Buchrezensionen in em der Jahrgänge 1985-2009

Autoren L-Z

Lamparter, Fritz (Hg.). Karl Hartenstein – Leben im weltweiten Horizont. Beiträge zu seinem 100. Geburtstag. edition afem. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1995.

„Die Zeit ist nahe, unser Herr kommt.“ Das bleibt Hartensteins (1894-1952) dringlichster Aufruf an die Christusgemeinde zwischen de­m ersten und zweiten Kommen des Herrn, ihr ganzes Leben, bis hin zum Martyrium, für die Weltmission einzusetzen. Wer seine Schriften liest oder die Bücher von Wolfgang Metzger (1953), Gerold Schwarz (1980) und Christof Sauer (1994) über sein Leben und Wirken er­forscht, der weiß, mit welcher Leidenschaft dieser Mann der Kirche und Mission im Dienste des Reichs Gottes die zentrale Wahr­heit vom wiederkommenden Herrn zu verkün­digen wußte.

Was mich beim Lesen besonders beein­druckt hat, ist die vom Herausgeber bedacht­sam vorgenommene Kombination von wissen­schaftlichen und erbaulichen Beiträgen. Die Sammlung besteht sowohl aus Referaten des Karl-Hartenstein-Symposiums, das vom 3.-4. 6. 1994 von der Freien Hochschule für Mission in Korntal veranstaltet wurde, als auch aus Vorträgen, Predigten und schriftlichen Zeug­nissen zum 100. Geburtstag von Karl Harten­stein. Hier werden Leserinnen und Leser von heute nicht nur mit Hartensteins großem An­liegen von der Dringlichkeit und Notwendig­keit der Mission unter den Völkern der Welt konfrontiert; hier werden sie auch informiert, inspiriert und motiviert, diesen Auftrag im Blick auf die Endzeit ernstzuneh­men.

So wie dieses Buch in keiner Gemeinde-, Missions- und Bibelschulbibliothek fehlen sollte, so ist es auch jedem Gläubigen als Mis­sionslektüre zu empfehlen.

Prof. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 1996-3.

Langley, Myrtle. Von Abraham bis Zarathu­stra. Kleiner Führer durch die Weltreligio­nen. Wuppertal/Zürich: Brockhaus-Verlag, 1995.

Versuche, die eigene und/oder fremde Religio­nen darzustellen, gab und gibt es viele. Die Entwicklungen dieses Jahrhunderts (Internatio­nalisierung, Globalisierung und Plu­ralisierung, inklusive Synkretismus) machen solche Unter­fangen nötiger denn je. Die Irin M. Langley tut dies auf eine sehr ansprechende Art und Weise. Ihren persönlichen Christusglauben bekennt sie am Schluß; ansonsten ist sie weder auf eine wertende noch eine vergleichende Darstellung der großen Religionen der Welt bedacht. Auf jeweils 5-10 S. werden eingangs die Stammes­religionen, der Hinduismus, Buddhismus, die Religionen Chinas (Konfuzianismus und Tao­ismus) und Japans (Shintoismus), der Jainis­mus, Sikhismus, Par­sismus und zum Schluß das Judentum, das Christentum und der Islam vorgestellt. Fast jede der 96 Seiten ist bebildert oder mit einer Graphik versehen. Das ur­sprünglich in Groß­britannien erschienene Buch hat K. Fiedler unter der fachlichen Beratung von Prof. N.-P. Moritzen deutschen Lesern zu­gänglich ge­macht. Bis auf kleine Fehler (z. B. S.82f.) kann dieser kleine Führer durch die Weltreli­gionen vorbehaltlos empfohlen wer­den.

Dr. Gerhard Maier, em 1997-1.

Larentzakis, Grigorios. Die Orthodoxe Kir­che: Ihr Leben und ihr Glaube. Styria: Graz, Wien, Köln, 2000.

Der Autor, der in ‘Konstantinopel’ orthodoxe und in Innsbruck katholi­sche Theologie stu­dierte, lehrt als orthodoxer Theologe Ostkir­chenkunde an der Universität Graz und legt hier eine übersichtlich gegliederte und gut zu lesende Einführung in die orthodoxe Konfessi­onsfamilie vor. Auch wenn der Autor immer wieder und zurecht deutlich macht, dass man die orthodoxen Kirchen nicht verstehen kann, wenn man sie mit westkirchli­chen Methoden einfach nach ihrer Lehre oder Theologie be­fragt, wirkt die Darstellung am Ende doch ka­tholischer und westkirchlicher/westlicher als die Ostkirchen tatsächlich sind. Das bewirkt einerseits, dass Christen aus dem Bereich der Westkirchen (Katholiken, Protestanten) man­ches leichter verständlich wird, andererseits aber auch, dass manches, was dem Westkirch­ler kulturell und theologisch fremd scheint, zu we­nig zum Tra­gen kommt. So wird nirgends der genaue Ablauf der heiligen Liturgie be­schrieben, ohne dessen Symbolik man die or­thodoxe Kirche kaum verste­hen kann. Der Ver­fasser ist außerdem stark im orthodox-katholi­schen Dialog engagiert und versucht mehrfach, bestimmte Unterschiede zwi­schen die­sen bei­den Konfessionen zu minimieren oder als nicht von Ge­wicht zu er­läutern. Das führt aber dazu, dass die orthodoxe Kirche für Protestanten oft ‘katholischer’ erscheint (z. B. Marienverehrung, Heiligen­verehrung, Tradition, Scheidung), als sie tatsächlich ist. Aber trotz dieser Einschrän­kungen, die kaum ins Gewicht fallen, wenn man sich ihrer be­wußt ist, halte ich das Buch für die derzeit beste Darstellung der orthodo­xen Kirche in Lehre und Praxis in deutscher Sprache. Wie Bernhard Knieß in em 4/2000 deutlich gemacht hat, werden mehr und mehr Länder mit ortho­doxen Kirchen in die Europäi­sche Union aufgenommen, so dass eine Begeg­nung mit orthodoxen Kirchen auch für Mitar­beiter von Missionswer­ken immer normaler werden wird.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-2.

Laubach, Fritz (Hrsg.). Justinian von Welz. Sämtliche Schriften. Ein Österreicher als Vordenker und Pionier der Weltmission. R. Brockhaus, Wuppertal und Zürich (TVG Band 348), 1989.

Wenn auch inzwischen nicht mehr strittig ist, daß Luther über die Mission zumindest positiv dachte, so ist doch weiterhin un­strittig, daß die Orthodoxie, die sich auf ihn berief, Mission weitgehend ablehnte. Einer der ersten Lutheraner, der diese Ab­lehnung der Mission zurückwies, war Ju­stinian von Welz (1621-ca. 1668), der so einer der wesentlichen Denker der vorklas­sischen Missionen wurde.

Er entwarf den Plan einer Missionsgesell­schaft in enger Anlehnung an die „christ­lichen Herrscher“, traf aber am Rande des Reichstages 1664 in Regensburg nur auf deren Ablehnung, die ihrerseits unterstützt war von einem negativen Gutachten von Johann Heinrich Ursinus, dem damals füh­renden Theologen der lutherischen Orthodo­xie. Zudem fand Welz nur Anhänger (be­sonders Johann Georg Gichtel), die durch ihre Theologie und die Art ihrer Polemik Welz eher schadeten als nutzten.

Die Gründung einer Missionsgesellschaft gelang Welz nicht, allerdings übten seine Ideen Einfluß auf die Gründung der Society for the Propagation of the Gospel (1701) aus. 1666 legte Justinian von Welz seinen Adelstitel ab und reiste selbst als Missionar nach Surinam, wo sich seine Spuren ver­lieren. Vermutlich wurde er, so Spener, 1668 von wilden Tieren zerrissen.

Für den heutigen Leser macht Fritz Laubach das Werk Justinians erneut zugänglich. Das Buch zeichnet sich dadurch aus, daß es sämtliche Schriften umfaßt (auf geringe Auslassungen weist Hans Werner Gensichen in ZfM 2/1990, 123 hin), auch die „Abhand­lung über die Gewaltherrschaft“, die Justi­nian vor seiner Bekehrung geschrieben hat. Das missiologische Denken Justinians und sein Leben werden zusammengehalten durch seine Schrift „De Vita Solitaria – Vom Einsiedlerleben“.


Justinian, kirchengeschichtlich gebildet, knüpft an die Einsiedler der alten Kirche an, versteht aber Einsiedlerleben nicht als (räumliche) Trennung von der Welt, sondern als eine innere Trennung von ihr, die die Kräfte freisetzt zum Dienst Jesu. Der vor­nehmste Dienst für Jesus ist die Mission, denn: Könnte es eine größere Nächstenliebe geben als die, die Besitz nicht für sich selbst verbraucht, sondern um anderen zum kost­barsten Besitz, dem ewigen Leben zu ver­helfen? Auch daß er seinen Adelstitel ab­legte, war für ihn „Einsiedlerleben“ (dar­gestellt in der kleinen Schrift, wohl sei­ne überarbeitete Abschiedspredigt: „Seine Selbstverleugnung, Amsterdam 1664“). Sei­ne Missionspläne entwarf er 1664 in der Schrift „Eine christliche und treuherzige Ermahnung zur Gründung einer besonderen Gesellschaft“.

Es ist Laubach zu danken, daß er Justinians Schriften in heutiges Deutsch übertragen und sie uns so zugänglich gemacht hat. Trotzdem schimmert der barocke Stil noch genügend durch, vom Brief an Herzog Ernst von Sachsen-Gotha ist auch ein Faksimile beigefügt. Zusätzlich zu den Schriften Ju­stinians enthält das Buch auf S.7-32 eine Lebensbeschreibung und auf S.310-317 ein Verzeichnis aller Schriften (mit ihren vollen – sehr barocken – Titeln) und deren Fund­orte.

Das Buch vermittelt Zugang zu allerersten Plänen einer Missionsgesellschaft, zugleich gewährt es interessante Einblicke in das Verhältnis von Bekehrung, Heiligung und Mission im Leben und Denken eines der ersten protestantischen Missionstheologen, die auch für heutiges missiologisches Den­ken bedeutsam sein können.

Klaus Fiedler, em 1990-4.

Laurie, Munro. Die offene Tür. Erzählung aus Karl Studds Arbeit in China. Wupper­tal/Zürich: Brockhaus, Sonderaufl. 1994.

Trotz Familienbanden, Gebundenheit an Götter und Geister und trotz einer ganz fremden Kul­tur haben Karl Studd und seine Frau vor gut einhundert Jahren in China die Herzen einiger weniger Chinesen erreicht. Dieses Buch schil­dert, wie durch soziale Ächtung und physische Verfolgung Mitglieder einer Familie zum Glauben gekommen sind und allen Widerstän­den getrotzt haben. Aus Krankheitsgründen mußte die Familie Studd nach England zurück­kehren, aber die Gemeinde in China lebte wei­ter. Ausgezeichnet aus dem Englischen über­setzt von Verena Peyer-Binder eignet sich die Erzählung zum Vorlesen für Kinder ab etwa sieben Jahren.

Christof Sauer, em 1997-3.

Lawson, Mary (Hg). Christliches Handbuch für Österreich. Kir­chen und Missionen. London: MARC-Europe 1991.

Wer sich endlich einmal einen Überblick über Missionsgesellschaften gewünscht hat, die in Österreich beheimatet sind, wird enttäuscht. Auf S.61f finden sich ganze drei Beschrei­bungen. Auf den Begriff „Missionen“ hätte man deshalb im Titel besser verzichtet, wie bei manch anderem Land in dieser ansonsten äußerst nützlichen Serie. So bleibt man wei­terhin auf die deutschsprachige christliche Adressammlung „Die Guten Seiten“ (PJ 1991) und verstreute Beschreibungen in I. Reimers Handbuch evangelistisch-missionarischer Wer­ke (CVH 1991, vgl. Buchliste in em 92-3) angewiesen. Wer dagegen in Österreich arbeitet, findet nützliche Information: einem
aufschlußreichen Artikel über kirchliches Leben folgen die zugrundeliegenden ausführlichen Statistiken sowie die Anschrif­ten der Kirchenleitungen und -bünde und Be­schreibungen kirchlicher und freier Werke, Ausbildungsstätten und Medien. Die Broschü­re ist zweisprachig deutsch-englisch abgefaßt. Beim deutschen Text stört eine Fülle von Rechtschreibfehlern, während der englische Text überhaupt prägnanter und verständlicher gefaßt ist.

Christof Sauer, em 1992-4.

Lewis, Gordon R.; Bruce A. Demarest. Inte­grative Theology: Historical - Biblical - Sy­stematic - Practical. Zondervan: Grand Ra­pids (MI), 1997.

Die beiden Professoren für Syste­matische Theologie am baptistischen Denver Seminary legen hiermit ihre 1987-1994 in drei Bänden erschienene ungewöhnliche Dar­stellung der christlichen Lehre (Dogmatik) in einem Band vor. Sie wollen die ver­schiedenen Aspekte der theologischen Arbeit ineinander integrieren, indem sie in je­dem der gleich auf­gebauten 24 Kapitel 1) zunächst die klassi­schen Posi­tionen aus der Geschichte vor­stellen, 2) sodann den biblischen Befund nach bibli­schen Schrift­gruppen (z. B. Propheten, Evan­gelien) disku­tieren, 3) daraus eine syste­matische Darstel­lung biblischer Lehre ableiten, 4) diese apolo­getisch gegen andere Auffassung verteidigen und schließlich 5) nach der Be­deutung dieser Lehre für den praktischen Dienst fragen. In Kapitel 4 zur Inspiration der Heiligen Schrift werden beispielsweise zunächst die Sichtwei­sen der römisch-katholi­schen Schola­stik, des protestantischen Libera­lismus, der neoor­thodoxen Theologie, des 2. Vatikanischen Konzils, der gemäßigt-kriti­schen Evangelika­len, der Anhänger der Dik­tattheorie und schließlich die Sicht „der mei­sten Väter, Re­formatoren und Evangelikalen“ beschrieben, wie sie etwa in der Chicagoerklä­rung zum Ausdruck kommt. Letztere Sicht wird dann aus dem Pentateuch, den histori­schen Büchern, den Propheten, den synopti­schen Evangelien, der Apostelgeschichte, der Paulusbriefe, der jo­hannäischen Literatur und der restlichen Schriften des NT belegt. An­schließend wird diese Sicht gegen die eingangs beschriebenen anderen Sichtweisen verteidigt und schließlich dargestellt, welche Bedeutung die Inspiration und Irrtumslosigkeit der Heili­gen Schrift für das persönliche Glaubensleben und für die Motivation zum Dienst in der Ge­meinde hat. Ich kenne Dogmatiken, mit denen ich in ein­zelnen Detailfragen eher über­einstimmen würde, aber keine, die eine derar­tige groß bi­blisch-exegetische und historische Material­fülle so praktisch nachvollziehbar und verwert­bar macht – auch und gerade auch in der Missi­onsarbeit und in anderen Kulturen. Lewis und Demarest zeigen, wieviel der Theologie verlo­ren geht, wenn die einzel­nen theologischen Disziplinen auseinander­driften und ihr Eigen­leben entfalten und wie­viel theo­logisch und praktisch zu gewinnen ist, wenn man sie im Interesse der biblischen Lehre wie­der zusammen­führt, um eine ‘integrative’ Theolo­gie zu erhalten.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-2.

Lingenfelter, Sherwood G. & Marvin K. Mayers. Kulturübergreifender Dienst - Ein Modell zum besseren Verstehen zwischen­menschlicher Beziehungen. Lahr: Edition VLM im Verlag SJD, 1991.

Nach welcher Zeitspanne beginnen Sie, sich ernsthaft aufzuregen, wenn sich Ihr Besucher verspätet? Wenn Ihre „Verspätungs-Toleranz“ sich wesentlich über 1/2 Std. hin ausdehnt, sind Sie wohl kein typischer zeitorientierter Nord­amerikaner oder Deutscher. Für den Latein­amerikaner ist dagegen eine Wartezeit von einer Stunde noch kein Grund zur Unruhe, während die Yapesen, ein Inselvolk im pazifischen Mikronesien, ohne weiteres 3 Stunden verkraften.

Für den Umgang mit solchen Diskrepanzen im „kulturübergreifenden Dienst“ wollen Lin­genfelter und Mayers (beide lehren „Interkul­turelle Studien und Weltmission“ an der Biola-Universität in Kalifornien) anleiten. Lingenfel­ter, jahrelang als Kulturanthropologe auf den pazifischen Inseln tätig, ist der eigentliche Autor des Buches. Von Mayers übernahm er dessen „Grundwerte-Modell“.

Lingenfelter listet sechs Gegensatzpaare von Grundwerten auf (zB Zeit- oder Erlebnisorien­tierung, Ziel- oder Personenorientierung). Anhand des extremen Gegensatzes von mikro-nesischer Yap-Kultur und nordamerikanischen Werten zeigt er mit anschaulichen Beispielen die ganze Bandbreite möglicher kultureller Prägungen auf. Interessant ist dabei der jewei­lige Vergleich mit dem Verhalten Jesu, bei dem unsere westliche Kultur durchaus nicht immer am besten wegkommt.

Vor allem will das Buch jedoch helfen, durch Einsicht in andere Wertmaßstäbe Span­nungen in der interkulturellen Begegnung abzubauen. Für den Christen im kulturüber­greifenden Dienst stellt dabei laut Lingenfelter die Inkarnation Jesu das vollkommene Beispiel dar. Er identifizierte sich ganz mit den Men­schen, zu denen er gesandt war.

Das prägnante und gleichzeitig anschauliche
Buch kann Missionaren in anderen Kulturbe­reichen ebenso dienen wie Christen, die in Deutschland Ausländern Gottes Liebe zeigen wollen.

Wolfgang Häde, em 1994-1.

Literaturschau zu Fragen der Weltmission Nr. 20 [für das Jahr 1993]. Beiheft zur Zeit­schrift für Mission 2/1994. Herausgegeben im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Mis­sionswissenschaft von Friedrich Huber. Ev. Missionsverlag im Christlichen Verlagshaus: Stuttgart, 1994.

Der neue zeichnende und schon lange beteiligte Bearbeiter, Prof. Dr. Friedrich Huber an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal, hat zu Beginn des dritten Jahrzehnts der Literatur­schau deren Systematik an einigen Punkten geändert. Die Durchsicht der 1364 Einträge (Bücher und Artikel) bestätigt einen Eindruck, der sich dem Beobachter seit Jahren aufdrängt: Mission und Missiologie im engeren Sinn – ganz zu schweigen von einer Konzentration auf die Unerreichten – bildet in der Fülle der ver­zeichneten Veröffentlichungen nur noch eine kleine Insel. So hätte dieses an sich durchaus verdienstvolle bibliographische Hilfsmittel eigentlich einen neuen Namen verdient; in der
Reihenfolge der Prioritäten und etwas über­spitzt ausgedrückt: „Deutschsprachige Litera­turschau für christliche (Dritte-)Welt-Kunde und Religionen, Ökumene, Mission und Judentum“. Eine formale Verbesserung und Platzersparnis wäre Proportionalschrift in zwei Spalten. Die Angabe des Erscheinungsjahres, bzw. einer Kopf- oder Fußzeile mit der Jahres­zahl der Literaturschau würde die Recherche durch mehrere Jahrgänge und in gebundenen Exemplaren wesentlich erleichtern. Angesichts der bei der Erfassung verwendeten Computer müßte auch eine Diskettenversion (und sei es nur als Liste) kein ferner Wunschtraum mehr sein.

Christof Sauer, em 1995-4.

Little, Christopher R. Mission in the Way of Paul: Biblical Mission for the Church in the Twenty-First Century. Studies in Biblical Literature 80, New York, etc.: Peter Lang, 2005.

Der vorliegende Band geht auf eine Doktoraldissertation an der Fuller Seminary School of World Missions zurück. Little gibt keinen detaillierten Überblick über die paulinische Mission, sondern konzentriert sich auf die finanzielle Situation des Paulus und welche Rolle Geld in seinem Missionswerk spielte. Von diesem Befund her kritisiert Little engagiert die gegenwärtig vielfach praktizierte partnerschaftliche Zu-sammenarbeit durch finanzielle Transferleistungen zwischen westlichen Missionen und Partnerorganisationen und -kirchen in anderen Teilen der Welt.

Little beginnt mit dem sozio-ökonomischen Status des Paulus in der antiken Welt. Ziel ist dabei „to present his perspectives on the proper use of finances in his personal life and in the lives of others in the context of the first-century church“ (4). Little schließt „Any attempt to use Paul as a modell to financially support cross-cultural workers is groundless … there is no precedent in Paul for the provision of a regularly salaried part-time or full-time local church leaders, even though he permitted remuneration on an occasional basis“ (46). Spannend ist der Überblick über „Resource Sharing among the Churches of the First-Century World of Paul“ (131-70). Ausführlich behandelt Little die Gütergemeinschaft der Jerusalemer Gemeinde, die Gabe der antiochenischen Gemeinde in Apg 11,27-31 und die paulinische Kollektenaktion (wobei eigentlich nur letztere für die paulinische Praxis herangezogen werden kann!). Ziel ist es, „to discuss the various purposes for which Christian communities in the first century shared resources both within and among themselves; and delineate how the latter point applies to the church in the twenty-first century“ (131). Little zeigt zurecht, dass diese Fälle finanzieller Transferleistungen nicht zur Rechtfertigung der gegenwärtigen Praxis angeführt werden könnnen.

Abschließend stellt Little das paulinische Modell dem modernen Konzept internationaler Partnerschaft gegenüber (171-231, „… the associations between Western and non-Western organizations, that is, between north/south and/or west/east cooperations between Western churches and/or mission agencies within the global church“, 171). Nach einer Beschreibung der wesentlichen Merkmale dieser Bewegung (mit starker Konzentration auf den US-amerikanischen Kontext) präsentiert Little eine gute Analyse und größtenteils überzeugende Kritik dieser Praxis („dependency“; z. B. „Foreign funding of national workers … thwarts church growth“, 226). Die Darstellung bietet einen guten Überblick über die gegenwärtige Praxis, ihre Ursachen, Gründe und ihre Folgen, führt in die gegenwärtige missiologische Diskussion ein (Positionen beider Seiten) und greift auf mehrere Fallstudien/bzw. Stimmen aus den Empfängerländern (China, Indien, Russland, Kenia) zurück.

Der exegetisch Teil bleibt oft auf englischsprachige missiologische Literatur beschränkt. Insgesamt handelt es sich um eine anregende Studie zu einem Teilaspekt der paulinischen Mission und um eine wichtige Kritik gegenwärtiger Praxis. Doch spricht sie weder zur paulinischen Missionspraxis noch zur gegenwärtigen internationalen Zusammenarbeit das letzte Wort. In beiden Teilen bleiben wichtige Fragen offen, u. a. nach der Übertragbarkeit des paulinischen Modells.

Prof.Dr. Christoph Stenschke, em 2006-3.

Livingstone, Greg. Planting Churches in Muslim Cities. A Team Approach. Grand Rapids: Baker Book House, 1993.

Eine Hauptthese zieht sich durch dieses bemer­kenswerte Buch des Gründers und Direktors von Frontiers: Es ist nicht hoffnungslos, in muslimischen Städten christliche Gemeinden gründen zu wollen. Entmutigten Missionaren sei diese Studie darum besonders empfohlen. Nach einigen theoretischen Vorüberlegungen zu Möglichkeiten und Grenzen des Gemeinde­baus analysiert Livingstone, der selbst viele Jahre als Missionar in Indien und im Nahen Osten gearbeitet hat und daher die Situation vor Ort kennt, die besonderen Bedingungen und Schwierigkeiten, mit denen sich der westliche Missionar in einem islamischen Land konfron­tiert sieht. Der Schwerpunkt des Buches liegt dabei weniger auf der Erläuterung theologi­scher Lehrunterschiede zwischen Islam und Christentum, die an anderer Stelle vielfach nachgelesen werden können. Vielmehr beschäftigt sich Livingstone vorwiegend mit den zahlreichen Kulturschranken, die er als eine der Hauptursachen für das Scheitern christlicher Mitarbeiter in der islamischen Welt ansieht. Viele praktische Beispiele machen das


Gesagte anschaulich und vermitteln wertvolle Hilfen, ohne zum einfachen „Patentrezept“ zu geraten. Nicht nur Missionaren im Ausland dürfte das Buch dazu verhelfen, dem erklärten Ziel de Jüngermachens aller Völker auch in Bezug auf die muslimische Welt ein Stückchen näher zu kommen.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1995-4.

Löwen, Heinrich. In Vergessenheit geratene Beziehungen. Frühe Begegnungen der Men-noniten-Brüdergemeinde mit dem Baptismus in Rußland ‑ ein Überblick (Beiträge zur ost­europäischen Kirchengeschichte 1), Logos, Bielefeld 1989.

Löwen legt kein Missionsbuch im engeren Sinn vor, aber sein Buch gibt dem Missionsin­teressierten viele nützliche Informationen über sehr verschiedene Aspekte der Mission: Zum einen über die Missionsarbeit der frühen deut­schen Baptisten im Zarenreich, zum anderen über die Missionsarbeit der Mennonitenbrü-dergemeinde (MBG) unter den Deutschen im Russischen Reich. Wenn auch beide Missions­bewegungen sich besonders an Deutsche wandten, so haben doch auch die Baptisten und die MBG von Anfang an unter Russen und Ukrainern gearbeitet, wobei interessant ist, daß Missionare der MBG unter Slawen Baptistengemeinden gründeten. Das Buch be­richtet aber auch von sehr frühem Engagement der MBG für die Weltmission (zT in Zusam­menarbeit mit Baptisten) und für die Mission unter nichtchristlichen Völkern des Russischen Reiches. Heinrich Löwens Buch kann helfen, im Umbruch der ehemaligen Sowjetunion bes­ser informiert zu sein. Zudem bilden die MBG der Rückwanderer hier eine wachsende Kraft in der missionarischen Sendung.

Klaus Fiedler, em 1992-3.

Ludwig, Frieder. Zwischen Kolonialismuskritik und Kirchenkampf. Interaktionen afrikanischer, indischer und europäischer Christen während der Weltmissionskonferenz Tambaram 1938. Studien zur Außereuropäischen Christentumsgeschichte Bd. 5 Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2000.

In der Literatur zu den Weltmissionskonferenzen untersuchte man meist einzelne theologische The­men, indem man beispielsweise nach dem Kir­chenverständnis (W. Günther, 1970), dem Bibelverständtis (A. Johnston, 3978), dem Evangelisa­tions- und Missionsverständnis (T. Shivute, 1980) oder nach dem Verständnis von Heilsgeschichte (G. Sautter, 1985) der einzelnen Konferenzen frag­te. Das Vorgehen des vorliegenden Buches, das eine 1999 von der Evangelischen-Theologischen Fakultät der LMU München angenommene Habili­tationsschrift ist, geht methodisch den umgekehr­ten Weg. Ludwig fragt nicht, er hört zu, nämlich auf das, was die eigentlichen Konferenzthemen waren. Dabei beschränkt er sich auf die Weltmissionskonferenz von Tambaram 1938, wählt drei geographische Gebiete (nämlich Westafrika, Süd­indien und Westeuropa) aus und beschreibt die beherrschenden Fragen und Lebenswelten ihm wichtig erscheinender Konferenzteilnehmer dieser Gebiete. Diese Methode überzeugt, denn der Leser bekommt auf diese Weise einen tiefen Einblick in das Konferenzleben. Das Buch gliedert sich in drei Hauptteile, die durch die geographischen Gebiete vorgegeben sind. Für die westafrikanischen Konfe­renzteilnehmer waren die Fragen nach der Beurtei­lung der Polygamie sowie der unabhängigen Kir­chen beherrschend. Den südindischen Teilnehmern ging es vor allem um die Frage nach der Verhält­nisbestimmung von Christentum und Hinduismus, zumal sie die in Tambaram so wichtige Debatte um Hendrick Kraemers Buch: The Christian Mes­sage in a Non-Christian World betraf. Das Kapitel über die westeuropäischen Teilnehmer ist zweige­teilt. Im ersten Teil gelingt es Ludwig in geradezu spannender Weise das Zustandekommen der deut­schen Delegation in den Irrungen und Wirrungen des NS-Staates darzustellen. Dabei wird deutlich, dass die deutschen Teilnehmer zu Konzessionen der nationalsozialistischen Ideologie gegenüber bereit waren, was sich deutlich in der sog. deut­schen Sondererklärung niederschlug. Hier gilt es in der Tambaramforschung, besonders in der evange-likalen Tambaram-Rezeption umzudenken. Denn bisher wurde der Fokus hauptsächlich auf die e-schatologische Dimension gerichtet. Die (pseu-do)schöpfungs- und ordnungstheologischen Aus­sagen der Sondererklärung, die in ihrer Betonung von Volk und Rasse nationalsozialistischen Idealen nahe standen, wurden dagegen kaum beachtet. Im zweiten Teil dieses Kapitels steht William Paton, als sympathischer Christ und Organisator der Tambaramkonferenz im Mittelpunkt. Alles in al­lem ist dieses Buch eine Lektüre, die von dem Leser einige Lesearbeit abverlangt, denn es werden eine Fülle von biographischen Einzelheiten be­schrieben, sowie unzählige kirchengeschichtliche Details und politische Zusammenhänge dargestellt, die weit über die im Untertitel des Buches vorge­gebene Zielrichtung hinausgehen. Dies ist einer­seits sehr interessant, insbesondere für die Kir­chengeschichtsforschung Westafrikas und Südin­diens. Andererseits jedoch verhindert diese Breite der Darstellung ein schnelles, zielgerichtetes Le­sen, was sich mitunter auf den Leser ermüdend auswirken kann.

Elmar Spohn, em 2005-1.

Lutz, Lorry. Women as Risktakers for God. WEF/Paternoster Publ.: Carlisle (GB), 1997.

Bücher von Frauen über Frauen haben Hoch­kunjunktur. Dieses Buch ist jedoch in vielerlei Hinsicht ein besonders gelungenes Werk, nicht nur für Frauen, sondern gerde auch für Männer. Ausgehend von biographischen Skizzen von Frauen aus der Kirchen- und Mis­sionsgeschichte über eine kurze Einführung in die biblisch relevanten Passagen für die „Frauenfrage“ gibt die Autorin einen knappen Einblick in die Auslegungsgeschichte dieser Verse im Judentum zur Zeit des Alten und Neuen Testamentes. Sie beleuchtet die Zeit der frühen Kirchenväter, der Reformationszeit und die Theologie und Praxis der Kirchen in der Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert, ebenso die Stellung der Frau in den nichtchristlichen Reli­gionen. Wer sich bisher noch nicht mit der Frage nach dem Dienst der Frau in der christli­chen Gemeinde beschäftigt hat, wird in diesem ersten Buchteil manches Neue finden. Wer je­doch tiefer eintauchen will oder muß, wird in jedem Fall auf die Extra-Liste mit weiterfüh­render Literatur am Ende des Buches angewi­sen sein.

Der Schwerpunkt dieses Arbeitsbuches liegt auf den ausführlichen Biographien zeitgenössi­scher Frauen aus allen fünf Kontinenten. Dies ist ein Novum evangelikaler Frauenliteratur in diesem Bereich, die sonst eher den anglopho­nen Bereich berücksichtigt. Die Biographien sind keine schriftlichen Lobreden, sondern las­sen die Leser Anteil nehmen an der Glaubens­geschichte dieser Frauen, ihrem Dienstver­ständnis, ihrer Berufung im jeweiligen Kontext und den Zweifeln und Hindernissen, die sie auf ihrem Weg zu überwinden hatten. Die zugrun­deliegenden Interviews scheinen immer wieder durch, so daß die Leser Entwicklungen ge­danklich nachvollziehen können. Sie regen ge­radezu zu einer inneren Zwiesprache an: Wie kann ich als Leserin meine Berufung erkennen und leben? Wie hätte diese Frau in meiner Si­tuation gehandelt? Wie wäre ich als Mann mit einer dieser Frauen als Kollegin oder Ehefrau zurechtgekommen?

Wer mit seinen Fragen so weit gekommen ist, wird im letzten Teil noch weitergeführt: „Was lernen wir aus diesen Biographien?“ Es geht nicht um eine erbauliche „Zurkenntnis­nah­me“, sondern um Ermutigung zum Dienst, um offene Augen, die jeweilige eigene Beru­fung zu erkennen und zu leben. Ge­rade dieser Abschnitt richtet sich auch an männliche Leser, die gemeinsam mit Frauen zu folgenden Zielen geführt werden sollen:

* die Vielzahl der Gaben, die Gott Frauen schenkt, zu erkennen,

* anhand des Dienstes von Frauen darzu­stellen, wie Gott Frauen beruft und sendet,

* Männer und Frauen zu ermutigen, ge­meinsam am Reich Gottes zu bauen und

* Ermutigung zu gegenseitiger Achtung und Respekt, auch wenn in der Frauenfrage ver­schiedene theologische Anschauungen vertre­ten werden.

Dieses Buch ist im besten Sinne des Wortes zielorientiert: Es geht darum, das Reich Gottes gemeinsam zu bauen. Dennoch kommen theo­logisch konservative Leser nicht an einigen unbequemen Wahrheiten vorbei: „Wenn wir die Heilige Schrift vom Sündenfall her ausle­gen, verstehen wir die Folgen der Sünde als unmittelbar von Gott so eingesetzt. Wenn wir dieselbe Passage aber aus der Perspektive der Erlösung lesen, verlieren die Konsequenzen der Sünde ihre normgebende Bedeutung … Männer und Frauen müssen von den Folgen der Sünde erlöst werden - unser Blick richtet sich nicht darauf, eine Vorherrschaft durch eine andere zu ersetzen, sondern die neue Ordnung zu leben, die Christus eingesetzt hat“ (S. IX).

Insgesamt ein wohltuend internationales, ganzheitliches Buch, dem ich eine weltweite Verbreitung wünsche.

Friedhilde Stricker, em 1998-2.

Lutzer, Erwin W. Christus der Einzige. Warum Jesus für uns so wichtig ist. Der christliche Glaube im Zeitalter der Tole­ranz. Bad Lieben­zell: Verlag der Liebenzeller Mission, 1996.

Erwin W. Lutzer beschäftigt sich in seinem nun auch auf Deutsch vorliegenden Buch mit einem wichtigen Thema unserer Zeit: „Wie können wir aktive Zeugen für Christus sein in einer Zeit noch nie dagewesener Toleranz?“ (S.208) Enstanden ist das Buch aufgrund einer Vortragsreihe, die der Autor als Pastor der Moody-Gemeinde in Chicago 1993 nach dem Weltkongreß der Religionen gehalten hat. Da­bei wurde der Vortragsstil für die Drucklegung beibehalten.

In den ersten Kapiteln gibt Lutzer seine Erfah­rungen mit dem Weltkongreß der Reli­gionen wieder und analysiert unsere Gesell­schaft in bezug auf die Religionen. Pointiert stellt er fest: „Die Götter sind auf dem Vor­marsch!“ (S.11) Dabei stellt sich immer mehr die Frage nach dem Stellenwert Jesu Christi im Ver­gleich zu den Größen anderer Religionen, die als „unvollständig, irreführend und falsch“ be­trachtet werden müssen (S.21ff).

Bevor Erwin Lutzer zu seinem Hauptteil, der Darstellung der Einzigartigkeit Jesu Chri­sti, übergeht, setzt er sich mit der Frage der Tole­ranz und der Wahrheitssuche auseinander. Da es eine objektive für alle Menschen zugängli­che Wahrheit gibt, muß es darum ge­hen, „Beweise“ für den christlichen Wahrheitsan­spruch anzuführen. Von der Jung­frauengeburt über die Wunder und Jesu voll­mächtige Predi­gten bis hin zu Jesu Tod, seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt, von der Inkarnation bis zur Parusie soll deutlich wer­den, „daß Chri­stus einzigartig ist und kein reli­giöses Gegen­über hat“ (S.64). Es folgt eine apologetische Christologie, die in Auseinan­dersetzung mit kritischen Einwürfen die Ver­nünftigkeit des christlichen Glaubens und sei­nen Ausschließ­lichkeitsanspruch herausstellt.

Zum Schluß stellt sich noch die Frage „Sind sonst alle verloren?“ (S.191). In Ablehnung eines „evangelikalen Pluralismus“ (z.B. Clark Pinnock), der Christus in allen Religionen ver­söhnend am Werk sieht, werden die Religionen dem Bereich des Satans zugeordnet: „Satan rief Religionen schaffendes Denken im Leben der von Gott getrennten Menschen hervor“ (S.199). Gemäß einer calvinistischen Erwäh­lungslehre werden die Menschen ohne Christus gerichtet. Lutzer hält fest, daß Gott nicht ver­pflichtet ist, „die zu retten, die niemals von Christus gehört haben“ (S.203). Hier kommt der theologische Streit zwischen calvinisti­schen und arminianischen Evangelikalen in Amerika zum Ausdruck.

Die Stärken des Buches liegen in der Auf­nahme von kritischen Fragen, denen Christen in einer multireligiösen und säkularen Gesell­schaft begegnen. Hier wird der Christ darin be­stärkt, daß sein Glaube sich auf feste Grundla­gen stützt und Sinn macht. Der apologetische und bekenntnishafte Charakter des gesamten Buches wird deutlich. Dabei ist ‘Christus der Einzige’ stark vom amerikanischen Kontext geprägt; Hinweise auf den deutschen Kontext fehlen.

Last not least möchte ich die theologische An­frage stellen, ob es dem biblischen Zeugnis entspricht, in einem religiösen Dualismus zwi­schen Gott bei den Christen und Satan bei den anderen Religionen zu trennen? Muß hier nicht differenzierter gedacht werden, wie dies z. B. Peter Beyerhaus mit seinem tripolaren Ansatz getan hat? Ist Wahrheit im biblischen Sinne tatsächlich so objektiv und universell erkenn­bar, oder bedarf es nicht vielmehr einer per­sönlichen Bekehrung (biblisch: metanoia), um die eine Wahrheit, welche Jesus Christus ist, zu erkennen? Schließlich erhält der Leser den Eindruck, daß am Ende nur eine kleine Schar gerettet wird (1-2% der Weltbevölkerung). Hier ist zu fragen, ob dies dem allumfassenden Heilswillen Gottes entspricht. Die Weite der Gnade Gottes (Clark Pinnock) sollte m. E. nicht unberücksichtigt bleiben.

Martin Reppenhagen, em 1997-3.

Maggio, Francesco. Christus für Muslime – Antworten auf Fragen von Muslimen. Berneck/CH: Schwengeler Verlag, 2003.

Francesco Maggio ist Italiener und hat eine außerordentliche Leidenschaft für Muslime der arabischen Welt. In dieser Übersetzung seines Buches erhalten wir einen Einblick in seine Begeisterung und seinen Enthusiasmus. Diese sind aus der Anordnung des Buches ersichtlich, das ständig die am meisten gestellten Fragen von Muslimen formuliert und praktische christliche Antworten gibt. Dies ist kein sys­tematisches Buch über den Islam, sondern – wie der Untertitel schon sagt – ein praktisches Buch, das uns auffordert, uns einzulassen auf Bezie­hungen zu Muslimen, um ihre ernsthaften Fra­gen zu hören und Antworten zu geben. Der Leser wird daran erinnert, dass Evangelisation immer mit Begegnung beginnt. Kapitel 1 beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen dem Koran und der Bibel, der Sohn­schaft des Christus, der Dreieinigkeit und der Natur von Christus' Göttlichkeit. Der Autor bewegt sich ständig zwischen Texten aus der Bibel und dem Koran hin und her, um seine Argumente zu begründen. Kapitel 2 ist kurz und befasst sich mehr mit dem Koran. In Kapitel 3 lesen wir, was der Koran über das Christentum sagt und wie Christen überzeugende Antworten geben können. Muslime sagen zum Beispiel, dass Mohammed im Neuen Testament voraus­gesagt wurde. Es gibt einen Abschnitt über den Anspruch, dass Mohammeds Ungebildetheit das „Wunder" des Korans steigert. Es gibt Absätze darüber, wie wichtig es für Muslime ist, dass der Koran in Arabisch ist und Absätze über seine historische Entwicklung. Nahtlos verwoben in diese Paragraphen sind christliche Kommentare und Antworten. Es gibt vier hilfreiche Anhänge einschließlich einem, wie man einem Muslim die Dreieinigkeit erklärt. Eine Wortliste und ein kurzes Literaturverzeichnis runden das Buch ab. Wenn Sie ein praktisches Buch über die am meisten gestellten Fragen von Muslimen und Antworten auf ihre Kritik an der biblischen Wahrheit brauchen, dann ist dieses Buch für Sie. Aber seien Sie gewarnt: es ruft den Leser in eine radikale persönliche Begegnung mit seinem muslimischen Nachbarn auf.

Dr. Andreas Maurer, em 2008-4.

Maier, Gerhard. Gemeindeaufbau als Ge­meindewachstum. Zur Ge­schichte, Theolo­gie und Praxis der „church-growth”-Bewe­gung. Erlan­gen: VELM.

Der Stuttgarter Pfarrer Gerhard Maier hat sich über Jahre hinweg mit der church-growth-Be­wegung beschäftigt (vgl. ThBeitr 13/1982,178-187). Frucht dieser Beschäftigung ist seine 1992 in Heidelberg eingereichte Dis­sertation. Er beschränkt seine Untersuchung nicht auf Fragen des Ge­meindeaufbaus, wie der Titel vermuten läßt, sondern stellt auch das Missi­onsverständnis der church-growth-Bewe­gung dar.

Das church-growth-Konzept wurde ur­sprünglich von Donald McGavran (1897-1990) im Kontext seiner Missionsarbeit in Indien be­gründet und von seinen Schülern (vor allem Peter Wagner) am Fuller-Seminar in Pasa­dena (Kalifornien) aufgenommen. Maier zeigt auf, wie sich McGavrans Konzeption in striktem Gegensatz zum ökumenischen Missions­verständ­nis darstellt. Nicht in der Ausbreitung und Aufrichtung des Reiches Gottes (Scha­lom), sondern in der Gründung und Mul­tiplikation von Gemeinden aktiver Christen be­steht für die church-growth-Bewe­gung das Wesen der Mission. Ab 1972 wurde die church-growth-Bewegung auch zum Gemein­deaufbaukonzept weiterentwickelt.

Für die Beurteilung der church-growth-Be­wegung sind drei Aspekte von Bedeutung: 1. Das Kirchenverständnis: McGavrans Ekkle­siologie bezieht sich auf die Kirche als sicht­bare und quantifizierbare Größe. Die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden spielt für ihn keine Rolle. Ziel aller mis­sionarischen Be­mühungen ist die Multiplikation oder Neu­grün­dung von Gemeinden aktiver Christen. 2. Das Prinzip der ‘homogeneous units’: Die church-growth-Bewegung geht davon aus, daß eine Gesellschaft sich aus verschiedenen, in sich ge­schlossenen Bevölkerungssegmenten zusam­men­setzt. Mission und Gemeindebildung sollen daher so angelegt werden, daß Men­schen in­nerhalb dieser homogenen Einheiten behei­matet bleiben und nicht Sprach-, Rassen- oder Klassenschranken überwinden müssen, um Christen zu werden. Zwar wird dieser Grund­satz hier durchaus zutreffend beschrie­ben, aber er wird zum Prinzip des Gemeinde­baus erho­ben. Von Gal 3,26 her sind hier ge­wichtige bi­blisch-theologische und ethische Be­denken an­zumelden. 3. Das Verständnis von Wachstum: Gegenüber der fast ausschließlich auf quantita­tives Wachstum ausgerichteten Sicht bei Mc­Gavran bringt Maier mit Karl Barth das inten­sive, vertikale Wachstum der Gemeinde ins Spiel und wehrt damit der fast ausschließlichen Fixie­rung auf Zahlen.

Wer sich vom ständigen Wechsel zwischen deutschem Text und eng­lischsprachigen Zita­ten sowie von der Fülle der oft nur angerisse­nen The­men und Fragestellungen nicht ab­schrecken läßt, bekommt in dem mit einem Vorwort von Bischof Theo Sorg versehenen Buch Beurteilungskrite­rien für Gemeindeauf­bau an die Hand.

Werner Schmückle, em 1997-1.

Malm, Magnus. Gott braucht keine Helden. Mitarbeiter zwischen Rolle und Wahrhaf­tigkeit. Edition Aufatmen, Brockhaus Verlag: Wuppertal/Bundes-Verlag: Witten, 1997/2.

Nicht nur Titel und Untertitel dieses Bandes aus der „Edition Aufatmen“ sind treffend und griffig formuliert. Das erklärte Ziel dieser Edi­tion ist es, Hinführung und Ermutigung zum geistlichen Leben für Mitarbeiter und Leiter von Gemeinden zu bieten. Wie ein roter Faden ziehen sich die Begriffe „Berufung“ und „Sendung“ durch das Buch. Es kommt in die­sem Band beides zum Zug. Es ist eine seelsorgerli­che, gründliche Auslegung der bi­blischen Texte zum Thema. Sie wird weithin eine be­freiende Korrektur für das in vielen frommen Kreisen vorherrschende, auf Aktio­nismus zie­lende Berufungsverständnis bilden. Das Buch enthält aber auch sehr persönlich formulierte Passagen des Autors, denen man die eigene Er­fahrung eines durch Tiefen ge­gangenen Chri­sten abspürt. Besonders für Mis­sionare ge­eignet und empfohlen, denen dieser Titel ein Führer zur geistlichen Erneuerung ih­rer Beru­fung und Sendung sein kann!

Friedhilde Stric­ker, em 1998-2.

Marquardt, Horst. … und die Herzen taten sich auf. Bewegende Glaubensgeschichten. R. Brockhaus Verlag Wuppertal, ERF Verlag Wetzlar, 2001.

Horst Marquardt begegnet vielen Menschen und Situationen. Er wählte 81 bewegende und wahre Geschichten für dieses Buch aus. Gleich in der 3. Geschichte erlebt man mit, wie der Verfasser mit höflicher Direktheit mit einem ihm fremden Christen ins Gespräch kommt. Herausgekommen sind außer dieser noch die anderen ermutigenden, lebensechten, spannenden und nachvollziehbaren Berichte. Es sind ganz unterschiedliche Menschen, die erzählen, wie Jesus Christus in ihr Leben eingegriffen hat. Das Ganze ist übersichtlich gegliedert in „Die Herzen taten sich auf … gestern und heute … in Russland … in Afrika … in Indien … in Südamerika … in Muhammads Welt … in der Nähe und in der Ferne“. Alle Geschichten sind im Inhaltsverzeichnis unter diesen Rubriken aufgelistet und sind bei einer eventuellen Suche gut zu finden. Sie sind 1 – 3 Seiten kurz. Es gibt dramatische und weniger spektakuläre Berichte. Beispiele: Ein vom Leben müder Moslem hört zufällig einen Satz von einer Sendung von TWR (Trans World Radio), als er an einem Fenster vorbei kommt. Er spricht mit den Leuten im Haus und findet später zu Jesus als seinem Herrn. Jesus hilft körperlich und innerlich verletzten Menschen in Ruanda, die trotz bleibender Not erfahren, dass er bei ihnen ist. Ein Schweizer Fabrikant erlebt, wie Gott ihm einen dringend notwendigen Mitarbeiter zuführt, zu passender Zeit und passenden Bedingungen, nach viel Gebet in schwerer ungewisser Zeit. 3 Schiffbrüchige in Südamerika beten auf ihrer 21 Tage langen Odyssee, weil sie über Gebet in TWR-Sendungen hörten.

Es fällt bei der Lektüre des Buches natürlich auf, dass die Evangeliumsverkündigung über Radio eine große Rolle spielt. Und es ist in der Tat beeindruckend, wie viele Menschen heutzutage das Evangelium über Radio hören können und auch zum Glauben kommen und Gemeinden entstehen. Das liegt H. Marquard auf dem Herzen und er hat großen Anteil daran (durch den Aufbau des ERF und Tätigkeit in der internationalen Leitung von TWR), ebenso die verschiedenen TWR-Stationen weltweit, in deren Arbeit man in dem Buch ebenfalls einen konkreten Einblick bekommt.

Das Thema des Buches stammt aus Apg.16,14: „Da tat Gott der Lydia das Herz auf“ und weiter aus dem Vorwort: „Es ist eine durch nichts zu überbietende Erfahrung - zu wissen: Der lebendige Gott hat mich angesprochen, er hat Jesus Christus in diese Welt gesandt, um Menschen zu sich einzuladen, ihnen ihre Schuld zu nehmen und ihnen ein erfülltes Leben zu geben.“ Das bezeugen die 81 Geschichten in dem sehr lesenswerten Buch.

Ulrike Kinker, em 2001-4.

Marshall, Howard; David Peterson (Hg.). Witness to the Gospel. Theology of Acts. Eerdmans: Grand Rapids (Mi) 1998.

Der vorliegende Sammelband mit insgesamt 25 Einzelartikeln ist als umfassende und zusam­menfassende Arbeit über die Theologie der Apostelgeschichte gedacht. Das Werk enstand aus einem Forschungsprojekt einer ganzen Gruppe von Theologen unter der Schirmherr­schaft von Tyndale House, Cambridge.

Insgesamt 24 Autoren befassen sich mit den unterschiedlichsten Themen zur Apostelge­schichte. Trotz der großen Vielfalt der Beiträge kommen die einzelnen Verfasser aber nicht aus so unterschiedlichen theologischen Lagern, daß sie sich pausenlos widersprächen. Nach der Lektüre des Buches hat man deshalb den Ein­druck, über die Theologie eines so zentralen Buches wie die Apostelgeschichte umfassend informiert zu sein. Die Autoren nehmen i. a. einen evangelikalen Standpunkt ein. Andere Positionen werden berücksichtigt, aber weniger als die Auseinandersetzung damit steht das Anliegen im Mittelpunkt, die Theologie der Apostelgeschichte so herauszuarbeiten, wie sie im biblischen Buch präsentiert wird.

In drei Hauptteilen werden Gottes Rettung, der Ruf Gottes und das erneuernde Werk Got­tes behandelt. Dabei geht es um so unterschiedli­che Themen wie Gottes heilsge­schichtlichen Plan, die Notwendigkeit der Er­
rettung, Mission und Zeugnis, die Stephanus­rede oder die Reden des Paulus zu Juden und Heiden. Aber auch Themen wie die Verwen­dung des AT in der Apostelgeschichte, Chri­sten und das mosaische Gesetz oder Soziologie und Theologie werden erarbeitet. Auch wenn sicher nicht alle denkba­ren Themen abgehan­delt werden, ist die Viel­falt beeindruckend und bereichernd.

Es handelt sich bei diesem Buch sicherlich nicht in erster Linie um ein praktisches mis­siologisches Werk. Aber es geht von der ersten bis zur letzten Seite um Mission: Schließlich behandelt die Apg die Geschichte der ersten Mission, und so ist die darin enthaltene Theo­logie durch und durch von Mission und Evan­gelisation geprägt. Wer sich gerne tiefer mit der Theologie der ersten Missionare (v. a. na­türlich Petrus und Paulus) befaßt - und dies nicht in den neutestamentlichen Briefen - son­dern in der praktischsten Anwendung von Mis­sionstheologie, nämlich der Missionstätigkeit der ersten Christen, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Thomas Kinker, em 2000-3.

Marty, Martin E. (Hg). Mission and Ecumenical Expression. München, London, New York, Paris: Säur, 1993. (Modern Ameri­can Protestantism and its World: Historical Articles on Protestantism in American Religious Life; Bd. 13).

Der dreizehnte Band über die Geschichte des Protestantismus in den USA enthält elf von Missiologen und Historikern ausgewählte, repräsentative Artikel über die Eigenart der nordamerikanischen Mission und der ökume­nischen Entwicklung. Die von 1954 bis 1983 verfaßten Beiträge wurden meist von Histori­kern in verschiedenen Zeitschriften geschrieben und wurden photomechanisch übertragen, was die Ursache für die teilweise schlechte Qualität des Druckbildes und auch den übertriebenen Preis von 85 Pf pro Seite ist.

Die ersten vier Artikel beschäftigen sich kritisch mit den Motiven und Auswirkungen der Mission und der Beziehung zwischen Weltmission und dem amerikanischen Imperi­alismus um die Jahrhundertwende. Die folgen­den vier behandeln die Entstehung der nord­amerikanischen ökumenischen Bewegung, ihre Voraussetzungen und Folgen von ca. 1880 bis 1970. In drei weiteren Artikeln werden funda­mentalistische Gruppierungen und Persönlich­keiten wie das „National Lay Commitee“, Billy Graham und das Wirken pfingstkirchlicher Radioprediger kritisch untersucht.

Trotz der insgesamt guten, wenn auch nicht evangelikalen Beiträge ist das Preis-Lei­stungs-Verhältnis dieses Bandes nicht akzep­tabel. Interessenten an diesem Buch dürften daher nur wissenschaftliche Bibliotheken sein.

Martin Sachs, em 1995-3.

Mavumilusa, Makanzu. Die Mission und der Blumentopf. Verlag der Vereinigten Evan­gelischen Mission, Wuppertal, 1988.

Um es vorweg zu sagen: Kein Buch über
Mission und Evangelisation hat mich in den letzten Jahren mehr gepackt als diese ge­sammelten Reden, Predigten und Interviews des leider schon verstorbenen zairesischen Evangelisten Makanzu Mavumilusa, die un­ter dem Titel „Die Mission und der Blumen­topf“ erschienen sind. Ich nehme mir das Büchlein oft zur Hand, vor allem um mir von einem engagierten Christen etwas über Mission aus afrikanischer Perspektive sa­gen zu lassen.

Die Reden und Predigten haben verschie­dene Anlässe, z.B. die Hundertjahrfeier der Evangelischen Kirche in Zaire (Eglise du Christ au Zaire), den Lausanner Weltkon­greß 1974 oder eine Rede vor dem Entwick­lungsausschuß der zairesischen Kirche. In der ersten Hälfte des Buches finden sich Auslegungen und Meditationen in lebendi­ger und bildhafter Sprache („Der Aufzug, der zu Jesus fährt“, „Gespräch mit einem Embryo“). Zwei Themen beherrschen den zweiten Teil: Der eigenständige Weg der afrikanischen Gemeinde Jesu, das Evange­lium glaubwürdig in dem Kontext von Ar­mut und Unterdrückung zu verkündigen, und das Verhältnis der afrikanischen Ge­meinden zur Mission aus dem Westen.

Das Buch von Mavumilusa ist ein kritisches Buch. Er äußert manche unbequemen Ge­danken zur Mission europäischer Christen, so wenn er schreibt: „Der Afrikaner schlägt allmählich vor, den Begriff des «Missionars» durch den des «Mitarbeiters» zu ersetzen. Warum? Für den Afrikaner ist ein «Missio­nar» oft ein Mensch, der nicht zuhört, dem man aufs Wort gehorchen muß und der sich an die Stelle des Heiligen Geistes setzen möchte. Und er will keinen afrikanischen Nachwuchs heranbilden und keine Verant­wortung abtreten“ (S.160). Hier wird der westlichen Mission ein Spiegel vorgehalten, der manchmal nicht sehr angenehm ist. Wie schreibt doch Mavumilusa: „Vor dem Spie­gel können wir uns nichts vormachen“ (S.38). Prozesse der Ablösung ‑ und Mission in Afrika ist ein solcher Prozeß der Ab­lösung von westlicher Theologie und Denk­art ‑ sind mit Schmerzen verbunden, für beide Seiten.

Es ist ein politisches Buch: So, wenn es heißt: „Laßt uns also den Politikern das Evangelium verkündigen, indem wir ihnen zeigen, daß sie nicht unsere Feinde sind, nur weil sie in der Politik tätig sind, son­dern daß ihre Seelen und die Politik uns interessieren und daß viele ihrer Probleme nur durch uns Christen gelöst werden kön­nen“, und: „Wir wollen Christen heranbil­den, die für die Gesellschaft brauchbar sind“ (S.140).

Es ist ein evangelistisches Buch. Auf jeder Seite wird deutlich: Mavumilusa hat eine brennende Liebe für Jesus. Sein erstes Ziel ist die Verkündigung des Evangeliums. Menschen sollen den Weg zu Jesus finden. Alles andere muß sich diesem Ziel unter­ordnen. Über die Mission und Evangelisa­tion der Zukunft schreibt er: „… [wir möchten] keine Kirchen mehr haben, die voll sind mit Menschen, die nur dort sitzen bleiben wollen, sondern wir wollen Kirchen, die immer wieder leer werden, weil verwan­delte Menschen fähig geworden sind, in die Welt hinauszugehen und dort zu bezeugen, was Jesus für sie getan hat. Wir möchten erfüllte Christen heranbilden, die sich auf den Weg machen, das leere Leben der Men­schen in der Welt zu füllen“ (S.100).

Es ist ein versöhnliches Buch. Bei allen kritischen und fragenden Bemerkungen zum Auftreten der europäischen Missionare in Afrika überwiegt das Thema der Versöh­nung und der Liebe: „Der weiße Mann hat uns Gutes getan; er hat teuer dafür bezahlt, uns das Evangelium Jesu Christi zu bringen. Der Wunsch, aus Afrikanern Jünger Jesu zu machen, kostete vielen das Leben. Um unsere Dankbarkeit zu zeigen, haben wir uns entschlossen, alle Weißen, gerade die besonders Verhärteten, zu lieben. Die we­nigen Weißen, die uns nicht lieben, werden wir mit unserer Liebe verfolgen. Weisen sie unsere Liebe zurück, werden wir sie mit den Ketten unserer Liebe binden…“ (S.166/167).

Die „Forderungen an unsere Mitarbeiter, unsere Brüder und Schwestern“ [= Missio­nare] (S.161) sollte sich jeder Missions­kandidat und Missionar täglich vor Augen halten, z.B.: „Der Afrikaner braucht keine «päpstlichen» Missionare, die ihn bevor­munden, sondern er wünscht sich Mitarbei
ter, mit denen er wie mit seinesgleichen umgehen kann …“ (S.161/162).

Man kann nur wünschen, daß dieses Buch von Missionsgremien, Missionaren und Mis­sionsinteressierten gelesen und diskutiert wird. Daß Johannes Hansen in seinem Ge­leitwort schreibt, es sei ein „begeisterndes Buch“, kann ich gut verstehen.

Gerd Propach, em 1989-4.

McAlpine, Thomas H. Facing the Powers. What are the options? Monrovia: MARC, 1992.

Keinen Reader (wie Wagner: Territoriale Mäch­te. Ebenen der strategischen Kampffüh­rung.) sondern eine Analyse verschiedener Stand­punkte legt McAlpine vor, der bei MARC­USA für „urban evangelism“ zuständig ist. Wieder geht es um die Konfrontation mit den „Mächten“ in missionarischer Arbeit. Darun­ter sind sowohl weltliche Machthaber als auch geistliche Mächte zu verstehen. McAlpine stellt einen Katalog von 10 Fragen auf, faßt die Positionen von 16 Autoren in 4 Gruppen zusammen und beschreibt und vergleicht sie. Ganz grob skizziert: 1. Die „reformierte Tra­dition“ (Berkhof, Green, Linthicum, Wink, Kellermann) sehe Macht v.a. in sozialen Strukturen verankert, die evangeliumsgemäßer gemacht werden müßten. 2. Die „täuferische Tradition“ betone die Gemeinde als Alterna­tivstruktur zu weltlichen Machtstrukturen. (Hier bezieht er auch die römisch-katholischen Brüder G. und N. Lohfink ein, daneben Yoder und Eller). 3. Die „Dritte Welle“ (Wag­ner, White, Dawson, Peretti) dagegen sehe die Mächte, die dem Evangelium entgegenstehen, fast ausschließlich im geistlichen Bereich, was einen personalen oder territorialen Exorzismus fordere. 4. Die vierte Gruppe eine trotz unter­schiedlicher theologischer Herkunft ihr sozio­logischer Ansatz (Kelsey, Hiebert, Shuster). Nach Hiebert z.B. brauchten Missionare aus der westlichen Welt eine adäquate Antwort auf die „Mittelwelt“ von Dämonen, Geistern, Ma­gie und Zauberei in anderen Kulturen. Eine theologische Beantwortung von Ewigkeitsfra­gen und die wissenschaftliche Betrachtung der empirischen Welt treffe diesen Bereich noch nicht. Diesen Ansatz halte ich von den ge­schilderten für den interessantesten, denn er steht unterschiedlichen theologischen Positio­nen offen. Bei den drei theologischen Gruppen dagegen überdehnt McAlpine die Begriffe „re­formiert“ und „täuferisch“ und klammert zu
dem z.B. lutherische Theologie völlig aus, so­wie alles, was nicht auf Englisch zugänglich ist. Das gründlichste Werk, das dort zur Ver­fügung zu stehen scheint, ist die begonnene Trilogie des reformierten Walter Wink (Naming the Powers, 1984; Unmasking the Powers, 1986; Engaging the Powers). Wie al­le Bücher von MARC ist auch dieses, aus der neuen „Innovations in Missions“-Serie, nicht für Wissenschaftler, sondern für Praktiker und Leiter geschrieben. McAlpine bietet ein gutes Literaturverzeichnis für das, was er kurz und bündig darstellt. Eine wichtige Vorarbeit – zur Vorbereitung für die AfeM-Jahrestagung 1993 sehr empfohlen!

Christof Sauer, em 1992-4.

McAlpine, Thomas. Cases in Holistic Mis­sion. By Word, Work and Wonder. Monro­via//USA: MARC Publi­cations, 1995.

McAlpines Frage lautet: „Was ist unter ‚Kingdom of God’ (holistic mission)“ zu ver­stehen? Aufgrund un­seres westlichen, für ganzheitliche Mission recht begrenzten Ver­ständnisses denken wir dabei an Evangeli­sation verbunden mit Hilfsleistungen im sozialen Be­reich. Einen wesentlichen, diese Sicht ergän­zenden Im­puls für ein biblisches Verständnis von ganzheitlicher Mission gab laut McAlpine die „Evangelical Social Activist Conference“ in Sierra Madre im Jahr 1988. In einer Resolution wurde festgehalten: „Nur wenn wir das ganze Evangelium des Königreiches Gottes erfassen und anwenden, ist die volle Kraft des Evange­liums freigesetzt … Worte, Werke und Wunder gehören zusammen …“ Als europäisches Bei­spiel einer Missionsar­beit, bei der dieses Prin­zip angewendet wird, zitiert McAlpine den Leiter des britischen Zweiges von Ichthys, Ro­ger Forster, der in Anlehnung an Mt 4,12-25, Apg 10,34-43 und Röm 15,18-19, sagt: „Es wäre (und sollte) praktisch unmöglich sein, die drei Stränge der evangelistischen Schnur zu entwirren“ (22). Als weiteres Beispiel für ganzheitliche Mission nennt der Autor das „Centro Nauareno in San Mateo“ in Bogotà, dessen Leiter von Beruf Schuhmacher ist, spä­ter aber Theologie studiert hat. Von diesem Zentrum aus werden in sieben Zentren (sog. „barrios“) u. a. Gesundheitskurse, Schulungen und Berufsausbildungen angeboten. Thomas H. McAlpine, Autor für die Organisation „World Vision“, erwähnt verschiedene katholische Bei­spiele für ganz­heitliche Mission und erklärt dem Leser, warum für seine Organisation hin­sichtlich der Zusammenarbeit zwischen prote­stantischen und katholischen Werken kein Un­terschied bestehen. Das Königreich Gottes ist laut den Vertretern der „Kingdom of God“-Theologie nicht ein Teil der Gemeinde. Es exi­stiert auch nicht losgelöst von der Gemeinde, sondern stellt vielmehr den übergeordneten Rahmen für die lokale sowie die weltweite Gemeinde dar.

Das Buch vermittelt brauchbare Impulse für ein erweitertes Verständnis von ganzheitlicher Mission und im besonderen von der „Kingdom of God“-Theologie. Allerdings stützt es sich in der Beurteilung des westlichen kulturellen Um­feldes auf bereits überholte Weltanschauungen. So wird beispielsweise erläutert, der Westen betone nur die physische und geistige Welt, nicht aber das von der Magie dominierte soge­nannte Mittelfeld. Auch reduziert der Autor die ganzheitliche Mission fast ausschließlich auf charismatische Gruppierungen. Hier wäre ein vertieftes Studium der aktuellen Missionssi­tuation und Missionstheologie notwendig. Wer den Apostel Paulus mit seinem Anliegen, die Verlorenen zu erreichen, verstanden hat, wird immer versuchen, Menschen ganzheitlich zu begegnen, aber ebenso wird er das ewige Heil dem irdischen Wohlbefinden des Menschen stets überordnen.

Dr. Marco Gmür, em 1997-3.

McCurry, Don. Die Heilung der zerbro­chenen Familie Abrahams. Moslems und Christen – Ein Handbuch. Wuppertal: One Way Verlag, 1996.

Don McCurry legt hier als Frucht aus 18jähriger Missionserfahrung in Pakistan ein Handbuch zur Begegnung zwischen Christen und Muslimen vor. Zunächst geht der Autor auf die geistliche Abstammung der Muslime von Ismael ein, sowie auf einige Fakten zur Entstehung des Islam und seiner verschiedenen Ausprägungen (z. B. Mystik, Volksislam, poli­tischer Islam, Ahmadiyya). Da dieser Teil nur die Hinführung zum eigentlichen Anliegen des Buches bildet, ist es entschuldbar, daß manche Sachverhalte nur etwas verkürzt dargestellt werden (z. B. wird die islamische Mystik nicht zutreffend mit dem Synonym „Flucht vor dem Gesetz“ belegt, 139).

Wirklich überzeugend widmet sich der Au­tor seinem eigentlichen Hauptanliegen, näm­lich der Frage, wie Christen mit Muslimen geistlich zentrale Fragen wie ‘Schuld und Ver­gebung’, ‘Zugang zu Gott’ und ‘Errettung zum ewigen Leben’ in einem kulturell-gesellschaft­lich angemessenen Rahmen ansprechen kön­nen. Obwohl McCurry praktische Tips zur Wahl der Gesprächsform und des -inhaltes mit Muslimen vermittelt, geht es ihm in erster Li­nie um die Umsetzung geistlicher Prinzipien, nicht um Patentrezepte. Diese geistlichen Prin­zipien zur Begegnung mit Andersgläubigen (Vorbildfunktion, ‘das Leben teilen’, echte Jün­gerschaft etc.) und zur Gesprächsführung wer­den aus der Bibel erläutert und auf die Begeg­nung mit Muslimen angewandt. Dabei geht der Autor wiederum auf verschiedene muslimische Gruppierungen (Sunniten, Schiiten, Mystiker, etc.) ein und ermutigt zum freimütigen, aber liebevollen Zeugnis unter Muslimen. McCurry nennt konkrete Vorschläge, wie der christliche Mitarbeiter über die ‘heißen Eisen’ der Mus­limmission, über Kreuzigung, Dreieinigkeit und Gottessohnschaft sprechen kann; ebenso wird die meist traumatische Zeit nach der Be­kehrung eines Moslems und seine Eingliede­rung in eine christliche Gemeinde angespro­chen. Vorsichtig distanziert äußert sich Mc­Curry zur Kontextualisierung, spricht sich al­lerdings klar gegen jede Form des Synkretis­mus aus. – Ein wertvolles Handbuch für jeden Mitarbeiter im Bereich des Islam.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-4.

McIlwain, Trevor. Auf festen Grund gebaut. In 50 Lektio­nen durch die Bibel. Hänssler: Neuhausen, 1998.

Endlich! Das Vorbildswerk für die biblische Grundlagenschu­lung ist auf Deutsch erschie­nen. Es hat seither auf Englisch auch bei deutschsprachigen Missionaren auf den Missions­gebieten die Runde gemacht – es war der offene Geheimtip für verzweifelte Missio­nare, die mit verschiedenen Evangelisations­methoden experimentierten, bis sie auf das nächstliegende ka­men: Die Bibel in der Reihen­folge, wie sie im alt- und neute­stamentlichen Kanon zusam­mengestellt wurde, in großen Linien zu lehren – und zwar ge­rade auch Fernstehenden, Nichtchristen also, aus
ver­schiedenen Religionshinter­gründen.

Das Evangelium ist das Herz­stück unseres Glaubens. Kreuz und Auferstehung unseres Herrn sind unverzichtbare Lehrinhalte. Aber sie sind das Ziel, nicht der Anfang der Lehre. Wer damit beginnt, schlägt sich und dem Evangelium u. U. so­gar Türen zu. Glaube geht auch über den Verstand. D.h., die Menschen wollen wissen und verstehen, was sie glauben. Der letzte Glaubensschritt ist dann immer noch groß genug. Wie ein kostbares Bild einen pas­senden, zum Zentrum des Bildes hin­weisenden Rahmen braucht, so braucht das Evangelium Hin­führung, einen informativen Hintergrund. Das beginnt mit der Schöpfung, dem Anfang der Heilslinie, die sich durch das gesamte AT zieht und über das Evangelium hinaus mit der Of­fenbarung in die hoffnungsvolle Zukunft weist.

Das vorliegende Buch be­schreibt diesen Weg in sinn­vollen Abschnitten und 50 Lek­tionen, wobei das Fundament und der Aufbau strikt der Chronologie der Bibel entnom­men sind. So wird dem Glauben an Jesus Christus ein solides biblisches Fundament gegeben.

Trevor McIlwain kam in den Philippinen vor Jahren darauf - und war verblüfft über den Er­folg. Inzwischen wurde das Ma­terial in ver­schiedenen Ausga­ben und Kulturen verwendet. Interessanterweise erschien eine Anwendung schon vor kurzem in deutsch: Hans Bär. Heilsge­schichtlicher Bibelunterricht. McIl­wains Programm ‘Building on Firm Foundati­ons’ im Einsatz unter den Karen im Bezirk Om­koi (Nordthailand). (Edition afem, mission academics Bd.3. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1998. Hans Bär zeigt gleichzeitig die Möglichkeit und Notwendigkeit auf, McIl­wain kulturell und theologisch zu adaptieren. Man­che Anwender würden das Werk wie Hans Bär gerne von seiner dispensationalistischen Engfüh­rung korrigieren und andere bi­blische Inhalte hinzufügen.

Eine solide Grundlage ist gege­ben, ein Werk­zeug, für das nicht nur Missionare dank­bar sein werden. Ich wünsche mir, daß auch bei uns theologische Schulen und Seminare das Grundprinzip anwenden. Denn der biblische Grundwasserspie­gel läßt in unseren Gemein­den ebenso zu wünschen übrig. Das Buch eignet sich deshalb auch für regelmäßige Bi­belstunden - oder sogar öffentliche Volks­hochschulkurse, wie Thomas Schirrmacher in der Einleitung beschreibt (Vorabdruck in em 3/98:101-104).

Im Übrigen: So neu ist das ganze nun auch wieder nicht. Schon vor 80 Jahren haben z. B. die Neuendettelsauer Missio­nare (Georg F. Vi­cedom und Kollegen, angeregt durch Chri­stian Keyßer) dieses Lehrprinzip in der Erstverkün­digung in Neuguinea erfolgreich angewen­det (K. W. Müller, Peacemaker, Ph.D.-Diss. Aber­deen, 1993). Dann ging durch die theologi­schen und strukturellen Tur­bulenzen der 60er und 70er Jahre in der deutschen Missi­onswissenschaft diese wertvolle Erkenntnis verschütt – und wurde nun von Amerikanern wieder ausgegraben, ohne zu wissen, daß es das früher schon einmal gab und deshalb auch ohne darauf hinzuweisen. Ein Grund mehr, daß wir uns stär­ker mit unseren eigenen Quel­len befassen – und die Bibel auch methodisch ern­ster neh­men sollten. Die Inspiration schließt vielleicht doch auch die Zusammenstellung des Kanons mit ein.

Dr. Klaus W. Müller, em 1998-4.

Mensen, Bernhard (Hrsg.). Dialog. Akademie Völker und Kulturen: Vortragsreihe 2001/ 2002 Band 25, Nettetal: Steyler, 2002.

Seit vielen Jahren ist „Dialog“ ein Schlagwort in der ökumenischen Theologie und in der Missions­theologie. Der vorliegende Sammelband, der auf eine Vortragsreihe der Akademie Völker und Kul­turen St. Augustin zurückgeht, reflektiert über das Wesen, über Chancen und Grenzen solchen Dia­logs. Dialog fordert von den Partnern die Aner­kennung des anderen sowie die dafür notwendige Erkenntnis- und Wahrheitsoffenheit. Diese Offen­heit ist nicht mit einer Standpunktlosigkeit oder Preisgabe der eigenen Identität zu verwechseln. Darum zunächst die Frage: „Welches sind die Vor­aussetzungen eines Dialogs, und welche Ziele kann er haben?“. Daher behandeln die sechs Beiträge nicht die „Aussichten oder Erfolge des Dialogs mit den einzelnen Kulturen oder Religionen, etwa den Dialog der Christen mit dem Islam oder Hinduis­mus usw., sondern sie wollen die Voraussetzun­gen, Grundlagen, und mögliche Ziele des Dialogs zu Sprache bringen“ (8). T. Sundermeier fragt „Kann man den Fremden verstehen?“ (23-32) und gibt folgende Hinweise: „1. Alles Verstehen be­ginnt damit, dass ich den anderen wirklich als ei­nen anderen, und d. h. einen mir Fremden wahr­nehme und respektiere. … Auf der zweiten Stufe müssen wir die eben eingenommene vorurteilsfreie Distanz überwinden und versuchen, das uns Frem­de in dem jeweils eigenen Kontext zu beschreiben. Hier ist Sympathie gefordert und die Bereitschaft, sich auf die Lebensumstände der anderen zumin­dest für eine Zeit einzulassen… . Auf der dritten Ebene müssen wir gerade die Symbolik einer Kul­tur, die ihr zugrunde liegenden Lehren und ihre Vergemeinschaftungspraxis zu begreifen versu­chen, denn sie prägen den Menschen und bestim­men sein Denken, sein Gefühl und seine Weise der Weltbegegnung. … Viertens … muss immer noch betont werden, dass der elementare Grundsatz der Begegnung mit dem Fremden der des Respektes vor der Würde des anderen Menschen und seiner Kultur und Religion ist“ (30-32). W. Beinert bringt „Dialog und Kirche“ miteinander in Verbindung (33-43), indem er die Entwicklung innerhalb der katholischen Kirche umreißt. C. Lienemann-Perrin beginnt ihren Beitrag „Mission und Dialog in den Kontexten der Welt“ (45-60) mit Überlegungen zu Mt 28 zwischen postmodemer und postkolonialer Auslegung, um dann aufzu­zeigen, wie die Begriffe Mission und Dialog in verschiedenen Ländern, Kulturen und Kirchen verstanden und gefüllt werden („… von konkreten Situationen ausgehend, in groben Umrissen eine Art Weltkarte des missionarisch-dialogischen Pro­fils des Christentums „zu skizzieren“, 49). Die Autorin untersucht das Missions- und Dialogver­ständnis der Kirchen Asiens, Lateinamerikas („Die religiöse Szene in lateinamerikanischen Ländern wie Brasilien lässt es kaum zu, von Religionsbe­gegnung und vom interreligiösen Dialog zu spre­chen. Wo die Vermischung der verschiedenen Christentums-formen und Volksreligionen so weit fortge-schritten ist, zerrinnt der interreligiöse Dia­log; denn er findet keinen Halt mehr an prägnanten Bekenntnissen und Kirchengestalten. Es zeigt sich, dass Dialog ein gewisses Mass an religiöser Identi­tät und missionarischem Überzeugtsein braucht, um in Gang zu kommen“, 53), Afrikas („Vom Dia­log mit den traditionellen Religionen und dem Islam ist dabei häufig nichts zu spüren - im Ge­genteil. Symbole der ‘heidnischen Religionen’ wer­den vernichtet, der Islam im Missionszeugnis fron­tal angegriffen, wenn nicht sogar bekämpft. Unter dem Eindruck des neupfingstlerischen Erfolgs stimmen sich auch die „mainline“ churches und die römisch-katholischen Teilkirchen auf die neuen religiösen Wellen ein und verändern sich dabei erheblich in ihrem Charakter und ihrer Gestalt“, 54), Nordamerikas und Europas („Das Nebenein­ander von friedlicher Mission und missionarischer Offensive, von Würdigung, Kritik, und Schelte der Mission kennzeichnet unsere Gesellschaft“, 57). Nach C. Lienemann-Perrin zeigt dieses Bild, „dass es in den verschiedenen Kontexten der Welt eine große Vielfalt von Austauschbeziehungen zwi­schen dem Christenrum und anderen Religionen gibt, die mit den Begriffen „Mission’ und T)ialog’ nur sehr unzureichend erfasst werden. Femer braucht es einen Gedanken- und Erfahrungsaus­tausch über Mission’ und „Dialog’ in den verschie­denen Kontexten der Welt. Es hilft nichts, den belasteten Missionsbegriff einfach über Bord zu werfen; denn während Teile des europäischen Christentums ihn vielleicht als anstössig empfin­den, hat er in den Kirchen der ausserwestlichen Welt eine neue Heimat gefunden. Wer mit dem Christentum im Süden ins Gespräch kommen und nicht einfach an ihm vorbei an hartnäckigen Vorur­teilen festhalten will, muss sich auf Religiosität, Sprache und theologische Ansätze in diesen Län­dern einlassen. Ich plädiere dafür, den Wanderbe­wegungen des Missionsbegriffes nachzuspüren, dabei auf inhaltliche Veränderungen zu achten und eine interkulturelle Hermeneutik der Mission in Verbindung mit dem interreligiösen Dialog zu entwickeln. … der Rückkehr der missionarischen Ausstrahlungskraft in unsere Gemeinden und theo­logischen Fakultäten – gerade auch um des interre­ligiösen Dialogs willen, der angesichts der Zunah­me von religiös motivierten Konflikten in der Ge­sellschaft immer wichtiger wird. Ich bin davon überzeugt, dass ohne die missionarische Ausstrah­lung aller am Dialog Beteiligten der Dialog mit anderen Kulturen und Religionen auf Dauer nicht lebensfähig ist.“

H. Bettscheider untersucht „Die Wahrheitsfrage und der interreligiöse Dialog“ ( 61-77) und H. Waldenfels beleuchtet abschließend das Verhältnis zwischen „Dialog und Bekenntnis“ (79-92). Eine knappe Vorstellung der Autoren sowie Ubersichten über die in der Akademie gehaltenen Vorträge der letzten Jahre beenden den Band.

Prof.Dr. Christoph Stenschke, em 2005-3.

Mensen, Bernhard SVD (Hg.). Afrika zwi­schen Tradition und Moderne. Vortragsreihe 1995/96/ Akademie Völker und Kulturen St. Augustin; Bd. 19. Steyler Verlag: Nettetal, 1996.

Drei der sechs Vorträge befassen sich mit der politischen und wirtschaftlichen Situation Afrikas. Die Autoren sind bzw. waren Profes­soren an deutschen Hochschulen. Der erste Beitrag fragt „Woran krankt Afrika?“ Antwort: „Die Krankheit Afrikas rührt hauptsächlich von den in der nachkolonialen politisch-sozialen Entwicklung bewirkten gesellschaftlichen Ver­zerrungen her“ (S.21). Die politischen Struktu­ren werden für die Probleme verantwortlich gemacht, nicht die Menschen Afrikas (S.22). Gleiches gilt für die afrikanische Wirtschaft. Im dritten Beitrag („Afrika wohin?“) geht es um eine Orientierungssuche nach dem Wegfall des Ost-West-Konflikts. Der vierte Beitrag („Das Verhältnis von Individuum und Gemein­schaft in afrikanischen Gesellschaften“) zeigt, welch große Rolle die Einzel- und Gemein­schaftsbeziehungen im traditionellen Afrika spielen, wobei neuere Entwicklungen eine Schwächung dieser Beziehungen bringen. Der fünfte Beitrag („Der Einfluß Afrikas auf die europäische Kunst“) weist auf die von Afrika kommenden Anregungen auf kulturellem Ge­biet hin (Musik, Malerei, plastische Kunst). Der sechste Beitrag („Zwischen Evangelium und Kultur – Christentum aus afrikanischer Perspektive“) geht der Frage nach, ob zwischen Christentum und traditioneller Kultur ein Aus­tausch stattfindet. Dabei wird das Aufkommen einer Afrikanischen Theologie nachgezeichnet, ihre Ansatzpunkte, ihre Entwicklungen und Probleme. Umfang und Stil des Buches ma­chen es leicht lesbar. Man wünscht sich nur etwas mehr Platz für Randnotizen. Ein guter Teil des Buches ist der politischen und wirt­schaftlichen Entwicklung Afrikas gewidmet. Dies hilft zum Verständnis der heutigen Situa­tion und zeigt dabei auch größere (globale) Zu­sammenhänge auf. Der Beitrag über die zwi­schenmenschlichen Beziehungen bringt für Afrikakenner nicht viel Neues. Als Christ ist man natürlich am letzten Beitrag des Buches zum Christentum aus afrikanischer Perspektive besonders interessiert, speziell am Unterab­schnitt über Mission. Dieser Beitrag ist einer der kürzesten. Interessant ist, daß dies der ein­zige Beitrag eines Nichteuropäers ist; Dr. theol. Amélé Ekué stellt fest, daß aus afrikanischer Perspektive „die Missionare Afrikaner und Afrikanerinnen in ihrer Identität störten. Aber sie haben sie nicht nur als Opfer zurückgelas­sen, sondern als Akteure ihrer eigenen Chri­stentumsgeschichte…“ (S. 110). Auch der Au­tor des vierten Beitrags äußert sich zum Thema Mission: „Die christlichen Missionen stellen allein durch ihre Präsenz den Glauben an die Macht der Erde und der Ahnen sowie die tra­ditionellen Normen in Frage, und zwar auch da, wo ihr äußerer ‘Erfolg’, gemessen an der Zahl der getauften und zum Christentum Be­kehrten, gering ist“ (S.79). Er zitiert einen Pa­ter, der 27 Jahre als Missionar tätig war: „Wenn ich nicht meinen christlichen Glauben hätte, würde ich das, was wir Missionare gegen die traditionellen Normen der afrikanischen Gesellschaft tun, als ein Verbrechen bezeich­nen“ (S.79). Fazit: Es werden einige interes­sante Einblicke und Hintergründe afrikanischer Entwicklungen vermittelt. Doch wer mehr In­formation über Christentum und Mission in Afrika sucht, findet hier nicht sehr viel.

Hans Schultheiß, em 1999-4.

Menzel, Gustav. Die Bethel-Mission, Aus 100 Jahren Missionsgeschichte. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1986.

Gustav Menzel, 1967 Missionsdirektor der Rheinischen Mission bzw. der Vereinigten Evangelischen Mission, hat mit seinem 1978 erschienenen Standardwerk „Die Geschichte der Rheinischen Mission“ eine der gründ­lichsten Arbeiten über die Geschichte einer deutschen Missionsgesellschaft vorgelegt, wenn man von der unübertroffenen mehr­bändigen Geschichte der Basler Mission ein­mal absieht. Ihr stellt er nun die Geschichte der Bethel-Mission zur Seite, die 1971 wie die Rheinische Mission in der VEH aufging. Man spürt heraus, daß Menzel die Bethel-Mission stärker aus sachlicher Distanz be­schreibt als die Rheinische Mission, deren Missionar in Sumatra er einst war.

Die Stärke des Buches liegt im Detail. Aus einem enormen Archivmaterial hat Menzel nicht nur eine zusammenhängende Ge­schichte aus einem Guß gemacht, sondern zahllose zunächst unwichtig erscheinende Einzelangaben diskutiert und belegt. Da­durch ist das Buch nicht nur ein Gesamt­entwurf, sondern zugleich zum Einzelstu­dium bestimmter Fragen und Personen ge­eignet. Solche interessanten Einzelheiten aufzuführen würde hier zu weit führen. Was sind also daneben die großen Linien, die Menzel verfolgt, gar die Linien, die das Buch weit über die Bethel-Mission hinaus interessant machen? Mir scheinen es drei Problembereiche zu sein.

Der erste Problembereich ist die Frage nach dem Verhältnis von Kolonialismus und Mis­sion. Der Weg von der ursprünglich kolo­nialistisch gesinnten Evangelischen Mis­sionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika zu der von Bodelschwingh geprägten Ostafrika-Mission und dann Bethel-Mision geht über viele Brüche und Einzelentscheidungen. Die beiden Kriege zwingen die Mission, den Afrikanern mehr Selbständigkeit zuzubilli­gen, was dann schließlich auch als richtiger Weg erkannt wird.

Der zweite Problembereich ist die theologi­sche Ausrichtung. Angesichts der heutigen Aufspaltung in „evangelikale“ und „kirchliche“ Missionsgesellschaften in Deutsch­land kann man hier die einzelnen Etappen einer deutschen Missionsgesellschaft verfol­gen. Die Diskussionen um Kirchenpolitik, Schriftverständnis und ökumenische Orien­tierung führen zu tiefgreifenden Änderun­gen, die jedoch nicht gradlinig verlaufen. Menzel beschreibt diese Veränderung zwar aus der Sicht der heutigen VEM, aber so fair, daß jeder aus der Diskussion lernen kann.

Der dritte Problembereich, bei dem Menzel meines Erachtens sein Buch zu einem Höhe­punkt bringt, ist die Mission unter dem Nationalsozialismus. Die ganze verworrene und komplizierte Situation wird deutlich. Einerseits helfen Missionare die NSDAP im Ausland aufbauen, wird die „Wende“ wärmstens begrüßt. Altes kolonialistisches Ge­dankengut lebt auf. Andererseits lehnt man die Rassenlehre ab, und es gibt eben einen Friedrich von Bodelschwingh. Man teilte die Weltanschauung des Nationalsozialismus nicht, erhoffte sich aber doch Veränderun­gen zum Guten von der neuen Regierung und verkannte die Zeichen der Zeit total. Wichtig sind auch Menzels über die Bethel-Mission hinausgehenden Informationen zur Mission unter dem Nationalsozialismus.

Ein spannend geschriebenes Buch, wie es uns noch von mancher Missionsgesellschaft fehlt.

Thomas Schirrmacher, em 1988-4.

Menzies, William und Robert. Pfingsten und die Geistesgaben – Ein theologischer Brü­ckenschlag zwischen Pfingstbewegung und Evangelikalen, Metzingen: Ernst Franz, 2001.

Das vorliegende Buch stellt eine positive Her­ausforderung dar – sowohl für evangelikal als auch für pfingstlich geprägte Christen. Die Au­toren haben das Anliegen, eine Brücke zu bau­en, verleugnen aber nicht ihre theologische Her­kunft, sondern suchen die für pfingstliche Kreise charakteristische Erfahrung des Heiligen Geistes theologisch zu begründen und die Bedeutung der Unterscheidung von Wiedergeburt und Geis­testaufe für die Mission herauszustellen. Es werden auch weitere mit der „Pfingsterfahrung“ verbundene Fragestellungen erörtert, so die Fra­ge nach Sprachenreden, nach dem Stellenwert von Zeichen und Wundern, nach Leiderfahrung im Leben eines Christen und nach der Bezie­hung zwischen Geistestaufe und Geistesgaben bzw. Geistesfrucht. Hiermit ist ein weiter Fra­genhorizont aufgerissen.

Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf die Geschichte der Pfingstbewegung und einer Be­schreibung deren derzeitigen Beziehungen zu „evangelikalen“ Christen: Man habe sich ange­nähert, doch nach Menzies arbeiten Evangelika­le „mit einschränkenden Regeln, … die ein Er­gebnis zugunsten der Pfingstgläubigen von vornherein ausschließen“ (S. 44). Kapitel 2 zeichnet die Entwicklung der Einordnung narrativer Bibeltexte nach, was zentral für die Frage nach der lukanischen Theologie und damit der Deutung des Pfingstereignisses ist. In Kapitel 3 wird diese Frage anhand der Apostelgeschichte erörtert, wobei Menzies eine klare Unterschei­dung zwischen lukanischer und paulinischer Pneumatologie einführen: ersterer wohne kein heilsbezogener Aspekt inne. Pfingsten sei aus­schließlich Ausrüstung zum Zeugendienst und nicht, wie Evangelikale das verstehen, Eintritt in den neuen Bund. Diese Sichtweise wird mit dem lukanischen Geistverständnis an sich begründet: Lukas spreche ausschließlich vom prophetischen Geist, so sei also auch die Pfingstgabe prophe­tisch aufzufassen; diese Gabe dürfe nicht mit Bekehrung oder Wiedergeburt verwechselt wer­den. Die Autoren wenden sich hier gegen die evangelikale Ansicht, dass Bekehrung und Geistemp­fang zusammenfallen.

Kapitel 4 ist ein Plädoyer für klare Schriftfor­schung sowohl angesichts postmoderner Anfra­gen an evangelikale Hermeneutik als auch ange­sichts der erfahrungsbetonten Sicht der Pfingst-kreise. Menzies sprechen sich für eine gegensei­tige Ergänzung evangelikaler und pfingstlicher Anliegen aus. Die oben beschriebene Identität der pfingstlichen Theologie im Verständnis der Pfingstgabe jedoch dürfe nicht preisgegeben werden. Die folgenden Kapitel setzen sich mit den Beiträgen von James Dunn, Max Turner und Gordon Fee auseinander. Hierbei geht es Men­zies vor allem darum, nachzuweisen, dass Lukas seine Erzählung bewusst so gestaltet, dass sie den Charakter eines verbindlichen Modells christlicher Erfahrung erhält. Als Schlüsselar­gument dient nach wie vor die Unterscheidung zwischen der Pneumatologie des Lukas und der des Paulus. Kapitel 8 und 9 befassen sich mit dem Thema Sprachenrede: Menzies verteidigen sie als Zeichen für eine Geistestaufe und gleich­zeitig eine für alle Gläubigen gedachte Gabe. Im 10. Kapitel wenden sich die Autoren noch einem neuen Thema zu: der „Zeichen- und Wunder-Bewegung“ (oder „Dritten Welle“). Im Ge­spräch mit dort vorzufindenden Ansichten wird die lukanische Sicht von Zeichen und Wundern dargestellt, wobei Menzies herausstellen, dass Lukas das Wirken des Geistes in erster Linie als Kraft zum mündlichen Zeugnis und weniger zum Wunder-Tun beschreibt. Zudem stellen sie dar, wie Lukas einerseits von einer Fülle von Wundern berichtet, andererseits jedoch vor der Forderung nach Wundern warnt. Kapitel 11 be­fasst sich differenziert mit der Lehre Uber „Hei­lung im Sühnetod Jesu“: Vom Kreuzestod Jesu gehe „körperliche Heilung wie alle segensrei­chen Auswirkungen der Erlösung“ aus. Menzies zeigen, dass die Erlösung nicht nur eine geistli­che Dimension hat, sondern den menschlichen Körper, wie auch die ganze Schöpfung mit um­schließt und dass Gläubige dieses Heil in zu­nehmendem Maße erführen. Hier schließt the­matisch Kapitel 12 an: Wie bringen Christen die Überzeugung von Gottes persönlicher Bewah­rung und Fürsorge mit eigenem und fremden Leid zusammen? Anhand des Berichts von der Verklärung Jesu in Mk 9,2-10 wird eine pfingstlerisch-selbstkritische Einladung präsen­tiert, Gottes Hand nicht nur in ,,glanzvolle[n] Beweisen seiner Herrlichkeit“ zu sehen, sondern vielmehr zu erkennen: „alles, was wir an Be­wahrung und an Leid erfahren, ist auf seine Lenkung der Dinge zurückzuführen“ (S. 190). Dabei wird als Ziel der göttlichen Fürsorge nicht in erster Linie Wohlergehen verstanden, sondern die Erfüllung des Erlösungsplanes des Vaters. Kapitel 13 befasst sich nun grundsätzlicher mit dem Thema „Geistesgaben“, wobei IKor 12-14 als zentral aufgefasst werden. Menzies formulie­ren drei Prinzipien: das Gnadenprinzip, das Er­bauungsprinzip und das Teilungsprinzip. Die folgenden Kapitel dienen der Verhältnisbestim­mung von Geistestaufe und Geistesgaben bzw. Geistesfrucht. Es wird nun die Synthese zwi­schen der lukanischen und der paulinischen Sichtweise angestrebt, wobei die lukanische Geistestaufe als Tor zu den prophetischen Ga­ben bei Paulus aufgefasst wird. Abschließend lässt sich sagen: Das Buch behandelt eine um­fassende Thematik detailliert, mit Sachkenntnis und missionarischem Herzen. Hierin liegt seine große Stärke und Herausforderung für Christen jeglicher Prägung. Menzies leisten eine starke Überzeugungsarbeit in der Fundierung ihrer Grundposition. Nicht alle Argumentationen ü­berzeugen. Die vorgeschlagene Synthese zwi­schen der lukanischen und paulinischen Sicht in Kapitel 14 hat bestechende Elemente, manche Fragen lassen Menzies dabei jedoch leider un­beantwortet: Warum fordert Paulus in 1 Kor 12­14 nicht auf, sich nach einer bestimmten zweiten Geisterfahrung – der Geistestaufe – auszustre­cken, sondern nach den Gaben dieses Geistes? Warum gehen die Autoren nicht auf 1 Kor 12,13 – der „Taufe durch einen Geist zu einem Leib“ – ein, wo Paulus die Gläubigen in Korinth zeitlich nach einer „Geistestaufe“ einordnet? Nicht ganz überzeugend ist auch die Argumentationslinie, das Pflngstereignis allein von Lukas her deuten zu wollen. Trotz dieser Anfragen leistet dieses Buch einen wertvollen Beitrag zur laufenden Diskussion und regt zu weiterem Nachdenken an. Es ist ein Aufruf, das Leben, das Gottes Geist wirkt, tatsächlich in all seinen Dimensio­nen zu suchen, der hoffentlich nicht ungehört bleiben wird!

Verena Schröder, em 2005-2.

Milnes , Peter und Genevieve. Missions - The Biblical Basis. Contagem, Brasilien: Ed. AMEM, 1989.

Das Ehepaar Milnes, australische Missionare in Brasilien, schrieb das Buch speziell für Haus­bibelkreise. Hier können die überschaubaren Kapitel gelesen und anschließend besprochen werden. Fragen regen zum Gespräch an und führen zum gemeinsamen Gebet. Zunächst werden die missionstheologische Bedeutung der Schöpfung, Abrahams und Israels Erwäh­lung und von der Landnahme dargestellt, um dann am Beispiel von Richter, Jona und Maleachi den missionarischen Ungehorsam Israels aufzuzeigen. Die Besprechung des Neuen Testaments konzentriert sich neben einer Darstellung von Jesu Begegnungen mit den Heiden – verstanden als Jüngerschulung – vor allem auf die Apostelgeschichte.

Wenn man nach Wesen und Inhalt der Mis­sion fragt, bleiben manche Fragen. Es mutet seltsam an, wenn Josuas Eroberung Kanaans als „missionary work“ bezeichnet oder Israels Schuld vor allem darin gesehen wird, daß es den Heiden Gott nicht nahebrachte (S.35f). Umgekehrt wird der Missionar als „Gottes Kämpfer gegen das Böse und Götzendienst im Land“ bezeichnet bzw. gefragt: „Kämpfen wir für Gottes Gerechtigkeit?“ (S.39f). Fragt man tiefer, dann erkennt man, daß Schriftauslegung ohne heilsgeschichtliche Perspektive getrieben wird. Das muß gerade im AT zu Entstellungen führen. Grund, Voraussetzung, Ermöglichung und Inhalt aller Mission ist eben das Versöh
nungswerk Gottes in Christi Kreuzestod, Auf­erstehung und Sendung des Geistes. So kommt gerade bei der neutestamentlichen Darstellung die Soteriologie als Mitte des Evangeliums zu kurz. Statt dessen werden Zeichen als Beglau­bigung der Botschaft betont. Dem entspricht die Ausblendung der missionstheologisch so wichtigen Gottesknechtslieder im Alten Testa­ment. Zudem wird der Weg des Evangeliums von Israel zu den Völkern lediglich unter dem Gesichtspunkt transkultureller Methoden und multinationalen Gemeindebaus gesehen (S.103ff).

Diese Schrift ist ein Musterbeispiel dafür, wie die Gestalt der Missionstheologie von der zugrundeliegenden Hermeneutik gesteuert wird. Gerade in einer „Laientheologie“ bzw. in einer Anweisung zur Mission für junge Ge­meinden, wie hier, ist gewissenhafte Schrift­auslegung das A und O. Zudem sollte man in der Bibel Mission nur da sehen, wo die Schrift darauf hinzielt. Der Rezensent bedauert zu­tiefst, daß dem sehr guten didaktischen Ansatz, dem praktischen Bezug und den mancherlei glücklichen Beispielen und wertvollen Erfah­rungen nicht eine ebenso gediegene exege­tisch-theologische Arbeit zur Seite steht.

Helmuth Egelkraut, em 1993-1.

Mission Handbook 1993-95 (15th edition). U. S. and Canadian Christian Ministries Over­seas, with statistical data and back­ground es­says, hg. von John A. Siewert und John A. Kenyon. Monrovia: MARC,1993.

Die 15. Auflage des Standardwerkes ist die bisher umfassendste und bringt einige Neue­rungen mit sich. Hauptteil ist nach wie vor die umfassende Auflistung und Aufschlüsselung nordamerikanischer Missionsgesellschaften, die sich im Rest der Welt betätigen. Am span­nendsten ist wohl der 37seitige Artikel von MARC-Direktor Bryant Myers „The changing shape of world missions“. Dort finden sich 28 Weltquerschnitte graphischer und statistischer Art zur Verteilung der Religionen, Christen, Unerreichten, Finanzen und Lebensbedingun­gen. Die traditionellen Hintergrundaufsätze bilden diesmal drei Briefe aus anderen Konti­nenten von Tokunboh Adeyemo, Vinay Samuel und Valdir Steuernagel (wobei Steuernagel im Jahrbuch Mission 1993 seinen deutschen Freunden ganz andere Dinge schreibt!). Neu ist eine 20seitige Übersicht über die 5.441 katholi­schen Missionare aus Nordamerika, die jedoch bei weitem nicht so detailliert ist, wie die An­gaben über die protestantischen Organisatio­nen, von denen 54% sich als evangelikal und 9% als charismatisch bezeichnen. Neu ist auch die detailliertere Aufschlüsselung des Missi­onspersonals. Die Gesamtzahl der US-ameri­kanischen Missionare, die länger als 4 Jahre dienen wollen, beträgt derzeit 32.634, dazu kommen 36.201 Kurzzeitmitarbeiter für 2 Wo­chen bis 2 Monate und 24.213 voll aus den USA unterstützte einheimische Mitarbeiter in den Einsatzländern, denen allen zusammen 14.694 Vollzeit-Heimatmitarbeiter den Rücken stärken. Die Zahlen für Kanada belaufen sich jeweils etwa auf 10% der US-Angaben. Wei­tere Mitarbeiterkategorien verändern die Ge­samtsumme nur unbeträchtlich. Das größte US-Auslandspersonal (über 4 Jahre Einsatz) unter den Missionen hat der Southern Baptist Con­vention Foreign Missions Board mit 3.660, Wycliff Bibelübersetzer mit 2.338 und New Tribes Mission mit 1.837. Die hundert größten Gesellschaften haben 91% allen Personals, wobei nur zwei weitere die Tausendergrenze überschreiten. Für die zunehmenden Kurz­zeiteinsätze, v.a. von 2 Wochen bis 2 Monaten, aber auch bis zu 2 Jahren sind wiederum die Southern Baptists-FMB Spitzenreiter (10.209), gefolgt von Jugend mit einer Mission (6.600) und der Missionsabteilung der Kirche des Na­zareners (5.500). Das größte Jahreseinkommen hat dagegen World Vision USA (176 Mio. US$) mit weiteren 73 Mio in Kanada, erst an zweiter Stelle die Southern Baptists mit 165,7 Mio und danach die Assemblies of God mit 96 Mio. Die Missionsdollars konzentrieren sich zunehmend bei den großen Organisationen. Einsatzländer mit über 1000 US-Missionaren sind Brasilien (2.229), die Philippinen (1.961), Mexiko (1.691), Japan (1.636), Kenia (1.337) und Papua Neu-Guinea (1.186). Im Mittleren Osten dagegen sind zusammen weniger Mitar­beiter jeglicher Herkunft im Einsatz als US-Missionare in einzelnen deutschsprachigen Ländern: Deutschland 756 (wie in Frankreich), Österreich 310, Schweiz 86. Register über die kirchliche Ausrichtung und die Tätigkeitsfelder der verschiedenen Werke runden dieses un­übertroffene Nachschlagewerk ab, für das man sich ein ebenbürtiges in Deutschland bisher nur wünschen kann. Die ebenfalls angebotene Dis­kettenversion war dem Rezensenten nicht zu­gänglich.

Christof Sauer, em 1996-2.

Mission Handbook 2001-2003 (18th edition). U. S. and Canadian Christian Ministries Over­seas, hg. von John A. Siewert und Dotsey Welliver. Evangelism and Missions Information Service – Billy Graham Center - Wheaton College: Wheaton (IL), 2000. 504 S.

Nach 3 Jahren erscheint die neue Auflage des bekannten amerikanischen Nachschlagewerkes aller Missionsgesellschaften des amerikanischen Kontinents. Es berichtet von ca. 35.500 Missionaren im Ausland aus den USA und Kanada in ca. 1.000 Missionsgesellschaften, daneben von ca. 23.500 Mitarbeitern in USA und Kanada, 100.400 Kurzzeitmissionaren und 73.000 ausländischen Mitarbeitern! Tabellen, Übersichten, Daten, Adressen schlüsseln diese Zahlen auf. Wer ist wie lange und wo Missionar? Warum kommen Missionare vorzeitig nach Hause? Daneben bietet es wieder zwei Beiträge zu orthodoxen und katholischen Missionswerken und die jährlich wechselnden Einführungsessays, die weit über die Belange der USA hinausgehen. Dabei geht es um die Frage der Kooperation von Missionsgesellschaften, um die Spannung zwischen gigantischen Missionsorganisationen und der Betonung der örtlichen Gegebenheiten und mit Luis Bush um die Herausforderungen der nächsten Jahre, die er – m. E. zu Recht – vor allem in der Veränderung der theologischen Ausbildung sieht (S.26-28).

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-3.


Missionering en Inculturatie, Mission and Inculturation, Bulletin de 1’ Institut Historique Beige de Rome LXIV, Turnhout: Brepols Pub-lishers, 1994.

Auf 270 Seiten bietet sich hier dem sprachge­wandten Leser in Flämisch, Französisch und Englisch eine wertvolle Sammlung an missi-ons- und kulturgeschichtlichem Material aus der Arbeit der Scheuter Mission in der Inneren Mongolei und Nordchina (1865-1953) und Zaire (1919-1935). Die ausschließlich auf Quellenmaterial basierende historische Dar­stellung bietet ein sehr realistisches Bild von den harten Lebensbedingungen der Missionare. Es überwiegt jedoch bei weitem die Behand­lung Frage nach einer Inkulturation der sehr stark sozial orientierten Arbeit der Scheuter Missionare. Unter „Inkulturation“ wird in die­ser Aufsatzsammlung die Möglichkeit einer Übernahme der von den Missionaren gegrün­deten medizinischen Einrichtungen oder Schu­len durch einheimische Fachkräfte verstanden. Auf eine theologische Auseinandersetzung mit dem Thema oder eine missiologische Analyse der behandelten Abschnitte der Scheuter Mis­sionsgeschichte muß der Leser leider verzich­ten.

Stefan Müller, em 1995-4.

Moffett, Samuel Hugh. A History of Christianity in Asia. Bd I: Beginnings to 1500. San Francisco: Harper, 1991.

Die Ursprünge des Christentums in Asien lie­gen lange vor dem Einsetzen der neuzeitlichen Mission. Die Ausbreitung und Bedeutung des asiatischen Christentums von seinen Anfängen bis zum Jahr 1500 ist das Thema, dem der Autor viele Jahre an Forschung und Quellen
studium gewidmet hat. Nachdem eine europa­zentrierte Kirchengeschichtsschreibung lange Zeit den Blick auf die einheimischen Wurzeln des asiatischen Christentums weitgehend verstellt hat, lenkt Samuel H. Moffett mit die­sem Buch die Aufmerksamkeit des Lesers erneut auf die tiefen Wurzeln und Traditionen des Christentums in der Geschichte der Völker und Staaten Asiens.

Der Autor Samuel Hugh Moffett ist selbst in Korea geboren. Während der chinesischen Revolution war er von 1947 bis 1951 in China als Lehrer tätig und arbeitete später als Profes­sor für Kirchengeschichte in Korea und in den USA. Mit ihm hat sich wohl einer der kompe­tentesten Männer der Bearbeitung dieses The­mas angenommen.

Bei seinen hervorragenden Kenntnissen der asiatischen Kirchen ist es allerdings zu bedau­ern, daß er so wenig auf asiatische Quellen und Arbeiten zurückgreift. Ebenso verzichtet er darauf, neuere westliche Forschungsergebnisse zu einzelnen Aspekten seines Themas zu berücksichtigen. Dafür beschränkt er sich auf eine solide Zusammenfassung und Aufberei­tung der bisher unübertroffenen Klassiker der asiatischen Kirchengeschichte aus der Blütezeit christlicher Asien-Forschung und auf die in westlichen Sprachen zugänglichen Quellen. Moffetts Verdienst ist es daher vor allem, deren Ergebnisse nach über 50 Jahren erneut aufzu­nehmen und davor zu bewahren, endgültig in der Vergessenheit zu versinken.

Die Weite des Themas zwingt allerdings auch zu Beschränkungen auf einen geographi­schen und thematischen Bereich. So legt Moffett den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Untersuchung des Christentums im frühen Per­sien und auf die Auseinandersetzung des Chri­stentums mit dem jungen Islam, die etwa 75% seines Werkes ausmachen. Entsprechend erfolgt auch die im Buch vorgenommene Ein­teilung in die drei Perioden „Von den Aposteln bis Mohammed“, „Von Alopen bis zu den Kreuzfahrten“ und „Von Dschingis Khan bis Tamerlan“.

Durch den hier gebotenen Einblick in die Ursprünge und die Entwicklung des Miteinanders von Christentum und Islam in Asien wird anhand vieler Hintergrundinformationen ein tiefes Verständnis für viele der bis heute bren­nenden Fragen in der christlich-islamischen Begegnung ermöglicht. Die Kirchengeschichte aller anderen asiatischen Regionen oder die frühe Auseinandersetzung des Christentums mit anderen asiatischen Religionen wird dage­gen leider nur beiläufig und nur dort behandelt, wo sie in eine Beziehung zu Persien oder zum Islam tritt. Dennoch ist dieses Werk ein überaus lesenswerter Klassiker zur Kirchen­geschichte West-Asiens und ein kaum zu überschätzender Beitrag für jede Beschäftigung mit den Wurzeln des asiatischen Christentums.

Stefan Müller, em 1995-4.

Montgomery, James H. Dawn 2000: 7 Mil­lion Churches To Go. Pasadena, CA: Wil­liam Carey Library 1989.

Montgomery entwickelte eine Strategie für die Weltevangelisation. Mit dem Ziel 7 Mil­lionen zusätzlicher Gemeinden gäbe es eine Gemeinde für jeweils 500 bis 1000 Men­schen in der Welt; damit hielte er die Welt für evangelisiert. DAWN 2000, Abkürzung für «Discipling A Whole Nation» (Eine ganze Nation zu Jüngern machen), ist kein kurzlebiger Traum eines früheren Missio­nars, sondern eine wohldurchdachte Stra­tegie für die Evangelisation jeder einzelnen Nation auf der Erde.

Montgomery kommt aus der Gemeinde­wachstumsbewegung. Er war neun Jahre lang der Chefredakteur von «Global Church Growth» und diente 13 Jahre als Missionar in den Philippinen, wo diese optimistische Strategie entwickelt wurde. DAWN 2000 erwuchs aus Montgomerys Erfahrung.

Das Buch ist leicht verständlich zu lesen und gliedert sich in drei Teile. Zunächst lesen wir hauptsächlich von der Entwick­lung, dann folgt eine Beschreibung der Strategie. DAWN möchte die gesamte Ge­meinde Christi in allen Ländern mobilisie­ren, um den Missionsbefehl auszuführen, indem eine Gemeinde in jedem Ort und je­der Nachbarschaft gegründet wird.

Der zweite Teil des Buches erklärt, warum Montgomery glaubt, daß seine Strategie funktioniert. Die DAWN-Strategie unter­teilt die Erde in überschaubare Bereiche, umfasst die nötigen statistischen Unter­suchungen und mobilisiert mit Hilfe eines DAWN-Teams die Gemeinde Christi in dem Land. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Untersuchung über das Gemeindewachs turn. Daten über Wachstum bzw. Nicht-wachstum der Gemeinden (institutionelle und kontextuelle Daten) werden gesammelt, analysiert und ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Untersuchug werden in einer „Pro­phetischen Botschaft“ veröffentlicht, um die örtlichen Gemeinden zu motivieren.

Der letzte Teil des Buches spricht über die praktische Anwendung von DAWN 2000 in einem spezifischen Land. Eine Beschrei­bung ist gegeben, wie die Vision der geist­lichen Strategie in dem speziellen Kontext den geistlichen Leitern im Lande vermittelt werden kann.

DAWN 2000 ist ein Beitrag zur Erfüllung des Missionsbefehls. Das Problem, dem Montgomery begegnet, besteht in der Ver­mittlung seiner Vision in jedem Land der Erde und in den Herzen der evangelikalen Leiter. Dieses Buch in den Händen evange-likaler Verantwortungsträger in der ganzen Welt kann großen Einfluß auf die Weltevan­gelisation ausüben.

Detlef Gwinner, em 1991-3.

Moreau, A. Scott (Ed.). Evangelical Dictionary of World Missions. Baker Books: Grand Rapids (MI), 2000.

Normalerweise sollte man kein Buch bespre­chen, zu dem man selbst Beiträge verfaßt hat, aber da in diesem enorm umfangreichen Lexi­kon alle einzelnen Autoren mit Ausnahme des Hauptherausgebers nur einen sehr kleinen An­teil haben, sei dies ausnahmsweise einmal ge­stattet. Seit dem Lexikon der Weltmission (Engl. Original 1971) hat sich in Mission und Missionswissenschaft eine enorme Zunahme evangelikaler Aktivitäten er­geben, Deswegen ist es kein Zufall, dass der ‘Nachfolger’ nun aus dem evangelikalen Bereich kommt, auch wenn die ökumenische Weite nach wie vor in den Artikelthemen präsent ist. Denn das Lexikon versteht sich ausdrücklich nicht als Lexikon über Evangelikales, sondern als Lexikon über alles, was Mission betrifft, aber aus evangeli­kaler Sicht.

Das Lexikon umfaßt 700 thematische Arti­kel und 700 Artikel über Per­sonen und geogra­phische Gebiete. Von den 483 behandelten Personen sind 239 Europäer, 152 Nordameri­kaner und 92 aus der Dritten Welt. 105 sind Frauen und 52 sind noch am Leben. Lebende Personen aufzunehmen schien unumgänglich, da die evangelikale Bewegung, besonders in der Dritten Welt, teilweise noch sehr jung ist. Normalerweise wurden die Le­benden noch vor 1930 gebo­ren, wenn man von vier Ausnahmen aus der Dritten Welt absieht. Den noch leben­den Deutschen, ‘Peter Beyerhaus’, hätte ein Deutscher viel­leicht etwas ergiebiger darge­stellt, als ein Ameri­kaner, wie dies etwa im Falle von ‘Ernst Schrupp’ (von Klaus Fiedler) der Fall ist.

Grundsätzlich ist das Lexikon recht ameri­kanisch geprägt, insbeson­dere in den theologi­schen Beiträgen, aber man hat sich doch deut­lich be­müht, Autoren aus Europa und der Dritten Welt zu gewinnen. An deut­schen Auto­ren fand ich Peter Beyerhaus, Klaus Fiedler, Hans-Werner Gensichen, Rolf Hille, Werner Raupp, Christine Schirrmacher, Thomas Schirrmacher). Sie haben meist biographische Artikel geschrieben. Die Beiträge über deut­sche Missionen sind nicht schlecht, aber selten heraus­ragend (so z. B. ‘German Mission Boards and Societies’). Die Auswahl deutscher Missio­nare und Missiologen (ich fand Beyer­haus, Christlieb, Gutmann, Schrupp, Warneck, Ziegenbalg) ist sicher sehr dünn und wohl teil­weise zufällig, aber mehr Platz stand eben nicht zur Verfügung. Zu den Glaubensmissio­nen (‘Faith Missions’) fehlen etwa die Forschungsergeb­nisse des Mitautors Klaus Fiedler völlig, obwohl sie längst auf Englisch vorliegen. Die Biblio­graphie ist leider auf leicht zugängliche, englische Quellen be­schränkt worden und nicht besonders ergiebig. Allerdings gibt es gute Artikel über literarische Produkte wie Missionslexika oder Missi­onszeitschriften (‘Dictionaries …’, ‘Journals …’).

Die Spannweite der Themen ist dagegen sehr gut gelungen. Es zeigt sich, dass man die Evangelikalen längst nicht mehr mit ein paar Lieb­lingsthemen (z. B. über ‘Inerrancy’, ‘Church Discipline’, ‘OT Theology of Mis­sion’) identifizieren kann. Ausdrücklich werden viele Streitfragen unter Evangelikalen behandelt und ausgezeichnet dargestellt (z. B. Artikel ‘Controversies …’, ‘Annihilationism’, ‘Smuggling’, ‘Eschatology’ und viele weitere Einträge zu eschatologischen Richtungen), so­ziale Fragen ange­sprochen (z. B. ‘Caste’) und neueste und ungewöhnliche Forschungs- und Praxisbereiche zu­gänglich gemacht (z. B. ‘Elenctics’, ‘Homeschooling’, ‘Burnout’, ‘Mem­ber Care’).

Das Lexikon ist über umfangreiche Register einschließlich einer um­fangreichen Themen­gliederung bestens erschlossen. Insgesamt ist dieses in mehreren Jahren entstandene Mam­mutwerk eine Meisterleistung evange­likaler Lexikonerstellung und Missiolo­gie.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1.

Moucarry, Georges Ch. Zwischen Bibel und Koran. Ein arabischer Christ begegnet dem Islam. Brunnen Verlag: Giessen, 1994.

Der arabische Christ Georges Moucarry möchte zwischen Christen und Muslimen Ver­ständnis wecken. Verständnis jedoch nicht im Sinne eines ökumenischen Dialogs, der die theologischen Unterschiede zwischen Islam und Christentum wegerklärt. Im Gegenteil: Der Autor führt diese Unter­schiede aus Koran- und Bibeltexten selbst an. Klar und verständlich wer­den z. B. die Unterschiede zwischen der bi­blischen und koranischen Auf­fassung von Sünde und Heil erläutert. Gleichzeitig möchte Moucarry jegli­che Konfrontation und Gegner­schaft zwischen Muslimen und Christen ver­mieden sehen. Echte Toleranz beginnt für ihn dort, wo Muslime und Christen (!) eine Bekeh­rung zur anderen Religion nicht von vorneher­ein ausschließen (S.92).

Es sollte kurz angemerkt werden, daß man bei manchen Aussagen durchaus auch anderer Meinung sein kann: 1. Für den Autor ist der Ko­ran dort göttliche Offenbarung, wo er mit der Bibel übereinstimmt, denn Gott könne sich auch außerhalb der biblischen Offenbarung äu­ßern (S.87+91). – Mit einem solchen Offenba­rungsverständnis könnte letztlich je­des Buch zur Offenbarung Gottes erklärt werden, nicht nur der Koran. – 2. In der Auseinandersetzung Jesu mit den Pharisäern kommt Moucarry zu dem Schluß, daß die Pharisäer das Gesetz ganz genau befolgt hätten, Jesus aber seine Autorität über das Gesetz stellt (S.75). M. E. weist je­doch Jesus den Pharisäern nach, daß sie Gottes Gesetz gerade nicht hal­ten, weil sie um Gottes Gesetze herum zusätzlich eigene Gesetze schu­fen und diese menschlichen Gebote über Got­tes Gebote stellten. Diese „Menschengebote“ (Mk 7,7) befolgt Jesus tatsächlich nicht (s. Mk 7,1-23), wohl aber das ganze alttestament­liche Gesetz. 3. Et­was befremdlich mutet es an, daß der Autor die Frage stellt, ob Muslimen in christli­chen Län­dern die Ausübung ihrer Reli­gion wirklich to­lerant gestattet würde (S.88+90). Hier wäre doch wohl eher auf die teil­weise erheblichen Beschränkungen hinzuwei­sen gewesen, denen sich Christen in islami­schen Ländern ausge­setzt sehen, obwohl der Islam offiziell den An­spruch erhebt, das Chri­stentum zu tolerieren.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-2.

Müller, Karl; Werner Ustorf (Hg.). Einlei­tung in die Missionsgeschichte. Tradition, Situation und Dynamik des Christentums. Theologische Wissenschaft Bd. 18. Kohlham­mer: Stuttgart, 1995.

Es ist schwierig, einen Sammelband zu rezen­sieren und ihm und dem Gesammelten dabei gerecht zu werden, da es naturgemäß sehr viel­fältig ist. Deswegen will ich vor allem fragen, ob und wie der Band sein Ziel erreicht und was er dem evangelikalen Leser bietet.

So klar wie der Titel mir erscheint, so unklar ist mir der Untertitel. Zu „Tradition, Situation und Dyna­mik des Christentums“ könnte man in den ver­schiedensten theologischen Disziplinen schrei­ben und deswegen natürlich auch in Missiolo­gie. Oder ist selbst das Verständnis von Mis­sion nicht klar? Die Herausgeber schreiben, daß es „eigentlich gar nicht um die Geschichte der Mission, sondern eher um die Geschichte des Christentums selbst“ geht, das „nach 1Joh 3,2 noch nicht endgültig festgelegt, sondern noch unabgegrenzt ist“ (9). In seinen sehr be­merkenswerten Schlußerwägungen („Mis­sions­ge­schichte im Wandel der Motiva­tionen und Perspektiven“) betont Horst Rzep­kowski, daß „der einsichtige Ansatz, daß die Kirchenge­schichte von der Geschichte der gan­zen Kirche handeln solle“, nicht durchgehalten wird (266). Ich hätte mir deswegen gewünscht, daß in einer Einleitung die Eigenständigkeit der Missions­geschichte begründet worden wäre, die in den systematischen Beiträgen (Karl Müller, Horst Rzepkowski) oft vorausge­setzt, in anderen häu­fig ignoriert wird.

Das Buch versucht der Tat­sache Rechnung zu tra­gen, daß christliche Mis­sion erfolgreich war. Deswegen fragt Ustorf zu recht: „Wie kann das neuzeitliche Autonomie­bewußtsein westlicher Kultur missiologisch so angespro­chen werden, daß es von seiner zwanghaften Tendenz zur Gewalt [siehe Kolo­nialismusge­schich­te] befreit wird?“ (12) Der Westen ist also Objekt der Mission, aber zu dieser Wahr­heit bietet das Buch wenig, gerade im Artikel von Hugh McLeod „Die christliche Erfahrung Europas 1789-1989“.

Insgesamt scheint mir das Buch, das eine Einführung sein will, diesem An­spruch nur teilweise gerecht zu werden. Viele Artikel sind eher Beiträge zu ei­ner Missionsge­schichte oder einer Kirchenge­schichte der Welt. Für beides ist die Sammlung nicht um­fassend genug, bie­tet aber dem Leser in man­chen Artikeln viel interessante Informa­tionen, sei es über katholi­sche Mission in Nor­dafrika, über Missionen in Zentralasien oder unter den ethnischen Min­derheiten in Nord­amerika. Für evangelikale Leser erscheint mir, neben ande­ren katholi­schen Beiträgen, der Ar­tikel von Angelyn Dries OSF sehr nützlich, der einen Überblick über die Entwicklung der Heimatba­sis der amerikanischen Weltmission bietet mit der Folge der dominierenden Grup­pen: Prote­stanten (vor dem Zweiten Welt­krieg), Katholi­ken (nach dem Krieg), Evange­likale (nach 1970). Da kommt die Frage auf, welche Gruppe nach den Evangelikalen in der ameri­kanischen Missionswelt dominieren wird.

Hans-Jürgen Priens Beitrag „Lateinamerika – Einwandererkirchen und angelsächsische Mis­sionsprotestan­tismen“ dagegen zeichnet sich durch den pauschalen Kampf gegen alles aus, was nach den Einwanderer­kirchen an Prote­stantismus Lateinamerika noch berührte. Schon der Titel läßt erkennen, daß die Millio­nen Menschen, die in Südamerika sich zum evan­gelischen Glauben bekehrten, Opfer sind. Sie werden von „multinationalen religiösen Unter­nehmungen“ und von Neopfingstlern [gekennzeichnet durch „religiös-politische In­struktion, Gruppendynamik, politischen Akti­vismus und Mission (Youth with a Mission, Christ for the Nations, Gospel Outreach)] miß­braucht, kämpfen gegen progressive Regierun­gen und zerstören im Amazonasbecken ethni­sche Strukturen durch ihre sektiererische und kulturell entfremdende Arbeit (NTM, Wy­cliffe). Schade, Prien definiert Kirche sehr eng, und Ökumene nur als protestantisch und ka­tholisch.

Das gilt auch für das Buch als sol­ches, das als ökumenisches Textbuch auf evan­gelikale oder pfingstliche Missiologen ver­zichtet. Ist die Zeit noch nicht reif dafür, oder sind sie noch nicht hoffähig? Oder ist es gut, sich erst einmal der Dissonanz bewußt zu wer­den?

An der technischen Seite des Buches stören mich drei Dinge: Ich hätte die Fußnoten, die viel wertvolle Informationen enthalten, gerne unten auf der Seite gefunden. Auch als Sam­melband verdient das Buch einen Index. Inter­nationale Autoren sind gut, aber Überset­zungen sollten dann auch gut sein. Was habe ich z. B. unter methodistischen Gesellschaften zu verstehen, größtenteils aus Afrikanern zu­sammengesetzt, die Mitte des Jahrhunderts auf einigen Inseln erschienen (100)? Oder ist „Rat“ wirklich die richtige Übersetzung für „Ameri­can Board“ (210 u.a.m.)? Auch denke ich, daß der Satz „Speer schrieb über die Be­deutung der Predigt, um Einzelkonversionen zu erzielen, die Missionen mußten aber auch ein­heimische Kirchen gründen“ (217) auf Eng­lisch besser klang. Ich bin ja dafür, die deut­sche Sprache zu „enrichen“, aber ich meine doch, daß die „Unterschiedlichkeit des christli­chen Respons“
ins Deutsche übertragen werden sollte.

Insgesamt ist das Buch nützlich für die Le­ser, die einen Einstieg gewinnen und/oder sich informieren wollen. Es zeigt die Probleme mancher Sammelwerke und führt die der heu­tigen Missionsgeschichtsschreibung vor, ver­sucht sie allerdings nicht zu lösen. Für evange­likale Leser scheint mir der Hauptwert in den katholischen Beiträgen zu liegen.

Dr. Klaus Fiedler, em 1998-3.

Müller, Klaus W. (Hg.), Mission als Kampf mit den Mächten. Zum missiologischen Konzept des „Power Encounter”. Referate der Jahresta­gung für evangelikale Missiolo­gie, Korntal, 7.-9. Januar 1993. edition afem, mission reports, Bd.1. Bonn: Verlag für Kultur und Wissen­schaft, 1993.

Sammelbände enthalten mitunter komprimierte Information und auch manche literarische Schnäppchen, die sonst nirgendwo veröffent­licht wurden. Dies trifft auch auf die Referate der AfeM-Jahrestagung von 1993 zu.

In einem ausgezeichneten Anfangsartikel gibt Traugott Hopp, Dozent am Brüderhaus Tabor in Marburg, eine biblisch-theologische Einfüh­rung in das Thema „Kampf der Mächte“.

Peter Beyerhaus stellt in seinem Beitrag „Die antagonistische Dimension der Mission – Der Kampf der Geister“, Mission als grenzüber­schreitende Konfrontation dar. Er er­kennt da­bei sowohl direkten geistlichen Kampf (i.e. Exorzismus) als auch den eher indirekten, auf Bekehrung abzielenden Kampf als unverzichtba­ren Bestandteil dieser Konfronta­tion. In dem akademisch gehaltenen Artikel kommen wichtige Grundanlie­gen des Seniors der evangelikalen Missionstheologie zur Spra­che.

Ferner gibt Wolfgang Simson einen Über­blick über „Power Encounter in der charismati­schen Missiolo­gie“. Er nennt wichtige Kern­thesen, distanziert sich von Extrempositionen inner­halb der charismatischen Bewegung und kriti­siert die sterile deutsche Gemeindewirk­lichkeit und die verengte Negativ-Theologie. Der ins­gesamt gelungene Überblick beantwor­tet aber leider nicht die Frage, wie sich theolo­gische und praktische Extrempositionen inner­halb der charismatischen Bewegung in der Praxis von den positiv beurteilten Aspek­ten scheiden las­sen.

Detmar Scheunemann, der auf 30 Jahre Missi­onserfahrung zurückblicken kann, geht sensibel und biblisch begründet auf die prakti­sche Seite der Begegnung mit Mächten im Missionsdienst ein und verfolgt eine ver­tiefende theologische Auseinandersetzung mit dem Okkultismus.

Klaus W. Müller, erster Vorsitzender des AfeM und Dozent der Freien Hochschule für Mission in Korntal, geht mit seinem Artikel „Power En­counter als missiologisches Kon­zept“ auf die anthropologischen und so­ziologischen Ele­mente des Power Encounters ein.

Klaus Hoppenworth, Dozent am Seminar der Liebenzeller Mission und an der Universi­tät Tübingen be­handelt in dem letzten Hauptrefe­rat die „Mission in ihrer Auseinan­dersetzung mit den Mächten in den nicht­christlichen Welt­religionen“ (im Hinduismus und Islam). Dabei geht er fundiert und aus­schließlich auf die ko­gnitiven Aspekte der ge­nannten Religionen ein. Leider vernachlässigt er fast vollständig die so­zialen und okkulten Ausmaße des Power En­counters beim vieler­orts anzutreffenden Volks-Islams oder Volks-Hinduis­mus.

Neben dem rund 100seitigen Hauptteil der Do­kumentation beinhaltet der Band im Anhang interessante Erfahrungs- und Forschungsbe­richte auf knapp 40 Seiten über Möglichkeiten und Grenzen von Zeltmacher-Mission, über „Mission und Kirche in der Mongolei seit 1989“ und über die alte Frage „Zerstört Mis­sion Kultur?“, die der Autor überzeugend und sachlich verneint.

Das Buch ist ein insgesamt recht interes­santer Sammelband zu einem aktu­ellen Thema für je­den, der sich umfassender mit Mission beschäftigt.

Martin Sachs, em 1997-3.

Müller, Klaus W. (Hg.). Mission im Islam. Festschrift für Eberhard Troeger. Edition afem. Mission academics 25, Nürnberg, Bonn: VTR, VKW, 2007.

Diese Festschrift sammelt verschiedenste Bei­träge zur Person von Eberhard Tröger inklusive einer ausführlichen Liste seiner Veröffentlichun­gen (S.41-64), zu Fragen von Mission grund­sätzlich bzw. Mission unter Muslimen (S.65-187) und zum Islam (S.189-300). Die Vielfalt der Beiträge ist ein Spiegel der Persönlichkeit und der Bedeutung des missionarischen und missiologischen Wirkens Eberhard Troegers, der Mitbegründer und erster Leiter des AfeM war.

Insbesondere der erste Teil „soll blitzlichtartig Einblicke in ein Leben geben, die sonst verloren wären für die Blicke anderer“ (S.9). Acht kürzere Beiträge (S.7-40) rücken die Persön­lichkeit Troegers aus der Perspektive von Fa­milie, Weggefährten und Mitarbeitern in den Mittelpunkt. In diesen Beiträgen tritt nicht nur die Person vor das innere Auge des Lesers, sondern seine Leidenschaft für die Sache Jesu Christi und seine Liebe zu Mission und Mus­limen wird greifbar.

Christof Sauer stellt im ersten Beitrag des zwei­ten Teils „Die Vision einer Sudan-Mission: Der Beitrag aus dem deutschsprachigen Raum“ die missionsgeschichtlichen Hintergründe der An­fänge der EMO im Überblick dar. Diese hilfrei­che und interessante Zusammenstellung weist auf das langjährige Wirkungsfeld des Jubilars. Albrecht Hauser bedenkt im folgenden Beitrag „Die missionarische Herausforderung der Ge­genwart - Christsein in der Begegnung mit Sä­kularismus und Islam“. Da Mission ein „We­sensmerkmal christlicher Existenz“ ist, können Christen Mission nicht aufgeben oder grund­sätzlich in Frage stellen. Bestimmt von der Lie­be Jesu soll das Evangelium Menschen liebend nahe gebracht werden. Auf diesem Hintergrund identifiziert er "Vertrauensverlust ins Evange­lium und unsere Unkenntnis über den Islam“ (S.89) als Ursachen dafür, dass Menschen sich im missionarischen Zeugnis gegenüber Mus­limen schwer tun. Diese Beobachtungen sind sicherlich richtig, aber weitere Aspekte müssen ergänzt werden. Eberhard Troegers Unterschei­dung von Islam und dem konkreten Menschen (vgl. Zitat auf S.92) weist auf die Frage, ob Muslime als von Gott geliebte Menschen in der Vergangenheit immer im Blick der Gemeinde Jesu waren. Mangelndes Interesse an den Men­schen im Islam kennzeichnete wohl weite Teile der Kirchengeschichte. Dazu kommen insbeson­dere falsche Vorstellungen über die Begegnung mit Muslimen und über deren Überzeugungen. Ron Kubsch und Thomas Schirrmacher legen einen grundsätzlichen Beitrag „Apologetik: Den christlichen Glauben denkerisch bezeugen“ vor, indem sie im Überblick auf die Apologetik im Neuen Testament und der Kirchengeschichte bis in die Neuzeit eingehen. Apologetik beschreibt dabei die Notwendigkeit nicht nur „selbst­gefällig Dogmatik zu treiben“, sondern sich den „Fragen, Wunden und Schutzschichten Anders­denkender“ (S.147) zu stellen. Sie betonen dabei unter anderem, dass Christen nicht alle Antwor­ten haben. Vielmehr können Christen nur da „Gottes Botschaft vertreten, wo Gott sich in sei­nem Wort geoffenbart hat“ (S.150). Thomas Dallendörfers Beitrag „Die Trinitätslehre als Problem und Chance in der Mission unter Muslimen“ liefert einige sehr interessante Gedankenanstöße. Ausgehend von den Schwie­rigkeiten des Islams und des Korans mit einer (falsch) verstandenen Trinitätslehre sowie des mangelnden Interesses in christlichen Kirchen die Trinität zu lehren, weist er auf Chancen der Trinitätslehre hin, was in der folgenden Über­zeugung gipfelt: „Die Dreieinigkeit ist das Re­sultat eines sehr hohen Anspruchs, nämlich zu lehren, dass Gott mit uns Menschen unmittelbar Gemeinschaft haben will“ (S.160). Man könnte noch ergänzen, dass in der islamischen Tradition und Lehre Gott ebenso wenig wie in der christ­lichen Tradition und Lehre vollständig zu be­greifen oder begrifflich zu fassen ist. Diese Ge­meinsamkeit kann manche Hindernisse für Muslime aus dem Weg räumen. Darüber hinaus könnte der Gedanke der Bundesgemeinschaft des allmächtigen Schöpfers und Herrn dieser Welt mit Menschen vom Alten Testament her stärker beleuchtet und damit das Verständnis für die im Neuen Testament explizite Trinitätslehre für Muslime vorbereitet werden. Joachim Paeslers Ausführungen „Barmherzig­keit Gottes in Christentum und Islam“ sind ein interessanter Beitrag zu dieser Festschrift. Die detaillierten Untersuchungen zu hebräischen und griechischen Begriffen stehen stärker thema­tischen Beschreibungen des Themas im Koran gegenüber. Bei allen Gemeinsamkeiten be­schreibt er den grundlegenden Unterschied fol­gendermaßen: „Im Vergleich zum Islam, wo Allahs Barmherzigkeit eine Antwort auf das menschliche Handeln ist, geht Jahwe in seiner Liebe dem Menschen voraus, der das Heil lediglich im Glauben ergreifen muss“ (S.280). Diese zusammenfassende These hätte sicherlich anhand von manchen alttestamentlichen und neutestamentlichen Stellen (z.B. Röm 4,5 und 5,8) deutlicher herausgearbeitet werden können. Auch sollte noch einmal darüber nachgedacht werden, ob die alttestamentliche Bundesbarm­herzigkeit im Neuen Testament in den Hinter­grund treten kann (S.274), wenn das Neue Testament sich als die Erfüllung des Alten Testaments begreift.

Die kurzen Rückfragen zu einigen Beiträgen sollen aber nicht in Frage stellen, dass diese Festschrift sicherlich dem Jubilar eine Freude sein wird und viele interessante und anregende Beiträge vorlegt.

Heiko Wenzel, em 2008-3.

Müller, Klaus W.; Eberhard Troeger; Chri­stine Schirrmacher (Hg.). Der Islam als Herausfor­derung für die christliche Mission. Referate der Jahrestagung des Arbeitskrei­ses für evangeli­kale Missiologie 1994. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1996.

Mit dem vorliegenden Band werden die Refe­rate der Jahrestagung des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie von 1994 einer brei­ten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Da der Islam schlichtweg die Herausforderung für die christliche Mission ist, wird der Jahresband des Afem mit seinen Grundsatzreferaten, Erfah­rungs- und Forschungsberichten ein wichtiges Buch für die missionsorientierte Gemeinde bleiben.

Im ersten Hauptreferat befaßt sich Helmuth Egelkraut mit den Grundlagen der Mission nach Römer 10. Er stellt heraus, daß die Recht­fertigung vor Gott allein aus dem Glauben kommt. „Sie hat ihre Ortsbestimmung am Kreuz des Messias Jesus Christus. Man kann sie nicht haben, wenn man den gekreuzigten Messias verwirft“ (S.6). Im Gegensatz dazu betont der Islam die Gerechtigkeit des Men­schen, die auf eigenen Anstrengungen und guten Werken beruht. Das zweite Hauptreferat von Christine Schirrmacher beleuchtet die Kreuzigung Jesu und die Erlösung des Men­schen aus islamischer Sicht. Sehr fundiert wird belegt, daß der Koran ganz eindeutig die Kreu­zigung Jesu ablehnt und folgerichtig auch keine Notwendigkeit für die Erlösung des Menschen sieht.

Die Erfahrungs- und Forschungsberichte (denen fast zwei Drittel des Buches gewidmet sind) machen für mich jedoch den besonderen Wert des Bandes aus. Hier werden Einsichten in die Missionspraxis gewährt und Hinter­grundwissen von Insidern vermittelt, welche sonst nur sehr schwer zugänglich sind.

Die breite Palette der Themen reicht von der „Evangeliumsverkündigung im Gespräch mit Muslimen in Pakistan, Afghanistan und Deutschland“ über die Arbeit als „Zeltmacher im Mittleren Osten und Zentralasien“ bis hin zu den „Expansionsbewegungen des Islam in Schwarzafrika“. Darüber hinaus geben zwei Referate einen tiefen Einblick in die Proble­matik der Konvertiten und die Bestrebungen der islamischen Mission („Dawah“ = Ruf zum Islam).

Eine Liste der in „evangelikale Missiologie“ veröffentlichten neueren Buchbesprechungen über den Islam bilden einen wertvollen An­hang.

Natürlich läßt sich das Thema „Islam als Her­ausforderung für die christliche Mission“ nicht in einem Buch abhandeln, zumal zwei Hauptre­ferate nicht zum Druck zur Verfügung standen. Dennoch wurden die Schwerpunkte des The­mas anschaulich behandelt, so daß der interes­sierte Leser eine gute Einführung erhält.

Reinhard Born, em 1997-2.

Müller, Klaus. W. Georg Vicedom as Missio­nary and Peacemaker. His Missionary Practice in New Guinea. World Mission Scripts 6, Neuendettelsau: Erlanger Verlag für Mission und Ökumene, 2002.

Es gibt reichlich Aussagen darüber, was „die Missionare" gemacht oder unterlassen haben, und recht wenig Studien, die das genauer an ei­nem Einzelfall untersuchen. Hier liegt eine solche Studie vor. Sie ist dem Wirken des Missio­nars Georg Vicedom in Neuguinea von 1929 bis 1939 gewidmet. Vicedom ist weit bekannter als Professor und Autor vieler Schriften zur Mission – etwa vierhundert Artikel und vierzig Bücher. Klaus Müller setzt bei den Quellen ein, die in großem Umfang vorhanden sind, zieht aber auch viele Quellen aus dem Umfeld heran. Die Studie ist von immenser Sorgfalt, auch von Hochschätzung aber auch von Kritik im Detail geprägt. Die Gliederung erfolgt in fünf Kapiteln, die nach dem Dezimal-System untergliedert sind -bis zu fünf Stellen! Nur wenige Abschnitte sind länger als eine Seite. Außerdem ist der Text mit Fußnoten untermauert, die selten weniger als ein Drittel der Seite füllen und weit mehr als nur die Quellenangaben enthalten. Kapitel 1 (S.1-32) schildert Herkunft, Entwick­lung und Ausbildung, ohne Anzeichen künftiger Brillianz, aber mit inneren Kämpfen. Kapitel 2 stellt die Ausreise und die Orientierungsphase dar (S.33-70). Die beiden folgenden Kapitel zeigen Vicedom als Pioniermissionar, der selb­ständig arbeitete, und dabei den Durchbruch zur Annahme des Evangeliums durch eine Ethnie angestrebt und erfahren hat, zuerst in Mumeng unweit des neu erschlossenen Goldfeldes (S.71-126), danach im Hochland von Neuguinea in Ogelbeng. Dies Kapitel umfasst mehr als die Hälfte des Ganzen (S.127-327), und in diesen beiden Kapiteln liest sich das Buch auch richtig spannend.

Vicedom folgte der Methode seiner Mission: Der Missionar und seine Gehilfen streben zu­sammen hin auf eine öffentliche Wendung der Gesamtgemeinschaft zum Evangelium hin. Die erste Grundforderung und der erste Segen ist der Friede mit den Nachbarstämmen. Zum Kontakt dient das Studium der lokalen Sprache, einfache medizinische Hilfe, Besuchsreisen und Alltags­verrichtungen wie Stationsbau und Nahrungs­erwerb. Alle wesentlichen Entscheidungen sind von der lokalen Bevölkerung zu treffen, auf ihre Weise, sodass das Sozialgefüge weitgehend in­takt bleiben kann.

Im Hochland-Kapitel wird ausführlich geschil­dert, wie diese Methode geändert werden muss­te, weil die Regierung den Evangelisten die freie Bewegung außerhalb ihres Herkunftsgebietes verbot. So wurden die ungetauften Schüler der dafür intensivierten Schule auf der Station zu den ersten Vermittlern biblischer Gehalte in ihren Herkunftsdörfern und zugleich Sprach­helfer, indem sie mit ihren Worten wiedergaben, was sie verstanden hatten. Dies dramatische Ge­schehen ist mit Sorgfalt dargestellt. Dabei verwendet der Autor die Gedanken, Einsichten und Begriffe der Kulturanthropologie, wie sie von und für Missionare adaptiert worden ist. Ein funktionales Substitut z.B. ersetzt eine vorchrist­liche Sitte mit sozialer Bedeutung durch eine christliche Sitte; und Gott wird als suprakultural verstanden.

Für Klaus Müller ist Vicedom nicht nur Studien­objekt, sondern auch ein Vorbild als Missionar und als Missionstheologe. Das fünfte Kapitel handelt davon, wie sich Vicedoms wieterer Le­bensweg gestaltete; er fand Zeit zur privaten Fortbildung, wurde Missionsinspektor, und dann mit Ehrendoktoraten „entdeckt", danach Profes­sor an der kirchlichen Hochschule am Sitz sei­ner Mission. Eine Würdigung der Persönlichkeit erfolgt - durchaus nicht unkritisch: es wird auch festgestellt, Vicedom sei zeitweise „workaho-lic", autoritär und Einzelgänger gewesen. Dann folgen „wichtige Schlussfolgerungen aus Vice-doms Missionstätigkeit" wie eine Kette gehalt­voller Sentenzen, diesmal fast ganz ohne Fuß­noten (S.342-352). Hier hätte die Arbeit enden können, aber dann wäre für Klaus Müller das Wichtigste noch ungesagt geblieben. Die letzten fünf Seiten Text können aber nur eben anreißen, was Vicedom als Missionsführer und Missions­theologe bedeutet. Er war der letzte bedeutende Missionstheologe, der vor dem Bruch zwischen den Evangelikalen und Ökumenikern wirkte. Die Evangelikalen berufen sich zu Recht auf ihn, und es wäre zum Schaden beider Seiten, wenn er in Vergessenheit geraten sollte. Dieser Anspruch wird sehr knapp entfaltet und kaum weiter begründet, und dem Rezensenten will scheinen, dass dieser Anspruch sich nicht zwingend aus den ersten vier Kapiteln ergibt. Aber es wird sich durchaus lohnen, sich wieder einmal mit Vicedom zu beschäftigen und sich auch Klaus Müllers Anspruch zu stellen. Nur schade, dass diese hervorragende Disser­tation so spät gedruckt wurde (neun Jahre nach der Dissertation) und erst jetzt besprochen wird. Aber es lohnt sich durchaus noch!

Prof. em. Dr. Niels-Peter Moritzen, em 2008-1.

Müller, Michael & Stefan Müller. Erben eines Weltreiches. Die mongolischen Völker und Gebiete im 20. Jahrhundert. China -Mongolei - Rußland. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1992.

„Dieses Buch will in einer umfassenden Über­sicht die Gebiete der mongolischen Völker ganz Asiens behandeln… Bei dem Bemühen… konnte zwar an vielen Stellen auf die Traditio­nen dieser Völker hingewiesen, aber nicht intensiv genug auf all die interessanten Details in Tradition und heutigem Alltagsleben einge­gangen werden.“ So die Autoren selbst in ihrem Vorwort.

Die umfassende Übersicht über die Erben Dschingis Khans, die heute in drei Nationen und dort in weit verstreuten Siedlungsgebieten leben, ist den Autoren bestens gelungen, wobei der Leser nie den Eindruck hat, es fehlten die Details. Im Gegenteil: Ein gut Teil des Buches ist mit einer Fülle von Einzelangaben zur Geo­graphie, Wirtschaft, Stammeszugehörigkeit, Geschichte und nicht selten auch der besonde­ren religiösen Prägung der einzelnen Bezirke, Kreise und Siedlungsgebiete innerhalb der jeweiligen Nation gefüllt. Das macht aus dieser Veröffentlichung ein Arbeitsbuch und Nach­schlagewerk für Forscher und Spezialisten, kann aber auch genauso Politikern und Leuten aus der Wirtschaft wertvolle Hilfen bieten, die sich beruflich mit Zentral- und Ostasien be­schäftigen müssen. Was nicht heißt, daß es nicht auch für den interessierten Laien zu einem aufschlußreichen „Lesebuch“ wird. Für Christen, die sich in irgendeiner Form für die Mongolen engagieren wollen, sind die Anga­ben zu Land und Leuten unverzichtbar; und die primär an Säkularem Interessierten tun gut, die Ausführungen über Religion nicht zu überge­hen. Man findet nicht häufig Bücher, in denen sich zugleich sowohl fundierte Informationen über Geschichte, Geographie, Kultur, Wirt­schaft und Politik als auch zuverlässige und nicht durch Voreingenommenheit getrübte Aussagen über Religionen und die christliche


Kirche finden. Zum gezielten Gebrauch des Buches tragen ein sechsseitiges Inhaltsverzeichnis, ein 25seitiger Anhang mit Statistiken etc., zehn Kartenseiten (die man sich statt am Ende des Buches bei den entsprechenden Textstellen gewünscht hätte), sowie ein 17seitiges Stichwortregister bei. Auf Fußnoten wurde wegen besserer Lesbarkeit und einer Begrenzung des Umfangs bewußt verzichtet. Ein Blick in die (nach eigenen Angaben unvollständige) fünfseitige Bibliographie verdeutlicht, daß der weitaus größte Teil des verwendeten Materials auf nichtdeutsche Veröffentlichungen zurückgeht. Hier erfährt der Leser auch, daß die Autoren selbst mehrere Jahre in Zentralasien studiert und die Gebiete bereist und somit vor allem auch eigene Erfahrungen und Erkenntnisse verarbeitet haben. Und wer sie einmal vor Ort besuchen konnte, weiß, daß es ihnen bei ihrem Engagement für die Mongolen um mehr geht, als nur darum, „unser Wissen um die weiten unbekannten Gebiete Zentralasiens zu erweitern.“

Karl Lagershausen, em 1993-3.

Musk, Bill A. Passionate believing. The „fundamentalist” face of Islam. Speldhurst: Monarch, 1992.

Nirumand, Bahman (Hg.). Im Namen Al­lahs. Islamische Gruppen und der Fundamen­talismus in der Bundesrepublik Deutschland. Köln: Dreisam 1990.

Die islamische Revolution im Iran löste in der westlichen Welt einen bis heute unaufgearbeiteten Schock aus. Das Bild des Islam im Westen ist von Fundamentalismus und Fana­tismus geprägt. Der „islamische Fundamenta­lismus“ gewinnt zunehmend Anhänger in den islamischen Ländern. Viele Regierungen gera­ten unter Druck, zur Scharia zurückzukehren. Durch die Islamzentren ist der Fundamentalis­mus auch in Europa präsent und nimmt auf die Muslime hier Einfluß. Das Ziel von Bill Musks neuem Buch ist, tiefer in Wurzeln und Hinter­gründe des islamischen Fundamentalismus einzudringen. Zugleich soll es Christen helfen zu verstehen, wie dieser für viele moderne Muslime durchaus seine Berechtigung hat und einen Sinn gibt für ihr Leben. Musks Buch gliedert sich in drei Teile: Der erste Teil zeigt auf, wie aus der Perspektive von islamischen Fundamentalisten das tägliche Leben gestaltet werden sollte. Es wird deutlich, wie sehr sich die Weltanschauung des säkularen, humanisti­schen Westens von der des fundamentalisti­schen Islam unterscheidet. Im zweiten Teil beschreibt Musk anhand von Biographien und Länderstudien geschichtliche Entwicklungen des Fundamentalismus und das Denken maß­geblicher Persönlichkeiten in Pakistan, Ägyp­ten und Iran. Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Beurteilung des fundamentalistischen Islam im Gegensatz zum Christentum. Musk zeigt auf, welche Auswirkungen der Niedergang des Islam in den letzten 100 Jahren sowie die Ko­lonisation und Abhängigmachung der islami­schen Welt durch die Länder des Westens auf die Entstehung des islamischen Fundamenta­lismus hatte. Dabei findet er sehr kritische Worte über den Zustand des „christlichen“ Abendlandes, das in seiner Säkularisierung ein sehr negatives Bild des Christentums abgibt.


Islamischer Fundamentalismus ist ein „Zurück“ zum ursprünglichen Islam. Das bedeutet: Leben in einem islamischen Staat, der nach der Scha­ria regiert wird, die alle Bereiche des Lebens bestimmt. Für Christen, und erst recht für Kon­vertiten aus dem Islam, ist das Leben in einem islamischen Land äußerst schwierig. Christsein in einem fundamentalistisch geprägten islami­schen Staat kann sehr leicht zum Martyrium führen. Bewußt ausgelassen hat Musk Ideen und Ansätze, um fundamentalistische Muslime mit dem Evangelium zu erreichen. Für Missio­nare unter Muslimen sollte dieses gelungene Buch Pflichtlektüre sein.

„Im Namen Allahs“ ist das einzige Buch in deutscher Sprache, das sich mit dem islami­schen Fundamentalismus in Deutschland be­faßt. Der Herausgeber, Bahman Nirumand, stammt aus dem Iran und hat in Deutschland studiert. Von Beruf Schriftsteller und Journa­list, ist er politisch eher dem linken Spektrum zuzuordnen. Einleitend gibt Richard Schulze einen Hintergrundbericht zu den islamischen politischen Bewegungen. Dabei stellt er fest, daß der Islam von den Zeiten Mohammeds an zugleich auch politisch war. Den nichtpoliti­schen Islam definiert er als das alltägliche reli­giöse Verhalten der Muslime. Im zweiten Ka­pitel gibt der Orientalist Karl Binswanger einen Überblick über die Entwicklung und den aktu­ellen Stand des islamischen Fundamentalismus in Deutschland. In weiteren Beiträgen beleuch­tet er dessen ökonomische Basis und Ethnizität. Dabei wird deutlich, daß der arabisch geprägte Fundamentalismus durch Islamzentren und is­lamische Dachorganisationen in Deutschland weitgehend den Ton angibt, obwohl die Mehr­heit der Muslime in Deutschland Türken sind. Weitere Kapitel schildern den türkischen Islam in Berlin und die Rolle der modernen Frau im Islam. Sehr interessant ist das Interview Niru-mands mit einer deutschen Muslima. Der Neu­bau von Moscheen in Deutschland ist nur das äußere Anzeichen einer Entwicklung unter den Muslimen in Deutschland, die schon viel früher begonnen hat. Wer diese Entwicklung verste­hen möchte, dem sei das Buch empfohlen.

Reinhard Born, em 1993-3.

Musk, Bill. Das unbekannte Gesicht des Is­lam. Marburg: Franke, 1992.

Gut, daß es die spannenden Geschichten über den Volksislam mit anthropologischen und theologischen Analysen jetzt auch in deutscher Übersetzung gibt, denn manchen erschien das Englisch des Originals schwer lesbar (The Unseen Face of Islam; rezensiert in em 4/92). Die im Vorwort angekündigte Bibliographie über den Volksislam findet man leider nur im englischen Original. Dafür wurde eine Liste deutscher Standardwerke über den Islam ein
gefügt. Ein äußerst empfehlenswertes Buch, das ein wenig Sorgfalt im Lektorat und vor al­lem in der Übersetzung noch besser gemacht hätte.

Christof Sauer, em 1993-2.

Musk, Bill. The Unseen Face of Islam: Sha­ring the Gospel with Ordinary Muslims. MARC Europe: London, 31992(1989).

Dr. Bill Musk ist Islamexperte mit langjähri­ger Erfahrung im Mittleren Osten. Er studier­te Geschichte und Theologie in England, USA und Südafrika.

Musk schreibt über die unbekannte Seite, das „ungesehene Gesicht des Islam“: den all­gemeinen Volksglauben und seine Praktiken im Leben des einfachen Muslim.

Im ersten Teil schildert Musk seine Beob­achtungen aus dem Alltag: Da beherrscht die Furcht vor dem bösem Blick und dem ver­hängnisvollen Einfluß der Jinns (Geister) das Leben. Mit magischen Praktiken sucht man der Unsicherheit Herr zu werden. Da spielen Heilige, Wunderheilungen, übernatürliche Hilfe und die richtige räumliche Lebensgestal­tung eine wichtige Rolle. Mit noch vielen an­deren Mitteln versucht man, sein Leben dem Einfluß des Bösen und Unberechenbaren zu entziehen. Entscheidend ist die „Baraka“, die Kraft bzw. Vollmacht, die im Alltag erlebt wird.

Im zweiten Teil finden sich ausgiebige Analysen der Verhaltensweisen, die teilweise schon im ersten Teil angedeutet sind. So zeigt Musk beispielsweise auf, wie ein einfacher Muslim in einer ganz bestimmten Weltsicht verwurzelt ist. Diese unterscheidet sich we­sentlich von der eines westlich geprägten Mis­sionars. Musk führt gute Beispiele dafür an, wie die unterschiedliche Deutung von Gesche­hen in der Begegnung zu Mißverständnissen führen kann. Natürlich übersieht er nicht, daß es auch im Islam unterschiedliche Richtungen gibt, die Betonungen unterschiedlich setzen. Muslim ist nicht gleich Muslim.

Diese Komplexität ist für Musk jedoch kein Grund zu kapitulieren. Vielmehr findet er in dem unterschwelligen Gesicht des Islam Fak­toren, die zu Brücken werden können.

Müßte man in diesem Buch ein missiologisches Hauptthema benennen, so würde ich „Power Encounter“ vorschlagen, womit auch ein Kapitel überschrieben ist: Alle Nöte und Bedürfnisse des gewöhnlichen Menschen im Islam weisen auf den Machtkonflikt in dieser Welt hin. Woher kommt Kraft zum Leben und oftmals zum Überleben? Ständig sieht der Mensch sich bedroht. Nach Musk können wir dem Muslim nicht glaubwürdig begegnen, wenn wir kein Leben und keine Botschaft ha­ben, die wirklich Hoffnung und Kraft geben. Musk fordert heraus zum „Power Encounter“ in dem sich durch das Zeugnis und die De­monstration von Gottes Kraft die Weltan­schauung im Grunde des Herzens wandeln kann. Dabei verschweigt er aber auch nicht den Weg des Kreuzes, in dem die Macht Got­tes verborgen anwesend ist.

In das Lob anderer Rezensenten stimme ich gerne mit ein. Musks Beobachtungsgabe und Analyse sind bemerkenswert.

Traude Deitigsmann, em 1992-4.

Nehls, Gerhard. Al-Kitab - Das Buch. Witten: R. Brockhaus Verlag, 2006.

Gerhard Nehls arbeitete von 1975 bis zu seinem Ruhestand unter Muslimen in Südafrika. Die von ihm gegründete Organisation „Life Chall­enge Africa“ hat sich auf die Schulung von Christen zur Begegnung mit Muslimen spe­zialisiert und dazu umfangreiches Material ver­öffentlicht. Das vorliegende Buch erschien 1985 auf Englisch und liegt nun erstmalig in deut­scher Sprache vor. „Al-Kitab - Das Buch“ ist ein Bibelkurs für muslimische Leser. In den ersten drei Kapiteln geht es um den ersten thematischen Schwerpunkt, die Bibel. Nehls beschreibt Altes und Neues Testament, die Sammlung einzelner Bücher, ihre Abfas­sungszeiten, Gliederung, Inspiration und Ver­trauenswürdigkeit. Die folgenden Kapitel be­handeln Gottes Wesen, Ursprung und Ziel des Menschen, Gottes Gesetz, die Sünde und Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Einen weiteren Schwerpunkt bilden ab Kapitel neun die Person Jesu, sein Tod und seine Auferstehung. Nehls setzt sich mit dem islamischen Verständnis von Jesus als einem Propheten auseinander. Danach werden die Person und das Wirken des Heiligen Geistes behandelt, sowie abschließend das Reich Gottes und seine Bürger. Unter der Frage „Was nun?" appelliert Nehls dann an den Leser, Gott nicht seine Wege vorzuschreiben, sondern sich ganz auf sie einzulassen. Das Buch ist an muslimische Leser gerichtet, die durch den Stil, die Wortwahl und die Argumen­tationslinien gut abgeholt werden. Nehls geht auf das muslimische Verständnis der behan­delten Themen ein (Verfälschung der biblischen Schriften, Jesus als Prophet, Leugnung des To­des und der Auferstehung Jesu etc.). Sowohl zur Darstellung der muslimischen Sicht als auch zu ihrer Infragestellung zitiert Nehls den Koran. Für biblische Persönlichkeiten gebraucht er häu­fig neben den biblischen auch die entspre­chenden koranischen Namen. Er geht auf diver­se Missverständnisse über den christlichen Glauben ein (Gleichsetzung westlicher Kultur mit dem Christentum, Gottessohnschaft Jesu, Ankündigung Mohammeds im Johannesevan­gelium).

Der gesprächsartige Stil ist für Leser aus musli­mischen Kulturen sehr ansprechend (z.B. S.98: „Läuft es ihnen kalt den Rücken herunter, wenn sie den Titel ,Sohn Gottes‘ hören?“). Immer wieder werden anschauliche Beispiele einge­setzt, die der Argumentationsweise vieler Musli­me entsprechen. Es ist ein klares Ziel, dass der Leser selbst biblische Belegstellen liest. Durch 34 Frageteile am Ende jedes Kapitels und Lücken­texte soll der Leser animiert werden, bestimmte Themen selbst zu erarbeiten. Nehls lädt zur vor­behaltlosen Prüfung der biblischen Aussagen ein.

Der Verfasser erwähnt äußerst knapp das Thema Christenverfolgung. Hier wäre es sicher ange­messen, die hohe Wahrscheinlichkeit des Lei­dens zu erwähnen, mit dem muslimische Leser rechnen müssen, die sich der Botschaft dieses Buches öffnen. Wie ist dieses Leiden theolo­gisch einzuordnen? Wie können suchende Mus­lime die Kosten überschlagen und sich auf Leid einstellen? Dass diese Fragen nicht behandelt werden, ist ein Mangel dieses ansonsten sehr hilfreichen Bibelkurses.

„Al-Kitab – Das Buch“ ist für gebildete mus­limische Leser geeignet, die Zugang zu einer Bibel haben sollten, um die Argumentations­linien nachvollziehen zu können. Daneben ist das Buch eine wertvolle Hilfe für Christen, die mit Muslimen die Bibel studieren. „Al-Kitab – Das Buch“ scheint nicht primär für theologisch sehr gut geschulte muslimische Leser geeignet zu sein. Für diese Zielgruppe liegen andere Bü­cher von Gerhard Nehls vor.

Roland Denner, em 2008-1.

Nels, Gerhard (Hg.). Battle for the Hearts. Practical Methods you can use in Sharing the Good News with your Muslim Neighbours. 4 Videos plus „Trainer’s Guide.“ Hg. von Gerhard Nehls/Life Challenge Afrika, in Zusammenarbeit mit Trans World Radio und Green Earth Films.

Unter dem größten Einsatz aller Beteiligten entstand in einer vierjährigen Arbeitsphase die Video-Serie „Battle for the Hearts“. Sie umfaßt insgesamt 12 Stunden Schulungskurse auf 4 Video-Kassetten und sollte das Herz jedes Missions- und Ausbildungsleiters, jedes Missionsinteressierten und -engagierten höher schlagen lassen.

Die professionell produzierten Videos geben einen erstklassigen Einblick in das Wesen des Islam, seine Geschichte und Theologie, in Koran und Scharia, die Islamische Überlieferung, die muslimische Glaubenspraxis, den Volksislam und die häufigsten muslimischen Einwände gegen das Christentum und die Bibel. Ziel ist, von diesem Ausgangspunkt die Frage „Wie können Muslime mit dem Evangelium erreicht werden?“ tiefgründig und umfassend zu beantworten. Einerseits wird in kompakter Form grundlegendes Wissen über den Islam vermittelt, andererseits auch viele Vergleiche zum biblischen Zeugnis und zur christlichen Dogmatik gezogen. Gangbare, kulturell angemessene Wege zur Evangelisation unter Muslimen werden aufgezeigt, die sowohl auf die deutsche Situation wie auch auf das Ausland anwendbar sind. Die zu einzelnen Themen eingespielten Dialoge und Szenen machen die praktische Umsetzung für die Evangelisation äußerst anschaulich. Auch dass hier wesentliche Anfragen von muslimischer Seite gegen das Christentum (wie z. B. der Vorwurf der Verfälschtheit der Bibel) aufgegriffen und grundlegend widerlegt werden, ist für all diejenigen von großem Interesse, die sich in den Dienst unter Muslimen berufen wissen und oft in jahrelanger mühevoller Kleinarbeit diese Antworten für sich selbst finden und zusammentragen müssen.

Durch den Wechsel der Sprecher (vier hauptamtliche Mitarbeiter aus dem Bereich der Muslimevangelisation) und die eingeblendeten Exkurse einiger führender christlicher Islamexperten ist die Information gleichermaßen dicht und solide angeordnet wie zugleich kurzweilig. Die Informationen der Videos können mittels einer CD mit Hintergrundmaterial weiter vertieft werden; das Begleitheft „Trainers Guide“ erläutert die Einsatzmöglichkeiten der Videos. Aufgrund der umfangreichen Informationen können sie auch überall dort Verwendung finden, wo der Vorführende selbst kein „Islamexperte“ ist.

Kurz: Dieses Material ist ein unbedingtes Muss für jede Bibelschule, Ausbildungsstätte und Missionsgesellschaft, sowie für jeden, der sich mit dem Gedanken der Islammission beschäftigt, aber auch für jeden, der in seinem Umfeld Menschen auf die weithin vernachlässigte Aufgabe der Muslimevangelisation hinweisen oder selbst in diesem Bereich aktiv werden möchte. Einziger Wehrmutstropfen: Das Video liegt derzeit nur auf Englisch vor.

Dr. Christine Schirrmacher, em 2002-4.

Nengzakhup, Suante. Amazing Mizo Mission. SAIACS Press, Bangalore, Indien, 1999.

Patrick Johnstone bezeichnet sie als größte evangelische Missionsbewegung in unserer Zeit, die evangelischen Kirchen in Mizoram, jener abgelegenen Bergregion im Nordosten Indiens, eingekeilt zwischen Bangladesh und Myanmar. Durch ihre extreme geographische Randlage von der wirtschaftlichen Entwicklung Indiens ausgeschlossen, konstatiert der Missionssekretär der Presbyterianischen Gemeinden Mizorams Rev. Vanlalhruaia: „Wir sind arm. Aus unserem Bundesstaat gibt es nichts zu exportieren. Wir haben nur ein Gut, das wir ausführen können und darauf sind wir stolz. Das ist das Evangelium.“ (S. 69) Und dies haben Mizo-Gemeinden in eindrucksvoller Weise getan! Der Mizo-Pastor und Missionssekretär der Indian Evangelical Mission S. Nengzakhup zeichnet in dem vorliegenden Buch in knappen Worten die Grundzüge dieser faszinierenden Missionsbewegung seit ihren Anfängen vor 100 Jahren (Kap. 1) nach, wobei er sich vor allem auf die Missionsbewegung der Presbyterianischen Kirche in Mizoram (PCM) konzentriert. Der 200.000 Mitglieder in 700 Gemeinden umfassende Gemeindeverband hat über 900 Missionare ausgesandt und finanziert sie vollständig. Dies wird an konkreten Beispielen illustriert wie etwa der Presbyt. Gemeinde in Chanmari, die mit 1.855 Mitgliedern 120 Missionare (!) ausgesandt hat und finanziert.

Wie gelingt es bettelarmen Gemeinden, so intensiv an Weltmission beteiligt zu sein? Dazu hat sicher die gute theologische Unterweisung und Motivation zur Mission beigetragen, wobei der Autor vor allem den Glaubensgehorsam, die Liebe Gottes, die konkrete Erwartung der Wiederkunft Jesu, Dankbarkeit gegenüber Gott sowie das Bewusstsein vom Sieg Gottes und den Nöten in der Welt hervorhebt (Kap. 5). Dabei konnte sicher auch auf traditionelle Werte der Mizo-Kultur wie Selbstverleugnung, Helfen von Menschen in Not, großzügigem Teilen, ja dem Wettstreit, Gutes zu tun aufgebaut werden. Auch der hohe Bildungsstand (eingeführt durch die frühen Missionare) hat dazu beigetragen, das Vorbild der ersten Missionare, die schon frühzeitig die Verantwortung für Schulen, Gemeinden und die Evangelisation in einheimische Hände übergeben haben (S. 81) sowie die Betonung von Gebet und geistlichen Liedern, Laienpredigern und biblischer Lehre (Kap. 8), ebenso die Kette von Erweckungen, die das Land seit 1906 immer wieder erfasst hat (Kap. 4).

Es ist aber vor allem der Eifer und die Kreativität der Gläubigen, die die Missionsbewegung auszeichnet und für uns zum Vorbild macht (Kap. 7): Gemeinden legen einen Gemeindegarten mit Gemüse, Obst, Reis oder eine Teakholzplantage an, deren Gewinn der Versorgung ihrer Missionare zukommt. Frauen sammeln Feuerholz und Stroh, fangen Krabben und Schnecken und verkaufen sie zu Gunsten der Mission. Bauern halten „Missionshühner“ und bestimmen einen Teil ihres Feldes für die Mission. Gemeindeglieder betreiben einen Verkaufsladen oder Teestand auf dem Markt. Im Gemeindehaus wird ein Laden oder Mietwohnungen eingerichtet. Christen leisten Lohnarbeit zu Gunsten der Mission, kaufen Fleisch, Salz etc. in großen Mengen ein und verkaufen sie in kleinen Portionen. Sie geben den Gehaltsanteil für den Sonntag (an dem sie ja nicht arbeiten) für die Mission und fasten einen Tag pro Woche für ihre Missionare. Sie lassen die große Weihnachtsfeier in der Familie ausfallen und spenden den eingesparten Betrag. Missionsfreunde besuchen „in Gedanken“ ihren Missionar im Einsatzland (oder laden ihn zu sich nach Hause ein) und spenden den Betrag für Fahrt und Bewirtung. Bevor eine Hausfrau eine Mahlzeit zurichtet, legt sie eine Handvoll Reis beiseite– und spart sich die Unterstützung ihres Missionars so vom Munde ab … Es sind diese Vielzahl an praktischen, innovativen Ideen, die die Missionsbewegung in Mizoram auszeichnen und das Büchlein für uns alle zum großen Gewinn machen. Umfangreiche Bibliographien und statistische Daten ergänzen den außerordentlich lesenswerten Band.

Der Schreibstil orientiert sich zwar mehr an asiatischen Lesern, so dass das Werk für unser Sprachgefühl nicht so elegant formuliert ist, doch es wird überaus deutlich: „Es ist nicht der Überfluss, sondern der Eifer und die Dankbarkeit gegenüber Gott, die die Mizos in ihrem Enthusiasmus und der aktiven Teilhabe an der Weltmission antreibt“ (S. 77), und „Mizos haben niemals ihre Armut als Entschuldigung angesehen, sich nicht an Weltmission zu beteiligen. Wenn die Gemeinde in Jerusalem auf ihre Armut geschaut und daraus geschlossen hätte, dass sie keine Missionare aussenden könnte, dann wäre das Evangelium nie aus dieser Stadt herausgekommen“ (S. 69).

So schließt das Buch mit der Ermahnung, „dass jede Gemeinde eine Missionskirche sein kann, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation. Armut muss nicht eine Gemeinde abhalten, an Weltmission teilzuhaben. Dies ist biblisch. Auch wenn Geld eine wichtige Rolle in der Mission spielt, es ist nicht der größte Mangel.“ (S. 83) Dem kann ich nur zustimmen. Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung.

Detlef Blöcher, em 2001-3.

Neudorfer, Heinz-Werner; Torsten Mor­stein (Hg.). Christus zur Ent­scheidung pre­digen: Ar­gumente und Erwägungen zum Thema ‘Bekehrung’. Festgabe der Lehrer des Albrecht-Bengel-Hauses zum 80. Geburtstag von Studi­enleiter Dekan i. R. Walter Tlach. Neuhausen: Hänssler, 1997.

Die vorliegende Festschrift mit Beiträgen von derzeitigen und ehemali­gen Lehrern des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen entstand aus einer Ringvorlesung zum Thema Bekeh­rung. Die Themen reichen von einer Theologie der Evangelisation über Umkehr in AT und NT über die Sicht von Augustinus und Pelagius, Luther und Erasmus und des Pietismus bis hin zur konkreten Frage des Wie der Verkündi­gung. Gerhard Diekmeyer bemerkt S.82-83 treffend, daß gegenwärtig neben der Schrift­frage in pie­tistischen und evangelikalen Krei­sen Fragen nach der Einzigartigkeit Jesu Chri­sti und nach der Rolle unseres Willens bei der Bekehrung zur Gret­chenfrage werden. Die zu­nehmende Zahl von Veröffentlichungen zu The­men wie Erwählung, Arminianismus usw. belegen dies deutlich. „An sich halte ich diese Entwicklung für gut, weil es richtig ist, daß man das Verhältnis zur Heiligen Schrift nie un­abhängig von ihrem Inhalt ge­winnen kann.“ (S.83). (Er befürchtet allerdings, daß die Stel­lung zur Frage des freien bzw. unfreien Wil­lens vor­schnell zu Ausgrenzungen führt.) Dementspre­chend ist es erfreulich, daß in die­ser Festschrift die großen kirchengeschichtli­chen Debatten zu dieser Frage eigens behandelt werden und die Autoren auf Luthers und Au­gustins Seite Stel­lung bezie­hen. Auch die gute historische und kritische Darstellung von ‘Bekehrung und All­versöhnung im Pietismus’ von Heinz-Werner Neudorffer liegt ganz auf dieser Linie, die üb­rigens treffend die Main-Linie vermerkt, nörd­lich derer der Pietismus die Allversöhnung gänzlich ablehnt und süd­lich derer die Allver­söhnung im Pietismus viele Anhänger hat. Zugleich fällt aller­dings die Bandbreite der Auffassungen unter den Autoren selbst auf. Man hätte sich gewünscht, daß die Autoren in ein Gespräch über ihre unter­schiedlichen Auf­fasssungen eintreten. Das sehr schlicht aufge­machte Ta­schenbuch hätte eine stärkere Wer­bung und Verbreitung ver­dient.

Thomas Schirrmacher, em 1998-3.

Neufeld, Alfred. Die alttestamentlichen Grund­la­gen der Missionstheologie. Missio­logica Evangelica 5. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1994.

Filbeck, David. Yes, God of the Gentiles, Too. The Missionary Message of the Old Te­stament. A BGC Monograph. Billy Graham Center, Wheaton: Wheaton College, 1996.

Scheurer, Erich. Altes Testament und Mis­sion: Zur Begründung des Missionsauftra­ges. TVG. Gießen: Brunnen Verlag, 1996.

Die alttestamentliche Begründung der Mission rückt erfreulicherweise stärker in den Mittel­punkt der evangelikalen Missiologie, wie unter anderem die drei vorliegenden Titel zei­gen.

Den besten Einstieg bietet die kurze Arbeit des paraguayischen Missiologen Alfred Neu­feld (für AfeM-Mitglieder bei Selbstabholung und auf der Jahrestagung in Korntal zum gün­stigeren Preis erhältlich). Neufeld stellt zunächst auf 30 Seiten überblicksartig die Be­deutung des Alten Testaments in der Missiolo­gie von rund einem Dutzend Missionswissen­schaftler von Warneck bis Verkuyl, Peters und Kasdorf dar. Auf 50 weiteren Seiten trägt er dann aus den Schriften dieser Missiologen und aus eigener Anschauung zusammen, welche Bedeutung die alttestamentliche Begründung für die neutestamentliche Mission spielt. Die Erkenntnis des Schöpfers und der Jahwe- und Thoradienst der Heiden sind das Missionsziel des Alten Testaments. Das Alte Testament ent­hält bereits den Auftrag, die Jahweerkenntnis als Heil der Völker zu verkündigen.

Die beste und gründlichste biblische Erar­beitung der Bedeutung des Alten Testaments für die Missionstheologie findet sich meines Erachtens in der etwas abseits erschienenen Monographie von David Filbeck. Das Alte Te­stament ist für Filbeck unverzichtbare Grund­lage des Missionsbefehls. Dazu behandelt er die wichtigsten Missionstexte des Alten Te­staments, bespricht alle Stufen der alttesta­mentlichen Heilsgeschichte und ihre Bedeu­tung für die Mission und die Vorbereitung des Kommens des Messias. Schließlich stellt er dar, wie im Neuen Testament, namentlich in den Evangelien, die alttestamentliche Grund­lage der Mission aufgegriffen wird. Eine flüs­sig geschriebene, materialreiche Studie, die dringend ins Deutsche übersetzt werden sollte.

Erich Scheurer geht es in seiner Dissertation zunächst weniger um die alttestamentliche Be­gründung der Mission selbst, sondern um die Frage, wie führende deutschsprachige Theolo­gen (Ausnahme sind Bosch, Blauw, Peters und Kasdorf) mit dieser Frage umgegangen sind. Dazu erarbeitet er eine ausgedehnte For­schungs­geschichte, wobei er die Befürworter und Gegner einer alttestamentlichen Missions­schau nach theologischen Schulen ordnet. Erst am Ende nimmt Scheurer eine eigene Zusam­menstellung der Bedeutung alttestamentlicher Aussagen für die Mission vor (S.351-419). Er sieht zwar eine breite Basis für den grenzüber­schreitenden Charakter der alttestamentlichen Offenbarung, denn Jahwe ist der einzige und universale Gott, der die Anbetung aller Völker verdient. Damit ist für Scheurer der ‘Missions­ge­danke’ vorgegeben, nicht aber eine ausdrück­li­che Sendung und eine ‘Missions­praxis’. Auch wenn erfreulich ist, daß Scheurer die neutesta­mentliche Mission nicht im Gegensatz, sondern im legitimen Anschluß an das Alte Testament ver­steht, greift er mei­nes Erachtens im Gegen­satz zu Neufeld und Filbeck und zu manchen von ihm dargestellten Autoren wie Gustav Warneck zu kurz. Es gibt doch Beispiele für die Missionspraxis (z. B. Jona, Daniel und die vielen Bekehrungen von Heiden) und auch für ausdrückliche Sendung (z. B. Jesaja). Außer­dem greift das Neue Te­stament, das Scheurer dazu nicht behandelt, häufig alttestamentliche Sendungsaufträge und Missionsgedanken aus­drücklich auf.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-3.

Neufeld, Alfred. Fatalismus als mis­sions­theo­lo­gisches Problem: Die Kontex­tualisation des Evan­geliums in einer Kultur fata­listi­schen Denkens – Das Beispiel Para­guay. Bonn: Ver­lag für Kultur und Wissen­schaft und Asun­ción: Instituto Bíblico, 1994.

„Wer ein Heiliger sein soll, wird als Heiliger geboren; wer arm sein soll, wird arm geboren“, sagt ein Sprichwort aus Paraguay. Viele Kul­turen dieser Welt sind stark von Fatalismus ge­prägt. Wie muß das Evangelium in einem vom Fatalismus bestimmten Kulturkreis verkündigt werden? Alfred Neufeld, ein Deutsch-Para­guayer Jahrgang 1955 und Dozent am Instituto Bíblico Asunción, ver­sucht in seiner Doktorar­beit an der STH Basel (Doktorvater: Thomas Schirrmacher, Zweitgutachter: Peter Beyer­haus) eine Antwort darauf zu ge­ben.

In Teil I entwirft Neufeld methodische Grund­lagen für seine ‚kritische Kontextualisierung’. Von hier aus betrachtet er die Christiani­sierung im lateinamerikanischen Kontext im allge­meinen und die Paraguays im speziellen. Kriti­sche Kontextualisation, wie Neufeld sie in Anlehnung an P. Hie­bert versteht, versucht, sowohl die eigenen dogmatischen Formulie­rungen als auch die zu errei­chende Kultur kri­tisch zu analysieren.

Teil II möchte das Phänomen „Fatalismus“ de­finieren sowie die Erscheinungsformen und Ursa­chen fatalistischen Denkens in Paraguay aufdecken. Die wesentlichen Grundzüge fatali­stischen Denkens sind für Neufeld der Gedanke der Determiniertheit allen Geschehens und der Fremdbe­stimmung des Lebens durch eine un­bekannte, unberechenbare Macht. Die Wurzeln dieser Haltung dürften in der altguaranitischen Religiösität, im spanisch-islamischen ‚Konqui­sta-Christentum’, aber auch in der be­sonderen paraguayischen Nationalgeschichte und einer ‚Kul­tur der Armut’ lie­gen.

Teil III möchte dazu helfen, aus der Theolo­giegeschichte und aus biblischem Denken her­aus das fatalistische Denken zu überwinden. Neufeld wendet das Gesagte auf die Bereiche Evangelistik, Katechetik, Systematik und Ethik an. Die Befreiungstheologie betrachtet der Autor wegen ihrer Abhängigkeit von der mar­xistischen Sozialanalyse als falschen Ansatz. Biblisches Denken, so Neufeld, basiert im Ge­gensatz zu fatalistischem Denken auf Grundla­gen wie Gottes Souveränität, Thora, Bund, Heilsgeschichte, Bekehrung, Mitarbeiterschaft und Anbruch des neuen Äons.

Dieser meines Wissens erste Versuch, sich bi­blisch-missiologisch mit fatalistischem Den­ken aus­einanderzusetzen, ist dem Autor gut gelun­gen. Die komprimierte, verständliche, theolo­gisch durchdachte und faire Art zu schreiben, zeichnet sich zudem durch gute Les­barkeit aus. Vieles, was die paraguayanische fatalistische Religiösität betrifft, läßt sich auch auf andere fatalistische Kul­turen übertragen. Von daher ist dieses Buch für eine große Zahl von Missiona­ren und Missions­wissenschaftlern interessant. Die äußere Verarbeitung und auch die Manu­skripterstellung läßt et­was zu wün­schen übrig, hat aber zur Folge, daß das Buch entgegen der Vorankündigung mit 29.95 DM sehr gün­stig ist.

Martin Sachs, em 1997-2.

Nevius, John L. Die Gründung und Ent­wicklung missionarischer Gemeinden, übers. und hg. von Wolf Christian Jaeschke, edition afem, mission classics 2. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1993.

Ein Klassiker in der Tat, der vor über einhun­dert Jahren Erstaunliches in Gang setzte, das bis heute nachwirkt.

John L. Nevius (1829-1893) war Missionar in der Provinz Shandong/China. Über seine Er­fahrungen vor Ort schrieb er mehrere Artikel, die 1885 in Buchform veröffentlicht wurden. Dadurch wurde die Nevius-Methode bekannt, die dann vor allem in Korea mit großem Erfolg umgesetzt wurde. Wenn sich Theologen bis heute darüber streiten, ob denn Rufus Ander­son oder Henry Venn die Erfinder des Drei-Selbst-Prinzips (Selbstausbreitung, Selbstfi­nanzierung, Selbstverwaltung) für erfolgreiche Missionsarbeit seien, müssen sie nach dem Studium dieses Buches auch Nevius mit zum Urheber dieser Gedanken zählen.

Im ersten Kapitel nimmt Nevius das alte Sy­stem kritisch unter die Lupe. Das bestand, kurz gesagt, darin, daß man in der China-Mission jener Zeit Neubekehrte ziemlich schnell als mit Missionsgeldern bezahlte Evangelisten an­stellte. Nevius dagegen möchte, daß nach 1.Kor.7,20 ‚jeder in dem Stand bleibe, in dem er berufen worden ist’. Die Bekehrten sollen ihr Christsein im alltäglichen Leben bewähren und dort anderen das Evangelium bezeugen. Das heißt für Nevius aber auch, alles zu tun, damit sich die zum Glauben Gekommenen in ihrem neuen Stand auch bewähren können. Im 2. Ka­pitels „Vom Umgang mit Neubekehrten“ wird das entfaltet. Es besticht, wie Nevius das Für (das seiner Erfahrung entspringt) und Wider (Einwände und Praxis anderer) seines neuen Systems gegeneinander abwägt und Antworten gibt, die bis heute für die Gründung und Ent­wicklung missionarischer Gemeinden auch an­derswo bedenkenswert sind.

Die Stärke des Buches ist ganz zweifellos der Praxsibezug. So erfahren wir unter III „Ursprung und Wachstum der Stationen in Zentral-shantung“, wie Schulung und Dienst der ehrenamtlichen Mitarbeiter aussahen. Ne­vius erwähnt, daß in den meist ländlichen Ge­bieten bei den Männern einer von zwanzig, bei den Frauen eine von mehr als tausend lesen konnte. Aber das hindert ihn nicht daran, ge­drucktes Material bereitzustellen und seine Leute systematisch zu schulen. Etliches ge­schieht spontan: „Die geistige Entwicklung der Bekehrten und ihre Begeisterung für ihre Stu­dien haben an vielen Orten die Aufmerksam­keit ihrer heidnischen Nachbarn auf sich gezo­gen und ihre Verwunderung hervorgerufen. An einer unserer Stationen lebt ein des Lesens kundiger Mann namens Fu, der heute über fünfzig Jahre alt und seit über zwanzig Jahren völlig erblindet ist. Er hat seiner Tochter, ei­nem fünfzehnjährigen Mädchen, beigebracht, die Bibel zu lesen. Dabei beschrieb sie ihm die jeweiligen Schriftzeichen, die sie sah, und er sagte ihr, wie sie heißen und was sie bedeuten. Sie hat auf diese Weise über zweitausend Schriftzeichen gelernt. Ihr Vater hat dann von ihrem Mund das Matthäus- und das Johannese­vangelium, die Apostelgeschichte, den Römer­brief und viele andere Bibelabschnitte auswen­dig gelernt …“ Nichts ist unmöglich, wenn Gottes Geist Raum bekommt und wirken kann.

„Organisationsform und Zukunftsplanung“ müssen dazu nicht im Widerspruch stehen, wie das 4. Kapitel veranschaulicht. Im letzten Ka­pitel „Die Anfänge der Arbeit“ gibt der Autor Tips für Missionseinsteiger. Dort findet sich viel Beherzigenswertes auch für Leute von heute, die Gemeinde Jesu bauen wollen, wo es sie noch nicht gibt. Neben Missionaren und Missionsleitern, Missionstheologen und -kan­didaten kommen aber auch alle Daheimblei­benden beim Studium dieses hervorragend übersetzten und eingeleiteten Klassikers späte­stens dann auf ihre Kosten, wenn ihnen beim Gemeindeaufbau hier Rolle und Zurüstung der nichtbezahlten Mitarbeiter wichtig ist.

Und wie erfüllte Prophetie ausschaut – ein­mal unabhängig davon, daß in der chinesischen Kirche das bei Nevius immer wieder anklin­gende Drei-Selbst-Prinzip sowie die Mitarbeit von Millionen von Ehrenamtlichen bis heute eine außergewöhnliche Rolle spielen –, veran­schaulichen die letzten Zeilen des Autors im Vergleich mit einer Aussage, die mir erst ge­stern (4.11.96) in einer in Hongkong erschei­nenden Zeitschrift begegnet ist. Zunächst Ne­vius vor über einhundert Jahren: „Wir glauben und hoffen, daß in diesen entlegensten Gebie­ten Ostasiens, die so lange von Gottes Vorse­hung bewahrt (ausgespart) wurden, die so dicht mit seinen verirrten (Menschen-)Kindern be­völkert sind und die erst so jüngst von der Bot­schaft des Heils erreicht wurden, die Gnade und die Kraft Gottes noch so glorreich trium­phieren werden, wie es die Kirche in keiner bisherigen Ära ihrer Geschichte erlebt hat.“

Und die Stimme aus Hongkong heute: „Im heutigen China gibt es wahrscheinlich 50 Mil­lionen Gläubige. Misionsspezialisten sehen darin das größte Wunder und zugleich die bis­her großartigsten Ergebnisse in der Geschichte, wenn es um Gemeindewachstum geht.“

Karl Lagershausen, em 1996-4.

Newbigin, Lesslie. Signs amid the Rubble: the Purposes of God in Human History. Hrsg. Von Geoffrey Wainwright. Wm. B. Eerdmans: Grand Rpids (MT), 2003.

Das Buch enthält bisher unveröffentlichte Vorträge von Lesslie Newbigin (1909-1998), ei­nem der Architekten der Ökumenischen Bewe­gung, Bischof in Indien, Generalsekretär des Missi­onsrates und des ORK und Professor für Missions­wissenschaft im heimatlichen England. Die vier Bangalore-Vorlesungen stammen aus seiner Früh­zeit von 1941, die drei Henry-Martin-Vorlesungen an der Universität Cambridge aus der Spätzeit von 1986, und der letzte kürzere Redebeitrag auf einer ökumenischen Konferenz in Brasilien von 1996. Es handelt sich um echte Vorträge ohne Anmerkungen und Belege und weitgehend ohne Gliederung, die eigentlich erst so richtig wirken, wenn man sie laut vorliest.

Thematisch geht es grundsätzlich in allen Beiträgen um eine christliche Sicht der Geschichte, die span­nend und lehrrreich entfaltet und verteidig wird, aber es werden dabei zugleich zahllose Grundsatz­fragen des Glaubens, der Weltmission und der Ver­kündigung angesichts des Säkularismus angespro­chen und angerissen. Auch Fragen des Religions­vergleiches kommen vor, etwa wenn Newbigin das lineare Geschichtsbild der Bibel gegenüber dem Hinduismus verteidigt (S.8-10). Auffällig ist die Auseinandersetzung und – bei aller Anerkennung von Details – grundsätzlichen Ableh­nung der Church-Growth-Bewegung von Donald McGavran (z.B. S.85-87+91+97+103), wobei die Beschäftigung mit ihr mit dem gleichzeitigen Wir­ken beider in Indien zu tun hat. Wenn Newbigin aber daraus schließt, daß die Evangelikaien jetzt sicher enttäuscht seien (S. 97), so muß man dem entgegenhalten, daß die meisten Evangelikaien seine Kritikpunkte teilen würden und McGavran ja nicht für die Evangelikaien spricht. Im Gegenteil drängt sich mir als Evangelikalem beim Lesen sei­ner Bücher und der vorliegenden Vorträge der Ver­dacht auf, daß Newbigin der evangelikalen Missi-onsbwegung sehr, sehr nahe steht. So beschreibt er brilliant die Eigenart des Christentums gegenüber dem Hinduismus und anderen Religionen, daß das christliche Dogma historische Tatsachen beschreibt und automatisch hinfällig ist, wenn diese nicht der historischen Wahrheit entsprechen. Er lehnt vehe­ment die inklusivistische Sicht ab, daß es anonyme Christen in anderen Religionen gibt (S.70-72), auch wenn er die Frage offener lassen möchte, wie Gott in seiner Gerechtigkeit mit Menschen umgeht, die das Evangelium nie hören konnten. Die Beto­nung der Bekehrung nach Begriff und Sache (S.92-94) ist auffällig. Und sein persönlicher Appell von 1996, er habe als Missionar viele Fehler den anderen Kulturen gegenüber gemacht, aber das schlimmste wäre, wenn ihn das davon abhalten würde, von Jesus zu reden und sich selbst nicht mehr als Zeugnis für die göttliche Gnade vorzustel­len (S.114), spricht jedem Evangelikaien aus dem Herzen.

Prof.Dr. Thomas Schirrmacher, em 2003-3.

Nicholls, Bruce (Hrsg.). In Word and Deed. Paternoster Press, 1985.

Das Buch, im Auftrag des Lausanner Ko­mitees für Weltevangelisation und der Welt­weiten Evangelischen Allianz herausgege­ben, enthält 9 Vorträge zum Thema des Verhältnisses von Evangelisation und sozia­ler Verantwortung, die anläßlich der „Consultation on the Relationship between Evangelism and Social Responsibility” (CRESR) im Jahr 1982 in Grand Rapids, Michigan, gehalten wurden. Den Vortragstexten sind jeweils kurze Zusammenfassungen des Her­ausgebers Bruce Nicholls (Exekutivsekretär der Theologischen Kommission der World Evangelical Fellowship) vorangestellt, ge­folgt von einer kritischen Stellungnahme eines der Konferenzteilnehmer, die mehr­heitlich evangelikale Führerpersönlichkeiten der Dritten Welt waren.

Kurze Zusammenfassung der Vorträge:

1. Die Perspektiven der Kirchengeschichte von der Zeit des Neuen Testaments bis 1960. Dr. Bong Ring Ro, Exekutivsekretär der Asia Theological Association, untersucht hier die verschiedenen Epochen der Kir-cnengeschichte hinsichtlich Lehre und Pra­xis der Kirche in der Frage der sozialen Ver­antwortung.

2. Eine kritische Beurteilung von gegenwärtigen Perspektiven. Dr. Adeyemo, Generalsekretär der Evangelischen Allianz von Afrika und Madagaskar, beleuchtet einige wichtige regionale und internationale Konferenzen der letzten zwei Jahrzehnte, die das Denken der Evangelikaien in Fragen der sozialen Verantwortung geprägt haben. Adeyemo erkennt neun verschiedene Positionen zur Frage des Verhältnisses von Evangelisation und sozialer Aktion, die von Evangelikalen vertreten werden.

3. Die Suche nach einem neuen evangelikalen Verständnis. Dr. David Bosch untersucht zunächst den Einfluß der ökumenischen Bewegung und setzt sich dann selbstkritisch mit negativen Einflüssen auf das soziale Engagement der Evangelikalen auseinander.

4. Wie weit geht Rettung in der Schrift? Die Autoren Dr. R. Sider und Dr. J. Parker prä­sentieren hier eine Studie über die Heils­begriffe (salvation words) in AT und NT und untersuchen ihre horizontale (soziale) Verantwortung und vertikale (Evangelisa­tion) Dimension für den, der Christus als Herrn bekennt und Glied seiner Gemeinde wurde.

5. Das Königreich Gottes im Verhältnis zu Kirche und Welt. Dr. P. Johnston legt dar, daß sich das Königreich Gottes gegenwärtig als Herrschaft Gottes im Leben seiner Kinder manifestiert und zwar auch in sozialen Veränderungen als Frucht eines erlösten Lebens, es jedoch nicht mit diesen Veränderungen oder irgendeiner politischen oder kulturellen Gruppierung von Menschen zu identifizieren ist.


6. Geschichte und Eschatologie: Evangelikale Perspektiven. Dr. P. Kuzmic, Direktor des Biblisch Theologischen Instituts Zagreb, entfaltet hier die drei traditionellen Konzepte über das Millennium (postmillennialism, amillennialism, premillennialism) und zeigt, inwieweit diese die soziale Verantwortung und die evangelistische Zielsetzung der Kirche gefördert oder gehindert haben.

7. Eine biblische Auseinandersetzung mit einigen philosophischen und theologischen Systemen der Gegenwart. Dr. Beyerhaus setzt sich in diesem Vortrag kritisch mit dem messianischen Marxismus, der modernen Wissenschaftsgläubigkeit und dem liberalen Ökumenismus auseinander und warnt vor falschen Synthesen ohne biblischen Glauben.

8. Evangelisation und soziale Verantwortung ‑ eine biblische Studie über Prioritäten. Ausgehend von einer Untersuchung der biblischen Begriffe Gemeinschaft, Bund und Königreich kommen die Autoren Vinay Samuel und Chris Sugden zu dem Ergebnis, daß die Diskussion über die Prioritäten in der Mission der Kirche nicht vom Konzept, sondern vom Kontext der Mission bestimmt sein muß.

9. Die Mission der Kirche in Theologie und Praxis. Dr. C. Cho legt Akzentverschiebungen hinsichtlich der sozialen Verantwortung innerhalb der Evangelikaien Bewegung zwischen den Kongressen 1966 in Berlin und 1974 in Lausanne dar. Als Modell für die Mission der Kirche weist er auf den Dienst Jesu und auf das Doppelgebot der Liebe hin und folgert, daß es keinen Gegensatz zwischen Missionsbefehl (Verkündigung) und dem Liebesgebot (soziale Aktion) geben kann.

Die wachsenden Nöte in unserer Welt und der damit verbundene Druck besonders auf den Missionar in Ländern der Dritten Welt, aber auch auf die Kirchen im wohlhabenden Westen, im Blick auf mehr sozialen Einsatz, lassen das Thema der Konsultation von CRESR besonders wichtig erscheinen. „In Word and Deed“ bietet eine wertvolle Hilfe in der Auseinandersetzung mit diesem Fra­genkomplex.

Martin Weiss, em 1988-4.

Nissen, Johannes. New Testament and Mis­sion: Historical and Herme­neutical Per­spectives. Peter Lang: Frankfurt, 1999.

Dies 1996 bereits auf Dänisch erschienene Buch will eine Brücke zwi­schen den Bibelwis­senschaften und der Missiologie schlagen, weil – wie der Autor deutlich herausstellt (S.13) – diese beiden theologischen Diszi­plinen sich im allgemeinen gegenseitig ignorieren. Nissen untersucht als Neutestamentler dazu in jeweils eigenen Kapiteln den Missionsgedanken und die Schwerpunkte in Mt, Mk, Lk/Apg, Joh, bei Paulus, in Eph/Kol und in 1Petr/Offb. Die hi­storisch-kritische Ausgangsposition macht sich eigentlich nur in den Verfasserfragen bemerk­bar. In seinen zusam­menfassenden Thesen im letzten Kapitel greift der Autor bewußt evangeli­kale, ökumenische und charismatische Elemente auf. Ziel ist ihm dabei ein trinitari­scher Ansatz der Mission (S.176-177 u. ö.). Das Buch enthält viele wertvolle, exegetische Einsichten und zeigt einmal mehr, welch zen­trale Rolle die Verkündigung des Evangeliums in aller Welt im ganzen Neuen Testament spielt. Ich befürchte nur, daß dies Buch eines Neute­stamentlers am Ende doch wieder nur von Missiologen aufgegriffen wird, während die Exegeten, auch die Evangelikalen, weiter weitgehend ihre eigenen Wege gehen.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-3.

Nitsche, Bernhard (Hg.). Gottesdenken in interreligiöser Perspektive. Raimon Panikkars Trinitätstheologie in der Diskussion. Unter Mitarbeit v. Guido Bock, Frankfurt a.M./ Paderborn: Lembeck/Bonifatius, 2005.

Dieser Sammelband dokumentiert den Ertrag eines von Prof. Dr. B. Nitsche veranstalteten Tübinger Symposions aus dem Jahre 2003. Renommierte Autoren setzen sich in interdisziplinären Beiträgen mit Raimon Panikkars „Gotteslehre“ auseinander. Auch Panikkar selbst kommt zu Wort, führt ins Thema ein und nimmt am Ende des Buchs zu den einzelnen Beiträgen Stellung (48-64 u. 324-357).

Der 1918 geborene Raimon Panikkar hat sich die Reflexion interkultureller Begegnung und interreligiöser Verständigung zur Lebensaufgabe gemacht. Er „hat die interkulturelle Hermeneutik maßgeblich initiiert, die indologisch-religionswissenschaftliche Forschung vorangetrieben, die religionstheologische Diskussion zwischen Christentum und Buddhismus bzw. Hinduismus belebt und diese verschiedenen Welten als Sohn eines hinduistischen Inders und einer katholischen Spanierin existentiell durchlebt“, formuliert B. Nitsche.

Als international hochangesehener Religions- und Naturwissenschaftler, als katholischer Theologe und Philosoph, wie auch als spiritueller Meister gilt Panikkar als innovativer Wegbereiter einer „Ökumene der Religionen“, ohne dabei einem pseudo-esoterischen Einheitsbrei das Wort zu reden oder die vorhandenen kulturellen und religiösen Unterschiede zu ignorieren. Jede Kultur mit ihren religiösen Grundbefindlichkeiten, sagt er, ist eine Galaxie, ist ein Ganzes und birgt alles in sich.

Der Sammelband ist in vier thematische Teile aufgeteilt (A. Zugang, B. Hermeneutische Grundlagen, C. Das Göttliche und seine Trans-Immanenz sowie D. Die Resonanz), denen die insgesamt 19 Aufsätze und die beiden Panikkar-Beiträge zugeordnet sind. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit dem „Dialog der Religionen“, der fundamentalistische Haltungen innerhalb der Religionen überwinden und zugleich die Möglichkeit eines „globalen Weltethos“ andeuten kann.

Alle Diskussionsbeiträge setzen sich auf einem hohen intellektuellen Niveau mit Panikkars Lehren auseinander. Wenige stellen allerdings wirklich kritische Anfragen (z.B. Michael Bongardt, 144-157, Heinrich von Stietencron, 159-168, Klaus Butzensberger, 169-191 oder Reinhold Bernhardt, 192-201), die meisten bestätigen lediglich Pannikars interreligiöse Gottesschau oder modifizieren dieselbe im besten Fall. So sehr Harmonie bzw. dialogische Verstehensbemühungen Ausdruck auch einer wünschenswerten und erstrebenswerten akademischen Streitkultur sein müssen (sachgerecht und niveauvoll zu argumentieren, ist gewiss kein Luxus), so sehr fehlt doch ein wahrnehmbarer, deutlicher Widerspruch.

Wenigstens drei zentrale Themen wären hier wichtig gewesen: Zum einen müsste die gesamte Diskussion der natürlichen Erkenntnis- und Gott-Begegnungsfähigkeit beim unerlösten Menschen, die bei Panikkar vorausgesetzt oder als möglich angesehen werden, aus offenbarungstheologischer Perspektive erörtert werden (Offenbarung und Glaube, Wort und Geist, Barth vs. Brunner usw.). Zweitens werden die soteriologischen Konsequenzen des Kreuzes Christi und damit die epistemologischen, die harmatologischen wie auch die eschatologischen Dimensionen der theologia crucis kaum beachtet. Und drittens wird die Exklusivität Christi und des Evangeliums eher als eine zu überwindende, niedrigere Erkenntnisstufe zurückgewiesen, wenn Panikkar beispielsweise ohne Widerspruch behaupten kann, Christ und Hindu zugleich sein zu können (353); eine Aussage, die problematisch ist, wenn er „unverzichtbare Grundwahrheiten“ (324) religionsphänomenologisch als Gesprächsgrundlage behauptet, von denen gar nicht geklärt ist, wie sie gemäß der Prämissen biblischer Anthropologie und Soteriologie zu erheben sein können und wie nicht.

Die Lektüre des Aufsatzsammelbandes ist jedem missions- und systematischtheologisch Interessierten zu empfehlen. Sich mit den vorgebrachten Thesen zur Trinitätslehre im Gespräch mit Panikkars synkretistischer Interpretation auseinanderzusetzen ist gewiss keine leichte, aber wichtige Aufgabe.

Berthold Schwarz, em 2006-3.

Nöh, Rüdiger. Pietismus und Mission. Die Stellung der Weltmission in der Gemein­schaftsbewegung am Beispiel des Siegerlän­der Gemeinschaftsverbandes. edition afem, mission scripts Bd. 13, Bonn: VKW, 1998.

Die Bedeutung des Pietismus für das kirchliche Leben in Deutschland ist nach wie vor hoch. Von den rund 1,4 Millionen evangelikalen Christen gehören etwa 300.000 zur Gemein­schaftsbewegung. Es ist davon auszugehen, daß die in der Arbeitsgemeinschaft evangeli­kaler Missionen (AEM) zusammengeschlosse­nen Missionsgesellschaften ihre personelle und finanzielle Unterstützung zu einem nicht unwe­sentlichen Teil aus dem Bereich des Pietismus erhalten. Rüdiger Nöh, Prediger im Siegerlän­der Gemeinschaftsverband und Absolvent der FTA Gießen, hat in seiner Korntaler Magister­arbeit den Zusammenhang von Pietismus und Mission nun genauer untersucht. In einem er­sten Kap. (S.16-47) führt er knapp und präzise in den geschichtlichen Kontext zum Thema ein. Der Pietismus hat die traditionellen Wider­stände des Luthertums gegen Weltmission in­nerhalb des Protestantismus durchbrochen. Doch wurde im Neupietismus mangels einer durchdachten Verbindung von Ekklesiologie und Missiologie die Verantwortung für Welt­mission aus den Gemeinschaften auf Missions­gesellschaften und den Einzelnen verlagert, was zu einer Schwäche des Missionsengage­ments in Gemeinschaftsbewegung und Evan­gelikalismus führte. Das zweite Kapitel (S.48-81) zeigt, daß der Siegerländer Pietismus von seinen Anfängen um das Jahr 1700 herum mit dem Missionsanliegen verbunden war, unter anderem durch Gestalten wie Jung-Stilling und Stahlschmidt, durch Kontakte ins Wuppertal, durch die Etablierung von Missionshilfsverei­nen und speziell zu Missionsgesellschaften wie der Neukirchener Mission und der Mission für Süd-Ost-Europa. Heute zeigen sich in der Sie­gerländer Gemeinschaftsbewegung Krisenzei­chen wie ein abnehmendes Praktizieren des Allgemeinen Priestertums und ein fortschrei­tender Mitgliederschwund (speziell im Bereich jüngerer Leute und Familien) bei den inner­kirchlich arbeitenden Gemeinschaften, was sich auch auf das Missionsengagement der Gemeinschaften auswirkt. – Kapitel drei (S.82-117) gibt in anschaulicher Weise mit Tabellen, Graphiken und treffenden Interpretationen die Ergebnisse einer empirischen Befragung der Gemeinschaften des Siegerländer Gemein­schaftsverbandes zum Thema Mission wieder. Kapitel vier (S.118-141) bietet eine Grundle­gung zum Verhältnis von Gemeinde und Mis­sion nach dem Neuen Testament. Und das ab­schließende fünfte Kapitel (S.142-169) unter­zieht die Stellung zur Mission in der Praxis des Siegerländer Gemeinschaftsverbandes einer eingehenden Würdigung und theologisch be­gründeten Kritik. Theologische Hemmnisse (fehlendes Gemeindebewußtsein, Überbeto­nung des Erbauungs- und Heiligungsaspekts, gewisse Endzeitszenarien [die aber lieber nicht mit dem – gerade in missionstheologischer Hinsicht gerade sehr fruchtbaren – Dispensa­tionalismus verwechselt werden sollten! Gegen Nöh, S.154f] werden ebenso behandelt wie praktische Probleme (Überalterung der Ge­meinschaften, Desiderate für die Missionsge­sellschaften). - Rüdiger Nöh hat eine ge­schichtlich, (missions-)theologisch und empi­risch gut gearbeitete kleine Studie vorgelegt, die wegen der Bedeutung des Gemeinschafts-Pietismus für Mission in Deutschland auch au­ßerhalb des Siegerlandes interessierte Leser finden sollte.

Dr. Helge Stadelmann, em 1999-3.

O’Brien, Peter. T. Gospel and Mission in the Writings of Paul: An Exegeti­cal and Theolo­gical Analysis. Baker Book House: Grand Ra­pids (MI) & Paternoster Press: Carlisle (GB), 1995.

Der australische Neutestamentler O’Brien, der länger in Indien am Union Biblical Seminary wirkte, hat eines der besten Bücher über die Missions­theologie des Paulus geschrieben, das zunächst 1993 unter dem Titel ‘Consumed by Passion’ erschienen ist und seitdem immer wieder nachge­druckt wird. O’Brien weist nach, daß für Paulus die missionarische und evangelisti­sche Existenz und Praxis der von ihm gegründeten Gemeinden und aller Men­schen, die zu Christus finden, selbstverständ­lich ist. Neben den zen­tralen paulinischen Texten zur Mission (z. B. Röm 1, Röm 15, 1Kor 9) ex­egetisiert O’Brien auch Texte, die seltener mit der Missionspassion des Paulus in Verbindung gebracht werden (z. B. Eph 6, der ganze Philipper­brief). Eine hervorragende, manchmal etwas technische Studie, die einmal mehr zeigt, daß Paulus nicht zufällig, sondern wesensmäßig sowohl der bedeutendste Missio­nar des ersten Jahrhunderts war, als auch der be­deutendste (systematische) Theologe.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-2.

O’Donnell, Kelly S., Michelle Lewis O’ Donnell (ed). Helping Missionaries to Grow. Readings in Mental Health and Missions. Pasadena: William Carey Library, 1988.

Drs. Kelly and Michelle O’Donnell sind pro­movierte Psychologen und Mitarbeiter von „Jugend mit einer Mission“ (YWAM) in Amsterdam. Dieses neue Handbuch bringt 50 Artikel von 48 Autoren aus den letzten 15 Jahren, unter anderem von Elisabeth S. und E. Thomas Brewster, Marjory Foyle, David Hesselgrave, Brian V. Hill, William F. Hunter, Timothy M. Warner. Die meisten Autoren sind Amerikaner, fast alle ehema­lige Missionare. Viele haben in Psychologie promoviert. Unter den Autoren sind 15 Frauen.

Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt die Breite der behandelten Themen. Nach einer einleitenden Reflektion über das Verhält­nis von Psychologie und Mission werden die folgenden Gebiete behandelt: Auswahl der Missionskandidaten, Psychologische Be­urteilung, Missionarische Effektivität, Über­legungen zur missionarischen Ausbildung, Familienleben des Missionars, die Kinder des Missionars, Schulausbildung von Mis­sionarskindern, Anpassung an fremde Kul­turen, Streß, zwischenmenschliche Beziehungen, die Frau in der Mission, Heimkehr des Missionars, Seelsorge an Menschen an­derer Kultur sowie eine 18 Seiten umfassen­de Bibliographie.

Das Buch ist eine Fundgrube an Material für Missionare, Dozenten in der Missionars­ausbildung, Heimatleiter von Missionsge­sellschaften und Pastoren von Gemeinden, die sich nicht nur oberflächlich für Missio­nare interessieren.

Dietrich Kuhl, em 1990-1.

O’Donovan, Wilbour. Biblical Christianity in African Perspective. Paternoster Press: Car­lisle/GB, 1996.


Zugegeben: ich konnte dieses Buch nicht mehr objektiv lesen, nachdem ich den Autor einige Jahre zuvor als engagierten Denker und Debat­tierer auf einer amerikanischen Missionshoch­schule kennengelernt hatte. Nach 20 Jahren Lehrdienst in Nigeria faßte er seine Erfahrun­gen in seiner Abschlußarbeit, für die er den D. Min. verliehen bekam, zusammen. Diese nun revidierte Ausgabe ist zugleich attraktiver ge­staltet und umfassender als die früheren. So schätzen afrikanische Theologen dieses Buch ein: „Die Erfahrung, die Bill O’Donovan in sei­nen vielen Jahren mit afrikanischen christli­chen Studenten gesammelt hat, vermittelte ihm ein umfassendes Verständnis davon, welchen Kämpfen sie ausgesetzt sind, wenn sie dogma­tische Fragen auf ihren kulturellen Kontext anwenden“ (Dr. Haruun Ruun, Generalsekretär des New Sudan Council of Churches). Und Dr. Yusufu Ruraki, Sekretär für die theologische Ausbildung des ECWA, Nigeria, urteilt: „Die Stärke des Buches liegt in seiner einfachen Sprache, der klaren Darbietung des Themas unter Einbeziehung biblischer Wahrheiten, so­wie der afrikanischen Sichtweise“.

Worum geht es also? Beginnend mit der Be­deutung unserer „Weltanschauung“ für unser Tun und Denken behandelt das Buch in 18 Ka­piteln die wesentlichen theologischen Themen über Bibel, Offenbarung, Gott, Jesus Christus, den Menschen, Heiliger Geist, Kirche, die Wiederkunft Christi und die Endzeit. Aber auch typisch „afrikanisch heiße Eisen“ wie Ah­nenverehrung, Leiden, Zauberei, Bestechung und Flüche werden klar und offen angepackt. Als die „Big Five“ behandelt O’Donovan Fra­gen über Führung, falsche Propheten, Synkre­tismus, Mittler, Verantwortung des Christen zur Regierung.

Der Stil ist erfrischend einfach. Große theolo­gische Begriffe wie die Dreieinigkeitslehre werden durch einleitende Dialoggedanken (z. B. Muslim, Animist und Christ) angerissen und dann im Frage/Antwortstil mit abschließenden Diskussionsvorschlägen und weiterführender Literatur verdaut. Bestens geeignet für theolo­gisches Ausbildungsstätten. Auf eine Gesamt­bibliographie wurde verzichtet, dafür besticht ein recht umfangreicher Sachindex. Abgesehen von vier Referenzen zu afrikanischen Autoren (Adeyemo, Mbiti, Kato, Kimathi) nährt sich das Buch noch ganz von westlichen Quellen. Aber daß der afrikanische Leser dem Autor ganz am Herzen liegt, steht außer Zweifel. Übersetzungen auf Amharisch, Französisch, Haussa und Kiswahili sind bereits voll im Gange. Der Autor antwortet gerne auf Verbes­serungsvorschläge und Anfragen.

Walter Gschwandtner, em 1998-2.

Öhler, Markus. Barnabas: Die historische Person und ihre Rezeption in der Apostelgeschichte. WUNT 156, Tübingen: Mohr Siebeck, 2003.

In seiner Habilitationsschrift stellt der Wiener Neutestamenler M. Öhler die These auf, dass Bar­nabas in der missionarischen Zusammenarbeit mit Paulus „mindestens gleichwertiger, wahrscheinlich aber doch führender Partner war“ (S.389). Die Begründung dieser These beginnt mit einer Ausle­gung von 1.Kor 9,6. Barnabas, der vermutlich den Auferstandenen gesehen hat, und Paulus verzich­ten aufgrund der besonderen Missionssituation auf Unterhalt durch die Gemeinde, wobei wohl Barna­bas „auf diese Praxis drängte“ (S.17). In Kap. 2 untersucht der Verfasser die Zeit des gemeinsamen Wirkens von Paulus und Barnabas. Nach Gal 2,1­-14 erscheint Barnabas als ein „Mann der Einheit“ und ist Hauptansprechpartner auf dem Konvent. Ab Kap. 3 werden die Angaben der Apostelge­schichte über Barnabas untersucht. Mit seinem Einsatz für die Gemeinde, die in der paganen Um­welt als antiker Verein erscheint, wobei ihr Erfolg vor allem in Botschaft und Ethos begründet ist, überwindet Barnabas soziale Schranken und tritt als Wohltäter der Gemeinschaft auf. Erst dadurch wird sein späteres Eintreten für Paulus und sein Wirken in Antiochien recht verständlich. Nach Kap. 5 (Apg 11,19-26) reist Barnabas aus eigener Initiative (nicht aufgrund der Sendung der Urge­meinde) wohl wegen des Interesses an der Hei­denmission nach Antiochien. Beim sogenannten Hungerhilfebesuch (Apg 11,27-30; 12,24f) ist er dann die führende Gestalt. Nach der „Aussendung durch die antiochenische Gemeinde (Acta 13,1-3)“ verstehen sich die Missionare „nicht als Einzel­kämpfer auf dem Missionsfeld“, sondern sie han­deln „in steter Rückbindung an die Gemeinde und ihre Leitung“. In den Kap. 8-12 werden die einzel­nen Stationen der 1. Missionsreise dargestellt: Die Mission auf Zypern, im pisidischen Antiochien, in Ikonion, in Lystra und die Rückreise nach Antio­chien. Der Verfasser resümiert, dass die Missi­onsmethoden von Barnabas und Paulus vielfältig waren und ihre Beziehung untereinander sich „als eine zwischen Kollegen bestimmen“ lässt (S.388). Paulus „war eingebunden in eine Mission, deren mindestens gleichwertiger, wahrscheinlich aber doch führender Partner Barnabas war“. Auch beim Apostelkonzil (Apg 15,1-35) sei Barnabas von den antiochenischen Gesandten „die wichtigere Figur“ (S.431), wobei jedoch beide von der Heidenmissi­on berichten. Die Trennung von Paulus und Bar­nabas (Acta 15,36-41) führt Öhler u. a. auf den Streit um einen Mitarbeiter zurück, so dass Barna­bas (vielleicht wegen verwandtschaftlicher oder sozialer Verpflichtungen) das Verhältnis zu Johan­nes Markus über das zu Paulus stellt. Abschließend folgt „Das literarische Porträt des Barnabas - Au­torintention und Leserrezeption“ und ein histori­scher Rekonstruktionsversuch: Barnabas war ein Mann, der zwischen den Strömungen innerhalb des Christentums vermittelte: „Als Graecopalästiner war er mit Hebräern und Hellenisten gleicherma­ßen vertraut, als angesehenes Mitglied der Jerusa­lemer Urgemeinde und Teil der antiochenischen Gemeindeleitung hatte er enge Beziehungen zu den beiden Zentren des frühen Christentums. (…).Barnabas war damit die vermittelnde Persön­lichkeit des frühen Christentums“ (S.486). Ein umfangreiches Literaturverzeichnis und Register schließen das Werk ab. Öhlers ausführliche Studie überzeugt durch eine detaillierte Exegese und eine ausgewogene sozialgeschichtliche Interpretation. Die Darstellung des Beziehungsgeflechts um B. eröffnet dem aufmerksamen Leser manche neue

Einrichten. Anfragen erheben sich aber vor allem dort, wo der Verfasser die Apostelgeschichte im Zug: der älteren deutschen Acta-Forschung über­geht (58ff, 61, 75, 226f, 270, 436 u. a.). So hätte man bei der historischen Rekonstruktion der Texte meh Zutrauen in die Apostelgeschichte erwartet. Auch aus missiologischer Sicht ist die Studie inte­ressant, weil sie zeigt, wie der grenzüberschreiten­de Denst des Barnabas den Verlauf der urchristli­chen Mission mitgeprägt hat. Im Umgang mit den Finarzen (IKor 9,6) zeigt Barnabas kontextuelles Feingefühl. In der Beziehung zu Mitarbeitern er­weist sich Barnabas als Partner und Mentor. Auch Missionare heute brauchen Personen wie Barna­bas, cie sie in Dienste einführen, vermittelnd im Heimat- und Missionsdienst agieren und ihnen in Zeiten der Not „Trost“ spenden. Alles in allem ein inspirierender Band, der zur Beschäftigung mit der urchristlichen Mission und zur Anwendung auf unsere Situation einlädt.

Alexander Drews, em 2005-1.

Okoye, James Chukwuma. Israel and the Na­tions. A Mission Theology of the Old Testa­ment. American Society of Missiology Series 39. Maryknoll: Orbis Books, 2006.

Der in Chicago unterrichtende Nigerianer James Chukwuma Okoye präsentiert seine Missions­theologie des Alten Testaments bewusst im Rah­men christlicher, katholischer Theologie und fragt dabei nicht nur nach einer zeitgeschichtli­chen Bedeutung der untersuchten Texte, sondern auch nach Implikationen für das moderne Mis­sionsverständnis. Sein Ansatz ist nicht kano­nisch, sondern „canon-conscious“ und stützt sich spürbar auf die Ergebnisse älterer histo­risch-kritischer Forschung. Er beginnt seine Un­tersuchung mit der Frage nach einer Definition von Mission und kommt zu dem Ergebnis, dass weder das moderne Missionsverständnis, noch ein Verständnis, welches alleine auf einer Wort­studie („senden“) gründet, einen wesentlichen Beitrag leisten können. Das Missionsverständnis im Alten Testament hat für Okoye vier „Gesich­ter“, denen er die verschiedenen Kapitel seiner Untersuchung zuordnet: Ein universales, ein „Gemeinschaft-in-Mission“-, ein zentripetales und ein zentrifugales Gesicht.

(a) Das universale Missionsmodell zeichnet sich durch einen Herrschaftsanspruch Gottes über die ganze Welt (Gen 1) und jedes Individuum (Ps 8) aus. Der Segensauftrag an Abraham (Gen 12,3) wurde zunächst in Form respektvollen religiösen Dialoges durchgeführt (S.54f), später jedoch auch anders interpretiert (S. 47).

(b) Bei dem Gesicht der „Gemeinschaft-in-Mission“ geht es um das Zeugnis Israels durch die Existenz als gerechtes Volk Gottes. Die in Ex 19,3-8 geforderte Heiligkeit des Volkes bezieht sich nicht nur auf das Verhältnis zu Jhwh, sondern nutzt sein vor den anderen Völkern geführtes Leben als Vehikel der Mission. Vor allem der Prophet Amos stellt Israels Existenz als Volk Gottes unter die Bedingung der ge­lebten Gerechtigkeit. Der Prophet Jona könne als „innerbiblical corrective to the apparent xenophobia of the Book of Nahum” verstanden werden (S.81).

(c) Grundlage für die Fähigkeit Israels zu zentripetaler Mission im Sinne der Öffnung des Bundes für Heiden ist das Verstehen der grenz­überschreitenden Gerechtigkeit Gottes. Die Be­schneidung des Herzens ist neues Kennzeichen derer, die Mission als Gottes Werk und ihren Teil als Danksagung gegenüber Gott verstehen. Die Nationen sollen an dem Lob Gottes teil­haben (Ps 96). Zion wird zum Zentrum für Weltfrieden und Moral. Da Okoye Jes 2,5 als re­daktionelle Einfügung wertet, zielt Jes 2,2-4 für ihn nicht auf religiöse Bekehrung der Nationen, sondern auf Versöhnung und Frieden.

(d) Zentrifugale Mission beginnt dort, wo nicht mehr Land oder Blut, sondern das Bekenntnis über die Gemeinschaft bestimmt. Durch das ur­sprüngliche Volk Gottes geht ein Schnitt. Die neue Gemeinschaft des „Überrests" schließt auch Fremde ein - und lädt sie ein. Der Knecht in den Gottesknechtsliedern in Jesaja hat eine klare aktive Mission. Am Ende wird sich die ganze Welt als Gottes Volk herausstellen. Okoyes Arbeit besticht durch eine ausgezeich­nete aktuelle Bibliographie zum Thema, wobei einzelne neuere Veröffentlichungen zu speziel­len Fragen fehlen, wie drei Beispiele zeigen: So misst Okoye den von David Bosch 1956 (Evan­gelisches Missions-Magazin 100: 174-88) aufge­griffenen Konzepten „zentripetal" und „zentrifu­gal" grundlegenden Wert zu, ohne auf die inzwi­schen aufgekommene Kritik an ihrer Legitimität einzugehen. Damit wird die Brauchbarkeit sei­ner vier „Gesichter“ als biblisch-theologische Kategorien in Frage gestellt. Von A. Rétif und P. Lamarche (Das Heil der Völker. Düsseldorf: Patmos, 1960, S.18) übernimmt er den Gedan­ken einer Veränderung der Bedeutung von Gen 12,3, ohne Bezug zu nehmen auf neuere Untersuchungen wie K.N. Grüneberg, Abraham, Blessing and the Nations. Berlin: De Gruyter, 2003, u.v.m. Auch die unvermittelte Annahme des alten „JEDP“-Modells (S.24, Fn. 1) sollte in einer Zeit nach Rendtorff und Van Seters zumindest begründet werden.

Okoyes Buch ist als Arbeitsbuch gedacht und lässt sich durch ausführliche Zusammenfas­sungen und Diskussionsfragen leicht erschlie­ßen. In seinem Gesamtverständnis geht Okoye nicht nur von verschiedenen Wegen der Mission Israels, sondern auch von einer weiteren Band­breite von unterschiedlichen Zielsetzungen aus. Nicht jede alttestamentliche Vision ziele auf Gotteserkenntnis der Heiden – auch Dialog, Versöhnung und Weltfrieden stellen für Okoye Zielpunkte dar, die sich mit aktuellen „Trends in Mission“ (vgl. S.18-23) in Verbindung bringen lassen. Dabei lässt sich bezweifeln, ob das Alte Testament in seiner vorliegenden Gestalt wirk­lich eine solche Unterscheidung unterstützt.

Dr. Siegbert Riecker, em 2008-2.

Oldham, J. H. Ein Mensch wagt zu lieben - Florence Allshorn - Ein Leben im Dienst Chri­sti. In freier Übersetzung ins Deutsche von Jo­hanna Lorch, 12. Aufl., Giessen: Brun­nen Verlag & Bad Salzu­flen: MBK-Verlag, 1994.

Dieses Buch erzählt die Geschichte der Flo­rence Allshorn, die als Missionarin mit der Church Missionary Society in Afrika ihren nur vierjährigen Dienst in der Außenmission er­lebte. In diesem kurzen Zeitabschnitt lernte sie allerdings eine Lektion für ihr ganzes Leben, und zwar, daß die Liebe Gottes im Menschen, umgesetzt und ausgelebt in einer hoffnungslo­sen Situation im Blick auf Zusam­menarbeit und menschliches Miteinander zur unbesiegba­ren, die Widerstände überwinden­den Kraft wird. Die Spannungen im Miteinan­der auf ei­ner Missionsstation in Uganda, die ih­re acht Vorgängerinnen alle Kraft gekostet hatten, so daß sie höchstens zwei Jahre aus­hielten und dann aufgaben, bringen auch Flo­rence an den Rand ihrer Kraft. An dem Punkt hilft ihr eine Afrikanerin, in­dem sie ihr sagt: „Ihr habt alle das gleiche, nämlich daß ihr gekommen seid, uns den Retter der Welt zu bezeugen. Ich sehe aber nicht, daß er die Situation hier gerettet hat.“ Diese Fest­stellung wird zum Wendepunkt im Leben der Florence Allshorn. Sie erkennt, daß sie die Liebe Christi, die auch die Feinde lieben heißt, in ihrem Leben braucht, um nicht Schiffbruch zu erleiden. So beginnt sie um diese Liebe für sich zu beten und in dem schwierigen Mitein­ander mit der älteren Kolle­gin Wege zu su­chen, um einander zu akzeptie­ren und die Last das Alltags zu tragen. Ein Jahr lang liest sie täglich das 13. Kapitel des 1.Korintherbriefs. Indem sie im Miteinander praktische Schritte tun, erleben sie die von in­nen her erneuernde Liebe, die auch auf andere überspringt und die Atmosphäre auf der Missi­onsstation verändert.

Aus diesem Erleben einer praktizierten sich-selbst-vergessenden Liebe erwuchs der Dienst der Florence Allshorn in späteren Jahren in England in der Zurüstung von Missionarinnen vor der Ausreise und der Betreuung von Rück­kehrenden. Ein unbestechlich klares Verständ­nis von dem, was Missionare brauchen, um nicht zu stagnieren und nur ‘eine Schaufenster­auslage an geistlichen Gütern’ zu präsentieren, kommt in diesem Buch zum Ausdruck. Es gibt darüberhinaus aber auch allgemeingültige Richtlinien für verbindliches christliches Leben und Echtheit im Dienst überhaupt. Es richtet sich von daher nicht nur an Missionare. Aller­dings ist der Leser gefordert, die allgemeingül­tigen Grundsätze aus der manchmal idealisier­ten Be­schreibung einer Persönlichkeit her­auszuhören. Diese Tatsache ist eine Schwäche des Buches. Dennoch ist es ein klarer Anruf, aus der Mit­telmäßigkeit im Christenleben her­auszutreten, und es gibt manche Antwort auf die Frage, wie interpersonelle Spannungen in Dienstgemein­schaften bewältigt werden. Da diese Frage höchst aktuell ist, ist auch das Buch aktuell für jeden, der in einem Dienst steht oder sich darauf vorbereitet.

Ursula Pasut, em 1996-2.

Otminghaus, Christoph und Karl Lagers­hausen (Hg.): Chancen entdecken. Kurz­zeiteinsätze im Ausland. Porta Impulse 10, (SMD, Postfach 554, D-35017 Marburg), 1994. (nicht im Buchhandel!).

Aus dem Arbeitskreis für Weltmission der Studentenmission in Deutschland stammt die­ser äußerst praktische Leitfaden für alle, die einen missionarischen Kurzeinsatz von 4 Wochen bis 4 Jahren erwägen. Besonders an­sprechend fand ich K. Lagershausens „Zehn gute Gründe, Kurzzeiteinsätze zu erwägen“ und die kritischen Gedanken von E. Wolff zur Vermeidung von „Missionstourismus“. Drei Vier­tel des Heftes sind auch für Nicht-Studenten interessant. Neben vielen Berichten aus allerWelt winken am Schluß ausführliche Tips zu Planung, Finanzen, Gesundheit und Adressen.

Christof Sauer, em 1994-3.

Ott, Bernhard. Beyond Fragmentation: Integrating Mission and Theological Education. A Critical Assessment of some Recent Developments in Evangelical Theological Education. Regnum Studies in Mission, Regnum Books International, Oxford 2001.

Die vorliegende Dissertation des Studienleiters des Theologischen Seminars Bienenberg, Schweiz, Bernhard Ott, bringt seine Besorgnis über die Geisteshaltung, Qualität und Unterrichtsmethode der missisonstheologischen Ausbildung der Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten (KbA) des deutschsprachigen Raumes zwischen 1960 und 1995 zum Ausdruck.

Anlass seiner Studie ist der in den letzten Jahrzehnten erfolgte ökumenische Paradigmenwechsel in Mission und theologischer Ausbildung im Westen und in der Zweidrittel-Welt. Aufgrund des holistischen Missionsverständnisses des südafrikanischen Missionswissenschaftlers D. J. Bosch kritisiert Ott das mehrheitlich von Peter Beyerhaus und der Frankfurter Erklärung geprägte heilsgeschichtliche Missionsverständnis der konservativen-evangelikalen Ausbildungsstätten und wirft ihnen Zersplitterung, Isolation und Separation vor.

Im ersten Teil (S. 1−24) bringt der Autor seine Sorge über die Zukunft der 36 theologischen Ausbildungsstätten zum Ausdruck, die im deutschsprachigen Raum der Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten (KbA) angeschlossen sind. Ausgangspunkt seiner Studie ist der in den letzten Jahren erfolge Paradigmenwechsel, wie er innerhalb des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), in der Weltmission und in der theologischen Ausbildung zu erkennen ist. Analog zu S. Holthaus (FTH Giessen) gliedert er die KbA in drei Gruppen ein: Separatistische Fundamentalisten, konservative Evangelikale, moderate Fundamentalisten und offene Evangelikale, wobei der zweite Typus die internationale Missionsbewegung im ausgehenden letzten Drittel des 20. Jahrhunderts am meisten zu prägen vermochte. Die seit den 1990er Jahren ausgehende rückläufige Studentenzahl interpretiert Ott als theologische Identitätskrise, die ihm den wesentlichen Anstoss zu dieser Arbeit lieferte.

Im zweiten Teil (S. 25−100) weist der Autor zunächst auf die einheitliche Entwicklung der evangelischen Missionsbewegung und Missionstheologie hin, die in Deutschland durch die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM) 1969, der Frankfurter Erklärung zur Grundlagenkrise der Mission 1970 und der Gründung der Akademie für Weltmission in Korntal (AWM) 1984 in zwei gegensätzliche Lager gespalten worden sei. Seither entwickle sich die deutschsprachige evangelikale Bewegung in die Separation und Isolation. Der Lausanner Kongress für Weltevangelisation 1974 und sein Folgekongress in Manila 1989 hätten den deutschen Evangelikalen Impulse aus der anglo-amerikanischen Welt vermittelt und eine neue Identität gegeben. Daraus sei der Wunsch nach Akkreditierung der 36 Ausbildungsstätten der KbA entstanden. Ihre missionstheologischen Überzeugungen hätten sie jedoch im Gegensatz zu den staatlichen theologischen Fakultäten und dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) definiert.

Dieser Darstellung muss widersprochen werden, zumal der Wunsch nach Akkreditierung und Vergleichbarkeit der Ausbildungsprogramme der nicht staatlich organisierten theologischen Ausbildungsstätten in Europa bereits am Ende der 1960er Jahre ausgesprochen wurde. Die konstituierende Sitzung der Europäischen Evangelikalen Akkreditierungsvereinigung (EEAA) war unter Beteiligung von 23 europäischen theologischen Ausbildungsstätten von Skandinavien bis Italien, von Frankreich bis zu den damaligen COMECON-Staaten, am 31.10.1979 unter der Leitung von E. Schmid, Direktor der Pilgermission, in der Friedau auf St. Chrischona bei Basel. Die EEAA entstand weder aus Protest gegenüber dem ÖRK noch aus ekklesiologischen Überlegungen, sondern weil eine Angliederung an staatliche Fakultäten nicht möglich war und sie sich explizit dem „sola scriptura Prinzip“ verpflichtet wusste.

Die schweizerische Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Missionen (AEM Schweiz) ist im Gegensatz zur AEM Deutschland nicht aus einer Spaltung entstanden. Sie ist sogar älter als die ehemalige Kooperation Evangelischer Kirchen und Missionen (KEM), in der bis 1999 die kirchlichen Missionswerke und die reformierten kantonalen Landeskirchen der Schweiz zusammengefasst waren. Aus missionstheologischen Überlegungen entschieden sich die evangelischen Werke und Kirchen mit dem ÖRK zusammenzuarbeiten und damit für den Weg der Separation und nicht die Glaubensmissionen, die sich der Reformation und dem Pietismus verpflichtet wissen. Um den innerevangelischen Dialog nicht abbrechen zu lassen, fanden zwischen den beiden Dachverbänden AEM Schweiz und KEM, und darüber hinaus den evangelischen Hilfswerken, die berühmten Gloggenhofgespräche in Zürich und zwei längere Retraiten in Montmirail, Neuchâtel statt, an denen leider kein Vertreter des Theologischen Seminars von Bienenberg teilnahm.

Der dritte Teil (S.101−202) untersucht die Thesen von D. J. Bosch, die er in seinem Buch „Transforming Mission“ (1991) vorschlägt. Daraus folgert Ott, dass in der nachantikolonialistischen Missionstheologie die KbA-Ausbildungsstätten einen holistischen Paradigmawechsel vornehmen müssten, wie er zwischen Aufkärung und Postmoderne zu beobachten sei. Die Gräben zwischen ökumenischer und evangelikaler Missionstheologie könnten nur im Dialog mit der ganzen Christenheit überwunden werden. Den bohrenden hermeneutischen Fragen aus der Zweidrittelwelt, der Verhältnisbestimmung zwischen Kontextualisierung, Inkulturation, Soziologie, Erlösung und Ekklesiologie sei ein größerer Stellenwert einzuräumen.

Ott wirft vielen der KbA-Schulen vor, sie würden ihre Studierenden in die Isolation, Separation, ja sogar ins Sektierertum führen, weil sie sich dem holistischen Missionsverständnis und kritischen hermeneutischen Gegenwartsfragen, wie sie im ÖRK diskutiert werden, verschliessen würden (S.192−195). Statt sich hermeneutischen und epistemologischen Fragen zu stellen, bestünde die Tendenz, die missionstheologische Reflexion allein auf die Autorität der Schrift zu reduzieren. Dabei vergisst der Autor, wie P. Beyerhaus in seinem Buch „Er sandte sein Wort: Theologie der christlichen Mission/ Band 1: Die Bibel in der Mission“ (1996) eindrücklich nachwies, dass ein anderes Schriftverständnis als das reformatorische „sola scriptura Prinzip“ früher oder später zu einem anderen Heils- und Missionsverständnis führen muss. Andererseits haben die CTL-Seminare (Chrischona, Tabor, Liebenzell) die berechtigten hermeneutischen und epistemologischen Gegenwartsfragen der nachantikolonialistischen Missionstheologie seit 1996 in zwei neuen Fächern proaktiv aufgenommen (Theologie der Religionen und Christlicher Glaube in einer säkularen Welt).

Im vierten Teil (S.203−280) beschäftigt sich Ott mit der Rolle der Mission in der theologischen Ausbildung und den Erkenntnissen der modernen Erwachsenenbildung als Grundlage selbstkritischer Reflexion und Lernprozesse. Diese pädagogischen Ansätze sind mit der CTL-Studienreform Anfang der 1990er Jahre konstruktiv aufgenommen worden und kommen vor allem in missionswissenschaftlichen, pädagogischen, soziologischen und pastoraltheologischen Fächern voll zur Anwendung.

Im letzten Teil (S.281−316) fragt der Autor nach der Allgemeingültigkeit unserer Theologie, insbesondere dem in evangelikalen Kreisen anzutreffenden Verteidigungsmechanismus, der ins Ghetto und zum Stillstand führe. Ott sieht den Grund dieser theologischen Verengung in der Sichtweise der biblischen Wahrheit, die nicht fähig sei, mit Menschen anderer Kontexte in einem Dialog zu stehen. Hier entbrennt vollends die Frage nach dem exklusivistischen Wahrheitsverständnis der Schrift als „norma normans“ der christlichen Theologie.

Otts Arbeit schliesst mit diversen Anhängen: einer kompletten Liste der KbA-Schulen, der ökumenischen Konferenzen zwischen 1910-1991, der Konsultationen der Lausanner Bewegung zwischen 1974-1989, gefolgt von der Frankfurter Erklärung 1970 und der Lausanner Verpflichtung 1974. Das Manifest von Manila von 1989 würde diese Liste von Anhängen vervollständigen.

Weltoffene pietistische Missionstheologen, die selbst jahrelang den interreligösen Dialog in der transkulturellen Missionsarbeit praktiziert haben, werden Otts Kritik aufnehmen und sich einem holistischen Missionsverständnis nicht verschliessen, solange das Geheimnis der göttlichen Inspiration, die völlige Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit der Heiligen Schrift nicht preisgegeben und der apostolische Ausschliesslichkeitsanspruch des Heils allein in Jesus Christus (Apg 4,12) nicht grundsätzlich in Frage gestellt wird.

Hans Ulrich Reifler, em 2003-4.

Ott, Craig; Netland, Harold A. (Hg.). Globali­zing theology. Belief and practice in an era of world Christianity. Nottingham: IVP/Apollos 2007 (US-Ausgabe: Grand Rapids: Baker Academic, 2006).

Diese Festschrift für Paul G. Hiebert knüpft an seiner Forderung an, die so genannten „drei Selbst" in der Missionspraxis (self-governing, self-supporting, self-propagating churches) zu ergänzen durch ein viertes „Selbst“: self-theologizing (Hiebert, Paul G.: Anthropological insights for missionaries, Grand Rapids: Baker Book House 1985, 193ff.). Zur Reife und Selbständigkeit einer Kirche gehört die eigenständige theologische Reflexion, die Auseinandersetzung mit dem Evangelium im Licht des eigenen sozio-kultu-rellen Kontexts. Das wirft natürlich neue Fragen auf: Wie sind solche lokalen kontextuellen Theologien einzuordnen im Blick auf das Ganze der Theologiegeschichte und der theologischen Tradition? Und wie sind umgekehrt westliche theologische Ansätze im Kontext dieser theo­logischen Pluralität zu verstehen? Das sind die Fragen, denen sich die Autoren dieses Bandes zuwenden.

Die Aufsätze gehen zurück auf eine Konsulta­tion im Juni 2004 an der Trinity International University in Deerfield zu Ehren von Paul Hiebert zu dem Thema „Doing Theology in a Globalizing World“. Der Band ist in drei Teile gegliedert: (1) Weltchristenheit und theologi­sche Reflexion, (2) methodologische Fragen im Blick auf eine Globalisierung der Theologie, und (3) Implikationen einer Globalisierung der Theologie.

In der Einleitung wendet Netland sich den Schlüsselbegriffen des Buchtitels zu. Er be­schreibt die Aufgabe der theologischen Refle­xion als Aufgabe der ganzen Kirche, die nicht nur die Exegese des Wortes verlangt sondern auch eine Exegese der kontemporären Welt, und die einmünden muss in Weisheit, die Denken und Verhalten verändert. Der erste Teil des Buches umfasst drei Aufsätze von Ti6nou, Whiteman und Walls. Ti6nou weist darauf hin, dass die heutige Wirklichkeit einer „polyzentrischen Christenheit" auch Auswirkun­gen haben muss auf das Verständnis der Theolo­gie. Er wendet sich gegen eine Marginalisierung von Stimmen aus der Dritten Welt und insistiert auf einem globalen theologischen Diskurs mit einer missiologischen Agenda. Whiteman skizziert die frühen missiologischen Beiträge Hie­berts und stellt sich die Frage, zu welchen ak­tuellen Fragestellungen im Themenbereich Glo­balisierung - Kirche - Theologie die Ethnologie heute Beiträge leisten kann. Walls in seinem Aufsatz zeigt auf, dass das Überschreiten kul­tureller Grenzen in der Geschichte der Kirche immer auch zu neuen theologischen Fragen und in der Folge zu einem besseren Verständnis des Evangeliums als Ganzem geführt hat. Aus­gehend von dieser geschichtlichen Beobachtung erwartet er von der christlichen Begegnung mit den alten Kulturen Afrikas und Asiens heute neue theologische Impulse, die die theologische Arbeit der Weltchristenheit befruchten können. Der zweite Teil des Buches beginnt mit einem Aufsatz von Vanhoozer, eine Perle in dieser Aufsatzsammlung. Vanhoozer stellt sich zu­nächst der Kritik an unsrer „big fat Greek method“. Er verweist darauf, dass Theologie dem Geschichtscharakter und dem Weisheits­Charakter der Offenbarung verpflichtet sein muss. Dabei entfaltet er zwei Kriterien für eine Bewertung kontextueller Theologien: das kano­nische Prinzip (die Übereinstimmung der Deu­tung des Evangeliums und seines Lebensbezugs mit dem Charakter des Weges Jesu), und die Frage nach der Adäquanz improvisierender Weisheit, die zum Ziel hat, in neuen Situationen der biblischen Gesamtgeschichte entsprechend zu handeln. Dabei spielt die weltumspannende hermeneutische Gemeinschaft eine entscheiden­de Rolle für die Gestaltgewinnung des Evange­liums in verschiedenen Kontexten. Es folgen vier weitere Aufsätze zur methodischen Thema­tik. Strong und Strong analysieren den Bericht über das Apostelkonzil in Jerusalem und leiten daraus Aussagen ab im Blick auf die Rolle der Heiligen Schrift, des Heiligen Geistes und der hermeneutischen Gemeinschaft für den Prozess einer Globalisierung der Hermeneutik. Strauss untersucht am Beispiel der Äthiopisch-Ortho­doxen Tewahedo Kirche die Bedeutung kirch­licher Bekenntnisse für eine globale Christologie. Sein Fazit: Während kirchliche Bekennt­nisse nicht zu einem allgemein gültigen Maßstab für Rechtgläubigkeit erhoben werden können, dienen sie doch der Kirche als Fallstudien für das immer wieder notwendige theologische Ringen um eine biblisch verstandene Ortho­doxie in einem spezifischen Kontext und tragen gleichzeitig zu einer reicheren theologischen Gesamtschau bei. Van Engen beschäftigt sich in seinem Aufsatz zum Thema „The glocal [sic] church“ mit der Interaktion und Interdependenz der globalen und der lokalen Aspekte von Kir­che und Theologie. Er spricht von einem sich „gegenseitig befruchtendem Prozess des kriti­schen Theologisierens“ auf lokaler und globaler Ebene, bei dem die verbindenden Aspekte (common humanness, common faith, common fruit of the Spirit) ebenso berücksichtigt werden wie die lokal spezifischen Aspekte (diverse cul­tures, diverse faith stories, diverse gifts). Priest plädiert als Ethnologe – in Anlehnung an Geertz‘s „experience-near concept“ – für ein theologisches Arbeiten, das sich nah an der kon­kreten Erfahrung von Menschen orientiert. Er erläutert Hieberts und Ti6nous Modell einer missionalen Theologie am konkreten Beispiel des moralischen Diskurses zum Thema „Sünde" in der Kultur der Aguaruna Indianer. Der dritte Teil beginnt mit einem Aufsatz von Carroll, der am Beispiel der Armen Lateiname­rikas die Bedeutung der wirtschaftlichen Ent­wicklungen der Globalisierung für die theologi­sche Reflexion reflektiert. Ramachandra betont die Notwendigkeit einer differenzierten ge­schichtlichen Betrachtung der Interaktion von „Ost“ und „West“ und fordert eine kritische Kontextualisierung des Evangeliums in der westlichen Hemisphäre. Hiebert Meneses bietet aus ethnologischer Sicht Grundlagen für ein Verständnis der politischen Dimension des Na­tionalstaats und der ökonomischen Dimension einer globalen kapitalistischen Weltordnung. Ihr Ziel ist, die Kirche – hier hat sie zunächst die Kirche in den USA im Blick – zu einer kriti­schen Reflexion ihres eigenen politischen und ökonomischen Umfelds zu befähigen und auf synkretistische Tendenzen aufmerksam zu ma­chen. Dabei spielt das Hören auf die globale Ge­meinschaft der Kirche eine wichtige Rolle. Plueddemann skizziert die Herausforderungen der veränderten Missionssituation heute für bestehende Missionsgesellschaften, während McKinney Douglas Herausforderungen theolo­gischer Ausbildung im globalen Kontext be­nennt. Paul Hiebert selbst schreibt einen Beitrag zur Rolle des Missionars als Mittler in dem Prozess einer Globalisierung der Theologie. Er sieht den Weg zur Überwindung eines post­modernen theologischen Pluralismus in der Ent­wicklung eines metakulturellen Rahmenwerks, in dem ein echter pluraler Dialog über die Wahr­heit möglich ist. Ott fasst in seinem Aufsatz die Ergebnisse der unterschiedlichen Beiträge zu­sammen und geht der Frage nach, wie aus den unterschiedlichen Fäden lokaler Theologien eine gemeinsame Tapisserie werden kann. Dabei handelt es sich nicht um fertige Antworten, son­dern um Gedanken über einen Weg in die Zu­kunft, den die Kirche in ihrer globalen Vielfalt gemeinsam gehen muss und nur gemeinsam ge­hen kann.

Die Aufsätze bearbeiten das Thema aus der Sicht unterschiedlicher Disziplinen. Sie sind auch von unterschiedlicher Qualität. Alles in al­lem handelt es sich hier um ein beachtenswertes Buch zu einem zentralen und aktuellen mis­sionswissenschaftlichen Thema.

Dr. Jürgen Schuster, em 2008-3.

Outler, Albert C. Das theologische Denken John Wesleys. Kommentiert für unsere Zeit. Theologische Studienbeiträge Bd. 4, Christliches Verlagshaus, Stuttgart, 1991.

Alle evangelikalen Glaubensmissionen haben in der einen oder anderen Weise ihre Wurzeln in der Heiligungsbewegung, die auf eine Neubesinnung auf die Heiligungstheologie John Wesleys ab etwa 1835 zurückgeht. Da heute in den evangelikalen Missionen eher presbyterianische Theologie vorherrscht, ist es nützlich, sich mit der arminianischen Theologie Wesleys zu beschäftigen, besonders mit ‘seinem Verständnis von Sünde und Heiligung. Dieses Buch bietet einen guten Einstieg für den, der Wesleys Theologie näher kommen will.

Klaus Fiedler, em 1992-4.

Pakendorf, Gunther. Gustav Pakendorfs Jugend: Eine wahrhafte Geschichte, Berliner Beiträge zur Missionsgeschichte, Heft 2, April 2001.

Der Verfasser der zweiten Veröffentlichung der Berliner Beiträge ist Gunter Pakendorf, Associate Professor im Department of Modern and Classical Languages der Universität Kapstadt und Leiter der Forschungsgruppe „Mission und Moderne“ der National Research Foundation in Südafrika. Gegenstand seines Essays ist das im August 1995 von ihm gefundene Tagebuch, das sein Großvater Gustav Pakendorf in der Ausbildungszeit als Missionar in Berlin führte und im Oktober 1895 mit der Ankunft im damaligen Kaffraria (Südafrika) abschloß.

Der 1969 unehelich geborene Pakendorf wächst in einem unkirchlichen, sozial­demo­kra­tischen Elternhaus auf. Die Abwesenheit des Vaters wird vom Verfasser als ein Hauptmotiv der Wendung an und des Vertrauens auf Gott verstanden. Im evangelischen Jünglings- und Männerverein findet der junge Pakendorf eine geistliche Heimat. Hier reift der Wunsch, „auch ein Missionar zu werden und das Evangl.von Christo dem Gekrezigten den armen Heiden zu bringen“ (S.10). Der Anlass des Tagebuchs ist vor allem ein seelsorgerlicher: „es bewahrt vor mancher Sünde“ (S.8). Das Tagebuch beschreibt drei Abschnitte: (1) die Aspiratenzeit 1889-1895, die der eigentlichen Aufnahme als Missionskandidat ins Seminar der Berliner Mission vorausging (nach täglich 10 Stunden Arbeit in der Fabrik folgte der abendliche Aspirantenunterricht. Der Vater lehnt die Missionspläne des Sohnes entschieden ab); (2) die Zeit als Zögling im Seminar, (3) die Beschreibung der Reise von Berlin nach Xhosaland 1895. Über die letzen beiden Abschnitte erfährt der Leser in Gunther Pakendorfs Beitrag inhaltlich allerdings so gut wie nichts. So geht es auch nicht um eine theologisch-missionsgeschichtliche Betrachungsweise; vielmehr wird das Tagebuch einerseits sozialpsychologisch „als Protokoll einer für angehende Missionare im 19. Jahrhundert durchaus nicht untypischen Selbstfindung und der Erstellung einer neuen gesellschaftlichen Identität im sozialen Aufstieg des Großvaters vom Sohn eines einfachen Arbeiters zum angesehenen Missionar in Afrika gelesen. Zum anderen wird die Geschichte - sowie der Prozeß des Schreibens und Lesens - als literarischer Vorgang gewertet, unter Heranziehung erzählerischer Modelle aus der Literaturgeschichte, sowie als kommunikativer Akt“. Ein Stück biographischer Missionsgeschichte wird „in einen größeren gesellschaftlichen Diskurs eingebettet, an dem letztlich auch der Enkel als Leser und Vermittler der Geschichte beteiligt ist“ (Presse-mitteilung).

Hier werden wichtige Zusammenhänge in interdisziplinärer Perspektive dargestellt. Kritisch anzumerken ist allerdings, daß der Missionar und seine Berufung vollständig aus dem gesellschaftspsychologischen Zusammenhang heraus erklärt werden. Wäre nicht auch eine umgekehrte Sichtweise denkbar und für einen missionsgeschichtlichen Ansatz angemessen: das Evangelium von Jesus Christus als transformierende Kraft, die - bei aller kulturellen Begrenztheit und Konditionierung – wirkliche persönliche und geistliche Veränderung bewirkt – gestern und heute?

Dr. Friedemann Walldorf, em 2002-3.

Palmer, Donald C. Managing Conflict Creatively. A Guide for Missionaries and Christian Workers. Pasadena: William Carey Library, 1990.

Dr. Palmer arbeitete 13 Jahre mit Gospel Missionary Union in Kolumbien als Evangelist und Gemeindegründer und anschließend 20 Jahre in der Heimatleitung.

Das Buch ist als Seminarunterlage vorgese­hen und in fünf Teile (je mit Material für zwei bis drei Stunden) aufgeteilt. Die behandelten Themen sind: 1.) „Die Dynamik des Kon­flikts“, worin Konflikte als normal und eigent­lich sehr positiv dargestellt werden; 2.) „Me­thoden der Konfliktbewältigung“, worin fünf verschiedene Methoden mit ihren Stärken und Schwächen dargestellt werden; 3.) „Die Bibel und Konflikte“, worin sieben Beispiele in der Schrift untersucht werden; 4.) „Konfliktbewäl­tigung lernen“. Hier geht es darum, eine Strate­gie zu entwickeln; 5.) „Kulturelle Faktoren“. Hier werden mehrere Beispiele aus der Mission dargestellt.

Die beiden Grundfaktoren eines Konflikts, nämlich die Sache (Lehre, Prinzip etc.) und die Beziehung zwischen den zwei Parteien, werden klar dargestellt. Unsere Aufgabe und die eigentliche Kunst ist es, zu erkennen, welcheArt von Konflikt jeweils vorliegt, und welche Methode der Konfliktbewältigung am Besten dazu paßt. Zwei Paradoxe sind erwähnenswert: 1.) Je mehr wir jemand lieben, desto mehr Konflikte werden wir mit der Person habe; 2.) Je mehr Konflikte, desto stabiler wird die Beziehung sein. Konflikte sind nach Meinung des Autors Mittel zu einer positiven Entwick­lung von Beziehungen, wenn sie richtig und rechtzeitig verarbeitet werden.

Die wenigsten Leiter und Mitarbeiter sind im Bereich Konfliktbewältigung ausreichend vorbereitet. Unbewältigte Konflikte sind nach Palmer ein Hauptgrund, warum Missionare vom Missionsfeld zurückkehren. Weil das Buch so praktisch geschrieben ist, empfehle ich es sehr gerne. Wir haben dieses Seminar mit unseren Leitern mit viel Gewinn durchgeführt.

Rod Nidever, em 1994-2.

Partridge, Christopher (Hg.). Das Große Handbuch der Weltreligionen. Wuppertal: Brockhaus, 2006.

Das bewährte Handbuch Weltreligionen war zuletzt 1996 (hg. u. neu bearbeitet von Wulf Metz) erschienen. Die aktuelle Neufassung des englischen Originals (The New Lion Handbook „The World's Religions“) liegt nun in deutscher Übersetzung vor. Herausgeber ist Christopher Partridge, Professor für moderne Religionen an der Universität Chester in Großbritannien. Über 60 Autoren, vorwiegend aus Großbritannien, haben die - z.T. neu verfassten - Fachartikel beigesteuert.

Das Konzept einer allgemeinverständlichen Einführung in die wichtigsten lebenden Reli­gionen wurde beibehalten. Neu ist, dass nun jeder Religion in mehr oder weniger historischer Reihenfolge ein ganzes eigenes Kapitel gewid­met ist. Das Christentum wird nicht wie in früheren Ausgaben zum Abschluss dargestellt, sondern religionsgeschichtlich zwischen Juden­tum und Islam eingeordnet. Der Akzent wird damit stärker in Richtung einer möglichst wenig bewertenden Anordnung gesetzt. Dem Zoroas-trismus wurde ein eigenes Kapitel als heute noch lebendiger Religion gewidmet. Dargestellt werden darüberhinaus die Religionen des Al­tertums (Inkas/Azteken, Alter Vorderer Orient, Ägypten, Griechenland und Rom, Kelten, Skandinavien), die „einheimischen Religionen“ (1996 noch „Stammesreligionen“) sowie Hin­duismus, Buddhismus, Jainismus, Sikhismus und die Religionen Ostasiens (China und Japan). Das eröffnende Kapitel „Religion verstehen“ führt gut verständlich in akutelle religions­wissenschaftliche Perspektiven zur Interpre­tation und Erforschung von Religion und Religionen ein. Der gegenwärtigen Bedeutung eines stärker kulturwissenschaftlichen Reli­gionsbegriffs wird Rechnung getragen: „Was immer Religion sein mag oder nicht, sie ist zumindest ein rhetorisches Instrument, das die Mitglieder der betreffenden Gruppe einsetzen, um ihre Gruppenidentität zu klären“ (13). Die Kurzbiographien klassischer Religionswissen­schaftler sowie Fragen und Hypothesen der historischen Entwicklung der Religionen (Ur­Monotheismus-These, Evolutionsthese) werden im Gegensatz zur Ausgabe von 1996 (in der R. Brow vorsichtig zugunsten der Monotheismus­These argumentierte) nicht mehr thematisiert. Die Zeittafel der Religionen wurde beibehalten. Um den systematischen Zugang zu den ein­zelnen Religionen zu erleichtern, sind die Kapitel soweit wie möglich in jeweils sechs Themenbereiche gegliedert: (1) historischer Überblick, (2) Heilige Schriften, (3) wichtige Glaubenssätze, (4) Riten und Feste, (5) Familie und Gesellschaft und (6) Entwicklungen in der modernen Welt.

Das Kapitel über den Buddhismus wurde fast ganz neu geschrieben (leider wurde die über­sichtliche Graphik zu den verschiedene Rich­tungen des Buddhismus entfernt). Mit Recht werden auch problematische Aspekte des tantri-schen tibetanischen Buddhismus zumindest kurz angesprochen (S. 194), was einer möglichst unverstellten Wahrnehmung durchaus nicht ab­träglich ist. Leider ist der wichtige Artikel über den „Islam in der modernen Welt“ (T. Gabriel) weniger ausführlich und differenziert als der Beitrag von Nazir-Ali 1996. Die neu einge­führten Abschnitte zu „Familie und Gesell­schaft“ stellen die religiösen Systeme stärker in den Kontext der Alltagskultur. Die biogra­phisch-persönliche Bedeutung der Religion kommt in „Insider“-Perspektiven unter dem Motto „Ich bin ein… . „ (Hindu, Buddhist, Sikh … etc.) zum Ausdruck. Eine wichtige und not­wendige Neuerung stellt auch die Integration eines Abschnitts über „Christentum in China von heute“ im Kapitel über die Religionen Ost­asiens dar. Den Abschluss des Buchs bildet das Kapitel über „Religion in der Welt von heute“.

Es wurde teilweise aktualisiert, etwa durch einen Abschnitt zu „neuen religiösen Bewe­gungen“ sowie durch eine Erweiterung von A. Thiseltons religionsphilosophischer Auseinan­dersetzung mit der Postmoderne. Am Rande kritisch anmerken könnte man, dass im Kapitel über das Judentum die historische Dimension der alten biblischen Religion der Pa­triarchen und des Volkes Israel im Vergleich zur 1996er Ausgabe stärker in den Hintergrund tritt. Der 1996 enthaltene theologische und histo­rische Perspektiven verbindende Einführungs­artikel von David Harley („Die Juden - das erwählte Volk“) findet sich in der Neufassung ebensowenig G. Cowlings Abschnitte über Mose und Esra als historische Persönlichkeiten. Kritisch könnte man auch fragen, warum dem Zoroastrismus mit nur 115.000 heutigen An­hängern ein eigenes großes Kapitel gewidmet wird, während andere und größere religiöse Gruppierungen wie z.B. die türkischen Aleviten oder die kurdische Yezidi-Religion gar nicht erwähnt werden.

Das größere Format des Handbuchs bietet ein großzügigeres Layout, das ansprechend mit Farbfotos, Graphiken und Zitaten aus religiösen Quellentexten gestaltet ist. Enthalten ist wieder ein Kurzlexikon mit knappen Informationen zu religiösen Grundbegriffen und Persönlichkeiten. Ein Index ist (wie bisher) leider nicht vorhan­den, was zwar aufgrund der neuen Strukturie­rung leichter zu verschmerzen ist, aber die Ge­brauchsmöglichkeit als Nachschlagewerk ein­schränkt. Auch weiterführende Literaturhin­weise sind nicht vorhanden. Insgesamt stellt das neue Große Handbuch eine strukturelle Verbesserung und inhaltliche Aktua­lisierung eines bewährten Kompendiums dar.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2007-3.

Pasut, Ursula. Frauen in der Welt in der Mission: Geschichte und Gegenwart des Deutschen Frauen-Missions-Gebets-Bundes (DFMGB). Telos-Taschenbuch. [Jetzt SCM-Hänssler].

Um die Jahrhundertwende entstand unter Frauen eine Bewegung als Antwort auf die besonderen Nöte der Frau in der Dritten Welt. Aufgrund des Suchens nach ihrem Auftrag in der Welt und in der Mission gründeten einige Frauen den Deutschen Frauen-Missions-Gebetsbund (DFMG) mit dem Ziel, gemeinsam ihre Gaben in den Dienst Gottes zu stellen. Die Aufgaben sind unterschiedlich: Praktischer Dienst auf dem Missionsfeld oder Gebet und Rückhalt in der Heimat. Beide Dienste sind notwendig und gehören zusammen.

In lebendiger, übersichtlicher Weise schil­dert Ursula Pasut, eine der Patenmissionarinnen, die Arbeit des DFMG, seine Anfänge und seine Ziele. Sehr anschaulich sind die persönlichen Zeugnisse der Gründerinnen und Mitarbeiterinnen gehalten.

Jede Frau wird durch dieses Buch ange­spornt zur verbindlichen Zugehörigkeit und Mitarbeit in Gebet, Fürbitte und prakti­schem Dienst.

Die Adresse des DFMG lautet: Heister­kamp 18, 2000 Hamburg 63.

Elsbeth Schmid, em 1986-1

Pate, Larry D. From Every People. A Hand­book of Two-Thirds World Missions with directory / histories / analysis. Monrovia: MARC, 1989.

Larry D. Pate möchte Lawrence E. Keye’s Buch «The Last Age of Missions» (Pasadena: W. Carey Library, 1983) auf den neuesten Stand bringen. Lawrence E. Keyes und Larry D. Pate sind Mitarbeiter von Overseas Crusades (OC) Ministries. Keyes ist Prä­sident von OC, Pate ist seit 1984 der Ko­ordinator der Abteilung «Emerging Mis­sions ».

Larry D. Pate möchte die ganze Breite, das Wesen und das enorme Potential der schnell wachsenden Missionsbewegung der „nicht­westlichen“ Kirchen deutlich machen. Vor etwa 18-20 Jahren hat kaum jemand etwas über Missionsgesellschaften der sog. Dritten Welt gehört. Seit James Wongs bahnbre­chendem Buch „Missions from the Third World“ (Singapore Church Growth Study Centre, 1972) ist das anders geworden. Weitere Untersuchungen (z.B. Marlin L. Nel­son 1976, L. E. Keyes 1980) und Konferen­zen (z.B. Bangalore 1982) haben das Thema aufgegriffen. Heute gibt es etwa genauso viele Missionsgesellschaften in der sog. Dritten Welt wie in Nordamerika, Hinzu kommt, daß die Zahl der nichtwestlichen Missionare wahrscheinlich fünfmal so schnell steigt wie die der westlichen. Dies ist der Hintergrund für Larry D. Pates Buch.

Es ist ein Handbuch der missionarischen Aktivitäten der Kirchen in Lateinamerika,
Asien, Afrika und Ozeanien. Neben einer 50 Seiten umfassenden Analyse der Ent­wicklung und gegenwärtigen Situation bringt Pates Buch Fallstudien über Malawi, Argentinien und Indien (74 Seiten) und ein 165 Seiten umfassendes Verzeichnis von Missionsgesellschaften der Dritten Welt. Letzteres wurde auf Grund von Eigendar­stellungen der Missionen zusammengestellt: Anschrift, leitende Mitarbeiter, Zeitpunkt der Gründung, Zahl der Mitarbeiter um 1980, 1985 und 1988, Zahl der Missionare, die in einer anderen Sprache als ihrer Mut­tersprache arbeiten (cross-cultural missio-naries) und Arbeitsfelder der Missionen. Zum ersten Mal ist die Möglichkeit gegeben, die häufig zitierte Zahl von 15 249 (1982) und 20 000 (1988) Missionaren der Dritten Welt zu überprüfen. Das ist ein großes Verdienst.

Aber das Buch hat auch Schwächen. Wo Vergleiche mit westlichen Missionen ver­sucht werden, drängt sich die Frage auf, ob gleiche oder allgemein übliche Kategorien verglichen werden (S. 4, Definition). Da alle Daten auf Angaben der Zwei-Drittel-Welt-Missionen beruhen, muß gefragt werden, ob diese genügend überprüft wurden. In per­sönlichen Gesprächen mit Dr. Theodore Sri-nivasagam, dem zukünftigen Generalsekre­tär der Indian Evangelical Mission, und mit Patrick Johnstone, Autor von Operation World / Gebet für die Welt, wurde das im Blick auf die Daten aus Indien und Afrika stark bezweifelt.

Dietrich Kuhl, em 1990-2.

Pechmann, Ralph; Martin Reppenhagen (Hg.). Zeugnis im Dialog der Religionen und der Postmoderne. Aussaat Verlag & Neu­kirchener Verlag: Neu­kirchen-Vluyn, 1999.

Pechmann, Ralph; Martin Reppenhagen (Hg.). Mission im Wi­derspruch: Religions­theologische Fragen und Mission morgen. Aussaat Verlag & Neu­kirchener Verlag: Neu­kirchen-Vluyn, 1999.

Zwei Veröffentlichungen des Deutschen Insti­tuts für Jugend und Ge­sellschaft der Offensive Junger Christen in Reichelsheim stellen Bei­träge zum Thema Christentum und Weltreli­gionen zusammen, wobei sich beide Bände in­haltlich stark überschneiden. Während der erste Band die Vor­träge einer Tagung in Reichels­heim enthält, ist der zweite Band ein dazu als Arbeitswerkzeug dienender umfangreicher Reader mit meist bereits veröffentlichten Arti­keln und Buchauszügen. Ziel ist das Gespräch zwi­schen allen Positionen, ‘exklusiven’ wie ‘inklusiven’, ‘evangelikalen’ wie ‘liberalen’. So finden sich auf der einen Seite Beiträge von Peter Beyerhaus, Werner Neuer, Alister Mc­Grath, Heinzpeter Hempelmann oder Chris Sudgen und Hanna Josua, im Mittelfeld von Lesslie Newbigin, Gerald H. Anderson und David G. Bosch, und schließlich von Henning Wrogemann (‘Multiperspektivischer Inklusi­vismus’), von Wolfhart Pannenberg und Paul Knitter. Martin Reppenhagen, der als einziger Herausgeber selbst Beiträge beigesteuert hat, vertritt jeweils eine von der evangelikalen Sicht herkom­mende, den Religionen jedoch sehr offen gegenüberstehende Sichtweise, die er bewußt von Leslie Newbigin herleitet. Ins­gesamt verstehen sich die beiden Bände weni­ger als Positionsbestimmung, denn als Anre­gung für ‘liberale’ Christen, Mission neu zu beden­ken, und an ‘evangelikale’ Chri­sten, ihre Sicht der völligen Ablehnung des Wahrheits­gehaltes anderer Religio­nen zu überprüfen. Was darüber zu denken ist, hat meines Erach­tens der evan­gelikale Angli­kaner und Professor in Oxford Alister McGrath im Tagungsband in seinen drei ausgezeichneten Vorträgen am be­sten dar­gestellt.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-2.

Penner, Peter F. (Ed.). Christian Presence and Witness among Muslims. Schwarzenfeld: Neufeld Verlag, 2005.

Der vorliegende Sammelband ist eine Veröffentlichung von Referaten, die bei der Konferenz zum Thema „Presence and Witness among Muslims” am International Baptist Theological Seminary (IBTS) in Prag im Februar 2004 gehalten wurden. Teilnehmer aus 31 teils muslimischen Nationen, und renommierte Redner wie Dr. David Shenk von der Eastern Mennonite Missions und Dr. Kenneth Cragg (leider nicht durch einen Aufsatz im Sammelband vertreten) zusammen mit Dozenten des IBTS bedachten miteinander das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen auf der persönlichen und theologischen Ebene. Nicht alle Referate wurden zu Aufsätzen des Sammelbandes. In den Band wurde außerdem die Prague Declaration on Christian Presence and Loving Service among Muslims aufgenommen, die während der Konferenz verfasst worden war. Die einzelnen Aufsätze beschäftigen sich, grob sortiert, mit drei Fragestellungen: 1. Wie lässt sich der christliche Glaube liebevoll und überzeugend einem Muslim erklären? 2. Welche Bedeutung hat die Hijra und das muslimische Verständnis von der Bibel für die Begegnung mit Muslimen? 3. Wie lässt sich der christliche Glaube in spezifischen Kontexten (Mittlerer Osten, Zentralasien, Bektashi-Albaner, multireligiöse Nachkriegsgesellschaft) bezeugen? Das Anliegen des Bandes besteht in der Erreichung eines zeugnishaften Dialogs, der von offener und freundlicher Begegnung und Respekt geprägt ist.

Die Prague Declaration geht vom dreieinigen Gott aus und setzt somit ein klares theologisches Zeichen gegenüber dem radikalen Monotheismus des Islam. Der Schöpfergott wird nicht als gemeinsamer Gott bezeichnet, wohl aber die Liebe zu diesem Gott als „gemeinsame Liebe“. Vollständiges Vertrauen zu diesem Gott aber ist erst durch Jesus möglich. Dieser Ansatz verdeutlich schon das Verständnis von Dialog: Wo eine Anknüpfung möglich ist, wird dem Muslim durchaus zugestanden, etwas Gutes zu intendieren oder auch zu praktizieren; dabei muss jedoch deutlich werden, dass durch Jesus ein entscheidender und soteriologisch relevanter Unterschied in der Beziehung zum Schöpfergott besteht. Der Heilige Geist wiederum ermöglicht eine Gemeinschaft der Anhänger Jesu untereinander, die große Diversität erlaubt und somit transkulturell möglich ist. In seinem ersten Aufsatz (Faithful Christian Witness among Muslims; 20-35) weist David W. Shenk darauf hin, dass die Bindung des Islam an die arabische Kultur durch die Göttlichkeit des arabischen Korans unauflösbar ist. Die christliche Kirche dagegen ist transkulturell und genau darin auch ein wichtiges Zeugnis des universalen und kulturell unabhängigen Evangeliums von Jesus Christus. Der eigentlich missionarische Ansatz der Prague Declaration liegt im Aufbau einladender Gemeinschaften. Daneben überwiegen Aussagen zum respektvollen Umgang mit Muslimen, Freundschaftsbeziehungen zu Muslimen, Dienst für einheimische Gemeinden und Einstehen für Verfolgte Christen aus muslimischem Hintergrund.

Die Zusammenstellung der Aufsätze wirkt auf den ersten Blick zufällig und unverbunden. Neben den beiden sehr inspirierenden Aufsätzen von David W. Shenk stehen zwei weitere zu spezifischen Fragen des islamischen Glaubens. Alle anderen beschäftigen sich mit spezifischen Regionen. Besonderes Interesse wird der allgemein interessierte Leser deshalb den Referaten von Shenk zuwenden, die in der Tat sehr inspirierend sind. Anhand der Reformbewegung des Islam identifiziert Shenk fünf zentrale Punkte, die für den heutige Islam prägend und wesentlich sind: die göttliche Herabsendung des Koran (tanzil), die Errichtung der islamischen Gemeinschaft in Medina nach der hijra, die Einheit Allahs (tauhid), und die daraus folgende Lehre von der Notwendigkeit der Unterwerfung aller Muslime und letztlich aller Menschen überhaupt unter Allah, das Verbot von Neuerungen (bidah), weil der Islam unveränderlich ist und das Verbot von „Beigesellung“ zu Allah (shirk), das jeden Götzendienst aber auch jede Infragestellung Allahs durch eine andere Autorität, z.B. den Staat, verbietet.

Interessant ist nun der Versuch Shenks, die Begegnung der Gemeinde mit der islamischen Gemeinschaft (ummah) entlang dieser fünf Reformanliegen des Islam zu beschreiben. So wird die „göttliche Herabsendung“ (tanzil) mit der göttlichen Inkarnation verglichen und dann auf die Aufgabe der Gemeinde übertragen: kulturelle Inkarnation in jeglichen Kontext, um das Evangelium jeder Kultur gemäß zu verkündigen und zu leben. Der zwingenden Macht der ummah, die nach der hijra errichtet wurde und Vorbild und Muster für alle heutigen Versuche eines politischen Islam ist, steht im vollen Kontrast die Opferbereitschaft der Gemeinde gegenüber, die ihr Kreuz auf sich nimmt und ihrem Herrn nachfolgt. Die Einheit Gottes (tauhid) ist auch im christlichen Glauben nicht in Frage gestellt. Jeder Art von Polytheismus muss vehement gewehrt werden. Neben einer deutlichen Klarstellung, dass Jesus nicht durch einen geschlechtlichen Akt gezeugt wurde, muss nach Shenk die Gemeinde das Vorbild Jesu leben. Der Verweigerung jeglicher Neuerung (bidah) steht die eschatologische Hoffnung der Gemeinde auf einen neuen Himmel und eine neue Erde gegenüber. Diese Hoffnung wird zeichenhaft schon jetzt auf Erden sichtbar und wird deshalb von der Gemeinde aktiv verwirklicht: das Reich Gottes ist schon angebrochen, aber noch nicht vollendet. Allein zum Thema shirk bleibt Shenk kurz angebunden und wenig schlüssig.

In seinem zweiten Aufsatz (Christian Presence and Witness among Muslims) entfaltet Shenk anhand von 1.Petrus 2-3 seine Überzeugung von einem zeugnishaften Lebensstil. Die beiden Fachartikel zur Bibel (Corruption and/or Misinterpretation of the Bible) und zur Hijra (The Hijra and its meaning for the Muslim community) sind in ihrem Anspruch sehr unterschiedlich. Während letzterer einen guten Einblick in das politische Verständnis des Islam gibt, ist ersterer sehr anspruchsvoll und für den nicht Vorgebildeten schwer verständlich.

Fazit: Die Aufsätze in diesem Band sind kompetent und anregend, weisen mutig nach vorne und helfen im Gespräch und in der Begegnung mit Muslimen. Nicht jeder Aufsatz wird den Leser interessieren, wenn er nicht mit der speziellen Fragestellung zu tun hat. Aber jeder, der sich mit der Frage auseinandersetzt, wie wir als Christen mit Muslimen leben und unseren Glauben bezeugen können, wird eine Reihe von hilfreichen Beiträgen guter Qualität finden.

 Ulrich Neuenhausen,em 2007-2.

Penner, Peter F. (ed.). Ethnic Churches in Europe - A Baptist Response. Neufeld Verlag Schwarzenfeld, Oktober 2006.

Dieser Band versammelt Beiträge einer Kon­ferenz zu ethnic churches in Prag im Juni 2006. Es ist lobenswert, dass er so schnell veröffent­licht wurde, denn das Thema ist aktuell. Das Buch gliedert sich in vier Teile. Unter dem Titel „Sociological Studies“ liefert Paul Weller eine exzellente soziologische Analyse der Be­griffe „Europa“, „ethnische Minoritäten“ und „changing face“ und reflektiert über die Rolle von Religionen in diesem Feld. Seine „working conclusions“ sind dann theologischer Art: Er ruft die Baptisten auf, sich gegen Fremden­feindlichkeit zu engagieren und stellt fest, dass die Ekklesiologie einer Glaubenskirche eine „narrative christology“ fordere: Eine solche „christology of invitation rather than a christo-logy of gatekeeping“ ermögliche ein christliches Zeugnis in einem multireligiösen und multi­kulturellen Kontext. Die Hauptherausforderung, der sich die Kirchen stellen müssten, sei „how to avoid confusing either Christian witness or Christian unity with the promotion of one cultural or confessional form of Church.“ Der zweite Teil unter dem Titel „Ethnic churches - a Biblical mandate“ enthält zwei Aufsätze, die allerdings den Anspruch des Titels nicht vertreten. Eine Studie von Michael Kisskalt zu „The challenge of Immigrants in Old Israel According to the Testimony of the Old Testament“ bietet einen guten biblisch­theologischen Überblick mit einigen Konse­quenzen für die heutige Praxis im Umgang mit Migranten. Unter dem Titel „Homogeneous Unit Principle, Ephesians 2 and the Early Church Praxis“ liefert Peter F. Penner eine intensive Exegese von Epheser 2 sowie einiger Texte aus der Apostelgeschichte. Er lehnt einen biblizis-tischen Ansatz entweder für oder gegen das homogeneous unit principle ab und zeigt, dass es bereits in der Urkirche ganz unterschiedliche Modelle des Kircheseins gab. Dieser Aufsatz ist für eine innerevangelikale Debatte sicherlich wichtig; im landeskirchlichen Bereich müsste die kritische Auseinandersetzung jedoch eher bei der Identifikation von Evangelium und Kultur ansetzen, die im Konzept von „Volkskirche“ (im Sinne einer ethnischen Kirche!) implizit vorausgesetzt wird. Im dritten Teil geht es um „Issues of Second Generation Immigrants“. Peter F. Penners gelegentlich nur schwer nachzuvollziehender und manchmal arg spekulativ wirkender Artikel über Johannes Markus als Migrant und Christ der zweiten Generation trägt wenig für die Praxis bei. Dagegen ist Michael Kisskalts Arti­kel über Interkulturalität und Integration über­sichtlich, praxisorientiert und pädagogisch gut aufgebaut. Zu bedauern ist allerdings, dass dieser Artikel wissenschaftlich auf dem Stand der neunziger Jahre verbleibt und damit geprägt ist von zu statischen Begriffen von Kultur und Identität. Die gegenwärtige Diskussion um flexi­ble und hybride Identitäten z.B. in den Kultur­wissenschaften (ganz zu schweigen von den postcolonial studies) wird überhaupt nicht zur Kenntnis genommen.

Der vierte Teil des Bandes schließlich besteht aus Berichten aus verschiedenen Kirchen und Ländern Europas von sehr unterschiedlicher Qualität. Sie zeigen eine Vielfalt von Ansätzen in der interkulturellen Arbeit der Kirchen und die große Unterschiedlichkeit der jeweiligen Kontexte. Besonders konkret sind die Berichte über die International Baptist Convention, die Sarka Valley Community Church im Großraum Prag und vor allem die facettenreiche Studie über die Baptist Union of Great Britain (BUGB). Dass die BUGB in ihrer theologischen Ausbildung ein racism awareness training verpflichtend einschließt, setzt ein Beispiel, das auch anderswo in Europa Schule machen sollte! Alles in allem ist dieser Band ein brauchbares Buch mit einigen Schwächen, dem eine breite Leserschaft auch außerhalb evangelikaler Kreise zu wünschen ist.

Claudia Währisch-Oblau, em 2007-3.

Penner, Peter F. (Hg.). Theological Education as Mission. Schwarzenfeld: Neufeld Verlag, 2005.

Theologische Ausbildung als Mission. Immer noch überrascht der Titel des Buches. Kommt die theologische Ausbildung nicht sachlich und zeitlich nach der Mission? Doch Matth. 28,18­20 („lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“) gehört zum sogenannten „Mis­sionsbefehl“. Insofern ist dieses Thema nicht nur hochaktuell, sondern zugleich fest in einer biblischen Tradition verwurzelt, deren wir uns heute all zu oft nicht genügend bewusst sind. Theologische Ausbildung als Mission – der Titel ist zugleich der „rote Faden“ in dieser Samm­lung sehr unterschiedlicher Artikel, was Her­kunft, Breite und gedankliche Dichte angeht. Peter F. Penner gebührt Dank und Anerkennung für die Herausgabe der beinahe 20 Vorträge und Fallstudien, die im Rahmen einer internationalen Konferenz am Baptist Theolgical Seminary, Prag, im Februar 2005 gehalten wurden. Das Thema der Konferenz lautete: „Theological Education as Mission - Mission in Theological Education“. In dem Sammelband kommen inter­national bekannte Fachleute zu Wort wie z.B.: Andrew Kirk, David W. Shenk, Duane H. Elmer oder Linda Canell. Sie haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder zur Inte­gration von Theologie, Mission und Theolo­gischer Ausbildung angeregt. Dazu kommen dann aber auch aufschlussreiche Beiträge osteu­ropäischer Theologen. Sie reflektieren gesam­melte Erfahrungen im Bereich theologischer Ausbildung - meist im Kontext von Missions­arbeit. Hier werden spannende Fragen gestellt und eigenständige Überlegungen angestellt (z.B. Kap. 11 „Towards Convictional Theological Education“ von Parush R. Parushev). Manchmal überraschen bereits die Titel, wenn z.B. Lina Andronoviene ihren Beitrag überschreibt: „On Baptistic Monasticism as Educational Mission“. Als Leser erhält man Einblicke in Theologische Ausbildungsstätten und ihren jeweiligen Kon­text, die hierzulande noch nicht so bekannt sind. Damit wird ein wichtiger Beitrag geleistet im Zusammenwachsen europäischer theologischer Ausbildung. Beim Lesen des Buches stellt sich allerdings auch Ernüchterung ein. Manche der Fragen und Klagen sind nicht wirklich neu. Schon seit Jahren sind sie zu hören und zu lessen, z.B. die Frage nach der Kontex-tualisierung theologischer Ausbildung oder die notwendige Zusammenschau von Mission, Theologie und Fragen der Erwachsenenbildung. Ist theologische Ausbildung wirklich so „träge in ihrem Herzen“, dass (zu) wenig Innovation erfolgt?!

Anderseits stellt der Sammelband ein Mut machendes Buch dar, denn er zeigt, wie ein Mit­einander von Ost und West bereichernd ist, wenn wir lernbereit sind - in Ost und West. Einige der Artikel erschienen parallel zum Buch im Common Ground Journal Vol. 3 (1/2005), das hiermit ebenso empfohlen sei. Mich person­lich hat der Beitrag von Andrew Kirk - einem der „Altmeister“ innovativen Denkens über Theologische Ausbildung - zum Nachdenken herausgefordert. Immer noch hat Kirk die Kraft, unverdrossen, mutig und weit reichend zu träu­men, wenn er in seinem Beitrag ein Curriculum entwirft, von dem er sagt: „I do not know per­sonally of any theolgical institution that has adopted a curriculum like this“ (S.16 in seinem Beitrag mit dem Titel: Reenvisioning the Theological Curriculum as if the Missio Die mattered).

Wer sich für den Zusammenhang von Mission und Theologischer Ausbildung interessiert, der erlebt beim Lesen, was Peter Penner in seinem Vorwort als Ziel formuliert: „These papers have been collected to stimulate further discussion on theological education“ (S.12).

Traugott Hopp, em 2007-4.

Pfister, Jürg. Motivation der Generation X. Das Potential der Generation X als Herausforderung für christliche Gemeinden und Missionswerke. Nürnberg: VTR, 2003.

Wenn ein Praktiker sich die Zeit nimmt, strukturiert über sein Lieblingsthema nachzudenken, dann kommt dabei allermeist etwas sehr empfehlenswertes heraus. So ist es auch bei Jürg Pfisters „Motivation der Generation X“. Jürg Pfisters Liebe zur Weltmission verbindet sich in diesem Buch mit seiner Liebe zur Generation X und reflektiert wissenschaftlich die Möglichkeit, die postmoderne Jugend heute für Gottes ältestes Anliegen zu gewinnen, dass „Menschen aus allen Völkern Vergebung, Befreiung und Frieden durch Jesus Christus finden und ihn tief zufrieden und glücklich anbeten.“ Pfister analysiert dafür sehr eindrücklich die Generation X und hilft dem Leser aus seiner reichen Erfahrung heraus diese Generation nicht nur zu verstehen, sondern auch lieben zu lernen. Daraufhin geht er speziell auf die Situation von Gemeinden und Missionswerken ein und erläutert in anschaulicher Weise, wie der Umgang mit der Generation X für alle Seiten am fruchtbringendsten wird. Seine detaillierte Beschreibung der Motive sowie die verschiedenen Beispiele gelungener Motivation der Generation X machen dieses Buch zu einer Fundgrube für interessierte Leser.

Der Wert der vorliegenden Arbeit liegt zum großen Teil in seiner Praxisnähe. Meisterlich leitet Pfister hilfreiche Thesen her und untermauert sie mit empirischen Erkenntnissen. Dabei greift er nicht nur auf christliche Autoren zurück, sondern versucht vor allem den aktuellen Stand der Motivationsforschung für diese Fragestellung fruchtbar zu machen. Die Bibliographie enthält wertvolle Hilfen zur Vertiefung des Gesagten. Auch wenn einige seiner Aussagen vielleicht nicht mit den Erfahrungen seiner Leser übereinstimmen, schmälert das nicht den Wert der Studie. Es ist sehr schwierig eine Generation zu beschreiben, die sich mit aller Macht versucht den Kategorien der Wissenschaft zu entziehen. Eine weitere Stärke des Buches liegt in Pfisters kritischer Reflektion der Generation X im Licht der Bibel. So zeigt er Bereiche auf, in denen ihr Blick für Gottes Werk erweitert werden muss und in denen ihre eigenen Lebenseinstellungen durch das Licht des Evangeliums in die richtige Richtung gelenkt werden müssen.

Dieser letzte Aspekt hätte aber meiner Ansicht nach ein stärkeres Gewicht bekommen müssen. Pfisters Studie tendiert eher dazu, die positiven Seiten der Generation X herauszustellen. Man spürt dem Stil des Buches auch ab, dass es ursprünglich als eine wissenschaftliche Abschlussarbeit und nicht als ein Leitfaden für Gemeinden und Missionswerke geschrieben wurde. Dennoch ist es gut lesbar. Eine sehr spannende Frage behandelt Pfister leider nur am Rande: Ist die Generation X wirklich ein Vorausläufer späterer Generationen? Stimmt es, dass mit der Generation X eine neue Zeit angebrochen ist und alle folgenden Generationen in ihren Fußspuren gehen? Wenn ja, dann hätte seine Studie nicht nur gegenwärtigen Wert. Jedoch ist es so, dass die Generation Y (oder die Generation @ wie Pfister sie nennt) in unseren Gemeinden heranwächst und bereits in unseren Bibelschulen und auf unseren Missionsveranstaltungen auftaucht. Es zeigt sich, dass diese Generation aber einen ganz anderen Ansatz hat. Dennoch ist Pfisters Buch für das Verständnis und die Motivation von der Generation X das beste, was ich im deutschsprachigen Kontext kenne.

Hans Walter Ritter, em 2003-4.

Pirolo, Neal. Berufen zum Senden. Praktische Tips für verantwortungsbewußte Christen. Neuhausen: Hänssler, 1993.

Wie kann eine Gemeinde Missionare wirksam unterstützen? Zu diesem wichtigen Thema gabes bisher kaum etwas auf Deutsch zu lesen. Pirolo bietet dazu eine Fülle hilfreicher Gedan­ken. Er unterscheidet sechs Bereiche der Unterstützung: Moralische Unterstützung, ver­waltungstechnische Unterstützung (diese bei­den Übersetzungen treffen nicht ganz, was gemeint ist, lassen es aber ahnen), Geld, Gebet, Kontaktpflege, Rückkehr. Ein Leitfaden für Gruppenarbeit zu jedem Kapitel soll die ein­zelnen erkennen lassen, wo ihre Gabe liegt und in welchem Bereich sie für einen Missionar Verantwortung übernehmen wollen. Bei dem Versuch der praktischen Anwendung wird allerdings deutlich, daß ein Buch, das ursprünglich für amerikanische Verhältnisse geschrieben ist, nicht einfach nur ins Deutsche übersetzt werden kann. Es müßte eigentlich neu geschrieben werden unter Berücksichtigung von Strukturen, Frömmigkeit und Theologie im deutschsprachigen Raum. Haben wir denn nie­mand dazu? Manches in dem Buch wirkt über­trieben: Es beginnt mit dem drastischen Bei­spiel einer jungen Frau, die sich nach einem Kurzzeiteinsatz das Leben nehmen will, weil ihr Pastor sie in der Gemeinde nicht berichten läßt.

Integriert wird ein Kapitel von Luis Bush über das 10/40 Fenster, dessen Text wenig überzeugend ist, dessen 7 farbige Karten aber umso attraktiver sind. Leider sind diese will­kürlich mitten im „Leitfaden“ plaziert. (Dieses Kapitel ist auch als Sonderdruck bei OM, Pf 1561, D-74819 Mosbach gegen eine Spende erhältlich.)

Christof Sauer, em 1994-3.

Poll, Evert W. van de. Sacred Times for Chosen People. Development, Analysis and Missiological Significance of Messi­anic Jewish Holiday Practice (Mis­siological Research in the Nether­lands 46), Zoetermeer: Uitgeverij Boe­ken­centrum, 2008.

Das vorliegende Buch, eine 2008 von der ETF Leuven angenommene Dissertation, untersucht die Praxis und missiologische Bedeutung der Feier jüdischer Festtage in der messianisch-jüdischen Bewegung. Der Autor ist baptistischer Missionar und Pastor in Frankreich und steht der von ihm untersuchten Bewegung mit Sym­pa­thie gegenüber.

Der Autor gibt zunächst einen Überblick über die Entstehung der jüdisch-mes­sia­nischen Bewegung von der jü­di­schen Emanzipation (schrittweise Been­di­gung der Diskriminierung und bürger­liche Gleich­stellung der Juden in Europa im Zuge der Aufklärung) bis zur Gegen­wart (Kap. 2 und 3; 31-192): Die Eman­zi­pa­tion brach­te ein Ende der Zwangs­chris­tianisierung und ermöglich­te den An­fang christlicher Mission unter Juden im Zu­sammenhang des Pietismus und des Auf­bruchs der klassischen Missions­ge­sell­schaften nach William Carey. Aus diesen Missions­bemühungen entstanden im 19. Jahr­hun­dert – auch angesichts von Anti­semi­tismus und Assimilationsdruck – in Eu­ro­pa, Nordamerika und Palästina ei­gen­ständige Gruppen und Gemeinden „he­bräi­scher Christen“, die Vorläufer des heutigen messianischen Judentums.

Der Autor richtet sein Augenmerk hier vor allem auf den Umgang der Be­we­gung mit der jüdischen Festpraxis und auf die theologischen Fragen, die im Rah­men dieser Entwicklung diskutiert worden sind, wie die Frage nach der Wie­derherstellung Israels (restorationist eschatology) und der Rolle der Be­ach­tung der Thora. Es wird gezeigt, dass die „hebräischen Christen“ im Blick auf die Umsetzung der jüdisch-religiösen Praxis, abgesehen von der Passah-Feier, meist eine „minimalistische“ Position vertraten (86) und einer Integration z.B. der Sab­bat-Beachtung in den Gemeinden kri­tisch gegenüberstanden, da sie die Recht­fertigungslehre unterhöhle und die Ein­heit der Kirche gefährde. Auch die Ver­drän­gung des eigenen, oft orthodox-jü­di­schen Hintergrunds habe hier eine Rolle ge­spielt. Dennoch habe man be­gon­nen, einzelne jüdische Traditionen, wie z.B. Ge­bete, zu integrieren, um neuen Kon­ver­titen den Zugang zu er­leich­tern. Da­mit sei auch das grund­legende theo­re­tische Interesse an den bib­lisch-jüdi­schen Festen und der Sabbat-Feier ge­wachsen, obwohl die Feste abgesehen von ganz wenigen Aus­nahmen nicht prak­tisch begangen wor­den seien.

Zu einer wachsenden Praxis jüdischer Festtage sei es erst mit dem Aufkommen der jüdisch-messianischen Bewegung seit Ende der 1960er Jahre gekommen. Dieser Neuanfang der Be­we­gung sei auf dem Hintergrund der Shoa geschehen, des nationalsozialistischen Genozids an der jüdischen Bevölkerung in Europa, der zwar zusammen mit der sonstigen jü­dischen Bevölkerung auch die he­bräisch-christlichen Gemeinden fast ausgelöscht, andererseits aber die Identifikation der überlebenden hebräi­schen Christen mit dem Judentum deut­lich verstärkt habe. Zum eigentlichen Neu­anfang der Bewe­gung kam es jedoch von ganz anderer Seite her, und zwar im Rahmen der Jesus-People-Bewegung un­ter den Hip­pies in Kalifornien Ende der 1960er Jahre. Etwa 30% der bekehrten Stu­denten und Jugendlichen seien jü­disch gewesen. Diese Anfänge hätten zunächst in den USA, dann auch in Europa und Israel zu einem großen zah­lenmäßigen Aufbruch und einer Revi­ta­li­sierung und Verschmelzung mit der äl­te­ren Bewe­gung geführt. Erst in diesem Zu­sam­men­hang habe sich nun auch im­mer stärker die Praxis der Feier jüdischer Feste als Ausdruck jüdisch-christlicher Iden­tität im Unterschied zu nicht-jüdi­schen Chris­ten entwickelt und sei zum Durch­bruch gelangt. Dabei betonten jüdische Chris­ten, dass es sich dabei weni­ger um jüdische, als „biblische Feste“ handelt – im Unterschied zum christ­lichen Fest­kalender, der nach­bib­lisch ist. In der Be­wegung ließen sich drei Sichtweisen un­ter­scheiden: 1. mes­sia­nische Juden sollen nur die biblischen (und nicht die christ­lichen) Feste be­ge­hen, 2. sie können darüber hinaus auch die christ­lichen Feste feiern, 3. auch nicht­jüdische Chris­ten sollten zu den biblischen Festen zurückkehren (179).

Das 4. Kapitel (193-288) bietet eine de­taillierte Analyse der liturgischen Fest­praxis (Sabbat, Passah, weitere Feste). Untersucht wird der liturgische Kalen­der, die inhaltliche Bedeutung der Feste, die rituelle Praxis und die Moti­va­tion/ Ziele der Feiern. Das 5. Kapitel (289-361) diskutiert diese Praxis aus missio­logisch-theologischer Perspektive. Der Au­tor belegt hier überzeugend seine The­se, dass der ausgesprochen missio­na­rische Charakter der Bewegung, das In­te­res­se und die Integration des jü­di­schen Erbes verstärkt hat und zu einer ver­tieften Inkulturation und Kon­tex­tua­li­sierung geführt hat. Dabei versteht der Autor die mes­sia­nisch-jüdische Fest­praxis durchaus als Restoration jüdischer Wurzeln, aber mehr noch als Inkul­tu­ration im Kontext ge­genwärtiger jüdi­scher Religion und Kultur mit dem Ziel, Juden zum Glauben an Jesus einzuladen. Die Feste seien einer­seits „boundary mark­ers“ gegenüber anderen christlichen Traditionen, viel­mehr aber der Versuch, das Evangelium für jüdische Menschen vertraut und heimisch zu machen.        

Der Anhang des Buchs enthält eine kom­parative Tabelle biblischer, jüdischer und christlicher Feste, einen Namens- und Sachindex und eine Bibliographie. Ein empfehlenswertes Buch für alle, die sich näher mit der messianisch-jüdischen Be­wegung und grundlegenden Fragen der Kontextualisierung und inter­kul­tureller Hermeneutik befassen wollen.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2009-2.

Pollock, David C.; Ruth E. Van Reken. The Third Culture Kid Experience. Growing up among Worlds. Intercultural Press: Maine/USA, 1999.

Vor einigen Wochen bekomme ich einen Brief aus Afrika. Die Absenderin empfiehlt mir wärmstens ein Buch. Ich bin überrascht, denn gerade bin ich dabei, genau dieses Buch zu le­sen. Vor kurzem in Amerika erschienen, hat dieses Buch über Missionarskinder (MK) be­reits ferne Winkel dieser Erde erreicht. So liegt eine Empfehlung in „em“ nahe.

Schon der Titel „The Third Culture Kid Expe­rience. Growing up among worlds“ beeindruckt mich. Er spiegelt meine Erfahrung wider, und ich war gespannt auf die Beschreibung.

Als erwachsenes MK, mit einer denkbar guten MK-Vergangenheit, fühle ich immer noch eine innere Unrast. Mich in Deutschland festzuset­zen, erscheint mir ‘verwerflich und komisch’. Wie verbindet sich dieses Lebensgefühl mit meinem Christsein? Eine Frage, die nicht ein­fach zu beantworten ist. Was ist Gottes Ruf?

Ehrliche und direkte Sachlichkeit und viel­
schichtige Differenzierung werden mit einem persönlich gehaltenen Stil verbunden. Third Culture Kids (TCKs) brauchen sich auf Dauer weder als exotische Außenseiter, noch als ‘Missionsopfer’ zu verstehen, auch wenn diese Rollen phasenweise unser Leben begleiten. Pollock und Van Raken fordern heraus, „gegen das Verdrängen“ anzudenken. Mit viel Realis­mus für unsere Biographien zeigen sie Chan­cen und Möglichkeiten, den Reichtum an Erfah­rung (= erfahrener Reichtum) hoffnungs­voll in das weitere Leben zu investieren.

So ein ein positiver Ansatz ist wohltuend. Es geht hier nicht um das inzwischen schon klas­sische ‘Problem MK’, sondern einfach um das (Er-)Leben von TCKs.

Beim Lesen wurde ich oft 15, 25 ja 30 Jahre in die eigene Vergangenheit mitgenommen. Viel Erkennen unter Lachen und Weinen, verstan­den werden, aufatmen - und dann ein tiefes Ge­fühl der Dankbarkeit für die Mühe der Autoren bleiben mir schon nach dem ersten Lesen die­ses Buches.

Magdalene Hopp, em 2000-2.

Porter, David (Hg.). The Word on the Box. Carlisle: Paternoster Press, 1997.

„Wenn jemand voraussagen wollte, wie die Radio- und Fernsehlandschaft in zehn Jahren aussieht, ist nur eines gewiß: Was immer je­mand vorhersagen mag, es wird sich als falsch herausstellen“ (Justin Phillips, BBC). Dennoch wagen Philipps und vier weitere in der briti­schen Medienszene bekannte Fachleute Analy­sen und Prognosen. David Porter hat redaktio­nell bearbeitet, was die fünf im Mai 95 in den ‘London Lectures’ des ‘Institute of Contem­porary Christianity’ zusammengetragen haben. Auch wenn die Redner bzw. Autoren aus­schließlich von Erfahrungen und Trends aus­gehen, die britische Radio- und Fernsehsen­dungen betreffen, bleibt es dem Leser in Zen­traleuropa überlassen, Vergleiche anzustellen mit dem heimischen „Markt“. Daß die Veran­stalter von Radio- und Fernsehsendungen ihr Publikum als großen Markt betrachten, erfah­ren inzwischen ja auch wir zur Genüge.

Robert McLeish (Ausbildungsleiter bei BBC) stellt die Frage, ob der öffentlich-rechtli­che Rundfunk Diener oder Leiter ist. Die Ant­wort liegt auf der Hand: er ist beides; das be­gründet McLeish auch. Man wünscht sich sehr, daß sein Rat von verantwortlichen Medienleu­ten befolgt wird: „Glaubwürdigkeit ist wichti­ger als die Kosten.“ Eine leitende Funktion ha­ben Radio und Fernsehen, weil sie nicht nur zu berichten haben über das Was, Wann und Wo, sondern auch über das Wie und Warum.

Aufschlußreich ist J. Philipps mit seinem Beitrag „Sind ‘mehr Nachrichten’ eine gute Nachricht?“ Er nimmt Stellung zu der auch hierzulande bekannten Abhängigkeit von der Einschaltquote und dem sträflichen Vergehen der Verantwortlichen, nicht Inhalt und Qualität einer Sendung gelten zu lassen, sondern die Einschaltquote zum alleinigen Gradmesser zu machen.

Auf dem Symposium wurde auch über die künftige Entwicklung der elektronischen Me­dien gesprochen. Nur wenige wissen in Groß­britannien (und auch bei uns), was auf die Ge­sellschaft zukommt. Die meisten ahnen nichts von der elektronischen Revolution, die längst begonnen hat. Christen müssen aufpassen, daß die Entwicklung nicht an ihnen vorbeiläuft!

Im letzten Beitrag wird die Frage gestellt, ob „religiöse Sendungen“ für die ganze Nation ge­eignet sind oder nur für ein Ghetto. Diese Überlegungen sind uns nicht unbekannt. Tim Dean (Commissioning Editor, BBC World Service) warnt z. B. davor, die Redaktion reli­giöser Sendungen Leuten zu überlassen, die keine Ahnung von der Sache haben. Weiter warnt er davor, religiöse Themen ihrer geistli­chen Inhalte zu entleeren bzw. den Glauben nicht ernstzunehmen, den es zu vermitteln gilt.

Diese fünf Vorträge von 1995 haben kaum etwas von ihrer Aktualität eingebüßt. Wer wis­sen will, was Christen in England über „ihren“ Rundfunk denken, und daraus Schlüsse ziehen möchte für unsere Medienlandschaft, der sollte zu diesem Buch greifen. Man wünschte sich vergleichbare Überlegungen auch für Radio und Fernsehen in unserem Land.

Horst Marquardt, em 1998-1.

Poston, Larry. Islamic Da’wah in the West. Muslim Missionary Activity and the Dyna­mics of Convention to Islam. New York / Oxford: Oxford University Press, 1992.

Dieses Buch ist eine der wenigen gelungenen Darstellungen muslimischer Missionstätigkeit in der westlichen Welt. Zum Titel muß aller­dings einschränkend bemerkt werden, daß Poston unter „the West“ eigentlich nur die USA versteht, deren Boden ca. 1717 die ersten mus­limischen Sklaven betreten haben. Gelegentlich wirft Poston einen Blick auf die Situation im benachbarten Kanada; die muslimische Mis­sion in Europa behandelt das Buch jedoch nicht.

Erfreulicherweise geht es in diesem Buch nicht nur oberflächlich um islamische Missi­onsstrategien, sondern auch um deren theolo­gischen Hintergrund. Grundsätzlich war in der Vergangenheit islamische Missionsarbeit da­durch gekennzeichnet, daß der ‚Ruf zum Islam’ an Nichtmuslime nur dort erging, wo das ent­sprechende Gebiet zuvor von muslimischen Truppen durch den jihäd erobert worden war, so daß sich der Islam als ‘Besatzerreligion’ in einer mächtigen Position befand. Christliche Missionare kamen dagegen vorwiegend in der unterlegenen Position des Gastes in oft feind­lich gesonnene Länder und versuchten, in einer nichtchristlichen Umwelt einzelne Menschen zum Übertritt zum Christentum zu bewegen. So bedeutete der Übertritt zum Islam in der Regel Anpassung und Vergünstigung, der Übertritt zum Christentum dagegen Auflehnung gegen das eigene Volk und Land und häufig Verfol­gung. Daß Muslime in den USA heute nicht in dieser politisch überlegenen Position sind, führt sie zu neuen Missionsstrategien.

Interessant und kenntnisreich ist ferner Postons Analyse sunnitischer und schiitischer muslimisch - missionarischer Gruppierungen. Ihre Wurzeln verfolgt er bis in ihre Herkunfts­länder, die die amerikanische muslimische Mission teilweise erheblich unterstützen. Die Darstellung der ägyptischen Muslimbruder­schaft und der pakistanischen Anhängerschaft Abu 1-A’lä al-Maudüdis in den USA zeigt die doppelte Stoßrichtung muslimischer Mission auf: Sie möchte Muslime zum missionarischen Leben motivieren sowie Nichtmuslime vom Islam überzeugen. Dies geschieht durch ver­schiedene Missionsorganisationen - die Poston im einzelnen nennt und beschreibt - und ihre breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit. Aktive Mission geschieht vor allem durch Literatur, aber auch durch Vorträge, Koranverbreitung, Medienarbeit, Jugendlager, Gefängnisarbeit und ‘Freundschaftsevangelisation’ unter ameri­kanischen Christen (!). Nicht Polemik, sondern positive Überzeugungsarbeit ist auch für muslimische Missionare das Gebot der Stunde. Moscheen sind nicht nur Gebetsräume, sondern nehmen als islamische Zentren vielfältige Funktionen wahr. Sie stärken die muslimische Gemeinschaft nach innen und sind der Aus­gangspunkt für verschiedene Aktivitäten nach außen. Den Abschluß des Buches bildet eine ausführliche Analyse der Hintergründe und Motive für die Bekehrungen zum Islam in Amerika, die sich unter anderem auf eine Befragung der ca. 5000 muslimischen Konver­titen in den USA gründet.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1995-4.

Pousson, Edward K. Spreading the Flame -Charismatic Churches and Missions Today. Grand Rapids: Zondervan, 1992.

Seitenlange Vorbemerkungen sowie etliche Leerseiten zwischen den zehn Kapiteln lassen den eigentlichen Text dieser vom Fuller Seminary angenommenen Dissertation auf 148 Sei­ten schrumpfen. Der Verfasser, Edward Pous­son, entstammt einer unabhängigen charismati­schen Gemeinde im Süden Louisianas (USA). Bevor er mit dem Theologiestudium begann, war er als Missionar seiner Gemeinde in Haiti, Ghana und Malaysia tätig. 1986 gründete er gemeinsam mit anderen die Missionsagentur „Golf-Staaten“, die von einem Netzwerk cha­rismatisch-unabhängiger Gemeinden im Süden der USA getragen wird. Sie gehört zur 1985 gegründeten US - Charismatischen Dachorga
nisation AIMS (Association of Internationa] Missions Services). Deren Geschichte und die zunehmende Vernetzung unabhängiger charis­matischer Gemeinden und Werke miteinander beschreibt der Autor. Zielsetzung seines Buches ist es, noch schlummerndes Missions-potential unabhängiger charismatischer Ge­meinden zu wecken. Pousson will außerdem einer entscheidenden charismatischen Schwä­che abhelfen: einer zu unreflektierten Mis­sionstheologie, die sich einseitig mit Zeichen und Wundern, Geistesgaben, Heilung und Erfolg beschäftigt (so ua. 49f 81, 105, 137, 150ff). Der Verfasser sieht sich als Brücken­bauer zwischen charismatischen Eiferern und soliden evangelikalen Missiologen. Dabei denkt er vor allem in den Bahnen der Gemein­dewachstumsbewegung und des strategischen Ansatzes von Ralph Winter.

„Spreading the Flame“ ist die erste Disserta­tion über die charismatischen Missionen. Die­sem Unterfangen, eine Tür zu einem bisher missionstheologisch kaum beachteten Thema aufzustoßen, muß man Respekt zollen. Aller­dings zeugen Wiederholungen (zB. 78, 83, 89, 107, 112) und redaktionelle Erläuterungen (zB. 114, 129, 136, 155) von einer nicht immer ein­deutigen Gliederung. Der Lesefluß wird durch die den einzelnen Kapiteln jeweils angehängten Fußnoten zusätzlich erschwert. Eine Bibliogra­phie fehlt leider völlig.

Joost Reinke, em 1995-2.

Powell, Philipp Wayne. Tree of Hate. Pro­paganda and Prejudices Affecting United States Relations with the Hispanic World. Ross House Books: Vallecito CA, 1985.

Ross House Books druckte 1985 das 1971 in einem großen säkularen Verlag (Basil, New York) erschienene Buch des kalifornischen Geschichtsprofessors Philipp W. Powell nach, in dem dieser versucht, die Legende zu wider­legen, die Spanier seien in der Kolonialisierung besonders grausam gewesen. Im Vergleich zu andern Völkern seien die Spanier, behauptet Powell, im Gegenteil sogar von ihren christli­chen Wurzeln her oft eher für einen juristischen Schutz der Indianer eingetreten als andere Völker. Das riesige spanische Weltreich gehörte zu den stabilsten, friedlichsten und deswegen am längsten währenden Reichen der Ge­schichte.

Diese Sicht beinhaltet auch eine Wertschät­zung der Geschichte eines von der römisch­katholischen Kirche geprägten Volkes und sei­nes Anteils an der Welt- und Missionsge­schichte, die dem protestantischen Amerika sonst fremd ist. Die evangelikale Missiologie hat sich mit der katholischen Missionsge­schichte immer schwer getan. Dies wird be­sonders daran deutlich, daß sie sich auch kaum mit der ‘katholischen’ Missionsgeschichte vor der Reformation beschäftigt, also mit der Mis­sion zu einer Zeit, als es protestantische Missi­on noch gar nicht geben konnte (vgl. dazu aber das Bestellangebot S.93).

Die These Powells wird neuerdings auch von anderer Seite häufiger vertreten, und zwar auch immer stärker von den Betroffenen Ein­wohnern Südamerikas selbst (so etwa von Felipe Fernandez-Armesto: „Freispruch für den Angeklagten“. Rheinischer Merkur Nr. 26 vom 26.6.1992. S.19, ganzseitig).

Thomas Schirrmacher, em 1993-3.

Priest, Doug Jr. Doing Theology with the Maasai. Pasadena: William Carey Library, 1990.

Priest war ein Jahrzehnt Missionar unter den Maasai in Kenya und Tanzania und hat die Maa-Sprache gelernt. Dabei war für ihn das Opferverständnis dieses Hirtenvolkes von zen­traler Wichtigkeit. In seiner Studie stellt er nun missionstheologisch und anthropologisch das Opferverständnis im AT und NT dem Maasai-Verständnis und ihrer Opferpraxis gegenüber. Die Unterschiede zeigen sich an den jeweiligen positiven und negativen Funktionen der Opfer.

Die positiven Funktionen biblischer Opfer sind auf Gott bezogen: Verehrung, Ergeben­heit, Gemeinschaft, Danksagung, Selbsthinga­be in Gebet und Leben, sowie Wohltätigkeit. Die negativen Funktionen dagegen betreffen die Sühnezwecke. Biblische Opfer involvieren tierische Opfer, materielle Gaben und reuevolle Herzen. Bei den Maasai sind Opfer Riten zur Kommunikation mit Gott, bei denen meist ein Tier geschlachtet wird. Ihre positiven Funktio­nen sind mit Verehrung Gottes und Danksa­gung verbunden, während negativ, wie in der Bibel, Sühne bezweckt wird. In einem weiteren Schritt versucht Priest durch verschiedene Methoden der Kontextualisierung das biblische Verständnis für die Maasai bedeutungsvoll zu machen. Ob ihm das gelungen ist, müssen Maasai beurteilen. Anderen Missionaren empfiehlt er, Riten, denen sie begegnen, erst einmal mit Umsicht und gründ­lich zu studieren, bevor sie ein Urteil darüber abgeben. Für die Maasai kommt er zum Ergeb­nis, daß nicht alle ihre Opfer abzulehnen sind, sondern einige auch weiterhin im Christentum praktiziert werden können, z.B. solche, die nur auf Gott ausgerichtet sind. Dies gilt jedoch nicht, wenn sie als Sühneopfer verstanden wer­den, weil Jesus das letzte Opfer ein für allemal war (Hebr 10,18). Darüberhinaus müsse den Maasai erklärt werden, daß der Segen Gottes nicht durch Opferverhalten erlangt wird, son­dern alles aus Gottes Liebe stammt, die in sei­nem Wesen begründet ist. Ein wertvoller Bei­trag für die Missionstheologie und die Arbeit unter den Maasai.

Leonard Mtaita, em 1994-1.

Raeder, Siegfried. Antworten auf den Islam. Texte christlicher Autoren vom 8. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Neukirchener Verlag: Neukirchen-Vluyn, 2006.

Der unlängst verstorbene Professor für Kirchen­geschichte und Lutherforschung an der Tübinger Evangelischen Fakultät hat in seinem letzten Werk eine umfangreiche Sammlung christlicher Verlautbarungen zum Islam aus 13 Jahrhunder­ten zusammengetragen. Das Buch ist nicht nur für einen historischen Blick in die Geschichte der christlich-muslimischen Kontroverse hilf reich, sondern bietet gerade auch durch die Be­leuchtung der Vergangenheit Pespektiven für den heutigen Dialog.

Nach einer Einführung in die Geschichte der christlich-muslimischen Kontroverse präsentiert Siegfried Raeder einige kürzere Korantexte, die dem Leser einen kleinen Einblick in die Rolle Muhammads, die koranische Beurteilung Jesu, sowie die islamische Auffassung von Sünde und Vergebung vermitteln. Im dritten und umfang­reichsten Teil des Buches werden schließlich Texte christlicher Autoren über den Islam im (ins Deutsche übertragenen) Original zitiert. Es wird deutlich, dass über mehrere Jahrhunderte die christlichen Kirchen den Islam als „Kult der Ismaeliten“ oder „Vorläufer des Antichristen“ (Johannes von Damaskus, Mitte 8. Jh.) zwar po­lemisch ablehnten, aber sich nicht wirklich fun­diert mit seinem Anspruch auseinander setzten. Der Islam galt als „primitiv“ und „lächerlich“, als „Häresie der Sarazenen“ (31), deren mora­lische Schwächen offensichtlich seien. Eine gründlichere Kenntnis des Islam ist erst ab dem Hochmittelalter zu verzeichnen. Einen Wende­punkt markiert die von dem Abt des Klosters Cluny, Petrus Venerabilis, 1142/1143 in Auftrag gegebene Koranübersetzung ins Lateinische, wurde doch jetzt die erste Quelle des Islam – der Koran selbst – zugänglich gemacht. Es war dies auch eine Zeit, in der die wissenschaftliche Überlegenheit des Orient für Europa offen­sichtlich wurde und der Gedanke der Not­wendigkeit von Mission unter Muslimen Gestalt gewann (so z. B. bei Raimundus Lullus, 1232­1316).

Siegfried Raeder fügt dieser Sammlung von Verlautbarungen aus den ersten Jahrhunderten repräsentative Stimmen der Christenheit bis zum 20. Jahrhundert hinzu (Martin Luther, Samuel Zwemer, Hendrik Kraemer). Schade, dass die neue „Handreichung“ der EKD „Klarheit und Gute Nachbarschaft“ vom Ende des Jahres 2006 nicht mehr in das im selben Jahr gedruckte Werk mit eingehen konnte und daher nur die ältere Fassung aus dem Jahr 2000 besprochen wird, die nach Raeders Auffassung „eher geneigt (war), Illusionen zu nähren als Klarheit zu schaffen“ (212). Man hätte auf die Beurteilung Raeders der neuen „Handreichung“ der EKD von 2006 gespannt sein können. – Insgesamt ein interessantes Studienbuch zur Geschichte der Begegnung zwischen Christen­tum und Islam.

Prof. Dr. Christine Schirrmacher, em 2007-3.

Raeder, Siegfried. Der Islam und das Christentum. Eine historische und theologische Einführung. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlagshaus, 2001.

Siegfried Raeder, Prof. em. für Kirchengeschichte an der Universität Tübingen, hat hier eine detaillierte, zweiteilige Studie zum Thema Islam und Christentum vorgelegt. In einem ersten Teil behandelt er die islamische Geschichte mit Ausblick auf einige islamische Länder in der Gegenwart, formuliert Grundzüge der islamischen Theologie, der Philosophie und Mystik und zeichnet Grundlinien des islamischen Rechts nach. In einem zweiten Teil widmet er sich dem Verhältnis zwischen Islam und Christentum und behandelt die einzelnen orientalischen Kirchen, die muslimisch-christliche Begegnung der ersten Jahrhunderte sowie einige der tiefgehenden theologischen Unterschiede zwischen beiden Religionen, die nicht zuletzt die Frage des Heils völlig unterschiedlich beantworten. Es ist Raeder gelungen, einen kompakten wie soliden Überblick über den Islam zu vermitteln, den er immer wieder im Spiegel des Christentums betrachtet. Deutlich erteilt der Autor dabei einer Religionsvermischung eine Absage, um den „Muslim einen Muslim und den Christen einen Christen sein zu lassen“. Ebenso deutlich kommt zum Ausdruck, dass der Islam ein ganz anderes, die Konvertitenverfolgung nicht ausschließendes Menschenrechtsverständnis hat.

Geringfügige Ungenauigkeiten (z. B. Himmelfahrt Marias [54]; Unterscheidung zwischen Imamiten und Zwölferschiiten [49]; Gründung der al-Azhar im 10. statt im 11. Jh.; Glaubensbekenntnis nicht korrekt [98]) schmälern den Wert der Studie in keiner Weise. Mehr zu bedauern ist es, daß das Thema „Koran“ nur hier und da ganz kurz gestreift, bzw. die Entstehungsgeschichte des Korans überhaupt nicht behandelt wird. Wenn daher für den Koran pauschal angenommen wird, es handle sich „um lauter authentische Worte Muhammads“ (211) - was nur für Muslime unumstritten ist - während einige von biblischen Texten selbst vorgenommene Datierungen und die Autorschaft einzelner Bücher als ‘vermeintlich bibeltreu’ abgelehnt werden, dann scheinen hier unterschiedliche Maßstäbe angelegt worden zu sein; eine Ausleuchtung der Textgeschichte des Korans hätte durchaus Ansatzpunkte zu umfassender Textkritik geboten. – In jedem Fall ein wertvolles Lehr- und Studienbuch zum Islam aus christlicher Perspektive.

Dr. Christine Schirrmacher, em 2003-1.

Ramachandra, Vinoth. Gods That Fail. Mo­dern Idolatry and Christian Mission. Car­lisle (GB): Paternoster Press, 1996.

Suchen Sie etwas Erholsames für den Ur­laub? Eine erbauliche, erfrischende Lektüre? Lassen Sie dann dieses Buch lieber im Schrank stehen. Ramachandra möchte uns nicht aufer­bauen, sondern beunruhigen. Er möchte uns nicht dazu ermutigen, wie bisher weiterzuma­chen, son­dern die Botschaft unserer evangeli­stischen Arbeit in Frage stellen. Die Welt for­dert von uns Relevanz. Ramachandra fordert biblische Wahrheit. Der moderne Mensch hat sich zu seinem eigenen Götzen erklärt. Die Botschaft der christlichen Mission tendiert oft dahin, den Götzen zu ernähren, anstatt ihn zu zerstören. Glaube ohne Buße wird zum Mittel, um mate­riellen Segen und eine jensseitige Le­bensversicherung zu erlangen und ist nicht mehr dankbare Hingabe an den Gott, der sich im Leben, im Tod und in der Auferstehung Jesu Christi offenbart. So wird ein Privatglaube gepredigt, der uns selber ergötzt, nicht aber die biblische Botschaft, die Konsequenzen fordert sowohl für unser privates Leben als auch für das öffentliche Leben, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft miteingeschlossen.

Es ist laut Ramachandra das Versagen der westlichen Thelogie, daß Gott von dem Platz verdrängt (displaced) wurde, der ihm gebührt. Nicht die Person und das Werk Jesu Christi stehen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit westlicher Theologen, sondern die Forderun­gen des Rationalismus und der philosophischen Apologetik. Die Naturwissenschaften, die ihre Berechtigung aus dem biblischen Schöpfungs­bericht ableiten, werden zur Begründung der Theologie herangezogen. Dadurch verliert die Theologie ihren Sinn und ihre Vollmacht, die Naturwissenschaften verlieren ihre Grundlage, ihre Moral und ihren Halt.

Ramachandra will uns zeigen, wie das christli­che Abendland sich von der Schrift ent­fernt hat, und möchte uns zu einer biblischen Welt­anschauung zurückführen. Er untersucht die Entfernung von der Schrift durch die verschie­denen Philosopien und erläutert den Einfluß von Marx und Freud auf das christliche Den­ken, sowie die Unterschiede ihrer Ansätze zur biblischen Offenbarung. Damit liefert Rama­chandra einen wichtigen Denkanstoß für die moderne Gemeinde Jesu.

Cambron Teupe, em 1998-2.

Rapold, Walter F. Der Gott, der abends heimkommt. Die Inkulturation des christlichen Gottesbegriffs in Rwanda durch Ernst Johanssen (1864-1934) anhand der Imana-Vorstellung. Volketswil, 1999.

Das vorliegende Buch ist die von der Universität Freiburg/Schweiz 1997 im Fach Missionswissenschaft angenommene Dissertation Walter Rapolds, der 1975-79 und 1986-92 in Butare Theologie unterrichtete. Es ist ein beeindruckender Beitrag zur kontroversen Diskussion über afrikanische Gottesbilder, der von der Entscheidung des Betheler Missionars Ernst Johannssen ausgeht, Gott nicht, wie es die vor ihm angekommenen katholischen Missionare getan hatten, mit dem aus dem Swahili übernommenen Wort Mungu zu übersetzen, sondern mit dem Kinyarwanda Begriff Imana (worin ihm 60 Jahre später die katholische Kirche folgte).

Die Arbeit profitiert davon, dass der Autor alle drei nötigen Quellensprachen beherrscht. So kann er sowohl eine über das bisher geleistete hinausgehende Darstellung des Lebens und Denkens Johanssens geben als auch alle vorhandenen Quellen über Imana verwenden und neue nutzen. In diesem Prozess setzt er sich mit zwei Extrempositionen auseinander, zum einen mit Bernardin Muzungu, der unter Nutzung der scholastischen Theologie in den traditionalen Imanabegriff zu viele Elemente rückwirkend hineininterpretiert und mit André Coupez, der das traditionale Verständnis Imanas auf eine diffuse Kraft, praktisch immer mit „Chance“ übersetzbar, reduziert. Rapold argumentiert, dass Johanssen Gott nicht mit Imana übersetzt habe, sondern Imana, im Sinne Paul Ricoeurs, als Metapher verwende, die das traditionale Gottesverständnis mit dem christlichen in Beziehung setzt (S. 434f) und dadurch eine Neuprägung des Begriffs und seine Bereicherung ermöglicht, ein Prozess, der auch stattgefunden hat, sichtbar daran, dass rwandesische Theologen wie Alexis Kagame weite Bereiche des christlichen Gottesverständnisses in die traditionale Zeit zurückprojizieren.

Nach ausführlicher Darstellung und Diskussion der Quellen und der unterschiedlichen Interpretationen fragt Rapold, ob die Wahl Imanas für Gott berechtigt und geschickt gewesen sei. Er antwortet, dass Johanssen überlegt und mit guten Gründen den eher diffusen Begriff Imana gewählt habe und die (von Johanssen vorausgesehene) Anreicherung und Korrektur des Imanaverständnisses auch tatsächlich stattgefunden habe, wenn auch einige nichtchristliche Vorstellungen (z.B. Imana als unabwendbares und oft willkürliches Schicksal) noch Wirkmächtigkeit behalten haben.

Rapold beklagt aber, dass in diesem Prozess die starken dynamischen Aspekte des Imanaverständnisses nicht genügend bewahrt worden seien, was durch eine Aufnahme des Ruach-Verständnisses im AT gut hätte geschehen können. Rapold schliesst daraus, dass es rückblickend vielleicht besser gewesen wäre, wenn Johanssen für Gott Vater das Wort Rurema (oft als Schöpfer gesehen und nicht klar von Imana getrennt) genutzt hätte und Imana, der ja stark als Kraft gesehen wurde, als Metapher für Gott den Heiligen Geist genommen hätte. Da es für eine Änderung zu spät ist, empfiehlt Rapold, in Predigt und Lehre dem Heiligen Geist und seiner Kraft (aufbauend auf Ansätzen aus der Ostafrikanischen Erweckung und aus der Charismatischen Bewegung) besondere Aufmerksamkeit zu schenken und dazu geeignete Linien aus dem traditionalen Imana-Verständnis zu nutzen.

Ich empfehle das Buch gerne allen, die Johanssen oder Rwanda besser kennenlernen wollen, aber besonders denen, die sich mit den Möglichkeiten des afrikanischen Gottesverständnisses genauer auseinandersetzen wollen.

Um die grosse Arbeit besser zugänglich zu machen, empfehle ich eine französische Ausgabe und ein Buch in Kinyarwanda (über vernachlässigte Aspekte des Imanaverständnisses). Es wäre auch eine Erleichterung gewesen für die Leser, wenn englische und französische Zitate ins Deutsche übersetzt worden wären.

Das Buch kann direkt bei der Buchhandlung des Studienzentrums der AEM, Postfach 1129, 70807 Korntal, e-mail: icb@aem.de bezogen werden; für sFR. 49.90 bei W.F.Rapold@pop.agri.ch.

Klaus Fiedler, em 2003-1.

Raupp, Werner (Hg.). Gelebter Glaube. Er­fahrungen und Lebenszeugnisse aus unse­rem Land. Ein Lesebuch. Metzingen: Franz, 1993.

Der neueste Titel von G. W. Peters - Förder­preisträger Raupp enthält unter 49 biographi­schen Lese-Stücken zu württembergischen Glaubensvorfahren auch 7 zur Mission: Johann Martin Mack, Christian Gottlob Barth, Würt­temberg und Basel, Samuel Hebich, Johann Ludwig Krapf, Friedrich Autenrieth und Karl Hartenstein. Doch auch andere Beiträge erhel­len den Hintergrund, aus dem ein wichtiger Beitrag zur deutschen Missionsarbeit hervor­gegangen ist. Die aus Archiven und Büchern geschöpften Stücke sind teilweise zum Vorle­sen in Missions- und Gemeindekreisen geeig­net. Am meisten schmunzeln mußte ich über Hebich, vor dem sich ein englischer Major in Indien unter dem Sofa verkroch.

Christof Sauer, em 1994-2.

Raupp, Werner. Christian Gottlob Barth: Studien zu Leben und Werk. Quellen und For­schungen zur württembergischen Kirchen­geschichte Bd. 16. Calwer Verlag: Stuttgart, 1998.

Christian Gottlob Barth gehört zu den großen Gestalten des württembergischen Pietismus, auch wenn er im Schatten seiner Zeitgenossen, Ludwig Hofacker (1798-1828) und Johann Christoph Blumhardt (1805-1880) steht. Wie Friedrich Hegel, Christian Friedrich Spittler und Wilhelm Hoffmann gehörte auch C.G. Barth, Schriftsteller, Pädagoge, Naturforscher und Verleger zu den Nachkommen der Glau­bensflüchtlinge, die in Württemberg eine neue Heimat fanden.

Durch ein gründliches Quellenstudium rückte Raupp mit diesem hervorragenden Buch den Vertreter der Erweckungsbewegung in ein helleres Licht und schrieb ein bemerkenswertes Kapitel der reichen Geschichte des württem­bergischen Pietismus und der deutschen Er­weckungsbewegung. Nach einem allgemeinen Überblick, der bis zu seinem Tod (1862) reicht, schildert Raupp das Leben des die Grenzen des württembergischen Königreichs überschreiten­den Barth. Im zwei­ten Kapitel beschreibt Raupp kritisch als Barths traditionsgeschicht­lich-biographisches Umfeld den klassischen Pietismus ablösenden württembergischen Spät­pietismus (ca. 1780-1815) von der Zeit der Französischen Revolu­tion bis zur Neugliede­rung Württembergs nach Napoleon.

Die ersten 25 Lebensjahre lassen sich in drei große Phasen einteilen: Kindheit und Jugend­zeit in Stuttgart, wo Barth durch das Elternhaus und den Pietismus unauslöschliche Eindrücke empfängt. Dem folgt die Studienzeit in Tübin­gen (1817-1821) im Evangelischen Stift, einer der wichtigsten Keimzellen der württembergi­schen Erweckung und Ort einer hervorragen­den Ausbildung.

Im Schlußkapitel stellt Raupp als zweiten Schwerpunkt Barths Werke, Lieder und Peri­odika in einer eindrucksvollen Weise dar und dokumentiert die große Arbeitskraft Barths und seine Wirkungsgeschichte. Das neue aus Lite­ratur und Forschung gewonnene Barth-Bild geht weit über die bisherigen Hauptbiographien hinaus, indem es Barths theologische und mis­siologischen Werke kritisch untersucht und mit knappen Erläuterungen einführt. Es be­schreibt den Volks- und Jugendschriftsteller, Dichter, Publizist und Verleger und zeigt Barth als „eifrigen Förderer der Naturwissenschaften“, wegen seiner „wohl in der Welt einzig daste­henden Sammlung von Expona­ten aus dem Gebiet der Fauna und Flora, wie auch der Eth­nologie und Paläontologie.“

„Gottes Reich in Stuttgart“ prägte das Den­ken dieses schwäbischen Querdenkers, der zeitle­bens unverheiratet blieb, weil er keine Zeit zum Heiraten fand und vor untätigem „Quietismus“ warnte. Sein Blick ging jedoch weit über die Grenzen Württembergs hinaus. So wurde er zum Förderer der internationalen und die Konfessionsgrenzen sprengenden Bas­ler Mission. Barth war eine schillernde Persön­lichkeit. Der imposante und bewunderte „Reich-Gottes-Streiter“ galt als „Sonderling“ und „pietistischer Zyklop“. Er war geistreich und entschlossen und weihte sein Leben „der Ver­herrlichung des Wortes Gottes“. Barth war überzeugt: „Gottes Reich kommt in Kürze“. Dem rational denkenden Theologen war „die ganze Bibel und nichts als die Bibel“, Standort seines Denkens, Handelns und Le­bens. Durch eine „wunderbare Verwandlung“ entstehe der effektiv gerechtfertigte Mensch. Sich selbst be­zeichnete Barth als „kleinen Gott“ und „als un­nützer Knecht“, der „Gott hel­fen darf“, aber nicht einmal tue, was er zu tun schuldig sei.

Der schwäbische Reich-Gottes-Arbeiter wur­de zu einem der größten und bedeutendsten Un­ter­nehmer und Schriftsteller des 19. Jahr­hun­derts. Über 600 Schriften und Beiträge, an die 250 veröffentlichten Lieder und über 50 Ge­dichte, sowie 9 Periodika, an denen er als Be­gründer und Fortführer maßgeblich beteiligt war, gehen auf ihn zurück. Die eigentliche Größe des mit einem Bein im theokratischen „Altwürttemberg“ und mit dem anderen im verweltlichenden „Neuwürttemberg“ stehenden Barth, war seine Glaubwürdigkeit. Sie machte Barth zum Vorbild eines pietistisch gesinnten Christen und zu einer der herausragenden Ge­stalt der Erweckungsbewegung der württem­bergischen Kirche und Landesgeschichte.

Werner Raupp hat mit dieser gründlichen wis­senschaftlichen Arbeit einen wertvollen Bei­trag zur Geschichte Württembergs und der ge­samten Missionsgeschichte geliefert.

Prof. Dr. Karl Rennstich, em 1999-4.

Raupp, Werner. Mission in Quellentexten. Geschichte der Deutschen Evangelischen Mis­sion von der Reformation bis zur Weltmissi­onskonferenz Edinburgh 1910. Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell; Verlag der Evang.-Luth. Mission, Erlangen 1990.

Mit diesem Dokumentarband ist endlich eine bereits seit Jahrzehnten (!) bestehende emp­findliche Lücke der kirchengeschichtlichen und missionswissenschaftlichen Forschung ge­schlossen. Zum ersten Mal gibt es damit eine umfassende Zusammenstellung repräsentativer Quellen der Geschichte der älteren deutschen evangelischen Mission, die bekanntlich von der Reformation bis zu ihrem Einmünden in die internationale Missionsbewegung bei der Weltmissionskonferenz Edinburgh 1910 reicht, mit der das Zeitalter der Ökumene be­ginnt. Aus diesen vier Jahrhunderten hat der Herausgeber, der Kirchengeschichtler Werner Raupp, eine imponierende Fülle an Material zusammengetragen, das auch die Judenmission (z.B. S.448-455 Franz Delitzsch und Gustaf Dalman) und wirkungsgeschichtlich relevante außerdeutsche Beiträge (z.B. S.61-63 Hadrian Saravia; S.301-304 Hudson Taylor) ein­schließt.

Mit Ausnahme der Beiträge des 16. und 17. Jahrhunderts werden die deutschsprachigen Texte im Original wiedergegeben; fremd­sprachliche Quellen – aus dem Lateinischen, Englischen, Französischen und Jiddischen – sind übersetzt. Die Texte, die Raupp mit ein­leitenden Erläuterungen hilfreich kommen­tiert, umfassen Dokumente der Missionstheo­rie (theologische und missiologische Konzepti­on, Vorträge, kirchliche Erlasse, Utopien) als auch der missionarischen Praxis (Erlebnisbe
richte, Aufrufe, Predigten, Tagebuchaufzeich­nungen). Auswahl und Vielfalt attestieren dem Herausgeber eine profunde Kenntnis der Quel­lenlage, was sich nicht zuletzt an der Berück­sichtigung mehrerer Archivalien und Autogra­phen zeigt (z.B. S.51: Missionsfürbitte aus dem Jahre 1582). Selbst verschollen geglaubte Schriften, die der Herausgeber wieder auffand (z.B. S.238 - 240: Traktat der London Missionary Society von 1798, das zur Gründung des ersten Missionsvereins führte), werden zu­gänglich gemacht. Beachtenswert ist auch die große Anzahl der Erstveröffentlichungen in deutscher Sprache (vgl. bes. S.127-133: G. W. Leibniz) und die zu den Texten angegebe­ne Sekundärliteratur, die eine noch nie dage­wesene Bibliographie zur Missionsgeschichte darstellt. Das Werk ist sorgfältig gearbeitet und hält wissenschaftlichen Ansprüchen stand. Allerdings vermißt man (!) ein für ein solch umfangreiches Werk notwendiges Register.

Einen verhältnismäßig breiten Raum finden Texte aus den missionslosen ‚saecula obscura’ (Vorwort S.ll), dem 16. (S.13-59) und dem 17. Jahrhundert (S.61-126), wobei die Refor­matoren ausführlich zu Worte kommen. Be­deutsam aus diesem Zeitalter sind vor allem die Aufrufe und originellen Pläne von Para-celsus, Justinian von Welz und Arnos Comenius sowie der in Vergessenheit geratene erste protestantische Missionsversuch von 1557 in Brasilien. Aufschlußreich sind auch die im 17. Jahrhundert nicht verstummenden Einwen­dungen römisch-katholischer Kontroverstheo­logen, die die passive Haltung der evangeli­schen Kirchen zur Mission „zu Recht“ (Hg, S.71) heftig kritisierten. Repräsentativ sind auch die Texte des 18. Jahrhunderts (S.127-229). Sie umfassen neben Leibniz und den beiden ersten protestantischen Missionsgesell­schaften, der Dänisch-hallischen und der Herrnhuter, unter anderem auch die Aufklä­rung (Semler, Reimarus) sowie die deutsche Klassik (Goethe, Herder). Das 19. Jahrhun­dert (S.231-462), das auch als das Große Missionsjahrhundert in die Geschichte einging, beginnt mit der deutschen Erst­veröffentlichung von Auszügen aus William Careys klassischer Schrift Enquiry into the punkten, Arbeitsgebieten, Stellung des Mis­sionars und Missionsstrategie gegenüberge­stellt. Dies führt abschließend zu einer Dar­stellung von Zukunftsplänen und einer Analy­se von Faktoren, die Gemeindebau fördern bzw. hindern. Nach Bömer soll Evangelisa­tion auf die Sättigung des Landes mit lebendi­gen Gemeinden zielen. Der Anhang macht fast das halbe Buch aus: Quellentexte, Statistiken, Gemeindeordnungen und Satzungen, wichtige Briefe etc. Der Leser erhält einen guten Über­blick über die geistliche Situation Österreichs, insbesondere über Freikirchen. Auf Grund der Vielfalt werden andere Konfessionen und Gruppierungen nur kurz gestreift. Seit dem Erscheinen des Buches ist der Bund Evangeli-kaler Gemeinden gegründet worden, ebenso neue Gemeinden. Gewünscht hätte ich mir an manchen Stellen eine bessere Darstellung der Gemeindeaufbaumethodik sowie ein Register. Dennoch ist es ein nützliches Studienbuch für freikirchliche Gemeindegründer.

Dieter Trefz, em 1992-4.

Reifler, Hans Ulrich. Handbuch der Missiologie. Missionarisches Handeln aus biblischer Perspektive, Edition afem, mission academics 19. Nürnberg: VTR, 2005.

Während die erste Fassung in Schulen und Gemeinden gelesen wurde und ihre Wirkung hatte, schrieb Hans Ulrich Reifler für seinen Unterricht am theologischen Seminar St. Chrischona konsequent an seinem Buch weiter. Er integrierte jetzt auch deutsche Literatur (auch aus der edition afem und Artikel aus em), nahm weitere Themen auf, vertiefte und erweiterte die bisherigen. Ich möchte das neue Buch hier lediglich kurz vorstellen. Das neue umfangreiche Werk von 650 Seiten ist eher ein Nachschlagewerk und beansprucht, ein Handbuch zu sein. Es behandelt wichtige Themen, wenn man sie hier auch in einer eigenen Systematik eingeordnet findet. Das Kapitel Einführung in die Missiologie zählt ca. 55 Seiten, wobei Begriffe definiert und erklärt werden, Aufgabe und Umfang besprochen und das Verhältnis zur „übrigen“ Theologie untersucht werden. Das Kapitel Missionstheologie umfasst 65 Seiten und bespricht Sinn und Zweck, Ursprung, Fundament, Inhalt, Begründung, Adressat, Träger, Ziel und Ende der Mission. Missionsgeschichte ist der größte Teil des Buches, unterteilt nach Zeitepochen in 15 Kapitel mit insgesamt ca. 175 Seiten. Hier findet man die neueren Missionsverständnisse und die Entwicklung der evangelikalen Missiologie. Vergeblich sucht man hier neben Peter Beyerhaus, Klaus Bockmühl, George W. Peters, der AEM und der Schule in Korntal den Arbeitskreis für evangelikale Missiologie und andere Initiativen. Dagegen sind wichtige Konferenzen und Erklärungen zusammengefasst. Unter Missionsanthropologie (ca. 85 Seiten) werden die Herausforderungen von Mission und Kultur sowie Denkansätze in Kulturen, Sprachen und Gesellschaften besprochen. Kulturschock, Akkulturation und Kulturveränderung dürfen hier nicht fehlen. Ein Exkurs zur Frauenbeschneidung soll als Beispiel der Auseinandersetzung dienen. Mission im Zeitalter der Globalisierung ist ein wichtiges Kapitel, dem 22 Seiten gewidmet sind. Entstehung, Merkmale und Herausforderungen für die Mission sind hier besprochen. Die Interkulturelle Kommunikation umfasst 32 Seiten, wobei die Diskussion der Geschichte, Begründung und Sprachen in die Kontextualisierung einmündet. Dafür werden Modelle und Beispiele vorgestellt und die Methode des Geschichtenerzählens für das Verständnis des Evangeliums erwähnt. Missionsstrategie erhält 35 Seiten. Die Begründung, Entstehung münden in Modelle und Entwicklung von Strategien ein, wofür dann Beispiele gegeben werden, vor allem für die Gemeindegründung. Die Wege in die missionarische Praxis wenden sich an Interessenten, Kandidaten und Missionare selbst. Die Berufung und deren Bestätigung, Situationen im Missionsdienst, Voraussetzungen, aber auch Hindernisse erhalten hier ihren Platz.

Dann folgen die Missionsgemeinde, Missionarskinder und die sinnvolle Gestaltung des Heimataufenthaltes. Nach der online-Verbindung mit Freunden wird diskutiert, wie Paulus seine Missionsarbeit finanzierte. Dabei werden Kostenvergleiche mit Missionaren aus der Zweidrittelwelt angestellt und die Funktion gemeinnütziger Organisationen diskutiert. Member Care und Geistesleitung schließen das Kapitel ab.

Das letzte Kapitel (30 Seiten) enthält Übungen zu den Texten der Lausanner Bewegung von 1974 und 1989, wobei auch Horst Marquardt zu Wort kommt. Das Forum 2004 in Thailand schließt diese Diskussion ab. Weiterführende Literatur und didaktische Fragen nach jedem Kapitel sind wertvoll und regen zur Verwendung in den Schulen und Gemeinden an.

Eine intensive Diskussion, Bewertung dieses Buches sowie eine Auseinandersetzung damit erscheinen zwingend erforderlich. Der wissenschaftliche Tiefgang, die Relevanz für die Praxis sowie die Gewichtung durch den Umfang, die Einordnung der Themen und Verarbeitung der Literatur fordern geradezu zur Diskussion unter Fachleuten heraus.

Andererseits sind hier in einem Band für unsere Zeit wichtige Informationen angeboten, die man sich sonst in vielen anderen Büchern zusammensuchen muss. Wie schon angesprochen, wünsche ich Gemeinden und den Schulen, in denen die erste theologische Grundlage gelegt wird, diese Lektüre.

Prof.Dr. Klaus W. Müller, em 2006-1.

Reifler, Hans Ulrich. Missionarisches Han­deln am Ende des 20. Jahrhunderts. Eine Einführung in die Missiologie. Brunnen Ver­lag: Giessen, 1997.

Mit diesem Buch legt der langjährige Brasi­lienmissionar Hans Ulrich Reifler den beach­tenswerten Versuch vor, in einem einbändigen Werk eine „praxisbezogene und allgemeinver­ständliche Einführung in die wichtigsten Berei­che der Missiologie zu geben“ (S. XIII). Ent­standen ist das Buch aus dem Missiologie-Un­terricht, den Reifler neben seiner Tätigkeit als Gemeindeleiter nach seiner Rückkehr in die Schweiz am Theologischen Seminar St. Chri­schona erteilte. Nach einer Einführung in die Prolegomena zur Missiologie stellt Reifler das Erbe der deutschsprachigen Missiologie dar. Dem Kapitel über Missionstheologie folgen die Bereiche „Missionsanthropologie“ und „transkulturelle Kommunikation“. Danach geht Reifler auf Fragen der Missionsstrategie und der Missionspraxis ein. Abschließend stellt er die ihm wesentlich erscheinenden „Kennzeichen einer evangelikalen Missiologie für das 21. Jahrhundert“ dar (11 S.).

In den meisten Kapiteln gibt Reifler zu den jeweils angesprochenen Themen kurz zusam­mengefaßt die maßgeblichen Gedanken füh­render evangelikaler Missiologen wieder. Die die jeweiligen Kapitel abschließenden „didaktischen Fragen“ zur Wiederholung des Stoffes und der Hinweis auf „weiterführende Literatur“ lassen den Ursprung des Buches als Lehrkonzept an einem Theologischen Seminar erkennen.

An einigen Stellen des Buches läßt der Au­tor den Leser mit der bloßen Zusammenstel­lung verschiedener Stellungnahmen aus der Literatur allein, so z. B. bei der Frage, welche Voraussetzungen für den Missionsdienst wich­tig seien (S. 219ff.) Eine zusammenfassende Synthese oder persönliche Stellungnahme des Autors wäre an solchen Stellen wünschenswert gewesen.

Dadurch, daß Reifler den mutigen Versuch wagt, auf nur 288 Seiten eine Einführung in die wichtigsten Bereiche der Missiologie zu geben, ergeben sich vom Unfang des Stoffes her gese­hen einige Fragen: Kommen z. B. in den kürze­ren Kapiteln über Missionsanthropologie (24 S.) und Transkulturelle Kommunikation (12 S.) nicht manche Themen zu kurz? So wird z. B. die in der Praxis so entscheidende Frage „Wie denken und fühlen Menschen in unterschiedli­chen Kulturen?“ lediglich auf zwei Seiten ab­gehandelt. Abgerundeter wirkt hingegen das umfangreichere Kapitel über „Das Erbe der deutschsprachigen Missiologie“ (56 S.), das wertvolle Einblicke vermittelt.

Dem Buch wäre von daher in einigen Berei­chen eine Erweiterung (vielleicht auf die im Vorfeld der Veröffentlichung angekündigten 400 S.) und eine weitere Überarbeitung auch im Hinblick auf einige stilistische Mängel - zu wünschen. Eine Bibliographie, die die gesamte in den Fußnoten aufgeführte Literatur enthält, sollte zudem unbedingt am Ende des Buches abgedruckt werden.

Besonders wertvoll macht Reiflers Buch, daß ihm immer wieder die Praxiserfahrung des Autors und sein brennendes Herz für das An­liegen der Mission abzuspüren ist. So kann man das Buch zurecht als eine „hilfreiche und motivierende Einführung“ (S. XI) in die Mis­siologie bezeichnen. Missionare, Missionskan­didaten, Bibelschüler, aber auch andere an der Mission interessierte Christen werden es mit Gewinn lesen.

Andreas Baumann, em 1998-2.

Reinhardt, Wolfgang. Das Wachstum des Gottesvolkes. Biblische Theologie des Ge­meindewachstums. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1995.

Wolfgang Reinhardt analysiert in seiner Dis­sertation das Wortfeld „Wachstum des Gottes­volkes“ im Alten und Neuen Testament und exegeti­siert dann ausführlich alle damit zu­sammenhängenden Texte der Apostel­geschichte und des lukanischen Werkes über­haupt. Es ist faszinierend zu sehen, wie häufig dieses Thema in der Bibel angesprochen wird und ebenso erstaunlich, wie oft es heute über­lesen wird. Es sei gestattet, in ei­ner missiologi­schen Zeitschrift die lingustischen und exegeti­schen Metho­den, die Reinhardt anwendet, un­diskutiert zu lassen und gleich auf den in 19 Thesen ausführlich entfalteten systematischen und praktischen vier­ten Hauptteil hinzuweisen (S. 308-350), der – für eine Dissertation heut­zutage ungewöhnlich – direkt von Lukas immer wieder die Linie bis heute zieht. Reinhardt kommt zu dem Ergebnis, daß Lukas den Wachstumsge­danken aus dem Alten Testament übernimmt und dabei die hervorragende Be­deutung des Wortes und der Verkündigung für das Wachstum der Kir­che unterstreicht. Wort Gottes und Gebet sind die Hauptursachen des Wachstums und die Bitte um Wachstum, auch und gerade um quantita­tives Wachstum, gehört zum Wesen einer lebendigen Gemeinde. Das Wachstum wird von Gott allein geschenkt, aber das schließt die menschli­che Aktivität nicht aus, sondern ein. – Es ist erstaunlich, daß eine solche Untersuchung nicht längst vorgelegt wurde, auch nicht in einer anderen Sprache, aber es ist umso erfreulicher, daß sie jetzt zur Verfügung steht.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-4.

Reller, Horst; Hans Krech; Matthias Kleiminger (Hg.). Handbuch Reli­giöse Ge­meinschaften und Weltanschauungen. im Auftrag der VELKD. Gütersloher Verlagshaus: Gütersloh, 20005.

Das neben dem ‘Hutten’ (Kurt Hutten. Seher, Grübler, Enthusiasten. Quell Verlag: Stuttgart, 198212) zweite große bewährte protestanti­sche Standardwerk über ‘Sekten’ usw., das seit 1952 in Arbeit war und 1978 in 1. Auflage erschien, erscheint hiermit in einer stark aktualisierten Aus­gabe.

Im ersten Teil werden die klassischen Frei­kirchen in Deutschland vor­gestellt, dabei unter „Pfingstbewegung“ auch 9 Pfingstdenomi­nationen und dazu weitere Bewegungen, die etwas Licht in die sich ständig erweiternde Vielfalt dieser Richtung geben. Im zweiten Teil folgen Sondergemeinschaf­ten, die zwischen den Sekten in Teil 3 und den Freikirchen ste­hen, so etwa die Adventisten. (Schade ist, daß die Weltweite Kirche Gottes [S.234-244], de­ren Entwicklung von der Sekte zur Kirche mit klassischem christ­lichen Lehrgehalt beschrie­ben wird [bes. S.236-237], dennoch nicht unter ‘Freikirchen’, sondern unter ‘Sondergemein­schaften’ gelistet wird, vor al­lem wenn man bedenkt, wie großzügig der Begriff Freikirche bei zahlrei­chen Pfingstdenominatio­nen oder den Quäkern ausgelegt wurde; vgl. dazu meine Idea-Dokumentation 11/2000 „Eine Sekte wird evangelisch“.)

Im 3. Teil werden in alphabetischer Reihen­folge die 11 wichtig­sten christlichen Sekten in Deutschland beschrieben. Im 4. Teil fol­gen synkre­tistische Neureligionen, wie etwa Uni­verselles Leben oder die Mormonen. Im 5. Teil werden esoterische und gnostische Weltan­schauungen wie die Anthroposophie beschrie­ben. Im 6. Teil folgen die früher fälschlich meist ‘Jugendreligionen’ genannten reli­giösen Bewegungen, die ihren Ursprung in Asien ha­ben, wie etwa Baha’i oder Hare Krishna. Im 7. Teil werden ganz neu vier „Kommerzielle An­bieter von Lebensbewältigungshilfen und Psy­cho-Organisationen beschrieben, darunter Scientology.

Im wesentlichen ist der Aufbau der Beiträge immer gleich, was eine gute Vergleichbarkeit der Gruppen zur Folge hat. Der Hinter­grund sind die zu Beginn abgedruckten Erhebungs- und Beurtei­lungsbögen, die deutlich machen, welche Angaben und Informatio­nen erhoben wurden, ein sicher gelungenes und für den Le­ser über­sichtliches Verfahren.

Insgesamt ist die Information gründlich re­cheriert und sehr zu­verlässig. Die Darstellung beschreibt sowohl die Sicht des Insiders tref­fend, als auch die Schwerpunkte, die einem au­ßenstehenden Protestanten auffallen. Die In­formation ist auf dem neuesten Stand - auch jüngste Lehrveränderun­gen bei einigen Grup­pen sind eingear­beitet und in der Beurteilung be­rücksicht. (Dementsprechend wur­den auch vier inzwischen unwichtig gewordene Gruppen herausge­nommen.)

Hilfreich sind die Richtlinien für die lutheri­schen Kirchen für den prakti­schen Umgang mit Angehörigen der verschiedenen Gruppen, da sie damit auch die praktischen Belange des Gemeindealltags be­rücksichtigen. Sie sind im­mer gleich aufgebaut, so daß leicht zu fin­den ist, ob ein Anhänger einer Bewegung etwa als Pate in Frage kommt oder es bei der Eheschlie­ßung Probleme gibt. Problematisch und für Evangelikale unverständlich sind dagegen die Ratschläge in Bezug auf die Freikirchen, weil sich dabei zeigt, wie engstirnig die oft extrem liberalen und weitherzigen lutherischen Lan­deskirchen sind, wenn es an Sakramente und Amtshandlungen geht. Statt sich zu freuen, wenn ein aktives Mitglied einer Freikirche Pate wird oder ein Landeskirchler das Abendmahl einer Freikirche besucht, werden hier Beden­ken geäußert und Hürden aufgebaut, die sich meines Er­achtens in der Realität längst über­lebt haben.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-4.

Renck, Günther. Contextualization of Christianity and Christianization of Language. A Case Study from the Highlands of Papua New Guinea. (Erlanger Monographien 5). Erlangen: Verlag der Ev.-Luth. Mission, 1990.

Dieses auf der Grundlage einer Dissertation entstandene Buch will die Diskussion um das Thema der Kontextualisierung um einen Bei­trag bereichern, der Kontextualisierung als lin­guistischen Prozeß darstellt. Gestützt auf seine eigene, fast 20-jährige Missionserfahrung in Papua Neuguinea, beschreibt Renck am Bei­spiel des Volkes der Yagaria, wie sich die „Christianisierung“ der Sprache und die Kon­textualisierung der christlichen Botschaft ge­genseitig bedingen. Anhand ausführlicher lin­guistischer Studien und zahlreicher praktischer Beispiele zeigt der Verfasser auf, wie sich Sprache wandelt, um christliche Vorstellungen und Denkkonzepte ausdrücken zu können: Theologische und biblische Begriffe werden nicht mit der Hilfe von Fremdwörtern oder Lehnwörtern aus anderen Sprachen in die Sprache der Yagaria importiert, sondern bisher „heidnische“ Begriffe der eigenen Sprache nehmen eine neue, christliche Bedeutung an. An dieser Stelle, so der Verfasser, beginnt Kontextualisierung und die Entstehung einer einheimischen Theologie, wobei auch die Frage nach der Gefahr des Synkretismus nicht aus­geklammert wird. Die praxisorientierte und de­taillierte Ausführung dieser Grundaussagen wird durch eine umfassende Beschreibung der Yagaria, ihrer Welt und ihrer Sprache sowie durch Forderungen an eine kirchliche und mis­sionarische „Sprachpolitik“ ergänzt. Das ganze Buch ist in sich klar strukturiert und logisch aufgebaut. Der auf Englisch verfasste Text ist flüssig zu lesen und sprachlich nahezu fehler­frei, obwohl Englisch nicht die Muttersprache des Autors ist. Eine deutsche Zusammenfas­sung für Leser, die das Englische nicht so gut beherrschen, wäre allerdings wünschenswert gewesen, ebenso wie ein Register und eine benutzerfreundlichere Plazierung der umfang­reichen Fußnoten. Obwohl auf linguistische Fachterminologie weitgehend verzichtet wird,


setzen die ausführlichen sprachwissenschaftli­chen Analysen ein grundlegendes linguisti­sches und übersetzungstheoretisches Wissen voraus. Es ist ein Buch aus der Praxis der Sprachforschung und Bibelübersetzung für lin­guistisch interessierte Missiologen und missiologisch interessierte Linguisten. Dennoch ist es durch sein präzise herausgearbeitetes Anliegen, Sprache als einen wesentlichen Faktor in Mis­sion und Kontextualisierung darzustellen, auch über diesen Leserkreis hinaus empfehlenswert.

Silke Sauer, em 1993-3.

Rennstich, Karl. Korruption: Eine Heraus­forderung für Gesellschaft und Kirche. Quell-Verlag: Stuttgart, 1990.

Für Rennstich ist in seiner Habilitations­schrift (Teilabdruck) Korruption nicht nur ein privates oder ein wirtschaftliches Pro­blem, ist doch corruptio bei den Kirchen­vätern der Begriff für die Erbsünde. Des­wegen referiert er zahllose Beispiele von Korruption in der Geschichte und aus aller Welt und untersucht den Stellenwert der Korruption in der Bibel und in der Theolo­giegeschichte.

Sicher werden manche Evangelikale sich an Rennstichs Theologie stoßen, etwa an seinem kritischen Umgang mit Bibeltexten oder seiner Sicht anderer Religionen. Aber was an biblischer Ethik haben sie der Kor­ruption entgegenzusetzen? Was haben sie zum Umgang ihrer Missionare mit diesem weltweiten Phänomen zu sagen? Denn selbst wenn man den Bereich der Wirtschaft aus dem Zuständigkeitsbereich der Kirche ver
bannen wollte, sind doch immer noch Mis­sionsgesellschaften und Kirchen weltweit Tag für Tag persönlich betroffen.

Wohl basiert Rennstichs Arbeit stark auf dem Alten Testament, das dem Thema Kor­ruption zahlreiche Gesetze widmet und das Thema der Unbestechlichkeit vom Wesen Gottes über die Aufgabe des Staates, des Richters und des Priesters bis hin ins all­tägliche Leben verfolgt; doch die gegen­wärtige Abwertung des Alten Testaments und seiner Ethik, sei es durch die historisch­kritische Methode oder die pneumatisch-pietistische Auslegung, die weithin die Ver­bindlichkeit der alttestamentlichen Moral­gesetze im reformatorischen, insbesondere calvinistischen Sinn zugunsten einer per­sönlichen Geistesführung aufgegeben hat, beraubt die Ethik gerade in diesem Bereich m. E. der Durchschlagskraft. Denn was Rennstich in Basel letztlich an reformiertem Gedankengut als Herausforderung zusam­menfaßt, war im klassischen Calvinismus Allgemeingut, weil die biblische Ethik dort nicht auf das Privatleben beschränkt, son­dern auf alle Bereiche der Gesellschaft be­zogen wurde.

Entsprechende Literatur kenne ich nur aus dem Bereich des amerikanischen Calvinis­mus, etwa in den Werken von Rousas Roushdoony oder Gary North, die von der Irrtumslosigkeit der Bibel ausgehend zu ganz ähnlichen Ergebnissen gelangen: Wer­ke, die Rennstich leider trotz seiner Litera­turfülle nicht berücksichtigt.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1991-3.

Rennstich, Karl. Nicht jammern, Hand an­legen: Christian Friedrich Spittler ‑ Leben und Werk. Franz, Metzingen, 1987.

An Anfang eines neuen geistlichen Auf­bruchs im deutschsprachigen Raum um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert steht die Christentumsgesellschaft mit dem Sitz in Basel, und ihre wichtigste Persönlichkeit sowohl für die Missionsarbeit wie für die soziale Arbeit war der Württemberger Chri­stian Friedrich Spittler. Rennstich liefert auf 177 Seiten eine gut lesbare Biographie
dieses Mannes, der immer neue missionari­sche und soziale Werke gründete, meist Erfolg hatte und nichts für sich selbst suchte.

Missionsgeschichtlich interessant ist, daß er erst die Basler Mission gründete, dann Chrischona, und seine Liebe dann, obwohl er nicht an Konkurrenz dachte, doch mehr der späteren Gründung zuwandte, trotz oder wegen der Schwierigkeiten, die Chrischona mit der Arbeit in Jerusalem und mit der „Apostelstraße“ Jerusalem-Ägypten-Äthio­pien hatte. Wer sich für die Idee der sich selbst tragenden Handwerker- oder Indu­striemissionen in Afrika interessiert, findet hier interessantes Material zu ihren Vorstu­fen. Manche Details sind, weil sie heutigen Theorien widersprechen, bedenkenswert, zum Beispiel was auf S. 131 über Spittlers äthiopische Adoptivtochter Fatme steht.

Schade, daß Spittlers Frau, die so wichtig war (S.26), fast nur bei ihrer Hochzeit und bei ihrem Tod erwähnt wird. Rennstich gelingt es zu zeigen, daß so „alte Pietisten“ wie Spittler in vielem sehr modern waren; aber daß das Programm vom „Dienste in Über­see“ schon vorweggenommen wurde (S.43), überzeugt mich nicht. Interessant ist Spitt­lers konservative Haltung dem Staat gegen­über, verbunden mit seiner Ablehnung des Krieges („lieber die Pest als den Krieg!“). S.140).  

Dr. Klaus Fiedler, em 1987-3.

Riccardi, Andrea. Salz der Erde, Licht der Welt: Glaubenszeugnis und Christenverfolgung im 20. Jahrhundert. Freiburg: Herder, 2002.

Das Interesse am Thema Christenverfolgung wächst weltweit innerhalb und außerhalb der Kirchen. Doch während sich Untersuchungen zur aktuellen Gegenwart ständig vermehren, sind solche zur Geschichte eher selten. Angeregt von dem wachsenden Archivmaterial, das in Rom gesammelt wird, seitdem Papst Johannes Paul II. alle katholischen Teilkirchen und Orden aufgefordert hat, systematisch Material über Märtyrer der Gegenwart und Vergangenheit zu sammeln, hat eine Italienerin eine umfassende Geschichte der Verfolgung katholischer Christen in aller Welt verfasst. Die Autorin teilt den Stoff in neun Kapitel zur Sowjetunion, zum Dritten Reich, zum kommunistischen Osteuropa, zum asiatischen Kommunismus, zur islamischen Welt, zu Mexiko und Spanien, zu Afrika seit der Unabhängigkeit, zur Zählung und Einteilung der Märtyrer und, für Missiologen besonders interessant, in Kapitel IV. über ‚Martyrium und Mission’. Während die anderen Kapitel vorwiegend auf die einheimischen Christen und Kirchen eingehen, wird hier vor allem das Schicksal ausländischer (längst nicht nur westlicher!) Missionare und Angehöriger von Missionsorden geschildert.

Das gut ausgestattete und gründlich recherchierte und belegte Werk verwendet natürlich im Original kaum deutsche Quellen und Literatur. Aber neben die zahlreichen Belege vor allem in italienischer und französischer (erstaunlicherweise seltener in englischer) Sprache sind ungewöhnlich viele Belege auf Deutsch getreten und man hat sehr gründlich nach deutschen Übersetzungen der verwendeten Werke gesucht, wie überhaupt die Übersetzung nicht merken lässt, dass der Text gar nicht auf Deutsch verfasst wurde.

Das Buch ist historisch ausgerichtet und bietet wenig theologisches Material, etwa zur Frage, wie Christenverfolgung und Martyrium geistlich einzuordnen sind - sieht man einmal vom fünfseitigen Vorwort von Manfred Scheurer ab, der einige Stimmen aus der Kirchengeschichte zitiert und sich wie ich selbst (siehe: Christenverfolgung geht uns alle an, Idea-Dokumentation 15/1999 und Persecution Concerns Us All. VKW: Bonn, 2001) der recht weiten Märtyrer-Definition von Karl Rahner anschließt.

Märtyrer anderer Konfessionen erscheinen, wenn es sich aus dem Material oder vorhandenen Büchern ergab, am Rande ebenfalls (außer es handelt sich um berühmte Fälle wie der Genozid an den Armeniern), werden aber nirgends systematisch erfasst oder thematisiert (siehe z.B. S.60-61 über „die Lutheraner, die Baptisten und die Evangelikalen“ in der Sowjetunion der 30er Jahre) - eine eindeutige Schwäche des Werkes, spricht doch der Papst selbst davon, dass die Ökumene der Märtyrer die stärkste Ökumene sei (S. 19-20) und weitet seinen Leidensbegriff weit über seine Kirche hinaus aus (siehe dazu mein Buch ‚Der Papst und das Leiden’. VTR: Nürnberg, 2002).

Es ist bedauerlich, dass es derzeit kein ökumenisches, protestantisches oder evangelikales Gegenstück zu diesem Werk gibt und auf absehbare Zeit wohl auch nicht geben wird.

Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, em 2003-1.

Richards, Lawrence O. Praxisbuch Hausbi­belkreis, Bd. 2: So werden Hausbibelkreise lebendig. Neu­hausen: Hänssler, 1994.

Lebendige Gespräche in Hausbibelkreisen – wie bringt man sie in Gang? Dieses Praxisbuch bietet entscheidende Hilfe für den Gesprächs­einstieg. Es enthält ausgearbeitete Fragen für verschiedene Interessengruppen und Themen­kreise, darunter auch Mission und Evangelisa­tion. In Band 2 werden ausgesuchte Texte von den Paulusbriefen bis zur Offenbarung und zwei Psalmen behandelt. Die urchristliche Si­tuation ist Vorbild für Mission und Evangeli­sation. Beides gehört zusammen und wird in die­sem umfangreichen Buch in 10 Abschnitten bedacht. Die Symbole für die Themenkreise sind gut gewählt, im Druck jedoch zu klein ausgefallen. Die 54 Studienanleitungen sind klar gegliedert in Überblick, Erläuterungen, Gliederung, Anregung zur Gruppenarbeit. Auch wenn Mission nicht so sehr im Vorder­grund des Buches steht, ist es für alle Hausbi­belkreise sehr zu empfehlen.

Dipl. Ing. Fritz H. Lamparter, em 1997-1.

Richardson, Don. Secrets of the Koran, Ventura, CA: Regal Books, 2003.

Der amerikanische Missionar und Missiologe Don Richardson wurde bekannt durch seine Bücher „Peace Child“, „Lords of the Earth“ und „Eternity in their hearts“. In diesen Büchern geht es um hilfreiche Analogien und kulturelle Brückenfunktionen für die Verkündigung des Evangeliums. In seinem neuesten Buch geht es Richardson darum, den Islam und Koran nach solchen Analogien und Anknüpfungspunkten zu untersuchen. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Richardson findet keine und macht sich daran, die negativen Aspekte und „Geheimnisse des Korans“ aufzudecken. Die Kapitelüberschriften deuten diese negativen Aspekte an: „A Book of Peace?“ (1), „The Wolf in the Fold“ (2), „Violent Verses, Violent Deeds“(3), „Critiquing the Koran“ (4), „Polygamy and Islam’s Prophet“ (5), „How Muslims Try to Defend the Koran“ (6), „Non-Muslim Attempts to Defend the Koran“ (7), „Old Testament Morals and the Koran“ (8), „New Testament Morals and the Koran“ (9), „A Warring Prophet’s Supremacist Legacy“ (10),“Islam’s Plan for World Domination“ (11), „Islam’s Penetration of Western Culture“(12), „A Twenty-First Century Plague of Locusts?“ (13), „Europe: An Auto-Genociding Continent“ (14), „Louis Farrakhan, Islam and Slavery“ (15) und „Reviewing ‘Militant Islam Reaches America’“ (16).

Warum schreibt Richardson dieses Buch, und was will er erreichen? Sein Ausgangspunkt ist der 11. September 2001: Haben hier Extremisten den Islam ungerechtfertigt und völlig falsch für ihre politischen Ziele in Anspruch genommen? Ist der Islam eine Religion des Friedens, wie westliche und islamische Politiker immer wieder betonen? Oder ist der Koran die eigentliche Quelle der Gewalt? Ruft der Koran alle, die ihn wirklich ernstnehmen, zum Jihad gegen alle Nicht-Muslime auf und zielt letztlich auf Unterwerfung der Welt durch den Islam, auch und gerade mit Gewalt? Don Richardson ist von Letzterem überzeugt und möchte seine Leser warnen. Seine hauptsächlichen Quellen sind Mark A. Gabriel, Bernard Lewis, William Muir, Maxime Rodison, Reza F. Safa, Bat Ye’or und Ibn Warraq. Richardson ist überzeugt, dass Europa im hohen Maße gefährdet ist, vom Islam beherrscht zu werden, und auch Amerika diese Gefahr ernst nehmen muß. Deswegen ist seine Intention „to wage truth on Islam, because truth is the doorway to genuine peace“ (S. 251). Er ist überzeugt, dass weder westliche Politiker noch die Mehrheit der moderaten Muslime den Koran wirklich kennen. Richardson möchte deswegen versuchen, die „dunklen Geheimnisse des Korans“ zu enthüllen, um so die Quelle des gewaltbereiten Jihadismus zu entkräften (vgl. auch Don Richardsons Webseite www.donrichardsonbooksales.com).

Vieles ist gut beschrieben und hilfreich zu wissen. Manches müßte eingehender durch Historiker und Islamwissenschaftler geprüft werden. Manches erscheint einseitig oder überbewertet (z.B. „Europe: An Auto-Genociding Continent“, S.194-198), manches ist schlicht falsch (z.B.“Muslim immigrant percentages in the population of various European nations range from 10 to 20 percent“, S.186; „The Five Pillars of Islam“, S.226). Ob das Buch im Dialog mit Muslimen weiterhilft, darf bezweifelt werden.

Dr. Dietrich Kuhl, em 2004-3.

Richter, Julius. Mission und Evangelisation im Orient. Mit Beiträgen von Eberhard Troeger und Christof Sauer. Evangelium und Islam, Band 4, Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft (VTR), 2006.

Dieser Nachdruck der 2. Auflage [1930] von Mission und Evangelisation im Orient, Band II in Julius Richters umfassender Reihe Allge­meine Evangelische Missionsgeschichte, wurde erfreulicherweise in der Reihe „Evangelium und Islam“ neu herausgegeben, da es „bis heute kein vergleichbares Überblickswerk ... in deutscher Sprache gibt“ (Initiator und Mitherausgeber Eberhard Troeger im Vorwort). Richter, der von 1914 bis 1930 Missionswissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität lehrte, beschreibt in diesem Band die Geschichte der protes­tantischen Missionen im Mittleren Osten vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 1930. In einem einleitenden Kapitel setzt sich Richter zunächst mit Grundfragen der missionarischen Begegnung mit dem Islam sowie mit der strittigen Frage auseinander, ob die protestan­tische Evangelisation und Kirchenbildung unter den orientalischen Kirchen - meist Ansatzpunkt der Missionsbemühungen, die sich dann parallel oder sukzessive auch den Muslimen zuwandten - berechtigt gewesen seien. Im ersten Kapitel gibt der Autor einen kurzen Überblick der „Anfänge der protestantischen Missionsbestrebungen“ im Orient (S. 46-53) von der Reformationszeit bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, wobei er besonders das Wirken Henry Martyns (1780-1812) in Indien und Persien, die von Malta ausgehende „Mittel­meermission“ der Church Missionary Society (CMS) sowie das Wirken der Basler Mission im Kaukasus kurz darstellt.

Die weiteren Kapitel widmen sich dann aus­führlich den Entwicklungen der protestantischen Missionen in verschiedenen Regionen des damaligen Osmanischen Reiches, bzw. des Mitt­leren Ostens: Türkei (S.54-107), Syrien und Palästina (108-160), Persien (161-193), Ägypten und Abessinien (194-232). Das Buch enthält des weiteren einen Anhang mit einer Übersicht der damaligen Bibelübersetzungen in die Sprachen des Mittleren Ostens sowie eine statistische Überblickstabelle zu den dargestellten Missions­arbeiten (S. 233-243).

In Richters Darstellung wird zunächst die herausragende Rolle des kongregationalistischen American Board of Commissioners for Foreign Mission (kurz AB) sowohl in der Türkei als auch in Syrien/Libanon und Persien betont. Richter beschreibt wie das AB sich zunächst den orientalischen Kirchen zuwandte, z.B. der kul­turell aufgeschlossenen Armenier-Kolonie in Konstantinopel. Er zeigt auf, wie die Missionare durch Literaturarbeit, die Übersetzung der Bibel und durch christliche Schulen den Glauben der orientalischen Christen beleben und vertiefen, „die Blüte der armenischen Jugend durch eine gediegene abendländische Bildung anziehen“ (S. 57) und damit auch eine wesentliche Vor­arbeit zur Erreichung der muslimischen Bevöl­kerung leisten wollten. Als katastrophale Zäsur in der Missionsgeschichte des Orients beschreibt Richter „die Vernichtung des armenischen Vol­kes“ in der Türkei ab 1895. Hier schildert er dann die großen Hilfswerke, die daraufhin in England, Deutschland und Frankreich ent­standen (vgl. die Rezension zu Sabine Thüne, Ernst Jakob Christoffel, in dieser Ausgabe). Dass das AB sich in der Folge entschloss, seine Wirksamkeit auf die muslimische Bevölkerung der Türkei zu richten, sah Richter als „bedeut­same Wendung, deren Entwicklung und Folgen wir abwarten müssen“ (S. 96). Neben der Darstellung der protestantischen Ar­beit unter den orientalischen Christen gilt Richters Interesse immer wieder der heraus­fordernden Missionsarbeit unter der muslimi­schen Bevölkerung. Er schildert z.B. den kur­zen, aber wirkungsvollen Einsatz der CMS mit Karl Gottlieb Pfander in Konstantinopel, die amerikanische Arabien-Mission Samuel Zwe-mers, Temple Gairdners Wirken in Kairo oder die Anfänge der Sudan-Pionier-Mission unter den Nubiern. Im Abschnitt über Palästina widmet Richter den deutschen Initiativen be­sondere Aufmerksamkeit wie dem preußisch­englischen Bistum in Jerusalem (in Verbindung mit der CMS) unter der Leitung Samuel Gobats sowie dem Evangelischen Jerusalems-Verein von F.A. Strauß oder dem Syrischen Waisen­haus Ludwig Schnellers. Richters Darstellung ist vom Denken seiner Zeit geprägt und somit auch als Zeitdokument zu lesen, bietet aber zugleich einen wichtigen missionsgeschichtlichen Überblick und Ein­blick. Der Wert des Buchs wird durch die ergän­zenden Beiträge der Herausgeber noch erhöht, die die Brücke zur Gegenwart schlagen. Troeger greift in einem Aufsatz den Faden der Missions­geschichte nach 1945 wieder auf und beschreibt den „Paradigmenwechsel“ von der „herkömm­lichen Missionsarbeit“ zur neuen evangelikalen Missionsbewegung im Mittleren Osten ab den 1960er Jahren. In einem englischsprachigen Beitrag (der auch Teile aus Troegers Vorwort auf Englisch wiedergibt) setzt Sauer Richters Werk in den Kontext der internationalen mis­sionshistorischen Forschung zum Mittleren Osten und bietet eine hilfreiche Gesamt­chronologie evangelischer Mission im Orient von der Reformation bis 1990. Hier findet sich auch eine (leider kaum lesbare) historische Landkarte zu den Ausführungen Richters. Das Vorwort hat Recht: Das Buch ist „Pflicht­lektüre“ für alle, die sich auf einen Dienst im Mittleren Osten vorbereiten, bzw. sich für die facettenreiche Missionsgeschichte dieser Region interessieren.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2007-4.

Riecker, Siegbert. Mission im Alten Testament? Ein Forschungsüberblick mit Auswertung. Beiheft Inter­kul­tu­relle Theologie 10. Frankfurt: Lem­beck, 2008.

Wer sich mit der Fragestellung „Mission im Alten Testament“ auseinandersetzen will, wird an diesem Buch in der näheren Zukunft nicht vorbeikommen. Es stellt eine Neubearbeitung des einleitenden Kapitels von Rieckers Dissertation dar, die 2006 von der ETF in Leuven ange­nommen wurde und deren Hauptteil unter dem Titel Ein Priestervolk für alle Völker. Der Segensauftrag Israels für alle Nationen in der Tora und in den Vorderen Propheten in der Reihe SBB erschienen ist.

Riecker legt eine reiche Materialsamm­lung vor, die sich darum bemüht nicht nur die Beiträge zum Stichwort „Mission im Alten Testament“ zu nennen, sondern zu charakterisieren und auszuwerten. Dies geschieht nach einem kurzen Pro­blemaufriss (S. 12-16) in erster Linie durch die Einordnung einzelner Beiträge in verschiedene Kategorien: historisch-pro­gressive Ansätze (S. 17-33), thema­tische Ansätze (S. 34-49), thematisch-dialektische Ansätze (S. 50-72), kano­nische Ansätze (S. 73-83), systematische Ansätze (S. 84-98) sowie reli­gions­geschichtliche Ansätze (S. 99-108). Vor der Zusammenfassung und Auswertung (S. 128-144) stellt Riecker noch Ver­öffentlichungen zu Teilbereichen (S. 109-121) zusammen und legt einen Exkurs zu Gott als direkter Partner der Völker vor (S. 122-127). Dem Autor gilt der Dank, dass er den Lesern eine Fundgrube an Material und Frage­rich­tungen vorlegt, auch wenn Riecker be­dauer­licherweise Scheurers grund­le­gen­den Beitrag nicht um ältere inter­na­tionale Beiträge erweitern konnte (S. 15).

Die Präsentation der einzelnen Beiträge erfolgt leider uneinheitlich hinsichtlich des Umfangs und des Stils. Manchmal wird ein Beitrag mit einem kleinen Ab­satz vorgestellt (beispielsweise S. 53 oder mehrere Beiträge auf S. 85) und dann wird ein anderer Beitrag auf drei Seiten (S. 38-41) oder auf sechs Seiten (S. 65-71) breit dargestellt. Mangelnde Einheitlichkeit liegt auch in der Frage­stellung vor, mit der die einzelnen Bei­träge vorgestellt werden. Manchmal wird auf die Voraussetzungen des jeweiligen Autors und die Folgen seiner Argu­mentation eingegangen und dann findet sich nur eine kurze Darstellung der je­weiligen Argumentation. Manch­mal bie­tet Riecker Hintergrund­infor­mation zum Autor an und dann fehlt jegliche Ein­ordnung des Beitrages. Manch­mal wird der Beitrag direkt kurz ausgewertet und dann ist nichts davon zu entdecken. Manchmal wird der jeweilige Buchtitel oder Zeitschriftenartikel ge­nannt und dann findet sich lediglich eine Jahreszahl verbunden mit dem Namen des Autors. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass bisweilen die Kenntnis der Literatur vorausgesetzt wird.

Diese Uneinheitlichkeit erschwert bis­weilen das Verständnis für die ei­gent­liche Bedeutung des jeweiligen Beitrages und für eine profilierende Abgrenzung von anderen Beiträgen. Vielleicht hätte die Präsentation dadurch an Wert ge­winnen können, dass man ein Raster von wegweisenden Fragestellungen gleich­mäßig an alle Beiträge anlegt sowie ihre Voraussetzungen und Folgen reflektiert. Solch ein Vorgehen könnte es für den Leser auch nachvollziehbarer machen, wie die einzelnen Kategorien zur Ein­ordnung der Beiträge zustande kommen und was sie zu ihrem Verständnis sowie der Auseinan­der­setzung mit der Frage­stellung beitragen.

Den Aussagen und dem Ansatz von Scheurer sollte weiterhin in der Aus­wertung oder bei weiteren Forschungen nachgegangen werden. Scheurer bietet nicht nur „einen enzyklopädischen Überblick über die Thematik in der deutschsprachigen evangelischen Litera­tur des 18.Jahrhunderts bis etwa 1981“ (S. 14), sondern verweist auf „die mis­sionsbegründende Universalität Jhwhs [die] sich in allen genannten Bereichen nicht nur auf die sichtbare Welt der Völker, sondern auch auf die unsichtbare Welt der Götter bezieht“ (S. 67). Damit stehen wegweisende Fragen im Raum; z.B. inwiefern altorientalische Vor­stel­lungen der Götterwelt für die Aus­wer­tung einzelner alttestamentliche Aus­sagen zu der Fragestellung von größter Bedeutung sind. An einigen Stellen wie Ex 12,12 wird diese implizite Auseinan­der­setzung explizit. Unter Berück­sich­ti­gung dieser Dynamik können aus dem altorientalischen Kontext Frage­rich­tun­gen entfaltet werden, die Wesent­liches zur Thematik beitragen können. Bei­spiels­weise ist dies mit Rieckers Disser­tation unter dem Blickwinkel des Segens bereits geschehen.

Diese (kritischen) Anmerkungen sollen den Beitrag des Buches nicht schmälern. Vielmehr soll herausgestellt werden, wie viele wertvolle Aspekte des Buches durch weiterführende Ergänzungen und Aus­einandersetzungen mit dem Thema den Wert des Buches noch steigern kön­nen. Wo Auswertungen von Einzel­bei­trägen durchgeführt werden, regen sie zur Reflexion und zur weiteren Be­schäftigung mit den jeweiligen Frage­stellungen an. Die Zusammenfassung und Auswertung Rieckers identifiziert grundlegende Fragestellungen, wie die Frage nach der Definition von Mission (S. 128-129), dem zugrundeliegenden Paradigma (S. 129), der Entstehung des Missionsgedankens (S. 130) und der Berücksichtigung der unsichtbaren Welt (S. 130). Er stellt klar heraus, dass eine Definition von „Mission“ ebenso ver­schieden wie weichenstellend ist (S. 138-140) und als neutestamentliches oder missionstheologisches Konzept nicht einfach an das Alte Testament heran­getragen werden sollte (S. 142). Ebenso weist er darauf hin, dass mehrere The­men in ihrer Vielfalt nebeneinander stehen bleiben sollten bevor man nach einer inneren Einheit fragt (S. 143). Es ist zu wünschen, dass diese Empfeh­lungen Rieckers bei weiteren Unter­suchungen befolgt werden.

Dr. Heiko Wenzel, em 2009-3.

Riesner, Rainer. Die Frühzeit des Apostels Paulus. Wissenschaftliche Untersu­chungen zum Neuen Testament 71. J. C. B. Mohr: Tübingen, 1994.

Der Tübinger Privatdozent Rainer Riesner hat bereits in seiner Dissertation „Jesus als Lehrer“ die historische Glaubwürdigkeit biblischer Überlieferungen, hier der Evan­gelien, bei grundsätzlicher Beibehaltung der historisch-kritischen Methode zu erwei­sen gesucht. In seiner Habilitationsschrift „Die Frühzeit des Apostels Paulus“ unter­nimmt er mit einer Fülle historischen Materials und detektivischer Kleinarbeit ähnli­ches für den frühen Paulus, wobei auch vieles für die spätere Lebensge­schichte des Apo­stels abfällt. In einer missio­logischen Zeitschrift sei es jedoch gestattet, le­diglich den missiologischen Aspekt des vorlie­genden Buches darzustellen und zu beurteilen, also vor allem das mittlere der drei Kapitel mit dem Titel „Stationen paulinischer Missions­strategie“ (S.204-296). Zunächst einmal ist begrüßenswert, daß Riesner die Reise­route des Apostels minutiös nachzeichnet und dabei ins­besondere der Frage nachgeht, welche Reise- und Transportmittel dem Apostel zur Verfü­gung standen und wie die jeweilige örtliche Situation aussah, in die hinein Paulus auftrat. Dadurch wird deutlich, welchen Hindernissen die paulinische Mission zu begegnen hatte und daß hinter der Mission – wie heute – eine um­fangreiche Planungs- und Vorbereitungs­arbeit stand.

Theologisch ist von besonderem Interesse, daß Riesner die Missionsmoti­vation des Paulus vor allem in alttestamentlichen Texten sieht. Zwar könnte man we­sentlich mehr Beispiele heranziehen (siehe mein Buch „Der Römer­brief“, Bd. 1+2) und man muß den Grund dafür, daß Paulus sich nicht vorrangig auf den jesuani­schen Missi­onsbefehl stützt, nicht in der kriti­schen Sicht suchen, der Missionsbefehl sei da­für eine zu späte Basis (S.213), also wohl nicht von Jesus selbst. Aber Riesners Ex­egese und Erläuterung zu Röm 15 und der dort zi­tier­ten alttesta­mentlichen Texte ist m. E. ein we­sentlicher Fortschritt in dieser Frage. Insbeson­dere geht Riesner davon aus, daß Paulus in den geogra­phischen Angaben von Jes 66,18-21 in der zeitgenössi­schen Inter­pretationen der Septua­ginta den Weg der Aus­breitung des Evangeli­ums unter den Heiden und damit sei­nen eige­nen Reiseweg vorge­zeichnet sah (S.213-225), auch wenn andere Faktoren ebenfalls eine Rolle spielten.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-1.

Ritchie, Mark Andrew. Der Geist des Re­gen­waldes. Die Geschichte eines Ya­no­mamö-Schamanen, Lahr: St.-Johan­nis-Druckerei, 2008; übersetzt von Lothar und Gisela Käser.

Kein Indianerstamm Südamerikas ist in den vergangenen Jahrzehnten so bekannt geworden wie die Yanomamö im Grenz­gebiet von Brasilien und Venezuela durch die Ethnographie des Ethnologen Chagnon. Heute – 40 Jahre später – er­scheint in deutscher Übersetzung ein Buch, in dem die Yanomamö ihre Geschichte selber erzählen. Dieses Buch ist eine wichtige Ergänzung zu und Kor­rektur von Chagnons Darstellung. Es ist das Verdienst des Ethnologen und Ani­mismus-Kenners Lothar Käser und sei­ner Frau Gisela, uns diesen span­nenden Band in einer guten, flüssigen Über­setzung in deutscher Sprache zu prä­sentieren.

In dem Buch des Journalisten Ritchie erzählt „Dschungelmann“ von seinen Er­fahrungen als Schamane bei den Yano­mamö. Er berichtet von seinem Umgang mit seinen Schutz- und Hilfsgeistern und beschreibt seine Reisen in die jenseitige Welt, um die Menschen in seinem Scha­bo­no (eine Art Runddorf) zu beschützen und ihre Feinde zu bekämpfen. Der Leser erhält auf diese Weise aus erster Hand einen Einblick in die Lebenswelt eines Schamanen und seines animis­ti­schen Weltbilds. Die Darstellung ist sehr realitätsnah. Dschungelmann beschreibt die Erfahrung von Angst, von Kriegs­hand­lungen und der Tötung von Men­schen mithilfe von Geistern ohne dabei ins Voyeuristische abzurutschen. In der Darstellung wird die Durchdringung von sichtbarer und unsichtbarer Welt, die für das animistische Weltbild typisch ist, ebenso deutlich wie das Ineinander­grei­fen von zwischenmenschlichen Kon­flik­ten einerseits und Konflikten in der un­sichtbaren Welt andererseits. Der Leser erhält so in der Erzählung Einblick in grundlegende Charakteristika einer ani­mis­tischen Weltsicht.

Darüber hinaus entlarvt dieser Bericht den im Western immer wieder ge­äu­ßerten Appell, die christliche Mission solle die Einheimischen doch im Frieden in ihrer Religion leben lassen, als eine wirklichkeitsfremde, ideologische For­de­rung, die nicht dem Denken der Ein­hei­mischen entspricht. Dschungel­mann hat sich – nach jahrelanger Skepsis – be­dingt durch die Veränderungen, die der christ­liche Glaube in einem der Yano­ma­mö-Dör­fer bewirkt hat, von seinen Schutz­geis­tern getrennt und sich dem Gro­ßen Geist, Yai Pada, ange­schlossen. Die Ab­wendung von Gewalt und Blut­rache be­deutete für die Men­schen dieses Dor­fes eine bis dahin nicht gekannte Be­freiung aus bisherigen gewalttätigen Ver­hal­tens­mustern. Dschun­gelmann macht keinen Hehl daraus, dass er sich dringend mehr Mis­sionare wünscht, die seinen Men­schen die Botschaft des Großen Geistes brin­gen. So erscheint denn in diesem Buch auch der Missionarssohn Kiliiwa, der unter den Yanomamö aufgewachsen und später als Missionar zu ihnen zurück gekehrt ist, als wahrer Kenner und Freund der Yanomamö.

Damit wird eine weitere Konfliktebene angesprochen. Dschungelmann schildert, wie die unterschiedlichen Lebens­auf­fas­sungen und Verhaltensweisen von Eth­nologen und Missionaren, die unter den Yanomamö lebten, von den Ein­hei­mi­schen erlebt wurden. Dabei haben sich nicht alle Naba (Weißen) als wahre Freun­de der Yanomamö erwiesen. Die Schilderung dieser Konflikte aus der Sicht der Yanomamö ist eine wichtige Ergänzung und Korrektur bisheriger Dar­stellungen und zugleich ein Beitrag zur kontroversen Diskussion über die Rolle einzelner Ethnologen und ihrer Arbeit unter den Yanomamö, die Tierney durch seine Publikation angestoßen hat (Tierney, P.: Darkness in El Dorado, New York 2000).

Dieses Buch bietet die einzigartige Gele­genheit, einem Yanomamö Indianer zu­zu­hören, die Welt des Animismus aus der Sicht eines Insiders zu sehen, an den oft schmerzlichen Erfahrungen teil­zu­nehmen, die diese Menschen in ihren Begegnungen untereinander und in ihren Begegnungen mit Weißen gemacht ha­ben, Einflüsse unterschiedlichster Art von der Außenwelt auf die Lebenswelt der Indianer zu beobachten, und in all dem zu sehen, wie das Evangelium befreiend und kulturverändernd – nicht zerstörend! – wirkt. Ein sehr spannendes Buch, das das Leben in einer vom Animismus geprägten Stammeskultur aus bisher nicht gekannter Perspektive schildert.

Dr. Jürgen Schuster, em 2009-3.

Rittner, Reinhard (Hg.). Glauben Christen und Muslime an densel­ben Gott? Bekenntnis Fuldaer Hefte 34. Schriften des Theologischen Konventes Augs­burgischen Bekenntnisses. Han­nover: Lutherisches Verlagshaus, 1995.

Schwerpunkt dieses Tagungsberichtsbandes ist die biblisch-christliche und die koranisch-mus­limische Sichtweise der Dreieinigkeit Gottes. Kir­chengeschichtlich-exegetische Aufsätze christlicher Theologen stehen ne­ben religions­vergleichenden und islamwissenschaftlichen, sowie muslimi­schen Beiträgen.

Gleichermaßen interessant wie ungewöhn­lich ist die Tatsache, daß die deutlichste Aufforde­rung zum Dialog von einem muslimi­schen Theologen kommt: Mehdi Razvi bezieht hier offen die für die islamische Theologie klare Außen­seiterposition, daß nicht nur Mus­lime, sondern auch gläubige Juden und Chri­sten mit Gottes Erbarmen im Jüngsten Gericht rechnen könnten. Die christlich-islamische Kontroverse über die Trinität ist für ihn inzwi­schen „derart abgeschwächt und irrelevant ge­worden, daß wir aufhören sollten, weiterhin darüber gegen­seitig zu polemisieren“ (S. 70). – Diese Auffor­derung spiegelt allerdings wohl kaum die Wirklichkeit der missionarischen Be­gegnung von Christen und Muslimen wider.

Leider stehen die einzelnen Beiträge inhalt­lich recht isoliert nebenein­ander – dies liegt aller­dings in der Natur eines Tagungsberichtsban­des. Dementsprechend werden teilweise stärker die Unterschiede, teilweise stärker die Gemein­samkeiten zwi­schen biblischer und koranischer Dog­matik betont. Wer allerdings eine eindeu­tige – und wie ich meine, klar zu verneinende – Antwort christlicher Theologen auf die Frage nach dem­selben Gott sucht, wird sie hier höchstens ein­mal zwischen den Zeilen ange­deutet finden können.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-4.

Robert, Dana L. Occupy until I Come: A. T. Pierson and the Evangelization of the World. Wm. B. Eerdmans: Grand Rapids (MI), 2003.

Nach mehr als einem Jahrhundert wird endlich wieder eine Biografie des legendären Missions­mannes Arthur Tappan Pierson (1837-1911) vorgelegt. Selbst nie Missionar und doch ständig in Sachen Mission auf Reisen, war Pierson die graue Emminenz der weltweiten Studentenmis­sionsbewegung des 19. Jahrhunderts und der führende Förderer und Verteidiger der Weltmis­sion im evangelischen und evangelikalen Be­reich. Die Autorin ist Professorin für Weltmissi­on in der Universität Boston und durch ihr Buch ,American Women in World Mission’ bekannt. Wie in diesem Buch legt sie auch in ihrer Pier-son-Biografie ein historisches Meisterwerk vor, sowohl was das Wirken und die theologische Entwicklung Piersons betrifft, als auch, was das theologische und soziale Umfeld seiner Zeit betrifft. Wer die Biografie an einem Stück liest, erhält ein faszinierendes Gesamtbild der angel­sächsischen Frömmigkeit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zwar enthält das Buch leider -und angesichts der Gründlichkeit völlig unver­ständlicherweise - keine Fußnoten und keine detallierten Quellenbelege, dafür aber eine sehr gute und ausführliche Diskussion der vorhande­nen Bücher zum Thema und zum Umfeld. Fas­zinierend ist der geistliche und theologische Lebenslauf Piersons, der wie so viele Evangeli-kale seiner Zeit mehrere konfessionelle Zugehö­rigkeiten durchlief und von allen Richtungen lernte und etwas für immer festhielt. Von Haus aus Presbyterianer erbte er von seinen reformier­ten Lehrern die fundamentalistische Bibelhal­tung, den Optimismus in der Evangelisation und den Einsatz für soziale Belange. Doch durch seine weitgespannten Kontakte – vor allem in den USA und in England –, etwa durch seine Besuche bei seinen Freunden Charles H. Spurgeon (S.49-50) und Georg Müller, und durch seinen Einsatz im Rahmen der Evangelischen Allianz und des CVJM wurde aus dem refor­mierten Evangelisten ein evangelikaler Erwe-ckungsprediger. Eine Midlifekrise wegen der zunehmenden Armut in den Großstädten (S.85ff), gegen die die Evangelisation nichts aus­richten konnte, ließ ihn pessimistischer werden und führte schließlich 1876 zu einer Art zweiter Bekehrung. Pierson schloss sich der Heiligungs­bewegung an, nahm sich Charles Finney zum Vorbild (S.89ff) und wurde schließlich 1879 Prämillennialist wie Georg Müller (S.103+­106+151), bleibt dabei aber optimistisch was die Zunahme und den Erfolg der Weltmission be­trifft. 1886 schließlich beginnt die Studenten­missionsbewegung, als sich 100 Studenten auf einer seiner Bibelfreizeiten entschließen, Missi­onare zu werden. Pierson verlässt das Pastorat und wird Erweckungsevangelist in Sachen Mis­sion. Sein Buch ,The Crisis of Missions’ (S.140-144) rüttelt die evangelische Welt auf. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere lässt er sich wiedertaufen, nachdem er zwei Jahre ohne Wie­dertaufe auf der Kanzel Spurgeons gepredigt hatte. Die Baptisten weltweit warfen ihm jedoch lautstark vor, die Taufe privat im kleinen Kreis durchgeführt zu haben, die Presbyterianer ent­zogen ihm die Ordination und die ökumenisch orientierten älteren Kirchen die Unterstützung (S.245-249). Viele Freunde wandten sich von ihm ab. Doch die gewonnene Zeit nutzte er für eine Vielzahl von Veröffentlichungen, die meis­ten zum Thema Mission, einige außerdem zur Bibel. Denn - was gerne verschwiegen wird, wenn zu Recht Piersons ökumenische Gesin­nung hervorgehoben wird - Pierson war immer ,Fundamentalist’ (S.279-283) und schrieb fünf Beiträge für die namensgebende Buchserie des Fundamentalismus ,The Fundamentals’. Sein erstes Buch zur Verteidigung der Bibel verfasste er bereits 1880 (S.97), sein Buch ,God’s Living Oracle’ gilt James I. Packer bis heute als eine der bedeutendsten Verteidungen der Einheit der Bibel (S.266-267). Pierson ist ein herausragen­des Beispiel dafür, dass Bibeltreue, Evangelisa­tion, Förderung der Weltmission, weitherzige Zusammenarbeit, und Einsatz gegen die sozialen Übel dieser Welt Hand in Hand gehen können und dass auch evangelikale Christen immer Ler­nende bleiben.

Prof.Dr. Thomas Schirrmacher, em 2004-2.

Roberts, W. Dayton & John A. Siewert, Mis­sion Handbook: USA/Canada Protestant Ministries Overseas. 14. Ausgabe, MARC/ Zondervan: Monrovia/Grand Rapids 1989.

Nachdem die dreizehnte Ausgabe dieses Werkes früher ausführlich besprochen wur­de, soll nur kurz auf die neue Ausgabe hin­gewiesen werden. Das unentbehrliche Nach­schlagewerk enthält wieder die Adressen aller Missionsgesellschaften in den USA und Kanada mit Arbeitsgebieten, Personal-


bestand und Spendenaufkommen. Die Ge­samtzahl der amerikanischen Missionsge­sellschaften ist um 31 auf 692 gestiegen, die Zahl der Missionare von 58 700 (1985) auf 70 969 (1988), darunter 30 748 Kurzzeit­missionare. Während der eigentliche Aufbau des Buches gleich geblieben ist und aus der Besprechung der 13. Ausgabe ersehen wer­den kann, wechseln die beigegebenen Auf­sätze jeweils.

Diesmal enthält der Band neben einer Ein­führung in die statistische Situation 44 Sei­ten mit vier Beiträgen: Eine Darstellung der internationalen Lage von William A. Dyrness, ein sehr kurzer Beitrag von J. Christy Wilson über „Zeltmacher“, ein Auf­satz von Arthur F. Glasser über den Beitrag der amerikanischen Missionsvereinigungen zur Weltmission und eine Untersuchung zur Frage, wie die Kirche im Laufe der Ge­schichte ihre Missionsarbeit organisierte. ‑ Die Aufnahme in das Verlagsprogramm von Zondervan hat der Haltbarkeit des Buches offensichtlich sehr gut getan!

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1991-3.

Rommen, Edward. Die Notwendigkeit der Umkehr. Missionsstrategie und Gemeinde­aufbau in der Sicht evangelikaler Missions­wissenschaftler Nordamerikas. Giessen : TVG, Brun­nen Verlag, 1987.

Nach einer in Amerika vorgelegten kleine­ren Dissertation über Deutschland („Na­menschristentum“) legt Rommen, Professor an der Trinity Evangelical Divinity School in Deerfield/USA und Dozent am Predi­gerseminar der Freien Evangelischen Ge­meinden in Ewersbach, nun seine zweite in Deutschland (bei Bürkle in München vor seinem Wechsel zur katholischen Fakultät) eingereichte Dissertation über Amerika vor. Rommen ist also für die Verständigung zwischen den USA und Deutschland prä­destiniert.

In der ersten Hälfte des Buches referiert er über fünf entscheidende evangelikale An­sätze der Missionswissenschaft, nämlich: der systematische von George W. Peters, der anthropologische von Alan Tippett, Charles Kraft u.a., der soziologische von Donald McGavran (Gemeindewachstums­bewegung), der kommunikationswissen­schaftliche von David Hesselgrave u.a. und der strategische Ansatz von Ralph D. Win­ter. Im zweiten Teil systematisiert er die evangelikale Missionswissenschaft Nord­amerikas und vergleicht sie mit anderen Ansätzen. Dabei hebt er einerseits die Stärken hervor, von denen wir in Europa lernen können, betont andererseits aber ebenso die Schwächen, die leicht zu weit­reichenden Problemen führen können.

Diese ausgezeichnete Dissertation kann Brücken bauen und ‑ für eine Dissertation durchaus ungewöhnlich ‑ als Nachschlage­werk dem schnellen Erfassen wichtiger amerikanischer Ansätze dienen. Wer sie ge­lesen hat, wird manches Gute und Schlechte in der amerikanischen Missionswelt besser verstehen, aber auch begreifen, wieviel die evangelikale Missiologie in Deutschland aufzuholen hat. Schade, daß Rommen in Amerika lehrt und nur gelegentlich in die BRD kommt.

Thomas Schirrmacher, em 1988-1.

Roser, Markus. Hexerei und Lebensriten. Zur Inkulturation des christlichen Glaubens unter den Gbaya der Zentralafrikanischen Republik. Missionswissensch. For­schungen; NF Bd. 13. Erlanger Verlag für Mis­sion und Ökumene: Erlangen 2000.

Der Autor hat sich in seiner Heidelberger Dis­sertation ein ungemein schwieriges, weil kom­plexes Thema vorgenommen: die Hexerei, ein Phänomen, das besonders charakteristisch ist für schriftlose Gesellschaften, aber auch in den so genannten Hochkulturen vorkommt, und bis zum Zeitalter der Aufklärung in Europa eine unrühmliche Rolle gespielt hat.

Bemerkenswert an Rosers Arbeit ist die Breite, mit der sie angelegt ist, die Sachkennt­nis, mit der er die ungemein vielschichtige Materie ordnet und die Gründlichkeit, die er im Um­gang mit Details an den Tag legt. Er tut dies auf Grund einer eher selten anzutreffenden Fä­cherkombination: Der Autor ist Theologe und Ethnologe. Darüber hinaus verfügt er offen­sichtlich auch über ins Einzelne gehende lin­guistische Kompetenzen, denn er untermau­ert seine Ausführungen mit semantischen Analy­sen von Wortformen, die Schlüsselbe­griffe im gedanklichen System der Hexerei bei den Gbaya bezeichnen. Dies ist eine Grundvoraus­setzung für dichte Beschreibungen von Religi­onskomplexen überhaupt.

Wer sich einarbeiten will in das Verstehen der zahlreichen Funktionen und Wirkungen, die Hexerei als soziales Phänomen auf Men­schen ausübt, wer Zugänge sucht zu möglichen Lö­sungen für schwerwiegende Probleme, die der Glaube an die Fähigkeiten männlicher und weiblicher Hexen im Raum christlicher Ge­meinden und Kirchenorganisa­tionen schafft, der findet sie modellartig in die­ser Darstellung. Es ist zu vermuten, dass man­che Schlüsse, die der Autor als Missionar zieht und manche Vor­schläge, die er daraus ableitet, nicht den ge­wünschten Erfolg haben werden oder in der vor­ge­schla­ge­nen Form nicht reali­sierbar sind.

Nützliche Ausgangspunkte und Hand­lungs­
mo­delle (eigene Forschungen!) für andere Mis­sio­nare bieten sie auf jeden Fall, nicht nur be­zo­gen auf den afrikanischen Raum, sondern welt­weit.

Prof. Dr. Lothar Käser, em 2001-1.

Ross, Andrew C. A Vision Betrayed. The Jesuits in Japan and China, 1542 - 1742. Maryknoll: Orbis, 1994.

In diesem Buch versucht der Dozent für Missi­onsgeschichte an der Universität Edinburgh, Andrew C. Ross, vor dem Hintergrund der Geschichte der Jesuiten-Mission in China und Japan, der Fragestellung nachzugehen, wie weit es den Jesuiten gelungen war, in Ostasien ein von westlicher Kultur weitgehend gereinigtes Christentum zu etablieren.

Neben seiner sorgfältigen Darstellung und Analyse der Missionsgeschichte in der behan­delten Periode legt Ross einen Schwerpunkt auf die Untersuchung des Verhältnisses zwi­schen der theologischen Vision der „missio“, die in jener Zeit zum ersten Mal außer auf das Verhältnis von Gott-Vater zum Sohn auch auf die Sendung der Kirche in die Welt angewandt wurde, und dem erwachenden politisch-kultu­rellen Sendungsbewußtsein der Mittelmeer­länder. In diesem Konflikt zwischen Mission als Sendung im theologischen Sinn und der expansiven Machtpolitik stand die frühe Osta­sien-Mission der Jesuiten. Und nach Ross endete dieser Konflikt mit dem Verrat an der Vision, allerdings nicht nur durch die Jesuiten, sondern durch alle christlichen Missionen bis zum 18. Jahrhundert.

Den weitaus größten Teil der Monographie nimmt dabei die Darstellung einiger Abschnitte der frühen jesuitischen Missionsgeschichte in Japan und China ein. Dafür greift Ross jedoch ausschließlich auf westliche Sekundärliteratur zurück. Der Mangel an Arbeit mit den durchaus zugänglichen Quellen zu dem behandelten Thema birgt stets die Gefahr einer Mißinter­pretation der Sekundärliteratur. Daher liegt der
große Wert dieses Buches vor allem in seiner missionstheologischen Untersuchung und Be­wertung dieser Missionsepoche.

Stefan Müller, em 1995-4.

Ross-Kinsler, F. & James H. Emery (Hg.): Opting for Change: A Handbook On Evaluation and Planning for Theological Education for Extension. William Carey Library: Pasadena (CA) und World Council of Churches: Genf, 1991.

Dies Handbuch zur Überprüfung des Standards und der Qualität von TEE-Kursen und -Pro­grammen wurde von einem evangelikalen Mis­sionsverlag verlegt, aber von Mitarbeitern des Weltkirchenrates in Genf erstellt. Deswegen liegt der Schwerpunkt des Buches nicht auf der


inhaltlichen Seite. Die Frage, welche Theologie vermittelt wird, ist also nicht Gegenstand des vorgeschlagenen Weges, Stück für Stück die Trägerschaft, das Gesamtkonzept, die Einbe­ziehung der kulturellen Vorgaben, die Akzep­tanz beim Schüler und das Lehrmaterial zu überprüfen. Da die Seiten einzeln herausge­trennt werden können, ist das Buch gut geeig­net, um die einzelnen Bereiche eines TEE-Programmes mit den Betroffenen zu diskutie­ren, indem jeder den Text in Kopie vorliegen hat. Für ein Handbuch erscheint mir das Buch jedoch zum Teil zu ‘hoch’ angesetzt, werden doch teilweise pädagogische und wissenschaft­liche Konzepte in einer Fachsprache diskutiert, die bei der konkreten Überprüfung von TEE-Programmen kaum zu vermitteln sein dürfte.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1994-2.

Rother, Bernd. Kirche in der Stadt: Herausbildung und Chancen von Urbanen Profilgemeinschaften. Neukirchen: Neukirchener Verlag, 2005.

Das vorliegende Buch wurde ursprünglich als Disseration an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Prof. Dr. Günter R. Schmidt) verfasst und vom Autor für die Veröffentlichung sprachlich leicht überarbeitet. Die Untersuchung richtet sich an eine akademische Leserschaft, weniger an den praxisorientierten Gemeindemitarbeiter. Die Sprache ist auch nach der Überarbeitung noch stark fachtheologisch geprägt und für den allgemeinen Leser eher schwer verständlich.

Interessant ist das Material dennoch! Rother untersuchte eine Kategorie von Gemeindegründungen im urbanen Kontext, die mehr oder weniger freikirchlich funktionieren, aber im Rahmen der Volkskirche stattfinden. Er nennt sie „Urbane Profilgemeinschaften“ (UPG). Im Gegensatz zu Gemeindegründungen, die aus der Volkskirche ausgestiegen sind – Rother beschreibt unter anderem die Anskar-Kirche (S. 23-26) – examiniert Rother das englisch-anglikanische Church Planting Movement, die Schweizer Basileia Vineyard Bern, die französische Communauté St. Nicolas in Strasbourg, die in Süddeutschland beheimate Oase Giengen, die Christliche Gemeinschaft Fürth, und besonders die HOSANNA-Dienst-Gemeinschaft in Heidelberg. Der Autor bewertet diese theologisch eher konservativen Gemeinschaften aus der Perspektive einer immanenten Christologie und Ekklesiologie, die Christus heute in Wort und Sakrament der Kirche als „Gemeinde existierend“ versteht (S. 275 u.a.). Dazu im Gegensatz steht die inkarnatorische Christologie der UPG: die untersuchten Gemeinschaften sehen die Kirche als den Leib Christi, Christus aber als ontologisch unterschieden von der Kirche, der eine Bekehrung zu sich, separat von Kirchenmitgliedschaft, dennoch innerhalb des Leibes Christi, fordert. Rother kritisiert diese inkarnatorische Christologie/Ekklesiologie als „elitäre“ Mentalität, „als könne eine Gemeinschaft als ‚vollkommenere‘ Inkarnation Christi verstanden werden als die Volkskirche“ (S.293). Für Rother scheint dieses „Elitebewußtsein“ gefährlich, weil es auf ein Erneuerungsbedürfnis der Volkskirche deutet. Dennoch intendiert ja auch Rother die Erneuerung der Volkskirche. Mit seiner Forschungsarbeit verfolgt er ja gerade die Frage, „ob durch UPG die evangelischen Landeskirchen an Handlungsfähigkeit und damit an Relevanz in der heutigen urbanen Gesellschaft gewinnen können“ (S.22, wiederholt S.274).

Über die Relevanz der erforschten Gemeinden ist nicht zu streiten. Rothers Buch macht deutlich, welche Merkmale die von ihm untersuchten UPG gemeinsam haben: (1) sie arbeiten aufgrund der theologischen Überzeugung, dass Menschen eine persönliche Bekehrung zu Christus brauchen, (2) die meisten UPG haben eine charismatische Tendenz, (3) alle waren schon vor dem offiziellen Beginn des Gründungsprojektes zielbewusst, (4) alle wurden von einer starken und visionären Leitungspersönlichkeit gegründet, (5) sie richten sich auf eine bestimmte Zielgruppe aus, (6) alle haben eine missionarische Ekklesiologie.

Besonders hilfreiche Information für urbane Gemeindebauer kommt aus dem dritten Teil des Buches, wo Rother die heutige Urbanität aus soziologischer Perspektive untersucht. Hilfreich ist dort die Information über urbane Netzwerksysteme. Auch das zweite Kapitel, mit den Beschreibungen der aktuellen Gemeinde­grün­dungen, bietet dem Gemeindegründer nicht nur hochinteressante Information, sondern auch wichtige Einsichten für die Praxis.

Abschließend bewertet Rother die Gründung von UPG im Rahmen der Volkskirche kritisch mit Hilfe der (immanent interpretierten) Confessio Augustana. Rother bejaht die Gründungen von UPG innerhalb der Volkskirche, solange angemessene Strukturen und theologische Übereinstimmung von vornherein existieren (S. 330). Aber gerade hier sehe ich das Problem: Rother will Urbane Profilgemeinschaften, die durch ihre dynamische und relevante Art Leute in die (Volks)Kirche zurücksammeln, will aber auch, dass sich die UPG der - aus meiner Sicht - reduktionistischen Ekklesiologie der Volkskirche anpassen. Diese Anpassung jedoch würde die UPG genauso „erneuerungsbedürftig“ in Dynamik und Relevanz machen wie die Volkskirche. Kirche in der Stadt ist ein Buch voller wichtiger Information, aber leider noch nicht der dringend gebrauchte theologische und praktische Wegweiser, die Stadt in die Kirche zurückzuleiten.

 Dr. Stephen Beck, em 2006-2.

Ruokanen, Miikka. The Catholic Doctrine of Non-Christian Religi­ons. According to the Second Vatican Council. Studies in Christian Missions 7. Leiden/New York: E. J. Brill, 1992.

Da die Diskussion um eine Theologie der Reli­gionen weltweit in starkem Umfang von ka­tholischen Theologen bestimmt wird, ist es un­umgänglich, sich mit der römisch-katholischen Sicht zu befassen. Die vorliegende Un­tersuchung des finnischen Dogmatikers Ruo­kanen analysiert schwer­punktmäßig all jene Dokumente des Zweiten Vatikanischen Kon­zils, die sich mit den außerchristlichen Religio­nen bzw. mit der Frage der Heils­möglichkeit außerhalb der christlichen Kirche befassen. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, die römische Sicht nicht aus den lehramtlich unmaßgebli­chen Auffassungen einzelner Theologen zu re­konstruieren, sondern aus der noch immer neuesten Stellungnahme des römischen Lehr­amtes zu dieser Thematik, wie sie in den Do­kumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils vorliegt.

Nach einer Einführung (7-10) und einer kur­zen Darlegung der vorkon­ziliaren Sicht der nichtchristlichen Religionen (11-34) konzen­triert Ruoka­nen seine Analyse der Konzilstexte zu Recht auf die Erklärung zu den aus­serchristlichen Religionen Nostra Aetate, er be­rücksichtigt aber auch die dogmatische Kon­stitution über die Kirche Lumen Gentium, das Missions­dekret Ad Gentes und die Pastoral­konstitution Gaudium et Spes (35-113).

Ruokanens Untersuchung ist methodisch vorbildlich und in ihren Re­sultaten überzeu­gend, weil sie sehr sorgfältig an dem Wortlaut der Konzil­stexte entlanggeht und im ständigen Gespräch mit den bislang publizier­ten Ausle­gungen erfolgt. Ruokanen gelangt im Unter­schied zu vielen „progressiven“ katholischen Theologen (z.B. P. Knitter) zum Ergebnis, daß das Konzil die außerchristlichen Religionen ausdrücklich nicht als Heils­wege anerkannt habe: Zwar leiteten die Konzilstexte insofern eine Neu­entwicklung ein, als sie die Religionen nicht in erster Linie unter dem Ge­sichtspunkt der Ablehnung, sondern mit Respekt und Of­fenheit für deren religiöse und sittliche Wahr­heiten beurteilten, sie verblieben aber inhalt­lich in den Linien der vorkonziliaren Tradition, insofern sie den Religionen (im Sinne von Röm 1,19f. und 2,14f.) nicht mehr als ein gewisses Maß an natürlicher Gotteserkenntnis und ethi­scher Einsicht auf der Basis einer allgemeinen Schöpfungsgnade zuerkannten. Demnach könnten sich weder Rahners inklusive Theorie von den „anonymen Christen“ noch die heute bei katholischen Denkern beliebte pluralisti­sche Theologie der Religionen auf das Zweite Vaticanum berufen. Ruokanens für manche si­cherlich er­nüchterndes Fazit: „Insgesamt be­trachtet bestätigte das Konzil die klassi­sche katholische Position erneut und führte somit die Kontinuität in der katholischen Lehre vor Augen.“ (Übersetzung aus dem Engl.) Die Stu­die wird beschlossen durch einen umfangrei­chen Anhang, der die Textge­schichte von No­stra Aetate dokumentiert (121-131) und eine aufschluß­reiche (1990 im International Bulletin of Missionary Research erschie­nene) Kontro­verse des Autors mit Paul Knitter und William Burrows über die Berechtigung seiner Inter­pretation des Zweiten Vatikanischen Konzils widergibt. Diese Debatte unterstreicht noch einmal die Fundiertheit von Ruokanens Ana­lyse.

Werner Neuer, em 1996-3.

Rzepkowski, Horst. Lexikon der Mission. Geschichte, Theologie, Ethnologie. Graz/ Wien/Köln: Styria, 1992.

Neben dem 1975 erschienenen „Lexikon zur Weltmission“, dessen protestantische und angelsächsische Herkunft unübersehbar ist, und dem streng auf evangelisch-katholische Parität bedachten „Lexikon missionstheologischer Grundbegriffe“ von 1987 liegt nun ein drittes lexikales Nachschlagewerk vor. Verantwortlich dafür zeichnet der Ordinarius für Missionswis­senschaft an der Philosophisch-Theologi­schen Hochschule SVD St. Augustin, der es – welch herkulische Arbeit – allein verfaßte und damit „auf Fragen nach geschichtlichen Fakten und gegenwärtigen Abläufen eine schnelle Antwort“ geben will. Entsprechend bietet das Lexikon über 750 zumeist mit gut ausgewählter Literaturangabe versehene kurze Artikel, die -bedauerlicherweise - auf Querverweise ver­zichten. Ebenso vermißt man ein Register; stattdessen ist ein „Verzeichnis der Artikel“ beigefügt. Wie obige Werke, so ist auch dieses – erfreulicherweise – ökumenisch orientiert, wenngleich das römisch-katholische Element merklich vorherrscht – was freilich der Hori­zonterweiterung des evangelischen Lesers durchaus dienlich sein wird. Erfreulich ist auch die beträchtliche thematische Breite, die das Lexikon auszeichnet: Über die im Untertitel genannten Schwerpunkte hinaus schließt es wichtige Beiträge aus der politischen Zeitge­schichte (z.B. Apartheid, Club of Rome), der vergleichenden Kultur- und Religionswissen­schaft (vgl. bes. S.259-261, 358-360) wie auch vor allem aus der Entwicklungshilfe (vgl. bes. S.126-129.137-139. 343f.) mit ein.

Den Vorrang haben freilich die Theologie und darüber hinaus die Geschichte, die weniger mit geographischen Artikeln als mit einer Vielzahl von Sachbeiträgen und namhaften Gestalten zu Wort kommt. Personenartikel ma­chen überhaupt etwa ein Viertel aus; des wei­teren werden Personen auch in Sachartikeln vorgestellt. Evangelischerseits bietet sich eine recht breite Palette dar, die von Luther über Rhegius(!), Leibniz, Ziegenbalg, Gützlaff und Venn bis zu Otto, Harnack(!) und Marguli reicht. Allerdings vermißt man auch Beiträge, etwa über Jänicke, Nommensen (welcher weniger kundige Leser würde ihn unter „Ba-tak-Kirche“ suchen?) und den ruhmreichen Albert Schweitzer. Etwas weniger Beachtung als die Personen finden die Träger der Mission: Die protestantischen Organisationen werden hauptsächlich in zusammenfassenden Artikeln (Missionsgesellschaften, Glaubensmissionen, Ärztliche Mission u.a.) dargestellt. Exempla­risch werden daneben fünf deutsche und vier angelsächsische Gesellschaften einzeln aufge­führt; allerdings vermißt man dabei die Dä-nisch-Hallesche und die Herrnhuter Brüder­mission.

Die wichtigsten missiologischen, aber auch damit verwandte allgemeintheologische Be­griffe werden in prägnanter, allgemeinver­ständlicher Weise referiert, wobei sich Rzepkowski mit einer Wertung weitgehend zurückhält. In einigen Artikeln wird jedoch nicht immer ersichtlich, um wessen Meinung es sich handelt, da der Verfasser mitunter ohne Quellenangabe zitiert. Orientiert hat er sich vornehmlich an den Auffassungen des Zweiten


Vatikanums (vgl. den entsprechenden Artikel), ohne freilich die von der ökumenischen und der evangelikalen Bewegung geprägten Themen zu vergessen (Ökumenische Mission, Weltmis­sionskonferenzen, Evangelikai, Lausanner Kongress). Leider haben sich zahlreiche Druck- und Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen; z.B. wurde die Liebenzeller Mission 1899 ge­gründet, nicht 1892 (S.303); der als bestehend aufgeführte „Deutsche Evangelische Missions­tag“ (ebd.) wurde 1974 aufgelöst. Trotz dieser kleinen Mängel wird dieses leicht lesbare Buch schon sehr bald Rang und Ruf eines Standard­werkes erlangt haben. Deshalb gehört es nicht nur in die Bibliothek des missiologischen Fachmanns, sondern stellt auch - trotz des stattlichen Preises - eine lohnende Anschaf­fung für jeden dar, der sich näher mit der Mis­sion beschäftigt.

Werner Raupp, em 1994-2.

Rzepkowski, Horst. Lexikon der Mission: Geschichte - Theologie - Ethnologie. Verlag Styria: Graz, 1992.

Einmannlexika sind heute recht selten ge­worden, aber dem katholi­schen Missionslexi­kon von Rzepkowski dürfte man wohl kaum anmerken, daß das ungeheure Fachwissen ein­schließlich der vielen Literaturverweise von nur einem einzigen Mann im Laufe seines lan­gen Lebens zusammengetra­gen wurde. Natür­lich steht die katholische Missionstheo­logie bei der Aus­wahl der Themen und Einträge im Vordergrund. Wer die bedeutenden Missionare der katholischen Kirche oder die verschiedenen päpstlichen Missionsenzyklika oder wichtige Dokumente im Gei­ste des 2. Vatikanischen Konzils kennenlernen will, wird derzeit kaum einen besseren Zugang dazu finden. Doch schon in den dogmatischen Ar­tikeln ist das katholische Element erstaun­lich zurück­haltend eingebracht worden. Die protestantische Ge­schichte der Mission und der Missi­onswissenschaft wird in vielen eigenen Arti­keln berücksich­tigt, wenn auch nicht so umfas­send, wie die katholische. Gelegentlich ha­ben sogar evan­gelikale Themen und Grup­pen Ein­gang gefunden (z. B. ‘Evangelikale’, ‘Lausanner Kongreß’), wenn auch praktisch alle Glaubens­missionen feh­len (Ausnahmen z. B. ‘Baptis­ti­sche Missionen’, ‘Jugend mit einer Mis­sion’). Die theologische Breite der Artikel und der Versuch des Verfassers, seine eigene Theolo­gie nicht zu sehr durchscheinen zu las­sen, der natür­lich grundsätzlich sehr zu begrü­ßen ist, führt aber dazu, daß das histori­sche Element sehr stark im Vordergrund steht, die theologi­sche Beschrei­bung und Differenzie­rung der einzelnen Gruppen dagegen bis­weilen zu kurz kommt und recht flach wirkt. Oft bleibt es bei Kurzurteilen, die - auch wenn man be­rücksichtigt, daß das Lexikon knapp infor­mie­ren will – der Thematik kaum gerecht werden.

Ein Beispiel muß hier genügen. So be­schreibt der Artikel „Dämon“ ausführlich auf zwei kompletten Spalten die klassische Sicht der Dämoni­sierung fremder Religionen, wie sie die Missionsgeschichte geprägt hat, sowie den Stellenwert des Dämonenglaubens in be­stimmten Religionen. An eigener Stellung­nahme erfolgt jedoch nur eingangs ein einziger Satz: „Im Bereich der Evangelisierung und der Begegnung mit den Religionen ist die Vor­stellung des ‘Dämon’ wenig hilfreich“. Was soll damit gesagt werden? Gibt es Dämonen, aber man sollte weniger von ihnen sprechen oder sie nicht in anderen Religionen sehen? Oder gibt es bestimmte sinnvolle Beschränkungen für einen zu leichtfertigen Umgang mit dem Vor­wurf der Dämonie? Oder sind Dämonen mythi­sche Beschreibungen, die heute nicht mehr an­gebracht sind?

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-4.

Sahid, Ibrahim. Christen und Moslems. An­regungen zum Gespräch. Uhldingen: Stepha­nus-Edition, 1997.

Dieses kleine Taschenbuch erschien 1971 in Afrika und wurde in Indien bereits in vier Sprachen veröffentlicht. Sahid, langjähriger Islam-Missionar in Afrika, möchte Christen praktische Handreichungen geben für missio­narische Gespräche mit Muslimen. Er vermit­telt nicht nur Grundlagenwissen über gut ge­eignete Themen. Es versucht auch, Gesprächs­hilfen zu geben für die ‘heißen Eisen’ wie die Gottessohnschaft Jesu oder die Dreieinigkeit. Zusätzlich wirft er am Ende jeden Kapitels ei­nige Fragen auf, damit eigene Verhaltenswei­sen und Denkstrukturen neu überdacht werden können. Daß Jesu Liebesgebot gerade auch für Muslime gilt und die Liebe Christen von Furcht und Vorurteilen befreit, kann auch bei uns in Deutschland nicht oft genug betont wer­den. Sahid vermittelt nicht nur ‘trockenes’ Wis­sen, sondern auch seelsorgerliche Hilfen für diejenigen, die mit Muslimen im Gespräch sind. Besonders geeignet als ‘Einstiegslektüre’.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1998-1.

Samuel, Vinay & Chris Sugden (Hg.). A.D. 2000 and Beyond: A Mission Agenda. Fest­schrift John Stott. Regnum Books: Oxford, 1991.

Diese missionswissenschaftliche Festschrift zum 70. Geburtstag von John Stott wurde nicht von evangelikalen Größen verfaßt, wenn man einmal von dem Vorwort von Billy Gra­ham absieht, sondern weitgehend von jünge­ren Theologen aus aller Welt, die sich dem Verhältnis von Mission und sozialem Enga­gement oder der Auseinandersetzung mit an­deren Religionen widmen und die seit einigen Jahren von John Stott wesentlich gefördert werden. Auch der Verlag des Buches geht auf diese Initiativen zurück. Unter den theologisch weitgestreuten Autoren finden sich aus Eng­land Christopher Sudgen und der Leiter des All Nations Christian College, aus Asien John Chew Hiang Chea, Jesudason B. Jeyaraj, Mi­chael Nai-Chiu und Vinay Samuel, aus Brasi­lien Valdir Steuernagel, aus Afrika Robert Aboagye Mensah, aus Pakistan der Leiter der Church Missionary Society, und schließlich sogar Joachim Wietzke vom Evangelischen Missionswerk in Hamburg (über das Verhält­nis zum Islam). Eine solche Breite an theolo­gischen Positionen und Themen kann natür­lich, wie es meist bei Festschriften der Fall ist, nur schwer vorgestellt und beurteilt wer­den. Die meisten Autoren beschäftigen sich mit sozialen Fragen oder mit dem Einhei­mischwerden des Evangeliums in ihrer oder anderen Kulturen. Erfreulich ist, daß zu so­zialen Fragen sehr stark auch das Alte Testa­ment herangezogen wird. Dies gilt etwa für Wrights Darstellung der Einzigartigkeit Chri­sti aus alttestamentlicher Sicht oder den le­senswerten Beitrag zum Verhältnis von Eltern und Kindern im Alten Testament und den Fol­gerungen für von der Ahnenverehrung ge­prägte Gesellschaften. Allerdings wird man bisweilen den Verdacht nicht los, daß es nur um ein Berufen auf das Alte Testament geht, wenn es gerade passend erscheint, denn ein
grundsätzlicher Ansatz, wie Christen - gerade auch in der Dritten Welt - das Alte Testament heute ethisch und missiologisch verwerten sollen, wird nirgends sichtbar.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1992-3.

Sandgren, David P. Christianity and the Kikuyu. Religious Divisions and Social Conflict. (American University Studies, Series IX Hi­story; vol. 45), Peter Lang: New York, 1989.

Von ihrer Qualität her zu urteilen, hätte Sandgrens Dissertation (University of Wisconsin-Madison 1976) nicht so lange (wenn man von der University Microfilm Int. [UMI] Print-on-Demand Version absieht) unveröffentlicht bleiben dürfen. In seiner gut lesbar geschriebe­nen Arbeit untersucht Sandgren für das Gebiet der Africa Inland Mission in Kenya die Begeg­nung der Kikuyu mit der christlichen Botschaft, wobei er die AIM als eine Mission schildert, die eng mit ihrer eigenen Kultur liiert ist und dieser Tatsache wenig kritisch gegenübersteht. Sandgren sieht aber - und hier unterscheidet sich sein Buch von vielen frommen wie gar nicht so frommen Büchern - die Kikuyu nicht als die passiven Empfänger bzw. Opfer des Handelns der Mission, sondern als Menschen,
die aktiv und selbständig der christlichen Botschaft begegnen und sie sich aneignen, mit, gegen oder ohne die Missionare. Zudem zeichnet sich Sandgrens Buch dadurch aus, daß über 300 Interviews mit Kikuyu den wichtig­sten Teil der Primärquellen bilden, was aber die Qualität der Bearbeitung der schriftlichen Pri­märquellen nicht mindert.

In Sandgrens Buch geht es thematisch um die Autonomie der Außenstationen (ohne wei­ße Missionare), um die Mädchenbeschneidung, um das Schulwesen und um die aus diesen drei Kontroversen hervorgehenden Afrikanischen Unabhängigen Kirchen. Da diese Fragen in der einen oder anderen Form heute noch in vielen Missionen und Kirchen brennend sind, ist das Buch für den praktischen Missionar sehr zu empfehlen, auch wenn er nicht in direktem Kontakt zur AIM steht.

Außerdem kann das Buch einer Korrektur der AIM Geschichtsschreibung dienen. Die of­fizielle Darstellung (Kenneth Richardson: Gar­den of Miracles. A History of the Africa Inland Mission, London: Victory Press 1968) münzt den Titel zwar auf Gottes Wirken, aber manche Informationen erscheinen schon sehr wun­dersam. Wenn zum Beispiel berichtet wird, daß nach der Kontroverse um die Mädchenbe­schneidung die Zahl der Christen schrittweise wieder zunahm, daß aber die Maßstäbe nie ge­senkt wurden, so ist das schlicht nicht wahr, wie nicht nur Sandgren und Jomo Kenyatta (Facing Mount Kenya) belegen, sondern auch John Gration (jetzt Professor of Missions am Wheaton College), dessen Dissertation (The Relationship of the Africa Inland Mission and its National Church in Kenya Between 1895 and 1971, PhD New York University 1974) leider auch noch der Veröffentlichung harrt (allerdings bei UMI als Print-on-Demand Version erhältlich ist).

Sandgrens Buch möchte ich Missionaren, die sich mit dem Verhältnis Kirche - Mission und Mission - einheimische Kultur beschäfti­gen, sehr empfehlen. Diese Empfehlung gilt trotz des bescheidenen Layouts, das den Ein­druck erweckt, als gäbe es in Amerika noch keine Computer.

Dr. Klaus Fiedler, em 1993-3.

Sauer, Charlotte. Johannes E. Gossner, Ein Leben für die Wahrheit. Neuhausen: Hänss­ler, 1995.

Die Lebensgeschichte Gossners (1773-1858) liest sich spannend wie ein Roman. Sehr ein­fühlsam und klar zeichnet Sauer die Stationen dieses Erweckungs­predigers nach. Während 30 Jahren tritt er als kompro­missloser Mahner für die Wahr­heit des Evangeliums im Kon­text sei­ner katholischen Umge­bung ein. Als sich von Seiten der Kirchenführung gegen den Priester Gossner starker Wider­stand regt und er mehr­fach ge­maßregelt und schließlich aus Bayern vertrieben wird, nimmt er eine Berufung nach Peters­burg an. Nach Jahren gesegne­ten Dienstes regt sich auch dort Widerstand. Wie­der wird er vertrieben und flieht in eine für ihn ungewisse Zukunft. Schließlich tritt er zum evan­gelischen Glauben über und übernimmt eine Pfarrstelle in Berlin. Jahre des außerge­wöhnlich gesegneten Dienstes für das Reich Gottes folgen. In Zusammenarbeit mit seiner treuen Haushälterin richtet er in Berlin Kinder-Warte-Anstal­ten ein, gründet das heute noch bestehende Elisabeth-Kranken­haus und ruft einen Missions­verein ins Leben. In einem Jahr­zehnt werden 80 Männer und fast ebensoviele Frauen als Missionare in die Teile der Welt ausgesandt, in denen noch keine Christenge­meinden be­standen.

Es tut uns als weitgehend an­gepaßten Chri­sten des bald 21. Jahrhunderts gut, sich von der Treue und Radikalität eines geistlichen Vaters wie Gossner inspirieren zu lassen!

Hartmut Burghoff, em 1996-3.

Sauer, Christof. Mission und Martyrium. Studien zu Karl Hartenstein und zur Lausanner Bewegung. edition afem - mission Scripts 5, VKW: Bonn, 1994.

Der Autor stellt selbst die Frage: „Warum schreibt ein junger Mensch aus der BRD über ein Thema, das sich mit der Kreuzesnachfolge befaßt, wenn er noch nie einen Krieg erlebt oder Verfolgung erlitten hat?“ Seine Antwort: „Es wird immer wieder über die Bedrängnis von Christen berichtet. Aber wie gehen wir
damit um? Wie gehen wir mit den vielfältigen Meldungen aus anderen Ländern um, die vom Tod und Leiden von Christen, Entführungen oder sogar Ermordungen von Missionaren berichten?“

Christof Sauer geht dem Problem des Mar­tyriums im Zusammenhang der Mission in drei Anläufen nach. Zunächst untersucht er, was die Schriften Hartensteins zur Frage des Leidens und Martyriums zu sagen haben. In einem zweiten Teil analysiert er die Dokumente der Lausanner Bewegung 1974 - 1989. Abschlie ßend versucht er die neutestamentlichen Aus­sagen zum Thema systematisch zusammenzu­stellen.

Besonderes Interesse dürfte der Teil über Karl Hartenstein (1894-1952) finden. Denn die Untersuchung erschien kurz nach Abschluß des 100. Geburtsjahres des früh verstorbenen Bas­ler Missionsdirektors und Stuttgarter Prälaten.

Karl Hartenstein ist in seiner pietistischen (nicht evangelikalen) Theologie geprägt durch die Tübinger Professoren Adolf Schlatter und Karl Heim, aber er hat sich auch mit der Theo­logie Karl Barths auseinandergesetzt. Nur eine einzige Schrift Hartensteins trägt den Begriff „Leiden“ im Titel. Sie heißt „Das Geheimnis des Leidens in der Mission“, wie in der Fußno­te auf S.21 richtig angeführt (nicht wie im Text fehlerhaft zitiert). In Hartensteins Ausle­gungen zum Propheten Daniel, zu Matthäus 24 und der Offenbarung finden sich viele Gedan­ken zu einer „Theologie des Martyriums“.

Sauer stellt in gründlicher Quellenarbeit die wesentlichen Aussagen Hartensteins zu Leiden und Martyrium systematisierend zusammen. Vieles findet sich zwar in anderer Zusammen­stellung auch in dem Standardwerk von Gerold Schwarz über die Theologie Hartensteins (Stuttgart 1980), das noch im Handel erhältlich ist. Doch Sauer geht weit ausführlicher auf das Thema ein.

262 Fußnoten zeigen, wieviel Hartenstein geschrieben hat und daß mehr über ihn geschrieben haben als man denkt, bis hin zum württembergischen Landesbischof i.R. D. Theo Sorg.

Fritz H. Lamparter, em 1995-4.

Sauer, Christof. Reaching the Unreached Sudan Belt: Guinness, Kumm and the Sudan-Pionier-Mission, Evangelium und Islam Bd. 2, Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft, 2005.

Die Forschungsarbeit von Christof Sauer, für die er im Jahr 2002 von der Universität von Südafrika promoviert wurde, konnte endlich 2005 einem breiteren Kreis von Lesern zugänglich gemacht werden. Unter diesen werden alle auf ihre Kosten kommen, die an der Missionsgeschichte im Allgemeinen und an der Geschichte der evangelikalen Missionen im Besonderen interessiert sind.

In Kap. 1 stellt der Verfasser Ziele und Methoden seiner Arbeit vor. In ihr geht es um die wissenschaftliche Aufarbeitung der Anfänge der im Jahr 1900 in Assuan/Ägypten und in Eisenach gegründeten Sudan-Pionier-Mission (SPM, Kap. 4-7). Der Verfasser stellt diese Gründung in den weiten Rahmen der Bemühungen, Zentralafrika südlich der Sahara – damals Sudan genannt – der christlichen Mission zugänglich zu machen (Kap.2).

C. Sauer stellt die Anfänge der SPM aber auch in den Rahmen der evangelikalen Missionsbewegung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Er würdigt in Kap. 2 ausführlich eine Pionier-Familie, der das Erreichen Zentral-Afrikas besonders am Herzen lag: den Briten Henry Grattan Guinness (1835-1910), seine Frau Fanny (1832-1898) und seine Tochter Lucy (1865-1906). H. G. Guinness gab der internationalen Missionsbewegung starke geistliche Impulse und war der Motor bei der Gründung der SPM. Er ist heute aber nur noch in Fachkreisen bekannt. Es lohnt sich, mehr über ihn zu wissen.

Das gilt auch für seinen deutschen Schwiegersohn Karl Kumm (1874-1930), der zusammen mit Lucy Guinness die Anfänge der SPM ins Werk setzte. Der Autor hat sich besonders intensiv mit K. Kumm beschäftigt (Kap. 3 ganz und Kap. 4-6 wiederholt) und dabei eine Fülle neuer Informationen und Erkenntnisse ans Licht gebracht. K. Kumm gründete nach dem Ausscheiden aus der SPM 1904 in England die Sudan United Mission (SUM), die ihn international bekannt machte.

Der Verfasser arbeitet in erster Linie historisch, durchdringt die Fülle des Stoffs aber gleichzeitig in missiologischer Reflexion (Kap. 7-9). C. Sauers Werk macht deutlich, dass zwischen großen Zielen und ihrer konkreten Verwirklichung eine erhebliche Diskrepanz bestehen kann. Die deutsche SPM blieb lange auf das südliche Ägypten beschränkt, während die SUM den Sudan-Gürtel sofort erreichte und hier sehr erfolgreich wirkte.

Die Gründer der deutschen SPM gingen enthusiastisch, aber wenig professionell ans Werk. Menschliche Unzulänglichkeiten kamen hinzu, so dass der Verfasser kaum in Versuchung kommen konnte, die Vita von Heiligen zu schreiben. Es ist tröstlich, dass die SPM trotz ihres holprigen Starts inzwischen auf eine über hundertjährige Segensgeschichte zurückblicken kann. Die Nachfolgewerke der alten Sudan-Pionier-Mission sind die „Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten“ (Wiesbaden) und die „Mission am Nil“ (Knonau/Schweiz).

C. Sauer hat seine Arbeit auf Englisch geschrieben. Dadurch ist sie einem internationalen Leserkreis zugänglich. Dem deutschen Leser hilft ein ausführliches Inhaltsverzeichnis zur raschen Orientierung. Landkarten, Tabellen, ein ausführliches Literaturverzeichnis, ein detailliertes Stichwortregister und ein Anhang mit zitierten Texten aus der Gründungszeit der SPM (68 Seiten) machen das Werk zu einem überaus brauchbaren Arbeitsmittel.

Dr. Christof Sauer ist württembergischer Pfarrer und seit 2000 im Auftrag der Vereinigten Deutschen Missionshilfe (Bassum) in Südafrika tätig. Seit 2003 ist er Dozent für Missiologie an der University of South Africa (UNISA) in Pretoria und Academic Liaison Officer der Gesellschaft für Bildung und Forschung in Europa e.V. (GBFE).                    

Eberhard Troeger, em 2006-2.

Sauer, Silke. Oralität und Literalität – Ihre Bedeutung für Kommunikation und Bibel­übersetzung. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1995.

Silke Sauers Arbeit behandelt die Bedeutung der Oralität und Literalität für Kommunikation und Bibelübersetzung. Der Unterschied zwi­schen Oralität und Literalität ist das Fehlen bzw. das Vorhandensein von Schrift in einer Gesellschaft. Allerdings ist diese Trennungsli­nie in verschiedenen Gesellschaften nicht so klar zu ziehen, da es Mischformen gibt. Orali­tät und Literalität beeinflussen Denken, Kom­munikation und Reli­gion ei­nes Volkes.

Die Übersetzung der Bibel in die Sprache einer oralen Kultur ist mit Problemen verbun­den, die über die allgemeinen Schwierigkeiten bei der Bibelübersetzung hinausgehen und die inhaltliche Verständlichkeit, die Glaubwürdig­keit und die persönliche Relevanz betreffen. Darüber hinaus geht die Autorin auf die Über­mittlung der Bibel in einer oralen Gesellschaft ein. Sie präsentiert methodische Ansätze und Gedanken zur schriftlichen Kommunikation (sprachliche, inhaltliche und formale Gestal­tung) und zur oralen Kommunikation (direkte mündliche Rede, Lied und Gesang, verschie­dene Medien). Dieses Buch sollte eine „Pflichtlektüre“ für all diejenigen sein, die sich auf dem Gebiet der Bibelübersetzung engagie­ren. Darüberhinaus ist es für alle Missionare empfehlenswert, die in einer oralen Kultur ar­beiten, denn es ist wichtig, darüber nachzuden­ken, wie eine Bibelübersetzung die Kultur be­einflußt bzw. beeinflußt hat.

Mechthild Roth, em 1997-4.

Sautter, Gerhard. Heilsgeschichte und Mis­sion ‑ Zum Verständnis der Heilsgeschichte in der Missionstheologie. Theologische Ver­lagsgemeinschaft (TVG) / Brunnen Verlag Gießen, Basel, 1985.

Sautter versucht mit dieser Arbeit, die 1984 in Tübingen bei Peter Beyerhaus als Disser
tation angenommen wurde, das Verständnis der Heilsgeschichte darzustellen und zu werten, wie es bei den Weltmissionskonfe­renzen, den ökumenischen und evangelikalen Weltkonferenzen zwischen 1910 und 1975, zu beobachten ist. Die Darstellung wird ergänzt durch einen knappen Aufriß einiger heilsgeschichtlicher Entwürfe sowie eine Zusammenfassung der ,,Antwort der Bibel“ auf diese Entwürfe.

Sautter hat damit die Herausforderung auf­genommen, zu untersuchen, inwieweit die Missionstheologie des 20. Jahrhunderts die Spannungen zwischen dem „schon jetzt“ von Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi und dem ,,noch nicht“ der Wieder­kunft Jesu Christi durchhält. – Die formale Grenze dieser Untersuchung liegt in der Selbstbeschränkung Sautters: Missionstheo­logie wird reduziert auf die Erklärungen der erwähnten Weltkonferenzen.

Eine weitere Grenze der Untersuchung liegt darin, daß sie die „Antworten aus der Theologiegeschichte“ auf zehn Beispiele be­grenzt: Auf Irenäus und Augustinus folgt Joachim von Fiore; Martin Luther und Tho­mas Münzer werden auf exakt zwei Seiten abgehandelt (wobei die für diese Fragestel­lung so wichtige Zwei-Reiche-Lehre nicht dargestellt wird). Bengel wird erwähnt als Vertreter der „protestantisch-joachimitischen Tradition“; ein Exkurs zu der Darstel­lung Bengels handelt von „Heilsgeschichte bei Hegel und Marx“, was für mich nicht einleuchtend ist. Aus den letzten hundert Jahren finden nur von Hoffmann, Martin Kahler und (ohne eigenes Kapitel) Oskar Cullmann Erwähnung. Ich halte diese Zu­sammenfassung in dieser Auswahl und Kür­ze für ungenügend.

Die größte Enttäuschung für mich liegt aber in der Tatsache, daß die Spannung zwischen „schon jetzt“ und „noch nicht“ in der Darstellung nicht durchgehalten wird. Zum Kriterium einer heilsgeschicht­lichen Missionstheologie wird nicht diese Spannung, sondern die einseitig und oft ausschließlich futurische Eschatologie. Für mich bedeutet diese Akzentverschiebung auch eine christologische Entscheidung, denn wenn das Reich Gottes nur als ein kommendes erwartet wird, dann ist mit der Inkarnation, dem Leiden und dem Sterben Jesu Christi, mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt eben nichts Entscheidendes passiert, dann hat Christus den Sieg über Sünde und Tod und Welt noch nicht errun­gen. Diese Aussage allerdings würde ich für unbiblisch halten. Ein solches Kriterium wäre für mich in seiner Einseitigkeit falsch.

Bei der Darstellung des evangelikalen Standpunktes stellt Sautter ziemlich aus­führlich die gesamte evangelikale Bewegung dar und orientiert auch über verschiedene Zweige innerhalb dieser Bewegung (Evan­gelikale, neue Evangelikale, bekennende Evangelikale, radikale Evangelikale), wobei m.E. das Spektrum der evangelikalen Be­wegung sehr viel größer ist, als es hier zur Darstellung kommt. Ich bin mir auch nicht so sicher, daß die Bezeichnungen schon so allgemein anerkannt wären, wie es bei Saut­ter den Anschein hat.

So dankbar diese Übersicht auch zur Kennt­nis genommen werden wird, so bedauerlich ist dabei doch die Tatsache, daß die ekklesiologische Frage einfach zu kurz kommt. Es wäre reizvoll und notwendig, die heils­geschichtliche Sicht in den verschiedenen evangelikalen Gruppierungen einmal vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Ekklesiologie zu sehen und darzustellen.

Sautter stellt in seinem Buch eine mögliche und denkbare Sicht der biblischen Heils­geschichte ausführlich dar. Dafür bin ich dankbar, auch wenn diese Sicht dem bibli­schen Reichtum und dem vielfältigen Han­deln des auferstandenen Christus in Kirche und Mission nicht voll gerecht wird.

Theo Wettach, em 1986-4.

Sawatsky, Walter W.; Peter F. Penner (Hg.), Mission in the Former Soviet Union. Occasional Publications – published in cooperation with International Baptist Theological Seminary [IBTS] of the European Baptist Federation, Schwarzenfeld: Neufeld Verlag, 2005.

Die Referate in diesem Sammelband gehen auf eine im Februar 2003 vom IBTS in Prag veranstaltete Tagung zum Thema „Mission in the Former Soviet Union“ zurück. Sie wollen eine ausgewogene Darstellung fremder sowie nationaler Missionsbestrebungen seit dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion und Entstehen der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS – CIS) auf dem Hintergrund der Russisch Orthodoxen Kirche und der sowjetischen Religionspolitik vermitteln.

Als Rußlanddeutsche bleibt in den Ausführungen von Peter Penner und Johannes Dyck der Puls der slawischen Seele vernehmbar. Ihr Denken ist von zwei Welten geprägt (Kap.1, 2, 5 u. 7). Penners missiologische Perspektive zeigt, wie die missio dei unter slawischen Völkern von der Kiewer Periode bis glasnost und perestrojka unablässig gewirkt hat. Die Sowjets nahmen den Gläubigen ihre Leiter, aber nicht ihr Zeugnis (S.11-27). Flammen Gottes sind unauslöschlich. Davon zeugt auch Penners Auswertung verschiedener Missionsmittel und -methoden in der GUS (S.120-163). Dycks drei Modelle der Erweckung, die in Nachkriegsjahren zu Neuentstehungen der Gemeinde unter Deutschen in Zentralasien führten, wobei das Priestertum aller Gläubigen als Schlüssel diente, bleiben aktuell (S.74-93).

Marina Sergeyevna Karetnikova und Viktor Artemov bringen bodenständige Kenntnis aus Kultur und Geschichte ihres Volkes mit in ihre Beiträge (S.64-73; 226-248). Karetnikova beginnt ihren Beitrag zur Missionsbewegung im 19. und 20. Jahrhundert mit Felician Zaremba, Mitbegründer der Evangelikalen Rußlands, und spricht am Schluß von dem dynamischen Zeugnis einer neuen Generation gläubiger Russen, die zusammen mit einheimischen Absolventen theologischer Institutionen, Deutschen, Amerikanern, und Koreanern für die geistliche Erweckung Rußlands wirken (S.73; 64-73). Artemov ist einer der „neuen Generation“ mit einem Herzen für „Christian Camping in Russia“ (S.226-248), wobei er aus Ergebnissen von Umfragen festzustellen sucht, wie junge Menschen mit dem Evangelium erreicht, in die Gemeinde integriert, und Mitarbeiter als Nachfolger Jesu geschult werden können (S.237-238), Die Angloamerikaner, Mark Elliott und Walter Sawatsky, behandeln einige Themen, die sie als Ausländer anders wahrnehmen als Insider. Elliott spricht über ein heikles Thema, wenn er auf widergesetzliche Diskriminierung hinweist, die ein Auslandsmissionar beim Antrag eines Visums für Rußland erlebt und oft mit einer Absage abgefertigt wird (S.188-201).

Sawatsky vertieft sich in die geschichtliche Entwicklung evangelikaler Bewegungen im slawischen Raum und versteht es, den Ertrag tiefgründiger Forschung in einer verständlichen Sprache zu vermitteln. Er führt die Entstehung der Evangeliken auf ausländische sowie einheimische Quellen zurück und nennt die Jahre von etwa 1870 bis 1930 „das goldene Zeitalter“, an dem Evangeliums-Christen, Baptisten und Mennoniten teilnahmen. Jede Gruppe wurde von den Sowjets schwer verletzt, keine total vernichtet. Nach dem 2. Weltkrieg rollten geistliche Neubelebungen über das Land und gaben Anlaß zu neuen Missionseinsätzen (S.38-62). Seine Bewertung der Missionen seit den Achtzigern zeigt, dass echte Frucht weder durch Eifer noch Eingrenzung, sondern aus „Duldsamkeit und Demut unter Gottes Führung“ entstand (S.116; 94-118). Der historische Entwurf zum interkonfessionellen Dialog (S.164-186), sowie der Aufruf zu Gesprächen zwischen evangelikalen Richtungen, helfen irrtümliche Vorstellungen zu eliminieren (S.202-225). Sawatsky schließt mit einem ernüchternden Gedanken im Blick auf die Zukunft der Mission in der GUS (S.250-274): „Wir können‘s nicht ohne Gott; Gott tut‘s nicht ohne uns.“

Das Buch ist nur zu empfehlen, das Register hilfreich; verbesserungsbedürftig bleiben Format und Aufmachung.

    Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2007-2.

Schalkwijk, Frans Leonard. The Reformed Church in Dutch Brazil (1630-1654). Uitgeverij Boekencentrum: Zoetermeer, 2000.

Der Weltmissionsgedanke war bei reformierten Reformatoren wie Calvin und Bucer von Anbeginn greifbar und führte schon im 16. Jh. zu – allesamt gescheiterten – organisierten Missionsarbeiten in Übersee. Insbesondere die Niederlande brachte nicht nur bedeutende Missionsdenker wie Gisbertus Voetius hervor, sondern auch organisierte Missionsunternehmungen. Dies geschah auch schon während der blutigen Entstehungszeit der Niederlande, als der sog. 80jährige Krieg (1568-1648) bis zum Westfälischen Frieden eigentlich die Interessen in die Heimat hätte lenken müssen. Denn in Brasilien entstand 1630 nicht nur eine Kolonie, sondern auch eine ausgedehnte Missionsarbeit unter den Portugiesisch sprechenden Bewohnern (bes. S.152-167) und den Indianern (bes. S.168-185).

Die umfangreichste Untersuchung zur Geschichte der reformierten Mis­sion und Kirche in Nordostbrasilien war schon immer minutiöse, oft ge­rühmte Untersuchung des in den Niederländern geborenen Brasilianers Schalkwijk, die 1986 auf Portugiesisch erschien. Die mit ‘cum laude’ be­wertete Dissertation (Sao Paulo) erhielt sogar staatliche Ehrungen. Sie liegt nun endlich in einer überarbeiteten Fassung (mit Register) auf English vor.

Die Arbeit schildert sowohl die Vorgänge in der niederländischen Mutterkirche, als auch Theologie und Praxis in Brasilien. Die zugrundeliegende Missionstheologie, die Kirchenstruktur, die Art und Zahl der Taufen, die Katechismen, der dreisprachige Missionska­techismus und die wichtigsten Missionare und Pastoren sind nur einige der Themen.

Besonders breiten Raum nimmt die Frage des Umganges mit Lutheranern, Katholiken, Juden und Indianern ein und damit die Frage nach der Religionsfreiheit. Sie war für damalige Verhältnisse nach reformiertem Vorbild sehr groß und viel größer als in der Mutterkirche. Auch wenn die reformierte Kirche durch die Verbindung mit der Kolonialmacht Staatskir­che war, wurden Lutheraner in die Kirchen integriert und nahmen am Abendmahl teil, durften Katholiken und Juden nicht nur eigene Gottesdienste abhalten, sondern sogar ihren Glauben öffentlich darstellen und Reformierte ‘abwerben’. Der refor­mierten Gedanke einer christlichen Theokratie führte nicht zu Zwang, sondern zu einer enormen rechtlichen Gleichheit vor dem Gesetz. Für Juden – immerhin jeder siebte Einwohner – wurde die Kolonie sogar ein „Paradies“ (S.303) auf Erden. Die Indianer wurden aus der Sklaverei befreit (S.171-177), wenn auch oft gegen die Portugiesen instrumentalisiert.

Der Verfasser weist zu Recht darauf hin, dass mehrere der von ihm dargestellten Missionare einer eigenen Untersuchung harren (z. B. S.210+184). Wahrscheinlich ist der Hintergrund der fehlenden Untersuchungen ein sprachlicher, muss man dazu doch Niederländisch und Portugiesisch können. Aber auch der starke Abbau der ökumenischen Missionswissenschaft in den Niederlanden, dem nicht – wie in Deutschland – das Aufblühen einer evangelikalen Missionswissenschaft gegenübersteht, dürfte dabei eine Rolle spielen.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-4.

Scherer, James A. & Stephen B. Bevans (Hg.): New Directions in Mission and Evangelization 1. Basic Statements 1974-1991. Maryknoll: Orbis, 1992.

Diese Buch schließt eine empfindliche Lücke. Endlich liegt eine umfangreiche Sammlung von offiziellen Dokumenten vor, die zu Auftrag und Verständnis der Mission Stellung nehmen. Eine letzte vergleichbare Sammlung hat HJ. Mar­guli vor dreißig Jahren unter dem Titel „Zur Sendung der Kirche. Material aus der ökume­nischen Bewegung“ (München 1963) für die Zeit von 1910 bis 1961 herausgegeben. Vorlie­gender Band berücksichtigt die letzten zwanzig Jahre, die durch das Nebeneinander verschie­dener missionstheologischer Strömungen und Ansätze gekennzeichnet sind.

Die Texte aus der ökumenischen Bewegung („Conciliar Ecumenical Statements“) sind die Fortführung von Margulis Sammlung. Hier finden sich neben Berichten von den Vollver­sammlungen des ÖRK (Nairobi 1975, Vancou-ver 1983, Canberra 1991) und den Weltmissi­onskonferenzen (Melbourne 1980, San Antonio 1989) vor allem die wichtige ökumenische Er­klärung zu Mission und Evangelisation von 1982 und die Ergebnisse der Stuttgarter Kon­sultation zum Verständnis von Evangelisation (1987), an der auch Vertreter der Lausanner Bewegung teilnahmen. Leider fehlt die Erklä­rung des Luth. Weltbundes zum Verständnis von Mission „Gottes Mission als gemeinsame Aufgabe“ (1988).

Daneben machen die Texte aus der katholi­schen Kirche (u.a. die Enzykliken Evangelii Nuntiandi von 1975 und Redemptoris Missio von 1990) den größten Block aus. Angesichts des beginnenden Dialogs der Evangelikalen mit den orthodoxen Kirchen sind deren bisher kaum beachteten Erklärungen zur Mission besonders wichtig. Hier sind sie leicht zugäng­lich.

Der vierte Teil ist schließlich der evangeli­kalen Bewegung gewidmet. Die Lausanner Verpflichtung (1974) und das Manila-Manifest (1989) finden sich hier ebenso wie die Ergeb­nisse der Konsultationen zu homogenen Ein­heiten (Pasadena 1977), Evangelium und Kul­tur (Willowbank 1978), einfachem Lebensstil (High Leigh 1980), Weltevangelisation (Patta-ya 1980), sozialer Verantwortung (Grand Ra-pids 1982), Antwort auf menschliche Not (Wheaton 1983), Zeugnis für Juden (Willow­bank 1989 und Zeist 1991).

Um ein eigenes missionstheologisches Profil zu gewinnen, ist gerade die Auseinanderset­zung mit anderen Meinungen notwendig. Die­ses Buch gibt uns dazu das wichtigste Material in die Hand. Deshalb wäre seine weite Ver­breitung auch in evangelikalen Kreisen zu be­grüßen. Die Herausgeber, ein lutherischer und ein katholischer Missiologe aus den USA, haben neben einer allgemeinen Einleitung jedem Dokument eine kurze Einführung vor­ausgestellt. Ein Register hilft, das Werk zu er­schließen. Dem Verlag und den Herausgebern ist für diesen ersten Band einer neuen Reihe zu danken. Eine ähnliche Sammlung in deutscher Sprache wäre wünschenswert.

Dr. Johannes Triebel, em 1993-4.

Scherer, James A.; Stephen B. Bevans (Hg.). New Directions in Mission and Evangeliza­tion 2: Theologi­cal Foundations. Mary­knoll/N.Y.: Orbis Books, 1994.

Sammelbände erfreuen sich im allgemeinen keiner großen Beliebtheit. Warum eigentlich? Oft bieten sie einen guten, knappen Überblick über ein bestimmtes Fachgebiet. Dies trifft auch für diesen von zwei reno­mierten Chica­goer Professoren für Missionswissenschaft herausgegebenen Band zu.

Ziel dieser geplanten Serie von Sammelbän­den ist, die von Anderson und Stransky heraus­gegebene Reihe „Mission Trends“ fortzufüh­ren, um die sich schnell und umfas­send verän­dernde Situation der Welt­mission zu beschrei­ben.

Die insgesammt 16 Beiträge gliedern sich in fünf Bereiche auf: 1) Das Wesen der Mission (8); 2) Histori­sche Hintergründe (3); 3) Missi­onspraxis (2); 4) Das Studium der Mission (1); 5) Dokumentation (2). Wie im ersten Band der Reihe „New Directions“ kommen auch hier ökumenische, orthodoxe, katholische und evan­gelikale Stimmen zu Wort (z .B. Costas, Van Engen, Utuk, Schreiter, Gittins). Auch von den Herausgebern selbst stammt je ein Beitrag.

Nicht nur aufgrund der zwei hervorragenden Artikel von Lesslie L. Newbigin, „The Logic of Mission“ und von David J. Bosch, „The Vulne­rability of Mission“, hat man mit diesem Buch insgesamt eine wertvolle Lektüre zur verglei­chenden Missionstheologie.

Martin Sachs, em 1997-4.

Schirrmacher, Bernd. Baumeister ist der Herr. Erfahrungen göttlicher Kleinarbeit in einem Missionswerk. 1978.

Es gibt nur we
nige Darstellungen der Entwicklung der nach 1950 entstandenen evangelikalen Mis­sionen im deutschsprachigen Bereich. Eine sorgfältig aufgrund von Primärquellen re­cherchierte und gut lesbare Darstellung ist Bernd Schirrmachers Nachzeichnung der Entstehung nicht nur der deutschsprachigen Zweige des WEC, sondern auch der Entste­hung der WEC-Heimatzentren in anderen kontinentaleuropäischen Ländern. Das Buch ist kostenlos; falls Sie aus der Schweiz oder aus Deutschland bestellen, legen Sie bitte 1 DM / 1 SFr. in Briefmarken bei. Die Adres­sen lauten: WEC International, Postfach 9, D-6239 Eppstein, bzw. Falkenstraße 10, CH-8630 Rüti.

Em 1988-2.

Schirrmacher, Christine. Der Islam 1 und 2, Ge­schich­te, Lehre, Unterschiede zum Chri­sten­tum. Neuhausen: Hänssler, 1994.

Die Bonner Islamkundlerin legt mit diesen bei­den Bänden nach ihrer Dissertation (Mit den Waf­fen des Gegners. Christlich - Muslimische Kon­troversen im 19. und 20. Jahr­hundert, Ber­lin, 1992) eine weitere größere Arbeit vor, wel­che Christen zu einer sachgerechten Begeg­nung mit Muslimen helfen soll. Die bei­den Bände sind für den theologischen Fern­un­ter­richt konzipiert worden, sehr übersichtlich geglie­dert und mit tabellarischen Zusam­men­fas­sungen versehen, die als Kästen im lau­fen­den Text erscheinen. Das Werk ist all­ge­mein­ver­ständlich geschrieben, gründet sich aber auf die einschlägige wissenschaftliche Literatur. Es setzt keine Vorkenntnisse über den Islam vor­aus, möchte aber zum Weiterstudium anregen. Dem dient ein umfangreiches Lite­ratur­ver­zeich­nis.

Trotz des Umfanges der beiden Bände sah sich die Verfasserin genötigt, auf die Dar­stel­lung mancher Aspekte des Islam zu verzichten. Die durch den Islam hervorgebrachte Kultur (Kunst, Architektur, Wissenschaft und Phi­lo­so­phie) mußte unberücksichtigt bleiben, um statt­dessen auf die Unterschiede zwischen Islam und christlichem Glauben und auf die in vie­ler Hinsicht kontroverse Begegnung zwi­schen Christen und Muslimen eingehen zu kön­nen. Leider wurde auch die Geschichte der is­la­mischen Gemeinschaft nur sehr kurz be­han­delt.

Band 1 enthält die Darstellung des Umfelds Muham­meds sowie seines Lebens und Wir­kens, einen Überblick über Ausbreitung und Lei­tung des Islam (Kalifat), die Glaubenslehre, die Lebensordnung (Recht) und eine Lektion über die Frauen im Islam.

Band 2 ist zunächst den unterschiedlichen Grup­pierungen und Bewegungen innerhalb des Islam gewidmet und geht auch auf moderne Fra­gestellungen ein. Es folgen 7 Lektionen über das Verhältnis zwischen Islam und Chri­sten­tum, wobei aber nicht in erster Linie der Islam aus biblisch-theologischer Sicht betrach­tet wird. Vielmehr geht Christine Schirr­macher von der islamischen Sichtweise aus (Verständnis von Prophetie im Koran, das kora­nische und islamische Jesusbild, die isla­mi­sche Sicht der Bibel) und referiert als Bei­spiel für den islamischen Angriff auf den bib­li­schen Glauben die durch das sogenannte Bar­na­bas-Evangelium ausgelöste Kontroverse.

In einer Lektion werden wichtige lehr­mä­ßi­ge Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwi­schen Islam und ‚Christentum’ (müßte es nicht bes­ser ‚christlichem Glauben’ heißen?) tabel­la­risch aufgelistet, ohne daß eine theologische Refle­xion erfolgt. Weitere Lektionen sind der west­lichen Islamwissenschaft und Beispielen aus der Geschichte der Kontroverse zwischen Islam und Christentum gewidmet. Das Werk schließt mit einigen kurzen Lebensbildern evan­gelischer Pioniermissionare in der isla­mi­schen Welt.

Trotz der genannten Beschränkungen hat Chri­stine Schirrmacher ein solides Lehrbuch vor­gelegt, dem im deutschsprachigen Raum unter Christen, besonders unter Studierenden, eine weite Verbreitung zu wünschen ist. Das Werk drängt aber geradezu zur Weiterarbeit, beson­ders zur biblisch-theologischen Refle­xion als Hilfe zu einem angemessenen christ­li­chen Zeugnis unter Muslimen.

Eberhard Troeger, em 1996-1.

Schirrmacher, Christine. Mit den Waffen des Gegners. Christlich-muslimische Kon­troversen im 19. und 20. Jahrhundert dar­gestellt am Beispiel der Auseinandersetzung um Karl Gottlieb Pfanders „Mizän al-haqq“ und Rahmatulläh ibn Halt! al-’Utmäni al Kairänawis „Izhär al-haqq“ und der Diskussion um das Barnabasevangelium. Islamkundliche Untersuchungen Bd. 162. Berlin: Klaus Schwarz Verlag, 1992.

Diese Bonner Dissertation (1991) behandelt im ersten Teil die missionarisch-apologetische Schrift „Waage der Wahrheit“ des württember­gischen Missionars K.G. Pfander (1803-1865), die er 1829 schrieb, um Muslime für den christlichen Glauben zu gewinnen, sowie ihre Aufnahme und Erwiderung in der islamischen Welt, vor allem durch den indischen Theologen al-Kairänawi (1818-1891). In der dadurch ausgelösten literarischen Kontroverse, an der sich zahlreiche christliche und muslimische Autoren beteiligten und die die Verfasserin bis in die Gegenwart verfolgt, ging es vor allem um den muslimischen Vorwurf der Verfäl­schung der biblischen Schriften.

Im zweiten Teil des Buches steht die Kon­troverse um die Person Jesu Christi im Mittel­punkt, wie sie anhand des „Barnabasevangeliums“ (vermutlich eine spätmittelalterliche Fäl­schung) vor allem in unserem Jahrhundert von muslimischen und christlichen Autoren geführt wurde. Schwerpunkt der gesamten Arbeit ist der Nachweis, daß beide Seiten in diesen Aus­einandersetzungen die „Waffen des Gegners“ einsetzten. Kairänawi hat erstmals in großem Umfang die Schriften der europäischen ratio­nalistischen, kritischen Theologie des 19. Jahr­hunderts benutzt, um den muslimischen Vor­wurf der „Verdorbenheit“ der biblischen Schriften zu beweisen und das christliche Bekenntnis zur Gottessohnschaft Jesu zu widerlegen. Seine Methode machte Schule und wird bis heute von muslimischen Apologeten
und Publizisten angewandt, ja sie ist in der islamischen Welt überaus verbreitet. Aber auch die christlichen Missionare benutzen seit dem letzten Jahrhundert den Koran und die islami­sche Traditionsliteratur, um aus ihnen die muslimischen Vorwürfe zurückzuweisen.

Die Aufgabe der Verfasserin war eine objektive Darstellung der Kontroversmethoden. Das Urteil über deren Legitimität bleibt dem Leser überlassen. Der große Wert des Buches besteht darin, daß die Verfasserin zahlreiche literarische Quellen, die bisher teils gar nicht oder nur in Fremdsprachen (Arabisch, Urdu ua.) erreichbar waren, zugänglich gemacht und ihre Wirkungsgeschichte übersichtlich dar­gestellt hat, wodurch der deutsche Leser erst­mals Zugang zu dieser umfangreichen litera­rischen Auseinandersetzung erhält. Der in Zeugnis und Dienst unter Muslimen engagierte Leser wird herausgefordert, sich mit den Methoden der Apologetik auseinanderzusetzen. Dabei erhält er wertvolle Anregungen für sein eigenes theologisches Arbeiten sowie für seine zeugnishafte Begegnung mit Muslimen.

Eberhard Troeger, em 1994-2.

Schirrmacher, Thomas (Hg.). „Die Zeit für die Bekehrung der Welt ist reif.“ Rufus Anderson und die Selbständigkeit der Kir­che als Ziel der Mission. Mit Texten von Rufus Anderson, Theodor Christlieb, Hermann Gundert, Josef Josenhans. edition afem, mission Scripts Bd 3. Bonn: VKW, 1993.

Das Buch kreist um die zentralen Anliegen Rufus Andersons (1796-1880), des überragen­den Theoretikers und Strategen der amerikani
schen Weltmission. Titel und Untertitel machen allerdings nicht hinreichend klar, worauf das Buch zielt. Soll es primär (eschato-logisch) um die „Fülle der Zeit“ gehen oder (ekklesiologisch) um die Selbständigkeit der jungen Kirchen? Auch läßt der weitere Unterti­tel eher einen bunten Flickenteppich von Tex­ten erwarten, bei dem Anderson alphabetische Priorität zukommt. Hier hätte es im Interesse der schnellen Orientierung besser geheißen: „Mit Texten über und von Rufus Anderson“. Dies entspräche ganz dem Inhaltsverzeichnis mit seinen drei Teilen: I. Über Rufus Anderson heute; II. Über Rufus Anderson im 19. Jahr­hundert: Deusche Stimmen; III. Von Rufus Anderson.

Eigentlich handelt es sich um zwei Bücher in einem: einerseits um die Fortführung einer „literarischen Diskussion“ aus em 1990/91, auf die bereits die Widmung Bezug nimmt; und andererseits um eine Anderson-Auswahlaus­gabe. Auf beide Aspekte ist hier einzugehen.

1. Als Anderson-Auswahlausgabe wäre das Buch natürlich an der von R. Pierce Beaver herausgegebenen englischen Sammlung To Advance the Gospel (1967) zu messen. Es erhebt allerdings nicht den Anspruch, eine sol­che zu sein. Die Anderson-Schriften finden sich erst in Teil III und stellen weniger als die Hälfte der 134 Seiten. Bei Beaver dagegen sind es etwa 4/5 von dessen 217 Seiten.

Dennoch braucht sich die Sammlung mit ihren fünf Texten (Beaver hat 14) durchaus nicht zu verstecken. Zum ersten ist sie als ein­zige deutsche Anderson-Ausgabe ohnehin konkurrenzlos. Zum zweiten vermittelt sie bei aller Kürze doch einen recht geschlossenen Gesamteindruck. Zum dritten schließlich ist sie eine erfreuliche Ergänzung zur Beaverschen Ausgabe, denn von ihren fünf Texten finden sich zwei dort nicht. Es sind dies zum einen das vierte Kapitel aus Andersons grundlegendem Werk Foreign Missions, nämlich das über die Missionsprinzipien des Neuen Testaments (Beaver bringt die Kapitel 7, 8 und 9); und zum anderen der Schlußteil aus Andersons Buch über die Mission auf den Sandwich-Inseln (dem einzigen seiner Werke, das auf deutsch schon einmal, nämlich 1872, vorlag). Dieser Text ist besonders willkommen, denn Beaver klammert die großen missionshistorischen Werke Andersons bewußt aus.

Die ideale Einleitung zu diesen Texten ist der Anderson-Nachruf  Theodor Christliebs aus der Allgemeinen Missions-Zeitschrift 1881, Kernstück von Teil II des Buches, ein kleines Meisterwerk und selbst eine Primärquelle allerersten Ranges. Wer diesen Nachruf liest, profitiert außerdem gleich doppelt: nicht nur Anderson, sondern zugleich Christlieb steht zum Greifen nahe vor Augen. Eine gute Hin­führung zu diesem Beitrag ist der Anderson betreffende Ausschnitt aus der Dissertation des Herausgebers über Theodor Christlieb, abge­druckt in Teil I.

2. Am Anfang des Buches steht in Teil I (der auch eine sehr gründliche Bibliographie enthält) die überarbeitete Fassung eines Arti­kels des Herausgebers aus em 2/1990. Diesem Artikel war von Dietrich Kühl in em 4/1990 sehr dezidiert widersprochen worden. Die Punkte aus em 2/1990, die damals Anstoß erregten, seien kurz umrissen. Erstens wurde behauptet, die Venn-Andersonsche Drei-Selbst-Formel sei nur in ihrer Verankerung in einer klar umrissenen theologischen norma normata sinnvoll, bei Anderson dem Westminster-Bekenntnis, bei Henry Venn den anglika­nischen 39 Artikeln. Wer wie die Glaubens­missionen meint, nur die norma normans der Schrift zu exportieren (eine Selbsttäuschung, nebenbei bemerkt, denn man setzt lediglich an die Stelle einer expliziten norma normata eine implizite), braucht sich nicht zu wundern, wenn im Gefolge der Drei-Selbst-Formel schwere theologische Richtungskämpfe entstehen. Kontrovers war weiterhin die Kritik an dem angeblich „mystischen“ Verständnis der Beru­fung bei den Glaubensmissionen sowie der Hinweis, daß deren Prämillennialismus Ander­sons Denken wesensfremd sei. Diese Punkte sollen hier kurz anhand der zur eigenen Mei­nungsbildung abgedruckten Anderson-Texte betrachtet werden.

a. Andersons Postmillennialismus wird in einem Traktat deutlich, das dem Sammelband seinen Namen gegeben hat. Eine Abgrenzung gegen andere Eschatologien fehlt darin und war
offenbar auch gar nicht nötig. Der Amillennialismus war in Neuengland spätestens seit Jona­than Edwards von der postmillennialistischen Missionsbegeisterung fast gänzlich abgelöst worden; und der Prämillennialismus, von Edward Irving stark angeregt, hatte bei Abfas­sung des Traktats 1837/38 zwar schon verein­zelt um sich gegriffen, war aber für Anderson wohl noch kein Faktor, mit dem man sich aus­einandersetzen mußte. Eine ausdrückliche Ver­knüpfung von Drei-Selbst-Formel und Post­millennialismus erfolgt in den beigefügten Texten nicht. Eine Affinität zwischen dem Gedanken der Selbstausbreitung und der Erwartung großer missionarischer Durchbrüche ist aber nicht von der Hand zu weisen, darauf hingewiesen zu haben ist ein Verdienst des Herausgebers. Gegen denselben ist aber festzu­halten, daß der Postmillennialismus eine Abweichung von der Theologie der Reforma­toren darstellt, die sich uneingeschränkt an den Amillennialismus Augustins hielten. Hier trennte sich der Pietismus (schon ab Spener) vom Erbe Luthers und der Puritanismus (erst im Laufe der Zeit) vom Erbe Calvins.

b. Was die Frage des Rufs in die Mission betrifft, so sind genau die beiden Traktate An­dersons abgedruckt, die in dieser Frage die wichtigsten sind. Es sind die, die Robert E. Speer später in seiner weitverbreiteten Schrift What Constitutes a Missionary Call verarbei­tete. Der Ruf in die Außenmission ist laut Anderson für jeden Christen vorgegeben. Wenn das so ist, dann erledigt sich konsequenterweise die Frage einer besonderen Berufung. Ander­son ist einer Versubjektivierung der Berufung entgangen, indem er ihre Allgemeingültigkeit postulierte. Und hier gewinnt nun die Tatsache allerhöchste Bedeutung, daß er die Missions­pflicht dem einzelnen aufbürdet und nicht der Kirche als solcher. Der Ruf zur Mission ergeht also weder subjektiv an den einzelnen (so die einen) noch objektiv an die Kirche (so die anderen), sondern objektiv an den einzelnen. Man wird nicht Missionar aufgrund einer Pri­vatoffenbarung (dem umstrittenen „mystischen Erlebnis“), auch nicht aufgrund kirchlicher Abordnung, sondern aufgrund eigener rationa­ler Abwägung der Faktoren, wobei eine Regel Ausnahme-Vermutung zugunsten der Außen­mission besteht. An diesem Punkt kann man sich übrigens nur wünschen, daß das Buch eine grundlegende Diskussion auslöst.

c. Zur Verankerung der Drei-Selbst-Formel in einer klaren Bekenntnisgebundenheit geben die beigefügten Anderson-Texte wenig her. Der Kongregationalist Anderson war zweifellos Calvinist im Sinne des Westmin-ster-Bekenntnisses (bzw. dessen kongregationalistischer Überarbeitung, der Savoy-Erklärung), trug dieses Bekenntnis aber mehr im Herzen als auf den Lippen. Er war eben doch auch Kind der Erweckung, stand also den Pres-byterianern der New School nahe, die in der Mission mit den Kongregationalisten koope­rierten, nicht denen der Old School, die diese Kooperation ablehnten. Christlieb zitiert in einem Atemzug Lyman Beecher und Charles Hodge, zwei Männer, zwischen denen es theo­logisch knisterte, als Freunde Andersons. Zwei Generationen später war der Abstand schon größer. Der bereits genannte, aus dem Student Volunteer Movement hervorgegangene Robert E. Speer, für viele der kongenialste Nachfahre Andersons, wurde in einen heftigen Disput mit J. Gresham Machen hineingezogen, dem Princetoner Neutestamentier, der das Indepen-dent Board for Presbyterian Foreign Missions gründete. Die Kontroverse wurde 1932 durch den von W. E. Hocking herausgegebenen Berichtsband Rethinking Missions ausgelöst. Prominenter Gegner des Berichts war Machen, prominente Befürworterin die als Missionars­tochter in China aufgewachsene Pearl S. Bück. Das Ergebnis war (um die Charakterisierung der nachmaligen Nobelpreisträgerin zu zitie­ren), daß Machen zur Vordertür der Presbyteri-anischen Kirche hinausflog und sie zur Hinter­tür. Wer war also der legitime Erbe Andersons, der dogmatisch zunehmend weitherzige Speer oder der nach schweren inneren Kämpfen nun­mehr bekenntnisgebundene Machen? Wie stark fand Andersons Drei-Selbst-Formel bei ihm selbst tatsächlich ihr „notwendiges Korrektiv in seinem streng reformierten calvinistischen Be­kenntnis“ (Schirrmacher)? Versucht man, An­derson in deutsche Kategorien einzuordnen (allerdings hie lutherisch, da reformiert), dann
muß man wohl sagen, daß er konfessioneller empfand als Gustav Warneck, aber nicht so konfessionell wie Karl Graul. Insofern möchten wir die Wertung des Herausgebers, der ihn wohl um einiges näher an Graul heranrücken würde, verschieben. Richtig ist aber jedenfalls, daß Andersons Calvinismus sein missiologi-sches Denken wesentlich integraler bedingte, als es vor zwei Generationen Speer und heute wohl Beaver einerseits und Kühl andererseits annehmen.

Fazit: Das Buch ist quellenmäßige Fundgru­be und Herausforderung zum aktuellen Nach­denken zugleich. Wer beides oder auch nur eins von beidem liebt, ist gut bedient.

 Wolf- Christian Jaeschke, em 1995-1.

Schirrmacher, Thomas / Klaus W. Mül­ler (Hg.). Scham- und Schuld­orien­tie­rung in der Diskussion: Kultur­an­thro­po­logische, missiologische und theo­lo­gische Einsichten, edition afem – mis­sion academics. Nürnberg: Verlag für Theologie und Religions­wissen­schaft; Bonn: Verlag für Kultur und Wis­senschaft, 2006.

Die Herausgeber haben ein Team kom­petenter Fachleute um sich gesammelt und das Doppelthema vom scham- und schuld­orientierten Gewissen im missio­logischen Denken und missionarischen Handeln vielseitig diskutiert. Wer mit den Autoren näher vertraut werden möchte, dem sind die Kurzbiographien (S. 301-302) zu empfehlen. Nach Format und Inhalt ist das Buch aus vier Teilen unterschiedlichen Umfangs aufgebaut: I. Kulturelle Zusammenhänge; II. Reli­giöse Implikationen; III. Missiologische Diskussion; und IV. Theologische Grundlagen.

Diese Ansatzpunkte bilden den jewei­ligen Kontext, in welchem sich die Ver­fasser unabhängig voneinander mit dem brisanten Thema über Bedeutung und Funktion des Gewissens auseinan­der­setzen. Alle gehen davon aus, (a) dass jeder Mensch mit einer Veranlagung zu einem Gewissen geboren ist; (b) dass sich das Gewissen durch Erbanlagen, Erziehung und Umfeld grundlegend verschieden entwickelt; (c) dass das Gewissen als sozial-ethisches Organ die Menschen gesellschafts-, kultur- und religionsfähig macht; (d) dass es Völker und Kulturen gibt, in denen das Gewissen auf Verstöße vorhandener Normen mit einem Schuld- oder Schamgefühl reagiert; (e) dass die Vorkenntnis dieser Dinge bei der Vermittlung des Evangeliums vom Reich Gottes eine wichtige Rolle spielt (s. S. 5, 9, 15-17, 169-170).

Was Lothar Käser obenan im I. Teil unter „Kultur und Über-Ich” behandelt, ist m. E. das Schlüsselkapitel zum Buch (S. 7-41). Hier entschlüsselt er Fach­begriffe und Forschungsgebiete, die aus anderen Sprachen und Wissenschaften in die deutsche Missionswissenschaft ein­gedrungen und von ihr übernommen worden sind – wenn auch nicht un­umstritten. Bei der Gewissens­orien­tierung sind nach Käser zwei grund­sätzliche Dimensionen zu berück­sich­tigen: die horizontale und die vertikale. Bei der einen geht es primär um Funktionen des Gewissens auf sozialer Ebene, wobei der Mensch bei Verletzung vorhandener Regeln um Wahrung seines Prestiges ringt; bei der anderen handelt es sich mehr um religiöse Funktionen, wobei der Einfluss auf das Gewissen von Gott oder einer anderen höheren Auto­rität herkommt und sich als Schuldgefühl manifestiert. Im gleichen Teil zeigt Han­nes Wiher als Facharzt und Psychologe aus seinen Erfahrungs­bereichen in West­afrika und Europa wie zwei Ge­wis­sensorientierungen aufein­an­der­prallen und unterschiedliche Reak­tionen aus­lösen (S.42-48). Nebst Be­schrei­bung und Evaluierung brauchbarer Gewissens­modelle (S. 49-57) ist das Kapitel über „Persönlichkeit als Funk­tion der Ge­wissensorientierung” beson­ders wichtig. Dieser Beitrag mit Tabellen, Fragebogen und ausgewählter Literatur enthält Lehrstoff für ein ganzes Wochen­endseminar (S. 60-86). Die we­ni­gen Zei­len, die Wiher (S. 87-91) über „Gene­ration X” schreibt, sollte jeder Ju­gend­arbeiter lesen. Die letzten Beiträge in diesem Teil sind Reflexionen aus der Missionspraxis. Klaus Müller bringt hier eine offene Auswertung von Licht­strahlen und Schattenseiten in die Dis­kussion von dem, was er als junger Mis­sionar aus Deutschland unter den Chuuk-Insulanern in Mikronesien erlebte, deren schamorientiertes Gewissen durch poli­tische Macht belastet war und die Gemeindearbeit erschwerte (S.91-115). In der Erforschung des Themas „Die Lüge als Überlebensstrategie” bei den Totonakindianern in Mexiko zeigt die Missionsärztin, Hanna-Maria Schmalen­bach, dass die Lüge „etwas Boshaftes und Unrechtes” an sich trägt, was „das Vertrauen und das Wohlwollen der Menschen untereinander unterhöhlt”(S. 117). Ermutigend ist ihr Nachweis, wie der Einfluss des Evangeliums sich auf die Wahrhaftigkeit im Leben junger Totonakchristen auswirkt (S. 124-127).

Im II. Teil vermittelt Martin Lomen mit scharfer Klarsicht und Kenntnis der Thematik den Lesern einen durchaus hilfreichen Beitrag zum Dialog zwischen Christen und Muslimen. Wer Lomens Kapitel liest (S. 131-163) wird fortan die biblischen Berichte von Schöpfung und Fall, sowie vom Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu mit vertieften Ein­sichten und Herausforderungen lesen. Der III. Teil ist der Missiologie gewid­met (S. 164-214). Hier tritt der Missio­loge Klaus Müller als Pädagoge auf. Meisterhaft versteht er den Begriff elengchein (beschämen; schuldig erklä­ren), sowie dessen komplexen Zusam­men­hang mit synedeisis (Gewissen, Mitwissen) aus dem Denken der antiken Welt zu heben und in der verdeutschten Form “Elenktik” heutigen Lesern als „Die Lehre vom scham- und schuld­orientierten Gewissen” zu deuten (S. 169-170). Unter dem Titel „Elenktik: Ge­wissen im Kontext” untersucht Müller Tiefe und Breite der Thematik, wie sie in verschiedenen wissenschaftlichen Dis­zip­linen besprochen wird. Anhand eth­nologischer Unterlagen konstruiert er hilfreiche Modelle (S. 192-211), um zu verdeutlichen, dass das „Gewissen im Kon­text der Kultur erfassbar [wird], in der es gebildet wurde” (S. 191). Diese These verdient weiter untersucht zu werden.

Anschließend folgen im IV. Teil „Theo­logische Grundlagen”. Dazu entwirft Wiher ein umfangreiches „biblisch-sote­rio­logisches Gewissensmodell aufgrund einer interdisziplinären Studie” (S. 215-236). Hier finden Christen wertvolle Hilfe, wie sie im Alltagsleben mit Menschen mit komplexen Gewissens­belastungen befreiend umgehen können. In seinem ausführlichen Beitrag über „Die christliche Botschaft angesichts von Schuld- und schamorientierten Gewissen und Kulturen” (S. 237-300) definiert Thomas Schirrmacher das Gewissen als „eine Instanz, die alles miterlebt und bezeugt, was ein Mensch tut und denkt” (S. 289). Seine Listen sämtlicher Schrift­stellen, wo im NT das Wort „Gewissen” und im AT der äquivalente Begriff „Niere” vorkommen, sowie eine neun­sei­tige Liste mit empfehlenswerten Schrif­ten sind eine Hilfe zum Selbst­studium.

Zusammenfassende Bemerkungen: (a) Ähnlich wie mich vor fast 50 Jahren das Thema „elenctics” in der englischen Ausgabe von Bavincks Inleiding in de Zendingswetenschap als wesentlicher Aspekt der Missionswissenschaft packte, so bin ich als lernender Leser von Tiefe und Breite der Einsichten der Autoren dieses Sammelbandes dankbar beein­druckt. (b) Laut Aussagen im Vorwort sind „andere solcher Veröffent­li­chungen” geplant, was hoffen lässt, dass das Thema von einem angst­orientierten Gewissen auch erforscht werden wird. Schmalenbach spricht es im Kontext ihrer Arbeit unter den Totonakindianern zwar an, führt es aber nicht aus. War es beim Sündenfall (Gen 3) nicht vor allem die Angst, die unsere Ureltern ins Versteck trieb? So auch unter Völkern im Bann der Geisterwelt. (c) Die Bedeutung des Beitrags über „Politische Macht...” bleibt an und für sich unumstritten; Schreibfehler, Stil und Struktur sind jedoch korrektur- und bearbeitungsbedürftig. (d) Nebst Ethno­logie und Psychologie sollte auch die Soziologie bei missionswissenschaft­lichen Forschungen wahrgenommen werden, was in diesem Buch fehlt. (e) Ein Namen- und Sachregister würde den Wert dieses so wertvollen Sammel­bandes noch um einige Stufen heben.

Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2009-1.

Schmid, Cathy. Un enfant, deux cultures … . St Legier: Editions Emmaüs & Institut Évangélique de Missiologie, 2002.

Cathy Schmid ist verheiratet. Sie lebte 14 Jahre in Afrika und gebar dort drei Kinder. Wieder in der Schweiz ist sie mit ihrer Familie im französisch sprechenden Teil des Landes zu Hause. Dort unterrichtet ihr Mann Missiologie an der Bibelschule Emmaus mit einer multikulturellen Studentenschaft. Kathy organisiert unter anderem auch Treffen mit Missionarskindern. Somit hat sich ihr Einblick erweitert und zu dem Buch geführt.

Kinder haben und in die Mission gehen, ist das überhaupt unter einen Hut zu bringen? Käthi Schmid zeigt in ihrem Buch auf, wie sie und Dutzende von Familien es erlebt haben. Die frischen, kurzen Insider-Zitate aus Kindesmund sind wie Perlen. Käthi Schmid fädelt sie auf, zusammen mit Gedanken aus den Herzen der Eltern und Einblicken von Fachleuten. Bilder und Skizzen lenken das Augenmerk auf das Wichtige. Was sagen die Fachleute? Es kann zu Schwierigkeiten kommen, wenn Kinder aufs Missionsfeld verpflanzt werden. Und bei der Rückkehr in die Heimat geht nicht alles von alleine in Ordnung. Weder beschönigt Käthi Schmid die Probleme, noch fördert sie Schuldgefühle. Eins wird beim Lesen ihres Buches klar: ohne Gottes Gnade geht es nicht. Aber auch mit der Gnade braucht man Weisheit, um die rechten Entscheidungen fällen zu können. Wünschen Sie zu erfahren, mit welchen Schwierigkeiten man rechnen kann, Sie zögern aber, darüber zu sprechen? Sie suchen nach Fakten, nicht nach Träumereien? Dann greifen Sie zu. Dieses Buch wird Ihnen viele Einsichten vermitteln. Nur ein Nachteil muss noch erwähnt werden: die Grundversion des Buches gibt es zur Zeit nur im Urtext - französisch. Welche Leser können von diesem Buch lernen?

* Missionare, die ausziehen

* Missionare, die auf dem Feld sind

* Missionare, die zurück in die Heimat kommen

* Freunde, die Familie und die Gemeinde, die Missionarskinder begleiten wollen, aber nicht ganz wissen wie.

Dr. Matthias Radloff, em 2002-2.

Schmid, Edgar (Hg.). Wenn Gottes Liebe Kreise zieht: 150 Jahre Pilgermission St. Chrischona (1840-1990). Brunnen Verlag Gießen/Basel 1990.

Am Übergang von den Klassischen Missio­nen zu den Glaubensmissionen steht St. Chrischona bei Basel, 1840 als Schulungs­stätte für Handwerkermissionäre von Chri­stian Friedrich Spittler gegründet. Zum 150. Jubiläum ist jetzt eine informative und reich ausgestattete Festschrift erschienen. Sie vermittelt einen Überblick über die ge­samte Chrischona-Arbeit: Ausbildung, Ge­meinschaftswerk, Verlag, Diäkonie, Mis­sion. Für Ekklesiologen ist interessant, daß Chrischona in der Schweiz und in Frank­reich freikirchlichen Charakter hat, in Deutschland fast ausschließlich den Cha­rakter einer Gemeinschaftsbewegung inner­halb der Landeskirche. Für Missiologen ist die historische Darstellung der Geschich­te Chrischonas (S.6-44) interessant, wo­bei besonders das Eingehen Chrischonas auf die Heiligungsbewegung unter Carl Heinrich Rappard (1874), die Chrischona für die Glaubensmissionen öffnete, zu be­achten ist.

Von besonderem missiologischem Interesse ist der Artikel von Lutz Behrends (S.106-117) „Gottes Werkzeuge in aller Welt. Die Pilgermission und die Äußere Mission“, der die wechselhafte Geschichte der ver­schiedenen mit Chrischona verbundenen Missionsunternehmen im Überblick be­schreibt. Von besonderem Interesse er­scheint mir dabei die Beschreibung der Apostelstraße (mit Karte und Faksimile­ausschnitt des Programms). Die Festschrift
ist mit ihrem niedrigen Preis (10.80 DM) allen zu empfehlen, die mehr über Chrischo­na und damit über einen der Anfänge der evangelikalen Missionsbewegung wissen möchten.

Zwei kleine Kritikpunkte zum Abschluß: Ich bezweifle, daß die Edinburgher Mis­sionskonferenz von 1910 (nicht 1890) we­sentlich neue Impulse für die evangelikale Weltmission gab (S.110); zum anderen wäre es schön gewesen, wenn in die Fest­schrift ein Verzeichnis der Literatur zu Chrischona aufgenommen worden wäre.

Dr. Klaus Fiedler, em 1990-3.

Schmid, Stefan. Mark Christian Hayford (1864-1935). Ein Pioneer aus Westafrika. VKW: Bonn, 1999 (edition afem mission scripts 15).

Obwohl er keinen Missionar je sah, gründete der Ghanaer Mark Hayford eine französische Mis­sion in der Elfenbeinküste, die Mission Bi­blique. Stefan Schmid, zwölf Jahre Mitarbeiter dieser Mission, zeichnet liebevoll das Portrait eines Mannes, der einflußreich war, aber des­sen Visionen wohl immer mit den Realitäten in Konflikt standen. Deswegen verbrachte er immer wieder Jahre im Ausland, um dort für seine Projekte zu werben und (nie genug) Geld zu sammeln.

Rev. Hayford kam aus der gebildeten Schicht Ghanas uud gab eine gute Stellung im Dienst der Regierung auf, um Pastor zu werden; zuerst als Methodist, dann als Gründer und Leiter der „Baptist Church and Mission“ in Cape Coast. 1919 gründete er in der Elfenbeinküste Ge­meinden der „Baptist Church and Mission“, für die er 1925 in Frankreich Missionare suchte. Er fand sie an der Bibelschule Nogent: Laura und Daniel Richard wurden später von der Taber­nacle Baptisten­gemeinde in Paris übernommen.

Es ist zu begrüßen, daß einer so schillernden, bedeutenden und zugleich tragischen Figur eine Untersuchung gewidmet wird, die auf Primärquellen aus mehreren Ländern beruht. Das Buch stellt gut lesbar eine vielseitige, aber insgesamt leztlich nicht voll überzeugende Karriere dar. Ste­fan Schmid macht zudem in­teressante Dokumente zu Hayford’s Leben zu­gänglich.

Dr. Klaus Fiedler, em 2000-1.

Schmidt, Cordula (Hg.). Einmal hin und anders zurück. Neukirchen-Vluyn: Aussaat/-VEM, 1993.

Einmal hin - nicht als Tourist, sondern in eine missionarisch-diakonische Aufgabe zu einer Kirche oder Organisation in Übersee. Davon berichten Entwicklungshelfer bei Einsätzen bis zu zwei Jahren. Spannend geben sie Einblick in ihre Erfahrungen von einer völlig anderen Situation. Sicher kommen sie „anders zurück“, weil sie nicht nur ihren Horizont erweitert, sondern auch für ihr geistliches Leben viel gelernt haben. Kreuz und quer geht es in den Berichten durch Afrika und Asien in die Part­nerkirchen der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM), Wuppertal. Die aus Briefen zusammengestellten Beiträge sind thematisch unter Überschriften geordnet, die auch junge Leser motivieren können.

Fritz Lamparter, em 1994-3.

Schmidt, Norbert. Von der Evangelisation zur Gemeindegründung. Die Geschichte der Marburger Brasilienmission. Marburg: Francke Verlag, 1991.

Norbert Schmidt beschreibt in dieser gründ­lichen missionsgeschichtlichen Forschungsar­beit die Spannung zwischen Mission in einem anderen Kulturkreis im eigentlichen Sinne und der evangelistischen bzw. erwecklichen Be­treu­ung der Nachfahren deutscher Einwanderer im Süden Brasiliens. Es wird der schwierige Weg von den Anfängen der Arbeit als Gemein­schaftsarbeit, zu der die ersten Missionare nach Brasilien kamen, zu einer eigenständigen, un­abhängigen Gemeinde beschrieben. Die Basis der Marburger Brasilienmission und der von ihr ausgesandten Missionare ist der deutsche innerkirchliche Pietismus. Hieraus ergibt sich die Problematik der Gemeindegründung durch Missionare und Missionswerke mit einem mehr kul­turell als biblisch orientierten Gemeindever­ständnis, das einfach die eigene christliche Kul­tur mit ihrer spezifischen volkskirchlichen Struk­tur ins Ausland zu verlagern versucht. Ne­ben dieser Schwierigkeit wird das Ringen zwi­schen der Missionsgesellschaft der Hei­mat und der jungen brasilianischen Gemeinde um die Verantwortung für die Arbeit aufge­zeigt.

Gute, zum besseren Verständnis dienende Ergänzungen sind die Kapitel über die Ge­schichte der Gnadauer Brasilienmission mit ih­rem auch in Brasilien klar innerkirchlichen Weg, über die Mutterhausdiakonie in Brasilien sowie der ausführliche Anhang.

Ein interessantes Werk, insbesondere für den mit den kulturellen und kirchlichen Ver­hältnissen Südbrasiliens vertrauten Leser.

Heinrich Finger, em 1998-1.

Schmied, Martina. Familienkonflikte zwi­schen Scharia und Bürgerlichem Recht. Pe­ter Lang: Frankfurt, 1999.

Martina Schmied geht in ihrer rechtswissen­schaftlichen Dissertation der Frage nach, wie im Raum Wien lebende Muslime Ehe- und Familienkonflikte angesichts ihres Herausge­rissenseins aus ihrem großfamiliärem Umfeld lösen, da im Einwanderungsland traditionelle Konfliktlösungsmöglichkeiten nicht im selben Maß wie im Heimatland zur Anwendung ge­bracht werden können. Welche Wege zur Kon­fliktlösung in Familienstreitigkeiten werden beschritten, welche stehen im Immigrations­land überhaupt zur Verfügung? Die Autorin hat zur Beantwortung dieser Fragen Interviews sowie einschlägige Gerichtsurteile verwendet.

Drei Dinge scheinen mir aus der Fülle der wertvollen Informationen zum islamischen Recht bemerkenswert:

1. Wie selten sich muslimische Familien hilfe­suchend an österreichische Gerichte wenden, mag im Vergleich mit der Zahl der in Öster­reich ansässigen Muslime zunächst erstaunen, öffnet jedoch den Blick dafür, daß es auch in einer muslimischen Ehe - in der aus westlicher Perspektive die Frau unterdrückt und entrechtet scheinen mag – für sie Möglichkeiten des Pro­testes und Widerstands gegen unangemessene Behandlung und Verstöße gegen den einmal geschlossenen Ehevertrag gibt. Dieser Protest ist allerdings eingebettet in die Werte und Handlungsspielräume der islamischen Kultur. Es drängt sich die Schlußfolgerung auf, daß ein Schlüssel zum Verständnis des Islam eine ver­mehrte Erforschung seiner kulturellen Werte, Rechtsnormen und gesellschaftlichen Maßstäbe sein müßte, um den Islam nicht nur punktuell, sondern als ganzes, geschlossenes System be­greifen zu können.

2. Muslimische Immigranten versuchen, auch im westlichen Ausland im Ehe- und Familien­recht soweit wie möglich der Befolgung isla­mischer Rechtsnormen nachzukommen. Ist dies einerseits aus dem Anspruch des Islam er­klärlich, nicht nur religiöses, sondern auch po­litisches und gesellschaftliches System zu sein, gibt es doch andererseits zu Bedenken Anlaß, daß ein aktives Befürworten und Eintreten für westliche Rechtsnormen in größerem Umfang bei muslimischen Immigranten keinesfalls in Sicht ist - was sicherlich nicht nur für Öster­reich Gültigkeit haben dürfte.

3. Und schließlich stellt die Autorin fest, daß das Wissen bei Vertretern des österreichischen Rechts über islamische Rechtsnormen im all­gemeinen als recht gering einzuschätzen ist - und das, obwohl Muslime in großer Zahl seit vielen Jahrzehnten in Österreich leben und ar­beiten. Diese Feststellung ließe sich sicher fast unbesehen auf deutsche Verhältnisse übertra­gen und macht den dringenden Bedarf nach (günstigstenfalls christlichen) Juristen deutlich, die gleichzeitig profunde Kenntnisse des isla­mischen Rechts aufweisen. Viele Gerichtsent­scheidungen der kommenden Jahre werden wohl andernfalls fast zwangsläufig im „Dunkel der Unwissenheit“ gefällt werden. – So scheint heute mehr denn je eine tiefgreifende Beschäf­tigung mit Islam das Gebot der Stunde zu sein.

Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-2.

Schmutterer, Gerhard. Tomahawk und Kreuz. Fränkische Missionare unter Prärie-India­nern 1858-1866. Freimund-Verlag, Neuen-dettelsau/Verlag der Ev.-Luth. Mission, Er­langen (Erlanger Taschenbücher Band 79).

Man sollte heute nicht meinen, daß Amerika auch einmal deutsches Missionsgebiet ge­wesen ist. Schmutterer vermittelt einen Einblick in die nur acht Jahre währende Geschichte der von der deutschen Auswan­dererkirche der Iowa Synode unter den In­dianern betriebenen Mission, in der u.a. der in Crimmitschau geborene und in Neuendettelsau ausgebildete Moritz Bräuninger zum Märtyrer wurde. Das Buch beruht auf Primärquellen und leistet deshalb auch ei­nen Beitrag zur Missionsforschung.

Em 1988-2.

Schnabel, Eckhard J. Das Reich Gottes als Wirklichkeit und Hoff­nung. Neuere Entwick­lungen in der evangelikalen Theolo­gie. Wupper­tal/Zürich: Brockhaus, 1993.

Eckhard Schnabel, bis vor kurzem Dozent am Missionshaus Bibel­schule Wiedenest, jetzt Do­zent an der Freien Theologischen Akademie in Giessen, veröffentlicht hier seinen Beitrag zur Jahrestagung der „Konferenz Bibeltreuer Aus­bildungsstätten“ im Oktober 1990. Die Jah­restagung behandelte neuere Entwicklungen in der evangelikalen Theolo­gie zum Thema „Reich Gottes“.

Zunächst skizziert der Autor in einem histori­schen Rückblick das theo­logische Erbe der Evangelikalen seit der Reformation. Im zwei­ten und längsten Kapitel beschäftigt er sich mit „sozialethischen Fragen“ der sog. „radikalen Evangelikalen“. Er erläutert insbe­sondere, wie die Lausanner Bewegung in ihren Veröffentli­chungen zu sozialethischen Fragen das Kon­zept „Reich Gottes“ rezipierte. Im dritten bis fünften Kapitel betrachtet Schnabel die Posi­tionen der sog. „bekennenden“, „restaurativen“ und „charismatischen“ Evange­likalen. Am Ende eines jeden Kapitels bewertet der Autor die geschilderte Position. Im letzten Kapitel präsentiert Schnabel mit Belegen aus dem Neuen Testament seine eigene Position zum Thema „Reich Gottes“. Er untermauert sie mit Hinweisen auf wichtige anderwei­tige Veröf­fentlichungen zum Thema und weist auf die Relevanz der Ergeb­nisse für den ersten Teil seines Buches hin.

Schnabel gelingt es, dem Leser anhand von Beispielen die zwei Gefah­renpunkte beim Thema „Reich Gottes“ im evangelikalen Lager klar vor Au­gen zu stellen: Die „radikalen“, die „restaurativen“ und die „charismatischen“ Evangelikalen stehen in der Gefahr, das Reich Gottes zu stark in seiner jetzigen Verwirkli­chung zu sehen bzw. zu erwarten. Die „bekennenden“ Evangelikalen hingegen neigen eher zu einer starken Ver­jenseitigung des Rei­ches Gottes, was auch nicht dem neutesta­mentlichen Befund entspricht.

Hier ist eine klare Darstellung gelungen, die so manchen zum Nach­denken anregen sollte. Nur scheint mir das 135seitige Büchlein für 29,80 DM etwas überteuert.

Andreas Wieland, em 1997-2.

Schnabel, Eckhard J. Das Reich Gottes als Wirklichkeit und Hoffnung. Neuere Ent­wicklungen in der evangelikalen Theologie. Wuppertal/Zürich: Brockhaus, 1993.

Schnabel, bis vor kurzem Dozent an der Bibel­schule Wiedenest und jetzt an der FTA Gießen, skizziert zunächst in einem historischen Rück­blick das theologische Erbe der Evangelikaien zum Thema seit der Reformation. Im zweiten und längsten Kapitel beschäftigt er sich mit „sozialethischen Fragen“ der sogenannten „radikalen Evangelikalen“. Er zeigt, wie die Lausanner Bewegung das Konzept „Reich Gottes“ in ihren Veröffentlichungen zu sozial­ethischen Fragen rezipierte. Im dritten bis fünften Kapitel betrachtet Schnabel die Posi­tionen der „bekennenden“, „restaurativen“ und „charismatischen“ Evangelikalen. Am Ende
eines jeden Kapitels bewertet der Autor die geschilderten Positionen. Im letzten Kapitel präsentiert Schnabel seine eigene, vom Neuen Testament her belegte und mit Literatur unter­mauerte Position.

Schnabel gelingt es, dem Leser die beiden Gefahrenpunkte zum Thema „Reich Gottes“ klar anhand von Beispielen im evangelikalen Lager vor Augen zu stellen. Die „radikalen“, die „restaurativen“ und die „charismatischen“ Evangelikalen stehen in der Gefahr, das Reich Gottes zu stark in seiner jetzigen Verwirkli­chung zu sehen bzw. zu erwarten. Die „beken­nenden“ Evangelikalen hingegen neigen eher zu einer starken Verjenseitigung des Reiches Gottes, was auch nicht dem neutestamentlichen Befund entspricht.

Schade, daß die anregende Darstellung mit DM 29,80 für 135 Seiten etwas überteuert ist.

Andreas Wieland, em 1995-3.

Schnabel, Eckhard J. Sind Evangelikale Fundamentalisten? R. Brockhaus Verlag: Wuppertal/Zürich, 1995.

Schnabel hat in dieser Schrift die wichtigste Literatur der neueren Fundamentlismus-De­batte verarbeitet und stellt mit Recht ferst, daß es keine allgemein anerkannte Definition des Fundamentalismus-Begriffs gibt, weshalb bes­ser auf ihn verzichtet werden sollte (29). Trotz der Gefahr, als Fundamentalist bezeichnet zu werden, sind Fundamente nötig. Schnabel be­nennt aus der Sicht eines „konservativen Evan­gelikalismus“ (51) vier: den Glauben an den Einen Gott und die Wahrheit des Evangeliums, das Bekenntnis zur Autorität der Heiligen Schrift und die Aufgabe von Mission und Evangelisation. „Vielleicht ist es besser, wenn man als evangelikaler Fundamentalist diffa­miert und damit wenigstens wahrgenommen wird, als wenn man … wegen argumentativer Unsichtbarkeit ignoriert wird“ (50). Er betont aber auch, daß die Wahrheit nicht ohne Liebe vertreten werden darf. Wer sich mit dem Fun­damentalismusvorwurf gegen sich selbst aus­einandersetzen will, mag hier Trost finden. Mir selbst, der ich kein „konservativer Evangelika­ler“ bin, erscheinen in der Tat einige Ansichten Schnabels „fundamentalistisch“.

Dr. Johannes Triebel, em 1996-4.

Schnabel, Eckhard. Urchristliche Mission, Wuppertal: Brockhaus TVG., 2002.

Das vorliegende Buch hat 7 Teile, 35 Kapitel und 1806 Seiten (davon 110 Seiten Bibliographie). Hinter dem kurzen Titel „Urchristliche Mission“ verbirgt sich ein so umfassendes und komplexes Werk, wie es seit A. v. Harnacks „Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten“ (4. Aufl. 1924) nicht mehr angegangen worden ist. Dabei konzentriert Schnabel sich vor allem auf die neutestamentliche Zeit. Sein Ziel: „Eine Studie, die missionsstrategisch … relevante Fakten darstellt und missionstheologisch relevante Aspekte erläutert und dabei die Ergebnisse der vielen größeren und kleineren Studien der letzten Jahrzehnte zu einem Gesamtbild integriert“ (S.8).

Der Autor definiert Mission als praktische „Aktivität einer Glaubengemeinschaft…, die darauf hinarbeitet, andere Menschen… zu gewinnen“ (S.11). Diese Aktivität könne sich als „expansive Proklamation“ (zentrifugale Dimension) oder als „gewinnende Präsenz“ (zentripetale Dimension) äußern. Diese historisch-praktische Definition ist für eine vorwiegend historische Arbeit durchaus sinnvoll. Vielleicht könnte sie missionstheologisch noch ergänzt werden um die Dimension der missio Dei, die missionarische Aktivität Gottes selbst, auf die Schnabel immer wieder Bezug nimmt (vgl. z.B. S.1517), zu berücksichtigen. Hilfreich ist eine Aufschlüsselung und Darstellung des neutestamentlichen Wortfeldes zum Sachfeld „Missionspraxis“ (Träger, Adressaten, Orte, Verkündigung, Inhalte, Ziele, Tat-Mission, Interpretation, Mühen, Missverständnisse).

Die sieben aufeinander aufbauenden Teile des Buches spannen den Bogen von der altestamentlichen Urgeschichte bis zu heutigen Fragen der Missionsstrategie.

In Teil I: Verheißung (S.57-178) beschreibt Schnabel die Vor-Geschichte der urchristlichen Mission. Anhand alttestamentlicher, früh- und diasporajüdischer Texte zeigt er die universale (internationale) Dimension des vorchristlichen Judentums als „heilsgeschichtliches Fundament der späteren urchristlichen Mission“ auf (S.62). Er übernimmt E. Scheurers Schlussfolgerung, dass im AT zwar deutlich Missionsgedanken zu finden seien, aber „von praktischer Sendung … wie dies im Neuen Testament berichtet wird, ist im Alten Testament nichts zu finden“ (S.59). Stimmt das so? Waren die Propheten nicht in einer praktischen Sendung (v.a. an Israel) aktiv? War nicht Israel als ganzes Volk gesandt und beauftragt, den lebendigen Gott vor aller Welt zu bezeugen – auch mit praktischen Dimensionen (z.B. 1Kön. 8,41-43), die in ihrer zentripetalen Grundausrichtung auch im NT weiter gültig bleiben, z.B. Mt. 5,13-14?

In Teil II : Erfüllung (S.179-380) untersucht der Autor die „Mission Jesu“ und seiner Jünger in der Spannung zwischen der primären heilsgeschichtlichen Sendung an Israel und der aufleuchtenden Sendung auch an die Nichtjuden mit ihrer Kulmination im nachösterlichen Missionsbefehl.

Teil III: Die Anfänge (S.381-542) widmet sich der Mission der Apostel in Jerusalem. Besonders ausführlich untersucht und belegt Schnabel hier die mögliche missionarisch-geographische „Maximalperspektive“ der Apostel, die nicht nur bis Spanien (Paulus), sondern sogar bis nach Indien (Thomas) gereicht haben könnte.

Der zweitlängste Teil IV: Aufbruch (S.543-886) erzählt die Geschichte der von Jerusalem ausgehenden missionarischen Aktivitäten der Apostel und Gemeinden. Schnabels Schilderung zeichnet sich durch großes Interesse am konkreten historischen Kontext dieser Mission aus, der kenntnisreich bis in Einzelheiten hinein beschrieben wird (Stadt u. Land, Baden u. Bäder, Reisen, Buchwesen, Schulen, Sprachen, Mysterienkulte etc.). Schwerpunkte bilden dabei die Mission des Petrus und die Mission der Judenchristen. Immer wieder fällt auf, dass es heißt: Missionare unbekannt, leider keine Informationen.

Dennoch wendet Schnabel viel Mühe und Akribie darauf, zumindest die historischen Ränder des missionsgeschichtlichen Schweigens der Quellen genau zu dokumentieren: so listet er auf vier kleingedruckten Seiten ca. 80 Dörfer im 25km-Umkreis Jerusalems auf, in denen christliche Gemeinden „entstanden sein … könnten“ (S.720-725). Entsprechendes tut er auch für Samarien (S.745-749), die Mittelmeerküste (S.750-759) etc. Wie sinnvoll solche „Ausflüge in die Umgebung“ sind, sei dahingestellt. Hilfreich jedoch sind Schnabels umfassende Auswertung und Integration neuester Studien zu einzelnen Zügen dieser missionarischen Epoche, die er wie Puzzleteile in das große Gesamtbild einfügt, so beispielsweise A. v. Dobbelers Studie zum Evangelisten Philippus (Tübingen, 2000), dessen Mission er in 11 Beobachtungen beschreibt und in 7 Punkten ihre Bedeutung für das Verständnis der urchristlichen Mission zusammenfasst (S.657-665).

Gleichzeitig geht der Autor immer wieder unmittelbar zum Text des NT und nimmt den Leser mit in exegetische Detailstudien, die den Gang der Missionsgeschichte erhellen. In dieser Hinsicht erweist sich Schnabels Werk immer wieder als detailreiches und aktuelles Forschungskompendium zu historischen und theologischen Facetten der urchristlichen Mission.

Der „Löwenanteil“ von Schnabels Werk ist unter Teil V: Pioniermission (S.887-1426) der Mission des Apostels Pauls gewidmet. Hier kondensiert und verarbeitet Schnabel die Ergebnisse der Paulus-Forschung im Blick auf sein Verständnis, seine Wirken und seine Wirksamkeit als herausragender Missionar. Im Blick auf das Selbstverständnis des Missionars Paulus vermittelt der Autor unmittelbare exegetische Einblicke in Texte der Korintherbriefe, des Römer- und Kolosserbriefes. Er zeigt Paulus im Netzwerk der Beziehungen zwischen Absprache und Konflikt. Auf gut 250 Seiten beschreibt Schnabel geographisch geordnet das Missionswerk des Paulus von Damaskus bis nach Spanien. Er setzt sich ausgehend von der Clemens-Notiz, dass Paulus bis an die „Grenze des Westens“ gelangt sei, für die Wahrscheinlichkeit einer Spanien-Mission des Apostels ein. Von hier ausgehend sammelt Schnabel viele interessante Informationen über Bedingungen und mögliche Missionsorte in Spanien (Liste wichtiger spanischer Städte der Epoche, S.1219-1224). Auch wenn hiermit nichts bewiesen ist, werden doch interessante Perspektiven im Blick auf missionsgeschichtliche Möglichkeiten eröffnet.

Die missiologische Strategie und evangelistische Kommunikation des Apostels beschreibt Schnabel auf knapp 200 Seiten. Besonders interessant und evangelisationstheologisch aufschlussreich ist seine ausführliche Analyse der Missionspredigt bei Paulus, die er in sechs Kategorien beschreibt: (1) Christologische Kommunikation vor Juden, (2) theologische Kommunikation vor Heiden, (3) dialogische Kommunikation, (4) ideologische Konfrontation gegenüber Heiden und Juden, (5) apologetische Konfrontation in den Gemeinden, (6) pastorale Konkretion in den Gemeinden. Auf die Frage, warum Paulus den Gemeinden keine Missionsbefehle gegeben habe, folgt Schnabel weitgehend der Argumentation von O`Brien zur missionarischen „Logik des Evangeliums“, die bei Paulus eine Sendung der Gemeinden als Missionszentren impliziere.

In Teil VI: Wachstum beschreibt Schnabel die missionstheologischen Gedanken bei Matthäus, Markus, Lukas, Johannes und Petrus, die er als Beitrag zur Konsolidierung und zum weiteren Wachstum missionarischer Gemeinden sieht. War das NT bisher als Quelle für die Geschichte der Mission benutzt worden, so wird es nun als Ausdruck und Interpretation dieser Mission gelesen.

Teil VII fasst den Ertrag (S.1477-1528) der Studie zusammen. Selbstverständnis, Praxis (Wort, Dialog, Rahmenbedingungen) und Botschaft (Evangelium, neue Identität, Verheißung der Vollendung) der urchristlichen Mission werden profiliert auf den Punkt gebracht. Das letzte Kapitel versucht den Brückenschlag in die gegenwärtige missiologische Diskussion vor allem im Sinne eines Gesprächs zwischen historisch-exegetischen Erkenntnissen und strategisch-praktischer Missiologie. Hier sei bei der Übertragung vermeintlicher biblischer Prinzipien auf die heutige Situation exegetisch genauer hinzuschauen. So könne z.B. das Zeltmacher-Konzept sich nicht auf Paulus berufen, was aber auch nicht notwendig sei, da Gott immer innovative Ideen genutzt habe, um das Evangelium weiterzutragen. Nicht „alle Aktionen und Initiativen“ müssten mit einer Bibelstelle begründet werden. Andererseits identifiziert Schnabel eine Reihe von missiologischen Themen, die sich aus seiner Sicht zu weit vom biblischem Befund entfernen, wie z.B. das von ihm beobachtete Ersetzen der Begriffe „Mission“ und „Evangelisation“ durch „Offenheit“ oder „Attraktivität“ (findet das wirklich so in der Missiologie statt?): Die urchristlichen Gemeinden seien nicht nur attraktiv und offen gewesen, sondern hätten aktiv missioniert. Hier spielt Schnabel m.E. unnötigerweise im biblischen Missio Dei –Verständnis zusammengehörige Aspekte gegeneinander aus. Die Argumentation von A. Köstenberger aufgreifend wendet sich Schnabel auch gegen den Begriff der „Inkarnation“ als Beschreibung der Mission (z.B. bei J. Stott). Hier werde ein einzigartiger biblischer Vorgang beschrieben, den die christliche Mission nicht nachvollziehen, sondern bezeugen solle. Besser seien Begriffe wie „Kontextualisierung“ oder „Inkulturation“. Auch hier steht m.E. wieder ein auf die Praxis verengter Missionsbegriff im Hintergrund, da die Inkarnation neben der Schöpfungstheologie die missionstheologische Grundlage für „Inkulturation“ und „Kontextualisierung“ bildet. Ein weiterer Kritikpunkt Schnabels: das ganzheitliche Heilsverständnis z.B. bei D. Bosch gehe von einer zu optimistischen Sicht des kosmos aus, die mit der johanneischen Sicht nicht übereinstimme. Auch hier stellt Schnabel wichtige Fragen, führt die Diskussion allerdings auch wieder etwas verkürzt, was auch insgesamt für den „Brückenschlag“ des letzten Kapitels in die gegenwärtige missionstheologische Diskussion gilt.

Die spannende Frage bleibt: Was können wir heute von der urchristlichen Mission lernen? Wie lässt sich der „Erfolg“ der urchristlichen Mission erklären? Schnabel zeigt auf, dass bereits v. Harnacks soziologisch geprägte „praeparatio evangelica“-Erklärung nicht ausreicht.

V. Harnacks Sichtweise wird heute wesentlich differenzierter weitergeführt. Man sieht die wichtigsten Gründe für die schnelle Ausbreitung in (1) Wundern und Dämonenaustreibungen, (2) im Mut der Märtyrer und (3) in der Nächstenliebe und Praxis christlicher Wohltätigkeit. Doch auch diese Erklärungen greifen zu kurz. Schnabel hat recht: „Vielleicht ist es mehr als ein ‘christliches Vorurteil’, wenn man das Wachstum der Kirche … als Resultat des Wirkens Gottes sieht“ – ein Geheimnis der göttlichen Gnade (S.1498). Dieser implizite Hinweis auf die Missio Dei und die damit verbundene Betonung, dass alleine das von Gott geoffenbarte Evangelium Jesu Christi zur Vergebung der Sünden Grund und Inhalt der Mission der Gemeinde Jesu sein kann, schließt dieses neue und empfehlenswerte Standardwerk treffend ab.

Der Anhang enthält neben der Bibliographie 40 Seiten mit Karten und verschiedenen Abbildungen zum Text sowie ein Stellenregister zu AT, NT, frühjüdischer Literatur, neutestamentlichen Apokryphen, apostolischen Vätern, Kirchenvätern, heidnischen antiken Schriftstellern, Inschriften und Papyri, sowie ein geographisches und ein Personen- und Sachregister.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2004-4.

Schockehoff, Eberhard. Zur Lüge ver­dammt? Politik, Medien, Medizin, Justiz, Wissenschaft und die Ethik der Wahrheit. Herder: Frei­burg, 2000.

Der katholische Ethiker Schockenhoff liefert hier sowohl eine detaillierte Geschichte des Wahrheits- und Lügeverständnisses in Theolo­gie und Phi­losophie des Abendlandes, als auch eine Darstellung der aktuellen Dis­kussion in den verschiedenen Bereichen unserer Gesell­schaft. Wenn er auch nicht die Heilige Schrift als letzte Norm versteht, sondern eher histo­risch-kritisch und vom katholischen Lehramt ausgehend vorgeht, sind auch seine Ausfüh­rungen zum Alten und Neuen Testament hochin­teressant. Da es leider weder auf Eng­lisch noch auf Deutsch eine aus­führlichere evangelikale Darstellung zu Lüge und Wahr­heit, geschweige denn über deren Aktualisie­rung in auch für Missionare wichtigen Berei­chen wie Politik, Medien oder Kultur gibt, ist das Buch als Einstieg zu empfehlen, auch wenn es bisweilen sehr breit und technisch über die Ge­schichte bestimmter Begriffe und Sichtwei­sen referiert. Wahrheit ist ge­rade für Evangeli­kale ein Kernbegriff ihres biblischen Gottes- und Glau­bensverständnisses. Deswegen kön­nen wir uns nicht einem nebulösen Empfinden für Wahrheit und Lüge überlassen, sondern müssen in unse­rer Ethik einer Welt, die vom Vater der Lüge regiert wird, begründet und deutlich verkündigen, was Wahrheit und was Lüge ist und wie sich dies auch in den kompli­zierten Situationen unserer Welt, etwa vor Ge­richt, am Kranken- und Sterbebett, im Nach­richtenwesen (also auch im Rundbrief des Mis­sionars) oder im Umgang mit Gerüchten in un­seren Gemeinden bewährt.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-2.

Schreiber, Annelie. Mit Zauberrassel und Bambusstab. Erlebnisse bei den Guarani-India­nern. Hänssler: Holzgerlingen, 1999.

Annelie Schreiber, von 1984-1993 als Missio­narin unter den Guarani-Indianern Brasiliens und Pa­raguays tätig, erzählt tagebuchartig und leicht verständlich von ihren vielen Aha-Erleb­nissen im Urwald. Da liest man von Patricio, der sowohl bei den Missionaren als auch bei den Schamanen seines Stammes Hilfe für sein eiterndes Bein sucht. In einem anderen Kapitel wird Felipa geschil­dert, wie sie ein Kind gebo­ren hat, aber ihr Mann das Kindbett hütet, um so die Geister irrezufüh­ren. Dann ist da auch der Bericht über Frauenstunden auf der Missi­onsstation, die zum allgemei­nen Familienfest werden und wie die Autorin sich müht, nicht nur die Guarani-Sprache, sondern auch den Dialekt der Mbya zu erlernen, um noch besser die Kultur dieses Volkes zu verstehen.

Die Guarani haben einerseits große Sehnsucht nach spirituellen Werten und leben andererseits in ständiger Existenzangst. Sie führen z. B. die meisten Krankheitssymptome auf den Einfluß böser Mächte zurück. Und einen schlafenden Menschen solle man nicht wecken, da die Seele beim Schlafen den Körper verläßt. Die Harmonie nach einem Streit wird hergestellt, indem einer der Beteiligten den Wohnort wechselt. Die Deutsche Indianer-Pioniermis­sion ver­sucht, einen Teil der etwa 50.000 in Paraguay lebenden Indianer zu erreichen. Denn entgegen der Meinung mancher Ethnologen, man solle den Indianern ihre Kultur und Reli­gion lassen, glaubt Annelie Schreiber an die befreiende Macht des Evangeli­ums, welches auch diesen Indianern neue Identität und Hoff­nung geben kann.

Wilma Neufeld, em 2000-1.

Schröder, Sabine. Konfessionslose erreichen. Gemeindegründungen von freikirchlichen Ini­tiativen seit der Wende 1989 in Ostdeutsch­land. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Ver­lag, 2007.

Die vorliegende Arbeit wurde im Herbst 2005 von der Theologischen Fakultät der Ernst-­Moritz-Arndt Universität in Greifswald als Dis­sertation angenommen. Das Thema ist äußerst wichtig und bisher wenig beleuchtet: Die Neu­gründung von Freikirchen nach der Wende in Ostdeutschland. Bei einer Konfessionslosigkeit von 70% sahen sowohl Kirchen als auch Frei kirchen die Chance, das religiöse Vakuum neu zu füllen. Sabine Schröder geht explizit der Frage nach, wie Freikirchen in Form von Ge­meindegründungsprojekten in den Jahren 1989 bis 2003 auf diese Herausforderung reagiert haben. Bevor sie dies empirisch erhebt, setzt sie sich mit der Geschichte, dem Begriff der Freikirchen besonders im historischen Kontext Ostdeutschlands auseinander. Dabei legt Schrö­der wert darauf, dass Freikirchen nur aus der geschichtlichen Sichtweise verstanden werden können und beschreibt daraufhin wichtige in­haltliche Einflussfaktoren der Freikirchen. Zu diesen zählt sie unter anderen den ekklesiologischen Ansatz Bonhoeffers, das Priestertum aller Gläubigen, starke Bibelorientierung und kontextualisierte Ausdrucksformen (S.45-­114). Da die Identität der Freikirchen eng mit ihrem Auftrag verbunden ist, legt die Autorin im Hinblick auf Gemeindegründung einen beson­deren Fokus auf den missionarischen Auftrag der Gemeinde. Daraus resultierend entwickelt Schröder Fragen wie: Ist die neue Gemeinde eine Christus hörende, Christus thematisierende und auf Christus hoffende Gemeinde? Wer ist wirklich wichtig – Christus oder die Gemeinde selbst? Weist sie auf ihn hin oder auf sich selbst? Ist ein neu entstandener Hauskreis, der zu keiner Gemeinde gehört, in dem aber das Wort Gottes verkündet und das Abendmahl ge­feiert wird, eine neue Gemeinde? Sollte eine Ge­meinde einen rechtlichen Status besitzen? Bevor sie das Thema Gemeindegründung aufgreift, legt sie herausfordernde Kriterien für eine sicht­bare Kirche fest, die den missionarischen Auf­trag der Kirche widerspiegelt. Dabei stellt sie fest, dass die ausgewählten Strategien und Pro­gramme vieler Gemeinden an der nichtchrist­lichen Zielgruppe vorbeizielen. Sabine Schröder nimmt in ihrer Darstellung der Gemeindegrün­dung immer wieder Bezug auf Gemeindepflan­zungsprojekte (church planting) der anglikani­schen Kirche. Denn anhand der Kirchenge­schichte Englands ließe sich erkennen, wie die „Pflanzung" von Gemeinden für eine beständige Erneuerung der Kirche Sorge tragen könne. Im vierten Kapitel wird die empirische Er­hebung vorgestellt. Planung, Methoden, Kon­zeption der Fragebögen und die entsprechende Durchführung der Erhebung werden umfang­reich mit vielen Tabellen und Statistiken be­schrieben. Die zentralen Forschungsfragen bei der empirischen Erhebung von Gemeindegrün­dungsprojekten in den Jahren 1989 bis 2003 lauten: Wie wird Gemeinde gegründet? Wie ver­stehen sich die Gemeinden? Sind Freikirchen ein geeignetes Mittel um Konfessionslose zu er­reichen? Ist Wachstum in den Gemeindeini­tiativen zu beobachten? Unter Zuhilfenahme eines Marktforschungskonzeptes (nach Bereko-ven) und des Kirchenmarketings (nach Tscheu-lin/Dietrich) wurde ein quantitativer Fragebogen erarbeitet, der an alle bekannten freikirchlichen Bünde und Gemeindegründungsinitiativen aus­gegeben wurde. Die Briefwechsel (E-Mails) und die angewandten Methoden (Fragebogen) sind im Anhang einzusehen. Nicht klar nachzuvoll-ziehen ist die Methodologie des empirischen Ansatzes. Warum ausgerechnet ein Marketing­konzept? Und nach welchen methodologischen und soziologischen Paradigmen wird verfahren? Hier wäre eine höhere Transparenz hilfreich ge­wesen. Die inhaltlichen Ergebnisse werden in statistischer Form ausführlich dargestellt. Von der Fülle der Ergebnisse seien nur ein paar her­ausgegriffen: 73% der durch Gemeindegrün­dungsinitiativen erreichten Bevölkerungsschicht kamen aus der Mittelschicht und davon waren die Mehrheit weiblich. Dabei hatte „Gemein­schaft“ den höchsten Stellenwert, sowohl hin­sichtlich der Gemeindeaktivitäten als auch der evangelistische Methoden. Interessant ist, dass sich kein einheitliches Konzept oder eine beson­dere Methode herauskristallisiert hat. Im fünften Kapitel werden nun die Schlussfol­gerungen aus den Ergebnissen der empirischen Erhebung und der theoretischen Vorarbeit ge­zogen und Prinzipien für eine Gemeindegrün­dung in Ostdeutschland erarbeitet. Dabei werden vier Konzeptionen von Gemeindegründung skiz­ziert und jeweils mit den Ergebnissen der empi­rischen Studie verglichen. Dabei kommt Schrö­der zu der Feststellung, dass sich alle vier Kon­zepte nicht mit der Frage der Inkulturation des Evangeliums beschäftigen, denn sie scheinen zu stark von der eigenen Denomination der Initia­toren geprägt zu sein. So kommt sie folgerichtig zu dem Schluss, dass eine stärkere Auseinan­dersetzung mit der Gesellschaft den Konzeptio­nen gut tun würde.

Zusammenfassend bietet dieses Buch interessan­te Anregungen, Erkenntnisse und Reflexionen rund um das Thema Gemeindegründung in Ost­deutschland und darüber hinaus viele Anregun­gen die eigene – missionarische – Gemeindepra­xis zu hinterfragen, besonders was die Frage der Kontextualisierung und Inkulturation von unter­schiedlichen Milieus betrifft.

Dr. Tobias Faix, em 2008-3.

Schrupp, Ernst. Gott macht Geschichte. Die Bibelschule und das Missionshaus in Wie­denest. Wuppertal: R. Brockhaus, 1995.

Ernst Schrupp, langjähriger Leiter des Wie­denester Werkes, beschreibt die bewegte Entste­hungsgeschichte und den Wer­degang des Missionshauses Bi­belschule Wiedenest. Das Buch erscheint im 90. Jahr des Be­stehens die­ses Glaubenswerkes. Auf dem Hintergrund der Zei­tereignisse in kriegs- und kri­sen­ge­schüt­tel­ter Zeit, zeigt Schrupp das Wir­ken Gottes im Leben und durch das Leben der prägenden Gründer - und Leiterpersönlichkei­ten des Wer­kes auf. Christoph Köhler und Jo­hannes Warns eröffneten 1905 in der damali­gen Reichs­hauptstadt Berlin den ersten Bibel­schulkurs mit 12 Schü­lern. Nach 14 Jahren wurde die Schule nach Wiedenest verlegt.

Während Köhler die Autorität der Heiligen Schrift besonders betonte, galt das Interesse Jo­hannes Warns hauptsächlich aller Förderung des Priester­tums der Gläubigen in der Ge­meinde nach dem Neuen Te­stament. Es war das Verdienst von Erich Sauer, wegweisende Akzente in der Entwicklung ei­ner biblisch-heilsgeschichtli­chen Sicht zu entwickeln.

Im 2. Teil des Buches entfaltet der Verfasser ein weiteres, zentrales Anliegen der Wiedene­ster Arbeit: Im Chor der Bibel­schulen setzt Wiedenest den Akzent auf eine starke Gemein­deverbundenheit und die Inte­gration von Ge­meinde und Mis­sion.

Schrupp liefert in diesem Buch einen wert­vollen Beitrag zum Verständnis der Schwer­punkte, Überzeugungen und deren Umsetzung in die Praxis der „offenen Brüder“ im deutsch­sprachigen Raum.

Zahlreiche Hintergrundinfor­mationen, eine fleißige Quellenar­beit, sowie 38 Abbildungen le­gen ein beredtes Zeugnis davon ab, daß Gott auch in schwieri­gen Zeiten Geschichte macht. Das Buch macht Mut zu Ge­meinde und Mis­sion.

Hartmut Burghoff, em 1996-3.

Schultz, Tobias. Faszination, Enttäuschung, Wut: Wie Araber den Westen sehen – Per­sönliche Begegnungen und Medienberichte. Band 3 der Reihe: Orient et Occident 3, hrsg. von Dr. Christine Schirrmacher. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2002.

Tobias Schultz (– neuer Leiter von OM Deutschland –) lebte mehrere Jahre in Ägypten. Im Laufe der Zeit wurde ihm bewusst, dass die Menschen aus dem Westen meistens kein Gefühl dafür haben, wie sie auf die Bevölkerung der arabischen Welt wirken. Deshalb beschreibt er in seinem Buch aufgrund von persönlichen Begegnungen und Medienberichten, wie bei den Arabern der Mann auf der Straße den Westen erlebt, was ihn fasziniert und was ihn abstößt. Schultz will „deutschen Lesern so gut es geht die Brille aufsetzen, durch die sie von ihren arabischen Nachbarn gesehen werden.“ (S.9).

In einem ersten Kapitel („Die glitzernde Welt“, S.15ff) beschreibt er die große Faszi­nation, die der Westen auf die arabische Welt ausübt. Der westliche Wohlstand, die technolo­gischen Errungenschaften, aber auch politische Werte – wie etwa Demokratie und persönliche Meinungsfreiheit – üben durchaus auf viele Araber eine starke Anziehungskraft aus.

Demgegenüber stehen aber eine Vielzahl von kritischen Punkten, die der Araber am Westen beobachtet, wie z.B. der Verfall der Familie („Gemeinschaft – die Armut der Rei­chen“, S.24ff) und vor allem der Verfall der Moral („Die große Schamlosigkeit“, S.29ff).

So kommt es, dass man sich kulturell, sittlich und religiös gegenüber dem Westen für weit überlegen hält: „Ihr habt mehr Wohlstand als wir, wir dagegen haben Religion. Ihr seid uns technolo­gisch und militärisch überlegen – aber wir sind euch sittlich und charaktermäßig überlegen. Ihr habt viele Kenntnisse auf dem Gebiet der Wissenschaft – wir dagegen kennen Gott“ (S.45). Eine wichtige Rolle spielt dabei der Umstand, dass im Westen die Religion weithin aus dem öffentlichen Leben in die Privatsphäre des Einzelnen verbannt ist, eine Tat­sache die für das allumfassende Religionsverständnis von Muslimen undenkbar ist („Die Welt der Gottlosen“, S.45ff). In einem weiteren Kapitel („Wer sind die wahren Terroristen“, S.51ff) geht Schultz vor allem auf politische Fragen ein und zeigt, wie Araber den Westen (und hier vor allem die USA) als voreingenommen und voller Doppelmoral erleben: So weist man z.B. darauf hin, dass niemand aus dem Westen ernsthaft versucht habe, die UN-Resolutionen gegen Israel zur Durchsetzung zu bringen, während man z.B. gegenüber dem Irak bereit sei, Gewalt anzuwenden. Das letzte Kapitel („Von wem geht die Bedro­hung für Frieden und Si­cherheit aus?“, S.80ff) besitzt gerade durch die Geschehnisse am Golf eine besondere Aktua­lität. Denn obwohl viele Araber Saddam Hussein nicht besonders mochten, sind sie der festen Überzeugung, dass die stärkste Bedrohung eher von George Bush (oder Ariel Scharon) aus­geht. So weisen sie z.B. darauf hin, dass die Amerikaner lange vor den arabischen Staaten Massenvernichtungswaffen gebaut (und eingesetzt) haben.

In einem Schlussteil (S.86ff) stellt Schultz die Frage, wie man mit solchen Vorwürfen gegen den Westen umzugehen habe? Die menschliche Reaktion ist die Verteidigungshaltung. Und sicher gibt es viele Gegenargumente und auch Fehler auf arabischer Seite, auf die man hinweisen könnte. Aber der ausgestreckte Zeigefinger hilft nicht wirklich weiter. „Was im wahrsten Sinne des Wortes notwendig ist, ist ein ehrlicher, gründlicher, und wahrscheinlich schmerzhafter Blick in den Spiegel“ (S.88), bei dem wir nicht nur die Politik, sondern auch das soziale, kulturelle und geistliche Leben in unseren Gesellschaften einmal selbstkritisch betrachten sollten. Es kann sicher nicht darum gehen, einfach dem Westen die Schuld für alle möglichen Entwicklungen in die Schuhe zu schieben. Aber tatsächlich gibt es auch auf unse­rer Seite Versagen, dem wir uns stellen sollten.

Schultz gelingt es dem Leser die sonst ungewohnte Sichtweise der Araber von der westlichen Welt deutlich zu machen. Er vermittelt so ein Stück der heute so wichtigen Fähig­keit, die Welt mit den Augen des anderen sehen zu können. Zwar gab es schon bisher Litera­tur zu ähnlichen Fragestellungen (z.B. das Buch: Khoury & Hagemann, Christentum und Christen im Denken zeitgenössischer Muslime, Würzburg / Altenberge: 2. Aufl. 1994; oder den zweiteiligen Aufsatz von C. Schirrmacher, „Wie Muslime Christen sehen“ aus der Zeit­schrift des Instituts für Islamfragen, Nr. 0 + 1 / 2001), das Besondere hier ist jedoch, dass Schultz seine eigenen Erlebnisse und persönliche Erfahrungen zur Sprache kommen lässt. Das macht seine Ausführungen lebendig und interessant. Erfreulich ist, dass Schultz keine Schwarz-Weiß-Malerei betreibt, sondern z.B. auch auf mancherlei Wi­der­sprüch­­lich­keiten der arabischen Einschätzung des Westens hinweist.

Das Buch ist ein echter Augenöffner! Deshalb ist ihm weite Verbreitung zu wünschen. Jedem, der die „arabische Seele“ besser verstehen möchte oder mit Menschen aus der arabi­schen Welt zu tun hat, wird dieses Buch eine wichtige Hilfe bieten. Gerade manchem Politi­ker hätte man diese Lektüre gewünscht … Aber schauen wir nicht auf andere: Jedem Christen, der dieses Buch mit offenem Herzen liest, wird mit Erschrecken auffallen, dass viele der Kri­tikpunkte, die Araber an unseren westlichen Gesellschaften äußern, auch aus christlicher Sicht sehr berechtigt erscheinen (Verfall der Familie, Verfall der Moral, Geringschätzung des Alters, Anbetung des Mammon …). Einziger Wermutstropfen: Ein niedrigerer Preis (als 15 Euro für 90 Seiten) hätte dem Buch sicher eine weitere Verbreitung erleichtert.

Andreas Baumann, em 2003-4.

Schulze, Heinz. Arbeitsgemeinschaft Sozialpolitischer Arbeitskreise (Hrsg.), Menschenfischer ‑ Seelenverkäufer. Evangelikale und fundamentalistische Gruppen und ihr Wirken in der Dritten Welt, München 1987.

Wenn man bedenkt, welche Rolle Kritik an den Institutionen einer freien Gesellschaft spielt und welches Ausmaß sie unter Um­ständen erreichen kann, erreichen muß, um ihrer gesellschaftlichen Kontrollfunktion ge­recht zu werden, dann kommen evangelikale und fundamentalistische Gruppen in der Bundesrepublik vergleichsweise ungescho­ren davon.

Der Grund dafür ist nun keinesfalls darin zu sehen, daß es an ihnen nichts zu kriti­sieren gibt, sondern vielmehr darin, daß ihre Aktivitäten und Initiativen im Inland oder auch in Übersee von einer breiteren Öffentlichkeit bei uns eher selten wahr- und noch seltener ernst genommen werden.

Kritik an evangelikalen und fundamenta­listischen Organisationen allerdings zeigt sich, wenn sie überhaupt auftaucht, gern in zweierlei Art und Weise merkwürdig. Die eine Art findet sich meist in Berichten, die für Tageszeitungen geschrieben werden, deren Autoren Denkweisen und Strukturen solcher Organisationen nur selten einiger­maßen genau oder gar von innen heraus kennen. Solche Art Kritik wirkt daher auf Insider eher etwas naiv.

Die andere Kritik ist zwar seltener und auch weniger naiv, hat aber dafür größere Wirkungen bei denen, die sie nicht nur lesen, sondern sich ihre Argumente zu eigen machen, auch wenn darin gar nicht echt oder sogar manipulativ argumentiert wird. Diese Art der Kritik findet sich in der hier besprochenen Publikation von Heinz Schul­ze.

Sie ist nicht die erste dieser Art. Da war, überaus problematisch, vor einigen Jahren schon „Die Frohe Botschaft unserer Zivili­sation“ (Herausgeber: Gesellschaft für be­drohte Völker, Göttingen und Wien 1979). Was Heinz Schulz und andere hier nun zu­sammengestellt haben, liest man zunächst mit Stirnrunzeln, bald aber nur noch mit fassungslosem Erstaunen.


Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich leide nicht unter dem Bedürfnis, die mit großem Fleiß zuwege gebrachte Arbeit eines anderen herabzuwürdigen oder hämisch zu kommentieren. Auch ist Schulzes ständiger Hinweis auf die Tatsache, daß Evangelikale und Fundamentalisten dazu neigen, korrup­ten Regierungen in der Dritten Welt und anderswo gegenüber eher indifferent zu bleiben, durchaus berechtigt, und die Kri­tisierten täten gut daran, der Kritik zuzu­hören, wie immer sie auch ausfallen mag. Aber: Wenn Kritik in einer Form vorge­bracht wird, wie es hier geschehen ist, dann beraubt sie sich selbst jeglicher Wirkung auf denjenigen, an die sie sich richtet. Das Ganze ist in der Tat so schlimm, daß es mir bei der gebotenen Kürze schwer fällt, Sym­ptomatisches so herauszugreifen, daß ein repräsentatives Bild vom Ausmaß der Män­gel entsteht, die Schulzes Arbeit kenn­zeichnen.

Abgesehen davon, daß der Autor die Tätig­keit evangelikaler und fundamentalistischer Organisationen in Deutschland als Griff nach der Macht mißversteht und sie in ihren diesbezüglichen Möglichkeiten völlig über­schätzt, ist ausgeprägte Einseitigkeit ty­pisch für die Auswahl seiner Fakten. Auch besteht die Dritte Welt, von der im Unter­titel die Rede ist, fast ausschließlich aus Lateinamerika.

Zwar betont der Autor im Vorwort, es sei nicht sein Anliegen, die Ausnahmen vorzu­stellen, sondern die Regel (S.5). Gerade das aber tut er dann in der Folge ständig.

Völlig verwirrend sind die „Klärungsver­suche zu Beginn“ (S.7). Wenn ich nicht gewußt hätte, was die Begriffe „Fundamen­talismus“ und „evangelikal“ bedeuten, wäre ich trotz größtmöglicher Bereitschaft zum Verstehenwollen nicht in der Lage gewesen zu erkennen, was damit gemeint ist.

Immer widerwilliger folgt man den Ausfüh­rungen des Autors, wenn man auf so merkwürdige Formulierungen stößt, in denen von den „bösen, selbstherrlichen Männern der Evangelischen Allianz und des Gnadauer Bundes“ die Rede ist (S.9), wenn man sinnlose Sätze lesen muß wie „ … für die Mehrheit ist die Religion eine Bestätigung ihrer Existenz als Individuum mit einer ganz persönlichen Erlösungsgeschichte in der Ewigkeit“ (S.60), oder salbungsvolle wie dieser: „Viele der fundamentalistischen Missionsgesellschaften sind Kinder der Kri­se und die Frucht ihres Leibes ist krisen­bringend“ (S.43).

Auffallend ist die geringe Sorgfalt, mit der die Namen von Organisationen und Perso­nen zitiert werden. Der „Gnadauer Bund“ (S.9,14 usw.) heißt erst gegen Ende richtig „Gnadauer Verband“ (S.120), und ein in die Schlagzeilen geratener amerikanischer Fernsehprediger erscheint auf ein und der­selben Seite als „Jimmy Swaggart“ und „Swaggard“ (S.87). Die Liste ist leicht fort­zusetzen, es wimmelt von Beispielen.

Schwer fällt es auch, eine Abhandlung über die Rolle des amerikanischen Präsidenten im Rahmen des Themas ernstzunehmen, die den Titel „Ronnies Jesus-Mission“ trägt (S.15). Hier ist das Niveau einer Schüler­zeitung erreicht.

Besonders bedenklich ist das Verfahren, Tatsachenbericht und Kommentar nicht deutlich erkennbar zu trennen oder von Zitat zu Zitat zu springen, wobei der Zu­sammenhang zuweilen völlig verloren geht (S.28). Einen in anderer Weise zusammen­hanglosen Eindruck macht der Beginn der Ausführungen über „Die elektronische Kir­che“ (S.23). Mitten in einer Buchbespre­chung über dieses Phänomen in den USA und Lateinamerika erscheint das Signet des (deutschen) Evangeliumsrundfunks, dann wird das ursprünglich begonnene Thema weitergeführt, um wiederum durch ein be­langloses Photo, den Ausriß des Programm­zeitschrift-Titels des ERF und zwei völlig nichtssagende Sätze über diesen, unter­brochen zu werden.

Viel zu oft benützt der Autor unklare Be­griffe wie „die nordamerikanische Erobe­rung“ (S. 7) oder, höchst seltsam im Zusam
menhang mit William Cameron Townsend, die Konstellation „presbyterianische Adven-tisten“ (S.44). Wer das wohl sein mag?

Problematisch sind die Verbindungen zwi­schen Ereignissen und Fakten, die durch die viel zu starke Verkürzung von Informatio­nen suggeriert werden, im Zusammenhang mit Bildmaterial (S.67) und mit Katastro­phen (S.48). Im letzteren Fall muß ein nichtinformierter Leser, der laut Vorwort informiert werden soll, schließen, das ILV selbst habe die Flugzeugabstürze inszeniert.

Die Argumentation, wenn sie überhaupt ge­führt wird, ist selten überzeugend (S.33 ist ein Graffito als „starker Protest“ gegen ein christliches Hilfswerk bezeichnet), manch­mal in eindrucksvoller Weise realitätsfern: Wie will der Autor im Ernst einer Mutter aus den Slums von Lima, deren Kind anders keinerlei Chancen hätte, oder gar einem elternlosen Kind selbst einsichtig machen, daß „Kinderpatenschaften … entwicklungs­politisch abzulehnen“ (S.57) und „die Ar­beit des Kinderhilfswerks Lima … europä­isch ausgerichtet und nicht in die Struktur der Basisorganisationen eingebunden“ seien (S.93)?

Selbst einfachsten Maßstäben für Wissen­schaftlichkeit genügt Schulzes Arbeit nicht. Zitiert werden fast keine Primärquellen, viel zu oft Berichte aus Zeitungen und Blät­tern von höchst begrenzter Bedeutung, mit dem längst unüblichen Kürzel „a.a.O.“ oft weder auffind- noch nachprüfbar. Die im Impressum als Mitherausgeber firmierenden Organisationen, darunter besonders die stu­dentischen, täten daher gut daran, sich, falls noch nicht geschehen, umgehend von der insgesamt blamablen Publikation zu distan­zieren.

Lothar Käser, em 1988-4.

Schwarz, Christian A. Die natürliche Ge­meindeentwicklung nach den Prinzipien, die Gott selbst in seine Schöpfung gelegt hat. C & P: Emmelsbüll & Oncken: Wuppertal, 1996. (Kurzfassung: ders. Das 1 x 1 der Gemeindeentwicklung. C & P: ebd. 34 S. geheftet.).

Das in zehn Sprachen und 12 Länderausgaben erscheinende Buch geht auf eine breitangelegte Untersuchung von 1000 Gemeinden in 32 Län­dern auf al­len 5 Kontinenten zurück. Dazu ha­ben Gemeindeleiter und Mitar­beiter ebenso wie ‘normale Mitglieder’ und Besucher detaillierte Fragebo­gen über ihre Gemeinden ausgefüllt. In seinem graphisch ausgezeichnet aufgemachten, übersichtlichen und flüssig geschriebenen Buch belegt Schwarz acht Qualitätsmerkmale ‘guter’ Gemeinden, in denen Gebet und Seel­sorge, Evangelisation und Schulung eine wich­tige Rolle spielen und die zugleich wachsen: (1) „Bevollmächtigende Leitung“, wobei die Leiter stark auf persönliche Bezie­hungen set­zen und sich von außerhalb der Gemeinde be­raten lassen, (2) „Gabenorientierte Mitarbeiter­schaft“ mit gründlicher Schulung der ehren­amtlichen Mitarbeiter, (3) „Leidenschaftliche Spiritualität“ wie intensives Gebetsleben, Be­geisterung für den Gottesdienst und klare theologische Überzeugungen, (4) „Zweckmäßi­ge Strukturen“, in der die Struktu­ren den Men­schen angepaßt werden und nicht umgekehrt, (5) „Inspirierende Gottesdienste“, wobei es in­teressanterweise auf das Wachtum und die Qualität praktisch keinen Einfluß hat, wenn der Gottesdienst sich vorran­gig an Nicht­christen wen­det (S. 31), (6) „Ganzheitliche Kleingrup­pen“, (7) „Bedürfnisorientierte Evan­gelisation“ und (8) „Liebevolle Beziehungen“. Diese Prin­zipien bringt Schwarz dann mit sechs „bio­ti­schen“ Prinzipien in Verbindung, also Prin­zipien, mit denen sich die Schöpfung erhält und vermehrt und die seines Erachtens nur zum Schaden der Gemeinde durch techni­sche Prin­zipien ersetzt werden können. Es sind „Ver­netzung“, „Multiplikation“, „Energieum­wand­lung“, „Mehrfachnutzen“, „Symbiose“, „Funk­tio­na­li­tät“. Schwarz fordert einen zwei­poligen Gemeindebegriff, der dy­namische und statische Elemente gleicherma­ßen berücksich­tigt (S.84ff). Reiner Spiri­tualismus ist genauso eine Gefahr wie Techno­kratie. Be­reitschaft zur Ver­änderung und Spontanität haben genauso ihren Platz in der Gemeinde Jesu wie Festhal­ten an Bewährtem und gründliche Pla­nung.

Mit seinen erfreulichen und studierenswer­ten Ergebnissen entfernt sich Schwarz immer weiter von der klassischen Gemeinde­wachs­tums­bewegung, deren Expo­nent er war und ist. Als herausragendste Entdec­kung der Untersu­chungen bezeichnet Schwarz die Feststellung, daß Ge­meinden, die einen bestimmten Quali­tätsindex übersteigen, ausnahmslos auch wach­sende Gemeinden sind (S.39). Qualitatives Wachstum und quantita­tives Wachstum stehen nicht ge­geneinander, sondern bedingen einan­der – ein Ergebnis, das die biblische Offenba­rung eindrucksvoll be­stätigt. Schwarz schreibt: „In vielen Gemein­dewachstumsbüchern läßt sich ein hartnäcki­ger Mythos aufspüren: Eine Gemeinde, die wach­sen will, brauche ganz konkrete numerische Wachs­tumsziele … Keine andere For­derung hat sich im Bewußtsein der christli­chen Öffent­lichkeit so sehr mit dem Wesen von ‘Gemeindewachstum’ ver­bunden wie diese. Ein Ergebnis unserer Studie ist, daß nur 31 Prozent aller überdurchschnittlich wach­senden Gemein­den mit derartigen Zielen ar­beiten.“ (S.44).

Nun mag man sagen, daß viele Ergebnisse für den Praktiker immer schon auf der Hand lagen. Daß größere Gemeinden meist schlech­ter ab­schneiden als kleinere (S.46), weiß je­der, der sich vor Ort umgeschaut hat. Größere Ge­meinden haben eben oft nur eine größere Presse. Aber dem Mythos der möglichst großen Gemeinde konnte nur eine Untersu­chung dieser Art abhelfen. Auch, daß die ‘schlechtesten’ und zudem schrump­fenden Gemeinden durchweg Pastoren haben, die Theologie stu­diert ha­ben (S.23), da das Theologiestudium offensichtlich oft zu beziehungsar­men Gemeindeleitern führt, ist zwar eine sattsam bekannte Erscheinung, die aber nun belegt ist und dringend zur radi­kalen Reform des Theologie­studiums - auch des bibeltreuen - führen müßte! Daß nur we­nige wachsende Gemeinden einen sogenannten ‘Seeker-Service’, also einen ganz auf Außen­stehende ausgerichteten Gottesdienst, haben (S.30), ist ebenso nicht verwunderlich, denn der Gottesdienst ist nun einmal zu­erst dafür da, daß die Gemeinde Jesu sich von ganzem Herzen auf Gott ausrichtet, und nicht als Evangelisati­onsveranstaltung. Fehlt der gemein­same Got­tesdienst der Christen, fehlt der Gemeinde meist auch ein Stück echter Lebendigkeit.

Ich glaube, daß die Gemeindewachstums­bewegung nun mit ihren eige­nen Waffen ge­schlagen wurde. Ich habe mit vielen anderen Missionswis­senschaftlern schon vor Jahren vertreten, daß die Gemeindewachstums­bewegung zu falschen Schlußfolgerungen kommt, weil sie nur über ein eingeschränktes Wissen verfügt. Geographisch war sie meist auf eine Ge­meinde oder eine Region be­schränkt. Sie interessierte sich selten für den Gesamtzustand der Ge­meinde, sondern stellte nur bestimmte Fragen. Und sie war meist auf kurze Zeiträume beschränkt, untersuchte also bei­spielsweise selten, warum vorübergehend stark wachsende Gemeinden oft Jahre später wie­der kollabierten. Damit ist nun Schluß: Eine weltweite Untersuchung, die in 1000 Gemein­den ein möglichst breites Spektrum an Berei­chen erfaßte und möglichst viele Menschen be­fragte (Pastoren, Gruppenleiter, Mitglie­der, Besucher) zeigt, daß Gemeinden eben am natür­lichsten wachsen, wenn sie gesund sind. Wer sich um die umfassende Ge­sundheit einer Ge­meinde kümmert, kümmert sich automatisch auch um ihr zahlenmäßiges Wachstum. Dabei darf man unter gesund eben nur nicht einfach ‘rechtgläubig’ verstehen - worin Schwarz voll zuzustimmen ist, sondern alle im Neuen Te­stament vorgegebenen Qualitätsmerkmale wie Gebet, Gemeinschaft, Förderung, erhebender Gottesdienst, Evangeli­sationsdrang usw., Dinge, mit denen gerade ‘rechtgläubige’ Ge­meinden - zumindest in Deutschland - oft wahrhaftig Probleme haben. (Daß bei Schwarz die Frage der ‘Rechtgläubigkeit’ dafür fast ganz unter den Tisch fällt, ist aller­dings bedauer­lich.)

Vieles von dem, was Schwarz beschreibt und fordert, könnte der Ge­meindewachstums­be­we­gung eine neue, m. E. gesündere Richtung geben. Es ließe sich natür­lich fragen, ob nicht Schwarz selbst früher als Redak­teur der Zeit­schrift ‘Gemeindewachstum’ der von ihm kriti­sierten Ent­wicklung Vorschub geleistet hat und seinerzeit nicht Kritik am Kurs der deutsch­sprachigen Gemeindewachs­tumsbewegung vorschnell als Kritik an Ge­meindewachstum überhaupt verstanden wurde. Aber jedenfalls kün­digte sich schon lange an, daß Schwarz die Qualität einer Gemeinde im­mer weniger aus den reinen Zahlen ableiten wollte und den in­neren Zu­sammenhang zwi­schen qualitativem und quantitativem Wachs­tum immer stärker betonte. Wenn er schreibt: „Es scheint mir ei­ner der großen Irrtü­mer der Gemeindewachs­tumsbewegung zu sein, daß sie Gemeinde­wachstumsdenken als eine ‘a-theolo­gische Methodologie’ zu präsentieren versucht“ (S. 94), so bleibt dabei offen, ob er sich auch selbst damit meint oder nicht. Aber angesichts des­sen, was Schwarz heute präsentiert, ist diese Frage von rein historischem Interesse. Wichti­ger ist jetzt, daß die Gemeindewachstumsbe­wegung auf Schwarz hört und mit einer geän­derten Zielsetzung auch jene Christen für einen neuen Aufbruch gewinnen kann, für die bisher gewisse theologische Probleme der Gemeindewachstumsbe­wegung Alibi für den toten und schrumpfenden Zustand der eigenen Ge­meinde waren!

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-3.

Schwatlo, Winfried. Das Verständnis der Reilsge­wissheit in Afrika: Wege zu ihrer Kontextualisierung unter den Christen der Wakaguru. Evange­lische Missiologie Monographien Bd. 2, hg. v. Heinzpeter Hempelmann, Bad Liebenzell: Ver­lag der Liebenzeller Mission, 2001.

In dieser „Korntaler-Abschlussarbeit“ nimmt der Autor die „nahezu gänzlich fehlende Einsicht“ der Christen in Afrika auf, „dass Gott Heilsgewissheit schenken kann“. Am Beispiel der Wakaguru, einer Ethnie in Tansania wird in die Problemstellung eingeführt und werden Lösungswege gesucht, die dann als Kontextualisierung vorgestellt werden. Dem voraus geht eine exegetische Studie zu Römer 8,3-8f. Schwatlo hält diesen Text für den Schlüssel zum Thema Heilsgewissheit, weil die für Afrika so wichtige Dimension der „Mächte und Gewalten“ berücksichtigt wird. Darauf folgt ein kleiner theo­logiegeschichtlicher Überblick zum Thema. An­schließend führt Schwatlo in die Kaguru-Kultur ein, wobei er auch Einflüsse der Missionsgeschich­te berücksichtigt. Die Ähnlichkeit der Kaguru zu anderen Bantu-Kulturen ist offensichtlich, weswe­gen diese Studie auch über die Kaguru-Kultur hin­aus Relevanz besitzt. Das darauffolgende Kapitel 4 ist eine allgemeine Erörterung zum Thema Kontex­tualisierung der biblischen Botschaft in Afrika. Der Fokus fällt dabei auf die Christologie, die präsen­tisch verstandene Soteriologie und die Bekehrungs­theologie afrikanischer Evangelikaler. Im abschlie­ßenden Kapitel 5 kontextualisiert der Autor die biblische Lehre der Heilsgewissheit für die Chris­ten der Wakaguru. Interessant ist sein breit ange­legter Ansatz: Angefangen von traditionellen Ka-guru-Texten, bis zu dem auf Kiswaheli vorhande­nen theologischen Schulmaterial, über den Einsatz von Dramen und relevanten Kirchenliedern bis hin zu symbolischen Zeremonien versucht er das Ver­ständnis für die Heilsgewissheit zu wecken. Dieser Ansatz überzeugt. Jedoch bleiben Fragen offen. Ist mangelnde Heilsgewissheit das Hauptproblem oder sind andere theologische Inhalte defizitär? Über­blickt man das ostafrikanische Christentum, so kann man beispielsweise in Kenia Christen sagen hören: „I’m saved“ mit dem hastigen Zusatz „today“, als ob sie sich ihres Heils morgen nicht mehr sicher sein könnten. In Tansania lassen sich bei Evangelisationsveranstaltungen Scharen von Gemeindeglieder zum wiederholten Male nach vor­ne rufen. Was sie verbindet ist ihre „Heilsunsicherheit“. Aber warum sind sie sich ihres Heils nicht gewiss? Man wird vermuten dürfen, dass Sünde trotz Errettung als bleibende, negative, lebenseingreifende Macht erfahren wird, mit der man nicht fertig wird (übrigens fehlt die Sünde in der Aufzählung von Rom 8,3-8f). Deswegen wäre eine andere reformatorische Lehre vonnöten, näm­lich die (selbst in der deutsch-protestantischen Theologie kontrovers diskutierte) Einsicht des simul Justus et peccator (gerecht und Sünder zugleich). Wie sich aber eine konsequente Anwen­dung dieser Einsicht auf afrikanisches Christsein auswirken könnte, wirft viele Fragen auf. Könnte es zu einer ethischen Gleichgültigkeit, gar zum Libertinismus führen? Könnte sich dann trotz Schamkultur Buße bzw. Beichte in Theologie und Praxis ändern? Könnte sich dann auch ein Bischof einer konkreten Tatsünde bezichtigen ohne dabei sein Gesicht zu verlieren, denn er ist Sünder und Gerechter zugleich? Fragen zu deren Erörterung Schwatlos Buch schweigt, weil es sich einerseits auf den schmalen Brennpunkt der Heilsgewissheit beschränkt, andererseits aber in unrelevante Rand­themen wie z.B. die Spannung zwischen Glaube und Werke und der Streit um die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ verliert. In diesem Zusammenhang sei außerdem auf die un­verhältnismäßig umfangreichen Fußnoten hinge­wiesen. Schwatlo häuft in den Fußnoten seitenwei­se Literatur an und man fragt sich als Leser irritiert, ob alle angeführte Literatur für sein Thema Rele­vanz besitzt.

Trotzdem ist dieses Buch eine empfehlenswerte Lektüre, die zum Weiterdenken und Forschen gera­dezu anregt.

Elmar Spohn, em 2003-3.

Scott, James M. Paul and the Nations: The Old Testament and Jewish Background of Paul’s Mission to the Nations with Special Refe­rence to the Destination of Galatians. Wissenschaftli­che Unter­suchungen zum Neuen Testament 84. J. C. B. Mohr: Tübingen, 1995.

Die vorliegende Dissertation gehört eigent­lich in den Bereich der Ein­leitungs­wissenschaf­ten und will die Frage be­antworten, an wen der Gala­terbrief geschrieben wurde. Dazu holt der Verfasser zunächst aber auf 180 Seiten unge­heuer weit aus, um dann auf den letzten 40 Seiten die Konse­quenzen für die Einleitungs­fragen zu ziehen. Es sind diese 180 Seiten, die das Buch für den Missiologen interessant ma­chen. Scott will nämlich seine These belegen, daß Paulus den Begriff für Volk/Völker (‘ethnos’) und die Geogra­phie sei­ner Missi­onstätigkeit im Lichte der Völkertafel von 1Mose 10 ver­stand, also davon ausging, daß sich das Evangelium genau an die Völker der Welt wendet, die sich seit der Sintflut von Gott abge­wandt haben. Dazu geht Scott minutiös auf die Verwendung des Begriffes Volk/Völker (‘ethnos’) und auf die Auslegungsgeschichte von 1Mose 10 im Judentum ein. Außerdem disku­tiert er die einschlägigen Stellen bei Pau­lus, besonders Röm 15,19 und Apg 17,26.

Ich denke, daß Scott der Beweis seiner These gelungen ist, womit wie­der einmal mehr feststeht, wie stark das Missionsverständnis des Paulus vom Alten Testament her bestimmt wurde. Ähnlich hat Rainer Riesner ja erst kürz­lich die Bedeutung der geogra­phischen Anga­ben von Jes 66,18-21 in der zeitgenössi­schen Interpretation der Septuaginta für den Weg der Aus­breitung des Evangeliums unter den Hei­den durch Paulus und damit für dessen eigenen Reiseweg belegt (siehe meine Rezension von Rainer Ries­ner. Die Frühzeit des Apostels Paulus aus derselben Buchreihe in em 12 (1996) 1: 25-26). Im übrigen dürfte Scotts Werk die der­zeit gründlichste und wichtigste Darlegung des jüdischen und neutestamentli­chen Ver­ständnisses des Völkerbegriffes (‘ethnos’) sein.

Die Sicht der Bedeutung von 1Mose 10 für die paulinische Missions­strategie ist für Scott schließlich die Grundlage dafür, sich bei der um­strittenen Frage, an welche ‘Galater’ Paulus schrieb, für die sog. ‘südgalatische Theorie’ und gegen die ‘nordgalatische’ Theorie zu entschei­den. Daß der Galaterbrief im Jahr 49 n. Chr. an die Gemeinden in Südgalatien ge­schrieben wurde, die Paulus bei seiner ersten Missions­reise gründete, dürfte tatsächlich auch aus an­deren Gründen die richtige Sichtweise sein (s. Helge Sta­delmann. „Die Vorgeschichte des Galaterbriefes“. Bibel und Gemeinde 82 [1982] 2: 153-165), weswegen diese erneute Bestäti­gung sehr erfreulich ist.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-3.

Shenk, Calvin E. Who Do You Say That I Am? Christians Encounter Other Religions. Herald Press: Scottdale (USA), 1997.

Das Buch des mennonitischen Religionswis­senschaftlers Calvin E. Shenk ist in erster Linie für Christen im Westen geschrieben, die sich angesichts einer zunehmenden religiösen Plu­ralität fragen, wie sie Menschen anderer Reli­gionen begegnen können. Mit der schon klassi­schen Aufteilung in Exklusivismus, Inklusi­vismus und Pluralismus zeigt Shenk die ver­schiedenen christlichen Modelle im Verhältnis des Christentums zu den anderen Religionen auf. Einer Definition der verschiedenen Posi­tionen folgt eine ausführliche Beschreibung und Auseinandersetzung mit den Sichtweisen. Shenks Maßstab ist dabei das heilvolle Han­deln Gottes in Jesus Christus, das es zu bezeu­gen gilt. Ohne die Einzigartigkeit der Person Jesu Christi gibt es weder Evangelium noch Mission.

In zwei weiteren Kapiteln werden die Perspek­tive des AT und NT über die Religio­nen ver­handelt. Die Bibel selbst kennt ver­schiedene Begegnungen des biblischen Glau­bens („biblical faith“) mit anderen Glaubens­formen („other faiths“), ohne eine systemati­sche Theologie der Religionen zu entwickeln. Die Religionen erscheinen multidimensional und ambivalent. Es finden sich gute wie böse Aspekte in den Religionen. Sie reflektieren damit Gottes Handeln in der Welt, die Suche des Menschen nach Gott und seine Flucht vor Gott. Wie stehen nun Schöpfungs- und Chri­stusoffenbarung, Universalismus und Partiku­larismus zueinander? Shenk stellt beides in eine dialektische Spannung.

Nachdem Shenk bereits mehrmals auf die Normativität Christi in der Begegnung des Christen mit anderen Religionen verwiesen hat, führt er dies aus: Wer ist Christus? Die Heils­bedeutung des inkarnierten Christi und damit seine Einzigartigkeit werden in Beziehung zur Trinität Gottes aufgezeigt. Dabei verweist Shenk auf die Bedeutsamkeit der Inkarnation. Wo die Partikularität der Inkarnation zugunsten einer einseitigen Logoschristologie oder eines kosmischen Christus aufgegeben werden, geht auch das einzigartige Heil in Jesus Christus verloren. Das heilschaffende Handeln Gottes in Jesus Christus verlangt nach dem Zeugnis der Gemeinde in aller Welt. An dieser missionari­schen Ausrichtung muß sich jede Theologie der Religionen messen lassen.

Auffällig bei Calvin E. Shenk ist die Offen­heit gegenüber den Spuren Gottes in den Religio­nen und der deutliche Verweis auf die missio­narische Dimension des Evangeliums von Je­sus Christus, das es gilt, allen Menschen zu be­zeugen. Hier stehen sich Offenheit und Be­kenntnis nicht diametral gegenüber, sondern verlangen einander.

Martin Reppenhagen, em 1999-4.

Silva,
Moisés. God, Language and Scripture: Reading the Bible in the Light of General Lingustics. Foundations of Contemporary Inter­pretation Bd. 4. Zondervan: Grand Rapids (MI), 1990.

Silva, Moisés. Biblical Words and Their Meaning: An Introduction to Lexical Se­mantics. überarbeitete Ausgabe. Zondervan: Grand Ra­pids (MI), 1994.

Kaiser, Walter C. & Moisés Silva. An Intro­duction to Biblical Herme­neutics: The Se­arch for Meaning. Zondervan: Grand Rapids (MI), 1994.

Silva, Moisés (Hg.). Foundations of Contem­porary Interpretation: Six Volumes in One. Zondervan: Grand Rapids (MI), 1996.

Moisés Silva, langjährig Professor für Neues Testament am Westminster Theologi­cal Semi­nary, hat sich maßgeblich für eine eindeutig bibeltreue, aber auch am modernsten For­schungsstand ori­entierte Erforschung der bibli­schen Sprachen und der Bedeutung des bibli­schen Textes ein­gesetzt.

In ‘God, Language and Scripture’ will Silva die allgemeine Lingustik (Erforschung der Sprachen) für die Auslegung der Bibel nutzen. Er geht zwar davon aus, daß die Lingustik der Bibel selbst untergeordnet werden muß und beginnt deswegen mit einem Kapitel über die Sprache aus bibli­scher Sicht. In einer dienen­den Funktion kann aber die Lingustik vor Irr­wegen bewahren. Dazu stellt Silva die Grund­lagen der modernen Lingu­stik dar und wendet sie dann an, indem er die biblischen Sprachen nach Aussprache, Wortformen und -bedeutung, Satzbau und weiteren Aufbau darstellt. Im Ge­gensatz zu den anderen Bänden der Reihe ‘Foundations of Contemporary Interpretation’ setzt dieser Band gewisse Kenntnisse der bibli­schen Sprachen voraus. Der Stoff ist etwas trocken, wird aber gut aufgebaut dargeboten.

In ‘Biblical Words and Their Meaning’ will Silva den für die Auslegung vielleicht wichtig­sten Teilbereich der Linguistik, die Semantik (Lehre von der Bedeutung) der Worte, darstel­len und auf die Bibel anwenden. Es handelt sich dabei um die derzeit beste Darstellung der biblischen Wort­bedeutungslehre aus evangeli­kaler Feder. Nur wenigen Bibellesern ist be­wußt, welchen Einfluß die lexikale Semantik auf die Auslegung hat, aber von der Frage, wie man die Bedeutung eines Wortes – dazu noch antiker Sprachen – gewinnt, hängt oft entschei­dendes für die Bedeutung einer bi­blischen Aussage ab. Silva wendet sich immer wieder gegen die auch heute noch weit verbreitete Vorgehensweise, die Bedeutung eines Wortes zu stark von seiner ursprünglichen Herkunft (Etymologie) und von seinen theoretisch mög­lichen Bedeutungen her zu verstehen und zu wenig vom Sprachgebrauch im Zusammenhang eines Satzes her. Das Buch arbeitet sehr stark mit Beispielen und ist zur Einführung für Theologiestudenten geschrieben, setzt also ge­wisse, wenn auch nicht gründliche Kenntnisse der biblischen Sprachen voraus.

Die zusammen mit einem der maßgeblichen bibeltreuen Alttestament­ler, Walter C. Kaiser, verfaßte biblische Hermeneutik (Verstehens­leh­re) Silvas verzichtet weitgehend auf eine Geschichte der Hermeneutik und auf eine Aus­einandersetzung mit historisch-kriti­schen Ent­würfen und be­schreibt stattdessen, wie man unter Einbezug des neuesten Forschungs­standes der Lingustik, aber auch unter Berück­sichtigung seiner Inspi­riertheit die Bedeutung des Textes der Heiligen Schrift er­arbeiten kann. Wer sich keine Rechenschaft ablegt, wie er mit dem Text umgeht, neigt dazu, sich für jeden Bibelvers eine eigene Auslegungsme­thode zurechtzu­legen und die Sprache zu miß­brauchen. Dabei wird die Her­meneutik von vorne herein in eigenen Kapiteln zu den litera­rischen Gattungen (z. B. Evange­lien, Prophe­ten, Briefe) dargestellt. Diese aus­gezeichnete Herme­neutik sollte unbedingt ins Deutsche übersetzt werden.

Der Sammelband ‘Foundations of Contem­porary Interpretation’ enthält sechs Bücher der gleichnamigen, von Moisés Silva herausgege­benen Serie. Es handelt sich um folgende Titel bibeltreuer Theologen:  
* Moisés Silva, Has the Church Misread the Bible: Eine Geschichte der bi­blischen Herme­neutik, die zugleich die Bedeutung der in der Kirchenge­schichte diskutierten Fragen (Was ist Allegorie? Gibt es einen mehrfachen Schrift­sinn?) für heute darstellt und beantwortet.   
* Tremper Longman III, Literary Approaches to Biblical Interpretation: Eine gründliche Kri­tik bibelkritischer literarischer Methoden, die aber zugleich fragt, wie bibeltreue Ausleger mit den verschiedenen literarischen Stilen wie Poesie, Prosa usw. umgehen.       
* Moisés Silva: God, Language and Scripture: wurde oben besprochen.   
* V. Philips Long, The Art of Biblical History: Eine gründliche Kritik der unhistorischen Vor­gehensweise historisch-kritischer Methoden bei gleich­zeitiger Betonung der Bedeutung der Ge­schichte in der Bibel selbst und für den Um­gang mit der Bibel. 
* Vern S. Poythress, Science and Hermeneu­tics: Poythress diskutiert, wie die falsche und richtige Rolle, die die Wissenschaft bei der Auslegung der Bibel spielt, aussah und ausse­hen sollte. (Leider geht er auf die Frage Schöp­fung oder Evolution nicht ein und scheint kein ‘Kreationist’ zu sein.)        
* Richard A. Muller, The Study of Theology: Muller stellt die große Gefahr dar, daß die ver­schiedenen theologischen Disziplinen (z. B. Auslegung, Bi­blische Theologie, Systemati­sche Theologie, Seelsorge) auseinandergeris­sen werden und kein Gesamtbild des geistli­chen Lebens oder einer christ­lichen ‘Kultur’ entsteht, schlägt dann aber auch vor, wie dem entgegenge­wirkt werden kann.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-4.

Simatupang, Tahi Bonar. Gelebte Theologie in Indonesien. Zur gesellschaftlichen Ver­ant­wortung der Christen. Göt­tin­gen: Van­denhoeck & Ruprecht 1992.

Während die Werke deutscher Theologen in alle Länder auch der sogenannten Dritten Welt expor­tiert und übersetzt werden, kommt der umge­kehrte Verkehr eher langsam in Gang. Hier füllt die Aufsatzsammlung T.B. Simatu­pangs eine wichtige Lücke. Gerade die kurzen, pro­grammatischen Aufsätze aus der „pabrik cera­mah“ („Vortragsfabrik“ – so der indonesi­sche Spitzname dieses wohl bekanntesten indo­nesischen Laientheologen) eignen sich hier­für besonders gut. Der Hamburger Missi­ons­theologe Prof. Olaf Schumann und der lang­jährige Mitarbeiter der Evang. Zentralstelle für Entwicklungshilfe, H.J. Fischer, sind beide her­vorragende Indonesienkenner und haben das Buch mit vielen Erläuterungen auch für den weni­ger Indonesienkundigen Leser sehr gut auf­bereitet. Auch die oft schwierige indonesi­sche Begrifflichkeit wurde von Dorothea Reiß fast immer treffend übersetzt; einzig die Über­set­zung des Begriffes „kemakmuran“ (Wohl­er­ge­hen, Wohlfahrt, Gedeihen) mit „Wohlstand“ mag in unserer Wohlstandgesell­schaft etwas miß­verständlich klingen, läßt sich aber schwer bes­ser übersetzen.

Wie schon der Untertitel der Sammlung zeigt, liegen S. sozialethische Fragen besonders am Herzen. Gerade durch den religiösen Sozi­a­lismus Reinhold Niebuhrs hatte General Sima­tupang in den 50er-Jahren einen neuen Zugang zum christlichen Glauben gefunden. Die­se Prägung schimmert z.B. durch, wenn sich nach S. die Kirche auf dem „‘langen Marsch’ … von Pfingsten bis zur Wiederkunft Chri­sti“ befin­det. (61) So hat er gerade evan­geli­kalen Chri­sten zu sagen, „Christen dürfen sich nicht da­mit begnügen, die Seelen der Men­schen zu retten … , in der Hoffnung, daß gute Menschen auch eine gute Regierung her­vor­bringen wer­den.“ (73) Demgegenüber sieht S. die Verant­wortung der Kirchen für die Ent­wick­lung („pembangunan“) in Indonesien.

Unter diesem Vorzeichen versteht S. auch sein vielfältiges Engagement in der ökumeni­schen Bewegung. Angesichts der Vielzahl der indo­nesischen Kirchen ist S. der Meinung, „daß ein gemeinsam formuliertes Bekenntnis … kei­ne Lösung des Problems bringen wird.“ Viel­mehr sieht S. eine Chance für die Einheit der Kir­che allein darin, „vom gemeinsamen Auf­trag der Kirchen auszugehen, den Glauben inmit­ten der gegenwärtigen indonesischen Gesell­schaft zu bekennen.“ (85) Dieses Glau­bens­bekenntnis findet nach S. seinen Ausdruck vor allem in der gesellschaftlichen Verantwor­tung.

Dieser politische Auftrag führt Simatupang dann auch zur Zusammenarbeit und zum Dia­log mit den indonesischen Muslimen. Aller­dings ist sich S. dabei bewußt, daß auch „etwa­i­ge Gemeinsamkeiten unter dem Aspekt der grund­sätzlichen Verschiedenheit der Reli­gi­o­nen gesehen werden müssen, da sie sonst nur Miß­verständnisse hervorrufen. … So ist es nur natür­lich, wenn die Zusammenarbeit die Di­men­sion des Bekennens enthält.“ (112) Nur auf dem Hintergrund dieses deutlichen mis­sio­na­ri­schen Bekenntnisses kann S. einen Dia­log mit den Muslimen bejahen.

Damit erweist sich S. letztlich als ein theo­lo­gisch konservativer Denker, wenn auch sein pro­vozierender religiöser Sozialismus evange­li­kale Leser zunächst vor den Kopf stoßen mag und er den Schwerpunkt seines Denkens allzu­sehr auf den politischen Auftrag der Kirchen legt. Daher verwundert es nicht, wenn seine frü­her so viel zitierte Formel von einem posi­ti­ven, kreativen, kritischen und realistischen gesell­schaftlichen Beitrag der Kirchen (50f) heu­te immer öfter kritisiert wird. Alle Anzei­chen deuten darauf hin, daß die von Simatu­pang wesentlich mitgeprägte „Pembangungan- (De­velop­ment-/Entwicklungs-) Theologie“ in Indo­nesien immer mehr von stärker befrei­ungs­theologischen Ansätzen verdrängt wird. Doch gerade deshalb hat es der am 1.1.1990 ver­storbene Simatupang verdient, daß sein Werk auch der außerindonesischen Öffent­lich­keit er­halten bleibt.

Dr. Christian Goßweiler, em 1996-1.

Smalley, William A. Translation as Mission. Bible Translation in the Modern Missionary Movement. Macon, Georgia: Mercer Univ. Press, 1991.

Wer war zuerst da: die Bibelübersetzung oder die Kirche? Hat die Übersetzung in die Sprache einer Volksgruppe deren Kirche entstehen las­sen oder hat eine bereits bestehende Kirche die Bibelübersetzung nötig gemacht? Beides ist in der Missionsgeschichte vorgekommen, wie die Übersetzung der Bibel z.B. ins Chinesische oder Malayische zeigt. Jesu Missionsauftrag lautet zwar nicht: „Übersetzt!“, aber um ihn zu erfüllen ist, indirekt, Bibelübersetzung als Mit­tel zur Festigung der Lehre notwendig. Trans­lation as Mission hat dieses Mittel zum Inhalt: seine Geschichte, seine Ausführenden, die Em­pfänger, die Wirkung. Für William Smalley sind die Empfänger ein wichtigerer Faktor als ich es anderswo gelesen habe. Da die Kultur eines Volkes der Sattel ist, auf dem die bibli­sche Aussage den Sitz im Leben findet, ergeht an den Übersetzer die Herausforderung: stu­diere nicht nur die alten Sprachen, sondern auch die Kultur und Sprache deiner Empfänger.

Der Autor, selbst Übersetzer und langjähri­ger Mitarbeiter der Bibelgesellschaften, spricht aus Missionserfahrung. Ich schätze seinen pragmatischen Ansatz, denn wozu ist eine noch so geschliffene Exegese nütze, wenn die Hörer und Leser sich nicht in die Jüngerschaft rufen lassen, weil sie den Ruf überhaupt nicht ver­standen haben? Smalley scheut sich nicht, hei­ße Eisen anzupacken, - wie z.B. Kirchenspal­tungen aufgrund von Übersetzungen oder Kul­turveränderung durch Mission - er stellt mis­sionarische Übersetzungsbemühungen in Frage, erklärt aber auch, warum einheimische Über­setzer in ähnliche Fehler verfallen können. Sei­ne Sicht ist realistisch und fair. Er kreidet nichts an, ohne auch Wege zur Verbesserung der Übersetzungsqualität zu zeigen. Seine wichtigste Empfehlung an die Übersetzer ist die der Absage an jegliche Überheblichkeit.

Der rote Faden durch das weitgefächerte Angebot des Verfassers ist die Frage, inwieweit eine Übersetzung den Zugang zur Bibel gibt, oder inwieweit sie gezwungenermaßen die ur­sprüngliche Aussage verändert.

Im einzelnen kann der Leser schnell in einer Übersicht nachschlagen: wer war der Überse­tzer ins Melanesische, ins Twi, oder ins Kikongo? Wie wurde Gottes Reden bekannt in Indien, in China, oder Peru? Dabei gibt das Buch Einblick in die Werkstatt von William Carey oder die von Maurice Leenhardt, und es beschreibt die weltumspannende Arbeit der Bi­belgesellschaften, des Sommerinstituts für Lin­guistik, sowie anderer Übersetzergemein­schaften. Es ist ein Buch zur Orientierung, zur Selbstprüfung für Übersetzer oder zur Vorbe­reitung auf diese Art von Missionsarbeit und zum Unterricht in Missiologie. Selbst wenn je­mand nicht übersetzt, wird er auf Fragen sto­ßen, die Smalley aufwirft: Wie lange hält der
Gebrauch einer Ausdrucksweise an, bevor sie modernisiert werden muß? Wann kann man sagen: eine Übersetzung liest sich gut? Wann ist sie eher hölzern, schwerfällig, wörtlich? Wann dynamisch, idiomatisch? Ist es möglich, den Lesern einen emotionalen Unterton zu ver­mitteln? Wie praktikabel sind Vorschläge, die Kommunikationsweise der oralen Tradition zu erhalten oder für die Bibelverbreitung auszulo­ten, wie z.B. Lieder, Drama, Rezitation?1

Christa Link, em 1994-2.

Smith, David W. Against the Stream. Christianity and Mission in an Age of Globalization. Leicester: IVP, 2003.

Der Autor dieser Aufsatzsammlung ist Missionswissenschaftler und lehrt Urban Mission and World Christianity am International Christian College in Glasgow, Schottland. In seinen bisherigen Veröffentlichungen hat er sich mit der sozialmissionarischen Kompenente im britischen Evangelikalismus (Transforming the World) und mit der missionarischen Verkündung im postmodernen Umfeld (Crying in the Wilderness) befasst. Hier legt er nun acht Aufsätze zu aktuellen missiologischen Themen vor: „Globales Christentum und die Heilung der Nationen“ (S.11-26) beleuchtet die Bedeutung des Evangeliums für die Globalisierung und die Versöhnung zwischen den Nationen. In „The Shape of Holiness in the Twenty-First-Century“ (S.27-43) geht es um historische Aspekte der Heiligungsbewegung und die missiologische Bedeutung von Heiligkeit in der Postmoderne. Weiterer Aufsätze befassen sich mit dem Zusammenhang zwischen Fundamentalismus und christlicher Mission (S. 80-99), der Mission in Afrika (100-113) und dem Islam in der westlichen Kultur (65-79). Die Aufsätze bieten auf knappem Raum interessante historische und zeitgenössisch-missiologische Perspektiven und regen zum Weiterdenken an. Eine informierte und pointierte Einführung in aktuelle missiologische Themen.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2006-1.

Smith, David W. Transforming the World? The Social Impact of British Evangelicalism. Paternoster Press: Carlisle, UK, 1998.

Dies ist ein wichtiges Buch, das die Diskussion über das rechte Verhältnis von Evangelisation und sozialer Verantwortung befruchten kann, unabhängig davon, ob man Smith’ Aussagen und Schlußfolgerungen immer zustimmt oder nicht. Der Autor, seit 1990 Direktor des Nor­thumbria Bible College, geht von der These aus, daß die evangelikale Bewegung in Großbritan­nien aus der Erweckung des 18. Jahrhunderts hervorging und ihrem Wesen nach weltverän­dernd (world-transformative) war. Ihr gelang es, die Bekehrung des Einzel­nen als zentrale Mitte des Evangeliums festzu­halten und mit der Betonung sozialer Verant­wortung zu ver­binden.

Smith führt das darauf zurück, daß viele der leitenden Persönlichkeiten der ersten Genera­tion Calvinisten waren, die ihre geistli­chen Wurzeln bewußt in der Reformation Calvins und im Puritanismus suchten. Sie gin­gen grundsätzlich davon aus, daß die Verkün­digung des Evangeliums zunehmend wesentli­che so­ziale Konsequenzen haben würde und haben muß.

Smith weist darauf hin, daß die führenden Evangelikalen der ersten Generation über­zeugte Postmillennialisten waren, was wie­derum ihre Ansicht bestärkte, daß die Verbrei­tung des Evangeliums soziale Auswirkungen hat und haben muß. Sie erwarteten den An­bruch eines goldenen Zeitalters kurz vor der Wiederkehr Jesu. Die sozialen Veränderungen im Zuge der Erweckungsbewegung unter John Wesley deuteten sie als Zeichen der Zeit und als Kün­der eines globalen Zeitalters, in dem Frieden und Gerechtigkeit herrschen würden.

Smith geht der Frage nach, ob die evangeli­kale Bewegung in Großbritannien die Welt tatsäch­lich verändert hat oder ob sie selbst durch den Einfluß der Moderne verän­dert wurde. Er stellt damit die gleiche Frage im Blick auf den Evangelikalismus, die Soziolo­gen wie Max Weber, Emile Durkheim und Bryan Wilson allgemein im Blick auf die Rolle der Religion gestellt haben. Die Mehrzahl der Soziologen geht davon aus, daß die Bedingun­gen und Faktoren der modernen, industriali­sierten Kul­turen die soziale Bedeutung der Re­ligion not­wendigerweise unterhöhlt. Die Reli­gion und die religiöse Überzeugungen werden auf die private Sphäre zurückgedrängt.

In fünf faszinierenden Kapiteln untersucht Smith diese Fragen anhand von Aussagen, Veröffentlichungen und sozialen Bemühungen der britischen Evangelikalen in den letzten bei­den Jahrhunderten; der sich verändernde Me­thodismus nach dem Tode John Wesleys 1791; die Entstehung des anglikanischen Evangeli­kalismus; die Bemühungen um die politisch Einflußreichen und die wachsende Mittelklasse mit der Gefahr, die bestehende soziale Ord­nung der Herrschenden zu zementieren und die Aspirationen der Armen zu enttäuschen; den abnehmenden Einfluß eines optimistischen Postmillennialismus und die zunehmende Be­deutsamkeit eines mehr apokalyptischen Ver­ständnis der Geschichte (Prämillennialismus, John Nelson Darby); die Spaltung der evange­likalen Bewegung in eine Mehrheit, die das Establishment als Bollwerk gegen das Chaos sahen, und in eine Minderheit, die es als größ­tes Hindernis für die Ausbreitung der Herr­schaft Christi sahen; die einsamen Rufer in der Wüste (Edward Miall, Thomas Guthrie, An­drew Mearns, William Booth und Charles Haddon Spurgeon); viktorianischer Evangeli­kalismus im Zeitalter Charles Darwins und Charles Dickens; abnehmender Einfluß, Wie­dererstarken und Gefährung des Evangelika­lismus im 20. Jahrhundert.

In einem letzten Kapitel beschreibt Smith die Haltung zur sozialen Frage in sechs verschie­denen Strömungen des Evangelikalis­mus in Großbritannien (mainstream of modern Evan­gelicalism, evangelical Anglicans, evan­gelicals committed to Reformed theology, cha­rismatic House Churches, neo-Anabaptist Mo­vement and the Fundamentalists). Zum Ab­schluß zeigt der Autor die Aufgaben auf, die sich heute dem Evangelikalismus im Blick auf die soziale Veantwortung stellen.

Das Buch wirft eine Reihe hochinteressanter Fragen auf und fordert zur Auseinandersetzung heraus, gerade auch dort, wo man dem Autor nicht folgen will, z. B. bei der Bewertung des negativen Einflusses der Betonung der Unfehl­barkeit der Schrift auf die soziale Verantwor­tung. Manche soziale Entwicklungen werden wohl zu einseitig oder vorschnell auf be­stimmte theologische Überzeugungen zurück­geführt. Nicht alle Kapitel sind gleich gut re­cherchiert oder dargestellt.

Das Buch ist sorgfältig ediert. Ich habe nur einen Druckfehler gefunden. Mit 36.00 DM ist das Buch für ein Paper­back mit 146 Seiten al­lerdings nicht ganz billig.

Dr. Dietrich Kuhl, em 1999-3.

Smith, Marilyn B.; Ingrid Kern (Hg.). Ohne Unterschied? Frauen und Männer im Dienst für Gott. Brunnen: Gießen, 2000.

Diese Studie der Kommission für Frauenfragen der Weltweiten Evange­lischen Allianz (World Evangelical Fellowship) hat bereits in ihrer engli­schen Fassung viel Staub aufgewirbelt, wurde sie doch als einseitiges Plä­doyer der WEA für die Frauenordination verstanden oder besser mißver­standen. Denn weder erhebt die Studie irgendeinen Autoritätsanspruch - sie will lediglich als Diskussionsbeitrag von füh­renden evangelikalen Frauen aus allen Erdtei­len verstanden werden - noch stellt sie irgendwel­che konkreten Forderungen wie die Frauenordination, sondern bittet nur darum, die Auslegung einschlägiger Schriftstellen neu zu überdenken und zu über­prüfen, ob die Rolle der Frau in evangelikalen Gemeinden und Werken wirklich der Würde der Frau und dem biblischen Zeugnis gerecht wird. Dazu werden einerseits Bibeltexte behandelt, die die Würde der Frau als Geschöpf und als Kind Gottes un­terstreichen, andererseits ausführlich die tradi­tionelle (im Buch wird ‘traditionalistisch’ ge­sagt, aber ‘traditionell’ wäre besser, denn das englische ‘traditional’ hat keinen negativen Beige­schmack) Auslegung der klassischen Bi­beltexte zur Rolle der Frau (bes. 1Mose 1-3, 1Kor 11+14 und 2Tim 3) mit der inzwischen verbreiteten ‘gabenorientierten’ Sichtweise verglichen (vgl. bes. die übersichtliche Ge­genüberstellung S.149-152). Die traditionelle Sichtweise wird korrekt und nicht polemisch be­schrieben. Die ‘neue’, ‘gabenorientierte’ Sicht, wie sie hier vorgetragen wird, verzichtet völlig auf bibelkritische Ansätze (z. B. Texte gelten als zeitbedingt oder später eingefügt), sondern geht ebenfalls von der Gültigkeit der biblischen Normen aus, meint aber, dass viele Texte bisher mit außerbiblischen Vorurteilen gelesen wurden. Das Buch bietet einen ausge­zeichneten Vergleich zwischen den beiden evangelikalen Sichtweisen und benennt die konkreten exegetischen Entscheidungen, die beiden Sichtweisen zugrunde liegen. Es bietet sich daher als Gesprächs­grundlage für ein sachliches und konkretes Gespräch an.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1.

Solheim, Magne. Im Schatten von Haken­kreuz, Hammer und Sichel. Judenmissionar in Rumänien 1937-1948. Erlangen: Verlag der Ev. Luth. Mission 1986.

Dies ist der erste Teil einer aus dem Norwegi­schen übersetzten Autobiographie. Der junge norwegische Theologe Solheim trat 1936 in den Dienst der Norwegischen Israelmission, bereitete sich am Institutum Judaicum Delitzschianum in Wien vor und wirkte von 1938-1948 in Galatz, Rumänien missionarisch unter Juden. Dabei wurde er für viele in den 6 Jahren nationalsozialistischer Herrschaft zum Lebens­retter. Nach 4 Jahren Kommunismus wurde er wie alle verbliebenen ausländischen Missionare des Landes verwiesen und zog nach Israel. Daß er Missionar war und auch jüdische Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen konnte, unterscheidet ihn wohl von vielen anderen Helfern der Juden in jener Zeit. Als wertvolles Zeitzeugnis und ein Stück rumänischer Ge­schichte durchaus aktuell!

Gundula Richter, em 1993-1.

Solon, Gidada. Jenseits der Dunkelheit, Hrsg. Gerd Röhm, Köln: Rüdiger Köppe Verlag, 2003.

Es ist die faszinierende Geschichte der Ausbreitung des Evangeliums in West-Äthiopien zwischen 1920 und 1975. Faszinierend, weil ein Einheimischer sie erzählt. Das besondere daran: der Einheimische ist ein Blinder, der zum „Apostel der Oromo“ wurde. Der „blinde Apostel“ Gidada Solon (1901-1977) ist der Vater des vorletzten Staatspräsidenten Äthiopiens, Dr. Negasso Gidada (von 1995 bis 2001).

Das Buch beschreibt die Lebensgeschichte und die Missionstätigkeit Gidadas, wie er sie zwei Missionarinnen erzählte. Mit 5 Jahren erblindet, entwickelte er eine erstaunliche Fähigkeit, Einzelheiten im Gedächtnis zu behalten und viele Gespräche in wörtlicher Redewendung wiederzugeben. Das macht diese besondere ‘Autobiographie’ abwechslungsreich und leicht zu lesen. Wie nebenbei erfährt man vieles über die Kultur der Oromo in dieser Zeit und auch einiges über allgemeine geschichtliche Ereignisse in Äthiopien. Die Missionare der Sudan Missionary Association, die 1919 die erste Missionsstation in West-Äthiopien aufbauten, spielen in der Erinnerung Gidadas keine Hauptrolle. Hauptakteure dieser Missionsgeschichte sind die einheimischen Evangelisten und späteren Pastoren, die sich unermüdlich und ohne Furcht für die Ausbreitung des Evangeliums einsetzten. In den ersten Jahren zogen sie als Laien mit brennendem Eifer von Dorf zu Dorf und bezeugten ihren Glauben. Später erhielten einige eine Ausbildung und wurden ordiniert, darunter auch Gidada.

Als blinder Bettler kam er in Kontakt mit den Missionaren und nach seiner Bekehrung evangelisierte er zuerst unter den Bettlern. Viele Menschen nahmen das einfache Zeugnis des Blinden ernst und fanden zu Christus. Später lernte er bei den Missionaren Englisch und die Brailleschrift. Die Bibelteile in Braille wurden ab da seine ständigen Begleiter. Es ist beeindruckend zu lesen, wie der „Apostel Gidada“, ähnlich wie die Apostel in neutestamentlicher Zeit, Wochen und Monate zusammen mit Begleitern zu Fuß von Ort zu Ort zog, evangelisierte, Gemeinden gründete, Älteste einsetzte und die Gemeinden erneut besuchte und ihnen in schwierigen Situationen zur Seite stand.

Gidada schildert die Ereignisse chronologisch, aber der aufmerksame Leser entdeckt dabei nebenbei die Grundzüge des Gemeindeaufbaus der sog. ‘Bethelkirchen’, ihre kulturellen Besonderheiten, die Widerstände und Rückschläge, aber auch das beständige Wachstum. Wer in dem Buch thematisch etwas zur angewandten Missionsstrategie, zu Gemeindewachstumsfaktoren, zur Auseinandersetzung mit dem Schamanentum oder Ähnlichem sucht, muss mühsam zwischen den Geschichten und Erzählungen danach suchen, aber er wird fündig werden. Interessant ist die Entwicklung dieser unabhängigen Gemeinden, wie sie sich behutsam aber überzeugt neben der Äthiopisch Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche behaupten.

Auch wenn Gidada die Ereignisse seines Lebens und seiner missionarischen Tätigkeit aus subjektiver Sicht schildert, ist es ein wichtiger Beitrag zur Missions- und Kirchengeschichte Äthiopiens. Das Vorwort und die Anhänge (Zeittafel, Fotos, Landkarte) enthalten hilfreiche Ergänzungen zur Geschichte Äthiopiens und Daten über wichtige missionarische und kirchliche Entwicklungen bis heute.

Friedhelm Haas, em 2004-3. 

Spartalis, Peter James. Karl Kumm - Last of the Livingstones. Pioneer, Missionary, Statesman. Nachwort von E. Troeger. Deu­tsche Zusammenfassung von C. Sauer, edition afem - mission Scripts 2. Bonn: VKW 1994, 116 S., DM 19,80.

Noch immer ist das Kenntnisdefizit zur Person Hermann Karl Wilhelm Kumms in Gemeinde- und Missionskreisen auffallend groß. Nur wenigen Insidern ist sein Leben und Werk bekannt. Nur wenige wissen, daß Kumm vor der Gründung der Sudan United Mission (SUM, heute: Action Partners) auch die deut­sche Sudan-Pionier-Mission (SPM) ins Leben gerufen hat. Dies soll sich nun durch die in Englisch abgefaßte Kurzbiographie ändern.

Dabei empfiehlt sich der Australier Peter James Spartalis als Autor für diese Studie. Als Missionshistoriker doziert er an der Nairobi Evangelical Graduate School of Theology, Kenia. Seine umfassenden Kenntnisse zur Per­son Kumms bezieht Spartalis aus seiner inten­siven Einarbeitung in das SUM-Archiv, zahl­reichen Besuchen und missionarischen Kurz­zeiteinsätzen in den Ländern, in denen Kumm wirksam war und aus seiner Zugehörigkeit zum Heimatvorstand der SUM in Australien / Neu­seeland.

In den ersten zehn Kapiteln stellt der Autor das Leben und Werk Kumms vor, bevor er seine Studie mit einer kurzen Auswertung abrundet. Die sich anschließende Bibliogra­phie, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, stellt ein wertvolles Hilfsmittel für die weitere For­schungsarbeit dar. Das Nachwort von E. Troe­ger, dem Leiter der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten (EMO), bietet einen Abriß der historischen Entwicklung der SPM nach der Trennung von Kumm. Eine deutsche Zusam­menfassung erleichtert sicher manchem Leser den schnelleren Zugang zum Inhalt der Lektüre.

Wer ist nun H.K.W. Kumm? Ein bahnbre­chender Visionär, ein leidenschaftlicher Pio­nier, ein opferbereiter Leiter, ein unaufhaltsa­mer Missionsstratege, ein überzeugter Inter-denominationalist, ein feuriger Redner und begabter Autor.

Jeder, der die feine Studie von Spartalis in die Hand nimmt, wird Mühe haben, sie beiseite zu legen, ohne sie bis zu Ende gelesen zu haben. Es gelingt dem Autor, den Leser zu fes­seln und herauszufordern, indem er Kumms Vision für die noch unerreichten Völker vom Niger bis zum Nil und dessen Bereitschaft, jedes Opfer für die Verwirklichung seiner Vision zu bringen, herausstellt.

Das erklärte Ziel des Autors ist, die breite christliche Öffentlichkeit über die herausra­genden Leistungen des Missionspioniers zu informieren. Grundsätzlich könnte die in gut lesbarem Stil abgefaßte Arbeit dies auch lei­sten. Praktisch allerdings muß dieses Ziel für die anglophone Welt nur ein Wunsch bleiben, solange die Auflagenhöhe nicht drastisch gesteigert werden kann. Für die deutschspra­chige Leserschaft müßte der größeren Breiten­wirkung wegen eine deutsche Version dieser Studie, oder besser eine unabhängige deutsche Kumm-Biographie erstellt werden. Mit der vorliegenden Fassung werden bestenfalls stark missionsinteressierte Leser bzw. die Fachwelt erreicht. Dies wird sich auch durch die deut­sche Zusammenfassung am Ende der Biogra­phie nicht wesentlich ändern.

Auf einige inhaltliche Schwächen sei abschließend noch hingewiesen. Leider hat Spartalis die Quellen der deutschen SPM und auch der englischen Nordafrikamission (NAM; heute Arab World Ministries, AWM) nicht mit eingearbeitet, worunter die Darstellung des „frühen Kumm“ (1898-1902) erheblich leidet. So kommt z.B. das seelsorgerliche Ringen des SPM-Vorstandes um den jungen Kumm im Vorfeld der Trennung überhaupt nicht zur Sprache. Ebenso könnte das Quellenmaterial der NAM einen wichtigen Beitrag zur Erhel­lung der frühen Missionstätigkeit Kumms und seiner Persönlichkeit leisten.

Auffallend ist auch, daß Spartalis sich über die letzten Lebensjahre Kumms in den USA ziemlich ausschweigt, sodaß auch der „späte Kumm“ größtenteils im Dunkeln bleibt. Auch wenn der Autor hier und da auf Schwierigkei­ten der Arbeit Kumms und auch auf Kritik an seiner Person hinweist, muß die gesamte Dar­stellung als relativ unkritisch bezeichnet wer­den. Den Anspruch, eine wissenschaftlich
erschöpfende und ausgewogene Darstellung des Lebens und Werkes Kumms zu präsentie­ren, kann diese Studie somit nicht erheben (was sie auch nicht tut). Sie kann aber wohl Anstoß und Grundlage für eine solche sein.

Es bleibt das Verdienst von Spartalis, das lange Schweigen zur Person Kumms gebrochen zu haben und als Vertreter der SUM in einer beispielhaften Kooperation mit der EMO das Erscheinen dieser Kurzbiographie ermöglicht zu haben. (Dadurch konnten auch historische und geographische Unrichtigkeiten, verbunden mit der Anfangszeit der SPM und der späteren Entwicklung der EMO und der Schweizeri­schen Evangelischen Nilland Mission, SENM, korrigiert werden.) Damit hat er einen wichti­gen Beitrag zur Aufarbeitung des Kummschen Erbes und der historischen Entwicklung beider Missionen geleistet.

Gerald Lauche, em 1995-3.

Spartalis, Peter James. Karl Kumm - Last of the Livingstones: Pioneer, Missionary, Sta­tesman, Nachwort von Eberhard Troeger, deutsche Zu­sammenfassung von Christoph Sauer, edition afem - mission scripts 2, Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1994.

Noch immer ist das Kenntnisdefizit zur Person Hermann Karl Wilhelm Kumms in Gemeinde- und Missionskreisen auffallend groß. Nur we­nigen Insidern ist sein Leben und Werk be­kannt. Nur wenige wissen, daß Kumm vor der Gründung der Sudan United Mission (SUM, heute: Action Part­ners) auch die deutsche Su­dan-Pionier-Mission (SPM) ins Leben gerufen hat. Dies soll sich nun durch die in Englisch abgefaßte Kurzbiographie ändern.

Dabei empfiehlt sich der Australier Peter James Spartalis als Autor für diese Studie. Als Missionshistoriker doziert er an der Nairobi Evangelical Graduate School of Theology, Kenia. Seine umfassenden Kenntnisse zur Per­son Kumms bezieht Spartalis aus seiner inten­siven Einarbeitung in das SUM-Archiv, zahl­reichen Besuchen und missionarischen Kurzzeitein­sätzen in den Ländern, in denen Kumm wirksam war und aus seiner Zu­gehörigkeit zum Heimatvorstand der SUM in Australien/ Neuseeland.

In den ersten zehn Kapiteln stellt der Autor das Leben und Werk Kumms vor, bevor er seine Studie mit einer kurzen Auswertung ab­rundet. Die sich anschließende Bibliographie, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, stellt ein wertvolles Hilfsmittel für die weitere For­schungsarbeit dar. Das Nachwort von E. Tro­eger, dem Leiter der Evangeliumsgemeinschaft Mitt­lerer Osten (EMO), bietet einen Abriß der historischen Entwicklung der SPM nach der Trennung von Kumm. Eine deutsche Zusam­menfassung erleichtert manchem Leser den schnel­leren Zugang zum Inhalt der Lek­türe.

Wer ist nun H. K. W. Kumm? Ein bahnbre­chender Visionär, ein leiden­schaftlicher Pio­nier, ein opferbereiter Leiter, ein unaufhaltsa­mer Missions­stratege, ein überzeugter Interde­nominationalist, ein feuriger Redner und be­gabter Autor.

Jeder, der die feine Studie von Spartalis in die Hand nimmt, wird Mühe haben, sie beiseite zu legen, ohne sie bis zu Ende gelesen zu ha­ben. Es gelingt dem Autor, den Leser zu fes­seln und herauszufordern, indem er Kumms Vision für die noch unerreichten Völker vom Niger bis zum Nil und dessen Bereitschaft, je­des Opfer für die Verwirklichung seiner Vision zu bringen, herausstellt.

Das erklärte Ziel des Autors ist, die breite christliche Öffentlichkeit über die herausra­genden Leistungen des Missionspioniers zu in­formieren. Grundsätzlich könnte die in gut les­barem Stil abgefaßte Arbeit dies auch leisten. Praktisch allerdings muß dieses Ziel für die an­glophone Welt nur ein Wunsch bleiben, so­lange die Auflagenhöhe nicht drastisch gestei­gert werden kann. Für die deutschsprachige Leserschaft müßte der größeren Breitenwir­kung wegen eine deutsche Version dieser Stu­die, oder besser eine unabhängige deutsche Kumm-Biographie erstellt werden. Mit der vorliegenden Fassung werden bestenfalls stark missionsinteressierte Leser bzw. die Fachwelt erreicht. Dies wird sich auch durch die deut­sche Zu­sammenfassung am Ende der Biogra­phie nicht wesentlich ändern.

Auf einige inhaltliche Schwächen sei ab­schließend noch hingewiesen. Leider hat Spartalis die Quellen der deutschen SPM und auch der engli­schen Nordafrikamission (NAM; heute Arab World Ministries, AWM) nicht mit eingearbeitet, worunter die Darstellung des „frühen Kumm“ (1898-1902) erheblich leidet. So kommt z.B. das seelsorgerliche Ringen des SPM-Vorstandes um den jungen Kumm im Vorfeld der Trennung überhaupt nicht zur Sprache. Ebenso könnte das Quellenmaterial der NAM einen wichtigen Beitrag zur Erhel­lung der frühen Missionstätigkeit Kumms und seiner Persönlichkeit leisten.

Auffallend ist auch, daß Spartalis sich über die letzten Lebensjahre Kumms in den USA ziemlich ausschweigt, so daß auch der „späte Kumm“ größtenteils im Dunkeln bleibt. Auch wenn der Autor hier und da auf Schwierigkei­ten der Arbeit Kumms und auch auf Kritik an seiner Person hinweist, muß die gesamte Dar­stellung als relativ unkritisch bezeichnet wer­den. Den Anspruch, eine wissenschaftlich er­schöpfende und ausgewo­gene Darstellung des Lebens und Werkes Kumms zu präsentieren, kann diese Studie somit nicht erheben (was sie auch nicht tut). Sie kann aber wohl Anstoß und Grundlage für eine solche sein.

Es bleibt das Verdienst von Spartalis, das lange Schweigen zur Person Kumms gebro­chen zu haben und als Vertreter der SUM in einer beispiel­haften Kooperation mit der EMO das Erscheinen dieser Kurzbiographie ermög­licht zu haben. (Dadurch konnten auch histori­sche und geographi­sche Unrichtigkeiten, ver­bunden mit der Anfangszeit der SPM und der späteren Entwicklung der EMO und der Schweizerischen Evangelischen Nilland Mis­sion, SENM, korrigiert werden.) Damit hat er einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung des Kummschen Erbes und der historischen Ent­wicklung beider Missionen geleistet.

Gerald Lauche, em 1996-1.

Spohn, Elmar. Mission und das kommende Ende: Karl Hartensteins Verständnis der Eschatologie und dessen Auswirkungen auf die Mission. Verlag der Liebenzeller Mission: Bad Liebenzell, 2000.

Prälat Karl Hartenstein war der Basler Mission eng verbunden und ein großer Förderer von Mission und weltweiter Ökumene. In dieser vom AfeM preisgekrönten Arbeit wird zwar auch sein Leben kurz skizziert und grundsätz­lich seine Theologie aus den Quellen erhoben, aber der Schwer­punkt liegt auf seiner Escha­tologie und ihrer Aktualität (S. 47-87+129-167) und auf der Auswirkungen auf die Missi­onstheologie Hartensteins und auf die Welt­missionskonferenzen 1938-1952. Die Arbeit ist gut aus den Quellen recheriert und flüssig ge­schrieben.

Hartenstein grenzte sich nach Spohn gegen vier Bewegungen ab (S.30-35): 1. die Keryg­matheologie Bultmanns, 2. den Fundamenta­lismus, 3. den Dispensationalismus und 4. ge­gen „die lutherische Individualisierung des Erlösungswerkes Christi“ (S.30). Israel spielte in seiner Eschatologie eine große Rolle, aber gegen den Dispensationalismus lehnte er die Fort­dauer der Landverheißung für Israel - ebenso wie die Vorentrückung der Gläubigen - ab (S.65-78). Von der reichsgeschichtlichen Offenbarungs­auslegung geprägt, verstand er die Kirche vor allem als leidende Minder­heitenkirche, weswegen die Theologie des Martyrium seine Eschatologie und Missiologie bestimmte (bes. S.54-59). Seine fehlende Grundsatzkritik am Dritten Reich verhinderte allerdings die Anwendung dieser Sicht auf die Kirche unter dem Nationalsozialismus (S.62-63). Der Martyriums­theologe Hartenstein wurde – je länger desto mehr – im Gegensatz zum frühen Hartenstein mehr und mehr zu ei­nem Verfechter der Allversöh­nungslehre württembergischer Prägung (S.79-87).

Etwas mühsam scheint mir der Versuch, die Auswirkungen der Escha­tologie und Missiolo­gie Hartensteins über die Weltmissionskonfe­renzen hinaus bei George W. Peters und der Lausanner Verpflichtung ebenso wie im 2. Va­tikanischen Konzil oder den Pfingstmissionen (S.92ff) und manch anderen Stellen zu zeigen. Zumal sich in allen Fällen nur die Parallele er­gibt, daß die Eschatologie für die Missions­theologie wichtig ist, während die jeweils kon­krete Eschatologie sich stark von Hartenstein unterschei­det. Zwar wird zugegeben, daß es sich praktisch immer um selbstständig entstan­dene parallele Aussagen und Bewegungen handelt, aber es wird von „Auswirkungen“ und „Aufnahme“ der Sicht Hartensteins gesprochen und dadurch der Eindruck erweckt, als hätte Hartenstein über den würt­tembergischen Be­reich hinaus großen Einfluß gehabt. Hier hätte man sich eine klare Unterscheidung zwischen echter und nachweisbarer Beeinflus­sung durch Hartenstein und von ähnlich denkenden Bewe­gungen ge­wünscht. Auch die zitierte Aussage, daß Hartenstein mit Barth und Brun­ner zu Leb­zeiten die theologische Szene Westeuropas dominiert hätte (S. 19), scheint mir doch zu weit zu gehen. Dazu war Hartenstein einfach nicht bibelkritisch genug!

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-4.

Spuler-Stegemann, Ursula. Muslime in Deutschland – Nebeneinander oder Mitein­ander. Herder: Freiburg, 1998.

Ursula Spuler-Stegemanns Bestandsaufnahme des Islam in Deutschland ist sowohl kenntnis­reich als auch sehr anschaulich geschrieben. Der Schwerpunkt des Buches liegt auf dem türkischen Islam und seinen unterschiedlichen Gruppen und Strömungen, was an­gesichts der Zahlenverhältnisse (2,1 Mill. Türken von 2,7 Mill. Muslimen in Deutschland) durchaus ge­rechtfertigt ist.

Die Autorin bemüht sich um eine faire, aber zugleich realistische Darstellung der Lage. Ei­nerseits weckt das Buch bei seinen Lesern Ver­ständnis für die besonderen Schwierig­keiten der Muslime in Deutschland. Andererseits er­stickt es nicht in politischer Korrekt­heit, denn U. Spuler-Stegemann wagt es, auf existierende Probleme, etwa bei den hierzu­lande weitge­hend ungehinderten Aktivitäten extremistischer Gruppen deutlich hinzuwei­sen.

Gleichermaßen positiv überrascht der nur sel­ten gezogene Vergleich zwischen den weitrei­chenden Rechten der Muslime in Deutschland und der beängstigenden Lage der Christen in der islamischen Welt ebenso wert­voll die Er­örterung des gespaltenen Verhält­nisses der Muslime zur deutschen Verfassung, sowie die nüchterne Betonung der Tatsache, daß der Is­lam überall – auch in Deutschland – das Ziel verfolgt, die Scharia (das islamische Gesetz) durchzusetzen. Und schließlich muß eine Pro­fessorin für Türkisch und Religions­geschichte allzu dialogbereite Kirchenvertreter in unserem Land über muslimische Missi­onspraktiken un­ter Christen aufklären: „Die verständnisvolle Haltung mancher wohlmein­dender Kirchen­vertreter wird mit Wonne aus­genutzt“ (301), da oft gerade mit denjenigen muslimischen Grup­pen der Dialog gepflegt werde, die unter Be­obachtung des Verfas­sungsschutzes stehen. „Blauäugiger geht es wohl nicht“, so der mus­limische Original­kommentar. Stattdessen plä­diert die Autorin dafür, endlich die Unter­schiede zwischen Is­lam, Christentum und Ju­dentum „in aller Klar­heit herauszuarbeiten“. Der faire Eindruck des Buches wird unterstri­chen durch das andernorts gegebene Verspre­chen der Autorin, die verein­zelten pauschalen Aussagen über die „Aggressionen der Evange­likalen“ für eine weitere Auflage sorgsamer zu prüfen.

„Muslime in Deutschland“ – ein unentbehrli­ches Nachschlagewerk für jeden, der die vielen muslimischen Gruppen und ihre Aktivitäten in unserem Land besser verstehen möchte.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1998-4.

Staats, Reinhart. Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Historische und theologische Grundlagen. Darmstadt: Wis­senschaftliche Buchgesellschaft, 1996.

Das in seiner endgültigen Form 381 n. Chr. verabschiedete Glaubensbekenntnis der Kon­zile von Nizäa und Konstantinopel, das die meisten Kirchen an hohen Feiertagen im Got­tesdienst bekennen, spielt in der ökumenischen Diskussion eine immer größere Rolle, da es (bis auf einen kleinen Zusatz zum Heiligen Geist – „filioque“) das identische Bekenntnis der abend- und morgenländischen Kirchen ist. Der Kieler Kirchengeschichtsprofessor Rein­hart Staats hat in diesem Band das sonst nur verstreut zu findende Wissen über dieses Be­kenntnis allgemeinverständlich und dennoch gründlich belegt zusammengetragen. Vorge­schichte und Geschichte, liturgische und kir­chenrechtliche Funktion, sowie Theologie und Auslegung der einzelnen Aussagen ihrer histo­rischen Bedeutung entsprechend sind auf diese Weise sinnvoll unter einem Dach versammelt. Ein entsprechendes Werk zum Apostolischen Glaubensbekenntnis wäre wünschenswert.

Dr. Thomas Schirrmacher, 1997-1.

Stackhouse, John (Hg.). No Other Gods Before me: Evangelicals and the Challenge of World Religions. Grand Rapids: Baker, 2001.

Yong, Amos. Beyond the Impasse: Toward a Pneumatological Theology of Religions. Grand Rapids: Baker Academic, 2003.

„Evangelikale Theologen haben bisher über das Schicksal der vom Evangelium Unerreichten nachgedacht. Diese Frage, die an den Nerv evangelikaler Theologie und Mission rührt, ver­dient tatsächlich volle Beachtung. Aber es ist mit Sicherheit nicht die einzige Frage, die wir im Blick auf die Weltreligionen zu stellen ha­ben. Außerdem kann auch diese Frage außerhalb einer umfassenderen Theologie der Religionen nicht voll beantwortet werden. Dieses Buch will evangelikale Theologen zu diesem größeren Unterfangen anregen“ (aus dem Vorwort von John Stackouse in No Other Gods, meine Über­setzung). Nicht nur dieses Anliegen verbindet die beiden oben genannten Bücher von Stack­house und Yong, vielmehr hat Yong auch ein wichtiges Kapitel in dem von Stackhouse he­rausgegebenen Sammelband No other Gods geschrieben. No other Gods ist kein geschlosse­ner Entwurf. Vielmehr- hat J. Stackhouse, Pro­fessor of Theology & Culture am Regent Col­lege in Vancouver, eine Reihe prominenter evangelikaler Missiologinnen und Theologen aus den USA gebeten, ihre Perspektiven anzu­bieten.

Gerald R. McDermott, Professor elf Religion and Philosophy am Roanoke College, Salem, Virgi­nia, eröffnet den Reigen mit der provokanten Frage: „What if Paul Had Been from China? Reflections on the Possibility of Revelation in Non-Christian Religions“. Er vertritt die These, dass Juden und Christen immer auch von Men­schen aus anderen Religionen lernen konnten (Abraham lernt von Melchisedek, Petrus lernt durch die Begegnung mit Cornelius, Paulus zi­tiert heidnische Dichter). Von Jonathan Edward entlehnt er die Anschauung, dass sog. „Offenba­rungsmuster“ (revealed types) wie Tieropfer auch in anderen Religionen vorkommen, die sowohl als Anknüpfungspunkte: als auch als Verständnishilfe für biblische Aussagen helfen können. Ein weiterer wichtiger Beitrag stammt von Arnos Yong, einem charismatisch-evangelikaler Theologen, der aus Malaysia stammt, in Ameri­ka lebt und Professor am Bethel College, St. Paul, Minnesota ist. Sowohl in seinem Bei­trag „Discerning the Spirit(s) in the World of Religions“ in No other Gods als auch in seinem eigenen Werk Beyond the Impasse: Toward a Pneumatological Theology of Religions (Baker, 2003) plädiert Yong für eine evangelikale und pneumatologische Theologie der Religionen. D. h. der universal gegenwärtige Schöpfergeist Gottes ist in jedem Menschen aktiv und spielt darum auch in den Weltreligionen eine bewah­rende, offenbarende und heilsame Rolle. Im Vertrauen auf den Heiligen Geist können Chris­ten im Dialog mit Andersgläubigen deren Reli­gion besser verstehen, eigene Probleme erken­nen, zwischen Dämonischem und Göttlichem unterscheiden und Menschen zum Glauben an Jesus führen. Sein Ansatz ist komplex und kann hier nicht ausführlich gewürdigt werden, bietet aber wichtige Anstöße, und regt an, sich tiefer damit auseinanderzusetzen. Miriam Adeney, Anthropologin und Professorin für Global and Urban Ministries an der Seattle Pacific University stellt in ihrem Beitrag „Rajah Sulayman Was No Water Buffalo“ die Frage, ob Muslime Christen werden können, ohne den Islam als kulturell-religiöses System zu verlas­sen und ob sie in diesem System auch als Chris­ten wachsen können. Auf die erste Frage findet sie ein Teil-Ja, da der Islam als Kultur und Reli­gion auch Wahrheiten enthalte, die als Schritte zum Glauben dienen könnten. Auf die zweite Frage findet sie ein „Nein“, da das islamische System grundlegende biblische Wahrheiten (Gottessohnschaft Jesu, Kreuz und Auferste­hung Jesu etc.) ablehne und keine Gemeinschaft im Evangelium bieten kann. Sechs weitere Kapitel u.a. von dem indischen Theologen Ken R. Gnanakan (Generalsekretär der Asian Theological Association, Bangalore), Stanley J. Grenz (Professor am Carey Theologi­cal College und Regent College, beide Vancou­ver), Paul J. Griffiths (Buddhologe und Religi­onsphilosoph an der University of Illinois at Chicago) bringen Licht in die Thematik und werfen weitere Fragen auf.- Der Band lädt nicht zu uneingeschränkter Übereinstimmung ein, sondern stellt einen mutigen und sicherlich auch provokanten Versuch dar, einerseits eine erste Bilanz evangelikalen Denkens zum Thema zu bieten, andererseits die „Baustelle auszumessen“ und zur weiteren Bearbeitung anzuregen. Dabei scheuen sich manche Autoren nicht, auch ein­mal ungesicherten Boden zu betreten, um neue gangbare Wege zu finden.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-4.

Stadler, Jürgen. Die Missionspraxis Christian Keyßers in Neuguinea 1899-1920: Erste Schritte auf dem Weg zu einer einheimischen Kirche, edition afem, Nürnberg: VTR, 2006.

Nach seinem Theologiestudium in Neu­en­dettelsau und Tübingen absol­vierte der Verfasser ein Gastvikariat und wurde 1992 Pfarrer in der Bayerischen Landes­kirche. Sein theologisches Interesse ver­tiefte er mit dieser biographisch-missio­logischen Untersuchung des Neuendet­tels­auer Missionars, Christian Keyßer (1877-1961), der von 1899 bis 1920 in Neuguinea tätig war. In 15 Kapiteln mit einer Fülle von Unterteilen zeichnet Stadler nach, wie Keyßer “sein Mis­sionskonzept intuitiv-situativ […] ent­wickelte und entfaltete” (S.31), was ich hier unter Berücksichtigung größerer Abschnitte versuche anzusprechen. (Zah­len zwischen runden Klammern (…) geben fortan Buchseiten an.)

Stadler skizziert Keyßers missio­na­ri­sches Werden von seiner Kindheit bis zum Abschluss der theologischen Aus­bildung (32-72). In seinem dritten Le­bens­jahr starb sein Vater, 10 Jahre später die Mutter, die ihn „immer wieder zum Guten ermahnte und zu GOTT wies“ (33). Trotzdem begann er „seelisch zu ver­wahrlosen“ (71) bis er nach Nürnberg kam. Bei seinem Oberlehrer der Indus­trieschule einquartiert, sah Keyßer diesen „Betbruder“, ohne Buch, „frei und frisch von der Leber weg“ beten (37). Hier kam er zum Glauben und vernahm den Ruf: „Du mußt Missionar werden“ (40-41). Darauf schrieb er an Inspektor J. Deinzer am Missionsseminar Neuendettelsau: „[Ich] möchte gerne in Ihre Anstalt eintreten, um dem Herrn als Missionar allein und mit allen Kräften zu dienen“ (44). Unter Bedingung einer doppelten Probezeit wurde er aufgenommen und erwarb sich „eine gründliche theolo­gische Ausbildung“ (55).

1899 traf Keyßer in Neuguinea ein. Sein erster Eindruck von den „braunen Spitz­buben [war] schauderhaft“ und die Ein­ge­wöhnungsphase auf der Station Sattel­berg schattenreich, jedoch nicht ohne Lichtstrahlen (73-146). „Wie wohl wir von Natur untüchtig und nichts sind, so kön­nen wir doch durch die Gnade Gottes etwas werden“, sagte er in seiner Or­di­nationspredigt (89). In diesem Bewusst­sein stürzte er sich mit Eifer in die Erforschung der Sprachen, Kultur, Re­ligion und Sitten der Papua und begann sich in kontextgemäßer Mis­sions­arbeit zu entfalten. Auch seine Ehe mit Emilie Heumann, die sich „als echte Mis­sio­narsfrau in den Dienst der Mission ein­brachte“ (90-91), der Kontakt mit an­de­ren Missionaren sowie Gustav War­necks Evangelische Missionslehre und die AMZ vertieften seine innovative Mis­sionspraxis.

In Kapitel 7-10 gibt Stadler detaillierte Nachzeichnungen über die Entwicklung der Sattelbergmission unter Keyßers Leitung von 1904 bis zur Haupt­kon­ferenz 1914. Dazu gehören Be­keh­rung und Erweckung der Papua (147-164); Taufunterricht und -praxis der Sattel­berg­gemeinde bis 1920 (165-183); Ent­stehung und Entwicklung der Sat­tel­berger Gemeindemission (184-250); die Sattelbergordnung bis 1914 (251-318). Stärker als andere Missionare stellte Keyßer seine europäische Kultur hinten an, tauschte manche Grundsätze Neuen­dettelsaus durch neue Akzente aus, adop­tierte melanesische Kommuni­ka­tions­for­men und suchte Zugang zu den Herzen der Heiden als Familie und Volk, ohne aber Kraft und Inhalt des Evan­ge­liums zu schmälern. Er rang um kollek­tiven „Stimmungsumschwung unter den Ein­hei­mischen“, die anfingen über die in ihrer Kultur verwurzelten Anschauungen wie balum (Initiationsritus und Geis­terkult unter den Jabêm; ngosa unter den Kâte), Krieg, Blutrache, Zauberei, Ah­nenkult und was sonst zu ihrer heid­ni­schen worldview gehört, nach­zu­denken (147; 478-482). „Das Gewissen wacht allmählich auf“, berichtete Key­ßer, wenn er „bei seinen Dorf­be­suchen vom Ver­söh­nungstod Jesu, vom Gericht und von letzten Dingen zu den Papua sprach“ (148; vgl. 99; 253). Ihm ging es weniger um Einzelbekehrung als um Klan- und Stammesbekehrungen, wie sie auch von Missionaren der Rheinischen Mission unter den Batak in Sumatra angestrebt wurden. An diesem Punkt bedauerte Keyßer, dass die Neuen­det­telsauer nicht als Missionare, sondern als Pastoren ausgebildet worden seien. „Das ist in etwa so, wie wenn man einen, der Offizier werden will, als Maurermeister ausbildet“, schrieb er (214-215). Daher investierte er alle geistigen, seelischen und physischen Kräfte, den „braunen Spitz­buben“ das Wort Gottes in ihrem sozial-kulturellen Kontext zu vermitteln, selbst wenn er von seinen Kollegen oft nicht verstanden wurde, wie Stadler ausführlich nachweist (253-318).

In den nächsten drei Kapiteln registriert der Verfasser die Entwicklung der Mis­sion in Neuguinea von der Konferenz 1914 bis Keyßers Rückkehr nach Deutsch­land sechs Jahre später: (a) Ver­lauf, Verhandlungen und Ent­schei­dun­gen der Hauptkonferenz erwiesen sich über­wiegend für Keyßer als Bestä­tigung, Anerkennung und Aufwertung seiner bis­herigen Arbeitsweise, wobei Karl Stecks Besuch und Verkündigung auf dem Sattelberg nicht übersehen wer­den dürfen (319-354). „Die Diskussion der Neuen­dettelsauer Missionare in den fol­genden Jahren zeigt jedoch, daß der Grundentscheidung und ihren missions­theo­logischen und -methodischen Impli­ka­tionen nicht ohne weiteres gefolgt wurde“ (354). (b) Das Ringen um Ver­ständnis missionstheologischer und -me­tho­discher Fragen, wie sie sich im in­di­ge­nen Kontext auf dem Missionsfeld unter Keyßers Leitung der Sattelberger Muttergemeinde und Umgebung mani­fes­tierten, hat sich im Rückblick mehr als eine Verhärtung als eine gegenseitige An­näherung der Position heraus­kris­tal­li­siert (355-444). (c) Auch zeigt Stadler, dass nach Ausbruch des 1. Welt­krie­ges die deutsche Kolonie „Kaiser-Will­helms-Land“ in Neuguinea an Australien ab­ge­geben wurde und wie die Mission sich unter der neuen Regierung bis Keyßers Rückkehr nach Deutschland 1920 ent­wickelte (445-467; 15-31). 

Die letzten Kapitel stehen unter den Themen „Ergebnis“ und „Anhang“ (468-559). Unter Ergebnis gewährt Stadler den Lesern ein einsichtsreiches Profil von „Christian Keyßer als Missionar“ (468-470) und „Christian Keyßer als Missionstheologe“ (471-477), was nur durch Keyßers eigenes Schriftgut über­troffen werden kann. Der „Anhang“ be­steht aus hilfreichen Texten, Karten, Begriffs- und Abkürzungs­verzeich­nis­sen. Der gesamte Text ist mit einer An­zahl von Zitaten aus primären und sekundären Quellen sowie mit 1998 Fuß­noten und einem 36seitigen Lite­ra­tur­nachweis untermauert. Das spricht für Umfang und Gründlichkeit der Arbeit, die sowohl Studierenden und Lehrenden als auch Pastoren und Missionaren bes­tens zu empfehlen ist. Nur schade, dass dem Buch ein Sach- und Namenregister fehlt.

Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2009-3.

Stark, Rodney. Der Aufstieg des Christen­tums: Neue Erkenntnisse aus soziologischer Sicht. Beltz Athenäum: Weinheim, 1997.

Selten war eine soziologische und eine auf die frühe Kirchengeschichte bezogene Studie so aufschlußreich für die Missionswissenschaft, wie diese 1996 an der Princeton University er­schienene Studie „The Rise of Christianity“. Die Thesen Starks sorgen seit­dem für viel Dis­kussionsstoff. Einige Thesen seien kurz ge­nannt:  

1. Das Christentum breitete sich in den ersten vier Jahrhunderten fast ausschließlich inner­halb des Freundes- und Bekanntenkreises ent­lang soziologischer Strukturen durch Einzelbekeh­rungen aus. Persönliche Beziehun­gen waren das Geheimnis des Erfolges der Christen.    

2. Die ersten Christen waren größtenteils nicht arm, sondern stammten aus dem wohlhabenden Mittelstand, was auch die Finanzierung der Missionsarbeit sicherstellte.

3. Der entscheidende Faktor waren die Frauen, die dann oft anschließend ihre Männer für das Christentum gewannen. Sie bekehrten sich nicht nur häufiger, sondern waren auch unter den christlichen Kindern in der Überzahl, da Mädchen und Jungen bei Christen als gleich­wertig galten, während die Heiden soviele Mädchen töteten, daß es statistisch einen enormen Männerüberhang gab.     

4. Das Christentum wuchs in den ersten vier Jahrhun­derten statistisch verhältnismäßig gleichmäßig, so daß die Suche nach außeror­dentlichen Wachstumsfaktoren zu bestimmten Zeiten überflüssig ist.           

5. Ein wesentlicher Wachstums­faktor war die höhere Kinderzahl der Christen, da diese gegen Abtreibung und Kindesausset­zung - namentlich von Mädchen - waren, was zudem Adoptionen einschloß, und intakte Familien hatten.

6. Ein weiterer we­sentlicher Faktor war der so­ziale Einsatz von Christen zu Zeiten von Seu­chen, der mehr Christen überleben ließ als Heiden und viele Heiden zu Christen werden ließ.

7. Konstantin machte das Christentum zur Staatsreligion, da dieses sich durch Bekehrun­gen schon soweit aus­gebreitet hatte, daß ihm gar nichts anderes üb­rigblieb, um das römische Reich zu retten.

8. Das Christentum wuchs nach Konstantin nicht schneller als vorher, so daß die Sicht, nach Konstantin seien die Massen in die Kir­chen ge­strömt, weil sie sich irdische Vorteile erhofften, falsch ist.

Sicher bezieht Stark seine soziologischen Kenntnisse, wie religiöse Gruppen heute wach­sen, die er dann als Modell an die ersten drei Jahrhunderte der Kirchengeschichte heranträgt und überprüft, von überall her, etwa von den Mormonen, hinduistischen Sekten und anderen religiösen Gruppen. Auch ist Stark die Frage, ob die Aus­breitung des Christentums ein Glück oder ein Unglück für das römische Reich war, gleich­gültig. Auch mag man Stark manchmal widersprechen, wenn er das Neue Testament auslegt und überhaupt nimmt Stark auf die re­ligiösen Gefühle von überzeugten Chri­sten we­nig Rücksicht. Und trotzdem fühlt man sich zum Teil in eine moderne missiologische De­batte unter Evangelikalen versetzt, etwa wenn es um die Frage geht, welche Rolle medizini­sche oder sozialethische Arbeit (z. B. im Ein­satz gegen die Abtreibung oder das Kastenwe­sen) in der Mission spielt oder wenn darauf hingewiesen wird, daß Großevangelisa­tionen wie ProChrist nur erfolgreich sind, wenn Chri­sten ihre Verwandten, Freunde und Nach­barn einladen. Das Buch von Stark zeigt, daß viele der heute diskutierten Fragen zur Mission auch schon die frühe Kirchengeschichte be­stimmt haben und daß manches von uns müh­sam im­mer wieder neu entdecktes ‘Geheimnis’ der Evangelisation schon zu Beginn der Christen­heit die entscheidende Rolle gespielt hat.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1999-3.

Staub, Brigitte. Trommeln, Palmwein, He­xen. Erlebnisse im Grasland von Kamerun. Sternberg: Metzingen, 2000.

Als „Fraternal Worker“ der Basler Mission ar­beitete Schwester Brigitte von 1984 bis 1988 in einem Töpfereiprojekt, das mit „Brot für die Welt“ aufgebaut wurde. Es ging dabei um die Wiederbelebung einer traditionellen Hand­werkskunst, die im Plastikzeitalter verkümmert ist. Brigitte Staub erhebt nicht den Anspruch, eine wissenschaftliche Arbeit präsentieren zu wollen, sondern sie möchte die Leser mit dem Alltag in Kamerun bekannt machen, der sich typisch interreligiös-afrikanisch gestaltet.

Anhand vieler kleiner Begebenheiten mit den Lehrlingen der Töpferei und ihren Familien, dem stolzen Mercedesbesitzer und Häuptling, mit dem respektierten Moderator der Presbyte­rianer und dem hilflosen weißen Pastor und vielen Einheimischen schildert sie mit viel Humor ihren Alltag als „White Man“ unter Schwarzen.

Die Problematik der Hexen, Zauberer und Me­dizinmänner ist auf dem Erfahrungshintergrund einer „ungläubigen Deutschen“ ehrlich und an­schaulich beschrieben. Was für die afrikani­schen Christen selbstverständlich erscheint, will ihr absolut nicht einleuchten. In einer kriti­schen Situation und ohne ärztliche Hilfe läßt Schwester Brigitte sich schließlich auch auf eine undruchsichtige Kräuterbehandlung ein. Obwohl sie von der Bevölkerung angenommen ist, bleiben ihr als Weiße die letzten Geheim­nisse verschlossen.

Die spannend geschriebenen Erlebnisse bieten sich als ausgezeichnete authentische Beispiele im Bereich der Anthropologie an. Vermißt werden Beiträge über das geistliche Leben, die es außer dem peinlichen Auftritt des weißen Pastors wohl auch gegeben haben muß.

Konrad Brandt, em 2000-4.

Stearns, Bill und Amy. Catch the Vision 2000. Bethany House: Minneapolis, 1991.

Die Unerreichten in den Blickpunkt der Chri­sten zu rücken, ist der Wunsch von Bill und Amy Stearns, den Mitarbeitern der Adopt-A-People-Bewegung in Colorado Springs, USA. Anhand praktischer Beispiele zeigen sie, wie Gott jeden in der Mission gebrauchen kann. Als Schöpfer hat er schon Großes in der Welt getan und will es weiterhin durch jeden Christen tun. Mission ist keine „Dennoch-Aufgabe“ für Unerschütterliche, die nur aus Gehor­sam gegen den Missionsbefehl getan werden muß. Das beweisen folgende Beispiele: Täglich werden 20.000 neue Christen in Afrika gezählt. Auf jeden Christen kommen heute statistisch nur noch 7 Nicht-Christen, während es im Jahre 100 noch 360 waren. Um wie Abraham ein Segen für die Völker zu sein und den Auf­trag als Priester in dieser Welt zu erfüllen, muß sich jeder für Weltmission engagieren. Welt­mission ist die größte Herausforderung für die Christen. Es gilt, 11.000 Unerreichte Volks­gruppen zu erreichen, besonderes Gewicht wird auf das 10/40 Fenster gelegt.

Diese Aufgabe kann nur wahrgenommen werden, wenn neue Wege bzw. Strategien gewählt werden. Neue Strategien, wie z.B. den „Non-Residential Missionary“ (der Missionar, der nicht in seinem Missionsgebiet wohnen kann), und andere Methoden werden an kon­kreten Beispielen vorgestellt. Es gilt die Heimatgemeinde mobil zu machen, nicht nur zu beten, sondern sich konkret zu informieren und sich Zeit für die Weltmission zu nehmen, damit Mission nicht nur ein frommer Wunsch bleibt. Konkrete Vorschläge werden gemacht, wie man den eigenen Lebensstil umkrempelt und sich, seine Freunde und die Heimatge­meinde für Mission offen hält. Sogar ein „Catch the Vision-Seminar“ für die Gemeinde wird angeboten.

Das Buch hat in Australien, Neuseeland und anderen englisch-sprechenden Ländern ein sehr gutes Echo gefunden, sodaß sich Gemein­den und einzelne Christen neu für Weltmission interessiert und engagiert haben. Im deutsch­sprachigen Raum wird es sich schwer tun, da es zu „amerikanisch“, enthusiastisch und pragma­tisch geschrieben ist, obwohl es auch auf viele missionstheologische Aspekte eingeht. Es gibt positive Anstöße und informiert den Leser über die großen Dinge, die sich zur Zeit in der Weltmission ereignen, stellt neue Strategien vor und weitet den Blick für Mission, ohne Fachchinesisch zu sein. Die Rückschläge und Schwierigkeiten, die es in der Weltevangelisa­tion auch gibt, werden für deutsche Ohren sicher zu wenig herausgestellt, da das Buch bewußt jeden Christen zum frohen Engagement in der Weltmission aufrufen will.

Als Leserkreis eignen sich alle Gemeinde­mitglieder, die Englisch können und Schlüssel
personen sind, um die angeregten Vorschläge mit der Gemeinde in die Praxis umzusetzen.

Dr. Veronika J. Elbers, em 1995-4.

Steer, Roger. Georg Müller. Vertraut mit Gott. Bielefeld: CLV, 1995.

Ein Unbekannter ist er nicht: George Müller. Dieses Buch aus der CLV-Biographien-Reihe beschreibt ein spannendes, langes und unge­wöhnliches Leben. Auf seine ungestüme und unchristliche Jugendzeit folgen nach seiner Bekehrung einige Wanderjahre im christlichen Dienst. 1837 gründet er sein Glaubenswerk: die Waisenhäuser in Bristol. Ohne Startkapital und nur im Vertauen auf Gottes Fürsorge begegnet er der großen sozialen Not seiner Zeit. Ein aus­gedehnter Reisedienst um die ganze Welt be­schließt sein erfülltes Leben, bis er 1898 im Alter von 93 Jahren stirbt.

Eine inspirierende Biographie, die zum Ge­bet und zu festem Gottvertrauen ermutigt. Al­lerdings darf man nicht in den Fehler verfallen, Müllers Leben zum Maßstab für geisterfülltes Christsein zu machen. Durch den Berichtsstil des Verfasser wird diese Neigung, aus christli­chen Leitern geistliche „Übermenschen“ zu ma­chen, leider unterstützt.

Martin Sachs, em 1997-3.

Steer, Roger. Im Herzen Chinas. J. Hudson Taylor. Ein Mann des Glaubens. Gießen: Brunnen, 1994.

Noch ein Buch über Hudson Taylor? Sollten das Vorwort von Billy Graham und Nachwort von James Hudson Taylor III etwa Zeichen dafür sein, daß auch der Autor, Roger Steer, diese Bedenken hatte? Nötig wären sie nicht gewesen, denn diese Biographie mit ihrem lebendigen Stil ist es durchaus wert, gelesen zu werden. Das Leben des bekannten China Mis­sionars Hudson Taylor (1832-1905) wird vom „Gebet der Eltern“ bis zu seinem „Weg in den Himmel“ Schritt für Schritt in den gängigen Bahnen nachgezeichnet. Der guten Überset­zung von A. Findeisen ist es zu verdanken, daß auch der deutsche Leser auf fast 400 Seiten einen bewegenden Anteil an den täglichen Glaubenssiegen Hudson Taylors, seinen Sorgen und seiner Freude an den wunderbaren Füh­rungen erhält.

Trotz aller Recherchen des Autors erhebt sein Buch nicht den Anspruch, eine wissen­schaftliche Biographie zu sein. So arbeitet er mit allen bekannten Bildern und Assoziationen - und leider auch allen Vorurteilen über China und die China Mission, wie sie sich seit den Tagen Hudson Taylors bis heute hartnäckig halten. Will man sich also über China, über die Person des Missionars oder Mission in China informieren, wird man besser zu anderen Büchern greifen.

Diese Biographie hat aber auch ein anderes Ziel: Hudson Taylor soll als ein Mann des Glau­bens vorgestellt werden. Es wird hier ein Ideal­bild an Glaubensstärke und geistlicher Haltung gezeichnet, wie es eigentlich nur in erbaulichen Biographien vorkommen kann. Mit diesem Bewußtsein gelesen, kann das Buch zur Berei­cherung des eigenen Glaubenslebens werden.

Stefan Müller, em 1995-4.

Steer, Roger. Mit Hudson Taylor unterwegs. Mut zur Nachfolge. Brunnen Verlag: Giessen, 1998.

In acht großen Themenkreisen geht es in die­sem Buch um Fragen des persönlichen Glau­benslebens: Gott kennen, Gottes Werk - nach Gottes Willen getan, das Geheimnis des Gebe­tes, der Segen des Kreuzes, Mission und Re­spektierung fremder Kulturen.

Das Buch ist in 100 Lektionen (oder Leitge­danken) unterteilt. Dort finden sich Zitate oder Briefauszüge von Hudson Taylor selbst, von seinen Freunden oder auch Zusammenfassun­gen des Herausgebers.

Ihm ist unbedingt zuzustimmen, wenn er schreibt: „Man muß das ganze Buch lesen, um die Lektionen im Zusammenhang zu verste­hen“. Erst das neunte Kapitel vermittelt einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse im Leben Hudson Taylors und die von ihm neuge­gründete Mission, wodurch viele zuvor er­wähnten Geschehnisse und Erlebnisse ver­ständlich werden.

Die Person Hudson Taylors wird bei alle­dem mit viel Liebe, aber nicht überzogen darge­stellt. Es geht um seinen Glauben an den einen großen Gott, der durch Höhen und Tiefen seine Leute ans Ziel bringen will und wird.

Das Buch ist ein hilfreiches Handbuch für das persönliche Glaubensleben, aber auch für die Motivierung und Zurüstung von Missiona­ren.

Diakonisse Renate Binder, em 2000-3.

Steinbach, Jürgen u. Klaus W. Müller (Hg.). Theologie – Mission – Verkündigung. Fest­schrift zum 60. Geburtstag von Helmuth Egelkraut. edition afem - mission academics 6. Verlag für Kultur und Wissen­schaft: Bonn, 1998.

Mit dieser Festschrift zum 60. Geburtstag von Helmuth Egelkraut erscheint erstmals seit der Festschrift für Goerge W. Peters 1988 ein Sammelband, der einen repräsentativen Quer­schnitt zur akademischen und missionarischen Arbeit an der Freien Hochschule für Mission (FHM) in Korntal gibt. Auf 145 Seiten tragen sämtliche Dozenten des Studienzentrums zu der thematischen Trias bei, die das theologi­sche Lebenswerk Helmuth Egelkrauts markiert. Die Herausgeber, Jürgen Steinbach und Klaus W. Müller, stellen den Themen Theologie, Mission und Verkündigung jeweils ausge­wählte Aufsätze von Helmuth Egelkraut voran, die dann durch eine Reihe weiterer Artikel der Fakultät und einiger früherer Kollegen ergänzt werden. Die Beiträge werden durch einige Kurzfassungen ausgewählter Ma­gisterarbeiten von Studenten der FHM abge­rundet.

Die thematischen Schwerpunkte reichen von der exegetischen und missiologischen Bedeu­tung der Apstelgeschichte, der Bedeutung der Lehre von der Jungfrauengeburt, dem Stellen­wert des theologischen Studiums im Pietismus, über den Beitrag von heilsgeschichtlicher Theologie, Anthropologie und Ethnologie zu einer evangelikalen Missiologie, bis hin zu ei­ner weltweiten Missionspraxis, die dem mo­dernen Menschen die Zuwendung Gottes über­zeugend nahebringt.

Dieses Spektrum von exegetischen, missiologi­schen und praktisch-theologischen Beiträgen spiegelt in vorzüglicher Weise die Vielfalt der Akzente und zugleich die Einheit der Perspek­tive in der wissenschaftlichen Ar­beit der FHM wieder. Die 21 Artikel der Fest­schrift werden durch eine Biographie sowie eine ausführliche Bibliographie von Helmuth Egelkraut abge­rundet, die erstmals seine zahl­reichen Veröf­fentlichungen vor allem in Aufsatzsammlun­gen, Zeitschriften und Lexika dokumentiert. Die aufgeführten Monographien, überarbeite­ten Übersetzungen, Andachten und Rezensio­nen vervollständigen das Bild seines literari­schen Schaffens.

Somit erhält der Leser dieses empfehlens­wer­ten Buches einen Einblick in die Spann­breite theologischer Arbeit an der FHM und zugleich eine Dokumentation des theologi­schen Schaf­fens ihres nun emeritierten Dekans Helmuth Egelkraut.

Dr. Markus Piennisch, em 1998-4.

Stine, Philip C. (Hg.). Bible Translation and the Spread of the Church. The last 200 years. (Studies in Christian Mission, Bd. 2), Leiden: Brill, 1992.

Der Herausgeber kommt aus den USA und ist seit 1984 Translations Service Coordinator der United Bible Societies. Davor war er Überset­zungsberater bzw. Übersetzungskoordinator für Afrika. Das von ihm herausgegebene Buch beinhaltet die Hauptreferate einer Konferenz, die 1988 in Princeton, New Jersey, stattfand. 50 Kirchenführer, Theologen, Missiologen und Wissenschaftler waren dort zusammengetrof­fen, um sich über den Zusammenhang zwi­schen Bibelübersetzung und der Ausbreitung der Kirche in den letzten 200 Jahren Gedanken zu machen. Die Einleitung gibt einen Über­blick über die wichtigsten Fragestellungen der Konferenz, sowie über Reihenfolge und Inhalt der einzelnen Referate. Das Spektrum der Referate reicht von kulturellen Themen bis hin zu einheimischen Theologien (z.B. Befrei­ungstheologie). Bei allen Referaten war die Herausforderung, den Zusammenhang zwi­schen Bibelübersetzung und dem Wachstum der Kirche darzustellen. Am deutlichsten wird dieses Anliegen in Darrel Whitemans Beitrag, der sich mit Bibelübersetzung und Entwicklung befaßt. Dabei geht er weniger auf konkrete Fallstudien ein, sondern versucht vielmehr, das theoretische Rüstzeug für weitere Studien die­ser Art zu geben. Dieser Artikel ist ein Muß für jeden, der sich mit der Situation der dritten Welt und mit Entwicklungshilfe befaßt. Das Referat Louis Lutzbetaks streicht die Bedeu­tung anthropologischer Studien für die Arbeit des Übersetzers heraus. Nur wer wirklich lernt, auf die Kultur zu achten, wird in der Lage sein, eine kulturell relevante Übersetzung zu produ­zieren. Lamin Sanneh betont, wie wichtig es für die Ausbreitung des Christentums war und ist, daß es nicht an eine spezifische Sprache oder an einen Ort gebunden ist, sondern daß es in andere Sprachen und Kulturen übersetzbar ist. Daniel Archea befaßt sich in seinem Referat
mit den theologischen Fragen, die eine Über­setzung beeinflussen. Er geht dabei sehr stark von den Erkenntnissen und Aussagen der modernen, kritischen Bibelwissenschaft aus. Mit der Rolle der Bibelübersetzung für die Entwicklung einheimischer Theologien aus südamerikanischer bzw. asiatischer Sicht set­zen sich Samuel Escobar und Kosuke Koyama auseinander. Für Andrew Walls ist die Grund­lage und Voraussetzung aller Übersetzungsar­beit die Inkarnation: Gott wurde Mensch in Christus. Stephen Bälden beschäftigt sich mit dem geschichtlich - politischen Hintergrund der Bibelübersetzung in Rußland. Das mit gro­ßer Sachkenntnis bearbeitete Thema öffnet das Verständnis für die oft schwierige Situation in diesem Land. Ulrich Ficks Referat über die Bibelübersetzung und die Zukunft der Kirche bildet Abschluß und Ausblick eines im großen und ganzen aufschlußreichen und informativen Buches. Man merkt beim Lesen, daß die jewei­ligen Autoren aus der Praxis kommen und wis­sen, wovon sie reden, obwohl an der einen oder anderen Stelle ein konkretes Beispiel aus dem Übersetzungsalltag als Illustration hilfreich gewesen wäre.

Christiane Lauschitzky, em 1993-4.

Stöckle, Johannes. Du warst mir fremd, jetzt bist du mein Bruder. Als Missionar in Afrika. Verlag Ernst Franz: Metzingen, 1997.

Die Autobiographie des 1911 geborenen schwäbischen Missionars ist ein Stück Missi­ons- und Zeitgeschichte. Nach gründlicher be­ruflicher, theologischer, pädagogischer und sprachlicher Ausbildung reist. J. Stöckle 1938 mit der Basler Mission nach NW-Kamerun. Der Krieg führt ihn in die Internierung. Seine Missionsarbeit geht weiter in Deutschland in ökumenischen Begegnungen zwischen Jugend und Kirchenleuten v. a. aus Afrika und Asien, dann in Ghana und später von Deutschland aus in zahlreichen kurzen Aufenthalten in Kamerun und Ghana.

Der Autor erzählt lebendig und mit interessan­ten Details von seinem Lernen, sei­nen Erleb­nissen, seiner vielseitigen Arbeit, sei­nen rei­chen Erfahrungen und Begegnungen. Sein In­teresse für die fremde Kultur wirkt ansteckend.

Stöckle beweist Respekt vor der Religion und den Bräuchen der animistischen und muslimi­schen Volksgruppen. Zugleich berich­tet er von seinem unermüdlichen Bemühen, Muslimen Gott als den Vater zu bezeugen und Animisten Jesus Christus als den zu zeigen, der alle Gei­stermächte besiegt hat.

In Deutschland trägt er den Missionsgedan­ken in die Gemeinden und arbeitet aktiv daran, durch gegenseitige Besuche eine Brücke zwi­schen afrikanischer und europäischer Kirche zu bauen.

Das Buch ist reich bebildert. Die letzte Epi­sode stammt von 1964. Ein kurzer Rückblick und biographische Hinweise bilden den Schluß des Buches. Es wäre interessant gewesen, mehr von der weiteren inneren Entwicklung der Kir­chen in West-Kamerun und in Ghana zu erfah­ren. - Ein lesenswertes Buch für Missionare und Missionsinteressierte.

Hanna Weiberle, em 1998-4.

Stolle, Volker. Wer seine Hand an den Pflug legt. Die missionarische Wirksamkeit der selbständigen evangelisch-lutherischen Kirchen in Deutschland im 19. Jahrhundert. Oberursel/Gross-Oesingen, 1992.

Zum 100jährigen Jubiläum der Bleckmarer Mission legt der Oberurseler Professor V. Stolle eine nur von außen schmal wirkende Abhandlung über die Mission der luth. Freikirchen im 19. Jahrhundert vor. Interessant ist sein Ansatz, gleichermaßen historische Abläufe und theologische Denkstrukturen sowie deren gegenseitige Beeinflussung darzustellen.

Stolle mißt verschiedene missionstheologi sehe Konzepte an einer lutherischen Worttheo­logie und dem Modell der „Integration von Kirche und Mission“ und gelangt so zu einer kritischen Perspektive, die keineswegs nur Rückblick ist. Kritisiert werden insbesondere eine überzogene (konfessionelle) Rückbindung des Missionars an die „sendende Kirche“ und eine ethische oder geschichtstheologische Be­gründung von Mission.

Schwierigkeiten beim Lesen bereitet leider die Komplexität des historischen Stoffes. Hier wäre eine kurze, übersichtliche Einführung in die Entstehung der Freikirchen und in die Mis­sion im 19. Jahrhundert hilfreich gewesen. Ohne eine solche zerfallen die vielen exakt re­cherchierten Einzeldaten und die in langen Fußnoten beigegebenen Zitate leicht in Bruch­stücke. Auch kann die ausschließliche Be­schränkung auf selbständige Kirchen zu ver­zerrenden Ausschnitten führen.

Hinsichtlich des Materialreichtums und der theologischen Denkanstöße halte ich das Buch für empfehlenswert.

Christian Weber, em 1993-1.

Stone, Frank A. Academies for Ana­to­lia: A Study of the Rationale, Pro­gram and Impact of the Edu­cational Institu­tions Sponsored by the American Board in Turkey, 1830-2005. San Francisco/ USA: Caddo Gap Press, 2006.

Frank Stone war Professor für „Inter­na­tio­nal Education“ an der University of Con­necticut und unter­richtete davor von 1953 bis 1966 in der Türkei am Tarsus Ame­rican College. Bei der vorliegenden Stu­die handelt es sich um eine aktua­li­sier­te Version der gleichnamigen Ver­öf­fent­lichung aus dem Jahr 1984. In dieser Aus­gabe nun gibt Frank Stone einen Ein­blick in die inzwischen 175-jährige Ar­beit der vom American Board gegrün­de­ten Erziehungseinrichtungen in Ana­to­lien.

In den ersten vier Kapiteln des Buchs wird zunächst das Umfeld und die frühe Ent­ste­hungsgeschichte der Schularbeit des American Board in Anatolien be­handelt. Dabei wird nicht nur das ana­to­li­sche Umfeld der Schulen unter die Lu­pe genommen, sondern auch das Hei­mat­umfeld der Missio­nare. Stone zeigt auf, wie stark die Schularbeit in der An­fangs­phase beeinflusst war von der Herkunft der Missionare aus den erweckten re­for­mierten Kreisen in den ländlichen Gebie­ten Neu-Englands: So brachten sie u.a. ei­ne starke Betonung der praktischen Ar­beit für die Charakterbildung mit sich, eine Sen­sibilisierung für die Freiheits­rechte aller Menschen, sowie ihre anti­katholische Einstellung.

Im zweiten Teil der Studie werden zahl­reiche Einblicke in die einzelnen Schul­gründungen in Anatolien gegeben. Auf­ge­gliedert ist dieser Teil nach geo­graphischen Gesichtspunkten in die drei Ka­pitel: Westtürkei, Zentraltürkei und Ost­türkei. Ging es der Schularbeit zu­nächst darum, die alten orien­talischen Kir­chen zu beleben, bekam sie bald ei­nen neuen Schwerpunk: Nach der Ex­kom­munikation der mit dem Protes­tan­tismus sympathisierenden Armenier aus der Armenisch-Apostolischen Kirche, ging es ab 1846 hauptsächlich darum, die Ausbildung für die neu entstandene ar­me­nisch-evangeli­sche Denomination zu ge­währleisten.

Im dritten Teil des Buches werden die sieben höheren Bildungsanstalten behan­delt, die vom Ame­rican Board in Aintab, Marash, Harput, Marsovan, Tarsus, Kon­ya und Smyrna gegründet wurden. Die Initiative zur Gründung dieser Colleges ging auch von den einheimischen Chris­ten selbst aus, unter de­nen ein deutliches Be­wusstsein gewachsen war: „Wenn Men­schen gute Christen sein sollen, gute Väter und Mütter und nützliche Mit­glieder der Gesellschaft, müssen sie aus­ge­bildet werden!“ Neben der Be­schrei­bung der eigentlichen Schularbeit ent­hal­ten die einzelnen Kapitel eine Fülle von historischen und biographischen De­tails, wie etwa die interessante Ge­schich­te der „Boston Rat Trap Factory“ in Bebek oder die Geschichte des „Caesa­rea Boys’ Club“, einer Art CVJM, der ab 1905 zeitweise von täglich bis zu 100 Jungen aus allen Bevölkerungsgruppen (Türken, Armenier, Griechen etc.) be­sucht wurde. Dabei weitet Frank Stone allerdings das Feld seiner Untersuchung nicht zu weit aus, so dass etwa die Evan­ge­lisa­tions­arbeit oder die medizinische Ar­beit des American Board weitgehend unbe­rück­sichtigt bleiben.

Im vierten und letzten Teil wird schließ­lich ein Überblick gegeben über die ge­schichtliche Ent­wicklung der American-Board-Schulen in der türkischen Repub­lik bis in das Jahr 2005 hinein. Der Völ­ker­mord an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges und die weitgehende Ver­treibung der ver­bliebenen Christen im Zuge der chaotischen Folgejahre be­deu­teten einen klaren Schnitt in der Ge­schich­te der Bildungsinstitutionen. Eini­ge der Einrichtungen wurden in die Nach­barländer Griechenland, Syrien und in den Libanon verlegt (So können heute etwa noch die Amerikanische Universität und die Near East School of Theology in Beirut als Nachfolgeinstitutionen be­trach­tet werden). Da aber auch die türki­sche Republik dringend höhere Bil­dungs­einrichtungen benötigte, wurden ei­nige der Einrichtun­gen in der Türkei weitergeführt – allerdings unter sich än­dern­den Vorzeichen. Nun war es nicht mehr möglich in den Schulen zu evan­ge­lisieren und die Schulen kamen stärker unter staatliche Kon­trolle. Bereits 1927 waren etwa nur noch ein Viertel der Schüler in den verbliebenen neuen Schu­len Mitglieder einer christlichen Minder­heit. Zunehmend war die Arbeit Kritik ausgesetzt – sowohl in der Türkei als auch in der amerikanischen Heimat. Die Not­wendigkeit der Schulen begründete man nun damit, dass sie durch ihre Er­ziehung zur Demokratie befähigen wür­den: Man lerne dort Verantwortung zu über­nehmen, Entscheidungen zu treffen, konstruktive Problemlösungen zu finden und Vorurteile abzubauen. Stone sieht in dieser Schwerpunktverschiebung u.a. ei­nen Einfluss des „Social Gospel“. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu wei­te­rer Professionalisierung und Internatio­na­lisierung der Schulen. Die verbes­ser­ten amerikanisch-türkischen Beziehun­gen trugen in dieser Zeit zu einer bes­seren Akzeptanz der Schulen bei. Nach­dem türkische Pädagogen mehr und mehr Verantwortung übernommen hat­ten, wurden schließlich die Schulen in die Trägerschaft einer türkischen NPO mit dem Namen Saglik ve Egitim Vakfi (Stiftung Gesundheit und Erziehung) übertragen. Die Leitung der Schulen lag nun end­gültig nicht mehr bei Mis­sio­na­ren, sondern bei Leuten, die in inter­na­tio­naler Pädagogik ausgebildet wa­ren und die oft keine engere Verbindung mehr zur United Church of Christ hatten.

Stone widmet sich mit seiner Studie über die Bildungseinrichtungen des American Board in Anatolien einem wichtigen Ka­pitel der Missionsgeschichte des Nahen Ostens. Das Ausmaß der geleis­teten Ar­beit war enorm: Schon 1855 hatte man 44 Schulen in der Türkei gegründet, dazu neun kleine theo­logische Seminare. 1909 gab es 337 Schulen in der Türkei. Nicht zu Unrecht spricht Stone geradezu von ei­ner „educational explosion in Ana­tolia“.

Ohne Frage hat sich die Schularbeit des American Board in mehrerer Hinsicht große Verdienste erworben: Der gegen­seitige Bezug von Gemeinde und Schule war in der Armenisch-Evangelischen Kir­che von Anfang an sehr stark. Im Ge­fol­ge neu entstehender armenisch-evan­ge­lischer Gemeinden kam es immer zur Grün­dung neuer Schulen. Und die äu­ßerst gute Ausbildung ihrer Mitglieder stärkte im Ge­genzug die Armenisch-Evan­gelische Kirche. So ist es beacht­lich, dass schon im Jahre 1872 bereits 82% der evangelischen Armenier lesen und schreiben konnten. Dass die evan­ge­lischen Armenier nach dem Ausschluss aus der Armenisch-Apostolischen Kirche durch das Anathema von 1846 überhaupt überle­ben konnten, hatte eine Ursache darin, dass sie darin geschult waren, un­ab­hängig ihren eigenen Lebens­unterhalt zu verdienen. In späterer Zeit dann war die gute Bildung auch für diejenigen ein großer Vor­teil, die infolge des Arme­ni­schen Völkermordes zu Flüchtlingen ge­worden waren und sich in der Fremde eine neue Existenz aufbauen mussten. Auf diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass bis heute die Arbeit der Union der Armenisch-Evangelischen Kir­chen im Nahen Osten stark von der Ver­bindung von Gemeinde und Bildung geprägt ist und dass man noch heute Mis­sion primär als Lehrauf­trag versteht.

Die Geschichte dieser Schulen ist aber auch für die allgemeine osmanische und tür­kische Bildungs­geschichte von großer Bedeutung. Die Bildungsarbeit des Ame­rican Board führten viele Innovationen in das osmanische Bildungswesen ein, die später von anderen Ausbildungs­institu­tionen im Land über­nommen wurden. So z. B. im Bereich der frühkindlichen Er­zie­hung durch die Eröffnung der ersten Kin­dergärten im osmanischen Reich ab dem Jahr 1884 und die daraus resul­tierende Ausbildung von Kin­der­garten­leh­rerinnen, sowie durch die Eröffnung der ersten öffentlichen Kinderspielplätze. Im Bereich der Frauenbildung leistete man ebenfalls Pionierarbeit – so ist es kein Zufall, dass sowohl die erste aus­ge­bildete Krankenschwester osma­ni­scher Her­kunft als auch die erste Ärztin aus den Institutionen des American Board stamm­ten. Auch in der Son­der­pä­dagogik für Blinde und Taube und in Be­zug auf handwerkliche und land­wirt­schaftliche Ausbildung waren die Mis­sions­schulen Vorreiter im türkischen Bil­dungssystem. Außerdem bekam ein be­acht­licher Strom von einflussreichen Per­sönlichkeiten in den unterschied­lich­sten Bereichen der türkischen Gesell­schaft seine Grund­la­gen in einer der ame­rikani­schen Inter­nats­schulen ver­mit­telt.

Aufgrund dieser großen Verdienste der untersuchten Schularbeit enthält das Buch von Frank Stone sowohl für Mis­siologen als auch für Pädagogen viel­fäl­tige interessante Informationen. Die Aus­sa­gen des Buches werden unterlegt mit zahlreichen Quellenhinweisen und Kom­men­taren in Fußnoten. Ein umfang­rei­ches Literaturverzeichnis, ein 13-sei­ti­ges Na­mens- und Begriffsregister und eini­ge „Fragen zur Diskussion“ regen zu einer wei­teren Beschäftigung mit den The­men der Studie an. Etliche Bilder und Zeich­nungen lockern das Buch auf, leider lässt die Wiedergabequalität dieser Ab­bil­dun­gen jedoch zu wünschen übrig.

Aus missiologischer Sicht ist die Ent­wick­lung einer Frage in der Studie be­son­ders spannend: Wie haben sich Ziel­setzung und Arbeitsweise der Schulen ver­ändert, inmitten des Spannungsfeldes von Änderungen im soziokulturellen Um­feld, sich ändernden staatlichen Vor­gaben, ökonomischen und fi­nanziellen Rah­menbedingungen, aber auch des ei­ge­nen Missionsverständnisses der Han­deln­den. So ist schwer vorstellbar, dass etwa die Gründergeneration der Mis­sions­schulen sich mit einer Zielsetzung wie dem „Austausch von Über­zeu­gun­gen und Einsichten“ (wie in jüngerer Zeit formuliert) zufrieden gegeben hätte.

Dr. Andreas Baumann, em 2009-4.

Strobl, Anna. Islam in Österreich. Eine reli­gionssoziologische Untersuchung. Peter Lang: Frankfurt u. a., 1997.

Anna Strobl entwirft in ihrer Dissertation ein umfassendes Bild des österreichischen Islam. Die beiden Schwerpunkte des Buches sind a) der Islam in Glauben und Leben der 300.000 Muslime in Österreich und b) die Reaktion der nachchristlich-säkularisierten Bevölkerung auf die muslimische Präsenz. Gleichzeitig möchte die Arbeit einen „Beitrag zur christlich-islami­schen Ökumene leisten“ und durch sachliche Informationen zum „Abbau bestehender Span­nungen und Ressentiments beitragen“ (15). Die sachlichen, breit angelegten und gründlich re­cherchierten Informationen, die außerordent­lich dicht angeordnet sind, vermitteln ein abge­rundetes Gesamtbild des österreichischen Is­lam, das zugleich von großer Tiefenschärfe ge­kennzeichnet ist. Sehr sachlich werden Themen wie Menschenrechte und Rolle der Frau in Is­lam und Christentum angegangen. Viele Grundlageninformationen zum Islam werden nebenher vermittelt, so daß das Buch nicht dazu verurteilt ist, nur von Insidern verstanden zu werden.

Vielleicht hätten mehr Zwischenüberschrif­ten oder ein Register die vielen im Text ange­schnittenen Themen leichter auffindbar ge­macht. – Auf jeden Fall ein sehr empfehlens­wertes Buch für alle, für die die religiöse Si­tuation in Österreich von Interesse ist.

Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-1.

Sundermeier, Theo. Konvivenz und Diffe­renz. Studien zu einer verstehenden Mis­sionswissenschaft. Erlangen: VELM, 1995.

Anläßlich seines 60. Geburtstages am 12.8.1995 wurden diese missionstheologischen Studien Theo Sundermeiers von Volker Küster herausgegeben. Ihm ist auch das Schriftenver­zeichnis des Jubilars und das Vorwort zu ver­danken, das in sehr guter Weise zur Person hin- und in die Sache einführt.

Will man nur einen Aufsatz herausgreifen, so ist es Sundermeiers „Plädoyer für eine ver­stehende Missionswissenschaft“. Er sieht sowohl ein heilsgeschichtliches Verständnis der Mission (d. h. Mission geschieht zwischen dem ersten und zweiten Kommen Jesu als kirchliche Aktivität) als auch ein Missionsver­ständnis im Sinne der ‚Missio Die’ (Mission als Sache Gottes zur Aufrichtung seines Schalom; die Kirche ist daran nur mitbeteiligt, nicht aber Subjekt) an ein Ende gekommen. Einen neuen Ansatz sieht S. in einem Missionsverständnis, das in Theorie und Praxis „Begegnung der Kir­che mit den ihr Fremden“ (S.32) bedeutet. Kirche ist Kirche mit anderen, d. h. Kirche im Gegenüber und in der Begegnung mit Frem­den, mit fremden Menschen, Kulturen und Theologien. Davon handelt vor allem der zweite Teil, der Zeugnis von Sundermeiers rei­chem, vor allem afrikanischen Erfahrungs­schatz gibt.

Als Fachtheologe wird man an der einen oder anderen Stelle Kritik anmelden. Nach neutestamentlichem Verständnis etwa wäre es doch wohl unvorstellbar, das Abendmahl für Nichtchristen zu öffnen. Ebendies möchte Sundermeier (S.102-112). Als Praktischer Theologe freue ich mich, in welchem Maß die Kategorie der Konvivenz für die Missions­theologie entdeckt wird. Nirgendwo wird ver­merkt, daß sie aus der Liturgie stammt. Diese Kritik u. a. Nachfragen dürften durchaus im Sinne des Jubilars sein. Denn sich begegnen schließt ja sich befragen und sich in Frage stel­len nicht aus, sondern gehört zur Konvivenz.

Dr. Gerhard Maier, em 1996-3.

Sundermeier, Theo. Mission – Geschenk der Freiheit. Bausteine für eine Theologie der Mis­sion. Frankfurt a. M: Verlag Otto Lembeck, 2005.

Der Autor lebte jahrelang in Afrika und ist Professor em. der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg. Neben zahlreichen Arbeiten zur Hermeneutik und zur christlichen Kunst hat er missions- und religionswissen­schaftliche Essays veröffentlicht. Der Ertrag seiner erfahrungsreichen und wissenschaft­lichen Vielfalt ist in diesem Buch stark reflektiert, wie schon die Überschriften der Hauptteile erwarten lassen: „Zur Grundlegung der Mission“ (S.11-74); „Zur Praxis der Mission“ (75-192); „Mission im Dialog“ (193-294).

Unter dem ersten Thema versucht der Ver­fasser zunächst den Titel des Buches biblisch zu begründen, systematisch einzuordnen und durch religionsgeschichtlich gewonnene Ein­sichten zu beleuchten. Davon ausgehend, dass das Wort „mission“ im angelsächsischen Sprachraum nicht so viel negative Rückwir­kungen auslöst wie der Begriff „Mission“ im deutschsprachigen Bereich, verwendet er den Terminus „Freiheit“ als eigentlichen Kern der Mission. Damit hofft er, die Mission von den „negativen Reaktionen“ zu befreien und ihr „die Würde zurückzugeben, die ihr zukommt“ (S.13-14).

Er versteht Mission nicht primär als Gehor­samsakt, der auf den sogenannten Missions­befehl des auferstandenen Christus in Mt. 28,18-20 zurückgeführt wird, sondern viel­mehr als „das Kirchesein“ der Jünger, das nach Mt. 5,13-14 in der „Gründungsurkunde der Kirche“ beruht. „Jesus spricht den Jüngern das Kirchesein zu. Es ist ein Geschenk“, und daher frei. „Die Jünger sind 'das Salz der Erde', sie sind 'das Licht der Welt'„ (S.17). In „Salz“ und „Licht“ sieht der Verfasser sowohl „die zentrifugale Dimension der Kirche“ als auch ihre „zentripetale Funktion“ versinn­bildlicht (S.18,19). Wie Salz und Licht nur für andere da sind und zur Freiheit führen „so besteht Freiheit nur in Relation zum Anderen. Sie verwirklicht sich so, dass andere durch sie frei werden. Freiheit ist immer missionarisch“ (S.21). Demzufolge besteht das Herzstück der Mission mehr im Sein als im Tun. An diesem Punkt fordert der Verfasser Leserinnen und Leser auf, das Missionsverständnis als ge­schenkte Freiheit sorgfältig „durchzubuch-stabieren“ (S.21): Dabei spielen die unter schiedlichen Interpretationen des Missio dei-Begriffs in der heutigen Diskussion evange-likaler und ökumenischer Missionstheologie (S.31ff.), sowie „missionstheologische Aspek­te“ der Moltmannschen „Theologie der Hoff­nung“ (S.59-74) eine zentrale Rolle. Der zweite Teil des Buches ist dem prak­tischen Bereich gewidmet. Hier greift der Ver­fasser auf Texte und Referate zurück, die er sonstwo veröffentlicht oder vorgetragen hat. Ihre besondere Bedeutung liegt im inhalt­lichen Charakter der einzelnen Gegenstände, die ein breites Spektrum abdecken, wie es Teilnehmer an Missionssymposien und ähn­lichen Tagungen erwarten. Dazu gehören u.a. herausfordernde Themen wie „Verstehen und Übersetzen als Grundproblem missionarischer Existenz“ (S. 77-104); „Heil und Heilung“ (125-139); „Kulturelle Sensibilität und Kreuzestheologie“ (169-192). Im letzten Teil, „Mission im Dialog“, werden im Rahmen von Theologie und Religions­geschichte aktuelle Themen wie „Das Chris­tentum im Spiegel anderer Religionen“ (S. 195-227) und „Zusammenleben mit Menschen verschiedener Religionen und Kulturen“ (265­-295) behandelt. Sundermeier schlussfolgert, dass „Mission, Dialog [und] Konvivenz“ zu­sammengehören, und dass der Dialog nur im Zusammenleben geschieht und missio­narisches Zeugnis möglich ist (271). Wer bereit ist, Mission – Geschenk der Frei­heit „durchzubuchstabieren“ kann Bausteine für eine Theologie der Mission entdecken.

Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2007-3.

T’ien Ju K’ang. Peaks of Faith. Protestant Mission in Revolutionary China. Leiden: Brill, 1993.

Hinter diesem Titel verbirgt sich eine brillante Studie über die Geschichte der protestantischen Mission unter sieben Völkern im Süden Chinas (Miao, Yi, Lahu, Wa, Lisu, Hani, Jingpo/ Karen). Den Rahmen dieser bis in die gegen­wärtige Situation der dortigen Kirche reichen­den Studie bildet eine Beschreibung der geo­graphischen und geschichtlichen Situation der Völker Südchinas.

In der gelungenen Kombination von zahlrei­chen konkreten Beispielen aus der Mission und ihrer Analyse anhand der ethnologischen, sozialen, politischen und geographischen Ver­hältnisse unter den Völkern in der Provinz Yünnan wird der Leser in den aufopfernden Dienst der Missionare und einheimischen Christen mit hineingenommen.

Die genaue Analyse der Erfolge und Mißer­folge in den knapp 100 Jahren der Missionsge­schichte führten den Autor zu konkreten Anre­gungen für weitere evangelistische Bemühun­gen zum Aufbau der Kirche unter den Völkern Südchinas. Neben der offen anklingenden Freude über die Ausbreitung des Evangeliums dürfen aber auch die Warnungen des Autors nicht überhört werden. Anhand vieler histori­scher Beispiele wird sehr deutlich gezeigt, an welchen Punkten Gefahren für die Entwicklung der aufblühenden Kirchen lauern.

Der Autor, Tien Ju-K’ang (Tian Jukang) gilt im In- und Ausland als einer der berühmtesten Gesellschaftswissenschaftler der Volksrepublik China. Er ist Professor für Geschichte und der Direktor der Fakultät für Gesellschafts­wissenschaften an der Fudan-Universität von Shanghai. Tiens genaue Kenntnisse der behan­delten Völker, seine monatelangen Reisen durch die abgelegenen Regionen der Völker Südchinas, persönliche Erfahrungen mit den Christen in diesen Regionen und eine Fülle an hochwertigem chinesischen Material verarbei­tet er unter starker innerer Beteiligung in dieser missiologischen Studie. Sie ist ein beach­tenswertes Beispiel dafür, mit welcher Selbst­verständlichkeit missiologische Forschungen bekennender Christen in der Volksrepublik China ihren Platz innerhalb der akademischen Gesellschaftswissenschaften gefunden haben.

Eine klare Gliederung der vielen thematisch aufgebauten Kapitel, eine Fülle an Tabellen und Graphiken machen das Buch zu einem wertvollen Handbuch über die behandelten Völker.

Die Ergebnisse von Tiens Analyse der Mis­sion und Entwicklung der Kirche unter den Völ­kern Chinas sind aber durchaus auch auf andere Völker Südost- und Ostasiens zu übertragen. Daher sollte jeder Christ, der ein Anliegen oder eine Verantwortung für Ost- oder Südostasien hat, dieses Buch sehr genau studieren und diese einmalige Gelegenheit nutzen, Gedanken und Anregungen zur Mission aus der Sicht eines einheimischen Fachmannes zu erhalten.

Stefan Müller, em 1995-4.

Tang, Edmond und Jean Paul Wiest (Hg.). The Catholic Church in Modern China. Perspectives. Maryknoll: Orbis, 1993.

Durch eine jahrhundertelange isolierte Ent­wicklung der katholischen Kirche in China ist dort eine Form von Kirche entstanden, die mit dem, was im Westen als katholische Kirche bekannt ist, kaum noch etwas zu tun hat. Leider fehlt jedoch in diesem Sammelband von 17 Aufsätzen hochqualifizierter katholischer Chinaexperten und chinesischer Geistlicher eine grundlegende Aufklärung darüber, was „katholische Kirche“ in China bedeutet.

Dafür gehen die Aufsätze sofort in eine Darstellung der römisch-katholischen Sicht zu den katholischen Kirchen in der Volksrepublik China über. Die drei Teile des Bandes behan­deln die Entwicklung des Verhältnisses der katholischen Kirchen zum chinesischen Staat seit 1949, das Recht einer von der Autorität des Papstes unabhängigen, chinesisch-katholischen Kirche neben der papsttreuen römisch-katholi­schen Kirche und Zukunftsperspektiven für die katholische Kirche in China.

Auf wissenschaftlich sehr hohem Niveau wird die alte Frage des Verhältnisses der römisch-katholischen Kirche zur papstfreien chinesisch-katholischen Kirche verhandelt. Dabei stehen die strukturellen und organisato­rischen Entwicklungen der katholischen Grup­pen in China im Mittelpunkt, ihre Theologie bleibt völlig außerhalb des Blickfeldes.

Interessant sind im Zusammenhang dieses Sammelbandes dennoch einige Aufsätze, die sich mit der Inkulturation und den Chancen des spezifisch Chinesischen in der katholischen Kirche in China beschäftigen. Ihnen gelingt es, zumindest einige positiven Seiten der Entwick­lung einer chinesisch-katholischen Kirche zu würdigen und damit das Spektrum der in die­sem Buch vertretenen Positionen zu erweitern.

Stefan Müller, em 1995-4.

Thiede, Carsten Peter (Hg.). Bibelüberset­zung zwischen Inkulturation und Manipula­tion. Symposion des Deutschen Instituts für Bildung und Wissen vom 2. bis 4. Juni 1993 in Pader­born. Paderborn: Deutsches Institut für Bildung und Wissen 1993.

Vorliegender Band versteht sich als ‚Beitrag zur Diskussion’, und das leistet er auch. Theo­logen, Linguisten und Altphilologen zweiein­halb Tage im Gespräch über Bibelübersetzung im allgemeinen und deren theoretische Grund­lage im besonderen. Einleitend kommen neben den Theologen K. Haacker und H. Riesenfeld die Linguisten Th. Bearth, A. Findeisen und A. Holzhausen in Form von Arbeitspapieren zu Wort. Im Anschluß werden vier Gesprächsrun­den als Tonbandnachschrift geboten. Es geht um die Frage der Inkulturation, also um das Problem, die jahrtausendealte von jüdischer Kultur geprägte Botschaft in andere Kulturen umzusetzen. Während die in der Feldarbeit ste­henden Bibelübersetzer sich zum Fürsprecher der Zielgruppen machen, heben die Philologen im Gespäch immer wieder auf die Ausgangs­sprachen ab. Im Blick auf konkrete Überset­zungsprobleme im AT wie NT werden zahlrei­che Einzelbeispiele erörtert. Zuletzt steht noch einmal die Diskussion um Nida/Taber im Mit­telpunkt und die Überzeugung von der Not­wendigkeit eines ‚Übersetzungspluralismus’.

Das Buch zeigt, ohne es zu wollen, die noch immer tiefe Kluft zwischen Altphilologie und moderner Linguistik. Aber gerade darin liegt auch die Stärke. Ungeschminkt treffen die un­terschiedlichen Ansätze aufeinander. Hier die vom Linguisten geforderte ‚pragmatische Äquivalenz’ als Kriterium einer guten Überset­zung und dort die sog. Intuition des Altphilolo­gen. Hätte die ‚Missionssituation’ mehr im Mittelpunkt gestanden, bzw. die säkularisierte Gesellschaft, wären die (lediglich) mit Revi­sionen innerhalb des europäischen Sprach­raums tätigen Altphilologen deutlicher heraus­gefordert gewesen, sich den brennenden Fragen der ‚cross-cultural-communication’ zu stellen. Nichtsdestotrotz: das Buch selbst ist eine wichtige Standortanalyse.

Ralf Richter, em 1996-1.

Thomas, Norman E. (Hg.). Classic Texts in Mission and World Christianity. Maryknoll: Orbis Books, 1995.

Dieser Textband ist als Ergänzungsband (Reader’s Companion) zu David Boschs Missionstheolo­gie „Transforming Mission“ ge­dacht. Ursprünglich wollte Bosch ein zweibän­diges Werk mit etlichen historischen Quellen herausbringen. Da dies seitens der Verleger nicht möglich war, entschloß sich Norman E. Thomas zur Herausgabe eines eigenen Quel­lenbandes, der sich an der Kapiteleinteilung von Boschs Werk orientiert. Jedem Kapitel und jedem Dokument ist eine Ein­leitung des Her­ausgebers vorangestellt. Auszüge aus Doku­menten verschiedener ökumenischer Konferen­zen und des Vaticanums II stehen neben Theologen der verschiedensten Strömungen. Auch evangelikale Stimmen sind berücksichtigt. Damit liegt eine eindrückliche Sammlung vor, die neben nordaltlantischen Autoren auch eine ganze Reihe von Theologen aus der südlichen Hemisphäre zu Wort kom­men läßt. Jeder, der mit Boschs Missionstheo­logie arbeit, wird auch gern zu dieser Samm­lung greifen, die eine gute „literarische Illu­stration“ zur Darstellung Boschs bietet. Ein Arbeitsbuch zur Missionsgeschichte und -theologie!

Dr. Johannes Triebel, em 1999-4.

Thomas, Norman. Readings in World Mis­sion. London: SPCK, 1995.

Hedlund, Roger E. Roots of the Great Debate in Mission. Mission in Historical and Theological Perspective. Bangalore: Theolo­gical Book, 19932.

Bei beiden Büchern handelt es sich um Quellensammlungen. ‘Readings in Worldmis­sion’ ist der ergänzende Band zu David J. Boschs missionstheologischem Monumental­werk ‘Transforming Mission’. Das parallele Le­sen beider Bücher bietet sich daher an. Neben historischen Texten von Diognet bis hin zu John R. Mott findet der Leser die wesentlichen Texte missionstheologischer Diskussion des 20. Jahrhunderts. Besonders hilfreich ist dabei die in Anlehnung an Bosch systematische An­ordnung der Quellen nach Stichworten, z. B. ‘Mission als Kirche für andere’ oder ‘Mission als Evangelisation’. In Kombination mit ‘Transforming Mission’ erhält der Leser ein profundes Wissen über die missionstheologi­schen Entwicklungen von der Zeit Jesu bis zum Ende des 20. Jahrhunderts und Einblick in we­sentliche Dokumente der verschiedenen Epo­chen. Für den deutschen Leser bemerkenswert ist die Berücksichtigung von reformatorischen und pietistischen Texten. Wer jedoch beson­ders nach evangelikalen Texten sucht, wird ein wenig enttäuscht sein. Hier bietet sich für das 20. Jahrhundert Hedlunds Buch als Ergänzung an. Von New York 1900 bis Canberra 1989 hat Hedlund die wichtigsten ökumeni­schen, katho­lischen, evangelikalen und charis­matischen Dokumente und Veröffentli­chungen zusammengestellt. Dabei geht Hedlunds Werk weit über eine einfache Quellensammlung hin­aus, da er wichtige Zusatzinformationen über das Zustandekommen der Texte gibt. Damit erhält der Leser einen guten Einblick in die Abläufe der verschiedenen Konferenzen und Diskussionen. Hier und da wäre eine gründli­chere theologische Auseinandersetzung hilf­reich gewesen. Ob dies allerdings in der gebo­tenen Kürze zu leisten ist, ist zu bezwei­feln. Die ausführliche Bibliographie bietet je­denfalls genug Anregungen zum Weiterstu­dium.

Martin Reppenhagen, em 1997-4.

Thompson, T. Jack. Christianity in Northern Malawi. Donald Fraser’s Missionary Me­thods and Ngoni Culture. Leiden/New York/Köln: Brill, 1995.

Malawi ist als ursprünglich pres­by­teria­nisch/reformiertes Missionsgebiet für den deutschsprachingen Raum als Missionsland weniger wichtig. Aber die Kirchengeschichte Malawis, eines Staates dessen heutige Grenzen (wenn nicht sogar seine politische Existenz) auf die Church of Scotland Mission (Blantyre Mission) zurückgeht, hat dem Missiologen zu Fragen der Missionsmethode und zu Fragen des Verhältnisses Kirche und Staat viel zu bie­ten, und sie ist auch – besonders von Schotten – gut erforscht worden.

Jack Thompson’s Buch ist eine Frucht sol­cher Forschung. Es stellt einen der bedeutend­sten frühen Missionare der Livingstonia Mis­sion der Free Church of Scotland vor, der als einer der Pioniere unter den kriegerischen Ngoni im Norden Malawis arbeitete. Unter Frasers Leitung kam es um 1898 (bis etwa 1910) unter den Ngoni zu einer großen Erwek­kung mit Versammlungen von Tausenden von Teilnehmern, die u. a. zu einer bedeutenden missionarischen Bewegung nach Zambia hin­ein führte. Die Erweckung knüpfte in vielen ih­rer Formen an die traditionelle Kultur der Ngoni an, zB. hatten die großen „Conventions“ (88ff) manche Ähnlichkeit mit dem traditio­nellen Fest der Erstlingsfrüchte (incwala). Für die Missiologen besonders interessant bei die­ser Erweckung sind die prägenden Kräfte der Keswick-Bewegung, deren Einfluß nicht nur auf die Glaubensmissionen, sondern auch auf die klassischen Missionen groß war.

Das Buch kann dem Leser, der sich mit dem Verhältnis des Evangeliums zur afrikani­schen Kultur beschäftigt, gute Anregungen bieten: Fraser ließ sich tief auf die Ngoni Kul­tur ein (1935 wurde er wie ein Häuptling im Viehkraal bestattet), verband dies mit der un­konventionellen Theologie der Heiligungsbe­wegung und blieb dabei noch ein richtiger Presbyterianer.

Thompson leistet auch einen guten Beitrag zur Diskussion über das Verhältnis zwischen Kolonialismus und Mission. Die Livingstonia Mission begann in Malawi 1875, über zehn Jahre vor dem Beginn der britischen Kolonial­herrschaft. Sie half den Ngoni auf der einen Seite, länger unabhängig zu bleiben, auf der anderen Seite ermöglichte sie, den Übergang zur Kolo­nialherrschaft (friedlich) zu bewälti­gen.

Das Buch ist sehr gut lesbar und zeichnet sich durch sorgfältige Analyse und treffende Darstellung aus. Die Ausstattung entspricht dem Preis.

Thompson schreibt, daß Frasers Frau, wie viele Missionarsfrauen ihrer Zeit, für ihre Ar­beit viel zu wenig Anerkennung erhielten. Das ist wahr. Thompson selbst erwähnt Frau Dr. Agnes Fraser, „eine sehr fähige und eigenstän­dige Frau“, nur viermal, und davon dreimal als Witwe!

Dr. Klaus Fiedler, em 1996-4.

Thune, Sabine. Ernst Jakob Christoffel: Ein Leben im Dienst Jesu. Evangelium und Islam, Band 3. Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft (VTR), 2007.

Die Serie „Evanglium und Islam“ möchte einen Beitrag leisten zur Erforschung der Begegnung zwischen biblischer Verkündigung und islami­schem Glauben. Der nun erschienene Band 3 dieser Serie widmet sich der Person Ernst Jakob Christoffels. Bekannt sein dürfte er vor allem als Gründer der heutigen Christoffel-Blindenmission in Bensheim, einem der führenden Christ­lichen international tätigen Werke für Menschen mit Behinderungen.

Während dieses Werk heute weithin bekannt ist, kennen vermutlich nur Wenige das missionari­sche Umfeld, aus dem heraus Ernst Jakob Chris­toffel seine Arbeit begonnen hat: Die deutsch­sprachige evangelische Armenierhilfe. Bis heute ist diese Bewegung in Deutschland in ihrer Bedeutung weder erkannt noch hinreichend gewürdigt worden, vor allem in ihrer Funktion als Vorbild für viele spätere Entwicklungen auf dem Gebiet international tätiger Hilfswerke und Menschenrechtsorganisationen. Was heute zu wenig bekannt ist: Auch auf diesem Gebiet waren die damals „Frommen im Lande“ wesent­liche Vorkämpfer und Impulsgeber; denn es waren bewusste Christen, die damals als erste und mit dem größten Engagement auf die Armenier-Massaker in der Türkei, den „ersten Genozid des 20. Jahrhunderts“, reagierten. Die von Christoffel gegründete Christliche Blin-denmission im Orient (1908) kann deshalb ursprünglich als „jüngere Schwester“ neben Ernst Lohmanns Christlichem Hilfsbund im Orient (1896) und Johannes Lepsius Deutscher Orient-Mission (1895/1900) betrachtet werden. Gleichzeitig gehören diese Werke gewisser­maßen als Untergruppe zu der größeren Gruppe der neuen deutschen „Orientmissionswerke“, die um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert entstanden sind (Evang. Karmelmission, Sudan­Pionier-Mission u.a.).

Auch diese Geschichte der deutschsprachigen evangelischen Missionsarbeit im Nahen Osten ist heute zu wenig bekannt. Wer weiß beispielsweise, dass in Malatia, der durch die grausame Ermordung dreier evangelischer Christen jetzt in der Missionswelt bekannt gewordenen Stadt in der Süd-Ost-Türkei, eine deutsche Hilfs- und Missionsstation existierte, an der auch schon damals deutsche Missions­mitarbeiter ihr Leben ließen (Christoffels Nichte Hildegard Schuler starb 1918 im Alter von 22 Jahren an Blutvergiftung). Sabine Thüne, die fast 20 Jahre als Bild-dokumentarin der Christoffel-Blindenmission arbeitete, bietet in der von ihr vorgelegten Arbeit eine Fülle von solchen Hintergrund­informationen. Zunächst stellt sie in sieben Kapiteln Leben und Wirken von Ernst Jakob Christoffel dar. Dabei wird deutlich, dass Ernst Jakob Christoffel in die vorderste Reihe der deutschen Missionspioniere gehört - nicht umsonst wurde ihm als erstem evangelischen Missionar das Bundesverdienstkreuz verliehen. Im Anschluss an jedes Kapitel finden sich zahlreiche Textanhänge, in denen bisher unver­öffentlichte Briefe und Texte des Missionars, Auszüge aus gedruckten Publikationen der Blindenmission, aber auch zahlreiche Doku­mente aus anderen Archiven und Abschnitte aus relevanter Sekundärliteratur zu finden sind; zudem sind jedem Kapitel noch einige interes­sante Bilddokumente beigegeben. An die sieben biographischen Kapitel schließen sich dann nochmals fünf thematische Kapitel an, etwa zum Thema „Blinde im Orient“ oder „Mission im Islam“. Ein Literatur- und Personenverzeichnis sowie eine Zeittafel runden das Buch ab. Außerdem ist dem Buch ein 17-seitiger Aufsatz von Dr. Christof Sauer in englischer Sprache beigegeben, der Leben und Wirken von Ernst Jakob Christoffel kurz zusammenfasst und auch einen Abschnitt über „Christoffels missiology and Christian mission among Muslims“ enthält. Somit bietet das Buch von Sabine Thüne beides: Sowohl einen guten, schnell überschaubaren und doch gründlichen Überblick über Leben und Werk von Ernst Jakob Christoffel, als auch vielfältige Zusatzinformationen (z.B. zu wei­teren Mitarbeitern und Personen aus Christoffels Umfeld), Literaturhinweise und Quellenaus­schnitte, die zum Weiterforschen in diesem Themenumfeld anregen. Wenn das Werk auch nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Forschungsarbeit für sich in Anspruch nimmt, so darf sein Wert für die missiologische Forschung nicht unterschätzt werden: Es könnte kaum eine bessere Grundlage und „Startrampe“ für eine akademische missiologische For­schungsarbeit über die Arbeit von Ernst Jakob Christoffel, sein Missionsverständnis oder etwa sein Verhältnis zum Islam (evtl. auch in Gegenüberstellung zu Johannes Lepsius oder Ernst Lohmann) geben, als diese gründliche Arbeit, die Sabine Thüne vorgelegt hat. So ist dem Werk nicht nur eine weite Verbrei­tung zu wünschen, sondern vor allem, dass es sich als Inspiration für weitere Forschungen in diesem Themenumfeld erweist.

Dr. Andreas Baumann, em 2007-4.

Tibi, Bassam. Im Schatten Allahs. Der Islam und die Menschenrechte. München: R. Piper, 1996 (erw. Tb.ausgabe).

Der international renommierte syrische Poli­tikwissenschaftler Bassam Tibi hat hier ein bemerkenswertes Buch zum Thema ‚Islam und Menschenrechte’ vorgelegt. Selbst Muslim und Bürger zweier Welten tritt er für eine Wei­terentwicklung des traditionellen Islam zu ei­nem ‚Euro-Islam’ ein, da – so seine These – nur ein aufgeklärter, von der Institution Staat ge­trennt existierender Islam eine durchgängige Beachtung der Menschenrechte garantieren kann. Zwar haben die meisten islamischen Länder Menschenrechtserklärungen unter­zeichnet, dulden oder betreiben jedoch gleich­zeitig die Verurteilung und Tötung von Apo­staten (vom Islam Abgefallenen). Überall dort nämlich, wo das islamische Gesetz (die sharia) Gültigkeit besitzt - sie sieht die Todesstrafe für Apostaten vor - werden automatisch Teile der Menschenrechtserklärungen zur Freiheit der Religionsausübung und Unantastbarkeit der Menschenwürde außer Kraft gesetzt. Nicht umsonst haben islamische Staaten daher stets betont, daß Menschenrechte nur insofern ge­währt werden könnten, wie sie nicht die Be­stimmungen der sharia berühren. Daher er­kennt Tibi für den an der sharia orietierten Is­lam der meisten islamischen Länder keinerlei Möglichkeit, wirkliche Fortschritte in der Men­schenrechtsfrage zu machen und beurteilt das Rechtsgutachten (fatwa) Khomeinis gegen Salman Rushdie als einen „Rückfall in die Steinzeit“ (S. 119). Nur durch eine – allerdings derzeit für ihn utopische – Reform des Islam hin zu einer Anerkennung von Werten, die nicht der sharia unterstehen, könnten diese Fortschritte s. E. erreicht werden.

Bassam Tibi hält jedoch nicht nur der isla­mischen Welt ihre Unfähigkeit zu Demokrati­sierung und zum Garant von individuellen Rechten vor. Gleichermaßen kritisiert er das heuchlerische Schweigen Europas im Bosnien-Konflikt. Wenn das freiheitsgewohnte Europa nicht bereit ist, seine einstmals erkämpfte De­mokratie und Freiheit zu verteidigen, so Bas­sam Tibi, wird es dem von Migranten und Flüchtlingen nach Europa im­portierten Funda­mentalismus hilflos gegen­überstehen. – Ein mutiges, persönliches, enga­giertes Buch, das trotz seiner zeitweisen Weit­schweifigkeit dem interessierten Leser wert­volle Einblicke und Anstöße vermittelt.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-4.

Tiplady, Richard. Postmission, World Mission by a Postmodern Generation. Carlisle, Cumbria: Paternoster Press, 2002.

Viele junge Missionare fühlen sich in den traditionellen Missionswerken nicht wohl. Warum ist das so und wie müssten Missionswerke sich entwickeln, damit sie der jungen Generation entsprechen? Eine Gruppe von 17 Personen der Generation X (definiert durch die Geburt zwischen 1965-1980), aus fünf verschiedenen Nationen, alle betraut mit verantwortlichen Aufgaben in der Weltmission, ging dieser Frage nach. Sie trafen sich für fünf Tage im März 2001, zu gemeinsamer Anbetung, gegenseitigem Zuhören, herausfordernder Diskussion, Essen, Beten und gemeinsamem Erleben.

Das Buch „Postmission“ ist ein Ergebnis dieses Projektes. Es fasst die wichtigsten Gedanken in einzelnen Artikeln zusammen und richtet sich sowohl an Missionsleiter also auch an junge Menschen der Generation X in traditionellen Missionswerken. Dabei zielt es zum einen darauf ab, Verständnis für die veränderte Weltsituation der Postmoderne und die Charakteristika der Generation X zu schaffen, zum anderen aber auch Anregungen zu geben, wie traditionelle Missionswerke verändert werden könnten, um den Anforderungen der neuen Zeit und den neuen Mitarbeitern (Generation X) besser zu entsprechen.

Im ersten Teil wird darauf eingegangen, wie sich die Generation X versteht, bzw. wie sie wahrgenommen werden will. Besonders wird erklärt, was den Menschen dieser Generation in Missionswerken Schwierig­keiten macht. Einen prominenten Platz nimmt dabei die Diskussion der Leitungsstile ein. Im zweiten Teil des Buches behandeln die Autoren Anfragen der Postmoderne an bestehende Organisationsstrukturen. Im dritten Teil werden Ansätze aufgezeigt, die traditionelle Missionswerke auf ihrem Weg zu postmodernen Strukturen helfen sollen. Das Buch ist gespickt mit hilfreichen Anregungen: z.B. Gedanken zur Veränderung von Leitungsstilen in Missionswerken, die grundsätzlich Ermutigung zu viel mehr Kommunikation zwischen Missionsleitung und Mitarbeitern, die Hervorhebung der Wertschätzung von Mitarbeitern, die neu begründete Betonung des Mentoring usw. Dabei hat es aber auch eine sehr deutliche Botschaft: Entweder passen sich die Missionswerke den Gegebenheiten der neuen Zeit an oder sie werden für die postmoderne Welt und ihre postmodernen Missionskandidaten (Generation X und folgende) irrelevant sein.

In seiner ganzen Aufmachung und Entstehung atmet „Postmission“ bereits postmoderne Luft. So lehnt sich die Bucheinteilung an Titel eines postmodernen Liedinterpreten an (REM, Michael Stripe). Der Inhalt des Buches wird von einem gleichberechtigten Autorenteam präsentiert. Die einzelnen Beiträge sind mal mehr, mal weniger durchzogen von der Kritik des Status Quo. Diese ist gepaart mit Frust, Zerbruch und Hoffnung auf Veränderung, um des Evangeliums für die postmoderne Welt willen. Man spürt den Autoren eine Leidenschaft und einen Willen nach vorne ab. Ihr Sendungsbewusstsein für die Menschen ihrer Zeit und der folgenden Generationen lässt sie mutig und selbstkritisch auf die traditionellen Missionswerke zugehen.

Dieses Buch ist ein Muss für Kandidatensekretäre, Feldleiter und alle, die in Missionswerken leitende Verantwortung tragen und/ oder mit der neuen Generation Kontakt haben. Bei der Lektüre darf man sich jedoch nicht von den bereits erwähnten postmodernen Ausdrucksformen abhalten lassen, die vielen positiven Ansätze wahrzunehmen und die eigene Position hinterfragen zu lassen.

Hans Walter Ritter, em 2003-4.

Torjesen, Edvard P. A Study of Fredrik Franson: The Development and Impact of his Ecclesiology, Missiology and Worldwide Evangelism. University Microfilms Inter­national, Ann Arbor, London, 1984.

Er gründete mehr als ein Dutzend Missio­nen und Kirchen in Amerika und Europa, davon drei im deutschsprachigen Raum, und alle existieren heute noch. Trotzdem gehört Franson eher zu den großen Un­bekannten der Missionsgeschichte. Aus der skandinavischen Erweckung kommend schloß sich Franson der interdenominationellen Gemeinde Moodys in Chicago an und begann seinen weltweiten evangelisti
schen Dienst. Sein Leben lang blieb er die­sem Auftrag treu, zuerst in der Heimat­mission in USA und in Skandinavien, außer­dem in der Werbung für die Außenmission (besonders für China, unter dem Einfluß von Hudson Taylor) und zuletzt auch als Evangelist in den Missionsgebieten. Zudem war er ein bedeutender Lehrer der prophe­tischen Botschaft der Bibel.

Überall war sein Dienst inter-denominationell, und doch leistete er einen wesentlichen Beitrag zum Thema der Ekkesiologie, das heute in den inter-denominationellen Mis­sionen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Im deutschsprachigen Raum (S.370-393) beeinflußte Franson besonders die Freien evangelischen Gemeinden und die Gemein­schaftsbewegung (Allianz Mission Barmen, Deutscher Gemeinschaftsdiakonieverband, Schweizer Allianz Mission).

Der Autor ist Missionar von TEAM (The Evangelical Alliance Mission) USA, zur Zeit Repräsentant von TEAM in Nordeuropa. (In Deutschland arbeiten TEAM und die DMG zusammen.)

Das besprochene Buch ist das Ergebnis von 12 Jahren Arbeit, wovon 10 Jahre der Ma­terialsammlung in ebensovielen Ländern ge­widmet waren. Torjesens Sprachkenntnisse (nur Armenisch und Finnisch beherrscht er nicht!) ermöglichten ihm den Zugang zu den Primärquellen, auf denen seine Darstellung ausschließlich beruht. Das Buch ist eine ausgezeichnete Forschungsarbeit. So wie Torjesen es hier tat, müßten noch eine gan­ze Reihe von Themen evangelikaler Mis­sionsgeschichte erfaßt werden.

Klaus Fiedler, em 1986-1.

Towery, Britt. Christen in China. Oncken Wuppertal/Kassel 1987.

Dieses Buch, ur­sprünglich 1986 in Hongkong erschienen als „The Churches of China: Taking Root Downward, Bearing Fruit Upward”, gibt in verschiedenen Kapiteln Einblicke in die Geschichte und Gegenwart der Kirche in China und will dazu beitragen, die Entwick­lungen dort, die ja nicht nur die Missiologen sehr überrascht haben, verständlich zu ma­chen. Und falls Sie einmal nach China rei­sen wollen, so finden Sie auf S. 140-166 auch die wichtigsten kirchlichen Adressen in den 29 Provinzen, Stadtgemeinden und autonomen Regionen Chinas.

Em 1988-2.

Troeger, Eberhard. Kreuz und Halbmond. Was Christen vom Islam wissen sollten. Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1996.

Der Leiter der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten (EMO) Eber­hard Troeger legt hier die stark überarbeitete und erweiterte Neu­auflage seines 1981 veröffentlichten Buches „Islam im Aufbruch – Islam in der Krise?“ vor. Diese Neuauflage zielt nicht in erster Linie auf eine chro­nologische Darstellung der islami­schen Geschichte oder auf eine syste­matische Darstellung der koranischen Dogmatik, obwohl diese Themen auch angesprochen werden. Vielmehr beleuchtet der Autor schlaglichtar­tig die islamische Vergangenheit und Gegenwart, sowie querschnittartig diejenigen Fragen, die die islamische Lebenswirklichkeit ausmachen wie z B. das Menschenbild des Islam, Frauen und Männer in der islamischen Welt, der Hei­lige Krieg oder die Ausbreitung des Islam. Da­durch wird dem Leser deutlich, daß „Islam“ eben nicht nur die bloße Zugehörigkeit zu einer Religion bedeutet, sondern Dog­matik, Ethik, Geschichte, Po­litik, Volksislam und Mystik zugleich umfaßt. Der Autor bleibt jedoch nicht bei der Dar­stellung des Islam stehen, sondern nimmt sachkundige Beurteilungen aus bibli­scher Sicht vor. Der Leser erhält damit zugleich Anknüpfungspunkte für die missiona­rische Begegnung mit Muslimen, wenn es etwa um die fehlende Heilsgewissheit im Islam oder die Ablehnung des Kreuzestodes Jesu und sei­nes Erlösungshandelns im Islam geht.

Leider sind in der Literaturliste aufgrund der ungewöhnlichen Anord­nung gesuchte Titel nicht ganz leicht auffindbar: Die Titel sind nämlich nicht alphabetisch nach dem Nachna­men des Autors angeordnet, sondern nach dem jeweiligen Erscheinungs­jahr des Buches. Hilfreich da­gegen ist das ausführliche Re­gister und dies insbesondere aufgrund der Quer­schnittstruktur des Buches. Das Buch ist unbe­dingte Pflichtlektüre für jeden Christen, der den Islam im In- und Ausland besser ver­stehen möchte.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-3.

Tucker, Ruth A. Bis an die Enden der Erde: Missionsgeschichte in Biographien. Metzin­gen: Ernst Franz Verlag, 1996.

Ruth A. Tuckers Standardwerk zur Missions­geschichte ‚From Jerusa­lem to Irian Jaya’, das 1994 in 17. Auflage erschien, liegt nun endlich auf Deutsch vor. Das Original beschreibt die Missionsgeschichte anhand von 100 Biogra­phien von Missionaren und Missionsförderern von Paulus bis heute, wobei der Schwerpunkt beim 17. bis 20. Jahrhundert liegt. Karl Renn­stich hat die deutsche Ausgabe bearbeitet und dazu leider ca. 40 Biographien gestrichen, wo­bei nicht zu erkennen ist, nach welchem Prin­zip die Auswahl erfolgte. Stattdessen hat Renn­stich das Werk um 15 Bio­graphien meist deutschsprachiger Missionare ergänzt, wobei diese Ausar­beitungen qualitätsmäßig ausge­zeichnet sind und meist weit mehr Fakten ver­arbeiten, als die oft erzählend dargebotenen Beiträge von Ruth Tucker selbst. Auch diese deutschen Biographien sind nicht vor allem reprä­sentativ ausgewählt, sondern entstammen meist dem Umfeld der Basler Mission, der Rennstich verbunden ist. Eine theologische Wertung der dar­gestellten Personen wird kaum vorgenom­men, weswegen auch umstrittene Personen wie Paul Yonggi Cho, der zu­dem wohl kaum als Missionar ein­zustufen ist, auf­genommen wurden, wobei erstaunlicherweise Tucker we­nige Seiten später in Bezug auf Ko­rea, aber ohne Bezug auf Cho, vor einer „Schamanisierung des Christentums“ (S. 411-412) in Korea warnt. Kurzum: ein wichtiges, weil konkurrenzloses Buch zur Missionsge­schichte, auch wenn die Auswahl der Missio­nare ver­besserungswürdig ist. Ein von Christof Sauer erarbeitetes kommentiertes ausführliches Litera­turverzeichnis ist für jeden, der sich für Missionsge­schichte interessiert, ein ausge­zeichneter Einstieg in die große Flut der Lite­ratur zum Thema.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-1.

Tucker, Ruth A. From Jerusalem to Irian Jaya. Academic Books, Zondervan Publi­shing House, Grand Rapids (Michigan), 1983.

In 5 Teilen und auf knapp 500 Seiten um­reißt die Autorin ihr Anliegen einer ,,2000 Jahre langen Fortsetzung der Apostelge­schichte“. Die fünf Teile sind betitelt: Das unwiderstehliche Vordringen (Römerreich, Christianisierung, Herrnhuter Brüdergemeine, frühe Mission unter Indianern Nordamerikas). Das „große Jahrhundert“ (Mission im 19. Jhdt.: Südliches Asien, Schwarz­afrika, Fernost, Pazifik). Das zunehmende Engagement (die ledige Missionarin, die „Studenten-Frei­willigen“, die Glaubensmissionen). Der Ruf nach dem Spezialisten (Arzt, Bibelübersetzer, Radiotechniker, Pilot in der Mission). Der Drang zur Nationalisierung (Mär­tyrer im 20. Jhdt., Sendboten von Kirchen in der Dritten Welt, neue Strategien). Es ist Ruth Tucker gelungen, die Fülle des Stoffs klar und gut überschaubar anzu­ordnen. Dies im besonderen dank ihrer Gabe, die menschliche Seite des Missions­unternehmens in mancher fesselnden Dar­stellung hervorzuheben. Die eine Seite bleibt das Bewußtsein der heiligen Beru­fung durch den Herrn der Ernte; die andere Seite, die in diesem Buch erfrischend reali­stisch zum Ausdruck kommt, ist der Aspekt der Weitergabe des Evangeliums in Raum und Zeit, in zahlreichen menschlichen (manchmal allzu menschlichen) Einzel­zügen. Ein bedeutsamer Schwerpunkt in manchen der Lebensbilder ist die Dimension der Ehe und der Familie, die oft ergreifend und manchmal erschütternd angesprochen wird. Als Frau hat Ruth Tucker diesen in den herkömmlichen Biographien gerade der „großen“ Männer Gottes oft übergangenen Aspekt gebührend hervorgehoben. In manch einer feinen, bald humorvollen, bald ernsten Schilderung begegnen uns auch die Kämpfe und die Siege der unverheirateten Dienerin Gottes. Hier liegt zweifellos die besondere Stärke dieser Darstellung. Sprache und Stil sind lebhaft und zeitge­mäß; das Buch ist auch Lesern, die sich auf ihr Schulenglisch verlassen müssen, gut zugänglich.

Susanne Mayer, em 1985-1

Tucker, Ruth A. und Walter L. Liefeid. Daughters of the Church, Women and Ministry from New Testament Times to the Present. Academic Books, Zondervan Pub­lishing House, Michigan.

Von dem Volumen und der Aufstellung her eher ein Nachschlagewerk, entwickelt sich das Buch bald zur faszinierenden Lektüre, wobei die Autoren nicht vom feministischen Aspekt ausgehen, sondern bemüht sind, das biblische Verständnis der Frau hervorzu­heben. Von der neutestamentlichen Zeit bis hin zur Gegenwart wird die durchaus be­deutsame Rolle der Frau in Kirchen- und Missionsgeschichte beschrieben. Die Be­wertung der Frau im christlichen Dienst wurde bislang in den Hintergrund gestellt, obwohl die Nachforschungen deutlich ma­chen, daß gerade Frauen eine Pionierstel­lung eingenommen haben. Diese Tatsache läßt die Autoren nicht nur die kulturellen Faktoren, sondern auch den Trend bibli­scher Exegese der verschiedenen Zeitab­schnitte untersuchen, inwieweit sie die Rol­le der Frau beeinflußten.

Besonders die frühe Kirche besaß einen großen Reichtum an einflußreichen Frauen, deren Einsatz meistens unterschätzt und sehr oft unterdrückt wurde. Der Kampf um Anerkennung der Frau im Dienst der Kirche begleitet die Geschichte bis hin zu den An­fängen der Mission. Bedeutende Frauen wie Susanna Wesley, um nur eine von vie­len zu erwähnen, spielten während der Erweckungsbewegungen im 18. und 19. Jahr­hundert eine große Rolle, doch geschah ihr Einsatz meistens im Hintergrund, indem sie Gebetstreffen in ihren Häusern organisier­ten und persönlich evangelisierten. Nach Auffassung der damaligen Theologen hatte eine Frau in der Gemeinde immer noch zu schweigen. Trotzdem zeichnet sich das 19. Jahrhundert dadurch aus, das sich mehr Frauen die Freiheit nehmen, öffentlich zu predigen. Von einigen Ausnahmen abgese­hen, wurden sie jedoch von der damaligen Zeit als Sektierer betrachtet.

Erst das weite Feld der Außenmission bot Frauen unvergleichliche Gegelenheiten zu erfüllendem Dienst, was nach Ansicht der Autoren selbst in den bedeutenden Missionsgeschichtswerken von Latourette und Neill kaum erwähnt und gewürdigt wird. Umso mehr bemühen sich Tucker und Lie­feid, die Verdienste der Frauen in der Mis­sion hervorzuheben, deren Tätigkeitsfeld von Evangelisation und Gemeindebau bis hin zur Bibelübersetzung und zum Unter­richt an Theologischen Seminaren reicht.

Bei dem Versuch, die wichtigsten Frauen der Missionsgeschichte zu erfassen, haben sich die Autoren offensichtlich nicht immer an Primärquellen gehalten. So wird Priscilla Studd, um ein Beispiel zu nennen, neben Mary Livingstone als eine von vielen Mis­sionarsfrauen erwähnt, deren Männer sie krank und untauglich in der Heimat zurück­ließen. Was nicht berichtet wird, ist die Tat­sache, daß CT. Studd seine Frau ermutigte, im Glauben vom Krankenlager aufzustehen,
um die Arbeit in der Heimat aufzubauen. Priscilla Studd ist es zu verdanken, daß WEC International nicht nur in England, sondern weltweit bekannt wurde. Sie hat mit fester Hand die Organisation bis nach Amerika vorwärtsgetrieben und den WEC auch in Australien und Neuseeland eta­bliert. Trotz aller Verdienste in der Mis­sion galt die allgemeine Überzeugung, daß Frauen Gottes zweite Wahl sind und Män­ner allemal den Vorrang haben, sofern sie sich von Gott in den Dienst rufen lassen.

Auch leitende Frauen der Dritte-Welt-Kir­chen finden Erwähnung als solche, die west­liche Missionarinnen zum Vorbild hatten und in ihren Diensten wesentlich durch sie geprägt wurden. Nicht zuletzt werden Frauen der gegenwärtigen Zeit aufgeführt und in den Kontext der verschiedenen Strö­mungen mit ihren unterschiedlichen Ansich­ten gestellt.

Ein Anhang mit theologisch hermeneutischen Erörterungen, dem Versuch einer Exegese zum Thema und der Frage nach Ordination und Autorität der Frau in der Gemeinde beschließt das Buch.

Die Autoren beanspruchen nicht, die um­fassende Geschichte der Frau in der Kirche erfaßt zu haben. Dennoch ist es ihnen durchaus gelungen, einen guten Gesamt­überblick zu geben.

Christel Meyer, em 1990-1.

Tworuschka, Monika und Udo. Kleines Lexikon Islam. Christen begegnen Mus­limen. Konstanz: Christliche Verlagsanstalt, 1992.

Die Autoren, eine Islamwissenschaftlerin und ein Theologe, beklagen zu Recht die ober­flächlichen und teilweise falschen Informatio­nen der Medien über den Islam. So ist das Buch als Gegengewicht dazu gedacht, als Instrument des Dialogs, um Christen unter 121 Stichworten ein besseres und sympathischeresVerständnis des Islams zu vermitteln. Dennoch nehmen die Autoren hin und wieder Wertungen vor, die sich weniger gegen den Islam richten (Ausnahme: das Todesurteil über Salman Rushdie beurteilen sie als etwas „Ungeheuerli­ches“, S.17) als gegen das Christentum: So sind sie zum Beispiel der Ansicht, der christli­che Fundamentalismus lehne pauschal die „Er­gebnisse der modernen Wissenschaft“ in Tech­nologie und Ökonomie ab (S.46/47). Ferner urteilen die Autoren, daß im Christentum im Zusammenhang mit der Lehre von der Erbsün­de eine „parallel einhergehende(r) Verunglim­pfung der Sexualität“ zu finden sei (S.91). Aussagen des Korans wie etwa die Anweisung an Ehemänner, ungehorsame Ehefrauen erst zurechtzuweisen und dann zu schlagen (Sure 4,34), werden unter dem Stichwort „Ehe“ da­gegen nicht erwähnt.

Eine Auswahl an Stichworten in einem Lexikon muß immer bis zu einem gewissen Grad willkürlich sein. Unklar bleibt etwa, warum nur wenigen Personen wie Gamal ad-Din al-Afgani ein Abschnitt gewidmet wurde, nicht jedoch großen und einflußreichen islami­schen Denkern wie al-Ghazali oder at-Tabari. Einige Ausführungen scheinen angesichts der Brisanz der Themen etwas kurz gekommen zu sein wie etwa die Artikel „Glaubensbekennt­nis“, „al-Azhar“ oder der Artikel „Muslimbrü­der“, der nur 6 Zeilen umfaßt. Im letzten Fall hätte man etwa auf die Auseinandersetzung der Muslimbrüder mit Israel und die politische Bedeutung dieser Gruppe anhand der Ermor­dung Sadats 1981 durch den Muslimbruder Khalid al-Islambuli hinweisen können.

Kleine Fehler lassen sich in einem Lexikon wohl kaum vermeiden, ‚irtidat’ statt richtig ‚irtidad’ (S.17) könnte auch ein Druckfehler sein. Die Prophetenenkel al-Hasan und al-Husain wurden aber keinesfalls 661 „bei Kerbela … belagert und fanden schließlich den Tod“ (S.19). Vielmehr starb al-Hasan, der auf das Kalifat 661 verzichtet hatte und nach Medina gezogen war, dort zwischen 670 und 678, wäh­rend al-Husain 680 bei der berühmten Schlacht von Kerbela den Tod fand. Ferner wird in der islamischen Tradition üblicherweise nicht von
den ‚100 schönsten Namen Gottes’, sondern nur von 99 Namen gesprochen, da der 100. Name den Gläubigen verborgen sein soll (S.60).

Trotz der erwähnten Kritikpunkte bietet das „Kleine Lexikon Islam“ vergleichsweise umfassende, positiv wertende Informationen über den Islam, behandelt auch rare, sehr inter­essante Themen wie etwa ‚Abtreibung’, ‚Menschenbild’, ‚Menschenrechte’ oder ver­schiedene Feste des islamischen Kalenders. Es ist zur Information fraglos jedem auflagenstar­ken populärwissenschaftlichen Romanwerk über den Islam weit vorzuziehen.

Christine Schirrmacher, em 1993-4.

Übler, Hans und F. Christian Trebing. Soft­warekatalog für Theologie, Kirche und Diakonie. Ein PC-Handbuch mit den aktuellen Programmen. Wort im Bild, Ringstr. 18a, D 6451 Hammersbach.

Wer neue Computer-Software sucht, findet hier gute Erstinformation. Auch Missiologen kommen auf ihre Kosten im Bereich Literaturverwaltung und Textverarbeitung mit fremdsprachlichen Zeichen. Echt missiologische Datenbanken wie „World Muslim Population Growth 1970-2000“ (Light of Life, Villach) oder kartographische Programme wie die von Global Mapping International wurden freilich dort noch nicht gemeldet.

Christof Sauer, em 1993-3.

Ustorf, Werner. Christianized Africa – De-Chri­stianized Europe? Missionary Inquiries into the Polycentric Epoch of Christian Hi­story. Amersbek bei Hamburg: Verl. an der Lott­bek Jensen.

Werner Ustorf, geb. in Hamburg, ist seit 1990 Pro­fessor für Missionswissenschaft an der Uni­versity of Birmingham und am Selly Oak Col­lege. In seinem aus mehreren Studien zusam­mengesetzten Buch geht es um einen neuen missiologischen Ansatz in der sog. dritten Epo­che des Christentums. Im ersten Teil beschreibt er in drei Studien afrika­ni­sche Ansätze zu einer christlichen Identität im Wi­derstreit mit der eu­ropäischen kulturellen Domi­nanz. Im zweiten doppelt so langen Teil ent­faltet er in sechs Ka­piteln bzw. Studien sein Pro­gramm für die westliche Christenheit: aus­ge­hend von einem faktischen Pluralismus for­dert er eine Trans­formation des bisherigen Mis­sionsansatzes, der Kirche und schließlich der Welt zu sozialer Ge­rechtigkeit, gleichbe­rech­tigter und friedlicher Koexistenz der ver­schie­denen Kulturen und Wahrheitsfindung durch Diskurs. Damit liegt er im Trend öku­me­nischer Theologie, die hier in vielen lose mit­einander verknüpften Einzel­studien in theo­re­tisch-technischem Englisch ih­ren Aus­druck fin­det.

Martin Sachs, em 1996-1.

Verwer, George. Out of the comfort Zone - Grace, Vision, Action. Carlisle, Cumbria: OM Publishing, 2000.

Suchen Sie ein Buch, das Menschen zu Mobilmachern für Weltmission macht? Hier ist eines. Im Stil, klassisch George Verwer, geschrieben nach seinen Predigtkassetten und daher lebendig, frisch und voller Herausforderung. George Verwer hat ein brennendes Herz und dieses Herz schüttet er dem Leser aus. Mission ist nicht ein Geschäft von Funktionären, sondern von dir und mir, von den Kleinen und Großen, von den „Gehern“ und „Sendern“, von den Spendern und Betern, von den Reichen und den Armen, von den Westlern und Nicht-Westlern… Alle haben Anteil an Gottes Mission. Alle sind berufen mitzuarbeiten. Alle sind von ihm eingeladen, seine Vision und seinen Auftrag mitzutragen. Doch gerade da ist oft das Problem: „Where two or three of the Lord’s people are gathering together, sooner or later there will be a mess“ (:xiii) (Übersetzung: Wo zwei oder drei Christen zusammen sind, da entsteht früher oder später „Chaos“). Das Buch soll helfen, auch noch im „Chaos“, mobil zu machen für den Auftrag des HERRN.

Eindringlich geht George Verwer den einzelnen Herausforderungen der Mobilisation zur Weltmission nach. Was braucht einer, der andere für Weltmission mobil machen will? Zuallererst ein gnadenvolles Herz („Grace Awakening“), um mit all denen in Einheit zusammenzustehen, die Gott zu diesem Werk berufen hat. Danach eine Gottesbeziehung, die die Ziele Gottes reflektiert. Als Drittes die Bereitschaft voranzugehen, und Verwer zeigt welche Qualitäten für die Leiterschaft in der Mobililsation notwendig sind. Anschließend beschäftigt er sich in einem ganzen Kapitel mit den Aufgaben eines Mobilmachers für die Weltmission. Nach diesen Erörterungen widmet er sich drei grundsätzlichen Fragen: der oft gegeneinander ausgespielten Notwendigkeit für einheimische und ausländische Missionare, der Finanzierung der Weltmission und der Vision von AD2000 and Beyond 200.000 Missionare auszusenden.

Ermutigend und inspirierend versteht es George Verwer die zentralen Punkte anzusprechen, die einen Menschen zu einem Mobilmacher für die Weltmission machen. Aus seiner reichen Erfahrung heraus bringt er oft entlarvend, aber immer demütig und liebevoll, Dinge auf den Punkt. Man darf von diesem Buch keine theologischen Ausführungen oder hohe akademische Abhandlungen erwarten. Aber es ist ein Buch von der Praxis für die Praxis. Es ist ein Buch zum selbst Lesen, aber auch zum Verschenken. Ein Buch, was nicht im Bücherschrank vermodern darf. Persönlich habe ich es bereits vielen jungen Menschen weitergeben und versucht mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen. (Die deutsche Fassung erschien 2001 bei Hänssler unter dem Titel „Mobil für Mission“.)

Hans-Walter Ritter, em 2004-3.

Vittoz, Robert. Jenseits der Wälder. Das aben­teuerliche Leben des Indianermissio­nars James Evans. Giessen: Brunnen Verlag, 4. Tb.auflage 1994.

Die weißen Eroberer Kanadas trieben die In­dianer zur Zeit von James Evans (1801-1846) immer weiter westwärts. Als Kind eines Ein­wanderers wurde Evans von einem Indianer entführt, aber aus Mitleid wieder freigelassen. Als Erwachsener suchte er diesen „edlen“ In­dianer mit allen erdenklichen Mitteln, um ihm das rettende Evangelium zu sagen. Über seine Fahrten führte er ein Tagebuch. – Robert Vittoz hat aus verschiedenen Quellen die verlorenge­gangenen Aufzeichnungen möglichst authen­tisch wieder zusammengestellt. Der Leser lernt beide Rassen kennen, Weiße und Indianer. Unter beiden begegnen uns sowohl rohe und grausame als auch liebenswürdige Menschen. Vor allem ein Indianer, Hassel, der zum Glau­ben fand und für sein Volk starb, wird für Ja­mes Evans zum gesuchten „edlen Indianer“ seiner Kindheit. Auch für Kinder ab etwa 10 Jahren zeigt das Buch einprägsam, wie falsch die heute verbreitete Vorstellung vom „edlen Indianer“ sind, denn es wird eindrücklich dar­gestellt, wie edel auch der verruchteste Mensch werden kann, wenn ihm nur jemand die Ret­tung durch Jesus nahebringt. Ein Buch, das Kindern und Erwachsenen in bester Erinnerung bleibt.

Christof Sauer, em 1997-2.

Vogt, Peter (Hg.). Zwischen Bekeh­rungs­eifer und Philosemitismus: Texte zur Stellung des Pietismus zum Juden­tum. Kleine Texte zum Pietismus 11, Leipzig: EVA, 2007.

Diese Quellenausgabe enthält dreizehn Texte von elf Autoren, die das ganze Spektrum des kirchlichen und radikalen Pietismus repräsentieren. Dabei handelt es sich um Texte, die direkt an Juden gerichtet waren, um Bibelauslegungen, Auszüge aus Predigten und zwei Be­richte von konkreten Begegnungen zwi­schen Pietisten und Juden (Callenberg, Mackinet). Sie umfassen den Zeitraum von 1695-1764. Vertreten sind H. Horch, J.W. Petersen (2 Texte), E.C. Hoch­mann von Hochenau, J. Tennhardt, Ph.J. Spe­ner, J.H. Callenberg, G. Schu­lius, S. Lie­berkühn (2 Texte), N. L. von Zin­zen­dorf, B.D. Mackinet und F.C. Oetinger. Zur Auswahl der Texte schreibt Vogt: „Da­bei benen­nen die Stichworte ‚Be­keh­rungseifer’ und ‚Phi­lo­semitismus’ die beiden grund­legenden Positionen, die in jeweils unter­schied­lichen Graden dieses Verhältnis geprägt haben. Weithin be­geg­nen wir dem Wunsch bzw. der Hoff­nung, dass die Juden sich ‚bekehren’ und Christus als ih­ren Messias erkennen mögen. Dem­gegenüber findet sich zu­gleich die Be­reitschaft, den besonderen Rang der Ju­den als auserwähltes Volk Gottes anzu­er­kennen und zu würdigen. Die span­nungs­reiche Konstellation, in der diese bei­den religiös motivierten Anliegen ste­hen, zieht sich wie ein roter Faden durch alle ausgewählten Texte und markiert die Brisanz der Thematik“ (118).

In der „29. Homilie über die Wun­den­lita­nei“ von 1747 (66-70) bezieht sich etwa Zinzendorf auf Römer 11 und Joh.10,16. Schon vor der end­zeitlichen Rettung Is­raels könne man beginnen, die Juden in die Kirche auf­zunehmen („Wir wollen sie schon derweilen in unseren Stall nehmen,… bis man ihnen auch einen bauet“, 67), da sich der Heiland schon jetzt über die Erstlinge unter ihnen erbarmen, sie segnen und überzeugen kann. Die Juden werden das Zeichen des Menschensohns in den Wolken sehen und sich dadurch bekehren. Doch sollen ihnen jetzt schon die Zeichen des Ge­kreuzigten vor Augen gemalt werden („der mahlt seinen Hei­land, seinen Schöp­fer, seinen blutigen Gott und Mar­ter-Lämmlein“, 69). Zin­zen­dorf re­sü­miert: „Das ist die Methode, wie der Hei­land in diesen unseren Zeiten die ungläubigen und feindseligen Men­schen … noch wird in seine Sache und Partie ziehen, daß sie werden im Geist er­blik­ken den Platz, darein jene gesto­chen haben [vgl. Sach.12.10f; Joh.19.37; Offb.1.7], und werden in derselben Wun­de ihren Herrn und ihren Gott erblikken, und alsdann wird der Heiland sagen: Nun … komm Israel nach dem Fleisch, komm zu deinen jüngeren Geschwistern, zu den jüngeren Schaafen, zu den Schaafen aus einem anderen Stall, damit eine Heerde und ein Hirte werde“ (70). Aus heutiger Sicht überrascht, dass Zin­zendorf dabei mehrfach Juden und „Atheisten“ gleichsetzt („Wie werden die Juden überzeugt? Ins ganze so wie die Atheisten …“, 68).

Von Spener stammen „Unmaßgebliche gedancken, wie es mit den jüden ihrer Be­kehrung wegen, zu halten seye“ (1702, 38-50). Nach Spener sollen Juden geschützt und unter Christen leben dür­fen („auch noch eher und mehr ge­le­genheit haben zu ihrer bekehrung“, 38). Sie sollen ihre Religion ausüben dürfen. Gottes Ver­hei­ßungen an die Juden tragen bei, „mit gebet, sanfftmüthigem und ge­rechten bezeugen gegen sie, bey gele­genheit freund­lichen zuspruch und kund­machung unser religion, sonderlich aber vor­leuch­tung mit heiligem Wandel und aus­truc­kung der lehr ihres Heilandes in ihrem lebenm, zu thun schuldig“ (39). Die Obrigkeit soll wirtschaftliche Rah­men­be­dingungen schaffen, die den Juden ein reguläres und legales Einkommen er­mög­lichen (in seinem ganzheitlichen An­satz denkt Spener u.a. an Umsie­de­lun­gen in dünn besiedelte Gebiete, um Juden Ackerland zuweisen zu können). Ein Glau­benshindernis für Juden ist das „bö­se Leben der Christen“, insbesondere die öf­fentliche Entheiligung des Sonn­tags und der Umgang mit den Juden. Auch man­che zwielichtigen Juden­chris­ten seien ein Hindernis, überhaupt sei der Um­gang mit den Judenchristen schwie­rig. Die Obrigkeit darf keinerlei Gewalt zur Bekehrung der Juden anwenden („durch keine gewaltsamen mittel … die bekehrung zu versuchen seye, als wel­cherlei Mittel aller art der Religion, son­derlich unserem Christen­thum schnur­stracks entgegen sind“, 43). Ob­wohl die Obrigkeit die regelmäßige Ver­kündigung des Evangeliums vor Ju­den zwar ver­ordnen könne, lehnt Spener dies aus ver­schiedenen Gründen ab. Nach Mah­nun­gen an die Pfarrer fordert Spener be­sondere Ausbildung in orien­ta­lischen Spra­chen, damit man auch ge­lehr­ten Ju­den begegnen kann. Speners Aus­füh­rungen zeugen von Liebe zu den Juden und einem hohen Maß an To­le­ranz. Gleichzeitig zeigen sie das span­nungs- und facettenreiche religiöse Mit­ein­ander von Christen und Juden in Eu­ro­pa vor der Aufklärung und dem Holo­caust.

Im Nachwort (118-23) führt Vogt ge­konnt in die Thematik ein, nennt wich­tige Sekundärliteratur und würdigt die Po­sition des Pietismus. Gemeinsam ist den Texten „die Überzeugung, dass die Ju­den in Gottes Heilsplan noch eine be­son­dere Rolle spielen werden und zuletzt ihre ursprüngliche Würde wieder­er­lan­gen. Aus dieser heilsgeschichtlichen Orien­tierung ergibt sich die für den Pie­tismus charakteristische Doppel­po­sition: einerseits das dezidierte Interesse an der Judenbekehrung, anderseits jener Impuls von Respekt und Anerkennung, den man „als Philosemitismus des bib­lisch-chi­liastischen Typs bezeichnen kann. Mög­lichkeiten und Grenzen des Gesprächs zwischen Pietisten und Juden waren da­mit vorgezeichnet“ (122). Zu den einzel­nen Texten gibt es keine Ein­leitungen.

Die Texte zeigen, dass dem Pietismus in der Geschichte der jüdisch-christlichen Beziehungen eine besondere Rolle zu­kommt. Im Vergleich zur der pro­tes­tan­tischen Orthodoxie war der Pietismus stär­ker am Judentum interessiert und zur Begegnung bereit. Beweggründe seitens der Pietisten waren zum einen der Mis­sions­gedanke (nicht umsonst gab es so­gar eigene Liedsammlungen zur Juden­mission!) als auch verschiedene heils­ge­schichtliche Erwartungen. Die heu­ti­gen evangelikalen Positionen gegenüber dem Judentum, dem Staat Israel, zu der nach wie vor umstrittenen Judenmission und zur Heilsgeschichte haben hier ihre Wur­zeln (vgl. D. L. Bock, M. Glaser, Hrsg., To the Jew First: The Case for Jewish Evangelism in Scripture and History; Grand Rapids: Kregel Aca­demic & Professional, 2008).

Mit ihrer Sicht der besonderen Rolle Is­raels haben die Pietisten Positionen ver­tre­ten, die erst im erneuerten Israel­ver­ständ­nis der letzten fünfzig Jahre (Theo­logie nach Auschwitz, jüdisch-christ­li­cher Dialog, neue Verhält­nis­be­stim­mun­gen zwischen Israel und Kirche durch ver­schiedene Konfessionen) wie­der the­ma­tisiert wurden.

Prof. Dr. Christoph Stenschke, em 2009-2.

Voigt, Karl Heinz. Die Heiligungsbewegung zwischen Methodistischer Kirche und Lan­deskirchlicher Gemeinschaft: Die „Triumph­rei­se“ von Robert Pearshall Smith im Jahr 1875 und ihre Auswirkungen auf die zwi­schenkirchlichen Beziehungen. TVG. Brunnen Verlag: Gießen, 1996.

Wie der Untertitel bereits erkennen läßt, geht es Karl Heinz Voigt darum, die Ereignisse der sogenannten „Triumphreise“ des amerikani­schen Glasfabrikanten Robert Pearshall Smith durch Deutschland und die Schweiz nach­zuzeichnen. Im zweiten Teil des Buches be­schäftigt sich der methodistische Theologe dann u. a. mit der Frage, inwieweit sich die Heiligungsbewegung auf das Verhältnis der verschiedenen christlichen Kirchen und Ge­meinschaften untereinander ausgewirkt hat.

An einigen Stellen reichen die im zweiten Teil des Buches aufgeführten Belege nicht aus, um Voigts Rückschlüsse wirklich nachvoll­ziehbar zu machen - so z. B. wenn der Ein­druck ver­mittelt wird, die Organisation der Deutschen Gemeinschaftsbewegung sei we­sentlich voran­getrieben worden durch die „Furcht vor einer weiteren Arbeit von Smith“, die „den methodi­stischen Gemeinden Auftrieb geben würde“ (S. 193). Einen Vorteil haben die manchmal unge­nügend belegten Rückschlüsse Voigts jedoch: Sie reizen enorm dazu an, das Thema „Heiligungsbewegung“ weiter zu er­forschen.

Wer einen allgemeinen Überblick über die Heiligungsbewegung und ihre Fragestellungen („Bib­lische Heiligung“, „Geistestaufe“ usw.) sucht, wird ihn in diesem Buch nicht finden. Auch zum Thema „Heiligungsbewegung und Weltmission“ (so eine Überschrift S. 187) fin­det sich nichts wesentlich Neues. Wer sich je­doch speziell mit der Triumphreise von Smith auseinandersetzen möchte, wird an diesem Buch kaum vorbeikommen.

Andreas Baumann, em 1998-4.

Waack, Otto und Mitar­beiter. Indische Kir­che und Indienmission I, Er­langer Monogra­phien aus Mission und Ökumene 1994.

Vieles, was indische Christen und wir heute gerne über handelnde Per­sonen wissen wollten, wurde nie gefragt, gesam­melt oder aufge­schrieben. Otto Waacks Buch über die Ge­schichte der indischen Partnerkirche und dem Bre­klumer Anteil der Jeypore Kirche von 1876-1914 ist hier dokumentiert. Es wurde höchste Zeit, die zugänglichen Bruchstücke zu sammeln und zu sichten.

Der Autor nimmt ernst, daß zur Entstehung der Jey­pore-Kirche zwei Kulturen und Tradi­tionen beitrugen, von indischer wie von deut­scher Seite. Orissa ist ein kleiner Staat im Nord­osten des Subkontinents Indien, und die Jeypore-Kir­che ist eine kleine lu­therische Kir­che unter den wenigen Christen in diesem Ge­biet. Vieles in diesem Buch ist aus indischer Sicht ge­schrieben und vor allem für die einhei­mische Kirche als ihr Ge­schichtsbuch gedacht. Es ist eine in sehr viele Einzelheiten gehende und sehr intensive Forschungs­arbeit, die an­regt, auch anderen „jungen“ Kirchen in Asien, Afrika und La­teinamerika ihre Ge­schichte zu dokumentieren.

Nach diesem umfangreichen Buch darf man gespannt sein, wie die Geschichte von 1915 bis heute weiter­geht. Das soll in einem zweiten Band 1995 vorge­legt werden.

Fritz H. Lamparter, em 1996-2.

Wagner, C. Peter (Hg.): Territoriale Mäch­te. Ebenen der strategischen Kampffüh­rung. Verlag Gottfried Bernard: Solingen, 1991.

Die Besprechung erfolgt auf der Grundlage des englischen Originals: Territorial Spirits. Insight on Strategic-level Spiritual Warfare from Nineteen Christian Leaders. Sovereign Word: Chichester 1991. Die (nicht ganz fehlerfreie) deutsche Überset­zung ergänzt inzwischen auf Deutsch erschie­nene Titel und ist an einigen Stellen ausführli­cher.

Was ist missiologisch relevant an diesem Reader? Er stellt (auf dem Buchrücken) die Frage, ob Dämonen geographischen Gebieten zugeordnet sind. Da die Antwort duchgehend positiv ausfällt, geht es vielmehr darum, wel­che Konsequenz diese Beobachtung für christ­liche Missionsmethode und -strategie hat.

Der Herausgeber C.P. Wagner, seit 21 Jah­ren Professor am Fuller Theological Seminary, Pasadena USA, hat in den letzten Jahren geistliche Kampfführung zu seinem Haupt­thema gemacht. (Mitherausgeber von „Wrest-ling with Dark Angels“, Regal Books 1990, demnächst auch auf Deutsch bei G. Bernard, und Autor von „Warfare Prayer“, Monarch, 1992,        dem ersten Titel einer Trilogie).

Das ist es, nach seiner Meinung, was der Heilige Geist in unserem Jahrzehnt den Ge
meinden sagt (S.3). Die Grundgedanken las­sen sich folgendermaßen skizzieren: Mangeln­der Erfolg in missionarischer Arbeit - trotz größtem Einsatz und erfolgversprechender Methoden - wird dem Widerstand regional bzw. örtlich herrschender Geister zugeschrie­ben. Diese müssen identifiziert und gebunden werden. Die geförderte Strategie variiert je nach Autor. Dann - so die Erwartung (S. xiii) - würden die Gebundenen frei und die Men­schen würden in Scharen dem Evangelium zu­strömen. Dabei beruft man sich auf Beobach­tungen in Argentinien und andernorts.

Wagner hat nun seine Lesefrüchte zu die­sem Thema zusammengetragen. Nur zwei Bei­träge von neunzehn waren bisher unveröffent­licht. Die anderen sind überwiegend nach 1989 in den USA erstmals erschienen. Meist sind sie charismatischen Ursprungs.

Von den drei Teilen des Buches ist der erste der Einführung und dem Überblick gewidmet. Hier sind die beiden eigenen Beiträge Wagners zu finden, sowie Auszüge von Timothy M. Warner (Trinity), Arthur Mathews (OMF) und Thomas B. White.

Unter den Erfahrungsberichten des zweiten Teils ragen die aus Zimbabwe, Zaire und Ar­gentinien heraus. Die anderen sechs Artikel jedoch, z.T. Nachdrucke aus der Zeitschrift „Charisma & Christian Life“, machen diesen Teil zum schwächsten und oberflächlichsten des ganzen Buches.

Im dritten Teil folgen Beiträge auf wissen-schaftlich-missiologischer bzw. theologischer Ebene. Die Zusammenfassung einer unveröf­fentlichten Fuller-Seminararbeit von Vernon B. Sterk über „Territorialgeister und Evangeli­sation in feindlicher Umgebung“ untersucht, inwieweit Christenverfolgung im Missions­kontext von Territorialgeistern verursacht ist. Der Autor verwertet dabei u.a. Missionserfah­rung bei den Tzotzil-Stämmen in Mexiko.

Der zweite missiologische Beitrag ist ein Auszug aus der Zeitschrift „Missiology“. Der mennonitische Anthropologe und UBS-Übersetzungsberater Jacob Loewen beschreibt unter der Überschrift: „Welchen Gott predigen Mis­sionare?“, daß die meisten ländlichen und Stammes-Gesellschaften ihre Gottheiten als stammesmäßig, geographisch oder funktionell spezialisiert betrachten.

Theologisch-biblischer Höhepunkt des gan­zen Buches ist der Auszug „Principalities and Powers“ aus Michael Greens Buch „I believe in Satans Downfall“ (Grand Rapids 1981). Er wirkt zugleich spekulativen Tendenzen man­cher Beiträge eindeutig entgegen: Die neutestamentlichen Autoren hatten kein Interesse daran, „Dämonologien“ zu erstellen, sondern wollten nur zeigen, daß diese feindlichen Mächte allesamt durch Jesus Christus entwaff­net worden sind (S. 181).

Nicht weniger Niveau hat der Auszug aus O. Cullmanns Buch „Christus und die Zeit“ (engl. 1950) über „Die Unterwerfung der un­sichtbaren Mächte“. Cullmann weist nach, daß im NT „Mächte und Gewalten“ nicht aus­schließlich politische Herrscher bezeichnen, sondern häufig die Mächte der unsichtbaren Welt. Allerding überfordert der Stil akademi­scher Auseinandersetzung (mit Griechisch im Text) wohl die meisten Leser des populär zu­geschnittenen Sammelbandes.

Eine Gesamtwertung fällt schwer: Das be­schriebene Phänomen der territorialen Wirk­samkeit von Geistern zu vernachlässigen oder gar zu leugnen, widerspräche biblischen An­deutungen, missionarischer Erfahrung und anthropologischer Erkenntnis. Das könnte die Wirksamkeit von Missionaren einschränken. Andererseits lassen sich bei einem Teil der
Beiträge spekulative Züge und der Hang, „Dinge in den Griff bekommen zu wollen“, nicht abstreiten. Könnte es sein, daß die ame­rikanische Church-Growth-School zwar in ei­nem Pendelschlag das Thema gewechselt hat (von der Soziologie zur Dämonologie), aber nach wie vor der Versuchung erliegt, sich auf menschliche Methoden zu verlassen?

Auch ist das Thema nicht gar so neu, wie mancher Autor denken macht. So vermutet Wagner zurecht, daß sich bei gründlicheren Nachforschungen Belege aus der gesamten Kirchengeschichte beibringen ließen. Wider die Traditionslosigkeit! Ein stärkeres Anknüp­fen an die heilsgeschichtliche Missionstheolo­gie, die auf Cullmann aufbaut, könnte sich ge­rade bei diesem Thema als äußerst fruchtbar erweisen.

Fazit: Zwei Drittel dieses Buches sind nütz­lich zu lesen. Doch wird es wahrscheinlich (oder hoffentlich) bald von einem gründliche­ren Buch eines einzelnen Autors abgelöst wer­den. Wünschenswert wäre, das Thema nicht so sehr zu isolieren und in den Vordergrund zu stellen (vgl. White S.65).

Christof Sauer, em 1992-3.

Wagner, Siegfried. Franz Delitzsch - Leben und Werk. Gießen: Brunnen 2. durchges. Aufl., 1991.

Die vorliegende Arbeit wurde schon 1963 als Habilitationsschrift der Leipziger Theologi­schen Fakultät vorgelegt. Sie erschien, leicht überarbeitet, 1978 im Christian Kaiser Verlag, München. In der nun vorliegenden zweiten Auflage wurden einige Druckfehler korrigiert, die neueste Literatur nachgetragen und das Namensregister noch einmal sorgfältig durch­gesehen. Das Werk gliedert sich in vier Teile:

1. Delitzschs Leben (15-206).

2. Wesen und Bedeutung des wissenschaftli­chen Lebenswerkes (207-429).

3. Schluß und Würdigung (430-445).

4. Bibliographie und Literaturverzeichnis (446-510).

Das besondere Interesse Wagners gilt der wis­senschaftlich-theologischen Leistung dieses einflußreichen alttestamentlichen Exegeten des 19. Jahrhunderts. Ein besonderes Gewicht liegt dabei auf dem Herausarbeiten der eigenständi­gen Position von Delitzsch im heftigen Streit um die historisch-kritische Auslegung der Heiligen Schrift. Wagners Versuch, das theo­logisch-exegetische Werk Delitzschs darzu­stellen, kann sicher als gelungen bezeichnet werden. Dies gilt mit gewissen Einschränkun­gen auch für den biographischen Teil des Wer­kes. Die Bedeutung von Delitzsch für die The­ologie und Praxis der Judenmission scheint mir dagegen eindeutig zu kurz gekommen zu sein, obwohl Wagner zugesteht, daß sie ein wichti­ger Bestandteil von Delitzschs Lebenswerk war. Er beschränkt sich hier fast völlig auf die Aufzählung seiner Aktivitäten in diesem Be­reich. Ein gewisser Nachteil des Buches ist auch die relativ selbständige Behandlung der einzelnen Themen, die immer wieder zu Über­schneidungen führt (etliche Zitate tauchen mehrfach auf), die einzelnen Teile des Werkes aber dennoch relativ unverbunden nebeneinan­der stehen läßt. Als Information über Franz Delitzsch, seine theologische Entwicklung und Bedeutung, sowie über die Geschichte der Theologie des 19. Jahrhunderts ist das Buch für Theologen und Studenten der Theologie lehr­reich und interessant. Im Blick auf die Ge­schichte, Theologie und Bedeutung der Juden­mission kommt es über erste, wenn auch gute und brauchbare Ansätze jedoch nicht hinaus.

Hartmut Renz, em 1993-2.

Wagner, William L. North American Prote­stant Missionaries in Western Europe: A Critical Appraisal. edition afem: mission academics 1, Bonn: VKW, 1993.

Westeuropa, einst als „Wiege der modernen Missionsbewegung“ geachtet, gilt – spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges – im Bewußtsein vieler nordamerikanischer Christen als Missionsfeld. Doch statt von europäischen Kirchen mit offenen Armen empfangen zu werden, stoßen amerikanische Missionare in Europa nicht selten auf Skepsis und gelegent­lich sogar auf offene Ablehnung. Das Über­zeugtsein vom „American Way of Life“ gepaart mit einem mitunter ausgeprägten Sendungsbe­wußtsein trägt häufig zur Vertiefung des gegenseitigen Mißtrauens bei und verhindert so eine gedeihliche Zusammenarbeit in Evangeli­sation, Gemeindeaufbau oder theologischer Ausbildung.

Der Amerikaner Bill Wagner, Professor für Missionstheologie an der Evangelischen Theo­logischen Fakultät in Heverlee/Belgien, geht in seiner von dem inzwischen verstorbenen Missiologen David Bosch angenommenen Disser­tation den vielschichtigen Ursachen für die Spannungen zwischen nordamerikanischen Missionaren und westeuropäischen Kirchen nach. Als ausgewiesener Kenner Europas schöpft Wagner aus langjähriger Missionser­fahrung als Beauftragter der Southern Baptists für Gemeindebau in Europa und Nahost.

Durchweg einfühlsam und spürbar um ein ausgewogenes Urteil bemüht, stellt Wagner die Stärken und Schwächen nordamerikanischer Missionspraxis in (West-) Europa dar und geht dabei besonders auf jene theologischen Fragen ein, die in Europa und Nordamerika unter­schiedlich verstanden oder anders akzentuiert werden. Mit bemerkenswerter Offenheit deckt er nicht nur Spannungsursachen auf, sondern bietet darüberhinaus stets auch Lösungsansätze und praktische Anregungen zur Entschärfung von Konflikten an.


Das für eine Dissertation ungewöhnlich stark in den Vordergrund tretende geistlich ­praktische Anliegen dieses Buches macht sowohl seine besondere Stärke als auch seine wesentlichste Schwäche aus. Während sich der wissenschaftlich-kritische Leser an einer Reihe von Verallgemeinerungen stören und nicht sel­ten Quellennachweise oder zumindest statisti­sche Belege für pauschale Behauptungen und Beobachtungen vermissen wird, dürfte sich der nach konkreter Hilfestellung suchende Leser über das von nur wenigen Fußnoten unterbro­chene Lesevergnügen freuen.

Besonders zu empfehlen ist dieses in durch­weg leicht verständlichem Englisch verfaßte Buch europäischen Pastoren und Missionaren, die mit Kollegen aus Nordamerika zusammen­arbeiten und dabei um ein gutes Miteinander bemüht sind. Die Arbeit entstand in einer Zeit epochaler Umbrüche in Europa. Es wäre zu wünschen, daß die hier geschilderten Fehler in Osteuropa nicht wiederholt würden.

Dem Verlag ist zu danken, daß er durch eine preiswerte Ausgabe die Voraussetzung für eine weite Verbreitung dieses Buches schuf.

David Poysti, em 1995-2.

Walldorf, Friedemann. Die Neu-Evangelisierung Europas. Missionstheologien im europäischen Kontext. Giessen: Brunnen, 2002.

Um es gleich vorweg zu sagen: Friedemann Walldorf gelingt es mit diesem Buch (seine überarbeitete Dissertation [Friedemann Walldorf, Mission und Neuevangelisierung in Europa. Grundlinien kontextueller Missionskonzepte 1979-1992, eingereicht am 6.10.1999 an der staatlichen Universität von Südafrika (UNISA).]), ein brennend aktuelles Thema, über das viel Verwirrung herrscht, klar und verständlich darzustellen. Walldorf vermittelt gute Orientierung im Dickicht unterschiedlicher Missionstheologien zum europäischen Kontext. Die Lektüre ist daher besonders wertvoll für diejenigen, denen die geistliche Erneuerung der Kirchen und Völker Europas wichtig ist.

Wer nicht mit Scheuklappen durch die Welt geht weiß, dass die Bedeutung des Christentums im alten, ehemals „christlichen“ Europa seit Jahrzehnten rasant abnimmt und die Erosion der Kirchen an ihren Rändern immer bedrohlichere Formen annimmt. Das Fehlen eines Gottesbezuges in dem Entwurf zu einer europäischen Verfassung innerhalb der EU zeigt, wie irrevelant der Glaube für die politischen Eliten Europas geworden ist. Säkularisierung, Materialismus, Wissenschafts- und Fortschrittsgläubigkeit, Überalterung und Schwund der traditionell christlichen Bevölkerung bei gleichzeitiger Immigration von Angehörigen anderer Religionen (bevorzugt Islam), Spannungen zwischen progressiven und konservativen Bewegungen innerhalb der Großkirchen, Finanz- und Identitätsverluste haben die Kirchen Europas in eine tiefe Krise geführt. Neben diesen krisenhaften Entwicklungen brachte aber auch der Zusammenbruch des Sozialismus in Osteuropa Ende der achtziger Jahre neue Chancen und Herausforderungen für die Kirchen mit sich. Ist jetzt nicht die Zeit gekommen für eine „Neuevangelisierung“ Europas, so wie es Papst Johannes Paul II. schon 1979 auf seiner ersten Polenreise verkündigte? (Johannes Paul II, „‘…mag sich auch die Welt verändern’, Predigt in der Heilig-Kreuz-Kirche von Mogila am 9.6.1979“, Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II bei seiner Pilgerfahrt durch Polen, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 10, hg. v. Sekr. d. Deutschen Bischofskonferenz, Bonn, S. 102-106.) Dieser Begriff, von Papst Johannes Paul II zum erstenmal in breiter Öffentlichkeit geprägt, wirkte wie eine Initialzündung in allen Kirchen bis hin zur evangelikalen Bewegung.

Eine Flut von Veröffentlichungen zu diesem Thema wurde daraufhin in den nächsten Jahren herausgegeben, angefangen von der katholischen Kirche in Europa über die Konferenz Europäischer Kirchen (evangelische und Orthodoxe Kirchen, verbunden mit dem ökumenischen Rat der Kirchen in Genf) bis hin zur evangelikalen Lausanner Bewegung, die in ihrem Europäischen Komitee über die Re-Evangelisierung Europas (im Gegensatz zur Erstevangelisierung in Gegenden, die nie christianisiert wurden) nachdachte.

Besonders im Zeitfenster ab 1979 (mit der Papstrede von der Neuevangelisierung Europas in Polen) bis 1992 entstand in allen Kirchen und Gruppierungen eine intensive Suche nach neuen Konzepten zur Missionierung des ehemals christlichen Europas mit dem Ziel einer möglichen Rückgewinnung dieses Europas für den christlichen Glauben.

Vor diesem Hintergrund macht sich F. Walldorf auf, in dem undurchsichtigen Dschungel von missionstheologischen Ansätzen im Blick auf Europa (begrenzt auf das oben skizzierte Zeitfenster) Licht in das Dunkel zu bringen und dem interessierten Leser Orientierungshilfe zu geben, wer unter Mission oder „Neuevangelisierung“ Europas etwas versteht. Denn wenn Begriffe wie „Mission“ oder „Evangelisation“ aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden, angefangen vom Papst über die Konferenz Europäischer Kirchen bis zur Orthodoxen Kirche, dann ist es nur zu wahrscheinlich, höchst unterschiedliche Inhalte zu den Begriffen geliefert zu bekommen.

Hier hat sich F. Walldorf mit großer Geduld und Sachkenntnis darangemacht, den verschiedenen Konzepten und Denkschulen in Bezug zur „Neuevangelisierung“ Europas nachzugehen. Mit großem Einfühlungsvermögen gelingt es ihm in seiner Studie, die Stärken und Schwächen der jeweiligen Konzeption herauszuarbeiten, sie zu würdigen und zu werten.

Dabei sind meines Erachtens vor allem die detaillierten Darstellungen der katholischen Position zum Konzept der „Neuevangelisierung“ wertvoll, in Sonderheit die Impulse und Vorstellungen des jetzigen Papstes Johannes Paul II (S. 40-105). Besonders evangelikale Leser wird dieser Abschnitt helfen, da für sie Vorstellungen einer „Neuevangelisierung“ Europas, so wie die katholische Kirche sie versteht, doch reichlich fremd erscheinen dürften. Walldorf kann mühelos nachweisen, dass römisch-katholische Neuevangelisierung Europas nichts mit evangelikalen Konzepten von Evangelisierung zutun haben (S. 45-72 +307-314). Für den Papst geht es um die Wiedererweckung einer verlorengegangenen (seit der Reformation?) einheitlichen christlich-europäischen Kultur durch die sakramentale Institution Kirche. Neuer Gehorsam zu Christus ist hier immer gebunden an den Gehorsam zum römischen Lehramt.

Aber auch Walldorfs Darstellung der verwirrenden Positionen aus dem Raum der Konferenz Europäischer Kirchen (S.106-189) zeigt deutlich, wie unterschiedlich Mission oder Evangelisation verstanden werden können. Obwohl eine einheitlich formulierte Konzeption fehlt, kann doch nachgewiesen werden, dass hier Positionen von Hoekendijk nachwirken, der die missio Dei direkt in den säkularen Geschichtsprozessen der Gesellschaft suchte, als Frucht des Evangeliums. Walldorf kritisiert meines Erachtens zu recht dieses, wie er es nennt, „kosmozentrisches“ Modell, da es die Trennung zwischen Gott und Welt, Evangelium und Kultur, Weltgeschichte und Heilsgeschichte, Gemeinde und Gesellschaft monistisch verwischt und damit „zum Verlust geistlicher Identität und „… der missionarischen Auftragsgewissheit“ führt (S.320).

Ausführlich lässt Walldorf auch die evangelikale Lausanner Bewegung in seinem Buch zu Wort kommen (S.193-303). Er nennt die evangelikale Position zur Re-Evangelisierung Europas das „bibliozentrische Übersetzungs- oder Inkarnatorische Modell“ (S.322). Ziel sei dabei, „Jesus Christus als Hoffnung für Europa zu bezeugen.“ Dabei erkennen die Vertreter der Lausanner Bewegung richtig, dass Wort und Tat, das Vorleben christlicher Existenz durch die Präsenz lebendiger Gemeinden gerade im europäischen Kontext unabdingbar sein müssen.

Walldorf sieht in dieser evangelikalen Position eine große Chance, da hier Mission und „Neuevangelisation“ Europas aus der Rückkehr zu den biblischen Quellen heraus entwickelt wird. Damit werde nach Walldorf dem kulturübergreifenden biblischen Evangelium die Möglichkeit gegeben, losgelöst von normierender Kirchlichkeit, kultureller Vereinnahmung und kosmischer Verchristlichung seine erneuernde Kraft im Kontext des alten Europas und seiner Christenheit neu zu entfalten (S.180).

Am Ende seines Buches versucht Walldorf auf gut 25 Seiten eine eigene Position zu formulieren. Dabei wird unschwer deutlich, wo seine Sympathien liegen. Er nennt sein Modell „Grundlinien einer biblisch-kontextuellen Missionstheologie für Europa“ (S.343). Ausgehend vom evangelikalen Modell der Lausanner Bewegung sieht Walldorf im Herzen der Missio Dei für Europa die Konzentration auf das biblische Evangelium von Jesus Christus. Nicht die Kirche (katholisches Modell) noch die Kultur (Ökumenisches Modell) könne laut Walldorf Norm für die missionarische Erneuerung in Europa sein (S.343). Dies könne nur die „einzigartige gute Nachricht von der rettenden Tat Gottes durch das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi“ leisten, wenn sie „in Wort, Tat und Sein“ der Christen Europas glaubwürdig weitergegeben werde (S.343). Weiter legt Walldorf die Betonung darauf, dass Evangelisation niemals losgelöst von „anderen Dimensionen“ der Gemeinde und der Nachfolge Christi geschehen kann. Sie muß ganzheitlich geschehen, und hier weißt Walldorf meines Erachtens folgerichtig hin auf die Schlüsselfunktion „Christozentrischer Gemeinden“, die als „missionarische Lebensbasis“ für Evangelisation dienen. Hier sieht der Autor richtig das alttestamentliche zentripetale Missionsmodell der „missionarischen Attraktion“ neben der grenzüberschreitenden Sendung in europäische Subkulturen als eine wichtige Missionsmethode an, die für das moderne, von Individualismus, Säkularismus und Materialismus zerrissenen Europa wegweisend wäre.

Nur hier, in der lobpreisenden, dienenden und Christus nachfolgenden Gemeinde werde, laut Walldorf, durch die „dynamische Beziehung zum biblischen und heute gegenwärtigen Christus als dem Zentrum,“ neue Hoffnung für Europa wachsen (S. 349-350). Dabei können Formen und Rahmenbedingungen, in denen die communio sanctorum sich sammelt, sehr unterschiedlich sein – angefangen von traditionellen Strukturen bis hin zu kreativen Neuansätzen.

Nach Walldorf habe die Neuevangelisierung Europas nur dann eine Chance, wenn die Gemeinde Jesu als „Mit-, Für-, und Gegenkultur“ zum gegenwärtigen Europa zur Basis der Missio Dei im europäischen Kontext wird (S.352).

Mit diesen abschließenden Gedanken ist es Walldorf gelungen, ausgehend von den evangelikalen Ansätzen der Lausanner Bewegung, für das zentrale Anliegen einer Neuevangelisierung Europas neue und weiterführende Perspektiven zu eröffnen. Sein Buch ist ein sehr guter Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion um eine geistliche Erneuerung Europas.

Dr. Bernd Brandl, em 2003-4.

Wander, Bernd. Trennungsprozesse zwi­schen Frühem Christentum und Judentum im 1. Jh. n. Chr. TANZ 16. Francke Verlag: Tübingen/Basel, 2. Aufl. 1997 (1994/1).

Wander (W.) geht der Frage nach, welche Faktoren zu der Trennung von frühem Chri­stentum und Judentum im 1. Jh. geführt haben. Anders als viele Rekonstruktionen dieses Trennungsprozesses, setzt W. bei den Hinter­gründen der Verurteilung Jesu ein (S.54-97). Der hilfreiche Überblick zu diesem Thema kommt zu dem Schluß, daß Jesus wohl aus Gründen der Staatsraison an die römische Ju­stiz ausgeliefert, verurteilt und hingerichtet wurde. Damit konnte die Jesusbewegung von Anfang an kriminalisiert werden.

Mit der Verkündigung der Auferweckung Jesu durch die zwölf Jünger (Apg 3,5) wurden Fakten, die für die jüdische Aristokratie erle­digt waren, neu aufgeworfen, und die Predigt­tätigkeit von Stephanus und seinen Freunden (Apg 6,7), in welcher der Tempelkult keine Rolle mehr spielte, sowie die Verbindung des Gekreuzigten mit dem zweiten Thron neben Jahwe führten zu Verfolgung in Jerusalem bzw. zur Auswanderung (S. 98-145).

Die vom judäischen König Agrippa I. ver­anlaßte Verfolgung von führenden Jerusalemer Christen, die Hinrichtung von Jakobus und die Inhaftierung von Petrus (Apg 12,1ff) war poli­tisch motiviert. Agrippa I. war in Rom aufge­wachsen und erzogen worden und hatte bei der Proklamation des Claudius zum Kaiser im Jahr 41 eine wichtige Rolle gespielt. Er erkannte in Rom die Bedeutung und die Rolle der Gemein­schaft der Christusanhänger schlagartig, als Claudius ein Edikt erließ (von W. in das Jahr 41 datiert), das die Juden aufforderte, Rom zu verlassen: ihre Zahl hatte zu stark zugenom­men, und vor allem hatte es wegen „Chrestus“, d.h. wegen der Verkündigung von Jesus Chri­stus, Unruhen gegeben. Wenn die Rechtsbasis der jüdischen Diasporagemeinden nicht ge­fährdet werden sollte, mußten Unruhen durch missionierende Judenchristen unterbunden werden - also ging Agrippa I. rigoros gegen die führenden Christen vor (S.212-234).

Paulus wird verhaftet, weil Diasporajuden die Auswirkungen seiner Heidenmission als Bedrohung jüdischer Identität und palästini­sche Juden diese als mangelnde Solidarität in der Zeit nationaler Sammlung ansehen mußten (S.235-262).

Die Ausführungen von W. sind material­reich, sehr informativ und gut lesbar. Auch wenn man manche Rekonstruktionen nicht teilt (z.B. im Blick auf das Verhältnis der Mission von Petrus und der Mission von Paulus, S.192-211): deutlich wird jedenfalls, daß der Tod Jesu und die frühe urchristliche Mission die Hauptgründe für die Trennung zwischen der christlichen Kirche und der jüdischen Syn­agoge waren.

Dr. Eckhard J. Schnabel, em 1998-3.

Weber, Charles W. International Influences and Baptist Mission in West Cameroon. German-American Missionary Endeavour under International Mandate and British Colonialism. Brill: Leiden / New York / Köln, 1993.

Als ich auf der Reise von Douala in Kamerun nach Jos in Nigeria auf einer Missionsstation Nachtquartier fand und fragte, ob es über die Geschichte der Missionsarbeit dort etwas zu lesen gäbe, lieh man mir einen Bildband, aus dem ich ua. lernte, daß das erste deutsche bap­tistische Missionsehepaar in Kamerun Ameri­kaner, und daß eine Anzahl der ersten „bapti­stischen“ Missionare dort Mennoniten-Brüder waren. Ich war nach einem halben Tag Eisen­bahnfahrt durch den Urwald müde und hatte keine Gelegenheit mehr zu lernen, daß die bap­tistische Missionsarbeit im westlichen, eng­lischsprachigen Kamerun noch bis Januar 1941 rechtlich in deutscher Verantwortung stand, und auch nicht, daß ein entfernter Onkel von mir (Paul Gebauer aus Bolkenhain, Schlesien) in der Zeit eine wichtige Rolle spielte.

Bisher hat erst wenig wissenschaftliche Beschäftigung mit der deutschen Kamerunmis­sion stattgefunden. (Jürgen Günther: Mission im kolonialen Kontext. Beiträge zur Geschichte der Mission der deutschen Baptisten in Kame­run 1891-1914. Initiative Schalom: Burgdorf 1991 leidet unter seinen Vorurteilen.) Weber füllt hier eine Lücke. Nach einer kurzen Über­sicht über die Vorgeschichte seit 1840 (Mis­sionare aus England und Jamaika, dann aus Deutschland) stellt er die Zeit von 1922-1945 dar, die gekennzeichnet ist durch den Vorstoß in die „Grassfields“ und überaus schnelles Gemeinde Wachstum. Er zeichnet die interna­tionalen Verflechtungen sorgfältig nach und zeigt die überaus wichtige Rolle der Missions­schulen (und der in ihnen tätigen Kameruner Lehrer) in der Ausbreitung der Gemeindearbeit auf. Das Buch leistet einen wichtigen Beitrag zur Missionsgeschichte des deutschen Baptis­mus, und in einer Zeit, in der Missionsschulen wieder vermehrt gefragt sind, bietet es dem am Thema interessierten Leser konkretes Material für ein bestimmtes Gebiet, das bisher (und auch damals) wenig beachtete West Kamerun.

Dr. Klaus Fiedler, em 1994-1.

Wendlandt-Homann, Luise. Zugvögel ken­nen ihre Zeit Als Missionarsfrau in vier Erdteilen. Verlag der Ev.-Luth. Mission Erlangen / Missionshandlung Hermannsburg, 1987 (Erlanger Taschenbücher Bd. 81).

Viel zu wenig Raum – dafür ist auch diese Zeitschrift ein Beweis – wird in der Mis­sionsliteratur den Missionarsfrauen einge­räumt. Als Luise Homann, verwitwete Wendlandt, geborene Bensen, am 19.8.1932 in Brighton/Südaustralien im Alter von 95 Jahren starb, hinterließ sie auch, in klarer Süterlinschrift geschrieben, auf 154 Seiten ihre Lebenserinnerungen, die uns Inge Prien, sprachlich leicht geglättet, in diesem Buch zugänglich macht. Es vermittelt aus erster Hand Einblicke in die frühe deutsche Missionsgeschichte (Leipzig, Hermanns­burg, indischer Kastenstreit, Mission in Südafrika, Mission und Auswanderermis­sion in Australien). Zudem kann dieses Buch stellvertretend für das Erleben vieler Missionarsfrauen jener Zeit stehen.

Em 1988-2.

Wenzel, Uwe Justus (Hg.). Was ist eine gute Religion? Zwanzig Antworten. München: Beck, 2007.

Der Titel dieses Buches macht neugierig. Die vorliegenden zwanzig Essays, die von März 2006 bis Mai 2007 in der „Neuen Zürcher Zeitung" erschienen, machen Appetit auf mehr. Sie wurden von namhaften Autoren verfasst, z.B. Friedrich Wilhelm Graf („Lob der Unter­scheidungen“, S.11-15), Wolfgang Huber („Der Geschmack von Freiheit und Mündigkeit“, S.16-20), Karl Kardinal Lehmann („Dialog ohne Machtanspruch“, S.21-25), Jan Assmann („Ver­borgene Weisheit“, S.36-41) oder Navid Ker-mani („Es ist wichtiger, ein guter Mensch zu sein als ein guter Muslim“, S.55-60). Die Viel­falt der Antworten sowie insbesondere die Art und Weise auf die Frage einzugehen provozie­ren zum weiterführenden Nachdenken und Fra­gen, wie der Herausgeber mit seinen knappen aber sehr hilfreichen Einführungsgedanken (S.7-9) unterstreicht: Was ist der Maßstab anhand dessen man von einer „guten“ Religion sprechen kann? Was ist eine angemessene Definition von Religion? Kann „Religion“ als westlich gepräg­ter Begriff überhaupt hilfreich sein? Inwiefern kann Religion von außen überhaupt angemessen beschrieben werden oder verliert sie bei distan­zierter Betrachtung nicht Entscheidendes, was sie ausmacht?

Im Zusammenhang aktueller Fragestellungen stellt der Herausgeber zwei weichenstellende Eigenschaften von Religionen heraus: sie sind „ideologieverdächtig“ und „ideologieanfällig“ (S.7). Er ist sich wohl bewusst, dass diese Be­griffe definiert werden müssen, aber er weist damit auf die Brisanz des Themas in einer auf­geheizten „religionspolitischen Atmosphäre“ (S.7) hin, was die Beiträge auf zweierlei Weise beeinflusst. Zum einen muss die westliche Öf­fentlichkeit bzw. westliche Intellektuelle sich mit dem Phänomen der „Wiederkehr der Reli­gion“ auseinandersetzen. Die Überzeugung, dass Religion für einige wenige vielleicht im privaten Bereich noch von Bedeutung sein könnte, aber auf der gesellschaftlichen und politischen Ebene in der Bedeutungslosigkeit verschwinden wird, wird durch Ereignisse und Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit erschüttert. Nun muss man sich mit der Frage auseinandersetzen, für was Religion überhaupt „gut" sein kann, wie es Mark Lilla formuliert (S.79) bzw. wenn es denn schon Religion sein muss, dann soll es wenig­stens eine gute sein (Chakravarthi Ram-Prasad, S.74). Zum anderen zieht sich ein unaus­gesprochener Konsens durch die Beiträge, sich von (gewaltbereitem?) Fundamentalismus abzu­grenzen. Das Gute von Religion zeigt sich damit insbesondere an den Auswirkungen für den Menschen oder, wie Theunissen die Ausgangs­frage versteht, „inwiefern Religion gut sein könne für das Zusammenleben von Menschen in einem Gemeinwesen oder mit Fremden“ (S.116; vgl. auch Kermani, S.58). Die ersten drei Beiträge (Graf, Huber, Lehmann) bemühen sich ausführlich darum, die Kompati­bilität von Religion und modernem Denken aufzuweisen: „Gute Religion sehe ich [Wolf­gang Huber] durch diese beiden Leitmotive bestimmt: Mündigkeit zu wirken und Freiheit zu befördern“ (S.17). Die Achtung der Menschen­rechte ist für Huber ein Prüfstein. Ganz ähnlich klingt Lehmann, wenn Religion „die recht ver­standene Freiheit der Menschen“ bzw. die „eige­ne Kritik- und Denkfähigkeit“ fördern muss (S.23). Huber stellt in diesem Zusammenhang ein „Bündnis mit der Aufklärung“ heraus: „jede gute Religion steht vor der Anforderung, sich den Anfragen der Aufklärung zu stellen. Reli­gion, die das Bündnis mit der Aufklärung auf­kündigt, verweigert sich einem kritischen Wahr­heitsanspruch“ (S. 18). Für Graf wird und kann Religion nur gut sein, „wenn sie sich durch autonome theologische Rationalität immer neu in Frage stellen, auf ihre immanenten Perver­sionspotenziale hin analysieren lässt – um reflektierter Freiheit der einzelnen Frommen willen" (S.15). Angesichts dieser Argumenta­tionsmuster wird m.E. allerdings zu wenig deutlich, was der durch nichts anderes zu erset­zende positive Beitrag der Religion ist. Eine Außenperspektive nehmen auch Michael von Brück und Jan Assmann ein. Gute Religion, so von Brück, „entsteht unter Menschen, die den dialogischen Diskurs über ,gute Religion‘ füh­ren“ (S.31). Allein seligmachende Wahrheitsan­sprüche müssen ausgeschlossen werden, weil Wissen (auch wenn es sich auf Offenbarung beruft) immer vorläufig ist. Nach Assmann muss gute Religion verstehen, sich auf „den Be­griff einer allgemeinen, verborgenen ,Menschheitsreligion‘“ hin zu relativieren (S.41). Diese Beiträge legen nicht nur einen Maßstab an Religion von außen an, sondern machen ihre religionstheologischen Prämissen zum Maßstab. Wenn man diese Maßstäbe anlegt, muss man wohl mit Christoph Türcke aufgrund der Reli­gionsgeschichte schlussfolgern, dass keine be­stehende Religion gut sein kann, weil keine Ein­fluss oder Macht gewonnen habe, „ohne einzu­schüchtern, zu demütigen, zu verfluchen, zu quälen und zu morden“ (S.27). Aber ist es an­gemessen, diese hoffnungslos europäische Frage an „Religion“ (wie immer man sie definiert) zu richten und damit Lessings Ideal einer natür­lichen Religion vorauszusetzen (Jochen Teuffel, S.102)? Vielleicht geht Ram-Prasad zu weit, aber sein Einwand sollte die weitere Reflexion und Diskussion (den Appetit auf mehr) beglei­ten: „Wer festschreibt, was eine ,gute Religion‘ ist, erlegt anderen eine hegemonistische Idee auf“ (S.77).

Dr. Heiko Wenzel, em 2008-4.

Werner, Roland (Hg.). Die Christus-Treff Story. Neukirchen: Aussaat Verlag, 2002.

Das von Dr. Roland Werner, Theologe, Afrikanist und Mitbegründer des Christus-Treffs, herausge­gebene Buch erzählt die Geschichte einer christli­chen Lebensgemeinschaft in der hessischen Stadt Marburg, die sich seit 1981 verbindlich trifft, mit dem Ziel, Christsein intensiv zu leben, sich gegen­seitig zu unterstützen, offen zu sein für andere und für das Reden Gottes. Was aus dieser Gemein­schaft bis zum Jahr 2002 entstanden ist, wird in Schwerpunktthemen innerhalb der 15 Kapitel ge­nauer beschrieben. Die offene Gottesdienstarbeit (Donnerstag abends) in Marburg bildet eine Hauptaufgabe der Gemeinschaft. Damit verbunden sind vielfältige andere Bereiche wie Hauskreise, Kinderarbeit und Ausländerarbeit. Außerdem wird das Evangelisationsprojekt „FRIENDS“ und die diakonisch-missionarische Arbeit der Gemein­schaft Jerusalem und Berlin vorgestellt. Die Dar­stellung persönlicher Erlebnisse machen die Rele­vanz für unsere heutige Gesellschaft deutlich, was zum einen die Wirksamkeit der Projekte zeigt, die aus der Gemeinschaft entstanden sind und zum anderen die Öffentlichkeitsarbeit von Roland Wer­ner. Das Buch vermittelt einen Blick für weltweite Mission und missionarische Arbeit vor Ort. Abge­rundet wird das aus unterschiedlichen Beiträgen zusammengestellte Buch von einem Christus­Treff-Alphabet, das knappe Beschreibungen zu Schlagworten aus zum Christus-Treff gehörenden Begriffen enthält, einer knappen Christus-Treff­Chronologie und einer Liste mit Publikationen. Das Buch liest sich sehr gut und ist durch die Ori­ginalberichte von Christus-Trefflern anschaulich. Durch die zum Teil unterschiedlichen Verfasser treten manche Überschneidungen auf, was aber nicht hindert einen guten Überblick über die Auf­gaben und Tätigkeitsfelder zu gewinnen. Die Ges­taltung in kurzen Sinnabschnitten, die mit Fotos ergänzt sind, erleichtert den Zugang.

Mathis Kögel, em 2004-1.

Werth, Martin. Theologie der Evangelisation. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2004.

Martin Werth ist Dozent an der Evangelisten­schule Johanneum in Wuppertal. Das vorliegen­de Buch ist die leicht überarbeitete Fassung sei­ner Dissertation an der Ruhr-Universität Bo­chum. Die Studie soll dazu beitragen, die Evan­gelisation als landeskirchliches Handlungsfeld theologisch zu reflektieren und „von dem Ge­ruch des außerkirchlichen Sonderwegs“ (Klap­pentext) zu befreien.

Der Autor entfaltet sein Thema in fünf Teilen. Zunächst geht es um „biblisch-theologische und historische Erkundungen, Begriffserklärungen“. Werth kommt zu dem Schluss, dass „Mission“ und „Evangelisation“ als synonyme Begriffe zu betrachten seien, „Evangelisation“ aber durch den inhaltlichen Bezug zu „Evangelium“ zu bevorzugen sei. Die Entscheidung ist respekta­bel und begründet, allerdings scheint mir die einfache Gleichsetzung der Begriffe (ohne wei­tere Differenzierung der Konzepte) missions­theologisch zu pauschal. Differenz und Zusam­menhang der Begriffe hätten auf dieser Ebene tiefergehend thematisiert werden können. Inte­ressant ist die historische Perspektive zur Evan­gelistenschule Johanneum und die Analyse einer programmatischen Rede T. Christliebs (1888), in der dieser bereits den Begriff der „Neuevan­gelisierung“ gebraucht!

Im zweiten Teil untersucht der Autor ausge­wählte evangelisationstheologische Entwürfe mit Bezug zum deutsch-europäischen und lan­deskirchlichen Kontext seit 1970 (Hollenweger, Boff, Costas, Castro, Newbigin, Briese, Ahonen, Huber), die knapp skizziert und schlüssig beur­teilt werden.

Der dritte Teil beschäftigt sich zunächst mit grundlegenden ökumenischen Dokumenten zur Mission (Evangelii Nuntiandi, Repemptoris Missio, Lausanner Verpflichtung, Manifest von Manila, Ökumenische Erklärung 2;u Mission und Evangelisation), dann mit kirchlichen Missions­dokumenten für den Kontext Deutschland („Zeit zur Aussaat“ DBK 2000, Arnoldshainer Konferenz, Leipziger EKD-Synode 1999, EKD-Text „Das Evangelium unter die Leute brin­gen“).

Im vierten Teil reflektiert der Autor die syste­matisch-theologischen Aspekte einer Theologie der Evangelisation im Kontext der Landeskir­chen: Gott, Mensch, Kirche. Überzeugend skiz­ziert Werth eine theologische An:hropologie der Bekehrung. Evangelisation als Ruf zur biogra­phischen Bekehrung zu Christus habe auch in den ev. Landeskirchen Relevanz. Mit Recht be­tont Werth, dass Bekehrung prozesshaften Cha­rakter hat und der Weg über Kindertaufe und kirchliche Integration sinnvoll sein kann, aber angesichts der kirchlichen Lage im postmoder­nen Deutschland „das Hineinwachsen in den Glauben ohne eine Initialzündung im Sinne ei­ner punktuellen Bekehrung“ kaum gelingen kann (S.279).

Im letzten Teil richtet der Autor sein Augen­merk auf praktisch-theologische Aspekte: Di­mension und Intention, Kultur und Kontext, Kybernetik und Mitarbeiter der Evangelisation: Laien, Hauptamtliche, Evangelisten. Hier finden sich viele gute Perspektiven, die deutlich ma­chen, dass Evangelisation Sache der ganzen Gemeinde und Kirche ist. Eines scheint mir je­doch zu fehlen: der Aspekt der missionarisch-evangelistischen Begegnung mit Menschen aus anderen Religionen und Kulturen – also der mul­tireligiöse Kontext, in dem auch landeskirchli­che Gemeinden sich befinden. Der religions­theologische Aspekt als Teil einer Theologie der Evangelisation findet hier zu wenig Beachtung. Als Zielgruppen der Evangelisation nennt der Autor die Kerngemeinde, die distanzierten Kir­chenmitglieder und die Nichtmitglieder (S.296). Gerade bei der Behandlung der kontextuellen Aspekte (S.310- 316) wäre die Beschäftigung mit dem Kontext z.B. muslimischer Menschen in Deutschland für eine Theologie der Evangeli­sation im Rahmen auch der Landeskirchen we­sentlich. Auch der Aspekt missionarischer Ge-meindegmndung, der sowohl im anglikanischen als auch im ökumenischen und freikirchlichen Kontext von wachsender Bedeutung ist, fehlt in den evangelisations-ekklesiologischen Überle­gungen („Die Kirche als Träger und Ziel der Mission“, S.282f).

Zusammenfassend bleibt festzustellen: Werths Buch bietet gute Analysen neuerer Entwürfe und wichtige Ansätze als Beitrag für eine Missions­theologie für den deutschen Kontext.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-4.

Weston, Paul. Lesslie Newbigin: Missionary Theologian: A Reader. London/Grand Rapids: Society for Promoting Christian Knowledge/W. B. Eerdmans, 2006.

Paul Weston hat mit der Herausgabe dieser Sammlung von Auszügen aus Newbigins Schriften einen wichtigen Beitrag geleistet, Newbigins Werk zu sichten und den Ertrag seiner Arbeit dem interessierten Leser zugänglich zu machen. Die kurze Biographie in der Einleitung zeigt die verschiedenen Stationen in Newbigins Leben. Nur auf diesem Hintergrund sind seine missionstheologischen Beiträge zu verstehen.

Weston gliedert dann in zwei große Themenbereiche: ‚Theologische Grundlagen für Mission‘ (77 Seiten) und ‚Missionarische Theologie in der Praxis‘ (171 Seiten). Jeder Themenbereich ist unterteilt in kleinere thematische Abschnitte. Am Beginn jedes Abschnitts erklärt Weston kurz den geschichtlichen Hintergrund der einzelnen Textauszüge, die er zum Thema ausgewählt hat. Dabei bemüht er sich, in der Textauswahl die ganze Breite von Newbigins literarischem Schaffen zu berücksichtigen und wählt bewusst Texte aus den verschiedenen Epochen von Newbigins Wirken. Jeder Abschnitt schließt mit einigen kurzen Verweisen auf weitere Texte Newbigins zum Thema.

Die Abschnitte im ersten Themenbereich sind überschrieben: (1) Die Erkenntnis Gottes, (2) Der Tod Christi, (3) Erwählung und das Volk Gottes, (4) Christus als Schlüssel zum Verstehen der Geschichte, (5) Die ökumenische Vision, und (6) Trinitarische Mission. Im zweiten Abschnitt fasst Weston Newbigins Beiträge zu folgenden Themen zusammen: (7) Christus und die Kulturen, (8) Das Wesen und die Berufung der Kirche, (9) Das Evangelium und die Weltreligionen, (10) Die missionarische Krise im Westen, sowie (11) Das Evangelium und das öffentliche Leben.

Dabei gelingt es Weston, die zentralen Themen Newbigins aufzugreifen und den Leser an sein Werk heranzuführen. Dass der zweite Teil wesentlich ausführlicher ausfällt als der erste ist von der Sache her begründet. Gerade in der Beschäftigung mit den aktuellen Herausforderungen der christlichen Mission wurde Newbigins theologisches Denken geprägt. Und dieser Teil führt den Leser hin zu den Fragen, die uns heute in der Missionstheologie in Europa beschäftigen (müssen). Dazu gehört die Auseinandersetzung mit den Religionen genauso wie die Auseinandersetzung mit dem westlichen Weltbild. Der zunehmende Einfluss des Islam in Europa wirft dabei die Frage auf, welche Rolle das Evangelium spielt bzw. spielen muss in der Diskussion um das öffentliche Leben, ein Thema, das Newbigin bis in sein hohes Alter hinein beschäftigt hat.

Weston gibt uns einen kompakten Reader in die Hand, der auf gut 250 Seiten den Leser einführt in die Grundlagen von Newbigins theologischem Denken und in die missionstheologischen Themen, mit denen er sich auseinander gesetzt hat. Wer eine Einführung in Newbigins literarisches Werk sucht, ist gut beraten, zu diesem Buch zu greifen.

Dr. Jürgen Schuster, em 2006-4.

Weth, Rudolph (Hg.) Bekenntnis zu dem einen Gott? Christen und Muslime zwischen Mission und Dialog. Neukirchener Verlags­haus: Neukirchen-Vluyn, 1999.

Die Jahrestagung der Gesellschaft für Evange­lische Theologie beschäftigte sich 1999 mit dem Thema: Islam - Dialog oder Mission? So breit das theologische Spektrum der Referenten - auch Muslime gehörten dazu - so unter­schiedlich natürlich auch die Positionen der hier veröffentlichten Beiträge. Viele verschie­dene Themen aus den Bereichen islamische Ethik, Politik, Theologie und, übergreifend, der Vergleichenden Religionswissenschaft werden angeschnitten und auf die islamische Realität im In- und Ausland angewendet.

Gelegentlich finden sich verhalten kritische Anfragen an den Islam (Terrorismus im Namen des Islam, Einschränkung der Menschenrechte, Stellung der Frau), daneben jedoch ebenso die Auffassung, daß Christen und Muslime im Kampf für die universellen Menschenrechte vereint seien (119/120); eine Behauptung, für die die Belege angesichts spezifisch muslimi­scher Definitionen von Menschenrechten mit der Aberkennung jeglicher Rechte für Konver­titen bisher ausstehen. – Insgesamt ein infor­matives Buch für jeden, der sich mit der Band­breite theologischer Auffassungen zum Thema Islam in unserem Land beschäftigen möchte.

Eine kleine Anmerkung zum Schluß: Gerade dort, wo man bei derartigen Tagungen und Veröffentlichungen versucht, Muslimen gerade nicht mit Überheblichkeit zu begegnen, sollte doch unbedingt der Begriff „mohammeda­nisch“ (S.11) vermieden werden, der für Mus­lime immer einen unmittelbaren Affront dar­stellt (stattdessen „muslimisch“).

Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-3.

Wetzel, Klaus. Kirchengeschichte Asiens. TVG. Wuppertal: R. Brockhaus, 1995.

Klaus Wetzel, 1987-1993 Dozent in Batu/Indonesien und heute neben Pfarrvikariat Dozent in Korntal, legt hiermit seine in Indo­nesien gehaltenen Vorlesungen zur Kirchenge­schichte Asiens vor. Sie gehen weniger auf Forschungsarbeit zurück als auf eine breit an­gelegte Zusammen­fassung von Standardwer­ken, weswegen in den Anmerkungen intensiv auf meist deutschspra­chige Lexika, Handbü­cher, Kirchen- und Mis­sionsgeschichten und Werke wie ‚Operation World’ (‚Gebet für die Welt’) verwiesen wird. Kirchengeschichte Asiens wird dabei im weite­sten Sinne verstan­den: chronologisch vom Neuen Testament bis heute, geographisch (z. B. einschließlich asiati­sches Rußland) und kon­fessionell. Außerdem
schließt sie die Missi­onsgeschichte Asiens mit ein und gerade die nach jedem Kapitel gestell­ten „Fragen an die Kirchengeschichte“ zeigen, daß diese Kirchen­geschichte von einem enga­gierten Missionar und Mis­siologen geschrieben worden ist. Da­für tritt die ‚Theologiegeschichte Asiens’ stär­ker in den Hintergrund, sind es doch eher die detalliert zusammengetragenen historischen Fakten, als die theologische Ein­ordnung von Kirchen, Theologen und Strö­mungen, die den Kern des Werkes bilden. Hof­fentlich findet das Buch seinen Eingang nicht nur in die missionswis­senschaftliche, sondern auch in die kirchen­geschtliche Forschung, die allzuleicht die Kir­chengeschichte Europas zum Nabel des Chri­stentums macht.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-2.

Wetzel, Klaus. Wo die Kirchen wachsen. Der geistliche Aufbruch in der Zwei-Drittel-Welt und die Folgen für das Christentum. Brock­haus: Wuppertal, 1998.

„Offensichtlich ist, daß wir uns mitten in einer Umbruchphase der Kirchen- und Missionsge­schichte befinden, deren epochale Bedeutung dem Weg des Evangeliums zu den nichtjüdi­schen Völkern in neutestamentlicher Zeit, der Konstantinischen Wende und der Reformation in nichts nachsteht“ (92). Diese Kernaussage bezieht sich auf umfangreiches Zahlenmaterial, das der Verf. zusammengestellt hat. Die Stati­stiken spiegeln zum einen den Stellenwert des christlichen Glaubens innerhalb der ihn jeweils umgebenden Gesellschaft wider, zum anderen veranschaulichen sie weltweite zahlenmäßige Verschiebungen: Europa bzw. die westliche Welt ist nicht länger das Zentrum der Christen­heit. Die Kirchen der Zwei-Drittel-Welt wach-
sen enorm – quantitativ und qualitativ.

Wie in der Einführung erläutert, soll die vor­liegende Darstellung „Mut machen zum ver­stärkten Engagement für Weltmission bei sich verändernden Rahmenbedingungen“. Dem aufmerksamen Leser des bekannten Buches „Gebet für die Welt“ werden viele Aussagen nicht neu sein; sie werden vom Verf. mit weite­ren Quellen kombiniert. So wird ausführlich dargestellt, „wo die Kirchen wachsen“. Leider sind jene Passagen etwas knapp geraten, die der Frage nach dem „warum“ des Wachstums und nach den Konsequenzen für die westlichen Christen nachgehen.

Für Einsteiger in Sachen Weltmission ist die Darstellung hilfreich, um einen Überblick der gegenwärtigen Situation zu erhalten.

Harald Börner, em 1998-4.

Wienecke, Werner A. Die Bedeutung der Zeit in Afrika in den traditionellen Religio­nen und in der mis­sionarischen Verkündi­gung. Frank­furt: Peter Lang Verlag, 1992.

Jeder Mitteleuropäer, der schon intensiver mit Afrikanern Kontakt hatte, wird deren funda­mental anderes Verhältnis zur Zeit bemerkt ha­ben. Im Alltag ist es unübersehbar. Doch wie steht es mit religiösen Fragen? Welche Rolle spielt die Raum-Zeit-Dimension in den afrika­nischen Religionen im Unterschied zum Chri­stentum? Und wie müssen wir uns in der christlichen Verkündigung darauf einstellen?

Viel zu lange machten sich westliche Missio­nare zu wenig Gedanken über die tradi­tionellen afrikanischen Religionen und die afrikanische Kultur, und zu viel Mißverständ­nisse entstan­den daraus. Werner A. Wienecke, Jahrgang 1924, erlebte dies zwischen 1954 und 1966 ganz schmerzlich im Dienst als Missionar im damaligen Südwestafrika (heute Namibia). Tausende von Herero trennten sich von der lu­therischen Mis­sionarskirche und gründeten ihre eigene afrikanische Kirche. Die hier veröffent­lichte Doktorarbeit, die Wienecke nach seiner Pensionierung 1991 an der University of South Afrika vorlegte, versucht die Ursachen dieser Trennung ein wenig zu erhellen.

In einem einführenden Kapitel schildert Wienecke die Probleme, die zur Trennung der christlichen Herero von den Missionaren führ­ten und wirft dabei Fragen nach Inkulturation, Synkretismus und einer afrikani­schen Theolo­gie auf. Weiter versucht er über die von John S. Mbiti aufgezeigten Unterschiede zwischen afrikanischem und westlichem Zeitverständnis einen Zugang zu den angesprochenen Fragen zu erhalten. Im dritten Kapitel beschreibt er anhand von Mbiti die Auswirkungen des afri­kanischen zweidimensionalen, m. E. nur Ge­genwart und Vergangenheit umfassenden, Zeitverständnisses auf die afrikanischen Reli­gionen. Dem folgt die Auseinandersetzung mit Mbitis Darstellungen und mit seiner „afrikanischen Theologie“ vor allem entlang des Zeitbegriffes der Afrikaner. Er zeigt, daß dieser dem biblischen insofern ähnelt, als er mehr ereignisverbunden ist als der westlich-li­neare oder östlich-zirkulare. Afrikaner haben die Zukunftsdimension oft weit weniger im Blickfeld. Im fünften Kapitel versucht Wienecke dann die Konsequenzen aus den ge­wonnenen Erkenntnisen über afrikanische Weltanschauung für die Verkündigung der westlichen Missionare zu ziehen.

Im großen und ganzen folgt Wienecke also den Vorstellungen von Mbiti und bewertet die afri­kanischen Religionen positiv und als Wegbe­reiter für das Evangelium. Das Wissen der Afrikaner über Gott ist für ihn eine natürli­che Form der Gottesoffenbarung. Das afrikani­sche Gemeinschaftsgefühl, das Afrikanern eine Verbindung zu ihren Ahnen ermöglicht, sollte nicht zerstört werden, sondern das „Totengedenken“ sollte einen legitimen Platz in der christlichen Gemeinde haben. Seiner ei­genen Forderung nach einem tiefergehen­den Verständnis der afrikanischen Welt kommt der Autor also gut nach.

Es wäre nun aber zu wünschen, daß er glei­chermaßen die Aussagen der Bibel beachten würde und gleich­zeitig seine Zurückhaltung gegenüber westlichem Denken beibehielte. Ge­rade im letzten Kapitel werden ei­nige theologi­sche Schwächen deutlich, wo m. E. der Autor zu schnell versucht, afrikanische Simultanität zu rechtfertigen, und afrikanische Theologie nicht sorgfältig genug von der Bibel her hinter­fragt. So z.B., wenn er wie Mbiti kaum die bi­blischen Aussagen zum Wesen und Wirken des Heiligen Geistes beachtet, sondern seine Un­tersuchung mit der Feststellung beendet, daß „man um die Wirksamkeit des Heiligen Geistes [weiß] und sie vor allem in den A[frikanischen] U[nabhängigen] K[irchen]“ erlebt (S.264). Seine Darstellung afri­kanischer Denkweise in Bezug auf Zeit und Religion ist allerdings dif­ferenziert und sachkundig. Negativ fallen die zahlreichen Flüchtigkeitsfehler und der hohe Preis des Buches auf. Dieser wird den potenti­ellen afrikainteressierten Leser abschrecken, so daß das Buch möglicherweise sein Dasein in Händen von Fach­leuten und in Regalen von Fachbibliotheken fristen wird.

Martin Sachs, em 1997-3.

Wiher, Hannes. Missionsdienst in Guinea. Das Evangelium für eine schamorientierte, von Animismus und Volksislam geprägte Gesellschaft. edition afem, mission scripts Bd. 14. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1998.

„Ein Handbuch für Missionare in Guinea zu verfassen“ (S.13) war das Ziel des Autors im Blick auf das vorliegende Buch. Tatsächlich hat er jedoch eine sehr wertvolle Hilfe für je­den Missionar geschaffen, der in einer von Animismus und/oder Volksislam geprägten afrikanischen Kultur südlich der Sahara arbei­tet. Nach einer kurzen Einleitung beschreibt der Autor in Kap. 2 die Hauptelemente der Ge­sellschaft Guineas. Dabei skizziert der Anthro­pologe Wiher kurz, aber klar und ver­ständlich die vorherrschenden Weltanschauun­gen (A­nimis­mus und Volksislam), das pre­stige- und schamorientierte Gewissen („Über-ich“), sowie die Prägung der im Land existie­renden Kirchen und den Einfluß des säkularen Mate­rialismus. In Kap. 3 geht es um das bib­lische Gottes-, Menschen- und Heilsverständ­nis. Eine ganze Anzahl hilfreicher Wortstudien mit Be­zug auf die biblischen Ursprachen lassen den Theolo­gen Wiher zu Wort kommen.

Das Herz des Buches bildet Kapitel 4. Hier erläutert der Missiologe Wiher die Folgerungen aus Kapitel 2 und 3 für die Missionspraxis in Guinea. Dabei geht er u. a. auf folgende Aspekte ein: Konzept von Sünde/Heil, Evan­gelisation, Gemeindepraxis, Seelsorge, Ehe und Familie, Personalführung, Medizin. Die vielen praktischen Ratschläge sind nicht nur für den Neuling eine große Hilfe. Auch nach mehrjährigem Aufenthalt in einer animisti­schen Kultur ließ mir die Lektüre von Wihers Buch so manches Licht aufgehen, z. B. zu Themen wie Polygamie (welche afrikanische Kirche hat nicht damit zu kämpfen?), Evange­lisation unter Muslimen oder zum Heilsver­ständnis in einer prestige-/schamorientierten Gesellschaft. Neben konkreten Ratschlägen zeigt der Autor auch Hintergründe für häufig vorkommende falsche Lehrmeinungen in der Kirche auf, z. B. im Blick auf das Abendmahl.

Wihers Stärke ist seine kompakte, klare Dar­stellungsweise. Er bietet viel Inhalt auf we­nig Seiten. Selbst ein „vielbeschäftigter Mis­sionar“ kann die 125 Seiten meistern. Es gibt aber auch eine Kehrseite der Kompaktheit: Nach einigen wenigen Abschnitten bleibt beim Leser der Eindruck zurück, daß das betreffende Thema kaum berührt wurde, z. B. die Struktur der Großfamilie und daraus resultierende Ver­pflichtungen und Konsequenzen. Sollte Hannes Wiher einmal ein ausführlicheres Werk zum vorliegenden Themenbereich publizieren, ge­hörte ich zu den ersten Käufern.

Im Anhang sind einige statistische Daten über das Land Guinea zusammengestellt. Weit über 200 Fußnoten, die überwiegend auf weiterfüh­rende Literatur verweisen, sowie eine extensive Bibliographie (16 Seiten) bieten dem Leser eine Fülle von Möglichkeiten, einzelne The­men weiter zu verfolgen.

Thomas Deusch, em 2000-1.

Wiher, Hannes. Shame and Guilt. A Key to Cross-Cultural Ministry. Edition iwg – mission academics 10. Verlag für Kultur und Wissenschaft. Bonn 2003.

Vorliegende Arbeit wurde als Dissertation an der Potchefstroom University for Christian
Higher Education als Ph.D. Dissertation in Missiologie von Promoter Prof. Faan Denkema im Juli 2002 angenommen und mit leichten Veränderungen gedruckt. Hannes Wiher ist seit 1984 Arzt und Missionar in Guinea, West Afrika. Er hat seinen Missionsdienst für Studien an der CIU in Korntal unterbrochen, wo er eine M.A.-Arbeit schrieb, die in der edition afem beim VKW Bonn 1998 (124 S.) unter dem Titel Missionsdienst in Guinea. Das Evangelium für eine schamorientierte, von Animismus und Volksislam geprägte Gesellschaft veröffentlicht wurde. In seiner nun vorliegenden Dissertation geht Wiher wesentlich über seine M.A.-These hinaus, verwendet jedoch grundlegende Erkenntnisse daraus, die sich bestätigt haben, an wichtigen Stellen (biblische Wortstudien) vertieft und vor allem im Anwendungsbereich erweitert wurden.

Der Autor greift ein wichtiges Thema auf, das in der missiologischen Literatur eher sporadisch diskutiert wurde und erst in den vergangenen 20 Jahren eine Popularität erhalten hat, die seiner Wichtigkeit entspricht: Elenktik ist die Wissenschaft vom Gewissen im kulturellen Kontext. Nach der Einführung im ersten Kapitel führt der Autor im zweiten in die missiologische Diskussion mit allen relevanten Hilfsdisziplinen ein. Er erklärt, wie die betreffenden Autoren das Thema aus ihrer Sicht behandeln und definieren. Dabei wird deutlich, dass eine Zusammenschau, wie es der Missionswissenschaft eigen ist, erst zu ganzheitlichen und deshalb brauchbaren Ergebnissen führt. Das ist eine hervorragende Zusammenstellung der aktuellen und geschichtlichen Literatur zum Thema. Durchgehend durch das ganze Buch setzt er sich immer wieder mit den wichtigsten Autoren zum Thema auseinander.

Um die Erkenntnisse an der Schrift zu prüfen und zu messen, geht der Autor im dritten Kapitel den Schlüsselbegriffen Scham und Schuld sowie deren Gegensätzen Ehre und Gerechtigkeit auf den Grund. Er arbeitet mit hebräischen und griechischen Begriffen, die im Kontext der Sprachen und Kulturen auf ihre Bedeutung geprüft werden, er vergleicht und führt mit umfangreichen Beispielen durch die gesamte Bibel. Daraus erhärtet sich seine These, dass in der Bibel ein balanciertes Verhältnis von Schuld und Scham besteht, sowohl im Umgang Gottes mit den Menschen als auch in den Kulturen, in denen die Bibel entstanden ist.

Diese These ist besonders für Theologen wichtig, denen durch ihre Kulturbefangenheit der Blick für die Zusammenhänge des Schamempfindens im Wort Gottes fehlt. Das heraus zu arbeiten ist auch eines der wichtigen Verdienste des Autors.

Mit dem 4. Kapitel beginnt ein zweiter Teil. Der Autor verlässt den analytischen Ansatz zugunsten eines breiten Anwendungsforums, das keine Lücke lässt: Die theoretischen Implikationen für den interkulturellen Dienst. Die These der balancierten Scham- und Schuldorientierung wird auf bekannte missiologische Literatur angesetzt und durchgehend bestätigt. Persönlichkeit, Animismus, Theologie sind Beispiele der Grundsatzdiskussion. Im 5. Kapitel werden praktische Implikationen für den interkulturellen Dienst in den Bereichen Kommunikation und Kontextualisierung, Evangelisation, Gemeindeleben und Seelsorge vermittelt. Vereinfacht könnte man die praktischen Schlussfolgerungen so zusammenfassen: Korrigiere die westlichen Ansätze zu mehr scham- und die nicht-westlichen zu mehr Schuldorientierung und man ist auf der richtigen Spur. Die tiefen Rinnen der westlichen Denkmuster sollen durch die vielen Anwendungen deutlich werden und Theologe sowie Missionar zu neuen Ansätzen animiert werden. Die praktischen Hinweise z.B. für die Evangelisation im Islam, im Animismus, für die Anwendung beim Power Encounter und im Westen für die Generation X sind außerordentlich hilfreich für die Missionsmethodik. Hier beweist der Autor seine kompetente Einsicht. Es ist bezeichnend, welch starkes Gewicht der Autor auf die zuverlässige biblische Grundlage legt und immer wieder darauf verweist.

Andererseits unterliegt die enorme Weitläufigkeit einer gewissen Oberflächlichkeit, so dass die Glaubwürdigkeit der Analyse stellenweise leidet. Manche Behauptungen sind so kurz skizziert, das sie vom Leser nicht konsequent nachvollzogen werden können.

Wihers Studie ist angereichert mit 60 Tabellen bzw. Graphiken. Sie enthält eine umfangreiche Bibliographie, die die ganze Breite der Forschung reflektiert (74 S.), ein Abkürzungsverzeichnis und einen Index für Autoren und wichtige Begriffe (11 S.).

Prof.Dr. Klaus W. Müller, em 2006-2.

Wilhelm, Jörn. Samuel Hebich - der große Seelengewinner. Züge aus seinem Leben und Wirken. Lahr: St. Johannis 1993/4.

Samuel Hebich arbeitete 25 Jahre lang als Mis­sionar in Indien unter Indern und englischen Kolonialbeamten. Wer mit dem Lebensbild von He­bich noch nicht vertraut ist, muß sich durch die ersten 30 Seiten regel­recht hindurch­kämpfen. Die Sprache ist für jüngere Leser ein­fach zu klischeehaft. Dennoch lohnt sich die Überwindung. Vor allem in der zweiten Hälfte lernte ich einen Mann kennen, der mir zeigt, daß es einen direkten Weg zum Herzen des Nächsten gibt. Erfrischend ist die Schilderung, wie Hebich z. B. einen hochgestellten Major buchstäblich unter dem Sofa her­vorholte und ihn ohne Umschweife zur Umkehr aufforderte: „Sie haben keine Aussicht zu entrinnen. Sich müssen sich bekehren von all ihren Sünden“. – Ich stimme mit der Aussage des Rückentextes überein: „Samuel Hebich gehört zu den interes­santesten Persönlichkeiten der Missionsge­schichte des 19. Jahrhunderts“. Die Lektüre wird jeden Missionar zum unerschrockenen Zeugnis ermutigen, auch wenn seine Sprach­kenntnisse noch mangelhaft sind. Die Liebe zu den Verlorenen und Gottes treues Wirken wa­ren bei Samuel Hebich der Schlüssel zum Ge­lingen.

Theo Wüst, em 1996-4.

Wilkinson, John. The Coogate Doctors. The History of the Edinburgh Medical Missionary Society 1841 to 1991. EMMS: Edinburgh, 1991.

Dies kleine Buch ist eine gut lesbare Geschich­te der ersten ärztlichen Missionsgesellschaft überhaupt und ist deswegen für alle nützlich, die sich mit den Anfängen der ärztlichen Mis­sion beschäftigen. Gegründet auf Anregung von amerikanischen China Missionaren, brei­tete sich die Idee der ärztlichen Mission als eigenständigem Zweig der Missionsarbeit von Edinburgh weltweit aus. Ua. stand das Vorbild der EMMS 1898 Pate bei der Gründung des Stuttgarter Vereins für ärztliche Mission, der Vorstufe des Deutschen Instituts für ärztliche Mission (1906) in Tübingen (23f). Die EMMS ist vorwiegend in der Ausbildung ärztlicher Missionare engagiert, ist aber auch für ein Hospital (Nazareth) direkt verantwortlich.

                                                                                                                                    Dr. Klaus Fiedler, em 1994-2.

Williamson, Mabel. Haben wir keine Rech­te? Fundamente für Nachfolge und Dienst. Neuhausen: Hänssler, 1992.

In erster Linie sind mit dieser älteren Erbau­ungsschrift einer Chinamissionarin Missionare angesprochen. Dabei ist die Frage „Haben wir keine Rechte?“ weniger provokativ als seelsor­gerlich gemeint. Die Autorin erlebte selbst, daß es leichter fällt, um des Dienstes willen Mühen auf sich zu nehmen, als auf Rechte zu verzich­ten. Ihre Antwort, mit vielen Beispielen aus China garniert, orientiert sich an Paulus: „Ich habe von diesem Recht keinen Gebrauch gemacht…. damit ich möglichst viele gewinne“ (1 Kor 9).

Christof Sauer, em 1994-3.

Wright, Christopher J. H. „Mission as a Matrix for Hemeneutics and Biblical Theology“, in C. Bartholomew, M. Healy et al. (eds.), Out of Egypt: Biblical Theology and Biblical Interpretation. Scripture and Hermeneutics Series (Carlisle: Paternoster, 2004), 102-143.

Wright ist der International Ministries Director der Langham Partnership International Stiftung in Großbritannien. Zuvor war er einige Jahre Missionar in Indien und sowohl Dozent als auch Direktor des All Nations Christian College. In seinem Beitrag „Die Mission als Matrix für Her­meneutik und Biblische Theologie“ umreißt Wright, was es bedeutet, die Bibel umfassend von der Mission Gottes und der Mission seiner Gemeinde her zu verstehen. Nach Wright ent­hält die Bibel nicht nur eine Reihe von Texten, die Begründungen für unsere Missionsbe­mühungen liefern, sondern Wright plädiert: „… the whole Bible is itself a 'missional' phenomenon. The writings that now comprise our Bible are themselves the product of, and witness to, the ultimate mission of God. The Bible renders to us the story of God's mission through God's people in their engagement with God's world for the sake of the whole of God's creation“ (103). Nach einer Einführung und Definitionen zeigt Wright anhand von Lk 24.45­47, dass Christen die Schrift nicht nur christologisch/messianisch, sondern auch mis-sionsorientiert lesen müssen. Mit der Aussage „Es steht geschrieben“ Jesus „seems to be saying that the whole of the Scriptures … , finds its focus and fulfilment both in the life and death and resurrection of Israel's Messiah and in the mission to all nations, which flows out from that event. ... The proper way for disciples of the crucified and risen Jesus to read their Scriptures is from a perspective that is both messianic and missional. … a messianic reading of the Old Testament has to flow on to a missional reading - which is precisely the connection that Jesus makes in Luke 24“ (107). Für die Durchführung fordert Wright: „To attempt a missional hermeneutic, then, is to ask: Is it possible, is it valid, is it profitable, for Christians to read the Bible as a whole from a missional perspective, and what happens when they do?“ (109). Im Folgenden beschreibt Wright die notwendigen Schritte auf dem Weg zu einer „missionalen Hermeneutik“. Dabei geht es um mehr als eine biblische Begründung für Mission (109-13), um mehr als multikulturelle hermeneutische Perspektiven und „advocacy readings and postmodern hermeneutics“. Zu den Umrissen dieser Hermeneutik (120-37) gehört die Einsicht, dass die Bibel selbst Ergebnis der Mission Gottes ist. „This means reading texts in the light of God's purpose for his whole creation … , in light of God's purpose for human life in general on the planet… , in light of God's historical election of Israel … , in light of the centrality of Jesus of Nazareth … , in the light of God's calling of the church, the community of believing Jews and Gentiles who constitute the extended people of the Abrahamic covenant, to be the agent of God's blessing to the nations in the name of, and for the glory of, the Lord Jesus Christ“ (137). Ein anregender Aufsatz für Missiologen und für Bibelwissenschaftler und eine Einladung zum interdisziplinären Gespräch.

Prof. Dr. Christoph Stenschke, em 2007-2.

Wright, Christopher J. H. The Mission of God. Unlocking the Bible’s grand narrative. Nottingham/UK: IVP, 2006.

1931 sprach Karl Hartenstein zum erstenmal von der Missio Dei. Seitdem und vor allem seit Vicedoms gleichnamiger Veröffentlichung nach Willingen 1952 wurde dieser Begriff zu einem zentralen Ausgangspunkt kreativen missions­theologischen Denkens im 20. Jahrhundert. Im vorliegenden Buch entfaltet ein evangelikaler Bibelwissenschaftler eine umfassende biblische Theologie vom Gesichtspunkt der missio Dei aus. Der Autor ist Alttestamentler, ehemals Do­zent in Indien und England (All Nations) und gegenwärtig Direktor der Langham Partnership International/ John Stott Ministries. Sein Buch hat vier große Teile. Im ersten Teil „The Bible and Mission“ (S.29-70) formuliert Wright seine These, dass die missio Dei als hermeneutischer Interpretationsrahmen wesentlich zum Verständ­nis des biblischen Kanons beitragen kann. Dann lädt er den Leser ein zur theozentrisch-missio-nalen Re-Lektüre der großen biblischen Erzäh­lung. Er struktuiert seine Darstellung nicht his­torisch oder dem Verlauf der biblischen Bücher folgend, sondern entlang des thematischen Drei­ecks Gott, Volk Gottes und Welt. Er bezieht immer beide Testamente ein und vermittelt so eine gesamtbiblische Perspektive. In Teil 2 wird die theozentrische Perspektive entfaltet: „The God of Mission“ (S.71-188). Ausgangspunkt von Wrights Darstellung eines „dynamischen missionalen Monotheismus“ (S.532) ist Israels Erfahrung der Gnade Gottes im Exodus. Dabei macht Wright deutlich, dass die heilbringende missionarische Offenbarung Jah­wes im AT und Jesu Christi im NT den Konflikt mit den falschen Göttern und Götzen ein­schließt. Neben einer Erörterung des biblischen Verständnisses von Göttern und Dämonen wer­den praktische Fragestellungen wie Irrwege eines geistlichen Triumphalismus (in extremen Ansätzen des spiritual warfare) oder religiöser Aggression diskutiert: „Wir kämpfen gegen den Götzendienst … um den Menschen zu segnen … mit tiefer Liebe, Demut und Barmherzigkeit – so wie Jesus es uns gezeigt hat“ (S.179). Eine tiefergehende Diskussion der Thematik Gewalt und Mission im Alten Testament findet sich hier jedoch nicht.

Teil 3 entfaltet die Mission Gottes durch sein Volk im Alten und Neuen Testament „The Peo­ple of Mission" (S. 189-392) und beginnt bei der Segensverheißung Gottes an Abraham, die aus­führlich exegetisch behandelt wird. Dabei arbei­tet der Autor die missionale Dimension des Se­gensbegriffs heraus. Anhand des Exodus-Ge­schehens und der Verordnung des Jubel-Jahres entwickelt der Autor eine befreiungstheolo-gisch-holistische Soteriologie, die geistliche, so­ziale, ökonomische, ökologische und politische Dimensionen integriert und warnt vor dem Aus­einanderreißen des sozial-diakonischen und geistlich-evangelistischen Auftrags: „I beg to dissent from the notion that evangelism by itself will result in social change, unless Christians are also taught the radical demands of discipleship to the Prince of Peace ... and his justice“ (S.321). Die jeweils ganze örtliche Gemeinde Jesu habe den missionarischen Auftrag „through the combined engagement of all its members [to apply] the redemptive power of the cross of Christ to all the effects of sin and evil in the sur­rounding lives, society and environment” (S.322).

Im vierten Teil, „The Arena of God's Mission“, geht es um Gesellschaft und Welt als Ort der missio Dei. Themen sind hier die Erde als Schöpfung und Besitz Gottes und der damit ein­hergehende Auftrag zu ihrer Bewahrung und Pflege, die auch als Teilnahme an der Mission Gottes zu verstehen sind, das Bild der Nationen im AT und NT sowie das Weltbild der Weis­heitsliteratur, das die Grenzen des Wachstums und der Machbarkeit ernstzunehmen lehrt. Als Konkretion der menschlichen Spannung zwi­schen Gottesebendbildlichkeit und Sünde in ei­ner gefallenen Welt wird der Umgang mit HIV/ AIDS beschrieben und aufgezeigt, dass ganz­heitliche missionarische Zuwendung gerade an­gesichts der unmittelbaren Wirklichkeit des Sterbens die ultimative Wirklichkeit der Rettung durch den auferstandenen Jesus bezeugt (S. 439­-441).

Wrights großes Werk ist sowohl für bibelwis­senschaftlich als auch missiologisch interessierte Leser ein Gewinn. Es enthält ausführliche Na­mens-, Themen- und Bibelstellenregister, eine Bibliographie, ein kurzes Inhaltsverzeichnis und ein detailliertes „Outline“, letzteres leider ohne Seitenangaben, was das Auffinden bestimmter Abschnitte etwas erschwert.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2008-1.

Wrogemann, Henning. Mission und Religion in der Systematischen Theologie der Ge­gen­wart. Das Missionsverständnis deutsch­sprachiger protestantischer Dogmatiker im 20. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht: Göt­tingen, 1997.

Vor 70 Jahren (von O. Kübler 1929 und E. zur Nieden 1928) ist ein ähnlicher Versuch ge­macht worden, nämlich die systematische als die am deutlichsten normative Disziplin der Theologie nach ihrer Stellung zur Mission zu befragen. Hier geschieht aber mehr – es wird auch nach dem Stellenwert von Religionen ge­fragt, und dies in systematischer Weise.

Kein bequemes, aber ein erstaunlich lehrrei­ches Buch, auch gut gemacht, mit ca. 600 Ti­teln Literatur und einem Register der Bibel­stellen (leider schmal!) und der Personen. Zwei Kritikpunkte am Rande: Ludwig Wiedenmanns (SJ) Studie über Mission und Eschatologie fehlt, die einen Teilaspekt untersucht hat. Der andere ist die historische These, das Christen­tum sei die derzeit größte Religion der Erde, und das „verdankt das Christentum aber nicht zuletzt den gewaltsamen Mitteln, mit denen die europäischen Kolonialmächte ihre Kultur und Religion in den letzten Jahrhunderten verbreitet haben“. Das kann man – wenigstens weitge­hend – auch ganz anders sehen.

Eine systematische Studie, die systematisch fragt, da spielt also auch eine Philosophie (die von E. Levinas) als Hinweis auf die Fremdheit des Fremden eine Rolle, und die Position von Th. Sundermeier, der die Hermeneutik des Fremden als Aufgabe der Christenheit in ihrer Mission besonders betont.

Positiv sei auch gewürdigt, daß der Verfas­ser eine Auswahl trifft, und wie er sie trifft. Da werden für die erste Hälfte des Jahrhunderts Martin Kähler, Ernst Troeltsch, Paul Althaus, Karl Barth und Paul Tillich ausgesucht, knapp analysiert und kritisch gewürdigt. Für die zweite Hälfte dann Wolfhart Pannenberg, Helmut Thielicke, Jürgen Moltmann sowie Mi­chael von Brück und Friedrich Wilhelm Mar­quardt.

Zuerst tendierte der Rezensent dazu, das Buch „kritisch“ zu lesen, und fand reichlich Stoff zur Kritik; dann aber etwas freundlicher – als eine Wegbeschreibung für (Teile des deut­schen) Protestantismus; eklektisch also, und fand sehr viel Lehrreiches, viel Klärendes. Be­sonders gilt das nun auch für das kritische Element in der Auswahl: von Brück und Mar­quardt gelten als Beispiele, wie im Einlassen auf eine andere Religion christliche Theologie von Identitätsverlust bedroht sein kann.

Zu dieser Wegbeschreibung des 20. Jahr­hunderts kommt noch der letzte Teil hinzu – eine Art Resümée am Rastplatz, am Ende die­ses 20. Jahrhunderts (S.275-318). Darin wird aber nicht nur im weiten Umgriff Fazit gezo­gen und Desideria aufgestellt. Es wird auch ein Ausblick gewagt, der nun von der Fremdheit des Anderen und der Mühe, ihn zu verstehen (ohne ihn zu vereinnahmen) redet. Dabei ist theologisch wesentlich die Unterscheidung zwischen Gottes Segen, der nach der Schrift auch unter Heiden wirkt, und Gottes Rettung, die an sein Wort gebunden ist. Dabei wirkt auch der Begriff der Konvivenz nüchtern-hilfreich. Man kann etwas mit diesem Buch an­fangen; man muß auch weiterarbeiten. Wie fremd sind uns eigentlich unsere säkularisierten Zeitgenossen geworden? Oder anders: Wie wenig Übereinstimmung besteht zwischen der Kultur, in der wir leben (und in der sich das Christentum hat auswirken können) und dem Anspruch des Evangeliums?

Ein dichterer Bezug zur Heiligen Schrift hätte vielen potentiellen Lesern den Gebrauch des Buches leichter gemacht; aber man kann nicht alles auf einmal tun, und der Autor ver­sucht durchaus, exegetische Befunde und Ein­sichten zur Geltung zu bringen, insbesondere im letzten Teil.

Prof. Dr. Niels-Peter Moritzen, em 1998-4.

Wrogemann, Henning. Missionarischer Islam und gesellschaftlicher Dialog. Eine Studie zur Begründung und Praxis des Aufrufs zum Islam. Verlag Otto Lembeck, Frankfurt/M, 2006.

Das Buch des Leiters des Missionsseminars in Hermannsburg und Privatdozenten für Religionsgeschichte und Missionswissenschaft an der Theologischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg ist die leicht überarbeitete Habilitationsschrift des Verfassers, die im Jahr 2005 unter dem Titel „Da’wa islâmîya – Der Ruf zum Islam. Eine Studie zur Begründung und Praxis des Aufrufs zum Islam im internationalen sunnitischen Diskurs“ von der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg angenommen wurde. Die Arbeit untersucht aus christlich-theologischer Sicht das muslimische Konzept der Da’wa, des Aufrufs in den Islam bzw. zum wahren Islam. Die Verwendung des Begriffs „missionarisch“ im Buchtitel begründet der Vf. damit, dass zahlreiche muslimische Autoren, die auf Englisch schreiben, das arabische Wort „da’wa“ mit „mission“ übersetzen. Der Vf. macht in seinem Werk auf jeden Fall deutlich, dass der Islam eine „missionarische“ Religion ist, auch wenn manche Muslime das bestreiten. (Dahinter steht die Unterstellung, dass christliche Mission „Proselytismus“ sei).

Der erste Hauptteil des Buches steht unter dem Thema „Ausbreitung des Islam und Geschichte des da’wa-Diskurses“. Der Vf. analysiert relativ knapp das Verständnis von da’wa im Koran, ohne auf das damit verwandte Konzept des ğihâd (Eifer, Einsatz für Allah, „Heiliger Krieg“) einzugehen. Es folgen kurze Überblicke zur Ausbreitungsgeschichte des Islam und zu den islamischen Reformbewegungen im 19. und 20. Jahrhundert.

In Teil II („Da’wa-Bewegungen im 20. Jahrhundert“) bringt der Vf. einen Überblick über die Gruppen und Einrichtungen, die Da’wa auf unterschiedlichste Weise betrieben haben. Dabei wird deutlich, wie weit der „Ruf zum Islam“ gefasst werden kann: als Einladung zur Annahme des Islam, als Ruf zur islamischen Einheit, als Bemühen um die Islamisierung der Muslime und der Gesellschaft und schließlich als Instrument nationaler und transnationaler Ideologien. Die Frage nach der Beziehung der Da’wa zum Ĝihâd erörtert der Vf. vor allem im Zusammenhang der Ideologie Sayyid Quţbs (§ 6, Abs.3.3 und 4).

Im Kern des Buches und umfangreichstem Teil III (S.187-375) wird „der internationale Diskurs: da’wa-Theologien und da’wa-Strategien für das 21. Jahrhundert“ behandelt. Da die muslimische Literatur zur Da’wa mit den darin vorgetragenen Begründungen, Konzepten und Methoden in den letzten Jahrzehnten fast unübersehbar geworden ist, beschränkt sich der Vf. auf den sunnitischen Islam und auf die Untersuchung von acht, nach seiner Ansicht einigermaßen repräsentativen, zeitgenössischen Autoren (I. al-Farûqi, M. Shafîq, S.A. Siddiqi, R. ´Ibn Hâdî, A. von Denffer, F. Esack, T. Ramadan, und A.H. Shakr).

Aus den vorgestellten Da’wa-Konzepten entwickelt Wrogemann eine Typologie, in der er vier Modelle von Da’wa unterscheidet: 1. die reformatorisch-organisatorische Da’wa (moderat salafitisch), 2. die revolutionär-prozedurale Da’wa (neusalafitisch, integristisch, islamistisch), 3. die purifizierend-individualistische Da’wa und 4. die befreiungstheologisch-kooperative Da’wa (modernistisch-salafitisch).

Im entscheidenden und abschließenden Teil IV „Islamische da’wa, christliche Mission und die Frage des gesellschaftlichen Pluralismus – Ausblick“ diskutiert der Vf. das Verhältnis von christlicher Mission und islamischer Da’wa zueinander und die Implikationen beider Konzepte im Blick auf Dialog, Toleranz und gesellschaftlichen Pluralismus sowie ihre möglichen Beiträge zum gesellschaftlichen Frieden.

Die Analyse moderner Konzepte von Dialog, Toleranz, Pluralismus, Wahrheit und Gerechtigkeit durch den Vf. zeigt, wie sehr diese im Westen aus der christlichen Tradition heraus gewachsenen Vorstellungen von den muslimischen Sichtweisen abweichen, auch wenn Muslime heute in ihrer Da’wa die westliche Begrifflichkeit benutzen. Wrogemann hofft aber, dass christliche Mission und islamische Da’wa in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft nebeneinander existieren und sogar miteinander einen Betrag zu gesellschaftlicher Gerechtigkeit leisten können. Dabei redet er nicht einer Harmonisierung von „Letztbegründungsansprüchen“ das Wort, sondern sucht nach Schnittmengen, die Koexistenz, Verstehen und begrenzte Zusammenarbeit ermöglichen. Er sieht Ansätze dafür, dass auch unter muslimischen Gelehrten ein Prozess der kritischen Selbstreflexion und des Verzichts auf religiöse Eigenmächtigkeit in Gang gekommen ist.

Das Buch ist detailliert gegliedert und lässt sich deshalb auch als Nachschlagewerk benutzen. Ebenso hilfreich ist die umfangreiche Bibliographie (S.451-500) aus Primär- und Sekundärquellen. Bei allen Fragen, die zum Teil IV bleiben, ist das Buch ein wertvolles Arbeitsmittel zum Thema „Da’wa“.

Eberhard Troeger, em 2006-4.

Yamamori, Tetsunao. Unerreichte Völker. Neue Strategien für einen großen Auftrag. [God’s Special Envoys: Penetrating Missions’ Final Frontier], Neuhausen: Hänssler, 1994.

Der Präsident der christlichen Hilfsorganisation „Food for the Hungry“ entwickelt in seinem Buch „Unerreichte Völker“ ein neues Mis­sionskonzept mit der Überzeugung, daß bishe­rige evangelistische Bemühungen nicht in der Lage sind, auf die heutigen Entwicklungen einzugehen. Das Erfüllen des missionarischen biblischen Auftrages kann laut Yamamori mit „Gottes Sonderbotschaftern“ geschehen. Die Sonderbotschafter (SB) sind intelligente, fi­nanziell gesicherte, beruflich erfolgreiche Jün­ger Jesu, die sich durch eine hohe Flexibilität und kulturelle Anpassungsfähigkeit in wirt­schaftlich und geistlich armen Ländern ein­setzen. Der SB ist eine Mischung aus Entwick­lungshelfer, Zeltmacher und traditionellem Missionar. In der Vielfalt der Anforderungen, die an den SB gestellt werden, zeigt sich eine Schwäche des Buches. Lesenswert ist das Buch, weil es eine Fülle von praktischen, bibli­schen und missionstheologischen Ansätzen beschreibt und den Fokus der „Unerreichten“ nie verliert. Nebst dem 10/40 Fenster von Bush sind im Anhang die Kontinentkarten des Adopt-A-People-Clearinghouse mit dazuge­hörenden Statistiken vorgestellt. Leider weicht anderes Zahlenmaterial seines Buches zum Teil erheblich von bekannten Angaben ab. So wird z.B. der Anteil der bibelgläubigen Christen an der Weltbevölkerung des Jahres 1992 mit 14,7% angegeben (S.50). Im Vergleich dazu gibt Johnstone ohne evankelikale und charis­matische Katholiken 8,7% an (Gebet für die Welt; 1994). Ähnliches gilt für Yamamoris Aussage, daß nur gerade ein Tausendstel aller Missionsarbeit für die „Unerreichten Völker“ getan wird (S.47). Yamamori weist auf die vielfältigen Möglichkeiten hin, die sich durch die aktuellen Kriegs- und Katastrophenherde ergeben. Er wünscht sich eine agierende und nicht nur reagierende Missionsbewegung. Yamamori bedient sich soziologischer Erkenntnisse für missionsstrategische Überle­gungen. Seine Analyse basiert auf dem Erfor­schen des von ihm benannten „Assimilations­- und Identifikationsfaktors“ einer ethnischen Gruppe oder des „Gastfreundschaftsindex“. Die durch Umfragen ermittelten Werte sensibilisieren die SB für den eigentlichen Auftrag. Von der neutestamentlichen Missionstheologie her beurteilt fehlt jedoch in seinem Buch die Sicht für den apostolischen, gemeindegründenden Pionierdienst. Sein Aufruf zur Sendung von 600 000 SB darf nicht überhört werden.

Marco Gmür, em 1995-4.

Yang, Nak Heong. Reformed Social Ethics and the Korean Church. Asian Thought and Culture 21. Peter Lang: New York, 1997.

Im Peter Lang Verlag (hier: New York) sind mittlerweile erfreulich viele evangelikale Dis­sertationen erschienen, so auch die vorliegende Disserta­tion am Fuller Theological Seminary von Nak Heong Yang, Assistenzpro­fessor für Ethik und Kirchengeschichte am Korea Theo­logical Seminary. Auf den ersten 100 Seiten gibt Yang einen guten Überblick über die re­formierte politische Ethik von Calvin, Knox und Beza aus der Vergangen­heit und vier nie­derländisch-reformierten, einem anglikanisch-reformier­ten (John Stott) und einem methodi­stisch-reformierten (Stephen Mott) Theologen der Gegenwart. Dabei stellt er besonders den Gegensatz einer bewußten Veränderung und Gestaltung der Gesellschaft auf der refor­mierten und die reine Beschränkung auf Evan­gelisation in manchen an­deren evangelikalen Richtungen heraus.

Im zweiten Teil des Buches stellt Yang die Geschichte des Verhältnisses der Kirchen – vor allem der evangelikalen presbyterianischen Kirchen – zum koreanischen Staat seit 1884 und besonders seit 1945 dar. Er kommt zu dem Schluß, daß die liberalen Kirchen so auf Politik konzen­triert waren, daß das christliche Zeugnis kaum mehr erkennbar war, wäh­rend ande­rerseits evangelikale Gemeinden passiv blie­ben. Wenn über­haupt, dann unterstützten sie nur die vielen christlichen Politiker des Landes,
und dies nur, weil sie auf dem Papier Christen waren, während in Wirklichkeit deren Politik keinen christlichen Einfluß erkennen ließ, son­dern von Korruption usw. geprägt war, wie die Kirchen hinterher immer wieder verbittert fest­stellen mußten. Das bedeutet aber, daß die presbyte­rianischen Kirchen, die so stolz auf ihre reformierte Tradition sind, einen wesentli­chen Aspekt der reformierten Theologie ha­ben einfach unter den Tisch fallen lassen, nämlich, daß Evangelisation durch ein bewußtes so­ziales Gestalten der Gesellschaft zu ergänzen ist, was einen prophetischen Protest gegen sündige Strukturen wie Diktatur und Korruption ein­schließt. Dies gilt um so mehr, wenn Kirchen ein solch großer und ständig wachsender Machtfaktor sind, wie die evangelikalen Pres­byterianer in Ko­rea.

Auch wenn man sich gewünscht hätte, daß der Verfasser am Ende et­was deutlicher skiz­ziert, was er denn von den evangelikalen Kir­chen in Korea nun erwartet, ist das Buch nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Si­tuation in Ko­rea, sondern zur Frage des Verhältnisses von Evangelisa­tion und gesellschaftlicher Verant­wortung überhaupt.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-4.

Yohannan, K. P. Weltmission auf neuen Wegen. Kreuzlingen: Dynamis Verlag, 1994.

Yohannan, Leiter von „Gospel for Asia“, be­schreibt seinen Werdegang als Missionsleiter und die Missionssituation in seinem Heimat­land Indien. Seine Hauptthese lautet: „Millionen von Menschen könnten das Evan­gelium in den nächsten Jahren hören und an­nehmen, falls indische Missionare von westli­chen Finanzgebern unterstützt würden.“ Die Beispiele aus der Geschichte der 7000 einhei­mischen Missionare von ‚Gospel for Asia’, die Yohannan in seinem 1994 in deutscher Spra­che übersetzten Buch vorlegt, sind erfrischend und glaubwürdig. Der Leser wird immer wie­der auf die eigene Hingabe an Christus ange­sprochen. Diese Botschaft braucht der Westen. Yohannan kritisiert die westliche „Mis­sions­in­du­strie“ (insbesondere die USA), weil sie mehrheitlich den Schwerpunkt des Auftrages Gottes, näm­lich Menschen zu Chri­stus führen und den da­mit verbundenen Gerneindebau zu Gunsten von sozialen Arbeiten aufgegeben hat. Es stört Yohannan, daß „Unterm Strich … ein westli­cher Missionar dreissig bis vierzigmal mehr Geld benötigt als der einheimische“ (S.171) und er fordert eine Umverteilung der Gelder.

Seine Anklagen sind teilweise berechtigt, Der informierte Leser fragt sich jedoch, inwie­fern es sich um „neue Wege“ handelt. Die Frage, ob es „noch Platz für westliche Missio­nare in Asien gibt“, beantwortet Yohannan da­mit, daß es nur noch zwei Länder für den Ein­satz westlicher Missionare gibt, Afghanistan und die Malediven (S.167). Mit seiner Aus­sage „die Zeit ist vor­bei, wo westliche Missio­nare in noch nicht evangelisierte Länder gin­gen. Ein neues Zeit­alter hat angefangen – Gott wird durch einhei­mische Leiter in jeder Nation die Aufgabe weiterführen“ grenzt er jede per­sonelle Zu­sammenarbeit aus.

Zusammenfassend müssen sich westliche Missionare und Missionsorganisationen sagen lassen, daß sie sich noch mehr auf ihre Stärken besinnen müssen und nicht mehr für alle Dienste gefragt sind. Yohannan muß entgegen­gehalten werden, daß der biblische Auftrag der Weltmission für die europäischen Nationen be­stehen bleibt und sich nicht auf eine finanzielle Dimension reduzieren läßt.

Marco Gmür, em 1996-2.

Yohannan, K.P. The Coming Revolution in World Missions. God’s Third Wave. Creation House, 1986.

Manche Buchtitel gefallen mir nicht. Wenn man von Gottes dritter Welle spricht, sagt man, daß sich zwei verlaufen haben, nimmt die dritte für sich selbst in Anspruch und denkt nicht an eine vierte. Ich mag auch nicht, wenn ein Buch über die eigene Lebensführung und die von einem selbst gegründete Mission gleich eine „Revolution der Weltmission“ für sich in An­spruch nimmt.

Trotz des mir zu hoch greifenden Titels ist das Buch eine Auseinandersetzung wert. In ihm beschreibt K.P. Yohannan seine (und seiner deutschen Frau Gisela) Lebensgeschichte. Er begann als reisender OM Evangelist in Nord­indien, stellte nach sieben Jahren fest, daß die Einsätze bei großen Opfern zwar allerhand Bekehrungen, aber wenig bleibende Frucht hervorgebracht hatten, weil man den Aufbau von Gemeinden vergessen hatte, ging zum Studium ans Criswell Bible Institute in Dal­las/Texas, war dort einige Jahre Pastor einer Gemeinde und gründete dann 1983 „Gospel for Asia“, eine nordamerikanische Mission, die keine amerikanischen Missionare aussendet, sondern nur (inzwischen über 3500) asiatische Missionare, die in ihren eigenen (inzwischen 10) Ländern als Evangelisten und Gemeinde­gründer arbeiten.

Yohannans Position ist klar: Die Missionare des Westens (1. Welle: Zeit des NT und da­nach; 2. Welle: William Carey 1792 bis ca. 1950) waren nötig, um die Botschaft Jesu nach Asien zu bringen, und manche tun (meist als Spezialisten, z.B. als Bibelübersetzer) noch heute einen guten Dienst. Aber jetzt ist nicht mehr die Zeit der amerikanischen und europäi­schen Missionare. Wenn der Auftrag der Welt­mission erfüllt werden soll, ist jetzt die Zeit der (einfachen) asiatischen Missionare gekommen. In Asien leben die meisten Menschen, die keine Christen sind. Asiatische Missionare können in vielen Ländern frei arbeiten (z.B. in Indien), die keine ausländischen Missionare einreisen lassen. Sie brauchen keine lange Ausbildung, können ihre Arbeit „on the job“ lernen, die nö­tigen Zehntausende von Evangelisten sind vorhanden. Und da sie so ähnlich leben wie die Menschen, unter denen sie missionieren, arbeiten sie billig (vielleicht brauchen sie zusätzlich noch ein Fahrrad und einen Lautsprecher). Was dieser ständig wachsenden Missionsbewegung fehlt, ist Geld. Der beste Dienst, den Christen im Westen tun können, ist der, asiatische Evangelisten (30 solcher Evan­gelisten kosten weniger als ein westlicher Mis­sionar) zu finanzieren.

Yohannan vertritt genau das Gegenteil der sich auf Roland Allen berufenden „Indigenous Church Principles“, die besagen, daß die junge Kirche für ihre Missionsarbeit selbst aufzu­kommen habe. Genauso widerspricht Yohan­nan der weitverbreiteten Ansicht, daß die Mis­sion wohl Material und „Projekte“ bezahlen dürfe, aber auf keinen Fall Personal in geistli­cher Arbeit. Außerdem sind für Yohannan „Projekte“ nicht Aufgabe der Mission. Es ist nicht Mission, wenn es in Nordindien z.B. ein Missionshospital gibt, aber in 75 Jahren in der Umgebung von dort aus noch keine einzige Gemeinde gegründet worden ist.

Yohannans Definition von Mission ist eng und klar: Verkündigung des Evangeliums, Gründung von Gemeinden. Deswegen sind 80 oder 90% aller westlichen „Missionare“ keine
Missionare, weil sie entweder nur soziale Ar­beit tun oder der Kirche dienen und nicht unter Ungläubigen missionieren.

Für einen „westlichen Missionar“ liest sich Yohannans Buch, wenn auch freundlich ge­schrieben, nicht gut, und gewiß ist es einseitig. Es gibt aber Antwort auf Fragen, die wir ernst nehmen sollten: (1) Wie können die Millionen Indiens (und anderer asiatischer Länder) in überschaubarer Zeit mit dem Evangelium er­reicht werden? (2) Ist es zu begründen, west­liche (teure) Missionare zu finanzieren, zu­gleich aber (sehr genügsamen) asiatischen Missionaren die finanzielle Unterstützung zu verweigern? (3) Yohannan weist auf die „Welle der einheimischen Missionare“ hin. Wie neh­men wir diese Bewegung wahr, und wie stellen wir uns zu ihr?

Ich bin in Asien nie weiter gekommen als bis Baghdad. Ich wünsche mir, daß ein Missio­nar mit Asienerfahrung dieses Buch noch ein­mal rezensiert oder auch direkt zu den angeschnittenen Fragen Stellung nimmt.

Dr. Klaus Fiedler, em 1993-3.

Zacharias, Ravi. Jesus - der einzig wahre Gott? Christlicher Glaube und andere Religionen. Gießen: Brunnen, 2002.

In den Vereinigten Staaten ist der gebürtige Inder Ravi Zacharias ein gefragter Redner und inzwischen auch ein bekannter Autor. Mit dem ersten Buch, das von ihm nun in deutscher Sprache erscheint, will Zacharias nach eigenen Worten eine „Verteidigung der Einzigartigkeit der christlichen Botschaft“ (S.7) vorlegen. Er wählt dafür den Weg, die Antworten Jesu auf wesentliche menschliche Fragen (z.B. etwa die Frage nach dem Leid in der Welt) mit Antworten anderer Religionen zu vergleichen. Dabei werden zwar einzelne Details aus Islam, Hinduismus und Buddhismus beschrieben, zu einem zusammenhängenden Bild dieser Religionen kommt es jedoch nicht. Zur Illustration seiner Gedanken verwendet Zacharias eine Fülle von Beispielen aus seinem eigenen Erleben, sowie Beispiele aus Kunst, Philosophie und Literatur.

Seit seinem Erscheinen hat das Buch bereits begeisterte (christliche) „Fans“ gefunden, die die Argumente des Autors für absolut brillant und stichhaltig halten (vgl. die Leser-Rezensionen bei www.amazon.de). Dabei sind die Ausführungen von Zacharias für einen kritischen Leser nicht immer überzeugend. So z.B. wenn Zacharias unterstreicht, dass Jesus einen anderen Anspruch gehabt habe, als die verschiedenen Religionsstifter: Jesus wollte nicht nur die Wahrheit lehren, sondern er nahm (im Gegensatz etwa zu Mohammed) für sich in Anspruch, selbst die Wahrheit zu sein (S. 114f). Zacharias weiß also, dass Jesus und Mohammed mit unterschiedlichem Anspruch und Selbstverständnis auftraten, behauptet dann aber trotzdem: „Islam und Christentum … sehen die Wahrheit zuletzt in zwei verschiedenen Personen offenbart … Das macht einen Vergleich dieser beiden Personen notwendig“ (S. 199). Trotz solcher argumentativer Unschärfen enthält das Buch jedoch eine Fülle von interessanten und hilfreichen apologetischen Gedankengängen.

Andreas Baumann, em 2002-4.

Zaretsky, Tuvya (Hg.). Das Evangelium auch für Juden. Basel: Brunnen Verlag, 2006.

Das Evangelium - auch für Juden ist das Abschlussdokument der Arbeitsgruppe Nr. 60 „Evangelisation unter Juden” des Lausanner Forums 2004 in Pattaya. Das Thema des Fo-rums war „Eine neue Vision, ein neues Herz und eine erneuerte Berufung”. Diese Thematik zieht sich durch die sechs Kapitel hindurch und ist mit den Anhängen belegt.

Die Frage der Evangelisation der Juden wird aus den verschiedensten Gesichtspunkten beleuchtet und dokumentiert. Das erste Kapitel ist dem Bundesschluss Gottes mit seinem Volk gewid-met. Wie gehen wir heute damit um in unserem persönlichen Denken, in unserer Theologie? Können wir uns auf die biblische Wahrheit berufen oder sind wir einfach Mitläufer einer der vielen Strömungen? Fragen wie „Wenn Gott seinen Bund mit dem Volk Israel nicht aufgehoben hat, brauchen Juden zur Erlösung dann noch Jesus?” werden nicht ausgeklammert. Die Legitimität des Dialogs wird diskutiert und verschiedene Abhandlungen, welche die Evangelisation der Juden bejahen, respektive ablehnen, werden aufgeführt und beurteilt, bis hin zur heutigen Toleranzfrage und dem Wahrheitsanspruch der Christen wie auch der Juden.

Obwohl es weltweit nur vierzehn Millionen Juden gibt, sind diese eine sehr divergierte Gesellschaft bezüglich ihrer Heimatländer, Kulturen, und ihrer religiösen und philoso-phischen Überzeugungen. Ihre Gemeinsam-keiten nebst der Wanderschaft und dem Opferschicksal sind die Identifikation mit Israel und der Hunger nach Spiritualität. In Israel bekehren sich mehr Nichtjuden zum Judentum als zu Christus. Schätzungen reden von 50 000 bis 332 000 jüdischen Jesusgläubigen weltweit, wovon ungefähr 5 000 in Israel wohnen und eine der 100 messianischen Gemeinden besuchen. Sie haben die Möglichkeit eine theologische Ausbildung in Israel zu erhalten.

Diese Ausbildungsstätten sind zusammen mit den Gemeinden herausgefordert, den Jesus-gläubigen zu helfen, ihre Identität sowohl im Leibe Christi wie in der israelischen Gesell-schaft zu finden und zu definieren. Versöhnung und Eschatologie können Ermutigung zur Evangelisation sein. Christen benötigen jedoch Weisheit und Taktgefühl in ihren evange-listischen Bemühungen. Im Speziellen wird auf die Situation der Juden in Russland, der ehemaligen Sowjetunion, Deutschland und Nordamerika eingegangen.

Verschiedene Fallstudien zeigen, wie einzelne jüdische Gesellschaftsgruppen mit dem Evangelium erreicht werden können. Speziell wird darauf hingewiesen, dass theologische Ausbildungsstätten in den USA die Möglichkeit anbieten, bestimmte Studienfächer in Israel zu belegen. Leider hätten dabei nur wenige in ihrer Ausbildung die Betonung auf die Evangelisation der Juden gelegt. Hier könnten die Mitglieder des Lausanner Kommittees für Evangelisation unter Juden (LCJE) durch Vorlesungen und Diskussionsgruppen die theologischen Ausbil-dungsstätten unterstützen, bis hin zu spezi-fischen Leiterschaftskursen für die heutige Situation in der Evangelisation der Juden. Das sechste und letzte Kapitel schließt mit dem Gebet für ein neues Herz, eine neue Vision und eine erneuerte Berufung der Kirche.

In den fünf Anhängen wird das LCJE vorgestellt, verschiedene Erklärungen der LCWE zusammengefasst und statistische Zahlen der jüdischen weltweiten Bevölkerung aufgelistet. Im Besonderen wird noch einmal auf die Mischehen eingegangen. Die Bibliographie enthält ausschließlich englische Titel.

Sowohl der englischen wie der deutschen Ausgabe kann der interessierte Leser gut folgen. Die Schrift gibt einen ausgewogenen Überblick, weckt das Interesse zum Weiterstudium und gibt Anregung zu kultur- und religionsübergreifender Kontextualisierung.

Dr. Philipp P. Schmuki,em 2007-1.

Zehnder, Markus. Umgang mit Fremden in Israel: Ein Beitrag zur Anthropologie des „Fremden“ im Licht antiker Texte. BWANT N.F. 8, Stuttgart: Kohlhammer, 2005.

Bei der anzuzeigenden Arbeit handelt es sich um die Habilitationsschrift von Dr. Markus Zehnder, Privatdozent an der Universität Basel. Die Monografie untersucht in einer knappen Einleitung die ethnische Fremdheit in soziologischer Sicht (S.21-47), behandelt im ersten Hauptteil den Umgang mit Fremden in Assyrien (S.48-278), im zweiten den Umgang mit Fremden im biblischen Israel (S.279-541). Abschließend wird ein zusammenfassender Vergleich gezogen, der die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Assyrien und Israel in Form von 49 Thesen herausarbeitet (S.542-554). Ein Abkürzungsverzeichnis, Namens- und Stellenregister sowie eine 40-seitige Bibliografie helfen das umfangreiche Werk zu erschließen.

Beim methodischen Vorgehen fällt auf, dass Zehnder nicht auf literarkritischen Hypothesen aufbaut, sondern grundsätzlich von einer „kanonischen“ Perspektive ausgeht und von einer historischen Einordnung der Gesetzessammlungen absieht. Ob B.S. Childs, auf den Zehnder sich dabei beruft (S.12, vgl. 12-14, 288, 311), mit diesem Vorgehen einverstanden wäre, scheint fraglich, da sich bei Childs viel Redaktionsgeschichtliches findet und infolge dessen viele biblische Schriften von ihm und anderen Vertretern des kanonischen Ansatzes spät datiert werden.

Die soziologische Untersuchung des Fremden bietet eine allgemein verständliche, meist thesenartige Einführung in die Problematik der ethnischen Fremdheit und definiert sinnvollerweise die wirkungsgeschichtlich belasteten Begriffe wie „Ethnie“, „Rasse“, „Rassismus“, „Nation“, „Nationalismus“, „Multikulturalität“ usw. Hier finden sich auch mancherlei Anregungen für die Missionswissenschaft und für die aktuelle politische Debatte über Immigranten und deren Integration.

Die Habilitationsschrift bietet die diskutierten assyrischen Quellen in (nicht eigener) Übersetzung. Daneben werden bildliche Darstellungen einbezogen, im Buch aber nicht abgebildet. Für Kapitel 3, das sich mit dem biblischen Israel beschäftigt, werden Hebräisch-Kenntnisse vorausgesetzt. Die Patriarchenzeit wird ausgeklammert.

Aus der Fülle der Textbeobachtungen und Ergebnisse kann hier nur einiges wiedergegeben werden: Im alten Israel begegne keine ethnisch oder rassisch begründete Fremdenfeindlichkeit; das Vernichtungsgebot (Ex 23; 34; Num 33; Dtn 7) gelte nicht grundsätzlich, sondern nur bestimmten Völkern und nur in einer historisch einmaligen Situation (S.401). Aufgrund der Expansionspolitik der Assyrer, die in Israel ohne Parallele ist, gehe es in Assyrien vorwiegend um unterworfene Fremde und kaum um Immigranten. Fremde würden im „Kerngebiet“ der beiden Staaten weitgehend assimiliert, was Assyrien in den eroberten Gebieten jedoch nicht gelang. Im Gegensatz zu Assyrien genießen Fremde in Israel einen besonderen Rechtsstatus; allerdings werde in Israel eine religiöse Integration erwartet. Auch finde sich nur bei den Propheten Israels eine eschatologische Perspektive für den Fremden.

Vor uns liegt ein anspruchsvolles und stattliches Werk auf hohem wissenschaftlichen Niveau, das sich durch große Sorgfalt, präzise Argumentation und vorbildlichen Umgang mit den Primärquellen auszeichnet. Nicht für jeden Leser von Evangelikale Missiologie wird es die geeignete Lektüre darstellen. Aber mit gutem Grund hat die Arbeit den Johann-Tobias-Beck-Preis 2006 verdient und wird zum Thema „Umgang mit Fremden in Israel und Assyrien“ für lange Zeit zu einem Standardwerk werden.

Dr. Walter Hilbrands, em 2006-3.

Ziefle, Helmut. Gegen Hitler und das Reich. Erinnerungen an eine glaubensstarke Mut­ter. Mit einem Geleitwort von Dr. Rolf Hille. Ernst Franz Verlag: Metzingen, 2000.

Mutter Ziefle ist die Heldin dieses Buches. Mit vielen sehr persönlichen Äußerungen und Ge­beten weist sie auf ihren Herrn und Heiland Je­sus Christus hin, mit dessen Kraft und Beistand sie dem Führer das „Heil Hitler“ versagte.

Die Familie erlebte alle denkbaren Facetten dieser unheilvollen Zeit, vom Sanitätsdienst im Inferno des brennenden Heilbronn über den Militärdienst der beiden Ältesten bei der Luft­waffe und in der Waffen-SS bis hin zur sie­benjährigen Kriegsgefangenschaft eines Soh­nes. Ziefles erlebten die brutale, menschenver­achtende Ideologie, die auch gegen die eigene Verwandtschaft gerichtet war, den Fanatismus im Opportunismus primitivster Prägung, den Kampf ums tägliche Brot und um das nackte Leben ebenso wie die wunderbaren Zeiten der Bewahrung Gottes.

Helmut Ziefle gewährt uns als Jüngster der vier Kinder einen Blick in seine Familienge­schichte, die erschütternd und mutmachend zugleich zum Zeugnis für manchen Spötter und zur Stärkung für Gläubige gewordenist. Es ist ein Buch, das sich inhaltlich zunächst an über­zeugte Christen wendet und darum vom Voka­bular her dem Glauben Fernstehende nicht ohne weiteres erreicht. Trotzdem eignet es sich als Gesprächsgrundlage für Hauskreise, wo es eine Brücke darstellen kann zur gegenwärtigen „braunen Gefahr“ in unserem Land. Es be­leuchtet anschaulich die Hintergründe eines Regimes, das leider bis heute seine Anhänger hat.

Konrad Brandt, em 2000-4.

Zimmerling, Peter. Die charismatischen Bewegungen: Theologie – Spiritualität – Anstöße zum Gespräch. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, 2001.

Eine Habilitationsschrift eines deutschen lutherischen Landeskirchlers, der in der evangelikalen Welt im weiteren Sinne beheimatet ist, und das zu einem der theologisch brisantesten Themenbereich der Gegenwart – das verspricht interessant zu werden. Zimmerling, längere Zeit als Pfarrer in Bensheim bei der Offensive Junger Christen tätig, kommt zwar immer wieder einmal auf die historische Entwicklung zu sprechen, will aber vor allem erheben, was den charismatischen Bewegungen – er spricht bewußt in der Mehrzahl – theologisch wichtig ist. Mit souveräner Quellenbeherrschung und gut lesbar stellt er jeweils das Anliegen der klassischen Pfingstbewegung, der charismatischen Bewegung innerhalb der bestehenden Kirchen (katholisch, evangelisch, freikirchlich) und der sog. Dritten Welle dar. Dabei bewegt ihn jedoch kein rein kirchengeschichtliches oder beschreibendes Interesse, sondern die kritische Würdigung. Unabhängig von den klassischen Streitfeldern der Thematik versucht er jeweils zu würdigen, welches Defizit der Kirchen die Charismatiker aufgezeigt oder gefüllt haben und wo ihre Stärken und ihre Schwächen liegen. Das tut er nicht pauschal, sondern für jedes Thema einzeln, so etwa zu Geistestaufe, Zungenrede, Prophetie, Heilung, Gottesdienst-gestaltung, Liedgut, Geistliche Kampfführung, innere Heilung, Gebetsbewegungen, Wohl-standsevangelium. Seine jeweiligen Empfeh-lungen an die Kirchen und an die Charismatiker sind sehr ausgewogen und sollten für das Gespräch – auch weltweit – beherzigt werden. Dabei wird besonders auch versucht, die jeweilige Kritik oder gar Warnung gründlich biblisch-exegetisch und besonders syste-matisch-theologisch zu begründen. Auch wenn der Autor vor allem die deutsche Situation im Blick hat und internationale Vertreter vor allem aufgrund ihres Einflusses dort in den Blick nimmt, gibt es derzeit meines Wissens keine vergleichbare Studie, die dem Missionar oder christlichen Weltbürger einen sachlichen Einblick in das theologische Anliegen der verschiedenen charismatischen Strömungen gibt und hilfreiche Anstöße für ein fruchtbares Gespräch vermittelt.

Ohne Namen, em 2002-2.

Zimmerling, Peter. Pioniere der Mission im älteren Pietismus. Gießen: Brunnen-Verlag, 1985 (Theologie und Dienst 47).

Auch angelsächsische Missionswissenschaft­ler (z.B. Kane, A Global View of Christian Missions, S.76.77), sprechen davon, daß die
ersten planvollen Unternehmungen der evangelischen Weltmission aus dem konti­nentaleuropäischen Pietismus hervorgegan­gen sind (S.15). Vor allem sind hier die Dänisch-Hallesche und die Herrnhuter Mis­sion zu nennen. Peter Zimmerling gibt in dem in der Reihe „Theologie und Dienst“ vorliegenden Band einen Abriß über Ent­stehung und Arbeitsweise dieser beiden miteinander verbundenen Missionsbewe­gungen.

Die Darstellung erschließt, wie die Dänisch-Hallesche Tranquebar-Mision „einen missi­onsmethodischen Maßstab setzte, der nicht mehr überboten wurde“ (S.19). So ist die Dänisch-Hallesche Mission sowohl was die sie tragenden Kreise als auch die Arbeit vor Ort betrifft, international (S.18.21.26 ff.) und in gewissem Sinne auch überkonfessio­nell (S.20.26 ff).

Ziel Ziegenbalgs war von Anfang an der Aufbau einer selbständigen einheimischen Kirche (S.21) mit einheimischen Mitarbei­tern (S.21). Diesem Ziel diente die Arbeit an der Bibelübersetzung (S.19), zu der die Erforschung der einheimischen Sprache not­wendig war, und der Aufbau von Bildungs­einrichtungen bis hin zum Seminar (S.21). Auch die Erforschung des religiösen und kulturellen Umfeldes nahm in der Arbeit Ziegenbalgs einen wichtigen Platz ein (S.20). In der Heimat wurde der Blick für die Verantwortung von Kirche und Gemeinde für die Mission geöffnet (Missionskollekten, Patenschaften, erste evangelische Missions­zeitschrift).

Hatte so die Dänisch-Hallesche Mission fast alle Defizite (S.8.9) der evangelischen Kir­chen auf dem Gebiet der Weltmission be­heben können, stand doch ein entscheiden­der Schritt noch aus, den Zimmerling bei der Darstellung der Herrnhuter Mission an­hand der Missionstheologie Zinzendorfs be­legt: Die Verantwortung der ganzen Ge­meinde für die Weltmission wieder aufzu­decken (S.33). Dabei war das Missionsziel Herrnhuts „im Grunde kein anderes als das Halles: Es ging darum, Heiden zu Jüngern Jesu zu machen“ (S. 34). Für die Herrnhuter Mission traten dabei die Menschen in den Mittelpunkt, „an die sich sonst niemand machen würde“ (S.36), in heutiger Terminologie: die „Unerreichten“ (S.40). Wich­tigste Missionsmittel sind die christozentri-sche Missionspredigt (S.39) und „Wandel und Gebet der Missionare“ (S.41).

So stellt die Herrnhuter Mission nicht nur wegen ihrer raschen weltweiten Ausdeh­nung (S. 42-44) Fragen an das Missions­engagement der heutigen evangelischen Christenheit in Deutschland. Leider kann Zimmerling wegen des beschränkten Umfangs viele Fragen nur kurz ansprechen. Überhaupt hätte man sich manche Darstel­lung und manches Zitat ausführlicher ge­wünscht. Die Kürze tut aber der Wirkung des Bandes als Anfrage und Motivation im Blick auf den gegenwärtigen missionstheo­logischen Aufbruch keinen Abbruch.

Klaus Wetzel, em 1988-2.

Zirker, Hans. Der Koran. Zugänge und Les­arten. Primus Verlag: Darmstadt, 1999.

Hans Zirker ist Professor für katholische Fun­damentaltheologie an der Gesamthochschule Essen und legt hier ein weiteres Buch zum Thema „Islam“ vor. Er versteht es, in fünf Ka­piteln sowohl Nichtfachleute in das nicht leicht durchschaubare Ausgangswissen zum Thema „Koran“ einzuführen, als auch Insidern einiges Lesenswerte und interessante Betrach­tungsweisen des Themas zu vermitteln.

Hervorzuheben ist zum einen Zirkers Bemühen, den Koran selbst in vielen Selbstzeugnis­sen zu Wort kommen zu lassen, als auch sein Ansatz, die orthodoxe muslimi­sche Position der nichtmuslimischen Betrach­tungsweise gegenüberzustellen, anstatt sofort Darstellung und (Be)Wertung zu vermischen. Auf diese Weise wird der unterschiedliche Blickwinkel von Muslimen und Christen in Bezug auf die Beurteilung des Korans gut deutlich: Wenn es z. B. um die Beurteilung der christlichen Überlieferung geht, so ist für Mus­lime der Is­lam die einzig wahre Offenbarung, die von Adam an be­stand und abschließend verkündet wurde und daher das, was der Koran über das Christentum sagt, ultimativ und nicht zu hinterfragen. Christen können dagegen mit dieser verkürzenden und engfüh­renden Dar­stellung ihres Glaubens natürlich nicht zufrie­den sein.

Zirker untersucht vor allem das muslimi­sche, kontrastierend dazu aber auch das christ­liche Selbstverständnis ihrer jeweiligen Offen­barungsschrift, ihrer beider Struktur, Aufbau und Inhalt. Der Autor zeigt auf diese Weise Grundlinien zum Verständnis des Korans auf, für die besonders der dankbar sein wird, der bereits ohne umfangreiche Kenntnis der frühisla­mischen Geschichte, Personen und theologischen Fachtermini versucht hat, den Koran einmal am Stück zu lesen und zu verste­hen. Viele übergreifende Aussagen vermitteln Ein­sichten in die koranische Theologie: „Am häufigsten bitten die Gebete des Koran um Ver­gebung angesichts der eigenen Verfehlung“ (86), „Der Koran kennt nicht wie die neute­stamentliche Bergpredigt das Gebot der Fein­desliebe“ (146), oder „Für den Koran ist es nicht denkbar, daß sich die gläubigen Men­schen klagend oder gar anklagend gegen Gott wenden, wie es in biblischen Zeugnissen der Fall ist“ (165).

Und schließlich verhehlt Zirker auch nicht, daß für ihn am Ende eine Reihe Fragen an den Koran offen bleiben: Nirgends erhält der mus­limische Theologe (geschweige denn, der ‘einfache’ muslimische Gläubige) klare Anwei­sung, welche Koranverse durch die Abroga­tion (Auffassung, daß bestimmte Koranverse durch andere ungültig wurden) „aufgehoben“, also heute nicht mehr gültig sind und welche Verse andere Verse „aufheben“. Auch die Tatsache, daß viele Anweisungen des Korans ohne um­fangreiches extra-ko­ranisches Hin­tergrundwis­sen nicht zu verstehen sind, ist eine Anfrage an den alleinigen und historisch um­fassenden Wahrheits- und Allgemeingültig­keitsanspru­ches des Korans.

Ein aufschlußreiches Buch zum Koran also, das dem Leser hilft, Strukturen und Schneisen im koranisch-muslimischen theologischen Denken zu finden.

Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-4.