das Neuhei­dentum nicht nur irgendwelche Randsiedler er­faßt, sondern mittlerweile eine große Gefolg­schaft auch in der Mittelklasse und unter den Intellektuellen hat.

Ein letzter Teil geht auf die Haltung der Ge­sellschaft zu denen ein, die offen dem neuen Heidentum angehören. Danach wird die Rolle des Mythos füf den Glauben untersucht. Den Abschluß bildet eine biblische Antwort auf das Phänomen der „Pagan Revival“. Ein Nachwort an die neuheidnischen Leser, eine Liste mit 73 heidnischen Zeitschriften in England und ein Index runden das Buch ab. Mit fast 10 £ ist das Buch deutlich teurer als die anderen Bücher von David Bumett.

Dietrich Kühl, em 1993-1.

Burrows, William R. Redemption and Dialo­gue: Reading Redemptoris Missio and Dialo­gue and Proclamation. Maryknoll/New York: Orbis Books, 1994.

Wenn der bekannteste Vertreter der Christen­heit, Papst Johannes Paul II., sich zum Thema Mis­sion äußert, ist das zweifelsohne für Mis­siologen interessant. In dem Buch „Redemption and Dia­logue“ veröffentlicht der frühere Missionar und heutige Leiter des Or­bis-Verlags, William Bur­rows, zwei wichtige katholische Dokumente zur Mission. In Teil I und II werden die vollständigen Texte der En­zykliken „Redemptoris Missio“ und „Dialogue and Proclamation“ zum ersten Mal auf englisch zugänglich gemacht. Beide Dokumente werden von ausführlichen Kommentaren katholi­scher Missionswissenschaftler begleitet. In einem dritten Teil folgen Stellungnahmen verschiede­ner Missiologen aus aller Welt, die die Schwä­chen und Stärken der Verlautbarungen kritisch be­leuchten.

Dank des durchdachten dreiteiligen Aufbaus er­hält man ein gutes, abgerundetes Bild über In­halt und Bewertung der Dokumente. Die bei­den Verlautbarungen des Vatikans sind nach einem langen Entstehungsprozeß ausgewogen, aber auch an manchen Stellen etwas unklar. Man erkennt, daß der Vatikan über fähige Theologen verfügt und daß Papst Johannes Paul II. die ‘Missio ad Gentes’ bzw. ‘Neu-Evangelisierung’ ein echtes Anliegen ist. Al­lerdings ist aber auch die katholische Be­trachtungsweise unübersehbar. Hervorragend untersucht und geschrieben sind die Kommen­tare von Marcello Zago, O.M.I. und Jacques Dupuis, S.J., eher durchschnittlich die neun Kritiken von den unterschiedlichsten theologi­schen Gesichtspunkten aus. Für besonders ge­lungen halte ich die beiden Kritiken von Eric J. Sharpe und Jack Voelkel; letztere aus evange­likaler Feder.

Insgesamt handelt es sich um ein lesens­wertes, manchmal etwas langatmiges Buch, wenn man sich für Missionstheologie interes­siert. Ge­samtnote: gut.

Martin Sachs, em 1997-3.

Bush, Luis and Larry Lutz. Partnering in Ministry: The Direction of World Evangelism. InterVarsity Press: Downers Grove (IL), 1990.

PartnersInternational/ChristianNationals Evangelism Commission, dessen Präsident der Süd­amerikaner Luis Bush ist, ist eine weltweit operierende Organisation, die mit Kirchen und evangelikalen Zusammenschlüssen in Mis­sionsländern Partnerschaften eingeht, um die­sen Spendengeldern vorwiegend aus den USA zur Verfügung zu stellen, die diese Kirchen und Zusammenschlüsse selbständig verwalten und einsetzen. Bush und der Verantwortliche von PI für Publikationen, Larry Lutz, legen in die­sem Buch eine umfassende Begründung vor, warum sie eine solche Partnerschaft als den einzigen in der Zukunft gangbaren Weg anse­hen, der den Kurs der Weltevangelisation ent­scheidend verändern könnte. Anhand von vie­len Beispielen wird erläutert, wie Partnerschaft zwischen Missionsgesellschaften und einheimischen Kirchen und Zusammenschlüssen aussehen kann und wie Missionsgesellschaften die Verantwortung an einheimische Christen abgeben können, ohne sich deswegen völlig zurückziehen zu müssen. Die Autoren befür­worten im Gegenteil, daß Missionsgesellschaf­ten unbedingt weiter zur Verfügung stehen sollten, um die von den einheimischen Mitar­beitern erkannten Lücken unter deren Leitung zu füllen. Auch wenn ich das Buch wärmstens empfehlen möchte, sei eine kritische Rückfrage erlaubt. PI läßt zwar den einheimischen Part­nern die Freiheit zu entscheiden, wie die Gelder eingesetzt werden, erwartet aber offensichtlich ein hohes Maß an häufigen Rechenschaftsbe­richten, was damit begründet wird, daß man sich auf glaubwürdige Organisationen be­schränken will und den Spendern gegenüber verpflichtet sei. Nun ist so etwas innerhalb der amerikanischen Kultur durchaus normal. Wird das aber von den auf diese Weise doch ein Stück weit überwachten Organisationen noch als Partnerschaft empfunden? Gibt es keine den entsprechenden Kulturen besser angepaßten Kontrollmöglichkeiten als monatliche schriftli­che Berichte an eine internationale Zentrale? Ich gestehe aber zu, nicht die Erfüllung der Verträge in der Realität zu kennen, die ja wesentlich partnerschaftlicher sein kann, als der Eindruck, der bei mir durch die schriftliche Darstellung geweckt wurde. Es wäre sicher interessant zu erfahren, wie die ‘Betroffenen’ die Überprüfung und Überwachung empfinden.

Thomas Schirrmacher, em 1994-2.

Carey, S. Pearce. William Carey: Der Vater der modernen Mission. CLV: Bielefeld, 1998.

Endlich erscheint nach mehreren Jahrzehn­ten wieder eine Biographie des Vaters der mo­dernen Weltmission in deutscher Sprache und zum ersten Mal eine ausführliche. Es handelt sich aller­dings nicht um die Übersetzung einer neueren englischen Biographie, sondern der sehr erfolgrei­chen, 1923 erschienen und 1934 zuletzt korrigierten populären Biographie von Careys Urenkel, die zwar keine kritischen Töne enthält und natürlich die erst nach dem 2. Weltkrieg einsetzende Careyforschung nicht berücksichtig, dafür aber auf viele bis dahin unbekannten Familiendoku­mente zurückgriff. Dennoch sollte die Biographie weite Verbrei­tung finden, zumal sie durch den für ein ge­bundenes Buch sehr günstigen Preis besticht und ein ideales Geschenk in Missi­onskreisen sein dürfte. Die Übersetzung von Benedikt Pe­ters ist ausgezeichnet und flüssig zu lesen, die Aufmachung mit Fotos und das Schriftbild las­sen nichts zu wünschen übrig. Typisch für die Biographie ist, daß sie theolo­gische Fragen und eine theologische Einord­nung Careys prak­tisch völlig unterläßt, was je­doch praktisch für die gesamte Carey-Literatur gilt. Lediglich Peter Masters verweist in sei­nem Vorwort darauf, daß Carey und seine Mit­arbeiter „überzeugte Calvini­sten“ waren. Ein Anhang mit kurzen Hinweisen zu 54 Jahren Forschung seit der letzten Überar­beitung der englischen Ausgabe und mit Hinweisen zu Ca­reys theologischem Standort wäre des­wegen wünschenswert. Bei dieser Gelegenheit könnte man auch statt reiner Verweise auf engli­sche Literatur deutsche Lite­ratur nennen, insbeson­dere die in der edition afem erschienene deut­sche Übersetzung von Careys Hauptwerk!

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1999-3.

Carpenter, Joel A. und Wilbert R. Shenk. Earthen Vessels. American Evangelicals and Foreign Missions, 1880-1980. Eerdmans: Grand Rapids, 1990.

Dies ist ein Buch, das Fakten ins rechte Licht rückt: Zum einen nimmt es endlich die Tatsa­che wahr, daß seit den 50er Jahren die Mehr­heit (heute wohl 90%) aller amerikanischen Missionare evangelikal ist (S.317). Zum ande­ren sieht es realistisch, daß die Geschichte der evangelikalen Missionsbewegung (neben der Geschichte der Frauen in der Religion) zu den am meisten vernachlässigten Themen der ame­rikanischen Kirchengeschichtsforschung der neueren Zeit gehört, gleich, ob bei evangelikalen oder nicht evangelikalen Historikern (L. Sweet, S.317). Obgleich Evangelikaie nach 1945 bedeutende Beiträge zur Missionsliteratur geleistet haben (Shenk, S.317-334), gehört die Missionsgeschichte (neben Missionstheologie und dem christlichen Zeugnis gegenüber nicht-christlichen Religionen) zu den vernachlässig­ten Bereichen.

Eine Geschichte der evangelikalen amerika­nischen Missionsbewegung ist noch nicht ge­schrieben (wohl auch für kein anderes Land), aber Earthen Vessels als Sammelband bemüht sich, Schneisen zu schlagen, Informationen zu bieten und Entwicklungen aufzuzeigen. Da die religiöse Welt Amerikas uns weitgehend unbe­kannt ist - die in manchen Kreisen übliche Standardpolemik gegen die „fundamentalisti­schen Fernsehevangelisten“ und die „electronic church“ hilft da auch nicht weiter - und die Amerikaner zugleich den weitaus größten An­teil am evangelischen Missionspersonal stellen, vermittelt das Buch wesentliche Einblicke in amerikanische Missionstheologie und damit zugleich auch in prägende Kräfte der heutigen (zumindest der evangelikalen) Missionsbewegung.

Earthen Vessels wird durch einen Aufsatz von Andrew Walls, Edinburgh, über die ame­rikanische Dimension in der Geschichte der Missionsbewegung eingeleitet. Die anderen Autoren sind Nordamerikaner oder leben in Nordamerika. Nicht englischsprachige Literatur nehmen sie nur insofern wahr, als sie in engli­scher Übersetzung vorliegt (zB. Peter Beyer­haus S.330; Klaus W. Müller S.320).

Die Aufsätze können in drei Gruppen zusammengefaßt werden. Zuerst die historischen Arbeiten. Dana L. Roberts stellt anhand der für die Glaubensmissionen so wichtigen Theologie A.T. Piersons und A.J. Gordons die Bedeutung der prämillennialen Eschatologie für die Glaubensmissionen besonders und für die evangelikalen Missionen insgesamt dar. Joel A. Carpenter stellt ua. die Bedeutung der Heiligungsbewegung für die Glaubensmissionen dar (S.117ff). Dagegen wird das für die Glaubensmissionen we­sentliche Kirchenverständnis der Brüderbewe
gung nicht thematisiert, obwohl George Müller gelegentlich erwähnt wird. Alvyn Austins Artikel über Henry W. Frost, den Gründer des nordamerikanischen Zweiges der China Inland Mission führt den Leser an die allerersten Anfänge der für Glaubensmissionen so wichtigen Intemationalisierung, vermittelt zu­gleich wertvolle Einblicke in das Verhältnis der evangelikalen Missionen zum historischen Fundamentalismus, indem er zeigt, wie die CIM, die in keiner Weise als Protest gegen li­berale Missionen oder Theologie gegründet worden war, in Nordamerika zu einem wichti­gen Faktor in der theologischen Auseinander­setzung zwischen „liberalen“ und „konservati­ven“ (damals fundamentalistisch genannten) Kräften wurde.

Direkt der Missionstheologie (dem zweiten Bereich) ist Charles Van Engens Artikel ge­widmet: A Broadening Vision: Forty Years of Evangelical Theology of Mission, 1946-1986. Typisch für den dritten Bereich ist Orlando E. Costa’s Artikel: Evangelical Theology in the Two-Thirds World.

Das Buch ist das Ergebnis einer Konferenz: „A Century of World Evangelization: North American Evangelical Missions, 1886-1986“, die im Wheaton College, nicht weit von Chicago, stattfand. Es wäre gut, wenn solch eine Konferenz mit dem Ziel, ein ähnliches Buch zu schaffen, auch einmal für den deutschsprachigen Raum stattfinden könnte.

Klaus Fiedler, em 1993-4.

Carson, D.A. (Ed.). Telling the Truth: Evangeliz­ing Postmoderns. Grand Rapids: Zondervan, 2000.

Dieser theologisch und praktisch inspirierende Sammelband zum Thema Evangelisation in der Postmoderne dokumentiert eine Konferenz, die 1998 an der Trinity Evangelical Divinity School in Deerfield bei Chicago stattfand und darüberhinaus u.a. von der Intervarsity Fellowship, Campus für Christus, den Navigatoren und dem Billy-Graham­Center getragen wurde. Herausgeber ist der be­kannte evangelikale Neutestamentler Donald Car­son (ebenfalls Trinity), der bereits mit einer umfas­senden Analyse der pluralistischen Postmoderne in The Gagging of God (Zondervan 1996) sein Herz für Evangelisation in diesem Kontext offengelegt hat. Das Buch erschließt das Thema in 8 Teilen. Im 1. Teil (Opening Plenaries) führt Ravi Zacharias in das Thema ein, bleibt aber eher an der Oberfläche. Im 2. Teil (The Challenge) wird die Herausforde­rung des religiösen Pluralismus (H. Netland) und die Epistemologie der Postmoderne (Hink-son/Ganssle) analysiert. Der 3. Teil (Critical To­pics) bewegt sich dann ins Zentrum wesentlicher Fragestellungen zur Evangelisation in der Postmo­derne. James Sire („Why should anyone believe anything at all“) macht deutlich, dass die Frage nach Wahrheit auch für postmoderne Menschen relevant bleibt. Mark Dever analysiert das evange­listische Reden von Sünde in der Postmoderne. Phillip Jensen und Tony Payne beschreiben eine praktische und biblisch fundierte Methode („Two ways to live“), das Evangelium in einem post­christlichen Kontext mit prägnanten Illustrationen zu formulieren und persönlich zu kommunizieren. Im 4. Teil (Crucial Passages) werden zwei wichti­ge Bibeltexte näher untersucht (John Nyquist, Die Rechtfertigung des Sünders nach Römer 3 und Colin Smith, Die Aufgabe des Botschafters nach 2. Kor. 5,11-21). In Teil 5 (Church, Campus, Ethnici­ty) werden besondere Zielgruppen ins Auge ge­fasst: Afro-Amerikaner, asiatische Amerikaner und Studenten. Um die Beziehungsebene der Evangeli­sation geht es in Teil 6, in dem mit Robert Cole­man (The Lifestyle of the Great Commission) ein Klassiker zu Wort kommt. Teil 7 bringt Erfah­rungsberichte und Strategien vor allem aus den Bereichen Studenten- und Jugendarbeit. Schließ­lich sind in Teil 8 die Schlussreferate von A. Fer­nando („The Urgency of the Gospel“) und D. Car­son („Athens Revisited“) dokumentiert. Hier findet sich viel inspirierendes Material, das aufgrund seiner oft grundlegenden Natur auch für den euro­päischen Kontext relevant ist. Die wesentlichsten Beiträge jedoch finden sich m.E. in Teil 3. Einen Nerv der Thematik trifft hier Mark E. Dever, Pastor einer Baptistengemeinde auf dem Capitol Hill in Washington D.C. in seinen Beitrag „In einer postmodernen Welt von Sünde reden“, den ich darum im Folgenden ausführlicher darstelle. Jan ist postmodern, hält sich für sündlos und christlich: „Jeden Tag werde ich neu erschaf­fen, jeder Tag ist ein Neuanfang - frisch und rein. Ist das nicht die biblische Botschaft der Gnade Gottes?“ Auf die Frage, was denn mit dem Kreuz Christi, dem Zorn Gottes und der Notwendigkeit der Vergebung der Sünde von der Jesus gespro­chen habe sei, antwortete Jan: „Damit kann ich nicht viel anfangen“. Mit dieser Begebenheit er­öffnet Mark E. Dever seinen aufschlussreichen Aufsatz, in dem er aufzeigt, dass im postmodernen Denken (das auch das Alltagsdenken der meisten Menschen heute geworden ist) Sünde keinen Sinn macht, weil es weder einen allgemeinen Sinn des Lebens (Metanarrativ) gibt, gegen den man versto­ßen könnte noch einen göttlichen personalen Sinn­stifter, dem gegenüber man verantwortlich wäre. Für die Evangelisation bedeutet das nach Dever ein vierfaches: 1. Kommunikation: die Wirklichkeit von Gut und Böse, die in Gottes Person verankert ist (und nicht nur ein „modernes“ Metakonzept ist) kann kommuniziert werden. Auch postmoderne Menschen empfinden Ungerechtigkeit und Bos­heit. Es kann für sie befreiend sein, nun auch eine kognitive Kategorie für diese Realität zu verstehen. 2. Gemeinschaft: Auch der postmoderne Mensch, lebt in Beziehungen, die Verantwortlichkeit erfor­dern. Er kann dieser Realität nicht entkommen. Die biblische Überzeugung, dass jeder Mensch im E­benbild Gottes erschaffen ist und damit wert, gut behandelt zu werden, bietet eine wirkliche Grund­lage für Gemeinschaft und lässt sie gelingen. Das sehen und erleben postmoderne Menschen. 3. Ge­wissen: Auch wenn postmoderne Menschen nicht an eine Persönlichkeit glauben, haben sie ein Ge­wissen - denn auch sie sind nach Gottes Bild er schaffen. Christen sollten hier Mut haben und sich nicht ängstlich verstecken, auch wenn ihre Über­zeugungen nicht up-to-date erscheinen und belä­chelt werden. A. Huxley spricht für viele, wenn er zugibt, dass die Überzeugung von der Sinnlosig­keit des Lebens ihm größere sexuelle Freiheiten zu ermöglichen schien. Hilfreich ist J. Bunyans Er­zählung The Holy War: Die Macht in der Stadt Menschenseele wird von dem falschen Prinzen Diabolos usurpiert, der nun die ganze Stadt be­herrscht. Nur der Stadtschreier Alter Mann Gewis­sen bricht manchmal aus und rast wie wahnsinnig durch die Straßen und schreit: Diabolos ist ein Lügner. Prinz Immanuel ist der wahre König von Menschenseele. Doch er wird immer wieder einge­fangen und zur Ruhe gebracht. 4. Bekehrung: Trotz aller schlauen Theorien, Evangelisation in der Postmoderne ist entmutigend. Nur Gott selbst kann neue, wahre Überzeugungen und ein neues Leben in Menschen schaffen. Auch wenn wir die Postmoderne nicht in allem verstehen - wenn wir das Evangelium kennen und weitergeben, dann gehören wir zur Kirche der Zukunft. Erwähnenswert ist auch der Beitrag von Michael P. Andrus, der dafür pädiert, dass das Ziel der E­vangelisation nicht nur die „Decisions for Christ“ als vielmehr die „Disciples of Christ“ sein sollten. In seinem Artikel „Conversions beyond mere Reli­gious Preference“ betont er die Notwendigkeit theologischer und ethischer Substanz im Prozess der Umkehr von einem Leben der Selbstgefällig­keit zu einem Leben in der Nachfolge Christi. Be­kehrung müsse verstanden werden als ganze Le­benshingabe an die Wahrheit christlicher Weltan­schauung und die Wirklichkeit eines christlichen Lebenstils. Angesichts der kulturellen Bedeutungs­losigkeit von Taufen in einer baptistischen Kultur (USA), sei darum eine Zeit der Bewährung der Taufe vorzuschalten.

Das Buch will kein umfassendes Kompendium zur Evangelisation sein (dazu würde z.B. eine Diskus­sion des brit. Konzepts der „Alpha-Glaubenskurse“ u.a.m. gehören), sondern eher eine Momentauf­nahme der Ergebnisse der Konferenz in Deerfield. Das wesentliche Anliegen des Sammelbandes ist es, einen von der biblischen Wahrheit geprägten Ansatz der Evangelisation im Kontext der Postmo­derne zu durchdenken und praktizieren zu helfen (vgl. den Titel des Buches). Alle Autoren werden vorgestellt, jeder Beitrag ist mit einer kurzen Bib­liographie versehen, was hilfreich ist. Weniger sinnvoll scheint es, dass die (eher wenigen) Fußno­ten erst ganz am Ende des Buches nach Kapiteln getrennt erscheinen. Das macht das Auffinden sehr unbequem. Erschlossen wird dieser empfehlens­werte Sammelband durch einen Themen-, Perso­nen- und Schriftstellen-Index.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2004-1.

Christen in islamischen Ländern. Hg. v. Re­ferat für Mission, Ökumene und Kirchlichen Entwicklungsdienst des Ev. Oberkirchenrat der Ev. Landeskirche in Württemberg, Stuttgart 1993, 84 S. In beschränkter Auflage erhältlich gegen Schutzgebühr von DM 10.00 plus Porto bei: IMATEL, z. Hd. Frau Rudolf, Ev. Presse­haus, Theodor-Heuss-Str. 23, D-70174 Stutt­gart.

Von einem in England lebenden Theologen aus einem mehrheitlich islamischen Land stammt dieser Bericht für die württembergische Lan­dessynode über die Lage der Christen in Ägyp­ten, Malaysia, Nigeria, Pakistan, Saudi-Arabi­en, Sudan und Türkei. Über die Länderberichte hinaus wird über die allgemeinen Hintergründe der Diskriminierung von Christen in islami­schen Ländern und die Verhaltensmöglichkei­ten der betroffenen Christen informiert. Ab­schließend werden zehn Empfehlungen für Christen in westlichen Ländern gegeben. Die erschütternden Berichte sind durchwoben von Bezügen zum christlichen Zeugnis in diesen Ländern.

Clarke, Peter B. Atlas der Weltreligionen. Entstehung, Glaubensinhalte, Entwicklung. München: Fredering & Thaler, 1995 - 2. Aufl.

Oliphant, Margaret. Atlas der Alten Welt. Eine atemberaubende Reise zu den Hoch­kulturen der Menschheit. München: Fredering & Thaler, 1994 - 2. Aufl.

Die aufwendige farbige Gestaltung mit Fo­tos, Karten, Graphiken, Übersichten und Kasten­texten gehört zum besten, was es zum Thema Religionen und Kulturen gibt. Die bei­den At­lanten sind dabei pädagogisch hervorra­gend aufgearbeitet und für die Aufmachung sehr preisgünstig. Die große Fülle des Stoffes wird neben dem Haupttext auf viele kleinere Texte, Begriffserklärungen und Bild­beschriftungen leicht lesbar aufgeteilt. Im Re­ligionsatlas werden die zehn größten Weltreli­gionen ausführlich vorgestellt. Viele weitere Religionen werden in einem Lexikon im An­hang vorgestellt. Die Darstellung erfolgt meist durch einen Wissenschaftler, der der je­weiligen Religion angehört, ist dafür aber sehr sachlich und auf dem neuesten Stand. Der Atlas der Alten Welt beschreibt Meso­potamien, Ägyp­ten, Persien, Europa, Grie­chenland, die Römi­sche Welt, Indien, China und Nord-, Mittel- und Südamerika. Er ist da­mit einerseits für Bi­bel­leser von Interesse, an­dererseits aber auch für jeden, der mit den Nachfahren dieser Hoch­kulturen zu tun hat und sich eingängig über de­ren Kulturleistungen informieren will.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-4.

Clauss, Mechthild. College in Koyom: Lehren und Lernen im Tschad. Erlangen: Verlag der Evangelisch-Lutherischen Mission, 1992.

Die Afrika-erfahrene Pädagogin erzählt über Erlebnisse als Lehrerin an einem College im südlichen Tschad. Neben persönlichen Erfah­rungen verarbeitet sie in meist kurzen, gut les­baren Kapiteln vor allem Aufsätze ihre Schüler, in denen sich deren Denken und Konflikte widerspiegehi. Letztere liegen immer wieder in der Spannung zwischen traditionellen Werten und erstrebtem Fortschritt. Das Kapitel „Gesetz und Gewissen“ gibt einen lesenswerten und praktischen Einblick in die Problematik um Schuld-und Schamorientierung, in einem anderen Kapitel geht es um „Brautpreis-Sit­ten“. Es kommen auch immer wieder Anforde­rungen zur Sprache, die das Leben und Lehren in einer solchen Umgebung an eine Lehrerin aus Europa stellen.

Hilfreich ist auch der kurze Überblick „Grundinformationen über den Tschad“ am Ende des Buches, abgefaßt vom Direktor des College. Der Leser erhält auf wenigen Seiten die wichtigsten Informationen über die jüngere Geschichte sowie gegenwärtige politische, wirtschaftliche und soziale Lage krisenge­schüttelten Landes.

Alles in allem bietet das anschaulich und erfrischend geschriebene Buch eine guten Ein­blick in Denken und Leben der südtschadischen Landbevölkerung sowie damit gegebenen Her­ausforderungen für die Pädagogik. Es ist lesenswert für jeden, der beabsichtigt, in einem afrikanischen Land als Pädagoge tätig zu sein, aber auch für solche, die sich allgemein für die Denkweise der schwarzafrikanischen Bevölke­rung im Spannungsfeld von Tradition und Fortschritt interessieren.

Christof Sauer, em 1995-4.

Clemm, Volker (Hg.). Mission kreativ: im persönlichen Umfeld, in unserem Land, in der ganzen Welt. Wuppertal: Brockhaus, 2002.

Diese Rezension ist längst überfällig, denn das Buch erschien bereits 2002. Überflüssig ist sie keinesfalls, denn das Buch bietet eine Vielzahl von zwar kurzen, aber durchaus tiefgehenden und praktischen Perspektiven zur Weltmission. Der Herausgeber ist seit 1998 verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Missionshauses Bibelschule Wiedenest aus dessen Umfeld auch fast alle Autoren stammen. Das Buch hat drei Teile. Im ersten Teil geht es um die Person des Missionars: „Jetzt bist Du dran“ (S. 4-68). Themen wie Berufung, Begabung, Einsatz-möglichkeiten und Herausforderungen des Missionarsberufs stehen im Mittelpunkt. Unter der Überschrift „Karriere mit Gott“ entfalten Missionare aus drei Kontinenten ihren Berufs-weg als Berufungsweg mit Gott. Zum Beispiel Matthias Drochner, ursprünglich Pilot und Fluglehrer, jetzt Bibelschullehrer in Peru, fragt: „Kann ich überhaupt ‚Karriere mit Gott machen‘? Ich denke, ja. Aber wenn es schon um den Dienst für Gott geht, sollte ich auch Gottes Definition von Karriere und Erfolg gelten lassen“ (S. 37). Erfolg wird hier neu definiert als Treue, Gehorsam, Dienst, Liebe, Glaube und Gebet. Grundlage für die geistliche „Karriere“ im Missionarsberuf ist für Drochner folgerichtig die geistliche Berufung durch Gott. „So eine Berufung kann der Einzelne als gefühlsmäßig eindrückliches Geschehen erleben oder in einem mehr analytischen Prozess der Reflexion“ (S. 37). Die Berufung gibt Halt angesichts von Durststrecken, Selbstzweifeln und Angriffen von anderen. Ralf Kaemper setzt sich in seinem Beitrag „Warum ich nicht in die Mission gegangen bin“ erfrischend nüchtern und kritisch mit bestimmten Berufungsverständnissen (Gott hat mich genau in dieses Land berufen) und pauschalen Appellen zur Mission im Ausland (Stichwort: Fußtritt statt Ruf) auseinander. Er plädiert für eine nüchterne Bestandsaufnahme der eigenen Fähigkeiten: „Nicht jeder ist für jede Situation und für jedes Land geeignet“ (S. 67). Es wird deutlich, dass das Hören und Vertrauen auf Gott und möglichst nüchterne und realistische Wahrnehmungs- und Entschei-dungsprozesse im Bereich Berufung und Führung zusammengehören.

Der zweite Teil des Buches „Worum es bei Mission eigentlich geht“ (S. 69-138) beleuchtet wichtige Themen der Weltmission. Ernst Schrupp bindet eigene biographische Erfah-rungen in seine Reflexion des Ziels der Weltmission ein, nämlich die „Mobilisierung der ganzen Gemeinde, d.h. aller Gemeinden in allen Ländern zur Weltmission“ (S. 71), um das Evangelium unter allen Völkern und Menschen bekannt zu machen – weltweit und in Deutschland. C. Stenschke zeigt biblisch-theologisch die Einbindung des Menschen in die Mission Gottes als persönlicher Auftrag und Verheißung auf. Grundlagen und Erfahrungen der Gemeindegründung werden in Beispielen aus Meckenburg-Vorpommern, Tansania und Nepal präsentiert. K. Brinkmann reflektiert über die „Zukunft der Mission“ und bietet nachdenkenswerte Perspektiven, u.a. über zunehmende Widerstände und Leidens-bereitschaft, Mission durch Migration, neue Möglichkeiten durch Kurzzeiteinsätze und den missionarischen Aufbruch in der Dritten Welt. Grundsätzlich wird die Bedeutung der Wiederkunft Jesu als Triebfeder der Mission betont.

Der dritte Teil bietet „Tipps für deine Gemeindearbeit“ (S. 139-190). Eine neu gegründete Gemeinde in Neubrandenburg berichtet, wie sie von Anfang an den weltmissionarischen Horizont einbezog und trotz geringster finanzieller Ressourcen einen Missionar in Pakistan als „global player“ unterstützt. Es finden sich weiter: Bausteine zum Predigen über Weltmission, für einen Jugendkreis, für Kinderarbeit. Das Buch schließt mit einem Serviceteil (S. 191-207) mit nützlichen Adressen und Literaturhinweisen. Fazit: ein vielseitiges, informatives und motivierendes Praxis-Buch für junge Leute (und ihre Lehrer/Leiter), das auch theologische und missiologische Themen einbezieht und den Mut mitbringt, kontroverse und sich ergänzende Sichten (z.B. Berufung) zu thematisieren.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2007-1.

Collier, Richard. Der General Gottes - Wil­liam Booth. Die Geschichte der Heilsarmee. Verlag der St. Johannis Druckerei, Lahr-Dinglingen.

Als CT. Studd und seine Braut Priscilla Ste­wart 1888 den Rest ihres gewaltigen Ver­mögens verschenkten, erhielt William Booth davon den größten Teil; schon vorher war die Heilsarmee für die Ausweitung ihrer Arbeit in Indien mit 5000 Pfund bedacht worden. Dies ist nur ein Beispiel von vie­len für die engen Beziehungen, die in den ersten Jahrzehnten zwischen der Heilsarmee und vielen interdenominationellen Glaubens­missionen bestanden und die auf gemein­same Wurzeln in der Heiligungsbewegung zurückzuführen sind. Deswegen ist dieses Buch für alle, die sich für evangelikale Mis­sionsgeschichte interessieren, eine hilfreiche und spannende Lektüre. Collier beschreibt eindrucksvoll die Arbeit William Booths, seiner Frau Catherine, einer großen Predi­gerin, und ihrer Kinder, von denen zwei, Bramwell und Eva, später Generale der Heilsarmee wurden. Danach wird das Buch allerdings dem Anspruch, eine Geschichte
der Heilsarmee zu sein, wie es der Unter­titel sagt, nicht mehr gerecht. Es bleibt eine Biographie. Daß das Buch keine Fußnoten hat, kommt der leichten Lesbarkeit zugute; daß es aber keine Quellenangaben macht, ist Sparsamkeit am falschen Platz.

Klaus Fiedler, em 1987-1.

Conrad, Christa. Der Dienst der ledigen Frau in deutschen Glaubensmissionen. edi­tion afem, mission scripts Bd. 12. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1998.

Die Autorin ist theologische Lehrerin in Tan­sania. Sie verknüpft in ihrer ursprünglichen Magisterarbeit theologische und missionsge­schichtliche Aspekte mit ihrer persönlichen Er­fahrung, ergänzt durch eine Umfrage unter Missionsgesellschaften und ledigen Missiona­rinnen. Im ersten Teil stellt Christa Conrad die Frage, inwieweit durch die Neugeburt in Chri­stus ein neues Miteinander von Männern und Frauen entsteht. Bei der Überlegung, ob Gala­ter 3,28 nur soteriologische oder auch funktio­nale Gleichheit meint, kommt sie zu dem Schluß, dass Frauen und Männer in gleicher Weise gerufen und begabt sind und überall mit den ihnen verliehenen Gaben dienen können.

Interessant ist der missionshistorische Teil des Buches. In der frühen Missionsgeschichte wa­ren Frauen Hilfskräfte. Mit Hudson Taylor und dem Entstehen der ersten Glaubensmissio­nen wurden Frauen auch als selbständige Pionier­missionarinnen eingesetzt. Taylor mußte seine Haltung stark verteidigen, nannte auch prakti­sche Gründe für seine Entschei­dung, doch im Vordergrund stand seine bibli­sche Begrün­dung. Als weiterer wegweisender Vertreter dieser Sicht sei F. Franson erwähnt: „Alle ver­fügbaren Kräfte müssen angesichts der nahen Wiederkunft des Herrn eingesetzt werden.“ Für dieses Ziel galt es, Grenzen zu überwinden. Zur Evangelisation durch Frauen sagte Fran­son, das Problem liege nicht in der Frage, was die Bibel lehrt, sondern im Mangel an brüderli­cher Liebe.

Catherine Booth, Charles und Priscilla Studd, Hedwig von Redern und ihre adeligen Be­kannten in Berlin sowie der DFMGB spiel­ten eine Vorreiterrolle für den Verkündigungs­dienst der Frauen. In den deutschen Glaubens­missionen galt anfangs: „Mit gutem biblischem Gewissen lassen wir unsere Schwestern Evan­gelium verkündigen“ (H. Coerper). Doch schon bald gingen Missionsgesellschaften dazu über, für Evangelisations-, Gemeinde- und Lehrauf­gaben Frauen nur dort einzusetzen, wo Männer fehlten oder versagten. Nur wenige Missions­gesellschaften gestehen Frauen die gleichen Rechte und Pflichten wie Männern zu. Für viele ledige Missionarinnen bleibt eine Diskre­panz zwischen ihren Gaben, ihrer persönlichen Berufung und dem, was Verantwortliche in der Mission ihnen an Dienstmöglichkeiten zuge­stehen.

Frau Conrad fragt in ihrem Schlußsatz: „Ob es uns gelingt, die große Vision der Väter und Mütter neu zu beleben: eine Leidenschaft zu wecken, die stark genug ist, starr gewordene Strukturen zu durchbrechen, damit alle Gaben, die der Herr Frauen und Männern schenkt, in der Mission eingesetzt werden können?“ Eine Frage – und ein Buch, dessen Lektüre für Mis­sionare und Missionarinnen, sowie für Missi­onsverantwortliche befruchtend wirken könnte.

Hanna Weiberle, em 1999-4.

Cook, Guillermo (Hg.). New Face of the Church in Latin America: Between Tradi­tion and Change. Mary­knoll/N.Y.: Orbis Books, 1994.

Es ist spannend, was sich in Lateinamerika er­eignet. Unzählige Artikel und Bücher erschie­nen aufgrund der 500-Jahr-Feier des lateiname­rikanischen (katholischen) Christentums. Aber das Bild der Christenheit wandelt sich. Heute gehen sonntags mehr Protestanten zum Gottes­dienst als Katholiken. Besonders Pfingst­gruppen zeigen ein explosives Wachstum. Bleibt dies so, wird das nächste Jahrhundert Lateinamerikas prote­stantisch. Wie aber gehen Christen aller Couleur mit der zunehmenden Armut und der sozialen und politi­schen Unge­rechtigkeit um?

21 Artikel sammelte Guillermo Cook in die­sem Band, der die religiöse Situation Lateinameri­kas beleuch­tet. Cook ist Mitarbei­ter der ‘Latin American Mission’ und wirkte viele Jahre in Brasilien und Costa Rica. Die Beiträge stam­men von namhaften Autoren aus verschieden­sten kirchlichen Gruppen. Der Her­ausgeber hat sie in fünf Gruppen eingeteilt: Teil 1: 1492-1992. Veränderung und Konti­nuität (historisch); Teil 2: Die Dynamik der Verände­rung (v.a. sozioreligiös); Teil 3: Volks­religion: Tradition und Veränderung (sozioreligiös); Teil 4: Regionale Studien (v.a. soziopolitisch); Teil 5: Die Zukunft der latein­amerikanischen Kirche.

So verschieden die Autoren der einzelnen Arti­kel sind, so verschieden sind auch ihre Ak­zente und die Qualität der Beiträge.

Insgesamt ist dieser Band für jeden Interes­senten und Kenner der religiösen und sozio­kulturellen Situation in diesem Kontinent ein gut gelungenes Kompendium lateinamerikani­scher Stimmen.

Martin Sachs, em 1997-3.

Coomes, Anne. Festo Kivengere, Gottes Bote für Afrika. Metzingen: Ernst Franz Verlag, 1997.

Durchaus keine „Heiligenvita“ ist dieses Buch geworden, sondern eine ausführliche, ehrliche Biographie des ersten afrikanischen Erwec­kungsevangelisten von internationalem Rang. 1919 im Südwesten Ugandas als Hirtenjunge unter nicht eben hoffnungsvollen Umständen geboren und anfänglicher Gegner des Chri­stentums, erwog Kivengere schon Anfang 20 Selbstmord als Ausweg. Er war lange Dorf­schullehrer, und die Schulbildung der Jugend blieb ihm sein ganzes Leben lang ein Anliegen. Später wurde er Schulinspektor und – nach sei­ner Bekehrung – Evangelist, der ganz Uganda, Tanganjika und Teile Kenias bereiste: „Den Preis dafür zahlte die Familie. Die Kinder wuchsen praktisch ohne ihn auf“ (80). Es folg­ten Studienzeiten in Europa, Amerika (1966 Master of Divinity) und Australien. Kivengere wurde nicht nur bekannt als Übersetzer für Billy Graham, sondern erhielt bald selbst weltweit Einladungen zu Evangelisationen. 1967 wurde er zum Priester ordiniert, 1972, kurz nach Idi Amins Machtübernahme, zum Bischof geweiht. 1977 mußte er vor Idi Amin aus Uganda fliehen und erlebte ganz persön­lich, daß sein weiterer Dienst für Gott von der für ihn sehr schweren Vergebung für Idi Amin abhing. – Zwar schildert das Buch detailliert Kivengeres Lebensweg, es fehlt aber etwas an Zusatzinformationen zu den erwähnten Namen von Personen und Organisationen. Mehr Hin­weise hätte ich mir auch gewünscht, wo es um Kivengeres geistlichen Werdegang und die Prägung seiner theologischen Ansichten geht, wie z. B. seinen engagierten Einsatz für die Frauenordination in seiner Diözese. 1988 starb Kivengere an Leukämie.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-3.

Coomes, Anne. The Authorised Biography of Festo Kivengere. Eastbourne: Monarch, 1990.

Eine Biographie des weltbekannten Afrikaners in Englisch. Mit großem Engagement hat Anne Coomes, eine englische Journalistin, umfassende Recherchen vorgenommen und, mit der Zustimmung von Festo Kivengere, Freunde, Kritiker und seine Familie befragt.

Die umfangreiche Biographie des „Billy Graham von Afrika“ öffnet das Verständnis für die von Missionaren beeinflußte Entwicklung des Enkels des letzten großen Königs aus dem Stamme der Bahororo. Das Buch zeigt Festos Weg zum talentierten Pädagogen und späteren Lehrer-Missionar in Tansania, zum leiden­schaftlichen Evangelisten und gleichermaßen geachteten wie kritisierten Bischof Festo Kivengere. Die Geschichte dieses unermüdli­chen Weltreisenden in Sachen Gottes ist untrennbar verbunden mit der Erweckungsge-schichte seines Landes Uganda.

Die etwas ausführliche Darstellung seiner
Kindheits- und Jugendjahre erhält ihren Sinn, wenn der Leser die Hintergründe für Festos unerschrockenes Auftreten vor Erzbischöfen und Präsidenten, vor Schwarzen und Weißen, vor Anglikanern und Charismatikern zur Kenntnis nimmt. Zum Beispiel zog der selbstbewußte Afrikaner Festo Kivengere mit dem Südafrikaner Michael Cassidy per „Tandempredigt“ sichtbar gegen die Apartheit zu Felde.

Coomes ist es gelungen, den weltbekannten Prediger mit seiner biblisch-geistlichen Nüch­ternheit zu aktuellen Fragen sprechen zu lassen: bleibende Erweckung ohne Gesetzlichkeit, politisches Handeln ohne Parteinahme, Frau-enordination und klerikale Tradition, Theologie und Weltkirchenrat, Liebe zu Katholiken, sozial-missionarischer Einsatz für Flüchtlinge, das Verhältnis zu den Moslems u.a. Ein kleines Manko: Der Biographie mit ihrer ausrei­chenden Quellenangabe hätte ein Namens- und Sachregister beigefügt werden sollen.

Konrad Brandt, em 1994-1.

Corrie, John (Ed.), Samuel Escobar, Wilbert R. Shenk (Consulting Editors), Diction­ary of Mission Theology: Evangelical Founda­tions. Nottingham, England: Inter-Varsity Press, 2007.

Das vorliegende missionstheologische Nach­schlagewerk enthält 166 Fachartikel von 139 Autoren. Über ein Drittel der Autoren kommt aus Asien, Lateinamerika und Afrika, was bereits ein wesentliches Anliegen der Herausge­ber reflektiert, nämlich missiologische Heraus­forderungen angesichts der Globalisierung und Polyzentralität christlicher Mission („from every-where to everywhere“) aus evangelikaler und auch nichtwestlicher Perspektive neu zu durchdenken. In der Einleitung skizziert der Herausgeber, John Corrie, Tutor für Mission und Ethik am Trinity College in Bristol, England, das Profil des neuen Lexikons: (1) die Integration von Theologie und Mission, die in der westlichen Theologie oft vernachlässigt worden sei („all theological categories are inherently missiological and all missionary categories are profoundly theological", S. xv) und ein daraus sich ergebendes holistisches Missionsverständnis ("it is the universal mission of God which defines the scope of our involvement in it“, S. xvi); (2) eine kontextuelle Sicht von Mission und Theologie; (3) ein klares und zugleich weiträumiges evangelikales Profil, das traditionelle evangelikale Positionen (Auto­rität der Bibel, Einzigartigkeit Jesu, Evangelisa­tion) mit neuen evangelikalen Themen (Heiliger Geist und Religionen, Ökologie, politisches En­gagement etc.) verbindet. Das neue Lexikon möchte sich gezielt von ande­ren Nachschlagewerken unterscheiden und nicht „reproduzieren“ oder „zusammenfassen“, was auch andernorts nachzulesen sei, sondern fri­sches und originelles Missionsdenken an gegen­wärtige Fragestellungen herantragen (S. xv). Es enthält kaum deskriptive oder historische Arti­kel über Personen und Organisationen, sondern konzentriert sich auf theologische Konzepte und aktuelle Fragestellungen wie „AIDS“, „African Theology“, „Arts“, „Buddhist relations“, „caste“, „culture“, „holistic mission“, „Muslim relations“, „spiritual warfare“, „transforma­tion“. (Unglücklicherweise fällt allerdings gleich das erste Stichwort aus dem gesetzten Rahmen, da der Begriff „accomodation“ in der zeitgenössischen Diskussion und Mission nur noch als missionshistorischer Verweis eine Rolle spielt. Warum er hier zusätzlich zu „contextualization“ eingefügt wurde, bleibt unklar). Bereits die Lektüre einiger Artikel zeigt den innovativen Ansatz des Lexikons, aber auch seine Grenzen. Auf beeindruckende Weise be­schreibt J. Jongeneel im Artikel „Mission theo­logy in the 20th Century“ den methodischen Ansatz der Missionstheologie und wichtige Bei­träge des 20. Jahrhunderts. Er fordert dazu heraus, über Boschs opus magnum hinauszu­denken und die Erforschung von Paradigmen­wechseln in der Missionstheologie nicht nur von der Kirchengeschichte, sondern von den Ent­wicklungen der Weltreligionen her zu denken. Die Geschichte und der Beitrag der spezifisch evangelikalen Missionstheologie im 20. Jahr­hundert werden jedoch nur kurz gestreift. Kang-San Tan beschreibt aktuelle Positionen und Herausforderungen für eine evangelikale „Theology of religion“ (sic) und gibt Anregungen, über die gewohnte Exklusiv-Inklusiv-Pluralistisch-Dreiteilung hinauszudenken. Dick Dowsett bietet nüchtern und informiert wesentliche Per­spektiven zur brenzligen Frage nach „hell/judge-ment“. H.W. Ritter (ÜMG) beschreibt „Motives for mission“ in ihrer theologischen Entwicklung und als geistliche Herausforderung für die Zukunft. D.E. Singh bietet einen interessanten Überblick zu christlich-muslimischen Beziehun­gen („Muslim relations“) und diskutiert die Kontextualisierungsmodelle C1-C6. Worin al­lerdings der Bezug seiner Beschreibung christ­licher Naturerlebnis-Reisen (S.255) zum Thema besteht, wird nicht recht deutlich. K. Rajendran unterzieht das Konzept der „Unreached peop­les“ einer kritischen Analyse und bietet dabei interessante und wichtige Einsichten aus indi­scher Perspektive, die ursprüngliche Definition und Entwicklung des Konzepts in der evangeli-kalen Missionstheologie wird jedoch nicht dar­gestellt. Der Artikel zu „Theology of Mission“ bietet ein gute Typologie und methodische Hin­weise zur Missionstheologie; nicht ganz zutref­fend scheint die Feststellung, dass das heils­geschichtliche Denken in der katholischen und evangelikalen Missionstheologie (mit der Aus­nahme von Rene Padilla) keine besondere Rolle gespielt habe (S. 382). Als methodisch proble­matisch empfinde ich den Artikel „managerial missiology“, der nicht deutlich macht, dass es sich bei diesem Begriff um eine polemische Fremdeinschätzung und eine (sicherlich nicht ganz unberechtigte) kritische Sichtweise, aber nicht um eine objektive Darstellung der Missiologie D. McGavrans, der Church-Growth-Schule und der AD-2000-Bewegung handelt. Auch die Herkunft des Begriffs selbst wird nicht belegt. Im Blick auf die Auswahl der Stichworte (die natürlich immer selektiv sein muss) fällt auf, dass Artikel zu Stichworten wie attrition (die vorzeitige Rückkehr von Missionaren, vgl. die umfangreichen WEA-Forschungen dazu), mem­ber care, violence/war sowie zu Bible/hermeneutics/epistemology fehlen. Auch fällt auf, dass gerade angesichts des ansonsten über­zeugenden polyzentrisch-globalen Ansatzes Ar­tikel zu Asien, Afrika und Lateinamerika als Bezugsfelder kontextueller Theologie vorhan­den sind („Asian theology“ etc.), Artikel zu Europa und Nordamerika aber trotz wichtiger kontextuell-missions-theologischer Beiträge und Entwicklungen dort fehlen. Diese kritischen Anmerkungen sollen jedoch nicht von dem großen Wert dieses Nachschla­gewerks ablenken.

Es bietet auf 461 Seiten eine Vielzahl gründlich recherchierter und inno­vativer Perspektiven, einen bisher einzigartigen Überblick und Einblick in aktuelles globales evangelikales Missionsdenken (vor allem im anglophonen Raum), das sich neuen Herausfor­derungen stellt, Kategorien erweitert, sich altem Lagerdenken verweigert und dem Beitrag evan-gelikaler Theologen aus der nichtwestlichen Welt einen angemessenen und prominenten Platz einräumt. Das neue Wörterbuch stellt eine gute Ergänzung zum umfassenderen Evangelical Dictionary of World Missions (2000) dar und ist ein wichtiges und nützliches Werkzeug für Missiologen, Bibliotheken und theologisch Interes­sierte mit globalem Horizont.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2008-4.

Crossman, Eileen. James O. Fräser. Der Bergsteiger Gottes, Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung, 1994.

In dieser packenden Biographie erzählt Eileen Crossman die Geschichte ihres Vaters James Fräser, der trotz zweimaliger Ablehnung durch die China-Inland-Mission seinen Weg zu den entlegensten Völkern im Grenzland Chinas zu Burma und Thailand suchte, um ihnen das Evangelium zu bringen.

Hier wird jedoch nicht an der Legende des „Fräser vom Lisuland“ weitergearbeitet, kein übermenschlicher Glaubensheld gezeichnet, sondern der Mensch James Fräser, der in seiner Schwachheit, seinen Zweifehl und seinen täg­lichen Kämpfen mit sich selbst und den Gefah­ren einer unbekannten Umwelt von Gott als sein Werkzeug für die Mission unter den Berg­völkern (Lisu, Karen) gebraucht wird.

Lebendig wird das Buch durch die vielen Zitate aus den Tagebüchern Fräsers, die den Leser unmittelbar in seine Begegnungen mit den Menschen um ihn herum einbeziehen. Zusammen mit den sorgfältigen Recherchen Crossmans trägt dies zu einem eindrucksvollen und realistischen Bild Chinas und der Aufga­ben eines Missionars in den Randgebieten Chinas bei. Durch die Zitate wird das Buch darüberhinaus zu einer wichtigen Quelle für weitere Arbeiten über eine Missionsgeschichte Chinas.

Ein besonderer Verdienst Frau Crossmans ist es, die Geschichte der unter ihrem Vater entstandenen Gemeinden bis in die Gegenwart hinein darzustellen. Insgesamt ist dieses span­nende Buch eine rundum gelungene Kombina­tion einer realistischen Biographie James Frä­sers, einer Quellensammlung und eines Beitra­ges zur Kirchengeschichte der südchinesischen Völker.

Stefan Müller, em 1995-4.

Dahling-Sander, Christoph; Andrea Schultze, Dietrich Werner, Henning Wrogemann (Hg). Leitfaden Ökumenische Missionstheologie. Gütersloh: Chr. Kaiser/Gütersloher Verlags­haus, 2003.

 Das vorliegende Einführungswerk ist motiviert von der Erkenntnis, dass christliche Mission „alles andere als nur ein vergangenes Phäno­men“ ist: „Mission, der spannungsvolle Prozess der Kommunikation und neuen Inkulturation des christlichen Glaubens … ist in vollem Gang“ (S.10). Das Zentrum der Aktivität liege in den Ländern des Südens und die Kirchen Europas brauchten Neubelebung aus dieser Richtung. Darum sind die Herausgeber aus dem Umkreis der „Arbeitsgemeinschaft Ökumenische For­schung“ (AÖF seit 1988) auch überzeugt, dass Missionswissenschaft als Fachdisziplin auch in Deutschland nicht etwa gestrichen, sondern „ausgebaut zu werden verdient“. Das vorliegen­de Kompendium zeigt, wie das aussehen kann und gibt erste Einblicke in die vielfältigen The­men- und Forschungsbereiche dieser Disziplin, die im Titel (etwas reduktiv) als „Missionstheo­logie“ bezeichnet wird. Die folgenden fünf Zu­gänge werden in 32 Aufsätzen näher beleuchtet: 1. „Mission in Geschichte und Wissenschaft“ (S.17-112). Hier werden hermeneutisch-metho­dische Grundfragen und historische Zusammen­hänge thematisiert. Dabei wird deutlich, dass auch das Missionsverständnis der Herausgeber nicht homogen ist. Wrogemann definiert Missi­on und die damit verbundene Wissenschaft durch die interkulturelle und interreligiöse Be­gegnung. Die Beschäftigung mit dem deutschen Kontext gehört für ihn darum nicht zur Missi­onswissenschaft, sondern zur Praktischen Theo­logie. Werner hingegen, dessen Ansatz ich hier für richtig halte, entfaltet gerade einen missi­onswissenschaftlichen Ansatz für Deutschland (vgl. unter 5.). Die biblische Fundierung von Mission (R. Achenbach, S.32-50) bleibt missi­onstheologisch an der Oberfläche und wird auch in ihrer Kürze der großen Relevanz biblischer Theologie für das missiologische Denken und der Forschungsarbeit in diesem Bereich (z.B. BISAM, Okure, Köstenberger/Obrien, Glasser, Van Engen, Stuhlmacher, Schnabel etc.) nicht gerecht. Hier liegt ein Schwachpunkt des Sam­melbandes.

2. „Konfessionelle Profile“ (S.113-246). Hier stellen orthodoxe, römisch-katholische, protes­tantische, baptistische, evangelikale, pfingstliche und ökumenische Vertreter Grundlinien ihrer jeweiligen Sicht zur Mission vor. Ein wichtiges Kapitel, das die ergänzende und reiche Vielfalt missionstheologischer Perspektiven der welt­weiten Gemeinde Jesu Christi deutlich macht. Dies ist eine große Stärke des vorliegenden Ban­des.

3. „Mission, Dialog und Religionen“ (S.247-318). Hier untersucht C. Lienemann-Perrin die vielfäl­tigen Zusammenhänge zwischen Mission und Dialog, U. Grabe argumentiert (m. E. gegen Paulus und das NT), dass die christliche „Missi­on“ am jüdischen Volk gerade darin bestünde, es gerade nicht für Christus gewinnen zu wollen. Fragwürdig ist m. E. auch die von Klaus Hock vorgestellte einseitige historische und religions­wissenschaftliche Betrachtungs- und Anwen­dungsweise des Fundamentalismus-Begriffs, die gegenteiliger Beteuerungen zum Trotz zu einer recht undifferenzierten Zusammengruppierung katholischer, evangelikaler und islamischer Richtungen führt. Hock schlägt zwar vor, man solle im Blick auf Evangelikaie und Fundamen­talisten doch „um eine zumindest grobe (!) Dif­ferenzierung bemüht sein“ (S.306), schafft es aber dennoch immer wieder Pietisten und Evan­gelikaie in die Nähe des Fundamentalismus zu rücken, indem er „Gemeinsamkeiten“ und „flie­ßende Übergänge“ betont.

4. „Mission, Partnerschaft und Globalisierung“ (S.319-456) befasst sich mit aktuellen Strukturen und Themenbereichen weltweiter Mission. U. a. macht C. Währisch-Oblau auf die missiologi­sche Relevanz v. a. afrikanischer Migrationskir­chen in Deutschland aufmerksam. Weitere wich­tige Themen in dieser Sektion sind: Gewalt, Frauen, Heilung, Entwicklung, Partnerschaft.

5. „Mission in den Kontexten der Welt“ (S.457­-562) bietet inspirierende regional-kontextuelle Perspektiven: Afrika (M. Roser), Asien (K. Schäfer), Lateinamerika (Dahling-Sander). Wichtig ist, dass auch Europa und Deutschland als eigene missionarische Kontexte untersucht werden (Ionita, Werner). Meine historisch-kontextuell-theologische Untersuchung zu öku­menischen Missionstheologien für den europäi­schen Kontext in den Jahren 1979-1993 (Die Neuevangelisierung Europas, Gießen/Basel, 2002), die u. a. auch auf die Beiträge des Euro­päischen Lausanne Kommittees eingeht, wurde hier noch nicht wahrgenommen. Dietrich Wer­ner fordert mit Recht dazu auf, die Frage nach einer Missiologie für den Westen aus deutscher Perspektive durchzubuchstabieren und praxisre­levant zu bündeln. Erste wichtige Anregungen hierzu hat die Jahrestagung 2004 der DGMW in Zusammenarbeit mit der AMD bereits gegeben (vgl. Zeitschrift für Mission 3 und 4/2004). Das vielseitige und wichtige Werk schließt ab mit einem Verzeichnis missiologischer Zeitschriften und Standardwerke, von Anschriften aus dem Missionsbereich sowie der Herausgeber und Autoren. Aus evangelikaler Sicht erfreulich und anerkennenswert ist, dass mit dem Aufsatz von Bernd Brandl „Mission aus evangelikaler Per­spektive“ (S.178-199) und auch die Arbeit des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie (AfeM) zumindest ansatzweise thematisiert wird (leider fehlt ein Hinweis auf den AfeM im Ad­ressen-Anhang. Die Zeitschrift „Evangelikale Missiologie“ wird allerdings aufgelistet). In Spannung zu dieser erfreulichen Tatsache steht die oben bereits kritisierte und m.E. verzeich­nende Einordnung von Pietismus und evangeli­kaler Theologie in die verallgemeinernde und tendenziöse Kategorie „Fundamentalismus“ (Aufsatz von K. Hock, S. 306ff). Hier möchte ich Herrn Hock und auch den Herausgebern die Frage stellen: gibt es wirklich mehr Gemein­samkeiten zwischen islamischen Fundamentalis­ten und Evangelikaien, als beispielsweise zwi­schen „evangelikalen“ und ökumenischen“ Mis­sionstheologen? Verzerrt ein verallgemeinernd religionswissenschaftlicher Gebrauch des Fun­damentalismus-Begriffs hier nicht grundlegende hermeneutische, ekklesiologische und missiolo­gische Zusammengehörigkeiten? Sollten wir hier nicht gemeinsam an einer neuen Sichtweise arbeiten? Ein erster Schritt ist (nicht nur) mit diesem Band ja schon getan.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-2.

Damson, Erwin. Gezeichnet Mielke - Streng geheim! Hänssler Verlag: Holzgerlingen, 1999.

Ein wenig spektakulär klingt der Titel schon. Alltäglich sind die schlaglichtartigen Berichte auch nicht. Erwin Damson, Leiter des Mis­sions­werkes „Licht im Osten“ (LiO), be­rich­tet sehr persönlich über die Facetten seiner Arbeit in den Jahren der kommunistischen Diktaturen. Von ihnen wurde ihrer Ideologie entsprechend Religion mit allen Mitteln be­kämpft. Beson­ders zielten sie auf jede Art von Literatur, spe­ziell auf die Verbreitung der Hei­ligen Schrift. Damson schildert sehr ehrlich die Spannung zwischen missionarischer Nächsten­lie­be und dem bewußten Verstoß gegen Ge­set­ze der Ost­blockländer. Er glorifiziert die ‘Ost­land­fahrer’ nicht und zeigt realistisch die Bela­stungen, wobei das Risiko für die Emp­fänger ohnehin viel größer war, denn ihr Leben war be­droht.

Damson vertritt die Meinung, daß die Ar­beit von LiO unverzichtbar für die Ausbreitung des Evangeliums war. Zahlreiche Christen aus den verschiedenen westlichen Ländern stellten sich für diese Arbeit zur Verfügung. Das Kli­schee vom seichten Christentum läßt sich an­gesichts dessen nicht aufrecht erhalten. Aus­führlich geht Damson auf einen erschüt­ternden Fall ein. Ein Bruder verriet unter an­derem Ak­tionen von LiO an die ‘Stasi’. Diese hatte ihn zielstrebig eingeschleust. Unüberseh­barer Scha­den ent­stand, zahlreiche Personen und Fa­mi­lien wur­den gefährdet. Erschreckend, daß der IM Pa­stor war und sich als Evangelist all­gemeiner Wertschätzung erfreute. Auf die Wurzeln der verbrecherischen Heuchelei geht Damson nicht ein. Fragen danach bleiben.

Als Empfänger und Transporteur von Lite­ratur darf ich zustimmen: Geld, Anstrengung, Angst und Risiko waren gut angelegt.

Richard Bergmann, em 2000-1.

Daniels, Eugene. A Protestant Looks at the Catholic Church in Mission. Highlights of Church Teaching since 1891. Monrovia, California: MARC, 1993.

Daniels, Baptistenpastor und seit 1963 voll­zeitlicher Mitarbeiter bei World Vision, arbei­tete zwischen 1983 und 1991 auf den Philippi­nen an positiven Beziehungen zwischen World Vision und katholischen Bischöfen. Er versucht in seiner Studie zu zeigen, daß in der katholi­schen Missiologie Entwicklungshilfe und Evangelisation zwei wichtige Komponenten sind. Die Tatsache, daß Evangelikaie und Katholiken hier übereinstimmen sowie die ökumenische Offenheit der Katholiken bilden einen Imperativ, der dringend eine positive Reaktion der Evangelikaien erfordert. – Ob Daniels Wunsch sich allerdings in der Praxis verwirklichen läßt bzw. verwirklicht werden sollte, bleibt fraglich.

Andreas Wieland, em 1995-2.

Danyun. Aufbruch im Reich der Mitte. Zeugen der Erweckung in China berichten. Wiesbaden: Projektion J, 1994.

Auf fast 400 Seiten wird hier eine unausgewo­gene Mischung aus Geschichte und Gegenwart, aus Möglichem und offensichtlichen Lügen präsentiert, die sich im Vorwort gar selbst als eine Sammlung von Berichten aus China bezeichnet.

Schon bei geringstem Vorwissen über China müssen diese Geschichten äußerst fragwürdig erscheinen. Während die Kirche in China blüht und die 10-millionenste Bibel gedruckt wird, versucht der Autor uns weiszumachen, der
Gebrauch des Namens Jesu stünde in China unter Strafe. Damit rechtfertigt er dann die Fülle an Geschichten über Verfolgungen, die mit sadistischer Freude die grausamsten Details der Folterpraktiken ausmalen. Im tragischsten Falle handelt es sich dabei um reale Schicksale, deren Leid während der Zeiten der Verfolgun­gen (1966-1976) dem Leser nun etwas Ner­venkitzel und dem Buch eine höhere Auflage verschaffen sollen.

Der theologische Standpunkt des Autors und seiner Gruppe ist eindeutig: Während es in Nordost-China auch neben der 3-Selbst-Kirche bereits Hausgemeinden nahezu aller Kon­fessionen gibt, gehen sie davon aus, daß sie dort die ersten „wirklichen Christen“ sind. So gewinnt diese Sekte ihre Anhänger vor allem aus den Kreisen der chinesischen Kirche („Durch ihren Einfluß kamen mehrere hundert Menschen aus der 3-Selbst-Kirche heraus“, 355). Beweis des wahren Christseins eines Menschen ist für sie die Fähigkeit zum Heilen und Wundertun.

Zusammenfassend muß man sagen, daß die­ses Buch in Deutschland zur Verwirrung über die Lage der chinesischen Kirche beitragen soll, so wie in China die „Missionare“ der pfingstlerischen Sekte, die in diesem Buch als Helden auftreten, zur Verwirrung der chinesischen Christen und zur Zersetzung der einheimischen Kirchen ihren unheilvollen Beitrag leisten.

Stefan Müller, em 1995-4.

Danz, Christian; Ulrich H.J. Körtner (Hg.). Theologie der Religionen: Positionen und Per­spektiven evangelischer Theologie. Neukir­chen: Neukirchener Verlagsgesellschaft, 2005.

Der vorliegende Sammelband ist herausgegeben von den systematischen Theologen C. Danz und U.H.J. Körtner, die beide an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien lehren. Unter den weiteren Autoren befinden sich mit R. Bernhardt (Basel), J. Fischer (Zü­rich), M. Hüttenhoff (Uni Saarland), D. Korsch (Marburg), A. v. Scheliha (Osnabrück) weitere fünf systematische Theologen, mit D.-M. Grube (Utrecht) ein Religionsphilosoph und Ethiker und mit U. Tworuschka (Jena) der einzige Reli­gionswissenschaftler. Missionswissenschaftler sind nicht beteiligt.

Die Veröffentlichung versteht sich als Beitrag zur neueren Theologie der Religionen, die im­mer noch ausgehend von der konzeptionellen Trias von Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus gleichzeitig versucht diese zu er­weitern (etwa durch den Ansatz der komparati­ven Religionstheologie), und die sich weiterhin mit dem noch ungelösten Grundproblem „der Vermittlung der Geltung der eigenen Religiosi­tät mit einer positiven Würdigung fremder Reli­gionen“ (VI) beschäftigt. Der Band soll die ge­genwärtige „Differenziertheit und Breite der Debattenlagen … in der gegenwärtigen evangeli­schen Theologie“ (VI) vermitteln. Die Einleitung der Herausgeber bietet einen guten Überblick über die Beiträge des Buches, das die Thematik in vier Teilen bearbeitet. Im ersten Teil legt Uwo Tworuschka die religions­wissenschaftlichen Grundlagen, nach denen bereits die Begriffe „Religion“ und „Gott“ we­der allgemeingültig definiert noch interreligiös harmonisiert werden dürfen. Im Gegensatz zur älteren Religionswissenschaft, die nach Harmo­nie suchte, betont die neuere die Differenziert­heit und Komplexität religiöser Realitäten und Prozesse: es glauben eben nicht letztlich alle an den selben Gott. Im zweiten Teil des Buchs wird dieser Befund vertieft und theologisch reflek­tiert. A. V. Scheliha ist der Meinung, dass man nicht von festen Religionen, sondern eher von synkretistischen „Verflüssigungen und Aus­tauschprozessen“ ausgehen und diese in einer Theologie der Religionen berücksichtigen müs­se. U. Körtner plädiert für einen metakritischen Inklusivismus, der seine eigene Standortrelativi­tät zugibt, aber andererseits an dem evangelisch­theologischen Kritierium festhält „ob Christus als letztgültige Heilsoffenbarung die Mitte des Glaubens bleibt oder ob er einem anderen reli­giösen Heilsereignis … untergeordnet wird“. In den fremden Religionen sei der biblische Gott als der verborgene Gott zu sehen, eine Anfech­tung für den Glaubenden, die aber letztlich aus der Mitte des Heilsereignisses in Christus inter­pretiert werden könne. Im dritten Teil des Buchs plädiert R. Bernhard für einen „mutualen Inklu­sivismus“, die im Gegensatz zum Pluralismus im eigenen Glauben selbstkritisch wurzelt (nicht in Meta-Theorien), aber die authentische Offen­barung Gottes auch in anderen Religionen zuge­steht. M. Hüttenhoff verbindet pluralistische Religionstheologie mit der Rechtfertigungslehre. Er hält es für theologisch legitim, die ev. Recht­fertigungslehre von ihrer Bindung an die Über­zeugung, dass Tod und Auferstehung Christi objektiv heilskonstitutiv sind, zu trennen. Übrig bleibt das Prinzip Gnade und Glaube an einen heilschaffenden Gott, das auch in anderen Reli­gionen zu finden sei. Konkret wird das am Bei­spiel der indischen Bhakti-Frömmigkeit be­schrieben. Dennoch bleibe diese Theologie im eigenen konfessionellen Glauben verwurzelt, die reduzierte ev. Rechtfertigungslehre bleibe Maß­stab für eine angemessene Gottesbeziehung, die nicht in allen Religionen zu finden, aber doch in ihnen jederzeit möglich sei. Im letzten Teil des Buchs plädiert D. M. Grube dafür, die Wahr­heitsfrage (die offen bleiben muss) von der kon kreten Gestaltung des religiösen Pluralismus zu trennen. Abschließend führt D. Korsch anstelle von „Wahrheit“ den Begriff der „Lebensdeu­tung“ ein. Religionen vermitteln nicht Wahrheit, sondern bieten die Möglichkeit zur notwendigen Deutung und Bearbeitung der „Asymmetrien“ des Lebens. In diesem Sinn könne man Religio­nen aufwerten. Der Maßstab ist, „ob sie über eine hinreichende interne Differenziertheit ver­fugen, die es ihnen erlaubt, mit gesellschaftli­cher Komplexität umzugehen“ (S. 12). In der Tat bietet dieser Band gegenüber den Konzeptionen von Hick und Knitter neue Per­spektiven durch seine durchgehende Betonung der empirischen Differenzerfahrungen zwischen den Religionen und der Betonung der „Unhin-tergehbarkeit“ eigener Voraussetzungen. Hier wird nicht mehr vorschnell von Konsens und Einheit gesprochen, sondern religionswissen­schaftlich und hermeneutisch differenzierter hingeschaut. Andererseits stellt sich die Frage, ob die Versuchung der Metatheorie hier z. T. nicht nur neue, konfessionell gewandete Formen annimmt, etwa in dem Versuch Hüttenhoffs eine abstrahierte ev. Rechtfertigungslehre mit einer bestimmten Formulierung von Bhakti-Frömmigkeit auf einen Nenner zu bringen. Die­se reduzierte Rechtfertigungslehre ist m. E. eben auch ein Meta-Konstrukt. Insgesamt bietet dieser Band einen guten Ein­blick in die religionstheologische Diskussion aus systematisch-theologischer, evangelischer und deutschsprachiger Perspektive. Leider fehlt dabei die Perspektive der Missionswissenschaft. Da ist doppelt schade, einmal angesichts der Tatsache, dass die theologische Reflexion der Religionen einen wichtigen Ursprung und Ort in der christlichen Mission hatte, sowohl im Neuen Testament (Paulus in Athen) als auch in der Kir­chengeschichte (z.B. B. Ziegenbalg 1706), zum anderen, weil Missionswissenschaftler wie L. Newbigin, D. Bosch, T. Sundermeier oder P. Peterhaus wichtige Beiträge geleistet haben. Dennoch und gerade deswegen ist das Buch für Missionswissenschaftler eine wichtige Lektüre und Anregung.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-4.

Deane, Hudson. Good and Faithful - New Zealand Missionaries and their experience of attrition. Mairangi Bay, Neuseeland: Daystar Publications Trust, 2008.

Warum brechen Missionare ihren Einsatz ab, und wie lässt sich dies vermeiden? Dies sind zwei entscheidende Fragen in der modernen Weltmission, denn eine vorzeitige Rückkehr ist oft mit zerbrochenen Lebensperspektiven, ent­täuschten sendenden Gemeinden, ja Zweifeln an Gottes Führung, unterbrochenen Projekten und immenser Fehlinvestition verbunden. Hudson Deane hat diese Fragen so vielen evangelischen Missionaren gestellt, wie er nur irgendwie errei­chen konnte. Während andere Studien meist Missionsleiter befragten, hat Deane die Betrof­fenen selbst zu Wort kommen lassen: 92 neu­seeländischen Missionare von 19 Missions­werken wurden mit Fragebogen und ausführ­lichem Telefoninterview befragt, und er tat dies auf einfühlsame Weise, um möglichst ehrliche Antworten zu erhalten.

Dabei traten einige unerwartete Ergebnisse zutage. Beispielsweise benennen Missionsleiter oft zwischenmenschliche Konflikte als Haupt­grund für die Rückkehr, während die Missionare vor allem familiäre (14.3%), arbeits- (13.2%) sowie werksbezogene (10.7%) Gründe be­nannten, und Konflikte mit Kollegen (2.6%) erst auf den 13. Platz kam - entgegen landläufiger Meinung. Dieser drastische Unterschied ver­deutlicht, dass Missionsleiter und betroffene Missionare durchaus unterschiedliche Über­zeugungen haben können, die sich gegenseitig ergänzen und Teil des Gesamtbildes darstellen. Die Gründe für die Rückkehr sind auch vom Familienstand der Missionare abhängig: Wäh­rend Singles vor allem unter Arbeitsüberlastung (9.0%), emotionalem (7.8%) und kulturellem Stress (7.2%) sowie Mangel an persönlicher Unterstützung (6.8%) leiden, macht den Verheirateten vor allem die Ausbildung ihrer Kinder (15.3%) und der Abschluss von Pro­jekten (10.9%) zu schaffen. Missionare werden in jedem Zivilstand und jeder Lebenssituation herausgefordert und benötigen spezifische per­sönliche Unterstützung und Leitung. Das wird auch im Kap 4 deutlich, in dem der Autor die Antworten nach den verschiedenen Altersgruppen in der Mission untersucht: Wäh­rend den Pionieren (geb. vor 1946, engl. Boost ers) vor allem ihre physische Gesundheit, man­gelhafte Mitwirkung bei Entscheidungen und emotionaler Stress zu schaffen machten, setzt den baby boomers (geb. 1946-64) vor allem die Ausbildung ihrer Kinder, emotionaler Stress, Pflege ihrer Eltern und Arbeitsüberlastung zu und den Gen X-ern (geb. 1965-83) der kulturelle Stress, physische Gesundheit, Einsamkeit und mangelnde persönliche Erfüllung im Dienst. Was können sendende Gemeinden, Ausbil­dungsstätten, Missionswerke und Gemeinden im Einsatzland beitragen, um die vorzeitige Rück­kehr zu reduzieren? Auf diese Frage machten die drei genannten Altersgruppen an Missio­naren jeweils ganz konkrete Vorschläge, die sehr bedenkenswert sind und den Weg in die Zukunft der Mission weisen. Das abschließende Kapitel befasst sich mit den Stärken und Schwächen der neu aufkommenden Generation an Mitarbeitern, üblicherweise Gen Y (geb. 1984+) genannt. Deane fordert vor allem flachere Hierarchien in Missionswerken, neue Ausbildungsmodelle, Lernen im Team und ex­perimentelles Lernen, Partnerschaften von sen­denden Gemeinden, Ausbildungsstätten und Missionswerken, kontinuierliche Weiterbildung, integrierte Lernprogramme und weist auf die entscheidende Rolle der Gemeinde im Einsatz­land hin, ob und welche Missionare eingeladen werden. Diese Maßnahmen sind erforderlich, damit die neue Generation ihren Platz in der Mission findet, so Deane. Damit weist die Studie weit über den nationalen Horizont von Neuseeland hinaus und beleuchtet grundsätzliche Aspekte der modernen Welt­mission. Die statistische Basis ist zwar begrenzt, doch das Werk bietet umfassende Inspiration und Reflektion für jeden, der mit der Sendung und Betreuung von Missionaren befasst ist: Gemeindeälteste, Pastoren, Bibelschullehrer, Missionsleiter, Missionare... Der Stil ist zwar etwas nüchtern und weniger unterhaltsam (da der Autor die Vertraulichkeit der Interviewten mit allen Mitteln wahren wollte), doch ist das Werk eine Pflichtlektüre für alle, die in Gottes globaler Mission mitarbeiten.

Dr. Detlef Blöcher, em 2008-4.

Decker, Rudolf. Ruanda: Tod und Hoffnung im Land der Tausend Hügel. Begegnungen und Eindrücke 1. Hänssler-Verlag, 1998.     

Decker, Rudolf. Im in­nersten Afrika: Hutu und Tutsi zwischen Vernichtung und Ver­söhnung. Begegnungen und Eindrücke 2. Neuhausen: Hänssler-Verlag, 1998.

Ein Umdenken macht sich bemerkbar. In ei­nem evangelikalen Verlag erscheinen nun auch Bücher politischen Inhalts. Das ist zu begrü­ßen; haben doch die Christen den Geruch, welt­fremd und -fern zu leben. Sagen wir, ein An­fang ist gemacht; denn es geht in den Büchern um den fehlenden Frieden in einer immer noch fernen Weltregion, die einen Mordrausch über­stehen mußte, der bis heute noch nicht völlig abgeklungen ist. Über hundert Jahre Christen­tum und ein halbes Jahrhundert der Erweckung haben die Feindschaft zwischen zwei gegneri­schen Ethnien Afrikas nicht entscheidend schwächen können. Hier sind auch politische Lösungen gefragt.

Der Autor ist Bundestagsabgeordneter und hat von der amerikanischen Gebetsfrüh­stücksbewegung her den Gedanken der Ver­antwortung vor Gott und den Menschen im Blick. seinen Gesprächspartnern bot er an, zu diesem Freundeskreis von Politikern hinzuzu­stoßen. In erzählendem Ton und nicht auf wörtliche Genauigkeit der wiedergegebenen Dialoge bedacht, entfaltet Rudolf Decker die erstaunliche Geschichte politischer Vermitt­lung in einem ethnischen Konflikt, der mehrere afrikanische Staaten in Atem hält. Sie geschah auf höchstem Niveau: Alle Präsidenten der Re­gion trifft der Leser in den beiden Büchern wieder.

Das erste, eine überarbeitete Fassung des 1995 noch anonym erschienenen Buches, setzt ei­nige Jahre vor der 1994 ausbrechenden Kata­strophe in Ruanda ein. Der später in einem Flugzeug abgeschossene, verstorbene Präsident kam auf Decker zurück, um in der schwelenden Auseinandersetzung das Gesetz des politischen Handelns wieder an sich zu reißen. Doch die Bemühungen scheiterten. Das tat dem Opti­mismus des Autors keinen Abbruch, der uner­müdlich weiterhin überwiegend auf dem Luft­wege einer Pendeldiplomatie den Vorzug gab, die um die Variante der geistlichen Wortbe­trachtung und des Gebets bereichert wurde. Vielleicht muß man dem Autor eine zu positive Bewertung der Wirksamkeit solcher Rahmen­handlungen ankreiden. In diesem Gebiet des christianisierten Afrika ist man vielfach aus Gewöhnung religiösen Riten gegenüber aufge­schlossen. Mir fiel in diesem Zusammenhang auch in den Büchern die fast formelhafte Er­wähnung Gottes als dem Unsichtbaren je öfter je mehr störend auf.

Gut kommt in den Büchern heraus, daß Vor­würfe und Mißtrauen das Denken der Politiker beherrschen. Statt auf Gewalt muß in diesen Umständen auf politische Räson und persönli­che Kontakte gesetzt werden. Decker und seine Mitstreiter gaben nicht auf - hier beweist der CDU-Politiker seine überparteiliche Einstel­lung; er kann den SPD-Mann Hans-Jochen Vo­gel zu seinem Kreis zählen. Sie luden sogar nach Deutschland ein, um alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen.

Das zweite Buch fährt mit den Folgeereignis­sen ab 1996 im gleichen Stil fort. Das Krisen­gebiet verlagerte sich nun in das südlich von Ruanda gelegene Burundi. Der Bürgerkrieg in Zaire - jetzt Demokratische Re­publik Kongo - wird nur am Rande wahrge­nommen, denn dort ist die Vermittlung Dec­kers nicht gefragt. Nur der persönliche Kontakt zu Mobuto wird er­wähnt. Spätestens hier wird klar, daß die christliche Initiative zur Völker­verständigung den freundschaftlichen Umgang mit dem aus deutscher Sicht verhaßtesten Staatsführer sucht und ohne erkennbare innere Skrupel pflegt - eine ethische Entscheidung zugunsten der Trä­ger politischer Verantwor­tung.

Decker beschreibt die Gastfreundschaft Afri­kas. Er nimmt auch den Leser auf den Be­such einer katholischen Missionsstation und auf Safaris durch Nationalparks mit. Da nur seine Einsätze dargestellt werden – die aller­dings durch eingestreute Analysen der politi­schen Situation begleitet sind und so alle Konflikt­parteien erfassen – tritt die Ungeheuer­lichkeit der Bürgerkriege und des Völkermor­des etwas in den Hintergrund. Das Auge des Betrachters ruht da schon eher auf der ärmli­chen Kleidung vieler Afrikaner und betont auf diese Weise den Gegensatz zu ihren gut be­tuchten Politi­kern um so deutlicher.

Die in zeitlicher Reihenfolge angeordnete Er­zählung gibt ein realitätsgetreues Bild Afri­kas mit seinen Schönheiten, Hindernissen und prä­sidialen Wohnsitzen wider. Ich kann die leicht lesbaren Bücher als gute Ergänzung zu den Be­richten der Missionare Ostafrikas emp­fehlen.

Winfried Schwatlo, em 1999-3.

Decorvet, Jeanne. Samuel Ajayi Crowther. Un père de l’Église en Afrique noire. Foi vi­vante 309. Édition des Groupes Missionnai­res/Les Éditions du Cerf: La Côte-aux-Fées/Paris, 1992.

Dem Leben des ersten schwarzen anglikani­schen Pastors ist dieses Buch gewidmet. Der wohl 1806 geborene Ajayi wurde als Teenager von Sklavenjägern gefangengenommen, auf dem Weg in die Gefangenschaft jedoch von ei­nem britischen Schiff befreit und nach Free­town, Sierra Leone, gebracht. Dort kam er zum Glauben und war einer der ersten Schüler auf der neugegründeten Missionarsschule der An­glikaner in Foura Bay bei Freetown, in der er später auch Direktor wurde. Weitere wichtige Stationen seines Lebens sind seine Ordination 1843 und die Weihe zum Bischof 1864.

Crowther nahm an einigen Forschungsreisen auf dem Niger teil und gründete die Niger-Delta-Mission. Durch den stärker werdenden Druck der Briten wurde er mehr oder weniger unfreiwillig zu einer wichtigen Figur der afri­kanischen Unabhängigkeitsbewegung und für viele zu einem der Gründerväter der Republik Nigeria.

Das Buch gibt uns einen interessanten Ein­blick nicht nur in das Leben dieses Pioniers der schwarzafrikanischen Kirche, sondern auch in die Bemühungen der Mission, Schwarzafrika­ner für die Missionsarbeit zu gewinnen in einer Zeit, in der in vielen Staaten noch die Sklaverei und die damit verbundene Sicht der Afrikaner als Menschen zweiter Klasse vorherrschte. Das Buch zeigt sowohl die Beweggründe als auch die ersten Gehversuche dieser neuen Missions­politik auf. Es erwähnt auch die großen Ent­behrungen, die ein Europäer zu dieser Zeit auf dem Schwarzen Kontinent auf sich nehmen mußte. Wir erhalten Einblick in eine Zeit des Übergangs, in der die Sklaverei zwar noch be­stand, aber schon bekämpft wurde. Wir erleben lebendig den Verlauf und die Motive der For­schungsreisen auf dem Niger mit. Schließlich schildert uns das Buch auch die Entwicklung der Kolonialpolitik und die Zuspitzung der Probleme, die sich bereits vor der Jahrhun­dertwende abzeichneten und zu ersten Ausein­andersetzungen führten, in die selbst eine so friedliebende Persönlichkeit wie Crowther verwickelt wurde.

Alles in allem ein interessantes Buch in franzö­sischer Sprache, das einen lebendigen Einblick gibt in die Missionsarbeit des 19. Jahrhunderts auf dem schwarzafrikanischen Kontinent.

Martin Schröder, em 1999-4.

Dembowski, Hermann & Wolfgang Greive (Hg.): Der andere Christus. Christologie in Zeugnissen aus aller Welt. Erlangen: VdELM, 1991.

Diese Anthologie christologischer Entwürfe ermöglicht eine intensive Begegnung mit Chri­stuszeugnissen, die sich durch ihre jeweilige sozio-kulturelle Prägung stark unterscheiden. Die Palette reicht vom jüdischen, europäischen, lateinamerikanischen bis zum asiatischen Kolorit. Ein unbestreitbarer Verdienst ist, daß durch die ökumenische, interkulturelle Kommunikation der Versuchung gewehrt wird, das Christusbild im je eigenen kulturellen Kontext dogmatisch zu verabsolutieren und unreflektiert als authentisch biblisch zu tradieren.

Doch muß kritisch gefragt werden, wo Chri­stus nur anders und wo ein anderer Christus verkündigt wird. Gewiß führt das Ernstnehmen der Inkarnation zu unterschiedlicher Akkultu-ration des Christuszeugnisses. Christus geht in die jeweilige konkrete Lebenswelt ein, aber er geht nicht in ihr auf. Der biblische Kontext darf nicht aus seinem alttestamentlichen Verste-henszusammenhang herausgelöst werden, daß aus der Person Jesus Christus ein wie auch im­mer zu bestimmendes Prinzip wird, das dann in die fremdkulturellen Denkkategorien nivelliert wird. Das ist eine Anfrage an die asiatischen Entwürfe und an die Minjung-Theologie. In diesem Zusammenhang fällt auf, daß nur in der Befreiungstheologie Lateinamerikas, wenn auch selektiv, das AT Erwähnung findet. Aber genau hier liegen doch wohl die Grenzen und Gefahren einer Kontextualisierung der Christologie.

Ein nützliches Buch, mit dem auseinander­zusetzen sich lohnt.

Gerold Schwarz, em 1993-1.

Dengler, Sandy. Susanna Wesley: Powerfrau und Methodistenmutter. Brunnen-Verlag: Gießen: 1998.

In diesem biographischen Roman beschreibt die Autorin Sandy Degler das Leben von Su­sanna Wesley (1669-1742), der Mutter von John und Charles Wesley, von ihrer frühen Ju­gend bis zu ihrem Tod.

Die Erzählung setzt ein, als Susanna, die jüng­ste von 25 Kindern, 13 Jahre alt ist. Das intelli­gente Mädchen studiert die Bibel und kann be­reits hebräisch, griechisch und englisch – und das zu einer Zeit, als fast keine Frau lesen und schreiben konnte, geschweige denn studie­ren durfte. In diesem Jahr ereignen sich zwei wichtige Dinge: Susanna lernt nicht nur ihren zukünftigen Ehemann, Samuel Wesley, ken­nen, sondern entscheidet sich auch dafür, die Kirche ihres Vaters zu verlassen und wieder der englischen Staatskirche beizutreten. Dieser Schritt zeigt, daß die englische Gesellschaft im 17. Jahrhundert in das Lager der anglikani­schen Staatskirche und der Nonkonformisten gespalten war. Die Königstreue wirkte sich später auch politisch aus und brachte den Wesleys viel Leid.

Im folgenden erlebt der Leser nun den tägli­chen Kampf der Wesleys mit: die Armut, die körperliche Schwachheit (Susanna gebar fast jährlich ein Kind – insgesamt 19) hohe Schul­den und politisch bedingte Anfeindungen durch die Menschen. Es ist beeindruckend, daß Su­sanna Wesley – trotz aller Probleme – nie den Glauben an Gott aufgab.

Wie sehr die mütterliche Erziehung ihre Kinder beeinflußte, zeigt sich im Missionsstil ihrer Söhne John und Charles, die die Struk­turliebe ihrer Mutter erbten und später als „Methodisten“ bezeichnet wurden.

Diese Biographie von Susanna Wesley ist leicht lesbar und erbaulich für alle, die sich fragen, wie groß ihr Einfluß auf die nächste Generation überhaupt ist.

Tatiana Heuser, em 1999-3.

Detlef, Kapteina. Afrikanische Evangelikale Theologie: Plädoyer für das ganze Evangeli­um. edition afem, mission academics 10, Er­langen: VTR, 2001.

Detlef Kapteina, der selbst zehn Jahre in einer Lehr- und Missionstätigkeit in Westafrika und später als Missionssekretär in EBM (Elstal) für Afrika arbeitet, untersucht in seiner Dissertation an der Evangelischen Theologischen Faculteit in Leuven/Belgien die Entstehung einer Afrikani­schen Evangelikalen Theologie (AET). Dabei bezieht er sich ausschließlich auf afrikanische evangelikale Theologen und maßgebende Kon­ferenzen und Beschlüsse. Mit dieser umfangrei­chen Arbeit stellt er die Notwendigkeit eines eigenständigen Profils der AET dar und be­schreibt ihre Entwicklung. So beginnt seine Darstellung im ersten Teil mit einem geschicht­lichen Überblick und den ersten Gedankenan­stößen von Byang H. Kato. Mit seinen Grundla­gen beschäftigen sich weitere Konferenzen und er wird als Vorbereiter einer AET herausgestellt. Kapteina beschreibt wichtige Konferenzen und Beiträge im zweiten Teil, um die Entwicklung und Notwendigkeit einer Abgrenzung der evan-gelikalen Theologie aufzuzeigen. Dies nimmt einen sehr umfangreichen Teil ein. Hier gelingt es, entscheidende Merkmale herauszuarbeiten. In einem dritten Teil stellt er die theologischen Konzepte der AET in den Gebieten der Herme­neutik, der Soteriologie und der Christologie dar. Die wegbereitenden Gedanken prominenter Vertreter der AET, wie Tite Tienou, Tokunboh Adeyemo und Kwame Bediako, werden darge­stellt und ihre Einflüsse zur Prägung einer AET beschrieben. Kapteina bewertet im vierten Teil die Grenzen der AET und weist auf Defizite hin. Er zeigt auch den theologischen Beitrag für die weltweite evangelikale Missionstheologie auf. Das Buch vermittelt einen weitreichenden über­sichtlichen Einblick in die Entwicklung einer AET. Als Darstellung und Zusammenfassung einer geschichtlichen als auch einer theologi­schen Entwicklung in Afrika empfiehlt es sich besonders für Missionare in Afrika und darüber hinaus für die Auseinandersetzung mit dem Thema der Entwicklung einer Theologie in einer nichtwestlichen Kultur. Kapteina ist es gelungen einen Beitrag für die afrikanische christliche Theologie zu leisten und ihre eigene Stellung innerhalb der evangelikalen Theologie aufzuzei­gen.

Mathis Kögel, em 2004-2.

Dictionary of the Ecumenical Movement. Hrsg. von Nicholas Lossky u.a., Genf: WCC 1991.

Hier soll nur nach dem missiologischen Ertrag dieses Lexikons gefragt werden, das in über 600 Artikeln die ökumenische Bewegung im weitesten Sinne beschreibt. Der Rezensent fand ca. 60 Beiträge, die neben missionsrelevanten Sachthemen auch 15 Biographien und 16 Institutionen oder Bewegungen darstellen. Die Hoffnung auf einen besonderen Beitrag des Lexikons zur Geschichte des Internationalen Missionsrates (IMR), einem wesentlichen Mo­tor der ökumenischen Bewegung, wird aller­dings etwas enttäuscht, (wie schon Gerald An­derson in seiner Rezension in IBMR bemerkt). Selbst ein Amerikaner vermißt biographische Beiträge zu Karl Hartenstein und Walter Frey­tag, die nur äußerst marginal erwähnt werden! Doch viele biographische Porträts sind heraus­ragend und kommen im „Lexikon zur Welt­mission“ von Neill nicht vor (N. Goodall, B. Graham, K. Grubb, J.A. Mackay, Neil], Newbigin, D.T. Niles, Potter, J.V. Taylor) oder übertreffen es (Mott, Oldham, W. Paton). Bei R. Allen ist man dagegen mit Neills Lexikon besser bedient. Unter den besprochenen Orga­nisationen sind auch ausgesprochen evangeli-kale verzeichnet, doch fehlen leider gerade bei „Lausanne Committee“ die sonst üblichen grundlegenden Literaturhinweise, während der Artikel „Lausanne Covenant“ Sekundärlitertur verzeichnet. Die Konferenzen des IMR werden unter „ecumenical Conferences“ dargestellt. Unter „evangelical missions“ findet sich der irrtümliche Hinweis, die AEM sei der Heraus­geber von Idea! Womit das Lexikon einem Missiologen vielleicht am meisten dient, ist die Darstellung des Missionsverständnisses in der heutigen ökumenischen Bewegung bzw. der Uminterpretation von Mission und ihrer Ver­drängung durch andere vorrangigere Themen, wie auch in diesem Lexikon der Fall. Die Schlüsselartikel hierzu sind von ehemaligen Generalsekretären des ÖRK verfaßt: Potter schreibt über „mission“ und E. Castro über „evangelism“. Aufschlußreich ist auch die Neudefinition von Bekehrung („conversion“).


Weitere Artikel von Interesse sind ua.: „inter-religious dialogue, inculturation, missio dei, moratorium, pluralism, proselytism, syncre-tism, uniqueness of Christ, universalism“. So ist dieses wissenschaftliche Werk, an dem Autoren aus vielen Ländern und Konfessionen mitgearbeitet haben, eine außerordentlich beachtenswerte Leistung, aber im Blick auf den Ertrag für die Mission eher symptomatisch für die heutige ökumenische Bewegung.

Christof Sauer, em 1993-3.

Die Guten Seiten 94/95. Das Handbuch für Christen. 2. völlig neu bearbeitete Ausgabe, Hg. vom Johannes Institut, Projektion J Verlag.

Nach langem Anlauf ist Februar 1994 die zweite Ausgabe dieses christlichen Adressbu­ches erschienen. Über 10.000 Adressen aus al­len Bereichen christlicher Aktivitäten machen es zum nützlichen Nachschlagewerk. Diese Ausgabe hat nun einen alphabetischen Index und ein Stichwortregister. Wie schwierig es ist, Adressen aktuell zu halten und sinnvoll in Rubriken zu ordnen, zeigen die Eintragungen zum AfeM und zu em. Der AfeM erscheint gleich drei mal: In der Rubrik „Arbeitskreise – Evangelisation“ (!) als AfeM Dr. Klaus Fiedler, Ratingen, dann als AfeM, Korntal (AEM) und als AfeM, Esslingen. Ich hätte ihn eher unter „Mission – Verbände“ gesucht, wo auch die Deutsche Gesellschaft für Missionswissen­schaft zu finden ist. Die Zeitschrift em er­scheint zu Recht in der Rubrik „Missionszeit­schriften“, könnte aber auch noch unter Fach­zeitschriften aufgeführt werden.

Wer Missionsadressen sucht, findet diese nach Einsatzgebieten geordnet. Die Guten Seiten bieten wohl die umfangreichste Samm­lung charismatischer und neuester Missionen. Es scheinen aber nicht alle Adressen, die man in Jahrbuch Mission mit weiteren Informatio­nen versehen findet, verzeichnet zu sein. Des­halb hätte man auf es verweisen können.

Eine besonders interessante Beigabe ist die Aufstellung von Fred McRae über „Unerreichte Ausländergruppen in Deutschland“, auf S.133-163 in einer Randspalte abgedruckt. (Auch separat beim Autor erhältlich.) Eine ähnliche Aufstellung mit Kurzcharakterisie­rungen findet sich zu Ausbildungsstätten.

Das Nachschlagewerk ist so nützlich, daß es zumindest jede Missionszentrale in ihrem Büro haben sollte. Eine Diskettenversion mit Such­programm wäre wünschenswert.

Christof Sauer, em 1994-3.

Dirks, Friedrich. Das Evangelium im afrika­nischen Kontext: Interkulturelle Kommuni­kation bei den Tswana. Gütersloher Ver­lagshaus Gerd Mohn, 1986.

Jeder Missionar wird sich mit der Frage be­schäftigen müssen: Wie übersetze ich die Frohe Botschaft von Jesus Christus?

Es war nicht immer so, daß dieser Frage in der Mission eine besondere Bedeutung bei­gemessen wurde. Heute muß das jeder Mis­sionar tun. Wir sind feinfühliger geworden. Es ist uns bewußt geworden, daß der euro­päisch orientierte Missionar in seiner eige­nen Kultur aufgewachsen ist und in seinem christlichen Glauben und Denken westlich – wie Dierks sagt „verbal“ – geprägt ist.

Friedrich Dirks war mehr als dreißig Jahre Missionar im südlichen Afrika. „Die Fragen und Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der missionarischen Kommunikation der christlichen Botschaft in einer interkultu­rellen Situation hat Jahrzehnte lang meine eigene Missionsarbeit geprägt“ (S.10).

Dierks beschäftigt sich mit „interkultureller Kommunikation“ oder „kontextueller Ver­kündigung“ des Missionars. Der westlich verbalen Verkündigung stellt er die „nicht­verbale Kommunikation“ des Afrikaners gegenüber. Zur nichtverbalen Kommunika­tion gehören vorwiegend Symbole und Ri­ten, die Dierks dem traditionellen Glauben des Afrikaners entnommen hat.

Das Symbol (z.B. S.40 ff.) und der Ritus (S.67f.; 105 ff.; 160) sind nichtverbale Kom­munikationsmittel, die die unabhängigen Kirchen Afrikas (S.45; 105) von Anfang an in den Vordergrund ihrer Verkündigung gestellt haben. Westlich orientierte Kirchen haben diese Grundbedürfnisse des Afrika­ners zu wenig gesehen, erkannt und aufge­nommen.

Das Buch ist in vierzehn Untertitel aufge­teilt. Die ersten vier Punkte sind eine grundlegende Darbietung, in der sich Dierks damit befaßt, wie die biblische Botschaft zu einem „Kommunikationsprozess“ wer­den muß, wenn sie durch die Vermittlung des „Senders“ an den „Empfänger“ auf dem Boden der einheimischen Kultur und Reli­gion ausgetragen wird. Die Punkte 5-13 stehen paradigmatisch für die „interkultu­relle Kommunikation bei den Tswana“. Als Anknüpfungspunkte wählte Dierks die Be­griffe „Religion“, „Gott“ und „Heil“.

Jeder Begriff wird auf drei Ebenen unter­sucht. Zunächst behandelt Dierks das tra­ditionelle Verständnis von Religion, Gottes­bild und Heil (5; 8; 11). Daran schließt sich die „missionarische Verkündigung“ an (6; 9; 12); eine Reflexion zur Übersetzung der Botschaft des Evangeliums durch die Mis­sionare. Auf der dritten Ebene befaßt sich Dierks mit dem „Christentum der Tswana“ (7; 10; 13). In diesem Teil werden auch Probleme der zweiten Generation angespro­chen. Kapitel 14 ist eine kurze Schlußbe­merkung.

Das Buch ist entstanden aus der reichen Diensterfahrung des Verfassers. Die aus­führlichen Beispiele aus den Dienstjahren Dierks’ unterstreichen seine missionstheo­logischen Untersuchungen und lassen das Buch jedem Missionar empfehlen, der es mit Afrika zu tun hat oder darüber hinaus ein Gespür und eine erweiterte Sensibilität für die „interkulturellen Kommunikationen“ entwickeln möchte.

Heinrich Bammann, em 1987-3.

Dortzbach, Deborah & W. Meredith Long. The Aids Crisis – What We Can Do. Downers Grove. Ill., USA: IVP, 2006.

Deborah Dortzbach und Dr. W. Meredith Long arbeiten beide für „World Relief“ und greifen auf über 20 Jahre Erfahrung im Bereich HIV zurück. Das Buch verspricht eine praxisorien­tierte Antwort zur HIV/AIDS-Frage. Wie kön­nen wir, insbesondere die Kirchen, auf die Krise AIDS reagieren? Es spannt einen Bogen zwi­schen der verheerenden weltweiten AIDS Situa­tion bis hin zum Einzelschicksal, wo Hoffnung zu sehen ist.

Es gibt ca. 40 Mio. HIV infizierte Menschen. Bis 2010 rechnet man mit 25 Mio. Waisen und weiterhin schneller Ausbreitung bei fehlender kurativer Therapie sowie fehlenden Impfstoffen. Hinsichtlich der Krankheit besteht ein starkes soziales Stigma. Auch weil AIDS sehr schnell eine ethische Diskussion entfacht, werfen die Autoren in diese Situation hinein Fragen auf, um den Leser zu mobilisieren und ihn zu prakti­schem Handeln zu bewegen. Die Autoren schreiben aus christlicher Sicht mit großer me­dizinischer und sozialer Erfahrung. Sie ergänzen das mittlerweile unüberschaubare Angebot an Literatur zum Thema HIV/AIDS durch einen christlichen, sehr stark praxisorientierten und partizipatorischen Ansatz. Das Buch gibt einen Überblick über das Thema AIDS, beginnend mit Grundlageninformationen über die Krankheit selbst, sowie über die Situa­tion in den einzelnen Teilen der Welt. Ein gan­zes Kapitel ist dem Schutz der Jugend gewid­met. HIV/AIDS betrifft vor allem Menschen im Fortpflanzungsalter (15-49 Jahre). Verschiedene Möglichkeiten, die Jugend aufzuklären und sie zu schützen, werden diskutiert. Ein anderes Kapitel gilt der Familie. AIDS kann hier durch Ignoranz, Tradition, Scham und andere Gründe sehr zerstörend wirken. Es geht besonders um Ehen, kritische Beleuchtung von Kinderheimen, Pflege innerhalb der Familie und wie Kirchen durch Bedarfsanalyse, Beratung, spezielle Ange­bote, Zeit, Essen und Liebe helfen können. In einem weiteren Kapitel unter der Überschrift „Gewalt von AIDS“, geht es den Autoren u.a. um Frauen, die kein Mitspracherecht im Bereich Sexualität haben, fehlende Impfstoffe, mangeln­de sexuelle Aufklärung, fehlende Vermittlung von Werten wie sexuelle Reinheit und den Wert des Lebens selbst. Kondome seien die primäre Waffe gegen eine Infektion bei denen, die sich sexuell risikoreich verhalten. In dem sehr praktischen Kapitel zum Thema Be­treuung wird über die Pflichten und Möglich­keiten des einzelnen Familienmitglieds, der Regierung und der Kirche gesprochen. Kirchen spielen eine bedeutende Rolle, insbesondere bie­ten sie einen geistlichen Rahmen in säkularen Präventionskampagnen.

Das Buch zeichnet sich aus durch eine gelun­gene Kombination aus gut recherchierten Daten und Widerspiegelung der Realität, die oft dem Nicht-Infizierten, insbesondere in der westlichen Welt, verborgen bleibt. Die Autoren legen sehr viel Wert auf eine persönliche Identifikation mit dem Thema und mit den infizierten und betrof­fenen Menschen. Das Buch ist auch für den Laien verständlich, eine wirkliche Hilfe sowohl für den Einzelnen als auch eine gute Grundlage für Organisationen und Kirchen, um den Be­troffenen umfassend zu helfen, denn HIV/AIDS ist nicht nur ein rein medizinisches Problem. Lebendige persönliche Beispiele aus dem Leben von Betroffen verdeutlichen die einzelnen Aus­sagen und bringen dem Leser die Problematik vom Kopf ins Herz, was in Nachrichten oder wissenschaftlicher Literatur in der Regel nicht erfolgt. Das Buch zeigt, dass HIV/AIDS auch ein Problem ist, bei dem Kirchenleiter ihre Ver­antwortung übernehmen müssen, was durch Un­kenntnis und Ignoranz bisher viel zu wenig ge­schehen ist. Es ruft auf, die Diskussion zu been­den, ob Christen auf die AIDS Problematik überhaupt antworten sollten. Aber auch der Einzelne wird hinterfragt hin­sichtlich seiner Haltung gegenüber Infizierten, Homosexuellen und der Bereitschaft sich zu identifizieren und praktische Hilfe zu leisten. Mit viel Feingefühl werden die Schicksale dem Leser nahe gebracht. Durch die Fragen am Ende der Kapitel motiviert dieses Buch zum Nachden­ken und Handeln. Es ist ehrlich geschrieben und stellt klar, dass AIDS-Arbeit schmerzhaft und lang ist und nicht zu großem Ruhm führt. Es ist ein Arbeitsbuch, das das Wesentliche für die AIDS-Arbeit beinhaltet. Dieses Buch ist nicht als medizinisches Fachbuch gedacht. Das Ziel, in dieser kurzen Fassung Menschen zum Nach-und Mitdenken anzuregen, wird aber erreicht. Es gibt einen umfassenden Eindruck des Problems AIDS. Mit seinen breiten HIV- und AIDS Buch-und Online-Literaturangaben ist dieses Werk ein mobilisierendes, praktisches, anrührendes und herausforderndes Arbeitsbuch, das in allen Be­reichen Standardwerk sein sollte, entweder als Grundlage oder Ergänzung zu den anderen Ba­siswerken, da AIDS ein multisektorales Problem ist, dass definitiv nicht nur medizinisch in den Griff zu bekommen ist.

Dr.med. Ulf Basting-Neumann, em 2008-2.

Dubach, Alfred; Roland J. Campiche (Hg.). Jede(r) ein Sonderfall? Religion in der Schweiz. NZN Buchverlag: Zürich, Friedrich Reinhardt: Basel, 1993.

Zerfall oder Aufwärtstrend der Religion – was stimmt heute in den sogenannten modernen westlichen Gesellschaften? Um ein präzises und umfassendes Bild der religiösen Situation zu bekommen, wurde 1988/1989 eine Studie von einem fünfköpfigen Expertenteam des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Insti­tutes in der Schweiz durchgeführt. Die dabei erzielten Ergebnisse sind von der religiösen Entwicklung in Europa nicht zu trennen. Dabei werden Themen wie die Individualisierung des Glaubens, die Stellung des einzelnen zu den Institutionen, die Glaubensorientierung vermit teln, der Grad der Loyalität der Schweizer zu ihren Kirchen, die wachsende Säkularisierung und das Verhältnis von Religion und Kultur behandelt. In den Schlußfolgerungen ver­knüpfen die Autoren diese Themen- und Fra­genkomplexe und geben Überlegungen und Anregungen für die Zukunft.

Die Experten haben wissenschaftlich sauber gearbeitet. In den gesamten Text sind präzisie­rende Tabellen und Graphiken eingearbeitet. Im Anhang finden sich eine Beschreibung der Stichprobe, der bei dieser Umfrage verwendete Fragebogen mit einer Häufigkeitsauszählung, sowie eine Bibliographie. Ablauf und Ergeb­nisse der Untersuchung können vom Leser geprüft werden.

Als Adressaten werden alle diejenigen angegeben, die im religiösen Bereich engagiert sind, die die religiöse Lage besser einschätzen wollen und die daran interessiert sind, heutige Religiosität zu verstehen oder fundierte Äuße­rungen zum Thema Religion machen wollen. Leider ist dabei die wissenschaftliche Sprache bei aller Genauigkeit zu hoch, sodaß nur der Experte, nicht aber der interessierte Laie den Inhalt versteht. Das ist sehr zu bedauern, da das Buch endlich Fakten zu diesem interessanten Thema liefert, und das nicht nur für Schweizer!

Veronika J. Elbers, em 1995-4.

Dudley-Smith, Timothy. John Stott: The Making of a Leader (Bd. 1), Leicester: IVP, 1999.

Dudley-Smith, Timothy. John Stott: A Global Ministry (Bd.2), Leicester: IVP, 2001.

Mit Recht wurde festgestellt: Billy Graham war der Motor und John Stott der Kopf des evangelikalen missionarischen Neuaufbruchs seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Vor allem die Lausanner Bewegung, deren Wurzeln bereits auf dem Weltkongreß für Evangelisation 1966 in Ber­lin gelegt wurden, ist geprägt von Stotts biblisch­theologischem Denken, verbunden mit ökumeni­scher Gesprächsbereitschaft, einer Weite des Hori­zonts und einer Haltung der Demut. John Stott ist der theologische Denker hinter der Lausanner Ver­pflichtung von 1974, dem Grunddokument gegen­wärtiger evangelikaler Missionstheologie in aller Welt.

Das Leben dieses missionstheologisch so bedeut­samen Mannes erzählt T. Dudley-Smith, ehemali­ger Bischof der anglikanischen Kirche und Freund John Stotts, in diesen beiden Bänden auf über 1000 Seiten. Jeder der acht Abschnitte der zweibändigen Biographie ist einem Jahrzehnt in Stotts Leben gewidmet (von den 1920ern bis in die 1990er Jah­re), und beginnt mit einer kurzen zeit- und kir­chengeschichtlichen Beschreibung des Jahrzehnts und konzentriert sich dann in mehreren Unterkapi­teln (insgesamt 28) auf Leben und Werk des „Pro­tagonisten“ in diesem Zeitraum. Im Zentrum des ersten Bandes stehen die formativen Jahre des jungen Stott (Bekehrung, Berufswahl), die u.a. durch einen durch Stott Pazifismus ausgelösten Konflikt mit dem Vater geprägt sind, und der prä­gende Dienst als Hauptpastor („Rector“) in der Londoner anglikanischen All Souls Gemeinde (seit 1950). Auch nach der Aufgabe dieses Amts 1970 bleibt Stott als „rector emeritus“ mit der All Souls Gemeinde verbunden. Der zweite Band beschreibt die weltweite Ausdehnung des Dienstes von Stott von den 1960ern bis in die 1990er Jahre. Hier be­kommt der Leser Einblick in Stotts Rolle in der Lausanner Bewegung, seine prägenden Teilnahme am Evangelikal-Römisch-katholischen Dialog über Mission (ERCDOM) oder das von ihm geführte missionarisch-apologetische Projekt des „London Institute for Contemporary Christianity“. Viel Raum bekommen auch theologische Entwicklun­gen in Großbritannien, wie z.B. die spektakuläre Auseinandersetzung um den Verbleib der Evangelikalen in der Church of England, in der John Stott und Martyn Lloyd-Jones 1966 konträre Positionen vertraten. Nicht alle diese Entwicklungen werden für den nicht-britischen Leser von erhöhtem Inte­resse sein. Darüber hinaus bietet Dudley-Smith immer wieder auch gründliche Einblicke in das literarische Schaffen Stotts, indem er die wichtigs­ten Publikationen in ihrer Bedeutung in den Le­benslauf integriert und darstellt. Dudley-Smith ist sich der Schwierigkeit, Biogra­phien über lebende berühmte Männer zu schreiben, sehr wohl bewusst, mit denen man auch befreundet ist. Wie zu erwarten hält er sich darum in seinem Urteil sehr zurück. Stott hat ihm allerdings vollen Zugang zu den privaten Papieren gegeben und ihn gebeten keine „Hagiographie“, sondern „eine ehr­liche Einschätzung meines Lebens und Wirkens zu geben – mit Ecken und Kanten“ (Bd.1, S.15, meine Übersetzung). Das ist auch weitgehend ge­lungen, wenn auch verständlichlicherweise die sympathische Beschreibung die kritische Analyse überwiegt. Streckenweise empfindet man die Dar­stellung als zu detailreich und weit ausholend, so dass man erst den roten Faden wieder suchen muss. Stott selbst faszinierten Biographien am meisten, die „nicht nur die Geschichte erzählen, sondern das Geheimnis aufdecken“ (Bd.1, S.12). Das kann und will dieses zweibändige Werk nicht bieten (obwohl am Schluss doch das „Geheimnis“ Stotts in drei Dingen festgestellt wird: rigorose Selbstdisziplin, völlige Demut und eine betende Geisteshaltung, Bd.2, S.453). Es ist vielmehr eine überaus gründliche und materialreiche Dokumen­tation über das Leben und Wirken Stotts vor dem bewegten Hintergrund des 20. Jahrhunderts und im Zeugnis vieler Zeitgenossen. Das Buch ist mit ausführlichen Fußnoten, einer Bibliographie (nicht der Werke Stotts – eine solche hat der Autor separat veröffentlicht) und einem Index versehen. Ein tabellarischer Lebenslauf wäre zur Übersicht hilf­reich gewesen. Insgesamt: ein authentisches und inspirierendes Bild eines herausragenden missiologisches Denkers des 20. Jahrhunderts, eine wichti­ge Quelle für evangelikale Missionsgeschichte im 20. Jahrhundert.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2004-1.

Dueck, Gerry. Kids for The World. A Guide­book for Children’s Mission Resources. William Carey Library: Pasadena, 1990.

Dieses Arbeitsbuch läßt das Herz von Mitar­beitern in der Kinder- und Jugendarbeit höher schlagen. Auf 57 Seiten werden amerikanische Hilfsmittel zum Thema Mission für diese Altersgruppe aufgeführt und vierfach regi­striert: Lehrpläne, Bücher, Geschichten, Arbeitsmaterialien, Medien, Lieder, etc mit­samt Bezugsadressen. Die andere Hälfte bietet konkrete Anleitungen: einen 52-stündigen Lehrplan, Beispielstunden und -geschichten, Arbeitsanleitungen und Kopiervorlagen. Davon erscheint manches für uns adaptierbar. Besser wäre jedoch ein gleichartiges Verzeichnis für den deutschsprachigen Raum. Ein Anfang war in der Bibliographie evangelikaler Missionen (bem) enthalten. Wer hat Interesse?

Christof Sauer, em 1995-2.

Ekman, Ulf. Doctrine - The Foundations of the Christian Faith. Uppsala: Word Life Publicati­ons, 1996.

„Doctrine“ ist die englische Übersetzung der schwedischen Originalausgabe von 1995. Sie ist Ekmans Versuch einer systematischen Theologie. Herausgekommen ist dabei eher ein biblisch-theologisches Handbuch, in dem Ek­man seine Erkenntnisse und Einsichten addiert. Seine „Lehre“ besteht zu einem großen Teil aus einer Kette von biblischen Zitaten und Aufli­stungen (Extrembeispiele 27-38 und 219ff.)

Der Buchaufbau folgt den klassisch lutheri­schen Loci. Ekman, der ja ein dezidiert charis­matischer Vertreter und Anhänger einer Glau­benstheologie Haagin’scher Prägung ist, erwarb an der Universität Uppsala einen theologischen Grad. Nur wenige Aussagen (z. B. Rechtferti­gung schließt die körperliche Heilung mit ein, 186ff.) und allenfalls die kurz gehaltenen Ka­pitel über Pneumatologie und Angelologie (speziell der Abschnitt über Dämonenaustrei­bung) machen deutlich, daß hier nicht bloß ein lutherisch-evangelikal geprägter Pastor am Werke war. Bei der Soteriologie schlägt Ekmans Herz. Das beweist allein schon der Umfang des Kapitels. Allerdings zeigt sich hier auch eine besondere Schwäche des Buches, denn die Trennlinien, z. B. zur Christologie, werden nicht immer deutlich gezogen. Generell sind Gedankenführung und Kapitelaufbau nicht immer klar strukturiert; eine kreisende und sich häufig wiederholende Tendenz ist erkennbar.

Ekman kommt in seiner „Lehre“ mit nur ei­ner Fußnote aus (eine Erläuterung zur jüdi­schen Bar Mizwa). Eine Bibliographie sowie ein In­dex fehlen völlig. Biblische Aussagen erschei­nen als einzige Quellenangaben. Die drei im Nachwort aufgeführten altkirchlichen Be­kenntnisse (Apostolikum, Nizänum und Atha­nasianum), auf denen Ekmans Lehre ba­sieren soll, werden im Text nicht zitiert. Sollen sie die Kontinuität mit den Anfängen der christlichen Kirche ausdrücken oder ein refor­matorisches Selbstverständnis dokumentieren? Mehr als 40 DM sind für dieses Buch jeden­falls ein recht hoher Preis.

Joost Reinke, em 1997-4.

Elliot, Elisabeth. Amy Carmichael. Ein Le­ben in der Nachfolge. Neu­hausen: Hänssler, 1995.

Der bekannte indische Bischof und Missionshi­storiker Stephen Neill äußerte einmal, daß aus heutiger Per­spektive und aus Liebe zur Wahr­heit eine große Anzahl erbaulicher Missionars­biographien neu ge­schrieben werden müßten. Auch auf dieses Buch, das den Wer­degang Carmichaels von Irland über Japan, China und Ceylon nach Indien und die Entste­hung der Dohnavur-Fellowship zur Rettung von Tem­pelkindern beschreibt, trifft sein Urteil zu.

Für Neill war Amy Carmichael keine Unbe­kannte, denn er hatte sie in Dohnavur selbst kennengelernt. Er mußte die Arbeit aber bald verlassen, da sich unüberbrückbare Differenzen ergaben. Ohne den Einsatz und das Werk von Amy Carmichael und auch Elisabeth Elliot ge­ring schätzen zu wollen, empfinde ich diese Biographie als oft beschönigend und damit ein bißchen unehrlich. Die vielen Konflikte und Anfeindungen, denen die Dohnavur-Fel­lowship ausgesetzt war, sind nicht nur einfach Angriffe des Satans, wie sie es selbst empfun­den haben, sondern auch das Ergebnis eigenen Verschul­dens, von falschem Autoritätsdenken und Führungsver­ständnis bis zu Überängstlich­keit und Unflexibilität. Wenn die Dohnavur-Kinder beim Eintritt in ein College weder das indische Englisch noch Ta­mil richtig verstehen bzw. sprechen konnten, ist dies z. B. ein sehr deutli­cher Hinweis darauf, daß hier eine unge­sunde und auch ungeistliche Iso­lation stattge­funden hat.

Der Stil der Autorin (er soll wohl erbaulich sein) ist mir ein wenig zu süßlich und die Er­zählung oft unzu­sammenhängend. Bedauerli­cherweise kann ich daher diese Lektüre einem heutigen anspruchsvollen Missions­interes­sier­ten nicht empfehlen, sondern muß mich Neill in dem Rat an­schließen, eine neue Biogra­phie über Amy Carmichael zu verfassen.

Martin Sachs, em 1997-2.

Engel, James F. & William A. Dyrness. Changing the Mind of Missions – Where Have We Gone Wrong? Downers Grove: InterVarsity Press, 2000.

Dieses Buch ist ein hilfreicher Beitrag zur Diskussion um die Spannung zwischen Missionswerken und Gemeinden. Als jemand der seit vielen Jahren in der missionarischen Arbeit im Ausland tätig ist, muss man schon kräftig schlucken, denn manche traditionellen Überzeugungen werden in Frage gestellt. Die Autoren sind bekannte Missionswissenschaftler: Dyrness lehrt am Fuller Seminary und Engel im Ruhestand am Eastern College. Auch wenn sie den nordamerikanischen Kontext im Blick haben, ist ihre Kritik auch für europäische Missionswerke von Bedeutung.

Nach Ansicht der Autoren ist die westliche Missionsarbeit stark von der Moderne beeinflusst. Mission wird als Bewegung vom Zentrum zur Peripherie verstanden, der Glaube als persönliche Angelegenheit betrachtet, und Missionsstrategien sind pragmatisch begründet. Dies erweist sich in einer postmodernen Welt als negativ. Die große Chance für die Mission liegt darin, dass die Postmoderne wieder näher an den ursprünglichen Werten dran ist, wie sie besonders in der Zweidrittel-Welt geschätzt werden und wie sie Jesus zu seiner Zeit gelebt hat: Religiöse Vorstellungen haben auch im öffentlichen Leben Platz, die Realität des Bösen wird anerkannt, und Gemeinschaft ist wichtiger als Individualität.

Anhand der fiktiven Geschichte eines Missionsdirektors, seiner Missionsgesellschaft und einer mit ihnen verbundenen Gemeinde beschreiben die Autoren in spannender Weise die Herausforderungen im Verhältnis Missionsgesellschaft – Gemeinde sowie einen möglichen Lösungsansatz. Das Paradigma ihrer Missionsstruktur stammt von Jesu selber: die Aufrichtung und Ausbreitung des Reiches Gottes und seiner Herrschaft auf der ganzen Welt. Die Kernbotschaft lautet: „Mission in einer postmodernen Welt wird Gemeinde-zentriert sein, ausgerichtet auf Stärkung und Befähigung der Leute Gottes. Die Botschaft des Evangeliums wird wieder ganzheitlich gesehen, ausgedrückt durch Worte und glaubhaft gemacht durch das ‚Salz und Licht’ das von aufrichtiger Gemeinschaft kommt (Mt 5,13-16). Individuelle Initiativen werden der Arbeit in Netzwerken Platz machen, wobei die Stärken der Einzelnen sich gegenseitig ergänzen, indem Christen zusammen denken, arbeiten und beten um die Herrschaft Christi auszubreiten“ (S.80f.).

Das Buch ist lesenswert für Gemeindemitarbeiter denen das Anliegen der Weltmission am Herzen liegt. Eine Gemeinde, die sich nicht als Institution, sondern als lebendigen Organismus versteht, hat auch bei postmodernen Menschen große Chancen. Das Anliegen der Weltmission wird nicht nur durch finanzielle oder personelle Unterstützung gefördert, sondern die Gemeinde nimmt eine aktive Rolle ein: sie mobilisiert ihre eigenen Ressourcen und ergreift die Initiative, um einen bestimmten Auftrag auszuführen. Dies geschieht oft in Zusammenarbeit mit einer Missionsgesellschaft. Mission ist nicht nur ein Programmpunkt unter vielen, sondern das weltumspannende versöhnende Werk Gottes bestimmt alle anderen Gemeindeprogramme.

Die zweite Zielgruppe des Buches sind die Missionsgesellschaften. Sie werden nicht darum herumkommen, sich zu verändern, ein Prozess der Transformation ist gefragt. Dabei sollte sich eine Missionsgesellschaft u.a. folgende Frage stellen: „Welchen Unterschied würde es auf die Weltsituation bzw. auf die Gemeinden in den sendenden Ländern machen, wenn unsere Organisation nicht bestehen würde?“

Die Autoren haben nicht die Antworten auf alle Fragen, aber sie machen Mut, sich auf eine Pilgerreise in unbekanntes Land einzulassen. Ein spannendes Unternehmen!

Reinhold Strähler, em 2006-4.

Engel, James F. & William A. Dyrness. Changing the mind of Missions – Where have we gone wrong? Downers Grove: Intervarsity Press, 2000.

Kaum ein anderes missiologisches Buch hat zu einem solch radikalen Umdenken in der Weltmission aufgerufen, wie der vorliegende Band der beiden bekannten Missiologen James F. Engel und William Dyrness. Mit großer Sorge beobachten die Autoren die Anpassung vieler Missionswerke an den westlichen Wirtschaftspragmatismus (S. 18) und befürchten ihr Aussterben in den nächsten 10 Jahren, weil sie Mission stellvertretend für die Gemeinden statt mit ihnen zusammen tun. Viele Missionsleiter sähen Gemeinden lediglich als Quelle für Personal und Finanzen an, statt ihnen zu dienen (S.122). Gemeinden müsse ihre zentrale Rolle in der Mission wieder zurück gegeben werden (S.110-142). Das Modell der Glaubensmissionen, das auf Freiwilligen basiere (S. 146), die nur auf Gott vertrauten, sei weder biblisch begründbar noch werde es von Gemeinden in den Heimatländern länger hingenommen (S.75). Darum rufen die Autoren zu einer echten Partnerschaft zwischen Missionsgesellschaften und Gemeinden in den Heimatländern (S.81,127) auf. Gemeinden sollten unmittelbar am Leben und Wirken ihrer Missionare beteiligt sein.

Zudem beklagen die Autoren, dass westliche Missionswerke weitgehend einem menschlichen Strategie- und Methoden-Denken (S. 67) zum Opfer gefallen sei, das sie mit Samuel Escobar als „Managerial Missiology” (S. 87) bezeichnen: Strategisches Planen und Problemlösung, numerische Ergebnisse, Finanzierungspläne (S. 68), Kommunikationstechniken (S.68), Marketingstrategien (S.69) und Fundraising (S.73) bis hin zu irreführenden Erfolgsstorys (S.72), das Vertrauen auf westliche Macht und Einfluß (S.45), Verquickung von Evangelium mit westlicher Kultur (S.80) bestimmten viele Aktivitäten. Dies basiere auf dem Leitbild der „Moderne” (S.61ff, 78), d.h. der Ideologie von Vernunft, Zahlen (S.68ff), Management und Methoden (S.106), die längst von der Postmoderne abgelöst worden sei (S.173ff). Dadurch verschließe man sich dem Wirken des Heiligen Geistes und werde taub für seine Leitung. Im gleichen Atemzug werde Mission auf Evangelisation (möglichst viele Menschen mittels vorgefertigter evangelistischer Methoden – „prepackaged evangelistic tools” genannt - mit dem Evangelium zu erreichen, S.64; 87) reduziert, die auf die örtliche Situation im Einsatzland wenig abgestimmt seien. Mission sei zu einer „Industrie” (S.50) verkommen, auf einen Massenartikel reduziert, den es zu vermarkten gelte (S.69). Mission sei stattdessen Gottes Mission; es geht um die Verherrlichung Gottes. ER ist verantwortlich für das Ergebnis, nicht wir Menschen (S.37). „Mission fließt aus dem Herzen von Menschen, die durch den Heiligen Geist transformiert wurden und alles verlassen, um Christus zu folgen” (S.36).

Im Zentrum des biblischen Missionsauftrags stehe zudem das „Jünger Jesu machen” (S.31,64), das Wachstum in der Heiligung (S.88), die Integration von Gläubigen in eine Gemeinde (S.102,117), Hingabe und Transformation des ganzen Lebens (S.29), die Herrschaft Jesu in seinem Volk (S.39; 115). Die Gemeinde solle ein Segen für die Umgebung darstellen („soziale Transformation”, S.64, 89). Aufrüttelnd sind die Worte eines afrikanischen Gemeindeleiters: „Your people brought us Christ, but never taught us how to live”(S.22). Das Evangelium sei nicht eine Privatsache ohne gesellschaftliche Relevanz (S.22, 65). Das schließe die Wahrnehmung von struktureller Sünde und Ungerechtigkeit (S.93) ein. Es gehe um Erlösung und Versöhnung, Evangelisation und soziale Transformation (S.64).

Dabei sei die Kooperation von Missionswerken untereinander (S.71; 96,181) wie auch mit lokalen Gemeinden im Einsatzland (S.76) zwingend erforderlich, statt Konkurrenzdenken und isolierten Einzelinitiativen (S.96) Raum zu geben. Entscheidungen sollten vor Ort getroffen (S.77) und große Allianzen (S.171; 181) in den Einsatzländern gebildet werden, statt wirtschaftlicher und politischer Macht (S.45f) und Kontrolle aus dem Westen (S.97). Da habe die alte Arbeitsweise mit der Abhängigkeit von externer Finanzierung (S.73) oft die Entwicklung von Eigeninitiative (S.73) und einheimischen Resourcen (S.20) eher behindert.

Die bisherigen Markenzeichen der westlichen Mission „Organisatorische Brillianz und zentralisierte Verwaltung” (S.67) müßten ersetzt werden durch schlanke Administration bei verstärkter Motivation und Befähigung von Mitarbeitern (Schulung von Führungskräften S.160). Statt der Fixierung auf Projektziele (S.113; 166) sollte jeder einzelne Mitarbeiter persönlich gefördert werden (S.124; 153ff). Statt hierarchischen Führungsstrukturen (S.113; 148) und Kontrolle von oben (S.23) werben sie für dezentralisierte Teams (S.158), lokale Initiativen (S.98) und die Ermöglichung alternativer Wege (S.158). „Gebet ist wichtiger als Aktion; Dienstbereitschaft und Selbstaufgabe wichtiger als Dominanz und Kontrolle” (S.166). Dieser fundamentale Richtungswechsel in der Mission müsse zügig eingeleitet werden (S.167). Dafür böte der gesellschaftliche Wechsel von der Moderne zur Postmoderne einen gute Chance, da letztere geprägt sei von dem Wunsch nach persönlichen Beziehungen, Vertrauen, Spontaneität, Spiritualität und ganzheitlichem Leben (S.81;173-183).

Diese markanten Thesen sind eingepackt in eine spannende Rahmengeschichte von einer fiktiven Gemeinde und einem Missionswerk, die aus der Not heraus beide den vorgeschlagenen Paradigmenwechsel wagen. Diese Geschichte zieht sich durch das ganze Buch hindurch - die Abschnitte sind am Seitenrand durch einen Balken klar gekennzeichnet - und überträgt die grundlegenden Gedanken auf die konkrete Situation von Missionswerken und Gemeinden.

Mit ihren mutigen Gedanken fordern die Autoren zum Neu- und Umdenken heraus und provozieren Widerspruch – kein missiologisches Buch wurde in letzter Zeit so heftig diskutiert (vgl. Mission Frontiers Dez. 2000, S.5, EMQ Jan. 2001, S.92-98); keinem anderen wurde so viel destruktive Kritik unterstellt. Es ist aber zugleich ein hoffnungsfrohes Buch, denn es zeigt neue Wege auf und macht Gemeinden und Werken Mut, Veränderungen zu wagen (S.143-172). Kein anderes Buch habe ich so inspirierend empfunden und mit so viel Gewinn gelesen.

Zwar kann ich mich der unkritischen Euphorie über die Postmoderne (mit ihren unbestreitbaren Vorzügen wie auch Nachteilen) nicht uneingeschränkt anschließen, ebenso wenig den scharfen Kontrasten, die sie zwischen dem alten und dem neuen Denken sehen – es ist aber gerade die Stärke der amerikanischen Denkweise, komplexe Fragen auf wenige Grundprinzipien zurückzuführen und einfache Antworten zu finden, die mit großem Engagement und Überzeugungskraft vorgetragen werden. Zudem sehe ich das Problem nicht nur auf Missionsgesellschaften und ihrer Leitung beschränkt – das radikale Umdenken ist ebenso bei den Missionaren gefordert, denn ihnen kommt eine entscheidende Rolle im Verhältnis zu ihren Heimatgemeinden und den Kirchen im Einsatzland zu – dieses Thema ist in dem Werk leider ausgeklammert.

Das Buch ist spannend geschrieben; die Leitgedanken werden in den verschiedenen Kapiteln immer wieder in neuer Form entfaltet und prägen sich so besser ein. Fußnoten verweisen auf weiterführende Literatur. Mit praktischen Fragen wird zum Überprüfen der Effektivität von Missionswerken eingeladen und die einzelnen Phasen des Veränderungsprozesses skizziert (S.143-173), auch wenn mir diese den Eindruck vermitteln, dass die Autoren doch wieder auf das sonst kritisierte Methoden-denken zurückgreifen mußten. Das äußerst praktische Buch schließt Checklisten mit provokativen Kernfragen ein, wie etwa: „1. Welchen Unterschied würde es für die Welt machen, wenn dieses Missionswerk aufgelöst würde? 2. Welchen Unterschied würde es für die Gemeinden in den Heimatländern machen? 3. Was können wir beitragen zum Leib Christi, der bereits in dieser Volksgruppe am Werk ist?” (S.150)

Von keinem anderen Missionsbuch bin ich so sehr inspiriert und herausgefordert worden wie dem vorliegenden. Es ist zum Lesen sehr empfohlen, ja es sollte Pflichtlektüre für jeden Missionsleiter und Missionar sein.

Dr. Detlef Blöcher, em 2001-3.

Enger, Philipp A. Die Adoptivkinder Abrahams. Eine exegetische Spurensuche zur Vorgeschichte des Proselytentums. Beiträge zur Erforschung des Alten Testaments und des Antiken Judentums 53. Frankfurt/Main: Peter Lang, 2006.

Philipp Enger promovierte im Wintersemester 2002/03 mit einer Studie zur Vorgeschichte des Proselytentums an der Humboldt-Universität in Berlin, die er nun in überarbeiteter Form veröffentlicht. Der Studienleiter in einem Bildungswerk der EKD begibt sich hier auf die Suche nach Konversionsphänomenen im Alten Testament, also nach dem, was in der Missiologie auch als „Bekehrung“ bezeichnet wird.

Um dabei der Gefahr einer „Rechtfertigung der aggressiven christlichen Missionsideologie durch angebliche jüdische Vorläufer“ (S.31) zu entgehen, gründet Enger die seiner Untersuchung zugrunde liegende Definition von „Konversion“ auf die Ergebnisse moderner Human- und Religionswissenschaft. Von H. Mohr (Art. Konversion/Apostasie in Handbuch religionswissenschaftlicher Grundbegriffe, 3: 436-45, 436, Hg. H. Cancik u.a., Stuttgart, 1993) übernimmt er drei Indikatoren für eine gelungene Konversion: (1) Die Veränderung der kognitiven Grundeinstellung, sichtbar oft durch Bekenntnisakte, (2) die Neuorientierung der Mentalitäts- und Verhaltensmuster und (3) der soziale wie religiöse Statuswechsel in Form einer Integration in die Gemeinschaft.

In dem ausführlichen exegetischen Teil seiner Monographie trägt Enger in kanonischer Rei-henfolge (Tora, Propheten, Schriften) die Texte von der Aufnahme des Fremden (Dtn 23,2-9 u.a.), dem Umgang mit den Gibeonitern (Jos 9), sowie das Tempelgebet Salomos (1.Kö 8,41-43) und die Erzählung von Naaman (2.Kö 5) zusammen. Hier finden sich zwei Exkurse zu Jitro (Ex 18,11) und Rahab (Jos 2,9-11). Es folgen Überlegungen zu den Deportierten in Samaria (2.Kö 17,24-41), dem Ausländer in Jes (56,1-8), dem ger („Fremdling“) in Hes, den Seeleuten und Niniviten in Jon, sowie zu Rut (1,16f) u.v.m.

Indem sich Enger im Bereich „Tora“ auf 250 Seiten fast ausschließlich mit den Gesetzes-texten zur Problematik des ger beschäftigt, reiht sich seine Studie in die einschlägigen Untersuchungen von C. Van Houten (The Alien in Israelite law, Sheffield, 1991) und C. Bultmann (Der Fremde im antiken Juda, Göttingen, 1992) ein, lässt jedoch eine Auseinandersetzung mit J.E.R. Kidd (Alterity and Identity in Israel, Berlin, 1999) und M. Zehnder (Umgang mit Fremden in Israel und Assyrien, Stuttgart, 2005) vermissen.

Enger kommt in seiner Studie zu einem überwiegend negativen Ergebnis. Für die vorexilische und exilische Zeit könne in keinem Fall von Konversion gesprochen werden. Trotz aller Integrationsbestrebungen habe der ger letztlich keinen Zugang zur Versammlung (‘edah) und Gemeinschaft der „Söhne Israels“. Zur Aufnahme des Edomiters und Ägypters in die Versammlung (qahal) in Dtn 23,2-9 postuliert Enger eine Vorform des Texts, in der es lediglich um eine Duldung im Land gegangen sei. Erst in nachexilischer Zeit sei der Wunsch nach Integration in die „utopische Gemeinschaft“ hinzugekommen (S.296). Die Erzählung von Naaman diene „einzig der politischen und religiösen Selbstwertsteigerung jüdischer Leser“ (S.500), Elisa versage ihm in seiner Antwort die autoritative Anerkennung (2.Kö 5,19). Bei Rut sieht Enger ein Problem darin, dass „ihr Verhältnis zu ihrer moabitischen Heimatgottheit ungeklärt bleibt“ (S.505). Die Seeleute und Niniviten im Buch Jona durchleben keine Integration in die jüdische Gemeinschaft.

Lediglich fünf von Enger deutlich nachexilisch datierte Texte öffnen Nichtjuden den Zugang zum Judentum: Esr 6,21; Neh 10,29; Jes 56,1-8; Hes 14,5-7.11; Est 9,27. Nur die beiden letzten Stellen lassen Enger zu der Hypothese gelangen, „daß der historisch existente Konvertit zum Judentum ein Phänomen der östlichen Diaspora im 3. Jahrhundert ist.“ Enger schließt, dass diese Option einer Konversion in alttestamentlicher Zeit „weit von einer allgemeinen Akzeptanz, theologischen Etablierung oder gar förmlichen Institutionalisierung entfernt“ ist. Völlig abwegig sei von daher die Annahme missionarischer Werbung im Alten Testament (S.518).

Enger bietet eine hervorragende Zusammen-stellung und ausführliche exegetische Untersuchung zahlreicher missiologisch bedeutsamer Texte, insbesondere zur Problematik des ger. Auffällig ist hier das fast völlige Fehlen von Belegen aus den Narrativtexten der Tora, dem weiter hätte nachgegangen werden können. Trotz anfänglicher Bedenken (vgl. S.23, 54) stützt Enger einen großen Teil seiner Ergebnisse auf die Basis umstrittener literarkritischer Hypothesen. Vielfach unterstellt er den Texten tendenziöse Absichten und gibt sich hinsichtlich ihrer Historizität sehr pessimistisch.

Obwohl er in seiner Einführung nachzeichnet, wie sehr die Indikatoren für Konversion im Wandel begriffen sind, legt er sich auf ein wohl eher engführendes Modell fest und führt seine Untersuchung so zu einem negativen Ergebnis. So ist sein Werk, nicht nur aufgrund der 30 engbedruckten Seiten bibliographischer Anga-ben, herausfordernd und unverzichtbar für alle, die sich mit dem Phänomen der „Bekehrung“ im gesamtbiblischen Zusammenhang beschäftigen möchten.

Dr. Siegbert Riecker, em 2007-1.

Escobar, Samuel. A Time for Mission: The Challenge for global Christianity, The Global Christian Library, Leicestershire: Langham Literature & InterVarsity Press, 2003.

Samuel Escobar ist Peruaner und Professor für Missiologie am Eastern Baptist Theological Seminary sowie Präsident der United Bible Societies. Er war als Missionar und Dozent in verschiedenen Ländern der Welt tätig. Escobar legt uns mit seinem Buch einen einführenden Überblick über die missionarischen Herausforderungen der globalen Christenheit im 21. Jahrhundert vor.

Erschienen in der Reihe der Global Christian Library (Hg. John Stott u. David Smith) dient diese Einführung in die christliche Mission (so will Escobar das Buch verstanden wissen, S. 170) dem Ziel der Serie, der Verschiebung christlicher Gravitationszentren in die 2/3 Welt Rechnung zu tragen. Dabei sollen nicht-westliche Autoren relevante theologische Themen aus der Perspektive ihrer eigenen Kultur reflektieren.

Ausgehend von den Veränderungen der globalen Missionssituation zu Beginn des 21. Jahrhunderts entwirft Escobar unter Berücksichtigung der Missionsgeschichte ein trinitarisch-theologisches Missionsmodell, um es für die gegenwärtige globale Situation fruchtbar zu machen. Neben den bekannten missiologischen Wandlungs-Phänomenen (geographische und soziale Veränderung der treibenden Kräfte christlicher Mission), beschäftigt sich Escobar intensiv mit den Auswirkungen der Globalisierung und der postmodernen und postchristlichen Gesellschaftsentwicklung auf die Mission. Dabei warnt er nachdrücklich davor, die materialistische und gewinnorientierte Ideologie der Globalisierung ähnlich unkritisch wie früher den Imperialismus als notwendigen Aktionsrahmen aller missionarischen Bemühungen anzunehmen. Die wirtschaftliche Verabsolutierung radikalisiert Armut und wird so zur Herausforderung ganzheitlicher Mission. Transkulturelle Missionskooper