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Lamparter, Fritz (Hg.). Karl Hartenstein – Leben im weltweiten Horizont.
Beiträge zu seinem 100. Geburtstag. edition afem. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1995. „Die Zeit ist nahe, unser Herr kommt.“ Das bleibt
Hartensteins (1894-1952) dringlichster Aufruf an die Christusgemeinde
zwischen dem ersten und zweiten Kommen des Herrn, ihr ganzes Leben, bis hin
zum Martyrium, für die Weltmission einzusetzen. Wer seine Schriften liest
oder die Bücher von Wolfgang Metzger (1953), Gerold Schwarz (1980) und
Christof Sauer (1994) über sein Leben und Wirken erforscht, der weiß, mit
welcher Leidenschaft dieser Mann der Kirche und Mission im Dienste des Reichs
Gottes die zentrale Wahrheit vom wiederkommenden Herrn zu verkündigen
wußte. Was mich beim Lesen besonders beeindruckt hat, ist die
vom Herausgeber bedachtsam vorgenommene Kombination von wissenschaftlichen
und erbaulichen Beiträgen. Die Sammlung besteht sowohl aus Referaten des
Karl-Hartenstein-Symposiums, das vom 3.-4. 6. 1994 von der Freien Hochschule
für Mission in Korntal veranstaltet wurde, als auch aus Vorträgen, Predigten
und schriftlichen Zeugnissen zum 100. Geburtstag von Karl Hartenstein. Hier
werden Leserinnen und Leser von heute nicht nur mit Hartensteins großem Anliegen
von der Dringlichkeit und Notwendigkeit der Mission unter den Völkern der
Welt konfrontiert; hier werden sie auch informiert, inspiriert und motiviert,
diesen Auftrag im Blick auf die Endzeit ernstzunehmen. So wie dieses Buch in keiner Gemeinde-, Missions- und
Bibelschulbibliothek fehlen sollte, so ist es auch jedem Gläubigen als Missionslektüre
zu empfehlen. Prof. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 1996-3. |
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Langley, Myrtle. Von Abraham bis Zarathustra. Kleiner
Führer durch die Weltreligionen. Wuppertal/Zürich: Brockhaus-Verlag,
1995. Versuche, die eigene und/oder fremde Religionen darzustellen,
gab und gibt es viele. Die Entwicklungen dieses Jahrhunderts (Internationalisierung,
Globalisierung und Pluralisierung, inklusive Synkretismus) machen solche
Unterfangen nötiger denn je. Die Irin M. Langley tut dies auf eine sehr
ansprechende Art und Weise. Ihren persönlichen Christusglauben bekennt sie am
Schluß; ansonsten ist sie weder auf eine wertende noch eine vergleichende
Darstellung der großen Religionen der Welt bedacht. Auf jeweils 5-10 S.
werden eingangs die Stammesreligionen, der Hinduismus, Buddhismus, die
Religionen Chinas (Konfuzianismus und Taoismus) und Japans (Shintoismus),
der Jainismus, Sikhismus, Parsismus und zum Schluß das Judentum, das
Christentum und der Islam vorgestellt. Fast jede der 96 Seiten ist bebildert
oder mit einer Graphik versehen. Das ursprünglich in Großbritannien
erschienene Buch hat K. Fiedler unter der fachlichen Beratung von Prof. N.-P.
Moritzen deutschen Lesern zugänglich gemacht. Bis auf kleine Fehler (z. B.
S.82f.) kann dieser kleine Führer durch die Weltreligionen vorbehaltlos
empfohlen werden. Dr. Gerhard Maier, em 1997-1. |
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Larentzakis, Grigorios. Die Orthodoxe Kirche: Ihr
Leben und ihr Glaube.
Styria: Graz, Wien, Köln, 2000. Der Autor, der in ‘Konstantinopel’ orthodoxe und in Innsbruck
katholische Theologie studierte, lehrt als orthodoxer Theologe Ostkirchenkunde
an der Universität Graz und legt hier eine übersichtlich gegliederte und gut
zu lesende Einführung in die orthodoxe Konfessionsfamilie vor. Auch wenn der
Autor immer wieder und zurecht deutlich macht, dass man die orthodoxen
Kirchen nicht verstehen kann, wenn man sie mit westkirchlichen Methoden
einfach nach ihrer Lehre oder Theologie befragt, wirkt die Darstellung am
Ende doch katholischer und westkirchlicher/westlicher als die Ostkirchen
tatsächlich sind. Das bewirkt einerseits, dass Christen aus dem Bereich der
Westkirchen (Katholiken, Protestanten) manches leichter verständlich wird,
andererseits aber auch, dass manches, was dem Westkirchler kulturell und
theologisch fremd scheint, zu wenig zum Tragen kommt. So wird nirgends der
genaue Ablauf der heiligen Liturgie beschrieben, ohne dessen Symbolik man
die orthodoxe Kirche kaum verstehen kann. Der Verfasser ist außerdem stark
im orthodox-katholischen Dialog engagiert und versucht mehrfach, bestimmte
Unterschiede zwischen diesen beiden Konfessionen zu minimieren oder als
nicht von Gewicht zu erläutern. Das führt aber dazu, dass die orthodoxe
Kirche für Protestanten oft ‘katholischer’ erscheint (z. B. Marienverehrung,
Heiligenverehrung, Tradition, Scheidung), als sie tatsächlich ist. Aber
trotz dieser Einschränkungen, die kaum ins Gewicht fallen, wenn man sich
ihrer bewußt ist, halte ich das Buch für die derzeit beste Darstellung der
orthodoxen Kirche in Lehre und Praxis in deutscher Sprache. Wie Bernhard
Knieß in em 4/2000 deutlich gemacht hat, werden mehr und mehr Länder mit
orthodoxen Kirchen in die Europäische Union aufgenommen, so dass eine Begegnung
mit orthodoxen Kirchen auch für Mitarbeiter von Missionswerken immer
normaler werden wird. Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-2. |
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Laubach, Fritz (Hrsg.). Justinian
von Welz. Sämtliche Schriften. Ein Österreicher als
Vordenker und Pionier der Weltmission. R. Brockhaus, Wuppertal
und Zürich (TVG Band 348),
1989. Wenn auch inzwischen nicht mehr strittig ist, daß Luther über die Mission zumindest positiv
dachte, so ist doch weiterhin unstrittig,
daß die Orthodoxie, die sich auf ihn berief, Mission weitgehend
ablehnte. Einer der ersten Lutheraner, der
diese Ablehnung der Mission
zurückwies, war Justinian von Welz
(1621-ca. 1668), der so einer der
wesentlichen Denker der vorklassischen
Missionen wurde. Er entwarf den Plan
einer Missionsgesellschaft in enger Anlehnung an die „christlichen Herrscher“, traf aber am Rande des Reichstages
1664 in Regensburg nur auf deren
Ablehnung, die ihrerseits unterstützt war von einem negativen
Gutachten von Johann Heinrich Ursinus, dem
damals führenden Theologen der lutherischen Orthodoxie. Zudem fand Welz nur
Anhänger (besonders Johann Georg
Gichtel), die durch ihre Theologie und die Art ihrer Polemik Welz eher schadeten als nutzten. Die Gründung einer Missionsgesellschaft gelang Welz nicht, allerdings übten seine Ideen Einfluß auf die Gründung der Society for the Propagation of the Gospel (1701) aus.
1666 legte Justinian von Welz seinen Adelstitel ab und reiste selbst als
Missionar nach Surinam, wo sich seine
Spuren verlieren. Vermutlich
wurde er, so Spener, 1668 von
wilden Tieren zerrissen. Für den heutigen Leser macht Fritz Laubach das Werk Justinians erneut zugänglich. Das Buch zeichnet sich dadurch aus, daß es sämtliche Schriften umfaßt (auf geringe Auslassungen
weist Hans Werner Gensichen in ZfM 2/1990, 123 hin), auch die „Abhandlung über die Gewaltherrschaft“, die Justinian vor seiner Bekehrung geschrieben hat. Das
missiologische Denken Justinians und sein
Leben werden zusammengehalten durch
seine Schrift „De Vita Solitaria – Vom Einsiedlerleben“. Justinian,
kirchengeschichtlich gebildet, knüpft
an die Einsiedler der alten Kirche an, versteht aber Einsiedlerleben
nicht als (räumliche) Trennung von der
Welt, sondern als eine innere Trennung von ihr, die die Kräfte
freisetzt zum Dienst Jesu. Der vornehmste Dienst für Jesus ist die Mission, denn: Könnte es eine größere Nächstenliebe
geben als die, die Besitz nicht für sich selbst verbraucht, sondern um
anderen zum kostbarsten Besitz, dem
ewigen Leben zu verhelfen? Auch daß er seinen Adelstitel ablegte,
war für ihn „Einsiedlerleben“ (dargestellt
in der kleinen Schrift, wohl seine
überarbeitete Abschiedspredigt: „Seine Selbstverleugnung, Amsterdam 1664“). Seine Missionspläne entwarf er 1664 in der Schrift „Eine christliche und treuherzige Ermahnung
zur Gründung einer besonderen Gesellschaft“. Es ist Laubach zu
danken, daß er Justinians Schriften
in heutiges Deutsch übertragen und sie uns so zugänglich gemacht hat.
Trotzdem schimmert der barocke Stil noch genügend
durch, vom Brief an Herzog Ernst von Sachsen-Gotha ist auch ein
Faksimile beigefügt. Zusätzlich zu den Schriften Justinians enthält das Buch auf S.7-32 eine Lebensbeschreibung und auf S.310-317 ein Verzeichnis
aller Schriften (mit ihren vollen – sehr
barocken – Titeln) und deren Fundorte. Das Buch vermittelt Zugang zu allerersten Plänen einer Missionsgesellschaft, zugleich gewährt
es interessante Einblicke in das Verhältnis
von Bekehrung, Heiligung und Mission im Leben und Denken eines der
ersten protestantischen Missionstheologen, die
auch für heutiges missiologisches Denken bedeutsam sein können. Klaus Fiedler, em 1990-4. |
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Laurie, Munro. Die offene Tür. Erzählung aus
Karl Studds Arbeit in China. Wuppertal/Zürich: Brockhaus, Sonderaufl. 1994. Trotz Familienbanden, Gebundenheit an Götter und Geister und
trotz einer ganz fremden Kultur haben Karl Studd und seine Frau vor gut
einhundert Jahren in China die Herzen einiger weniger Chinesen erreicht. Dieses
Buch schildert, wie durch soziale Ächtung und physische Verfolgung
Mitglieder einer Familie zum Glauben gekommen sind und allen Widerständen
getrotzt haben. Aus Krankheitsgründen mußte die Familie Studd nach England
zurückkehren, aber die Gemeinde in China lebte weiter. Ausgezeichnet aus
dem Englischen übersetzt von Verena Peyer-Binder eignet sich die Erzählung
zum Vorlesen für Kinder ab etwa sieben Jahren. Christof Sauer, em 1997-3. |
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Lawson, Mary (Hg). Christliches Handbuch für Österreich. Kirchen und Missionen. London: MARC-Europe 1991. Wer sich endlich einmal
einen Überblick über Missionsgesellschaften gewünscht hat, die in Österreich beheimatet sind, wird enttäuscht. Auf
S.61f finden sich ganze drei Beschreibungen.
Auf den Begriff „Missionen“ hätte man deshalb im Titel besser verzichtet, wie
bei manch anderem Land in dieser ansonsten äußerst nützlichen Serie. So bleibt man weiterhin auf die deutschsprachige christliche Adressammlung
„Die Guten Seiten“ (PJ 1991) und verstreute Beschreibungen in I. Reimers
Handbuch evangelistisch-missionarischer Werke
(CVH 1991, vgl. Buchliste in em 92-3) angewiesen. Wer dagegen in Österreich arbeitet, findet nützliche Information: einem Christof Sauer, em 1992-4. |
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Lewis, Gordon R.; Bruce A.
Demarest. Integrative
Theology: Historical - Biblical - Systematic - Practical. Zondervan: Grand Rapids
(MI), 1997. Die beiden Professoren für Systematische Theologie am
baptistischen Denver Seminary legen hiermit ihre 1987-1994 in drei Bänden
erschienene ungewöhnliche Darstellung der christlichen Lehre (Dogmatik) in einem
Band vor. Sie wollen die verschiedenen Aspekte der theologischen Arbeit
ineinander integrieren, indem sie in jedem der gleich aufgebauten 24
Kapitel 1) zunächst die klassischen Positionen aus der Geschichte vorstellen,
2) sodann den biblischen Befund nach biblischen Schriftgruppen (z. B.
Propheten, Evangelien) diskutieren, 3) daraus eine systematische Darstellung
biblischer Lehre ableiten, 4) diese apologetisch gegen andere Auffassung
verteidigen und schließlich 5) nach der Bedeutung dieser Lehre für den
praktischen Dienst fragen. In Kapitel 4 zur Inspiration der Heiligen Schrift
werden beispielsweise zunächst die Sichtweisen der römisch-katholischen
Scholastik, des protestantischen Liberalismus, der neoorthodoxen
Theologie, des 2. Vatikanischen Konzils, der gemäßigt-kritischen Evangelikalen,
der Anhänger der Diktattheorie und schließlich die Sicht „der meisten
Väter, Reformatoren und Evangelikalen“ beschrieben, wie sie etwa in der
Chicagoerklärung zum Ausdruck kommt. Letztere Sicht wird dann aus dem
Pentateuch, den historischen Büchern, den Propheten, den synoptischen
Evangelien, der Apostelgeschichte, der Paulusbriefe, der johannäischen Literatur
und der restlichen Schriften des NT belegt. Anschließend wird diese Sicht
gegen die eingangs beschriebenen anderen Sichtweisen verteidigt und
schließlich dargestellt, welche Bedeutung die Inspiration und Irrtumslosigkeit
der Heiligen Schrift für das persönliche Glaubensleben und für die
Motivation zum Dienst in der Gemeinde hat. Ich kenne Dogmatiken, mit denen
ich in einzelnen Detailfragen eher übereinstimmen würde, aber keine, die
eine derartige groß biblisch-exegetische und historische Materialfülle so
praktisch nachvollziehbar und verwertbar macht – auch und gerade auch in der
Missionsarbeit und in anderen Kulturen. Lewis und Demarest zeigen, wieviel
der Theologie verloren geht, wenn die einzelnen theologischen Disziplinen
auseinanderdriften und ihr Eigenleben entfalten und wieviel theologisch
und praktisch zu gewinnen ist, wenn man sie im Interesse der biblischen Lehre
wieder zusammenführt, um eine ‘integrative’ Theologie zu erhalten. Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-2. |
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Lingenfelter,
Sherwood G. & Marvin K. Mayers. Kulturübergreifender Dienst
- Ein Modell zum besseren
Verstehen zwischenmenschlicher Beziehungen. Lahr: Edition VLM im Verlag SJD, 1991. Nach welcher Zeitspanne
beginnen Sie, sich ernsthaft aufzuregen, wenn sich Ihr Besucher
verspätet? Wenn Ihre „Verspätungs-Toleranz“ sich wesentlich über 1/2 Std. hin
ausdehnt, sind Sie wohl kein typischer
zeitorientierter Nordamerikaner oder Deutscher. Für den Lateinamerikaner ist dagegen eine Wartezeit von einer Stunde noch kein Grund zur Unruhe, während die Yapesen, ein Inselvolk im pazifischen Mikronesien, ohne weiteres 3 Stunden
verkraften. Für den Umgang mit solchen Diskrepanzen im
„kulturübergreifenden Dienst“ wollen Lingenfelter und Mayers (beide lehren
„Interkulturelle Studien und Weltmission“ an der Biola-Universität in
Kalifornien) anleiten. Lingenfelter, jahrelang als Kulturanthropologe auf
den pazifischen Inseln tätig, ist der
eigentliche Autor des Buches. Von
Mayers übernahm er dessen „Grundwerte-Modell“. Lingenfelter listet sechs Gegensatzpaare von Grundwerten
auf (zB Zeit- oder Erlebnisorientierung,
Ziel- oder Personenorientierung). Anhand des extremen Gegensatzes von
mikro-nesischer Yap-Kultur und nordamerikanischen
Werten zeigt er mit anschaulichen
Beispielen die ganze Bandbreite möglicher
kultureller Prägungen auf. Interessant ist dabei der jeweilige
Vergleich mit dem Verhalten Jesu, bei dem unsere westliche Kultur durchaus
nicht immer am besten wegkommt. Vor allem will das Buch
jedoch helfen, durch Einsicht in
andere Wertmaßstäbe Spannungen in der interkulturellen Begegnung
abzubauen. Für den Christen im kulturübergreifenden Dienst stellt dabei laut
Lingenfelter die Inkarnation Jesu das vollkommene Beispiel dar. Er identifizierte sich ganz mit den Menschen,
zu denen er gesandt war. Das prägnante und gleichzeitig anschauliche Wolfgang Häde, em 1994-1. |
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Literaturschau zu Fragen der Weltmission Nr. 20 [für das Jahr 1993]. Beiheft zur Zeitschrift für Mission 2/1994. Herausgegeben im Auftrag der Deutschen Gesellschaft
für Missionswissenschaft von Friedrich Huber. Ev. Missionsverlag im
Christlichen Verlagshaus: Stuttgart, 1994. Der neue zeichnende und
schon lange beteiligte Bearbeiter, Prof. Dr. Friedrich Huber an der
Kirchlichen Hochschule in Wuppertal, hat zu Beginn
des dritten Jahrzehnts der Literaturschau deren Systematik an einigen
Punkten geändert. Die
Durchsicht der 1364 Einträge (Bücher und Artikel) bestätigt einen Eindruck,
der sich dem Beobachter seit Jahren aufdrängt: Mission und Missiologie im engeren Sinn – ganz zu schweigen von einer Konzentration auf die
Unerreichten – bildet in der Fülle der verzeichneten Veröffentlichungen nur
noch eine kleine Insel. So hätte dieses an sich durchaus verdienstvolle
bibliographische Hilfsmittel eigentlich
einen neuen Namen verdient; in der Christof Sauer, em 1995-4. |
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Little,
Christopher R. Mission in the Way of Paul: Biblical Der
vorliegende Band geht auf eine Doktoraldissertation an der Fuller Seminary
School of World Missions zurück. Little gibt keinen detaillierten Überblick
über die paulinische Mission, sondern konzentriert sich auf die finanzielle
Situation des Paulus und welche Rolle Geld in seinem Missionswerk spielte.
Von diesem Befund her kritisiert Little engagiert die gegenwärtig vielfach
praktizierte partnerschaftliche Zu-sammenarbeit durch finanzielle
Transferleistungen zwischen westlichen Missionen und Partnerorganisationen
und -kirchen in anderen Teilen der Welt. Little beginnt mit dem sozio-ökonomischen Status des
Paulus in der antiken Welt. Ziel
ist dabei „to present his perspectives on the proper use of finances in his
personal life and in the lives of others in the context of the first-century
church“ (4). Little schließt „Any attempt to use Paul as a modell to
financially support cross-cultural workers is groundless … there is no
precedent in Paul for the provision of a regularly salaried part-time or
full-time local church leaders, even though he permitted remuneration on an
occasional basis“ (46). Spannend ist der Überblick über „Resource Sharing among
the Churches of the First-Century World of Paul“ (131-70). Ausführlich
behandelt Little die Gütergemeinschaft der Jerusalemer Gemeinde, die Gabe der
antiochenischen Gemeinde in Apg 11,27-31 und die paulinische Kollektenaktion
(wobei eigentlich nur letztere für die paulinische Praxis herangezogen werden
kann!). Ziel ist es, „to
discuss the various purposes for which Christian communities in the first
century shared resources both within and among themselves; and delineate how
the latter point applies to the church in the twenty-first century“ (131). Little
zeigt zurecht, dass diese Fälle finanzieller Transferleistungen nicht zur
Rechtfertigung der gegenwärtigen Praxis angeführt werden könnnen. Abschließend
stellt Little das paulinische Modell dem modernen Konzept internationaler
Partnerschaft gegenüber (171-231, „… the associations between Western and
non-Western organizations, that is, between north/south and/or west/east
cooperations between Western churches and/or mission agencies within the
global church“, 171). Nach einer Beschreibung der wesentlichen
Merkmale dieser Bewegung (mit starker Konzentration auf den US-amerikanischen
Kontext) präsentiert Little eine gute Analyse und größtenteils überzeugende
Kritik dieser Praxis („dependency“; z. B. „Foreign funding of national
workers … thwarts church growth“, 226). Die Darstellung bietet einen guten
Überblick über die gegenwärtige Praxis, ihre Ursachen, Gründe und ihre
Folgen, führt in die gegenwärtige missiologische Diskussion ein (Positionen
beider Seiten) und greift auf mehrere Fallstudien/bzw. Stimmen aus den
Empfängerländern (China, Indien, Russland, Kenia) zurück. Der exegetisch Teil bleibt oft auf englischsprachige
missiologische Literatur beschränkt. Insgesamt handelt es sich um eine
anregende Studie zu einem Teilaspekt der paulinischen Mission und um eine
wichtige Kritik gegenwärtiger Praxis. Doch spricht sie weder zur paulinischen
Missionspraxis noch zur gegenwärtigen internationalen Zusammenarbeit das
letzte Wort. In beiden Teilen bleiben wichtige Fragen offen, u. a. nach der
Übertragbarkeit des paulinischen Modells. Prof.Dr. Christoph Stenschke, em 2006-3. |
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Livingstone,
Greg. Planting
Churches in Muslim Cities. A Team Approach. Grand Rapids:
Baker Book House, 1993. Eine Hauptthese zieht sich durch dieses bemerkenswerte Buch des Gründers und Direktors von Frontiers: Es ist nicht hoffnungslos, in muslimischen
Städten christliche Gemeinden gründen zu
wollen. Entmutigten Missionaren sei diese Studie darum besonders empfohlen.
Nach einigen theoretischen Vorüberlegungen zu
Möglichkeiten und Grenzen des Gemeindebaus
analysiert Livingstone, der selbst viele Jahre als Missionar in Indien und im
Nahen Osten gearbeitet hat und
daher die Situation vor Ort kennt, die besonderen Bedingungen und
Schwierigkeiten, mit denen sich der westliche Missionar in einem islamischen Land konfrontiert sieht. Der
Schwerpunkt des Buches liegt dabei weniger
auf der Erläuterung theologischer Lehrunterschiede zwischen Islam und
Christentum, die an anderer Stelle vielfach nachgelesen
werden können. Vielmehr beschäftigt
sich Livingstone vorwiegend mit den
zahlreichen Kulturschranken, die er als eine der Hauptursachen für das Scheitern christlicher Mitarbeiter in der islamischen Welt
ansieht. Viele praktische Beispiele machen das Gesagte anschaulich und vermitteln wertvolle Hilfen, ohne
zum einfachen „Patentrezept“ zu geraten.
Nicht nur Missionaren im Ausland dürfte das Buch dazu verhelfen, dem erklärten Ziel de Jüngermachens aller Völker auch in Bezug
auf die muslimische Welt ein Stückchen näher
zu kommen. Dr. Christine
Schirrmacher, em 1995-4. |
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Löwen, Heinrich. In Vergessenheit geratene Beziehungen. Frühe
Begegnungen der Men-noniten-Brüdergemeinde
mit dem Baptismus in Rußland ‑ ein Überblick (Beiträge zur osteuropäischen Kirchengeschichte
1), Logos, Bielefeld 1989. Löwen legt kein
Missionsbuch im engeren Sinn vor, aber sein Buch gibt dem Missionsinteressierten
viele nützliche Informationen über sehr verschiedene Aspekte der Mission: Zum
einen über die Missionsarbeit der frühen deutschen Baptisten im Zarenreich, zum anderen über die Missionsarbeit der Mennonitenbrü-dergemeinde
(MBG) unter den Deutschen im Russischen Reich. Wenn auch beide Missionsbewegungen sich besonders an Deutsche wandten, so
haben doch auch die Baptisten und
die MBG von Anfang an unter Russen und
Ukrainern gearbeitet, wobei interessant ist, daß Missionare der MBG
unter Slawen Baptistengemeinden gründeten. Das Buch berichtet aber auch von
sehr frühem Engagement der MBG für die Weltmission (zT in Zusammenarbeit mit
Baptisten) und für die Mission unter nichtchristlichen Völkern des Russischen
Reiches. Heinrich Löwens Buch kann helfen,
im Umbruch der ehemaligen Sowjetunion besser informiert zu sein.
Zudem bilden die MBG der Rückwanderer hier
eine wachsende Kraft in der missionarischen Sendung. Klaus Fiedler, em 1992-3. |
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Ludwig, Frieder. Zwischen Kolonialismuskritik und
Kirchenkampf. Interaktionen afrikanischer, indischer und europäischer Christen
während der Weltmissionskonferenz Tambaram 1938. Studien zur Außereuropäischen
Christentumsgeschichte Bd. 5 Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2000. In der Literatur zu den Weltmissionskonferenzen
untersuchte man meist einzelne theologische Themen, indem man beispielsweise
nach dem Kirchenverständnis (W. Günther, 1970), dem Bibelverständtis (A.
Johnston, 3978), dem Evangelisations- und Missionsverständnis (T. Shivute,
1980) oder nach dem Verständnis von Heilsgeschichte (G. Sautter, 1985) der
einzelnen Konferenzen fragte. Das Vorgehen des vorliegenden Buches, das eine
1999 von der Evangelischen-Theologischen Fakultät der LMU München angenommene
Habilitationsschrift ist, geht methodisch den umgekehrten Weg. Ludwig fragt
nicht, er hört zu, nämlich auf das, was die eigentlichen Konferenzthemen
waren. Dabei beschränkt er sich auf die Weltmissionskonferenz von Tambaram
1938, wählt drei geographische Gebiete (nämlich Westafrika, Südindien und
Westeuropa) aus und beschreibt die beherrschenden Fragen und Lebenswelten ihm
wichtig erscheinender Konferenzteilnehmer dieser Gebiete. Diese Methode
überzeugt, denn der Leser bekommt auf diese Weise einen tiefen Einblick in
das Konferenzleben. Das Buch gliedert sich in drei Hauptteile, die durch die
geographischen Gebiete vorgegeben sind. Für die westafrikanischen Konferenzteilnehmer
waren die Fragen nach der Beurteilung der Polygamie sowie der unabhängigen
Kirchen beherrschend. Den südindischen Teilnehmern ging es vor allem um die
Frage nach der Verhältnisbestimmung von Christentum und Hinduismus, zumal
sie die in Tambaram so wichtige Debatte um Hendrick Kraemers Buch: The Christian Message in a Non-Christian World betraf. Das Kapitel über die
westeuropäischen Teilnehmer ist zweigeteilt. Im ersten Teil gelingt es
Ludwig in geradezu spannender Weise das Zustandekommen der deutschen
Delegation in den Irrungen und Wirrungen des NS-Staates darzustellen. Dabei
wird deutlich, dass die deutschen Teilnehmer zu Konzessionen der nationalsozialistischen
Ideologie gegenüber bereit waren, was sich deutlich in der sog. deutschen
Sondererklärung niederschlug. Hier gilt es in der Tambaramforschung,
besonders in der evange-likalen Tambaram-Rezeption umzudenken. Denn bisher
wurde der Fokus hauptsächlich auf die e-schatologische Dimension gerichtet.
Die (pseu-do)schöpfungs- und ordnungstheologischen Aussagen der
Sondererklärung, die in ihrer Betonung von Volk und Rasse
nationalsozialistischen Idealen nahe standen, wurden dagegen kaum beachtet.
Im zweiten Teil dieses Kapitels steht William Paton, als sympathischer Christ
und Organisator der Tambaramkonferenz im Mittelpunkt. Alles in allem ist
dieses Buch eine Lektüre, die von dem Leser einige Lesearbeit abverlangt,
denn es werden eine Fülle von biographischen Einzelheiten beschrieben, sowie
unzählige kirchengeschichtliche Details und politische Zusammenhänge
dargestellt, die weit über die im Untertitel des Buches vorgegebene
Zielrichtung hinausgehen. Dies ist einerseits sehr interessant, insbesondere
für die Kirchengeschichtsforschung Westafrikas und Südindiens. Andererseits
jedoch verhindert diese Breite der Darstellung ein schnelles, zielgerichtetes
Lesen, was sich mitunter auf den Leser ermüdend auswirken kann. Elmar Spohn, em 2005-1. |
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Lutz, Lorry. Women as Risktakers for God. WEF/Paternoster
Publ.: Carlisle (GB), 1997. Bücher von Frauen über Frauen haben Hochkunjunktur.
Dieses Buch ist jedoch in vielerlei Hinsicht ein besonders gelungenes Werk,
nicht nur für Frauen, sondern gerde auch für Männer. Ausgehend von biographischen
Skizzen von Frauen aus der Kirchen- und Missionsgeschichte über eine kurze
Einführung in die biblisch relevanten Passagen für die „Frauenfrage“ gibt die
Autorin einen knappen Einblick in die Auslegungsgeschichte dieser Verse im
Judentum zur Zeit des Alten und Neuen Testamentes. Sie beleuchtet die Zeit
der frühen Kirchenväter, der Reformationszeit und die Theologie und Praxis
der Kirchen in der Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert, ebenso die Stellung der
Frau in den nichtchristlichen Religionen. Wer sich bisher noch nicht mit der
Frage nach dem Dienst der Frau in der christlichen Gemeinde beschäftigt hat,
wird in diesem ersten Buchteil manches Neue finden. Wer jedoch tiefer
eintauchen will oder muß, wird in jedem Fall auf die Extra-Liste mit weiterführender
Literatur am Ende des Buches angewisen sein. Der Schwerpunkt dieses Arbeitsbuches liegt auf den
ausführlichen Biographien zeitgenössischer Frauen aus allen fünf
Kontinenten. Dies ist ein Novum evangelikaler Frauenliteratur in diesem
Bereich, die sonst eher den anglophonen Bereich berücksichtigt. Die
Biographien sind keine schriftlichen Lobreden, sondern lassen die Leser
Anteil nehmen an der Glaubensgeschichte dieser Frauen, ihrem Dienstverständnis,
ihrer Berufung im jeweiligen Kontext und den Zweifeln und Hindernissen, die
sie auf ihrem Weg zu überwinden hatten. Die zugrundeliegenden Interviews
scheinen immer wieder durch, so daß die Leser Entwicklungen gedanklich
nachvollziehen können. Sie regen geradezu zu einer inneren Zwiesprache an: Wie
kann ich als Leserin meine Berufung erkennen und leben? Wie hätte diese Frau
in meiner Situation gehandelt? Wie wäre ich als Mann mit einer dieser Frauen
als Kollegin oder Ehefrau zurechtgekommen? Wer mit seinen Fragen so weit gekommen ist, wird im letzten
Teil noch weitergeführt: „Was lernen wir aus diesen Biographien?“ Es geht
nicht um eine erbauliche „Zurkenntnisnahme“, sondern um Ermutigung zum
Dienst, um offene Augen, die jeweilige eigene Berufung zu erkennen und zu
leben. Gerade dieser Abschnitt richtet sich auch an männliche Leser, die
gemeinsam mit Frauen zu folgenden Zielen geführt werden sollen: * die Vielzahl der Gaben, die Gott Frauen schenkt, zu
erkennen, * anhand des Dienstes von Frauen darzustellen, wie Gott
Frauen beruft und sendet, * Männer und Frauen zu ermutigen, gemeinsam
am Reich Gottes zu bauen und * Ermutigung zu gegenseitiger Achtung und Respekt, auch
wenn in der Frauenfrage verschiedene theologische Anschauungen vertreten
werden. Dieses Buch ist im besten Sinne des Wortes zielorientiert:
Es geht darum, das Reich Gottes gemeinsam zu bauen. Dennoch kommen theologisch
konservative Leser nicht an einigen unbequemen Wahrheiten vorbei: „Wenn wir
die Heilige Schrift vom Sündenfall her auslegen, verstehen wir die Folgen
der Sünde als unmittelbar von Gott so eingesetzt. Wenn wir dieselbe Passage
aber aus der Perspektive der Erlösung lesen, verlieren die Konsequenzen der
Sünde ihre normgebende Bedeutung … Männer und
Frauen müssen von den Folgen der Sünde erlöst werden - unser Blick richtet
sich nicht darauf, eine Vorherrschaft durch eine andere zu ersetzen, sondern
die neue Ordnung zu leben, die Christus eingesetzt hat“ (S. IX). Insgesamt ein wohltuend internationales, ganzheitliches
Buch, dem ich eine weltweite Verbreitung wünsche. Friedhilde Stricker, em 1998-2. |
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Lutzer, Erwin W. Christus der Einzige. Warum
Jesus für uns so wichtig ist. Der christliche Glaube im Zeitalter der Toleranz. Bad Liebenzell: Verlag der Liebenzeller
Mission, 1996. Erwin W. Lutzer beschäftigt sich in seinem nun auch auf
Deutsch vorliegenden Buch mit einem wichtigen Thema unserer Zeit: „Wie können
wir aktive Zeugen für Christus sein in einer Zeit noch nie dagewesener
Toleranz?“ (S.208) Enstanden ist das Buch aufgrund einer Vortragsreihe, die
der Autor als Pastor der Moody-Gemeinde in Chicago 1993 nach dem Weltkongreß
der Religionen gehalten hat. Dabei wurde der Vortragsstil für die
Drucklegung beibehalten. In den ersten Kapiteln gibt Lutzer seine Erfahrungen mit
dem Weltkongreß der Religionen wieder und analysiert unsere Gesellschaft in
bezug auf die Religionen. Pointiert stellt er fest: „Die Götter sind auf dem
Vormarsch!“ (S.11) Dabei stellt sich immer mehr die Frage nach dem
Stellenwert Jesu Christi im Vergleich zu den Größen anderer Religionen, die
als „unvollständig, irreführend und falsch“ betrachtet werden müssen
(S.21ff). Bevor Erwin Lutzer zu seinem Hauptteil, der Darstellung
der Einzigartigkeit Jesu Christi, übergeht, setzt er sich mit der Frage der Toleranz
und der Wahrheitssuche auseinander. Da es eine objektive für alle Menschen
zugängliche Wahrheit gibt, muß es darum gehen, „Beweise“ für den
christlichen Wahrheitsanspruch anzuführen. Von der Jungfrauengeburt über
die Wunder und Jesu vollmächtige Predigten bis hin zu Jesu Tod, seiner
Auferstehung und seiner Himmelfahrt, von der Inkarnation bis zur Parusie soll
deutlich werden, „daß Christus einzigartig ist und kein religiöses Gegenüber
hat“ (S.64). Es folgt eine apologetische Christologie, die in Auseinandersetzung
mit kritischen Einwürfen die Vernünftigkeit des christlichen Glaubens und
seinen Ausschließlichkeitsanspruch herausstellt. Zum Schluß stellt sich noch die Frage „Sind sonst alle
verloren?“ (S.191). In Ablehnung eines „evangelikalen Pluralismus“ (z.B.
Clark Pinnock), der Christus in allen Religionen versöhnend am Werk sieht,
werden die Religionen dem Bereich des Satans zugeordnet: „Satan rief
Religionen schaffendes Denken im Leben der von Gott getrennten Menschen
hervor“ (S.199). Gemäß einer calvinistischen Erwählungslehre werden die
Menschen ohne Christus gerichtet. Lutzer hält fest, daß Gott nicht verpflichtet
ist, „die zu retten, die niemals von Christus gehört haben“ (S.203). Hier
kommt der theologische Streit zwischen calvinistischen und arminianischen
Evangelikalen in Amerika zum Ausdruck. Die Stärken des Buches liegen in der Aufnahme von
kritischen Fragen, denen Christen in einer multireligiösen und säkularen
Gesellschaft begegnen. Hier wird der Christ darin bestärkt, daß sein Glaube
sich auf feste Grundlagen stützt und Sinn macht. Der apologetische und
bekenntnishafte Charakter des gesamten Buches wird deutlich. Dabei ist
‘Christus der Einzige’ stark vom amerikanischen Kontext geprägt; Hinweise auf
den deutschen Kontext fehlen. Last not least möchte ich die theologische Anfrage
stellen, ob es dem biblischen Zeugnis entspricht, in einem religiösen
Dualismus zwischen Gott bei den Christen und Satan bei den anderen
Religionen zu trennen? Muß hier nicht differenzierter gedacht werden, wie
dies z. B. Peter Beyerhaus mit seinem tripolaren Ansatz getan hat? Ist
Wahrheit im biblischen Sinne tatsächlich so objektiv und universell erkennbar,
oder bedarf es nicht vielmehr einer persönlichen Bekehrung (biblisch:
metanoia), um die eine Wahrheit, welche Jesus Christus ist, zu erkennen?
Schließlich erhält der Leser den Eindruck, daß am Ende nur eine kleine Schar
gerettet wird (1-2% der Weltbevölkerung). Hier ist zu fragen, ob dies dem
allumfassenden Heilswillen Gottes entspricht. Die Weite der Gnade Gottes
(Clark Pinnock) sollte m. E. nicht unberücksichtigt bleiben. Martin Reppenhagen, em 1997-3. |
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Maggio, Francesco. Christus für Muslime – Antworten auf
Fragen von Muslimen. Berneck/CH: Schwengeler Verlag, 2003. Francesco Maggio ist Italiener und hat eine
außerordentliche Leidenschaft für Muslime der arabischen Welt. In dieser
Übersetzung seines Buches erhalten wir einen Einblick in seine Begeisterung
und seinen Enthusiasmus. Diese sind aus der Anordnung des Buches ersichtlich,
das ständig die am meisten gestellten Fragen von Muslimen formuliert und
praktische christliche Antworten gibt. Dies ist kein systematisches Buch
über den Islam, sondern – wie der Untertitel schon sagt – ein praktisches
Buch, das uns auffordert, uns einzulassen auf Beziehungen zu Muslimen, um
ihre ernsthaften Fragen zu hören und Antworten zu geben. Der Leser wird
daran erinnert, dass Evangelisation immer mit Begegnung beginnt. Kapitel 1
beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen dem Koran und der Bibel, der Sohnschaft
des Christus, der Dreieinigkeit und der Natur von Christus' Göttlichkeit. Der
Autor bewegt sich ständig zwischen Texten aus der Bibel und dem Koran hin und
her, um seine Argumente zu begründen. Kapitel 2 ist kurz und befasst sich
mehr mit dem Koran. In Kapitel 3 lesen wir, was der Koran über das
Christentum sagt und wie Christen überzeugende Antworten geben können.
Muslime sagen zum Beispiel, dass Mohammed im Neuen Testament vorausgesagt
wurde. Es gibt einen Abschnitt über den Anspruch, dass Mohammeds
Ungebildetheit das „Wunder" des Korans steigert. Es gibt Absätze
darüber, wie wichtig es für Muslime ist, dass der Koran in Arabisch ist und
Absätze über seine historische Entwicklung. Nahtlos verwoben in diese
Paragraphen sind christliche Kommentare und Antworten. Es gibt vier
hilfreiche Anhänge einschließlich einem, wie man einem Muslim die
Dreieinigkeit erklärt. Eine Wortliste und ein kurzes Literaturverzeichnis
runden das Buch ab. Wenn Sie ein praktisches Buch über die am meisten
gestellten Fragen von Muslimen und Antworten auf ihre Kritik an der
biblischen Wahrheit brauchen, dann ist dieses Buch für Sie. Aber seien Sie
gewarnt: es ruft den Leser in eine radikale persönliche Begegnung mit seinem
muslimischen Nachbarn auf. Dr. Andreas Maurer, em 2008-4. |
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Maier, Gerhard. Gemeindeaufbau als Gemeindewachstum. Zur
Geschichte, Theologie und Praxis der „church-growth”-Bewegung. Erlangen:
VELM. Der Stuttgarter Pfarrer Gerhard Maier hat sich über Jahre hinweg
mit der church-growth-Bewegung beschäftigt (vgl. ThBeitr 13/1982,178-187).
Frucht dieser Beschäftigung ist seine 1992 in Heidelberg eingereichte Dissertation.
Er beschränkt seine Untersuchung nicht auf Fragen des Gemeindeaufbaus, wie
der Titel vermuten läßt, sondern stellt auch das Missionsverständnis der
church-growth-Bewegung dar. Das church-growth-Konzept wurde ursprünglich von Donald
McGavran (1897-1990) im Kontext seiner Missionsarbeit in Indien begründet
und von seinen Schülern (vor allem Peter Wagner) am Fuller-Seminar in Pasadena
(Kalifornien) aufgenommen. Maier zeigt auf, wie sich McGavrans Konzeption in
striktem Gegensatz zum ökumenischen Missionsverständnis darstellt. Nicht in
der Ausbreitung und Aufrichtung des Reiches Gottes (Schalom), sondern in der
Gründung und Multiplikation von Gemeinden aktiver Christen besteht für die
church-growth-Bewegung das Wesen der Mission. Ab 1972 wurde die
church-growth-Bewegung auch zum Gemeindeaufbaukonzept weiterentwickelt. Für die Beurteilung der church-growth-Bewegung sind drei
Aspekte von Bedeutung: 1. Das Kirchenverständnis: McGavrans Ekklesiologie
bezieht sich auf die Kirche als sichtbare und quantifizierbare Größe. Die
Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden spielt für ihn keine Rolle. Ziel aller
missionarischen Bemühungen ist die Multiplikation oder Neugründung von
Gemeinden aktiver Christen. 2. Das Prinzip der ‘homogeneous units’: Die
church-growth-Bewegung geht davon aus, daß eine Gesellschaft sich aus
verschiedenen, in sich geschlossenen Bevölkerungssegmenten zusammensetzt.
Mission und Gemeindebildung sollen daher so angelegt werden, daß Menschen innerhalb
dieser homogenen Einheiten beheimatet bleiben und nicht Sprach-, Rassen-
oder Klassenschranken überwinden müssen, um Christen zu werden. Zwar wird
dieser Grundsatz hier durchaus zutreffend beschrieben, aber er wird zum
Prinzip des Gemeindebaus erhoben. Von Gal 3,26 her sind hier gewichtige biblisch-theologische
und ethische Bedenken anzumelden. 3. Das Verständnis von Wachstum:
Gegenüber der fast ausschließlich auf quantitatives Wachstum ausgerichteten
Sicht bei McGavran bringt Maier mit Karl Barth das intensive, vertikale
Wachstum der Gemeinde ins Spiel und wehrt damit der fast ausschließlichen
Fixierung auf Zahlen. Wer sich vom ständigen Wechsel zwischen deutschem Text und
englischsprachigen Zitaten sowie von der Fülle der oft nur angerissenen
Themen und Fragestellungen nicht abschrecken läßt, bekommt in dem mit einem
Vorwort von Bischof Theo Sorg versehenen Buch Beurteilungskriterien für
Gemeindeaufbau an die Hand. Werner Schmückle, em 1997-1. |
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Malm, Magnus. Gott braucht keine Helden.
Mitarbeiter zwischen Rolle und Wahrhaftigkeit. Edition Aufatmen, Brockhaus Verlag: Wuppertal/Bundes-Verlag:
Witten, 1997/2. Nicht nur Titel und Untertitel dieses Bandes aus der
„Edition Aufatmen“ sind treffend und griffig formuliert. Das erklärte Ziel
dieser Edition ist es, Hinführung und Ermutigung zum geistlichen Leben für
Mitarbeiter und Leiter von Gemeinden zu bieten. Wie ein roter Faden ziehen
sich die Begriffe „Berufung“ und „Sendung“ durch das Buch. Es kommt in diesem
Band beides zum Zug. Es ist eine seelsorgerliche, gründliche Auslegung der
biblischen Texte zum Thema. Sie wird weithin eine befreiende Korrektur für
das in vielen frommen Kreisen vorherrschende, auf Aktionismus zielende
Berufungsverständnis bilden. Das Buch enthält aber auch sehr persönlich
formulierte Passagen des Autors, denen man die eigene Erfahrung eines durch
Tiefen gegangenen Christen abspürt. Besonders für Missionare geeignet und
empfohlen, denen dieser Titel ein Führer zur geistlichen Erneuerung ihrer
Berufung und Sendung sein kann! Friedhilde Stricker, em 1998-2. |
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Marquardt, Horst. … und die Herzen taten sich auf. Bewegende
Glaubensgeschichten. R. Brockhaus Verlag Wuppertal, ERF Verlag
Wetzlar, 2001. Horst Marquardt begegnet vielen Menschen und Situationen.
Er wählte 81 bewegende und wahre Geschichten für dieses Buch aus. Gleich in der
3. Geschichte erlebt man mit, wie der Verfasser mit höflicher Direktheit mit
einem ihm fremden Christen ins Gespräch kommt. Herausgekommen sind außer
dieser noch die anderen ermutigenden, lebensechten, spannenden und
nachvollziehbaren Berichte. Es sind ganz unterschiedliche Menschen, die
erzählen, wie Jesus Christus in ihr Leben eingegriffen hat. Das Ganze ist
übersichtlich gegliedert in „Die Herzen taten sich auf … gestern und heute …
in Russland … in Afrika … in Indien … in Südamerika … in Muhammads Welt … in
der Nähe und in der Ferne“. Alle Geschichten sind im Inhaltsverzeichnis unter
diesen Rubriken aufgelistet und sind bei einer eventuellen Suche gut zu
finden. Sie sind 1 – 3 Seiten kurz. Es gibt dramatische und weniger
spektakuläre Berichte. Beispiele: Ein vom Leben müder Moslem hört zufällig
einen Satz von einer Sendung von TWR (Trans World Radio), als er an einem
Fenster vorbei kommt. Er spricht mit den Leuten im Haus und findet später zu
Jesus als seinem Herrn. Jesus hilft körperlich und innerlich verletzten
Menschen in Ruanda, die trotz bleibender Not erfahren, dass er bei ihnen ist.
Ein Schweizer Fabrikant erlebt, wie Gott ihm einen dringend notwendigen
Mitarbeiter zuführt, zu passender Zeit und passenden Bedingungen, nach viel
Gebet in schwerer ungewisser Zeit. 3 Schiffbrüchige in Südamerika beten auf
ihrer 21 Tage langen Odyssee, weil sie über Gebet in TWR-Sendungen hörten. Es fällt bei der Lektüre des Buches natürlich auf, dass
die Evangeliumsverkündigung über Radio eine große Rolle spielt. Und es ist in
der Tat beeindruckend, wie viele Menschen heutzutage das Evangelium über
Radio hören können und auch zum Glauben kommen und Gemeinden entstehen. Das
liegt H. Marquard auf dem Herzen und er hat großen Anteil daran (durch den
Aufbau des ERF und Tätigkeit in der internationalen Leitung von TWR), ebenso
die verschiedenen TWR-Stationen weltweit, in deren Arbeit man in dem Buch ebenfalls
einen konkreten Einblick bekommt. Das Thema des Buches stammt aus Apg.16,14: „Da tat Gott
der Lydia das Herz auf“ und weiter aus dem Vorwort: „Es ist eine durch nichts
zu überbietende Erfahrung - zu wissen: Der lebendige Gott hat mich angesprochen,
er hat Jesus Christus in diese Welt gesandt, um Menschen zu sich einzuladen,
ihnen ihre Schuld zu nehmen und ihnen ein erfülltes Leben zu geben.“ Das
bezeugen die 81 Geschichten in dem sehr lesenswerten Buch. Ulrike Kinker, em 2001-4. |
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Marshall, Howard; David
Peterson (Hg.). Witness
to the Gospel. Theology of Acts. Eerdmans: Grand Rapids (Mi) 1998. Der vorliegende Sammelband mit insgesamt 25 Einzelartikeln
ist als umfassende und zusammenfassende Arbeit über die Theologie der
Apostelgeschichte gedacht. Das Werk enstand aus einem Forschungsprojekt einer
ganzen Gruppe von Theologen unter der Schirmherrschaft von Tyndale House,
Cambridge. Insgesamt 24 Autoren befassen sich mit den
unterschiedlichsten Themen zur Apostelgeschichte. Trotz der großen Vielfalt
der Beiträge kommen die einzelnen Verfasser aber nicht aus so unterschiedlichen
theologischen Lagern, daß sie sich pausenlos widersprächen. Nach der Lektüre
des Buches hat man deshalb den Eindruck, über die Theologie eines so
zentralen Buches wie die Apostelgeschichte umfassend informiert zu sein. Die
Autoren nehmen i. a. einen evangelikalen Standpunkt ein. Andere Positionen
werden berücksichtigt, aber weniger als die Auseinandersetzung damit steht
das Anliegen im Mittelpunkt, die Theologie der Apostelgeschichte so
herauszuarbeiten, wie sie im biblischen Buch präsentiert wird. In drei Hauptteilen werden Gottes Rettung, der Ruf Gottes
und das erneuernde Werk Gottes behandelt. Dabei geht es um so unterschiedliche
Themen wie Gottes heilsgeschichtlichen Plan, die Notwendigkeit der Er Es handelt sich bei diesem Buch sicherlich nicht in erster
Linie um ein praktisches missiologisches Werk. Aber es geht von der ersten
bis zur letzten Seite um Mission: Schließlich behandelt die Apg die
Geschichte der ersten Mission, und so ist die darin enthaltene Theologie
durch und durch von Mission und Evangelisation geprägt. Wer sich gerne
tiefer mit der Theologie der ersten Missionare (v. a. natürlich Petrus und
Paulus) befaßt - und dies nicht in den neutestamentlichen Briefen - sondern
in der praktischsten Anwendung von Missionstheologie, nämlich der
Missionstätigkeit der ersten Christen, dem sei dieses Buch wärmstens
empfohlen. Thomas Kinker, em 2000-3. |
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Marty, Martin E. (Hg). Mission and Ecumenical Expression. München,
London, New York, Paris: Säur, 1993.
(Modern American Protestantism
and its World: Historical Articles on Protestantism in American
Religious Life; Bd. 13). Der dreizehnte Band über die Geschichte des Protestantismus
in den USA enthält elf von Missiologen und Historikern ausgewählte,
repräsentative Artikel über die Eigenart der nordamerikanischen Mission und
der ökumenischen Entwicklung. Die von
1954 bis 1983 verfaßten Beiträge wurden meist von Historikern in verschiedenen Zeitschriften geschrieben
und wurden photomechanisch übertragen, was die Ursache für die teilweise schlechte Qualität des Druckbildes und auch den übertriebenen Preis von 85 Pf pro Seite ist. Die ersten vier Artikel
beschäftigen sich kritisch mit den
Motiven und Auswirkungen der
Mission und der Beziehung zwischen Weltmission und dem amerikanischen
Imperialismus um die Jahrhundertwende. Die folgenden vier behandeln die
Entstehung der nordamerikanischen ökumenischen Bewegung, ihre Voraussetzungen und Folgen von ca. 1880 bis 1970.
In drei weiteren Artikeln werden fundamentalistische Gruppierungen und
Persönlichkeiten wie das „National Lay
Commitee“, Billy Graham und das Wirken pfingstkirchlicher Radioprediger kritisch untersucht. Trotz der insgesamt guten, wenn auch nicht evangelikalen Beiträge ist das Preis-Leistungs-Verhältnis
dieses Bandes nicht akzeptabel.
Interessenten an diesem Buch dürften daher nur wissenschaftliche
Bibliotheken sein. Martin Sachs, em 1995-3. |
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Mavumilusa, Makanzu. Die Mission und der Blumentopf. Verlag der Vereinigten Evangelischen Mission,
Wuppertal, 1988. Um es vorweg zu sagen: Kein Buch über Die Reden und Predigten haben verschiedene Anlässe, z.B.
die Hundertjahrfeier der Evangelischen Kirche in Zaire (Eglise du Christ au
Zaire), den Lausanner Weltkongreß 1974
oder eine Rede vor dem Entwicklungsausschuß
der zairesischen Kirche. In der
ersten Hälfte des Buches finden sich Auslegungen und Meditationen in
lebendiger und bildhafter Sprache („Der
Aufzug, der zu Jesus fährt“,
„Gespräch mit einem Embryo“). Zwei
Themen beherrschen den zweiten
Teil: Der eigenständige Weg der afrikanischen Gemeinde Jesu, das Evangelium
glaubwürdig in dem Kontext von Armut und
Unterdrückung zu verkündigen, und das Verhältnis der afrikanischen Gemeinden zur Mission aus dem Westen. Das Buch von Mavumilusa ist ein kritisches Buch. Er äußert
manche unbequemen Gedanken zur Mission europäischer Christen, so wenn er schreibt: „Der Afrikaner schlägt allmählich vor, den Begriff des «Missionars» durch den des «Mitarbeiters» zu ersetzen. Warum?
Für den Afrikaner ist ein «Missionar» oft
ein Mensch, der nicht zuhört, dem man aufs Wort gehorchen muß und der sich an die Stelle des Heiligen Geistes setzen möchte. Und er will keinen afrikanischen Nachwuchs
heranbilden und keine Verantwortung
abtreten“ (S.160). Hier wird der westlichen Mission ein Spiegel
vorgehalten, der manchmal nicht sehr angenehm ist. Wie schreibt doch
Mavumilusa: „Vor dem Spiegel können wir uns nichts vormachen“ (S.38). Prozesse der Ablösung ‑ und Mission in Afrika ist ein solcher Prozeß der Ablösung
von westlicher Theologie und Denkart ‑
sind mit Schmerzen verbunden, für beide Seiten. Es ist ein politisches Buch: So, wenn es heißt: „Laßt uns also den Politikern das Evangelium verkündigen, indem wir ihnen zeigen,
daß sie nicht unsere Feinde sind, nur weil
sie in der Politik tätig sind, sondern
daß ihre Seelen und die Politik uns interessieren
und daß viele ihrer Probleme nur
durch uns Christen gelöst werden können“,
und: „Wir wollen Christen heranbilden,
die für die Gesellschaft brauchbar sind“ (S.140). Es ist
ein evangelistisches Buch. Auf jeder Seite
wird deutlich: Mavumilusa hat eine brennende
Liebe für Jesus. Sein erstes Ziel ist
die Verkündigung des Evangeliums. Menschen sollen den Weg zu Jesus
finden. Alles andere muß sich diesem Ziel
unterordnen. Über die Mission und
Evangelisation der Zukunft
schreibt er: „… [wir möchten] keine
Kirchen mehr haben, die voll sind
mit Menschen, die nur dort sitzen bleiben
wollen, sondern wir wollen Kirchen, die immer wieder leer werden, weil
verwandelte Menschen fähig geworden
sind, in die Welt hinauszugehen und dort zu bezeugen, was Jesus für sie getan hat. Wir möchten erfüllte
Christen heranbilden, die sich auf den Weg machen, das leere Leben der Menschen in der Welt zu füllen“ (S.100). Es ist ein versöhnliches Buch. Bei allen kritischen und fragenden Bemerkungen zum Auftreten der europäischen Missionare in Afrika
überwiegt das Thema der Versöhnung und der Liebe: „Der weiße Mann hat uns Gutes getan; er hat teuer dafür bezahlt, uns das Evangelium Jesu Christi zu bringen. Der Wunsch, aus Afrikanern Jünger Jesu zu machen, kostete vielen das Leben. Um unsere Dankbarkeit zu zeigen, haben wir uns
entschlossen, alle Weißen, gerade die besonders
Verhärteten, zu lieben. Die wenigen Weißen, die uns nicht lieben, werden wir mit unserer Liebe verfolgen. Weisen sie
unsere Liebe zurück, werden wir sie mit den Ketten unserer Liebe binden…“ (S.166/167). Die „Forderungen an
unsere Mitarbeiter, unsere Brüder und Schwestern“ [= Missionare] (S.161) sollte sich jeder Missionskandidat und Missionar täglich vor Augen halten,
z.B.: „Der Afrikaner braucht keine «päpstlichen» Missionare, die ihn bevormunden, sondern er wünscht sich Mitarbei Man kann nur wünschen, daß dieses Buch von Missionsgremien, Missionaren und Missionsinteressierten gelesen und diskutiert wird. Daß Johannes Hansen in seinem Geleitwort
schreibt, es sei ein „begeisterndes Buch“,
kann ich gut verstehen. Gerd Propach,
em 1989-4. |
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McAlpine,
Thomas H. Facing
the Powers. What are the options? Monrovia: MARC, 1992. Keinen Reader (wie
Wagner: Territoriale Mächte. Ebenen der strategischen Kampfführung.) sondern eine Analyse verschiedener
Standpunkte legt McAlpine vor, der bei
MARCUSA für
„urban evangelism“ zuständig ist. Wieder geht es um die Konfrontation mit den
„Mächten“ in missionarischer Arbeit. Darunter
sind sowohl weltliche Machthaber als auch geistliche Mächte zu verstehen. McAlpine stellt einen Katalog von 10 Fragen auf, faßt die Positionen von 16 Autoren in 4 Gruppen zusammen
und beschreibt und vergleicht sie. Ganz
grob skizziert: 1. Die „reformierte Tradition“ (Berkhof, Green, Linthicum,
Wink, Kellermann) sehe Macht v.a.
in sozialen Strukturen verankert,
die evangeliumsgemäßer gemacht werden müßten. 2. Die „täuferische Tradition“ betone die Gemeinde als Alternativstruktur zu weltlichen Machtstrukturen. (Hier
bezieht er auch die römisch-katholischen Brüder
G. und N. Lohfink ein, daneben Yoder und Eller). 3. Die „Dritte Welle“ (Wagner, White, Dawson, Peretti) dagegen sehe die
Mächte, die dem Evangelium entgegenstehen, fast ausschließlich im geistlichen
Bereich, was einen personalen oder territorialen Exorzismus fordere.
4. Die vierte Gruppe eine trotz unterschiedlicher
theologischer Herkunft ihr soziologischer Ansatz (Kelsey, Hiebert,
Shuster). Nach Hiebert z.B. brauchten
Missionare aus der westlichen Welt eine adäquate Antwort auf die „Mittelwelt“ von Dämonen, Geistern, Magie
und Zauberei in anderen Kulturen. Eine theologische Beantwortung von
Ewigkeitsfragen und die wissenschaftliche Betrachtung der empirischen Welt treffe diesen Bereich noch nicht.
Diesen Ansatz halte ich von den geschilderten
für den interessantesten, denn er steht unterschiedlichen
theologischen Positionen offen. Bei den drei theologischen Gruppen dagegen
überdehnt McAlpine die Begriffe „reformiert“
und „täuferisch“ und klammert zu Christof Sauer, em 1992-4. |
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McAlpine, Thomas. Cases in Holistic Mission.
By Word, Work and Wonder. Monrovia//USA: MARC Publications, 1995. McAlpines Frage lautet: „Was ist unter ‚Kingdom of God’
(holistic mission)“ zu verstehen? Aufgrund unseres westlichen, für
ganzheitliche Mission recht begrenzten Verständnisses denken wir dabei an
Evangelisation verbunden mit Hilfsleistungen im sozialen Bereich. Einen
wesentlichen, diese Sicht ergänzenden Impuls für ein biblisches Verständnis
von ganzheitlicher Mission gab laut McAlpine die „Evangelical Social Activist
Conference“ in Sierra Madre im Jahr 1988. In einer Resolution wurde
festgehalten: „Nur wenn wir das ganze Evangelium des Königreiches Gottes erfassen
und anwenden, ist die volle Kraft des Evangeliums freigesetzt … Worte, Werke
und Wunder gehören zusammen …“ Als europäisches Beispiel einer Missionsarbeit,
bei der dieses Prinzip angewendet wird, zitiert McAlpine den Leiter des
britischen Zweiges von Ichthys, Roger Forster, der in Anlehnung an Mt
4,12-25, Apg 10,34-43 und Röm 15,18-19, sagt: „Es wäre (und sollte) praktisch
unmöglich sein, die drei Stränge der evangelistischen Schnur zu entwirren“
(22). Als weiteres Beispiel für ganzheitliche Mission nennt der Autor das
„Centro Nauareno in San Mateo“ in Bogotà, dessen Leiter von Beruf Schuhmacher
ist, später aber Theologie studiert hat. Von diesem Zentrum aus werden in
sieben Zentren (sog. „barrios“) u. a. Gesundheitskurse, Schulungen und
Berufsausbildungen angeboten. Thomas H. McAlpine, Autor für die Organisation
„World Vision“, erwähnt verschiedene katholische Beispiele für ganzheitliche
Mission und erklärt dem Leser, warum für seine Organisation hinsichtlich der
Zusammenarbeit zwischen protestantischen und katholischen Werken kein Unterschied
bestehen. Das Königreich Gottes ist laut den Vertretern der „Kingdom of
God“-Theologie nicht ein Teil der Gemeinde. Es existiert auch nicht
losgelöst von der Gemeinde, sondern stellt vielmehr den übergeordneten Rahmen
für die lokale sowie die weltweite Gemeinde dar. Das Buch vermittelt brauchbare Impulse für ein erweitertes
Verständnis von ganzheitlicher Mission und im besonderen von der „Kingdom of
God“-Theologie. Allerdings stützt es sich in der Beurteilung des westlichen
kulturellen Umfeldes auf bereits überholte Weltanschauungen. So wird
beispielsweise erläutert, der Westen betone nur die physische und geistige
Welt, nicht aber das von der Magie dominierte sogenannte Mittelfeld. Auch
reduziert der Autor die ganzheitliche Mission fast ausschließlich auf
charismatische Gruppierungen. Hier wäre ein vertieftes Studium der aktuellen
Missionssituation und Missionstheologie notwendig. Wer den Apostel Paulus
mit seinem Anliegen, die Verlorenen zu erreichen, verstanden hat, wird immer
versuchen, Menschen ganzheitlich zu begegnen, aber ebenso wird er das ewige
Heil dem irdischen Wohlbefinden des Menschen stets überordnen. Dr. Marco Gmür, em 1997-3. |
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McCurry, Don. Die Heilung der zerbrochenen
Familie Abrahams. Moslems und Christen – Ein Handbuch. Wuppertal: One Way Verlag, 1996. Don McCurry legt hier als Frucht aus 18jähriger
Missionserfahrung in Pakistan ein Handbuch zur Begegnung zwischen Christen
und Muslimen vor. Zunächst geht der Autor auf die geistliche Abstammung der
Muslime von Ismael ein, sowie auf einige Fakten zur Entstehung des Islam und
seiner verschiedenen Ausprägungen (z. B. Mystik, Volksislam, politischer
Islam, Ahmadiyya). Da dieser Teil nur die Hinführung zum eigentlichen Anliegen
des Buches bildet, ist es entschuldbar, daß manche Sachverhalte nur etwas
verkürzt dargestellt werden (z. B. wird die islamische Mystik nicht
zutreffend mit dem Synonym „Flucht vor dem Gesetz“ belegt, 139). Wirklich überzeugend widmet sich der Autor seinem
eigentlichen Hauptanliegen, nämlich der Frage, wie Christen mit Muslimen
geistlich zentrale Fragen wie ‘Schuld und Vergebung’, ‘Zugang zu Gott’ und
‘Errettung zum ewigen Leben’ in einem kulturell-gesellschaftlich
angemessenen Rahmen ansprechen können. Obwohl McCurry praktische Tips zur
Wahl der Gesprächsform und des -inhaltes mit Muslimen vermittelt, geht es ihm
in erster Linie um die Umsetzung geistlicher Prinzipien, nicht um
Patentrezepte. Diese geistlichen Prinzipien zur Begegnung mit Andersgläubigen
(Vorbildfunktion, ‘das Leben teilen’, echte Jüngerschaft etc.) und zur
Gesprächsführung werden aus der Bibel erläutert und auf die Begegnung mit
Muslimen angewandt. Dabei geht der Autor wiederum auf verschiedene
muslimische Gruppierungen (Sunniten, Schiiten, Mystiker, etc.) ein und
ermutigt zum freimütigen, aber liebevollen Zeugnis unter Muslimen. McCurry
nennt konkrete Vorschläge, wie der christliche Mitarbeiter über die ‘heißen
Eisen’ der Muslimmission, über Kreuzigung, Dreieinigkeit und Gottessohnschaft
sprechen kann; ebenso wird die meist traumatische Zeit nach der Bekehrung
eines Moslems und seine Eingliederung in eine christliche Gemeinde angesprochen.
Vorsichtig distanziert äußert sich McCurry zur Kontextualisierung, spricht
sich allerdings klar gegen jede Form des Synkretismus aus. – Ein wertvolles
Handbuch für jeden Mitarbeiter im Bereich des Islam. Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-4. |
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McIlwain, Trevor. Auf festen Grund gebaut. In 50
Lektionen durch die Bibel. Hänssler: Neuhausen, 1998. Endlich! Das Vorbildswerk für die biblische Grundlagenschulung
ist auf Deutsch erschienen. Es hat seither auf Englisch auch bei
deutschsprachigen Missionaren auf den Missionsgebieten die Runde gemacht –
es war der offene Geheimtip für verzweifelte Missionare, die mit
verschiedenen Evangelisationsmethoden experimentierten, bis sie auf das
nächstliegende kamen: Die Bibel in der Reihenfolge, wie sie im alt- und
neutestamentlichen Kanon zusammengestellt wurde, in großen Linien zu lehren
– und zwar gerade auch Fernstehenden, Nichtchristen also, aus Das Evangelium ist das Herzstück unseres Glaubens. Kreuz
und Auferstehung unseres Herrn sind unverzichtbare Lehrinhalte. Aber sie sind
das Ziel, nicht der Anfang der Lehre. Wer damit
beginnt, schlägt sich und dem Evangelium u. U. sogar Türen zu. Glaube geht
auch über den Verstand. D.h., die Menschen wollen wissen und verstehen, was
sie glauben. Der letzte Glaubensschritt ist dann immer noch groß genug. Wie
ein kostbares Bild einen passenden, zum Zentrum des Bildes hinweisenden
Rahmen braucht, so braucht das Evangelium Hinführung, einen informativen
Hintergrund. Das beginnt mit der Schöpfung, dem Anfang der Heilslinie, die
sich durch das gesamte AT zieht und über das Evangelium hinaus mit der Offenbarung
in die hoffnungsvolle Zukunft weist. Das vorliegende Buch beschreibt diesen Weg in sinnvollen
Abschnitten und 50 Lektionen, wobei das Fundament und der Aufbau strikt der
Chronologie der Bibel entnommen sind. So wird dem Glauben an Jesus Christus
ein solides biblisches Fundament gegeben. Trevor McIlwain kam in den Philippinen vor Jahren darauf -
und war verblüfft über den Erfolg. Inzwischen wurde das Material in verschiedenen
Ausgaben und Kulturen verwendet. Interessanterweise erschien eine Anwendung
schon vor kurzem in deutsch: Hans Bär. Heilsgeschichtlicher Bibelunterricht. McIlwains
Programm ‘Building on Firm Foundations’ im Einsatz unter den Karen im Bezirk
Omkoi (Nordthailand). (Edition afem, mission academics Bd.3. Bonn: Verlag
für Kultur und Wissenschaft, 1998. Hans Bär zeigt gleichzeitig die
Möglichkeit und Notwendigkeit auf, McIlwain kulturell und theologisch zu
adaptieren. Manche Anwender würden das Werk wie Hans Bär gerne von seiner
dispensationalistischen Engführung korrigieren und andere biblische Inhalte
hinzufügen. Eine solide Grundlage ist gegeben, ein Werkzeug, für das
nicht nur Missionare dankbar sein werden. Ich wünsche mir, daß auch bei uns
theologische Schulen und Seminare das Grundprinzip anwenden. Denn der
biblische Grundwasserspiegel läßt in unseren Gemeinden ebenso zu wünschen
übrig. Das Buch eignet sich deshalb auch für regelmäßige Bibelstunden - oder
sogar öffentliche Volkshochschulkurse, wie Thomas Schirrmacher in der
Einleitung beschreibt (Vorabdruck in em 3/98:101-104). Im Übrigen: So neu ist das ganze nun auch wieder nicht.
Schon vor 80 Jahren haben z. B. die Neuendettelsauer Missionare (Georg F. Vicedom
und Kollegen, angeregt durch Christian Keyßer) dieses Lehrprinzip in der
Erstverkündigung in Neuguinea erfolgreich angewendet (K. W. Müller,
Peacemaker, Ph.D.-Diss. Aberdeen, 1993). Dann ging durch die theologischen
und strukturellen Turbulenzen der 60er und 70er Jahre in der deutschen Missionswissenschaft
diese wertvolle Erkenntnis verschütt – und wurde nun von Amerikanern wieder
ausgegraben, ohne zu wissen, daß es das früher schon einmal gab und deshalb
auch ohne darauf hinzuweisen. Ein Grund mehr, daß wir uns stärker mit unseren
eigenen Quellen befassen – und die Bibel auch methodisch ernster nehmen
sollten. Die Inspiration schließt vielleicht doch auch die Zusammenstellung
des Kanons mit ein. Dr. Klaus W. Müller, em 1998-4. |
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Mensen, Bernhard (Hrsg.). Dialog. Akademie Völker und Kulturen:
Vortragsreihe 2001/ 2002 Band 25, Nettetal: Steyler, 2002. Seit vielen Jahren ist „Dialog“ ein Schlagwort in der
ökumenischen Theologie und in der Missionstheologie. Der vorliegende
Sammelband, der auf eine Vortragsreihe der Akademie Völker und Kulturen St.
Augustin zurückgeht, reflektiert über das Wesen, über Chancen und Grenzen
solchen Dialogs. Dialog fordert von den Partnern die Anerkennung des
anderen sowie die dafür notwendige Erkenntnis- und Wahrheitsoffenheit. Diese
Offenheit ist nicht mit einer Standpunktlosigkeit oder Preisgabe der eigenen
Identität zu verwechseln. Darum zunächst die Frage: „Welches sind die Voraussetzungen
eines Dialogs, und welche Ziele kann er haben?“. Daher behandeln die sechs
Beiträge nicht die „Aussichten oder Erfolge des Dialogs mit den einzelnen Kulturen
oder Religionen, etwa den Dialog der Christen mit dem Islam oder Hinduismus
usw., sondern sie wollen die Voraussetzungen, Grundlagen, und mögliche Ziele
des Dialogs zu Sprache bringen“ (8). T. Sundermeier fragt „Kann man den
Fremden verstehen?“ (23-32) und gibt folgende Hinweise: „1. Alles Verstehen
beginnt damit, dass ich den anderen wirklich als einen anderen, und d. h.
einen mir Fremden wahrnehme und respektiere. … Auf der zweiten Stufe müssen wir
die eben eingenommene vorurteilsfreie Distanz überwinden und versuchen, das
uns Fremde in dem jeweils eigenen Kontext zu beschreiben. Hier ist Sympathie
gefordert und die Bereitschaft, sich auf die Lebensumstände der anderen zumindest
für eine Zeit einzulassen… . Auf der dritten Ebene müssen wir gerade die
Symbolik einer Kultur, die ihr zugrunde liegenden Lehren und ihre
Vergemeinschaftungspraxis zu begreifen versuchen, denn sie prägen den
Menschen und bestimmen sein Denken, sein Gefühl und seine Weise der
Weltbegegnung. … Viertens … muss immer noch betont werden, dass der
elementare Grundsatz der Begegnung mit dem Fremden der des Respektes vor der
Würde des anderen Menschen und seiner Kultur und Religion ist“ (30-32). W.
Beinert bringt „Dialog und Kirche“ miteinander in Verbindung (33-43), indem
er die Entwicklung innerhalb der katholischen Kirche umreißt. C. Lienemann-Perrin
beginnt ihren Beitrag „Mission und Dialog in den Kontexten der Welt“ (45-60)
mit Überlegungen zu Mt 28 zwischen postmodemer und postkolonialer Auslegung,
um dann aufzuzeigen, wie die Begriffe Mission und Dialog in verschiedenen
Ländern, Kulturen und Kirchen verstanden und gefüllt werden („… von konkreten
Situationen ausgehend, in groben Umrissen eine Art Weltkarte des missionarisch-dialogischen
Profils des Christentums „zu skizzieren“, 49). Die Autorin untersucht das
Missions- und Dialogverständnis der Kirchen Asiens, Lateinamerikas („Die
religiöse Szene in lateinamerikanischen Ländern wie Brasilien lässt es kaum
zu, von Religionsbegegnung und vom interreligiösen Dialog zu sprechen. Wo
die Vermischung der verschiedenen Christentums-formen und Volksreligionen so
weit fortge-schritten ist, zerrinnt der interreligiöse Dialog; denn er
findet keinen Halt mehr an prägnanten Bekenntnissen und Kirchengestalten. Es
zeigt sich, dass Dialog ein gewisses Mass an religiöser Identität und
missionarischem Überzeugtsein braucht, um in Gang zu kommen“, 53), Afrikas
(„Vom Dialog mit den traditionellen Religionen und dem Islam ist dabei häufig
nichts zu spüren - im Gegenteil. Symbole der ‘heidnischen Religionen’ werden
vernichtet, der Islam im Missionszeugnis frontal angegriffen, wenn nicht
sogar bekämpft. Unter dem Eindruck des neupfingstlerischen Erfolgs stimmen
sich auch die „mainline“ churches und die römisch-katholischen Teilkirchen
auf die neuen religiösen Wellen ein und verändern sich dabei erheblich in
ihrem Charakter und ihrer Gestalt“, 54), Nordamerikas und Europas („Das
Nebeneinander von friedlicher Mission und missionarischer Offensive, von
Würdigung, Kritik, und Schelte der Mission kennzeichnet unsere Gesellschaft“,
57). Nach C. Lienemann-Perrin zeigt dieses Bild, „dass es in den
verschiedenen Kontexten der Welt eine große Vielfalt von Austauschbeziehungen
zwischen dem Christenrum und anderen Religionen gibt, die mit den Begriffen
„Mission’ und T)ialog’ nur sehr unzureichend erfasst werden. Femer braucht es
einen Gedanken- und Erfahrungsaustausch über Mission’ und „Dialog’ in den
verschiedenen Kontexten der Welt. Es hilft nichts, den belasteten
Missionsbegriff einfach über Bord zu werfen; denn während Teile des
europäischen Christentums ihn vielleicht als anstössig empfinden, hat er in
den Kirchen der ausserwestlichen Welt eine neue Heimat gefunden. Wer mit dem
Christentum im Süden ins Gespräch kommen und nicht einfach an ihm vorbei an
hartnäckigen Vorurteilen festhalten will, muss sich auf Religiosität,
Sprache und theologische Ansätze in diesen Ländern einlassen. Ich plädiere
dafür, den Wanderbewegungen des Missionsbegriffes nachzuspüren, dabei auf
inhaltliche Veränderungen zu achten und eine interkulturelle Hermeneutik der
Mission in Verbindung mit dem interreligiösen Dialog zu entwickeln. … der
Rückkehr der missionarischen Ausstrahlungskraft in unsere Gemeinden und theologischen
Fakultäten – gerade auch um des interreligiösen Dialogs willen, der
angesichts der Zunahme von religiös motivierten Konflikten in der Gesellschaft
immer wichtiger wird. Ich bin davon überzeugt, dass ohne die missionarische
Ausstrahlung aller am Dialog Beteiligten der Dialog mit anderen Kulturen und
Religionen auf Dauer nicht lebensfähig ist.“ H. Bettscheider untersucht „Die Wahrheitsfrage und der
interreligiöse Dialog“ ( 61-77) und H. Waldenfels beleuchtet abschließend das
Verhältnis zwischen „Dialog und Bekenntnis“ (79-92). Eine knappe Vorstellung
der Autoren sowie Ubersichten über die in der Akademie gehaltenen Vorträge
der letzten Jahre beenden den Band. Prof.Dr. Christoph Stenschke, em 2005-3. |
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Mensen, Bernhard SVD
(Hg.). Afrika zwischen
Tradition und Moderne.
Vortragsreihe 1995/96/ Akademie Völker und Kulturen St. Augustin; Bd. 19.
Steyler Verlag: Nettetal, 1996. Drei der sechs Vorträge befassen sich mit der politischen
und wirtschaftlichen Situation Afrikas. Die Autoren sind bzw. waren Professoren
an deutschen Hochschulen. Der erste Beitrag fragt „Woran krankt Afrika?“
Antwort: „Die Krankheit Afrikas rührt hauptsächlich von den in der
nachkolonialen politisch-sozialen Entwicklung bewirkten gesellschaftlichen
Verzerrungen her“ (S.21). Die politischen Strukturen werden für die
Probleme verantwortlich gemacht, nicht die Menschen Afrikas (S.22). Gleiches
gilt für die afrikanische Wirtschaft. Im dritten Beitrag („Afrika wohin?“)
geht es um eine Orientierungssuche nach dem Wegfall des Ost-West-Konflikts.
Der vierte Beitrag („Das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft in
afrikanischen Gesellschaften“) zeigt, welch große Rolle die Einzel- und
Gemeinschaftsbeziehungen im traditionellen Afrika spielen, wobei neuere
Entwicklungen eine Schwächung dieser Beziehungen bringen. Der fünfte Beitrag
(„Der Einfluß Afrikas auf die europäische Kunst“) weist auf die von Afrika
kommenden Anregungen auf kulturellem Gebiet hin (Musik, Malerei, plastische
Kunst). Der sechste Beitrag („Zwischen Evangelium und Kultur – Christentum
aus afrikanischer Perspektive“) geht der Frage nach, ob zwischen Christentum
und traditioneller Kultur ein Austausch stattfindet. Dabei wird das
Aufkommen einer Afrikanischen Theologie nachgezeichnet, ihre Ansatzpunkte,
ihre Entwicklungen und Probleme. Umfang und Stil des Buches machen es leicht
lesbar. Man wünscht sich nur etwas mehr Platz für Randnotizen. Ein guter Teil
des Buches ist der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas
gewidmet. Dies hilft zum Verständnis der heutigen Situation und zeigt dabei
auch größere (globale) Zusammenhänge auf. Der Beitrag über die zwischenmenschlichen
Beziehungen bringt für Afrikakenner nicht viel Neues. Als Christ ist man
natürlich am letzten Beitrag des Buches zum Christentum aus afrikanischer
Perspektive besonders interessiert, speziell am Unterabschnitt über Mission.
Dieser Beitrag ist einer der kürzesten. Interessant ist, daß dies der einzige
Beitrag eines Nichteuropäers ist; Dr. theol. Amélé Ekué stellt fest, daß aus
afrikanischer Perspektive „die Missionare Afrikaner und Afrikanerinnen in
ihrer Identität störten. Aber sie haben sie nicht nur als Opfer zurückgelassen,
sondern als Akteure ihrer eigenen Christentumsgeschichte…“ (S. 110). Auch
der Autor des vierten Beitrags äußert sich zum Thema Mission: „Die
christlichen Missionen stellen allein durch ihre Präsenz den Glauben an die
Macht der Erde und der Ahnen sowie die traditionellen Normen in Frage, und
zwar auch da, wo ihr äußerer ‘Erfolg’, gemessen an der Zahl der getauften und
zum Christentum Bekehrten, gering ist“ (S.79). Er zitiert einen Pater, der
27 Jahre als Missionar tätig war: „Wenn ich nicht meinen christlichen Glauben
hätte, würde ich das, was wir Missionare gegen die traditionellen Normen der
afrikanischen Gesellschaft tun, als ein Verbrechen bezeichnen“ (S.79).
Fazit: Es werden einige interessante Einblicke und Hintergründe
afrikanischer Entwicklungen vermittelt. Doch wer mehr Information über
Christentum und Mission in Afrika sucht, findet hier nicht sehr viel. Hans Schultheiß, em 1999-4. |
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Menzel, Gustav. Die Bethel-Mission, Aus 100 Jahren Missionsgeschichte.
Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1986. Gustav Menzel, 1967 Missionsdirektor der Rheinischen
Mission bzw. der Vereinigten Evangelischen
Mission, hat mit seinem 1978 erschienenen Standardwerk „Die Geschichte der
Rheinischen Mission“ eine der gründlichsten
Arbeiten über die Geschichte einer deutschen Missionsgesellschaft vorgelegt,
wenn man von der unübertroffenen mehrbändigen Geschichte der Basler Mission einmal absieht. Ihr stellt er nun die Geschichte
der Bethel-Mission zur Seite, die 1971 wie die Rheinische Mission in der VEH aufging. Man spürt heraus, daß Menzel die Bethel-Mission
stärker aus sachlicher Distanz beschreibt als die Rheinische Mission, deren Missionar in Sumatra er einst war. Die Stärke des Buches liegt im Detail. Aus einem enormen Archivmaterial hat Menzel nicht nur eine zusammenhängende Geschichte
aus einem Guß gemacht, sondern zahllose
zunächst unwichtig erscheinende Einzelangaben
diskutiert und belegt. Dadurch ist das Buch nicht nur ein Gesamtentwurf, sondern zugleich zum Einzelstudium
bestimmter Fragen und Personen geeignet.
Solche interessanten Einzelheiten aufzuführen
würde hier zu weit führen. Was sind also daneben die großen Linien, die Menzel verfolgt, gar die Linien, die das
Buch weit über die Bethel-Mission hinaus interessant machen? Mir
scheinen es drei Problembereiche zu sein. Der erste
Problembereich ist die Frage nach dem
Verhältnis von Kolonialismus und Mission. Der Weg von der
ursprünglich kolonialistisch gesinnten Evangelischen Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika zu der von Bodelschwingh geprägten Ostafrika-Mission
und dann Bethel-Mision geht über viele
Brüche und Einzelentscheidungen. Die beiden Kriege zwingen die Mission, den Afrikanern mehr Selbständigkeit zuzubilligen,
was dann schließlich auch als richtiger Weg erkannt wird. Der zweite Problembereich ist die theologische Ausrichtung. Angesichts der heutigen Aufspaltung in „evangelikale“ und „kirchliche“
Missionsgesellschaften in Deutschland kann man hier die einzelnen Etappen einer deutschen Missionsgesellschaft verfolgen. Die Diskussionen um Kirchenpolitik, Schriftverständnis und ökumenische Orientierung führen zu
tiefgreifenden Änderungen, die jedoch
nicht gradlinig verlaufen. Menzel beschreibt diese Veränderung zwar aus der Sicht der heutigen VEM, aber so fair, daß jeder aus der Diskussion lernen kann. Der dritte
Problembereich, bei dem Menzel meines
Erachtens sein Buch zu einem Höhepunkt bringt, ist die Mission unter
dem Nationalsozialismus. Die ganze verworrene und komplizierte Situation wird
deutlich. Einerseits helfen Missionare die
NSDAP im Ausland aufbauen, wird
die „Wende“ wärmstens begrüßt.
Altes kolonialistisches Gedankengut lebt auf. Andererseits lehnt man die
Rassenlehre ab, und es gibt eben einen Friedrich
von Bodelschwingh. Man teilte die Weltanschauung
des Nationalsozialismus nicht, erhoffte sich aber doch Veränderungen zum Guten von der neuen Regierung und verkannte die Zeichen der Zeit total. Wichtig sind auch Menzels über die
Bethel-Mission hinausgehenden Informationen zur Mission unter dem
Nationalsozialismus. Ein spannend
geschriebenes Buch, wie es uns noch von mancher Missionsgesellschaft fehlt. Thomas Schirrmacher, em 1988-4. |
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Menzies, William und Robert. Pfingsten und die Geistesgaben –
Ein theologischer Brückenschlag zwischen Pfingstbewegung und Evangelikalen,
Metzingen: Ernst Franz, 2001. Das vorliegende Buch stellt eine positive Herausforderung
dar – sowohl für evangelikal als auch für pfingstlich geprägte Christen. Die
Autoren haben das Anliegen, eine Brücke zu bauen, verleugnen aber nicht
ihre theologische Herkunft, sondern suchen die für pfingstliche Kreise
charakteristische Erfahrung des Heiligen Geistes theologisch zu begründen und
die Bedeutung der Unterscheidung von Wiedergeburt und Geistestaufe für die
Mission herauszustellen. Es werden auch weitere mit der „Pfingsterfahrung“ verbundene
Fragestellungen erörtert, so die Frage nach Sprachenreden, nach dem
Stellenwert von Zeichen und Wundern, nach Leiderfahrung im Leben eines
Christen und nach der Beziehung zwischen Geistestaufe und Geistesgaben bzw.
Geistesfrucht. Hiermit ist ein weiter Fragenhorizont aufgerissen. Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf die Geschichte
der Pfingstbewegung und einer Beschreibung deren derzeitigen Beziehungen zu
„evangelikalen“ Christen: Man habe sich angenähert, doch nach Menzies arbeiten
Evangelikale „mit einschränkenden Regeln, … die ein Ergebnis zugunsten der
Pfingstgläubigen von vornherein ausschließen“ (S. 44). Kapitel 2 zeichnet die
Entwicklung der Einordnung narrativer Bibeltexte nach, was zentral für die
Frage nach der lukanischen Theologie und damit der Deutung des
Pfingstereignisses ist. In Kapitel 3 wird diese Frage anhand der
Apostelgeschichte erörtert, wobei Menzies eine klare Unterscheidung zwischen
lukanischer und paulinischer Pneumatologie einführen: ersterer wohne kein
heilsbezogener Aspekt inne. Pfingsten sei ausschließlich Ausrüstung zum
Zeugendienst und nicht, wie Evangelikale das verstehen, Eintritt in den neuen
Bund. Diese Sichtweise wird mit dem lukanischen Geistverständnis an sich
begründet: Lukas spreche ausschließlich vom prophetischen Geist, so sei also
auch die Pfingstgabe prophetisch aufzufassen; diese Gabe dürfe nicht mit
Bekehrung oder Wiedergeburt verwechselt werden. Die Autoren wenden sich hier
gegen die evangelikale Ansicht, dass Bekehrung und Geistempfang zusammenfallen. Kapitel 4 ist ein Plädoyer für klare Schriftforschung
sowohl angesichts postmoderner Anfragen an evangelikale Hermeneutik als auch
angesichts der erfahrungsbetonten Sicht der Pfingst-kreise. Menzies sprechen
sich für eine gegenseitige Ergänzung evangelikaler und pfingstlicher
Anliegen aus. Die oben beschriebene Identität der pfingstlichen Theologie im
Verständnis der Pfingstgabe jedoch dürfe nicht preisgegeben werden. Die
folgenden Kapitel setzen sich mit den Beiträgen von James Dunn, Max Turner
und Gordon Fee auseinander. Hierbei geht es Menzies vor allem darum,
nachzuweisen, dass Lukas seine Erzählung bewusst so gestaltet, dass sie den
Charakter eines verbindlichen Modells christlicher Erfahrung erhält. Als
Schlüsselargument dient nach wie vor die Unterscheidung zwischen der
Pneumatologie des Lukas und der des Paulus. Kapitel 8 und 9 befassen sich mit
dem Thema Sprachenrede: Menzies verteidigen sie als Zeichen für eine
Geistestaufe und gleichzeitig eine für alle Gläubigen gedachte Gabe. Im 10.
Kapitel wenden sich die Autoren noch einem neuen Thema zu: der „Zeichen- und
Wunder-Bewegung“ (oder „Dritten Welle“). Im Gespräch mit dort vorzufindenden
Ansichten wird die lukanische Sicht von Zeichen und Wundern dargestellt,
wobei Menzies herausstellen, dass Lukas das Wirken des Geistes in erster
Linie als Kraft zum mündlichen Zeugnis und weniger zum Wunder-Tun beschreibt.
Zudem stellen sie dar, wie Lukas einerseits von einer Fülle von Wundern berichtet,
andererseits jedoch vor der Forderung nach Wundern warnt. Kapitel 11 befasst
sich differenziert mit der Lehre Uber „Heilung im Sühnetod Jesu“: Vom
Kreuzestod Jesu gehe „körperliche Heilung wie alle segensreichen
Auswirkungen der Erlösung“ aus. Menzies zeigen, dass die Erlösung nicht nur
eine geistliche Dimension hat, sondern den menschlichen Körper, wie auch die
ganze Schöpfung mit umschließt und dass Gläubige dieses Heil in zunehmendem
Maße erführen. Hier schließt thematisch Kapitel 12 an: Wie bringen Christen
die Überzeugung von Gottes persönlicher Bewahrung und Fürsorge mit eigenem
und fremden Leid zusammen? Anhand des Berichts von der Verklärung Jesu in Mk
9,2-10 wird eine pfingstlerisch-selbstkritische Einladung präsentiert,
Gottes Hand nicht nur in ,,glanzvolle[n] Beweisen seiner Herrlichkeit“ zu
sehen, sondern vielmehr zu erkennen: „alles, was wir an Bewahrung und an
Leid erfahren, ist auf seine Lenkung der Dinge zurückzuführen“ (S. 190).
Dabei wird als Ziel der göttlichen Fürsorge nicht in erster Linie Wohlergehen
verstanden, sondern die Erfüllung des Erlösungsplanes des Vaters. Kapitel 13
befasst sich nun grundsätzlicher mit dem Thema „Geistesgaben“, wobei IKor
12-14 als zentral aufgefasst werden. Menzies formulieren drei Prinzipien:
das Gnadenprinzip, das Erbauungsprinzip und das Teilungsprinzip. Die folgenden
Kapitel dienen der Verhältnisbestimmung von Geistestaufe und Geistesgaben
bzw. Geistesfrucht. Es wird nun die Synthese zwischen der lukanischen und
der paulinischen Sichtweise angestrebt, wobei die lukanische Geistestaufe als
Tor zu den prophetischen Gaben bei Paulus aufgefasst wird. Abschließend
lässt sich sagen: Das Buch behandelt eine umfassende Thematik detailliert,
mit Sachkenntnis und missionarischem Herzen. Hierin liegt seine große Stärke
und Herausforderung für Christen jeglicher Prägung. Menzies leisten eine
starke Überzeugungsarbeit in der Fundierung ihrer Grundposition. Nicht alle
Argumentationen überzeugen. Die vorgeschlagene Synthese zwischen der
lukanischen und paulinischen Sicht in Kapitel 14 hat bestechende Elemente,
manche Fragen lassen Menzies dabei jedoch leider unbeantwortet: Warum
fordert Paulus in 1 Kor 1214 nicht auf, sich nach einer bestimmten zweiten
Geisterfahrung – der Geistestaufe – auszustrecken, sondern nach den Gaben
dieses Geistes? Warum gehen die Autoren nicht auf 1 Kor 12,13 – der „Taufe
durch einen Geist zu einem Leib“ – ein, wo Paulus die Gläubigen in Korinth
zeitlich nach einer „Geistestaufe“ einordnet? Nicht ganz überzeugend ist auch
die Argumentationslinie, das Pflngstereignis allein von Lukas her deuten zu
wollen. Trotz dieser Anfragen leistet dieses Buch einen wertvollen Beitrag
zur laufenden Diskussion und regt zu weiterem Nachdenken an. Es ist ein
Aufruf, das Leben, das Gottes Geist wirkt, tatsächlich in all seinen Dimensionen
zu suchen, der hoffentlich nicht ungehört bleiben wird! Verena Schröder, em 2005-2. |
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Milnes , Peter und Genevieve. Missions - The Biblical Basis. Contagem, Brasilien: Ed. AMEM, 1989. Das Ehepaar Milnes,
australische Missionare in Brasilien, schrieb das Buch speziell für
Hausbibelkreise. Hier können die überschaubaren Kapitel gelesen und
anschließend besprochen werden. Fragen
regen zum Gespräch an und führen zum
gemeinsamen Gebet. Zunächst werden
die missionstheologische Bedeutung der Schöpfung, Abrahams und Israels
Erwählung und von der Landnahme dargestellt, um dann am Beispiel von Richter, Jona und Maleachi den missionarischen Ungehorsam Israels aufzuzeigen. Die Besprechung des Neuen Testaments konzentriert
sich neben einer Darstellung von
Jesu Begegnungen mit den Heiden – verstanden als Jüngerschulung – vor
allem auf die Apostelgeschichte. Wenn man nach Wesen und
Inhalt der Mission fragt, bleiben manche Fragen. Es mutet seltsam an, wenn Josuas Eroberung Kanaans als
„missionary work“ bezeichnet oder Israels Schuld
vor allem darin gesehen wird, daß es den Heiden Gott nicht nahebrachte (S.35f). Umgekehrt wird der Missionar als „Gottes Kämpfer gegen das Böse und Götzendienst im Land“
bezeichnet bzw. gefragt: „Kämpfen wir für Gottes Gerechtigkeit?“ (S.39f).
Fragt man tiefer, dann erkennt man, daß Schriftauslegung ohne
heilsgeschichtliche Perspektive getrieben wird. Das muß gerade im AT zu
Entstellungen führen. Grund, Voraussetzung, Ermöglichung und Inhalt aller Mission ist eben das Versöh Diese Schrift ist ein
Musterbeispiel dafür, wie die Gestalt der Missionstheologie von der zugrundeliegenden Hermeneutik gesteuert wird.
Gerade in einer „Laientheologie“ bzw. in einer
Anweisung zur Mission für junge Gemeinden, wie hier, ist
gewissenhafte Schriftauslegung das A und
O. Zudem sollte man in der Bibel Mission nur da sehen, wo die Schrift darauf hinzielt. Der Rezensent bedauert zutiefst, daß dem sehr guten didaktischen Ansatz,
dem praktischen Bezug und den mancherlei glücklichen Beispielen und
wertvollen Erfahrungen nicht eine ebenso gediegene exegetisch-theologische Arbeit zur Seite steht. Helmuth Egelkraut, em 1993-1. |
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Mission
Handbook 1993-95 (15th edition). U. S. and Canadian
Christian Ministries Overseas, with statistical data and background essays,
hg. von John A. Siewert und John A. Kenyon. Monrovia: MARC,1993. Die 15. Auflage des Standardwerkes ist die bisher
umfassendste und bringt einige Neuerungen mit sich. Hauptteil ist nach wie
vor die umfassende Auflistung und Aufschlüsselung nordamerikanischer
Missionsgesellschaften, die sich im Rest der Welt betätigen. Am spannendsten
ist wohl der 37seitige Artikel von MARC-Direktor Bryant Myers „The changing
shape of world missions“. Dort finden sich 28 Weltquerschnitte graphischer
und statistischer Art zur Verteilung der Religionen, Christen, Unerreichten,
Finanzen und Lebensbedingungen. Die traditionellen Hintergrundaufsätze
bilden diesmal drei Briefe aus anderen Kontinenten von Tokunboh Adeyemo,
Vinay Samuel und Valdir Steuernagel (wobei Steuernagel im Jahrbuch Mission
1993 seinen deutschen Freunden ganz andere Dinge schreibt!). Neu ist eine
20seitige Übersicht über die 5.441 katholischen Missionare aus Nordamerika,
die jedoch bei weitem nicht so detailliert ist, wie die Angaben über die
protestantischen Organisationen, von denen 54% sich als evangelikal und 9%
als charismatisch bezeichnen. Neu ist auch die detailliertere Aufschlüsselung
des Missionspersonals. Die Gesamtzahl der US-amerikanischen Missionare, die
länger als 4 Jahre dienen wollen, beträgt derzeit 32.634, dazu kommen 36.201
Kurzzeitmitarbeiter für 2 Wochen bis 2 Monate und 24.213 voll aus den USA
unterstützte einheimische Mitarbeiter in den Einsatzländern, denen allen
zusammen 14.694 Vollzeit-Heimatmitarbeiter den Rücken stärken. Die Zahlen für
Kanada belaufen sich jeweils etwa auf 10% der US-Angaben. Weitere Mitarbeiterkategorien
verändern die Gesamtsumme nur unbeträchtlich. Das größte US-Auslandspersonal
(über 4 Jahre Einsatz) unter den Missionen hat der Southern Baptist Convention
Foreign Missions Board mit 3.660, Wycliff Bibelübersetzer mit 2.338 und New
Tribes Mission mit 1.837. Die hundert größten Gesellschaften haben 91% allen
Personals, wobei nur zwei weitere die Tausendergrenze überschreiten. Für die
zunehmenden Kurzzeiteinsätze, v.a. von 2 Wochen bis 2 Monaten, aber auch bis
zu 2 Jahren sind wiederum die Southern Baptists-FMB Spitzenreiter (10.209),
gefolgt von Jugend mit einer Mission (6.600) und der Missionsabteilung der
Kirche des Nazareners (5.500). Das größte Jahreseinkommen hat dagegen World
Vision USA (176 Mio. US$) mit weiteren 73 Mio in Kanada, erst an zweiter
Stelle die Southern Baptists mit 165,7 Mio und danach die Assemblies of God
mit 96 Mio. Die Missionsdollars konzentrieren sich zunehmend bei den großen
Organisationen. Einsatzländer mit über 1000 US-Missionaren sind Brasilien
(2.229), die Philippinen (1.961), Mexiko (1.691), Japan (1.636), Kenia
(1.337) und Papua Neu-Guinea (1.186). Im Mittleren Osten dagegen sind
zusammen weniger Mitarbeiter jeglicher Herkunft im Einsatz als US-Missionare
in einzelnen deutschsprachigen Ländern: Deutschland 756 (wie in Frankreich),
Österreich 310, Schweiz 86. Register über die kirchliche Ausrichtung und die
Tätigkeitsfelder der verschiedenen Werke runden dieses unübertroffene
Nachschlagewerk ab, für das man sich ein ebenbürtiges in Deutschland bisher
nur wünschen kann. Die ebenfalls angebotene Diskettenversion war dem
Rezensenten nicht zugänglich. Christof Sauer, em 1996-2. |
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Mission Handbook 2001-2003 (18th
edition). U. S. and Canadian Christian Ministries
Overseas, hg. von John A. Siewert und Dotsey Welliver. Evangelism and Missions
Information Service – Billy Graham Center - Wheaton College: Wheaton (IL),
2000. 504 S. Nach 3 Jahren erscheint die neue Auflage des bekannten
amerikanischen Nachschlagewerkes aller Missionsgesellschaften des
amerikanischen Kontinents. Es berichtet von ca. 35.500 Missionaren im Ausland
aus den USA und Kanada in ca. 1.000 Missionsgesellschaften, daneben von ca.
23.500 Mitarbeitern in USA und Kanada, 100.400 Kurzzeitmissionaren und 73.000
ausländischen Mitarbeitern! Tabellen, Übersichten, Daten, Adressen schlüsseln
diese Zahlen auf. Wer ist wie lange und wo Missionar? Warum kommen Missionare
vorzeitig nach Hause? Daneben bietet es wieder zwei Beiträge zu orthodoxen
und katholischen Missionswerken und die jährlich wechselnden
Einführungsessays, die weit über die Belange der USA hinausgehen. Dabei geht
es um die Frage der Kooperation von Missionsgesellschaften, um die Spannung
zwischen gigantischen Missionsorganisationen und der Betonung der örtlichen
Gegebenheiten und mit Luis Bush um die Herausforderungen der nächsten Jahre,
die er – m. E. zu Recht – vor allem in der Veränderung der theologischen Ausbildung
sieht (S.26-28). Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-3. |
Missionering
en Inculturatie, Mission and Inculturation, Bulletin de 1’ Institut Historique Beige de Rome LXIV, Turnhout:
Brepols Pub-lishers, 1994. Auf 270 Seiten bietet sich hier dem sprachgewandten Leser
in Flämisch, Französisch und Englisch eine
wertvolle Sammlung an missi-ons-
und kulturgeschichtlichem Material aus der Arbeit der Scheuter Mission
in der Inneren Mongolei und Nordchina
(1865-1953) und Zaire (1919-1935).
Die ausschließlich auf Quellenmaterial basierende historische Darstellung bietet ein sehr realistisches Bild von den harten Lebensbedingungen der Missionare. Es überwiegt jedoch bei weitem die Behandlung Frage nach einer Inkulturation der sehr stark
sozial orientierten Arbeit der Scheuter Missionare. Unter „Inkulturation“
wird in dieser Aufsatzsammlung die
Möglichkeit einer Übernahme der von den Missionaren gegründeten medizinischen
Einrichtungen oder Schulen durch einheimische Fachkräfte verstanden. Auf
eine theologische Auseinandersetzung mit dem
Thema oder eine missiologische Analyse der behandelten Abschnitte der
Scheuter Missionsgeschichte muß der Leser leider verzichten. Stefan Müller, em 1995-4. |
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Moffett, Samuel Hugh. A
History of Christianity in Asia. Bd I: Beginnings to 1500. San Francisco:
Harper, 1991. Die Ursprünge des Christentums in Asien liegen lange vor dem
Einsetzen der neuzeitlichen Mission. Die Ausbreitung und Bedeutung des
asiatischen Christentums von seinen Anfängen bis zum Jahr 1500 ist das Thema, dem der Autor viele Jahre an Forschung und Quellen Der Autor Samuel Hugh
Moffett ist selbst in Korea geboren. Während der chinesischen
Revolution war er von 1947 bis 1951 in China als Lehrer tätig und arbeitete
später als Professor für Kirchengeschichte in Korea und in den USA. Mit ihm hat sich wohl einer der kompetentesten
Männer der Bearbeitung dieses Themas
angenommen. Bei seinen hervorragenden Kenntnissen der asiatischen
Kirchen ist es allerdings zu bedauern,
daß er so wenig auf asiatische Quellen und Arbeiten zurückgreift. Ebenso verzichtet er darauf, neuere
westliche Forschungsergebnisse zu
einzelnen Aspekten seines Themas zu berücksichtigen. Dafür beschränkt er sich
auf eine solide Zusammenfassung und
Aufbereitung der bisher unübertroffenen Klassiker der asiatischen Kirchengeschichte aus der Blütezeit
christlicher Asien-Forschung und
auf die in westlichen Sprachen zugänglichen Quellen. Moffetts Verdienst ist es daher vor allem,
deren Ergebnisse nach über 50 Jahren erneut aufzunehmen und davor zu bewahren, endgültig in der Vergessenheit zu versinken. Die Weite des Themas
zwingt allerdings auch zu Beschränkungen auf einen geographischen und thematischen Bereich. So legt Moffett
den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Untersuchung des Christentums im frühen
Persien und auf die Auseinandersetzung des Christentums mit dem jungen
Islam, die etwa 75% seines Werkes
ausmachen. Entsprechend erfolgt auch die im Buch vorgenommene Einteilung
in die drei Perioden „Von den Aposteln bis Mohammed“, „Von Alopen bis zu den Kreuzfahrten“ und „Von Dschingis Khan bis Tamerlan“. Durch den hier gebotenen Einblick in die Ursprünge und die
Entwicklung des Miteinanders von
Christentum und Islam in Asien wird anhand
vieler Hintergrundinformationen ein tiefes
Verständnis für viele der bis heute brennenden Fragen in der
christlich-islamischen Begegnung
ermöglicht. Die Kirchengeschichte aller
anderen asiatischen Regionen oder die frühe Auseinandersetzung des Christentums mit anderen asiatischen Religionen wird dagegen leider nur beiläufig und nur dort behandelt,
wo sie in eine Beziehung zu Persien oder zum Islam tritt. Dennoch ist dieses Werk ein überaus lesenswerter Klassiker zur Kirchengeschichte
West-Asiens und ein kaum zu überschätzender
Beitrag für jede Beschäftigung mit
den Wurzeln des asiatischen Christentums. Stefan Müller, em 1995-4. |
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Montgomery,
James H. Dawn 2000: 7 Million
Churches To Go. Pasadena, CA: William Carey Library 1989. Montgomery entwickelte eine Strategie für die Weltevangelisation. Mit dem Ziel 7 Millionen zusätzlicher Gemeinden gäbe es eine Gemeinde
für jeweils 500 bis 1000 Menschen in der Welt; damit hielte er die Welt für evangelisiert. DAWN 2000, Abkürzung für «Discipling A Whole Nation» (Eine ganze Nation zu Jüngern machen), ist kein kurzlebiger
Traum eines früheren Missionars, sondern eine wohldurchdachte Strategie für die Evangelisation jeder einzelnen Nation auf der Erde. Montgomery kommt aus der Gemeindewachstumsbewegung. Er war neun Jahre lang der Chefredakteur von
«Global Church Growth» und diente 13 Jahre als Missionar in den Philippinen,
wo diese optimistische Strategie entwickelt wurde. DAWN 2000 erwuchs aus Montgomerys Erfahrung. Das Buch ist leicht verständlich zu lesen und gliedert sich
in drei Teile. Zunächst lesen wir hauptsächlich von der Entwicklung, dann folgt eine Beschreibung der Strategie. DAWN möchte die gesamte Gemeinde Christi in allen Ländern mobilisieren,
um den Missionsbefehl auszuführen, indem eine Gemeinde in jedem Ort und jeder
Nachbarschaft gegründet wird. Der zweite Teil des Buches erklärt, warum Montgomery glaubt, daß seine Strategie funktioniert. Die DAWN-Strategie unterteilt
die Erde in überschaubare Bereiche, umfasst
die nötigen statistischen Untersuchungen
und mobilisiert mit Hilfe eines DAWN-Teams
die Gemeinde Christi in dem Land.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Untersuchung über das
Gemeindewachs turn. Daten über Wachstum
bzw. Nicht-wachstum der Gemeinden
(institutionelle und kontextuelle
Daten) werden gesammelt, analysiert und ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Untersuchug werden in einer „Prophetischen Botschaft“ veröffentlicht, um die
örtlichen Gemeinden zu motivieren. Der letzte Teil des Buches spricht über die praktische Anwendung von DAWN 2000 in einem spezifischen Land. Eine Beschreibung
ist gegeben, wie die Vision der geistlichen Strategie in dem
speziellen Kontext den geistlichen
Leitern im Lande vermittelt werden kann. DAWN 2000 ist ein
Beitrag zur Erfüllung des
Missionsbefehls. Das Problem, dem Montgomery begegnet, besteht in der
Vermittlung seiner Vision in jedem Land der Erde und in den Herzen der
evangelikalen Leiter. Dieses Buch in den
Händen evange-likaler
Verantwortungsträger in der ganzen Welt
kann großen Einfluß auf die Weltevangelisation
ausüben. Detlef Gwinner, em 1991-3. |
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Moreau, A. Scott (Ed.).
Evangelical Dictionary of World Missions. Baker Books: Grand Rapids (MI), 2000. Normalerweise sollte man kein Buch besprechen, zu dem man
selbst Beiträge verfaßt hat, aber da in diesem enorm umfangreichen Lexikon
alle einzelnen Autoren mit Ausnahme des Hauptherausgebers nur einen sehr
kleinen Anteil haben, sei dies ausnahmsweise einmal gestattet. Seit dem
Lexikon der Weltmission (Engl. Original 1971) hat sich in Mission und Missionswissenschaft
eine enorme Zunahme evangelikaler Aktivitäten ergeben, Deswegen ist es kein
Zufall, dass der ‘Nachfolger’ nun aus dem evangelikalen Bereich kommt, auch
wenn die ökumenische Weite nach wie vor in den Artikelthemen präsent ist.
Denn das Lexikon versteht sich ausdrücklich nicht als Lexikon über
Evangelikales, sondern als Lexikon über alles, was Mission betrifft, aber aus
evangelikaler Sicht. Das Lexikon umfaßt 700 thematische Artikel und 700
Artikel über Personen und geographische Gebiete. Von den 483 behandelten
Personen sind 239 Europäer, 152 Nordamerikaner und 92 aus der Dritten Welt.
105 sind Frauen und 52 sind noch am Leben. Lebende Personen aufzunehmen
schien unumgänglich, da die evangelikale Bewegung, besonders in der Dritten
Welt, teilweise noch sehr jung ist. Normalerweise wurden die Lebenden noch
vor 1930 geboren, wenn man von vier Ausnahmen aus der Dritten Welt absieht.
Den noch lebenden Deutschen, ‘Peter Beyerhaus’, hätte ein Deutscher vielleicht
etwas ergiebiger dargestellt, als ein Amerikaner, wie dies etwa im Falle
von ‘Ernst Schrupp’ (von Klaus Fiedler) der Fall ist. Grundsätzlich ist das Lexikon recht amerikanisch geprägt,
insbesondere in den theologischen Beiträgen, aber man hat sich doch deutlich
bemüht, Autoren aus Europa und der Dritten Welt zu gewinnen. An deutschen
Autoren fand ich Peter Beyerhaus, Klaus Fiedler, Hans-Werner Gensichen, Rolf
Hille, Werner Raupp, Christine Schirrmacher, Thomas Schirrmacher). Sie haben
meist biographische Artikel geschrieben. Die Beiträge über deutsche
Missionen sind nicht schlecht, aber selten herausragend (so z. B. ‘German
Mission Boards and Societies’). Die Auswahl deutscher Missionare und
Missiologen (ich fand Beyerhaus, Christlieb, Gutmann, Schrupp, Warneck,
Ziegenbalg) ist sicher sehr dünn und wohl teilweise zufällig, aber mehr
Platz stand eben nicht zur Verfügung. Zu den Glaubensmissionen (‘Faith
Missions’) fehlen etwa die Forschungsergebnisse des Mitautors Klaus Fiedler
völlig, obwohl sie längst auf Englisch vorliegen. Die Bibliographie ist
leider auf leicht zugängliche, englische Quellen beschränkt worden und nicht
besonders ergiebig. Allerdings gibt es gute Artikel über literarische
Produkte wie Missionslexika oder Missionszeitschriften (‘Dictionaries …’,
‘Journals …’). Die Spannweite der Themen ist dagegen sehr gut gelungen.
Es zeigt sich, dass man die Evangelikalen längst nicht mehr mit ein paar Lieblingsthemen
(z. B. über ‘Inerrancy’, ‘Church Discipline’, ‘OT Theology of Mission’)
identifizieren kann. Ausdrücklich werden viele Streitfragen unter
Evangelikalen behandelt und ausgezeichnet dargestellt (z. B. Artikel
‘Controversies …’, ‘Annihilationism’, ‘Smuggling’, ‘Eschatology’ und viele
weitere Einträge zu eschatologischen Richtungen), soziale Fragen angesprochen
(z. B. ‘Caste’) und neueste und ungewöhnliche Forschungs- und Praxisbereiche
zugänglich gemacht (z. B. ‘Elenctics’, ‘Homeschooling’, ‘Burnout’, ‘Member
Care’). Das Lexikon ist über umfangreiche Register einschließlich einer
umfangreichen Themengliederung bestens erschlossen. Insgesamt ist dieses in
mehreren Jahren entstandene Mammutwerk eine Meisterleistung evangelikaler
Lexikonerstellung und Missiologie. Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1. |
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Moucarry, Georges Ch. Zwischen Bibel und Koran. Ein
arabischer Christ begegnet dem Islam. Brunnen Verlag: Giessen,
1994. Der arabische Christ Georges Moucarry möchte zwischen
Christen und Muslimen Verständnis wecken. Verständnis jedoch nicht im Sinne
eines ökumenischen Dialogs, der die theologischen Unterschiede zwischen Islam
und Christentum wegerklärt. Im Gegenteil: Der Autor führt diese Unterschiede
aus Koran- und Bibeltexten selbst an. Klar und verständlich werden z. B. die
Unterschiede zwischen der biblischen und koranischen Auffassung von Sünde
und Heil erläutert. Gleichzeitig möchte Moucarry jegliche Konfrontation und
Gegnerschaft zwischen Muslimen und Christen vermieden sehen. Echte Toleranz
beginnt für ihn dort, wo Muslime und Christen (!) eine Bekehrung zur anderen
Religion nicht von vorneherein ausschließen (S.92). Es sollte kurz angemerkt werden, daß man bei manchen
Aussagen durchaus auch anderer Meinung sein kann: 1. Für den Autor ist der Koran
dort göttliche Offenbarung, wo er mit der Bibel übereinstimmt, denn Gott
könne sich auch außerhalb der biblischen Offenbarung äußern (S.87+91). – Mit
einem solchen Offenbarungsverständnis könnte letztlich jedes Buch zur
Offenbarung Gottes erklärt werden, nicht nur der Koran. – 2. In der
Auseinandersetzung Jesu mit den Pharisäern kommt Moucarry zu dem Schluß, daß
die Pharisäer das Gesetz ganz genau befolgt hätten, Jesus aber seine
Autorität über das Gesetz stellt (S.75). M. E. weist jedoch Jesus den
Pharisäern nach, daß sie Gottes Gesetz gerade nicht halten, weil sie um
Gottes Gesetze herum zusätzlich eigene Gesetze schufen und diese
menschlichen Gebote über Gottes Gebote stellten. Diese „Menschengebote“ (Mk
7,7) befolgt Jesus tatsächlich nicht (s. Mk 7,1-23), wohl aber das ganze
alttestamentliche Gesetz. 3. Etwas befremdlich mutet es an, daß der Autor
die Frage stellt, ob Muslimen in christlichen Ländern die Ausübung ihrer
Religion wirklich tolerant gestattet würde (S.88+90). Hier wäre doch wohl
eher auf die teilweise erheblichen Beschränkungen hinzuweisen gewesen,
denen sich Christen in islamischen Ländern ausgesetzt sehen, obwohl der
Islam offiziell den Anspruch erhebt, das Christentum zu tolerieren. Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-2. |
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Müller, Karl; Werner
Ustorf (Hg.). Einleitung
in die Missionsgeschichte. Tradition, Situation und Dynamik des Christentums. Theologische Wissenschaft Bd. 18. Kohlhammer:
Stuttgart, 1995. Es ist schwierig, einen Sammelband zu rezensieren und ihm
und dem Gesammelten dabei gerecht zu werden, da es naturgemäß sehr vielfältig
ist. Deswegen will ich vor allem fragen, ob und wie der Band sein Ziel erreicht
und was er dem evangelikalen Leser bietet. So klar wie der Titel mir erscheint, so unklar ist mir der
Untertitel. Zu „Tradition, Situation und Dynamik des Christentums“ könnte
man in den verschiedensten theologischen Disziplinen schreiben und deswegen
natürlich auch in Missiologie. Oder ist selbst das Verständnis von Mission
nicht klar? Die Herausgeber schreiben, daß es „eigentlich gar nicht um die
Geschichte der Mission, sondern eher um die Geschichte des Christentums
selbst“ geht, das „nach 1Joh 3,2 noch nicht endgültig festgelegt, sondern
noch unabgegrenzt ist“ (9). In seinen sehr bemerkenswerten Schlußerwägungen
(„Missionsgeschichte im Wandel der Motivationen und Perspektiven“) betont
Horst Rzepkowski, daß „der einsichtige Ansatz, daß die Kirchengeschichte
von der Geschichte der ganzen Kirche handeln solle“, nicht durchgehalten
wird (266). Ich hätte mir deswegen gewünscht, daß in einer Einleitung die
Eigenständigkeit der Missionsgeschichte begründet worden wäre, die in den
systematischen Beiträgen (Karl Müller, Horst Rzepkowski) oft vorausgesetzt,
in anderen häufig ignoriert wird. Das Buch versucht der Tatsache Rechnung zu tragen, daß
christliche Mission erfolgreich war. Deswegen fragt Ustorf zu recht: „Wie
kann das neuzeitliche Autonomiebewußtsein westlicher Kultur missiologisch so
angesprochen werden, daß es von seiner zwanghaften Tendenz zur Gewalt [siehe
Kolonialismusgeschichte] befreit wird?“ (12) Der Westen ist also Objekt
der Mission, aber zu dieser Wahrheit bietet das Buch wenig, gerade im
Artikel von Hugh McLeod „Die christliche Erfahrung Europas 1789-1989“. Insgesamt scheint mir das Buch, das eine Einführung sein
will, diesem Anspruch nur teilweise gerecht zu werden. Viele Artikel sind
eher Beiträge zu einer Missionsgeschichte oder einer Kirchengeschichte der
Welt. Für beides ist die Sammlung nicht umfassend genug, bietet aber dem
Leser in manchen Artikeln viel interessante Informationen, sei es über
katholische Mission in Nordafrika, über Missionen in Zentralasien oder unter
den ethnischen Minderheiten in Nordamerika. Für evangelikale Leser
erscheint mir, neben anderen katholischen Beiträgen, der Artikel von
Angelyn Dries OSF sehr nützlich, der einen Überblick über die Entwicklung der
Heimatbasis der amerikanischen Weltmission bietet mit der Folge der
dominierenden Gruppen: Protestanten (vor dem Zweiten Weltkrieg), Katholiken
(nach dem Krieg), Evangelikale (nach 1970). Da kommt die Frage auf, welche
Gruppe nach den Evangelikalen in der amerikanischen Missionswelt dominieren
wird. Hans-Jürgen Priens Beitrag „Lateinamerika –
Einwandererkirchen und angelsächsische Missionsprotestantismen“ dagegen
zeichnet sich durch den pauschalen Kampf gegen alles aus, was nach den
Einwandererkirchen an Protestantismus Lateinamerika noch berührte. Schon
der Titel läßt erkennen, daß die Millionen Menschen, die in Südamerika sich
zum evangelischen Glauben bekehrten, Opfer sind. Sie werden von „multinationalen
religiösen Unternehmungen“ und von Neopfingstlern [gekennzeichnet durch
„religiös-politische Instruktion, Gruppendynamik, politischen Aktivismus
und Mission (Youth with a Mission, Christ for the Nations, Gospel Outreach)]
mißbraucht, kämpfen gegen progressive Regierungen und zerstören im Amazonasbecken
ethnische Strukturen durch ihre sektiererische und kulturell entfremdende
Arbeit (NTM, Wycliffe). Schade, Prien definiert Kirche sehr eng, und Ökumene
nur als protestantisch und katholisch. Das gilt auch für das Buch als solches, das als
ökumenisches Textbuch auf evangelikale oder pfingstliche Missiologen verzichtet.
Ist die Zeit noch nicht reif dafür, oder sind sie noch nicht hoffähig? Oder
ist es gut, sich erst einmal der Dissonanz bewußt zu werden? An der technischen Seite des Buches stören mich drei
Dinge: Ich hätte die Fußnoten, die viel wertvolle Informationen enthalten,
gerne unten auf der Seite gefunden. Auch als Sammelband verdient das Buch
einen Index. Internationale Autoren sind gut, aber Übersetzungen sollten
dann auch gut sein. Was habe ich z. B. unter methodistischen Gesellschaften
zu verstehen, größtenteils aus Afrikanern zusammengesetzt, die Mitte des
Jahrhunderts auf einigen Inseln erschienen (100)? Oder ist „Rat“ wirklich die
richtige Übersetzung für „American Board“ (210 u.a.m.)? Auch denke ich, daß
der Satz „Speer schrieb über die Bedeutung der Predigt, um
Einzelkonversionen zu erzielen, die Missionen mußten aber auch einheimische
Kirchen gründen“ (217) auf Englisch besser klang. Ich bin ja dafür, die deutsche
Sprache zu „enrichen“, aber ich meine doch, daß die „Unterschiedlichkeit des
christlichen Respons“ Insgesamt ist das Buch nützlich für die Leser, die einen
Einstieg gewinnen und/oder sich informieren wollen. Es zeigt die Probleme
mancher Sammelwerke und führt die der heutigen Missionsgeschichtsschreibung
vor, versucht sie allerdings nicht zu lösen. Für evangelikale Leser scheint
mir der Hauptwert in den katholischen Beiträgen zu liegen. Dr. Klaus Fiedler, em 1998-3. |
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Müller, Klaus W. (Hg.), Mission als Kampf mit den
Mächten. Zum missiologischen Konzept des „Power Encounter”. Referate der Jahrestagung für evangelikale
Missiologie, Korntal, 7.-9. Januar 1993. edition afem, mission reports, Bd.1. Bonn:
Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1993. Sammelbände enthalten mitunter komprimierte Information und
auch manche literarische Schnäppchen, die sonst nirgendwo veröffentlicht
wurden. Dies trifft auch auf die Referate der AfeM-Jahrestagung von 1993 zu. In einem ausgezeichneten Anfangsartikel gibt Traugott
Hopp, Dozent am Brüderhaus Tabor in Marburg, eine biblisch-theologische
Einführung in das Thema „Kampf der Mächte“. Peter Beyerhaus stellt in seinem Beitrag „Die
antagonistische Dimension der Mission – Der Kampf der Geister“, Mission als
grenzüberschreitende Konfrontation dar. Er erkennt dabei sowohl direkten
geistlichen Kampf (i.e. Exorzismus) als auch den eher indirekten, auf
Bekehrung abzielenden Kampf als unverzichtbaren Bestandteil dieser Konfrontation.
In dem akademisch gehaltenen Artikel kommen wichtige Grundanliegen des
Seniors der evangelikalen Missionstheologie zur Sprache. Ferner gibt Wolfgang Simson einen Überblick über „Power
Encounter in der charismatischen Missiologie“. Er nennt wichtige Kernthesen,
distanziert sich von Extrempositionen innerhalb der charismatischen Bewegung
und kritisiert die sterile deutsche Gemeindewirklichkeit und die verengte
Negativ-Theologie. Der insgesamt gelungene Überblick beantwortet aber
leider nicht die Frage, wie sich theologische und praktische
Extrempositionen innerhalb der charismatischen Bewegung in der Praxis von
den positiv beurteilten Aspekten scheiden lassen. Detmar Scheunemann, der auf 30 Jahre Missionserfahrung
zurückblicken kann, geht sensibel und biblisch begründet auf die praktische
Seite der Begegnung mit Mächten im Missionsdienst ein und verfolgt eine vertiefende
theologische Auseinandersetzung mit dem Okkultismus. Klaus W. Müller, erster Vorsitzender des AfeM und Dozent
der Freien Hochschule für Mission in Korntal, geht mit seinem Artikel „Power
Encounter als missiologisches Konzept“ auf die anthropologischen und soziologischen
Elemente des Power Encounters ein. Klaus Hoppenworth, Dozent am Seminar der Liebenzeller
Mission und an der Universität Tübingen behandelt in dem letzten Hauptreferat
die „Mission in ihrer Auseinandersetzung mit den Mächten in den nichtchristlichen
Weltreligionen“ (im Hinduismus und Islam). Dabei geht er fundiert und ausschließlich
auf die kognitiven Aspekte der genannten Religionen ein. Leider
vernachlässigt er fast vollständig die sozialen und okkulten Ausmaße des
Power Encounters beim vielerorts anzutreffenden Volks-Islams oder
Volks-Hinduismus. Neben dem rund 100seitigen Hauptteil der Dokumentation
beinhaltet der Band im Anhang interessante Erfahrungs- und Forschungsberichte
auf knapp 40 Seiten über Möglichkeiten und Grenzen von Zeltmacher-Mission,
über „Mission und Kirche in der Mongolei seit 1989“ und über die alte Frage
„Zerstört Mission Kultur?“, die der Autor überzeugend und sachlich verneint. Das Buch ist ein insgesamt recht interessanter Sammelband
zu einem aktuellen Thema für jeden, der sich umfassender mit Mission
beschäftigt. Martin Sachs, em 1997-3. |
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Müller, Klaus W. (Hg.). Mission im Islam. Festschrift für Eberhard
Troeger. Edition afem. Mission academics 25, Nürnberg, Bonn: VTR, VKW,
2007. Diese Festschrift sammelt verschiedenste Beiträge zur
Person von Eberhard Tröger inklusive einer ausführlichen Liste seiner
Veröffentlichungen (S.41-64), zu Fragen von Mission grundsätzlich bzw.
Mission unter Muslimen (S.65-187) und zum Islam (S.189-300). Die Vielfalt der
Beiträge ist ein Spiegel der Persönlichkeit und der Bedeutung des
missionarischen und missiologischen Wirkens Eberhard Troegers, der
Mitbegründer und erster Leiter des AfeM war. Insbesondere der erste Teil „soll blitzlichtartig
Einblicke in ein Leben geben, die sonst verloren wären für die Blicke
anderer“ (S.9). Acht kürzere Beiträge (S.7-40) rücken die Persönlichkeit
Troegers aus der Perspektive von Familie, Weggefährten und Mitarbeitern in
den Mittelpunkt. In diesen Beiträgen tritt nicht nur die Person vor das
innere Auge des Lesers, sondern seine Leidenschaft für die Sache Jesu Christi
und seine Liebe zu Mission und Muslimen wird greifbar. Christof Sauer stellt im ersten Beitrag des zweiten Teils
„Die Vision einer Sudan-Mission: Der Beitrag aus dem deutschsprachigen Raum“
die missionsgeschichtlichen Hintergründe der Anfänge der EMO im Überblick
dar. Diese hilfreiche und interessante Zusammenstellung weist auf das
langjährige Wirkungsfeld des Jubilars. Albrecht Hauser bedenkt im folgenden
Beitrag „Die missionarische Herausforderung der Gegenwart - Christsein in
der Begegnung mit Säkularismus und Islam“. Da Mission ein „Wesensmerkmal
christlicher Existenz“ ist, können Christen Mission nicht aufgeben oder grundsätzlich
in Frage stellen. Bestimmt von der Liebe Jesu soll das Evangelium Menschen
liebend nahe gebracht werden. Auf diesem Hintergrund identifiziert er
"Vertrauensverlust ins Evangelium und unsere Unkenntnis über den Islam“
(S.89) als Ursachen dafür, dass Menschen sich im missionarischen Zeugnis
gegenüber Muslimen schwer tun. Diese Beobachtungen sind sicherlich richtig,
aber weitere Aspekte müssen ergänzt werden. Eberhard Troegers Unterscheidung
von Islam und dem konkreten Menschen (vgl. Zitat auf S.92) weist auf die
Frage, ob Muslime als von Gott geliebte Menschen in der Vergangenheit immer
im Blick der Gemeinde Jesu waren. Mangelndes Interesse an den Menschen im
Islam kennzeichnete wohl weite Teile der Kirchengeschichte. Dazu kommen
insbesondere falsche Vorstellungen über die Begegnung mit Muslimen und über
deren Überzeugungen. Ron Kubsch und Thomas Schirrmacher legen einen
grundsätzlichen Beitrag „Apologetik: Den christlichen Glauben denkerisch bezeugen“
vor, indem sie im Überblick auf die Apologetik im Neuen Testament und der
Kirchengeschichte bis in die Neuzeit eingehen. Apologetik beschreibt dabei
die Notwendigkeit nicht nur „selbstgefällig Dogmatik zu treiben“, sondern
sich den „Fragen, Wunden und Schutzschichten Andersdenkender“ (S.147) zu stellen.
Sie betonen dabei unter anderem, dass Christen nicht alle Antworten haben.
Vielmehr können Christen nur da „Gottes Botschaft vertreten, wo Gott sich in
seinem Wort geoffenbart hat“ (S.150). Thomas Dallendörfers Beitrag „Die
Trinitätslehre als Problem und Chance in der Mission unter Muslimen“ liefert
einige sehr interessante Gedankenanstöße. Ausgehend von den Schwierigkeiten
des Islams und des Korans mit einer (falsch) verstandenen Trinitätslehre sowie
des mangelnden Interesses in christlichen Kirchen die Trinität zu lehren,
weist er auf Chancen der Trinitätslehre hin, was in der folgenden Überzeugung
gipfelt: „Die Dreieinigkeit ist das Resultat eines sehr hohen Anspruchs, nämlich zu lehren, dass Gott
mit uns Menschen unmittelbar Gemeinschaft haben will“ (S.160). Man könnte
noch ergänzen, dass in der islamischen Tradition und Lehre Gott ebenso wenig
wie in der christlichen Tradition und Lehre vollständig zu begreifen oder
begrifflich zu fassen ist. Diese Gemeinsamkeit kann manche Hindernisse für
Muslime aus dem Weg räumen. Darüber hinaus könnte der Gedanke der
Bundesgemeinschaft des allmächtigen Schöpfers und Herrn dieser Welt mit
Menschen vom Alten Testament her stärker beleuchtet und damit das Verständnis
für die im Neuen Testament explizite Trinitätslehre für Muslime vorbereitet
werden. Joachim Paeslers Ausführungen „Barmherzigkeit Gottes in Christentum
und Islam“ sind ein interessanter Beitrag zu dieser Festschrift. Die
detaillierten Untersuchungen zu hebräischen und griechischen Begriffen stehen
stärker thematischen Beschreibungen des Themas im Koran gegenüber. Bei allen
Gemeinsamkeiten beschreibt er den grundlegenden Unterschied folgendermaßen:
„Im Vergleich zum Islam, wo Allahs Barmherzigkeit eine Antwort auf das
menschliche Handeln ist, geht Jahwe in seiner Liebe dem Menschen voraus, der
das Heil lediglich im Glauben ergreifen muss“ (S.280). Diese zusammenfassende
These hätte sicherlich anhand von manchen alttestamentlichen und neutestamentlichen
Stellen (z.B. Röm 4,5 und 5,8) deutlicher herausgearbeitet werden können.
Auch sollte noch einmal darüber nachgedacht werden, ob die alttestamentliche
Bundesbarmherzigkeit im Neuen Testament in den Hintergrund treten kann
(S.274), wenn das Neue Testament sich als die Erfüllung des Alten Testaments
begreift. Die kurzen Rückfragen zu einigen Beiträgen sollen aber
nicht in Frage stellen, dass diese Festschrift sicherlich dem Jubilar eine
Freude sein wird und viele interessante und anregende Beiträge vorlegt. Heiko Wenzel, em 2008-3. |
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Müller, Klaus W.;
Eberhard Troeger; Christine Schirrmacher (Hg.). Der Islam als Herausforderung
für die christliche Mission. Referate
der Jahrestagung des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie 1994. Bonn:
Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1996. Mit dem vorliegenden Band werden die Referate der
Jahrestagung des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie von 1994 einer
breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Da der Islam schlichtweg die Herausforderung für die christliche Mission ist,
wird der Jahresband des Afem mit seinen Grundsatzreferaten, Erfahrungs- und
Forschungsberichten ein wichtiges Buch für die missionsorientierte Gemeinde
bleiben. Im ersten Hauptreferat befaßt sich Helmuth Egelkraut mit
den Grundlagen der Mission nach Römer 10. Er stellt heraus, daß die Rechtfertigung
vor Gott allein aus dem Glauben kommt. „Sie hat ihre Ortsbestimmung am Kreuz
des Messias Jesus Christus. Man kann sie nicht haben, wenn man den
gekreuzigten Messias verwirft“ (S.6). Im Gegensatz dazu betont der Islam die
Gerechtigkeit des Menschen, die auf eigenen Anstrengungen und guten Werken
beruht. Das zweite Hauptreferat von Christine Schirrmacher beleuchtet die Kreuzigung
Jesu und die Erlösung des Menschen aus islamischer Sicht. Sehr fundiert wird
belegt, daß der Koran ganz eindeutig die Kreuzigung Jesu ablehnt und
folgerichtig auch keine Notwendigkeit für die Erlösung des Menschen sieht. Die Erfahrungs- und Forschungsberichte (denen fast zwei
Drittel des Buches gewidmet sind) machen für mich jedoch den besonderen Wert
des Bandes aus. Hier werden Einsichten in die Missionspraxis gewährt und
Hintergrundwissen von Insidern vermittelt, welche sonst nur sehr schwer
zugänglich sind. Die breite Palette der Themen reicht von der
„Evangeliumsverkündigung im Gespräch mit Muslimen in Pakistan, Afghanistan
und Deutschland“ über die Arbeit als „Zeltmacher im Mittleren Osten und
Zentralasien“ bis hin zu den „Expansionsbewegungen des Islam in Schwarzafrika“.
Darüber hinaus geben zwei Referate einen tiefen Einblick in die Problematik
der Konvertiten und die Bestrebungen der islamischen Mission („Dawah“ = Ruf
zum Islam). Eine Liste der in „evangelikale Missiologie“
veröffentlichten neueren Buchbesprechungen über den Islam bilden einen
wertvollen Anhang. Natürlich läßt sich das Thema „Islam als Herausforderung
für die christliche Mission“ nicht in einem Buch abhandeln, zumal zwei
Hauptreferate nicht zum Druck zur Verfügung standen. Dennoch wurden die
Schwerpunkte des Themas anschaulich behandelt, so daß der interessierte
Leser eine gute Einführung erhält. Reinhard Born, em 1997-2. |
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Müller,
Klaus. W. Georg
Vicedom as Missionary and Peacemaker. His Missionary Practice in New Guinea.
World Mission Scripts 6,
Neuendettelsau: Erlanger Verlag für Mission und Ökumene, 2002. Es gibt reichlich Aussagen darüber, was „die
Missionare" gemacht oder unterlassen haben, und recht wenig Studien, die
das genauer an einem Einzelfall untersuchen. Hier liegt eine solche Studie
vor. Sie ist dem Wirken des Missionars Georg Vicedom in Neuguinea von 1929
bis 1939 gewidmet. Vicedom ist weit bekannter als Professor und Autor vieler
Schriften zur Mission – etwa vierhundert Artikel und vierzig Bücher. Klaus
Müller setzt bei den Quellen ein, die in großem Umfang vorhanden sind, zieht
aber auch viele Quellen aus dem Umfeld heran. Die Studie ist von immenser
Sorgfalt, auch von Hochschätzung aber auch von Kritik im Detail geprägt. Die
Gliederung erfolgt in fünf Kapiteln, die nach dem Dezimal-System
untergliedert sind -bis zu fünf Stellen! Nur wenige Abschnitte sind länger
als eine Seite. Außerdem ist der Text mit Fußnoten untermauert, die selten
weniger als ein Drittel der Seite füllen und weit mehr als nur die
Quellenangaben enthalten. Kapitel 1 (S.1-32) schildert Herkunft, Entwicklung
und Ausbildung, ohne Anzeichen künftiger Brillianz, aber mit inneren Kämpfen.
Kapitel 2 stellt die Ausreise und die Orientierungsphase dar (S.33-70). Die
beiden folgenden Kapitel zeigen Vicedom als Pioniermissionar, der selbständig
arbeitete, und dabei den Durchbruch zur Annahme des Evangeliums durch eine
Ethnie angestrebt und erfahren hat, zuerst in Mumeng unweit des neu
erschlossenen Goldfeldes (S.71-126), danach im Hochland von Neuguinea in
Ogelbeng. Dies Kapitel umfasst mehr als die Hälfte des Ganzen (S.127-327),
und in diesen beiden Kapiteln liest sich das Buch auch richtig spannend. Vicedom folgte der Methode seiner Mission: Der Missionar
und seine Gehilfen streben zusammen hin auf eine öffentliche Wendung der
Gesamtgemeinschaft zum Evangelium hin. Die erste Grundforderung und der erste
Segen ist der Friede mit den Nachbarstämmen. Zum Kontakt dient das Studium
der lokalen Sprache, einfache medizinische Hilfe, Besuchsreisen und Alltagsverrichtungen
wie Stationsbau und Nahrungserwerb. Alle wesentlichen Entscheidungen sind
von der lokalen Bevölkerung zu treffen, auf ihre Weise, sodass das
Sozialgefüge weitgehend intakt bleiben kann. Im Hochland-Kapitel wird ausführlich geschildert, wie diese
Methode geändert werden musste, weil die Regierung den Evangelisten die
freie Bewegung außerhalb ihres Herkunftsgebietes verbot. So wurden die ungetauften
Schüler der dafür intensivierten Schule auf der Station zu den ersten
Vermittlern biblischer Gehalte in ihren Herkunftsdörfern und zugleich Sprachhelfer,
indem sie mit ihren Worten wiedergaben, was sie verstanden hatten. Dies
dramatische Geschehen ist mit Sorgfalt dargestellt. Dabei verwendet der
Autor die Gedanken, Einsichten und Begriffe der Kulturanthropologie, wie sie
von und für Missionare adaptiert worden ist. Ein funktionales Substitut z.B.
ersetzt eine vorchristliche Sitte mit sozialer Bedeutung durch eine christliche
Sitte; und Gott wird als suprakultural verstanden. Für Klaus Müller ist Vicedom nicht nur Studienobjekt,
sondern auch ein Vorbild als Missionar und als Missionstheologe. Das fünfte
Kapitel handelt davon, wie sich Vicedoms wieterer Lebensweg gestaltete; er
fand Zeit zur privaten Fortbildung, wurde Missionsinspektor, und dann mit
Ehrendoktoraten „entdeckt", danach Professor an der kirchlichen
Hochschule am Sitz seiner Mission. Eine Würdigung der Persönlichkeit erfolgt
- durchaus nicht unkritisch: es wird auch festgestellt, Vicedom sei zeitweise
„workaho-lic", autoritär und Einzelgänger gewesen. Dann folgen „wichtige
Schlussfolgerungen aus Vice-doms Missionstätigkeit" wie eine Kette
gehaltvoller Sentenzen, diesmal fast ganz ohne Fußnoten (S.342-352). Hier
hätte die Arbeit enden können, aber dann wäre für Klaus Müller das Wichtigste
noch ungesagt geblieben. Die letzten fünf Seiten Text können aber nur eben
anreißen, was Vicedom als Missionsführer und Missionstheologe bedeutet. Er
war der letzte bedeutende Missionstheologe, der vor dem Bruch zwischen den
Evangelikalen und Ökumenikern wirkte. Die Evangelikalen berufen sich zu Recht
auf ihn, und es wäre zum Schaden beider Seiten, wenn er in Vergessenheit
geraten sollte. Dieser Anspruch wird sehr knapp entfaltet und kaum weiter
begründet, und dem Rezensenten will scheinen, dass dieser Anspruch sich nicht
zwingend aus den ersten vier Kapiteln ergibt. Aber es wird sich durchaus
lohnen, sich wieder einmal mit Vicedom zu beschäftigen und sich auch Klaus
Müllers Anspruch zu stellen. Nur schade, dass diese hervorragende Dissertation
so spät gedruckt wurde (neun Jahre nach der Dissertation) und erst jetzt
besprochen wird. Aber es lohnt sich durchaus noch! Prof. em. Dr. Niels-Peter Moritzen, em 2008-1. |
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Müller, Michael & Stefan Müller. Erben eines Weltreiches. Die
mongolischen Völker und Gebiete im 20.
Jahrhundert. China -Mongolei - Rußland. Bonn: Verlag für Kultur
und Wissenschaft, 1992. „Dieses Buch will in einer umfassenden Übersicht die Gebiete der mongolischen Völker ganz
Asiens behandeln… Bei dem Bemühen… konnte zwar an vielen Stellen auf die
Traditionen dieser Völker hingewiesen,
aber nicht intensiv genug auf all die interessanten Details in
Tradition und heutigem Alltagsleben eingegangen
werden.“ So die Autoren selbst in ihrem
Vorwort. Die umfassende Übersicht über die Erben Dschingis Khans, die heute in drei Nationen und
dort in weit verstreuten Siedlungsgebieten leben, ist den Autoren bestens
gelungen, wobei der Leser nie den Eindruck hat, es fehlten die Details. Im Gegenteil:
Ein gut Teil des Buches ist mit einer Fülle von Einzelangaben zur Geographie,
Wirtschaft, Stammeszugehörigkeit, Geschichte und nicht selten auch der
besonderen religiösen Prägung der einzelnen Bezirke, Kreise und
Siedlungsgebiete innerhalb der jeweiligen
Nation gefüllt. Das macht aus dieser Veröffentlichung ein Arbeitsbuch
und Nachschlagewerk für Forscher und
Spezialisten, kann aber auch genauso Politikern und Leuten aus der
Wirtschaft wertvolle Hilfen bieten, die sich beruflich mit Zentral- und
Ostasien beschäftigen müssen. Was nicht
heißt, daß es nicht auch für den
interessierten Laien zu einem aufschlußreichen „Lesebuch“ wird. Für
Christen, die sich in irgendeiner Form für die Mongolen engagieren wollen, sind die Angaben zu Land und Leuten unverzichtbar; und die primär
an Säkularem Interessierten tun gut, die Ausführungen über Religion nicht zu
übergehen. Man findet nicht häufig Bücher, in denen sich zugleich sowohl
fundierte Informationen über Geschichte,
Geographie, Kultur, Wirtschaft und Politik als auch zuverlässige und nicht
durch Voreingenommenheit getrübte Aussagen
über Religionen und die christliche Kirche finden. Zum gezielten Gebrauch des Buches tragen
ein sechsseitiges Inhaltsverzeichnis, ein 25seitiger Anhang mit Statistiken
etc., zehn Kartenseiten (die man sich statt am Ende des Buches bei den
entsprechenden Textstellen gewünscht
hätte), sowie ein 17seitiges Stichwortregister
bei. Auf Fußnoten wurde wegen besserer Lesbarkeit und einer Begrenzung des Umfangs bewußt verzichtet. Ein Blick in
die (nach eigenen Angaben unvollständige) fünfseitige Bibliographie
verdeutlicht, daß der weitaus größte Teil des verwendeten Materials auf
nichtdeutsche Veröffentlichungen zurückgeht.
Hier erfährt der Leser auch, daß die Autoren selbst mehrere Jahre in
Zentralasien studiert und die Gebiete bereist und somit vor allem auch eigene
Erfahrungen und Erkenntnisse verarbeitet
haben. Und wer sie einmal vor Ort
besuchen konnte, weiß, daß es ihnen bei ihrem Engagement für die
Mongolen um mehr geht, als nur darum,
„unser Wissen um die weiten unbekannten Gebiete Zentralasiens zu erweitern.“ Karl Lagershausen, em 1993-3. |
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Musk,
Bill A. Passionate
believing. The „fundamentalist” face of Islam. Speldhurst: Monarch, 1992. Nirumand, Bahman (Hg.). Im Namen Allahs.
Islamische Gruppen und der
Fundamentalismus in der Bundesrepublik
Deutschland. Köln:
Dreisam 1990. Die islamische Revolution im Iran löste in der westlichen Welt einen bis heute unaufgearbeiteten Schock aus. Das Bild des Islam im Westen
ist von Fundamentalismus und Fanatismus geprägt. Der „islamische Fundamentalismus“ gewinnt zunehmend Anhänger in den
islamischen Ländern. Viele Regierungen geraten unter Druck, zur
Scharia zurückzukehren. Durch die Islamzentren ist der Fundamentalismus auch in Europa präsent und nimmt auf die
Muslime hier Einfluß. Das Ziel von Bill Musks neuem Buch ist, tiefer in
Wurzeln und Hintergründe des islamischen Fundamentalismus
einzudringen. Zugleich soll es Christen helfen zu verstehen, wie dieser für viele moderne Muslime durchaus seine Berechtigung hat und einen Sinn gibt für ihr Leben. Musks Buch gliedert
sich in drei Teile: Der erste Teil zeigt auf,
wie aus der Perspektive von islamischen Fundamentalisten das tägliche Leben
gestaltet werden sollte. Es wird
deutlich, wie sehr sich die Weltanschauung des säkularen, humanistischen Westens von der des fundamentalistischen
Islam unterscheidet. Im zweiten Teil beschreibt
Musk anhand von Biographien und Länderstudien
geschichtliche Entwicklungen des
Fundamentalismus und das Denken maßgeblicher Persönlichkeiten in
Pakistan, Ägypten und Iran. Der dritte
Teil beschäftigt sich mit der Beurteilung des fundamentalistischen Islam im Gegensatz zum Christentum. Musk zeigt auf,
welche Auswirkungen der Niedergang des Islam in den letzten 100 Jahren sowie
die Kolonisation und Abhängigmachung der islamischen Welt durch die Länder des Westens auf die Entstehung des islamischen Fundamentalismus hatte. Dabei findet er sehr kritische Worte
über den Zustand des „christlichen“ Abendlandes, das in seiner
Säkularisierung ein sehr negatives Bild des
Christentums abgibt. Islamischer Fundamentalismus ist ein „Zurück“ zum
ursprünglichen Islam. Das bedeutet: Leben in einem islamischen Staat, der
nach der Scharia regiert wird, die alle
Bereiche des Lebens bestimmt. Für Christen, und erst recht für Konvertiten aus dem Islam, ist das Leben in einem islamischen
Land äußerst schwierig. Christsein in
einem fundamentalistisch geprägten islamischen Staat kann sehr leicht zum
Martyrium führen. Bewußt ausgelassen
hat Musk Ideen und Ansätze, um fundamentalistische Muslime mit dem
Evangelium zu erreichen. Für Missionare
unter Muslimen sollte dieses gelungene Buch Pflichtlektüre sein. „Im Namen Allahs“ ist das einzige Buch in deutscher Sprache, das sich mit dem islamischen
Fundamentalismus in Deutschland befaßt.
Der Herausgeber, Bahman Nirumand, stammt aus dem Iran und hat in Deutschland studiert. Von
Beruf Schriftsteller und Journalist, ist er politisch eher dem linken
Spektrum zuzuordnen. Einleitend gibt Richard Schulze einen Hintergrundbericht
zu den islamischen politischen Bewegungen.
Dabei stellt er fest, daß der Islam von den Zeiten Mohammeds an
zugleich auch politisch war. Den nichtpolitischen Islam definiert er als das
alltägliche religiöse Verhalten der Muslime. Im zweiten Kapitel gibt der Orientalist
Karl Binswanger einen Überblick über die Entwicklung und den aktuellen Stand
des islamischen Fundamentalismus in Deutschland. In weiteren Beiträgen
beleuchtet er dessen ökonomische Basis
und Ethnizität. Dabei wird deutlich, daß der arabisch geprägte
Fundamentalismus durch Islamzentren und islamische Dachorganisationen in
Deutschland weitgehend den Ton angibt, obwohl die Mehrheit der Muslime in
Deutschland Türken sind. Weitere Kapitel schildern den türkischen Islam in
Berlin und die Rolle der modernen Frau im Islam. Sehr interessant ist das
Interview Niru-mands mit einer deutschen Muslima. Der Neubau von Moscheen in
Deutschland ist nur das äußere Anzeichen einer Entwicklung unter den Muslimen in Deutschland, die schon viel früher begonnen
hat. Wer diese Entwicklung verstehen möchte, dem sei das Buch empfohlen. Reinhard Born, em 1993-3. |
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Musk, Bill. Das unbekannte Gesicht des Islam.
Marburg: Franke, 1992. Gut, daß es die
spannenden Geschichten über den Volksislam mit anthropologischen und
theologischen Analysen jetzt auch in deutscher Übersetzung gibt, denn manchen
erschien das Englisch des Originals schwer lesbar (The Unseen Face of Islam; rezensiert in em 4/92). Die im Vorwort angekündigte Bibliographie über den Volksislam findet man leider nur im englischen
Original. Dafür wurde eine Liste deutscher
Standardwerke über den Islam ein Christof Sauer, em 1993-2. |
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Musk, Bill. The Unseen Face of Islam: Sharing the Gospel with Ordinary Muslims. MARC Europe: London, 31992(1989). Dr. Bill Musk ist Islamexperte mit langjähriger Erfahrung
im Mittleren Osten. Er studierte
Geschichte und Theologie in England, USA und Südafrika. Musk schreibt über die unbekannte Seite, das „ungesehene Gesicht des Islam“: den allgemeinen
Volksglauben und seine Praktiken im Leben
des einfachen Muslim. Im ersten Teil schildert Musk seine Beobachtungen aus dem
Alltag: Da beherrscht die Furcht vor dem
bösem Blick und dem verhängnisvollen Einfluß der Jinns (Geister) das Leben. Mit magischen Praktiken sucht man der
Unsicherheit Herr zu werden. Da spielen Heilige,
Wunderheilungen, übernatürliche Hilfe und die richtige räumliche
Lebensgestaltung eine wichtige Rolle. Mit noch vielen anderen Mitteln versucht man, sein Leben dem
Einfluß des Bösen und Unberechenbaren zu entziehen. Entscheidend ist
die „Baraka“, die Kraft bzw. Vollmacht,
die im Alltag erlebt wird. Im zweiten Teil finden
sich ausgiebige Analysen der Verhaltensweisen, die teilweise schon im ersten Teil angedeutet sind. So zeigt
Musk beispielsweise auf, wie ein einfacher Muslim in einer ganz bestimmten
Weltsicht verwurzelt ist. Diese unterscheidet sich wesentlich von der eines
westlich geprägten
Missionars. Musk führt gute Beispiele
dafür an, wie die unterschiedliche Deutung von Geschehen in der
Begegnung zu Mißverständnissen führen kann.
Natürlich übersieht er nicht, daß es auch im Islam unterschiedliche
Richtungen gibt, die Betonungen unterschiedlich setzen. Muslim ist nicht
gleich Muslim. Diese Komplexität ist für Musk jedoch kein Grund zu kapitulieren. Vielmehr findet er in dem
unterschwelligen Gesicht des Islam Faktoren,
die zu Brücken werden können. Müßte man in diesem Buch ein missiologisches Hauptthema benennen, so würde ich „Power Encounter“ vorschlagen, womit auch ein Kapitel überschrieben ist: Alle Nöte und Bedürfnisse des gewöhnlichen Menschen im Islam
weisen auf den Machtkonflikt in dieser Welt
hin. Woher kommt Kraft zum Leben und oftmals
zum Überleben? Ständig sieht der Mensch sich bedroht. Nach Musk können
wir dem Muslim nicht glaubwürdig begegnen,
wenn wir kein Leben und keine Botschaft haben, die wirklich Hoffnung
und Kraft geben. Musk fordert heraus zum
„Power Encounter“ in dem sich durch
das Zeugnis und die Demonstration
von Gottes Kraft die Weltanschauung
im Grunde des Herzens wandeln kann. Dabei verschweigt er aber auch nicht den Weg des Kreuzes, in dem die Macht Gottes
verborgen anwesend ist. In das Lob anderer Rezensenten stimme ich gerne mit ein.
Musks Beobachtungsgabe und Analyse sind bemerkenswert. Traude Deitigsmann, em 1992-4. |
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Nehls, Gerhard. Al-Kitab - Das Buch. Witten: R.
Brockhaus Verlag, 2006. Gerhard Nehls arbeitete von 1975 bis zu seinem Ruhestand
unter Muslimen in Südafrika. Die von ihm gegründete Organisation „Life Challenge
Africa“ hat sich auf die Schulung von Christen zur Begegnung mit Muslimen spezialisiert
und dazu umfangreiches Material veröffentlicht. Das vorliegende Buch
erschien 1985 auf Englisch und liegt nun erstmalig in deutscher Sprache vor.
„Al-Kitab - Das Buch“ ist ein Bibelkurs für muslimische Leser. In den ersten
drei Kapiteln geht es um den ersten thematischen Schwerpunkt, die Bibel.
Nehls beschreibt Altes und Neues Testament, die Sammlung einzelner Bücher,
ihre Abfassungszeiten, Gliederung, Inspiration und Vertrauenswürdigkeit.
Die folgenden Kapitel behandeln Gottes Wesen, Ursprung und Ziel des
Menschen, Gottes Gesetz, die Sünde und Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Einen
weiteren Schwerpunkt bilden ab Kapitel neun die Person Jesu, sein Tod und
seine Auferstehung. Nehls setzt sich mit dem islamischen Verständnis von
Jesus als einem Propheten auseinander. Danach werden die Person und das
Wirken des Heiligen Geistes behandelt, sowie abschließend das Reich Gottes
und seine Bürger. Unter der Frage „Was nun?" appelliert Nehls dann an
den Leser, Gott nicht seine Wege vorzuschreiben, sondern sich ganz auf sie
einzulassen. Das Buch ist an muslimische Leser gerichtet, die durch den Stil,
die Wortwahl und die Argumentationslinien gut abgeholt werden. Nehls geht
auf das muslimische Verständnis der behandelten Themen ein (Verfälschung der
biblischen Schriften, Jesus als Prophet, Leugnung des Todes und der Auferstehung
Jesu etc.). Sowohl zur Darstellung der muslimischen Sicht als auch zu ihrer
Infragestellung zitiert Nehls den Koran. Für biblische Persönlichkeiten
gebraucht er häufig neben den biblischen auch die entsprechenden
koranischen Namen. Er geht auf diverse Missverständnisse über den
christlichen Glauben ein (Gleichsetzung westlicher Kultur mit dem Christentum,
Gottessohnschaft Jesu, Ankündigung Mohammeds im Johannesevangelium). Der gesprächsartige Stil ist für Leser aus muslimischen
Kulturen sehr ansprechend (z.B. S.98: „Läuft es ihnen kalt den Rücken
herunter, wenn sie den Titel ,Sohn Gottes‘ hören?“). Immer wieder werden
anschauliche Beispiele eingesetzt, die der Argumentationsweise vieler Muslime
entsprechen. Es ist ein klares Ziel, dass der Leser selbst biblische
Belegstellen liest. Durch 34 Frageteile am Ende jedes Kapitels und Lückentexte
soll der Leser animiert werden, bestimmte Themen selbst zu erarbeiten. Nehls
lädt zur vorbehaltlosen Prüfung der biblischen Aussagen ein. Der Verfasser erwähnt äußerst knapp das Thema
Christenverfolgung. Hier wäre es sicher angemessen, die hohe
Wahrscheinlichkeit des Leidens zu erwähnen, mit dem muslimische Leser
rechnen müssen, die sich der Botschaft dieses Buches öffnen. Wie ist dieses
Leiden theologisch einzuordnen? Wie können suchende Muslime die Kosten
überschlagen und sich auf Leid einstellen? Dass diese Fragen nicht behandelt
werden, ist ein Mangel dieses ansonsten sehr hilfreichen Bibelkurses. „Al-Kitab – Das Buch“ ist für gebildete muslimische Leser
geeignet, die Zugang zu einer Bibel haben sollten, um die Argumentationslinien
nachvollziehen zu können. Daneben ist das Buch eine wertvolle Hilfe für Christen,
die mit Muslimen die Bibel studieren. „Al-Kitab – Das Buch“ scheint nicht
primär für theologisch sehr gut geschulte muslimische Leser geeignet zu sein.
Für diese Zielgruppe liegen andere Bücher von Gerhard Nehls vor. Roland Denner, em 2008-1. |
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Nels,
Gerhard (Hg.). Battle for the Hearts. Practical Methods you can use in Sharing the
Good News with your Muslim Neighbours. 4 Videos plus „Trainer’s Guide.“ Hg. von Gerhard Nehls/Life Challenge Afrika, in Zusammenarbeit mit
Trans World Radio und Green Earth Films. Unter dem größten Einsatz aller Beteiligten entstand in
einer vierjährigen Arbeitsphase die Video-Serie „Battle for the Hearts“. Sie
umfaßt insgesamt 12 Stunden Schulungskurse auf 4 Video-Kassetten und sollte
das Herz jedes Missions- und Ausbildungsleiters, jedes Missionsinteressierten
und -engagierten höher schlagen lassen. Die professionell produzierten Videos geben einen
erstklassigen Einblick in das Wesen des Islam, seine Geschichte und Theologie,
in Koran und Scharia, die Islamische Überlieferung, die muslimische
Glaubenspraxis, den Volksislam und die häufigsten muslimischen Einwände gegen
das Christentum und die Bibel. Ziel ist, von diesem Ausgangspunkt die Frage
„Wie können Muslime mit dem Evangelium erreicht werden?“ tiefgründig und
umfassend zu beantworten. Einerseits wird in kompakter Form grundlegendes
Wissen über den Islam vermittelt, andererseits auch viele Vergleiche zum
biblischen Zeugnis und zur christlichen Dogmatik gezogen. Gangbare, kulturell
angemessene Wege zur Evangelisation unter Muslimen werden aufgezeigt, die
sowohl auf die deutsche Situation wie auch auf das Ausland anwendbar sind.
Die zu einzelnen Themen eingespielten Dialoge und Szenen machen die
praktische Umsetzung für die Evangelisation äußerst anschaulich. Auch dass
hier wesentliche Anfragen von muslimischer Seite gegen das Christentum (wie
z. B. der Vorwurf der Verfälschtheit der Bibel) aufgegriffen und grundlegend
widerlegt werden, ist für all diejenigen von großem Interesse, die sich in
den Dienst unter Muslimen berufen wissen und oft in jahrelanger mühevoller
Kleinarbeit diese Antworten für sich selbst finden und zusammentragen müssen. Durch den Wechsel der Sprecher (vier hauptamtliche
Mitarbeiter aus dem Bereich der Muslimevangelisation) und die eingeblendeten
Exkurse einiger führender christlicher Islamexperten ist die Information
gleichermaßen dicht und solide angeordnet wie zugleich kurzweilig. Die
Informationen der Videos können mittels einer CD mit Hintergrundmaterial
weiter vertieft werden; das Begleitheft „Trainers Guide“ erläutert die Einsatzmöglichkeiten
der Videos. Aufgrund der umfangreichen Informationen können sie auch überall
dort Verwendung finden, wo der Vorführende selbst kein „Islamexperte“ ist. Kurz: Dieses Material ist ein unbedingtes Muss für jede
Bibelschule, Ausbildungsstätte und Missionsgesellschaft, sowie für jeden, der
sich mit dem Gedanken der Islammission beschäftigt, aber auch für jeden, der
in seinem Umfeld Menschen auf die weithin vernachlässigte Aufgabe der
Muslimevangelisation hinweisen oder selbst in diesem Bereich aktiv werden
möchte. Einziger Wehrmutstropfen: Das Video liegt derzeit nur auf Englisch
vor. Dr. Christine Schirrmacher, em 2002-4. |
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Nengzakhup,
Suante. Amazing
Mizo Mission. SAIACS Press, Bangalore, Indien, 1999. Patrick Johnstone bezeichnet sie als größte evangelische
Missionsbewegung in unserer Zeit, die evangelischen Kirchen in Mizoram, jener
abgelegenen Bergregion im Nordosten Indiens, eingekeilt zwischen Bangladesh
und Myanmar. Durch ihre extreme geographische Randlage von der
wirtschaftlichen Entwicklung Indiens ausgeschlossen, konstatiert der
Missionssekretär der Presbyterianischen Gemeinden Mizorams Rev. Vanlalhruaia:
„Wir sind arm. Aus unserem Bundesstaat gibt es nichts zu exportieren. Wir
haben nur ein Gut, das wir ausführen können und darauf sind wir stolz. Das
ist das Evangelium.“ (S. 69) Und dies haben Mizo-Gemeinden in eindrucksvoller
Weise getan! Der Mizo-Pastor und Missionssekretär der Indian Evangelical
Mission S. Nengzakhup zeichnet in dem vorliegenden Buch in knappen Worten die
Grundzüge dieser faszinierenden Missionsbewegung seit ihren Anfängen vor 100
Jahren (Kap. 1) nach, wobei er sich vor allem auf die Missionsbewegung der
Presbyterianischen Kirche in Mizoram (PCM) konzentriert. Der 200.000 Mitglieder
in 700 Gemeinden umfassende Gemeindeverband hat über 900 Missionare
ausgesandt und finanziert sie vollständig. Dies wird an konkreten Beispielen
illustriert wie etwa der Presbyt. Gemeinde in Chanmari, die mit 1.855
Mitgliedern 120 Missionare (!) ausgesandt hat und finanziert. Wie gelingt es bettelarmen Gemeinden, so intensiv an
Weltmission beteiligt zu sein? Dazu hat sicher die gute theologische
Unterweisung und Motivation zur Mission beigetragen, wobei der Autor vor
allem den Glaubensgehorsam, die Liebe Gottes, die konkrete Erwartung der
Wiederkunft Jesu, Dankbarkeit gegenüber Gott sowie das Bewusstsein vom Sieg
Gottes und den Nöten in der Welt hervorhebt (Kap. 5). Dabei konnte sicher
auch auf traditionelle Werte der Mizo-Kultur wie Selbstverleugnung, Helfen
von Menschen in Not, großzügigem Teilen, ja dem Wettstreit, Gutes zu tun
aufgebaut werden. Auch der hohe Bildungsstand (eingeführt durch die frühen
Missionare) hat dazu beigetragen, das Vorbild der ersten Missionare, die
schon frühzeitig die Verantwortung für Schulen, Gemeinden und die
Evangelisation in einheimische Hände übergeben haben (S. 81) sowie die
Betonung von Gebet und geistlichen Liedern, Laienpredigern und biblischer
Lehre (Kap. 8), ebenso die Kette von Erweckungen, die das Land seit 1906
immer wieder erfasst hat (Kap. 4). Es ist aber vor allem der Eifer und die Kreativität der
Gläubigen, die die Missionsbewegung auszeichnet und für uns zum Vorbild macht
(Kap. 7): Gemeinden legen einen Gemeindegarten mit Gemüse, Obst, Reis oder
eine Teakholzplantage an, deren Gewinn der Versorgung ihrer Missionare
zukommt. Frauen sammeln Feuerholz und Stroh, fangen Krabben und Schnecken und
verkaufen sie zu Gunsten der Mission. Bauern halten „Missionshühner“ und
bestimmen einen Teil ihres Feldes für die Mission. Gemeindeglieder betreiben
einen Verkaufsladen oder Teestand auf dem Markt. Im Gemeindehaus wird ein
Laden oder Mietwohnungen eingerichtet. Christen leisten Lohnarbeit zu Gunsten
der Mission, kaufen Fleisch, Salz etc. in großen Mengen ein und verkaufen sie
in kleinen Portionen. Sie geben den Gehaltsanteil für den Sonntag (an dem sie
ja nicht arbeiten) für die Mission und fasten einen Tag pro Woche für ihre
Missionare. Sie lassen die große Weihnachtsfeier in der Familie ausfallen und
spenden den eingesparten Betrag. Missionsfreunde besuchen „in Gedanken“ ihren
Missionar im Einsatzland (oder laden ihn zu sich nach Hause ein) und spenden
den Betrag für Fahrt und Bewirtung. Bevor eine Hausfrau eine Mahlzeit
zurichtet, legt sie eine Handvoll Reis beiseite– und spart sich die
Unterstützung ihres Missionars so vom Munde ab … Es sind diese Vielzahl an
praktischen, innovativen Ideen, die die Missionsbewegung in Mizoram
auszeichnen und das Büchlein für uns alle zum großen Gewinn machen.
Umfangreiche Bibliographien und statistische Daten ergänzen den
außerordentlich lesenswerten Band. Der Schreibstil orientiert sich zwar mehr an asiatischen
Lesern, so dass das Werk für unser Sprachgefühl nicht so elegant formuliert
ist, doch es wird überaus deutlich: „Es ist nicht der Überfluss, sondern der
Eifer und die Dankbarkeit gegenüber Gott, die die Mizos in ihrem Enthusiasmus
und der aktiven Teilhabe an der Weltmission antreibt“ (S. 77), und „Mizos
haben niemals ihre Armut als Entschuldigung angesehen, sich nicht an
Weltmission zu beteiligen. Wenn die Gemeinde in Jerusalem auf ihre Armut
geschaut und daraus geschlossen hätte, dass sie keine Missionare aussenden
könnte, dann wäre das Evangelium nie aus dieser Stadt herausgekommen“ (S.
69). So schließt das Buch mit der Ermahnung, „dass jede
Gemeinde eine Missionskirche sein kann, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen
Situation. Armut muss nicht eine Gemeinde abhalten, an Weltmission
teilzuhaben. Dies ist biblisch. Auch wenn Geld eine wichtige Rolle in der
Mission spielt, es ist nicht der größte Mangel.“ (S. 83) Dem kann ich nur
zustimmen. Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung. Detlef Blöcher, em 2001-3. |
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Neudorfer, Heinz-Werner;
Torsten Morstein (Hg.). Christus zur Entscheidung predigen: Argumente
und Erwägungen zum Thema ‘Bekehrung’. Festgabe der Lehrer des Albrecht-Bengel-Hauses zum 80. Geburtstag von
Studienleiter Dekan i. R. Walter Tlach. Neuhausen: Hänssler, 1997. Die vorliegende Festschrift mit Beiträgen von derzeitigen
und ehemaligen Lehrern des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen entstand aus
einer Ringvorlesung zum Thema Bekehrung. Die Themen reichen von einer
Theologie der Evangelisation über Umkehr in AT und NT über die Sicht von
Augustinus und Pelagius, Luther und Erasmus und des Pietismus bis hin zur
konkreten Frage des Wie der Verkündigung. Gerhard Diekmeyer bemerkt S.82-83
treffend, daß gegenwärtig neben der Schriftfrage in pietistischen und
evangelikalen Kreisen Fragen nach der Einzigartigkeit Jesu Christi und nach
der Rolle unseres Willens bei der Bekehrung zur Gretchenfrage werden. Die zunehmende
Zahl von Veröffentlichungen zu Themen wie Erwählung, Arminianismus usw.
belegen dies deutlich. „An sich halte ich diese Entwicklung für gut, weil es
richtig ist, daß man das Verhältnis zur Heiligen Schrift nie unabhängig von
ihrem Inhalt gewinnen kann.“ (S.83). (Er befürchtet allerdings, daß die Stellung
zur Frage des freien bzw. unfreien Willens vorschnell zu Ausgrenzungen
führt.) Dementsprechend ist es erfreulich, daß in dieser Festschrift die
großen kirchengeschichtlichen Debatten zu dieser Frage eigens behandelt
werden und die Autoren auf Luthers und Augustins Seite Stellung beziehen.
Auch die gute historische und kritische Darstellung von ‘Bekehrung und Allversöhnung
im Pietismus’ von Heinz-Werner Neudorffer liegt ganz auf dieser Linie, die übrigens
treffend die Main-Linie vermerkt, nördlich derer der Pietismus die
Allversöhnung gänzlich ablehnt und südlich derer die Allversöhnung im Pietismus
viele Anhänger hat. Zugleich fällt allerdings die Bandbreite der
Auffassungen unter den Autoren selbst auf. Man hätte sich gewünscht, daß die
Autoren in ein Gespräch über ihre unterschiedlichen Auffasssungen
eintreten. Das sehr schlicht aufgemachte Taschenbuch hätte eine stärkere
Werbung und Verbreitung verdient. Thomas Schirrmacher, em 1998-3. |
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Neufeld, Alfred. Die alttestamentlichen Grundlagen der
Missionstheologie. Missiologica
Evangelica 5. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1994. Filbeck, David. Yes, God of the Gentiles, Too. The Missionary Message of the Old Testament. A BGC Monograph. Billy Graham Center, Wheaton: Wheaton College,
1996. Scheurer,
Erich. Altes Testament und Mission: Zur Begründung des
Missionsauftrages. TVG.
Gießen: Brunnen Verlag, 1996. Die alttestamentliche Begründung der Mission rückt
erfreulicherweise stärker in den Mittelpunkt der evangelikalen Missiologie,
wie unter anderem die drei vorliegenden Titel zeigen. Den besten Einstieg bietet die kurze Arbeit des
paraguayischen Missiologen Alfred Neufeld (für AfeM-Mitglieder bei
Selbstabholung und auf der Jahrestagung in Korntal zum günstigeren Preis
erhältlich). Neufeld stellt zunächst auf 30 Seiten überblicksartig die Bedeutung
des Alten Testaments in der Missiologie von rund einem Dutzend
Missionswissenschaftler von Warneck bis Verkuyl, Peters und Kasdorf dar. Auf
50 weiteren Seiten trägt er dann aus den Schriften dieser Missiologen und aus
eigener Anschauung zusammen, welche Bedeutung die alttestamentliche
Begründung für die neutestamentliche Mission spielt. Die Erkenntnis des
Schöpfers und der Jahwe- und Thoradienst der Heiden sind das Missionsziel des
Alten Testaments. Das Alte Testament enthält bereits den Auftrag, die Jahweerkenntnis
als Heil der Völker zu verkündigen. Die beste und gründlichste biblische Erarbeitung der
Bedeutung des Alten Testaments für die Missionstheologie findet sich meines
Erachtens in der etwas abseits erschienenen Monographie von David Filbeck.
Das Alte Testament ist für Filbeck unverzichtbare Grundlage des
Missionsbefehls. Dazu behandelt er die wichtigsten Missionstexte des Alten Testaments,
bespricht alle Stufen der alttestamentlichen Heilsgeschichte und ihre Bedeutung
für die Mission und die Vorbereitung des Kommens des Messias. Schließlich
stellt er dar, wie im Neuen Testament, namentlich in den Evangelien, die
alttestamentliche Grundlage der Mission aufgegriffen wird. Eine flüssig
geschriebene, materialreiche Studie, die dringend ins Deutsche übersetzt
werden sollte. Erich Scheurer geht es in seiner Dissertation zunächst
weniger um die alttestamentliche Begründung der Mission selbst, sondern um
die Frage, wie führende deutschsprachige Theologen (Ausnahme sind Bosch, Blauw,
Peters und Kasdorf) mit dieser Frage umgegangen sind. Dazu erarbeitet er eine
ausgedehnte Forschungsgeschichte, wobei er die Befürworter und Gegner einer
alttestamentlichen Missionsschau nach theologischen Schulen ordnet. Erst am
Ende nimmt Scheurer eine eigene Zusammenstellung der Bedeutung alttestamentlicher
Aussagen für die Mission vor (S.351-419). Er sieht zwar eine breite Basis für
den grenzüberschreitenden Charakter der alttestamentlichen Offenbarung, denn
Jahwe ist der einzige und universale Gott, der die Anbetung aller Völker
verdient. Damit ist für Scheurer der ‘Missionsgedanke’ vorgegeben, nicht
aber eine ausdrückliche Sendung und eine ‘Missionspraxis’. Auch wenn
erfreulich ist, daß Scheurer die neutestamentliche Mission nicht im Gegensatz,
sondern im legitimen Anschluß an das Alte Testament versteht, greift er meines
Erachtens im Gegensatz zu Neufeld und Filbeck und zu manchen von ihm
dargestellten Autoren wie Gustav Warneck zu kurz. Es gibt doch Beispiele für
die Missionspraxis (z. B. Jona, Daniel und die vielen Bekehrungen von Heiden)
und auch für ausdrückliche Sendung (z. B. Jesaja). Außerdem greift das Neue
Testament, das Scheurer dazu nicht behandelt, häufig alttestamentliche
Sendungsaufträge und Missionsgedanken ausdrücklich auf. Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-3. |
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Neufeld, Alfred. Fatalismus als missionstheologisches
Problem: Die Kontextualisation des Evangeliums in einer Kultur fatalistischen
Denkens – Das Beispiel Paraguay. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft und Asunción: Instituto
Bíblico, 1994. „Wer ein Heiliger sein soll, wird als Heiliger geboren;
wer arm sein soll, wird arm geboren“, sagt ein Sprichwort aus Paraguay. Viele
Kulturen dieser Welt sind stark von Fatalismus geprägt. Wie muß das Evangelium
in einem vom Fatalismus bestimmten Kulturkreis verkündigt werden? Alfred
Neufeld, ein Deutsch-Paraguayer Jahrgang 1955 und Dozent am Instituto
Bíblico Asunción, versucht in seiner Doktorarbeit an der STH Basel
(Doktorvater: Thomas Schirrmacher, Zweitgutachter: Peter Beyerhaus) eine
Antwort darauf zu geben. In Teil I entwirft Neufeld methodische Grundlagen für
seine ‚kritische Kontextualisierung’. Von hier aus betrachtet er die
Christianisierung im lateinamerikanischen Kontext im allgemeinen und die
Paraguays im speziellen. Kritische Kontextualisation, wie Neufeld sie in
Anlehnung an P. Hiebert versteht, versucht, sowohl die eigenen dogmatischen
Formulierungen als auch die zu erreichende Kultur kritisch zu analysieren. Teil II möchte das Phänomen „Fatalismus“ definieren sowie
die Erscheinungsformen und Ursachen fatalistischen Denkens in Paraguay
aufdecken. Die wesentlichen Grundzüge fatalistischen Denkens sind für
Neufeld der Gedanke der Determiniertheit allen Geschehens und der Fremdbestimmung
des Lebens durch eine unbekannte, unberechenbare Macht. Die Wurzeln dieser
Haltung dürften in der altguaranitischen Religiösität, im
spanisch-islamischen ‚Konquista-Christentum’, aber auch in der besonderen paraguayischen
Nationalgeschichte und einer ‚Kultur der Armut’ liegen. Teil III möchte dazu helfen, aus der Theologiegeschichte
und aus biblischem Denken heraus das fatalistische Denken zu überwinden.
Neufeld wendet das Gesagte auf die Bereiche Evangelistik, Katechetik,
Systematik und Ethik an. Die Befreiungstheologie betrachtet der Autor wegen
ihrer Abhängigkeit von der marxistischen Sozialanalyse als falschen Ansatz.
Biblisches Denken, so Neufeld, basiert im Gegensatz zu fatalistischem Denken
auf Grundlagen wie Gottes Souveränität, Thora, Bund, Heilsgeschichte,
Bekehrung, Mitarbeiterschaft und Anbruch des neuen Äons. Dieser meines Wissens erste Versuch, sich biblisch-missiologisch
mit fatalistischem Denken auseinanderzusetzen, ist dem Autor gut gelungen.
Die komprimierte, verständliche, theologisch durchdachte und faire Art zu
schreiben, zeichnet sich zudem durch gute Lesbarkeit aus. Vieles, was die
paraguayanische fatalistische Religiösität betrifft, läßt sich auch auf
andere fatalistische Kulturen übertragen. Von daher ist dieses Buch für eine
große Zahl von Missionaren und Missionswissenschaftlern interessant. Die
äußere Verarbeitung und auch die Manuskripterstellung läßt etwas zu wünschen
übrig, hat aber zur Folge, daß das Buch entgegen der Vorankündigung mit 29.95
DM sehr günstig ist. Martin Sachs, em 1997-2. |
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Nevius, John L. Die Gründung und Entwicklung missionarischer
Gemeinden, übers. und hg. von
Wolf Christian Jaeschke, edition afem, mission classics 2. Verlag für Kultur und
Wissenschaft: Bonn, 1993. Ein Klassiker in der Tat, der vor über einhundert Jahren
Erstaunliches in Gang setzte, das bis heute nachwirkt. John L. Nevius (1829-1893) war Missionar in der Provinz
Shandong/China. Über seine Erfahrungen vor Ort schrieb er mehrere Artikel,
die 1885 in Buchform veröffentlicht wurden. Dadurch wurde die Nevius-Methode
bekannt, die dann vor allem in Korea mit großem Erfolg umgesetzt wurde. Wenn
sich Theologen bis heute darüber streiten, ob denn Rufus Anderson oder Henry
Venn die Erfinder des Drei-Selbst-Prinzips (Selbstausbreitung, Selbstfinanzierung,
Selbstverwaltung) für erfolgreiche Missionsarbeit seien, müssen sie nach dem
Studium dieses Buches auch Nevius mit zum Urheber dieser Gedanken zählen. Im ersten Kapitel nimmt Nevius das alte System kritisch
unter die Lupe. Das bestand, kurz gesagt, darin, daß man in der China-Mission
jener Zeit Neubekehrte ziemlich schnell als mit Missionsgeldern bezahlte
Evangelisten anstellte. Nevius dagegen möchte, daß nach 1.Kor.7,20 ‚jeder in
dem Stand bleibe, in dem er berufen worden ist’. Die Bekehrten sollen ihr
Christsein im alltäglichen Leben bewähren und dort anderen das Evangelium
bezeugen. Das heißt für Nevius aber auch, alles zu tun, damit sich die zum
Glauben Gekommenen in ihrem neuen Stand auch bewähren können. Im 2. Kapitels
„Vom Umgang mit Neubekehrten“ wird das entfaltet. Es besticht, wie Nevius das
Für (das seiner Erfahrung entspringt) und Wider (Einwände und Praxis anderer)
seines neuen Systems gegeneinander abwägt und Antworten gibt, die bis heute
für die Gründung und Entwicklung missionarischer Gemeinden auch anderswo
bedenkenswert sind. Die Stärke des Buches ist ganz zweifellos der Praxsibezug.
So erfahren wir unter III „Ursprung und Wachstum der Stationen in Zentral-shantung“,
wie Schulung und Dienst der ehrenamtlichen Mitarbeiter aussahen. Nevius
erwähnt, daß in den meist ländlichen Gebieten bei den Männern einer von
zwanzig, bei den Frauen eine von mehr als tausend lesen konnte. Aber das
hindert ihn nicht daran, gedrucktes Material bereitzustellen und seine Leute
systematisch zu schulen. Etliches geschieht spontan: „Die geistige
Entwicklung der Bekehrten und ihre Begeisterung für ihre Studien haben an
vielen Orten die Aufmerksamkeit ihrer heidnischen Nachbarn auf sich gezogen
und ihre Verwunderung hervorgerufen. An einer unserer Stationen lebt ein des
Lesens kundiger Mann namens Fu, der heute über fünfzig Jahre alt und seit
über zwanzig Jahren völlig erblindet ist. Er hat seiner Tochter, einem
fünfzehnjährigen Mädchen, beigebracht, die Bibel zu lesen. Dabei beschrieb
sie ihm die jeweiligen Schriftzeichen, die sie sah, und er sagte ihr, wie sie
heißen und was sie bedeuten. Sie hat auf diese Weise über zweitausend
Schriftzeichen gelernt. Ihr Vater hat dann von ihrem Mund das Matthäus- und
das Johannesevangelium, die Apostelgeschichte, den Römerbrief und viele
andere Bibelabschnitte auswendig gelernt …“ Nichts ist unmöglich, wenn
Gottes Geist Raum bekommt und wirken kann. „Organisationsform und Zukunftsplanung“ müssen dazu nicht
im Widerspruch stehen, wie das 4. Kapitel veranschaulicht. Im letzten Kapitel
„Die Anfänge der Arbeit“ gibt der Autor Tips für Missionseinsteiger. Dort
findet sich viel Beherzigenswertes auch für Leute von heute, die Gemeinde
Jesu bauen wollen, wo es sie noch nicht gibt. Neben Missionaren und
Missionsleitern, Missionstheologen und -kandidaten kommen aber auch alle
Daheimbleibenden beim Studium dieses hervorragend übersetzten und
eingeleiteten Klassikers spätestens dann auf ihre Kosten, wenn ihnen beim
Gemeindeaufbau hier Rolle und Zurüstung der nichtbezahlten Mitarbeiter
wichtig ist. Und wie erfüllte Prophetie ausschaut – einmal unabhängig
davon, daß in der chinesischen Kirche das bei Nevius immer wieder anklingende
Drei-Selbst-Prinzip sowie die Mitarbeit von Millionen von Ehrenamtlichen bis
heute eine außergewöhnliche Rolle spielen –, veranschaulichen die letzten
Zeilen des Autors im Vergleich mit einer Aussage, die mir erst gestern
(4.11.96) in einer in Hongkong erscheinenden Zeitschrift begegnet ist.
Zunächst Nevius vor über einhundert Jahren: „Wir glauben und hoffen, daß in
diesen entlegensten Gebieten Ostasiens, die so lange von Gottes Vorsehung
bewahrt (ausgespart) wurden, die so dicht mit seinen verirrten
(Menschen-)Kindern bevölkert sind und die erst so jüngst von der Botschaft
des Heils erreicht wurden, die Gnade und die Kraft Gottes noch so glorreich
triumphieren werden, wie es die Kirche in keiner bisherigen Ära ihrer
Geschichte erlebt hat.“ Und die Stimme aus Hongkong heute: „Im heutigen China gibt
es wahrscheinlich 50 Millionen Gläubige. Misionsspezialisten sehen darin das
größte Wunder und zugleich die bisher großartigsten Ergebnisse in der Geschichte,
wenn es um Gemeindewachstum geht.“ Karl Lagershausen, em 1996-4. |
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Newbigin,
Lesslie. Signs
amid the Rubble: the Purposes of God in Human History. Hrsg. Von Geoffrey
Wainwright. Wm. B. Eerdmans: Grand Rpids (MT), 2003. Das Buch enthält bisher unveröffentlichte Vorträge von Lesslie
Newbigin (1909-1998), einem der Architekten der Ökumenischen Bewegung,
Bischof in Indien, Generalsekretär des Missionsrates und des ORK und
Professor für Missionswissenschaft im heimatlichen England. Die vier
Bangalore-Vorlesungen stammen aus seiner Frühzeit von 1941, die drei
Henry-Martin-Vorlesungen an der Universität Cambridge aus der Spätzeit von
1986, und der letzte kürzere Redebeitrag auf einer ökumenischen Konferenz in
Brasilien von 1996. Es handelt sich um echte Vorträge ohne Anmerkungen und
Belege und weitgehend ohne Gliederung, die eigentlich erst so richtig wirken,
wenn man sie laut vorliest. Thematisch geht es grundsätzlich in allen Beiträgen um
eine christliche Sicht der Geschichte, die spannend und lehrrreich entfaltet
und verteidig wird, aber es werden dabei zugleich zahllose Grundsatzfragen
des Glaubens, der Weltmission und der Verkündigung angesichts des
Säkularismus angesprochen und angerissen. Auch Fragen des Religionsvergleiches
kommen vor, etwa wenn Newbigin das lineare Geschichtsbild der Bibel gegenüber
dem Hinduismus verteidigt (S.8-10). Auffällig ist die Auseinandersetzung und
– bei aller Anerkennung von Details – grundsätzlichen Ablehnung der
Church-Growth-Bewegung von Donald McGavran (z.B. S.85-87+91+97+103), wobei die
Beschäftigung mit ihr mit dem gleichzeitigen Wirken beider in Indien zu tun
hat. Wenn Newbigin aber daraus schließt, daß die Evangelikaien jetzt sicher
enttäuscht seien (S. 97), so muß man dem entgegenhalten, daß die meisten
Evangelikaien seine Kritikpunkte teilen würden und McGavran ja nicht für die
Evangelikaien spricht. Im Gegenteil drängt sich mir als Evangelikalem beim
Lesen seiner Bücher und der vorliegenden Vorträge der Verdacht auf, daß
Newbigin der evangelikalen Missi-onsbwegung sehr, sehr nahe steht. So
beschreibt er brilliant die Eigenart des Christentums gegenüber dem
Hinduismus und anderen Religionen, daß das christliche Dogma historische
Tatsachen beschreibt und automatisch hinfällig ist, wenn diese nicht der
historischen Wahrheit entsprechen. Er lehnt vehement die inklusivistische
Sicht ab, daß es anonyme Christen in anderen Religionen gibt (S.70-72), auch
wenn er die Frage offener lassen möchte, wie Gott in seiner Gerechtigkeit mit
Menschen umgeht, die das Evangelium nie hören konnten. Die Betonung der
Bekehrung nach Begriff und Sache (S.92-94) ist auffällig. Und sein
persönlicher Appell von 1996, er habe als Missionar viele Fehler den anderen
Kulturen gegenüber gemacht, aber das schlimmste wäre, wenn ihn das davon
abhalten würde, von Jesus zu reden und sich selbst nicht mehr als Zeugnis für
die göttliche Gnade vorzustellen (S.114), spricht jedem Evangelikaien aus
dem Herzen. Prof.Dr. Thomas Schirrmacher, em 2003-3. |
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Nicholls,
Bruce (Hrsg.). In Word and Deed.
Paternoster
Press, 1985. Das Buch, im Auftrag des Lausanner Komitees für Weltevangelisation und der Weltweiten
Evangelischen Allianz herausgegeben, enthält 9 Vorträge zum Thema des Verhältnisses von Evangelisation und sozialer
Verantwortung, die anläßlich der „Consultation on the Relationship between
Evangelism and Social Responsibility”
(CRESR) im Jahr 1982 in Grand Rapids, Michigan, gehalten wurden. Den
Vortragstexten sind jeweils kurze
Zusammenfassungen des Herausgebers Bruce Nicholls (Exekutivsekretär der Theologischen Kommission der World Evangelical Fellowship) vorangestellt, gefolgt von einer kritischen Stellungnahme eines der Konferenzteilnehmer, die mehrheitlich evangelikale Führerpersönlichkeiten der Dritten Welt waren. Kurze Zusammenfassung der Vorträge: 1. Die
Perspektiven der Kirchengeschichte von der Zeit des Neuen Testaments
bis 1960. Dr. Bong Ring Ro, Exekutivsekretär
der Asia Theological Association, untersucht hier die verschiedenen
Epochen der Kir-cnengeschichte
hinsichtlich Lehre und Praxis der Kirche in der Frage der sozialen
Verantwortung. 2. Eine kritische
Beurteilung von gegenwärtigen Perspektiven.
Dr. Adeyemo, Generalsekretär
der Evangelischen Allianz von Afrika und
Madagaskar, beleuchtet einige wichtige
regionale und internationale Konferenzen
der letzten zwei Jahrzehnte, die das Denken der Evangelikaien in Fragen der sozialen Verantwortung geprägt haben. Adeyemo
erkennt neun verschiedene Positionen zur
Frage des Verhältnisses von Evangelisation und sozialer Aktion, die
von Evangelikalen vertreten werden. 3. Die Suche nach
einem neuen evangelikalen Verständnis. Dr. David Bosch untersucht zunächst den
Einfluß der ökumenischen Bewegung und
setzt sich dann selbstkritisch mit negativen Einflüssen auf das soziale Engagement der Evangelikalen auseinander. 4. Wie weit geht
Rettung in der Schrift? Die Autoren
Dr. R. Sider und Dr. J. Parker präsentieren
hier eine Studie über die Heilsbegriffe
(salvation words) in AT und NT und untersuchen ihre horizontale
(soziale) Verantwortung und vertikale (Evangelisation) Dimension für den, der Christus als Herrn bekennt und Glied seiner Gemeinde wurde. 5. Das
Königreich Gottes im Verhältnis zu Kirche und Welt. Dr.
P. Johnston legt dar, daß sich das Königreich Gottes gegenwärtig als Herrschaft Gottes im Leben seiner Kinder manifestiert und zwar auch in sozialen Veränderungen
als Frucht eines erlösten Lebens, es
jedoch nicht mit diesen Veränderungen
oder irgendeiner politischen oder kulturellen
Gruppierung von Menschen zu identifizieren
ist. 6. Geschichte und Eschatologie:
Evangelikale Perspektiven.
Dr. P. Kuzmic, Direktor des Biblisch Theologischen Instituts Zagreb, entfaltet hier die drei traditionellen Konzepte über das Millennium (postmillennialism,
amillennialism, premillennialism) und zeigt, inwieweit diese die soziale
Verantwortung
und die evangelistische Zielsetzung der
Kirche gefördert oder gehindert haben. 7. Eine biblische Auseinandersetzung mit
einigen philosophischen und theologischen Systemen der Gegenwart.
Dr. Beyerhaus setzt sich in diesem Vortrag
kritisch mit dem messianischen Marxismus, der modernen Wissenschaftsgläubigkeit
und dem liberalen
Ökumenismus auseinander und warnt vor
falschen Synthesen ohne biblischen Glauben. 8. Evangelisation und
soziale Verantwortung ‑ eine biblische Studie über Prioritäten. Ausgehend
von einer Untersuchung der biblischen Begriffe Gemeinschaft, Bund und
Königreich kommen die Autoren Vinay Samuel und Chris Sugden zu dem Ergebnis, daß die Diskussion über die Prioritäten in
der Mission der Kirche nicht vom Konzept, sondern vom Kontext der Mission
bestimmt sein muß. 9. Die Mission der
Kirche in Theologie und Praxis.
Dr. C. Cho legt Akzentverschiebungen
hinsichtlich der sozialen Verantwortung innerhalb der Evangelikaien
Bewegung zwischen den Kongressen 1966 in
Berlin und 1974 in Lausanne dar.
Als Modell für die Mission der Kirche weist er auf den Dienst Jesu
und auf das Doppelgebot der Liebe hin und folgert, daß es keinen Gegensatz
zwischen
Missionsbefehl (Verkündigung) und dem
Liebesgebot (soziale Aktion) geben kann. Die wachsenden Nöte in unserer Welt und der damit
verbundene Druck besonders auf den Missionar in Ländern der Dritten Welt, aber auch auf die Kirchen im wohlhabenden Westen, im Blick auf mehr sozialen Einsatz, lassen das Thema der Konsultation von CRESR besonders wichtig erscheinen. „In Word
and Deed“ bietet eine wertvolle Hilfe in der Auseinandersetzung mit diesem
Fragenkomplex. Martin Weiss, em 1988-4. |
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Nissen, Johannes. New Testament and Mission:
Historical and Hermeneutical Perspectives. Peter Lang: Frankfurt, 1999. Dies 1996 bereits auf Dänisch erschienene Buch will eine
Brücke zwischen den Bibelwissenschaften und der Missiologie schlagen, weil
– wie der Autor deutlich herausstellt (S.13) – diese beiden theologischen Disziplinen
sich im allgemeinen gegenseitig ignorieren. Nissen untersucht als
Neutestamentler dazu in jeweils eigenen Kapiteln den Missionsgedanken und die
Schwerpunkte in Mt, Mk, Lk/Apg, Joh, bei Paulus, in Eph/Kol und in
1Petr/Offb. Die historisch-kritische Ausgangsposition macht sich eigentlich
nur in den Verfasserfragen bemerkbar. In seinen zusammenfassenden Thesen im
letzten Kapitel greift der Autor bewußt evangelikale, ökumenische und
charismatische Elemente auf. Ziel ist ihm dabei ein trinitarischer Ansatz
der Mission (S.176-177 u. ö.). Das Buch enthält viele wertvolle, exegetische
Einsichten und zeigt einmal mehr, welch zentrale Rolle die Verkündigung des
Evangeliums in aller Welt im ganzen Neuen Testament spielt. Ich befürchte
nur, daß dies Buch eines Neutestamentlers am Ende doch wieder nur von
Missiologen aufgegriffen wird, während die Exegeten, auch die Evangelikalen,
weiter weitgehend ihre eigenen Wege gehen. Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-3. |
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Nitsche, Bernhard (Hg.). Gottesdenken in interreligiöser
Perspektive. Raimon Panikkars Trinitätstheologie in der Diskussion. Unter Mitarbeit v. Guido Bock, Frankfurt a.M./
Paderborn: Lembeck/Bonifatius, 2005. Dieser Sammelband dokumentiert den Ertrag eines von Prof.
Dr. B. Nitsche veranstalteten Tübinger Symposions aus dem Jahre 2003.
Renommierte Autoren setzen sich in interdisziplinären Beiträgen mit Raimon Panikkars
„Gotteslehre“ auseinander. Auch Panikkar selbst kommt zu Wort, führt ins
Thema ein und nimmt am Ende des Buchs zu den einzelnen Beiträgen Stellung
(48-64 u. 324-357). Der 1918 geborene Raimon Panikkar hat sich die Reflexion
interkultureller Begegnung und interreligiöser Verständigung zur
Lebensaufgabe gemacht. Er „hat die interkulturelle Hermeneutik maßgeblich
initiiert, die indologisch-religionswissenschaftliche Forschung
vorangetrieben, die religionstheologische Diskussion zwischen Christentum und
Buddhismus bzw. Hinduismus belebt und diese verschiedenen Welten als Sohn
eines hinduistischen Inders und einer katholischen Spanierin existentiell
durchlebt“, formuliert B. Nitsche. Als international hochangesehener Religions- und
Naturwissenschaftler, als katholischer Theologe und Philosoph, wie auch als
spiritueller Meister gilt Panikkar als innovativer Wegbereiter einer „Ökumene
der Religionen“, ohne dabei einem pseudo-esoterischen Einheitsbrei das Wort
zu reden oder die vorhandenen kulturellen und religiösen Unterschiede zu
ignorieren. Jede Kultur mit ihren religiösen Grundbefindlichkeiten, sagt er,
ist eine Galaxie, ist ein Ganzes und birgt alles in sich. Der Sammelband ist in vier thematische Teile aufgeteilt
(A. Zugang, B. Hermeneutische Grundlagen, C. Das Göttliche und seine
Trans-Immanenz sowie D. Die Resonanz), denen die insgesamt 19 Aufsätze und
die beiden Panikkar-Beiträge zugeordnet sind. Im Mittelpunkt steht die
Auseinandersetzung mit dem „Dialog der Religionen“, der fundamentalistische
Haltungen innerhalb der Religionen überwinden und zugleich die Möglichkeit
eines „globalen Weltethos“ andeuten kann. Alle Diskussionsbeiträge setzen sich auf einem hohen
intellektuellen Niveau mit Panikkars Lehren auseinander. Wenige stellen
allerdings wirklich kritische Anfragen (z.B. Michael Bongardt, 144-157,
Heinrich von Stietencron, 159-168, Klaus Butzensberger, 169-191 oder Reinhold
Bernhardt, 192-201), die meisten bestätigen lediglich Pannikars
interreligiöse Gottesschau oder modifizieren dieselbe im besten Fall. So sehr
Harmonie bzw. dialogische Verstehensbemühungen Ausdruck auch einer
wünschenswerten und erstrebenswerten akademischen Streitkultur sein müssen
(sachgerecht und niveauvoll zu argumentieren, ist gewiss kein Luxus), so sehr
fehlt doch ein wahrnehmbarer, deutlicher Widerspruch. Wenigstens drei zentrale Themen wären hier wichtig
gewesen: Zum einen müsste die gesamte Diskussion der natürlichen Erkenntnis-
und Gott-Begegnungsfähigkeit beim unerlösten Menschen, die bei Panikkar vorausgesetzt
oder als möglich angesehen werden, aus offenbarungstheologischer Perspektive
erörtert werden (Offenbarung und Glaube, Wort und Geist, Barth vs. Brunner
usw.). Zweitens werden die soteriologischen Konsequenzen des Kreuzes Christi
und damit die epistemologischen, die harmatologischen wie auch die eschatologischen
Dimensionen der theologia crucis
kaum beachtet. Und drittens wird die Exklusivität Christi und des Evangeliums
eher als eine zu überwindende, niedrigere Erkenntnisstufe zurückgewiesen,
wenn Panikkar beispielsweise ohne Widerspruch behaupten kann, Christ und
Hindu zugleich sein zu können (353); eine Aussage, die problematisch ist,
wenn er „unverzichtbare Grundwahrheiten“ (324) religionsphänomenologisch als
Gesprächsgrundlage behauptet, von denen gar nicht geklärt ist, wie sie gemäß
der Prämissen biblischer Anthropologie und Soteriologie zu erheben sein
können und wie nicht. Die Lektüre des Aufsatzsammelbandes ist jedem missions-
und systematischtheologisch Interessierten zu empfehlen. Sich mit den
vorgebrachten Thesen zur Trinitätslehre im Gespräch mit Panikkars
synkretistischer Interpretation auseinanderzusetzen ist gewiss keine leichte,
aber wichtige Aufgabe. |
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Nöh, Rüdiger. Pietismus und Mission. Die
Stellung der Weltmission in der Gemeinschaftsbewegung am Beispiel des
Siegerländer Gemeinschaftsverbandes. edition afem, mission scripts Bd. 13, Bonn:
VKW, 1998. Die Bedeutung des Pietismus für das kirchliche Leben in
Deutschland ist nach wie vor hoch. Von den rund 1,4 Millionen evangelikalen
Christen gehören etwa 300.000 zur Gemeinschaftsbewegung. Es ist davon auszugehen,
daß die in der Arbeitsgemeinschaft evangelikaler Missionen (AEM)
zusammengeschlossenen Missionsgesellschaften ihre personelle und finanzielle
Unterstützung zu einem nicht unwesentlichen Teil aus dem Bereich des
Pietismus erhalten. Rüdiger Nöh, Prediger im Siegerländer
Gemeinschaftsverband und Absolvent der FTA Gießen, hat in seiner Korntaler
Magisterarbeit den Zusammenhang von Pietismus und Mission nun genauer
untersucht. In einem ersten Kap. (S.16-47) führt er knapp und präzise in den
geschichtlichen Kontext zum Thema ein. Der Pietismus hat die traditionellen
Widerstände des Luthertums gegen Weltmission innerhalb des Protestantismus
durchbrochen. Doch wurde im Neupietismus mangels einer durchdachten Verbindung
von Ekklesiologie und Missiologie die Verantwortung für Weltmission aus den
Gemeinschaften auf Missionsgesellschaften und den Einzelnen verlagert, was
zu einer Schwäche des Missionsengagements in Gemeinschaftsbewegung und Evangelikalismus
führte. Das zweite Kapitel (S.48-81) zeigt, daß der Siegerländer Pietismus
von seinen Anfängen um das Jahr 1700 herum mit dem Missionsanliegen verbunden
war, unter anderem durch Gestalten wie Jung-Stilling und Stahlschmidt, durch
Kontakte ins Wuppertal, durch die Etablierung von Missionshilfsvereinen und
speziell zu Missionsgesellschaften wie der Neukirchener Mission und der
Mission für Süd-Ost-Europa. Heute zeigen sich in der Siegerländer Gemeinschaftsbewegung
Krisenzeichen wie ein abnehmendes Praktizieren des Allgemeinen Priestertums
und ein fortschreitender Mitgliederschwund (speziell im Bereich jüngerer
Leute und Familien) bei den innerkirchlich arbeitenden Gemeinschaften, was
sich auch auf das Missionsengagement der Gemeinschaften auswirkt. – Kapitel
drei (S.82-117) gibt in anschaulicher Weise mit Tabellen, Graphiken und
treffenden Interpretationen die Ergebnisse einer empirischen Befragung der
Gemeinschaften des Siegerländer Gemeinschaftsverbandes zum Thema Mission
wieder. Kapitel vier (S.118-141) bietet eine Grundlegung zum Verhältnis von
Gemeinde und Mission nach dem Neuen Testament. Und das abschließende fünfte
Kapitel (S.142-169) unterzieht die Stellung zur Mission in der Praxis des
Siegerländer Gemeinschaftsverbandes einer eingehenden Würdigung und
theologisch begründeten Kritik. Theologische Hemmnisse (fehlendes
Gemeindebewußtsein, Überbetonung des Erbauungs- und Heiligungsaspekts,
gewisse Endzeitszenarien [die aber lieber nicht mit dem – gerade in
missionstheologischer Hinsicht gerade sehr fruchtbaren – Dispensationalismus
verwechselt werden sollten! Gegen Nöh, S.154f] werden ebenso behandelt wie
praktische Probleme (Überalterung der Gemeinschaften, Desiderate für die
Missionsgesellschaften). - Rüdiger Nöh hat eine geschichtlich,
(missions-)theologisch und empirisch gut gearbeitete kleine Studie
vorgelegt, die wegen der Bedeutung des Gemeinschafts-Pietismus für Mission in
Deutschland auch außerhalb des Siegerlandes interessierte Leser finden sollte. Dr. Helge Stadelmann, em 1999-3. |
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O’Brien, Peter. T. Gospel and Mission in the
Writings of Paul: An Exegetical and Theological Analysis. Baker Book House: Grand Rapids
(MI) & Paternoster Press: Carlisle (GB), 1995. Der australische Neutestamentler O’Brien, der länger in
Indien am Union Biblical Seminary wirkte, hat eines der besten Bücher über
die Missionstheologie des Paulus geschrieben, das zunächst 1993 unter dem
Titel ‘Consumed by Passion’ erschienen ist und seitdem immer wieder nachgedruckt
wird. O’Brien weist nach, daß für Paulus die missionarische und evangelistische
Existenz und Praxis der von ihm gegründeten Gemeinden und aller Menschen,
die zu Christus finden, selbstverständlich ist. Neben den zentralen
paulinischen Texten zur Mission (z. B. Röm 1, Röm 15, 1Kor 9) exegetisiert
O’Brien auch Texte, die seltener mit der Missionspassion des Paulus in
Verbindung gebracht werden (z. B. Eph 6, der ganze Philipperbrief). Eine
hervorragende, manchmal etwas technische Studie, die einmal mehr zeigt, daß
Paulus nicht zufällig, sondern wesensmäßig sowohl der bedeutendste Missionar
des ersten Jahrhunderts war, als auch der bedeutendste (systematische)
Theologe. Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-2. |
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O’Donnell, Kelly S., Michelle Lewis O’ Donnell (ed). Helping Missionaries to Grow. Readings
in Mental Health and Missions. Pasadena: William
Carey Library, 1988. Drs. Kelly and Michelle O’Donnell sind promovierte Psychologen und Mitarbeiter von „Jugend
mit einer Mission“ (YWAM) in Amsterdam.
Dieses neue Handbuch bringt 50 Artikel von 48 Autoren aus den letzten 15 Jahren, unter anderem von Elisabeth S. und E.
Thomas Brewster, Marjory Foyle, David
Hesselgrave, Brian V. Hill, William F.
Hunter, Timothy M. Warner. Die meisten Autoren sind Amerikaner, fast alle ehemalige Missionare. Viele
haben in Psychologie promoviert. Unter den
Autoren sind 15 Frauen. Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt die Breite der
behandelten Themen. Nach einer einleitenden
Reflektion über das Verhältnis von Psychologie und Mission werden die folgenden Gebiete behandelt: Auswahl der Missionskandidaten, Psychologische Beurteilung,
Missionarische Effektivität, Überlegungen zur missionarischen Ausbildung,
Familienleben des Missionars, die Kinder des
Missionars, Schulausbildung von Missionarskindern,
Anpassung an fremde Kulturen,
Streß, zwischenmenschliche Beziehungen, die Frau in der Mission, Heimkehr des Missionars, Seelsorge an Menschen anderer Kultur sowie eine 18 Seiten umfassende Bibliographie. Das Buch ist eine
Fundgrube an Material für Missionare, Dozenten in der Missionarsausbildung,
Heimatleiter von Missionsgesellschaften
und Pastoren von Gemeinden, die
sich nicht nur oberflächlich für Missionare interessieren. Dietrich Kuhl, em 1990-1. |
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O’Donovan, Wilbour. Biblical Christianity in
African Perspective. Paternoster Press: Carlisle/GB, 1996. Zugegeben: ich konnte dieses Buch nicht mehr objektiv
lesen, nachdem ich den Autor einige Jahre zuvor als engagierten Denker und
Debattierer auf einer amerikanischen Missionshochschule kennengelernt
hatte. Nach 20 Jahren Lehrdienst in Nigeria faßte er seine Erfahrungen in
seiner Abschlußarbeit, für die er den D. Min. verliehen bekam, zusammen.
Diese nun revidierte Ausgabe ist zugleich attraktiver gestaltet und
umfassender als die früheren. So schätzen afrikanische Theologen dieses Buch
ein: „Die Erfahrung, die Bill O’Donovan in seinen vielen Jahren mit
afrikanischen christlichen Studenten gesammelt hat, vermittelte ihm ein
umfassendes Verständnis davon, welchen Kämpfen sie ausgesetzt sind, wenn sie
dogmatische Fragen auf ihren kulturellen Kontext anwenden“ (Dr. Haruun Ruun,
Generalsekretär des New Sudan Council of Churches). Und Dr. Yusufu Ruraki,
Sekretär für die theologische Ausbildung des ECWA, Nigeria, urteilt: „Die
Stärke des Buches liegt in seiner einfachen Sprache, der klaren Darbietung
des Themas unter Einbeziehung biblischer Wahrheiten, sowie der afrikanischen
Sichtweise“. Worum geht es also? Beginnend mit der Bedeutung unserer
„Weltanschauung“ für unser Tun und Denken behandelt das Buch in 18 Kapiteln die
wesentlichen theologischen Themen über Bibel, Offenbarung, Gott, Jesus
Christus, den Menschen, Heiliger Geist, Kirche, die Wiederkunft Christi und
die Endzeit. Aber auch typisch „afrikanisch heiße Eisen“ wie Ahnenverehrung,
Leiden, Zauberei, Bestechung und Flüche werden klar und offen angepackt. Als
die „Big Five“ behandelt O’Donovan Fragen über Führung, falsche Propheten,
Synkretismus, Mittler, Verantwortung des Christen zur Regierung. Der Stil ist erfrischend einfach. Große theologische
Begriffe wie die Dreieinigkeitslehre werden durch einleitende Dialoggedanken
(z. B. Muslim, Animist und Christ) angerissen und dann im Frage/Antwortstil
mit abschließenden Diskussionsvorschlägen und weiterführender Literatur
verdaut. Bestens geeignet für theologisches Ausbildungsstätten. Auf eine
Gesamtbibliographie wurde verzichtet, dafür besticht ein recht umfangreicher
Sachindex. Abgesehen von vier Referenzen zu afrikanischen Autoren (Adeyemo,
Mbiti, Kato, Kimathi) nährt sich das Buch noch ganz von westlichen Quellen.
Aber daß der afrikanische Leser dem Autor ganz am Herzen liegt, steht außer
Zweifel. Übersetzungen auf Amharisch, Französisch, Haussa und Kiswahili sind
bereits voll im Gange. Der Autor antwortet gerne auf Verbesserungsvorschläge
und Anfragen. Walter Gschwandtner, em 1998-2. |
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Öhler, Markus. Barnabas: Die historische Person und ihre
Rezeption in der Apostelgeschichte. WUNT 156, Tübingen: Mohr Siebeck,
2003. In seiner Habilitationsschrift stellt der Wiener
Neutestamenler M. Öhler die These auf, dass Barnabas in der missionarischen
Zusammenarbeit mit Paulus „mindestens gleichwertiger, wahrscheinlich aber
doch führender Partner war“ (S.389). Die Begründung dieser These beginnt mit
einer Auslegung von 1.Kor 9,6. Barnabas, der vermutlich den Auferstandenen
gesehen hat, und Paulus verzichten aufgrund der besonderen Missionssituation
auf Unterhalt durch die Gemeinde, wobei wohl Barnabas „auf diese Praxis
drängte“ (S.17). In Kap. 2 untersucht der Verfasser die Zeit des gemeinsamen
Wirkens von Paulus und Barnabas. Nach Gal 2,1-14 erscheint Barnabas als ein
„Mann der Einheit“ und ist Hauptansprechpartner auf dem Konvent. Ab Kap. 3 werden
die Angaben der Apostelgeschichte über Barnabas untersucht. Mit seinem
Einsatz für die Gemeinde, die in der paganen Umwelt als antiker Verein
erscheint, wobei ihr Erfolg vor allem in Botschaft und Ethos begründet ist,
überwindet Barnabas soziale Schranken und tritt als Wohltäter der
Gemeinschaft auf. Erst dadurch wird sein späteres Eintreten für Paulus und
sein Wirken in Antiochien recht verständlich. Nach Kap. 5 (Apg 11,19-26)
reist Barnabas aus eigener Initiative (nicht aufgrund der Sendung der Urgemeinde)
wohl wegen des Interesses an der Heidenmission nach Antiochien. Beim
sogenannten Hungerhilfebesuch (Apg 11,27-30; 12,24f) ist er dann die führende
Gestalt. Nach der „Aussendung durch die antiochenische Gemeinde (Acta
13,1-3)“ verstehen sich die Missionare „nicht als Einzelkämpfer auf dem
Missionsfeld“, sondern sie handeln „in steter Rückbindung an die Gemeinde
und ihre Leitung“. In den Kap. 8-12 werden die einzelnen Stationen der 1.
Missionsreise dargestellt: Die Mission auf Zypern, im pisidischen Antiochien,
in Ikonion, in Lystra und die Rückreise nach Antiochien. Der Verfasser
resümiert, dass die Missionsmethoden von Barnabas und Paulus vielfältig
waren und ihre Beziehung untereinander sich „als eine zwischen Kollegen
bestimmen“ lässt (S.388). Paulus „war eingebunden in eine Mission, deren
mindestens gleichwertiger, wahrscheinlich aber doch führender Partner Barnabas
war“. Auch beim Apostelkonzil (Apg 15,1-35) sei Barnabas von den
antiochenischen Gesandten „die wichtigere Figur“ (S.431), wobei jedoch beide
von der Heidenmission berichten. Die Trennung von Paulus und Barnabas (Acta
15,36-41) führt Öhler u. a. auf den Streit um einen Mitarbeiter zurück, so
dass Barnabas (vielleicht wegen verwandtschaftlicher oder sozialer
Verpflichtungen) das Verhältnis zu Johannes Markus über das zu Paulus
stellt. Abschließend folgt „Das literarische Porträt des Barnabas - Autorintention
und Leserrezeption“ und ein historischer Rekonstruktionsversuch: Barnabas
war ein Mann, der zwischen den Strömungen innerhalb des Christentums
vermittelte: „Als Graecopalästiner war er mit Hebräern und Hellenisten
gleichermaßen vertraut, als angesehenes Mitglied der Jerusalemer Urgemeinde
und Teil der antiochenischen Gemeindeleitung hatte er enge Beziehungen zu den
beiden Zentren des frühen Christentums. (…).Barnabas war damit die
vermittelnde Persönlichkeit des frühen Christentums“ (S.486). Ein
umfangreiches Literaturverzeichnis und Register schließen das Werk ab. Öhlers
ausführliche Studie überzeugt durch eine detaillierte Exegese und eine
ausgewogene sozialgeschichtliche Interpretation. Die Darstellung des
Beziehungsgeflechts um B. eröffnet dem aufmerksamen Leser manche neue Einrichten. Anfragen erheben sich aber vor allem dort, wo
der Verfasser die Apostelgeschichte im Zug: der älteren deutschen
Acta-Forschung übergeht (58ff, 61, 75, 226f, 270, 436 u. a.). So hätte man
bei der historischen Rekonstruktion der Texte meh Zutrauen in die
Apostelgeschichte erwartet. Auch aus missiologischer Sicht ist die Studie
interessant, weil sie zeigt, wie der grenzüberschreitende Denst des
Barnabas den Verlauf der urchristlichen Mission mitgeprägt hat. Im Umgang
mit den Finarzen (IKor 9,6) zeigt Barnabas kontextuelles Feingefühl. In der
Beziehung zu Mitarbeitern erweist sich Barnabas als Partner und Mentor. Auch
Missionare heute brauchen Personen wie Barnabas, cie sie in Dienste
einführen, vermittelnd im Heimat- und Missionsdienst agieren und ihnen in
Zeiten der Not „Trost“ spenden. Alles in allem ein inspirierender Band, der
zur Beschäftigung mit der urchristlichen Mission und zur Anwendung auf unsere
Situation einlädt. Alexander Drews, em 2005-1. |
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Okoye,
James Chukwuma. Israel and the Nations. A Mission Theology of the Old Testament.
American Society of Missiology
Series 39. Maryknoll: Orbis Books, 2006. Der in Chicago unterrichtende Nigerianer James Chukwuma
Okoye präsentiert seine Missionstheologie des Alten Testaments bewusst im
Rahmen christlicher, katholischer Theologie und fragt dabei nicht nur nach einer
zeitgeschichtlichen Bedeutung der untersuchten Texte, sondern auch nach
Implikationen für das moderne Missionsverständnis. Sein Ansatz ist nicht
kanonisch, sondern „canon-conscious“ und stützt sich spürbar auf die
Ergebnisse älterer historisch-kritischer Forschung. Er beginnt seine Untersuchung
mit der Frage nach einer Definition von Mission und kommt zu dem Ergebnis,
dass weder das moderne Missionsverständnis, noch ein Verständnis, welches
alleine auf einer Wortstudie („senden“) gründet, einen wesentlichen Beitrag
leisten können. Das Missionsverständnis im Alten Testament hat für Okoye vier
„Gesichter“, denen er die verschiedenen Kapitel seiner Untersuchung
zuordnet: Ein universales, ein „Gemeinschaft-in-Mission“-, ein zentripetales
und ein zentrifugales Gesicht. (a) Das universale Missionsmodell zeichnet sich durch
einen Herrschaftsanspruch Gottes über die ganze Welt (Gen 1) und jedes
Individuum (Ps 8) aus. Der Segensauftrag an Abraham (Gen 12,3) wurde zunächst
in Form respektvollen religiösen Dialoges durchgeführt (S.54f), später jedoch
auch anders interpretiert (S. 47). (b) Bei dem Gesicht der „Gemeinschaft-in-Mission“ geht es
um das Zeugnis Israels durch die Existenz als gerechtes Volk Gottes. Die in
Ex 19,3-8 geforderte Heiligkeit des Volkes bezieht sich nicht nur auf das Verhältnis
zu Jhwh, sondern nutzt sein vor den anderen Völkern geführtes Leben als
Vehikel der Mission. Vor allem der Prophet Amos stellt Israels Existenz als
Volk Gottes unter die Bedingung der gelebten Gerechtigkeit. Der Prophet Jona könne als
„innerbiblical corrective to the apparent xenophobia
of the Book of Nahum” verstanden werden (S.81). (c) Grundlage für die Fähigkeit Israels zu zentripetaler
Mission im Sinne der Öffnung des Bundes für Heiden ist das Verstehen der
grenzüberschreitenden Gerechtigkeit Gottes. Die Beschneidung des Herzens
ist neues Kennzeichen derer, die Mission als Gottes Werk und ihren Teil als
Danksagung gegenüber Gott verstehen. Die Nationen sollen an dem Lob Gottes
teilhaben (Ps 96). Zion wird zum Zentrum für Weltfrieden und Moral. Da Okoye
Jes 2,5 als redaktionelle Einfügung wertet, zielt Jes 2,2-4 für ihn nicht
auf religiöse Bekehrung der Nationen, sondern auf Versöhnung und Frieden. (d) Zentrifugale Mission beginnt dort, wo nicht mehr Land
oder Blut, sondern das Bekenntnis über die Gemeinschaft bestimmt. Durch das
ursprüngliche Volk Gottes geht ein Schnitt. Die neue Gemeinschaft des
„Überrests" schließt auch Fremde ein - und lädt sie ein. Der Knecht in
den Gottesknechtsliedern in Jesaja hat eine klare aktive Mission. Am Ende
wird sich die ganze Welt als Gottes Volk herausstellen. Okoyes Arbeit
besticht durch eine ausgezeichnete aktuelle Bibliographie zum Thema, wobei
einzelne neuere Veröffentlichungen zu speziellen Fragen fehlen, wie drei
Beispiele zeigen: So misst Okoye den von David Bosch 1956 (Evangelisches
Missions-Magazin 100: 174-88) aufgegriffenen Konzepten „zentripetal" und
„zentrifugal" grundlegenden Wert zu, ohne auf die inzwischen
aufgekommene Kritik an ihrer Legitimität einzugehen. Damit wird die
Brauchbarkeit seiner vier „Gesichter“ als biblisch-theologische Kategorien
in Frage gestellt. Von A. Rétif
und P. Lamarche (Das Heil der Völker.
Düsseldorf: Patmos, 1960, S.18) übernimmt er den Gedanken einer Veränderung
der Bedeutung von Gen 12,3, ohne Bezug zu nehmen auf neuere Untersuchungen
wie K.N. Grüneberg, Abraham, Blessing and the Nations. Berlin: De Gruyter,
2003, u.v.m. Auch die unvermittelte Annahme des alten „JEDP“-Modells (S.24,
Fn. 1) sollte in einer Zeit nach Rendtorff und Van Seters zumindest begründet
werden. Okoyes Buch ist als Arbeitsbuch gedacht und lässt sich
durch ausführliche Zusammenfassungen und Diskussionsfragen leicht erschließen.
In seinem Gesamtverständnis geht Okoye nicht nur von verschiedenen Wegen der
Mission Israels, sondern auch von einer weiteren Bandbreite von
unterschiedlichen Zielsetzungen aus. Nicht jede alttestamentliche Vision ziele
auf Gotteserkenntnis der Heiden – auch Dialog, Versöhnung und Weltfrieden
stellen für Okoye Zielpunkte dar, die sich mit aktuellen „Trends in Mission“
(vgl. S.18-23) in Verbindung bringen lassen. Dabei lässt sich bezweifeln, ob
das Alte Testament in seiner vorliegenden Gestalt wirklich eine solche
Unterscheidung unterstützt. Dr. Siegbert Riecker, em 2008-2. |
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Oldham, J. H. Ein Mensch wagt zu lieben - Florence Allshorn -
Ein Leben im Dienst Christi.
In freier Übersetzung ins Deutsche von Johanna Lorch, 12. Aufl., Giessen:
Brunnen Verlag & Bad Salzuflen: MBK-Verlag, 1994. Dieses Buch erzählt die Geschichte der Florence Allshorn,
die als Missionarin mit der Church Missionary Society in Afrika ihren nur
vierjährigen Dienst in der Außenmission erlebte. In diesem kurzen
Zeitabschnitt lernte sie allerdings eine Lektion für ihr ganzes Leben, und
zwar, daß die Liebe Gottes im Menschen, umgesetzt und ausgelebt in einer
hoffnungslosen Situation im Blick auf Zusammenarbeit und menschliches Miteinander
zur unbesiegbaren, die Widerstände überwindenden Kraft wird. Die Spannungen
im Miteinander auf einer Missionsstation in Uganda, die ihre acht
Vorgängerinnen alle Kraft gekostet hatten, so daß sie höchstens zwei Jahre
aushielten und dann aufgaben, bringen auch Florence an den Rand ihrer
Kraft. An dem Punkt hilft ihr eine Afrikanerin, indem sie ihr sagt: „Ihr
habt alle das gleiche, nämlich daß ihr gekommen seid, uns den Retter der Welt
zu bezeugen. Ich sehe aber nicht, daß er die Situation hier gerettet hat.“
Diese Feststellung wird zum Wendepunkt im Leben der Florence Allshorn. Sie
erkennt, daß sie die Liebe Christi, die auch die Feinde lieben heißt, in
ihrem Leben braucht, um nicht Schiffbruch zu erleiden. So beginnt sie um
diese Liebe für sich zu beten und in dem schwierigen Miteinander mit der
älteren Kollegin Wege zu suchen, um einander zu akzeptieren und die Last
das Alltags zu tragen. Ein Jahr lang liest sie täglich das 13. Kapitel des
1.Korintherbriefs. Indem sie im Miteinander praktische Schritte tun, erleben
sie die von innen her erneuernde Liebe, die auch auf andere überspringt und
die Atmosphäre auf der Missionsstation verändert. Aus diesem Erleben einer praktizierten
sich-selbst-vergessenden Liebe erwuchs der Dienst der Florence Allshorn in späteren
Jahren in England in der Zurüstung von Missionarinnen vor der Ausreise und
der Betreuung von Rückkehrenden. Ein unbestechlich klares Verständnis von
dem, was Missionare brauchen, um nicht zu stagnieren und nur ‘eine
Schaufensterauslage an geistlichen Gütern’ zu präsentieren, kommt in diesem
Buch zum Ausdruck. Es gibt darüberhinaus aber auch allgemeingültige
Richtlinien für verbindliches christliches Leben und Echtheit im Dienst
überhaupt. Es richtet sich von daher nicht nur an Missionare. Allerdings ist
der Leser gefordert, die allgemeingültigen Grundsätze aus der manchmal
idealisierten Beschreibung einer Persönlichkeit herauszuhören. Diese
Tatsache ist eine Schwäche des Buches. Dennoch ist es ein klarer Anruf, aus
der Mittelmäßigkeit im Christenleben herauszutreten, und es gibt manche
Antwort auf die Frage, wie interpersonelle Spannungen in Dienstgemeinschaften
bewältigt werden. Da diese Frage höchst aktuell ist, ist auch das Buch
aktuell für jeden, der in einem Dienst steht oder sich darauf vorbereitet. Ursula Pasut, em 1996-2. |
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Otminghaus, Christoph und Karl Lagershausen (Hg.): Chancen
entdecken. Kurzzeiteinsätze im Ausland. Porta Impulse 10, (SMD, Postfach 554,
D-35017 Marburg), 1994. (nicht im
Buchhandel!). Aus dem Arbeitskreis für Weltmission der Studentenmission
in Deutschland stammt dieser äußerst praktische
Leitfaden für alle, die einen
missionarischen Kurzeinsatz von 4 Wochen
bis 4 Jahren erwägen. Besonders ansprechend
fand ich K. Lagershausens „Zehn gute
Gründe, Kurzzeiteinsätze zu erwägen“ und die kritischen Gedanken von E. Wolff zur Vermeidung von „Missionstourismus“. Drei Viertel des Heftes sind auch für Nicht-Studenten interessant. Neben vielen Berichten aus allerWelt winken am Schluß ausführliche Tips zu
Planung, Finanzen, Gesundheit und Adressen. Christof Sauer, em 1994-3. |
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Ott,
Bernhard. Beyond
Fragmentation: Integrating Mission and Theological Education. A Critical
Assessment of some Recent Developments in Evangelical Theological Education.
Regnum Studies in Mission, Regnum
Books International, Oxford 2001. Die vorliegende Dissertation des Studienleiters des
Theologischen Seminars Bienenberg, Schweiz, Bernhard Ott, bringt seine
Besorgnis über die Geisteshaltung, Qualität und Unterrichtsmethode der
missisonstheologischen Ausbildung der Konferenz Bibeltreuer
Ausbildungsstätten (KbA) des deutschsprachigen Raumes zwischen 1960 und 1995
zum Ausdruck. Anlass seiner Studie ist der in den letzten Jahrzehnten erfolgte
ökumenische Paradigmenwechsel in Mission und theologischer Ausbildung im
Westen und in der Zweidrittel-Welt. Aufgrund des holistischen Missionsverständnisses
des südafrikanischen Missionswissenschaftlers D. J. Bosch kritisiert Ott das
mehrheitlich von Peter Beyerhaus und der Frankfurter Erklärung geprägte
heilsgeschichtliche Missionsverständnis der konservativen-evangelikalen
Ausbildungsstätten und wirft ihnen Zersplitterung, Isolation und Separation
vor. Im ersten Teil (S. 1−24) bringt der Autor seine
Sorge über die Zukunft der 36 theologischen Ausbildungsstätten zum Ausdruck,
die im deutschsprachigen Raum der Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten
(KbA) angeschlossen sind. Ausgangspunkt seiner Studie ist der in den letzten
Jahren erfolge Paradigmenwechsel, wie er innerhalb des Ökumenischen Rates der
Kirchen (ÖRK), in der Weltmission und in der theologischen Ausbildung zu
erkennen ist. Analog zu S. Holthaus (FTH Giessen) gliedert er die KbA in drei
Gruppen ein: Separatistische Fundamentalisten, konservative Evangelikale,
moderate Fundamentalisten und offene Evangelikale, wobei der zweite Typus die
internationale Missionsbewegung im ausgehenden letzten Drittel des 20.
Jahrhunderts am meisten zu prägen vermochte. Die seit den 1990er Jahren
ausgehende rückläufige Studentenzahl interpretiert Ott als theologische
Identitätskrise, die ihm den wesentlichen Anstoss zu dieser Arbeit lieferte. Im zweiten Teil (S. 25−100) weist der Autor zunächst
auf die einheitliche Entwicklung der evangelischen Missionsbewegung und
Missionstheologie hin, die in Deutschland durch die Gründung der Arbeitsgemeinschaft
Evangelikaler Missionen (AEM) 1969, der Frankfurter Erklärung zur
Grundlagenkrise der Mission 1970 und der Gründung der Akademie für
Weltmission in Korntal (AWM) 1984 in zwei gegensätzliche Lager gespalten
worden sei. Seither entwickle sich die deutschsprachige evangelikale Bewegung
in die Separation und Isolation. Der Lausanner Kongress für
Weltevangelisation 1974 und sein Folgekongress in Manila 1989 hätten den deutschen
Evangelikalen Impulse aus der anglo-amerikanischen Welt vermittelt und eine
neue Identität gegeben. Daraus sei der Wunsch nach Akkreditierung der 36
Ausbildungsstätten der KbA entstanden. Ihre missionstheologischen
Überzeugungen hätten sie jedoch im Gegensatz zu den staatlichen theologischen
Fakultäten und dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) definiert. Dieser Darstellung muss widersprochen werden, zumal der
Wunsch nach Akkreditierung und Vergleichbarkeit der Ausbildungsprogramme der
nicht staatlich organisierten theologischen Ausbildungsstätten in Europa
bereits am Ende der 1960er Jahre ausgesprochen wurde. Die konstituierende
Sitzung der Europäischen Evangelikalen Akkreditierungsvereinigung (EEAA) war
unter Beteiligung von 23 europäischen theologischen Ausbildungsstätten von
Skandinavien bis Italien, von Frankreich bis zu den damaligen
COMECON-Staaten, am 31.10.1979 unter der Leitung von E. Schmid, Direktor der
Pilgermission, in der Friedau auf St. Chrischona bei Basel. Die EEAA entstand
weder aus Protest gegenüber dem ÖRK noch aus ekklesiologischen Überlegungen,
sondern weil eine Angliederung an staatliche Fakultäten nicht möglich war und
sie sich explizit dem „sola scriptura Prinzip“ verpflichtet wusste. Die schweizerische Arbeitsgemeinschaft Evangelischer
Missionen (AEM Schweiz) ist im Gegensatz zur AEM Deutschland nicht aus einer
Spaltung entstanden. Sie ist sogar älter als die ehemalige Kooperation
Evangelischer Kirchen und Missionen (KEM), in der bis 1999 die kirchlichen
Missionswerke und die reformierten kantonalen Landeskirchen der Schweiz
zusammengefasst waren. Aus missionstheologischen Überlegungen entschieden
sich die evangelischen Werke und Kirchen mit dem ÖRK zusammenzuarbeiten und damit
für den Weg der Separation und nicht die Glaubensmissionen, die sich der
Reformation und dem Pietismus verpflichtet wissen. Um den innerevangelischen
Dialog nicht abbrechen zu lassen, fanden zwischen den beiden Dachverbänden
AEM Schweiz und KEM, und darüber hinaus den evangelischen Hilfswerken, die berühmten
Gloggenhofgespräche in Zürich und zwei längere Retraiten in Montmirail,
Neuchâtel statt, an denen leider kein Vertreter des Theologischen Seminars
von Bienenberg teilnahm. Der dritte Teil (S.101−202) untersucht die Thesen
von D. J. Bosch, die er in seinem Buch „Transforming Mission“ (1991)
vorschlägt. Daraus folgert Ott, dass in der nachantikolonialistischen
Missionstheologie die KbA-Ausbildungsstätten einen holistischen
Paradigmawechsel vornehmen müssten, wie er zwischen Aufkärung und Postmoderne
zu beobachten sei. Die Gräben zwischen ökumenischer und evangelikaler Missionstheologie
könnten nur im Dialog mit der ganzen Christenheit überwunden werden. Den
bohrenden hermeneutischen Fragen aus der Zweidrittelwelt, der
Verhältnisbestimmung zwischen Kontextualisierung, Inkulturation, Soziologie,
Erlösung und Ekklesiologie sei ein größerer Stellenwert einzuräumen. Ott wirft vielen der KbA-Schulen vor, sie würden ihre
Studierenden in die Isolation, Separation, ja sogar ins Sektierertum führen,
weil sie sich dem holistischen Missionsverständnis und kritischen
hermeneutischen Gegenwartsfragen, wie sie im ÖRK diskutiert werden,
verschliessen würden (S.192−195). Statt sich hermeneutischen und
epistemologischen Fragen zu stellen, bestünde die Tendenz, die missionstheologische
Reflexion allein auf die Autorität der Schrift zu reduzieren. Dabei vergisst
der Autor, wie P. Beyerhaus in seinem Buch „Er sandte sein Wort: Theologie
der christlichen Mission/ Band 1: Die Bibel in der Mission“ (1996) eindrücklich
nachwies, dass ein anderes Schriftverständnis als das reformatorische „sola
scriptura Prinzip“ früher oder später zu einem anderen Heils- und
Missionsverständnis führen muss. Andererseits haben die CTL-Seminare
(Chrischona, Tabor, Liebenzell) die berechtigten hermeneutischen und
epistemologischen Gegenwartsfragen der nachantikolonialistischen
Missionstheologie seit 1996 in zwei neuen Fächern proaktiv aufgenommen
(Theologie der Religionen und Christlicher Glaube in einer säkularen Welt). Im vierten Teil (S.203−280) beschäftigt sich Ott mit
der Rolle der Mission in der theologischen Ausbildung und den Erkenntnissen
der modernen Erwachsenenbildung als Grundlage selbstkritischer Reflexion und
Lernprozesse. Diese pädagogischen Ansätze sind mit der CTL-Studienreform
Anfang der 1990er Jahre konstruktiv aufgenommen worden und kommen vor allem
in missionswissenschaftlichen, pädagogischen, soziologischen und
pastoraltheologischen Fächern voll zur Anwendung. Im letzten Teil (S.281−316) fragt der Autor nach der
Allgemeingültigkeit unserer Theologie, insbesondere dem in evangelikalen
Kreisen anzutreffenden Verteidigungsmechanismus, der ins Ghetto und zum
Stillstand führe. Ott sieht den Grund dieser theologischen Verengung in der
Sichtweise der biblischen Wahrheit, die nicht fähig sei, mit Menschen anderer
Kontexte in einem Dialog zu stehen. Hier entbrennt vollends die Frage nach
dem exklusivistischen Wahrheitsverständnis der Schrift als „norma normans“
der christlichen Theologie. Otts Arbeit schliesst mit diversen Anhängen: einer kompletten
Liste der KbA-Schulen, der ökumenischen Konferenzen zwischen 1910-1991, der
Konsultationen der Lausanner Bewegung zwischen 1974-1989, gefolgt von der
Frankfurter Erklärung 1970 und der Lausanner Verpflichtung 1974. Das Manifest
von Manila von 1989 würde diese Liste von Anhängen vervollständigen. Weltoffene pietistische Missionstheologen, die selbst
jahrelang den interreligösen Dialog in der transkulturellen Missionsarbeit
praktiziert haben, werden Otts Kritik aufnehmen und sich einem holistischen
Missionsverständnis nicht verschliessen, solange das Geheimnis der göttlichen
Inspiration, die völlige Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit der
Heiligen Schrift nicht preisgegeben und der apostolische Ausschliesslichkeitsanspruch
des Heils allein in Jesus Christus (Apg 4,12) nicht grundsätzlich in Frage
gestellt wird. Hans Ulrich Reifler, em 2003-4. |
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Ott,
Craig; Netland, Harold A. (Hg.). Globalizing theology. Belief and practice
in an era of world Christianity. Nottingham: IVP/Apollos 2007 (US-Ausgabe:
Grand Rapids: Baker Academic, 2006). Diese
Festschrift für Paul G. Hiebert knüpft an seiner Forderung an, die so
genannten „drei Selbst" in der Missionspraxis (self-governing,
self-supporting, self-propagating churches) zu ergänzen durch ein viertes
„Selbst“: self-theologizing (Hiebert, Paul G.: Anthropological insights for
missionaries, Grand Rapids: Baker Book House 1985, 193ff.). Zur Reife
und Selbständigkeit einer Kirche gehört die eigenständige theologische
Reflexion, die Auseinandersetzung mit dem Evangelium im Licht des eigenen
sozio-kultu-rellen Kontexts. Das wirft natürlich neue Fragen auf: Wie sind
solche lokalen kontextuellen Theologien einzuordnen im Blick auf das Ganze
der Theologiegeschichte und der theologischen Tradition? Und wie sind
umgekehrt westliche theologische Ansätze im Kontext dieser theologischen
Pluralität zu verstehen? Das sind die Fragen, denen sich die Autoren dieses
Bandes zuwenden. Die Aufsätze gehen zurück auf eine Konsultation im Juni
2004 an der Trinity International University in Deerfield zu Ehren von Paul
Hiebert zu dem Thema „Doing Theology in a Globalizing World“. Der Band ist in
drei Teile gegliedert: (1) Weltchristenheit und theologische Reflexion, (2)
methodologische Fragen im Blick auf eine Globalisierung der Theologie, und
(3) Implikationen einer Globalisierung der Theologie. In der Einleitung wendet Netland sich den
Schlüsselbegriffen des Buchtitels zu. Er beschreibt die Aufgabe der
theologischen Reflexion als Aufgabe der ganzen Kirche, die nicht nur die
Exegese des Wortes verlangt sondern auch eine Exegese der kontemporären Welt,
und die einmünden muss in Weisheit, die Denken und Verhalten verändert. Der
erste Teil des Buches umfasst drei Aufsätze von Ti6nou, Whiteman und Walls.
Ti6nou weist darauf hin, dass die heutige Wirklichkeit einer „polyzentrischen
Christenheit" auch Auswirkungen haben muss auf das Verständnis der Theologie. Er wendet sich gegen
eine Marginalisierung von Stimmen aus der Dritten Welt und insistiert auf
einem globalen theologischen Diskurs mit einer missiologischen Agenda.
Whiteman skizziert die frühen missiologischen Beiträge Hieberts und stellt
sich die Frage, zu welchen aktuellen Fragestellungen im Themenbereich Globalisierung
- Kirche - Theologie die Ethnologie heute Beiträge leisten kann. Walls in
seinem Aufsatz zeigt auf, dass das Überschreiten kultureller Grenzen in der
Geschichte der Kirche immer auch zu neuen theologischen Fragen und in der
Folge zu einem besseren Verständnis des Evangeliums als Ganzem geführt hat.
Ausgehend von dieser geschichtlichen Beobachtung erwartet er von der
christlichen Begegnung mit den alten Kulturen Afrikas und Asiens heute neue
theologische Impulse, die die theologische Arbeit der Weltchristenheit
befruchten können. Der zweite Teil des Buches beginnt mit einem Aufsatz von
Vanhoozer, eine Perle in dieser Aufsatzsammlung. Vanhoozer stellt sich zunächst
der Kritik an unsrer „big fat Greek method“. Er verweist darauf, dass
Theologie dem Geschichtscharakter und dem WeisheitsCharakter der Offenbarung
verpflichtet sein muss. Dabei entfaltet er zwei Kriterien für eine Bewertung
kontextueller Theologien: das kanonische Prinzip (die Übereinstimmung der
Deutung des Evangeliums und seines Lebensbezugs mit dem Charakter des Weges
Jesu), und die Frage nach der Adäquanz improvisierender Weisheit, die zum
Ziel hat, in neuen Situationen der biblischen Gesamtgeschichte entsprechend
zu handeln. Dabei spielt die weltumspannende hermeneutische Gemeinschaft eine
entscheidende Rolle für die Gestaltgewinnung des Evangeliums in
verschiedenen Kontexten. Es folgen vier weitere Aufsätze zur methodischen
Thematik. Strong und Strong analysieren den Bericht über das Apostelkonzil
in Jerusalem und leiten daraus Aussagen ab im Blick auf die Rolle der
Heiligen Schrift, des Heiligen Geistes und der hermeneutischen Gemeinschaft
für den Prozess einer Globalisierung der Hermeneutik. Strauss untersucht am
Beispiel der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo Kirche die Bedeutung kirchlicher
Bekenntnisse für eine globale Christologie. Sein Fazit: Während kirchliche
Bekenntnisse nicht zu einem allgemein gültigen Maßstab für Rechtgläubigkeit
erhoben werden können, dienen sie doch der Kirche als Fallstudien für das
immer wieder notwendige theologische Ringen um eine biblisch verstandene Orthodoxie in einem
spezifischen Kontext und tragen gleichzeitig zu einer reicheren theologischen
Gesamtschau bei. Van Engen beschäftigt sich in seinem Aufsatz zum Thema „The
glocal [sic] church“ mit der Interaktion und Interdependenz der globalen und
der lokalen Aspekte von Kirche und Theologie. Er spricht von einem sich
„gegenseitig befruchtendem Prozess des kritischen Theologisierens“ auf
lokaler und globaler Ebene, bei dem die verbindenden Aspekte (common
humanness, common faith, common fruit of the Spirit) ebenso berücksichtigt
werden wie die lokal spezifischen Aspekte (diverse cultures, diverse faith
stories, diverse gifts). Priest plädiert als Ethnologe – in Anlehnung an
Geertz‘s „experience-near concept“ – für ein theologisches Arbeiten, das sich
nah an der konkreten Erfahrung von Menschen orientiert. Er erläutert
Hieberts und Ti6nous Modell einer missionalen Theologie am konkreten Beispiel
des moralischen Diskurses zum Thema „Sünde" in der Kultur der Aguaruna Indianer.
Der dritte Teil beginnt mit einem Aufsatz von Carroll, der am Beispiel der
Armen Lateinamerikas die Bedeutung der wirtschaftlichen Entwicklungen der
Globalisierung für die theologische Reflexion reflektiert. Ramachandra
betont die Notwendigkeit einer differenzierten geschichtlichen Betrachtung
der Interaktion von „Ost“ und „West“ und fordert eine kritische
Kontextualisierung des Evangeliums in der westlichen Hemisphäre. Hiebert
Meneses bietet aus ethnologischer Sicht Grundlagen für ein Verständnis der
politischen Dimension des Nationalstaats und der ökonomischen Dimension
einer globalen kapitalistischen Weltordnung. Ihr Ziel ist, die Kirche – hier
hat sie zunächst die Kirche in den USA im Blick – zu einer kritischen
Reflexion ihres eigenen politischen und ökonomischen Umfelds zu befähigen und
auf synkretistische Tendenzen aufmerksam zu machen. Dabei spielt das Hören
auf die globale Gemeinschaft der Kirche eine wichtige Rolle. Plueddemann
skizziert die Herausforderungen der veränderten Missionssituation heute für
bestehende Missionsgesellschaften, während McKinney Douglas Herausforderungen
theologischer Ausbildung im globalen Kontext benennt. Paul Hiebert selbst
schreibt einen Beitrag zur Rolle des Missionars als Mittler in dem Prozess
einer Globalisierung der Theologie. Er sieht den Weg zur Überwindung eines
postmodernen theologischen Pluralismus in der Entwicklung eines
metakulturellen Rahmenwerks, in dem ein echter pluraler Dialog über die Wahrheit
möglich ist. Ott fasst in seinem Aufsatz die Ergebnisse der unterschiedlichen
Beiträge zusammen und geht der Frage nach, wie aus den unterschiedlichen
Fäden lokaler Theologien eine gemeinsame Tapisserie werden kann. Dabei
handelt es sich nicht um fertige Antworten, sondern um Gedanken über einen
Weg in die Zukunft, den die Kirche in ihrer globalen Vielfalt gemeinsam
gehen muss und nur gemeinsam gehen kann. Die Aufsätze bearbeiten das Thema aus der Sicht
unterschiedlicher Disziplinen. Sie sind auch von unterschiedlicher Qualität.
Alles in allem handelt es sich hier um ein beachtenswertes Buch zu einem
zentralen und aktuellen missionswissenschaftlichen Thema. Dr. Jürgen Schuster, em 2008-3. |
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Outler, Albert C. Das theologische Denken John Wesleys. Kommentiert für
unsere Zeit. Theologische
Studienbeiträge Bd. 4, Christliches
Verlagshaus, Stuttgart, 1991. Alle evangelikalen Glaubensmissionen haben in der einen
oder anderen Weise ihre Wurzeln in der
Heiligungsbewegung, die auf eine Neubesinnung
auf die Heiligungstheologie John
Wesleys ab etwa 1835 zurückgeht. Da heute
in den evangelikalen Missionen eher presbyterianische Theologie vorherrscht,
ist es nützlich,
sich mit der arminianischen Theologie Wesleys zu beschäftigen, besonders mit
‘seinem Verständnis von Sünde und Heiligung. Dieses Buch bietet einen
guten Einstieg
für den, der Wesleys Theologie näher kommen will. Klaus Fiedler, em 1992-4. |
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Pakendorf, Gunther. Gustav
Pakendorfs Jugend: Eine wahrhafte Geschichte, Berliner Beiträge zur Missionsgeschichte,
Heft 2, April 2001. Der Verfasser der zweiten Veröffentlichung der Berliner
Beiträge ist Gunter Pakendorf, Associate Professor im Department of Modern
and Classical Languages der Universität Kapstadt und Leiter der Forschungsgruppe
„Mission und Moderne“ der National Research Foundation in Südafrika.
Gegenstand seines Essays ist das im August 1995 von ihm gefundene Tagebuch,
das sein Großvater Gustav Pakendorf in der Ausbildungszeit als Missionar in
Berlin führte und im Oktober 1895 mit der Ankunft im damaligen Kaffraria (Südafrika)
abschloß. Der 1969 unehelich geborene Pakendorf wächst in einem
unkirchlichen, sozialdemokratischen Elternhaus auf. Die Abwesenheit des
Vaters wird vom Verfasser als ein Hauptmotiv der Wendung an und des Vertrauens
auf Gott verstanden. Im evangelischen Jünglings- und Männerverein findet der
junge Pakendorf eine geistliche Heimat. Hier reift der Wunsch, „auch ein
Missionar zu werden und das Evangl.von Christo dem Gekrezigten den armen
Heiden zu bringen“ (S.10). Der Anlass des Tagebuchs ist vor allem ein
seelsorgerlicher: „es bewahrt vor mancher Sünde“ (S.8). Das Tagebuch
beschreibt drei Abschnitte: (1) die Aspiratenzeit 1889-1895, die der
eigentlichen Aufnahme als Missionskandidat ins Seminar der Berliner Mission
vorausging (nach täglich 10 Stunden Arbeit in der Fabrik folgte der
abendliche Aspirantenunterricht. Der Vater lehnt die Missionspläne des Sohnes
entschieden ab); (2) die Zeit als Zögling im Seminar, (3) die Beschreibung
der Reise von Berlin nach Xhosaland 1895. Über die letzen beiden Abschnitte
erfährt der Leser in Gunther Pakendorfs Beitrag inhaltlich allerdings so gut
wie nichts. So geht es auch nicht um eine theologisch-missionsgeschichtliche
Betrachungsweise; vielmehr wird das Tagebuch einerseits sozialpsychologisch
„als Protokoll einer für angehende Missionare im 19. Jahrhundert durchaus
nicht untypischen Selbstfindung und der Erstellung einer neuen
gesellschaftlichen Identität im sozialen Aufstieg des Großvaters vom Sohn
eines einfachen Arbeiters zum angesehenen Missionar in Afrika gelesen. Zum
anderen wird die Geschichte - sowie der Prozeß des Schreibens und Lesens -
als literarischer Vorgang gewertet, unter Heranziehung erzählerischer Modelle
aus der Literaturgeschichte, sowie als kommunikativer Akt“. Ein Stück
biographischer Missionsgeschichte wird „in einen größeren gesellschaftlichen
Diskurs eingebettet, an dem letztlich auch der Enkel als Leser und Vermittler
der Geschichte beteiligt ist“ (Presse-mitteilung). Hier werden wichtige Zusammenhänge in interdisziplinärer
Perspektive dargestellt. Kritisch anzumerken ist allerdings, daß der
Missionar und seine Berufung vollständig aus dem gesellschaftspsychologischen
Zusammenhang heraus erklärt werden. Wäre nicht auch eine umgekehrte
Sichtweise denkbar und für einen missionsgeschichtlichen Ansatz angemessen:
das Evangelium von Jesus Christus als transformierende Kraft, die - bei aller
kulturellen Begrenztheit und Konditionierung – wirkliche persönliche und
geistliche Veränderung bewirkt – gestern und heute? Dr. Friedemann Walldorf, em 2002-3. |
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Palmer, Donald C. Managing
Conflict Creatively.
A Guide for Missionaries and Christian
Workers. Pasadena: William Carey Library, 1990. Dr. Palmer arbeitete
13 Jahre mit Gospel Missionary Union in Kolumbien als Evangelist und
Gemeindegründer und
anschließend 20 Jahre in der
Heimatleitung. Das Buch ist als Seminarunterlage vorgesehen und in fünf
Teile (je mit Material für zwei bis drei Stunden) aufgeteilt. Die behandelten
Themen sind: 1.) „Die Dynamik des Konflikts“, worin Konflikte als normal und eigentlich
sehr positiv dargestellt werden; 2.) „Methoden der Konfliktbewältigung“,
worin fünf verschiedene Methoden mit ihren Stärken und Schwächen
dargestellt werden; 3.) „Die Bibel und
Konflikte“, worin sieben Beispiele in der Schrift untersucht werden; 4.)
„Konfliktbewältigung lernen“. Hier geht es darum, eine Strategie zu entwickeln; 5.) „Kulturelle Faktoren“. Hier werden mehrere Beispiele aus der Mission dargestellt. Die beiden Grundfaktoren eines Konflikts, nämlich die
Sache (Lehre, Prinzip etc.) und die Beziehung zwischen den zwei Parteien,
werden klar dargestellt. Unsere Aufgabe
und die eigentliche Kunst ist es, zu
erkennen, welcheArt von Konflikt
jeweils vorliegt, und welche Methode der Konfliktbewältigung am Besten
dazu paßt. Zwei Paradoxe sind
erwähnenswert: 1.) Je mehr wir
jemand lieben, desto mehr Konflikte werden wir mit der Person habe;
2.) Je mehr Konflikte, desto stabiler wird
die Beziehung sein. Konflikte sind nach Meinung des Autors Mittel zu einer positiven Entwicklung
von Beziehungen, wenn sie richtig und rechtzeitig
verarbeitet werden. Die wenigsten Leiter und
Mitarbeiter sind im Bereich Konfliktbewältigung ausreichend
vorbereitet. Unbewältigte Konflikte sind nach Palmer ein Hauptgrund, warum Missionare vom Missionsfeld zurückkehren. Weil das Buch so praktisch
geschrieben ist, empfehle ich es sehr
gerne. Wir haben dieses Seminar mit unseren Leitern mit viel Gewinn
durchgeführt. Rod Nidever, em 1994-2. |
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Partridge, Christopher
(Hg.). Das Große Handbuch der
Weltreligionen. Wuppertal: Brockhaus, 2006. Das bewährte Handbuch Weltreligionen war zuletzt 1996 (hg.
u. neu bearbeitet von Wulf Metz) erschienen. Die aktuelle Neufassung des
englischen Originals (The New Lion Handbook „The World's Religions“) liegt
nun in deutscher Übersetzung vor. Herausgeber ist Christopher Partridge,
Professor für moderne Religionen an der Universität Chester in
Großbritannien. Über 60 Autoren, vorwiegend aus Großbritannien, haben die -
z.T. neu verfassten - Fachartikel beigesteuert. Das Konzept einer allgemeinverständlichen Einführung in
die wichtigsten lebenden Religionen wurde beibehalten. Neu ist, dass nun
jeder Religion in mehr oder weniger historischer Reihenfolge ein ganzes eigenes
Kapitel gewidmet ist. Das Christentum wird nicht wie in früheren Ausgaben
zum Abschluss dargestellt, sondern religionsgeschichtlich zwischen Judentum
und Islam eingeordnet. Der Akzent wird damit stärker in Richtung einer
möglichst wenig bewertenden Anordnung gesetzt. Dem Zoroas-trismus wurde ein
eigenes Kapitel als heute noch lebendiger Religion gewidmet. Dargestellt
werden darüberhinaus die Religionen des Altertums (Inkas/Azteken, Alter
Vorderer Orient, Ägypten, Griechenland und Rom, Kelten, Skandinavien), die
„einheimischen Religionen“ (1996 noch „Stammesreligionen“) sowie Hinduismus,
Buddhismus, Jainismus, Sikhismus und die Religionen Ostasiens (China und
Japan). Das eröffnende Kapitel „Religion verstehen“ führt gut verständlich in
akutelle religionswissenschaftliche Perspektiven zur Interpretation und
Erforschung von Religion und Religionen ein. Der gegenwärtigen Bedeutung
eines stärker kulturwissenschaftlichen Religionsbegriffs wird Rechnung
getragen: „Was immer Religion sein mag oder nicht, sie ist zumindest ein
rhetorisches Instrument, das die Mitglieder der betreffenden Gruppe
einsetzen, um ihre Gruppenidentität zu klären“ (13). Die Kurzbiographien
klassischer Religionswissenschaftler sowie Fragen und Hypothesen der
historischen Entwicklung der Religionen (UrMonotheismus-These,
Evolutionsthese) werden im Gegensatz zur Ausgabe von 1996 (in der R. Brow
vorsichtig zugunsten der MonotheismusThese argumentierte) nicht mehr
thematisiert. Die Zeittafel der Religionen wurde beibehalten. Um den systematischen
Zugang zu den einzelnen Religionen zu erleichtern, sind die Kapitel soweit
wie möglich in jeweils sechs Themenbereiche gegliedert: (1) historischer
Überblick, (2) Heilige Schriften, (3) wichtige Glaubenssätze, (4) Riten und
Feste, (5) Familie und Gesellschaft und (6) Entwicklungen in der modernen
Welt. Das Kapitel über den Buddhismus wurde fast ganz neu
geschrieben (leider wurde die übersichtliche Graphik zu den verschiedene
Richtungen des Buddhismus entfernt). Mit Recht werden auch problematische
Aspekte des tantri-schen tibetanischen Buddhismus zumindest kurz angesprochen
(S. 194), was einer möglichst unverstellten Wahrnehmung durchaus nicht abträglich
ist. Leider ist der wichtige Artikel über den „Islam in der modernen Welt“
(T. Gabriel) weniger ausführlich und differenziert als der Beitrag von
Nazir-Ali 1996. Die neu eingeführten Abschnitte zu „Familie und Gesellschaft“
stellen die religiösen Systeme stärker in den Kontext der Alltagskultur. Die
biographisch-persönliche Bedeutung der Religion kommt in
„Insider“-Perspektiven unter dem Motto „Ich bin ein… . „ (Hindu, Buddhist,
Sikh … etc.) zum Ausdruck. Eine wichtige und notwendige Neuerung stellt auch
die Integration eines Abschnitts über „Christentum in China von heute“ im
Kapitel über die Religionen Ostasiens dar. Den Abschluss des Buchs bildet
das Kapitel über „Religion in der Welt von heute“. Es wurde teilweise aktualisiert, etwa durch einen
Abschnitt zu „neuen religiösen Bewegungen“ sowie durch eine Erweiterung von
A. Thiseltons religionsphilosophischer Auseinandersetzung mit der
Postmoderne. Am Rande kritisch anmerken könnte man, dass im Kapitel über das
Judentum die historische Dimension der alten biblischen Religion der Patriarchen
und des Volkes Israel im Vergleich zur 1996er Ausgabe stärker in den
Hintergrund tritt. Der 1996 enthaltene theologische und historische
Perspektiven verbindende Einführungsartikel von David Harley („Die Juden -
das erwählte Volk“) findet sich in der Neufassung ebensowenig G. Cowlings
Abschnitte über Mose und Esra als historische Persönlichkeiten. Kritisch
könnte man auch fragen, warum dem Zoroastrismus mit nur 115.000 heutigen Anhängern
ein eigenes großes Kapitel gewidmet wird, während andere und größere
religiöse Gruppierungen wie z.B. die türkischen Aleviten oder die kurdische
Yezidi-Religion gar nicht erwähnt werden. Das größere Format des Handbuchs bietet ein großzügigeres
Layout, das ansprechend mit Farbfotos, Graphiken und Zitaten aus religiösen
Quellentexten gestaltet ist. Enthalten ist wieder ein Kurzlexikon mit knappen
Informationen zu religiösen Grundbegriffen und Persönlichkeiten. Ein Index
ist (wie bisher) leider nicht vorhanden, was zwar aufgrund der neuen
Strukturierung leichter zu verschmerzen ist, aber die Gebrauchsmöglichkeit
als Nachschlagewerk einschränkt. Auch weiterführende Literaturhinweise sind
nicht vorhanden. Insgesamt stellt das neue Große Handbuch eine strukturelle
Verbesserung und inhaltliche Aktualisierung eines bewährten Kompendiums dar. Dr. Friedemann Walldorf, em 2007-3. |
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Pasut, Ursula. Frauen in der Welt in der Mission: Geschichte und
Gegenwart des Deutschen Frauen-Missions-Gebets-Bundes (DFMGB). Telos-Taschenbuch. [Jetzt SCM-Hänssler]. Um die Jahrhundertwende entstand unter Frauen eine Bewegung als Antwort auf die besonderen Nöte der Frau in der Dritten Welt.
Aufgrund des Suchens nach ihrem Auftrag
in der Welt und in der Mission gründeten einige Frauen den Deutschen Frauen-Missions-Gebetsbund (DFMG) mit dem Ziel, gemeinsam ihre Gaben in den Dienst
Gottes zu stellen. Die Aufgaben sind unterschiedlich: Praktischer Dienst auf dem Missionsfeld
oder Gebet und Rückhalt in der Heimat. Beide Dienste sind notwendig und gehören
zusammen. In lebendiger, übersichtlicher Weise schildert Ursula Pasut, eine der Patenmissionarinnen, die Arbeit des DFMG, seine Anfänge und seine Ziele. Sehr anschaulich sind die persönlichen Zeugnisse der Gründerinnen und
Mitarbeiterinnen gehalten. Jede Frau wird durch dieses Buch angespornt zur verbindlichen
Zugehörigkeit und Mitarbeit in Gebet, Fürbitte und praktischem Dienst. Die Adresse des DFMG lautet: Heisterkamp 18, 2000 Hamburg 63. Elsbeth Schmid, em 1986-1 |
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Pate,
Larry D. From Every People. A Handbook of
Two-Thirds World Missions with directory
/ histories / analysis.
Monrovia: MARC, 1989. Larry D.
Pate möchte Lawrence E. Keye’s Buch «The
Last Age of Missions» (Pasadena: W. Carey Library, 1983) auf den
neuesten Stand bringen. Lawrence E. Keyes
und Larry D. Pate sind Mitarbeiter
von Overseas Crusades (OC)
Ministries. Keyes ist Präsident von OC, Pate ist seit 1984 der Koordinator
der Abteilung «Emerging Missions ». Larry D. Pate möchte
die ganze Breite, das Wesen und das enorme Potential der schnell wachsenden Missionsbewegung der „nichtwestlichen“
Kirchen deutlich machen. Vor etwa 18-20
Jahren hat kaum jemand etwas über
Missionsgesellschaften der sog. Dritten Welt gehört. Seit James Wongs
bahnbrechendem Buch „Missions from the Third World“ (Singapore Church Growth Study Centre, 1972) ist das anders geworden. Weitere Untersuchungen (z.B. Marlin L. Nelson 1976, L. E. Keyes 1980) und Konferenzen
(z.B. Bangalore 1982) haben das Thema aufgegriffen. Heute gibt es etwa
genauso viele Missionsgesellschaften in der sog. Dritten Welt wie in Nordamerika, Hinzu kommt, daß die Zahl der
nichtwestlichen Missionare wahrscheinlich
fünfmal so schnell steigt wie die der westlichen. Dies ist der
Hintergrund für Larry D. Pates Buch. Es ist ein Handbuch der missionarischen Aktivitäten der Kirchen in Lateinamerika, Aber das Buch hat auch Schwächen. Wo Vergleiche mit westlichen Missionen versucht
werden, drängt sich die Frage auf, ob gleiche oder allgemein übliche
Kategorien verglichen werden (S. 4,
Definition). Da alle Daten auf Angaben der Zwei-Drittel-Welt-Missionen
beruhen, muß gefragt werden, ob diese
genügend überprüft wurden. In persönlichen Gesprächen mit Dr.
Theodore Sri-nivasagam, dem zukünftigen Generalsekretär
der Indian Evangelical Mission, und mit Patrick
Johnstone, Autor von Operation World
/ Gebet für die Welt, wurde das im Blick
auf die Daten aus Indien und Afrika stark bezweifelt. Dietrich Kuhl, em 1990-2. |
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Pechmann, Ralph; Martin
Reppenhagen (Hg.). Zeugnis
im Dialog der Religionen und der Postmoderne. Aussaat
Verlag & Neukirchener Verlag: Neukirchen-Vluyn, 1999. Pechmann, Ralph; Martin
Reppenhagen (Hg.). Mission
im Widerspruch: Religionstheologische Fragen und Mission morgen. Aussaat Verlag & Neukirchener Verlag: Neukirchen-Vluyn,
1999. Zwei Veröffentlichungen des Deutschen Instituts für
Jugend und Gesellschaft der Offensive Junger Christen in Reichelsheim
stellen Beiträge zum Thema Christentum und Weltreligionen zusammen, wobei sich
beide Bände inhaltlich stark überschneiden. Während der erste Band die Vorträge
einer Tagung in Reichelsheim enthält, ist der zweite Band ein dazu als
Arbeitswerkzeug dienender umfangreicher Reader mit meist bereits
veröffentlichten Artikeln und Buchauszügen. Ziel ist das Gespräch zwischen
allen Positionen, ‘exklusiven’ wie ‘inklusiven’, ‘evangelikalen’ wie
‘liberalen’. So finden sich auf der einen Seite Beiträge von Peter Beyerhaus,
Werner Neuer, Alister McGrath, Heinzpeter Hempelmann oder Chris Sudgen und
Hanna Josua, im Mittelfeld von Lesslie Newbigin, Gerald H. Anderson und David
G. Bosch, und schließlich von Henning Wrogemann (‘Multiperspektivischer
Inklusivismus’), von Wolfhart Pannenberg und Paul Knitter. Martin
Reppenhagen, der als einziger Herausgeber selbst Beiträge beigesteuert hat,
vertritt jeweils eine von der evangelikalen Sicht herkommende, den
Religionen jedoch sehr offen gegenüberstehende Sichtweise, die er bewußt von
Leslie Newbigin herleitet. Insgesamt verstehen sich die beiden Bände weniger
als Positionsbestimmung, denn als Anregung für ‘liberale’ Christen, Mission
neu zu bedenken, und an ‘evangelikale’ Christen, ihre Sicht der völligen
Ablehnung des Wahrheitsgehaltes anderer Religionen zu überprüfen. Was darüber
zu denken ist, hat meines Erachtens der evangelikale Anglikaner und
Professor in Oxford Alister McGrath im Tagungsband in seinen drei
ausgezeichneten Vorträgen am besten dargestellt. Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-2. |
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Penner,
Peter F. (Ed.). Christian Presence and Witness among Muslims. Schwarzenfeld: Neufeld Verlag, 2005. Der vorliegende Sammelband ist eine Veröffentlichung von
Referaten, die bei der Konferenz zum Thema „Presence and Witness among
Muslims” am International Baptist Theological Seminary (IBTS) in Prag im
Februar 2004 gehalten wurden. Teilnehmer aus 31 teils muslimischen Nationen,
und renommierte Redner wie Dr. David Shenk von der Eastern Mennonite Missions
und Dr. Kenneth Cragg (leider nicht durch einen Aufsatz im Sammelband vertreten)
zusammen mit Dozenten des IBTS bedachten miteinander das Verhältnis zwischen
Muslimen und Christen auf der persönlichen und theologischen Ebene. Nicht
alle Referate wurden zu Aufsätzen des Sammelbandes. In den Band wurde
außerdem die Prague Declaration on
Christian Presence and Loving Service among Muslims aufgenommen, die
während der Konferenz verfasst worden war. Die einzelnen Aufsätze
beschäftigen sich, grob sortiert, mit drei Fragestellungen: 1. Wie lässt sich
der christliche Glaube liebevoll und überzeugend einem Muslim erklären? 2.
Welche Bedeutung hat die Hijra und das muslimische Verständnis von der Bibel
für die Begegnung mit Muslimen? 3. Wie lässt sich der christliche Glaube in
spezifischen Kontexten (Mittlerer Osten, Zentralasien, Bektashi-Albaner,
multireligiöse Nachkriegsgesellschaft) bezeugen? Das Anliegen des Bandes
besteht in der Erreichung eines zeugnishaften Dialogs, der von offener und
freundlicher Begegnung und Respekt geprägt ist. Die Prague
Declaration geht vom dreieinigen Gott aus und setzt somit ein klares
theologisches Zeichen gegenüber dem radikalen Monotheismus des Islam. Der
Schöpfergott wird nicht als gemeinsamer Gott bezeichnet, wohl aber die Liebe
zu diesem Gott als „gemeinsame Liebe“. Vollständiges Vertrauen zu diesem Gott
aber ist erst durch Jesus möglich. Dieser Ansatz verdeutlich schon das
Verständnis von Dialog: Wo eine Anknüpfung möglich ist, wird dem Muslim
durchaus zugestanden, etwas Gutes zu intendieren oder auch zu praktizieren;
dabei muss jedoch deutlich werden, dass durch Jesus ein entscheidender und
soteriologisch relevanter Unterschied in der Beziehung zum Schöpfergott
besteht. Der Heilige Geist wiederum ermöglicht eine Gemeinschaft der Anhänger
Jesu untereinander, die große Diversität erlaubt und somit transkulturell möglich
ist. In seinem ersten Aufsatz (Faithful Christian Witness among Muslims;
20-35) weist David W. Shenk darauf hin, dass die Bindung des Islam an die
arabische Kultur durch die Göttlichkeit des arabischen Korans unauflösbar
ist. Die christliche Kirche dagegen ist transkulturell und genau darin auch
ein wichtiges Zeugnis des universalen und kulturell unabhängigen Evangeliums
von Jesus Christus. Der eigentlich missionarische Ansatz der Prague
Declaration liegt im Aufbau einladender Gemeinschaften. Daneben überwiegen
Aussagen zum respektvollen Umgang mit Muslimen, Freundschaftsbeziehungen zu
Muslimen, Dienst für einheimische Gemeinden und Einstehen für Verfolgte
Christen aus muslimischem Hintergrund. Die Zusammenstellung der Aufsätze wirkt auf den ersten
Blick zufällig und unverbunden. Neben den beiden sehr inspirierenden
Aufsätzen von David W. Shenk stehen zwei weitere zu spezifischen Fragen des
islamischen Glaubens. Alle anderen beschäftigen sich mit spezifischen
Regionen. Besonderes Interesse wird der allgemein interessierte Leser deshalb
den Referaten von Shenk zuwenden, die in der Tat sehr inspirierend sind.
Anhand der Reformbewegung des Islam identifiziert Shenk fünf zentrale Punkte,
die für den heutige Islam prägend und wesentlich sind: die göttliche
Herabsendung des Koran (tanzil),
die Errichtung der islamischen Gemeinschaft in Medina nach der hijra, die Einheit Allahs (tauhid), und die daraus folgende Lehre
von der Notwendigkeit der Unterwerfung aller Muslime und letztlich aller
Menschen überhaupt unter Allah, das Verbot von Neuerungen (bidah), weil der Islam unveränderlich
ist und das Verbot von „Beigesellung“ zu Allah (shirk), das jeden Götzendienst aber auch jede Infragestellung
Allahs durch eine andere Autorität, z.B. den Staat, verbietet. Interessant ist nun der Versuch Shenks, die Begegnung der
Gemeinde mit der islamischen Gemeinschaft (ummah) entlang dieser fünf Reformanliegen des Islam zu
beschreiben. So wird die „göttliche Herabsendung“ (tanzil) mit der göttlichen Inkarnation verglichen und dann auf
die Aufgabe der Gemeinde übertragen: kulturelle Inkarnation in jeglichen
Kontext, um das Evangelium jeder Kultur gemäß zu verkündigen und zu leben.
Der zwingenden Macht der ummah, die
nach der hijra errichtet wurde und
Vorbild und Muster für alle heutigen Versuche eines politischen Islam ist,
steht im vollen Kontrast die Opferbereitschaft der Gemeinde gegenüber, die
ihr Kreuz auf sich nimmt und ihrem Herrn nachfolgt. Die Einheit Gottes (tauhid) ist auch im christlichen
Glauben nicht in Frage gestellt. Jeder Art von Polytheismus muss vehement
gewehrt werden. Neben einer deutlichen Klarstellung, dass Jesus nicht durch
einen geschlechtlichen Akt gezeugt wurde, muss nach Shenk die Gemeinde das
Vorbild Jesu leben. Der Verweigerung jeglicher Neuerung (bidah) steht die eschatologische Hoffnung der Gemeinde auf einen
neuen Himmel und eine neue Erde gegenüber. Diese Hoffnung wird zeichenhaft
schon jetzt auf Erden sichtbar und wird deshalb von der Gemeinde aktiv verwirklicht:
das Reich Gottes ist schon angebrochen, aber noch nicht vollendet. Allein zum
Thema shirk bleibt Shenk kurz
angebunden und wenig schlüssig. In seinem zweiten Aufsatz (Christian Presence and Witness among Muslims) entfaltet Shenk
anhand von 1.Petrus 2-3 seine Überzeugung von einem zeugnishaften Lebensstil.
Die beiden Fachartikel zur Bibel (Corruption
and/or Misinterpretation of the Bible) und zur Hijra (The Hijra and its
meaning for the Muslim community) sind in ihrem Anspruch sehr unterschiedlich.
Während letzterer einen guten Einblick in das politische Verständnis des
Islam gibt, ist ersterer sehr anspruchsvoll und für den nicht Vorgebildeten
schwer verständlich. Fazit: Die Aufsätze in diesem Band sind kompetent und
anregend, weisen mutig nach vorne und helfen im Gespräch und in der Begegnung
mit Muslimen. Nicht jeder Aufsatz wird den Leser interessieren, wenn er nicht
mit der speziellen Fragestellung zu tun hat. Aber jeder, der sich mit der
Frage auseinandersetzt, wie wir als Christen mit Muslimen leben und unseren
Glauben bezeugen können, wird eine Reihe von hilfreichen Beiträgen guter
Qualität finden. Ulrich Neuenhausen,em 2007-2. |
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Penner,
Peter F. (ed.). Ethnic Churches in Europe - A Baptist Response. Neufeld Verlag Schwarzenfeld, Oktober 2006. Dieser Band versammelt Beiträge einer Konferenz zu ethnic
churches in Prag im Juni 2006. Es ist lobenswert, dass er so schnell
veröffentlicht wurde, denn das Thema ist aktuell. Das Buch gliedert sich in
vier Teile. Unter dem Titel „Sociological Studies“ liefert Paul Weller eine
exzellente soziologische Analyse der Begriffe „Europa“, „ethnische
Minoritäten“ und „changing face“ und reflektiert über die Rolle von
Religionen in diesem Feld. Seine „working conclusions“ sind dann
theologischer Art: Er ruft die Baptisten auf, sich gegen Fremdenfeindlichkeit
zu engagieren und stellt fest, dass die Ekklesiologie einer Glaubenskirche
eine „narrative christology“ fordere: Eine solche „christology of invitation
rather than a christo-logy of gatekeeping“ ermögliche ein christliches
Zeugnis in einem multireligiösen und multikulturellen Kontext. Die Hauptherausforderung, der sich
die Kirchen stellen müssten, sei „how to avoid confusing either Christian
witness or Christian unity with the promotion of one cultural or confessional
form of Church.“ Der zweite Teil unter dem Titel „Ethnic churches - a
Biblical mandate“ enthält zwei Aufsätze, die allerdings den Anspruch des
Titels nicht vertreten. Eine Studie von Michael Kisskalt zu „The challenge of
Immigrants in Old Israel According to the Testimony of the Old Testament“
bietet einen guten biblischtheologischen Überblick mit einigen Konsequenzen
für die heutige Praxis im Umgang mit Migranten. Unter dem Titel „Homogeneous
Unit Principle, Ephesians 2 and the Early Church Praxis“ liefert Peter F.
Penner eine intensive Exegese von Epheser 2 sowie einiger Texte aus der
Apostelgeschichte. Er lehnt einen biblizis-tischen Ansatz entweder für oder
gegen das homogeneous unit principle ab und zeigt, dass es bereits in der
Urkirche ganz unterschiedliche Modelle des Kircheseins gab. Dieser Aufsatz
ist für eine innerevangelikale Debatte sicherlich wichtig; im
landeskirchlichen Bereich müsste die kritische Auseinandersetzung jedoch eher
bei der Identifikation von Evangelium und Kultur ansetzen, die im Konzept von
„Volkskirche“ (im Sinne einer ethnischen Kirche!) implizit vorausgesetzt
wird. Im dritten Teil geht es um „Issues of Second Generation Immigrants“.
Peter F. Penners gelegentlich nur schwer nachzuvollziehender und manchmal arg
spekulativ wirkender Artikel über Johannes Markus als Migrant und Christ der
zweiten Generation trägt wenig für die Praxis bei. Dagegen ist Michael
Kisskalts Artikel über Interkulturalität und Integration übersichtlich,
praxisorientiert und pädagogisch gut aufgebaut. Zu bedauern ist allerdings,
dass dieser Artikel wissenschaftlich auf dem Stand der neunziger Jahre
verbleibt und damit geprägt ist von zu statischen Begriffen von Kultur und
Identität. Die gegenwärtige Diskussion um flexible und hybride Identitäten
z.B. in den Kulturwissenschaften (ganz zu schweigen von den postcolonial
studies) wird überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. Der vierte Teil des Bandes schließlich besteht aus
Berichten aus verschiedenen Kirchen und Ländern Europas von sehr
unterschiedlicher Qualität. Sie zeigen eine Vielfalt von Ansätzen in der
interkulturellen Arbeit der Kirchen und die große Unterschiedlichkeit der
jeweiligen Kontexte. Besonders konkret sind die Berichte über die International
Baptist Convention, die Sarka Valley Community Church im Großraum Prag und
vor allem die facettenreiche Studie über die Baptist Union of Great Britain
(BUGB). Dass die BUGB in ihrer theologischen Ausbildung ein racism awareness
training verpflichtend einschließt, setzt ein Beispiel, das auch anderswo in
Europa Schule machen sollte! Alles in allem ist dieser Band ein brauchbares
Buch mit einigen Schwächen, dem eine breite Leserschaft auch außerhalb
evangelikaler Kreise zu wünschen ist. Claudia Währisch-Oblau, em 2007-3. |
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Penner,
Peter F. (Hg.). Theological Education as Mission. Schwarzenfeld: Neufeld Verlag, 2005. Theologische Ausbildung als Mission. Immer noch überrascht
der Titel des Buches. Kommt die theologische Ausbildung nicht sachlich und
zeitlich nach der Mission? Doch Matth. 28,1820 („lehret sie halten alles,
was ich euch befohlen habe“) gehört zum sogenannten „Missionsbefehl“.
Insofern ist dieses Thema nicht nur hochaktuell, sondern zugleich fest in
einer biblischen Tradition verwurzelt, deren wir uns heute all zu oft nicht
genügend bewusst sind. Theologische Ausbildung als Mission – der Titel ist
zugleich der „rote Faden“ in dieser Sammlung sehr unterschiedlicher Artikel,
was Herkunft, Breite und gedankliche Dichte angeht. Peter F. Penner gebührt
Dank und Anerkennung für die Herausgabe der beinahe 20 Vorträge und
Fallstudien, die im Rahmen einer internationalen Konferenz am Baptist
Theolgical Seminary, Prag, im Februar 2005 gehalten wurden. Das Thema der
Konferenz lautete: „Theological Education as Mission - Mission in Theological
Education“. In dem Sammelband kommen international bekannte Fachleute zu
Wort wie z.B.: Andrew Kirk, David W. Shenk, Duane H. Elmer oder Linda Canell.
Sie haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder zur Integration
von Theologie, Mission und Theologischer Ausbildung angeregt. Dazu kommen
dann aber auch aufschlussreiche Beiträge osteuropäischer Theologen. Sie
reflektieren gesammelte Erfahrungen im Bereich theologischer Ausbildung -
meist im Kontext von Missionsarbeit. Hier werden spannende Fragen gestellt
und eigenständige Überlegungen angestellt (z.B. Kap. 11 „Towards Convictional
Theological Education“ von Parush R. Parushev). Manchmal überraschen bereits
die Titel, wenn z.B. Lina Andronoviene ihren Beitrag überschreibt: „On
Baptistic Monasticism as Educational Mission“. Als Leser erhält man Einblicke
in Theologische Ausbildungsstätten und ihren jeweiligen Kontext, die
hierzulande noch nicht so bekannt sind. Damit wird ein wichtiger Beitrag
geleistet im Zusammenwachsen europäischer theologischer Ausbildung. Beim
Lesen des Buches stellt sich allerdings auch Ernüchterung ein. Manche der
Fragen und Klagen sind nicht wirklich neu. Schon seit Jahren sind sie zu
hören und zu lessen, z.B. die Frage nach der Kontex-tualisierung
theologischer Ausbildung oder die notwendige Zusammenschau von Mission, Theologie
und Fragen der Erwachsenenbildung. Ist theologische Ausbildung wirklich so
„träge in ihrem Herzen“, dass (zu) wenig Innovation erfolgt?! Anderseits stellt der Sammelband ein Mut machendes Buch
dar, denn er zeigt, wie ein Miteinander von Ost und West bereichernd ist,
wenn wir lernbereit sind - in Ost und West. Einige der Artikel erschienen
parallel zum Buch im Common Ground Journal Vol. 3 (1/2005), das hiermit
ebenso empfohlen sei. Mich personlich hat der Beitrag von Andrew Kirk -
einem der „Altmeister“ innovativen Denkens über Theologische Ausbildung - zum
Nachdenken herausgefordert. Immer noch hat Kirk die Kraft, unverdrossen,
mutig und weit reichend zu träumen, wenn er in seinem Beitrag ein Curriculum
entwirft, von dem er sagt: „I do not know personally of any theolgical
institution that has adopted a curriculum like this“ (S.16 in seinem Beitrag
mit dem Titel: Reenvisioning the Theological Curriculum as if the Missio Die
mattered). Wer sich für den Zusammenhang von Mission und
Theologischer Ausbildung interessiert, der erlebt beim Lesen, was Peter
Penner in seinem Vorwort als Ziel formuliert: „These papers have been
collected to stimulate further discussion on theological education“ (S.12). Traugott Hopp, em 2007-4. |
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Pfister, Jürg. Motivation der Generation X. Das Potential
der Generation X als Herausforderung für christliche Gemeinden und
Missionswerke. Nürnberg: VTR, 2003. Wenn ein Praktiker sich die Zeit nimmt, strukturiert über
sein Lieblingsthema nachzudenken, dann kommt dabei allermeist etwas sehr
empfehlenswertes heraus. So ist es auch bei Jürg Pfisters „Motivation der Generation
X“. Jürg Pfisters Liebe zur Weltmission verbindet sich in diesem Buch mit
seiner Liebe zur Generation X und reflektiert wissenschaftlich die
Möglichkeit, die postmoderne Jugend heute für Gottes ältestes Anliegen zu
gewinnen, dass „Menschen aus allen Völkern Vergebung, Befreiung und Frieden
durch Jesus Christus finden und ihn tief zufrieden und glücklich anbeten.“
Pfister analysiert dafür sehr eindrücklich die Generation X und hilft dem
Leser aus seiner reichen Erfahrung heraus diese Generation nicht nur zu
verstehen, sondern auch lieben zu lernen. Daraufhin geht er speziell auf die
Situation von Gemeinden und Missionswerken ein und erläutert in anschaulicher
Weise, wie der Umgang mit der Generation X für alle Seiten am fruchtbringendsten
wird. Seine detaillierte Beschreibung der Motive sowie die verschiedenen
Beispiele gelungener Motivation der Generation X machen dieses Buch zu einer
Fundgrube für interessierte Leser. Der Wert der vorliegenden Arbeit liegt zum großen Teil in
seiner Praxisnähe. Meisterlich leitet Pfister hilfreiche Thesen her und untermauert
sie mit empirischen Erkenntnissen. Dabei greift er nicht nur auf christliche
Autoren zurück, sondern versucht vor allem den aktuellen Stand der
Motivationsforschung für diese Fragestellung fruchtbar zu machen. Die
Bibliographie enthält wertvolle Hilfen zur Vertiefung des Gesagten. Auch wenn
einige seiner Aussagen vielleicht nicht mit den Erfahrungen seiner Leser
übereinstimmen, schmälert das nicht den Wert der Studie. Es ist sehr
schwierig eine Generation zu beschreiben, die sich mit aller Macht versucht
den Kategorien der Wissenschaft zu entziehen. Eine weitere Stärke des Buches
liegt in Pfisters kritischer Reflektion der Generation X im Licht der Bibel.
So zeigt er Bereiche auf, in denen ihr Blick für Gottes Werk erweitert werden
muss und in denen ihre eigenen Lebenseinstellungen durch das Licht des
Evangeliums in die richtige Richtung gelenkt werden müssen. Dieser letzte Aspekt hätte aber meiner Ansicht nach ein
stärkeres Gewicht bekommen müssen. Pfisters Studie tendiert eher dazu, die
positiven Seiten der Generation X herauszustellen. Man spürt dem Stil des
Buches auch ab, dass es ursprünglich als eine wissenschaftliche
Abschlussarbeit und nicht als ein Leitfaden für Gemeinden und Missionswerke
geschrieben wurde. Dennoch ist es gut lesbar. Eine sehr spannende Frage behandelt
Pfister leider nur am Rande: Ist die Generation X wirklich ein Vorausläufer
späterer Generationen? Stimmt es, dass mit der Generation X eine neue Zeit
angebrochen ist und alle folgenden Generationen in ihren Fußspuren gehen? Wenn
ja, dann hätte seine Studie nicht nur gegenwärtigen Wert. Jedoch ist es so,
dass die Generation Y (oder die Generation @ wie Pfister sie nennt) in
unseren Gemeinden heranwächst und bereits in unseren Bibelschulen und auf
unseren Missionsveranstaltungen auftaucht. Es zeigt sich, dass diese
Generation aber einen ganz anderen Ansatz hat. Dennoch ist Pfisters Buch für
das Verständnis und die Motivation von der Generation X das beste, was ich im
deutschsprachigen Kontext kenne. Hans Walter Ritter, em 2003-4. |
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Pirolo, Neal. Berufen
zum Senden. Praktische Tips für verantwortungsbewußte Christen. Neuhausen: Hänssler, 1993. Wie kann eine Gemeinde
Missionare wirksam unterstützen? Zu diesem wichtigen Thema gabes bisher kaum etwas auf Deutsch zu lesen. Pirolo
bietet dazu eine Fülle hilfreicher Gedanken. Er unterscheidet sechs Bereiche
der Unterstützung: Moralische Unterstützung, verwaltungstechnische
Unterstützung (diese beiden Übersetzungen
treffen nicht ganz, was gemeint
ist, lassen es aber ahnen), Geld, Gebet, Kontaktpflege, Rückkehr. Ein
Leitfaden für Gruppenarbeit zu jedem Kapitel soll die einzelnen erkennen
lassen, wo ihre Gabe liegt und in welchem Bereich sie für einen Missionar
Verantwortung übernehmen wollen. Bei dem Versuch
der praktischen Anwendung wird allerdings
deutlich, daß ein Buch, das ursprünglich für amerikanische Verhältnisse
geschrieben ist, nicht einfach nur ins Deutsche übersetzt werden kann. Es müßte eigentlich neu geschrieben werden unter Berücksichtigung von Strukturen, Frömmigkeit und Theologie im
deutschsprachigen Raum. Haben wir denn niemand dazu? Manches in dem Buch
wirkt übertrieben: Es beginnt mit
dem drastischen Beispiel einer
jungen Frau, die sich nach einem Kurzzeiteinsatz
das Leben nehmen will, weil ihr Pastor sie in der Gemeinde nicht
berichten läßt. Integriert wird ein
Kapitel von Luis Bush über das 10/40 Fenster, dessen Text wenig
überzeugend ist, dessen 7 farbige Karten aber umso attraktiver sind. Leider
sind diese willkürlich mitten im „Leitfaden“ plaziert. (Dieses Kapitel ist auch als Sonderdruck bei OM, Pf
1561, D-74819 Mosbach gegen eine Spende erhältlich.) Christof Sauer, em 1994-3. |
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Poll,
Evert W. van de. Sacred Times for Das vorliegende Buch, eine 2008 von der ETF Leuven
angenommene Dissertation, untersucht die Praxis und missiologische Bedeutung
der Feier jüdischer Festtage in der messianisch-jüdischen Bewegung. Der Autor
ist baptistischer Missionar und Pastor in Frankreich und steht der von ihm
untersuchten Bewegung mit Sympathie gegenüber. Der Autor gibt zunächst einen Überblick über die
Entstehung der jüdisch-messianischen Bewegung von der jüdischen
Emanzipation (schrittweise Beendigung der Diskriminierung und bürgerliche
Gleichstellung der Juden in Europa im Zuge der Aufklärung) bis zur Gegenwart
(Kap. 2 und 3; 31-192): Die Emanzipation brachte ein Ende der Zwangschristianisierung
und ermöglichte den Anfang christlicher Mission unter Juden im Zusammenhang
des Pietismus und des Aufbruchs der klassischen Missionsgesellschaften nach
William Carey. Aus diesen Missionsbemühungen entstanden im 19. Jahrhundert
– auch angesichts von Antisemitismus und Assimilationsdruck – in Europa,
Nordamerika und Palästina eigenständige Gruppen und Gemeinden „hebräischer
Christen“, die Vorläufer des heutigen messianischen Judentums. Der Autor richtet sein Augenmerk hier vor allem auf den
Umgang der Bewegung mit der jüdischen Festpraxis und auf die theologischen
Fragen, die im Rahmen dieser Entwicklung diskutiert worden sind, wie die Frage
nach der Wiederherstellung Israels (restorationist eschatology) und der
Rolle der Beachtung der Thora. Es wird gezeigt, dass die „hebräischen
Christen“ im Blick auf die Umsetzung der jüdisch-religiösen Praxis, abgesehen
von der Passah-Feier, meist eine „minimalistische“ Position vertraten (86)
und einer Integration z.B. der Sabbat-Beachtung in den Gemeinden kritisch
gegenüberstanden, da sie die Rechtfertigungslehre unterhöhle und die Einheit
der Kirche gefährde. Auch die Verdrängung des eigenen, oft orthodox-jüdischen
Hintergrunds habe hier eine Rolle gespielt. Dennoch habe man begonnen,
einzelne jüdische Traditionen, wie z.B. Gebete, zu integrieren, um neuen Konvertiten
den Zugang zu erleichtern. Damit sei auch das grundlegende theoretische
Interesse an den biblisch-jüdischen Festen und der Sabbat-Feier gewachsen,
obwohl die Feste abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen nicht praktisch
begangen worden seien. Zu einer wachsenden Praxis jüdischer Festtage sei es erst
mit dem Aufkommen der jüdisch-messianischen Bewegung seit Ende der 1960er
Jahre gekommen. Dieser Neuanfang der Bewegung sei auf dem Hintergrund der Shoa geschehen, des
nationalsozialistischen Genozids an der jüdischen Bevölkerung in Europa, der
zwar zusammen mit der sonstigen jüdischen Bevölkerung auch die hebräisch-christlichen
Gemeinden fast ausgelöscht, andererseits aber die Identifikation der
überlebenden hebräischen Christen mit dem Judentum deutlich verstärkt habe.
Zum eigentlichen Neuanfang der Bewegung kam es jedoch von ganz anderer
Seite her, und zwar im Rahmen der Jesus-People-Bewegung
unter den Hippies in Kalifornien Ende der 1960er Jahre. Etwa 30% der
bekehrten Studenten und Jugendlichen seien jüdisch gewesen. Diese Anfänge
hätten zunächst in den USA, dann auch in Europa und Israel zu einem großen
zahlenmäßigen Aufbruch und einer Revitalisierung und Verschmelzung mit
der älteren Bewegung geführt. Erst in diesem Zusammenhang habe sich nun
auch immer stärker die Praxis der Feier jüdischer Feste als Ausdruck
jüdisch-christlicher Identität im Unterschied zu nicht-jüdischen Christen
entwickelt und sei zum Durchbruch gelangt. Dabei betonten jüdische Christen,
dass es sich dabei weniger um jüdische, als „biblische Feste“ handelt – im
Unterschied zum christlichen Festkalender, der nachbiblisch ist. In der
Bewegung ließen sich drei Sichtweisen unterscheiden: 1. messianische
Juden sollen nur die biblischen (und nicht die christlichen) Feste begehen,
2. sie können darüber hinaus auch die christlichen Feste feiern, 3. auch
nichtjüdische Christen sollten zu den biblischen Festen zurückkehren (179). Das 4. Kapitel (193-288) bietet eine detaillierte Analyse
der liturgischen Festpraxis (Sabbat, Passah, weitere Feste). Untersucht wird
der liturgische Kalender, die inhaltliche Bedeutung der Feste, die rituelle
Praxis und die Motivation/ Ziele der Feiern. Das 5. Kapitel (289-361)
diskutiert diese Praxis aus missiologisch-theologischer Perspektive. Der Autor
belegt hier überzeugend seine These, dass der ausgesprochen missionarische
Charakter der Bewegung, das Interesse und die Integration des jüdischen
Erbes verstärkt hat und zu einer vertieften Inkulturation und Kontextualisierung
geführt hat. Dabei versteht der Autor die messianisch-jüdische Festpraxis
durchaus als Restoration jüdischer Wurzeln, aber mehr noch als Inkulturation
im Kontext gegenwärtiger jüdischer Religion und Kultur mit dem Ziel, Juden
zum Glauben an Jesus einzuladen. Die Feste seien einerseits „boundary markers“
gegenüber anderen christlichen Traditionen, vielmehr aber der Versuch, das
Evangelium für jüdische Menschen vertraut und heimisch zu machen. Der Anhang des Buchs enthält eine komparative Tabelle
biblischer, jüdischer und christlicher Feste, einen Namens- und Sachindex und
eine Bibliographie. Ein empfehlenswertes Buch für alle, die sich näher mit
der messianisch-jüdischen Bewegung und grundlegenden Fragen der
Kontextualisierung und interkultureller Hermeneutik befassen wollen. Dr. Friedemann Walldorf, em 2009-2. |
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Pollock, David C.; Ruth E.
Van Reken. The
Third Culture Kid Experience. Growing up among Worlds. Intercultural Press: Maine/USA, 1999. Vor einigen Wochen bekomme ich einen Brief aus Afrika. Die
Absenderin empfiehlt mir wärmstens ein Buch. Ich bin überrascht, denn gerade
bin ich dabei, genau dieses Buch zu lesen. Vor kurzem in Amerika erschienen,
hat dieses Buch über Missionarskinder (MK) bereits ferne Winkel dieser Erde
erreicht. So liegt eine Empfehlung in „em“ nahe. Schon der Titel „The Third Culture Kid Experience. Growing up among worlds“
beeindruckt mich. Er spiegelt meine Erfahrung wider, und ich war
gespannt auf die Beschreibung. Als erwachsenes MK, mit einer denkbar guten MK-Vergangenheit,
fühle ich immer noch eine innere Unrast. Mich in Deutschland festzusetzen,
erscheint mir ‘verwerflich und komisch’. Wie verbindet sich dieses Lebensgefühl
mit meinem Christsein? Eine Frage, die nicht einfach zu beantworten ist. Was
ist Gottes Ruf? Ehrliche und direkte Sachlichkeit und viel So ein ein positiver Ansatz ist wohltuend. Es geht hier
nicht um das inzwischen schon klassische ‘Problem MK’, sondern einfach um
das (Er-)Leben von TCKs. Beim Lesen wurde ich oft 15, 25 ja 30 Jahre in die eigene
Vergangenheit mitgenommen. Viel Erkennen unter Lachen und Weinen, verstanden
werden, aufatmen - und dann ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit für die Mühe
der Autoren bleiben mir schon nach dem ersten Lesen dieses Buches. Magdalene Hopp, em 2000-2. |
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Porter, David (Hg.). The Word on the Box. Carlisle: Paternoster
Press, 1997. „Wenn jemand voraussagen wollte, wie die Radio- und
Fernsehlandschaft in zehn Jahren aussieht, ist nur eines gewiß: Was immer jemand
vorhersagen mag, es wird sich als falsch herausstellen“ (Justin Phillips,
BBC). Dennoch wagen Philipps und vier weitere in der britischen Medienszene
bekannte Fachleute Analysen und Prognosen. David Porter hat redaktionell
bearbeitet, was die fünf im Mai 95 in den ‘London Lectures’ des ‘Institute of
Contemporary Christianity’ zusammengetragen haben. Auch wenn die Redner bzw.
Autoren ausschließlich von Erfahrungen und Trends ausgehen, die britische
Radio- und Fernsehsendungen betreffen, bleibt es dem Leser in Zentraleuropa
überlassen, Vergleiche anzustellen mit dem heimischen „Markt“. Daß die Veranstalter
von Radio- und Fernsehsendungen ihr Publikum als großen Markt betrachten,
erfahren inzwischen ja auch wir zur Genüge. Robert McLeish (Ausbildungsleiter bei BBC) stellt die
Frage, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk Diener oder Leiter ist. Die Antwort
liegt auf der Hand: er ist beides; das begründet McLeish auch. Man wünscht
sich sehr, daß sein Rat von verantwortlichen Medienleuten befolgt wird:
„Glaubwürdigkeit ist wichtiger als die Kosten.“ Eine leitende Funktion haben
Radio und Fernsehen, weil sie nicht nur zu berichten haben über das Was, Wann
und Wo, sondern auch über das Wie und Warum. Aufschlußreich ist J. Philipps mit seinem Beitrag „Sind
‘mehr Nachrichten’ eine gute Nachricht?“ Er nimmt Stellung zu der auch
hierzulande bekannten Abhängigkeit von der Einschaltquote und dem sträflichen
Vergehen der Verantwortlichen, nicht Inhalt und Qualität einer Sendung gelten
zu lassen, sondern die Einschaltquote zum alleinigen Gradmesser zu machen. Auf dem Symposium wurde auch über die künftige Entwicklung
der elektronischen Medien gesprochen. Nur wenige wissen in Großbritannien
(und auch bei uns), was auf die Gesellschaft zukommt. Die meisten ahnen
nichts von der elektronischen Revolution, die längst begonnen hat. Christen
müssen aufpassen, daß die Entwicklung nicht an ihnen vorbeiläuft! Im letzten Beitrag wird die Frage gestellt, ob „religiöse
Sendungen“ für die ganze Nation geeignet sind oder nur für ein Ghetto. Diese
Überlegungen sind uns nicht unbekannt. Tim Dean (Commissioning Editor, BBC
World Service) warnt z. B. davor, die Redaktion religiöser Sendungen Leuten
zu überlassen, die keine Ahnung von der Sache haben. Weiter warnt er davor,
religiöse Themen ihrer geistlichen Inhalte zu entleeren bzw. den Glauben
nicht ernstzunehmen, den es zu vermitteln gilt. Diese fünf Vorträge von 1995 haben kaum etwas von ihrer
Aktualität eingebüßt. Wer wissen will, was Christen in England über „ihren“
Rundfunk denken, und daraus Schlüsse ziehen möchte für unsere Medienlandschaft,
der sollte zu diesem Buch greifen. Man wünschte sich vergleichbare
Überlegungen auch für Radio und Fernsehen in unserem Land. Horst Marquardt, em 1998-1. |
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Poston, Larry. Islamic
Da’wah in the West. Muslim Missionary Activity and the Dynamics of Convention to Islam. New York / Oxford:
Oxford University Press, 1992. Dieses Buch ist eine der wenigen gelungenen Darstellungen muslimischer Missionstätigkeit in
der westlichen Welt. Zum Titel muß allerdings
einschränkend bemerkt werden, daß Poston
unter „the West“ eigentlich nur die USA versteht, deren Boden ca. 1717
die ersten muslimischen Sklaven betreten
haben. Gelegentlich wirft Poston einen Blick auf die Situation im benachbarten Kanada; die muslimische Mission in Europa behandelt das Buch jedoch nicht. Erfreulicherweise geht
es in diesem Buch nicht nur oberflächlich um islamische Missionsstrategien,
sondern auch um deren theologischen Hintergrund. Grundsätzlich war in der
Vergangenheit islamische Missionsarbeit dadurch gekennzeichnet, daß der ‚Ruf
zum Islam’ an Nichtmuslime nur dort erging, wo das entsprechende Gebiet zuvor von muslimischen Truppen durch den jihäd erobert worden
war, so daß sich der Islam als ‘Besatzerreligion’
in einer mächtigen Position befand. Christliche Missionare kamen
dagegen vorwiegend in der unterlegenen
Position des Gastes in oft feindlich
gesonnene Länder und versuchten, in einer nichtchristlichen Umwelt einzelne Menschen zum Übertritt zum Christentum zu bewegen. So
bedeutete der Übertritt zum Islam in der Regel Anpassung und Vergünstigung, der Übertritt zum Christentum dagegen
Auflehnung gegen das eigene Volk und Land und häufig Verfolgung. Daß
Muslime in den USA heute nicht in dieser
politisch überlegenen Position sind, führt sie zu neuen Missionsstrategien. Interessant und
kenntnisreich ist ferner Postons Analyse sunnitischer und schiitischer
muslimisch - missionarischer Gruppierungen. Ihre Wurzeln verfolgt er bis in
ihre Herkunftsländer,
die die amerikanische muslimische Mission teilweise erheblich unterstützen. Die Darstellung der ägyptischen Muslimbruderschaft
und der pakistanischen Anhängerschaft Abu
1-A’lä al-Maudüdis in den USA zeigt die doppelte Stoßrichtung muslimischer
Mission auf: Sie möchte Muslime zum missionarischen Leben motivieren sowie Nichtmuslime vom Islam
überzeugen. Dies geschieht durch verschiedene Missionsorganisationen - die
Poston im einzelnen nennt und beschreibt -
und ihre breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit. Aktive Mission geschieht vor allem durch Literatur, aber
auch durch Vorträge, Koranverbreitung, Medienarbeit,
Jugendlager, Gefängnisarbeit und ‘Freundschaftsevangelisation’ unter
amerikanischen Christen (!). Nicht Polemik, sondern positive Überzeugungsarbeit ist auch für muslimische Missionare
das Gebot der Stunde. Moscheen sind nicht
nur Gebetsräume, sondern nehmen als islamische Zentren vielfältige
Funktionen wahr. Sie stärken die muslimische Gemeinschaft nach innen und sind
der Ausgangspunkt für verschiedene Aktivitäten nach außen. Den Abschluß des
Buches bildet eine ausführliche Analyse
der Hintergründe und Motive für die
Bekehrungen zum Islam in Amerika, die sich unter anderem auf eine Befragung
der ca. 5000 muslimischen Konvertiten in den USA gründet. Dr. Christine Schirrmacher, em 1995-4. |
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Pousson,
Edward K. Spreading
the Flame -Charismatic Churches and
Missions Today. Grand Rapids:
Zondervan, 1992. Seitenlange Vorbemerkungen sowie etliche Leerseiten
zwischen den zehn Kapiteln lassen den eigentlichen Text dieser vom Fuller
Seminary angenommenen Dissertation auf 148 Seiten schrumpfen. Der Verfasser,
Edward Pousson, entstammt einer
unabhängigen charismatischen Gemeinde im Süden Louisianas (USA). Bevor er mit dem Theologiestudium begann, war
er als Missionar seiner Gemeinde in Haiti, Ghana
und Malaysia tätig. 1986 gründete er gemeinsam mit anderen die
Missionsagentur „Golf-Staaten“, die von einem Netzwerk charismatisch-unabhängiger
Gemeinden im Süden der USA getragen wird.
Sie gehört zur 1985 gegründeten US
- Charismatischen Dachorga „Spreading the Flame“ ist die erste Dissertation über die
charismatischen Missionen. Diesem Unterfangen, eine Tür zu einem bisher
missionstheologisch kaum beachteten Thema aufzustoßen, muß man Respekt zollen.
Allerdings zeugen Wiederholungen (zB. 78, 83, 89, 107, 112) und
redaktionelle Erläuterungen (zB. 114, 129, 136, 155) von einer nicht immer
eindeutigen Gliederung. Der Lesefluß wird durch die den einzelnen Kapiteln
jeweils angehängten Fußnoten zusätzlich erschwert. Eine Bibliographie fehlt leider völlig. Joost Reinke, em 1995-2. |
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Powell, Philipp Wayne. Tree
of Hate. Propaganda and Prejudices Affecting
United States Relations with the Hispanic World. Ross House Books:
Vallecito CA, 1985. Ross House Books druckte 1985 das 1971 in einem großen säkularen Verlag (Basil, New York)
erschienene Buch des kalifornischen Geschichtsprofessors Philipp W. Powell
nach, in dem dieser versucht, die Legende zu widerlegen, die Spanier seien
in der Kolonialisierung besonders grausam gewesen. Im Vergleich zu andern
Völkern seien die Spanier, behauptet Powell, im Gegenteil sogar von ihren christlichen Wurzeln her oft eher für einen
juristischen Schutz der Indianer
eingetreten als andere Völker. Das riesige spanische Weltreich gehörte zu den stabilsten, friedlichsten und
deswegen am längsten währenden
Reichen der Geschichte. Diese Sicht beinhaltet auch eine Wertschätzung der
Geschichte eines von der römischkatholischen Kirche geprägten Volkes und seines Anteils an der Welt- und Missionsgeschichte,
die dem protestantischen Amerika sonst
fremd ist. Die evangelikale Missiologie hat sich mit der katholischen Missionsgeschichte immer schwer
getan. Dies wird besonders daran deutlich, daß sie sich auch kaum mit der ‘katholischen’ Missionsgeschichte vor der
Reformation beschäftigt, also mit der Mission zu einer Zeit, als es
protestantische Mission noch gar nicht geben konnte (vgl. dazu aber das
Bestellangebot S.93). Die These Powells wird
neuerdings auch von anderer Seite häufiger vertreten, und zwar auch
immer stärker von den Betroffenen Einwohnern
Südamerikas selbst (so etwa von Felipe Fernandez-Armesto: „Freispruch für den
Angeklagten“. Rheinischer Merkur Nr. 26 vom 26.6.1992. S.19, ganzseitig). Thomas Schirrmacher, em 1993-3. |
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Priest,
Doug Jr. Doing
Theology with the Maasai. Pasadena: William Carey Library, 1990. Priest war ein Jahrzehnt Missionar unter den Maasai in
Kenya und Tanzania und hat die Maa-Sprache
gelernt. Dabei war für ihn das Opferverständnis dieses Hirtenvolkes
von zentraler Wichtigkeit. In seiner Studie stellt er nun
missionstheologisch und anthropologisch das Opferverständnis im AT und NT dem
Maasai-Verständnis und ihrer Opferpraxis gegenüber. Die Unterschiede zeigen
sich an den jeweiligen positiven und negativen Funktionen der Opfer. Die positiven
Funktionen biblischer Opfer sind auf Gott bezogen: Verehrung, Ergebenheit,
Gemeinschaft, Danksagung, Selbsthingabe in Gebet und Leben, sowie Wohltätigkeit. Die negativen Funktionen dagegen betreffen die
Sühnezwecke. Biblische Opfer involvieren tierische
Opfer, materielle Gaben und reuevolle Herzen. Bei den Maasai sind
Opfer Riten zur Kommunikation mit Gott, bei denen meist ein Tier geschlachtet wird. Ihre positiven Funktionen
sind mit Verehrung Gottes und Danksagung
verbunden, während negativ, wie in der Bibel, Sühne bezweckt wird. In einem
weiteren Schritt versucht Priest durch verschiedene Methoden der
Kontextualisierung das biblische Verständnis für die Maasai bedeutungsvoll zu machen. Ob ihm das gelungen ist, müssen Maasai beurteilen. Anderen Missionaren empfiehlt er,
Riten, denen sie begegnen, erst einmal mit
Umsicht und gründlich zu
studieren, bevor sie ein Urteil darüber abgeben. Für die Maasai kommt er zum Ergebnis, daß nicht alle ihre Opfer abzulehnen sind,
sondern einige auch weiterhin im Christentum praktiziert werden können, z.B.
solche, die nur auf Gott
ausgerichtet sind. Dies gilt jedoch nicht,
wenn sie als Sühneopfer verstanden werden, weil Jesus das letzte Opfer ein für allemal war (Hebr 10,18).
Darüberhinaus müsse den Maasai erklärt werden, daß der Segen Gottes nicht
durch Opferverhalten erlangt wird, sondern alles aus Gottes Liebe stammt,
die in seinem Wesen begründet ist. Ein wertvoller Beitrag für die Missionstheologie
und die Arbeit unter den Maasai. Leonard Mtaita, em 1994-1. |
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Raeder, Siegfried. Antworten auf den Islam. Texte
christlicher Autoren vom 8. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Neukirchener
Verlag: Neukirchen-Vluyn, 2006. Der unlängst verstorbene Professor für Kirchengeschichte
und Lutherforschung an der Tübinger Evangelischen Fakultät hat in seinem
letzten Werk eine umfangreiche Sammlung christlicher Verlautbarungen zum
Islam aus 13 Jahrhunderten zusammengetragen. Das Buch ist nicht nur für
einen historischen Blick in die Geschichte der christlich-muslimischen
Kontroverse hilf reich, sondern bietet gerade auch durch die Beleuchtung der
Vergangenheit Pespektiven für den heutigen Dialog. Nach einer Einführung in die Geschichte der
christlich-muslimischen Kontroverse präsentiert Siegfried Raeder einige
kürzere Korantexte, die dem Leser einen kleinen Einblick in die Rolle
Muhammads, die koranische Beurteilung Jesu, sowie die islamische Auffassung
von Sünde und Vergebung vermitteln. Im dritten und umfangreichsten Teil des
Buches werden schließlich Texte christlicher Autoren über den Islam im (ins
Deutsche übertragenen) Original zitiert. Es wird deutlich, dass über mehrere
Jahrhunderte die christlichen Kirchen den Islam als „Kult der Ismaeliten“
oder „Vorläufer des Antichristen“ (Johannes von Damaskus, Mitte 8. Jh.) zwar
polemisch ablehnten, aber sich nicht wirklich fundiert mit seinem Anspruch
auseinander setzten. Der Islam galt als „primitiv“ und „lächerlich“, als
„Häresie der Sarazenen“ (31), deren moralische Schwächen offensichtlich
seien. Eine gründlichere Kenntnis des Islam ist erst ab dem Hochmittelalter
zu verzeichnen. Einen Wendepunkt markiert die von dem Abt des Klosters
Cluny, Petrus Venerabilis, 1142/1143 in Auftrag gegebene Koranübersetzung ins
Lateinische, wurde doch jetzt die erste Quelle des Islam – der Koran selbst –
zugänglich gemacht. Es war dies auch eine Zeit, in der die wissenschaftliche
Überlegenheit des Orient für Europa offensichtlich wurde und der Gedanke der
Notwendigkeit von Mission unter Muslimen Gestalt gewann (so z. B. bei
Raimundus Lullus, 12321316). Siegfried Raeder fügt dieser Sammlung von Verlautbarungen
aus den ersten Jahrhunderten repräsentative Stimmen der Christenheit bis zum
20. Jahrhundert hinzu (Martin Luther, Samuel Zwemer, Hendrik Kraemer).
Schade, dass die neue „Handreichung“ der EKD „Klarheit und Gute
Nachbarschaft“ vom Ende des Jahres 2006 nicht mehr in das im selben Jahr
gedruckte Werk mit eingehen konnte und daher nur die ältere Fassung aus dem
Jahr 2000 besprochen wird, die nach Raeders Auffassung „eher geneigt (war),
Illusionen zu nähren als Klarheit zu schaffen“ (212). Man hätte auf die
Beurteilung Raeders der neuen „Handreichung“ der EKD von 2006 gespannt sein
können. – Insgesamt ein interessantes Studienbuch zur Geschichte der
Begegnung zwischen Christentum und Islam. Prof. Dr. Christine Schirrmacher, em 2007-3. |
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Raeder, Siegfried. Der Islam und das Christentum. Eine
historische und theologische Einführung. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener
Verlagshaus, 2001. Siegfried Raeder, Prof.
em. für Kirchengeschichte an der Universität Tübingen, hat hier eine
detaillierte, zweiteilige Studie zum Thema Islam und Christentum vorgelegt.
In einem ersten Teil behandelt er die islamische Geschichte mit Ausblick auf
einige islamische Länder in der Gegenwart, formuliert Grundzüge der islamischen
Theologie, der Philosophie und Mystik und zeichnet Grundlinien des
islamischen Rechts nach. In einem zweiten Teil widmet er sich dem Verhältnis
zwischen Islam und Christentum und behandelt die einzelnen orientalischen
Kirchen, die muslimisch-christliche Begegnung der ersten Jahrhunderte sowie
einige der tiefgehenden theologischen Unterschiede zwischen beiden
Religionen, die nicht zuletzt die Frage des Heils völlig unterschiedlich
beantworten. Es ist Raeder gelungen, einen kompakten wie soliden Überblick
über den Islam zu vermitteln, den er immer wieder im Spiegel des Christentums
betrachtet. Deutlich erteilt der Autor dabei einer Religionsvermischung eine
Absage, um den „Muslim einen Muslim und den Christen einen Christen sein zu
lassen“. Ebenso deutlich kommt zum Ausdruck, dass der Islam ein ganz anderes,
die Konvertitenverfolgung nicht ausschließendes Menschenrechtsverständnis
hat. Geringfügige
Ungenauigkeiten (z. B. Himmelfahrt Marias [54]; Unterscheidung zwischen Imamiten
und Zwölferschiiten [49]; Gründung der al-Azhar im 10. statt im 11. Jh.;
Glaubensbekenntnis nicht korrekt [98]) schmälern den Wert der Studie in
keiner Weise. Mehr zu bedauern ist es, daß das Thema „Koran“ nur hier und da
ganz kurz gestreift, bzw. die Entstehungsgeschichte des Korans überhaupt
nicht behandelt wird. Wenn daher für den Koran pauschal angenommen wird, es
handle sich „um lauter authentische Worte Muhammads“ (211) - was nur für
Muslime unumstritten ist - während einige von biblischen Texten selbst
vorgenommene Datierungen und die Autorschaft einzelner Bücher als
‘vermeintlich bibeltreu’ abgelehnt werden, dann scheinen hier
unterschiedliche Maßstäbe angelegt worden zu sein; eine Ausleuchtung der Textgeschichte
des Korans hätte durchaus Ansatzpunkte zu umfassender Textkritik geboten. –
In jedem Fall ein wertvolles Lehr- und Studienbuch zum Islam aus christlicher
Perspektive. Dr. Christine Schirrmacher, em 2003-1. |
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Ramachandra, Vinoth. Gods That Fail. Modern
Idolatry and Christian Mission. Carlisle (GB): Paternoster Press, 1996. Suchen Sie etwas Erholsames für den Urlaub? Eine
erbauliche, erfrischende Lektüre? Lassen Sie dann dieses Buch lieber im
Schrank stehen. Ramachandra möchte uns nicht auferbauen, sondern beunruhigen.
Er möchte uns nicht dazu ermutigen, wie bisher weiterzumachen, sondern die
Botschaft unserer evangelistischen Arbeit in Frage stellen. Die Welt fordert
von uns Relevanz. Ramachandra fordert biblische Wahrheit. Der moderne Mensch
hat sich zu seinem eigenen Götzen erklärt. Die Botschaft der christlichen
Mission tendiert oft dahin, den Götzen zu ernähren, anstatt ihn zu zerstören.
Glaube ohne Buße wird zum Mittel, um materiellen Segen und eine jensseitige
Lebensversicherung zu erlangen und ist nicht mehr dankbare Hingabe an den
Gott, der sich im Leben, im Tod und in der Auferstehung Jesu Christi
offenbart. So wird ein Privatglaube gepredigt, der uns selber ergötzt, nicht
aber die biblische Botschaft, die Konsequenzen fordert sowohl für unser privates
Leben als auch für das öffentliche Leben, Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft miteingeschlossen. Es ist laut Ramachandra das Versagen der westlichen
Thelogie, daß Gott von dem Platz verdrängt (displaced) wurde, der ihm
gebührt. Nicht die Person und das Werk Jesu Christi stehen im Mittelpunkt der
Aufmerksamkeit westlicher Theologen, sondern die Forderungen des
Rationalismus und der philosophischen Apologetik. Die Naturwissenschaften,
die ihre Berechtigung aus dem biblischen Schöpfungsbericht ableiten, werden
zur Begründung der Theologie herangezogen. Dadurch verliert die Theologie
ihren Sinn und ihre Vollmacht, die Naturwissenschaften verlieren ihre
Grundlage, ihre Moral und ihren Halt. Ramachandra will uns zeigen, wie das christliche
Abendland sich von der Schrift entfernt hat, und möchte uns zu einer
biblischen Weltanschauung zurückführen. Er untersucht die Entfernung von der
Schrift durch die verschiedenen Philosopien und erläutert den Einfluß von
Marx und Freud auf das christliche Denken, sowie die Unterschiede ihrer
Ansätze zur biblischen Offenbarung. Damit liefert Ramachandra einen wichtigen
Denkanstoß für die moderne Gemeinde Jesu. Cambron Teupe, em 1998-2. |
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Rapold, Walter F. Der Gott, der abends heimkommt. Die Inkulturation
des christlichen Gottesbegriffs in Rwanda durch Ernst Johanssen (1864-1934)
anhand der Imana-Vorstellung. Volketswil, 1999. Das vorliegende Buch ist
die von der Universität Freiburg/Schweiz 1997 im Fach Missionswissenschaft angenommene
Dissertation Walter Rapolds, der 1975-79 und 1986-92 in Butare Theologie
unterrichtete. Es ist ein beeindruckender Beitrag zur kontroversen Diskussion
über afrikanische Gottesbilder, der von der Entscheidung des Betheler
Missionars Ernst Johannssen ausgeht, Gott nicht, wie es die vor ihm
angekommenen katholischen Missionare getan hatten, mit dem aus dem Swahili
übernommenen Wort Mungu zu übersetzen, sondern mit dem Kinyarwanda Begriff
Imana (worin ihm 60 Jahre später die katholische Kirche folgte). Die Arbeit profitiert
davon, dass der Autor alle drei nötigen Quellensprachen beherrscht. So kann
er sowohl eine über das bisher geleistete hinausgehende Darstellung des
Lebens und Denkens Johanssens geben als auch alle vorhandenen Quellen über
Imana verwenden und neue nutzen. In diesem Prozess setzt er sich mit zwei
Extrempositionen auseinander, zum einen mit Bernardin Muzungu, der unter
Nutzung der scholastischen Theologie in den traditionalen Imanabegriff zu
viele Elemente rückwirkend hineininterpretiert und mit André Coupez, der das
traditionale Verständnis Imanas auf eine diffuse Kraft, praktisch immer mit
„Chance“ übersetzbar, reduziert. Rapold argumentiert, dass Johanssen Gott
nicht mit Imana übersetzt habe, sondern Imana, im Sinne Paul Ricoeurs, als
Metapher verwende, die das traditionale Gottesverständnis mit dem christlichen
in Beziehung setzt (S. 434f) und dadurch eine Neuprägung des Begriffs und
seine Bereicherung ermöglicht, ein Prozess, der auch stattgefunden hat,
sichtbar daran, dass rwandesische Theologen wie Alexis Kagame weite Bereiche
des christlichen Gottesverständnisses in die traditionale Zeit
zurückprojizieren. Nach ausführlicher
Darstellung und Diskussion der Quellen und der unterschiedlichen
Interpretationen fragt Rapold, ob die Wahl Imanas für Gott berechtigt und
geschickt gewesen sei. Er antwortet, dass Johanssen überlegt und mit guten
Gründen den eher diffusen Begriff Imana gewählt habe und die (von Johanssen vorausgesehene)
Anreicherung und Korrektur des Imanaverständnisses auch tatsächlich stattgefunden
habe, wenn auch einige nichtchristliche Vorstellungen (z.B. Imana als
unabwendbares und oft willkürliches Schicksal) noch Wirkmächtigkeit behalten
haben. Rapold beklagt aber, dass
in diesem Prozess die starken dynamischen Aspekte des Imanaverständnisses
nicht genügend bewahrt worden seien, was durch eine Aufnahme des
Ruach-Verständnisses im AT gut hätte geschehen können. Rapold schliesst
daraus, dass es rückblickend vielleicht besser gewesen wäre, wenn Johanssen
für Gott Vater das Wort Rurema (oft als Schöpfer gesehen und nicht klar von
Imana getrennt) genutzt hätte und Imana, der ja stark als Kraft gesehen
wurde, als Metapher für Gott den Heiligen Geist genommen hätte. Da es für
eine Änderung zu spät ist, empfiehlt Rapold, in Predigt und Lehre dem
Heiligen Geist und seiner Kraft (aufbauend auf Ansätzen aus der
Ostafrikanischen Erweckung und aus der Charismatischen Bewegung) besondere
Aufmerksamkeit zu schenken und dazu geeignete Linien aus dem traditionalen
Imana-Verständnis zu nutzen. Ich empfehle das Buch
gerne allen, die Johanssen oder Rwanda besser kennenlernen wollen, aber
besonders denen, die sich mit den Möglichkeiten des afrikanischen
Gottesverständnisses genauer auseinandersetzen wollen. Um die grosse Arbeit
besser zugänglich zu machen, empfehle ich eine französische Ausgabe und ein
Buch in Kinyarwanda (über vernachlässigte Aspekte des Imanaverständnisses).
Es wäre auch eine Erleichterung gewesen für die Leser, wenn englische und
französische Zitate ins Deutsche übersetzt worden wären. Das Buch kann direkt bei
der Buchhandlung des Studienzentrums der AEM, Postfach 1129, 70807 Korntal,
e-mail: icb@aem.de bezogen werden; für sFR. 49.90 bei W.F.Rapold@pop.agri.ch. Klaus Fiedler, em 2003-1. |
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Raupp, Werner (Hg.). Gelebter
Glaube. Erfahrungen und
Lebenszeugnisse aus unserem Land. Ein Lesebuch. Metzingen: Franz, 1993. Der neueste Titel von G. W. Peters - Förderpreisträger
Raupp enthält unter 49 biographischen
Lese-Stücken zu württembergischen Glaubensvorfahren
auch 7 zur Mission: Johann Martin Mack, Christian Gottlob Barth, Württemberg
und Basel, Samuel Hebich, Johann Ludwig
Krapf, Friedrich Autenrieth und Karl Hartenstein. Doch auch andere
Beiträge erhellen den Hintergrund, aus
dem ein wichtiger Beitrag zur
deutschen Missionsarbeit hervorgegangen ist. Die aus Archiven und Büchern geschöpften
Stücke sind teilweise zum Vorlesen in Missions- und Gemeindekreisen geeignet. Am meisten schmunzeln mußte ich über
Hebich, vor dem sich ein englischer Major in Indien unter dem Sofa verkroch. Christof Sauer, em 1994-2. |
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Raupp, Werner. Christian Gottlob Barth:
Studien zu Leben und Werk. Quellen und Forschungen zur württembergischen Kirchengeschichte Bd.
16. Calwer Verlag: Stuttgart, 1998. Christian Gottlob Barth gehört zu den großen Gestalten des
württembergischen Pietismus, auch wenn er im Schatten seiner Zeitgenossen,
Ludwig Hofacker (1798-1828) und Johann Christoph Blumhardt (1805-1880) steht.
Wie Friedrich Hegel, Christian Friedrich Spittler und Wilhelm Hoffmann
gehörte auch C.G. Barth, Schriftsteller, Pädagoge, Naturforscher und Verleger
zu den Nachkommen der Glaubensflüchtlinge, die in Württemberg eine neue
Heimat fanden. Durch ein gründliches Quellenstudium rückte Raupp mit
diesem hervorragenden Buch den Vertreter der Erweckungsbewegung in ein
helleres Licht und schrieb ein bemerkenswertes Kapitel der reichen Geschichte
des württembergischen Pietismus und der deutschen Erweckungsbewegung. Nach
einem allgemeinen Überblick, der bis zu seinem Tod (1862) reicht, schildert
Raupp das Leben des die Grenzen des württembergischen Königreichs
überschreitenden Barth. Im zweiten Kapitel beschreibt Raupp kritisch als
Barths traditionsgeschichtlich-biographisches Umfeld den klassischen
Pietismus ablösenden württembergischen Spätpietismus (ca. 1780-1815) von der
Zeit der Französischen Revolution bis zur Neugliederung Württembergs nach
Napoleon. Die ersten 25 Lebensjahre lassen sich in drei große Phasen
einteilen: Kindheit und Jugendzeit in Stuttgart, wo Barth durch das
Elternhaus und den Pietismus unauslöschliche Eindrücke empfängt. Dem folgt
die Studienzeit in Tübingen (1817-1821) im Evangelischen Stift, einer der
wichtigsten Keimzellen der württembergischen Erweckung und Ort einer
hervorragenden Ausbildung. Im Schlußkapitel stellt Raupp als zweiten Schwerpunkt
Barths Werke, Lieder und Periodika in einer eindrucksvollen Weise dar und
dokumentiert die große Arbeitskraft Barths und seine Wirkungsgeschichte. Das
neue aus Literatur und Forschung gewonnene Barth-Bild geht weit über die
bisherigen Hauptbiographien hinaus, indem es Barths theologische und missiologischen
Werke kritisch untersucht und mit knappen Erläuterungen einführt. Es beschreibt
den Volks- und Jugendschriftsteller, Dichter, Publizist und Verleger und
zeigt Barth als „eifrigen Förderer der Naturwissenschaften“, wegen seiner
„wohl in der Welt einzig dastehenden Sammlung von Exponaten aus dem Gebiet
der Fauna und Flora, wie auch der Ethnologie und Paläontologie.“ „Gottes Reich in Stuttgart“ prägte das Denken dieses
schwäbischen Querdenkers, der zeitlebens unverheiratet blieb, weil er keine
Zeit zum Heiraten fand und vor untätigem „Quietismus“ warnte. Sein Blick ging
jedoch weit über die Grenzen Württembergs hinaus. So wurde er zum Förderer
der internationalen und die Konfessionsgrenzen sprengenden Basler Mission.
Barth war eine schillernde Persönlichkeit. Der imposante und bewunderte
„Reich-Gottes-Streiter“ galt als „Sonderling“ und „pietistischer Zyklop“. Er
war geistreich und entschlossen und weihte sein Leben „der Verherrlichung
des Wortes Gottes“. Barth war überzeugt: „Gottes Reich kommt in Kürze“. Dem
rational denkenden Theologen war „die ganze Bibel und nichts als die Bibel“,
Standort seines Denkens, Handelns und Lebens. Durch eine „wunderbare
Verwandlung“ entstehe der effektiv gerechtfertigte Mensch. Sich selbst bezeichnete
Barth als „kleinen Gott“ und „als unnützer Knecht“, der „Gott helfen darf“,
aber nicht einmal tue, was er zu tun schuldig sei. Der schwäbische Reich-Gottes-Arbeiter wurde zu einem der größten
und bedeutendsten Unternehmer und Schriftsteller des 19. Jahrhunderts.
Über 600 Schriften und Beiträge, an die 250 veröffentlichten Lieder und über
50 Gedichte, sowie 9 Periodika, an denen er als Begründer und Fortführer
maßgeblich beteiligt war, gehen auf ihn zurück. Die eigentliche Größe des mit
einem Bein im theokratischen „Altwürttemberg“ und mit dem anderen im
verweltlichenden „Neuwürttemberg“ stehenden Barth, war seine Glaubwürdigkeit.
Sie machte Barth zum Vorbild eines pietistisch gesinnten Christen und zu
einer der herausragenden Gestalt der Erweckungsbewegung der württembergischen
Kirche und Landesgeschichte. Werner Raupp hat mit dieser gründlichen wissenschaftlichen
Arbeit einen wertvollen Beitrag zur Geschichte Württembergs und der gesamten
Missionsgeschichte geliefert. Prof. Dr. Karl Rennstich, em 1999-4. |
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Raupp, Werner. Mission in Quellentexten. Geschichte der
Deutschen Evangelischen Mission von der Reformation bis zur Weltmissionskonferenz Edinburgh 1910. Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell; Verlag der Evang.-Luth. Mission, Erlangen 1990. Mit diesem
Dokumentarband ist endlich eine bereits seit Jahrzehnten (!)
bestehende empfindliche Lücke der
kirchengeschichtlichen und missionswissenschaftlichen Forschung geschlossen.
Zum ersten Mal gibt es damit eine umfassende Zusammenstellung repräsentativer
Quellen der Geschichte der älteren
deutschen evangelischen Mission,
die bekanntlich von der Reformation
bis zu ihrem Einmünden in die
internationale Missionsbewegung bei der Weltmissionskonferenz Edinburgh 1910 reicht, mit der das
Zeitalter der Ökumene beginnt. Aus diesen
vier Jahrhunderten hat der Herausgeber,
der Kirchengeschichtler Werner Raupp, eine imponierende Fülle an Material zusammengetragen,
das auch die Judenmission (z.B. S.448-455
Franz Delitzsch und Gustaf Dalman) und wirkungsgeschichtlich relevante
außerdeutsche Beiträge (z.B. S.61-63
Hadrian Saravia; S.301-304 Hudson
Taylor) einschließt. Mit Ausnahme der Beiträge des 16. und 17. Jahrhunderts werden die deutschsprachigen Texte im Original wiedergegeben; fremdsprachliche
Quellen – aus dem Lateinischen, Englischen,
Französischen und Jiddischen – sind übersetzt. Die Texte, die Raupp
mit einleitenden Erläuterungen hilfreich
kommentiert, umfassen Dokumente der
Missionstheorie (theologische und missiologische Konzeption, Vorträge, kirchliche Erlasse, Utopien) als auch der missionarischen Praxis (Erlebnisbe Einen verhältnismäßig breiten Raum finden Texte aus den
missionslosen ‚saecula obscura’ (Vorwort
S.ll), dem 16. (S.13-59) und dem 17.
Jahrhundert (S.61-126), wobei die Reformatoren ausführlich zu Worte
kommen. Bedeutsam aus diesem Zeitalter
sind vor allem die Aufrufe und
originellen Pläne von Para-celsus,
Justinian von Welz und Arnos Comenius
sowie der in Vergessenheit geratene erste protestantische Missionsversuch von
1557 in Brasilien. Aufschlußreich sind auch die im 17. Jahrhundert nicht verstummenden Einwendungen römisch-katholischer Kontroverstheologen, die die passive Haltung der evangelischen Kirchen zur Mission „zu Recht“ (Hg, S.71) heftig kritisierten. Repräsentativ sind auch die Texte des 18. Jahrhunderts (S.127-229). Sie umfassen neben Leibniz und den beiden
ersten protestantischen Missionsgesellschaften,
der Dänisch-hallischen und der Herrnhuter, unter anderem auch die Aufklärung (Semler, Reimarus) sowie die deutsche Klassik (Goethe, Herder). Das 19. Jahrhundert (S.231-462), das auch als das Große Missionsjahrhundert in die Geschichte einging, beginnt mit der deutschen Erstveröffentlichung von Auszügen
aus William Careys klassischer Schrift
Enquiry into the punkten, Arbeitsgebieten, Stellung des Missionars und Missionsstrategie gegenübergestellt.
Dies führt abschließend zu einer Darstellung von Zukunftsplänen und einer
Analyse von Faktoren, die Gemeindebau
fördern bzw. hindern. Nach Bömer
soll Evangelisation auf die Sättigung des Landes mit lebendigen Gemeinden zielen. Der Anhang macht fast das
halbe Buch aus: Quellentexte, Statistiken, Gemeindeordnungen und Satzungen,
wichtige Briefe etc. Der Leser erhält einen guten Überblick über die
geistliche Situation Österreichs, insbesondere über Freikirchen. Auf Grund
der Vielfalt werden andere Konfessionen und Gruppierungen nur kurz gestreift.
Seit dem Erscheinen des Buches ist der Bund Evangeli-kaler Gemeinden gegründet worden, ebenso neue Gemeinden.
Gewünscht hätte ich mir an manchen Stellen eine bessere Darstellung der
Gemeindeaufbaumethodik sowie ein Register. Dennoch ist es ein nützliches
Studienbuch für freikirchliche Gemeindegründer. Dieter Trefz, em 1992-4. |
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Reifler, Hans Ulrich. Handbuch
der Missiologie. Missionarisches Handeln aus biblischer Perspektive, Edition
afem, mission academics 19. Nürnberg: VTR, 2005. Während die erste Fassung in Schulen und Gemeinden gelesen
wurde und ihre Wirkung hatte, schrieb Dann folgen die Missionsgemeinde, Missionarskinder und die
sinnvolle Gestaltung des Heimataufenthaltes. Nach der online-Verbindung mit
Freunden wird diskutiert, wie Paulus seine Missionsarbeit finanzierte. Dabei
werden Kostenvergleiche mit Missionaren aus der Zweidrittelwelt angestellt
und die Funktion gemeinnütziger Organisationen diskutiert. Member Care und
Geistesleitung schließen das Kapitel ab. Das letzte Kapitel (30 Seiten) enthält Übungen zu den
Texten der Lausanner Bewegung von 1974 und 1989, wobei auch Horst Marquardt
zu Wort kommt. Das Forum 2004 in Thailand schließt diese Diskussion ab.
Weiterführende Literatur und didaktische Fragen nach jedem Kapitel sind
wertvoll und regen zur Verwendung in den Schulen und Gemeinden an. Eine intensive Diskussion, Bewertung dieses Buches sowie
eine Auseinandersetzung damit erscheinen zwingend erforderlich. Der
wissenschaftliche Tiefgang, die Relevanz für die Praxis sowie die Gewichtung
durch den Umfang, die Einordnung der Themen und Verarbeitung der Literatur
fordern geradezu zur Diskussion unter Fachleuten heraus. Andererseits sind hier in einem Band für unsere Zeit
wichtige Informationen angeboten, die man sich sonst in vielen anderen
Büchern zusammensuchen muss. Wie schon angesprochen, wünsche ich Gemeinden
und den Schulen, in denen die erste theologische Grundlage gelegt wird, diese
Lektüre. Prof.Dr. Klaus W. Müller, em 2006-1. |
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Reifler, Hans Ulrich. Missionarisches Handeln am
Ende des 20. Jahrhunderts. Eine Einführung in die Missiologie. Brunnen Verlag: Giessen, 1997. Mit diesem Buch legt der langjährige Brasilienmissionar
Hans Ulrich Reifler den beachtenswerten Versuch vor, in einem einbändigen
Werk eine „praxisbezogene und allgemeinverständliche Einführung in die wichtigsten
Bereiche der Missiologie zu geben“ (S. XIII). Entstanden ist das Buch aus
dem Missiologie-Unterricht, den Reifler neben seiner Tätigkeit als
Gemeindeleiter nach seiner Rückkehr in die Schweiz am Theologischen Seminar
St. Chrischona erteilte. Nach einer Einführung in die Prolegomena zur
Missiologie stellt Reifler das Erbe der deutschsprachigen Missiologie dar.
Dem Kapitel über Missionstheologie folgen die Bereiche
„Missionsanthropologie“ und „transkulturelle Kommunikation“. Danach geht
Reifler auf Fragen der Missionsstrategie und der Missionspraxis ein.
Abschließend stellt er die ihm wesentlich erscheinenden „Kennzeichen einer
evangelikalen Missiologie für das 21. Jahrhundert“ dar (11 S.). In den meisten Kapiteln gibt Reifler zu den jeweils angesprochenen
Themen kurz zusammengefaßt die maßgeblichen Gedanken führender
evangelikaler Missiologen wieder. Die die jeweiligen Kapitel abschließenden
„didaktischen Fragen“ zur Wiederholung des Stoffes und der Hinweis auf
„weiterführende Literatur“ lassen den Ursprung des Buches als Lehrkonzept an
einem Theologischen Seminar erkennen. An einigen Stellen des Buches läßt der Autor den Leser
mit der bloßen Zusammenstellung verschiedener Stellungnahmen aus der
Literatur allein, so z. B. bei der Frage, welche Voraussetzungen für den
Missionsdienst wichtig seien (S. 219ff.) Eine zusammenfassende Synthese oder
persönliche Stellungnahme des Autors wäre an solchen Stellen wünschenswert
gewesen. Dadurch, daß Reifler den mutigen Versuch wagt, auf nur 288
Seiten eine Einführung in die wichtigsten Bereiche der Missiologie zu geben,
ergeben sich vom Unfang des Stoffes her gesehen einige Fragen: Kommen z. B.
in den kürzeren Kapiteln über Missionsanthropologie (24 S.) und
Transkulturelle Kommunikation (12 S.) nicht manche Themen zu kurz? So wird z.
B. die in der Praxis so entscheidende Frage „Wie denken und fühlen Menschen
in unterschiedlichen Kulturen?“ lediglich auf zwei Seiten abgehandelt.
Abgerundeter wirkt hingegen das umfangreichere Kapitel über „Das Erbe der
deutschsprachigen Missiologie“ (56 S.), das wertvolle Einblicke vermittelt. Dem Buch wäre von daher in einigen Bereichen eine
Erweiterung (vielleicht auf die im Vorfeld der Veröffentlichung angekündigten
400 S.) und eine weitere Überarbeitung auch im Hinblick auf einige
stilistische Mängel - zu wünschen. Eine Bibliographie, die die gesamte in den
Fußnoten aufgeführte Literatur enthält, sollte zudem unbedingt am Ende des
Buches abgedruckt werden. Besonders wertvoll macht Reiflers Buch, daß ihm immer
wieder die Praxiserfahrung des Autors und sein brennendes Herz für das Anliegen
der Mission abzuspüren ist. So kann man das Buch zurecht als eine „hilfreiche
und motivierende Einführung“ (S. XI) in die Missiologie bezeichnen.
Missionare, Missionskandidaten, Bibelschüler, aber auch andere an der
Mission interessierte Christen werden es mit Gewinn lesen. Andreas Baumann, em 1998-2. |
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Reinhardt, Wolfgang. Das Wachstum des Gottesvolkes. Biblische
Theologie des Gemeindewachstums. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht,
1995. Wolfgang Reinhardt analysiert in seiner Dissertation das
Wortfeld „Wachstum des Gottesvolkes“ im Alten und Neuen Testament und
exegetisiert dann ausführlich alle damit zusammenhängenden Texte der
Apostelgeschichte und des lukanischen Werkes überhaupt. Es ist faszinierend
zu sehen, wie häufig dieses Thema in der Bibel angesprochen wird und ebenso
erstaunlich, wie oft es heute überlesen wird. Es sei gestattet, in einer
missiologischen Zeitschrift die lingustischen und exegetischen Methoden,
die Reinhardt anwendet, undiskutiert zu lassen und gleich auf den in 19
Thesen ausführlich entfalteten systematischen und praktischen vierten
Hauptteil hinzuweisen (S. 308-350), der – für eine Dissertation heutzutage
ungewöhnlich – direkt von Lukas immer wieder die Linie bis heute zieht.
Reinhardt kommt zu dem Ergebnis, daß Lukas den Wachstumsgedanken aus dem
Alten Testament übernimmt und dabei die hervorragende Bedeutung des Wortes
und der Verkündigung für das Wachstum der Kirche unterstreicht. Wort Gottes
und Gebet sind die Hauptursachen des Wachstums und die Bitte um Wachstum,
auch und gerade um quantitatives Wachstum, gehört zum Wesen einer lebendigen
Gemeinde. Das Wachstum wird von Gott allein geschenkt, aber das schließt die
menschliche Aktivität nicht aus, sondern ein. – Es ist erstaunlich, daß eine
solche Untersuchung nicht längst vorgelegt wurde, auch nicht in einer anderen
Sprache, aber es ist umso erfreulicher, daß sie jetzt zur Verfügung steht. Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-4. |
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Reller, Horst; Hans
Krech; Matthias Kleiminger (Hg.). Handbuch Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen. im Auftrag der VELKD. Gütersloher Verlagshaus:
Gütersloh, 20005. Das neben dem ‘Hutten’ (Kurt Hutten. Seher, Grübler, Enthusiasten.
Quell Verlag: Stuttgart, 198212) zweite große bewährte protestantische
Standardwerk über ‘Sekten’ usw., das seit 1952 in Arbeit war und 1978 in 1.
Auflage erschien, erscheint hiermit in einer stark aktualisierten Ausgabe. Im ersten Teil werden die klassischen Freikirchen in
Deutschland vorgestellt, dabei unter „Pfingstbewegung“ auch 9 Pfingstdenominationen
und dazu weitere Bewegungen, die etwas Licht in die sich ständig erweiternde
Vielfalt dieser Richtung geben. Im zweiten Teil folgen Sondergemeinschaften,
die zwischen den Sekten in Teil 3 und den Freikirchen stehen, so etwa die
Adventisten. (Schade ist, daß die Weltweite Kirche Gottes [S.234-244], deren
Entwicklung von der Sekte zur Kirche mit klassischem christlichen Lehrgehalt
beschrieben wird [bes. S.236-237], dennoch nicht unter ‘Freikirchen’,
sondern unter ‘Sondergemeinschaften’ gelistet wird, vor allem wenn man
bedenkt, wie großzügig der Begriff Freikirche bei zahlreichen
Pfingstdenominationen oder den Quäkern ausgelegt wurde; vgl. dazu meine
Idea-Dokumentation 11/2000 „Eine Sekte wird evangelisch“.) Im 3. Teil werden in alphabetischer Reihenfolge die 11
wichtigsten christlichen Sekten in Deutschland beschrieben. Im 4. Teil folgen
synkretistische Neureligionen, wie etwa Universelles Leben oder die
Mormonen. Im 5. Teil werden esoterische und gnostische Weltanschauungen wie
die Anthroposophie beschrieben. Im 6. Teil folgen die früher fälschlich
meist ‘Jugendreligionen’ genannten religiösen Bewegungen, die ihren Ursprung
in Asien haben, wie etwa Baha’i oder Hare Krishna. Im 7. Teil werden ganz
neu vier „Kommerzielle Anbieter von Lebensbewältigungshilfen und Psycho-Organisationen
beschrieben, darunter Scientology. Im wesentlichen ist der Aufbau der Beiträge immer gleich,
was eine gute Vergleichbarkeit der Gruppen zur Folge hat. Der Hintergrund
sind die zu Beginn abgedruckten Erhebungs- und Beurteilungsbögen, die
deutlich machen, welche Angaben und Informationen erhoben wurden, ein sicher
gelungenes und für den Leser übersichtliches Verfahren. Insgesamt ist die Information gründlich recheriert und
sehr zuverlässig. Die Darstellung beschreibt sowohl die Sicht des Insiders
treffend, als auch die Schwerpunkte, die einem außenstehenden Protestanten
auffallen. Die Information ist auf dem neuesten Stand - auch jüngste
Lehrveränderungen bei einigen Gruppen sind eingearbeitet und in der
Beurteilung berücksicht. (Dementsprechend wurden auch vier inzwischen
unwichtig gewordene Gruppen herausgenommen.) Hilfreich sind die Richtlinien für die lutherischen
Kirchen für den praktischen Umgang mit Angehörigen der verschiedenen
Gruppen, da sie damit auch die praktischen Belange des Gemeindealltags berücksichtigen.
Sie sind immer gleich aufgebaut, so daß leicht zu finden ist, ob ein
Anhänger einer Bewegung etwa als Pate in Frage kommt oder es bei der
Eheschließung Probleme gibt. Problematisch und für Evangelikale unverständlich
sind dagegen die Ratschläge in Bezug auf die Freikirchen, weil sich dabei
zeigt, wie engstirnig die oft extrem liberalen und weitherzigen lutherischen
Landeskirchen sind, wenn es an Sakramente und Amtshandlungen geht. Statt
sich zu freuen, wenn ein aktives Mitglied einer Freikirche Pate wird oder ein
Landeskirchler das Abendmahl einer Freikirche besucht, werden hier Bedenken
geäußert und Hürden aufgebaut, die sich meines Erachtens in der Realität
längst überlebt haben. Dr. Thomas
Schirrmacher, em 2000-4. |
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Renck,
Günther. Contextualization
of Christianity and Christianization of
Language. A Case Study from the
Highlands of Papua New Guinea. (Erlanger Monographien 5). Erlangen: Verlag der Ev.-Luth. Mission, 1990. Dieses auf der Grundlage einer Dissertation entstandene
Buch will die Diskussion um das Thema der Kontextualisierung um einen Beitrag
bereichern, der Kontextualisierung als linguistischen Prozeß darstellt. Gestützt auf
seine eigene, fast 20-jährige Missionserfahrung in Papua Neuguinea, beschreibt Renck am Beispiel des Volkes der
Yagaria, wie sich die „Christianisierung“ der Sprache und die Kontextualisierung
der christlichen Botschaft gegenseitig bedingen. Anhand ausführlicher linguistischer
Studien und zahlreicher praktischer Beispiele
zeigt der Verfasser auf, wie sich Sprache wandelt, um christliche
Vorstellungen und Denkkonzepte ausdrücken zu können: Theologische und biblische Begriffe werden nicht mit der Hilfe
von Fremdwörtern oder Lehnwörtern aus
anderen Sprachen in die Sprache der Yagaria importiert, sondern bisher
„heidnische“ Begriffe der eigenen Sprache nehmen eine neue, christliche Bedeutung an. An
dieser Stelle, so der Verfasser, beginnt Kontextualisierung und die
Entstehung einer einheimischen Theologie,
wobei auch die Frage nach der Gefahr des Synkretismus nicht ausgeklammert
wird. Die praxisorientierte und detaillierte
Ausführung dieser Grundaussagen wird durch eine umfassende
Beschreibung der Yagaria, ihrer Welt und
ihrer Sprache sowie durch Forderungen an eine kirchliche und missionarische
„Sprachpolitik“ ergänzt. Das ganze Buch ist in sich klar strukturiert und logisch
aufgebaut. Der auf Englisch verfasste Text ist flüssig zu lesen und sprachlich
nahezu fehlerfrei, obwohl Englisch nicht die Muttersprache des Autors ist. Eine deutsche Zusammenfassung
für Leser, die das Englische nicht so gut beherrschen, wäre allerdings
wünschenswert gewesen, ebenso wie ein Register und eine benutzerfreundlichere
Plazierung der umfangreichen Fußnoten. Obwohl auf linguistische Fachterminologie weitgehend verzichtet wird, setzen die ausführlichen sprachwissenschaftlichen Analysen ein grundlegendes linguistisches
und übersetzungstheoretisches Wissen voraus. Es ist ein Buch aus der Praxis
der Sprachforschung und Bibelübersetzung für linguistisch interessierte
Missiologen und missiologisch interessierte Linguisten. Dennoch ist es durch sein präzise herausgearbeitetes Anliegen,
Sprache als einen wesentlichen
Faktor in Mission und Kontextualisierung darzustellen, auch über
diesen Leserkreis hinaus empfehlenswert. Silke Sauer, em 1993-3. |
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Rennstich, Karl. Korruption: Eine Herausforderung für Gesellschaft und Kirche. Quell-Verlag:
Stuttgart, 1990. Für Rennstich ist in
seiner Habilitationsschrift (Teilabdruck) Korruption nicht nur ein
privates oder ein wirtschaftliches Problem, ist doch corruptio bei den Kirchenvätern
der Begriff für die Erbsünde. Deswegen
referiert er zahllose Beispiele von Korruption
in der Geschichte und aus aller Welt und untersucht den Stellenwert
der Korruption in der Bibel und in der
Theologiegeschichte. Sicher werden manche
Evangelikale sich an Rennstichs
Theologie stoßen, etwa an seinem kritischen Umgang mit Bibeltexten oder seiner Sicht anderer Religionen. Aber was
an biblischer Ethik haben sie der Korruption
entgegenzusetzen? Was haben sie zum
Umgang ihrer Missionare mit diesem weltweiten Phänomen zu sagen? Denn selbst wenn man den Bereich der Wirtschaft aus dem
Zuständigkeitsbereich der Kirche ver Wohl basiert Rennstichs
Arbeit stark auf dem Alten
Testament, das dem Thema Korruption zahlreiche Gesetze widmet und das Thema der Unbestechlichkeit vom Wesen Gottes
über die Aufgabe des
Staates, des Richters und des Priesters bis hin ins alltägliche Leben
verfolgt; doch die gegenwärtige Abwertung
des Alten Testaments und seiner
Ethik, sei es durch die historischkritische Methode oder die
pneumatisch-pietistische Auslegung, die weithin die Verbindlichkeit
der alttestamentlichen Moralgesetze im reformatorischen, insbesondere calvinistischen Sinn zugunsten einer persönlichen
Geistesführung aufgegeben hat, beraubt die Ethik gerade in diesem
Bereich m. E. der Durchschlagskraft. Denn was Rennstich in Basel letztlich an reformiertem Gedankengut als Herausforderung zusammenfaßt,
war im klassischen Calvinismus Allgemeingut,
weil die biblische Ethik dort nicht auf das Privatleben beschränkt,
sondern auf alle Bereiche der
Gesellschaft bezogen wurde. Entsprechende
Literatur kenne ich nur aus dem Bereich des amerikanischen Calvinismus,
etwa in den Werken von Rousas Roushdoony oder Gary North, die von der Irrtumslosigkeit der Bibel ausgehend zu ganz
ähnlichen Ergebnissen
gelangen: Werke, die Rennstich leider
trotz seiner Literaturfülle nicht
berücksichtigt. Dr. Thomas Schirrmacher, em 1991-3. |
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Rennstich, Karl. Nicht
jammern, Hand anlegen: Christian Friedrich Spittler ‑ Leben und
Werk. Franz, Metzingen, 1987. An Anfang eines neuen geistlichen Aufbruchs im deutschsprachigen Raum um die Wende
vom 18. zum 19. Jahrhundert steht die Christentumsgesellschaft mit dem Sitz in Basel, und ihre wichtigste Persönlichkeit
sowohl für die Missionsarbeit wie für die soziale
Arbeit war der Württemberger Christian Friedrich Spittler. Rennstich
liefert auf
177 Seiten eine gut lesbare Biographie Missionsgeschichtlich interessant ist, daß er erst die
Basler Mission gründete, dann Chrischona,
und seine Liebe dann, obwohl er nicht
an Konkurrenz dachte, doch mehr der späteren
Gründung zuwandte, trotz oder wegen
der Schwierigkeiten, die Chrischona mit
der Arbeit in Jerusalem und mit der „Apostelstraße“
Jerusalem-Ägypten-Äthiopien hatte.
Wer sich für die Idee der sich selbst
tragenden Handwerker- oder Industriemissionen
in Afrika interessiert, findet hier interessantes Material zu ihren Vorstufen.
Manche Details sind, weil sie heutigen Theorien
widersprechen, bedenkenswert, zum Beispiel was auf S. 131 über
Spittlers äthiopische Adoptivtochter Fatme
steht. Schade, daß Spittlers
Frau, die so wichtig war (S.26),
fast nur bei ihrer Hochzeit und bei ihrem Tod erwähnt wird. Rennstich
gelingt es zu zeigen, daß so „alte Pietisten“ wie Spittler in vielem sehr modern waren; aber daß das Programm vom
„Dienste in Übersee“ schon vorweggenommen
wurde (S.43), überzeugt mich nicht. Interessant ist Spittlers konservative Haltung dem Staat gegenüber,
verbunden mit seiner Ablehnung des Krieges
(„lieber die Pest als den Krieg!“). S.140). Dr. Klaus Fiedler, em 1987-3. |
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Riccardi, Andrea. Salz der Erde, Licht der Welt:
Glaubenszeugnis und Christenverfolgung im 20. Jahrhundert. Freiburg:
Herder, 2002. Das Interesse am Thema Christenverfolgung
wächst weltweit innerhalb und außerhalb der Kirchen. Doch während sich
Untersuchungen zur aktuellen Gegenwart ständig vermehren, sind solche zur
Geschichte eher selten. Angeregt von dem wachsenden Archivmaterial, das in
Rom gesammelt wird, seitdem Papst Johannes Paul II. alle katholischen
Teilkirchen und Orden aufgefordert hat, systematisch Material über Märtyrer
der Gegenwart und Vergangenheit zu sammeln, hat eine Italienerin eine
umfassende Geschichte der Verfolgung katholischer Christen in aller Welt
verfasst. Die Autorin teilt den Stoff in neun Kapitel zur Sowjetunion, zum
Dritten Reich, zum kommunistischen Osteuropa, zum asiatischen Kommunismus,
zur islamischen Welt, zu Mexiko und Spanien, zu Afrika seit der
Unabhängigkeit, zur Zählung und Einteilung der Märtyrer und, für Missiologen
besonders interessant, in Kapitel IV. über ‚Martyrium und Mission’. Während
die anderen Kapitel vorwiegend auf die einheimischen Christen und Kirchen
eingehen, wird hier vor allem das Schicksal ausländischer (längst nicht nur
westlicher!) Missionare und Angehöriger von Missionsorden geschildert. Das gut ausgestattete und
gründlich recherchierte und belegte Werk verwendet natürlich im Original kaum
deutsche Quellen und Literatur. Aber neben die zahlreichen Belege vor allem
in italienischer und französischer (erstaunlicherweise seltener in
englischer) Sprache sind ungewöhnlich viele Belege auf Deutsch getreten und
man hat sehr gründlich nach deutschen Übersetzungen der verwendeten Werke
gesucht, wie überhaupt die Übersetzung nicht merken lässt, dass der Text gar
nicht auf Deutsch verfasst wurde. Das Buch ist historisch
ausgerichtet und bietet wenig theologisches Material, etwa zur Frage, wie
Christenverfolgung und Martyrium geistlich einzuordnen sind - sieht man
einmal vom fünfseitigen Vorwort von Manfred Scheurer ab, der einige Stimmen
aus der Kirchengeschichte zitiert und sich wie ich selbst (siehe: Christenverfolgung
geht uns alle an, Idea-Dokumentation 15/1999 und Persecution Concerns Us All.
VKW: Bonn, 2001) der recht weiten Märtyrer-Definition von Karl Rahner
anschließt. Märtyrer anderer
Konfessionen erscheinen, wenn es sich aus dem Material oder vorhandenen
Büchern ergab, am Rande ebenfalls (außer es handelt sich um berühmte Fälle
wie der Genozid an den Armeniern), werden aber nirgends systematisch erfasst
oder thematisiert (siehe z.B. S.60-61 über „die Lutheraner, die Baptisten und
die Evangelikalen“ in der Sowjetunion der 30er Jahre) - eine eindeutige
Schwäche des Werkes, spricht doch der Papst selbst davon, dass die Ökumene
der Märtyrer die stärkste Ökumene sei (S. 19-20) und weitet seinen
Leidensbegriff weit über seine Kirche hinaus aus (siehe dazu mein Buch ‚Der
Papst und das Leiden’. VTR: Nürnberg, 2002). Es ist bedauerlich, dass
es derzeit kein ökumenisches, protestantisches oder evangelikales Gegenstück
zu diesem Werk gibt und auf absehbare Zeit wohl auch nicht geben wird. Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, em 2003-1. |
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Richards, Lawrence O. Praxisbuch Hausbibelkreis, Bd. 2: So
werden Hausbibelkreise lebendig. Neuhausen: Hänssler, 1994. Lebendige Gespräche in Hausbibelkreisen – wie bringt man
sie in Gang? Dieses Praxisbuch bietet entscheidende Hilfe für den Gesprächseinstieg.
Es enthält ausgearbeitete Fragen für verschiedene Interessengruppen und
Themenkreise, darunter auch Mission und Evangelisation. In Band 2 werden
ausgesuchte Texte von den Paulusbriefen bis zur Offenbarung und zwei Psalmen
behandelt. Die urchristliche Situation ist Vorbild für Mission und Evangelisation.
Beides gehört zusammen und wird in diesem umfangreichen Buch in 10 Abschnitten
bedacht. Die Symbole für die Themenkreise sind gut gewählt, im Druck jedoch
zu klein ausgefallen. Die 54 Studienanleitungen sind klar gegliedert in
Überblick, Erläuterungen, Gliederung, Anregung zur Gruppenarbeit. Auch wenn
Mission nicht so sehr im Vordergrund des Buches steht, ist es für alle
Hausbibelkreise sehr zu empfehlen. Dipl. Ing.
Fritz H. Lamparter, em 1997-1. |
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Richardson,
Don. Secrets
of the Koran, Ventura, CA: Regal Books, 2003. Der
amerikanische Missionar und Missiologe Don Richardson wurde bekannt durch
seine Bücher „Peace Child“, „Lords of the Earth“ und „Eternity in their
hearts“. In diesen Büchern geht es um hilfreiche Analogien und
kulturelle Brückenfunktionen für die Verkündigung des Evangeliums. In seinem
neuesten Buch geht es Richardson darum, den Islam und Koran nach solchen
Analogien und Anknüpfungspunkten zu untersuchen. Um das Ergebnis
vorwegzunehmen: Richardson findet keine und macht sich daran, die negativen Aspekte
und „Geheimnisse des Korans“ aufzudecken. Die Kapitelüberschriften deuten
diese negativen Aspekte an: „A Book of Peace?“ (1), „The Wolf in the Fold“ (2), „Violent
Verses, Violent Deeds“(3), „Critiquing the Koran“ (4), „Polygamy and Islam’s
Prophet“ (5), „How Muslims Try to Defend the Koran“ (6), „Non-Muslim Attempts
to Defend the Koran“ (7), „Old Testament Morals and the Koran“ (8), „New Testament
Morals and the Koran“ (9), „A Warring Prophet’s Supremacist Legacy“
(10),“Islam’s Plan for World Domination“ (11), „Islam’s Penetration of
Western Culture“(12), „A Twenty-First Century Plague of Locusts?“ (13),
„Europe: An Auto-Genociding Continent“ (14), „Louis Farrakhan, Islam and
Slavery“ (15) und „Reviewing ‘Militant Islam Reaches America’“ (16). Warum schreibt Richardson dieses Buch, und was will er
erreichen? Sein Ausgangspunkt ist der 11. September 2001: Haben hier
Extremisten den Islam ungerechtfertigt und völlig falsch für ihre politischen
Ziele in Anspruch genommen? Ist der Islam eine Religion des Friedens, wie
westliche und islamische Politiker immer wieder betonen? Oder ist der Koran
die eigentliche Quelle der Gewalt? Ruft der Koran alle, die ihn wirklich
ernstnehmen, zum Jihad gegen alle Nicht-Muslime auf und zielt letztlich auf
Unterwerfung der Welt durch den Islam, auch und gerade mit Gewalt? Don
Richardson ist von Letzterem überzeugt und möchte seine Leser warnen. Seine
hauptsächlichen Quellen sind Mark A. Gabriel, Bernard Lewis, William Muir,
Maxime Rodison, Reza F. Safa, Bat Ye’or und Ibn Warraq. Richardson ist
überzeugt, dass Europa im hohen Maße gefährdet ist, vom Islam beherrscht zu
werden, und auch Amerika diese Gefahr ernst nehmen muß. Deswegen ist seine Intention „to wage truth
on Islam, because truth is the doorway to genuine peace“ (S. 251). Er
ist überzeugt, dass weder westliche Politiker noch die Mehrheit der moderaten
Muslime den Koran wirklich kennen. Richardson möchte deswegen versuchen, die
„dunklen Geheimnisse des Korans“ zu enthüllen, um so die Quelle des
gewaltbereiten Jihadismus zu entkräften
(vgl. auch Don Richardsons Webseite www.donrichardsonbooksales.com). Vieles ist gut beschrieben und hilfreich zu wissen.
Manches müßte eingehender durch Historiker und Islamwissenschaftler geprüft
werden. Manches erscheint
einseitig oder überbewertet (z.B. „Europe: An Auto-Genociding Continent“,
S.194-198), manches ist schlicht falsch (z.B.“Muslim immigrant percentages in
the population of various European nations range from 10 to 20 percent“, S.186;
„The Five Pillars of Islam“, S.226). Ob das Buch im Dialog mit
Muslimen weiterhilft, darf bezweifelt werden. Dr. Dietrich Kuhl, em 2004-3. |
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Richter, Julius. Mission und Evangelisation im Orient.
Mit Beiträgen von Eberhard Troeger und Christof Sauer. Evangelium und Islam,
Band 4, Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft (VTR), 2006. Dieser Nachdruck der 2. Auflage [1930] von Mission und
Evangelisation im Orient, Band II in Julius Richters umfassender Reihe Allgemeine
Evangelische Missionsgeschichte, wurde erfreulicherweise in der Reihe
„Evangelium und Islam“ neu herausgegeben, da es „bis heute kein
vergleichbares Überblickswerk ... in deutscher Sprache gibt“ (Initiator und
Mitherausgeber Eberhard Troeger im Vorwort). Richter, der von 1914 bis 1930
Missionswissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität lehrte, beschreibt
in diesem Band die Geschichte der protestantischen Missionen im Mittleren
Osten vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 1930. In einem
einleitenden Kapitel setzt sich Richter zunächst mit Grundfragen der
missionarischen Begegnung mit dem Islam sowie mit der strittigen Frage
auseinander, ob die protestantische Evangelisation und Kirchenbildung unter
den orientalischen Kirchen - meist Ansatzpunkt der Missionsbemühungen, die
sich dann parallel oder sukzessive auch den Muslimen zuwandten - berechtigt
gewesen seien. Im ersten Kapitel gibt der Autor einen kurzen Überblick der
„Anfänge der protestantischen Missionsbestrebungen“ im Orient (S. 46-53) von
der Reformationszeit bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, wobei er besonders
das Wirken Henry Martyns (1780-1812) in Indien und Persien, die von Malta
ausgehende „Mittelmeermission“ der Church Missionary Society (CMS) sowie das
Wirken der Basler Mission im Kaukasus kurz darstellt. Die weiteren Kapitel widmen sich dann ausführlich den
Entwicklungen der protestantischen Missionen in verschiedenen Regionen des
damaligen Osmanischen Reiches, bzw. des Mittleren Ostens: Türkei (S.54-107),
Syrien und Palästina (108-160), Persien (161-193), Ägypten und Abessinien
(194-232). Das Buch enthält des weiteren einen Anhang mit einer Übersicht der
damaligen Bibelübersetzungen in die Sprachen des Mittleren Ostens sowie eine
statistische Überblickstabelle zu den dargestellten Missionsarbeiten (S.
233-243). In Richters Darstellung wird zunächst die herausragende
Rolle des kongregationalistischen American Board of Commissioners for Foreign
Mission (kurz AB) sowohl in der Türkei als auch in Syrien/Libanon und Persien
betont. Richter beschreibt wie das AB sich zunächst den orientalischen
Kirchen zuwandte, z.B. der kulturell aufgeschlossenen Armenier-Kolonie in
Konstantinopel. Er zeigt auf, wie die Missionare durch Literaturarbeit, die
Übersetzung der Bibel und durch christliche Schulen den Glauben der
orientalischen Christen beleben und vertiefen, „die Blüte der armenischen
Jugend durch eine gediegene abendländische Bildung anziehen“ (S. 57) und
damit auch eine wesentliche Vorarbeit zur Erreichung der muslimischen Bevölkerung
leisten wollten. Als katastrophale Zäsur in der Missionsgeschichte des
Orients beschreibt Richter „die Vernichtung des armenischen Volkes“ in der
Türkei ab 1895. Hier schildert er dann die großen Hilfswerke, die daraufhin
in England, Deutschland und Frankreich entstanden (vgl. die Rezension zu
Sabine Thüne, Ernst Jakob Christoffel, in dieser Ausgabe). Dass das AB sich
in der Folge entschloss, seine Wirksamkeit auf die muslimische Bevölkerung
der Türkei zu richten, sah Richter als „bedeutsame Wendung, deren
Entwicklung und Folgen wir abwarten müssen“ (S. 96). Neben der Darstellung
der protestantischen Arbeit unter den orientalischen Christen gilt Richters
Interesse immer wieder der herausfordernden Missionsarbeit unter der muslimischen
Bevölkerung. Er schildert z.B. den kurzen, aber wirkungsvollen Einsatz der
CMS mit Karl Gottlieb Pfander in Konstantinopel, die amerikanische
Arabien-Mission Samuel Zwe-mers, Temple Gairdners Wirken in Kairo oder die
Anfänge der Sudan-Pionier-Mission unter den Nubiern. Im Abschnitt über
Palästina widmet Richter den deutschen Initiativen besondere Aufmerksamkeit
wie dem preußischenglischen Bistum in Jerusalem (in Verbindung mit der CMS)
unter der Leitung Samuel Gobats sowie dem Evangelischen Jerusalems-Verein von
F.A. Strauß oder dem Syrischen Waisenhaus Ludwig Schnellers. Richters
Darstellung ist vom Denken seiner Zeit geprägt und somit auch als
Zeitdokument zu lesen, bietet aber zugleich einen wichtigen
missionsgeschichtlichen Überblick und Einblick. Der Wert des Buchs wird
durch die ergänzenden Beiträge der Herausgeber noch erhöht, die die Brücke
zur Gegenwart schlagen. Troeger greift in einem Aufsatz den Faden der
Missionsgeschichte nach 1945 wieder auf und beschreibt den
„Paradigmenwechsel“ von der „herkömmlichen Missionsarbeit“ zur neuen
evangelikalen Missionsbewegung im Mittleren Osten ab den 1960er Jahren. In
einem englischsprachigen Beitrag (der auch Teile aus Troegers Vorwort auf
Englisch wiedergibt) setzt Sauer Richters Werk in den Kontext der
internationalen missionshistorischen Forschung zum Mittleren Osten und
bietet eine hilfreiche Gesamtchronologie evangelischer Mission im Orient von
der Reformation bis 1990. Hier findet sich auch eine (leider kaum lesbare)
historische Landkarte zu den Ausführungen Richters. Das Vorwort hat Recht:
Das Buch ist „Pflichtlektüre“ für alle, die sich auf einen Dienst im
Mittleren Osten vorbereiten, bzw. sich für die facettenreiche
Missionsgeschichte dieser Region interessieren. Dr. Friedemann Walldorf, em 2007-4. |
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Riecker, Siegbert. Mission im Alten Testament? Ein
Forschungsüberblick mit Auswertung. Beiheft Interkulturelle Theologie
10. Frankfurt: Lembeck, 2008. Wer sich mit der Fragestellung „Mission im Alten
Testament“ auseinandersetzen will, wird an diesem Buch in der näheren Zukunft
nicht vorbeikommen. Es stellt eine Neubearbeitung des einleitenden Kapitels
von Rieckers Dissertation dar, die 2006 von der ETF in Leuven angenommen
wurde und deren Hauptteil unter dem Titel Ein
Priestervolk für alle Völker. Der Segensauftrag Israels für alle Nationen in
der Tora und in den Vorderen Propheten in der Reihe SBB erschienen ist. Riecker legt eine reiche Materialsammlung vor, die sich
darum bemüht nicht nur die Beiträge zum Stichwort „Mission im Alten Testament“
zu nennen, sondern zu charakterisieren und auszuwerten. Dies geschieht nach
einem kurzen Problemaufriss (S. 12-16) in erster Linie durch die Einordnung
einzelner Beiträge in verschiedene Kategorien: historisch-progressive
Ansätze (S. 17-33), thematische Ansätze (S. 34-49), thematisch-dialektische
Ansätze (S. 50-72), kanonische Ansätze (S. 73-83), systematische Ansätze (S.
84-98) sowie religionsgeschichtliche Ansätze (S. 99-108). Vor der
Zusammenfassung und Auswertung (S. 128-144) stellt Riecker noch Veröffentlichungen
zu Teilbereichen (S. 109-121) zusammen und legt einen Exkurs zu Gott als
direkter Partner der Völker vor (S. 122-127). Dem Autor gilt der Dank, dass
er den Lesern eine Fundgrube an Material und Fragerichtungen vorlegt, auch
wenn Riecker bedauerlicherweise Scheurers grundlegenden Beitrag nicht um
ältere internationale Beiträge erweitern konnte (S. 15). Die Präsentation der einzelnen Beiträge erfolgt leider
uneinheitlich hinsichtlich des Umfangs und des Stils. Manchmal wird ein
Beitrag mit einem kleinen Absatz vorgestellt (beispielsweise S. 53 oder
mehrere Beiträge auf S. 85) und dann wird ein anderer Beitrag auf drei Seiten
(S. 38-41) oder auf sechs Seiten (S. 65-71) breit dargestellt. Mangelnde
Einheitlichkeit liegt auch in der Fragestellung vor, mit der die einzelnen
Beiträge vorgestellt werden. Manchmal wird auf die Voraussetzungen des
jeweiligen Autors und die Folgen seiner Argumentation eingegangen und dann
findet sich nur eine kurze Darstellung der jeweiligen Argumentation. Manchmal
bietet Riecker Hintergrundinformation zum Autor an und dann fehlt jegliche
Einordnung des Beitrages. Manchmal wird der Beitrag direkt kurz ausgewertet
und dann ist nichts davon zu entdecken. Manchmal wird der jeweilige Buchtitel
oder Zeitschriftenartikel genannt und dann findet sich lediglich eine Jahreszahl
verbunden mit dem Namen des Autors. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass
bisweilen die Kenntnis der Literatur vorausgesetzt wird. Diese Uneinheitlichkeit erschwert bisweilen das
Verständnis für die eigentliche Bedeutung des jeweiligen Beitrages und für
eine profilierende Abgrenzung von anderen Beiträgen. Vielleicht hätte die
Präsentation dadurch an Wert gewinnen können, dass man ein Raster von
wegweisenden Fragestellungen gleichmäßig an alle Beiträge anlegt sowie ihre
Voraussetzungen und Folgen reflektiert. Solch ein Vorgehen könnte es für den
Leser auch nachvollziehbarer machen, wie die einzelnen Kategorien zur Einordnung
der Beiträge zustande kommen und was sie zu ihrem Verständnis sowie der
Auseinandersetzung mit der Fragestellung beitragen. Den Aussagen und dem Ansatz von Scheurer sollte weiterhin
in der Auswertung oder bei weiteren Forschungen nachgegangen werden.
Scheurer bietet nicht nur „einen enzyklopädischen Überblick über die Thematik
in der deutschsprachigen evangelischen Literatur des 18.Jahrhunderts bis
etwa 1981“ (S. 14), sondern verweist auf „die missionsbegründende
Universalität Jhwhs [die] sich in allen genannten Bereichen nicht nur auf die
sichtbare Welt der Völker, sondern auch auf die unsichtbare Welt der Götter
bezieht“ (S. 67). Damit stehen wegweisende Fragen im Raum; z.B. inwiefern
altorientalische Vorstellungen der Götterwelt für die Auswertung
einzelner alttestamentliche Aussagen zu der Fragestellung von größter
Bedeutung sind. An einigen Stellen wie Ex 12,12 wird diese implizite Auseinandersetzung
explizit. Unter Berücksichtigung dieser Dynamik können aus dem
altorientalischen Kontext Fragerichtungen entfaltet werden, die Wesentliches
zur Thematik beitragen können. Beispielsweise ist dies mit Rieckers Dissertation
unter dem Blickwinkel des Segens bereits geschehen. Diese (kritischen) Anmerkungen sollen den Beitrag des
Buches nicht schmälern. Vielmehr soll herausgestellt werden, wie viele
wertvolle Aspekte des Buches durch weiterführende Ergänzungen und Auseinandersetzungen
mit dem Thema den Wert des Buches noch steigern können. Wo Auswertungen von
Einzelbeiträgen durchgeführt werden, regen sie zur Reflexion und zur weiteren
Beschäftigung mit den jeweiligen Fragestellungen an. Die Zusammenfassung
und Auswertung Rieckers identifiziert grundlegende Fragestellungen, wie die
Frage nach der Definition von Mission (S. 128-129), dem zugrundeliegenden
Paradigma (S. 129), der Entstehung des Missionsgedankens (S. 130) und der
Berücksichtigung der unsichtbaren Welt (S. 130). Er stellt klar heraus, dass
eine Definition von „Mission“ ebenso verschieden wie weichenstellend ist (S.
138-140) und als neutestamentliches oder missionstheologisches Konzept nicht
einfach an das Alte Testament herangetragen werden sollte (S. 142). Ebenso
weist er darauf hin, dass mehrere Themen in ihrer Vielfalt nebeneinander
stehen bleiben sollten bevor man nach einer inneren Einheit fragt (S. 143).
Es ist zu wünschen, dass diese Empfehlungen Rieckers bei weiteren Untersuchungen
befolgt werden. Dr. Heiko Wenzel, em 2009-3. |
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Riesner, Rainer. Die Frühzeit des Apostels Paulus. Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament
71. J. C. B. Mohr: Tübingen, 1994. Der Tübinger Privatdozent Rainer Riesner hat bereits in
seiner Dissertation „Jesus als Lehrer“ die historische Glaubwürdigkeit
biblischer Überlieferungen, hier der Evangelien, bei grundsätzlicher
Beibehaltung der historisch-kritischen Methode zu erweisen gesucht. In
seiner Habilitationsschrift „Die Frühzeit des Apostels Paulus“ unternimmt er
mit einer Fülle historischen Materials und detektivischer Kleinarbeit ähnliches
für den frühen Paulus, wobei auch vieles für die spätere Lebensgeschichte
des Apostels abfällt. In einer missiologischen Zeitschrift sei es jedoch
gestattet, lediglich den missiologischen Aspekt des vorliegenden Buches
darzustellen und zu beurteilen, also vor allem das mittlere der drei Kapitel
mit dem Titel „Stationen paulinischer Missionsstrategie“ (S.204-296).
Zunächst einmal ist begrüßenswert, daß Riesner die Reiseroute des Apostels
minutiös nachzeichnet und dabei insbesondere der Frage nachgeht, welche
Reise- und Transportmittel dem Apostel zur Verfügung standen und wie die
jeweilige örtliche Situation aussah, in die hinein Paulus auftrat. Dadurch
wird deutlich, welchen Hindernissen die paulinische Mission zu begegnen hatte
und daß hinter der Mission – wie heute – eine umfangreiche Planungs- und
Vorbereitungsarbeit stand. Theologisch ist von besonderem Interesse, daß Riesner die
Missionsmotivation des Paulus vor allem in alttestamentlichen Texten sieht.
Zwar könnte man wesentlich mehr Beispiele heranziehen (siehe mein Buch „Der
Römerbrief“, Bd. 1+2) und man muß den Grund dafür, daß Paulus sich nicht
vorrangig auf den jesuanischen Missionsbefehl stützt, nicht in der kritischen
Sicht suchen, der Missionsbefehl sei dafür eine zu späte Basis (S.213), also
wohl nicht von Jesus selbst. Aber Riesners Exegese und Erläuterung zu Röm 15
und der dort zitierten alttestamentlichen Texte ist m. E. ein wesentlicher
Fortschritt in dieser Frage. Insbesondere geht Riesner davon aus, daß Paulus
in den geographischen Angaben von Jes 66,18-21 in der zeitgenössischen Interpretationen
der Septuaginta den Weg der Ausbreitung des Evangeliums unter den Heiden
und damit seinen eigenen Reiseweg vorgezeichnet sah (S.213-225), auch wenn
andere Faktoren ebenfalls eine Rolle spielten. Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-1. |
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Ritchie, Mark Andrew. Der
Geist des Regenwaldes. Die Geschichte eines Yanomamö-Schamanen, Lahr:
St.-Johannis-Druckerei, 2008; übersetzt von Lothar und Gisela Käser. Kein Indianerstamm Südamerikas ist in den vergangenen Jahrzehnten
so bekannt geworden wie die Yanomamö im Grenzgebiet von Brasilien und
Venezuela durch die Ethnographie des Ethnologen Chagnon. Heute – 40 Jahre
später – erscheint in deutscher Übersetzung ein Buch, in dem die Yanomamö
ihre Geschichte selber erzählen. Dieses Buch ist eine wichtige Ergänzung zu
und Korrektur von Chagnons Darstellung. Es ist das Verdienst des Ethnologen
und Animismus-Kenners Lothar Käser und seiner Frau Gisela, uns diesen spannenden
Band in einer guten, flüssigen Übersetzung in deutscher Sprache zu präsentieren.
In dem Buch des Journalisten Ritchie erzählt
„Dschungelmann“ von seinen Erfahrungen als Schamane bei den Yanomamö. Er
berichtet von seinem Umgang mit seinen Schutz- und Hilfsgeistern und beschreibt
seine Reisen in die jenseitige Welt, um die Menschen in seinem Schabono
(eine Art Runddorf) zu beschützen und ihre Feinde zu bekämpfen. Der Leser
erhält auf diese Weise aus erster Hand einen Einblick in die Lebenswelt eines
Schamanen und seines animistischen Weltbilds. Die Darstellung ist sehr
realitätsnah. Dschungelmann beschreibt die Erfahrung von Angst, von Kriegshandlungen
und der Tötung von Menschen mithilfe von Geistern ohne dabei ins
Voyeuristische abzurutschen. In der Darstellung wird die Durchdringung von
sichtbarer und unsichtbarer Welt, die für das animistische Weltbild typisch
ist, ebenso deutlich wie das Ineinandergreifen von zwischenmenschlichen Konflikten
einerseits und Konflikten in der unsichtbaren Welt andererseits. Der Leser
erhält so in der Erzählung Einblick in grundlegende Charakteristika einer animistischen
Weltsicht. Darüber hinaus entlarvt dieser Bericht den im Western
immer wieder geäußerten Appell, die christliche Mission solle die
Einheimischen doch im Frieden in ihrer Religion leben lassen, als eine
wirklichkeitsfremde, ideologische Forderung, die nicht dem Denken der Einheimischen
entspricht. Dschungelmann hat sich – nach jahrelanger Skepsis – bedingt
durch die Veränderungen, die der christliche Glaube in einem der Yanomamö-Dörfer
bewirkt hat, von seinen Schutzgeistern getrennt und sich dem Großen Geist,
Yai Pada, angeschlossen. Die Abwendung von Gewalt und Blutrache bedeutete
für die Menschen dieses Dorfes eine bis dahin nicht gekannte Befreiung aus
bisherigen gewalttätigen Verhaltensmustern. Dschungelmann macht keinen
Hehl daraus, dass er sich dringend mehr Missionare wünscht, die seinen Menschen
die Botschaft des Großen Geistes bringen. So erscheint denn in diesem Buch
auch der Missionarssohn Kiliiwa, der unter den Yanomamö aufgewachsen und
später als Missionar zu ihnen zurück gekehrt ist, als wahrer Kenner und
Freund der Yanomamö. Damit wird eine weitere Konfliktebene angesprochen.
Dschungelmann schildert, wie die unterschiedlichen Lebensauffassungen und
Verhaltensweisen von Ethnologen und Missionaren, die unter den Yanomamö lebten,
von den Einheimischen erlebt wurden. Dabei haben sich nicht alle Naba
(Weißen) als wahre Freunde der Yanomamö erwiesen. Die Schilderung dieser
Konflikte aus der Sicht der Yanomamö ist eine wichtige Ergänzung und
Korrektur bisheriger Darstellungen und zugleich ein Beitrag zur kontroversen
Diskussion über die Rolle einzelner Ethnologen und ihrer Arbeit unter den
Yanomamö, die Tierney durch seine Publikation angestoßen hat (Tierney, P.:
Darkness in El Dorado, New York 2000). Dieses Buch bietet die einzigartige Gelegenheit, einem
Yanomamö Indianer zuzuhören, die Welt des Animismus aus der Sicht eines
Insiders zu sehen, an den oft schmerzlichen Erfahrungen teilzunehmen, die
diese Menschen in ihren Begegnungen untereinander und in ihren Begegnungen
mit Weißen gemacht haben, Einflüsse unterschiedlichster Art von der
Außenwelt auf die Lebenswelt der Indianer zu beobachten, und in all dem zu sehen,
wie das Evangelium befreiend und kulturverändernd – nicht zerstörend! –
wirkt. Ein sehr spannendes Buch, das das Leben in einer vom Animismus
geprägten Stammeskultur aus bisher nicht gekannter Perspektive schildert. Dr. Jürgen Schuster, em 2009-3. |
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Rittner,
Reinhard (Hg.). Glauben
Christen und Muslime an denselben Gott? Bekenntnis Fuldaer Hefte 34. Schriften des
Theologischen Konventes Augsburgischen Bekenntnisses. Hannover:
Lutherisches Verlagshaus, 1995. Schwerpunkt dieses Tagungsberichtsbandes ist die
biblisch-christliche und die koranisch-muslimische Sichtweise der
Dreieinigkeit Gottes. Kirchengeschichtlich-exegetische Aufsätze christlicher
Theologen stehen neben religionsvergleichenden und islamwissenschaftlichen,
sowie muslimischen Beiträgen. Gleichermaßen interessant wie ungewöhnlich ist die
Tatsache, daß die deutlichste Aufforderung zum Dialog von einem muslimischen
Theologen kommt: Mehdi Razvi bezieht hier offen die für die islamische
Theologie klare Außenseiterposition, daß nicht nur Muslime, sondern auch
gläubige Juden und Christen mit Gottes Erbarmen im Jüngsten Gericht rechnen
könnten. Die christlich-islamische Kontroverse über die Trinität ist für ihn
inzwischen „derart abgeschwächt und irrelevant geworden, daß wir aufhören
sollten, weiterhin darüber gegenseitig zu polemisieren“ (S. 70). – Diese
Aufforderung spiegelt allerdings wohl kaum die Wirklichkeit der
missionarischen Begegnung von Christen und Muslimen wider. Leider stehen die einzelnen Beiträge inhaltlich recht isoliert
nebeneinander – dies liegt allerdings in der Natur eines Tagungsberichtsbandes.
Dementsprechend werden teilweise stärker die Unterschiede, teilweise stärker
die Gemeinsamkeiten zwischen biblischer und koranischer Dogmatik betont.
Wer allerdings eine eindeutige – und wie ich meine, klar zu verneinende –
Antwort christlicher Theologen auf die Frage nach demselben Gott sucht, wird
sie hier höchstens einmal zwischen den Zeilen angedeutet finden können. Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-4. |
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Robert,
Dana L. Occupy
until I Come: A. T. Pierson and the Evangelization of the World. Wm. B. Eerdmans: Grand Rapids (MI), 2003. Nach mehr als einem Jahrhundert wird endlich wieder eine
Biografie des legendären Missionsmannes Arthur Tappan Pierson (1837-1911)
vorgelegt. Selbst nie Missionar und doch ständig in Sachen Mission auf
Reisen, war Pierson die graue Emminenz der weltweiten Studentenmissionsbewegung
des 19. Jahrhunderts und der führende Förderer und Verteidiger der Weltmission
im evangelischen und evangelikalen Bereich. Die Autorin ist Professorin für
Weltmission in der Universität Boston und durch ihr Buch ,American Women in
World Mission’ bekannt. Wie in diesem Buch legt sie auch in ihrer
Pier-son-Biografie ein historisches Meisterwerk vor, sowohl was das Wirken
und die theologische Entwicklung Piersons betrifft, als auch, was das theologische
und soziale Umfeld seiner Zeit betrifft. Wer die Biografie an einem Stück
liest, erhält ein faszinierendes Gesamtbild der angelsächsischen Frömmigkeit
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zwar enthält das Buch leider -und
angesichts der Gründlichkeit völlig unverständlicherweise - keine Fußnoten
und keine detallierten Quellenbelege, dafür aber eine sehr gute und
ausführliche Diskussion der vorhandenen Bücher zum Thema und zum Umfeld. Faszinierend
ist der geistliche und theologische Lebenslauf Piersons, der wie so viele
Evangeli-kale seiner Zeit mehrere konfessionelle Zugehörigkeiten durchlief
und von allen Richtungen lernte und etwas für immer festhielt. Von Haus aus
Presbyterianer erbte er von seinen reformierten Lehrern die
fundamentalistische Bibelhaltung, den Optimismus in der Evangelisation und
den Einsatz für soziale Belange. Doch durch seine weitgespannten Kontakte –
vor allem in den USA und in England –, etwa durch seine Besuche bei seinen
Freunden Charles H. Spurgeon (S.49-50) und Georg Müller, und durch seinen
Einsatz im Rahmen der Evangelischen Allianz und des CVJM wurde aus dem reformierten
Evangelisten ein evangelikaler Erwe-ckungsprediger. Eine Midlifekrise wegen
der zunehmenden Armut in den Großstädten (S.85ff), gegen die die
Evangelisation nichts ausrichten konnte, ließ ihn pessimistischer werden und
führte schließlich 1876 zu einer Art zweiter Bekehrung. Pierson schloss sich
der Heiligungsbewegung an, nahm sich Charles Finney zum Vorbild (S.89ff) und
wurde schließlich 1879 Prämillennialist wie Georg Müller (S.103+106+151),
bleibt dabei aber optimistisch was die Zunahme und den Erfolg der Weltmission
betrifft. 1886 schließlich beginnt die Studentenmissionsbewegung, als sich
100 Studenten auf einer seiner Bibelfreizeiten entschließen, Missionare zu
werden. Pierson verlässt das Pastorat und wird Erweckungsevangelist in Sachen
Mission. Sein Buch ,The Crisis of Missions’ (S.140-144) rüttelt die
evangelische Welt auf. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere lässt er sich
wiedertaufen, nachdem er zwei Jahre ohne Wiedertaufe auf der Kanzel
Spurgeons gepredigt hatte. Die Baptisten weltweit warfen ihm jedoch lautstark
vor, die Taufe privat im kleinen Kreis durchgeführt zu haben, die
Presbyterianer entzogen ihm die Ordination und die ökumenisch orientierten
älteren Kirchen die Unterstützung (S.245-249). Viele Freunde wandten sich von
ihm ab. Doch die gewonnene Zeit nutzte er für eine Vielzahl von
Veröffentlichungen, die meisten zum Thema Mission, einige außerdem zur
Bibel. Denn - was gerne verschwiegen wird, wenn zu Recht Piersons ökumenische
Gesinnung hervorgehoben wird - Pierson war immer ,Fundamentalist’
(S.279-283) und schrieb fünf Beiträge für die namensgebende Buchserie des
Fundamentalismus ,The Fundamentals’. Sein erstes Buch zur Verteidigung der
Bibel verfasste er bereits 1880 (S.97), sein Buch ,God’s Living Oracle’ gilt
James I. Packer bis heute als eine der bedeutendsten Verteidungen der Einheit
der Bibel (S.266-267). Pierson ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass
Bibeltreue, Evangelisation, Förderung der Weltmission, weitherzige
Zusammenarbeit, und Einsatz gegen die sozialen Übel dieser Welt Hand in Hand
gehen können und dass auch evangelikale Christen immer Lernende bleiben. Prof.Dr. Thomas Schirrmacher, em 2004-2. |
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Roberts,
W. Dayton & John A. Siewert, Mission Handbook: USA/Canada Protestant
Ministries Overseas. 14.
Ausgabe, MARC/ Zondervan: Monrovia/Grand Rapids 1989. Nachdem die dreizehnte
Ausgabe dieses Werkes früher
ausführlich besprochen wurde, soll nur kurz auf die neue Ausgabe hingewiesen werden. Das unentbehrliche Nachschlagewerk
enthält wieder die Adressen aller Missionsgesellschaften
in den USA und Kanada mit
Arbeitsgebieten, Personal- bestand und
Spendenaufkommen. Die Gesamtzahl der amerikanischen Missionsgesellschaften ist um 31 auf 692 gestiegen, die
Zahl der Missionare von 58 700 (1985) auf
70 969 (1988), darunter 30 748 Kurzzeitmissionare. Während der eigentliche Aufbau des Buches gleich geblieben
ist und aus der Besprechung der 13. Ausgabe ersehen werden kann, wechseln die beigegebenen Aufsätze
jeweils. Diesmal enthält der Band neben einer Einführung in die statistische Situation 44 Seiten mit vier Beiträgen: Eine Darstellung der internationalen Lage von William A. Dyrness, ein sehr kurzer Beitrag von J. Christy
Wilson über „Zeltmacher“, ein Aufsatz von
Arthur F. Glasser über den Beitrag der amerikanischen Missionsvereinigungen
zur Weltmission und eine Untersuchung zur
Frage, wie die Kirche im Laufe der Geschichte ihre Missionsarbeit
organisierte. ‑ Die Aufnahme in das
Verlagsprogramm von Zondervan hat
der Haltbarkeit des Buches offensichtlich sehr gut getan! Dr. Thomas Schirrmacher, em 1991-3. |
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Rommen, Edward. Die
Notwendigkeit der Umkehr. Missionsstrategie
und Gemeindeaufbau in der Sicht evangelikaler Missionswissenschaftler
Nordamerikas. Giessen : TVG, Brunnen Verlag, 1987. Nach einer in Amerika
vorgelegten kleineren Dissertation über Deutschland („Namenschristentum“)
legt Rommen, Professor an der Trinity Evangelical Divinity School in Deerfield/USA und Dozent am Predigerseminar
der Freien Evangelischen Gemeinden in
Ewersbach, nun seine zweite in Deutschland (bei Bürkle in München vor seinem Wechsel zur katholischen Fakultät) eingereichte Dissertation über Amerika vor. Rommen
ist also für die Verständigung zwischen
den USA und Deutschland prädestiniert. In der ersten Hälfte des Buches referiert er über fünf
entscheidende evangelikale Ansätze der
Missionswissenschaft, nämlich: der systematische von George W. Peters, der anthropologische von Alan Tippett, Charles
Kraft u.a., der soziologische von Donald
McGavran (Gemeindewachstumsbewegung),
der kommunikationswissenschaftliche
von David Hesselgrave u.a. und der
strategische Ansatz von Ralph D. Winter. Im zweiten Teil
systematisiert er die evangelikale
Missionswissenschaft Nordamerikas
und vergleicht sie mit anderen Ansätzen.
Dabei hebt er einerseits die Stärken hervor, von denen wir in Europa lernen können, betont andererseits aber ebenso die Schwächen, die leicht zu weitreichenden
Problemen führen können. Diese ausgezeichnete
Dissertation kann Brücken bauen und
‑ für eine Dissertation durchaus ungewöhnlich ‑ als Nachschlagewerk dem schnellen Erfassen wichtiger amerikanischer
Ansätze dienen. Wer sie gelesen hat, wird manches Gute und Schlechte in der amerikanischen Missionswelt besser
verstehen, aber auch begreifen, wieviel die evangelikale Missiologie in Deutschland aufzuholen hat. Schade, daß Rommen in Amerika lehrt und nur gelegentlich in die BRD kommt. Thomas Schirrmacher, em 1988-1. |
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Roser, Markus. Hexerei und Lebensriten. Zur
Inkulturation des christlichen Glaubens unter den Gbaya der
Zentralafrikanischen Republik. Missionswissensch. Forschungen; NF Bd. 13. Erlanger Verlag für Mission
und Ökumene: Erlangen 2000. Der Autor hat sich in seiner Heidelberger Dissertation
ein ungemein schwieriges, weil komplexes Thema vorgenommen: die Hexerei, ein
Phänomen, das besonders charakteristisch ist für schriftlose Gesellschaften,
aber auch in den so genannten Hochkulturen vorkommt, und bis zum Zeitalter
der Aufklärung in Europa eine unrühmliche Rolle gespielt hat. Bemerkenswert an Rosers Arbeit ist die Breite, mit der sie
angelegt ist, die Sachkenntnis, mit der er die ungemein vielschichtige
Materie ordnet und die Gründlichkeit, die er im Umgang mit Details an den
Tag legt. Er tut dies auf Grund einer eher selten anzutreffenden Fächerkombination:
Der Autor ist Theologe und Ethnologe. Darüber hinaus verfügt er offensichtlich
auch über ins Einzelne gehende linguistische Kompetenzen, denn er untermauert
seine Ausführungen mit semantischen Analysen von Wortformen, die Schlüsselbegriffe
im gedanklichen System der Hexerei bei den Gbaya bezeichnen. Dies ist eine
Grundvoraussetzung für dichte Beschreibungen von Religionskomplexen
überhaupt. Wer sich einarbeiten will in das Verstehen der zahlreichen
Funktionen und Wirkungen, die Hexerei als soziales Phänomen auf Menschen
ausübt, wer Zugänge sucht zu möglichen Lösungen für schwerwiegende Probleme,
die der Glaube an die Fähigkeiten männlicher und weiblicher Hexen im Raum
christlicher Gemeinden und Kirchenorganisationen schafft, der findet sie
modellartig in dieser Darstellung. Es ist zu vermuten, dass manche
Schlüsse, die der Autor als Missionar zieht und manche Vorschläge, die er
daraus ableitet, nicht den gewünschten Erfolg haben werden oder in der vorgeschlagenen
Form nicht realisierbar sind. Nützliche Ausgangspunkte und Handlungs Prof. Dr. Lothar Käser, em 2001-1. |
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Ross, Andrew C. A Vision
Betrayed. The Jesuits in Japan and China, 1542 - 1742. Maryknoll: Orbis,
1994. In diesem Buch versucht der Dozent für Missionsgeschichte an der Universität Edinburgh, Andrew
C. Ross, vor dem Hintergrund der Geschichte der Jesuiten-Mission in China und
Japan, der Fragestellung nachzugehen, wie
weit es den Jesuiten gelungen war,
in Ostasien ein von westlicher Kultur weitgehend gereinigtes
Christentum zu etablieren. Neben seiner sorgfältigen Darstellung und Analyse der
Missionsgeschichte in der behandelten
Periode legt Ross einen Schwerpunkt auf die Untersuchung des
Verhältnisses zwischen der theologischen
Vision der „missio“, die in jener Zeit zum ersten Mal außer auf das
Verhältnis von Gott-Vater zum Sohn auch auf die Sendung der Kirche in die
Welt angewandt wurde, und dem erwachenden
politisch-kulturellen Sendungsbewußtsein der Mittelmeerländer. In diesem Konflikt zwischen Mission als Sendung im theologischen Sinn und der expansiven
Machtpolitik stand die frühe Ostasien-Mission
der Jesuiten. Und nach Ross endete dieser Konflikt mit dem Verrat an
der Vision, allerdings nicht nur durch die Jesuiten, sondern durch alle
christlichen Missionen bis zum 18. Jahrhundert. Den weitaus größten Teil der Monographie nimmt dabei die Darstellung einiger Abschnitte der
frühen jesuitischen Missionsgeschichte in Japan und China ein. Dafür greift
Ross jedoch ausschließlich auf westliche Sekundärliteratur zurück. Der Mangel an Arbeit mit den durchaus zugänglichen Quellen zu dem behandelten Thema
birgt stets die Gefahr einer Mißinterpretation der Sekundärliteratur. Daher
liegt der Stefan Müller, em 1995-4. |
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Ross-Kinsler, F. & James H. Emery (Hg.): Opting for Change: A
Handbook On Evaluation
and Planning for Theological Education for Extension. William Carey Library: Pasadena (CA) und
World Council of Churches: Genf, 1991. Dies Handbuch zur Überprüfung des Standards und der
Qualität von TEE-Kursen und -Programmen
wurde von einem evangelikalen Missionsverlag verlegt, aber von
Mitarbeitern des Weltkirchenrates in Genf
erstellt. Deswegen liegt der
Schwerpunkt des Buches nicht auf der inhaltlichen Seite.
Die Frage, welche Theologie vermittelt wird, ist also nicht Gegenstand des vorgeschlagenen
Weges, Stück für Stück die Trägerschaft, das Gesamtkonzept, die Einbeziehung
der kulturellen Vorgaben, die Akzeptanz
beim Schüler und das Lehrmaterial zu überprüfen.
Da die Seiten einzeln herausgetrennt werden können, ist das Buch gut
geeignet, um die einzelnen Bereiche
eines TEE-Programmes mit den Betroffenen zu diskutieren, indem jeder den Text in Kopie vorliegen hat. Für ein Handbuch erscheint mir das Buch jedoch zum Teil zu ‘hoch’ angesetzt, werden doch teilweise pädagogische und wissenschaftliche
Konzepte in einer Fachsprache diskutiert, die bei der konkreten Überprüfung
von TEE-Programmen kaum zu vermitteln sein dürfte. Dr. Thomas Schirrmacher, em 1994-2. |
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Rother, Bernd. Kirche in der Stadt: Herausbildung und
Chancen von Urbanen Profilgemeinschaften. Neukirchen: Neukirchener
Verlag, 2005. Das vorliegende Buch wurde ursprünglich als Disseration an
der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Prof. Dr. Günter R.
Schmidt) verfasst und vom Autor für die Veröffentlichung sprachlich leicht
überarbeitet. Die Untersuchung richtet sich an eine akademische Leserschaft,
weniger an den praxisorientierten Gemeindemitarbeiter. Die Sprache ist auch
nach der Überarbeitung noch stark fachtheologisch geprägt und für den
allgemeinen Leser eher schwer verständlich. Interessant ist das Material dennoch! Rother untersuchte
eine Kategorie von Gemeindegründungen im urbanen Kontext, die mehr oder
weniger freikirchlich funktionieren, aber im Rahmen der Volkskirche
stattfinden. Er nennt sie „Urbane Profilgemeinschaften“ (UPG). Im Gegensatz
zu Gemeindegründungen, die aus der Volkskirche ausgestiegen sind – Rother
beschreibt unter anderem die Anskar-Kirche (S. 23-26) – examiniert Rother das englisch-anglikanische Church Planting Movement,
die Schweizer Basileia Vineyard Bern, die französische Communauté St. Nicolas
in Strasbourg, die in Süddeutschland beheimate Oase Giengen, die Christliche
Gemeinschaft Fürth, und besonders die HOSANNA-Dienst-Gemeinschaft in Heidelberg.
Der Autor bewertet diese theologisch eher konservativen Gemeinschaften aus
der Perspektive einer immanenten Christologie
und Ekklesiologie, die Christus heute in Wort und Sakrament der Kirche als
„Gemeinde existierend“ versteht (S. 275 u.a.). Dazu im Gegensatz steht die
inkarnatorische Christologie der UPG: die untersuchten Gemeinschaften sehen
die Kirche als den Leib Christi, Christus aber als ontologisch unterschieden
von der Kirche, der eine Bekehrung zu sich, separat von
Kirchenmitgliedschaft, dennoch innerhalb des Leibes Christi, fordert. Rother
kritisiert diese inkarnatorische Christologie/Ekklesiologie als „elitäre“
Mentalität, „als könne eine Gemeinschaft als ‚vollkommenere‘ Inkarnation
Christi verstanden werden als die Volkskirche“ (S.293). Für Rother scheint
dieses „Elitebewußtsein“ gefährlich, weil es auf ein Erneuerungsbedürfnis der
Volkskirche deutet. Dennoch intendiert ja auch Rother die Erneuerung der
Volkskirche. Mit seiner Forschungsarbeit verfolgt er ja gerade die Frage, „ob
durch UPG die evangelischen Landeskirchen an Handlungsfähigkeit und damit an
Relevanz in der heutigen urbanen Gesellschaft gewinnen können“ (S.22, wiederholt
S.274). Über die Relevanz der erforschten Gemeinden ist nicht zu streiten.
Rothers Buch macht deutlich, welche Merkmale die von ihm untersuchten UPG
gemeinsam haben: (1) sie arbeiten aufgrund der theologischen Überzeugung,
dass Menschen eine persönliche Bekehrung zu Christus brauchen, (2) die
meisten UPG haben eine charismatische Tendenz, (3) alle waren schon vor dem
offiziellen Beginn des Gründungsprojektes zielbewusst, (4) alle wurden von
einer starken und visionären Leitungspersönlichkeit gegründet, (5) sie
richten sich auf eine bestimmte Zielgruppe aus, (6) alle haben eine
missionarische Ekklesiologie. Besonders hilfreiche Information für urbane Gemeindebauer
kommt aus dem dritten Teil des Buches, wo Rother die heutige Urbanität aus
soziologischer Perspektive untersucht. Hilfreich ist dort die Information
über urbane Netzwerksysteme. Auch das zweite Kapitel, mit den Beschreibungen
der aktuellen Gemeindegründungen, bietet dem Gemeindegründer nicht nur
hochinteressante Information, sondern auch wichtige Einsichten für die
Praxis. Abschließend bewertet Rother die Gründung von UPG im
Rahmen der Volkskirche kritisch mit Hilfe der (immanent interpretierten)
Confessio Augustana. Rother bejaht die Gründungen von UPG innerhalb der
Volkskirche, solange angemessene Strukturen und theologische Übereinstimmung
von vornherein existieren (S. 330). Aber gerade hier sehe ich das Problem:
Rother will Urbane Profilgemeinschaften, die durch ihre dynamische und
relevante Art Leute in die (Volks)Kirche zurücksammeln, will aber auch, dass
sich die UPG der -
aus meiner Sicht -
reduktionistischen Ekklesiologie der Volkskirche anpassen. Diese Anpassung jedoch
würde die UPG genauso „erneuerungsbedürftig“ in Dynamik und Relevanz machen
wie die Volkskirche. Kirche in der
Stadt ist ein Buch voller wichtiger Information, aber leider noch nicht
der dringend gebrauchte theologische und praktische Wegweiser, die Stadt in die Kirche zurückzuleiten. Dr. Stephen Beck, em
2006-2. |
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Ruokanen,
Miikka. The
Catholic Doctrine of Non-Christian Religions. According to the Second
Vatican Council. Studies in Christian Missions 7. Leiden/New York: E. J. Brill, 1992. Da die Diskussion um eine Theologie der Religionen
weltweit in starkem Umfang von katholischen Theologen bestimmt wird, ist es
unumgänglich, sich mit der römisch-katholischen Sicht zu befassen. Die vorliegende
Untersuchung des finnischen Dogmatikers Ruokanen analysiert schwerpunktmäßig
all jene Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils, die sich mit den
außerchristlichen Religionen bzw. mit der Frage der Heilsmöglichkeit
außerhalb der christlichen Kirche befassen. Dieses Vorgehen hat den Vorteil,
die römische Sicht nicht aus den lehramtlich unmaßgeblichen Auffassungen
einzelner Theologen zu rekonstruieren, sondern aus der noch immer neuesten
Stellungnahme des römischen Lehramtes zu dieser Thematik, wie sie in den Dokumenten
des Zweiten Vatikanischen Konzils vorliegt. Nach einer Einführung (7-10) und einer kurzen Darlegung
der vorkonziliaren Sicht der nichtchristlichen Religionen (11-34) konzentriert
Ruokanen seine Analyse der Konzilstexte zu Recht auf die Erklärung zu den
ausserchristlichen Religionen Nostra Aetate, er berücksichtigt aber auch
die dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen Gentium, das Missionsdekret
Ad Gentes und die Pastoralkonstitution Gaudium et Spes (35-113). Ruokanens Untersuchung ist methodisch vorbildlich und in
ihren Resultaten überzeugend, weil sie sehr sorgfältig an dem Wortlaut der
Konzilstexte entlanggeht und im ständigen Gespräch mit den bislang publizierten
Auslegungen erfolgt. Ruokanen gelangt im Unterschied zu vielen
„progressiven“ katholischen Theologen (z.B. P. Knitter) zum Ergebnis, daß das
Konzil die außerchristlichen Religionen ausdrücklich nicht als Heilswege
anerkannt habe: Zwar leiteten die Konzilstexte insofern eine Neuentwicklung
ein, als sie die Religionen nicht in erster Linie unter dem Gesichtspunkt
der Ablehnung, sondern mit Respekt und Offenheit für deren religiöse und
sittliche Wahrheiten beurteilten, sie verblieben aber inhaltlich in den
Linien der vorkonziliaren Tradition, insofern sie den Religionen (im Sinne
von Röm 1,19f. und 2,14f.) nicht mehr als ein gewisses Maß an natürlicher
Gotteserkenntnis und ethischer Einsicht auf der Basis einer allgemeinen
Schöpfungsgnade zuerkannten. Demnach könnten sich weder Rahners inklusive
Theorie von den „anonymen Christen“ noch die heute bei katholischen Denkern
beliebte pluralistische Theologie der Religionen auf das Zweite Vaticanum
berufen. Ruokanens für manche sicherlich ernüchterndes Fazit: „Insgesamt betrachtet
bestätigte das Konzil die klassische katholische Position erneut und führte
somit die Kontinuität in der katholischen Lehre vor Augen.“ (Übersetzung aus
dem Engl.) Die Studie wird beschlossen durch einen umfangreichen Anhang,
der die Textgeschichte von Nostra Aetate dokumentiert (121-131) und eine
aufschlußreiche (1990 im International Bulletin of Missionary Research
erschienene) Kontroverse des Autors mit Paul Knitter und William Burrows
über die Berechtigung seiner Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils
widergibt. Diese Debatte unterstreicht noch einmal die Fundiertheit von
Ruokanens Analyse. Werner Neuer, em 1996-3. |
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Rzepkowski, Horst. Lexikon der Mission. Geschichte, Theologie, Ethnologie. Graz/ Wien/Köln: Styria, 1992. Neben dem 1975 erschienenen „Lexikon zur Weltmission“,
dessen protestantische und angelsächsische
Herkunft unübersehbar ist, und dem streng auf evangelisch-katholische
Parität bedachten „Lexikon missionstheologischer Grundbegriffe“ von 1987
liegt nun ein drittes lexikales
Nachschlagewerk vor. Verantwortlich dafür zeichnet der Ordinarius für
Missionswissenschaft an der
Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD St. Augustin, der es –
welch herkulische Arbeit – allein verfaßte und damit „auf Fragen nach geschichtlichen
Fakten und gegenwärtigen Abläufen eine
schnelle Antwort“ geben will. Entsprechend bietet das Lexikon über 750 zumeist mit gut ausgewählter Literaturangabe
versehene kurze Artikel, die -bedauerlicherweise - auf Querverweise verzichten.
Ebenso vermißt man ein Register; stattdessen ist ein „Verzeichnis der
Artikel“ beigefügt. Wie obige Werke, so ist auch dieses – erfreulicherweise – ökumenisch orientiert,
wenngleich das römisch-katholische Element merklich
vorherrscht – was freilich der Horizonterweiterung
des evangelischen Lesers durchaus
dienlich sein wird. Erfreulich ist auch die beträchtliche thematische Breite,
die das Lexikon auszeichnet: Über die im Untertitel genannten
Schwerpunkte hinaus schließt es wichtige
Beiträge aus der politischen Zeitgeschichte (z.B. Apartheid, Club of Rome),
der vergleichenden Kultur- und Religionswissenschaft (vgl. bes. S.259-261, 358-360) wie auch vor allem aus der Entwicklungshilfe (vgl. bes. S.126-129.137-139. 343f.) mit ein. Den Vorrang haben
freilich die Theologie und darüber
hinaus die Geschichte, die weniger mit
geographischen Artikeln als mit einer Vielzahl von Sachbeiträgen und
namhaften Gestalten zu Wort kommt. Personenartikel machen überhaupt etwa ein
Viertel aus; des weiteren werden Personen auch in Sachartikeln vorgestellt.
Evangelischerseits bietet sich eine recht
breite Palette dar, die von Luther über Rhegius(!), Leibniz,
Ziegenbalg, Gützlaff und Venn bis zu Otto,
Harnack(!) und Marguli reicht. Allerdings vermißt man auch Beiträge, etwa über Jänicke, Nommensen (welcher weniger
kundige Leser würde ihn unter „Ba-tak-Kirche“
suchen?) und den ruhmreichen Albert
Schweitzer. Etwas weniger Beachtung als die Personen finden die Träger
der Mission: Die protestantischen Organisationen werden hauptsächlich in zusammenfassenden Artikeln
(Missionsgesellschaften, Glaubensmissionen, Ärztliche Mission u.a.)
dargestellt. Exemplarisch werden daneben fünf deutsche und vier angelsächsische Gesellschaften einzeln aufgeführt;
allerdings vermißt man dabei die Dä-nisch-Hallesche
und die Herrnhuter Brüdermission. Die wichtigsten missiologischen, aber auch damit verwandte
allgemeintheologische Begriffe werden in prägnanter, allgemeinverständlicher Weise referiert, wobei sich Rzepkowski
mit einer Wertung weitgehend zurückhält. In
einigen Artikeln wird jedoch nicht
immer ersichtlich, um wessen Meinung es sich handelt, da der Verfasser
mitunter ohne Quellenangabe zitiert. Orientiert hat er sich vornehmlich an den Auffassungen des Zweiten Vatikanums (vgl. den entsprechenden Artikel), ohne freilich die von der ökumenischen und der evangelikalen
Bewegung geprägten Themen zu vergessen (Ökumenische Mission, Weltmissionskonferenzen,
Evangelikai, Lausanner Kongress). Leider
haben sich zahlreiche Druck- und Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen;
z.B. wurde die Liebenzeller Mission 1899 gegründet, nicht 1892 (S.303); der
als bestehend aufgeführte „Deutsche Evangelische Missionstag“ (ebd.) wurde
1974 aufgelöst. Trotz dieser kleinen Mängel wird dieses leicht lesbare Buch
schon sehr bald Rang und Ruf eines Standardwerkes erlangt haben. Deshalb
gehört es nicht nur in die Bibliothek des missiologischen Fachmanns, sondern stellt auch - trotz des stattlichen Preises - eine lohnende Anschaffung
für jeden dar, der sich näher mit der Mission
beschäftigt. Werner Raupp, em 1994-2. |
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Rzepkowski, Horst. Lexikon der Mission: Geschichte
- Theologie - Ethnologie. Verlag Styria: Graz, 1992. Einmannlexika sind heute recht selten geworden, aber dem
katholischen Missionslexikon von Rzepkowski dürfte man wohl kaum anmerken,
daß das ungeheure Fachwissen einschließlich der vielen Literaturverweise von
nur einem einzigen Mann im Laufe seines langen Lebens zusammengetragen
wurde. Natürlich steht die katholische Missionstheologie bei der Auswahl
der Themen und Einträge im Vordergrund. Wer die bedeutenden Missionare der
katholischen Kirche oder die verschiedenen päpstlichen Missionsenzyklika oder
wichtige Dokumente im Geiste des 2. Vatikanischen Konzils kennenlernen will,
wird derzeit kaum einen besseren Zugang dazu finden. Doch schon in den
dogmatischen Artikeln ist das katholische Element erstaunlich zurückhaltend
eingebracht worden. Die protestantische Geschichte der Mission und der Missionswissenschaft
wird in vielen eigenen Artikeln berücksichtigt, wenn auch nicht so umfassend,
wie die katholische. Gelegentlich haben sogar evangelikale Themen und Gruppen
Eingang gefunden (z. B. ‘Evangelikale’, ‘Lausanner Kongreß’), wenn auch
praktisch alle Glaubensmissionen fehlen (Ausnahmen z. B. ‘Baptistische
Missionen’, ‘Jugend mit einer Mission’). Die theologische Breite der Artikel
und der Versuch des Verfassers, seine eigene Theologie nicht zu sehr
durchscheinen zu lassen, der natürlich grundsätzlich sehr zu begrüßen ist,
führt aber dazu, daß das historische Element sehr stark im Vordergrund
steht, die theologische Beschreibung und Differenzierung der einzelnen
Gruppen dagegen bisweilen zu kurz kommt und recht flach wirkt. Oft bleibt es
bei Kurzurteilen, die - auch wenn man berücksichtigt, daß das Lexikon knapp
informieren will – der Thematik kaum gerecht werden. Ein Beispiel muß hier genügen. So beschreibt der Artikel
„Dämon“ ausführlich auf zwei kompletten Spalten die klassische Sicht der Dämonisierung
fremder Religionen, wie sie die Missionsgeschichte geprägt hat, sowie den
Stellenwert des Dämonenglaubens in bestimmten Religionen. An eigener
Stellungnahme erfolgt jedoch nur eingangs ein einziger Satz: „Im Bereich der
Evangelisierung und der Begegnung mit den Religionen ist die Vorstellung des
‘Dämon’ wenig hilfreich“. Was soll damit gesagt werden? Gibt es Dämonen, aber
man sollte weniger von ihnen sprechen oder sie nicht in anderen Religionen
sehen? Oder gibt es bestimmte sinnvolle Beschränkungen für einen zu
leichtfertigen Umgang mit dem Vorwurf der Dämonie? Oder sind Dämonen mythische
Beschreibungen, die heute nicht mehr angebracht sind? Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-4. |
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Sahid, Ibrahim. Christen und Moslems. Anregungen
zum Gespräch. Uhldingen:
Stephanus-Edition, 1997. Dieses kleine Taschenbuch erschien 1971 in Afrika und
wurde in Indien bereits in vier Sprachen veröffentlicht. Sahid, langjähriger
Islam-Missionar in Afrika, möchte Christen praktische Handreichungen geben
für missionarische Gespräche mit Muslimen. Er vermittelt nicht nur
Grundlagenwissen über gut geeignete Themen. Es versucht auch, Gesprächshilfen
zu geben für die ‘heißen Eisen’ wie die Gottessohnschaft Jesu oder die
Dreieinigkeit. Zusätzlich wirft er am Ende jeden Kapitels einige Fragen auf,
damit eigene Verhaltensweisen und Denkstrukturen neu überdacht werden
können. Daß Jesu Liebesgebot gerade auch für Muslime gilt und die Liebe
Christen von Furcht und Vorurteilen befreit, kann auch bei uns in Deutschland
nicht oft genug betont werden. Sahid vermittelt nicht nur ‘trockenes’ Wissen,
sondern auch seelsorgerliche Hilfen für diejenigen, die mit Muslimen im
Gespräch sind. Besonders geeignet als ‘Einstiegslektüre’. Dr. Christine Schirrmacher, em 1998-1. |
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Samuel, Vinay & Chris Sugden (Hg.). A.D. 2000 and Beyond: A Mission Agenda. Festschrift John Stott. Regnum Books: Oxford, 1991. Diese
missionswissenschaftliche Festschrift zum 70. Geburtstag von John Stott wurde nicht von evangelikalen
Größen verfaßt, wenn man einmal von dem Vorwort von Billy Graham absieht, sondern weitgehend von jüngeren Theologen aus aller Welt, die sich dem Verhältnis
von Mission und sozialem Engagement oder der Auseinandersetzung mit anderen
Religionen widmen und die seit einigen Jahren
von John Stott wesentlich gefördert werden.
Auch der Verlag des Buches geht auf diese Initiativen zurück. Unter
den theologisch weitgestreuten Autoren
finden sich aus England Christopher
Sudgen und der Leiter des All Nations Christian College, aus Asien
John Chew Hiang Chea, Jesudason B.
Jeyaraj, Michael Nai-Chiu und Vinay Samuel, aus Brasilien Valdir Steuernagel, aus Afrika Robert Aboagye
Mensah, aus Pakistan der Leiter der Church
Missionary Society, und schließlich sogar Joachim Wietzke vom
Evangelischen Missionswerk in Hamburg
(über das Verhältnis zum Islam). Eine solche Breite an theologischen Positionen und Themen kann natürlich, wie es meist bei Festschriften der Fall ist, nur schwer vorgestellt und beurteilt werden. Die meisten Autoren beschäftigen sich mit sozialen Fragen oder mit dem Einheimischwerden
des Evangeliums in ihrer oder anderen
Kulturen. Erfreulich ist, daß zu sozialen Fragen sehr stark auch das
Alte Testament herangezogen wird. Dies gilt etwa für Wrights Darstellung der Einzigartigkeit Christi aus
alttestamentlicher Sicht oder den lesenswerten Beitrag zum Verhältnis von
Eltern und Kindern im Alten Testament und
den Folgerungen für von der
Ahnenverehrung geprägte
Gesellschaften. Allerdings wird man bisweilen
den Verdacht nicht los, daß es nur um ein Berufen auf das Alte
Testament geht, wenn es gerade passend
erscheint, denn ein Dr. Thomas
Schirrmacher, em 1992-3. |
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Sandgren, David P. Christianity and the Kikuyu. Religious
Divisions and Social Conflict. (American University Studies, Series IX History; vol. 45), Peter Lang: New York,
1989. Von ihrer Qualität her zu urteilen, hätte Sandgrens
Dissertation (University of Wisconsin-Madison 1976) nicht so lange (wenn man
von der University Microfilm Int. [UMI] Print-on-Demand Version absieht) unveröffentlicht bleiben dürfen. In
seiner gut lesbar geschriebenen Arbeit untersucht Sandgren für das Gebiet der Africa Inland Mission in Kenya die Begegnung
der Kikuyu mit der christlichen Botschaft, wobei er die AIM als eine Mission schildert, die eng mit ihrer
eigenen Kultur liiert ist und dieser Tatsache wenig kritisch gegenübersteht. Sandgren sieht aber - und hier unterscheidet sich sein Buch von vielen frommen wie gar nicht so frommen Büchern - die Kikuyu nicht als
die passiven Empfänger bzw. Opfer des Handelns
der Mission, sondern als Menschen, In Sandgrens Buch geht
es thematisch um die Autonomie der
Außenstationen (ohne weiße
Missionare), um die Mädchenbeschneidung, um das Schulwesen und um die
aus diesen drei Kontroversen hervorgehenden Afrikanischen Unabhängigen Kirchen. Da diese Fragen in der einen
oder anderen Form heute noch in vielen Missionen und Kirchen brennend sind,
ist das Buch für den praktischen Missionar sehr zu empfehlen, auch wenn er nicht in direktem Kontakt zur AIM steht. Außerdem kann das Buch
einer Korrektur der AIM Geschichtsschreibung dienen. Die offizielle
Darstellung (Kenneth Richardson: Garden
of Miracles. A History of the Africa Inland Mission, London: Victory Press 1968) münzt den Titel zwar auf Gottes Wirken, aber manche Informationen erscheinen schon sehr wundersam. Wenn zum Beispiel berichtet wird, daß nach
der Kontroverse um die Mädchenbeschneidung
die Zahl der Christen schrittweise wieder zunahm, daß aber die
Maßstäbe nie gesenkt wurden, so ist das
schlicht nicht wahr, wie nicht nur
Sandgren und Jomo Kenyatta (Facing Mount Kenya) belegen, sondern auch
John Gration (jetzt Professor of Missions am Wheaton College), dessen
Dissertation (The Relationship of the
Africa Inland Mission and its
National Church in Kenya Between 1895 and 1971, PhD New York University 1974)
leider auch noch der Veröffentlichung harrt (allerdings bei UMI als Print-on-Demand Version erhältlich ist). Sandgrens Buch möchte
ich Missionaren, die sich mit dem
Verhältnis Kirche - Mission und
Mission - einheimische Kultur beschäftigen, sehr empfehlen. Diese
Empfehlung gilt trotz des bescheidenen Layouts, das den Eindruck erweckt,
als gäbe es in Amerika noch keine
Computer. Dr. Klaus Fiedler, em 1993-3. |
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Sauer, Charlotte. Johannes E. Gossner, Ein Leben für die
Wahrheit. Neuhausen: Hänssler, 1995. Die Lebensgeschichte Gossners (1773-1858) liest sich
spannend wie ein Roman. Sehr einfühlsam und klar zeichnet Sauer die
Stationen dieses Erweckungspredigers nach. Während 30 Jahren tritt er als
kompromissloser Mahner für die Wahrheit des Evangeliums im Kontext seiner
katholischen Umgebung ein. Als sich von Seiten der Kirchenführung gegen den
Priester Gossner starker Widerstand regt und er mehrfach gemaßregelt und
schließlich aus Bayern vertrieben wird, nimmt er eine Berufung nach Petersburg
an. Nach Jahren gesegneten Dienstes regt sich auch dort Widerstand. Wieder
wird er vertrieben und flieht in eine für ihn ungewisse Zukunft. Schließlich
tritt er zum evangelischen Glauben über und übernimmt eine Pfarrstelle in
Berlin. Jahre des außergewöhnlich gesegneten Dienstes für das Reich Gottes
folgen. In Zusammenarbeit mit seiner treuen Haushälterin richtet er in Berlin
Kinder-Warte-Anstalten ein, gründet das heute noch bestehende
Elisabeth-Krankenhaus und ruft einen Missionsverein ins Leben. In einem
Jahrzehnt werden 80 Männer und fast ebensoviele Frauen als Missionare in die
Teile der Welt ausgesandt, in denen noch keine Christengemeinden bestanden. Es tut uns als weitgehend angepaßten Christen des bald
21. Jahrhunderts gut, sich von der Treue und Radikalität eines geistlichen
Vaters wie Gossner inspirieren zu lassen! Hartmut Burghoff, em 1996-3. |
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Sauer, Christof. Mission und
Martyrium. Studien zu Karl Hartenstein und
zur Lausanner Bewegung. edition afem -
mission Scripts 5, VKW:
Bonn, 1994. Der Autor stellt selbst
die Frage: „Warum schreibt ein junger Mensch aus der BRD über ein
Thema, das sich mit der Kreuzesnachfolge befaßt,
wenn er noch nie einen Krieg erlebt oder Verfolgung erlitten hat?“
Seine Antwort: „Es wird immer wieder über
die Bedrängnis von Christen
berichtet. Aber wie gehen wir Christof Sauer geht dem
Problem des Martyriums im Zusammenhang der Mission in drei Anläufen
nach. Zunächst untersucht er, was die Schriften
Hartensteins zur Frage des Leidens und
Martyriums zu sagen haben. In einem zweiten Teil analysiert er die
Dokumente der Lausanner Bewegung 1974 -
1989. Abschlie ßend versucht er die neutestamentlichen Aussagen zum
Thema systematisch zusammenzustellen. Besonderes Interesse dürfte
der Teil über Karl Hartenstein (1894-1952) finden. Denn die Untersuchung erschien kurz nach Abschluß des 100.
Geburtsjahres des früh verstorbenen Basler Missionsdirektors und Stuttgarter
Prälaten. Karl Hartenstein ist in seiner pietistischen (nicht
evangelikalen) Theologie geprägt durch die Tübinger Professoren Adolf
Schlatter und Karl Heim, aber er hat sich auch mit der Theologie Karl Barths
auseinandergesetzt. Nur eine einzige Schrift Hartensteins trägt den Begriff „Leiden“ im Titel. Sie heißt „Das Geheimnis des
Leidens in der Mission“, wie in der Fußnote
auf S.21 richtig angeführt (nicht wie im Text fehlerhaft zitiert). In
Hartensteins Auslegungen zum Propheten Daniel, zu Matthäus 24 und der
Offenbarung finden sich viele Gedanken zu einer „Theologie des Martyriums“. Sauer stellt in gründlicher Quellenarbeit die wesentlichen Aussagen Hartensteins zu Leiden und
Martyrium systematisierend zusammen. Vieles findet sich zwar in anderer
Zusammenstellung auch in dem Standardwerk
von Gerold Schwarz über die
Theologie Hartensteins (Stuttgart
1980), das noch im Handel erhältlich ist. Doch Sauer geht weit
ausführlicher auf das Thema ein. 262 Fußnoten zeigen, wieviel Hartenstein geschrieben hat und daß mehr über ihn geschrieben
haben als man denkt, bis hin zum württembergischen
Landesbischof i.R. D. Theo Sorg. Fritz H. Lamparter, em 1995-4. |
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Sauer, Christof. Reaching the Unreached Sudan Belt:
Guinness, Kumm and the Sudan-Pionier-Mission, Evangelium und Islam Bd. 2,
Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft, 2005. Die Forschungsarbeit von Christof Sauer, für die er im
Jahr 2002 von der Universität von Südafrika promoviert wurde, konnte endlich
2005 einem breiteren Kreis von Lesern zugänglich gemacht werden. Unter diesen
werden alle auf ihre Kosten kommen, die an der Missionsgeschichte im
Allgemeinen und an der Geschichte der evangelikalen Missionen im Besonderen
interessiert sind. In Kap. 1 stellt der Verfasser Ziele und Methoden seiner
Arbeit vor. In ihr geht es um die wissenschaftliche Aufarbeitung der Anfänge
der im Jahr 1900 in Assuan/Ägypten und in Eisenach gegründeten
Sudan-Pionier-Mission (SPM, Kap. 4-7). Der Verfasser stellt diese Gründung in
den weiten Rahmen der Bemühungen, Zentralafrika südlich der Sahara – damals
Sudan genannt – der christlichen Mission zugänglich zu machen (Kap.2). C. Sauer stellt die Anfänge der SPM aber auch in den
Rahmen der evangelikalen Missionsbewegung im letzten Drittel des 19.
Jahrhunderts. Er würdigt in Kap. 2 ausführlich eine Pionier-Familie, der das
Erreichen Zentral-Afrikas besonders am Herzen lag: den Briten Henry Grattan
Guinness (1835-1910), seine Frau Fanny (1832-1898) und seine Tochter Lucy
(1865-1906). H. G. Guinness gab der internationalen Missionsbewegung starke
geistliche Impulse und war der Motor bei der Gründung der SPM. Er ist heute
aber nur noch in Fachkreisen bekannt. Es lohnt sich, mehr über ihn zu wissen. Das gilt auch für seinen deutschen Schwiegersohn Karl Kumm
(1874-1930), der zusammen mit Lucy Guinness die Anfänge der SPM ins Werk setzte.
Der Autor hat sich besonders intensiv mit K. Kumm beschäftigt (Kap. 3 ganz
und Kap. 4-6 wiederholt) und dabei eine Fülle neuer Informationen und
Erkenntnisse ans Licht gebracht. K. Kumm gründete nach dem Ausscheiden aus
der SPM 1904 in England die Sudan United Mission (SUM), die ihn international
bekannt machte. Der Verfasser arbeitet in erster Linie historisch,
durchdringt die Fülle des Stoffs aber gleichzeitig in missiologischer
Reflexion (Kap. 7-9). C. Sauers Werk macht deutlich, dass zwischen großen
Zielen und ihrer konkreten Verwirklichung eine erhebliche Diskrepanz bestehen
kann. Die deutsche SPM blieb lange auf das südliche Ägypten beschränkt, während die SUM den Sudan-Gürtel sofort
erreichte und hier sehr erfolgreich wirkte. Die Gründer der deutschen SPM gingen enthusiastisch, aber
wenig professionell ans Werk. Menschliche Unzulänglichkeiten kamen hinzu, so
dass der Verfasser kaum in Versuchung kommen konnte, die Vita von Heiligen zu
schreiben. Es ist tröstlich, dass die SPM trotz ihres holprigen Starts
inzwischen auf eine über hundertjährige Segensgeschichte zurückblicken kann.
Die Nachfolgewerke der alten Sudan-Pionier-Mission sind die
„Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten“ (Wiesbaden) und die „Mission am
Nil“ (Knonau/Schweiz). C. Sauer hat seine Arbeit auf Englisch geschrieben.
Dadurch ist sie einem internationalen Leserkreis zugänglich. Dem deutschen
Leser hilft ein ausführliches Inhaltsverzeichnis zur raschen Orientierung.
Landkarten, Tabellen, ein ausführliches Literaturverzeichnis, ein detailliertes
Stichwortregister und ein Anhang mit zitierten Texten aus der Gründungszeit
der SPM (68 Seiten) machen das Werk zu einem überaus brauchbaren Arbeitsmittel. Dr. Christof Sauer ist württembergischer Pfarrer und seit
2000 im Auftrag der Vereinigten Deutschen Missionshilfe (Bassum) in Südafrika
tätig. Seit 2003 ist er Dozent für Missiologie an der University of South Africa
(UNISA) in Pretoria und Academic Liaison Officer der Gesellschaft für Bildung
und Forschung in Europa e.V. (GBFE). Eberhard Troeger,
em 2006-2. |
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Sauer, Silke. Oralität und Literalität –
Ihre Bedeutung für Kommunikation und Bibelübersetzung. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1995. Silke Sauers Arbeit behandelt die Bedeutung der Oralität und
Literalität für Kommunikation und Bibelübersetzung. Der Unterschied zwischen
Oralität und Literalität ist das Fehlen bzw. das Vorhandensein von Schrift in
einer Gesellschaft. Allerdings ist diese Trennungslinie in verschiedenen
Gesellschaften nicht so klar zu ziehen, da es Mischformen gibt. Oralität und
Literalität beeinflussen Denken, Kommunikation und Religion eines Volkes. Die Übersetzung der Bibel in die Sprache einer oralen
Kultur ist mit Problemen verbunden, die über die allgemeinen Schwierigkeiten
bei der Bibelübersetzung hinausgehen und die inhaltliche Verständlichkeit,
die Glaubwürdigkeit und die persönliche Relevanz betreffen. Darüber hinaus
geht die Autorin auf die Übermittlung der Bibel in einer oralen Gesellschaft
ein. Sie präsentiert methodische Ansätze und Gedanken zur schriftlichen
Kommunikation (sprachliche, inhaltliche und formale Gestaltung) und zur
oralen Kommunikation (direkte mündliche Rede, Lied und Gesang, verschiedene
Medien). Dieses Buch sollte eine „Pflichtlektüre“ für all diejenigen sein,
die sich auf dem Gebiet der Bibelübersetzung engagieren. Darüberhinaus ist
es für alle Missionare empfehlenswert, die in einer oralen Kultur arbeiten,
denn es ist wichtig, darüber nachzudenken, wie eine Bibelübersetzung die
Kultur beeinflußt bzw. beeinflußt hat. Mechthild Roth, em 1997-4. |
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Sautter, Gerhard. Heilsgeschichte und Mission ‑ Zum
Verständnis der Heilsgeschichte in der
Missionstheologie. Theologische
Verlagsgemeinschaft (TVG) / Brunnen Verlag Gießen, Basel, 1985. Sautter versucht mit dieser Arbeit, die 1984 in Tübingen bei Peter Beyerhaus
als Disser Sautter hat damit die Herausforderung aufgenommen, zu untersuchen, inwieweit die Missionstheologie des 20. Jahrhunderts die Spannungen zwischen dem „schon
jetzt“ von
Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi
und dem ,,noch nicht“ der Wiederkunft
Jesu Christi durchhält. – Die formale Grenze dieser Untersuchung liegt in der Selbstbeschränkung Sautters:
Missionstheologie wird reduziert
auf die Erklärungen der erwähnten
Weltkonferenzen. Eine weitere Grenze der
Untersuchung liegt darin, daß sie die „Antworten aus der Theologiegeschichte“ auf zehn Beispiele begrenzt:
Auf Irenäus und Augustinus folgt Joachim von Fiore; Martin Luther und Thomas
Münzer werden auf exakt zwei Seiten abgehandelt
(wobei die für diese Fragestellung
so wichtige Zwei-Reiche-Lehre nicht dargestellt
wird). Bengel wird erwähnt als Vertreter
der „protestantisch-joachimitischen Tradition“; ein Exkurs zu der
Darstellung Bengels handelt von
„Heilsgeschichte bei Hegel und Marx“, was für mich nicht einleuchtend ist. Aus den letzten hundert
Jahren finden nur von Hoffmann, Martin Kahler und (ohne eigenes
Kapitel) Oskar Cullmann Erwähnung. Ich halte diese Zusammenfassung in dieser
Auswahl und Kürze für ungenügend. Die größte Enttäuschung
für mich liegt aber in der Tatsache, daß die Spannung zwischen „schon jetzt“ und „noch nicht“ in der Darstellung nicht durchgehalten wird.
Zum Kriterium einer heilsgeschichtlichen Missionstheologie wird nicht diese Spannung, sondern die einseitig und oft
ausschließlich futurische Eschatologie. Für mich bedeutet diese Akzentverschiebung auch eine christologische Entscheidung, denn wenn das Reich
Gottes nur als ein kommendes erwartet
wird, dann ist mit der Inkarnation, dem Leiden und dem Sterben Jesu
Christi, mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt
eben nichts Entscheidendes passiert,
dann hat Christus den Sieg über Sünde
und Tod und Welt noch nicht errungen. Diese Aussage allerdings würde ich für
unbiblisch halten. Ein solches
Kriterium wäre für mich in seiner
Einseitigkeit falsch. Bei der Darstellung des evangelikalen Standpunktes stellt Sautter ziemlich ausführlich die gesamte evangelikale Bewegung dar und orientiert auch über verschiedene Zweige innerhalb dieser Bewegung (Evangelikale,
neue Evangelikale, bekennende Evangelikale, radikale Evangelikale), wobei
m.E. das Spektrum der evangelikalen Bewegung
sehr viel größer ist, als es hier zur Darstellung kommt. Ich bin mir auch nicht so sicher, daß die
Bezeichnungen schon so allgemein anerkannt wären, wie es bei Sautter den
Anschein hat. So dankbar diese Übersicht auch zur Kenntnis genommen werden wird, so bedauerlich ist
dabei doch die Tatsache, daß die ekklesiologische Frage einfach zu
kurz kommt. Es wäre reizvoll und notwendig, die heilsgeschichtliche Sicht in
den verschiedenen evangelikalen Gruppierungen einmal vor dem Hintergrund
ihrer jeweiligen Ekklesiologie zu sehen und darzustellen. Sautter stellt in seinem Buch eine mögliche und denkbare
Sicht der biblischen Heilsgeschichte
ausführlich dar. Dafür bin ich dankbar, auch wenn diese Sicht dem
biblischen Reichtum und dem vielfältigen Handeln des auferstandenen Christus in Kirche und Mission nicht voll gerecht wird. Theo Wettach, em 1986-4. |
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Sawatsky,
Walter W.; Peter F. Penner (Hg.), Mission in the Former Soviet Union. Occasional
Publications – published in cooperation with International Baptist
Theological Seminary [IBTS] of the European Baptist Federation,
Schwarzenfeld: Neufeld Verlag, 2005. Die Referate in diesem Sammelband gehen auf eine im
Februar 2003 vom IBTS in Prag veranstaltete Tagung zum Thema „Mission in the
Former Soviet Union“ zurück. Sie wollen eine ausgewogene Darstellung fremder
sowie nationaler Missionsbestrebungen seit dem Auseinanderbrechen der
Sowjetunion und Entstehen der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS – CIS)
auf dem Hintergrund der Russisch Orthodoxen Kirche und der sowjetischen
Religionspolitik vermitteln. Als Rußlanddeutsche bleibt in den Ausführungen von Peter
Penner und Johannes Dyck der Puls der slawischen Seele vernehmbar. Ihr Denken
ist von zwei Welten geprägt (Kap.1, 2, 5 u. 7). Penners missiologische
Perspektive zeigt, wie die missio dei
unter slawischen Völkern von der Kiewer Periode bis glasnost und perestrojka
unablässig gewirkt hat. Die Sowjets nahmen den Gläubigen ihre Leiter, aber
nicht ihr Zeugnis (S.11-27). Flammen Gottes sind unauslöschlich. Davon zeugt
auch Penners Auswertung verschiedener Missionsmittel und -methoden in der GUS
(S.120-163). Dycks drei Modelle der Erweckung, die in Nachkriegsjahren zu
Neuentstehungen der Gemeinde unter Deutschen in Zentralasien führten, wobei
das Priestertum aller Gläubigen als Schlüssel diente, bleiben aktuell
(S.74-93). Marina Sergeyevna Karetnikova und Viktor Artemov bringen
bodenständige Kenntnis aus Kultur und Geschichte ihres Volkes mit in ihre
Beiträge (S.64-73; 226-248). Karetnikova beginnt ihren Beitrag zur Missionsbewegung
im 19. und 20. Jahrhundert mit Felician Zaremba, Mitbegründer der
Evangelikalen Rußlands, und spricht am Schluß von dem dynamischen Zeugnis
einer neuen Generation gläubiger Russen, die zusammen mit einheimischen
Absolventen theologischer Institutionen, Deutschen, Amerikanern, und
Koreanern für die geistliche Erweckung Rußlands wirken (S.73; 64-73). Artemov
ist einer der „neuen Generation“ mit einem Herzen für „Christian Camping in
Russia“ (S.226-248), wobei er aus Ergebnissen von Umfragen festzustellen
sucht, wie junge Menschen mit dem Evangelium erreicht, in die Gemeinde
integriert, und Mitarbeiter als Nachfolger Jesu geschult werden können
(S.237-238), Die Angloamerikaner, Mark Elliott und Walter Sawatsky, behandeln
einige Themen, die sie als Ausländer anders wahrnehmen als Insider. Elliott spricht über ein
heikles Thema, wenn er auf widergesetzliche Diskriminierung hinweist, die ein
Auslandsmissionar beim Antrag eines Visums für Rußland erlebt und oft mit
einer Absage abgefertigt wird (S.188-201). Sawatsky vertieft sich in die geschichtliche Entwicklung
evangelikaler Bewegungen im slawischen Raum und versteht es, den Ertrag
tiefgründiger Forschung in einer verständlichen Sprache zu vermitteln. Er
führt die Entstehung der Evangeliken auf ausländische sowie einheimische
Quellen zurück und nennt die Jahre von etwa 1870 bis 1930 „das goldene
Zeitalter“, an dem Evangeliums-Christen, Baptisten und Mennoniten teilnahmen.
Jede Gruppe wurde von den Sowjets schwer verletzt, keine total vernichtet.
Nach dem 2. Weltkrieg rollten geistliche Neubelebungen über das Land und
gaben Anlaß zu neuen Missionseinsätzen (S.38-62). Seine Bewertung der
Missionen seit den Achtzigern zeigt, dass echte Frucht weder durch Eifer noch
Eingrenzung, sondern aus „Duldsamkeit und Demut unter Gottes Führung“
entstand (S.116; 94-118). Der historische Entwurf zum interkonfessionellen
Dialog (S.164-186), sowie der Aufruf zu Gesprächen zwischen evangelikalen
Richtungen, helfen irrtümliche Vorstellungen zu eliminieren (S.202-225).
Sawatsky schließt mit einem ernüchternden Gedanken im Blick auf die Zukunft
der Mission in der GUS (S.250-274): „Wir können‘s nicht ohne Gott; Gott tut‘s
nicht ohne uns.“ Das Buch ist nur zu empfehlen, das Register hilfreich;
verbesserungsbedürftig bleiben Format und Aufmachung. Prof. em. Dr. Dr.
Hans Kasdorf, em 2007-2. |
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Schalkwijk,
Frans Leonard. The Reformed Church in Dutch Brazil (1630-1654). Uitgeverij Boekencentrum: Zoetermeer, 2000. Der Weltmissionsgedanke war bei reformierten Reformatoren
wie Calvin und Bucer von Anbeginn greifbar und führte schon im 16. Jh. zu –
allesamt gescheiterten – organisierten Missionsarbeiten in Übersee. Insbesondere
die Niederlande brachte nicht nur bedeutende Missionsdenker wie Gisbertus
Voetius hervor, sondern auch organisierte Missionsunternehmungen. Dies
geschah auch schon während der blutigen Entstehungszeit der Niederlande, als
der sog. 80jährige Krieg (1568-1648) bis zum Westfälischen Frieden eigentlich
die Interessen in die Heimat hätte lenken müssen. Denn in Brasilien entstand
1630 nicht nur eine Kolonie, sondern auch eine ausgedehnte Missionsarbeit
unter den Portugiesisch sprechenden Bewohnern (bes. S.152-167) und den
Indianern (bes. S.168-185). Die umfangreichste Untersuchung zur Geschichte der
reformierten Mission und Kirche in Nordostbrasilien war schon immer
minutiöse, oft gerühmte Untersuchung des in den Niederländern geborenen
Brasilianers Schalkwijk, die 1986 auf Portugiesisch erschien. Die mit ‘cum
laude’ bewertete Dissertation (Sao Paulo) erhielt sogar staatliche Ehrungen.
Sie liegt nun endlich in einer überarbeiteten Fassung (mit Register) auf English
vor. Die Arbeit schildert sowohl die Vorgänge in der
niederländischen Mutterkirche, als auch Theologie und Praxis in Brasilien.
Die zugrundeliegende Missionstheologie, die Kirchenstruktur, die Art und Zahl
der Taufen, die Katechismen, der dreisprachige Missionskatechismus und die
wichtigsten Missionare und Pastoren sind nur einige der Themen. Besonders breiten Raum nimmt die Frage des Umganges mit
Lutheranern, Katholiken, Juden und Indianern ein und damit die Frage nach der
Religionsfreiheit. Sie war für damalige Verhältnisse nach reformiertem
Vorbild sehr groß und viel größer als in der Mutterkirche. Auch wenn die
reformierte Kirche durch die Verbindung mit der Kolonialmacht Staatskirche
war, wurden Lutheraner in die Kirchen integriert und nahmen am Abendmahl
teil, durften Katholiken und Juden nicht nur eigene Gottesdienste abhalten,
sondern sogar ihren Glauben öffentlich darstellen und Reformierte ‘abwerben’.
Der reformierten Gedanke einer christlichen Theokratie führte nicht zu
Zwang, sondern zu einer enormen rechtlichen Gleichheit vor dem Gesetz. Für Juden
– immerhin jeder siebte Einwohner – wurde die Kolonie sogar ein „Paradies“
(S.303) auf Erden. Die Indianer wurden aus der Sklaverei befreit (S.171-177),
wenn auch oft gegen die Portugiesen instrumentalisiert. Der Verfasser weist zu Recht darauf hin, dass mehrere der
von ihm dargestellten Missionare einer eigenen Untersuchung harren (z. B.
S.210+184). Wahrscheinlich ist der Hintergrund der fehlenden Untersuchungen
ein sprachlicher, muss man dazu doch Niederländisch und Portugiesisch können.
Aber auch der starke Abbau der ökumenischen Missionswissenschaft in den
Niederlanden, dem nicht – wie in Deutschland – das Aufblühen einer
evangelikalen Missionswissenschaft gegenübersteht, dürfte dabei eine Rolle
spielen. Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-4. |
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Scherer,
James A. & Stephen B. Bevans (Hg.): New Directions in Mission and Evangelization 1. Basic
Statements 1974-1991. Maryknoll: Orbis, 1992. Diese Buch schließt eine empfindliche Lücke. Endlich liegt
eine umfangreiche Sammlung von offiziellen Dokumenten vor, die zu Auftrag und
Verständnis der Mission Stellung nehmen. Eine letzte vergleichbare Sammlung hat HJ. Marguli vor dreißig
Jahren unter dem Titel „Zur Sendung der Kirche. Material aus der ökumenischen Bewegung“ (München 1963) für die Zeit
von 1910 bis 1961 herausgegeben. Vorliegender Band berücksichtigt die
letzten zwanzig Jahre, die durch das Nebeneinander verschiedener
missionstheologischer Strömungen und Ansätze gekennzeichnet sind. Die Texte aus der ökumenischen Bewegung („Conciliar
Ecumenical Statements“) sind die Fortführung
von Margulis Sammlung. Hier finden sich neben Berichten von den
Vollversammlungen des ÖRK (Nairobi 1975,
Vancou-ver 1983, Canberra 1991) und den Weltmissionskonferenzen (Melbourne 1980, San Antonio 1989)
vor allem die wichtige ökumenische Erklärung
zu Mission und Evangelisation von 1982
und die Ergebnisse der Stuttgarter Konsultation zum Verständnis von
Evangelisation (1987), an der auch Vertreter der Lausanner Bewegung
teilnahmen. Leider fehlt die Erklärung des
Luth. Weltbundes zum Verständnis von
Mission „Gottes Mission als gemeinsame Aufgabe“ (1988). Daneben machen die Texte aus der katholischen Kirche (u.a. die Enzykliken Evangelii Nuntiandi
von 1975 und Redemptoris Missio von 1990) den größten Block aus. Angesichts des beginnenden Dialogs der Evangelikalen mit den orthodoxen Kirchen sind deren bisher kaum
beachteten Erklärungen zur Mission besonders
wichtig. Hier sind sie leicht zugänglich. Der vierte Teil ist schließlich der evangelikalen
Bewegung gewidmet. Die Lausanner Verpflichtung (1974) und das Manila-Manifest
(1989) finden sich hier ebenso wie die Ergebnisse der Konsultationen zu
homogenen Einheiten (Pasadena 1977), Evangelium und Kultur (Willowbank
1978), einfachem Lebensstil (High Leigh 1980), Weltevangelisation (Patta-ya
1980), sozialer Verantwortung (Grand Ra-pids
1982), Antwort auf menschliche Not (Wheaton 1983), Zeugnis für Juden
(Willowbank 1989 und Zeist 1991). Um ein eigenes
missionstheologisches Profil zu gewinnen,
ist gerade die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen notwendig.
Dieses Buch gibt uns dazu das wichtigste Material in die Hand. Deshalb wäre seine weite Verbreitung
auch in evangelikalen Kreisen zu begrüßen. Die Herausgeber, ein lutherischer
und ein katholischer Missiologe aus den
USA, haben neben einer allgemeinen Einleitung jedem Dokument eine kurze Einführung vorausgestellt. Ein
Register hilft, das Werk zu erschließen.
Dem Verlag und den Herausgebern ist für diesen ersten Band einer neuen
Reihe zu danken. Eine ähnliche Sammlung in deutscher Sprache wäre
wünschenswert. Dr. Johannes Triebel, em 1993-4. |
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Scherer, James A.;
Stephen B. Bevans (Hg.).
New Directions in
Mission and Evangelization 2: Theological Foundations. Maryknoll/N.Y.: Orbis
Books, 1994. Sammelbände erfreuen sich im allgemeinen keiner großen
Beliebtheit. Warum eigentlich? Oft bieten sie einen guten, knappen Überblick
über ein bestimmtes Fachgebiet. Dies trifft auch für diesen von zwei renomierten
Chicagoer Professoren für Missionswissenschaft herausgegebenen Band zu. Ziel dieser geplanten Serie von Sammelbänden ist, die von
Anderson und Stransky herausgegebene Reihe „Mission Trends“ fortzuführen,
um die sich schnell und umfassend verändernde Situation der Weltmission zu
beschreiben. Die insgesammt 16 Beiträge gliedern sich in fünf Bereiche
auf: 1) Das Wesen der Mission (8); 2) Historische Hintergründe (3); 3) Missionspraxis
(2); 4) Das Studium der Mission (1); 5) Dokumentation (2). Wie im ersten Band
der Reihe „New Directions“ kommen auch hier ökumenische, orthodoxe,
katholische und evangelikale Stimmen zu Wort (z .B. Costas, Van Engen, Utuk,
Schreiter, Gittins). Auch von den Herausgebern selbst stammt je ein Beitrag. Nicht nur aufgrund der zwei hervorragenden Artikel von
Lesslie L. Newbigin, „The Logic of Mission“ und von David J. Bosch, „The
Vulnerability of Mission“, hat man mit diesem Buch insgesamt eine wertvolle
Lektüre zur vergleichenden Missionstheologie. Martin Sachs, em 1997-4. |
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Schirrmacher, Bernd. Baumeister ist der Herr. Erfahrungen
göttlicher Kleinarbeit in einem Missionswerk. 1978. Es gibt nur we Em 1988-2. |
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Schirrmacher, Christine. Der Islam 1 und 2, Geschichte, Lehre,
Unterschiede zum Christentum. Neuhausen: Hänssler, 1994. Die Bonner Islamkundlerin legt mit diesen beiden Bänden
nach ihrer Dissertation (Mit den Waffen des Gegners. Christlich -
Muslimische Kontroversen im 19. und 20. Jahrhundert, Berlin, 1992)
eine weitere größere Arbeit vor, welche Christen zu einer sachgerechten
Begegnung mit Muslimen helfen soll. Die beiden Bände sind für den
theologischen Fernunterricht konzipiert worden, sehr übersichtlich gegliedert
und mit tabellarischen Zusammenfassungen versehen, die als Kästen im laufenden
Text erscheinen. Das Werk ist allgemeinverständlich geschrieben, gründet
sich aber auf die einschlägige wissenschaftliche Literatur. Es setzt keine
Vorkenntnisse über den Islam voraus, möchte aber zum Weiterstudium anregen.
Dem dient ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Trotz des Umfanges der beiden Bände sah sich die
Verfasserin genötigt, auf die Darstellung mancher Aspekte des Islam zu
verzichten. Die durch den Islam hervorgebrachte Kultur (Kunst, Architektur,
Wissenschaft und Philosophie) mußte unberücksichtigt bleiben, um stattdessen
auf die Unterschiede zwischen Islam und christlichem Glauben und auf die in
vieler Hinsicht kontroverse Begegnung zwischen Christen und Muslimen
eingehen zu können. Leider wurde auch die Geschichte der islamischen
Gemeinschaft nur sehr kurz behandelt. Band 1 enthält die Darstellung des Umfelds Muhammeds
sowie seines Lebens und Wirkens, einen Überblick über Ausbreitung und Leitung
des Islam (Kalifat), die Glaubenslehre, die Lebensordnung (Recht) und eine
Lektion über die Frauen im Islam. Band 2 ist zunächst den unterschiedlichen Gruppierungen
und Bewegungen innerhalb des Islam gewidmet und geht auch auf moderne Fragestellungen
ein. Es folgen 7 Lektionen über das Verhältnis zwischen Islam und Christentum,
wobei aber nicht in erster Linie der Islam aus biblisch-theologischer Sicht
betrachtet wird. Vielmehr geht Christine Schirrmacher von der islamischen
Sichtweise aus (Verständnis von Prophetie im Koran, das koranische und
islamische Jesusbild, die islamische Sicht der Bibel) und referiert als Beispiel
für den islamischen Angriff auf den biblischen Glauben die durch das sogenannte
Barnabas-Evangelium ausgelöste Kontroverse. In einer Lektion werden wichtige lehrmäßige
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Islam und ‚Christentum’ (müßte es
nicht besser ‚christlichem Glauben’ heißen?) tabellarisch aufgelistet, ohne
daß eine theologische Reflexion erfolgt. Weitere Lektionen sind der westlichen
Islamwissenschaft und Beispielen aus der Geschichte der Kontroverse zwischen
Islam und Christentum gewidmet. Das Werk schließt mit einigen kurzen
Lebensbildern evangelischer Pioniermissionare in der islamischen Welt. Trotz der genannten Beschränkungen hat Christine
Schirrmacher ein solides Lehrbuch vorgelegt, dem im deutschsprachigen Raum
unter Christen, besonders unter Studierenden, eine weite Verbreitung zu wünschen
ist. Das Werk drängt aber geradezu zur Weiterarbeit, besonders zur
biblisch-theologischen Reflexion als Hilfe zu einem angemessenen christlichen
Zeugnis unter Muslimen. Eberhard Troeger, em 1996-1. |
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Schirrmacher, Christine. Mit den Waffen des Gegners.
Christlich-muslimische Kontroversen im 19. und 20.
Jahrhundert dargestellt am Beispiel der Auseinandersetzung um Karl Gottlieb Pfanders „Mizän al-haqq“ und Rahmatulläh ibn Halt! al-’Utmäni al Kairänawis „Izhär
al-haqq“ und der Diskussion um das Barnabasevangelium.
Islamkundliche Untersuchungen Bd. 162. Berlin: Klaus Schwarz Verlag,
1992. Diese Bonner Dissertation (1991) behandelt im ersten Teil die missionarisch-apologetische Schrift
„Waage der Wahrheit“ des württembergischen Missionars K.G. Pfander
(1803-1865), die er 1829 schrieb, um Muslime
für den christlichen Glauben zu gewinnen, sowie ihre Aufnahme und
Erwiderung in der islamischen Welt, vor
allem durch den indischen Theologen al-Kairänawi
(1818-1891). In der dadurch ausgelösten literarischen Kontroverse, an
der sich zahlreiche christliche und
muslimische Autoren beteiligten und die die Verfasserin bis in die Gegenwart verfolgt, ging es vor allem um
den muslimischen Vorwurf der Verfälschung der biblischen Schriften. Im zweiten Teil des Buches steht die Kontroverse um die
Person Jesu Christi im Mittelpunkt, wie
sie anhand des „Barnabasevangeliums“ (vermutlich eine spätmittelalterliche
Fälschung)
vor allem in unserem Jahrhundert von muslimischen und christlichen Autoren
geführt wurde. Schwerpunkt der gesamten
Arbeit ist der Nachweis, daß beide Seiten in diesen Auseinandersetzungen
die „Waffen des Gegners“ einsetzten. Kairänawi hat erstmals in großem Umfang
die Schriften der europäischen rationalistischen, kritischen Theologie des
19. Jahrhunderts benutzt, um den
muslimischen Vorwurf der
„Verdorbenheit“ der biblischen Schriften zu beweisen und das
christliche Bekenntnis zur
Gottessohnschaft Jesu zu widerlegen. Seine Methode machte Schule und wird bis heute von muslimischen Apologeten Die Aufgabe der
Verfasserin war eine objektive
Darstellung der Kontroversmethoden. Das
Urteil über deren Legitimität bleibt dem Leser überlassen. Der große
Wert des Buches besteht darin, daß die Verfasserin zahlreiche literarische Quellen, die bisher teils gar nicht
oder nur in Fremdsprachen (Arabisch,
Urdu ua.) erreichbar waren, zugänglich gemacht und ihre Wirkungsgeschichte übersichtlich dargestellt
hat, wodurch der deutsche Leser erstmals Zugang zu dieser umfangreichen literarischen Auseinandersetzung erhält. Der in Zeugnis und Dienst unter Muslimen engagierte Leser wird herausgefordert, sich mit den Methoden der Apologetik auseinanderzusetzen. Dabei
erhält er wertvolle Anregungen für sein eigenes theologisches Arbeiten sowie
für seine zeugnishafte Begegnung mit Muslimen. Eberhard Troeger, em 1994-2. |
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Schirrmacher, Thomas (Hg.). „Die Zeit für die Bekehrung
der Welt ist reif.“ Rufus Anderson und die Selbständigkeit der Kirche als Ziel der Mission. Mit Texten von Rufus Anderson, Theodor Christlieb, Hermann Gundert, Josef Josenhans. edition afem, mission Scripts Bd 3. Bonn:
VKW, 1993. Das Buch kreist um die
zentralen Anliegen Rufus Andersons
(1796-1880), des überragenden Theoretikers und Strategen der amerikani Eigentlich handelt es
sich um zwei Bücher in einem:
einerseits um die Fortführung einer „literarischen Diskussion“ aus em
1990/91, auf die bereits die Widmung Bezug nimmt; und andererseits um eine Anderson-Auswahlausgabe.
Auf beide Aspekte ist hier einzugehen. 1. Als
Anderson-Auswahlausgabe wäre das Buch natürlich an der von R. Pierce
Beaver herausgegebenen englischen Sammlung To Advance the Gospel (1967)
zu messen. Es erhebt allerdings nicht den Anspruch, eine solche zu sein. Die Anderson-Schriften finden sich
erst in Teil III und stellen weniger als die Hälfte der 134 Seiten. Bei
Beaver dagegen sind es etwa 4/5 von dessen 217 Seiten. Dennoch braucht sich
die Sammlung mit ihren fünf Texten
(Beaver hat 14) durchaus nicht zu verstecken. Zum ersten ist sie als
einzige deutsche Anderson-Ausgabe ohnehin
konkurrenzlos. Zum zweiten vermittelt sie bei aller Kürze doch einen
recht geschlossenen Gesamteindruck. Zum dritten schließlich ist sie eine erfreuliche
Ergänzung zur Beaverschen Ausgabe, denn
von ihren fünf Texten finden sich
zwei dort nicht. Es sind dies zum einen das vierte Kapitel aus
Andersons grundlegendem Werk Foreign Missions, nämlich das über die Missionsprinzipien des Neuen Testaments (Beaver
bringt die Kapitel 7, 8 und 9); und zum anderen
der Schlußteil aus Andersons Buch über
die Mission auf den Sandwich-Inseln (dem
einzigen seiner Werke, das auf deutsch schon einmal, nämlich 1872, vorlag). Dieser Text ist besonders
willkommen, denn Beaver klammert die
großen missionshistorischen Werke
Andersons bewußt aus. Die ideale Einleitung zu
diesen Texten ist der
Anderson-Nachruf Theodor Christliebs
aus der Allgemeinen Missions-Zeitschrift 1881, Kernstück von Teil II des Buches, ein
kleines Meisterwerk
und selbst eine Primärquelle allerersten
Ranges. Wer diesen Nachruf liest, profitiert außerdem gleich doppelt: nicht
nur Anderson, sondern zugleich
Christlieb steht zum Greifen nahe
vor Augen. Eine gute Hinführung zu diesem Beitrag ist der Anderson
betreffende Ausschnitt aus der Dissertation des Herausgebers über Theodor Christlieb, abgedruckt in Teil I. 2. Am Anfang des Buches
steht in Teil I (der auch eine sehr gründliche Bibliographie enthält)
die überarbeitete Fassung eines Artikels
des Herausgebers aus em 2/1990. Diesem Artikel war von Dietrich Kühl in em 4/1990 sehr dezidiert widersprochen worden. Die Punkte aus em 2/1990, die damals Anstoß erregten, seien kurz umrissen. Erstens wurde behauptet,
die Venn-Andersonsche Drei-Selbst-Formel sei nur in ihrer Verankerung in einer klar umrissenen theologischen norma normata sinnvoll, bei Anderson dem Westminster-Bekenntnis, bei Henry
Venn den anglikanischen 39 Artikeln. Wer
wie die Glaubensmissionen meint,
nur die norma normans der Schrift
zu exportieren (eine Selbsttäuschung, nebenbei bemerkt, denn man setzt
lediglich an die Stelle einer
expliziten norma normata eine implizite),
braucht sich nicht zu wundern, wenn im
Gefolge der Drei-Selbst-Formel schwere theologische Richtungskämpfe
entstehen. Kontrovers war weiterhin die Kritik
an dem angeblich „mystischen“ Verständnis der Berufung bei den
Glaubensmissionen sowie der Hinweis, daß
deren Prämillennialismus Andersons
Denken wesensfremd sei. Diese Punkte sollen
hier kurz anhand der zur eigenen Meinungsbildung abgedruckten Anderson-Texte
betrachtet werden. a. Andersons Postmillennialismus wird in einem Traktat
deutlich, das dem Sammelband seinen Namen
gegeben hat. Eine Abgrenzung gegen andere Eschatologien fehlt darin
und war b. Was die Frage des
Rufs in die Mission betrifft, so sind genau die beiden Traktate Andersons abgedruckt, die in dieser Frage die wichtigsten sind. Es sind die, die Robert E. Speer
später in seiner
weitverbreiteten Schrift What Constitutes a Missionary Call verarbeitete. Der Ruf in die Außenmission ist laut Anderson für jeden Christen vorgegeben. Wenn das so ist, dann erledigt sich
konsequenterweise die Frage einer
besonderen Berufung. Anderson ist einer Versubjektivierung der
Berufung entgangen, indem er ihre Allgemeingültigkeit postulierte. Und hier
gewinnt nun die Tatsache allerhöchste Bedeutung, daß er die Missionspflicht dem einzelnen aufbürdet und nicht der Kirche als solcher. Der Ruf zur Mission ergeht also
weder subjektiv an den einzelnen (so die einen)
noch objektiv an die Kirche (so die anderen),
sondern objektiv an den einzelnen. Man
wird nicht Missionar aufgrund einer Privatoffenbarung (dem
umstrittenen „mystischen Erlebnis“), auch nicht aufgrund kirchlicher
Abordnung, sondern aufgrund eigener rationaler Abwägung der Faktoren, wobei
eine Regel Ausnahme-Vermutung zugunsten der Außenmission besteht. An
diesem Punkt kann man sich übrigens
nur wünschen, daß das Buch eine grundlegende
Diskussion auslöst. c. Zur Verankerung der
Drei-Selbst-Formel in einer klaren Bekenntnisgebundenheit geben die
beigefügten Anderson-Texte wenig her. Der
Kongregationalist Anderson war zweifellos
Calvinist im Sinne des Westmin-ster-Bekenntnisses (bzw. dessen
kongregationalistischer Überarbeitung, der Savoy-Erklärung), trug dieses
Bekenntnis aber mehr im Herzen als auf den Lippen. Er war eben doch auch Kind der Erweckung, stand also den
Pres-byterianern der New School nahe, die in der Mission mit den Kongregationalisten
kooperierten, nicht denen der Old
School, die diese Kooperation
ablehnten. Christlieb zitiert in einem
Atemzug Lyman Beecher und Charles Hodge, zwei Männer, zwischen denen es theologisch
knisterte, als Freunde Andersons. Zwei Generationen später war der
Abstand schon größer. Der bereits
genannte, aus dem Student Volunteer Movement hervorgegangene
Robert E. Speer, für viele der
kongenialste Nachfahre Andersons, wurde in einen heftigen Disput mit J. Gresham Machen hineingezogen, dem Princetoner Neutestamentier, der das Indepen-dent
Board for Presbyterian Foreign Missions gründete. Die Kontroverse
wurde 1932 durch den von W. E. Hocking
herausgegebenen Berichtsband Rethinking Missions ausgelöst.
Prominenter Gegner des Berichts war Machen, prominente Befürworterin die als
Missionarstochter in China aufgewachsene Pearl S. Bück. Das Ergebnis war (um die Charakterisierung der
nachmaligen Nobelpreisträgerin zu zitieren),
daß Machen zur Vordertür der Presbyteri-anischen Kirche hinausflog und
sie zur Hintertür. Wer war also der
legitime Erbe Andersons, der
dogmatisch zunehmend weitherzige Speer oder der nach schweren inneren Kämpfen nunmehr bekenntnisgebundene
Machen? Wie stark fand Andersons Drei-Selbst-Formel bei ihm selbst tatsächlich ihr „notwendiges Korrektiv in
seinem streng reformierten
calvinistischen Bekenntnis“ (Schirrmacher)? Versucht man, Anderson in deutsche Kategorien einzuordnen (allerdings
hie lutherisch, da reformiert), dann Fazit: Das Buch ist quellenmäßige Fundgrube und
Herausforderung zum aktuellen Nachdenken zugleich. Wer beides oder auch nur
eins von beidem liebt, ist gut bedient. Wolf- Christian Jaeschke, em 1995-1. |
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Schirrmacher, Thomas / Klaus W. Müller (Hg.). Scham-
und Schuldorientierung in der Diskussion: Kulturanthropologische, missiologische
und theologische Einsichten, edition afem – mission academics.
Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft; Bonn: Verlag für
Kultur und Wissenschaft, 2006. Die Herausgeber haben ein Team kompetenter Fachleute um
sich gesammelt und das Doppelthema vom scham- und schuldorientierten
Gewissen im missiologischen Denken und missionarischen Handeln vielseitig
diskutiert. Wer mit den Autoren näher vertraut werden möchte, dem sind die
Kurzbiographien (S. 301-302) zu empfehlen. Nach Format und Inhalt ist das
Buch aus vier Teilen unterschiedlichen Umfangs aufgebaut: I. Kulturelle
Zusammenhänge; II. Religiöse Implikationen; III. Missiologische Diskussion;
und IV. Theologische Grundlagen. Diese Ansatzpunkte bilden den jeweiligen Kontext, in
welchem sich die Verfasser unabhängig voneinander mit dem brisanten Thema
über Bedeutung und Funktion des Gewissens auseinandersetzen. Alle gehen
davon aus, (a) dass jeder Mensch mit einer Veranlagung zu einem Gewissen
geboren ist; (b) dass sich das Gewissen durch Erbanlagen, Erziehung und
Umfeld grundlegend verschieden entwickelt; (c) dass das Gewissen als sozial-ethisches
Organ die Menschen gesellschafts-, kultur- und religionsfähig macht; (d) dass
es Völker und Kulturen gibt, in denen das Gewissen auf Verstöße vorhandener
Normen mit einem Schuld- oder Schamgefühl reagiert; (e) dass die Vorkenntnis
dieser Dinge bei der Vermittlung des Evangeliums vom Reich Gottes eine
wichtige Rolle spielt (s. S. 5, 9, 15-17, 169-170). Was Lothar Käser obenan im I. Teil unter „Kultur und
Über-Ich” behandelt, ist m. E. das Schlüsselkapitel zum Buch (S.
7-41). Hier entschlüsselt er Fachbegriffe und Forschungsgebiete, die aus
anderen Sprachen und Wissenschaften in die deutsche Missionswissenschaft eingedrungen
und von ihr übernommen worden sind – wenn auch nicht unumstritten. Bei der
Gewissensorientierung sind nach Käser zwei grundsätzliche Dimensionen zu
berücksichtigen: die horizontale und die vertikale. Bei der einen geht es
primär um Funktionen des Gewissens auf sozialer Ebene, wobei der Mensch bei
Verletzung vorhandener Regeln um Wahrung seines Prestiges ringt; bei der
anderen handelt es sich mehr um religiöse Funktionen, wobei der Einfluss auf
das Gewissen von Gott oder einer anderen höheren Autorität herkommt und sich
als Schuldgefühl manifestiert. Im gleichen Teil zeigt Hannes Wiher als
Facharzt und Psychologe aus seinen Erfahrungsbereichen in Westafrika und
Europa wie zwei Gewissensorientierungen aufeinanderprallen und
unterschiedliche Reaktionen auslösen (S.42-48). Nebst Beschreibung und
Evaluierung brauchbarer Gewissensmodelle (S. 49-57) ist das Kapitel über
„Persönlichkeit als Funktion der Gewissensorientierung” besonders wichtig.
Dieser Beitrag mit Tabellen, Fragebogen und ausgewählter Literatur enthält
Lehrstoff für ein ganzes Wochenendseminar (S. 60-86). Die wenigen Zeilen,
die Wiher (S. 87-91) über „Generation X” schreibt, sollte jeder Jugendarbeiter
lesen. Die letzten Beiträge in diesem Teil sind Reflexionen aus der Missionspraxis.
Klaus Müller bringt hier eine offene Auswertung von Lichtstrahlen und
Schattenseiten in die Diskussion von dem, was er als junger Missionar aus
Deutschland unter den Chuuk-Insulanern in Mikronesien erlebte, deren
schamorientiertes Gewissen durch politische Macht belastet war und die
Gemeindearbeit erschwerte (S.91-115). In der Erforschung des Themas „Die Lüge
als Überlebensstrategie” bei den Totonakindianern in Mexiko zeigt die Missionsärztin,
Hanna-Maria Schmalenbach, dass die Lüge „etwas Boshaftes und Unrechtes” an
sich trägt, was „das Vertrauen und das Wohlwollen der Menschen untereinander
unterhöhlt”(S. 117). Ermutigend ist ihr Nachweis, wie der Einfluss des
Evangeliums sich auf die Wahrhaftigkeit im Leben junger Totonakchristen
auswirkt (S. 124-127). Im II. Teil vermittelt Martin Lomen mit scharfer Klarsicht
und Kenntnis der Thematik den Lesern einen durchaus hilfreichen Beitrag zum
Dialog zwischen Christen und Muslimen. Wer Lomens Kapitel liest (S. 131-163)
wird fortan die biblischen Berichte von Schöpfung und Fall, sowie vom Leiden,
Sterben und Auferstehen Jesu mit vertieften Einsichten und Herausforderungen
lesen. Der III. Teil ist der Missiologie gewidmet (S. 164-214). Hier tritt
der Missiologe Klaus Müller als Pädagoge auf. Meisterhaft versteht er den
Begriff elengchein (beschämen; schuldig erklären), sowie dessen
komplexen Zusammenhang mit synedeisis (Gewissen, Mitwissen) aus dem
Denken der antiken Welt zu heben und in der verdeutschten Form “Elenktik”
heutigen Lesern als „Die Lehre vom scham- und schuldorientierten Gewissen”
zu deuten (S. 169-170). Unter dem Titel „Elenktik: Gewissen im Kontext”
untersucht Müller Tiefe und Breite der Thematik, wie sie in verschiedenen
wissenschaftlichen Disziplinen besprochen wird. Anhand ethnologischer
Unterlagen konstruiert er hilfreiche Modelle (S. 192-211), um zu
verdeutlichen, dass das „Gewissen im Kontext der Kultur erfassbar [wird], in
der es gebildet wurde” (S. 191). Diese These verdient weiter untersucht zu
werden. Anschließend folgen im IV. Teil „Theologische
Grundlagen”. Dazu entwirft Wiher ein umfangreiches „biblisch-soteriologisches
Gewissensmodell aufgrund einer interdisziplinären Studie” (S. 215-236). Hier
finden Christen wertvolle Hilfe, wie sie im Alltagsleben mit Menschen mit
komplexen Gewissensbelastungen befreiend umgehen können. In seinem
ausführlichen Beitrag über „Die christliche Botschaft angesichts von Schuld-
und schamorientierten Gewissen und Kulturen” (S. 237-300) definiert Thomas
Schirrmacher das Gewissen als „eine Instanz, die alles miterlebt und bezeugt,
was ein Mensch tut und denkt” (S. 289). Seine Listen sämtlicher Schriftstellen,
wo im NT das Wort „Gewissen” und im AT der äquivalente Begriff „Niere”
vorkommen, sowie eine neunseitige Liste mit empfehlenswerten Schriften
sind eine Hilfe zum Selbststudium. Zusammenfassende Bemerkungen: (a) Ähnlich wie mich vor
fast 50 Jahren das Thema „elenctics” in der englischen Ausgabe von Bavincks Inleiding
in de Zendingswetenschap als wesentlicher Aspekt der Missionswissenschaft
packte, so bin ich als lernender Leser von Tiefe und Breite der Einsichten
der Autoren dieses Sammelbandes dankbar beeindruckt. (b) Laut Aussagen im
Vorwort sind „andere solcher Veröffentlichungen” geplant, was hoffen lässt,
dass das Thema von einem angstorientierten Gewissen auch erforscht werden
wird. Schmalenbach spricht es im Kontext ihrer Arbeit unter den
Totonakindianern zwar an, führt es aber nicht aus. War es beim Sündenfall
(Gen 3) nicht vor allem die Angst, die unsere Ureltern ins Versteck trieb? So
auch unter Völkern im Bann der Geisterwelt. (c) Die Bedeutung des Beitrags
über „Politische Macht...” bleibt an und für sich unumstritten;
Schreibfehler, Stil und Struktur sind jedoch korrektur- und bearbeitungsbedürftig.
(d) Nebst Ethnologie und Psychologie sollte auch die Soziologie bei
missionswissenschaftlichen Forschungen wahrgenommen werden, was in diesem
Buch fehlt. (e) Ein Namen- und Sachregister würde den Wert dieses so
wertvollen Sammelbandes noch um einige Stufen heben. Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em
2009-1. |
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Schmid,
Cathy. Un
enfant, deux cultures … . St
Legier: Editions Emmaüs
& Institut Évangélique de Missiologie, 2002. Cathy Schmid ist verheiratet. Sie lebte 14 Jahre in Afrika
und gebar dort drei Kinder. Wieder in der Schweiz ist sie mit ihrer Familie
im französisch sprechenden Teil des Landes zu Hause. Dort unterrichtet ihr
Mann Missiologie an der Bibelschule Emmaus mit einer multikulturellen
Studentenschaft. Kathy organisiert unter anderem auch Treffen mit
Missionarskindern. Somit hat sich ihr Einblick erweitert und zu dem Buch
geführt. Kinder haben und in die Mission gehen, ist das überhaupt
unter einen Hut zu bringen? Käthi Schmid zeigt in ihrem Buch auf, wie sie und
Dutzende von Familien es erlebt haben. Die frischen, kurzen Insider-Zitate
aus Kindesmund sind wie Perlen. Käthi Schmid fädelt sie auf, zusammen mit
Gedanken aus den Herzen der Eltern und Einblicken von Fachleuten. Bilder und
Skizzen lenken das Augenmerk auf das Wichtige. Was sagen die Fachleute? Es
kann zu Schwierigkeiten kommen, wenn Kinder aufs Missionsfeld verpflanzt
werden. Und bei der Rückkehr in die Heimat geht nicht alles von alleine in
Ordnung. Weder beschönigt Käthi Schmid die Probleme, noch fördert sie Schuldgefühle.
Eins wird beim Lesen ihres Buches klar: ohne Gottes Gnade geht es nicht. Aber
auch mit der Gnade braucht man Weisheit, um die rechten Entscheidungen fällen
zu können. Wünschen Sie zu erfahren, mit welchen Schwierigkeiten man rechnen
kann, Sie zögern aber, darüber zu sprechen? Sie suchen nach Fakten, nicht
nach Träumereien? Dann greifen Sie zu. Dieses Buch wird Ihnen viele
Einsichten vermitteln. Nur ein Nachteil muss noch erwähnt werden: die
Grundversion des Buches gibt es zur Zeit nur im Urtext - französisch. Welche
Leser können von diesem Buch lernen? * Missionare, die ausziehen * Missionare, die auf dem Feld sind * Missionare, die zurück in die Heimat kommen * Freunde, die Familie und die Gemeinde, die
Missionarskinder begleiten wollen, aber nicht ganz wissen wie. Dr. Matthias
Radloff, em 2002-2. |
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Schmid, Edgar (Hg.). Wenn
Gottes Liebe Kreise zieht: 150 Jahre
Pilgermission St. Chrischona (1840-1990). Brunnen Verlag
Gießen/Basel 1990. Am Übergang von den
Klassischen Missionen zu den Glaubensmissionen steht St. Chrischona bei Basel, 1840 als Schulungsstätte für Handwerkermissionäre von Christian
Friedrich Spittler gegründet. Zum 150. Jubiläum
ist jetzt eine informative und reich ausgestattete Festschrift
erschienen. Sie vermittelt einen Überblick über die gesamte Chrischona-Arbeit: Ausbildung, Gemeinschaftswerk, Verlag, Diäkonie, Mission. Für Ekklesiologen ist interessant, daß Chrischona in der Schweiz und in Frankreich
freikirchlichen Charakter hat, in Deutschland
fast ausschließlich den Charakter einer Gemeinschaftsbewegung innerhalb der Landeskirche. Für Missiologen ist die historische Darstellung der Geschichte Chrischonas (S.6-44) interessant, wobei besonders das Eingehen Chrischonas auf die Heiligungsbewegung unter Carl Heinrich Rappard (1874), die Chrischona für die Glaubensmissionen öffnete, zu beachten
ist. Von besonderem missiologischem Interesse ist der Artikel von Lutz Behrends (S.106-117) „Gottes Werkzeuge in aller Welt. Die Pilgermission und die Äußere Mission“, der die wechselhafte Geschichte der verschiedenen
mit Chrischona verbundenen Missionsunternehmen
im Überblick beschreibt. Von
besonderem Interesse erscheint
mir dabei die Beschreibung der Apostelstraße (mit Karte und Faksimileausschnitt des Programms). Die Festschrift Zwei kleine Kritikpunkte
zum Abschluß: Ich bezweifle, daß
die Edinburgher Missionskonferenz von 1910 (nicht 1890) wesentlich
neue Impulse für die evangelikale Weltmission
gab (S.110); zum anderen wäre es schön gewesen, wenn in die Festschrift ein Verzeichnis der Literatur zu Chrischona aufgenommen worden wäre. Dr. Klaus Fiedler, em 1990-3. |
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Schmid, Stefan. Mark Christian Hayford
(1864-1935). Ein Pioneer aus Westafrika. VKW: Bonn, 1999 (edition afem mission scripts
15). Obwohl er keinen Missionar je sah, gründete der Ghanaer
Mark Hayford eine französische Mission in der Elfenbeinküste, die Mission Biblique.
Stefan Schmid, zwölf Jahre Mitarbeiter dieser Mission, zeichnet liebevoll das
Portrait eines Mannes, der einflußreich war, aber dessen Visionen wohl immer
mit den Realitäten in Konflikt standen. Deswegen verbrachte er immer wieder
Jahre im Ausland, um dort für seine Projekte zu werben und (nie genug) Geld
zu sammeln. Rev. Hayford kam aus der gebildeten Schicht Ghanas uud gab
eine gute Stellung im Dienst der Regierung auf, um Pastor zu werden; zuerst
als Methodist, dann als Gründer und Leiter der „Baptist Church and Mission“
in Cape Coast. 1919 gründete er in der Elfenbeinküste Gemeinden der „Baptist
Church and Mission“, für die er 1925 in Frankreich Missionare suchte. Er fand
sie an der Bibelschule Nogent: Laura und Daniel Richard wurden später von der
Tabernacle Baptistengemeinde in Paris übernommen. Es ist zu begrüßen, daß einer so schillernden, bedeutenden
und zugleich tragischen Figur eine Untersuchung gewidmet wird, die auf
Primärquellen aus mehreren Ländern beruht. Das Buch stellt gut lesbar eine
vielseitige, aber insgesamt leztlich nicht voll überzeugende Karriere dar.
Stefan Schmid macht zudem interessante Dokumente zu Hayford’s Leben zugänglich. Dr. Klaus Fiedler, em 2000-1. |
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Schmidt, Cordula (Hg.). Einmal hin und anders
zurück. Neukirchen-Vluyn:
Aussaat/-VEM, 1993. Einmal hin - nicht als Tourist, sondern in eine
missionarisch-diakonische Aufgabe zu einer Kirche
oder Organisation in Übersee. Davon berichten Entwicklungshelfer bei
Einsätzen bis zu zwei Jahren. Spannend geben
sie Einblick in ihre Erfahrungen
von einer völlig anderen Situation. Sicher kommen sie „anders zurück“,
weil sie nicht nur ihren Horizont
erweitert, sondern auch für ihr
geistliches Leben viel gelernt
haben. Kreuz und quer geht es in den Berichten durch Afrika und Asien
in die Partnerkirchen der Vereinigten
Evangelischen Mission (VEM), Wuppertal. Die aus Briefen
zusammengestellten Beiträge sind thematisch unter Überschriften geordnet, die
auch junge Leser motivieren können. Fritz Lamparter, em 1994-3. |
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Schmidt, Norbert. Von der Evangelisation zur
Gemeindegründung. Die Geschichte der Marburger Brasilienmission. Marburg: Francke Verlag, 1991. Norbert Schmidt beschreibt in dieser gründlichen
missionsgeschichtlichen Forschungsarbeit die Spannung zwischen Mission in
einem anderen Kulturkreis im eigentlichen Sinne und der evangelistischen bzw.
erwecklichen Betreuung der Nachfahren deutscher Einwanderer im Süden
Brasiliens. Es wird der schwierige Weg von den Anfängen der Arbeit als Gemeinschaftsarbeit,
zu der die ersten Missionare nach Brasilien kamen, zu einer eigenständigen,
unabhängigen Gemeinde beschrieben. Die Basis der Marburger Brasilienmission
und der von ihr ausgesandten Missionare ist der deutsche innerkirchliche
Pietismus. Hieraus ergibt sich die Problematik der Gemeindegründung durch
Missionare und Missionswerke mit einem mehr kulturell als biblisch
orientierten Gemeindeverständnis, das einfach die eigene christliche Kultur
mit ihrer spezifischen volkskirchlichen Struktur ins Ausland zu verlagern
versucht. Neben dieser Schwierigkeit wird das Ringen zwischen der
Missionsgesellschaft der Heimat und der jungen brasilianischen Gemeinde um
die Verantwortung für die Arbeit aufgezeigt. Gute, zum besseren Verständnis dienende Ergänzungen sind
die Kapitel über die Geschichte der Gnadauer Brasilienmission mit ihrem
auch in Brasilien klar innerkirchlichen Weg, über die Mutterhausdiakonie in
Brasilien sowie der ausführliche Anhang. Ein interessantes Werk, insbesondere für den mit den
kulturellen und kirchlichen Verhältnissen Südbrasiliens vertrauten Leser. Heinrich Finger, em 1998-1. |
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Schmied, Martina. Familienkonflikte zwischen
Scharia und Bürgerlichem Recht. Peter Lang: Frankfurt, 1999. Martina Schmied geht in ihrer rechtswissenschaftlichen
Dissertation der Frage nach, wie im Raum Wien lebende Muslime Ehe- und
Familienkonflikte angesichts ihres Herausgerissenseins aus ihrem
großfamiliärem Umfeld lösen, da im Einwanderungsland traditionelle
Konfliktlösungsmöglichkeiten nicht im selben Maß wie im Heimatland zur
Anwendung gebracht werden können. Welche Wege zur Konfliktlösung in Familienstreitigkeiten
werden beschritten, welche stehen im Immigrationsland überhaupt zur
Verfügung? Die Autorin hat zur Beantwortung dieser Fragen Interviews sowie
einschlägige Gerichtsurteile verwendet. Drei Dinge scheinen mir aus der Fülle der wertvollen
Informationen zum islamischen Recht bemerkenswert: 1. Wie selten sich muslimische Familien hilfesuchend an
österreichische Gerichte wenden, mag im Vergleich mit der Zahl der in Österreich
ansässigen Muslime zunächst erstaunen, öffnet jedoch den Blick dafür, daß es
auch in einer muslimischen Ehe - in der aus westlicher Perspektive die Frau
unterdrückt und entrechtet scheinen mag – für sie Möglichkeiten des Protestes
und Widerstands gegen unangemessene Behandlung und Verstöße gegen den einmal
geschlossenen Ehevertrag gibt. Dieser Protest ist allerdings eingebettet in
die Werte und Handlungsspielräume der islamischen Kultur. Es drängt sich die
Schlußfolgerung auf, daß ein Schlüssel zum Verständnis des Islam eine vermehrte
Erforschung seiner kulturellen Werte, Rechtsnormen und gesellschaftlichen
Maßstäbe sein müßte, um den Islam nicht nur punktuell, sondern als ganzes,
geschlossenes System begreifen zu können. 2. Muslimische Immigranten versuchen, auch im westlichen
Ausland im Ehe- und Familienrecht soweit wie möglich der Befolgung islamischer
Rechtsnormen nachzukommen. Ist dies einerseits aus dem Anspruch des Islam erklärlich,
nicht nur religiöses, sondern auch politisches und gesellschaftliches System
zu sein, gibt es doch andererseits zu Bedenken Anlaß, daß ein aktives
Befürworten und Eintreten für westliche Rechtsnormen in größerem Umfang bei
muslimischen Immigranten keinesfalls in Sicht ist - was sicherlich nicht nur
für Österreich Gültigkeit haben dürfte. 3. Und schließlich stellt die Autorin fest, daß das Wissen
bei Vertretern des österreichischen Rechts über islamische Rechtsnormen im
allgemeinen als recht gering einzuschätzen ist - und das, obwohl Muslime in
großer Zahl seit vielen Jahrzehnten in Österreich leben und arbeiten. Diese
Feststellung ließe sich sicher fast unbesehen auf deutsche Verhältnisse
übertragen und macht den dringenden Bedarf nach (günstigstenfalls christlichen)
Juristen deutlich, die gleichzeitig profunde Kenntnisse des islamischen
Rechts aufweisen. Viele Gerichtsentscheidungen der kommenden Jahre werden
wohl andernfalls fast zwangsläufig im „Dunkel der Unwissenheit“ gefällt werden.
– So scheint heute mehr denn je eine tiefgreifende Beschäftigung mit Islam
das Gebot der Stunde zu sein. Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-2. |
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Schmutterer, Gerhard. Tomahawk und Kreuz. Fränkische Missionare unter
Prärie-Indianern
1858-1866. Freimund-Verlag, Neuen-dettelsau/Verlag der Ev.-Luth. Mission, Erlangen (Erlanger Taschenbücher Band 79). Man sollte heute nicht
meinen, daß Amerika auch einmal
deutsches Missionsgebiet gewesen
ist. Schmutterer vermittelt einen Einblick in die nur acht Jahre
währende Geschichte der von der deutschen
Auswandererkirche der Iowa Synode unter den Indianern betriebenen
Mission, in der u.a. der in Crimmitschau
geborene und in Neuendettelsau ausgebildete Moritz Bräuninger zum Märtyrer wurde. Das Buch beruht auf Primärquellen
und leistet deshalb auch einen Beitrag zur Missionsforschung. Em 1988-2. |
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Schnabel, Eckhard J. Das Reich Gottes als
Wirklichkeit und Hoffnung. Neuere Entwicklungen in der evangelikalen Theologie. Wuppertal/Zürich: Brockhaus, 1993. Eckhard Schnabel, bis vor kurzem Dozent am Missionshaus
Bibelschule Wiedenest, jetzt Dozent an der Freien Theologischen Akademie in
Giessen, veröffentlicht hier seinen Beitrag zur Jahrestagung der „Konferenz
Bibeltreuer Ausbildungsstätten“ im Oktober 1990. Die Jahrestagung
behandelte neuere Entwicklungen in der evangelikalen Theologie zum Thema
„Reich Gottes“. Zunächst skizziert der Autor in einem historischen
Rückblick das theologische Erbe der Evangelikalen seit der Reformation. Im
zweiten und längsten Kapitel beschäftigt er sich mit „sozialethischen
Fragen“ der sog. „radikalen Evangelikalen“. Er erläutert insbesondere, wie
die Lausanner Bewegung in ihren Veröffentlichungen zu sozialethischen Fragen
das Konzept „Reich Gottes“ rezipierte. Im dritten bis fünften Kapitel betrachtet
Schnabel die Positionen der sog. „bekennenden“, „restaurativen“ und
„charismatischen“ Evangelikalen. Am Ende eines jeden Kapitels bewertet der
Autor die geschilderte Position. Im letzten Kapitel präsentiert Schnabel mit
Belegen aus dem Neuen Testament seine eigene Position zum Thema „Reich
Gottes“. Er untermauert sie mit Hinweisen auf wichtige anderweitige Veröffentlichungen
zum Thema und weist auf die Relevanz der Ergebnisse für den ersten Teil
seines Buches hin. Schnabel gelingt es, dem Leser anhand von Beispielen die
zwei Gefahrenpunkte beim Thema „Reich Gottes“ im evangelikalen Lager klar
vor Augen zu stellen: Die „radikalen“, die „restaurativen“ und die
„charismatischen“ Evangelikalen stehen in der Gefahr, das Reich Gottes zu
stark in seiner jetzigen Verwirklichung zu sehen bzw. zu erwarten. Die
„bekennenden“ Evangelikalen hingegen neigen eher zu einer starken Verjenseitigung
des Reiches Gottes, was auch nicht dem neutestamentlichen Befund
entspricht. Hier ist eine klare Darstellung gelungen, die so manchen
zum Nachdenken anregen sollte. Nur scheint mir das 135seitige Büchlein für
29,80 DM etwas überteuert. Andreas Wieland, em 1997-2. |
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Schnabel, Eckhard J. Das Reich Gottes als Wirklichkeit und Hoffnung.
Neuere Entwicklungen in der evangelikalen
Theologie. Wuppertal/Zürich: Brockhaus, 1993. Schnabel, bis vor kurzem Dozent an der Bibelschule
Wiedenest und jetzt an der FTA Gießen, skizziert zunächst in einem
historischen Rückblick das theologische Erbe der Evangelikaien zum Thema seit der Reformation. Im zweiten und
längsten Kapitel beschäftigt er sich mit „sozialethischen
Fragen“ der sogenannten „radikalen Evangelikalen“. Er zeigt, wie die Lausanner Bewegung das Konzept „Reich Gottes“
in ihren Veröffentlichungen zu sozialethischen
Fragen rezipierte. Im dritten bis fünften Kapitel betrachtet Schnabel
die Positionen der „bekennenden“, „restaurativen“ und „charismatischen“ Evangelikalen. Am Ende Schnabel gelingt es, dem Leser die beiden Gefahrenpunkte zum Thema „Reich Gottes“ klar
anhand von Beispielen im evangelikalen Lager
vor Augen zu stellen. Die „radikalen“, die „restaurativen“ und die
„charismatischen“ Evangelikalen stehen in der Gefahr, das Reich Gottes zu stark in seiner jetzigen Verwirklichung
zu sehen bzw. zu erwarten. Die „bekennenden“
Evangelikalen hingegen neigen eher zu einer starken Verjenseitigung
des Reiches Gottes, was auch nicht dem
neutestamentlichen Befund
entspricht. Schade, daß die
anregende Darstellung mit DM 29,80 für 135 Seiten etwas überteuert
ist. Andreas Wieland, em 1995-3. |
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Schnabel, Eckhard J. Sind Evangelikale Fundamentalisten? R. Brockhaus Verlag: Wuppertal/Zürich, 1995. Schnabel hat in dieser Schrift die wichtigste Literatur
der neueren Fundamentlismus-Debatte verarbeitet und stellt mit Recht ferst,
daß es keine allgemein anerkannte Definition des Fundamentalismus-Begriffs
gibt, weshalb besser auf ihn verzichtet werden sollte (29). Trotz der
Gefahr, als Fundamentalist bezeichnet zu werden, sind Fundamente nötig.
Schnabel benennt aus der Sicht eines „konservativen Evangelikalismus“ (51)
vier: den Glauben an den Einen Gott und die Wahrheit des Evangeliums, das
Bekenntnis zur Autorität der Heiligen Schrift und die Aufgabe von Mission und
Evangelisation. „Vielleicht ist es besser, wenn man als evangelikaler
Fundamentalist diffamiert und damit wenigstens wahrgenommen wird, als wenn
man … wegen argumentativer Unsichtbarkeit ignoriert wird“ (50). Er betont
aber auch, daß die Wahrheit nicht ohne Liebe vertreten werden darf. Wer sich
mit dem Fundamentalismusvorwurf gegen sich selbst auseinandersetzen will,
mag hier Trost finden. Mir selbst, der ich kein „konservativer Evangelikaler“
bin, erscheinen in der Tat einige Ansichten Schnabels „fundamentalistisch“. Dr. Johannes Triebel, em 1996-4. |
|
Schnabel, Eckhard. Urchristliche Mission, Wuppertal:
Brockhaus TVG., 2002. Das vorliegende Buch hat 7 Teile, 35 Kapitel und 1806
Seiten (davon 110 Seiten Bibliographie). Hinter dem kurzen Titel
„Urchristliche Mission“ verbirgt sich ein so umfassendes und komplexes Werk,
wie es seit A. v. Harnacks „Mission und Ausbreitung des Christentums in den
ersten drei Jahrhunderten“ (4. Aufl. 1924) nicht mehr angegangen worden ist.
Dabei konzentriert Schnabel sich vor allem auf die neutestamentliche Zeit.
Sein Ziel: „Eine Studie, die missionsstrategisch … relevante Fakten darstellt
und missionstheologisch relevante Aspekte erläutert und dabei die Ergebnisse
der vielen größeren und kleineren Studien der letzten Jahrzehnte zu einem
Gesamtbild integriert“ (S.8). Der Autor definiert Mission als praktische „Aktivität
einer Glaubengemeinschaft…, die darauf hinarbeitet, andere Menschen… zu
gewinnen“ (S.11). Diese Aktivität könne sich als „expansive Proklamation“
(zentrifugale Dimension) oder als „gewinnende Präsenz“ (zentripetale
Dimension) äußern. Diese historisch-praktische
Definition ist für eine vorwiegend historische Arbeit durchaus sinnvoll.
Vielleicht könnte sie missionstheologisch
noch ergänzt werden um die Dimension der missio
Dei, die missionarische Aktivität Gottes selbst, auf die Schnabel immer
wieder Bezug nimmt (vgl. z.B. S.1517), zu berücksichtigen. Hilfreich ist eine
Aufschlüsselung und Darstellung des neutestamentlichen Wortfeldes zum
Sachfeld „Missionspraxis“ (Träger, Adressaten, Orte, Verkündigung, Inhalte,
Ziele, Tat-Mission, Interpretation, Mühen, Missverständnisse). Die sieben aufeinander aufbauenden Teile des Buches
spannen den Bogen von der altestamentlichen Urgeschichte bis zu heutigen
Fragen der Missionsstrategie. In Teil I: Verheißung (S.57-178) beschreibt
Schnabel die Vor-Geschichte der urchristlichen Mission. Anhand
alttestamentlicher, früh- und diasporajüdischer Texte zeigt er die universale
(internationale) Dimension des vorchristlichen Judentums als „heilsgeschichtliches
Fundament der späteren urchristlichen Mission“ auf (S.62). Er übernimmt E.
Scheurers Schlussfolgerung, dass im AT zwar deutlich Missionsgedanken zu
finden seien, aber „von praktischer Sendung … wie dies im Neuen Testament
berichtet wird, ist im Alten Testament nichts zu finden“ (S.59). Stimmt das
so? Waren die Propheten nicht in einer praktischen Sendung (v.a. an Israel)
aktiv? War nicht Israel als ganzes Volk gesandt und beauftragt, den
lebendigen Gott vor aller Welt zu bezeugen – auch mit praktischen Dimensionen
(z.B. 1Kön. 8,41-43), die in ihrer zentripetalen Grundausrichtung auch im NT
weiter gültig bleiben, z.B. Mt. 5,13-14? In Teil II :
Erfüllung (S.179-380) untersucht der Autor die „Mission Jesu“ und seiner
Jünger in der Spannung zwischen der primären heilsgeschichtlichen Sendung an
Israel und der aufleuchtenden Sendung auch an die Nichtjuden mit ihrer
Kulmination im nachösterlichen Missionsbefehl. Teil III: Die
Anfänge (S.381-542) widmet sich der Mission der Apostel in Jerusalem. Besonders ausführlich
untersucht und belegt Schnabel hier die mögliche missionarisch-geographische
„Maximalperspektive“ der Apostel, die nicht nur bis Spanien (Paulus), sondern
sogar bis nach Indien (Thomas) gereicht haben könnte. Der zweitlängste Teil
IV: Aufbruch (S.543-886) erzählt die Geschichte der von Jerusalem ausgehenden missionarischen
Aktivitäten der Apostel und Gemeinden. Schnabels Schilderung zeichnet sich
durch großes Interesse am konkreten historischen Kontext dieser Mission aus,
der kenntnisreich bis in Einzelheiten hinein beschrieben wird (Stadt u. Land,
Baden u. Bäder, Reisen, Buchwesen, Schulen, Sprachen, Mysterienkulte etc.).
Schwerpunkte bilden dabei die Mission des Petrus und die Mission der
Judenchristen. Immer wieder fällt auf, dass es heißt: Missionare unbekannt,
leider keine Informationen. Dennoch wendet Schnabel viel Mühe und Akribie darauf,
zumindest die historischen Ränder des missionsgeschichtlichen Schweigens der
Quellen genau zu dokumentieren: so listet er auf vier kleingedruckten Seiten
ca. 80 Dörfer im 25km-Umkreis Jerusalems auf, in denen christliche Gemeinden
„entstanden sein … könnten“ (S.720-725). Entsprechendes tut er auch für
Samarien (S.745-749), die Mittelmeerküste (S.750-759) etc. Wie sinnvoll
solche „Ausflüge in die Umgebung“ sind, sei dahingestellt. Hilfreich jedoch
sind Schnabels umfassende Auswertung und Integration neuester Studien zu
einzelnen Zügen dieser missionarischen Epoche, die er wie Puzzleteile in das
große Gesamtbild einfügt, so beispielsweise A. v. Dobbelers Studie zum Evangelisten
Philippus (Tübingen, 2000), dessen Mission er in 11 Beobachtungen beschreibt
und in 7 Punkten ihre Bedeutung für das Verständnis der urchristlichen
Mission zusammenfasst (S.657-665). Gleichzeitig geht der Autor immer wieder unmittelbar zum
Text des NT und nimmt den Leser mit in exegetische Detailstudien, die den
Gang der Missionsgeschichte erhellen. In dieser Hinsicht erweist sich
Schnabels Werk immer wieder als detailreiches und aktuelles
Forschungskompendium zu historischen und theologischen Facetten der
urchristlichen Mission. Der „Löwenanteil“ von Schnabels Werk ist unter Teil V: Pioniermission (S.887-1426)
der Mission des Apostels Pauls gewidmet. Hier kondensiert und verarbeitet
Schnabel die Ergebnisse der Paulus-Forschung im Blick auf sein Verständnis,
seine Wirken und seine Wirksamkeit als herausragender Missionar. Im Blick auf
das Selbstverständnis des Missionars Paulus vermittelt der Autor unmittelbare
exegetische Einblicke in Texte der Korintherbriefe, des Römer- und Kolosserbriefes.
Er zeigt Paulus im Netzwerk der Beziehungen zwischen Absprache und Konflikt.
Auf gut 250 Seiten beschreibt Schnabel geographisch geordnet das Missionswerk
des Paulus von Damaskus bis nach Spanien. Er setzt sich ausgehend von der
Clemens-Notiz, dass Paulus bis an die „Grenze des Westens“ gelangt sei, für
die Wahrscheinlichkeit einer Spanien-Mission des Apostels ein. Von hier
ausgehend sammelt Schnabel viele interessante Informationen über Bedingungen
und mögliche Missionsorte in Spanien (Liste wichtiger spanischer Städte der
Epoche, S.1219-1224). Auch wenn hiermit nichts bewiesen ist, werden doch
interessante Perspektiven im Blick auf missionsgeschichtliche Möglichkeiten
eröffnet. Die missiologische Strategie und evangelistische
Kommunikation des Apostels beschreibt Schnabel auf knapp 200 Seiten.
Besonders interessant und evangelisationstheologisch aufschlussreich ist
seine ausführliche Analyse der Missionspredigt bei Paulus, die er in sechs
Kategorien beschreibt: (1) Christologische Kommunikation vor Juden, (2)
theologische Kommunikation vor Heiden, (3) dialogische Kommunikation, (4)
ideologische Konfrontation gegenüber Heiden und Juden, (5) apologetische
Konfrontation in den Gemeinden, (6) pastorale Konkretion in den Gemeinden.
Auf die Frage, warum Paulus den Gemeinden keine Missionsbefehle gegeben habe,
folgt Schnabel weitgehend der Argumentation von O`Brien zur missionarischen
„Logik des Evangeliums“, die bei Paulus eine Sendung der Gemeinden als
Missionszentren impliziere. In Teil VI: Wachstum
beschreibt Schnabel die missionstheologischen Gedanken bei Matthäus, Markus,
Lukas, Johannes und Petrus, die er als Beitrag zur Konsolidierung und zum
weiteren Wachstum missionarischer Gemeinden sieht. War das NT bisher als
Quelle für die Geschichte der Mission benutzt worden, so wird es nun als
Ausdruck und Interpretation dieser Mission gelesen. Teil VII fasst
den Ertrag (S.1477-1528) der Studie
zusammen. Selbstverständnis, Praxis (Wort, Dialog, Rahmenbedingungen) und
Botschaft (Evangelium, neue Identität, Verheißung der Vollendung) der
urchristlichen Mission werden profiliert auf den Punkt gebracht. Das letzte
Kapitel versucht den Brückenschlag in die gegenwärtige missiologische
Diskussion vor allem im Sinne eines Gesprächs zwischen
historisch-exegetischen Erkenntnissen und strategisch-praktischer
Missiologie. Hier sei bei der Übertragung vermeintlicher biblischer
Prinzipien auf die heutige Situation exegetisch genauer hinzuschauen. So
könne z.B. das Zeltmacher-Konzept sich nicht auf Paulus berufen, was aber auch
nicht notwendig sei, da Gott immer innovative Ideen genutzt habe, um das
Evangelium weiterzutragen. Nicht „alle Aktionen und Initiativen“ müssten mit
einer Bibelstelle begründet werden. Andererseits identifiziert Schnabel eine
Reihe von missiologischen Themen, die sich aus seiner Sicht zu weit vom
biblischem Befund entfernen, wie z.B. das von ihm beobachtete Ersetzen der Begriffe
„Mission“ und „Evangelisation“ durch „Offenheit“ oder „Attraktivität“ (findet
das wirklich so in der Missiologie statt?): Die urchristlichen Gemeinden
seien nicht nur attraktiv und offen gewesen, sondern hätten aktiv
missioniert. Hier spielt Schnabel m.E. unnötigerweise im biblischen Missio
Dei –Verständnis zusammengehörige Aspekte gegeneinander aus. Die
Argumentation von A. Köstenberger aufgreifend wendet sich Schnabel auch gegen
den Begriff der „Inkarnation“ als Beschreibung der Mission (z.B. bei J.
Stott). Hier werde ein einzigartiger biblischer Vorgang beschrieben, den die
christliche Mission nicht nachvollziehen, sondern bezeugen solle. Besser
seien Begriffe wie „Kontextualisierung“ oder „Inkulturation“. Auch hier steht
m.E. wieder ein auf die Praxis verengter Missionsbegriff im Hintergrund, da
die Inkarnation neben der Schöpfungstheologie die missionstheologische
Grundlage für „Inkulturation“ und „Kontextualisierung“ bildet. Ein weiterer
Kritikpunkt Schnabels: das ganzheitliche Heilsverständnis z.B. bei D. Bosch
gehe von einer zu optimistischen Sicht des kosmos aus, die mit der johanneischen Sicht nicht übereinstimme.
Auch hier stellt Schnabel wichtige Fragen, führt die Diskussion allerdings
auch wieder etwas verkürzt, was auch insgesamt für den „Brückenschlag“ des
letzten Kapitels in die gegenwärtige missionstheologische Diskussion gilt. Die spannende Frage bleibt: Was können wir heute von der
urchristlichen Mission lernen? Wie lässt sich der „Erfolg“ der urchristlichen
Mission erklären? Schnabel zeigt auf, dass bereits v. Harnacks soziologisch geprägte
„praeparatio evangelica“-Erklärung nicht ausreicht. V. Harnacks Sichtweise wird heute wesentlich
differenzierter weitergeführt. Man sieht die wichtigsten Gründe für die
schnelle Ausbreitung in (1) Wundern und Dämonenaustreibungen, (2) im Mut der
Märtyrer und (3) in der Nächstenliebe und Praxis christlicher Wohltätigkeit.
Doch auch diese Erklärungen greifen zu kurz. Schnabel hat recht: „Vielleicht
ist es mehr als ein ‘christliches Vorurteil’, wenn man das Wachstum der Kirche
… als Resultat des Wirkens Gottes sieht“ – ein Geheimnis der göttlichen Gnade
(S.1498). Dieser implizite Hinweis auf die Missio Dei und die damit verbundene Betonung, dass alleine das von
Gott geoffenbarte Evangelium Jesu Christi zur Vergebung der Sünden Grund und
Inhalt der Mission der Gemeinde Jesu sein kann, schließt dieses neue und
empfehlenswerte Standardwerk treffend ab. Der Anhang enthält neben der Bibliographie 40 Seiten mit
Karten und verschiedenen Abbildungen zum Text sowie ein Stellenregister zu
AT, NT, frühjüdischer Literatur, neutestamentlichen Apokryphen, apostolischen
Vätern, Kirchenvätern, heidnischen antiken Schriftstellern, Inschriften und
Papyri, sowie ein geographisches und ein Personen- und Sachregister. Dr. Friedemann Walldorf, em 2004-4. |
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Schockehoff, Eberhard. Zur Lüge verdammt? Politik,
Medien, Medizin, Justiz, Wissenschaft und die Ethik der Wahrheit. Herder: Freiburg, 2000. Der katholische Ethiker Schockenhoff liefert hier sowohl
eine detaillierte Geschichte des Wahrheits- und Lügeverständnisses in Theologie
und Philosophie des Abendlandes, als auch eine Darstellung der aktuellen Diskussion
in den verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft. Wenn er auch nicht die
Heilige Schrift als letzte Norm versteht, sondern eher historisch-kritisch
und vom katholischen Lehramt ausgehend vorgeht, sind auch seine Ausführungen
zum Alten und Neuen Testament hochinteressant. Da es leider weder auf Englisch
noch auf Deutsch eine ausführlichere evangelikale Darstellung zu Lüge und
Wahrheit, geschweige denn über deren Aktualisierung in auch für Missionare
wichtigen Bereichen wie Politik, Medien oder Kultur gibt, ist das Buch als
Einstieg zu empfehlen, auch wenn es bisweilen sehr breit und technisch über
die Geschichte bestimmter Begriffe und Sichtweisen referiert. Wahrheit ist
gerade für Evangelikale ein Kernbegriff ihres biblischen Gottes- und Glaubensverständnisses.
Deswegen können wir uns nicht einem nebulösen Empfinden für Wahrheit und
Lüge überlassen, sondern müssen in unserer Ethik einer Welt, die vom Vater
der Lüge regiert wird, begründet und deutlich verkündigen, was Wahrheit und
was Lüge ist und wie sich dies auch in den komplizierten Situationen unserer
Welt, etwa vor Gericht, am Kranken- und Sterbebett, im Nachrichtenwesen
(also auch im Rundbrief des Missionars) oder im Umgang mit Gerüchten in unseren
Gemeinden bewährt. Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-2. |
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Schreiber, Annelie. Mit Zauberrassel und
Bambusstab. Erlebnisse bei den Guarani-Indianern. Hänssler: Holzgerlingen, 1999. Annelie Schreiber, von 1984-1993 als Missionarin unter
den Guarani-Indianern Brasiliens und Paraguays tätig, erzählt tagebuchartig
und leicht verständlich von ihren vielen Aha-Erlebnissen im Urwald. Da liest
man von Patricio, der sowohl bei den Missionaren als auch bei den Schamanen
seines Stammes Hilfe für sein eiterndes Bein sucht. In einem anderen Kapitel
wird Felipa geschildert, wie sie ein Kind geboren hat, aber ihr Mann das
Kindbett hütet, um so die Geister irrezuführen. Dann ist da auch der Bericht
über Frauenstunden auf der Missionsstation, die zum allgemeinen
Familienfest werden und wie die Autorin sich müht, nicht nur die
Guarani-Sprache, sondern auch den Dialekt der Mbya zu erlernen, um noch
besser die Kultur dieses Volkes zu verstehen. Die Guarani haben einerseits große Sehnsucht nach spirituellen
Werten und leben andererseits in ständiger Existenzangst. Sie führen z. B.
die meisten Krankheitssymptome auf den Einfluß böser Mächte zurück. Und einen
schlafenden Menschen solle man nicht wecken, da die Seele beim Schlafen den
Körper verläßt. Die Harmonie nach einem Streit wird hergestellt, indem einer
der Beteiligten den Wohnort wechselt. Die Deutsche Indianer-Pioniermission
versucht, einen Teil der etwa 50.000 in Paraguay lebenden Indianer zu erreichen.
Denn entgegen der Meinung mancher Ethnologen, man solle den Indianern ihre
Kultur und Religion lassen, glaubt Annelie Schreiber an die befreiende Macht
des Evangeliums, welches auch diesen Indianern neue Identität und Hoffnung
geben kann. Wilma Neufeld, em 2000-1. |
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Schröder, Sabine. Konfessionslose erreichen.
Gemeindegründungen von freikirchlichen Initiativen seit der Wende 1989 in
Ostdeutschland. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2007. Die vorliegende Arbeit wurde im Herbst 2005 von der
Theologischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald als
Dissertation angenommen. Das Thema ist äußerst wichtig und bisher wenig beleuchtet:
Die Neugründung von Freikirchen nach der Wende in Ostdeutschland. Bei einer
Konfessionslosigkeit von 70% sahen sowohl Kirchen als auch Frei kirchen die
Chance, das religiöse Vakuum neu zu füllen. Sabine Schröder geht explizit der
Frage nach, wie Freikirchen in Form von Gemeindegründungsprojekten in den
Jahren 1989 bis 2003 auf diese Herausforderung reagiert haben. Bevor sie dies
empirisch erhebt, setzt sie sich mit der Geschichte, dem Begriff der
Freikirchen besonders im historischen Kontext Ostdeutschlands auseinander.
Dabei legt Schröder wert darauf, dass Freikirchen nur aus der
geschichtlichen Sichtweise verstanden werden können und beschreibt daraufhin
wichtige inhaltliche Einflussfaktoren der Freikirchen. Zu diesen zählt sie
unter anderen den ekklesiologischen Ansatz Bonhoeffers, das Priestertum aller
Gläubigen, starke Bibelorientierung und kontextualisierte Ausdrucksformen
(S.45-114). Da die Identität der Freikirchen eng mit ihrem Auftrag verbunden
ist, legt die Autorin im Hinblick auf Gemeindegründung einen besonderen
Fokus auf den missionarischen Auftrag der Gemeinde. Daraus resultierend
entwickelt Schröder Fragen wie: Ist die neue Gemeinde eine Christus hörende,
Christus thematisierende und auf Christus hoffende Gemeinde? Wer ist wirklich
wichtig – Christus oder die Gemeinde selbst? Weist sie auf ihn hin oder auf
sich selbst? Ist ein neu entstandener Hauskreis, der zu keiner Gemeinde
gehört, in dem aber das Wort Gottes verkündet und das Abendmahl gefeiert
wird, eine neue Gemeinde? Sollte eine Gemeinde einen rechtlichen Status
besitzen? Bevor sie das Thema Gemeindegründung aufgreift, legt sie
herausfordernde Kriterien für eine sichtbare Kirche fest, die den
missionarischen Auftrag der Kirche widerspiegelt. Dabei stellt sie fest,
dass die ausgewählten Strategien und Programme vieler Gemeinden an der
nichtchristlichen Zielgruppe vorbeizielen. Sabine Schröder nimmt in ihrer
Darstellung der Gemeindegründung immer wieder Bezug auf Gemeindepflanzungsprojekte
(church planting) der anglikanischen Kirche. Denn anhand der Kirchengeschichte
Englands ließe sich erkennen, wie die „Pflanzung" von Gemeinden für eine
beständige Erneuerung der Kirche Sorge tragen könne. Im vierten Kapitel wird
die empirische Erhebung vorgestellt. Planung, Methoden, Konzeption der
Fragebögen und die entsprechende Durchführung der Erhebung werden umfangreich
mit vielen Tabellen und Statistiken beschrieben. Die zentralen
Forschungsfragen bei der empirischen Erhebung von Gemeindegründungsprojekten
in den Jahren 1989 bis 2003 lauten: Wie wird Gemeinde gegründet? Wie verstehen
sich die Gemeinden? Sind Freikirchen ein geeignetes Mittel um Konfessionslose
zu erreichen? Ist Wachstum in den Gemeindeinitiativen zu beobachten? Unter
Zuhilfenahme eines Marktforschungskonzeptes (nach Bereko-ven) und des
Kirchenmarketings (nach Tscheu-lin/Dietrich) wurde ein quantitativer
Fragebogen erarbeitet, der an alle bekannten freikirchlichen Bünde und
Gemeindegründungsinitiativen ausgegeben wurde. Die Briefwechsel (E-Mails)
und die angewandten Methoden (Fragebogen) sind im Anhang einzusehen. Nicht
klar nachzuvoll-ziehen ist die Methodologie des empirischen Ansatzes. Warum
ausgerechnet ein Marketingkonzept? Und nach welchen methodologischen und
soziologischen Paradigmen wird verfahren? Hier wäre eine höhere Transparenz
hilfreich gewesen. Die inhaltlichen Ergebnisse werden in statistischer Form
ausführlich dargestellt. Von der Fülle der Ergebnisse seien nur ein paar herausgegriffen:
73% der durch Gemeindegründungsinitiativen erreichten Bevölkerungsschicht
kamen aus der Mittelschicht und davon waren die Mehrheit weiblich. Dabei
hatte „Gemeinschaft“ den höchsten Stellenwert, sowohl hinsichtlich der
Gemeindeaktivitäten als auch der evangelistische Methoden. Interessant ist,
dass sich kein einheitliches Konzept oder eine besondere Methode
herauskristallisiert hat. Im fünften Kapitel werden nun die Schlussfolgerungen
aus den Ergebnissen der empirischen Erhebung und der theoretischen Vorarbeit
gezogen und Prinzipien für eine Gemeindegründung in Ostdeutschland
erarbeitet. Dabei werden vier Konzeptionen von Gemeindegründung skizziert
und jeweils mit den Ergebnissen der empirischen Studie verglichen. Dabei
kommt Schröder zu der Feststellung, dass sich alle vier Konzepte nicht mit
der Frage der Inkulturation des Evangeliums beschäftigen, denn sie scheinen
zu stark von der eigenen Denomination der Initiatoren geprägt zu sein. So
kommt sie folgerichtig zu dem Schluss, dass eine stärkere Auseinandersetzung
mit der Gesellschaft den Konzeptionen gut tun würde. Zusammenfassend bietet dieses Buch interessante Anregungen, Erkenntnisse
und Reflexionen rund um das Thema Gemeindegründung in Ostdeutschland und
darüber hinaus viele Anregungen die eigene – missionarische – Gemeindepraxis
zu hinterfragen, besonders was die Frage der Kontextualisierung und
Inkulturation von unterschiedlichen Milieus betrifft. Dr. Tobias Faix, em 2008-3. |
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Schrupp, Ernst. Gott macht Geschichte. Die Bibelschule und das
Missionshaus in Wiedenest.
Wuppertal: R. Brockhaus, 1995. Ernst Schrupp, langjähriger Leiter des Wiedenester
Werkes, beschreibt die bewegte Entstehungsgeschichte und den Werdegang des Missionshauses
Bibelschule Wiedenest. Das Buch erscheint im 90. Jahr des Bestehens dieses
Glaubenswerkes. Auf dem Hintergrund der Zeitereignisse in kriegs- und krisengeschüttelter
Zeit, zeigt Schrupp das Wirken Gottes im Leben und durch das Leben der
prägenden Gründer - und Leiterpersönlichkeiten des Werkes auf. Christoph
Köhler und Johannes Warns eröffneten 1905 in der damaligen Reichshauptstadt
Berlin den ersten Bibelschulkurs mit 12 Schülern. Nach 14 Jahren wurde die
Schule nach Wiedenest verlegt. Während Köhler die Autorität der Heiligen Schrift
besonders betonte, galt das Interesse Johannes Warns hauptsächlich aller
Förderung des Priestertums der Gläubigen in der Gemeinde nach dem Neuen Testament.
Es war das Verdienst von Erich Sauer, wegweisende Akzente in der Entwicklung
einer biblisch-heilsgeschichtlichen Sicht zu entwickeln. Im 2. Teil des Buches entfaltet der Verfasser ein
weiteres, zentrales Anliegen der Wiedenester Arbeit: Im Chor der Bibelschulen
setzt Wiedenest den Akzent auf eine starke Gemeindeverbundenheit und die
Integration von Gemeinde und Mission. Schrupp liefert in diesem Buch einen wertvollen Beitrag
zum Verständnis der Schwerpunkte, Überzeugungen und deren Umsetzung in die
Praxis der „offenen Brüder“ im deutschsprachigen Raum. Zahlreiche Hintergrundinformationen, eine fleißige
Quellenarbeit, sowie 38 Abbildungen legen ein beredtes Zeugnis davon ab,
daß Gott auch in schwierigen Zeiten Geschichte macht. Das Buch macht Mut zu
Gemeinde und Mission. Hartmut Burghoff, em 1996-3. |
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Schultz, Tobias. Faszination, Enttäuschung, Wut: Wie Araber
den Westen sehen – Persönliche Begegnungen und Medienberichte. Band 3
der Reihe: Orient et Occident 3, hrsg. von Dr. Christine Schirrmacher. Bonn:
Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2002. Tobias Schultz (–
neuer Leiter von OM Deutschland –) lebte mehrere Jahre in Ägypten. Im
Laufe der Zeit wurde ihm bewusst, dass die Menschen aus dem Westen meistens
kein Gefühl dafür haben, wie sie auf die Bevölkerung der arabischen Welt
wirken. Deshalb beschreibt er in seinem Buch aufgrund von persönlichen
Begegnungen und Medienberichten, wie bei den Arabern der Mann auf der Straße
den Westen erlebt, was ihn fasziniert und was ihn abstößt. Schultz will
„deutschen Lesern so gut es geht die Brille aufsetzen, durch die sie von
ihren arabischen Nachbarn gesehen werden.“ (S.9). In einem ersten Kapitel („Die glitzernde Welt“, S.15ff)
beschreibt er die große Faszination, die der Westen auf die arabische Welt
ausübt. Der westliche Wohlstand, die technologischen Errungenschaften, aber
auch politische Werte – wie etwa Demokratie und persönliche Meinungsfreiheit
– üben durchaus auf viele Araber eine starke Anziehungskraft aus. Demgegenüber stehen aber eine Vielzahl von kritischen
Punkten, die der Araber am Westen beobachtet, wie z.B. der Verfall der
Familie („Gemeinschaft – die Armut der Reichen“, S.24ff) und vor allem der
Verfall der Moral („Die große Schamlosigkeit“, S.29ff). So kommt es, dass man sich kulturell, sittlich und
religiös gegenüber dem Westen für weit überlegen hält: „Ihr habt mehr
Wohlstand als wir, wir dagegen haben Religion. Ihr seid uns technologisch
und militärisch überlegen – aber wir sind euch sittlich und charaktermäßig
überlegen. Ihr habt viele Kenntnisse auf dem Gebiet der Wissenschaft – wir
dagegen kennen Gott“ (S.45). Eine wichtige Rolle spielt dabei der Umstand,
dass im Westen die Religion weithin aus dem öffentlichen Leben in die
Privatsphäre des Einzelnen verbannt ist, eine Tatsache die für das
allumfassende Religionsverständnis von Muslimen undenkbar ist („Die Welt der
Gottlosen“, S.45ff). In einem weiteren Kapitel („Wer sind die wahren
Terroristen“, S.51ff) geht Schultz vor allem auf politische Fragen ein und
zeigt, wie Araber den Westen (und hier vor allem die USA) als voreingenommen
und voller Doppelmoral erleben: So weist man z.B. darauf hin, dass niemand
aus dem Westen ernsthaft versucht habe, die UN-Resolutionen gegen Israel zur
Durchsetzung zu bringen, während man z.B. gegenüber dem Irak bereit sei,
Gewalt anzuwenden. Das letzte Kapitel („Von wem geht die Bedrohung für
Frieden und Sicherheit aus?“, S.80ff) besitzt gerade durch die Geschehnisse
am Golf eine besondere Aktualität. Denn obwohl viele Araber Saddam Hussein
nicht besonders mochten, sind sie der festen Überzeugung, dass die stärkste
Bedrohung eher von George Bush (oder Ariel Scharon) ausgeht. So weisen sie
z.B. darauf hin, dass die Amerikaner lange vor den arabischen Staaten Massenvernichtungswaffen
gebaut (und eingesetzt) haben. In einem Schlussteil (S.86ff) stellt Schultz die Frage,
wie man mit solchen Vorwürfen gegen den Westen umzugehen habe? Die
menschliche Reaktion ist die Verteidigungshaltung. Und sicher gibt es viele
Gegenargumente und auch Fehler auf arabischer Seite, auf die man hinweisen
könnte. Aber der ausgestreckte Zeigefinger hilft nicht wirklich weiter. „Was
im wahrsten Sinne des Wortes notwendig ist, ist ein ehrlicher, gründlicher,
und wahrscheinlich schmerzhafter Blick in den Spiegel“ (S.88), bei dem wir
nicht nur die Politik, sondern auch das soziale, kulturelle und geistliche
Leben in unseren Gesellschaften einmal selbstkritisch betrachten sollten. Es
kann sicher nicht darum gehen, einfach dem Westen die Schuld für alle
möglichen Entwicklungen in die Schuhe zu schieben. Aber tatsächlich gibt es
auch auf unserer Seite Versagen, dem wir uns stellen sollten. Schultz gelingt es dem Leser die sonst ungewohnte
Sichtweise der Araber von der westlichen Welt deutlich zu machen. Er
vermittelt so ein Stück der heute so wichtigen Fähigkeit, die Welt mit den
Augen des anderen sehen zu können. Zwar gab es schon bisher Literatur zu
ähnlichen Fragestellungen (z.B. das Buch: Khoury & Hagemann, Christentum und Christen im Denken zeitgenössischer
Muslime, Würzburg / Altenberge: 2. Aufl. 1994; oder den zweiteiligen
Aufsatz von C. Schirrmacher, „Wie Muslime Christen sehen“ aus der Zeitschrift des Instituts für Islamfragen,
Nr. 0 + 1 / 2001), das Besondere hier ist jedoch, dass Schultz seine eigenen
Erlebnisse und persönliche Erfahrungen zur Sprache kommen lässt. Das macht
seine Ausführungen lebendig und interessant. Erfreulich ist, dass Schultz
keine Schwarz-Weiß-Malerei betreibt, sondern z.B. auch auf mancherlei Widersprüchlichkeiten
der arabischen Einschätzung des Westens hinweist. Das Buch ist ein echter Augenöffner! Deshalb ist ihm weite
Verbreitung zu wünschen. Jedem, der die „arabische Seele“ besser verstehen
möchte oder mit Menschen aus der arabischen Welt zu tun hat, wird dieses
Buch eine wichtige Hilfe bieten. Gerade manchem Politiker hätte man diese
Lektüre gewünscht … Aber schauen wir nicht auf andere: Jedem Christen, der
dieses Buch mit offenem Herzen liest, wird mit Erschrecken auffallen, dass
viele der Kritikpunkte, die Araber an unseren westlichen Gesellschaften
äußern, auch aus christlicher Sicht sehr berechtigt erscheinen (Verfall der
Familie, Verfall der Moral, Geringschätzung des Alters, Anbetung des Mammon
…). Einziger Wermutstropfen: Ein niedrigerer Preis (als 15 Euro für 90 Seiten)
hätte dem Buch sicher eine weitere Verbreitung erleichtert. Andreas Baumann, em 2003-4. |
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Schulze, Heinz. Arbeitsgemeinschaft
Sozialpolitischer Arbeitskreise (Hrsg.), Menschenfischer ‑ Seelenverkäufer. Evangelikale und fundamentalistische
Gruppen und ihr Wirken in der Dritten Welt, München 1987. Wenn man bedenkt, welche Rolle Kritik an den Institutionen einer freien Gesellschaft spielt
und welches Ausmaß sie unter Umständen
erreichen kann, erreichen muß, um ihrer gesellschaftlichen
Kontrollfunktion gerecht zu werden, dann
kommen evangelikale und
fundamentalistische Gruppen in der Bundesrepublik vergleichsweise
ungeschoren davon. Der Grund dafür ist nun
keinesfalls darin zu sehen, daß es
an ihnen nichts zu kritisieren
gibt, sondern vielmehr darin, daß ihre Aktivitäten und Initiativen im
Inland oder auch in Übersee von einer
breiteren Öffentlichkeit bei uns
eher selten wahr- und noch seltener
ernst genommen werden. Kritik an
evangelikalen und fundamentalistischen Organisationen allerdings
zeigt sich, wenn sie überhaupt auftaucht,
gern in zweierlei Art und Weise
merkwürdig. Die eine Art findet sich meist in Berichten, die für Tageszeitungen geschrieben werden, deren Autoren Denkweisen und Strukturen solcher
Organisationen nur selten einigermaßen
genau oder gar von innen heraus kennen.
Solche Art Kritik wirkt daher auf Insider eher etwas naiv. Die andere Kritik ist
zwar seltener und auch weniger naiv, hat aber dafür größere Wirkungen bei denen, die sie nicht nur lesen, sondern sich ihre Argumente zu eigen machen, auch wenn darin gar nicht echt oder
sogar manipulativ argumentiert wird. Diese
Art der Kritik findet sich in der hier besprochenen Publikation von Heinz Schulze. Sie ist nicht die erste dieser Art. Da war, überaus problematisch, vor einigen Jahren schon „Die Frohe Botschaft unserer Zivilisation“
(Herausgeber: Gesellschaft für bedrohte
Völker, Göttingen und Wien 1979). Was
Heinz Schulz und andere hier nun zusammengestellt haben, liest man
zunächst mit Stirnrunzeln, bald aber nur
noch mit fassungslosem Erstaunen. Um Mißverständnissen
vorzubeugen: Ich leide nicht unter dem Bedürfnis, die mit großem Fleiß zuwege gebrachte Arbeit eines anderen
herabzuwürdigen oder hämisch zu kommentieren. Auch ist Schulzes ständiger Hinweis auf die Tatsache, daß Evangelikale und
Fundamentalisten dazu neigen, korrupten Regierungen in der Dritten Welt und anderswo gegenüber eher indifferent zu bleiben,
durchaus berechtigt, und die Kritisierten täten gut daran, der Kritik zuzuhören, wie immer sie auch ausfallen mag. Aber: Wenn Kritik in einer Form vorgebracht
wird, wie es hier geschehen ist, dann beraubt
sie sich selbst jeglicher Wirkung auf denjenigen, an die sie sich
richtet. Das Ganze ist in der Tat so schlimm, daß es mir bei der gebotenen
Kürze schwer fällt, Symptomatisches so herauszugreifen, daß ein repräsentatives Bild vom Ausmaß der Mängel entsteht, die Schulzes Arbeit kennzeichnen. Abgesehen davon, daß der Autor die Tätigkeit
evangelikaler und fundamentalistischer Organisationen
in Deutschland als Griff nach der
Macht mißversteht und sie in ihren diesbezüglichen Möglichkeiten völlig überschätzt, ist ausgeprägte Einseitigkeit typisch
für die Auswahl seiner Fakten. Auch besteht die Dritte Welt, von der im Untertitel die Rede ist, fast ausschließlich aus Lateinamerika. Zwar betont der Autor im Vorwort, es sei nicht sein Anliegen, die Ausnahmen vorzustellen, sondern die Regel (S.5). Gerade das aber tut er dann in der Folge ständig. Völlig verwirrend sind
die „Klärungsversuche zu Beginn“ (S.7). Wenn ich nicht gewußt hätte,
was die Begriffe „Fundamentalismus“ und „evangelikal“ bedeuten, wäre ich
trotz größtmöglicher Bereitschaft zum Verstehenwollen nicht in der Lage
gewesen zu erkennen, was damit gemeint
ist. Immer widerwilliger
folgt man den Ausführungen des Autors, wenn man auf so merkwürdige Formulierungen stößt, in denen von den „bösen, selbstherrlichen Männern der
Evangelischen Allianz und des Gnadauer
Bundes“ die Rede ist (S.9), wenn man sinnlose
Sätze lesen muß wie „ … für die Mehrheit ist die Religion eine Bestätigung ihrer Existenz als Individuum mit einer ganz
persönlichen Erlösungsgeschichte in der
Ewigkeit“ (S.60), oder salbungsvolle wie
dieser: „Viele der fundamentalistischen Missionsgesellschaften sind Kinder der Krise und die Frucht ihres Leibes ist krisenbringend“ (S.43). Auffallend ist die geringe Sorgfalt, mit der die Namen von
Organisationen und Personen zitiert
werden. Der „Gnadauer Bund“ (S.9,14
usw.) heißt erst gegen Ende richtig „Gnadauer
Verband“ (S.120), und ein in die
Schlagzeilen geratener amerikanischer Fernsehprediger erscheint auf ein und derselben Seite als „Jimmy
Swaggart“ und „Swaggard“ (S.87). Die Liste ist leicht fortzusetzen, es wimmelt von Beispielen. Schwer fällt es auch, eine Abhandlung über die Rolle des amerikanischen Präsidenten im Rahmen des Themas ernstzunehmen, die den Titel „Ronnies Jesus-Mission“ trägt (S.15). Hier ist das Niveau einer Schülerzeitung erreicht. Besonders bedenklich
ist das Verfahren, Tatsachenbericht
und Kommentar nicht deutlich
erkennbar zu trennen oder von Zitat zu Zitat zu springen, wobei der Zusammenhang
zuweilen völlig
verloren geht (S.28). Einen in anderer
Weise zusammenhanglosen Eindruck
macht der Beginn der Ausführungen
über „Die elektronische Kirche“
(S.23). Mitten in einer Buchbesprechung über dieses Phänomen in den
USA und Lateinamerika erscheint das Signet des (deutschen) Evangeliumsrundfunks, dann wird das ursprünglich begonnene Thema weitergeführt, um
wiederum durch ein belangloses Photo, den
Ausriß des Programmzeitschrift-Titels des ERF und zwei völlig nichtssagende
Sätze über diesen, unterbrochen zu werden. Viel zu oft benützt der Autor unklare Begriffe wie „die
nordamerikanische Eroberung“ (S. 7)
oder, höchst seltsam im Zusam Problematisch sind die
Verbindungen zwischen Ereignissen und Fakten, die durch die viel zu
starke Verkürzung von Informationen suggeriert werden, im Zusammenhang mit
Bildmaterial (S.67) und mit Katastrophen
(S.48). Im letzteren Fall muß ein nichtinformierter Leser, der laut Vorwort
informiert werden soll, schließen, das ILV
selbst habe die Flugzeugabstürze inszeniert. Die Argumentation, wenn
sie überhaupt geführt wird, ist selten überzeugend (S.33 ist ein
Graffito als „starker Protest“ gegen ein christliches
Hilfswerk bezeichnet), manchmal in eindrucksvoller Weise
realitätsfern: Wie will der Autor im Ernst
einer Mutter aus den Slums von
Lima, deren Kind anders keinerlei Chancen hätte, oder gar einem
elternlosen Kind selbst einsichtig machen, daß „Kinderpatenschaften … entwicklungspolitisch
abzulehnen“ (S.57) und „die Arbeit des
Kinderhilfswerks Lima … europäisch
ausgerichtet und nicht in die Struktur der Basisorganisationen eingebunden“ seien (S.93)? Selbst einfachsten Maßstäben für Wissenschaftlichkeit
genügt Schulzes Arbeit nicht. Zitiert
werden fast keine Primärquellen, viel
zu oft Berichte aus Zeitungen und Blättern von höchst begrenzter
Bedeutung, mit dem längst unüblichen Kürzel „a.a.O.“ oft weder auffind- noch nachprüfbar. Die im
Impressum als Mitherausgeber firmierenden Organisationen, darunter besonders die studentischen, täten daher
gut daran, sich, falls noch nicht
geschehen, umgehend von der insgesamt blamablen Publikation zu distanzieren. Lothar Käser, em 1988-4. |
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Schwarz, Christian A. Die natürliche Gemeindeentwicklung
nach den Prinzipien, die Gott selbst in seine Schöpfung gelegt hat. C & P: Emmelsbüll & Oncken: Wuppertal, 1996. (Kurzfassung: ders.
Das 1 x 1 der Gemeindeentwicklung. C & P: ebd. 34 S. geheftet.). Das in zehn Sprachen und 12 Länderausgaben erscheinende
Buch geht auf eine breitangelegte Untersuchung von 1000 Gemeinden in 32 Ländern
auf allen 5 Kontinenten zurück. Dazu haben Gemeindeleiter und Mitarbeiter
ebenso wie ‘normale Mitglieder’ und Besucher detaillierte Fragebogen über
ihre Gemeinden ausgefüllt. In seinem graphisch ausgezeichnet aufgemachten,
übersichtlichen und flüssig geschriebenen Buch belegt Schwarz acht
Qualitätsmerkmale ‘guter’ Gemeinden, in denen Gebet und Seelsorge,
Evangelisation und Schulung eine wichtige Rolle spielen und die zugleich
wachsen: (1) „Bevollmächtigende Leitung“, wobei die Leiter stark auf
persönliche Beziehungen setzen und sich von außerhalb der Gemeinde beraten
lassen, (2) „Gabenorientierte Mitarbeiterschaft“ mit gründlicher Schulung
der ehrenamtlichen Mitarbeiter, (3) „Leidenschaftliche Spiritualität“ wie
intensives Gebetsleben, Begeisterung für den Gottesdienst und klare theologische
Überzeugungen, (4) „Zweckmäßige Strukturen“, in der die Strukturen den Menschen
angepaßt werden und nicht umgekehrt, (5) „Inspirierende Gottesdienste“, wobei
es interessanterweise auf das Wachtum und die Qualität praktisch keinen
Einfluß hat, wenn der Gottesdienst sich vorrangig an Nichtchristen wendet
(S. 31), (6) „Ganzheitliche Kleingruppen“, (7) „Bedürfnisorientierte Evangelisation“
und (8) „Liebevolle Beziehungen“. Diese Prinzipien bringt Schwarz dann mit
sechs „biotischen“ Prinzipien in Verbindung, also Prinzipien, mit denen
sich die Schöpfung erhält und vermehrt und die seines Erachtens nur zum
Schaden der Gemeinde durch technische Prinzipien ersetzt werden können. Es
sind „Vernetzung“, „Multiplikation“, „Energieumwandlung“,
„Mehrfachnutzen“, „Symbiose“, „Funktionalität“. Schwarz fordert einen
zweipoligen Gemeindebegriff, der dynamische und statische Elemente
gleichermaßen berücksichtigt (S.84ff). Reiner Spiritualismus ist genauso
eine Gefahr wie Technokratie. Bereitschaft zur Veränderung und Spontanität
haben genauso ihren Platz in der Gemeinde Jesu wie Festhalten an Bewährtem
und gründliche Planung. Mit seinen erfreulichen und studierenswerten Ergebnissen
entfernt sich Schwarz immer weiter von der klassischen Gemeindewachstumsbewegung,
deren Exponent er war und ist. Als herausragendste Entdeckung der Untersuchungen
bezeichnet Schwarz die Feststellung, daß Gemeinden, die einen bestimmten
Qualitätsindex übersteigen, ausnahmslos auch wachsende Gemeinden sind
(S.39). Qualitatives Wachstum und quantitatives Wachstum stehen nicht gegeneinander,
sondern bedingen einander – ein Ergebnis, das die biblische Offenbarung
eindrucksvoll bestätigt. Schwarz schreibt: „In vielen Gemeindewachstumsbüchern
läßt sich ein hartnäckiger Mythos aufspüren: Eine Gemeinde, die wachsen
will, brauche ganz konkrete numerische Wachstumsziele … Keine andere Forderung
hat sich im Bewußtsein der christlichen Öffentlichkeit so sehr mit dem
Wesen von ‘Gemeindewachstum’ verbunden wie diese. Ein Ergebnis unserer
Studie ist, daß nur 31 Prozent aller überdurchschnittlich wachsenden Gemeinden
mit derartigen Zielen arbeiten.“ (S.44). Nun mag man sagen, daß viele Ergebnisse für den Praktiker
immer schon auf der Hand lagen. Daß größere Gemeinden meist schlechter abschneiden
als kleinere (S.46), weiß jeder, der sich vor Ort umgeschaut hat. Größere Gemeinden
haben eben oft nur eine größere Presse. Aber dem Mythos der möglichst großen
Gemeinde konnte nur eine Untersuchung dieser Art abhelfen. Auch, daß die
‘schlechtesten’ und zudem schrumpfenden Gemeinden durchweg Pastoren haben, die
Theologie studiert haben (S.23), da das Theologiestudium offensichtlich oft
zu beziehungsarmen Gemeindeleitern führt, ist zwar eine sattsam bekannte Erscheinung,
die aber nun belegt ist und dringend zur radikalen Reform des Theologiestudiums
- auch des bibeltreuen - führen müßte! Daß nur wenige wachsende Gemeinden
einen sogenannten ‘Seeker-Service’, also einen ganz auf Außenstehende
ausgerichteten Gottesdienst, haben (S.30), ist ebenso nicht verwunderlich,
denn der Gottesdienst ist nun einmal zuerst dafür da, daß die Gemeinde Jesu
sich von ganzem Herzen auf Gott ausrichtet, und nicht als Evangelisationsveranstaltung.
Fehlt der gemeinsame Gottesdienst der Christen, fehlt der Gemeinde meist
auch ein Stück echter Lebendigkeit. Ich glaube, daß die Gemeindewachstumsbewegung nun mit
ihren eigenen Waffen geschlagen wurde. Ich habe mit vielen anderen
Missionswissenschaftlern schon vor Jahren vertreten, daß die
Gemeindewachstumsbewegung zu falschen Schlußfolgerungen kommt, weil sie nur
über ein eingeschränktes Wissen verfügt. Geographisch war sie meist auf eine
Gemeinde oder eine Region beschränkt. Sie interessierte sich selten für den
Gesamtzustand der Gemeinde, sondern stellte nur bestimmte Fragen. Und sie
war meist auf kurze Zeiträume beschränkt, untersuchte also beispielsweise
selten, warum vorübergehend stark wachsende Gemeinden oft Jahre später wieder
kollabierten. Damit ist nun Schluß: Eine weltweite Untersuchung, die in 1000
Gemeinden ein möglichst breites Spektrum an Bereichen erfaßte und möglichst
viele Menschen befragte (Pastoren, Gruppenleiter, Mitglieder, Besucher)
zeigt, daß Gemeinden eben am natürlichsten wachsen,
wenn sie gesund sind. Wer sich um die umfassende Gesundheit einer Gemeinde
kümmert, kümmert sich automatisch auch um ihr zahlenmäßiges Wachstum. Dabei
darf man unter gesund eben nur nicht einfach ‘rechtgläubig’ verstehen - worin
Schwarz voll zuzustimmen ist, sondern alle im Neuen Testament vorgegebenen
Qualitätsmerkmale wie Gebet, Gemeinschaft, Förderung, erhebender
Gottesdienst, Evangelisationsdrang usw., Dinge, mit denen gerade
‘rechtgläubige’ Gemeinden - zumindest in Deutschland - oft wahrhaftig
Probleme haben. (Daß bei Schwarz die Frage der ‘Rechtgläubigkeit’ dafür fast
ganz unter den Tisch fällt, ist allerdings bedauerlich.) Vieles von dem, was Schwarz beschreibt und fordert, könnte
der Gemeindewachstumsbewegung eine neue, m. E. gesündere Richtung geben.
Es ließe sich natürlich fragen, ob nicht Schwarz selbst früher als Redakteur
der Zeitschrift ‘Gemeindewachstum’ der von ihm kritisierten Entwicklung
Vorschub geleistet hat und seinerzeit nicht Kritik am Kurs der deutschsprachigen
Gemeindewachstumsbewegung vorschnell als Kritik an Gemeindewachstum
überhaupt verstanden wurde. Aber jedenfalls kündigte sich schon lange an,
daß Schwarz die Qualität einer Gemeinde immer weniger aus den reinen Zahlen
ableiten wollte und den inneren Zusammenhang zwischen qualitativem und
quantitativem Wachstum immer stärker betonte. Wenn er schreibt: „Es scheint
mir einer der großen Irrtümer der Gemeindewachstumsbewegung zu sein, daß
sie Gemeindewachstumsdenken als eine ‘a-theologische Methodologie’ zu präsentieren
versucht“ (S. 94), so bleibt dabei offen, ob er sich auch selbst damit meint
oder nicht. Aber angesichts dessen, was Schwarz heute präsentiert, ist diese
Frage von rein historischem Interesse. Wichtiger ist jetzt, daß die
Gemeindewachstumsbewegung auf Schwarz hört und mit einer geänderten
Zielsetzung auch jene Christen für einen neuen Aufbruch gewinnen kann, für
die bisher gewisse theologische Probleme der Gemeindewachstumsbewegung Alibi
für den toten und schrumpfenden Zustand der eigenen Gemeinde waren! Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-3. |
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Schwatlo, Winfried. Das Verständnis der Reilsgewissheit in
Afrika: Wege zu ihrer Kontextualisierung unter den Christen der Wakaguru.
Evangelische Missiologie Monographien Bd. 2, hg. v. Heinzpeter Hempelmann,
Bad Liebenzell: Verlag der Liebenzeller Mission, 2001. In dieser „Korntaler-Abschlussarbeit“ nimmt der Autor die
„nahezu gänzlich fehlende Einsicht“ der Christen in Afrika auf, „dass Gott
Heilsgewissheit schenken kann“. Am Beispiel der Wakaguru, einer Ethnie in Tansania
wird in die Problemstellung eingeführt und werden Lösungswege gesucht, die
dann als Kontextualisierung vorgestellt werden. Dem voraus geht eine
exegetische Studie zu Römer 8,3-8f. Schwatlo hält diesen Text für den
Schlüssel zum Thema Heilsgewissheit, weil die für Afrika so wichtige
Dimension der „Mächte und Gewalten“ berücksichtigt wird. Darauf folgt ein
kleiner theologiegeschichtlicher Überblick zum Thema. Anschließend führt
Schwatlo in die Kaguru-Kultur ein, wobei er auch Einflüsse der
Missionsgeschichte berücksichtigt. Die Ähnlichkeit der Kaguru zu anderen
Bantu-Kulturen ist offensichtlich, weswegen diese Studie auch über die
Kaguru-Kultur hinaus Relevanz besitzt. Das darauffolgende Kapitel 4 ist eine
allgemeine Erörterung zum Thema Kontextualisierung der biblischen Botschaft
in Afrika. Der Fokus fällt dabei auf die Christologie, die präsentisch
verstandene Soteriologie und die Bekehrungstheologie afrikanischer Evangelikaler.
Im abschließenden Kapitel 5 kontextualisiert der Autor die biblische Lehre
der Heilsgewissheit für die Christen der Wakaguru. Interessant ist sein
breit angelegter Ansatz: Angefangen von traditionellen Ka-guru-Texten, bis
zu dem auf Kiswaheli vorhandenen theologischen Schulmaterial, über den
Einsatz von Dramen und relevanten Kirchenliedern bis hin zu symbolischen
Zeremonien versucht er das Verständnis für die Heilsgewissheit zu wecken.
Dieser Ansatz überzeugt. Jedoch bleiben Fragen offen. Ist mangelnde Heilsgewissheit
das Hauptproblem oder sind andere theologische Inhalte defizitär? Überblickt
man das ostafrikanische Christentum, so kann man beispielsweise in Kenia
Christen sagen hören: „I’m saved“ mit dem hastigen Zusatz „today“, als ob sie
sich ihres Heils morgen nicht mehr sicher sein könnten. In Tansania lassen
sich bei Evangelisationsveranstaltungen Scharen von Gemeindeglieder zum
wiederholten Male nach vorne rufen. Was sie verbindet ist ihre
„Heilsunsicherheit“. Aber warum sind sie sich ihres Heils nicht gewiss? Man
wird vermuten dürfen, dass Sünde trotz Errettung als bleibende, negative,
lebenseingreifende Macht erfahren wird, mit der man nicht fertig wird
(übrigens fehlt die Sünde in der Aufzählung von Rom 8,3-8f). Deswegen wäre
eine andere reformatorische Lehre vonnöten, nämlich die (selbst in der
deutsch-protestantischen Theologie kontrovers diskutierte) Einsicht des simul
Justus et peccator (gerecht und Sünder zugleich). Wie sich aber eine
konsequente Anwendung dieser Einsicht auf afrikanisches Christsein auswirken
könnte, wirft viele Fragen auf. Könnte es zu einer ethischen
Gleichgültigkeit, gar zum Libertinismus führen? Könnte sich dann trotz Schamkultur
Buße bzw. Beichte in Theologie und Praxis ändern? Könnte sich dann auch ein
Bischof einer konkreten Tatsünde bezichtigen ohne dabei sein Gesicht zu
verlieren, denn er ist Sünder und Gerechter zugleich? Fragen zu deren
Erörterung Schwatlos Buch schweigt, weil es sich einerseits auf den schmalen
Brennpunkt der Heilsgewissheit beschränkt, andererseits aber in unrelevante
Randthemen wie z.B. die Spannung zwischen Glaube und Werke und der Streit um
die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ verliert. In diesem
Zusammenhang sei außerdem auf die unverhältnismäßig umfangreichen Fußnoten
hingewiesen. Schwatlo häuft in den Fußnoten seitenweise Literatur an und
man fragt sich als Leser irritiert, ob alle angeführte Literatur für sein
Thema Relevanz besitzt. Trotzdem ist dieses Buch eine empfehlenswerte Lektüre, die
zum Weiterdenken und Forschen geradezu anregt. Elmar Spohn, em 2003-3. |
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Scott, James M. Paul and the Nations: The Old
Testament and Jewish Background of Paul’s Mission to the Nations with Special
Reference to the Destination of Galatians.
Wissenschaftliche Untersuchungen
zum Neuen Testament 84. J. C. B. Mohr: Tübingen, 1995. Die vorliegende Dissertation gehört eigentlich in den
Bereich der Einleitungswissenschaften und will die Frage beantworten, an
wen der Galaterbrief geschrieben wurde. Dazu holt der Verfasser zunächst
aber auf 180 Seiten ungeheuer weit aus, um dann auf den letzten 40 Seiten
die Konsequenzen für die Einleitungsfragen zu ziehen. Es sind diese 180
Seiten, die das Buch für den Missiologen interessant machen. Scott will
nämlich seine These belegen, daß Paulus den Begriff für Volk/Völker
(‘ethnos’) und die Geographie seiner Missionstätigkeit im Lichte der
Völkertafel von 1Mose 10 verstand, also davon ausging, daß sich das Evangelium
genau an die Völker der Welt wendet, die sich seit der Sintflut von Gott abgewandt
haben. Dazu geht Scott minutiös auf die Verwendung des Begriffes Volk/Völker
(‘ethnos’) und auf die Auslegungsgeschichte von 1Mose 10 im Judentum ein.
Außerdem diskutiert er die einschlägigen Stellen bei Paulus, besonders Röm
15,19 und Apg 17,26. Ich denke, daß Scott der Beweis seiner These gelungen ist,
womit wieder einmal mehr feststeht, wie stark das Missionsverständnis des
Paulus vom Alten Testament her bestimmt wurde. Ähnlich hat Rainer Riesner ja
erst kürzlich die Bedeutung der geographischen Angaben von Jes 66,18-21 in
der zeitgenössischen Interpretation der Septuaginta für den Weg der Ausbreitung
des Evangeliums unter den Heiden durch Paulus und damit für dessen eigenen
Reiseweg belegt (siehe meine Rezension von Rainer Riesner. Die Frühzeit des
Apostels Paulus aus derselben Buchreihe in em 12 (1996) 1: 25-26). Im übrigen
dürfte Scotts Werk die derzeit gründlichste und wichtigste Darlegung des
jüdischen und neutestamentlichen Verständnisses des Völkerbegriffes (‘ethnos’)
sein. Die Sicht der Bedeutung von 1Mose 10 für die paulinische
Missionsstrategie ist für Scott schließlich die Grundlage dafür, sich bei
der umstrittenen Frage, an welche ‘Galater’ Paulus schrieb, für die sog.
‘südgalatische Theorie’ und gegen die ‘nordgalatische’ Theorie zu entscheiden.
Daß der Galaterbrief im Jahr 49 n. Chr. an die Gemeinden in Südgalatien geschrieben
wurde, die Paulus bei seiner ersten Missionsreise gründete, dürfte
tatsächlich auch aus anderen Gründen die richtige Sichtweise sein (s. Helge
Stadelmann. „Die Vorgeschichte des Galaterbriefes“. Bibel und Gemeinde 82
[1982] 2: 153-165), weswegen diese erneute Bestätigung sehr erfreulich ist. Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-3. |
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Shenk, Calvin E. Who Do You Say That I Am?
Christians Encounter Other Religions.
Herald Press: Scottdale (USA), 1997. Das Buch des mennonitischen Religionswissenschaftlers
Calvin E. Shenk ist in erster Linie für Christen im Westen geschrieben, die
sich angesichts einer zunehmenden religiösen Pluralität fragen, wie sie
Menschen anderer Religionen begegnen können. Mit der schon klassischen
Aufteilung in Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus zeigt Shenk die
verschiedenen christlichen Modelle im Verhältnis des Christentums zu den
anderen Religionen auf. Einer Definition der verschiedenen Positionen folgt
eine ausführliche Beschreibung und Auseinandersetzung mit den Sichtweisen.
Shenks Maßstab ist dabei das heilvolle Handeln Gottes in Jesus Christus, das
es zu bezeugen gilt. Ohne die Einzigartigkeit der Person Jesu Christi gibt
es weder Evangelium noch Mission. In zwei weiteren Kapiteln werden die Perspektive des AT
und NT über die Religionen verhandelt. Die Bibel selbst kennt verschiedene
Begegnungen des biblischen Glaubens („biblical faith“) mit anderen Glaubensformen
(„other faiths“), ohne eine systematische Theologie der Religionen zu
entwickeln. Die Religionen erscheinen multidimensional und ambivalent. Es
finden sich gute wie böse Aspekte in den Religionen. Sie reflektieren damit
Gottes Handeln in der Welt, die Suche des Menschen nach Gott und seine Flucht
vor Gott. Wie stehen nun Schöpfungs- und Christusoffenbarung, Universalismus
und Partikularismus zueinander? Shenk stellt beides in eine dialektische
Spannung. Nachdem Shenk bereits mehrmals auf die Normativität
Christi in der Begegnung des Christen mit anderen Religionen verwiesen hat,
führt er dies aus: Wer ist Christus? Die Heilsbedeutung des inkarnierten
Christi und damit seine Einzigartigkeit werden in Beziehung zur Trinität
Gottes aufgezeigt. Dabei verweist Shenk auf die Bedeutsamkeit der Inkarnation.
Wo die Partikularität der Inkarnation zugunsten einer einseitigen Logoschristologie
oder eines kosmischen Christus aufgegeben werden, geht auch das einzigartige
Heil in Jesus Christus verloren. Das heilschaffende Handeln Gottes in Jesus
Christus verlangt nach dem Zeugnis der Gemeinde in aller Welt. An dieser
missionarischen Ausrichtung muß sich jede Theologie der Religionen messen
lassen. Auffällig bei Calvin E. Shenk ist die Offenheit gegenüber
den Spuren Gottes in den Religionen und der deutliche Verweis auf die missionarische
Dimension des Evangeliums von Jesus Christus, das es gilt, allen Menschen zu
bezeugen. Hier stehen sich Offenheit und Bekenntnis nicht diametral
gegenüber, sondern verlangen einander. Martin Reppenhagen, em 1999-4. |
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Silva, Silva, Moisés. Biblical Words and Their
Meaning: An Introduction to Lexical Semantics. überarbeitete Ausgabe. Zondervan: Grand Rapids (MI), 1994. Kaiser, Walter C. &
Moisés Silva. An
Introduction to Biblical Hermeneutics: The Search for Meaning. Zondervan: Grand Rapids (MI), 1994. Silva, Moisés (Hg.). Foundations of Contemporary
Interpretation: Six Volumes in One. Zondervan: Grand Rapids (MI), 1996. Moisés Silva, langjährig Professor für Neues Testament am
Westminster Theological Seminary, hat sich maßgeblich für eine eindeutig
bibeltreue, aber auch am modernsten Forschungsstand orientierte Erforschung
der biblischen Sprachen und der Bedeutung des biblischen Textes eingesetzt. In ‘God, Language and Scripture’ will Silva die allgemeine
Lingustik (Erforschung der Sprachen) für die Auslegung der Bibel nutzen. Er geht
zwar davon aus, daß die Lingustik der Bibel selbst untergeordnet werden muß
und beginnt deswegen mit einem Kapitel über die Sprache aus biblischer
Sicht. In einer dienenden Funktion kann aber die Lingustik vor Irrwegen
bewahren. Dazu stellt Silva die Grundlagen der modernen Lingustik dar und
wendet sie dann an, indem er die biblischen Sprachen nach Aussprache,
Wortformen und -bedeutung, Satzbau und weiteren Aufbau darstellt. Im Gegensatz
zu den anderen Bänden der Reihe ‘Foundations of Contemporary Interpretation’
setzt dieser Band gewisse Kenntnisse der biblischen Sprachen voraus. Der
Stoff ist etwas trocken, wird aber gut aufgebaut dargeboten. In ‘Biblical Words and Their Meaning’ will Silva den für
die Auslegung vielleicht wichtigsten Teilbereich der Linguistik, die
Semantik (Lehre von der Bedeutung) der Worte, darstellen und auf die Bibel
anwenden. Es handelt sich dabei um die derzeit beste Darstellung der
biblischen Wortbedeutungslehre aus evangelikaler Feder. Nur wenigen
Bibellesern ist bewußt, welchen Einfluß die lexikale Semantik auf die
Auslegung hat, aber von der Frage, wie man die Bedeutung eines Wortes – dazu
noch antiker Sprachen – gewinnt, hängt oft entscheidendes für die Bedeutung
einer biblischen Aussage ab. Silva wendet sich immer wieder gegen die auch
heute noch weit verbreitete Vorgehensweise, die Bedeutung eines Wortes zu
stark von seiner ursprünglichen Herkunft (Etymologie) und von seinen
theoretisch möglichen Bedeutungen her zu verstehen und zu wenig vom
Sprachgebrauch im Zusammenhang eines Satzes her. Das Buch arbeitet sehr stark
mit Beispielen und ist zur Einführung für Theologiestudenten geschrieben,
setzt also gewisse, wenn auch nicht gründliche Kenntnisse der biblischen
Sprachen voraus. Die zusammen mit einem der maßgeblichen bibeltreuen
Alttestamentler, Walter C. Kaiser, verfaßte biblische Hermeneutik
(Verstehenslehre) Silvas verzichtet weitgehend auf eine Geschichte der
Hermeneutik und auf eine Auseinandersetzung mit historisch-kritischen Entwürfen
und beschreibt stattdessen, wie man unter Einbezug des neuesten Forschungsstandes
der Lingustik, aber auch unter Berücksichtigung seiner Inspiriertheit die
Bedeutung des Textes der Heiligen Schrift erarbeiten kann. Wer sich keine
Rechenschaft ablegt, wie er mit dem Text umgeht, neigt dazu, sich für jeden
Bibelvers eine eigene Auslegungsmethode zurechtzulegen und die Sprache zu
mißbrauchen. Dabei wird die Hermeneutik von vorne herein in eigenen
Kapiteln zu den literarischen Gattungen (z. B. Evangelien, Propheten,
Briefe) dargestellt. Diese ausgezeichnete Hermeneutik sollte unbedingt ins
Deutsche übersetzt werden. Der Sammelband ‘Foundations of Contemporary
Interpretation’ enthält sechs Bücher der gleichnamigen, von Moisés Silva
herausgegebenen Serie. Es handelt sich um folgende Titel bibeltreuer
Theologen: Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-4. |
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Simatupang, Tahi Bonar. Gelebte Theologie in Indonesien. Zur
gesellschaftlichen Verantwortung der Christen. Göttingen: Vandenhoeck
& Ruprecht 1992. Während die Werke deutscher Theologen in alle Länder auch
der sogenannten Dritten Welt exportiert und übersetzt werden, kommt der umgekehrte
Verkehr eher langsam in Gang. Hier füllt die Aufsatzsammlung T.B. Simatupangs
eine wichtige Lücke. Gerade die kurzen, programmatischen Aufsätze aus der
„pabrik ceramah“ („Vortragsfabrik“ – so der indonesische Spitzname dieses
wohl bekanntesten indonesischen Laientheologen) eignen sich hierfür
besonders gut. Der Hamburger Missionstheologe Prof. Olaf Schumann und der
langjährige Mitarbeiter der Evang. Zentralstelle für Entwicklungshilfe, H.J.
Fischer, sind beide hervorragende Indonesienkenner und haben das Buch mit
vielen Erläuterungen auch für den weniger Indonesienkundigen Leser sehr gut
aufbereitet. Auch die oft schwierige indonesische Begrifflichkeit wurde von
Dorothea Reiß fast immer treffend übersetzt; einzig die Übersetzung des
Begriffes „kemakmuran“ (Wohlergehen, Wohlfahrt, Gedeihen) mit „Wohlstand“
mag in unserer Wohlstandgesellschaft etwas mißverständlich klingen, läßt
sich aber schwer besser übersetzen. Wie schon der Untertitel der Sammlung zeigt, liegen S.
sozialethische Fragen besonders am Herzen. Gerade durch den religiösen Sozialismus
Reinhold Niebuhrs hatte General Simatupang in den 50er-Jahren einen neuen
Zugang zum christlichen Glauben gefunden. Diese Prägung schimmert z.B.
durch, wenn sich nach S. die Kirche auf dem „‘langen Marsch’ … von Pfingsten
bis zur Wiederkunft Christi“ befindet. (61) So hat er gerade evangelikalen
Christen zu sagen, „Christen dürfen sich nicht damit begnügen, die Seelen
der Menschen zu retten … , in der Hoffnung, daß gute Menschen auch eine gute
Regierung hervorbringen werden.“ (73) Demgegenüber sieht S. die Verantwortung
der Kirchen für die Entwicklung („pembangunan“) in Indonesien. Unter diesem Vorzeichen versteht S. auch sein vielfältiges
Engagement in der ökumenischen Bewegung. Angesichts der Vielzahl der indonesischen
Kirchen ist S. der Meinung, „daß ein gemeinsam formuliertes Bekenntnis … keine
Lösung des Problems bringen wird.“ Vielmehr sieht S. eine Chance für die
Einheit der Kirche allein darin, „vom gemeinsamen Auftrag der Kirchen
auszugehen, den Glauben inmitten der gegenwärtigen indonesischen Gesellschaft
zu bekennen.“ (85) Dieses Glaubensbekenntnis findet nach S. seinen Ausdruck
vor allem in der gesellschaftlichen Verantwortung. Dieser politische Auftrag führt Simatupang dann auch zur
Zusammenarbeit und zum Dialog mit den indonesischen Muslimen. Allerdings
ist sich S. dabei bewußt, daß auch „etwaige Gemeinsamkeiten unter dem Aspekt
der grundsätzlichen Verschiedenheit der Religionen gesehen werden müssen,
da sie sonst nur Mißverständnisse hervorrufen. … So ist es nur natürlich,
wenn die Zusammenarbeit die Dimension des Bekennens enthält.“ (112) Nur auf
dem Hintergrund dieses deutlichen missionarischen Bekenntnisses kann S.
einen Dialog mit den Muslimen bejahen. Damit erweist sich S. letztlich als ein theologisch konservativer
Denker, wenn auch sein provozierender religiöser Sozialismus evangelikale
Leser zunächst vor den Kopf stoßen mag und er den Schwerpunkt seines Denkens
allzusehr auf den politischen Auftrag der Kirchen legt. Daher verwundert es
nicht, wenn seine früher so viel zitierte Formel von einem positiven,
kreativen, kritischen und realistischen gesellschaftlichen Beitrag der
Kirchen (50f) heute immer öfter kritisiert wird. Alle Anzeichen deuten
darauf hin, daß die von Simatupang wesentlich mitgeprägte „Pembangungan- (Development-/Entwicklungs-)
Theologie“ in Indonesien immer mehr von stärker befreiungstheologischen
Ansätzen verdrängt wird. Doch gerade deshalb hat es der am 1.1.1990 verstorbene
Simatupang verdient, daß sein Werk auch der außerindonesischen Öffentlichkeit
erhalten bleibt. Dr. Christian Goßweiler, em 1996-1. |
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Smalley,
William A. Translation
as Mission. Bible Translation in the Modern Missionary Movement. Macon, Georgia: Mercer Univ. Press,
1991. Wer war zuerst da: die
Bibelübersetzung oder die Kirche?
Hat die Übersetzung in die Sprache einer Volksgruppe deren Kirche
entstehen lassen oder hat eine bereits bestehende Kirche die
Bibelübersetzung nötig gemacht? Beides ist in der Missionsgeschichte
vorgekommen, wie die Übersetzung der Bibel
z.B. ins Chinesische oder
Malayische zeigt. Jesu Missionsauftrag lautet zwar nicht: „Übersetzt!“, aber um ihn zu erfüllen ist,
indirekt, Bibelübersetzung als Mittel zur Festigung der Lehre notwendig.
Translation as Mission hat dieses Mittel
zum Inhalt: seine Geschichte, seine
Ausführenden, die Empfänger, die
Wirkung. Für William Smalley sind die Empfänger ein wichtigerer Faktor
als ich es anderswo gelesen habe. Da die Kultur eines Volkes der Sattel ist,
auf dem die biblische Aussage den Sitz im Leben findet, ergeht an den Übersetzer die Herausforderung: studiere nicht nur die alten Sprachen, sondern auch die Kultur und Sprache deiner Empfänger. Der Autor, selbst Übersetzer und langjähriger Mitarbeiter der Bibelgesellschaften, spricht
aus Missionserfahrung. Ich schätze seinen pragmatischen Ansatz, denn wozu ist eine noch so geschliffene
Exegese nütze, wenn die Hörer und Leser
sich nicht in die Jüngerschaft rufen lassen, weil sie den Ruf überhaupt nicht
verstanden haben? Smalley scheut sich nicht, heiße Eisen anzupacken,
- wie z.B. Kirchenspaltungen aufgrund von
Übersetzungen oder Kulturveränderung durch Mission - er stellt missionarische
Übersetzungsbemühungen in Frage, erklärt aber auch, warum einheimische Übersetzer
in ähnliche Fehler verfallen können. Seine Sicht ist realistisch und fair. Er kreidet nichts an, ohne auch Wege zur Verbesserung der
Übersetzungsqualität zu zeigen. Seine wichtigste Empfehlung an die Übersetzer ist die der Absage an
jegliche Überheblichkeit. Der rote Faden durch
das weitgefächerte Angebot des
Verfassers ist die Frage, inwieweit eine Übersetzung den Zugang zur
Bibel gibt, oder inwieweit sie gezwungenermaßen die ursprüngliche Aussage
verändert. Im einzelnen kann der Leser schnell in einer Übersicht nachschlagen: wer war der Übersetzer ins Melanesische, ins Twi, oder ins Kikongo? Wie wurde Gottes Reden bekannt in Indien, in China, oder Peru? Dabei gibt das Buch
Einblick in die Werkstatt von William Carey oder die von Maurice Leenhardt,
und es beschreibt die weltumspannende Arbeit der Bibelgesellschaften, des
Sommerinstituts für Linguistik, sowie anderer
Übersetzergemeinschaften. Es ist
ein Buch zur Orientierung, zur Selbstprüfung für Übersetzer oder zur Vorbereitung auf diese Art von Missionsarbeit und zum
Unterricht in Missiologie. Selbst wenn jemand nicht übersetzt, wird er auf
Fragen stoßen, die Smalley aufwirft: Wie
lange hält der Christa Link, em 1994-2. |
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Smith,
David W. Against
the Stream. Christianity and Mission in an Age of Globalization. Leicester: IVP, 2003. Der Autor dieser Aufsatzsammlung ist
Missionswissenschaftler und lehrt Urban Mission and World Christianity am
International Christian College in Glasgow, Schottland. In seinen bisherigen
Veröffentlichungen hat er sich mit der sozialmissionarischen Kompenente im
britischen Evangelikalismus (Transforming
the World) und mit der missionarischen Verkündung im postmodernen Umfeld
(Crying in the Wilderness) befasst.
Hier legt er nun acht Aufsätze zu aktuellen missiologischen Themen vor:
„Globales Christentum und die Heilung der Nationen“ (S.11-26) beleuchtet die
Bedeutung des Evangeliums für die Globalisierung und die Versöhnung zwischen
den Nationen. In „The Shape of Holiness in the Twenty-First-Century“
(S.27-43) geht es um historische Aspekte der Heiligungsbewegung und die
missiologische Bedeutung von Heiligkeit in der Postmoderne. Weiterer Aufsätze
befassen sich mit dem Zusammenhang zwischen Fundamentalismus und christlicher
Mission (S. 80-99), der Mission in Afrika (100-113) und dem Islam in der
westlichen Kultur (65-79). Die Aufsätze bieten auf knappem Raum interessante
historische und zeitgenössisch-missiologische Perspektiven und regen zum
Weiterdenken an. Eine informierte und pointierte Einführung in aktuelle
missiologische Themen. Dr. Friedemann Walldorf, em 2006-1. |
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Smith, David W. Transforming the World? The
Social Impact of British Evangelicalism. Paternoster Press: Carlisle, UK, 1998. Dies ist ein wichtiges Buch, das die Diskussion über das
rechte Verhältnis von Evangelisation und sozialer Verantwortung befruchten
kann, unabhängig davon, ob man Smith’ Aussagen und Schlußfolgerungen immer
zustimmt oder nicht. Der Autor, seit 1990 Direktor des Northumbria Bible
College, geht von der These aus, daß die evangelikale Bewegung in Großbritannien
aus der Erweckung des 18. Jahrhunderts hervorging und ihrem Wesen nach
weltverändernd (world-transformative) war. Ihr gelang es, die Bekehrung des
Einzelnen als zentrale Mitte des Evangeliums festzuhalten und mit der
Betonung sozialer Verantwortung zu verbinden. Smith führt das darauf zurück, daß viele der leitenden
Persönlichkeiten der ersten Generation Calvinisten waren, die ihre geistlichen
Wurzeln bewußt in der Reformation Calvins und im Puritanismus suchten. Sie
gingen grundsätzlich davon aus, daß die Verkündigung des Evangeliums
zunehmend wesentliche soziale Konsequenzen haben würde und haben muß. Smith weist darauf hin, daß die führenden Evangelikalen
der ersten Generation überzeugte Postmillennialisten waren, was wiederum
ihre Ansicht bestärkte, daß die Verbreitung des Evangeliums soziale Auswirkungen
hat und haben muß. Sie erwarteten den Anbruch eines goldenen Zeitalters kurz
vor der Wiederkehr Jesu. Die sozialen Veränderungen im Zuge der
Erweckungsbewegung unter John Wesley deuteten sie als Zeichen der Zeit und
als Künder eines globalen Zeitalters, in dem Frieden und Gerechtigkeit
herrschen würden. Smith geht der Frage nach, ob die evangelikale Bewegung
in Großbritannien die Welt tatsächlich verändert hat oder ob sie selbst
durch den Einfluß der Moderne verändert wurde. Er stellt damit die gleiche
Frage im Blick auf den Evangelikalismus, die Soziologen wie Max Weber, Emile
Durkheim und Bryan Wilson allgemein im Blick auf die Rolle der Religion
gestellt haben. Die Mehrzahl der Soziologen geht davon aus, daß die Bedingungen
und Faktoren der modernen, industrialisierten Kulturen die soziale
Bedeutung der Religion notwendigerweise unterhöhlt. Die Religion und die
religiöse Überzeugungen werden auf die private Sphäre zurückgedrängt. In fünf faszinierenden Kapiteln untersucht Smith diese
Fragen anhand von Aussagen, Veröffentlichungen und sozialen Bemühungen der
britischen Evangelikalen in den letzten beiden Jahrhunderten; der sich verändernde
Methodismus nach dem Tode John Wesleys 1791; die Entstehung des
anglikanischen Evangelikalismus; die Bemühungen um die politisch
Einflußreichen und die wachsende Mittelklasse mit der Gefahr, die bestehende
soziale Ordnung der Herrschenden zu zementieren und die Aspirationen der
Armen zu enttäuschen; den abnehmenden Einfluß eines optimistischen
Postmillennialismus und die zunehmende Bedeutsamkeit eines mehr
apokalyptischen Verständnis der Geschichte (Prämillennialismus, John Nelson
Darby); die Spaltung der evangelikalen Bewegung in eine Mehrheit, die das
Establishment als Bollwerk gegen das Chaos sahen, und in eine Minderheit, die
es als größtes Hindernis für die Ausbreitung der Herrschaft Christi sahen;
die einsamen Rufer in der Wüste (Edward Miall, Thomas Guthrie, Andrew
Mearns, William Booth und Charles Haddon Spurgeon); viktorianischer Evangelikalismus
im Zeitalter Charles Darwins und Charles Dickens; abnehmender Einfluß, Wiedererstarken
und Gefährung des Evangelikalismus im 20. Jahrhundert. In einem letzten Kapitel beschreibt Smith die Haltung zur
sozialen Frage in sechs verschiedenen Strömungen des Evangelikalismus in
Großbritannien (mainstream of modern Evangelicalism, evangelical Anglicans,
evangelicals committed to Reformed theology, charismatic House Churches,
neo-Anabaptist Movement and the Fundamentalists). Zum Abschluß zeigt der
Autor die Aufgaben auf, die sich heute dem Evangelikalismus im Blick auf die
soziale Veantwortung stellen. Das Buch wirft eine Reihe hochinteressanter Fragen auf und
fordert zur Auseinandersetzung heraus, gerade auch dort, wo man dem Autor
nicht folgen will, z. B. bei der Bewertung des negativen Einflusses der Betonung
der Unfehlbarkeit der Schrift auf die soziale Verantwortung. Manche soziale
Entwicklungen werden wohl zu einseitig oder vorschnell auf bestimmte
theologische Überzeugungen zurückgeführt. Nicht alle Kapitel sind gleich gut
recherchiert oder dargestellt. Das Buch ist sorgfältig ediert. Ich habe nur einen
Druckfehler gefunden. Mit 36.00 DM ist das Buch für ein Paperback mit 146
Seiten allerdings nicht ganz billig. Dr. Dietrich Kuhl, em 1999-3. |
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Smith, Marilyn B.; Ingrid
Kern (Hg.). Ohne
Unterschied? Frauen und Männer im Dienst für Gott. Brunnen: Gießen, 2000. Diese Studie der Kommission für Frauenfragen der
Weltweiten Evangelischen Allianz (World Evangelical Fellowship) hat bereits
in ihrer englischen Fassung viel Staub aufgewirbelt, wurde sie doch als
einseitiges Plädoyer der WEA für die Frauenordination verstanden oder besser
mißverstanden. Denn weder erhebt die Studie irgendeinen Autoritätsanspruch -
sie will lediglich als Diskussionsbeitrag von führenden evangelikalen Frauen
aus allen Erdteilen verstanden werden - noch stellt sie irgendwelche
konkreten Forderungen wie die Frauenordination, sondern bittet nur darum, die
Auslegung einschlägiger Schriftstellen neu zu überdenken und zu überprüfen,
ob die Rolle der Frau in evangelikalen Gemeinden und Werken wirklich der
Würde der Frau und dem biblischen Zeugnis gerecht wird. Dazu werden
einerseits Bibeltexte behandelt, die die Würde der Frau als Geschöpf und als
Kind Gottes unterstreichen, andererseits ausführlich die traditionelle (im
Buch wird ‘traditionalistisch’ gesagt, aber ‘traditionell’ wäre besser, denn
das englische ‘traditional’ hat keinen negativen Beigeschmack) Auslegung der
klassischen Bibeltexte zur Rolle der Frau (bes. 1Mose 1-3, 1Kor 11+14 und
2Tim 3) mit der inzwischen verbreiteten ‘gabenorientierten’ Sichtweise
verglichen (vgl. bes. die übersichtliche Gegenüberstellung S.149-152). Die
traditionelle Sichtweise wird korrekt und nicht polemisch beschrieben. Die
‘neue’, ‘gabenorientierte’ Sicht, wie sie hier vorgetragen wird, verzichtet
völlig auf bibelkritische Ansätze (z. B. Texte gelten als zeitbedingt oder
später eingefügt), sondern geht ebenfalls von der Gültigkeit der biblischen
Normen aus, meint aber, dass viele Texte bisher mit außerbiblischen Vorurteilen
gelesen wurden. Das Buch bietet einen ausgezeichneten Vergleich zwischen den
beiden evangelikalen Sichtweisen und benennt die konkreten exegetischen
Entscheidungen, die beiden Sichtweisen zugrunde liegen. Es bietet sich daher
als Gesprächsgrundlage für ein sachliches und konkretes Gespräch an. Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1. |
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Solheim, Magne. Im Schatten von Hakenkreuz, Hammer und Sichel. Judenmissionar
in Rumänien
1937-1948. Erlangen: Verlag der Ev. Luth. Mission 1986. Dies ist der erste Teil einer aus dem Norwegischen
übersetzten Autobiographie. Der junge norwegische
Theologe Solheim trat 1936 in den Dienst der Norwegischen
Israelmission, bereitete sich am Institutum Judaicum Delitzschianum in Wien
vor und wirkte von 1938-1948 in Galatz, Rumänien missionarisch unter Juden.
Dabei wurde er für viele in den 6 Jahren nationalsozialistischer Herrschaft
zum Lebensretter. Nach 4 Jahren
Kommunismus wurde er wie alle
verbliebenen ausländischen Missionare des Landes verwiesen und zog
nach Israel. Daß er Missionar war und auch jüdische Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen konnte, unterscheidet ihn wohl von vielen anderen Helfern
der Juden in jener Zeit. Als wertvolles Zeitzeugnis
und ein Stück rumänischer Geschichte
durchaus aktuell! Gundula Richter, em 1993-1. |
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Solon, Gidada. Jenseits
der Dunkelheit, Hrsg. Gerd Röhm, Köln: Rüdiger Köppe Verlag, 2003. Es ist die faszinierende Geschichte der Ausbreitung des
Evangeliums in West-Äthiopien zwischen 1920 und 1975. Faszinierend, weil ein
Einheimischer sie erzählt. Das besondere daran: der Einheimische ist ein Blinder,
der zum „Apostel der Oromo“ wurde. Der „blinde Apostel“ Gidada Solon
(1901-1977) ist der Vater des vorletzten Staatspräsidenten Äthiopiens, Dr.
Negasso Gidada (von 1995 bis 2001). Das Buch beschreibt die Lebensgeschichte und die
Missionstätigkeit Gidadas, wie er sie zwei Missionarinnen erzählte. Mit 5
Jahren erblindet, entwickelte er eine erstaunliche Fähigkeit, Einzelheiten im
Gedächtnis zu behalten und viele Gespräche in wörtlicher Redewendung
wiederzugeben. Das macht diese besondere ‘Autobiographie’ abwechslungsreich
und leicht zu lesen. Wie nebenbei erfährt man vieles über die Kultur der Oromo
in dieser Zeit und auch einiges über allgemeine geschichtliche Ereignisse in
Äthiopien. Die Missionare der Sudan
Missionary Association, die 1919 die erste Missionsstation in
West-Äthiopien aufbauten, spielen in der Erinnerung Gidadas keine Hauptrolle.
Hauptakteure dieser Missionsgeschichte sind die einheimischen Evangelisten
und späteren Pastoren, die sich unermüdlich und ohne Furcht für die
Ausbreitung des Evangeliums einsetzten. In den ersten Jahren zogen sie als
Laien mit brennendem Eifer von Dorf zu Dorf und bezeugten ihren Glauben.
Später erhielten einige eine Ausbildung und wurden ordiniert, darunter auch
Gidada. Als blinder Bettler kam er in Kontakt mit den Missionaren
und nach seiner Bekehrung evangelisierte er zuerst unter den Bettlern. Viele
Menschen nahmen das einfache Zeugnis des Blinden ernst und fanden zu Christus.
Später lernte er bei den Missionaren Englisch und die Brailleschrift. Die
Bibelteile in Braille wurden ab da seine ständigen Begleiter. Es ist
beeindruckend zu lesen, wie der „Apostel Gidada“, ähnlich wie die Apostel in
neutestamentlicher Zeit, Wochen und Monate zusammen mit Begleitern zu Fuß von
Ort zu Ort zog, evangelisierte, Gemeinden gründete, Älteste einsetzte und die
Gemeinden erneut besuchte und ihnen in schwierigen Situationen zur Seite
stand. Gidada schildert die Ereignisse chronologisch, aber der
aufmerksame Leser entdeckt dabei nebenbei die Grundzüge des Gemeindeaufbaus
der sog. ‘Bethelkirchen’, ihre kulturellen Besonderheiten, die Widerstände
und Rückschläge, aber auch das beständige Wachstum. Wer in dem Buch
thematisch etwas zur angewandten Missionsstrategie, zu
Gemeindewachstumsfaktoren, zur Auseinandersetzung mit dem Schamanentum oder Ähnlichem
sucht, muss mühsam zwischen den Geschichten und Erzählungen danach suchen,
aber er wird fündig werden. Interessant ist die Entwicklung dieser
unabhängigen Gemeinden, wie sie sich behutsam aber überzeugt neben der
Äthiopisch Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche behaupten. Auch wenn Gidada die Ereignisse seines Lebens und seiner
missionarischen Tätigkeit aus subjektiver Sicht schildert, ist es ein
wichtiger Beitrag zur Missions- und Kirchengeschichte Äthiopiens. Das Vorwort
und die Anhänge (Zeittafel, Fotos, Landkarte) enthalten hilfreiche
Ergänzungen zur Geschichte Äthiopiens und Daten über wichtige missionarische
und kirchliche Entwicklungen bis heute. Friedhelm Haas, em 2004-3. |
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Spartalis, Peter James. Karl Kumm - Last of the Livingstones.
Pioneer,
Missionary, Statesman. Nachwort von E. Troeger. Deutsche Zusammenfassung von C. Sauer, edition afem
- mission Scripts 2. Bonn:
VKW 1994, 116 S., DM 19,80. Noch immer ist das Kenntnisdefizit zur Person Hermann Karl
Wilhelm Kumms in Gemeinde- und Missionskreisen
auffallend groß. Nur wenigen
Insidern ist sein Leben und Werk bekannt.
Nur wenige wissen, daß Kumm vor der
Gründung der Sudan United Mission (SUM,
heute: Action Partners) auch die deutsche Sudan-Pionier-Mission (SPM) ins Leben gerufen hat. Dies soll sich nun durch die in Englisch
abgefaßte Kurzbiographie ändern. Dabei empfiehlt sich der
Australier Peter James Spartalis
als Autor für diese Studie. Als Missionshistoriker doziert er an der
Nairobi Evangelical Graduate School of
Theology, Kenia. Seine umfassenden Kenntnisse zur Person Kumms
bezieht Spartalis aus seiner intensiven
Einarbeitung in das SUM-Archiv, zahlreichen Besuchen und
missionarischen Kurzzeiteinsätzen in den Ländern, in denen Kumm wirksam war und aus seiner Zugehörigkeit zum Heimatvorstand der SUM in Australien / Neuseeland. In den ersten zehn Kapiteln stellt der Autor das Leben und Werk Kumms vor, bevor er seine Studie mit einer kurzen Auswertung
abrundet. Die sich anschließende Bibliographie, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, stellt ein
wertvolles Hilfsmittel für die weitere Forschungsarbeit dar. Das Nachwort
von E. Troeger, dem Leiter der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten
(EMO), bietet einen Abriß der historischen Entwicklung der SPM nach der
Trennung von Kumm. Eine deutsche Zusammenfassung erleichtert sicher manchem
Leser den schnelleren Zugang zum Inhalt
der Lektüre. Wer ist nun H.K.W. Kumm? Ein bahnbrechender Visionär, ein leidenschaftlicher Pionier,
ein opferbereiter Leiter, ein unaufhaltsamer Missionsstratege, ein
überzeugter Inter-denominationalist, ein feuriger Redner und begabter Autor. Jeder, der die feine
Studie von Spartalis in die Hand nimmt, wird Mühe haben, sie beiseite zu legen, ohne sie bis zu Ende gelesen zu haben.
Es gelingt dem Autor, den Leser zu fesseln
und herauszufordern, indem er Kumms Vision für die noch unerreichten
Völker vom Niger bis zum Nil und dessen
Bereitschaft, jedes Opfer für die
Verwirklichung seiner Vision zu bringen, herausstellt. Das erklärte Ziel des Autors ist, die breite christliche
Öffentlichkeit über die herausragenden
Leistungen des Missionspioniers zu informieren. Grundsätzlich könnte
die in gut lesbarem Stil abgefaßte Arbeit
dies auch leisten. Praktisch
allerdings muß dieses Ziel für die anglophone Welt nur ein Wunsch
bleiben, solange die Auflagenhöhe nicht
drastisch gesteigert werden kann. Für die deutschsprachige
Leserschaft müßte der größeren Breitenwirkung wegen eine deutsche Version
dieser Studie, oder besser eine unabhängige deutsche Kumm-Biographie erstellt
werden. Mit der vorliegenden Fassung werden bestenfalls stark missionsinteressierte
Leser bzw. die Fachwelt erreicht. Dies wird
sich auch durch die deutsche Zusammenfassung am Ende der Biographie nicht wesentlich ändern. Auf einige inhaltliche
Schwächen sei abschließend noch hingewiesen. Leider hat Spartalis die
Quellen der deutschen SPM und auch der
englischen Nordafrikamission (NAM; heute Arab World Ministries, AWM) nicht
mit eingearbeitet, worunter die Darstellung des „frühen Kumm“
(1898-1902) erheblich leidet. So kommt z.B. das seelsorgerliche Ringen des
SPM-Vorstandes um den jungen Kumm im Vorfeld
der Trennung überhaupt nicht zur Sprache.
Ebenso könnte das Quellenmaterial der NAM einen wichtigen Beitrag zur
Erhellung der frühen Missionstätigkeit
Kumms und seiner Persönlichkeit leisten. Auffallend ist auch, daß Spartalis sich über die letzten
Lebensjahre Kumms in den USA ziemlich ausschweigt, sodaß auch der „späte
Kumm“ größtenteils im Dunkeln bleibt. Auch wenn der Autor hier und da auf
Schwierigkeiten der Arbeit Kumms und auch auf Kritik an seiner Person
hinweist, muß die gesamte Darstellung als relativ unkritisch bezeichnet werden.
Den Anspruch, eine wissenschaftlich Es bleibt das Verdienst von Spartalis, das lange Schweigen
zur Person Kumms gebrochen zu haben und als Vertreter der SUM in einer
beispielhaften Kooperation mit der EMO das Erscheinen
dieser Kurzbiographie ermöglicht zu haben. (Dadurch konnten auch historische und
geographische Unrichtigkeiten, verbunden mit der Anfangszeit der SPM und der
späteren Entwicklung der EMO und der
Schweizerischen Evangelischen Nilland Mission, SENM, korrigiert werden.) Damit hat er einen wichtigen
Beitrag zur Aufarbeitung des Kummschen Erbes und der historischen
Entwicklung beider Missionen geleistet. Gerald Lauche, em 1995-3. |
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Spartalis, Peter James. Karl Kumm - Last of the Livingstones: Pioneer,
Missionary, Statesman,
Nachwort von Eberhard Troeger, deutsche Zusammenfassung von Christoph Sauer,
edition afem - mission scripts 2, Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn,
1994. Noch immer ist das Kenntnisdefizit zur Person Hermann Karl
Wilhelm Kumms in Gemeinde- und Missionskreisen auffallend groß. Nur wenigen
Insidern ist sein Leben und Werk bekannt. Nur wenige wissen, daß Kumm vor
der Gründung der Sudan United Mission (SUM, heute: Action Partners) auch die
deutsche Sudan-Pionier-Mission (SPM) ins Leben gerufen hat. Dies soll sich
nun durch die in Englisch abgefaßte Kurzbiographie ändern. Dabei empfiehlt sich der Australier Peter James Spartalis
als Autor für diese Studie. Als Missionshistoriker doziert er an der Nairobi
Evangelical Graduate School of Theology, Kenia. Seine umfassenden Kenntnisse
zur Person Kumms bezieht Spartalis aus seiner intensiven Einarbeitung in
das SUM-Archiv, zahlreichen Besuchen und missionarischen Kurzzeiteinsätzen
in den Ländern, in denen Kumm wirksam war und aus seiner Zugehörigkeit zum
Heimatvorstand der SUM in Australien/ Neuseeland. In den ersten zehn Kapiteln stellt der Autor das Leben und
Werk Kumms vor, bevor er seine Studie mit einer kurzen Auswertung abrundet.
Die sich anschließende Bibliographie, ohne Anspruch auf Vollständigkeit,
stellt ein wertvolles Hilfsmittel für die weitere Forschungsarbeit dar. Das
Nachwort von E. Troeger, dem Leiter der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer
Osten (EMO), bietet einen Abriß der historischen Entwicklung der SPM nach der
Trennung von Kumm. Eine deutsche Zusammenfassung erleichtert manchem Leser
den schnelleren Zugang zum Inhalt der Lektüre. Wer ist nun H. K. W. Kumm? Ein bahnbrechender Visionär,
ein leidenschaftlicher Pionier, ein opferbereiter Leiter, ein unaufhaltsamer
Missionsstratege, ein überzeugter Interdenominationalist, ein feuriger
Redner und begabter Autor. Jeder, der die feine Studie von Spartalis in die Hand
nimmt, wird Mühe haben, sie beiseite zu legen, ohne sie bis zu Ende gelesen
zu haben. Es gelingt dem Autor, den Leser zu fesseln und herauszufordern,
indem er Kumms Vision für die noch unerreichten Völker vom Niger bis zum Nil
und dessen Bereitschaft, jedes Opfer für die Verwirklichung seiner Vision zu
bringen, herausstellt. Das erklärte Ziel des Autors ist, die breite christliche
Öffentlichkeit über die herausragenden Leistungen des Missionspioniers zu informieren.
Grundsätzlich könnte die in gut lesbarem Stil abgefaßte Arbeit dies auch
leisten. Praktisch allerdings muß dieses Ziel für die anglophone Welt nur
ein Wunsch bleiben, solange die Auflagenhöhe nicht drastisch gesteigert
werden kann. Für die deutschsprachige Leserschaft müßte der größeren
Breitenwirkung wegen eine deutsche Version dieser Studie, oder besser eine
unabhängige deutsche Kumm-Biographie erstellt werden. Mit der vorliegenden
Fassung werden bestenfalls stark missionsinteressierte Leser bzw. die
Fachwelt erreicht. Dies wird sich auch durch die deutsche Zusammenfassung
am Ende der Biographie nicht wesentlich ändern. Auf einige inhaltliche Schwächen sei abschließend noch
hingewiesen. Leider hat Spartalis die Quellen der deutschen SPM und auch der
englischen Nordafrikamission (NAM; heute Arab World Ministries, AWM) nicht
mit eingearbeitet, worunter die Darstellung des „frühen Kumm“ (1898-1902)
erheblich leidet. So kommt z.B. das seelsorgerliche Ringen des SPM-Vorstandes
um den jungen Kumm im Vorfeld der Trennung überhaupt nicht zur Sprache.
Ebenso könnte das Quellenmaterial der NAM einen wichtigen Beitrag zur Erhellung
der frühen Missionstätigkeit Kumms und seiner Persönlichkeit leisten. Auffallend ist auch, daß Spartalis sich über die letzten
Lebensjahre Kumms in den USA ziemlich ausschweigt, so daß auch der „späte
Kumm“ größtenteils im Dunkeln bleibt. Auch wenn der Autor hier und da auf
Schwierigkeiten der Arbeit Kumms und auch auf Kritik an seiner Person
hinweist, muß die gesamte Darstellung als relativ unkritisch bezeichnet werden.
Den Anspruch, eine wissenschaftlich erschöpfende und ausgewogene
Darstellung des Lebens und Werkes Kumms zu präsentieren, kann diese Studie
somit nicht erheben (was sie auch nicht tut). Sie kann aber wohl Anstoß und
Grundlage für eine solche sein. Es bleibt das Verdienst von Spartalis, das lange Schweigen
zur Person Kumms gebrochen zu haben und als Vertreter der SUM in einer beispielhaften
Kooperation mit der EMO das Erscheinen dieser Kurzbiographie ermöglicht zu
haben. (Dadurch konnten auch historische und geographische Unrichtigkeiten,
verbunden mit der Anfangszeit der SPM und der späteren Entwicklung der EMO
und der Schweizerischen Evangelischen Nilland Mission, SENM, korrigiert
werden.) Damit hat er einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung des Kummschen
Erbes und der historischen Entwicklung beider Missionen geleistet. Gerald Lauche, em 1996-1. |
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Spohn, Elmar. Mission und das kommende Ende:
Karl Hartensteins Verständnis der Eschatologie und dessen Auswirkungen auf
die Mission. Verlag der
Liebenzeller Mission: Bad Liebenzell, 2000. Prälat Karl Hartenstein war der Basler Mission eng
verbunden und ein großer Förderer von Mission und weltweiter Ökumene. In
dieser vom AfeM preisgekrönten Arbeit wird zwar auch sein Leben kurz
skizziert und grundsätzlich seine Theologie aus den Quellen erhoben, aber
der Schwerpunkt liegt auf seiner Eschatologie und ihrer Aktualität (S. 47-87+129-167)
und auf der Auswirkungen auf die Missionstheologie Hartensteins und auf die
Weltmissionskonferenzen 1938-1952. Die Arbeit ist gut aus den Quellen
recheriert und flüssig geschrieben. Hartenstein grenzte sich nach Spohn gegen vier Bewegungen
ab (S.30-35): 1. die Kerygmatheologie Bultmanns, 2. den Fundamentalismus,
3. den Dispensationalismus und 4. gegen „die lutherische Individualisierung
des Erlösungswerkes Christi“ (S.30). Israel spielte in seiner Eschatologie
eine große Rolle, aber gegen den Dispensationalismus lehnte er die Fortdauer
der Landverheißung für Israel - ebenso wie die Vorentrückung der Gläubigen -
ab (S.65-78). Von der reichsgeschichtlichen Offenbarungsauslegung geprägt,
verstand er die Kirche vor allem als leidende Minderheitenkirche, weswegen
die Theologie des Martyrium seine Eschatologie und Missiologie bestimmte
(bes. S.54-59). Seine fehlende Grundsatzkritik am Dritten Reich verhinderte
allerdings die Anwendung dieser Sicht auf die Kirche unter dem
Nationalsozialismus (S.62-63). Der Martyriumstheologe Hartenstein wurde – je
länger desto mehr – im Gegensatz zum frühen Hartenstein mehr und mehr zu einem
Verfechter der Allversöhnungslehre württembergischer Prägung (S.79-87). Etwas mühsam scheint mir der Versuch, die Auswirkungen der
Eschatologie und Missiologie Hartensteins über die Weltmissionskonferenzen
hinaus bei George W. Peters und der Lausanner Verpflichtung ebenso wie im 2.
Vatikanischen Konzil oder den Pfingstmissionen (S.92ff) und manch anderen
Stellen zu zeigen. Zumal sich in allen Fällen nur die Parallele ergibt, daß
die Eschatologie für die Missionstheologie wichtig ist, während die jeweils
konkrete Eschatologie sich stark von Hartenstein unterscheidet. Zwar wird
zugegeben, daß es sich praktisch immer um selbstständig entstandene
parallele Aussagen und Bewegungen handelt, aber es wird von „Auswirkungen“
und „Aufnahme“ der Sicht Hartensteins gesprochen und dadurch der Eindruck
erweckt, als hätte Hartenstein über den württembergischen Bereich hinaus großen
Einfluß gehabt. Hier hätte man sich eine klare Unterscheidung zwischen echter
und nachweisbarer Beeinflussung durch Hartenstein und von ähnlich denkenden
Bewegungen gewünscht. Auch die zitierte Aussage, daß Hartenstein mit Barth
und Brunner zu Lebzeiten die theologische Szene Westeuropas dominiert hätte
(S. 19), scheint mir doch zu weit zu gehen. Dazu war Hartenstein einfach
nicht bibelkritisch genug! Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-4. |
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Spuler-Stegemann,
Ursula. Muslime
in Deutschland – Nebeneinander oder Miteinander. Herder: Freiburg, 1998. Ursula Spuler-Stegemanns Bestandsaufnahme des Islam in
Deutschland ist sowohl kenntnisreich als auch sehr anschaulich geschrieben.
Der Schwerpunkt des Buches liegt auf dem türkischen Islam und seinen unterschiedlichen
Gruppen und Strömungen, was angesichts der Zahlenverhältnisse (2,1 Mill.
Türken von 2,7 Mill. Muslimen in Deutschland) durchaus gerechtfertigt ist. Die Autorin bemüht sich um eine faire, aber zugleich
realistische Darstellung der Lage. Einerseits weckt das Buch bei seinen
Lesern Verständnis für die besonderen Schwierigkeiten der Muslime in
Deutschland. Andererseits erstickt es nicht in politischer Korrektheit,
denn U. Spuler-Stegemann wagt es, auf existierende Probleme, etwa bei den
hierzulande weitgehend ungehinderten Aktivitäten extremistischer Gruppen
deutlich hinzuweisen. Gleichermaßen positiv überrascht der nur selten gezogene
Vergleich zwischen den weitreichenden Rechten der Muslime in Deutschland und
der beängstigenden Lage der Christen in der islamischen Welt ebenso wertvoll
die Erörterung des gespaltenen Verhältnisses der Muslime zur deutschen
Verfassung, sowie die nüchterne Betonung der Tatsache, daß der Islam überall
– auch in Deutschland – das Ziel verfolgt, die Scharia (das islamische
Gesetz) durchzusetzen. Und schließlich muß eine Professorin für Türkisch und
Religionsgeschichte allzu dialogbereite Kirchenvertreter in unserem Land
über muslimische Missionspraktiken unter Christen aufklären: „Die
verständnisvolle Haltung mancher wohlmeindender Kirchenvertreter wird mit
Wonne ausgenutzt“ (301), da oft gerade mit denjenigen muslimischen Gruppen
der Dialog gepflegt werde, die unter Beobachtung des Verfassungsschutzes
stehen. „Blauäugiger geht es wohl nicht“, so der muslimische Originalkommentar.
Stattdessen plädiert die Autorin dafür, endlich die Unterschiede zwischen
Islam, Christentum und Judentum „in aller Klarheit herauszuarbeiten“. Der
faire Eindruck des Buches wird unterstrichen durch das andernorts gegebene
Versprechen der Autorin, die vereinzelten pauschalen Aussagen über die
„Aggressionen der Evangelikalen“ für eine weitere Auflage sorgsamer zu
prüfen. „Muslime in Deutschland“ – ein unentbehrliches
Nachschlagewerk für jeden, der die vielen muslimischen Gruppen und ihre
Aktivitäten in unserem Land besser verstehen möchte. Dr. Christine Schirrmacher, em 1998-4. |
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Staats, Reinhart. Das Glaubensbekenntnis von
Nizäa-Konstantinopel. Historische und theologische Grundlagen. Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1996. Das in seiner endgültigen Form 381 n. Chr. verabschiedete
Glaubensbekenntnis der Konzile von Nizäa und Konstantinopel, das die meisten
Kirchen an hohen Feiertagen im Gottesdienst bekennen, spielt in der ökumenischen
Diskussion eine immer größere Rolle, da es (bis auf einen kleinen Zusatz zum
Heiligen Geist – „filioque“) das identische Bekenntnis der abend- und
morgenländischen Kirchen ist. Der Kieler Kirchengeschichtsprofessor Reinhart
Staats hat in diesem Band das sonst nur verstreut zu findende Wissen über
dieses Bekenntnis allgemeinverständlich und dennoch gründlich belegt
zusammengetragen. Vorgeschichte und Geschichte, liturgische und kirchenrechtliche
Funktion, sowie Theologie und Auslegung der einzelnen Aussagen ihrer historischen
Bedeutung entsprechend sind auf diese Weise sinnvoll unter einem Dach
versammelt. Ein entsprechendes Werk zum Apostolischen Glaubensbekenntnis wäre
wünschenswert. Dr. Thomas Schirrmacher, 1997-1. |
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Stackhouse,
John (Hg.). No
Other Gods Before me: Evangelicals and the Challenge of World Religions.
Grand Rapids: Baker, 2001. Yong,
Amos. Beyond
the Impasse: Toward a Pneumatological Theology of Religions. Grand Rapids: Baker Academic, 2003. „Evangelikale Theologen haben bisher über das Schicksal
der vom Evangelium Unerreichten nachgedacht. Diese Frage, die an den Nerv
evangelikaler Theologie und Mission rührt, verdient tatsächlich volle Beachtung.
Aber es ist mit Sicherheit nicht die einzige Frage, die wir im Blick auf die
Weltreligionen zu stellen haben. Außerdem kann auch diese Frage außerhalb
einer umfassenderen Theologie der Religionen nicht voll beantwortet werden.
Dieses Buch will evangelikale Theologen zu diesem größeren Unterfangen anregen“
(aus dem Vorwort von John Stackouse in No
Other Gods, meine Übersetzung). Nicht nur dieses Anliegen verbindet die
beiden oben genannten Bücher von Stackhouse und Yong, vielmehr hat Yong auch
ein wichtiges Kapitel in dem von Stackhouse herausgegebenen Sammelband No other Gods geschrieben. No other
Gods ist kein geschlossener Entwurf. Vielmehr- hat J. Stackhouse, Professor
of Theology & Culture am Regent College in Vancouver, eine Reihe
prominenter evangelikaler Missiologinnen und Theologen aus den USA gebeten,
ihre Perspektiven anzubieten. Gerald R. McDermott, Professor elf Religion and Philosophy
am Roanoke College, Salem, Virginia, eröffnet den Reigen mit der provokanten
Frage: „What if Paul Had Been from China? Reflections on the Possibility of Revelation in Non-Christian
Religions“. Er vertritt die These, dass Juden und Christen immer auch
von Menschen aus anderen Religionen lernen konnten (Abraham lernt von
Melchisedek, Petrus lernt durch die Begegnung mit Cornelius, Paulus zitiert
heidnische Dichter). Von Jonathan Edward entlehnt er die Anschauung, dass
sog. „Offenbarungsmuster“ (revealed types) wie Tieropfer auch in anderen
Religionen vorkommen, die sowohl als Anknüpfungspunkte: als auch als
Verständnishilfe für biblische Aussagen helfen können. Ein weiterer wichtiger
Beitrag stammt von Arnos Yong, einem charismatisch-evangelikaler Theologen,
der aus Malaysia stammt, in Amerika lebt und Professor am Bethel College,
St. Paul, Minnesota ist. Sowohl in seinem Beitrag „Discerning the Spirit(s)
in the World of Religions“ in No other Gods als auch in seinem eigenen Werk
Beyond the Impasse: Toward a Pneumatological Theology of Religions (Baker,
2003) plädiert Yong für eine evangelikale und pneumatologische Theologie der
Religionen. D. h. der universal gegenwärtige Schöpfergeist Gottes ist in
jedem Menschen aktiv und spielt darum auch in den Weltreligionen eine bewahrende,
offenbarende und heilsame Rolle. Im Vertrauen auf den Heiligen Geist können
Christen im Dialog mit Andersgläubigen deren Religion besser verstehen,
eigene Probleme erkennen, zwischen Dämonischem und Göttlichem unterscheiden
und Menschen zum Glauben an Jesus führen. Sein Ansatz ist komplex und kann
hier nicht ausführlich gewürdigt werden, bietet aber wichtige Anstöße, und regt
an, sich tiefer damit auseinanderzusetzen. Miriam Adeney, Anthropologin und
Professorin für Global and Urban Ministries an der Seattle Pacific University
stellt in ihrem Beitrag „Rajah Sulayman Was No Water Buffalo“ die Frage, ob
Muslime Christen werden können, ohne den Islam als kulturell-religiöses
System zu verlassen und ob sie in diesem System auch als Christen wachsen
können. Auf die erste Frage findet sie ein Teil-Ja, da der Islam als Kultur
und Religion auch Wahrheiten enthalte, die als Schritte zum Glauben dienen
könnten. Auf die zweite Frage findet sie ein „Nein“, da das islamische System
grundlegende biblische Wahrheiten (Gottessohnschaft Jesu, Kreuz und Auferstehung
Jesu etc.) ablehne und keine Gemeinschaft im Evangelium bieten kann. Sechs
weitere Kapitel u.a. von dem indischen Theologen Ken R. Gnanakan
(Generalsekretär der Asian Theological Association, Bangalore), Stanley J.
Grenz (Professor am Carey Theological College und Regent College, beide Vancouver), Paul J. Griffiths
(Buddhologe und Religionsphilosoph an der University of Illinois at Chicago)
bringen Licht in die Thematik und werfen weitere Fragen auf.- Der Band lädt
nicht zu uneingeschränkter Übereinstimmung ein, sondern stellt einen mutigen
und sicherlich auch provokanten Versuch dar, einerseits eine erste Bilanz
evangelikalen Denkens zum Thema zu bieten, andererseits die „Baustelle
auszumessen“ und zur weiteren Bearbeitung anzuregen. Dabei scheuen sich
manche Autoren nicht, auch einmal ungesicherten Boden zu betreten, um neue
gangbare Wege zu finden. Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-4. |
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Stadler, Jürgen. Die Missionspraxis Christian Keyßers in
Neuguinea 1899-1920: Erste Schritte auf dem Weg zu einer einheimischen Kirche,
edition afem, Nürnberg: VTR, 2006. Nach seinem Theologiestudium in Neuendettelsau und
Tübingen absolvierte der Verfasser ein Gastvikariat und wurde 1992 Pfarrer
in der Bayerischen Landeskirche. Sein theologisches Interesse vertiefte er
mit dieser biographisch-missiologischen Untersuchung des Neuendettelsauer
Missionars, Christian Keyßer (1877-1961), der von 1899 bis 1920 in Neuguinea
tätig war. In 15 Kapiteln mit einer Fülle von Unterteilen zeichnet Stadler
nach, wie Keyßer “sein Missionskonzept intuitiv-situativ […] entwickelte
und entfaltete” (S.31), was ich hier unter Berücksichtigung größerer
Abschnitte versuche anzusprechen. (Zahlen zwischen runden Klammern (…) geben
fortan Buchseiten an.) Stadler skizziert Keyßers missionarisches Werden von
seiner Kindheit bis zum Abschluss der theologischen Ausbildung (32-72). In
seinem dritten Lebensjahr starb sein Vater, 10 Jahre später die Mutter, die
ihn „immer wieder zum Guten ermahnte und zu GOTT wies“ (33). Trotzdem begann
er „seelisch zu verwahrlosen“ (71) bis er nach Nürnberg kam. Bei seinem Oberlehrer
der Industrieschule einquartiert, sah Keyßer diesen „Betbruder“, ohne Buch,
„frei und frisch von der Leber weg“ beten (37). Hier kam er zum Glauben und
vernahm den Ruf: „Du mußt Missionar werden“ (40-41). Darauf schrieb er an
Inspektor J. Deinzer am Missionsseminar Neuendettelsau: „[Ich] möchte gerne
in Ihre Anstalt eintreten, um dem Herrn als Missionar allein und mit allen
Kräften zu dienen“ (44). Unter Bedingung einer doppelten Probezeit wurde er
aufgenommen und erwarb sich „eine gründliche theologische Ausbildung“ (55). 1899 traf Keyßer in Neuguinea ein. Sein erster Eindruck
von den „braunen Spitzbuben [war] schauderhaft“ und die Eingewöhnungsphase
auf der Station Sattelberg schattenreich, jedoch nicht ohne Lichtstrahlen (73-146).
„Wie wohl wir von Natur untüchtig und nichts sind, so können wir doch durch
die Gnade Gottes etwas werden“, sagte er in seiner Ordinationspredigt (89).
In diesem Bewusstsein stürzte er sich mit Eifer in die Erforschung der
Sprachen, Kultur, Religion und Sitten der Papua und begann sich in
kontextgemäßer Missionsarbeit zu entfalten. Auch seine Ehe mit Emilie
Heumann, die sich „als echte Missionarsfrau in den Dienst der Mission einbrachte“
(90-91), der Kontakt mit anderen Missionaren sowie Gustav Warnecks Evangelische
Missionslehre und die AMZ vertieften seine innovative Missionspraxis. In Kapitel 7-10 gibt Stadler detaillierte Nachzeichnungen
über die Entwicklung der Sattelbergmission unter Keyßers Leitung von 1904 bis
zur Hauptkonferenz 1914. Dazu gehören Bekehrung und Erweckung der Papua
(147-164); Taufunterricht und -praxis der Sattelberggemeinde bis 1920
(165-183); Entstehung und Entwicklung der Sattelberger Gemeindemission
(184-250); die Sattelbergordnung bis 1914 (251-318). Stärker als andere
Missionare stellte Keyßer seine europäische Kultur hinten an, tauschte manche
Grundsätze Neuendettelsaus durch neue Akzente aus, adoptierte melanesische
Kommunikationsformen und suchte Zugang zu den Herzen der Heiden als
Familie und Volk, ohne aber Kraft und Inhalt des Evangeliums zu schmälern.
Er rang um kollektiven „Stimmungsumschwung unter den Einheimischen“, die
anfingen über die in ihrer Kultur verwurzelten Anschauungen wie balum (Initiationsritus und Geisterkult
unter den Jabêm; ngosa unter den
Kâte), Krieg, Blutrache, Zauberei, Ahnenkult und was sonst zu ihrer heidnischen
worldview gehört, nachzudenken
(147; 478-482). „Das Gewissen wacht allmählich auf“, berichtete Keyßer, wenn
er „bei seinen Dorfbesuchen vom Versöhnungstod Jesu, vom Gericht und von
letzten Dingen zu den Papua sprach“ (148; vgl. 99; 253). Ihm ging es weniger
um Einzelbekehrung als um Klan- und Stammesbekehrungen, wie sie auch von
Missionaren der Rheinischen Mission unter den Batak in Sumatra angestrebt
wurden. An diesem Punkt bedauerte Keyßer, dass die Neuendettelsauer nicht
als Missionare, sondern als Pastoren ausgebildet worden seien. „Das ist in
etwa so, wie wenn man einen, der Offizier werden will, als Maurermeister
ausbildet“, schrieb er (214-215). Daher investierte er alle geistigen,
seelischen und physischen Kräfte, den „braunen Spitzbuben“ das Wort Gottes
in ihrem sozial-kulturellen Kontext zu vermitteln, selbst wenn er von seinen
Kollegen oft nicht verstanden wurde, wie Stadler ausführlich nachweist
(253-318). In den nächsten drei Kapiteln registriert der Verfasser
die Entwicklung der Mission in Neuguinea von der Konferenz 1914 bis Keyßers
Rückkehr nach Deutschland sechs Jahre später: (a) Verlauf, Verhandlungen
und Entscheidungen der Hauptkonferenz erwiesen sich überwiegend für
Keyßer als Bestätigung, Anerkennung und Aufwertung seiner bisherigen
Arbeitsweise, wobei Karl Stecks Besuch und Verkündigung auf dem Sattelberg
nicht übersehen werden dürfen (319-354). „Die Diskussion der Neuendettelsauer
Missionare in den folgenden Jahren zeigt jedoch, daß der Grundentscheidung
und ihren missionstheologischen und -methodischen Implikationen nicht
ohne weiteres gefolgt wurde“ (354). (b) Das Ringen um Verständnis missionstheologischer
und -methodischer Fragen, wie sie sich im indigenen Kontext auf dem
Missionsfeld unter Keyßers Leitung der Sattelberger Muttergemeinde und
Umgebung manifestierten, hat sich im Rückblick mehr als eine Verhärtung als
eine gegenseitige Annäherung der Position herauskristallisiert
(355-444). (c) Auch zeigt Stadler, dass nach Ausbruch des 1. Weltkrieges
die deutsche Kolonie „Kaiser-Willhelms-Land“ in Neuguinea an Australien abgegeben
wurde und wie die Mission sich unter der neuen Regierung bis Keyßers Rückkehr
nach Deutschland 1920 entwickelte (445-467; 15-31). Die letzten Kapitel stehen unter den Themen „Ergebnis“ und
„Anhang“ (468-559). Unter Ergebnis gewährt Stadler den Lesern ein
einsichtsreiches Profil von „Christian Keyßer als Missionar“ (468-470) und
„Christian Keyßer als Missionstheologe“ (471-477), was nur durch Keyßers
eigenes Schriftgut übertroffen werden kann. Der „Anhang“ besteht aus
hilfreichen Texten, Karten, Begriffs- und Abkürzungsverzeichnissen. Der
gesamte Text ist mit einer Anzahl von Zitaten aus primären und sekundären
Quellen sowie mit 1998 Fußnoten und einem 36seitigen Literaturnachweis
untermauert. Das spricht für Umfang und Gründlichkeit der Arbeit, die sowohl
Studierenden und Lehrenden als auch Pastoren und Missionaren bestens zu
empfehlen ist. Nur schade, dass dem Buch ein Sach- und Namenregister fehlt. Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2009-3. |
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Stark, Rodney. Der Aufstieg des Christentums:
Neue Erkenntnisse aus soziologischer Sicht. Beltz Athenäum: Weinheim, 1997. Selten war eine soziologische und eine auf die frühe
Kirchengeschichte bezogene Studie so aufschlußreich für die
Missionswissenschaft, wie diese 1996 an der Princeton University erschienene
Studie „The Rise of Christianity“. Die Thesen Starks sorgen seitdem für viel
Diskussionsstoff. Einige Thesen seien kurz genannt: 1. Das Christentum breitete sich in den ersten vier
Jahrhunderten fast ausschließlich innerhalb des Freundes- und
Bekanntenkreises entlang soziologischer Strukturen durch Einzelbekehrungen
aus. Persönliche Beziehungen waren das Geheimnis des Erfolges der Christen. 2. Die ersten Christen waren größtenteils nicht arm,
sondern stammten aus dem wohlhabenden Mittelstand, was auch die Finanzierung
der Missionsarbeit sicherstellte. 3. Der entscheidende Faktor waren die Frauen, die dann oft
anschließend ihre Männer für das Christentum gewannen. Sie bekehrten sich
nicht nur häufiger, sondern waren auch unter den christlichen Kindern in der
Überzahl, da Mädchen und Jungen bei Christen als gleichwertig galten,
während die Heiden soviele Mädchen töteten, daß es statistisch einen enormen
Männerüberhang gab. 4. Das Christentum wuchs in den ersten vier Jahrhunderten
statistisch verhältnismäßig gleichmäßig, so daß die Suche nach außerordentlichen
Wachstumsfaktoren zu bestimmten Zeiten überflüssig ist. 5. Ein wesentlicher Wachstumsfaktor war die höhere
Kinderzahl der Christen, da diese gegen Abtreibung und Kindesaussetzung -
namentlich von Mädchen - waren, was zudem Adoptionen einschloß, und intakte
Familien hatten. 6. Ein weiterer wesentlicher Faktor war der soziale
Einsatz von Christen zu Zeiten von Seuchen, der mehr Christen überleben ließ
als Heiden und viele Heiden zu Christen werden ließ. 7. Konstantin machte das Christentum zur Staatsreligion,
da dieses sich durch Bekehrungen schon soweit ausgebreitet hatte, daß ihm
gar nichts anderes übrigblieb, um das römische Reich zu retten. 8. Das Christentum wuchs nach Konstantin nicht schneller
als vorher, so daß die Sicht, nach Konstantin seien die Massen in die Kirchen
geströmt, weil sie sich irdische Vorteile erhofften, falsch ist. Sicher bezieht Stark seine soziologischen Kenntnisse, wie
religiöse Gruppen heute wachsen, die er dann als Modell an die ersten drei
Jahrhunderte der Kirchengeschichte heranträgt und überprüft, von überall her,
etwa von den Mormonen, hinduistischen Sekten und anderen religiösen Gruppen.
Auch ist Stark die Frage, ob die Ausbreitung des Christentums ein Glück oder
ein Unglück für das römische Reich war, gleichgültig. Auch mag man Stark
manchmal widersprechen, wenn er das Neue Testament auslegt und überhaupt
nimmt Stark auf die religiösen Gefühle von überzeugten Christen wenig Rücksicht.
Und trotzdem fühlt man sich zum Teil in eine moderne missiologische Debatte
unter Evangelikalen versetzt, etwa wenn es um die Frage geht, welche Rolle
medizinische oder sozialethische Arbeit (z. B. im Einsatz gegen die
Abtreibung oder das Kastenwesen) in der Mission spielt oder wenn darauf
hingewiesen wird, daß Großevangelisationen wie ProChrist nur erfolgreich
sind, wenn Christen ihre Verwandten, Freunde und Nachbarn einladen. Das
Buch von Stark zeigt, daß viele der heute diskutierten Fragen zur Mission
auch schon die frühe Kirchengeschichte bestimmt haben und daß manches von
uns mühsam immer wieder neu entdecktes ‘Geheimnis’ der Evangelisation schon
zu Beginn der Christenheit die entscheidende Rolle gespielt hat. Dr. Thomas Schirrmacher, em 1999-3. |
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Staub, Brigitte. Trommeln, Palmwein, Hexen.
Erlebnisse im Grasland von Kamerun. Sternberg:
Metzingen, 2000. Als „Fraternal Worker“ der Basler Mission arbeitete
Schwester Brigitte von 1984 bis 1988 in einem Töpfereiprojekt, das mit „Brot
für die Welt“ aufgebaut wurde. Es ging dabei um die Wiederbelebung einer traditionellen
Handwerkskunst, die im Plastikzeitalter verkümmert ist. Brigitte Staub
erhebt nicht den Anspruch, eine wissenschaftliche Arbeit präsentieren zu
wollen, sondern sie möchte die Leser mit dem Alltag in Kamerun bekannt
machen, der sich typisch interreligiös-afrikanisch gestaltet. Anhand vieler kleiner Begebenheiten mit den Lehrlingen der
Töpferei und ihren Familien, dem stolzen Mercedesbesitzer und Häuptling, mit
dem respektierten Moderator der Presbyterianer und dem hilflosen weißen
Pastor und vielen Einheimischen schildert sie mit viel Humor ihren Alltag als
„White Man“ unter Schwarzen. Die Problematik der Hexen, Zauberer und Medizinmänner ist
auf dem Erfahrungshintergrund einer „ungläubigen Deutschen“ ehrlich und anschaulich
beschrieben. Was für die afrikanischen Christen selbstverständlich
erscheint, will ihr absolut nicht einleuchten. In einer kritischen Situation
und ohne ärztliche Hilfe läßt Schwester Brigitte sich schließlich auch auf
eine undruchsichtige Kräuterbehandlung ein. Obwohl sie von der Bevölkerung
angenommen ist, bleiben ihr als Weiße die letzten Geheimnisse verschlossen. Die spannend geschriebenen Erlebnisse bieten sich als ausgezeichnete
authentische Beispiele im Bereich der Anthropologie an. Vermißt werden
Beiträge über das geistliche Leben, die es außer dem peinlichen Auftritt des
weißen Pastors wohl auch gegeben haben muß. Konrad Brandt, em 2000-4. |
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Stearns, Bill
und Amy. Catch the Vision 2000. Bethany House:
Minneapolis, 1991. Die Unerreichten in den Blickpunkt der Christen zu rücken, ist der Wunsch von Bill und Amy
Stearns, den Mitarbeitern der Adopt-A-People-Bewegung in Colorado Springs, USA.
Anhand praktischer Beispiele zeigen sie, wie Gott jeden in der Mission gebrauchen kann. Als Schöpfer hat er schon Großes in der Welt getan und will es weiterhin durch jeden Christen tun. Mission ist keine „Dennoch-Aufgabe“
für Unerschütterliche, die nur aus Gehorsam gegen den Missionsbefehl getan
werden muß. Das beweisen folgende
Beispiele: Täglich werden 20.000 neue Christen in Afrika gezählt. Auf jeden Christen kommen heute statistisch nur noch 7 Nicht-Christen, während es im Jahre 100 noch 360 waren. Um wie Abraham ein
Segen für die Völker zu sein und den Auftrag
als Priester in dieser Welt zu erfüllen, muß sich jeder für
Weltmission engagieren. Weltmission ist die größte Herausforderung für die
Christen. Es gilt, 11.000 Unerreichte Volksgruppen
zu erreichen, besonderes Gewicht wird auf das 10/40 Fenster gelegt. Diese Aufgabe kann nur wahrgenommen werden, wenn neue Wege bzw. Strategien gewählt
werden. Neue Strategien, wie z.B. den „Non-Residential
Missionary“ (der Missionar, der
nicht in seinem Missionsgebiet wohnen kann), und andere Methoden
werden an konkreten Beispielen vorgestellt. Es gilt die Heimatgemeinde mobil zu machen, nicht nur zu beten, sondern sich konkret zu informieren
und sich Zeit für die Weltmission zu nehmen, damit Mission nicht nur ein
frommer Wunsch bleibt. Konkrete Vorschläge werden gemacht, wie man den eigenen Lebensstil umkrempelt und sich, seine Freunde und die Heimatgemeinde für Mission offen hält. Sogar ein „Catch
the Vision-Seminar“ für die Gemeinde wird
angeboten. Das Buch hat in Australien, Neuseeland und anderen englisch-sprechenden Ländern ein sehr
gutes Echo gefunden, sodaß sich Gemeinden
und einzelne Christen neu für Weltmission interessiert und engagiert
haben. Im deutschsprachigen Raum wird es
sich schwer tun, da es zu „amerikanisch“, enthusiastisch und pragmatisch
geschrieben ist, obwohl es auch auf viele missionstheologische Aspekte
eingeht. Es gibt positive Anstöße und
informiert den Leser über die großen Dinge, die sich zur Zeit in der Weltmission ereignen, stellt neue Strategien vor
und weitet den Blick für Mission, ohne Fachchinesisch zu sein. Die
Rückschläge und Schwierigkeiten, die es in der Weltevangelisation auch gibt, werden für deutsche Ohren sicher
zu wenig herausgestellt, da das Buch bewußt
jeden Christen zum frohen Engagement in der Weltmission aufrufen will. Als Leserkreis eignen sich alle Gemeindemitglieder, die
Englisch können und
Schlüssel Dr. Veronika J. Elbers, em 1995-4. |
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Steer, Roger. Georg Müller. Vertraut mit
Gott. Bielefeld: CLV,
1995. Ein Unbekannter ist er nicht: George Müller. Dieses Buch
aus der CLV-Biographien-Reihe beschreibt ein spannendes, langes und ungewöhnliches
Leben. Auf seine ungestüme und unchristliche Jugendzeit folgen nach seiner
Bekehrung einige Wanderjahre im christlichen Dienst. 1837 gründet er sein
Glaubenswerk: die Waisenhäuser in Bristol. Ohne Startkapital und nur im
Vertauen auf Gottes Fürsorge begegnet er der großen sozialen Not seiner Zeit.
Ein ausgedehnter Reisedienst um die ganze Welt beschließt sein erfülltes
Leben, bis er 1898 im Alter von 93 Jahren stirbt. Eine inspirierende Biographie, die zum Gebet und zu
festem Gottvertrauen ermutigt. Allerdings darf man nicht in den Fehler
verfallen, Müllers Leben zum Maßstab für geisterfülltes Christsein zu machen.
Durch den Berichtsstil des Verfasser wird diese Neigung, aus christlichen
Leitern geistliche „Übermenschen“ zu machen, leider unterstützt. Martin Sachs, em 1997-3. |
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Steer, Roger. Im Herzen Chinas. J. Hudson Taylor. Ein
Mann des Glaubens. Gießen: Brunnen, 1994. Noch ein Buch über Hudson Taylor? Sollten das Vorwort von Billy Graham und Nachwort von
James Hudson Taylor III etwa Zeichen dafür
sein, daß auch der Autor, Roger Steer, diese Bedenken hatte? Nötig
wären sie nicht gewesen, denn diese
Biographie mit ihrem lebendigen
Stil ist es durchaus wert, gelesen zu werden. Das Leben des bekannten China Missionars Hudson
Taylor (1832-1905) wird vom „Gebet der
Eltern“ bis zu seinem „Weg in den Himmel“ Schritt für Schritt in den gängigen
Bahnen nachgezeichnet. Der guten
Übersetzung von A. Findeisen ist
es zu verdanken, daß auch der deutsche Leser auf fast 400 Seiten einen bewegenden Anteil an den täglichen Glaubenssiegen Hudson Taylors, seinen Sorgen und
seiner Freude an den wunderbaren Führungen
erhält. Trotz aller Recherchen
des Autors erhebt sein Buch nicht
den Anspruch, eine wissenschaftliche
Biographie zu sein. So arbeitet er mit allen bekannten Bildern und
Assoziationen - und leider auch allen Vorurteilen über China und die
China Mission, wie sie sich seit den Tagen
Hudson Taylors bis heute hartnäckig halten. Will man sich also über
China, über die Person des Missionars oder Mission in China informieren, wird man besser zu anderen Büchern greifen. Diese Biographie hat
aber auch ein anderes Ziel: Hudson
Taylor soll als ein Mann des Glaubens vorgestellt werden. Es wird
hier ein Idealbild an Glaubensstärke
und geistlicher Haltung gezeichnet, wie es eigentlich nur in erbaulichen
Biographien vorkommen kann. Mit diesem Bewußtsein gelesen, kann das Buch zur
Bereicherung des eigenen Glaubenslebens
werden. Stefan Müller, em 1995-4. |
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Steer, Roger. Mit Hudson Taylor unterwegs. Mut zur
Nachfolge. Brunnen Verlag: Giessen, 1998. In acht großen Themenkreisen geht es in diesem Buch um
Fragen des persönlichen Glaubenslebens: Gott kennen, Gottes Werk - nach
Gottes Willen getan, das Geheimnis des Gebetes, der Segen des Kreuzes, Mission
und Respektierung fremder Kulturen. Das Buch ist in 100 Lektionen (oder Leitgedanken)
unterteilt. Dort finden sich Zitate oder Briefauszüge von Hudson Taylor
selbst, von seinen Freunden oder auch Zusammenfassungen des Herausgebers. Ihm ist unbedingt zuzustimmen, wenn er schreibt: „Man muß
das ganze Buch lesen, um die Lektionen im Zusammenhang zu verstehen“. Erst
das neunte Kapitel vermittelt einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse
im Leben Hudson Taylors und die von ihm neugegründete Mission, wodurch viele
zuvor erwähnten Geschehnisse und Erlebnisse verständlich werden. Die Person Hudson Taylors wird bei alledem mit viel
Liebe, aber nicht überzogen dargestellt. Es geht um seinen Glauben an den
einen großen Gott, der durch Höhen und Tiefen seine Leute ans Ziel bringen
will und wird. Das Buch ist ein hilfreiches Handbuch für das persönliche
Glaubensleben, aber auch für die Motivierung und Zurüstung von Missionaren. Diakonisse Renate Binder, em 2000-3. |
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Steinbach, Jürgen u. Klaus W. Müller (Hg.). Theologie – Mission – Verkündigung. Festschrift
zum 60. Geburtstag von Helmuth Egelkraut. edition afem - mission academics 6. Verlag für
Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1998. Mit dieser Festschrift zum 60. Geburtstag von Helmuth
Egelkraut erscheint erstmals seit der Festschrift für Goerge W. Peters 1988
ein Sammelband, der einen repräsentativen Querschnitt zur akademischen und
missionarischen Arbeit an der Freien Hochschule für Mission (FHM) in Korntal
gibt. Auf 145 Seiten tragen sämtliche Dozenten des Studienzentrums zu der
thematischen Trias bei, die das theologische Lebenswerk Helmuth Egelkrauts
markiert. Die Herausgeber, Jürgen Steinbach und Klaus W. Müller, stellen den
Themen Theologie, Mission und Verkündigung jeweils ausgewählte Aufsätze von
Helmuth Egelkraut voran, die dann durch eine Reihe weiterer Artikel der
Fakultät und einiger früherer Kollegen ergänzt werden. Die Beiträge werden
durch einige Kurzfassungen ausgewählter Magisterarbeiten von Studenten der
FHM abgerundet. Die thematischen Schwerpunkte reichen von der exegetischen
und missiologischen Bedeutung der Apstelgeschichte, der Bedeutung der Lehre
von der Jungfrauengeburt, dem Stellenwert des theologischen Studiums im
Pietismus, über den Beitrag von heilsgeschichtlicher Theologie, Anthropologie
und Ethnologie zu einer evangelikalen Missiologie, bis hin zu einer
weltweiten Missionspraxis, die dem modernen Menschen die Zuwendung Gottes
überzeugend nahebringt. Dieses Spektrum von exegetischen, missiologischen und
praktisch-theologischen Beiträgen spiegelt in vorzüglicher Weise die Vielfalt
der Akzente und zugleich die Einheit der Perspektive in der
wissenschaftlichen Arbeit der FHM wieder. Die 21 Artikel der Festschrift
werden durch eine Biographie sowie eine ausführliche Bibliographie von
Helmuth Egelkraut abgerundet, die erstmals seine zahlreichen Veröffentlichungen
vor allem in Aufsatzsammlungen, Zeitschriften und Lexika dokumentiert. Die
aufgeführten Monographien, überarbeiteten Übersetzungen, Andachten und
Rezensionen vervollständigen das Bild seines literarischen Schaffens. Somit erhält der Leser dieses empfehlenswerten Buches
einen Einblick in die Spannbreite theologischer Arbeit an der FHM und
zugleich eine Dokumentation des theologischen Schaffens ihres nun emeritierten
Dekans Helmuth Egelkraut. Dr. Markus Piennisch, em 1998-4. |
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Stine,
Philip C. (Hg.). Bible Translation and the Spread of
the Church. The last 200 years. (Studies in Christian Mission, Bd. 2), Leiden:
Brill, 1992. Der Herausgeber kommt aus den USA und ist seit 1984
Translations Service Coordinator der United
Bible Societies. Davor war er Übersetzungsberater bzw. Übersetzungskoordinator für Afrika. Das von
ihm herausgegebene Buch beinhaltet die
Hauptreferate einer Konferenz, die
1988 in Princeton, New Jersey, stattfand. 50 Kirchenführer, Theologen, Missiologen und Wissenschaftler
waren dort zusammengetroffen, um sich
über den Zusammenhang zwischen
Bibelübersetzung und der Ausbreitung der
Kirche in den letzten 200 Jahren Gedanken zu machen. Die Einleitung gibt einen Überblick über die wichtigsten Fragestellungen der
Konferenz, sowie über Reihenfolge und Inhalt der einzelnen Referate. Das Spektrum der Referate reicht von kulturellen Themen bis hin zu
einheimischen Theologien (z.B. Befreiungstheologie).
Bei allen Referaten war die Herausforderung,
den Zusammenhang zwischen
Bibelübersetzung und dem Wachstum der
Kirche darzustellen. Am deutlichsten wird dieses Anliegen in Darrel Whitemans
Beitrag, der sich mit
Bibelübersetzung und Entwicklung befaßt.
Dabei geht er weniger auf konkrete Fallstudien ein, sondern versucht
vielmehr, das theoretische Rüstzeug für weitere Studien dieser Art zu geben. Dieser Artikel ist ein Muß für
jeden, der sich mit der Situation
der dritten Welt und mit
Entwicklungshilfe befaßt. Das Referat
Louis Lutzbetaks streicht die Bedeutung anthropologischer Studien für
die Arbeit des Übersetzers heraus. Nur
wer wirklich lernt, auf die Kultur
zu achten, wird in der Lage sein, eine
kulturell relevante Übersetzung zu produzieren. Lamin Sanneh betont, wie wichtig es für die Ausbreitung des Christentums war und ist, daß es nicht an eine spezifische Sprache oder an einen Ort gebunden ist, sondern daß es in andere Sprachen und Kulturen übersetzbar ist. Daniel Archea befaßt sich in seinem Referat
Christiane Lauschitzky, em 1993-4. |
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Stöckle, Johannes. Du warst mir fremd, jetzt bist
du mein Bruder. Als Missionar in Afrika. Verlag Ernst Franz: Metzingen, 1997. Die Autobiographie des 1911 geborenen schwäbischen
Missionars ist ein Stück Missions- und Zeitgeschichte. Nach gründlicher beruflicher,
theologischer, pädagogischer und sprachlicher Ausbildung reist. J. Stöckle
1938 mit der Basler Mission nach NW-Kamerun. Der Krieg führt ihn in die
Internierung. Seine Missionsarbeit geht weiter in Deutschland in ökumenischen
Begegnungen zwischen Jugend und Kirchenleuten v. a. aus Afrika und Asien,
dann in Ghana und später von Deutschland aus in zahlreichen kurzen
Aufenthalten in Kamerun und Ghana. Der Autor erzählt lebendig und mit interessanten Details
von seinem Lernen, seinen Erlebnissen, seiner vielseitigen Arbeit, seinen
reichen Erfahrungen und Begegnungen. Sein Interesse für die fremde Kultur
wirkt ansteckend. Stöckle beweist Respekt vor der Religion und den Bräuchen
der animistischen und muslimischen Volksgruppen. Zugleich berichtet er von
seinem unermüdlichen Bemühen, Muslimen Gott als den Vater zu bezeugen und
Animisten Jesus Christus als den zu zeigen, der alle Geistermächte besiegt
hat. In Deutschland trägt er den Missionsgedanken in die
Gemeinden und arbeitet aktiv daran, durch gegenseitige Besuche eine Brücke
zwischen afrikanischer und europäischer Kirche zu bauen. Das Buch ist reich bebildert. Die letzte Episode stammt
von 1964. Ein kurzer Rückblick und biographische Hinweise bilden den Schluß
des Buches. Es wäre interessant gewesen, mehr von der weiteren inneren Entwicklung
der Kirchen in West-Kamerun und in Ghana zu erfahren. - Ein lesenswertes
Buch für Missionare und Missionsinteressierte. Hanna Weiberle, em 1998-4. |
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Stolle, Volker. Wer seine Hand an den Pflug legt. Die
missionarische Wirksamkeit der selbständigen
evangelisch-lutherischen Kirchen in Deutschland im 19. Jahrhundert. Oberursel/Gross-Oesingen,
1992. Zum 100jährigen Jubiläum
der Bleckmarer Mission legt der
Oberurseler Professor V. Stolle
eine nur von außen schmal wirkende Abhandlung
über die Mission der luth. Freikirchen im 19. Jahrhundert vor. Interessant
ist sein Ansatz, gleichermaßen historische Abläufe und theologische Denkstrukturen sowie deren gegenseitige Beeinflussung darzustellen. Stolle mißt
verschiedene missionstheologi sehe Konzepte an einer lutherischen
Worttheologie und dem Modell der
„Integration von Kirche und Mission“ und gelangt so zu einer
kritischen Perspektive, die keineswegs nur Rückblick ist. Kritisiert werden insbesondere eine überzogene
(konfessionelle) Rückbindung des Missionars an die „sendende Kirche“ und eine
ethische oder geschichtstheologische Begründung
von Mission. Schwierigkeiten beim Lesen bereitet leider die Komplexität
des historischen Stoffes. Hier wäre eine kurze, übersichtliche Einführung in die Entstehung der Freikirchen und in die Mission im 19. Jahrhundert hilfreich gewesen. Ohne
eine solche zerfallen die vielen exakt recherchierten Einzeldaten und die in
langen Fußnoten beigegebenen Zitate
leicht in Bruchstücke. Auch kann die ausschließliche Beschränkung auf selbständige Kirchen zu verzerrenden
Ausschnitten führen. Hinsichtlich des Materialreichtums und der theologischen
Denkanstöße halte ich
das Buch für empfehlenswert. Christian Weber, em 1993-1. |
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Stone,
Frank A. Academies
for Anatolia: A Study of the Rationale, Program and Impact of the Educational
Institutions Sponsored by the American Board in Turkey, 1830-2005. Frank
Stone war Professor für „International Education“ an der University of In den ersten vier Kapiteln des Buchs wird zunächst das
Umfeld und die frühe Entstehungsgeschichte der Schularbeit des American
Board in Anatolien behandelt. Dabei wird nicht nur das anatolische Umfeld
der Schulen unter die Lupe genommen, sondern auch das Heimatumfeld der
Missionare. Stone zeigt auf, wie stark die Schularbeit in der Anfangsphase
beeinflusst war von der Herkunft der Missionare aus den erweckten reformierten
Kreisen in den ländlichen Gebieten Neu-Englands: So brachten sie u.a. eine
starke Betonung der praktischen Arbeit für die Charakterbildung mit sich,
eine Sensibilisierung für die Freiheitsrechte aller Menschen, sowie ihre
antikatholische Einstellung. Im zweiten Teil der Studie werden zahlreiche Einblicke in
die einzelnen Schulgründungen in Anatolien gegeben. Aufgegliedert ist dieser
Teil nach geographischen Gesichtspunkten in die drei Kapitel: Westtürkei,
Zentraltürkei und Osttürkei. Ging es der Schularbeit zunächst darum, die
alten orientalischen Kirchen zu beleben, bekam sie bald einen neuen
Schwerpunk: Nach der Exkommunikation der mit dem Protestantismus
sympathisierenden Armenier aus der Armenisch-Apostolischen Kirche, ging es ab
1846 hauptsächlich darum, die Ausbildung für die neu entstandene armenisch-evangelische
Denomination zu gewährleisten. Im dritten Teil des Buches werden die sieben höheren
Bildungsanstalten behandelt, die vom American Board in Aintab, Marash,
Harput, Marsovan, Tarsus, Konya und Smyrna gegründet wurden. Die Initiative
zur Gründung dieser Colleges ging auch von den einheimischen Christen selbst
aus, unter denen ein deutliches Bewusstsein gewachsen war: „Wenn Menschen
gute Christen sein sollen, gute Väter und Mütter und nützliche Mitglieder
der Gesellschaft, müssen sie ausgebildet werden!“ Neben der Beschreibung
der eigentlichen Schularbeit enthalten die einzelnen Kapitel eine Fülle von
historischen und biographischen Details, wie etwa die interessante Geschichte
der „Boston Rat Trap Factory“ in Bebek oder die Geschichte des „Caesarea
Boys’ Club“, einer Art CVJM, der ab 1905 zeitweise von täglich bis zu 100
Jungen aus allen Bevölkerungsgruppen (Türken, Armenier, Griechen etc.) besucht
wurde. Dabei weitet Frank Stone allerdings das Feld seiner Untersuchung nicht
zu weit aus, so dass etwa die Evangelisationsarbeit oder die medizinische
Arbeit des American Board weitgehend unberücksichtigt bleiben. Im vierten und letzten Teil wird schließlich ein
Überblick gegeben über die geschichtliche Entwicklung der
American-Board-Schulen in der türkischen Republik bis in das Jahr 2005
hinein. Der Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges und
die weitgehende Vertreibung der verbliebenen Christen im Zuge der
chaotischen Folgejahre bedeuteten einen klaren Schnitt in der Geschichte
der Bildungsinstitutionen. Einige der Einrichtungen wurden in die Nachbarländer
Griechenland, Syrien und in den Libanon verlegt (So können heute etwa noch
die Amerikanische Universität und die Near East School of Theology
in Beirut als Nachfolgeinstitutionen betrachtet werden). Da aber auch die
türkische Republik dringend höhere Bildungseinrichtungen benötigte, wurden
einige der Einrichtungen in der Türkei weitergeführt – allerdings unter
sich ändernden Vorzeichen. Nun war es nicht mehr möglich in den Schulen zu
evangelisieren und die Schulen kamen stärker unter staatliche Kontrolle.
Bereits 1927 waren etwa nur noch ein Viertel der Schüler in den verbliebenen
neuen Schulen Mitglieder einer christlichen Minderheit. Zunehmend war die
Arbeit Kritik ausgesetzt – sowohl in der Türkei als auch in der
amerikanischen Heimat. Die Notwendigkeit der Schulen begründete man nun
damit, dass sie durch ihre Erziehung zur Demokratie befähigen würden: Man
lerne dort Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen,
konstruktive Problemlösungen zu finden und Vorurteile abzubauen. Stone sieht
in dieser Schwerpunktverschiebung u.a. einen Einfluss des „Social Gospel“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu weiterer Professionalisierung und
Internationalisierung der Schulen. Die verbesserten
amerikanisch-türkischen Beziehungen trugen in dieser Zeit zu einer besseren
Akzeptanz der Schulen bei. Nachdem türkische Pädagogen mehr und mehr
Verantwortung übernommen hatten, wurden schließlich die Schulen in die
Trägerschaft einer türkischen NPO mit dem Namen Saglik ve Egitim Vakfi (Stiftung Gesundheit und Erziehung)
übertragen. Die Leitung der Schulen lag nun endgültig nicht mehr bei Missionaren,
sondern bei Leuten, die in internationaler Pädagogik ausgebildet waren
und die oft keine engere Verbindung mehr zur United Church of Christ hatten. Stone widmet sich mit seiner Studie über die
Bildungseinrichtungen des American Board in Anatolien einem wichtigen Kapitel
der Missionsgeschichte des Nahen Ostens. Das Ausmaß der geleisteten Arbeit
war enorm: Schon 1855 hatte man 44 Schulen in der Türkei gegründet, dazu neun
kleine theologische Seminare. 1909 gab es 337 Schulen in der Türkei. Nicht
zu Unrecht spricht Stone geradezu von einer „educational explosion in Anatolia“.
Ohne Frage hat sich die Schularbeit des American Board in
mehrerer Hinsicht große Verdienste erworben: Der gegenseitige Bezug von
Gemeinde und Schule war in der Armenisch-Evangelischen Kirche von Anfang an
sehr stark. Im Gefolge neu entstehender armenisch-evangelischer Gemeinden
kam es immer zur Gründung neuer Schulen. Und die äußerst gute Ausbildung
ihrer Mitglieder stärkte im Gegenzug die Armenisch-Evangelische Kirche. So
ist es beachtlich, dass schon im Jahre 1872 bereits 82% der evangelischen
Armenier lesen und schreiben konnten. Dass die evangelischen Armenier nach
dem Ausschluss aus der Armenisch-Apostolischen Kirche durch das Anathema von
1846 überhaupt überleben konnten, hatte eine Ursache darin, dass sie darin
geschult waren, unabhängig ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. In
späterer Zeit dann war die gute Bildung auch für diejenigen ein großer Vorteil,
die infolge des Armenischen Völkermordes zu Flüchtlingen geworden waren
und sich in der Fremde eine neue Existenz aufbauen mussten. Auf diesem Hintergrund
verwundert es nicht, dass bis heute die Arbeit der Union der Armenisch-Evangelischen Kirchen im Nahen Osten stark
von der Verbindung von Gemeinde und Bildung geprägt ist und dass man noch
heute Mission primär als Lehrauftrag versteht. Die Geschichte dieser Schulen ist aber auch für die
allgemeine osmanische und türkische Bildungsgeschichte von großer
Bedeutung. Die Bildungsarbeit des American Board führten viele Innovationen
in das osmanische Bildungswesen ein, die später von anderen Ausbildungsinstitutionen
im Land übernommen wurden. So z. B. im Bereich der frühkindlichen Erziehung
durch die Eröffnung der ersten Kindergärten im osmanischen Reich ab dem Jahr
1884 und die daraus resultierende Ausbildung von Kindergartenlehrerinnen,
sowie durch die Eröffnung der ersten öffentlichen Kinderspielplätze. Im
Bereich der Frauenbildung leistete man ebenfalls Pionierarbeit – so ist es
kein Zufall, dass sowohl die erste ausgebildete Krankenschwester osmanischer
Herkunft als auch die erste Ärztin aus den Institutionen des American Board
stammten. Auch in der Sonderpädagogik für Blinde und Taube und in Bezug
auf handwerkliche und landwirtschaftliche Ausbildung waren die Missionsschulen
Vorreiter im türkischen Bildungssystem. Außerdem bekam ein beachtlicher
Strom von einflussreichen Persönlichkeiten in den unterschiedlichsten
Bereichen der türkischen Gesellschaft seine Grundlagen in einer der amerikanischen
Internatsschulen vermittelt. Aufgrund dieser großen Verdienste der untersuchten
Schularbeit enthält das Buch von Frank Stone sowohl für Missiologen als auch
für Pädagogen vielfältige interessante Informationen. Die Aussagen des
Buches werden unterlegt mit zahlreichen Quellenhinweisen und Kommentaren in
Fußnoten. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis, ein 13-seitiges Namens-
und Begriffsregister und einige „Fragen zur Diskussion“ regen zu einer weiteren
Beschäftigung mit den Themen der Studie an. Etliche Bilder und Zeichnungen
lockern das Buch auf, leider lässt die Wiedergabequalität dieser Abbildungen
jedoch zu wünschen übrig. Aus missiologischer Sicht ist die Entwicklung einer
Frage in der Studie besonders spannend: Wie haben sich Zielsetzung und
Arbeitsweise der Schulen verändert, inmitten des Spannungsfeldes von
Änderungen im soziokulturellen Umfeld, sich ändernden staatlichen Vorgaben,
ökonomischen und finanziellen Rahmenbedingungen, aber auch des eigenen
Missionsverständnisses der Handelnden. So ist schwer vorstellbar, dass etwa
die Gründergeneration der Missionsschulen sich mit einer Zielsetzung wie
dem „Austausch von Überzeugungen und Einsichten“ (wie in jüngerer Zeit
formuliert) zufrieden gegeben hätte. Dr. Andreas Baumann, em 2009-4. |
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Strobl, Anna. Islam in Österreich. Eine religionssoziologische
Untersuchung. Peter
Lang: Frankfurt u. a., 1997. Anna Strobl entwirft in ihrer Dissertation ein umfassendes
Bild des österreichischen Islam. Die beiden Schwerpunkte des Buches sind a)
der Islam in Glauben und Leben der 300.000 Muslime in Österreich und b) die
Reaktion der nachchristlich-säkularisierten Bevölkerung auf die muslimische
Präsenz. Gleichzeitig möchte die Arbeit einen „Beitrag zur christlich-islamischen
Ökumene leisten“ und durch sachliche Informationen zum „Abbau bestehender
Spannungen und Ressentiments beitragen“ (15). Die sachlichen, breit
angelegten und gründlich recherchierten Informationen, die außerordentlich
dicht angeordnet sind, vermitteln ein abgerundetes Gesamtbild des
österreichischen Islam, das zugleich von großer Tiefenschärfe gekennzeichnet
ist. Sehr sachlich werden Themen wie Menschenrechte und Rolle der Frau in Islam
und Christentum angegangen. Viele Grundlageninformationen zum Islam werden
nebenher vermittelt, so daß das Buch nicht dazu verurteilt ist, nur von
Insidern verstanden zu werden. Vielleicht hätten mehr Zwischenüberschriften oder ein
Register die vielen im Text angeschnittenen Themen leichter auffindbar gemacht.
– Auf jeden Fall ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, für die die
religiöse Situation in Österreich von Interesse ist. Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-1. |
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Sundermeier, Theo. Konvivenz und Differenz. Studien zu einer
verstehenden Missionswissenschaft. Erlangen: VELM, 1995. Anläßlich seines 60. Geburtstages am 12.8.1995 wurden
diese missionstheologischen Studien Theo Sundermeiers von Volker Küster
herausgegeben. Ihm ist auch das Schriftenverzeichnis des Jubilars und das
Vorwort zu verdanken, das in sehr guter Weise zur Person hin- und in die
Sache einführt. Will man nur einen Aufsatz herausgreifen, so ist es
Sundermeiers „Plädoyer für eine verstehende Missionswissenschaft“. Er sieht
sowohl ein heilsgeschichtliches Verständnis der Mission (d. h. Mission
geschieht zwischen dem ersten und zweiten Kommen Jesu als kirchliche
Aktivität) als auch ein Missionsverständnis im Sinne der ‚Missio Die’
(Mission als Sache Gottes zur Aufrichtung seines Schalom; die Kirche ist
daran nur mitbeteiligt, nicht aber Subjekt) an ein Ende gekommen. Einen neuen
Ansatz sieht S. in einem Missionsverständnis, das in Theorie und Praxis
„Begegnung der Kirche mit den ihr Fremden“ (S.32) bedeutet. Kirche ist
Kirche mit anderen, d. h. Kirche im Gegenüber und in der Begegnung mit
Fremden, mit fremden Menschen, Kulturen und Theologien. Davon handelt vor
allem der zweite Teil, der Zeugnis von Sundermeiers reichem, vor allem
afrikanischen Erfahrungsschatz gibt. Als Fachtheologe wird man an der einen oder anderen Stelle
Kritik anmelden. Nach neutestamentlichem Verständnis etwa wäre es doch wohl
unvorstellbar, das Abendmahl für Nichtchristen zu öffnen. Ebendies möchte
Sundermeier (S.102-112). Als Praktischer Theologe freue ich mich, in welchem
Maß die Kategorie der Konvivenz für die Missionstheologie entdeckt wird.
Nirgendwo wird vermerkt, daß sie aus der Liturgie stammt. Diese Kritik u. a.
Nachfragen dürften durchaus im Sinne des Jubilars sein. Denn sich begegnen
schließt ja sich befragen und sich in Frage stellen nicht aus, sondern
gehört zur Konvivenz. Dr. Gerhard Maier, em 1996-3. |
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Sundermeier, Theo. Mission – Geschenk der Freiheit. Bausteine
für eine Theologie der Mission. Frankfurt a. M: Verlag Otto Lembeck,
2005. Der Autor lebte jahrelang in Afrika und ist Professor em.
der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg. Neben zahlreichen
Arbeiten zur Hermeneutik und zur christlichen Kunst hat er missions- und
religionswissenschaftliche Essays veröffentlicht. Der Ertrag seiner
erfahrungsreichen und wissenschaftlichen Vielfalt ist in diesem Buch stark
reflektiert, wie schon die Überschriften der Hauptteile erwarten lassen: „Zur
Grundlegung der Mission“ (S.11-74); „Zur Praxis der Mission“ (75-192);
„Mission im Dialog“ (193-294). Unter dem ersten Thema versucht der Verfasser zunächst
den Titel des Buches biblisch zu begründen, systematisch einzuordnen und
durch religionsgeschichtlich gewonnene Einsichten zu beleuchten. Davon ausgehend,
dass das Wort „mission“ im angelsächsischen Sprachraum nicht so viel negative
Rückwirkungen auslöst wie der Begriff „Mission“ im deutschsprachigen
Bereich, verwendet er den Terminus „Freiheit“ als eigentlichen Kern der
Mission. Damit hofft er, die Mission von den „negativen Reaktionen“ zu
befreien und ihr „die Würde zurückzugeben, die ihr zukommt“ (S.13-14). Er versteht Mission nicht primär als Gehorsamsakt, der
auf den sogenannten Missionsbefehl des auferstandenen Christus in Mt.
28,18-20 zurückgeführt wird, sondern vielmehr als „das Kirchesein“ der
Jünger, das nach Mt. 5,13-14 in der „Gründungsurkunde der Kirche“ beruht.
„Jesus spricht den Jüngern das Kirchesein zu. Es ist ein Geschenk“, und daher
frei. „Die Jünger sind 'das Salz der Erde', sie sind 'das Licht der Welt'„
(S.17). In „Salz“ und „Licht“ sieht der Verfasser sowohl „die zentrifugale
Dimension der Kirche“ als auch ihre „zentripetale Funktion“ versinnbildlicht
(S.18,19). Wie Salz und Licht nur für andere da sind und zur Freiheit führen
„so besteht Freiheit nur in Relation zum Anderen. Sie verwirklicht sich so,
dass andere durch sie frei werden. Freiheit ist immer missionarisch“ (S.21).
Demzufolge besteht das Herzstück der Mission mehr im Sein als im Tun. An
diesem Punkt fordert der Verfasser Leserinnen und Leser auf, das
Missionsverständnis als geschenkte Freiheit sorgfältig
„durchzubuch-stabieren“ (S.21): Dabei spielen die unter schiedlichen Interpretationen
des Missio dei-Begriffs in der heutigen Diskussion evange-likaler und
ökumenischer Missionstheologie (S.31ff.), sowie „missionstheologische Aspekte“
der Moltmannschen „Theologie der Hoffnung“ (S.59-74) eine zentrale Rolle.
Der zweite Teil des Buches ist dem praktischen Bereich gewidmet. Hier greift
der Verfasser auf Texte und Referate zurück, die er sonstwo veröffentlicht
oder vorgetragen hat. Ihre besondere Bedeutung liegt im inhaltlichen
Charakter der einzelnen Gegenstände, die ein breites Spektrum abdecken, wie
es Teilnehmer an Missionssymposien und ähnlichen Tagungen erwarten. Dazu
gehören u.a. herausfordernde Themen wie „Verstehen und Übersetzen als
Grundproblem missionarischer Existenz“ (S. 77-104); „Heil und Heilung“
(125-139); „Kulturelle Sensibilität und Kreuzestheologie“ (169-192). Im
letzten Teil, „Mission im Dialog“, werden im Rahmen von Theologie und
Religionsgeschichte aktuelle Themen wie „Das Christentum im Spiegel anderer
Religionen“ (S. 195-227) und „Zusammenleben mit Menschen verschiedener
Religionen und Kulturen“ (265-295) behandelt. Sundermeier schlussfolgert,
dass „Mission, Dialog [und] Konvivenz“ zusammengehören, und dass der Dialog
nur im Zusammenleben geschieht und missionarisches Zeugnis möglich ist
(271). Wer bereit ist, Mission –
Geschenk der Freiheit „durchzubuchstabieren“ kann Bausteine für eine
Theologie der Mission entdecken. Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2007-3. |
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T’ien
Ju K’ang. Peaks
of Faith. Protestant Mission in
Revolutionary China. Leiden: Brill, 1993. Hinter diesem Titel
verbirgt sich eine brillante Studie über die Geschichte der
protestantischen Mission unter sieben Völkern im Süden Chinas (Miao, Yi, Lahu, Wa, Lisu, Hani, Jingpo/ Karen).
Den Rahmen dieser bis in die gegenwärtige Situation der dortigen Kirche
reichenden Studie bildet eine Beschreibung der geographischen und
geschichtlichen Situation der Völker
Südchinas. In der gelungenen Kombination von zahlreichen konkreten
Beispielen aus der Mission und ihrer
Analyse anhand der ethnologischen, sozialen, politischen und
geographischen Verhältnisse
unter den Völkern in der Provinz Yünnan
wird der Leser in den aufopfernden Dienst der Missionare und
einheimischen Christen
mit hineingenommen. Die genaue Analyse der Erfolge und Mißerfolge in den
knapp 100 Jahren der Missionsgeschichte führten den Autor zu konkreten Anregungen
für weitere evangelistische Bemühungen zum Aufbau der Kirche unter den
Völkern Südchinas. Neben der offen
anklingenden Freude über die Ausbreitung des Evangeliums dürfen aber auch die Warnungen des Autors nicht
überhört werden. Anhand vieler historischer Beispiele wird sehr deutlich
gezeigt, an welchen Punkten Gefahren für
die Entwicklung der aufblühenden Kirchen lauern. Der Autor, Tien Ju-K’ang (Tian Jukang) gilt im In- und
Ausland als einer der berühmtesten Gesellschaftswissenschaftler der
Volksrepublik China. Er ist Professor für
Geschichte und der Direktor der Fakultät
für Gesellschaftswissenschaften an der Fudan-Universität von Shanghai. Tiens genaue Kenntnisse der behandelten Völker, seine monatelangen Reisen durch die abgelegenen Regionen der Völker
Südchinas, persönliche Erfahrungen mit den Christen in diesen Regionen und
eine Fülle an hochwertigem chinesischen Material verarbeitet er unter
starker innerer Beteiligung in dieser missiologischen
Studie. Sie ist ein beachtenswertes
Beispiel dafür, mit welcher Selbstverständlichkeit missiologische
Forschungen bekennender Christen in
der Volksrepublik China ihren
Platz innerhalb der akademischen Gesellschaftswissenschaften gefunden haben. Eine klare Gliederung der vielen thematisch aufgebauten Kapitel, eine Fülle an Tabellen und Graphiken machen das Buch zu einem wertvollen Handbuch über die behandelten Völker. Die Ergebnisse von Tiens Analyse der Mission und Entwicklung der Kirche unter den Völkern
Chinas sind aber durchaus auch auf andere Völker
Südost- und Ostasiens zu übertragen. Daher sollte jeder Christ, der
ein Anliegen oder eine Verantwortung für Ost- oder Südostasien hat, dieses
Buch sehr genau studieren und diese einmalige
Gelegenheit nutzen, Gedanken und Anregungen zur Mission aus der Sicht eines
einheimischen Fachmannes zu erhalten. Stefan Müller, em 1995-4. |
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Tang, Edmond und Jean Paul Wiest (Hg.). The Catholic Church in
Modern China. Perspectives. Maryknoll: Orbis, 1993. Durch eine jahrhundertelange isolierte Entwicklung der
katholischen Kirche in China ist dort eine Form von Kirche entstanden, die
mit dem, was im Westen als katholische
Kirche bekannt ist, kaum noch etwas
zu tun hat. Leider fehlt jedoch in
diesem Sammelband von 17 Aufsätzen hochqualifizierter katholischer Chinaexperten und chinesischer Geistlicher eine
grundlegende Aufklärung darüber, was „katholische
Kirche“ in China bedeutet. Dafür gehen die Aufsätze sofort in eine Darstellung der
römisch-katholischen Sicht zu den katholischen Kirchen in der Volksrepublik
China über. Die drei Teile des Bandes behandeln die Entwicklung des
Verhältnisses der katholischen Kirchen zum
chinesischen Staat seit 1949, das
Recht einer von der Autorität des Papstes unabhängigen,
chinesisch-katholischen Kirche neben der papsttreuen römisch-katholischen Kirche und Zukunftsperspektiven für die
katholische Kirche in China. Auf wissenschaftlich
sehr hohem Niveau wird die alte Frage des Verhältnisses der römisch-katholischen Kirche zur papstfreien chinesisch-katholischen Kirche verhandelt. Dabei
stehen die strukturellen und organisatorischen Entwicklungen der
katholischen Gruppen in China im
Mittelpunkt, ihre Theologie bleibt völlig außerhalb des Blickfeldes. Interessant sind im Zusammenhang dieses Sammelbandes dennoch einige Aufsätze, die sich
mit der Inkulturation und den Chancen des spezifisch
Chinesischen in der katholischen Kirche in China beschäftigen. Ihnen
gelingt es, zumindest einige positiven Seiten der Entwicklung einer chinesisch-katholischen Kirche zu würdigen
und damit das Spektrum der in diesem Buch vertretenen Positionen zu
erweitern. Stefan Müller, em 1995-4. |
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Thiede, Carsten Peter
(Hg.). Bibelübersetzung
zwischen Inkulturation und Manipulation. Symposion des Deutschen Instituts für Bildung und Wissen vom 2. bis 4. Juni
1993 in Paderborn. Paderborn: Deutsches Institut für Bildung und Wissen
1993. Vorliegender Band versteht sich als ‚Beitrag zur
Diskussion’, und das leistet er auch. Theologen, Linguisten und
Altphilologen zweieinhalb Tage im Gespräch über Bibelübersetzung im
allgemeinen und deren theoretische Grundlage im besonderen. Einleitend
kommen neben den Theologen K. Haacker und H. Riesenfeld die Linguisten Th.
Bearth, A. Findeisen und A. Holzhausen in Form von Arbeitspapieren zu Wort.
Im Anschluß werden vier Gesprächsrunden als Tonbandnachschrift geboten. Es
geht um die Frage der Inkulturation, also um das Problem, die
jahrtausendealte von jüdischer Kultur geprägte Botschaft in andere Kulturen
umzusetzen. Während die in der Feldarbeit stehenden Bibelübersetzer sich zum
Fürsprecher der Zielgruppen machen, heben die Philologen im Gespäch immer
wieder auf die Ausgangssprachen ab. Im Blick auf konkrete Übersetzungsprobleme
im AT wie NT werden zahlreiche Einzelbeispiele erörtert. Zuletzt steht noch
einmal die Diskussion um Nida/Taber im Mittelpunkt und die Überzeugung von
der Notwendigkeit eines ‚Übersetzungspluralismus’. Das Buch zeigt, ohne es zu wollen, die noch immer tiefe
Kluft zwischen Altphilologie und moderner Linguistik. Aber gerade darin liegt
auch die Stärke. Ungeschminkt treffen die unterschiedlichen Ansätze aufeinander.
Hier die vom Linguisten geforderte ‚pragmatische Äquivalenz’ als Kriterium
einer guten Übersetzung und dort die sog. Intuition des Altphilologen.
Hätte die ‚Missionssituation’ mehr im Mittelpunkt gestanden, bzw. die
säkularisierte Gesellschaft, wären die (lediglich) mit Revisionen innerhalb
des europäischen Sprachraums tätigen Altphilologen deutlicher herausgefordert
gewesen, sich den brennenden Fragen der ‚cross-cultural-communication’ zu
stellen. Nichtsdestotrotz: das Buch selbst ist eine wichtige Standortanalyse. Ralf Richter, em 1996-1. |
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Thomas, Norman E. (Hg.). Classic Texts in Mission and
World Christianity. Maryknoll: Orbis Books, 1995. Dieser Textband ist als Ergänzungsband (Reader’s
Companion) zu David Boschs Missionstheologie „Transforming Mission“ gedacht.
Ursprünglich wollte Bosch ein zweibändiges Werk mit etlichen historischen
Quellen herausbringen. Da dies seitens der Verleger nicht möglich war,
entschloß sich Norman E. Thomas zur Herausgabe eines eigenen Quellenbandes,
der sich an der Kapiteleinteilung von Boschs Werk orientiert. Jedem Kapitel
und jedem Dokument ist eine Einleitung des Herausgebers vorangestellt.
Auszüge aus Dokumenten verschiedener ökumenischer Konferenzen und des
Vaticanums II stehen neben Theologen der verschiedensten Strömungen. Auch
evangelikale Stimmen sind berücksichtigt. Damit liegt eine eindrückliche
Sammlung vor, die neben nordaltlantischen Autoren auch eine ganze Reihe von
Theologen aus der südlichen Hemisphäre zu Wort kommen läßt. Jeder, der mit
Boschs Missionstheologie arbeit, wird auch gern zu dieser Sammlung greifen,
die eine gute „literarische Illustration“ zur Darstellung Boschs bietet. Ein
Arbeitsbuch zur Missionsgeschichte und -theologie! Dr. Johannes Triebel, em 1999-4. |
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Thomas, Norman. Readings in World Mission. London: SPCK, 1995. Hedlund, Roger E. Roots of the Great Debate in
Mission. Mission in Historical and Theological Perspective. Bangalore: Theological
Book, 19932. Bei beiden Büchern handelt es sich um Quellensammlungen.
‘Readings in Worldmission’ ist der ergänzende Band zu David J. Boschs
missionstheologischem Monumentalwerk ‘Transforming Mission’. Das parallele
Lesen beider Bücher bietet sich daher an. Neben historischen Texten von
Diognet bis hin zu John R. Mott findet der Leser die wesentlichen Texte
missionstheologischer Diskussion des 20. Jahrhunderts. Besonders hilfreich
ist dabei die in Anlehnung an Bosch systematische Anordnung der Quellen nach
Stichworten, z. B. ‘Mission als Kirche für andere’ oder ‘Mission als
Evangelisation’. In Kombination mit ‘Transforming Mission’ erhält der Leser
ein profundes Wissen über die missionstheologischen Entwicklungen von der
Zeit Jesu bis zum Ende des 20. Jahrhunderts und Einblick in wesentliche
Dokumente der verschiedenen Epochen. Für den deutschen Leser bemerkenswert
ist die Berücksichtigung von reformatorischen und pietistischen Texten. Wer
jedoch besonders nach evangelikalen Texten sucht, wird ein wenig enttäuscht
sein. Hier bietet sich für das 20. Jahrhundert Hedlunds Buch als Ergänzung
an. Von New York 1900 bis Canberra 1989 hat Hedlund die wichtigsten ökumenischen,
katholischen, evangelikalen und charismatischen Dokumente und Veröffentlichungen
zusammengestellt. Dabei geht Hedlunds Werk weit über eine einfache
Quellensammlung hinaus, da er wichtige Zusatzinformationen über das
Zustandekommen der Texte gibt. Damit erhält der Leser einen guten Einblick in
die Abläufe der verschiedenen Konferenzen und Diskussionen. Hier und da wäre
eine gründlichere theologische Auseinandersetzung hilfreich gewesen. Ob
dies allerdings in der gebotenen Kürze zu leisten ist, ist zu bezweifeln.
Die ausführliche Bibliographie bietet jedenfalls genug Anregungen zum Weiterstudium. Martin Reppenhagen, em 1997-4. |
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Thompson,
T. Jack. Christianity
in Northern Malawi. Donald Fraser’s Missionary Methods and Ngoni Culture.
Leiden/New York/Köln: Brill, 1995. Malawi ist als ursprünglich presbyterianisch/reformiertes
Missionsgebiet für den deutschsprachingen Raum als Missionsland weniger
wichtig. Aber die Kirchengeschichte Malawis, eines Staates dessen heutige Grenzen
(wenn nicht sogar seine politische Existenz) auf die Church of Scotland
Mission (Blantyre Mission) zurückgeht, hat dem Missiologen zu Fragen der
Missionsmethode und zu Fragen des Verhältnisses Kirche und Staat viel zu bieten,
und sie ist auch – besonders von Schotten – gut erforscht worden. Jack Thompson’s Buch ist eine Frucht solcher Forschung.
Es stellt einen der bedeutendsten frühen Missionare der Livingstonia Mission
der Free Church of Scotland vor, der als einer der Pioniere unter den kriegerischen
Ngoni im Norden Malawis arbeitete. Unter Frasers Leitung kam es um 1898 (bis
etwa 1910) unter den Ngoni zu einer großen Erwekkung mit Versammlungen von
Tausenden von Teilnehmern, die u. a. zu einer bedeutenden missionarischen
Bewegung nach Zambia hinein führte. Die Erweckung knüpfte in vielen ihrer
Formen an die traditionelle Kultur der Ngoni an, zB. hatten die großen
„Conventions“ (88ff) manche Ähnlichkeit mit dem traditionellen Fest der
Erstlingsfrüchte (incwala). Für die Missiologen besonders interessant bei dieser
Erweckung sind die prägenden Kräfte der Keswick-Bewegung, deren Einfluß nicht
nur auf die Glaubensmissionen, sondern auch auf die klassischen Missionen
groß war. Das Buch kann dem Leser, der sich mit dem Verhältnis des
Evangeliums zur afrikanischen Kultur beschäftigt, gute Anregungen bieten:
Fraser ließ sich tief auf die Ngoni Kultur ein (1935 wurde er wie ein
Häuptling im Viehkraal bestattet), verband dies mit der unkonventionellen
Theologie der Heiligungsbewegung und blieb dabei noch ein richtiger
Presbyterianer. Thompson leistet auch einen guten Beitrag zur Diskussion über
das Verhältnis zwischen Kolonialismus und Mission. Die Livingstonia Mission
begann in Malawi 1875, über zehn Jahre vor dem Beginn der britischen Kolonialherrschaft.
Sie half den Ngoni auf der einen Seite, länger unabhängig zu bleiben, auf der
anderen Seite ermöglichte sie, den Übergang zur Kolonialherrschaft
(friedlich) zu bewältigen. Das Buch ist sehr gut lesbar und zeichnet sich durch
sorgfältige Analyse und treffende Darstellung aus. Die Ausstattung entspricht
dem Preis. Thompson schreibt, daß Frasers Frau, wie viele
Missionarsfrauen ihrer Zeit, für ihre Arbeit viel zu wenig Anerkennung
erhielten. Das ist wahr. Thompson selbst erwähnt Frau Dr. Agnes Fraser, „eine
sehr fähige und eigenständige Frau“, nur viermal, und davon dreimal als
Witwe! Dr. Klaus Fiedler, em 1996-4. |
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Thune, Sabine. Ernst Jakob Christoffel: Ein Leben im
Dienst Jesu. Evangelium und Islam, Band 3. Nürnberg: Verlag für Theologie
und Religionswissenschaft (VTR), 2007. Die Serie „Evanglium und Islam“ möchte einen Beitrag leisten
zur Erforschung der Begegnung zwischen biblischer Verkündigung und islamischem
Glauben. Der nun erschienene Band 3 dieser Serie widmet sich der Person Ernst
Jakob Christoffels. Bekannt sein dürfte er vor allem als Gründer der heutigen
Christoffel-Blindenmission in Bensheim, einem der führenden Christlichen
international tätigen Werke für Menschen mit Behinderungen. Während dieses Werk heute weithin bekannt ist, kennen
vermutlich nur Wenige das missionarische Umfeld, aus dem heraus Ernst Jakob
Christoffel seine Arbeit begonnen hat: Die deutschsprachige evangelische
Armenierhilfe. Bis heute ist diese Bewegung in Deutschland in ihrer Bedeutung
weder erkannt noch hinreichend gewürdigt worden, vor allem in ihrer Funktion
als Vorbild für viele spätere Entwicklungen auf dem Gebiet international
tätiger Hilfswerke und Menschenrechtsorganisationen. Was heute zu wenig
bekannt ist: Auch auf diesem Gebiet waren die damals „Frommen im Lande“
wesentliche Vorkämpfer und Impulsgeber; denn es waren bewusste Christen, die
damals als erste und mit dem größten Engagement auf die Armenier-Massaker in
der Türkei, den „ersten Genozid des 20. Jahrhunderts“, reagierten. Die von
Christoffel gegründete Christliche Blin-denmission im Orient (1908) kann
deshalb ursprünglich als „jüngere Schwester“ neben Ernst Lohmanns
Christlichem Hilfsbund im Orient (1896) und Johannes Lepsius Deutscher
Orient-Mission (1895/1900) betrachtet werden. Gleichzeitig gehören diese
Werke gewissermaßen als Untergruppe zu der größeren Gruppe der neuen
deutschen „Orientmissionswerke“, die um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert
entstanden sind (Evang. Karmelmission, SudanPionier-Mission u.a.). Auch diese Geschichte der deutschsprachigen evangelischen
Missionsarbeit im Nahen Osten ist heute zu wenig bekannt. Wer weiß
beispielsweise, dass in Malatia, der durch die grausame Ermordung dreier
evangelischer Christen jetzt in der Missionswelt bekannt gewordenen Stadt in
der Süd-Ost-Türkei, eine deutsche Hilfs- und Missionsstation existierte, an
der auch schon damals deutsche Missionsmitarbeiter ihr Leben ließen
(Christoffels Nichte Hildegard Schuler starb 1918 im Alter von 22 Jahren an
Blutvergiftung). Sabine Thüne, die fast 20 Jahre als Bild-dokumentarin der
Christoffel-Blindenmission arbeitete, bietet in der von ihr vorgelegten
Arbeit eine Fülle von solchen Hintergrundinformationen. Zunächst stellt sie
in sieben Kapiteln Leben und Wirken von Ernst Jakob Christoffel dar. Dabei
wird deutlich, dass Ernst Jakob Christoffel in die vorderste Reihe der deutschen
Missionspioniere gehört - nicht umsonst wurde ihm als erstem evangelischen
Missionar das Bundesverdienstkreuz verliehen. Im Anschluss an jedes Kapitel
finden sich zahlreiche Textanhänge, in denen bisher unveröffentlichte Briefe
und Texte des Missionars, Auszüge aus gedruckten Publikationen der
Blindenmission, aber auch zahlreiche Dokumente aus anderen Archiven und
Abschnitte aus relevanter Sekundärliteratur zu finden sind; zudem sind jedem
Kapitel noch einige interessante
Bilddokumente beigegeben. An die sieben biographischen Kapitel schließen sich
dann nochmals fünf thematische Kapitel an, etwa zum Thema „Blinde im Orient“
oder „Mission im Islam“. Ein Literatur- und Personenverzeichnis sowie eine
Zeittafel runden das Buch ab. Außerdem ist dem Buch ein 17-seitiger Aufsatz
von Dr. Christof Sauer in englischer Sprache beigegeben, der Leben und Wirken
von Ernst Jakob Christoffel kurz zusammenfasst und auch einen Abschnitt über
„Christoffels missiology and Christian mission among Muslims“ enthält. Somit
bietet das Buch von Sabine Thüne beides: Sowohl einen guten, schnell
überschaubaren und doch gründlichen Überblick über Leben und Werk von Ernst
Jakob Christoffel, als auch vielfältige Zusatzinformationen (z.B. zu weiteren
Mitarbeitern und Personen aus Christoffels Umfeld), Literaturhinweise und
Quellenausschnitte, die zum Weiterforschen in diesem Themenumfeld anregen.
Wenn das Werk auch nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen
Forschungsarbeit für sich in Anspruch nimmt, so darf sein Wert für die missiologische
Forschung nicht unterschätzt werden: Es könnte kaum eine bessere Grundlage
und „Startrampe“ für eine akademische missiologische Forschungsarbeit über
die Arbeit von Ernst Jakob Christoffel, sein Missionsverständnis oder etwa
sein Verhältnis zum Islam (evtl. auch in Gegenüberstellung zu Johannes
Lepsius oder Ernst Lohmann) geben, als diese gründliche Arbeit, die Sabine
Thüne vorgelegt hat. So ist dem Werk nicht nur eine weite Verbreitung zu
wünschen, sondern vor allem, dass es sich als Inspiration für weitere Forschungen
in diesem Themenumfeld erweist. Dr. Andreas Baumann, em 2007-4. |
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Tibi, Bassam. Im Schatten Allahs. Der Islam und die
Menschenrechte. München: R. Piper, 1996 (erw. Tb.ausgabe). Der international renommierte syrische Politikwissenschaftler
Bassam Tibi hat hier ein bemerkenswertes Buch zum Thema ‚Islam und
Menschenrechte’ vorgelegt. Selbst Muslim und Bürger zweier Welten tritt er
für eine Weiterentwicklung des traditionellen Islam zu einem ‚Euro-Islam’
ein, da – so seine These – nur ein aufgeklärter, von der Institution Staat getrennt
existierender Islam eine durchgängige Beachtung der Menschenrechte
garantieren kann. Zwar haben die meisten islamischen Länder
Menschenrechtserklärungen unterzeichnet, dulden oder betreiben jedoch gleichzeitig
die Verurteilung und Tötung von Apostaten (vom Islam Abgefallenen). Überall
dort nämlich, wo das islamische Gesetz (die sharia) Gültigkeit besitzt - sie
sieht die Todesstrafe für Apostaten vor - werden automatisch Teile der
Menschenrechtserklärungen zur Freiheit der Religionsausübung und
Unantastbarkeit der Menschenwürde außer Kraft gesetzt. Nicht umsonst haben
islamische Staaten daher stets betont, daß Menschenrechte nur insofern gewährt
werden könnten, wie sie nicht die Bestimmungen der sharia berühren. Daher erkennt
Tibi für den an der sharia orietierten Islam der meisten islamischen Länder
keinerlei Möglichkeit, wirkliche Fortschritte in der Menschenrechtsfrage zu
machen und beurteilt das Rechtsgutachten (fatwa) Khomeinis gegen Salman
Rushdie als einen „Rückfall in die Steinzeit“ (S. 119). Nur durch eine –
allerdings derzeit für ihn utopische – Reform des Islam hin zu einer
Anerkennung von Werten, die nicht der sharia unterstehen, könnten diese
Fortschritte s. E. erreicht werden. Bassam Tibi hält jedoch nicht nur der islamischen Welt
ihre Unfähigkeit zu Demokratisierung und zum Garant von individuellen
Rechten vor. Gleichermaßen kritisiert er das heuchlerische Schweigen Europas
im Bosnien-Konflikt. Wenn das freiheitsgewohnte Europa nicht bereit ist,
seine einstmals erkämpfte Demokratie und Freiheit zu verteidigen, so Bassam
Tibi, wird es dem von Migranten und Flüchtlingen nach Europa importierten
Fundamentalismus hilflos gegenüberstehen. – Ein mutiges, persönliches, engagiertes
Buch, das trotz seiner zeitweisen Weitschweifigkeit dem interessierten Leser
wertvolle Einblicke und Anstöße vermittelt. Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-4. |
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Tiplady,
Richard. Postmission,
World Mission by a Postmodern Generation. Carlisle, Cumbria: Paternoster Press, 2002. Viele junge Missionare fühlen sich in den traditionellen
Missionswerken nicht wohl. Warum ist das so und wie müssten Missionswerke
sich entwickeln, damit sie der jungen Generation entsprechen? Eine Gruppe von
17 Personen der Generation X (definiert durch die Geburt zwischen 1965-1980),
aus fünf verschiedenen Nationen, alle betraut mit verantwortlichen Aufgaben
in der Weltmission, ging dieser Frage nach. Sie trafen sich für fünf Tage im
März 2001, zu gemeinsamer Anbetung, gegenseitigem Zuhören, herausfordernder
Diskussion, Essen, Beten und gemeinsamem Erleben. Das Buch „Postmission“ ist ein Ergebnis dieses Projektes.
Es fasst die wichtigsten Gedanken in einzelnen Artikeln zusammen und richtet
sich sowohl an Missionsleiter also auch an junge Menschen der Generation X in
traditionellen Missionswerken. Dabei zielt es zum einen darauf ab,
Verständnis für die veränderte Weltsituation der Postmoderne und die
Charakteristika der Generation X zu schaffen, zum anderen aber auch Anregungen
zu geben, wie traditionelle Missionswerke verändert werden könnten, um den
Anforderungen der neuen Zeit und den neuen Mitarbeitern (Generation X) besser
zu entsprechen. Im ersten Teil wird darauf eingegangen, wie sich die
Generation X versteht, bzw. wie sie wahrgenommen werden will. Besonders wird
erklärt, was den Menschen dieser Generation in Missionswerken Schwierigkeiten
macht. Einen prominenten Platz nimmt dabei die Diskussion der Leitungsstile
ein. Im zweiten Teil des Buches behandeln die Autoren Anfragen der
Postmoderne an bestehende Organisationsstrukturen. Im dritten Teil werden
Ansätze aufgezeigt, die traditionelle Missionswerke auf ihrem Weg zu
postmodernen Strukturen helfen sollen. Das Buch ist gespickt mit hilfreichen
Anregungen: z.B. Gedanken zur Veränderung von Leitungsstilen in
Missionswerken, die grundsätzlich Ermutigung zu viel mehr Kommunikation
zwischen Missionsleitung und Mitarbeitern, die Hervorhebung der Wertschätzung
von Mitarbeitern, die neu begründete Betonung des Mentoring usw. Dabei hat es
aber auch eine sehr deutliche Botschaft: Entweder passen sich die
Missionswerke den Gegebenheiten der neuen Zeit an oder sie werden für die
postmoderne Welt und ihre postmodernen Missionskandidaten (Generation X und
folgende) irrelevant sein. In seiner ganzen Aufmachung und Entstehung atmet
„Postmission“ bereits postmoderne Luft. So lehnt sich die Bucheinteilung an
Titel eines postmodernen Liedinterpreten an (REM, Michael Stripe). Der Inhalt
des Buches wird von einem gleichberechtigten Autorenteam präsentiert. Die
einzelnen Beiträge sind mal mehr, mal weniger durchzogen von der Kritik des
Status Quo. Diese ist gepaart mit Frust, Zerbruch und Hoffnung auf
Veränderung, um des Evangeliums für die postmoderne Welt willen. Man spürt
den Autoren eine Leidenschaft und einen Willen nach vorne ab. Ihr
Sendungsbewusstsein für die Menschen ihrer Zeit und der folgenden
Generationen lässt sie mutig und selbstkritisch auf die traditionellen
Missionswerke zugehen. Dieses Buch ist ein Muss für Kandidatensekretäre,
Feldleiter und alle, die in Missionswerken leitende Verantwortung tragen und/
oder mit der neuen Generation Kontakt haben. Bei der Lektüre darf man sich
jedoch nicht von den bereits erwähnten postmodernen Ausdrucksformen abhalten
lassen, die vielen positiven Ansätze wahrzunehmen und die eigene Position
hinterfragen zu lassen. Hans Walter Ritter, em 2003-4. |
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Torjesen, Edvard P. A Study of
Fredrik Franson: The
Development and Impact of his Ecclesiology, Missiology and
Worldwide Evangelism. University Microfilms International, Ann Arbor, London,
1984. Er gründete mehr als
ein Dutzend Missionen und Kirchen in Amerika und Europa, davon drei im deutschsprachigen Raum, und alle existieren heute noch. Trotzdem gehört
Franson eher zu den großen Unbekannten der
Missionsgeschichte. Aus der
skandinavischen Erweckung kommend schloß sich Franson der interdenominationellen Gemeinde Moodys in Chicago an und
begann seinen weltweiten evangelisti Überall war sein
Dienst inter-denominationell, und
doch leistete er einen wesentlichen Beitrag zum Thema der
Ekkesiologie, das heute in den inter-denominationellen Missionen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im deutschsprachigen
Raum (S.370-393) beeinflußte Franson besonders die Freien evangelischen Gemeinden und die Gemeinschaftsbewegung (Allianz Mission Barmen, Deutscher
Gemeinschaftsdiakonieverband, Schweizer
Allianz Mission). Der Autor ist Missionar von TEAM (The Evangelical Alliance
Mission) USA, zur Zeit Repräsentant
von TEAM in Nordeuropa. (In Deutschland arbeiten TEAM und die DMG
zusammen.) Das besprochene Buch ist das Ergebnis von 12 Jahren
Arbeit, wovon 10 Jahre der Materialsammlung
in ebensovielen Ländern gewidmet
waren. Torjesens Sprachkenntnisse (nur Armenisch und Finnisch
beherrscht er nicht!) ermöglichten ihm den
Zugang zu den Primärquellen, auf
denen seine Darstellung ausschließlich beruht. Das Buch ist eine ausgezeichnete
Forschungsarbeit. So wie Torjesen es hier
tat, müßten noch eine ganze Reihe
von Themen evangelikaler Missionsgeschichte erfaßt werden. Klaus Fiedler, em 1986-1. |
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Towery,
Britt. Christen in China. Oncken Wuppertal/Kassel
1987. Dieses Buch, ursprünglich 1986 in Hongkong erschienen als „The Churches of China: Taking Root Downward,
Bearing Fruit Upward”, gibt in verschiedenen Kapiteln Einblicke in die Geschichte und Gegenwart der Kirche in China
und will dazu beitragen, die Entwicklungen dort, die ja nicht nur die
Missiologen sehr überrascht haben,
verständlich zu machen. Und falls Sie einmal nach China reisen wollen, so
finden Sie auf S. 140-166 auch die wichtigsten kirchlichen Adressen in
den 29 Provinzen, Stadtgemeinden und autonomen Regionen Chinas. Em 1988-2. |
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Troeger, Eberhard. Kreuz und Halbmond. Was Christen vom Islam
wissen sollten. Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1996. Der Leiter der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten
(EMO) Eberhard Troeger legt hier die stark überarbeitete und erweiterte Neuauflage
seines 1981 veröffentlichten Buches „Islam im Aufbruch – Islam in der Krise?“
vor. Diese Neuauflage zielt nicht in erster Linie auf eine chronologische
Darstellung der islamischen Geschichte oder auf eine systematische
Darstellung der koranischen Dogmatik, obwohl diese Themen auch angesprochen
werden. Vielmehr beleuchtet der Autor schlaglichtartig die islamische
Vergangenheit und Gegenwart, sowie querschnittartig diejenigen Fragen, die
die islamische Lebenswirklichkeit ausmachen wie z B. das Menschenbild des
Islam, Frauen und Männer in der islamischen Welt, der Heilige Krieg oder die
Ausbreitung des Islam. Dadurch wird dem Leser deutlich, daß „Islam“ eben
nicht nur die bloße Zugehörigkeit zu einer Religion bedeutet, sondern Dogmatik,
Ethik, Geschichte, Politik, Volksislam und Mystik zugleich umfaßt. Der Autor
bleibt jedoch nicht bei der Darstellung des Islam stehen, sondern nimmt
sachkundige Beurteilungen aus biblischer Sicht vor. Der Leser erhält damit
zugleich Anknüpfungspunkte für die missionarische Begegnung mit Muslimen,
wenn es etwa um die fehlende Heilsgewissheit im Islam oder die Ablehnung des
Kreuzestodes Jesu und seines Erlösungshandelns im Islam geht. Leider sind in der Literaturliste aufgrund der
ungewöhnlichen Anordnung gesuchte Titel nicht ganz leicht auffindbar: Die
Titel sind nämlich nicht alphabetisch nach dem Nachnamen des Autors
angeordnet, sondern nach dem jeweiligen Erscheinungsjahr des Buches.
Hilfreich dagegen ist das ausführliche Register und dies insbesondere
aufgrund der Querschnittstruktur des Buches. Das Buch ist unbedingte
Pflichtlektüre für jeden Christen, der den Islam im In- und Ausland besser
verstehen möchte. Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-3. |
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Tucker, Ruth A. Bis an die Enden der Erde:
Missionsgeschichte in Biographien. Metzingen: Ernst Franz Verlag, 1996. Ruth A. Tuckers Standardwerk zur Missionsgeschichte ‚From
Jerusalem to Irian Jaya’, das 1994 in 17. Auflage erschien, liegt nun endlich
auf Deutsch vor. Das Original beschreibt die Missionsgeschichte anhand von
100 Biographien von Missionaren und Missionsförderern von Paulus bis heute,
wobei der Schwerpunkt beim 17. bis 20. Jahrhundert liegt. Karl Rennstich hat
die deutsche Ausgabe bearbeitet und dazu leider ca. 40 Biographien
gestrichen, wobei nicht zu erkennen ist, nach welchem Prinzip die Auswahl
erfolgte. Stattdessen hat Rennstich das Werk um 15 Biographien meist
deutschsprachiger Missionare ergänzt, wobei diese Ausarbeitungen
qualitätsmäßig ausgezeichnet sind und meist weit mehr Fakten verarbeiten,
als die oft erzählend dargebotenen Beiträge von Ruth Tucker selbst. Auch
diese deutschen Biographien sind nicht vor allem repräsentativ ausgewählt,
sondern entstammen meist dem Umfeld der Basler Mission, der Rennstich
verbunden ist. Eine theologische Wertung der dargestellten Personen wird
kaum vorgenommen, weswegen auch umstrittene Personen wie Paul Yonggi Cho,
der zudem wohl kaum als Missionar einzustufen ist, aufgenommen wurden,
wobei erstaunlicherweise Tucker wenige Seiten später in Bezug auf Korea,
aber ohne Bezug auf Cho, vor einer „Schamanisierung des Christentums“ (S.
411-412) in Korea warnt. Kurzum: ein wichtiges, weil konkurrenzloses Buch zur
Missionsgeschichte, auch wenn die Auswahl der Missionare verbesserungswürdig
ist. Ein von Christof Sauer erarbeitetes kommentiertes ausführliches Literaturverzeichnis
ist für jeden, der sich für Missionsgeschichte interessiert, ein ausgezeichneter
Einstieg in die große Flut der Literatur zum Thema. Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-1. |
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Tucker,
Ruth A. From
Jerusalem to Irian Jaya. Academic Books, Zondervan Publishing House,
Grand Rapids (Michigan), 1983. In 5 Teilen und auf
knapp 500 Seiten umreißt die Autorin ihr Anliegen einer ,,2000 Jahre langen Fortsetzung der Apostelgeschichte“. Die fünf Teile sind betitelt: Das
unwiderstehliche Vordringen (Römerreich, Christianisierung, Herrnhuter
Brüdergemeine, frühe Mission unter Indianern
Nordamerikas). Das „große Jahrhundert“
(Mission im 19. Jhdt.: Südliches Asien, Schwarzafrika, Fernost,
Pazifik). Das zunehmende Engagement (die ledige
Missionarin, die „Studenten-Freiwilligen“,
die Glaubensmissionen). Der Ruf nach dem Spezialisten (Arzt,
Bibelübersetzer, Radiotechniker, Pilot in
der Mission). Der Drang zur
Nationalisierung (Märtyrer im 20. Jhdt., Sendboten von Kirchen in der Dritten Welt, neue Strategien). Es
ist Ruth Tucker gelungen, die Fülle des Stoffs
klar und gut überschaubar anzuordnen.
Dies im besonderen dank ihrer Gabe, die menschliche Seite des Missionsunternehmens
in mancher fesselnden Darstellung
hervorzuheben. Die eine Seite bleibt
das Bewußtsein der heiligen Berufung
durch den Herrn der Ernte; die andere Seite, die in diesem Buch
erfrischend realistisch zum Ausdruck kommt, ist der Aspekt der Weitergabe des Evangeliums in Raum und
Zeit, in zahlreichen menschlichen (manchmal
allzu menschlichen) Einzelzügen. Ein
bedeutsamer Schwerpunkt in manchen der
Lebensbilder ist die Dimension der Ehe und der Familie, die oft ergreifend und manchmal erschütternd angesprochen wird. Als Frau hat Ruth Tucker diesen in den herkömmlichen Biographien gerade der „großen“
Männer Gottes oft übergangenen Aspekt
gebührend hervorgehoben. In manch einer
feinen, bald humorvollen, bald ernsten Schilderung begegnen uns auch die Kämpfe und die Siege der unverheirateten
Dienerin Gottes. Hier liegt zweifellos
die besondere Stärke dieser Darstellung. Sprache und Stil sind lebhaft und zeitgemäß;
das Buch ist auch Lesern, die sich auf ihr
Schulenglisch verlassen müssen, gut zugänglich. Susanne Mayer, em 1985-1 |
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Tucker, Ruth A. und Walter L. Liefeid. Daughters of the Church, Women and Ministry from New Testament Times
to the Present. Academic Books, Zondervan
Publishing
House, Michigan. Von dem Volumen und der
Aufstellung her eher ein
Nachschlagewerk, entwickelt sich das Buch bald zur faszinierenden
Lektüre, wobei die Autoren nicht vom
feministischen Aspekt ausgehen, sondern bemüht sind, das biblische
Verständnis der Frau hervorzuheben. Von der neutestamentlichen Zeit bis hin zur Gegenwart wird die durchaus bedeutsame
Rolle der Frau in Kirchen- und Missionsgeschichte
beschrieben. Die Bewertung der Frau
im christlichen Dienst wurde bislang in den Hintergrund gestellt, obwohl die Nachforschungen deutlich machen, daß gerade Frauen eine Pionierstellung eingenommen haben. Diese Tatsache läßt
die Autoren nicht nur die kulturellen Faktoren,
sondern auch den Trend biblischer Exegese der verschiedenen Zeitabschnitte
untersuchen, inwieweit sie die Rolle der
Frau beeinflußten. Besonders die frühe
Kirche besaß einen großen Reichtum an einflußreichen Frauen, deren Einsatz meistens unterschätzt und sehr oft unterdrückt wurde. Der Kampf um Anerkennung
der Frau im Dienst der Kirche begleitet
die Geschichte bis hin zu den Anfängen
der Mission. Bedeutende Frauen wie
Susanna Wesley, um nur eine von vielen zu erwähnen, spielten während der Erweckungsbewegungen im 18. und 19. Jahrhundert
eine große Rolle, doch geschah ihr Einsatz
meistens im Hintergrund, indem sie Gebetstreffen in ihren Häusern organisierten
und persönlich evangelisierten. Nach Auffassung der damaligen Theologen hatte
eine Frau in der Gemeinde immer noch zu schweigen. Trotzdem zeichnet sich das 19. Jahrhundert dadurch aus, das sich mehr Frauen
die Freiheit nehmen, öffentlich zu predigen.
Von einigen Ausnahmen abgesehen,
wurden sie jedoch von der damaligen Zeit
als Sektierer betrachtet. Erst das weite Feld der Außenmission bot Frauen
unvergleichliche Gegelenheiten zu erfüllendem Dienst, was nach Ansicht der Autoren selbst in den bedeutenden
Missionsgeschichtswerken von Latourette und Neill kaum erwähnt und gewürdigt wird. Umso mehr bemühen sich Tucker und Liefeid, die Verdienste der Frauen in der Mission hervorzuheben, deren Tätigkeitsfeld von
Evangelisation und Gemeindebau bis hin
zur Bibelübersetzung und zum Unterricht
an Theologischen Seminaren reicht. Bei dem Versuch, die
wichtigsten Frauen der
Missionsgeschichte zu erfassen, haben sich die Autoren offensichtlich nicht immer an Primärquellen gehalten. So wird
Priscilla Studd, um ein Beispiel zu nennen, neben Mary Livingstone als eine von vielen Missionarsfrauen erwähnt, deren Männer sie krank und untauglich in der Heimat zurückließen.
Was nicht berichtet wird, ist die Tatsache, daß CT. Studd seine Frau ermutigte, im Glauben vom Krankenlager aufzustehen, Auch leitende Frauen
der Dritte-Welt-Kirchen finden
Erwähnung als solche, die westliche
Missionarinnen zum Vorbild hatten und in ihren Diensten wesentlich
durch sie geprägt wurden. Nicht zuletzt werden
Frauen der gegenwärtigen Zeit aufgeführt und in den Kontext der
verschiedenen Strömungen mit ihren unterschiedlichen
Ansichten gestellt. Ein Anhang mit theologisch hermeneutischen Erörterungen,
dem Versuch einer Exegese zum Thema und
der Frage nach Ordination und
Autorität der Frau in der Gemeinde
beschließt das Buch. Die Autoren beanspruchen nicht, die umfassende Geschichte
der Frau in der Kirche erfaßt zu haben. Dennoch
ist es ihnen durchaus gelungen,
einen guten Gesamtüberblick zu geben. Christel Meyer, em 1990-1. |
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Tworuschka, Monika und Udo. Kleines Lexikon Islam. Christen
begegnen Muslimen. Konstanz: Christliche Verlagsanstalt, 1992. Die Autoren, eine
Islamwissenschaftlerin und ein Theologe, beklagen zu Recht die oberflächlichen
und teilweise falschen Informationen der
Medien über den Islam. So ist das Buch
als Gegengewicht dazu gedacht, als Instrument
des Dialogs, um Christen unter 121 Stichworten
ein besseres und sympathischeresVerständnis
des Islams zu vermitteln. Dennoch nehmen die Autoren hin und wieder Wertungen
vor, die sich weniger gegen den
Islam richten (Ausnahme: das
Todesurteil über Salman Rushdie
beurteilen sie als etwas „Ungeheuerliches“, S.17) als gegen das Christentum: So sind sie zum Beispiel der Ansicht, der christliche
Fundamentalismus lehne pauschal die „Ergebnisse der modernen Wissenschaft“
in Technologie und Ökonomie ab (S.46/47). Ferner urteilen die Autoren, daß im Christentum im
Zusammenhang mit der Lehre von der Erbsünde eine „parallel
einhergehende(r) Verunglimpfung der Sexualität“ zu finden sei (S.91). Aussagen des Korans wie etwa die Anweisung an
Ehemänner, ungehorsame Ehefrauen erst zurechtzuweisen und dann zu schlagen
(Sure 4,34), werden unter dem Stichwort „Ehe“ dagegen nicht erwähnt. Eine Auswahl an Stichworten in einem Lexikon muß immer bis
zu einem gewissen Grad willkürlich sein.
Unklar bleibt etwa, warum nur
wenigen Personen wie Gamal ad-Din al-Afgani ein Abschnitt gewidmet wurde,
nicht jedoch großen und einflußreichen
islamischen Denkern wie al-Ghazali
oder at-Tabari. Einige Ausführungen scheinen angesichts der Brisanz der Themen etwas kurz gekommen zu sein wie etwa die Artikel „Glaubensbekenntnis“,
„al-Azhar“ oder der Artikel „Muslimbrüder“, der nur 6 Zeilen umfaßt. Im
letzten Fall hätte man etwa auf die
Auseinandersetzung der Muslimbrüder
mit Israel und die politische Bedeutung dieser Gruppe anhand der Ermordung Sadats 1981 durch den Muslimbruder Khalid
al-Islambuli hinweisen können. Kleine Fehler lassen
sich in einem Lexikon wohl kaum vermeiden, ‚irtidat’ statt richtig ‚irtidad’ (S.17) könnte auch ein Druckfehler sein.
Die Prophetenenkel al-Hasan und al-Husain
wurden aber keinesfalls 661 „bei Kerbela … belagert und fanden
schließlich den Tod“ (S.19). Vielmehr
starb al-Hasan, der auf das Kalifat
661 verzichtet hatte und nach Medina gezogen war, dort zwischen 670 und 678,
während al-Husain 680 bei der
berühmten Schlacht von Kerbela den Tod fand. Ferner wird in der islamischen
Tradition üblicherweise nicht von Trotz der erwähnten Kritikpunkte bietet das „Kleine Lexikon Islam“ vergleichsweise
umfassende, positiv wertende Informationen über den Islam, behandelt auch rare, sehr interessante Themen wie etwa ‚Abtreibung’, ‚Menschenbild’,
‚Menschenrechte’ oder verschiedene Feste des islamischen Kalenders. Es ist zur Information fraglos jedem auflagenstarken populärwissenschaftlichen Romanwerk über den Islam weit vorzuziehen. Christine Schirrmacher, em 1993-4. |
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Übler, Hans
und F. Christian Trebing. Softwarekatalog
für Theologie, Kirche und Diakonie. Ein PC-Handbuch mit den
aktuellen Programmen. Wort im Bild,
Ringstr. 18a, D 6451 Hammersbach. Wer neue Computer-Software sucht, findet hier gute Erstinformation. Auch Missiologen kommen auf ihre
Kosten im Bereich Literaturverwaltung und
Textverarbeitung mit fremdsprachlichen Zeichen. Echt missiologische Datenbanken
wie „World Muslim Population Growth
1970-2000“ (Light of Life, Villach) oder kartographische Programme wie
die von Global Mapping International wurden freilich dort noch nicht gemeldet. Christof Sauer, em 1993-3. |
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Ustorf,
Werner. Christianized
Africa – De-Christianized Europe? Missionary Inquiries into the Polycentric
Epoch of Christian History. Amersbek bei Hamburg: Verl. an der Lottbek
Jensen. Werner Ustorf, geb. in Hamburg, ist seit 1990 Professor
für Missionswissenschaft an der University of Birmingham und am Selly Oak
College. In seinem aus mehreren Studien zusammengesetzten Buch geht es um
einen neuen missiologischen Ansatz in der sog. dritten Epoche des
Christentums. Im ersten Teil beschreibt er in drei Studien afrikanische
Ansätze zu einer christlichen Identität im Widerstreit mit der europäischen
kulturellen Dominanz. Im zweiten doppelt so langen Teil entfaltet er in
sechs Kapiteln bzw. Studien sein Programm für die westliche Christenheit:
ausgehend von einem faktischen Pluralismus fordert er eine Transformation
des bisherigen Missionsansatzes, der Kirche und schließlich der Welt zu
sozialer Gerechtigkeit, gleichberechtigter und friedlicher Koexistenz der
verschiedenen Kulturen und Wahrheitsfindung durch Diskurs. Damit liegt er
im Trend ökumenischer Theologie, die hier in vielen lose miteinander
verknüpften Einzelstudien in theoretisch-technischem Englisch ihren Ausdruck
findet. Martin Sachs, em 1996-1. |
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Verwer,
George. Out
of the comfort Zone - Grace, Vision, Action. Carlisle, Cumbria: OM Publishing, 2000. Suchen Sie ein Buch, das Menschen zu Mobilmachern für
Weltmission macht? Hier ist eines. Im Stil, klassisch George Verwer,
geschrieben nach seinen Predigtkassetten und daher lebendig, frisch und
voller Herausforderung. George Verwer hat ein brennendes Herz und dieses Herz
schüttet er dem Leser aus. Mission ist nicht ein Geschäft von Funktionären,
sondern von dir und mir, von den Kleinen und Großen, von den „Gehern“ und
„Sendern“, von den Spendern und Betern, von den Reichen und den Armen, von
den Westlern und Nicht-Westlern… Alle haben Anteil an Gottes Mission. Alle
sind berufen mitzuarbeiten. Alle sind von ihm eingeladen, seine Vision und
seinen Auftrag mitzutragen. Doch gerade da ist oft das Problem: „Where two or
three of the Lord’s people are gathering together, sooner or later there will
be a mess“ (:xiii) (Übersetzung: Wo zwei oder drei Christen zusammen sind, da
entsteht früher oder später „Chaos“). Das Buch soll helfen, auch noch im „Chaos“,
mobil zu machen für den Auftrag des HERRN. Eindringlich geht George Verwer den einzelnen
Herausforderungen der Mobilisation zur Weltmission nach. Was braucht einer,
der andere für Weltmission mobil machen will? Zuallererst ein gnadenvolles
Herz („Grace Awakening“), um mit all denen in Einheit zusammenzustehen, die
Gott zu diesem Werk berufen hat. Danach eine Gottesbeziehung, die die Ziele
Gottes reflektiert. Als Drittes die Bereitschaft voranzugehen, und Verwer
zeigt welche Qualitäten für die Leiterschaft in der Mobililsation notwendig
sind. Anschließend beschäftigt er sich in einem ganzen Kapitel mit den
Aufgaben eines Mobilmachers für die Weltmission. Nach diesen Erörterungen
widmet er sich drei grundsätzlichen Fragen: der oft gegeneinander ausgespielten
Notwendigkeit für einheimische und ausländische Missionare, der Finanzierung
der Weltmission und der Vision von AD2000 and Beyond 200.000 Missionare
auszusenden. Ermutigend und inspirierend versteht es George Verwer die
zentralen Punkte anzusprechen, die einen Menschen zu einem Mobilmacher für
die Weltmission machen. Aus seiner reichen Erfahrung heraus bringt er oft
entlarvend, aber immer demütig und liebevoll, Dinge auf den Punkt. Man darf
von diesem Buch keine theologischen Ausführungen oder hohe akademische
Abhandlungen erwarten. Aber es ist ein Buch von der Praxis für die Praxis. Es
ist ein Buch zum selbst Lesen, aber auch zum Verschenken. Ein Buch, was nicht
im Bücherschrank vermodern darf. Persönlich habe ich es bereits vielen jungen
Menschen weitergeben und versucht mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen.
(Die deutsche Fassung erschien 2001 bei Hänssler unter dem Titel „Mobil für
Mission“.) Hans-Walter Ritter, em 2004-3. |
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Vittoz, Robert. Jenseits der Wälder. Das abenteuerliche
Leben des Indianermissionars James Evans. Giessen: Brunnen Verlag, 4. Tb.auflage 1994. Die weißen Eroberer Kanadas trieben die Indianer zur Zeit
von James Evans (1801-1846) immer weiter westwärts. Als Kind eines Einwanderers
wurde Evans von einem Indianer entführt, aber aus Mitleid wieder
freigelassen. Als Erwachsener suchte er diesen „edlen“ Indianer mit allen
erdenklichen Mitteln, um ihm das rettende Evangelium zu sagen. Über seine
Fahrten führte er ein Tagebuch. – Robert Vittoz hat aus verschiedenen Quellen
die verlorengegangenen Aufzeichnungen möglichst authentisch wieder
zusammengestellt. Der Leser lernt beide Rassen kennen, Weiße und Indianer.
Unter beiden begegnen uns sowohl rohe und grausame als auch liebenswürdige
Menschen. Vor allem ein Indianer, Hassel, der zum Glauben fand und für sein
Volk starb, wird für James Evans zum gesuchten „edlen Indianer“ seiner
Kindheit. Auch für Kinder ab etwa 10 Jahren zeigt das Buch einprägsam, wie
falsch die heute verbreitete Vorstellung vom „edlen Indianer“ sind, denn es
wird eindrücklich dargestellt, wie edel auch der verruchteste Mensch werden
kann, wenn ihm nur jemand die Rettung durch Jesus nahebringt. Ein Buch, das
Kindern und Erwachsenen in bester Erinnerung bleibt. Christof Sauer, em 1997-2. |
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Vogt, Peter (Hg.). Zwischen Bekehrungseifer und
Philosemitismus: Texte zur Stellung des Pietismus zum Judentum. Kleine Texte
zum Pietismus 11, Leipzig: EVA, 2007. Diese Quellenausgabe enthält dreizehn Texte von elf
Autoren, die das ganze Spektrum des kirchlichen und radikalen Pietismus
repräsentieren. Dabei handelt es sich um Texte, die direkt an Juden gerichtet
waren, um Bibelauslegungen, Auszüge aus Predigten und zwei Berichte von
konkreten Begegnungen zwischen Pietisten und Juden (Callenberg, Mackinet).
Sie umfassen den Zeitraum von 1695-1764. Vertreten sind H. Horch, J.W.
Petersen (2 Texte), E.C. Hochmann von Hochenau, J. Tennhardt, Ph.J. Spener,
J.H. Callenberg, G. Schulius, S. Lieberkühn (2 Texte), N. L. von Zinzendorf,
B.D. Mackinet und F.C. Oetinger. Zur Auswahl der Texte schreibt Vogt: „Dabei
benennen die Stichworte ‚Bekehrungseifer’ und ‚Philosemitismus’ die
beiden grundlegenden Positionen, die in jeweils unterschiedlichen Graden
dieses Verhältnis geprägt haben. Weithin begegnen wir dem Wunsch bzw. der
Hoffnung, dass die Juden sich ‚bekehren’ und Christus als ihren Messias
erkennen mögen. Demgegenüber findet sich zugleich die Bereitschaft, den
besonderen Rang der Juden als auserwähltes Volk Gottes anzuerkennen und zu
würdigen. Die spannungsreiche Konstellation, in der diese beiden religiös
motivierten Anliegen stehen, zieht sich wie ein roter Faden durch alle
ausgewählten Texte und markiert die Brisanz der Thematik“ (118). In der „29. Homilie über die Wundenlitanei“ von 1747
(66-70) bezieht sich etwa Zinzendorf
auf Römer 11 und Joh.10,16. Schon vor der endzeitlichen Rettung Israels
könne man beginnen, die Juden in die Kirche aufzunehmen („Wir wollen sie
schon derweilen in unseren Stall nehmen,… bis man ihnen auch einen bauet“,
67), da sich der Heiland schon jetzt über die Erstlinge unter ihnen erbarmen,
sie segnen und überzeugen kann. Die Juden werden das Zeichen des
Menschensohns in den Wolken sehen und sich dadurch bekehren. Doch sollen
ihnen jetzt schon die Zeichen des Gekreuzigten vor Augen gemalt werden („der
mahlt seinen Heiland, seinen Schöpfer, seinen blutigen Gott und Marter-Lämmlein“,
69). Zinzendorf resümiert: „Das ist die Methode, wie der Heiland in
diesen unseren Zeiten die ungläubigen und feindseligen Menschen … noch wird
in seine Sache und Partie ziehen, daß sie werden im Geist erblikken den
Platz, darein jene gestochen haben [vgl. Sach.12.10f; Joh.19.37; Offb.1.7],
und werden in derselben Wunde ihren Herrn und ihren Gott erblikken, und alsdann
wird der Heiland sagen: Nun … komm Israel nach dem Fleisch, komm zu deinen jüngeren
Geschwistern, zu den jüngeren Schaafen, zu den Schaafen aus einem anderen
Stall, damit eine Heerde und ein Hirte werde“ (70). Aus heutiger Sicht
überrascht, dass Zinzendorf dabei mehrfach Juden und „Atheisten“ gleichsetzt
(„Wie werden die Juden überzeugt? Ins ganze so wie die Atheisten …“, 68). Von Spener
stammen „Unmaßgebliche gedancken, wie es mit den jüden ihrer Bekehrung wegen,
zu halten seye“ (1702, 38-50). Nach Spener sollen Juden geschützt und unter
Christen leben dürfen („auch noch eher und mehr gelegenheit haben zu ihrer
bekehrung“, 38). Sie sollen ihre Religion ausüben dürfen. Gottes Verheißungen
an die Juden tragen bei, „mit gebet, sanfftmüthigem und gerechten bezeugen
gegen sie, bey gelegenheit freundlichen zuspruch und kundmachung unser
religion, sonderlich aber vorleuchtung mit heiligem Wandel und austruckung
der lehr ihres Heilandes in ihrem lebenm, zu thun schuldig“ (39). Die
Obrigkeit soll wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen, die den Juden
ein reguläres und legales Einkommen ermöglichen (in seinem ganzheitlichen
Ansatz denkt Spener u.a. an Umsiedelungen in dünn besiedelte Gebiete, um
Juden Ackerland zuweisen zu können). Ein Glaubenshindernis für Juden ist das
„böse Leben der Christen“, insbesondere die öffentliche Entheiligung des
Sonntags und der Umgang mit den Juden. Auch manche zwielichtigen Judenchristen
seien ein Hindernis, überhaupt sei der Umgang mit den Judenchristen schwierig.
Die Obrigkeit darf keinerlei Gewalt zur Bekehrung der Juden anwenden („durch
keine gewaltsamen mittel … die bekehrung zu versuchen seye, als welcherlei
Mittel aller art der Religion, sonderlich unserem Christenthum schnurstracks
entgegen sind“, 43). Obwohl die Obrigkeit die regelmäßige Verkündigung des
Evangeliums vor Juden zwar verordnen könne, lehnt Spener dies aus verschiedenen
Gründen ab. Nach Mahnungen an die Pfarrer fordert Spener besondere
Ausbildung in orientalischen Sprachen, damit man auch gelehrten Juden
begegnen kann. Speners Ausführungen zeugen von Liebe zu den Juden und einem
hohen Maß an Toleranz. Gleichzeitig zeigen sie das spannungs- und
facettenreiche religiöse Miteinander von Christen und Juden in Europa vor
der Aufklärung und dem Holocaust. Im Nachwort (118-23) führt Vogt gekonnt in die Thematik
ein, nennt wichtige Sekundärliteratur und würdigt die Position des
Pietismus. Gemeinsam ist den Texten „die Überzeugung, dass die Juden in
Gottes Heilsplan noch eine besondere Rolle spielen werden und zuletzt ihre
ursprüngliche Würde wiedererlangen. Aus dieser heilsgeschichtlichen Orientierung
ergibt sich die für den Pietismus charakteristische Doppelposition: einerseits
das dezidierte Interesse an der Judenbekehrung, anderseits jener Impuls von
Respekt und Anerkennung, den man „als Philosemitismus des biblisch-chiliastischen
Typs bezeichnen kann. Möglichkeiten und Grenzen des Gesprächs zwischen
Pietisten und Juden waren damit vorgezeichnet“ (122). Zu den einzelnen
Texten gibt es keine Einleitungen. Die Texte zeigen, dass dem Pietismus in der Geschichte der
jüdisch-christlichen Beziehungen eine besondere Rolle zukommt. Im Vergleich
zur der protestantischen Orthodoxie war der Pietismus stärker am Judentum
interessiert und zur Begegnung bereit. Beweggründe seitens der Pietisten
waren zum einen der Missionsgedanke (nicht umsonst gab es sogar eigene
Liedsammlungen zur Judenmission!) als auch verschiedene heilsgeschichtliche
Erwartungen. Die heutigen evangelikalen Positionen gegenüber dem Judentum,
dem Staat Israel, zu der nach wie vor umstrittenen Judenmission und zur
Heilsgeschichte haben hier ihre Wurzeln (vgl. D. L. Bock, M. Glaser, Hrsg., To the Jew First: The Case for Jewish
Evangelism in Scripture and History; Grand Rapids: Kregel Academic &
Professional, 2008). Mit ihrer Sicht der besonderen Rolle Israels haben die
Pietisten Positionen vertreten, die erst im erneuerten Israelverständnis
der letzten fünfzig Jahre (Theologie nach Auschwitz, jüdisch-christlicher
Dialog, neue Verhältnisbestimmungen zwischen Israel und Kirche durch verschiedene
Konfessionen) wieder thematisiert wurden. Prof. Dr. Christoph Stenschke, em 2009-2. |
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Voigt, Karl Heinz. Die Heiligungsbewegung zwischen
Methodistischer Kirche und Landeskirchlicher Gemeinschaft: Die „Triumphreise“ von Robert
Pearshall Smith im Jahr 1875 und ihre Auswirkungen auf die zwischenkirchlichen
Beziehungen. TVG. Brunnen
Verlag: Gießen, 1996. Wie der Untertitel bereits erkennen läßt, geht es Karl
Heinz Voigt darum, die Ereignisse der sogenannten „Triumphreise“ des
amerikanischen Glasfabrikanten Robert Pearshall Smith durch Deutschland und
die Schweiz nachzuzeichnen. Im zweiten Teil des Buches beschäftigt sich der
methodistische Theologe dann u. a. mit der Frage, inwieweit sich die
Heiligungsbewegung auf das Verhältnis der verschiedenen christlichen Kirchen
und Gemeinschaften untereinander ausgewirkt hat. An einigen Stellen reichen die im zweiten Teil des Buches
aufgeführten Belege nicht aus, um Voigts Rückschlüsse wirklich nachvollziehbar
zu machen - so z. B. wenn der Eindruck vermittelt wird, die Organisation
der Deutschen Gemeinschaftsbewegung sei wesentlich vorangetrieben worden
durch die „Furcht vor einer weiteren Arbeit von Smith“, die „den methodistischen
Gemeinden Auftrieb geben würde“ (S. 193). Einen Vorteil haben die manchmal
ungenügend belegten Rückschlüsse Voigts jedoch: Sie reizen enorm dazu an,
das Thema „Heiligungsbewegung“ weiter zu erforschen. Wer einen allgemeinen Überblick über die
Heiligungsbewegung und ihre Fragestellungen („Biblische Heiligung“,
„Geistestaufe“ usw.) sucht, wird ihn in diesem Buch nicht finden. Auch zum
Thema „Heiligungsbewegung und Weltmission“ (so eine Überschrift S. 187) findet
sich nichts wesentlich Neues. Wer sich jedoch speziell mit der Triumphreise
von Smith auseinandersetzen möchte, wird an diesem Buch kaum vorbeikommen. Andreas Baumann, em 1998-4. |
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Waack, Otto und Mitarbeiter. Indische Kirche und
Indienmission I, Erlanger Monographien aus Mission und Ökumene
1994. Vieles, was indische Christen und wir heute gerne über
handelnde Personen wissen wollten, wurde nie gefragt, gesammelt oder aufgeschrieben.
Otto Waacks Buch über die Geschichte der indischen Partnerkirche und dem Breklumer
Anteil der Jeypore Kirche von 1876-1914 ist hier dokumentiert. Es wurde
höchste Zeit, die zugänglichen Bruchstücke zu sammeln und zu sichten. Der Autor nimmt ernst, daß zur Entstehung der Jeypore-Kirche
zwei Kulturen und Traditionen beitrugen, von indischer wie von deutscher
Seite. Orissa ist ein kleiner Staat im Nordosten des Subkontinents Indien,
und die Jeypore-Kirche ist eine kleine lutherische Kirche unter den
wenigen Christen in diesem Gebiet. Vieles in diesem Buch ist aus indischer
Sicht geschrieben und vor allem für die einheimische Kirche als ihr Geschichtsbuch
gedacht. Es ist eine in sehr viele Einzelheiten gehende und sehr intensive
Forschungsarbeit, die anregt, auch anderen „jungen“ Kirchen in Asien,
Afrika und Lateinamerika ihre Geschichte zu dokumentieren. Nach diesem umfangreichen Buch darf man gespannt sein, wie
die Geschichte von 1915 bis heute weitergeht. Das soll in einem zweiten Band
1995 vorgelegt werden. Fritz H. Lamparter, em 1996-2. |
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Wagner, C. Peter (Hg.):
Territoriale Mächte. Ebenen der strategischen Kampfführung.
Verlag Gottfried Bernard: Solingen, 1991. Die Besprechung erfolgt
auf der Grundlage des englischen
Originals: Territorial Spirits. Insight on Strategic-level Spiritual Warfare from Nineteen Christian
Leaders. Sovereign
Word: Chichester 1991. Die (nicht ganz
fehlerfreie) deutsche Übersetzung ergänzt inzwischen auf Deutsch erschienene Titel und
ist an einigen Stellen ausführlicher. Was ist missiologisch relevant an diesem Reader? Er stellt (auf dem Buchrücken) die Frage,
ob Dämonen geographischen Gebieten zugeordnet sind. Da die Antwort duchgehend
positiv ausfällt, geht es vielmehr darum,
welche Konsequenz diese Beobachtung für christliche Missionsmethode
und -strategie hat. Der Herausgeber C.P. Wagner, seit 21 Jahren Professor am Fuller Theological Seminary,
Pasadena USA, hat in den letzten Jahren geistliche
Kampfführung zu seinem Hauptthema gemacht. (Mitherausgeber von
„Wrest-ling with Dark Angels“, Regal Books 1990, demnächst auch auf Deutsch bei G. Bernard, und Autor von „Warfare Prayer“, Monarch, 1992, dem
ersten Titel einer Trilogie). Das ist es, nach seiner
Meinung, was der Heilige Geist in unserem Jahrzehnt den Ge Wagner hat nun seine
Lesefrüchte zu diesem Thema zusammengetragen. Nur zwei Beiträge von
neunzehn waren bisher unveröffentlicht.
Die anderen sind überwiegend nach 1989
in den USA erstmals erschienen. Meist sind sie charismatischen
Ursprungs. Von den drei Teilen des Buches ist der erste der Einführung und dem Überblick gewidmet. Hier sind die beiden eigenen Beiträge Wagners zu finden, sowie Auszüge von Timothy M. Warner (Trinity), Arthur Mathews (OMF) und Thomas B. White. Unter den
Erfahrungsberichten des zweiten Teils ragen die aus Zimbabwe, Zaire und Argentinien
heraus. Die anderen sechs Artikel jedoch, z.T. Nachdrucke aus der Zeitschrift
„Charisma & Christian Life“, machen diesen Teil zum schwächsten und oberflächlichsten des
ganzen Buches. Im dritten Teil folgen
Beiträge auf wissen-schaftlich-missiologischer bzw. theologischer
Ebene. Die Zusammenfassung einer unveröffentlichten
Fuller-Seminararbeit von Vernon B. Sterk über „Territorialgeister und
Evangelisation in feindlicher Umgebung“ untersucht, inwieweit
Christenverfolgung im Missionskontext von Territorialgeistern verursacht
ist. Der Autor verwertet dabei u.a. Missionserfahrung bei den Tzotzil-Stämmen
in Mexiko. Der zweite missiologische Beitrag ist ein Auszug aus der
Zeitschrift „Missiology“. Der mennonitische
Anthropologe und UBS-Übersetzungsberater
Jacob Loewen beschreibt unter der Überschrift: „Welchen Gott predigen
Missionare?“, daß die meisten ländlichen
und Stammes-Gesellschaften ihre Gottheiten als stammesmäßig,
geographisch oder funktionell spezialisiert betrachten. Theologisch-biblischer Höhepunkt des ganzen Buches ist der Auszug „Principalities and Powers“ aus Michael Greens Buch „I believe in
Satans Downfall“ (Grand Rapids 1981). Er wirkt
zugleich spekulativen Tendenzen mancher Beiträge eindeutig entgegen:
Die neutestamentlichen Autoren hatten kein
Interesse daran, „Dämonologien“ zu erstellen, sondern wollten nur zeigen, daß diese feindlichen Mächte allesamt durch Jesus Christus entwaffnet worden sind (S. 181). Nicht weniger Niveau hat
der Auszug aus O. Cullmanns Buch
„Christus und die Zeit“ (engl. 1950) über „Die Unterwerfung der unsichtbaren Mächte“. Cullmann weist nach, daß im NT „Mächte und Gewalten“ nicht ausschließlich
politische Herrscher bezeichnen, sondern
häufig die Mächte der unsichtbaren Welt. Allerding überfordert der
Stil akademischer Auseinandersetzung (mit Griechisch im Text) wohl die meisten Leser des populär zugeschnittenen
Sammelbandes. Eine Gesamtwertung fällt schwer: Das beschriebene
Phänomen der territorialen Wirksamkeit von Geistern zu vernachlässigen oder gar zu leugnen, widerspräche biblischen Andeutungen,
missionarischer Erfahrung und anthropologischer
Erkenntnis. Das könnte die Wirksamkeit
von Missionaren einschränken. Andererseits
lassen sich bei einem Teil der Auch ist das Thema nicht gar so neu, wie mancher Autor denken macht. So vermutet Wagner
zurecht, daß sich bei gründlicheren Nachforschungen Belege aus der gesamten Kirchengeschichte beibringen ließen. Wider die
Traditionslosigkeit! Ein stärkeres Anknüpfen an die heilsgeschichtliche
Missionstheologie, die auf Cullmann aufbaut, könnte sich gerade bei diesem
Thema als äußerst fruchtbar erweisen. Fazit: Zwei Drittel dieses Buches sind nützlich zu lesen. Doch wird es wahrscheinlich (oder hoffentlich) bald von einem gründlicheren
Buch eines einzelnen Autors abgelöst werden.
Wünschenswert wäre, das Thema nicht so
sehr zu isolieren und in den Vordergrund zu stellen (vgl. White S.65). Christof Sauer, em 1992-3. |
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Wagner, Siegfried. Franz Delitzsch - Leben und Werk. Gießen: Brunnen 2. durchges. Aufl., 1991. Die vorliegende Arbeit
wurde schon 1963 als Habilitationsschrift
der Leipziger Theologischen Fakultät vorgelegt. Sie erschien, leicht
überarbeitet, 1978 im Christian Kaiser Verlag, München. In der nun vorliegenden zweiten Auflage wurden einige
Druckfehler korrigiert, die neueste
Literatur nachgetragen und das Namensregister noch einmal sorgfältig
durchgesehen. Das Werk gliedert sich in vier Teile: 1. Delitzschs Leben (15-206). 2. Wesen und Bedeutung des wissenschaftlichen
Lebenswerkes (207-429). 3. Schluß und Würdigung (430-445). 4. Bibliographie und Literaturverzeichnis (446-510). Das besondere Interesse Wagners gilt der wissenschaftlich-theologischen Leistung dieses einflußreichen
alttestamentlichen Exegeten des 19. Jahrhunderts. Ein besonderes Gewicht
liegt dabei auf dem Herausarbeiten der eigenständigen Position von Delitzsch im heftigen Streit um die historisch-kritische Auslegung der Heiligen
Schrift. Wagners Versuch, das theologisch-exegetische
Werk Delitzschs darzustellen, kann sicher als gelungen bezeichnet
werden. Dies gilt mit gewissen Einschränkungen auch für den biographischen
Teil des Werkes. Die Bedeutung von Delitzsch für die Theologie und Praxis
der Judenmission scheint mir dagegen eindeutig zu kurz gekommen zu sein,
obwohl Wagner zugesteht, daß sie ein wichtiger
Bestandteil von Delitzschs Lebenswerk war. Er beschränkt sich hier
fast völlig auf die Aufzählung seiner Aktivitäten in diesem Bereich. Ein gewisser Nachteil des Buches ist auch
die relativ selbständige Behandlung der einzelnen Themen, die immer wieder zu
Überschneidungen führt (etliche Zitate
tauchen mehrfach auf), die einzelnen Teile des Werkes aber dennoch
relativ unverbunden nebeneinander stehen läßt. Als Information über Franz
Delitzsch, seine theologische Entwicklung und Bedeutung, sowie über die Geschichte der Theologie des 19. Jahrhunderts
ist das Buch für Theologen und Studenten der Theologie lehrreich und interessant. Im Blick auf die Geschichte,
Theologie und Bedeutung der Judenmission kommt es über erste, wenn auch gute
und brauchbare Ansätze jedoch nicht hinaus. Hartmut Renz, em 1993-2. |
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Wagner, William L. North American Protestant Missionaries in
Western Europe: A Critical Appraisal. edition afem: mission academics 1, Bonn: VKW, 1993. Westeuropa, einst als „Wiege der modernen Missionsbewegung“ geachtet, gilt – spätestens seit
dem Ende des Zweiten Weltkrieges – im Bewußtsein vieler nordamerikanischer
Christen als Missionsfeld. Doch statt von
europäischen Kirchen mit offenen
Armen empfangen zu werden, stoßen
amerikanische Missionare in Europa nicht selten auf Skepsis und
gelegentlich sogar auf offene Ablehnung. Das Überzeugtsein vom „American Way of Life“ gepaart mit einem
mitunter ausgeprägten Sendungsbewußtsein trägt häufig zur Vertiefung des
gegenseitigen Mißtrauens bei und verhindert so eine gedeihliche
Zusammenarbeit in Evangelisation,
Gemeindeaufbau oder theologischer Ausbildung. Der Amerikaner Bill Wagner, Professor für Missionstheologie
an der Evangelischen Theologischen Fakultät in Heverlee/Belgien, geht in seiner von dem inzwischen verstorbenen Missiologen
David Bosch angenommenen Dissertation den vielschichtigen Ursachen für die
Spannungen zwischen nordamerikanischen Missionaren
und westeuropäischen Kirchen nach.
Als ausgewiesener Kenner Europas schöpft Wagner aus langjähriger
Missionserfahrung als Beauftragter der
Southern Baptists für Gemeindebau in Europa und Nahost. Durchweg einfühlsam und spürbar um ein ausgewogenes Urteil
bemüht, stellt Wagner die Stärken und Schwächen nordamerikanischer Missionspraxis in (West-) Europa dar und geht dabei
besonders auf jene theologischen Fragen ein,
die in Europa und Nordamerika unterschiedlich verstanden oder anders
akzentuiert werden. Mit bemerkenswerter Offenheit deckt er nicht nur Spannungsursachen auf, sondern bietet
darüberhinaus stets auch Lösungsansätze und praktische Anregungen zur
Entschärfung von Konflikten an. Das für eine
Dissertation ungewöhnlich stark in den Vordergrund tretende geistlich praktische Anliegen dieses Buches macht sowohl seine besondere Stärke als auch seine wesentlichste Schwäche aus. Während sich der wissenschaftlich-kritische
Leser an einer Reihe von Verallgemeinerungen stören und nicht selten Quellennachweise
oder zumindest statistische Belege für pauschale Behauptungen und Beobachtungen vermissen wird, dürfte sich der nach konkreter Hilfestellung suchende Leser über das von nur wenigen Fußnoten unterbrochene
Lesevergnügen freuen. Besonders zu empfehlen ist dieses in durchweg leicht verständlichem Englisch verfaßte Buch
europäischen Pastoren und Missionaren, die mit Kollegen aus Nordamerika
zusammenarbeiten und dabei um ein gutes Miteinander bemüht sind. Die Arbeit
entstand in einer Zeit epochaler Umbrüche in Europa. Es wäre zu wünschen, daß
die hier geschilderten Fehler in Osteuropa nicht wiederholt würden. Dem Verlag ist zu danken, daß er durch eine preiswerte
Ausgabe die Voraussetzung für eine weite Verbreitung dieses Buches schuf. David Poysti, em 1995-2. |
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Walldorf, Friedemann. Die Neu-Evangelisierung Europas.
Missionstheologien im europäischen Kontext. Giessen: Brunnen, 2002. Um es gleich
vorweg zu sagen: Friedemann Walldorf gelingt es mit diesem Buch (seine
überarbeitete Dissertation [Friedemann Walldorf, Mission und
Neuevangelisierung in Europa. Grundlinien kontextueller Missionskonzepte
1979-1992, eingereicht am 6.10.1999 an der staatlichen Universität von
Südafrika (UNISA).]), ein brennend aktuelles Thema, über das viel Verwirrung
herrscht, klar und verständlich darzustellen. Walldorf vermittelt gute
Orientierung im Dickicht unterschiedlicher Missionstheologien zum
europäischen Kontext. Die Lektüre ist daher besonders wertvoll für
diejenigen, denen die geistliche Erneuerung der Kirchen und Völker Europas
wichtig ist. Wer nicht mit
Scheuklappen durch die Welt geht weiß, dass die Bedeutung des Christentums im
alten, ehemals „christlichen“ Europa seit Jahrzehnten rasant abnimmt und die
Erosion der Kirchen an ihren Rändern immer bedrohlichere Formen annimmt. Das
Fehlen eines Gottesbezuges in dem Entwurf zu einer europäischen Verfassung
innerhalb der EU zeigt, wie irrevelant der Glaube für die politischen Eliten
Europas geworden ist. Säkularisierung, Materialismus, Wissenschafts- und
Fortschrittsgläubigkeit, Überalterung und Schwund der traditionell
christlichen Bevölkerung bei gleichzeitiger Immigration von Angehörigen
anderer Religionen (bevorzugt Islam), Spannungen zwischen progressiven und
konservativen Bewegungen innerhalb der Großkirchen, Finanz- und
Identitätsverluste haben die Kirchen Europas in eine tiefe Krise geführt.
Neben diesen krisenhaften Entwicklungen brachte aber auch der Zusammenbruch
des Sozialismus in Osteuropa Ende der achtziger Jahre neue Chancen und
Herausforderungen für die Kirchen mit sich. Ist jetzt nicht die Zeit gekommen
für eine „Neuevangelisierung“ Europas, so wie es Papst Johannes Paul II.
schon 1979 auf seiner ersten Polenreise verkündigte? (Johannes Paul II,
„‘…mag sich auch die Welt verändern’, Predigt in der Heilig-Kreuz-Kirche von
Mogila am 9.6.1979“, Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II
bei seiner Pilgerfahrt durch Polen, Verlautbarungen des Apostolischen
Stuhls 10, hg. v. Sekr. d. Deutschen Bischofskonferenz, Bonn, S. 102-106.)
Dieser Begriff, von Papst Johannes Paul II zum erstenmal in breiter Öffentlichkeit
geprägt, wirkte wie eine Initialzündung in allen Kirchen bis hin zur
evangelikalen Bewegung. Eine Flut von
Veröffentlichungen zu diesem Thema wurde daraufhin in den nächsten Jahren
herausgegeben, angefangen von der katholischen Kirche in Europa über die
Konferenz Europäischer Kirchen (evangelische und Orthodoxe Kirchen, verbunden
mit dem ökumenischen Rat der Kirchen in Genf) bis hin zur evangelikalen
Lausanner Bewegung, die in ihrem Europäischen Komitee über die
Re-Evangelisierung Europas (im Gegensatz zur Erstevangelisierung in Gegenden,
die nie christianisiert wurden) nachdachte. Besonders im
Zeitfenster ab 1979 (mit der Papstrede von der Neuevangelisierung Europas in Polen)
bis 1992 entstand in allen Kirchen und Gruppierungen eine intensive Suche
nach neuen Konzepten zur Missionierung des ehemals christlichen Europas mit
dem Ziel einer möglichen Rückgewinnung dieses Europas für den christlichen
Glauben. Vor diesem Hintergrund
macht sich F. Walldorf auf, in dem undurchsichtigen Dschungel von missionstheologischen
Ansätzen im Blick auf Europa (begrenzt auf das oben skizzierte Zeitfenster)
Licht in das Dunkel zu bringen und dem interessierten Leser
Orientierungshilfe zu geben, wer unter Mission oder „Neuevangelisierung“
Europas etwas versteht. Denn wenn Begriffe wie „Mission“ oder
„Evangelisation“ aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden, angefangen vom
Papst über die Konferenz Europäischer Kirchen bis zur Orthodoxen Kirche, dann
ist es nur zu wahrscheinlich, höchst unterschiedliche Inhalte zu den
Begriffen geliefert zu bekommen. Hier hat sich F.
Walldorf mit großer Geduld und Sachkenntnis darangemacht, den verschiedenen
Konzepten und Denkschulen in Bezug zur „Neuevangelisierung“ Europas
nachzugehen. Mit großem Einfühlungsvermögen gelingt es ihm in seiner Studie,
die Stärken und Schwächen der jeweiligen Konzeption herauszuarbeiten, sie zu
würdigen und zu werten. Dabei sind meines
Erachtens vor allem die detaillierten Darstellungen der katholischen Position
zum Konzept der „Neuevangelisierung“ wertvoll, in Sonderheit die Impulse und
Vorstellungen des jetzigen Papstes Johannes Paul II (S. 40-105). Besonders
evangelikale Leser wird dieser Abschnitt helfen, da für sie Vorstellungen
einer „Neuevangelisierung“ Europas, so wie die katholische Kirche sie
versteht, doch reichlich fremd erscheinen dürften. Walldorf kann mühelos
nachweisen, dass römisch-katholische Neuevangelisierung Europas nichts mit
evangelikalen Konzepten von Evangelisierung zutun haben (S. 45-72 +307-314).
Für den Papst geht es um die Wiedererweckung einer verlorengegangenen (seit
der Reformation?) einheitlichen christlich-europäischen Kultur durch die
sakramentale Institution Kirche. Neuer Gehorsam zu Christus ist hier immer
gebunden an den Gehorsam zum römischen Lehramt. Aber auch
Walldorfs Darstellung der verwirrenden Positionen aus dem Raum der Konferenz
Europäischer Kirchen (S.106-189) zeigt deutlich, wie unterschiedlich Mission
oder Evangelisation verstanden werden können. Obwohl eine einheitlich
formulierte Konzeption fehlt, kann doch nachgewiesen werden, dass hier Positionen
von Hoekendijk nachwirken, der die missio Dei direkt in den säkularen
Geschichtsprozessen der Gesellschaft suchte, als Frucht des Evangeliums.
Walldorf kritisiert meines Erachtens zu recht dieses, wie er es nennt,
„kosmozentrisches“ Modell, da es die Trennung zwischen Gott und Welt,
Evangelium und Kultur, Weltgeschichte und Heilsgeschichte, Gemeinde und
Gesellschaft monistisch verwischt und damit „zum Verlust geistlicher
Identität und „… der missionarischen Auftragsgewissheit“ führt (S.320). Ausführlich lässt
Walldorf auch die evangelikale Lausanner Bewegung in seinem Buch zu Wort
kommen (S.193-303). Er nennt die evangelikale Position zur Re-Evangelisierung
Europas das „bibliozentrische Übersetzungs- oder Inkarnatorische Modell“
(S.322). Ziel sei dabei, „Jesus Christus als Hoffnung für Europa zu
bezeugen.“ Dabei erkennen die Vertreter der Lausanner Bewegung richtig, dass
Wort und Tat, das Vorleben christlicher Existenz durch die Präsenz lebendiger
Gemeinden gerade im europäischen Kontext unabdingbar sein müssen. Walldorf sieht in
dieser evangelikalen Position eine große Chance, da hier Mission und
„Neuevangelisation“ Europas aus der Rückkehr zu den biblischen Quellen heraus
entwickelt wird. Damit werde nach Walldorf dem kulturübergreifenden
biblischen Evangelium die Möglichkeit gegeben, losgelöst von normierender
Kirchlichkeit, kultureller Vereinnahmung und kosmischer Verchristlichung
seine erneuernde Kraft im Kontext des alten Europas und seiner Christenheit
neu zu entfalten (S.180). Am Ende seines
Buches versucht Walldorf auf gut 25 Seiten eine eigene Position zu
formulieren. Dabei wird unschwer deutlich, wo seine Sympathien liegen. Er
nennt sein Modell „Grundlinien einer biblisch-kontextuellen Missionstheologie
für Europa“ (S.343). Ausgehend vom evangelikalen Modell der Lausanner
Bewegung sieht Walldorf im Herzen der Missio Dei für Europa die
Konzentration auf das biblische Evangelium von Jesus Christus. Nicht die
Kirche (katholisches Modell) noch die Kultur (Ökumenisches Modell) könne laut
Walldorf Norm für die missionarische Erneuerung in Europa sein (S.343). Dies
könne nur die „einzigartige gute Nachricht von der rettenden Tat Gottes durch
das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi“ leisten, wenn sie „in Wort,
Tat und Sein“ der Christen Europas glaubwürdig weitergegeben werde (S.343).
Weiter legt Walldorf die Betonung darauf, dass Evangelisation niemals
losgelöst von „anderen Dimensionen“ der Gemeinde und der Nachfolge Christi
geschehen kann. Sie muß ganzheitlich geschehen, und hier weißt Walldorf
meines Erachtens folgerichtig hin auf die Schlüsselfunktion
„Christozentrischer Gemeinden“, die als „missionarische Lebensbasis“ für
Evangelisation dienen. Hier sieht der Autor richtig das alttestamentliche
zentripetale Missionsmodell der „missionarischen Attraktion“ neben der
grenzüberschreitenden Sendung in europäische Subkulturen als eine wichtige
Missionsmethode an, die für das moderne, von Individualismus, Säkularismus
und Materialismus zerrissenen Europa wegweisend wäre. Nur hier, in der
lobpreisenden, dienenden und Christus nachfolgenden Gemeinde werde, laut
Walldorf, durch die „dynamische Beziehung zum biblischen und heute
gegenwärtigen Christus als dem Zentrum,“ neue Hoffnung für Europa wachsen (S.
349-350). Dabei können Formen und Rahmenbedingungen, in denen die communio
sanctorum sich sammelt, sehr unterschiedlich sein – angefangen von
traditionellen Strukturen bis hin zu kreativen Neuansätzen. Nach Walldorf habe
die Neuevangelisierung Europas nur dann eine Chance, wenn die Gemeinde Jesu
als „Mit-, Für-, und Gegenkultur“ zum gegenwärtigen Europa zur Basis der Missio
Dei im europäischen Kontext wird (S.352). Mit diesen
abschließenden Gedanken ist es Walldorf gelungen, ausgehend von den
evangelikalen Ansätzen der Lausanner Bewegung, für das zentrale Anliegen
einer Neuevangelisierung Europas neue und weiterführende Perspektiven zu
eröffnen. Sein Buch ist ein sehr guter Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion
um eine geistliche Erneuerung Europas. Dr. Bernd Brandl, em 2003-4. |
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Wander, Bernd. Trennungsprozesse zwischen
Frühem Christentum und Judentum im 1. Jh. n. Chr. TANZ 16. Francke Verlag: Tübingen/Basel, 2.
Aufl. 1997 (1994/1). Wander (W.) geht der Frage nach, welche Faktoren zu der
Trennung von frühem Christentum und Judentum im 1. Jh. geführt haben. Anders
als viele Rekonstruktionen dieses Trennungsprozesses, setzt W. bei den Hintergründen
der Verurteilung Jesu ein (S.54-97). Der hilfreiche Überblick zu diesem Thema
kommt zu dem Schluß, daß Jesus wohl aus Gründen der Staatsraison an die
römische Justiz ausgeliefert, verurteilt und hingerichtet wurde. Damit
konnte die Jesusbewegung von Anfang an kriminalisiert werden. Mit der Verkündigung der Auferweckung Jesu durch die zwölf
Jünger (Apg 3,5) wurden Fakten, die für die jüdische Aristokratie erledigt
waren, neu aufgeworfen, und die Predigttätigkeit von Stephanus und seinen
Freunden (Apg 6,7), in welcher der Tempelkult keine Rolle mehr spielte, sowie
die Verbindung des Gekreuzigten mit dem zweiten Thron neben Jahwe führten zu
Verfolgung in Jerusalem bzw. zur Auswanderung (S. 98-145). Die vom judäischen König Agrippa I. veranlaßte Verfolgung
von führenden Jerusalemer Christen, die Hinrichtung von Jakobus und die
Inhaftierung von Petrus (Apg 12,1ff) war politisch motiviert. Agrippa I. war
in Rom aufgewachsen und erzogen worden und hatte bei der Proklamation des
Claudius zum Kaiser im Jahr 41 eine wichtige Rolle gespielt. Er erkannte in
Rom die Bedeutung und die Rolle der Gemeinschaft der Christusanhänger
schlagartig, als Claudius ein Edikt erließ (von W. in das Jahr 41 datiert),
das die Juden aufforderte, Rom zu verlassen: ihre Zahl hatte zu stark zugenommen,
und vor allem hatte es wegen „Chrestus“, d.h. wegen der Verkündigung von
Jesus Christus, Unruhen gegeben. Wenn die Rechtsbasis der jüdischen
Diasporagemeinden nicht gefährdet werden sollte, mußten Unruhen durch
missionierende Judenchristen unterbunden werden - also ging Agrippa I.
rigoros gegen die führenden Christen vor (S.212-234). Paulus wird verhaftet, weil Diasporajuden die Auswirkungen
seiner Heidenmission als Bedrohung jüdischer Identität und palästinische
Juden diese als mangelnde Solidarität in der Zeit nationaler Sammlung ansehen
mußten (S.235-262). Die Ausführungen von W. sind materialreich, sehr
informativ und gut lesbar. Auch wenn man manche Rekonstruktionen nicht teilt
(z.B. im Blick auf das Verhältnis der Mission von Petrus und der Mission von
Paulus, S.192-211): deutlich wird jedenfalls, daß der Tod Jesu und die frühe
urchristliche Mission die Hauptgründe für die Trennung zwischen der
christlichen Kirche und der jüdischen Synagoge waren. Dr. Eckhard J. Schnabel, em 1998-3. |
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Weber,
Charles W. International
Influences and Baptist Mission in West Cameroon. German-American Missionary Endeavour under International Mandate and British Colonialism. Brill: Leiden / New York / Köln, 1993. Als ich auf der Reise von Douala in Kamerun nach Jos in
Nigeria auf einer Missionsstation Nachtquartier fand und fragte, ob es über
die Geschichte der Missionsarbeit dort
etwas zu lesen gäbe, lieh man mir einen Bildband, aus dem ich ua.
lernte, daß das erste deutsche baptistische Missionsehepaar in Kamerun Amerikaner,
und daß eine Anzahl der ersten „baptistischen“
Missionare dort Mennoniten-Brüder waren. Ich war nach einem halben Tag
Eisenbahnfahrt durch den Urwald müde und
hatte keine Gelegenheit mehr zu lernen,
daß die baptistische Missionsarbeit im westlichen, englischsprachigen
Kamerun noch bis Januar 1941 rechtlich in
deutscher Verantwortung stand, und
auch nicht, daß ein entfernter Onkel von mir (Paul Gebauer aus
Bolkenhain, Schlesien) in der Zeit eine wichtige Rolle spielte. Bisher hat erst wenig
wissenschaftliche Beschäftigung mit der deutschen Kamerunmission stattgefunden. (Jürgen Günther: Mission im
kolonialen Kontext. Beiträge zur Geschichte der Mission der deutschen Baptisten
in Kamerun 1891-1914. Initiative
Schalom: Burgdorf 1991 leidet unter
seinen Vorurteilen.) Weber füllt hier eine Lücke. Nach einer kurzen
Übersicht über die Vorgeschichte seit
1840 (Missionare aus England und Jamaika, dann aus Deutschland)
stellt er die Zeit von 1922-1945 dar, die
gekennzeichnet ist durch den Vorstoß in die „Grassfields“ und überaus
schnelles Gemeinde Wachstum. Er zeichnet
die internationalen Verflechtungen
sorgfältig nach und zeigt die
überaus wichtige Rolle der Missionsschulen (und der in ihnen tätigen
Kameruner Lehrer) in der Ausbreitung der Gemeindearbeit auf. Das Buch leistet einen wichtigen Beitrag zur Missionsgeschichte des deutschen Baptismus,
und in einer Zeit, in der Missionsschulen wieder
vermehrt gefragt sind, bietet es dem am Thema interessierten Leser konkretes
Material für ein bestimmtes Gebiet, das bisher (und auch damals) wenig
beachtete West Kamerun. Dr. Klaus Fiedler, em 1994-1. |
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Wendlandt-Homann, Luise. Zugvögel kennen ihre Zeit Als
Missionarsfrau in vier Erdteilen. Verlag
der Ev.-Luth. Mission Erlangen / Missionshandlung Hermannsburg, 1987 (Erlanger Taschenbücher Bd. 81). Viel zu wenig Raum – dafür ist auch diese Zeitschrift ein Beweis – wird in der Missionsliteratur den Missionarsfrauen eingeräumt. Als Luise Homann, verwitwete Wendlandt, geborene Bensen, am 19.8.1932 in Brighton/Südaustralien im Alter von 95 Jahren starb, hinterließ sie auch, in klarer Süterlinschrift geschrieben, auf 154 Seiten ihre Lebenserinnerungen, die uns Inge Prien, sprachlich leicht geglättet, in diesem
Buch zugänglich macht. Es vermittelt aus erster Hand Einblicke in die frühe
deutsche Missionsgeschichte (Leipzig, Hermannsburg, indischer Kastenstreit, Mission in Südafrika, Mission und Auswanderermission in Australien). Zudem kann dieses Buch stellvertretend für das Erleben vieler Missionarsfrauen
jener Zeit stehen. Em 1988-2. |
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Wenzel, Uwe Justus (Hg.). Was ist eine gute Religion? Zwanzig
Antworten. München: Beck, 2007. Der Titel dieses Buches macht neugierig. Die vorliegenden
zwanzig Essays, die von März 2006 bis Mai 2007 in der „Neuen Zürcher
Zeitung" erschienen, machen Appetit auf mehr. Sie wurden von namhaften
Autoren verfasst, z.B. Friedrich Wilhelm Graf („Lob der Unterscheidungen“,
S.11-15), Wolfgang Huber („Der Geschmack von Freiheit und Mündigkeit“,
S.16-20), Karl Kardinal Lehmann („Dialog ohne Machtanspruch“, S.21-25), Jan
Assmann („Verborgene Weisheit“, S.36-41) oder Navid Ker-mani („Es ist
wichtiger, ein guter Mensch zu sein als ein guter Muslim“, S.55-60). Die Vielfalt
der Antworten sowie insbesondere die Art und Weise auf die Frage einzugehen provozieren
zum weiterführenden Nachdenken und Fragen, wie der Herausgeber mit seinen
knappen aber sehr hilfreichen Einführungsgedanken (S.7-9) unterstreicht: Was
ist der Maßstab anhand dessen man von einer „guten“ Religion sprechen kann?
Was ist eine angemessene Definition von Religion? Kann „Religion“ als
westlich geprägter Begriff überhaupt hilfreich sein? Inwiefern kann Religion
von außen überhaupt angemessen beschrieben werden oder verliert sie bei
distanzierter Betrachtung nicht Entscheidendes, was sie ausmacht? Im Zusammenhang aktueller Fragestellungen stellt der
Herausgeber zwei weichenstellende Eigenschaften von Religionen heraus: sie
sind „ideologieverdächtig“ und „ideologieanfällig“ (S.7). Er ist sich wohl bewusst,
dass diese Begriffe definiert werden müssen, aber er weist damit auf die
Brisanz des Themas in einer aufgeheizten „religionspolitischen Atmosphäre“
(S.7) hin, was die Beiträge auf zweierlei Weise beeinflusst. Zum einen muss
die westliche Öffentlichkeit bzw. westliche Intellektuelle sich mit dem
Phänomen der „Wiederkehr der Religion“ auseinandersetzen. Die Überzeugung,
dass Religion für einige wenige vielleicht im privaten Bereich noch von
Bedeutung sein könnte, aber auf der gesellschaftlichen und politischen Ebene
in der Bedeutungslosigkeit verschwinden wird, wird durch Ereignisse und
Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit erschüttert. Nun muss man sich mit
der Frage auseinandersetzen, für was Religion überhaupt „gut" sein kann,
wie es Mark Lilla formuliert (S.79) bzw. wenn es denn schon Religion sein
muss, dann soll es wenigstens eine gute sein (Chakravarthi Ram-Prasad,
S.74). Zum anderen zieht sich ein unausgesprochener Konsens durch die
Beiträge, sich von (gewaltbereitem?) Fundamentalismus abzugrenzen. Das Gute
von Religion zeigt sich damit insbesondere an den Auswirkungen für den
Menschen oder, wie Theunissen die Ausgangsfrage versteht, „inwiefern
Religion gut sein könne für das Zusammenleben von Menschen in einem
Gemeinwesen oder mit Fremden“ (S.116; vgl. auch Kermani, S.58). Die ersten
drei Beiträge (Graf, Huber, Lehmann) bemühen sich ausführlich darum, die
Kompatibilität von Religion und modernem Denken aufzuweisen: „Gute Religion
sehe ich [Wolfgang Huber] durch diese beiden Leitmotive bestimmt: Mündigkeit
zu wirken und Freiheit zu befördern“ (S.17). Die Achtung der Menschenrechte
ist für Huber ein Prüfstein. Ganz ähnlich klingt Lehmann, wenn Religion „die
recht verstandene Freiheit der Menschen“ bzw. die „eigene Kritik- und
Denkfähigkeit“ fördern muss (S.23). Huber stellt in diesem Zusammenhang ein
„Bündnis mit der Aufklärung“ heraus: „jede gute Religion steht vor der
Anforderung, sich den Anfragen der Aufklärung zu stellen. Religion, die das
Bündnis mit der Aufklärung aufkündigt, verweigert sich einem kritischen Wahrheitsanspruch“
(S. 18). Für Graf wird und kann Religion nur gut sein, „wenn sie sich durch
autonome theologische Rationalität immer neu in Frage stellen, auf ihre
immanenten Perversionspotenziale hin analysieren lässt – um reflektierter
Freiheit der einzelnen Frommen willen" (S.15). Angesichts dieser
Argumentationsmuster wird m.E. allerdings zu wenig deutlich, was der durch
nichts anderes zu ersetzende positive Beitrag der Religion ist. Eine
Außenperspektive nehmen auch Michael von Brück und Jan Assmann ein. Gute
Religion, so von Brück, „entsteht unter Menschen, die den dialogischen
Diskurs über ,gute Religion‘ führen“ (S.31). Allein seligmachende
Wahrheitsansprüche müssen ausgeschlossen werden, weil Wissen (auch wenn es
sich auf Offenbarung beruft) immer vorläufig ist. Nach Assmann muss gute
Religion verstehen, sich auf „den Begriff einer allgemeinen, verborgenen
,Menschheitsreligion‘“ hin zu relativieren (S.41). Diese Beiträge legen nicht
nur einen Maßstab an Religion von außen an, sondern machen ihre
religionstheologischen Prämissen zum Maßstab. Wenn man diese Maßstäbe anlegt,
muss man wohl mit Christoph Türcke aufgrund der Religionsgeschichte
schlussfolgern, dass keine bestehende Religion gut sein kann, weil keine Einfluss
oder Macht gewonnen habe, „ohne einzuschüchtern, zu demütigen, zu
verfluchen, zu quälen und zu morden“ (S.27). Aber ist es angemessen, diese
hoffnungslos europäische Frage an „Religion“ (wie immer man sie definiert) zu
richten und damit Lessings Ideal einer natürlichen Religion vorauszusetzen
(Jochen Teuffel, S.102)? Vielleicht geht Ram-Prasad zu weit, aber sein
Einwand sollte die weitere Reflexion und Diskussion (den Appetit auf mehr)
begleiten: „Wer festschreibt, was eine ,gute Religion‘ ist, erlegt anderen
eine hegemonistische Idee auf“ (S.77). Dr. Heiko Wenzel, em 2008-4. |
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Werner, Roland (Hg.). Die Christus-Treff Story. Neukirchen:
Aussaat Verlag, 2002. Das von Dr. Roland Werner, Theologe, Afrikanist und Mitbegründer
des Christus-Treffs, herausgegebene Buch erzählt die Geschichte einer
christlichen Lebensgemeinschaft in der hessischen Stadt Marburg, die sich
seit 1981 verbindlich trifft, mit dem Ziel, Christsein intensiv zu leben,
sich gegenseitig zu unterstützen, offen zu sein für andere und für das Reden
Gottes. Was aus dieser Gemeinschaft bis zum Jahr 2002 entstanden ist, wird
in Schwerpunktthemen innerhalb der 15 Kapitel genauer beschrieben. Die
offene Gottesdienstarbeit (Donnerstag abends) in Marburg bildet eine
Hauptaufgabe der Gemeinschaft. Damit verbunden sind vielfältige andere
Bereiche wie Hauskreise, Kinderarbeit und Ausländerarbeit. Außerdem wird das
Evangelisationsprojekt „FRIENDS“ und die diakonisch-missionarische Arbeit der
Gemeinschaft Jerusalem und Berlin vorgestellt. Die Darstellung persönlicher
Erlebnisse machen die Relevanz für unsere heutige Gesellschaft deutlich, was
zum einen die Wirksamkeit der Projekte zeigt, die aus der Gemeinschaft
entstanden sind und zum anderen die Öffentlichkeitsarbeit von Roland Werner.
Das Buch vermittelt einen Blick für weltweite Mission und missionarische
Arbeit vor Ort. Abgerundet wird das aus unterschiedlichen Beiträgen
zusammengestellte Buch von einem ChristusTreff-Alphabet, das knappe
Beschreibungen zu Schlagworten aus zum Christus-Treff gehörenden Begriffen
enthält, einer knappen Christus-TreffChronologie und einer Liste mit
Publikationen. Das Buch liest sich sehr gut und ist durch die Originalberichte
von Christus-Trefflern anschaulich. Durch die zum Teil unterschiedlichen
Verfasser treten manche Überschneidungen auf, was aber nicht hindert einen
guten Überblick über die Aufgaben und Tätigkeitsfelder zu gewinnen. Die Gestaltung
in kurzen Sinnabschnitten, die mit Fotos ergänzt sind, erleichtert den
Zugang. Mathis Kögel, em 2004-1. |
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Werth, Martin. Theologie der Evangelisation.
Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2004. Martin Werth ist Dozent an der Evangelistenschule
Johanneum in Wuppertal. Das vorliegende Buch ist die leicht überarbeitete
Fassung seiner Dissertation an der Ruhr-Universität Bochum. Die Studie soll
dazu beitragen, die Evangelisation als landeskirchliches Handlungsfeld
theologisch zu reflektieren und „von dem Geruch des außerkirchlichen
Sonderwegs“ (Klappentext) zu befreien. Der Autor entfaltet sein Thema in fünf Teilen. Zunächst
geht es um „biblisch-theologische und historische Erkundungen,
Begriffserklärungen“. Werth kommt zu dem Schluss, dass „Mission“ und
„Evangelisation“ als synonyme Begriffe zu betrachten seien, „Evangelisation“
aber durch den inhaltlichen Bezug zu „Evangelium“ zu bevorzugen sei. Die
Entscheidung ist respektabel und begründet, allerdings scheint mir die
einfache Gleichsetzung der Begriffe (ohne weitere Differenzierung der
Konzepte) missionstheologisch zu pauschal. Differenz und Zusammenhang der
Begriffe hätten auf dieser Ebene tiefergehend thematisiert werden können.
Interessant ist die historische Perspektive zur Evangelistenschule
Johanneum und die Analyse einer programmatischen Rede T. Christliebs (1888),
in der dieser bereits den Begriff der „Neuevangelisierung“ gebraucht! Im zweiten Teil untersucht der Autor ausgewählte
evangelisationstheologische Entwürfe mit Bezug zum deutsch-europäischen und landeskirchlichen
Kontext seit 1970 (Hollenweger, Boff, Costas, Castro, Newbigin, Briese,
Ahonen, Huber), die knapp skizziert und schlüssig beurteilt werden. Der dritte Teil beschäftigt sich zunächst mit
grundlegenden ökumenischen Dokumenten zur Mission (Evangelii Nuntiandi,
Repemptoris Missio, Lausanner Verpflichtung, Manifest von Manila, Ökumenische
Erklärung 2;u Mission und Evangelisation), dann mit kirchlichen Missionsdokumenten
für den Kontext Deutschland („Zeit zur Aussaat“ DBK 2000, Arnoldshainer Konferenz,
Leipziger EKD-Synode 1999, EKD-Text „Das Evangelium unter die Leute bringen“). Im vierten Teil reflektiert der Autor die systematisch-theologischen
Aspekte einer Theologie der Evangelisation im Kontext der Landeskirchen:
Gott, Mensch, Kirche. Überzeugend skizziert Werth eine theologische
An:hropologie der Bekehrung. Evangelisation als Ruf zur biographischen
Bekehrung zu Christus habe auch in den ev. Landeskirchen Relevanz. Mit Recht
betont Werth, dass Bekehrung prozesshaften Charakter hat und der Weg über
Kindertaufe und kirchliche Integration sinnvoll sein kann, aber angesichts
der kirchlichen Lage im postmodernen Deutschland „das Hineinwachsen in den
Glauben ohne eine Initialzündung im Sinne einer punktuellen Bekehrung“ kaum
gelingen kann (S.279). Im letzten Teil richtet der Autor sein Augenmerk auf
praktisch-theologische Aspekte: Dimension und Intention, Kultur und Kontext,
Kybernetik und Mitarbeiter der Evangelisation: Laien, Hauptamtliche, Evangelisten.
Hier finden sich viele gute Perspektiven, die deutlich machen, dass
Evangelisation Sache der ganzen Gemeinde und Kirche ist. Eines scheint mir jedoch
zu fehlen: der Aspekt der missionarisch-evangelistischen Begegnung mit
Menschen aus anderen Religionen und Kulturen – also der multireligiöse
Kontext, in dem auch landeskirchliche Gemeinden sich befinden. Der religionstheologische
Aspekt als Teil einer Theologie der Evangelisation findet hier zu wenig
Beachtung. Als Zielgruppen der Evangelisation nennt der Autor die
Kerngemeinde, die distanzierten Kirchenmitglieder und die Nichtmitglieder
(S.296). Gerade bei der Behandlung der kontextuellen Aspekte (S.310- 316)
wäre die Beschäftigung mit dem Kontext z.B. muslimischer Menschen in
Deutschland für eine Theologie der Evangelisation im Rahmen auch der
Landeskirchen wesentlich. Auch der Aspekt missionarischer Ge-meindegmndung,
der sowohl im anglikanischen als auch im ökumenischen und freikirchlichen
Kontext von wachsender Bedeutung ist, fehlt in den
evangelisations-ekklesiologischen Überlegungen („Die Kirche als Träger und
Ziel der Mission“, S.282f). Zusammenfassend bleibt festzustellen: Werths Buch bietet
gute Analysen neuerer Entwürfe und wichtige Ansätze als Beitrag für eine
Missionstheologie für den deutschen Kontext. Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-4. |
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Weston,
Paul. Lesslie
Newbigin: Missionary Theologian: A Reader. London/Grand Rapids: Society
for Promoting Christian Knowledge/W. B. Eerdmans, 2006. Paul Weston hat mit der Herausgabe dieser Sammlung von
Auszügen aus Newbigins Schriften einen wichtigen Beitrag geleistet, Newbigins
Werk zu sichten und den Ertrag seiner Arbeit dem interessierten Leser zugänglich
zu machen. Die kurze Biographie in der Einleitung zeigt die verschiedenen
Stationen in Newbigins Leben. Nur auf diesem Hintergrund sind seine
missionstheologischen Beiträge zu verstehen. Weston gliedert dann in zwei große Themenbereiche:
‚Theologische Grundlagen für Mission‘ (77 Seiten) und ‚Missionarische
Theologie in der Praxis‘ (171 Seiten). Jeder Themenbereich ist unterteilt in
kleinere thematische Abschnitte. Am Beginn jedes Abschnitts erklärt Weston
kurz den geschichtlichen Hintergrund der einzelnen Textauszüge, die er zum
Thema ausgewählt hat. Dabei bemüht er sich, in der Textauswahl die ganze
Breite von Newbigins literarischem Schaffen zu berücksichtigen und wählt
bewusst Texte aus den verschiedenen Epochen von Newbigins Wirken. Jeder
Abschnitt schließt mit einigen kurzen Verweisen auf weitere Texte Newbigins
zum Thema. Die Abschnitte im ersten Themenbereich sind überschrieben:
(1) Die Erkenntnis Gottes, (2) Der Tod Christi, (3) Erwählung und das Volk
Gottes, (4) Christus als Schlüssel zum Verstehen der Geschichte, (5) Die ökumenische
Vision, und (6) Trinitarische Mission. Im zweiten Abschnitt fasst Weston
Newbigins Beiträge zu folgenden Themen zusammen: (7) Christus und die
Kulturen, (8) Das Wesen und die Berufung der Kirche, (9) Das Evangelium und
die Weltreligionen, (10) Die missionarische Krise im Westen, sowie (11) Das
Evangelium und das öffentliche Leben. Dabei gelingt es Weston, die zentralen Themen Newbigins
aufzugreifen und den Leser an sein Werk heranzuführen. Dass der zweite Teil
wesentlich ausführlicher ausfällt als der erste ist von der Sache her
begründet. Gerade in der Beschäftigung mit den aktuellen Herausforderungen
der christlichen Mission wurde Newbigins theologisches Denken geprägt. Und
dieser Teil führt den Leser hin zu den Fragen, die uns heute in der Missionstheologie
in Europa beschäftigen (müssen). Dazu gehört die Auseinandersetzung mit den
Religionen genauso wie die Auseinandersetzung mit dem westlichen Weltbild.
Der zunehmende Einfluss des Islam in Europa wirft dabei die Frage auf, welche
Rolle das Evangelium spielt bzw. spielen muss in der Diskussion um das
öffentliche Leben, ein Thema, das Newbigin bis in sein hohes Alter hinein
beschäftigt hat. Weston gibt uns einen kompakten Reader in die Hand, der
auf gut 250 Seiten den Leser einführt in die Grundlagen von Newbigins
theologischem Denken und in die missionstheologischen Themen, mit denen er
sich auseinander gesetzt hat. Wer eine Einführung in Newbigins literarisches
Werk sucht, ist gut beraten, zu diesem Buch zu greifen. Dr. |
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Weth, Rudolph (Hg.) Bekenntnis zu dem einen Gott?
Christen und Muslime zwischen Mission und Dialog. Neukirchener Verlagshaus: Neukirchen-Vluyn,
1999. Die Jahrestagung der Gesellschaft für Evangelische
Theologie beschäftigte sich 1999 mit dem Thema: Islam - Dialog oder Mission? So
breit das theologische Spektrum der Referenten - auch Muslime gehörten dazu -
so unterschiedlich natürlich auch die Positionen der hier veröffentlichten
Beiträge. Viele verschiedene Themen aus den Bereichen islamische Ethik,
Politik, Theologie und, übergreifend, der Vergleichenden Religionswissenschaft
werden angeschnitten und auf die islamische Realität im In- und Ausland
angewendet. Gelegentlich finden sich verhalten kritische Anfragen an
den Islam (Terrorismus im Namen des Islam, Einschränkung der Menschenrechte,
Stellung der Frau), daneben jedoch ebenso die Auffassung, daß Christen und
Muslime im Kampf für die universellen Menschenrechte vereint seien (119/120);
eine Behauptung, für die die Belege angesichts spezifisch muslimischer
Definitionen von Menschenrechten mit der Aberkennung jeglicher Rechte für
Konvertiten bisher ausstehen. – Insgesamt ein informatives Buch für jeden,
der sich mit der Bandbreite theologischer Auffassungen zum Thema Islam in
unserem Land beschäftigen möchte. Eine kleine Anmerkung zum Schluß: Gerade dort, wo man bei
derartigen Tagungen und Veröffentlichungen versucht, Muslimen gerade nicht
mit Überheblichkeit zu begegnen, sollte doch unbedingt der Begriff „mohammedanisch“
(S.11) vermieden werden, der für Muslime immer einen unmittelbaren Affront
darstellt (stattdessen „muslimisch“). Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-3. |
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Wetzel, Klaus. Kirchengeschichte Asiens. TVG. Wuppertal: R. Brockhaus, 1995. Klaus Wetzel, 1987-1993 Dozent in Batu/Indonesien und heute
neben Pfarrvikariat Dozent in Korntal, legt hiermit seine in Indonesien
gehaltenen Vorlesungen zur Kirchengeschichte Asiens vor. Sie gehen weniger
auf Forschungsarbeit zurück als auf eine breit angelegte Zusammenfassung
von Standardwerken, weswegen in den Anmerkungen intensiv auf meist
deutschsprachige Lexika, Handbücher, Kirchen- und Missionsgeschichten und
Werke wie ‚Operation World’ (‚Gebet für die Welt’) verwiesen wird.
Kirchengeschichte Asiens wird dabei im weitesten Sinne verstanden: chronologisch
vom Neuen Testament bis heute, geographisch (z. B. einschließlich asiatisches
Rußland) und konfessionell. Außerdem Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-2. |
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Wetzel, Klaus. Wo die Kirchen wachsen. Der
geistliche Aufbruch in der Zwei-Drittel-Welt und die Folgen für das
Christentum. Brockhaus:
Wuppertal, 1998. „Offensichtlich ist, daß wir uns mitten in einer
Umbruchphase der Kirchen- und Missionsgeschichte befinden, deren epochale
Bedeutung dem Weg des Evangeliums zu den nichtjüdischen Völkern in
neutestamentlicher Zeit, der Konstantinischen Wende und der Reformation in
nichts nachsteht“ (92). Diese Kernaussage bezieht sich auf umfangreiches
Zahlenmaterial, das der Verf. zusammengestellt hat. Die Statistiken spiegeln
zum einen den Stellenwert des christlichen Glaubens innerhalb der ihn jeweils
umgebenden Gesellschaft wider, zum anderen veranschaulichen sie weltweite
zahlenmäßige Verschiebungen: Europa bzw. die westliche Welt ist nicht länger
das Zentrum der Christenheit. Die Kirchen der Zwei-Drittel-Welt wach- Wie in der Einführung erläutert, soll die vorliegende
Darstellung „Mut machen zum verstärkten Engagement für Weltmission bei sich
verändernden Rahmenbedingungen“. Dem aufmerksamen Leser des bekannten Buches
„Gebet für die Welt“ werden viele Aussagen nicht neu sein; sie werden vom
Verf. mit weiteren Quellen kombiniert. So wird ausführlich dargestellt, „wo
die Kirchen wachsen“. Leider sind jene Passagen etwas knapp geraten, die der
Frage nach dem „warum“ des Wachstums und nach den Konsequenzen für die westlichen
Christen nachgehen. Für Einsteiger in Sachen Weltmission ist die Darstellung
hilfreich, um einen Überblick der gegenwärtigen Situation zu erhalten. Harald Börner, em 1998-4. |
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Wienecke, Werner A. Die Bedeutung der Zeit in Afrika
in den traditionellen Religionen und in der missionarischen Verkündigung. Frankfurt: Peter Lang Verlag, 1992. Jeder Mitteleuropäer, der schon intensiver mit Afrikanern
Kontakt hatte, wird deren fundamental anderes Verhältnis zur Zeit bemerkt haben.
Im Alltag ist es unübersehbar. Doch wie steht es mit religiösen Fragen?
Welche Rolle spielt die Raum-Zeit-Dimension in den afrikanischen Religionen
im Unterschied zum Christentum? Und wie müssen wir uns in der christlichen
Verkündigung darauf einstellen? Viel zu lange machten sich westliche Missionare zu wenig
Gedanken über die traditionellen afrikanischen Religionen und die
afrikanische Kultur, und zu viel Mißverständnisse entstanden daraus. Werner
A. Wienecke, Jahrgang 1924, erlebte dies zwischen 1954 und 1966 ganz
schmerzlich im Dienst als Missionar im damaligen Südwestafrika (heute
Namibia). Tausende von Herero trennten sich von der lutherischen Missionarskirche
und gründeten ihre eigene afrikanische Kirche. Die hier veröffentlichte
Doktorarbeit, die Wienecke nach seiner Pensionierung 1991 an der University
of South Afrika vorlegte, versucht die Ursachen dieser Trennung ein wenig zu
erhellen. In einem einführenden Kapitel schildert Wienecke die
Probleme, die zur Trennung der christlichen Herero von den Missionaren führten
und wirft dabei Fragen nach Inkulturation, Synkretismus und einer afrikanischen
Theologie auf. Weiter versucht er über die von John S. Mbiti aufgezeigten
Unterschiede zwischen afrikanischem und westlichem Zeitverständnis einen
Zugang zu den angesprochenen Fragen zu erhalten. Im dritten Kapitel
beschreibt er anhand von Mbiti die Auswirkungen des afrikanischen
zweidimensionalen, m. E. nur Gegenwart und Vergangenheit umfassenden,
Zeitverständnisses auf die afrikanischen Religionen. Dem folgt die
Auseinandersetzung mit Mbitis Darstellungen und mit seiner „afrikanischen
Theologie“ vor allem entlang des Zeitbegriffes der Afrikaner. Er zeigt, daß
dieser dem biblischen insofern ähnelt, als er mehr ereignisverbunden ist als
der westlich-lineare oder östlich-zirkulare. Afrikaner haben die
Zukunftsdimension oft weit weniger im Blickfeld. Im fünften Kapitel versucht
Wienecke dann die Konsequenzen aus den gewonnenen Erkenntnisen über
afrikanische Weltanschauung für die Verkündigung der westlichen Missionare zu
ziehen. Im großen und ganzen folgt Wienecke also den Vorstellungen
von Mbiti und bewertet die afrikanischen Religionen positiv und als Wegbereiter
für das Evangelium. Das Wissen der Afrikaner über Gott ist für ihn eine natürliche
Form der Gottesoffenbarung. Das afrikanische Gemeinschaftsgefühl, das
Afrikanern eine Verbindung zu ihren Ahnen ermöglicht, sollte nicht zerstört
werden, sondern das „Totengedenken“ sollte einen legitimen Platz in der
christlichen Gemeinde haben. Seiner eigenen Forderung nach einem tiefergehenden
Verständnis der afrikanischen Welt kommt der Autor also gut nach. Es wäre nun aber zu wünschen, daß er gleichermaßen die
Aussagen der Bibel beachten würde und gleichzeitig seine Zurückhaltung
gegenüber westlichem Denken beibehielte. Gerade im letzten Kapitel werden einige
theologische Schwächen deutlich, wo m. E. der Autor zu schnell versucht,
afrikanische Simultanität zu rechtfertigen, und afrikanische Theologie nicht
sorgfältig genug von der Bibel her hinterfragt. So z.B., wenn er wie Mbiti
kaum die biblischen Aussagen zum Wesen und Wirken des Heiligen Geistes
beachtet, sondern seine Untersuchung mit der Feststellung beendet, daß „man
um die Wirksamkeit des Heiligen Geistes [weiß] und sie vor allem in den
A[frikanischen] U[nabhängigen] K[irchen]“ erlebt (S.264). Seine Darstellung
afrikanischer Denkweise in Bezug auf Zeit und Religion ist allerdings differenziert
und sachkundig. Negativ fallen die zahlreichen Flüchtigkeitsfehler und der
hohe Preis des Buches auf. Dieser wird den potentiellen afrikainteressierten
Leser abschrecken, so daß das Buch möglicherweise sein Dasein in Händen von
Fachleuten und in Regalen von Fachbibliotheken fristen wird. Martin Sachs, em 1997-3. |
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Wiher, Hannes. Missionsdienst in Guinea. Das
Evangelium für eine schamorientierte, von Animismus und Volksislam geprägte
Gesellschaft. edition
afem, mission scripts Bd. 14. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1998.
„Ein Handbuch für Missionare in Guinea zu verfassen“ (S.13)
war das Ziel des Autors im Blick auf das vorliegende Buch. Tatsächlich hat er
jedoch eine sehr wertvolle Hilfe für jeden Missionar geschaffen, der in einer
von Animismus und/oder Volksislam geprägten afrikanischen Kultur südlich der
Sahara arbeitet. Nach einer kurzen Einleitung beschreibt der Autor in Kap. 2
die Hauptelemente der Gesellschaft Guineas. Dabei skizziert der Anthropologe
Wiher kurz, aber klar und verständlich die vorherrschenden Weltanschauungen
(Animismus und Volksislam), das prestige- und schamorientierte Gewissen
(„Über-ich“), sowie die Prägung der im Land existierenden Kirchen und den
Einfluß des säkularen Materialismus. In Kap. 3 geht es um das biblische
Gottes-, Menschen- und Heilsverständnis. Eine ganze Anzahl hilfreicher
Wortstudien mit Bezug auf die biblischen Ursprachen lassen den Theologen
Wiher zu Wort kommen. Das Herz des Buches bildet Kapitel 4. Hier erläutert der
Missiologe Wiher die Folgerungen aus Kapitel 2 und 3 für die Missionspraxis
in Guinea. Dabei geht er u. a. auf folgende Aspekte ein: Konzept von
Sünde/Heil, Evangelisation, Gemeindepraxis, Seelsorge, Ehe und Familie,
Personalführung, Medizin. Die vielen praktischen Ratschläge sind nicht nur
für den Neuling eine große Hilfe. Auch nach mehrjährigem Aufenthalt in einer
animistischen Kultur ließ mir die Lektüre von Wihers Buch so manches Licht
aufgehen, z. B. zu Themen wie Polygamie (welche afrikanische Kirche hat nicht
damit zu kämpfen?), Evangelisation unter Muslimen oder zum Heilsverständnis
in einer prestige-/schamorientierten Gesellschaft. Neben konkreten Ratschlägen
zeigt der Autor auch Hintergründe für häufig vorkommende falsche
Lehrmeinungen in der Kirche auf, z. B. im Blick auf das Abendmahl. Wihers Stärke ist seine kompakte, klare Darstellungsweise.
Er bietet viel Inhalt auf wenig Seiten. Selbst ein „vielbeschäftigter Missionar“
kann die 125 Seiten meistern. Es gibt aber auch eine Kehrseite der Kompaktheit:
Nach einigen wenigen Abschnitten bleibt beim Leser der Eindruck zurück, daß
das betreffende Thema kaum berührt wurde, z. B. die Struktur der Großfamilie
und daraus resultierende Verpflichtungen und Konsequenzen. Sollte Hannes
Wiher einmal ein ausführlicheres Werk zum vorliegenden Themenbereich publizieren,
gehörte ich zu den ersten Käufern. Im Anhang sind einige statistische Daten über das Land
Guinea zusammengestellt. Weit über 200 Fußnoten, die überwiegend auf
weiterführende Literatur verweisen, sowie eine extensive Bibliographie (16
Seiten) bieten dem Leser eine Fülle von Möglichkeiten, einzelne Themen
weiter zu verfolgen. Thomas Deusch, em 2000-1. |
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Wiher, Hannes. Shame and Guilt. A Key
to Cross-Cultural Ministry. Edition iwg – mission academics 10. Verlag für
Kultur und Wissenschaft. Bonn 2003. Vorliegende Arbeit wurde als Dissertation an der
Potchefstroom University for Christian Der Autor greift ein wichtiges Thema auf, das in der
missiologischen Literatur eher sporadisch diskutiert wurde und erst in den
vergangenen 20 Jahren eine Popularität erhalten hat, die seiner Wichtigkeit
entspricht: Elenktik ist die Wissenschaft vom Gewissen im kulturellen
Kontext. Nach der Einführung im ersten Kapitel führt der Autor im zweiten in
die missiologische Diskussion mit allen relevanten Hilfsdisziplinen ein. Er erklärt,
wie die betreffenden Autoren das Thema aus ihrer Sicht behandeln und
definieren. Dabei wird deutlich, dass eine Zusammenschau, wie es der
Missionswissenschaft eigen ist, erst zu ganzheitlichen und deshalb
brauchbaren Ergebnissen führt. Das ist eine hervorragende Zusammenstellung
der aktuellen und geschichtlichen Literatur zum Thema. Durchgehend durch das
ganze Buch setzt er sich immer wieder mit den wichtigsten Autoren zum Thema
auseinander. Um die Erkenntnisse an der Schrift zu prüfen und zu
messen, geht der Autor im dritten Kapitel den Schlüsselbegriffen Scham und
Schuld sowie deren Gegensätzen Ehre und Gerechtigkeit auf den Grund. Er
arbeitet mit hebräischen und griechischen Begriffen, die im Kontext der
Sprachen und Kulturen auf ihre Bedeutung geprüft werden, er vergleicht und
führt mit umfangreichen Beispielen durch die gesamte Bibel. Daraus erhärtet
sich seine These, dass in der Bibel ein balanciertes Verhältnis von Schuld
und Scham besteht, sowohl im Umgang Gottes mit den Menschen als auch in den
Kulturen, in denen die Bibel entstanden ist. Diese These ist besonders für Theologen wichtig, denen
durch ihre Kulturbefangenheit der Blick für die Zusammenhänge des
Schamempfindens im Wort Gottes fehlt. Das heraus zu arbeiten ist auch eines
der wichtigen Verdienste des Autors. Mit dem 4. Kapitel beginnt ein zweiter Teil. Der Autor
verlässt den analytischen Ansatz zugunsten eines breiten Anwendungsforums,
das keine Lücke lässt: Die theoretischen Implikationen für den interkulturellen
Dienst. Die These der balancierten Scham- und Schuldorientierung wird auf
bekannte missiologische Literatur angesetzt und durchgehend bestätigt.
Persönlichkeit, Animismus, Theologie sind Beispiele der Grundsatzdiskussion.
Im 5. Kapitel werden praktische Implikationen für den interkulturellen Dienst
in den Bereichen Kommunikation und Kontextualisierung, Evangelisation,
Gemeindeleben und Seelsorge vermittelt. Vereinfacht könnte man die
praktischen Schlussfolgerungen so zusammenfassen: Korrigiere die westlichen
Ansätze zu mehr scham- und die nicht-westlichen zu mehr Schuldorientierung
und man ist auf der richtigen Spur. Die tiefen Rinnen der westlichen
Denkmuster sollen durch die vielen Anwendungen deutlich werden und Theologe
sowie Missionar zu neuen Ansätzen animiert werden. Die praktischen Hinweise
z.B. für die Evangelisation im Islam, im Animismus, für die Anwendung beim
Power Encounter und im Westen für die Generation X sind außerordentlich
hilfreich für die Missionsmethodik. Hier beweist der Autor seine kompetente
Einsicht. Es ist bezeichnend, welch starkes Gewicht der Autor auf die
zuverlässige biblische Grundlage legt und immer wieder darauf verweist. Andererseits unterliegt die enorme Weitläufigkeit einer
gewissen Oberflächlichkeit, so dass die Glaubwürdigkeit der Analyse
stellenweise leidet. Manche Behauptungen sind so kurz skizziert, das sie vom
Leser nicht konsequent nachvollzogen werden können. Wihers Studie ist angereichert mit 60 Tabellen bzw.
Graphiken. Sie enthält eine umfangreiche Bibliographie, die die ganze Breite
der Forschung reflektiert (74 S.), ein Abkürzungsverzeichnis und einen Index
für Autoren und wichtige Begriffe (11 S.). Prof.Dr. Klaus W. Müller, em 2006-2. |
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Wilhelm, Jörn. Samuel Hebich - der große Seelengewinner.
Züge aus seinem Leben und Wirken. Lahr: St. Johannis 1993/4. Samuel Hebich arbeitete 25 Jahre lang als Missionar in
Indien unter Indern und englischen Kolonialbeamten. Wer mit dem Lebensbild
von Hebich noch nicht vertraut ist, muß sich durch die ersten 30 Seiten
regelrecht hindurchkämpfen. Die Sprache ist für jüngere Leser einfach zu
klischeehaft. Dennoch lohnt sich die Überwindung. Vor allem in der zweiten
Hälfte lernte ich einen Mann kennen, der mir zeigt, daß es einen direkten Weg
zum Herzen des Nächsten gibt. Erfrischend ist die Schilderung, wie Hebich z.
B. einen hochgestellten Major buchstäblich unter dem Sofa hervorholte und
ihn ohne Umschweife zur Umkehr aufforderte: „Sie haben keine Aussicht zu
entrinnen. Sich müssen sich bekehren von all ihren Sünden“. – Ich stimme mit
der Aussage des Rückentextes überein: „Samuel Hebich gehört zu den interessantesten
Persönlichkeiten der Missionsgeschichte des 19. Jahrhunderts“. Die Lektüre
wird jeden Missionar zum unerschrockenen Zeugnis ermutigen, auch wenn seine
Sprachkenntnisse noch mangelhaft sind. Die Liebe zu den Verlorenen und
Gottes treues Wirken waren bei Samuel Hebich der Schlüssel zum Gelingen. Theo Wüst, em 1996-4. |
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Wilkinson,
John. The
Coogate Doctors. The History of
the Edinburgh Medical Missionary Society 1841 to 1991. EMMS: Edinburgh, 1991. Dies kleine Buch ist eine gut lesbare Geschichte der
ersten ärztlichen Missionsgesellschaft überhaupt
und ist deswegen für alle nützlich, die sich mit den Anfängen der
ärztlichen Mission beschäftigen.
Gegründet auf Anregung von
amerikanischen China Missionaren, breitete sich die Idee der
ärztlichen Mission als eigenständigem Zweig der Missionsarbeit von Edinburgh
weltweit aus. Ua. stand das Vorbild der EMMS 1898 Pate bei der Gründung des
Stuttgarter Vereins für ärztliche Mission, der Vorstufe des Deutschen Instituts für ärztliche Mission (1906) in
Tübingen (23f). Die EMMS ist vorwiegend in der Ausbildung ärztlicher Missionare engagiert, ist aber auch für ein Hospital
(Nazareth) direkt verantwortlich. Dr.
Klaus Fiedler, em 1994-2. |
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Williamson, Mabel. Haben wir keine Rechte? Fundamente für Nachfolge und Dienst. Neuhausen: Hänssler, 1992. In erster Linie sind mit dieser älteren Erbauungsschrift
einer Chinamissionarin Missionare angesprochen. Dabei ist die Frage „Haben
wir keine Rechte?“ weniger provokativ als seelsorgerlich gemeint. Die
Autorin erlebte selbst, daß es leichter fällt, um des Dienstes willen Mühen
auf sich zu nehmen, als auf Rechte zu verzichten. Ihre Antwort, mit vielen Beispielen aus China garniert,
orientiert sich an Paulus: „Ich habe von diesem
Recht keinen Gebrauch gemacht…. damit ich möglichst viele gewinne“ (1 Kor 9). Christof Sauer, em 1994-3. |
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Wright,
Christopher J. H. „Mission as a Matrix for
Hemeneutics and Biblical Theology“, in C. Bartholomew, M. Healy et al.
(eds.), Out of Egypt: Biblical Theology
and Biblical Interpretation. Scripture and Hermeneutics Series (Carlisle:
Paternoster, 2004), 102-143. Wright ist der International Ministries Director der
Langham Partnership International Stiftung in Großbritannien. Zuvor war er
einige Jahre Missionar in Indien und sowohl Dozent als auch Direktor des All
Nations Christian College. In seinem Beitrag „Die Mission als Matrix für Hermeneutik
und Biblische Theologie“ umreißt Wright, was es bedeutet, die Bibel umfassend
von der Mission Gottes und der Mission seiner Gemeinde her zu verstehen. Nach
Wright enthält die Bibel nicht nur eine Reihe von Texten, die Begründungen
für unsere Missionsbemühungen liefern, sondern Wright plädiert: „… the whole
Bible is itself a 'missional' phenomenon. The writings that now comprise our Bible are themselves the product
of, and witness to, the ultimate mission of God. The Bible renders to us the
story of God's mission through God's people in their engagement with God's
world for the sake of the whole of God's creation“ (103). Nach einer
Einführung und Definitionen zeigt Wright anhand von Lk 24.4547, dass Christen
die Schrift nicht nur christologisch/messianisch, sondern auch
mis-sionsorientiert lesen müssen. Mit der Aussage „Es steht geschrieben“ Jesus „seems to be saying that
the whole of the Scriptures … , finds its focus and fulfilment both in the
life and death and resurrection of Israel's Messiah and in the mission to all
nations, which flows out from that event. ... The proper way for disciples of
the crucified and risen Jesus to read their Scriptures is from a perspective
that is both messianic and missional. … a messianic reading of the Old
Testament has to flow on to a missional reading - which is precisely the
connection that Jesus makes in Luke 24“ (107). Für die Durchführung fordert
Wright: „To attempt a missional hermeneutic, then, is to ask: Is it possible,
is it valid, is it profitable, for Christians to read the Bible as a whole
from a missional perspective, and what happens when they do?“ (109).
Im Folgenden beschreibt Wright die notwendigen Schritte auf dem Weg zu einer
„missionalen Hermeneutik“. Dabei geht es um mehr als eine biblische
Begründung für Mission (109-13), um mehr als multikulturelle hermeneutische
Perspektiven und „advocacy readings and postmodern hermeneutics“. Zu den
Umrissen dieser Hermeneutik (120-37) gehört die Einsicht, dass die Bibel
selbst Ergebnis der Mission Gottes ist. „This means reading texts in the light of God's purpose for his whole
creation … , in light of God's purpose for human life in general on the
planet… , in light of God's historical election of Israel … , in light of the
centrality of Jesus of Nazareth … , in the light of God's calling of the
church, the community of believing Jews and Gentiles who constitute the
extended people of the Abrahamic covenant, to be the agent of God's blessing
to the nations in the name of, and for the glory of, the Lord Jesus Christ“
(137). Ein anregender Aufsatz für Missiologen und für Bibelwissenschaftler
und eine Einladung zum interdisziplinären Gespräch. Prof. Dr. Christoph Stenschke, em 2007-2. |
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Wright,
Christopher J. H. The Mission of God. Unlocking the Bible’s grand narrative. Nottingham/UK: IVP, 2006. 1931 sprach Karl Hartenstein zum erstenmal von der Missio
Dei. Seitdem und vor allem seit Vicedoms gleichnamiger Veröffentlichung nach
Willingen 1952 wurde dieser Begriff zu einem zentralen Ausgangspunkt
kreativen missionstheologischen Denkens im 20. Jahrhundert. Im vorliegenden
Buch entfaltet ein evangelikaler Bibelwissenschaftler eine umfassende
biblische Theologie vom Gesichtspunkt der missio Dei aus. Der Autor ist Alttestamentler,
ehemals Dozent in Indien und England (All Nations) und gegenwärtig Direktor
der Langham Partnership International/ John Stott Ministries. Sein Buch hat
vier große Teile. Im ersten Teil „The Bible and Mission“ (S.29-70) formuliert
Wright seine These, dass die missio Dei als hermeneutischer
Interpretationsrahmen wesentlich zum Verständnis des biblischen Kanons
beitragen kann. Dann lädt er den Leser ein zur theozentrisch-missio-nalen
Re-Lektüre der großen biblischen Erzählung. Er struktuiert seine Darstellung
nicht historisch oder dem Verlauf der biblischen Bücher folgend, sondern
entlang des thematischen Dreiecks Gott, Volk Gottes und Welt. Er bezieht
immer beide Testamente ein und vermittelt so eine gesamtbiblische
Perspektive. In Teil 2 wird die theozentrische Perspektive entfaltet: „The
God of Mission“ (S.71-188). Ausgangspunkt von Wrights Darstellung eines
„dynamischen missionalen Monotheismus“ (S.532) ist Israels Erfahrung der
Gnade Gottes im Exodus. Dabei macht Wright deutlich, dass die heilbringende
missionarische Offenbarung Jahwes im AT und Jesu Christi im NT den Konflikt
mit den falschen Göttern und Götzen einschließt. Neben einer Erörterung des
biblischen Verständnisses von Göttern und Dämonen werden praktische
Fragestellungen wie Irrwege eines geistlichen Triumphalismus (in extremen
Ansätzen des spiritual warfare) oder religiöser Aggression diskutiert: „Wir
kämpfen gegen den Götzendienst … um den Menschen zu segnen … mit tiefer
Liebe, Demut und Barmherzigkeit – so wie Jesus es uns gezeigt hat“ (S.179).
Eine tiefergehende Diskussion der Thematik Gewalt und Mission im Alten
Testament findet sich hier jedoch nicht. Teil 3 entfaltet die Mission Gottes durch sein Volk im
Alten und Neuen Testament „The People of Mission" (S. 189-392) und
beginnt bei der Segensverheißung Gottes an Abraham, die ausführlich
exegetisch behandelt wird. Dabei arbeitet der Autor die missionale Dimension
des Segensbegriffs heraus. Anhand des Exodus-Geschehens und der Verordnung
des Jubel-Jahres entwickelt der Autor eine befreiungstheolo-gisch-holistische
Soteriologie, die geistliche, soziale, ökonomische, ökologische und
politische Dimensionen integriert und warnt vor dem Auseinanderreißen des
sozial-diakonischen und geistlich-evangelistischen Auftrags: „I beg to
dissent from the notion that evangelism by itself will result in social
change, unless Christians are also taught the radical demands of discipleship
to the Prince of Peace ... and his justice“ (S.321). Die jeweils ganze örtliche Gemeinde Jesu habe
den missionarischen Auftrag „through the combined engagement of all its members
[to apply] the redemptive power of the cross of Christ to all the effects of
sin and evil in the surrounding lives, society and environment” (S.322). Im vierten Teil, „The Arena of God's Mission“, geht es um
Gesellschaft und Welt als Ort der missio Dei. Themen sind hier die Erde als
Schöpfung und Besitz Gottes und der damit einhergehende Auftrag zu ihrer
Bewahrung und Pflege, die auch als Teilnahme an der Mission Gottes zu verstehen
sind, das Bild der Nationen im AT und NT sowie das Weltbild der Weisheitsliteratur,
das die Grenzen des Wachstums und der Machbarkeit ernstzunehmen lehrt. Als
Konkretion der menschlichen Spannung zwischen Gottesebendbildlichkeit und
Sünde in einer gefallenen Welt wird der Umgang mit HIV/ AIDS beschrieben und
aufgezeigt, dass ganzheitliche missionarische Zuwendung gerade angesichts
der unmittelbaren Wirklichkeit des Sterbens die ultimative Wirklichkeit der
Rettung durch den auferstandenen Jesus bezeugt (S. 439-441). Wrights großes Werk ist sowohl für bibelwissenschaftlich
als auch missiologisch interessierte Leser ein Gewinn. Es enthält
ausführliche Namens-, Themen- und Bibelstellenregister, eine Bibliographie,
ein kurzes Inhaltsverzeichnis und ein detailliertes „Outline“, letzteres
leider ohne Seitenangaben, was das Auffinden bestimmter Abschnitte etwas
erschwert. Dr. Friedemann Walldorf, em 2008-1. |
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Wrogemann, Henning. Mission und Religion in der
Systematischen Theologie der Gegenwart. Das Missionsverständnis deutschsprachiger protestantischer Dogmatiker
im 20. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, 1997. Vor 70 Jahren (von O. Kübler 1929 und E. zur Nieden 1928)
ist ein ähnlicher Versuch gemacht worden, nämlich die systematische als die
am deutlichsten normative Disziplin der Theologie nach ihrer Stellung zur
Mission zu befragen. Hier geschieht aber mehr – es wird auch nach dem
Stellenwert von Religionen gefragt, und dies in systematischer Weise. Kein bequemes, aber ein erstaunlich lehrreiches Buch,
auch gut gemacht, mit ca. 600 Titeln Literatur und einem Register der Bibelstellen
(leider schmal!) und der Personen. Zwei Kritikpunkte am Rande: Ludwig Wiedenmanns
(SJ) Studie über Mission und Eschatologie fehlt, die einen Teilaspekt
untersucht hat. Der andere ist die historische These, das Christentum sei
die derzeit größte Religion der Erde, und das „verdankt das Christentum aber
nicht zuletzt den gewaltsamen Mitteln, mit denen die europäischen
Kolonialmächte ihre Kultur und Religion in den letzten Jahrhunderten
verbreitet haben“. Das kann man – wenigstens weitgehend – auch ganz anders
sehen. Eine systematische Studie, die systematisch fragt, da
spielt also auch eine Philosophie (die von E. Levinas) als Hinweis auf die
Fremdheit des Fremden eine Rolle, und die Position von Th. Sundermeier, der
die Hermeneutik des Fremden als Aufgabe der Christenheit in ihrer Mission
besonders betont. Positiv sei auch gewürdigt, daß der Verfasser eine
Auswahl trifft, und wie er sie trifft. Da werden für die erste Hälfte des
Jahrhunderts Martin Kähler, Ernst Troeltsch, Paul Althaus, Karl Barth und
Paul Tillich ausgesucht, knapp analysiert und kritisch gewürdigt. Für die
zweite Hälfte dann Wolfhart Pannenberg, Helmut Thielicke, Jürgen Moltmann sowie
Michael von Brück und Friedrich Wilhelm Marquardt. Zuerst tendierte der Rezensent dazu, das Buch „kritisch“
zu lesen, und fand reichlich Stoff zur Kritik; dann aber etwas freundlicher –
als eine Wegbeschreibung für (Teile des deutschen) Protestantismus;
eklektisch also, und fand sehr viel Lehrreiches, viel Klärendes. Besonders
gilt das nun auch für das kritische Element in der Auswahl: von Brück und Marquardt
gelten als Beispiele, wie im Einlassen auf eine andere Religion christliche
Theologie von Identitätsverlust bedroht sein kann. Zu dieser Wegbeschreibung des 20. Jahrhunderts kommt noch
der letzte Teil hinzu – eine Art Resümée am Rastplatz, am Ende dieses 20.
Jahrhunderts (S.275-318). Darin wird aber nicht nur im weiten Umgriff Fazit
gezogen und Desideria aufgestellt. Es wird auch ein Ausblick gewagt, der nun
von der Fremdheit des Anderen und der Mühe, ihn zu verstehen (ohne ihn zu
vereinnahmen) redet. Dabei ist theologisch wesentlich die Unterscheidung
zwischen Gottes Segen, der nach der Schrift auch unter Heiden wirkt, und
Gottes Rettung, die an sein Wort gebunden ist. Dabei wirkt auch der Begriff
der Konvivenz nüchtern-hilfreich. Man kann etwas mit diesem Buch anfangen;
man muß auch weiterarbeiten. Wie fremd sind uns eigentlich unsere säkularisierten
Zeitgenossen geworden? Oder anders: Wie wenig Übereinstimmung besteht
zwischen der Kultur, in der wir leben (und in der sich das Christentum hat
auswirken können) und dem Anspruch des Evangeliums? Ein dichterer Bezug zur Heiligen Schrift hätte vielen
potentiellen Lesern den Gebrauch des Buches leichter gemacht; aber man kann
nicht alles auf einmal tun, und der Autor versucht durchaus, exegetische
Befunde und Einsichten zur Geltung zu bringen, insbesondere im letzten Teil. Prof. Dr. Niels-Peter Moritzen, em 1998-4. |
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Wrogemann, Henning. Missionarischer Islam und
gesellschaftlicher Dialog. Eine Studie zur Begründung und Praxis des Aufrufs
zum Islam. Verlag Otto Lembeck, Frankfurt/M, 2006. Das Buch des Leiters des Missionsseminars in Hermannsburg
und Privatdozenten für Religionsgeschichte und Missionswissenschaft an der
Theologischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg ist die
leicht überarbeitete Habilitationsschrift des Verfassers, die im Jahr 2005
unter dem Titel „Da’wa islâmîya – Der Ruf zum Islam. Eine Studie zur
Begründung und Praxis des Aufrufs zum Islam im internationalen sunnitischen
Diskurs“ von der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg angenommen
wurde. Die Arbeit untersucht aus christlich-theologischer Sicht das
muslimische Konzept der Da’wa, des Aufrufs in den Islam bzw. zum wahren
Islam. Die Verwendung des Begriffs „missionarisch“ im Buchtitel begründet der
Vf. damit, dass zahlreiche muslimische Autoren, die auf Englisch schreiben,
das arabische Wort „da’wa“ mit „mission“ übersetzen. Der Vf. macht in seinem
Werk auf jeden Fall deutlich, dass der Islam eine „missionarische“ Religion
ist, auch wenn manche Muslime das bestreiten. (Dahinter steht die
Unterstellung, dass christliche Mission „Proselytismus“ sei). Der erste Hauptteil des Buches steht unter dem Thema
„Ausbreitung des Islam und Geschichte des da’wa-Diskurses“. Der Vf.
analysiert relativ knapp das Verständnis von da’wa im Koran, ohne auf das
damit verwandte Konzept des ğihâd (Eifer,
Einsatz für Allah, „Heiliger Krieg“) einzugehen. Es folgen kurze Überblicke
zur Ausbreitungsgeschichte des Islam und zu den islamischen Reformbewegungen
im 19. und 20. Jahrhundert. In Teil II („Da’wa-Bewegungen im 20. Jahrhundert“) bringt
der Vf. einen Überblick über die Gruppen und Einrichtungen, die Da’wa auf
unterschiedlichste Weise betrieben haben. Dabei wird deutlich, wie weit der
„Ruf zum Islam“ gefasst werden kann: als Einladung zur Annahme des Islam, als
Ruf zur islamischen Einheit, als Bemühen um die Islamisierung der Muslime und
der Gesellschaft und schließlich als Instrument nationaler und
transnationaler Ideologien. Die Frage nach der Beziehung der Da’wa zum Ĝihâd erörtert der Vf. vor allem
im Zusammenhang der Ideologie Sayyid Quţbs (§ 6, Abs.3.3 und 4). Im Kern des Buches und umfangreichstem Teil III
(S.187-375) wird „der internationale Diskurs: da’wa-Theologien und
da’wa-Strategien für das 21. Jahrhundert“ behandelt. Da die muslimische
Literatur zur Da’wa mit den darin vorgetragenen Begründungen, Konzepten und Methoden
in den letzten Jahrzehnten fast unübersehbar geworden ist, beschränkt sich
der Vf. auf den sunnitischen Islam und auf die Untersuchung von acht, nach
seiner Ansicht einigermaßen repräsentativen, zeitgenössischen Autoren (I.
al-Farûqi, M. Shafîq, S.A. Siddiqi, R. ´Ibn Hâdî, A. von Denffer, F. Esack,
T. Ramadan, und A.H. Shakr). Aus den vorgestellten Da’wa-Konzepten entwickelt Wrogemann
eine Typologie, in der er vier Modelle von Da’wa unterscheidet: 1. die
reformatorisch-organisatorische Da’wa (moderat salafitisch), 2. die
revolutionär-prozedurale Da’wa (neusalafitisch, integristisch, islamistisch),
3. die purifizierend-individualistische Da’wa und 4. die
befreiungstheologisch-kooperative Da’wa (modernistisch-salafitisch). Im entscheidenden und abschließenden Teil IV „Islamische
da’wa, christliche Mission und die Frage des gesellschaftlichen Pluralismus –
Ausblick“ diskutiert der Vf. das Verhältnis von christlicher Mission und islamischer
Da’wa zueinander und die Implikationen beider Konzepte im Blick auf Dialog,
Toleranz und gesellschaftlichen Pluralismus sowie ihre möglichen Beiträge zum
gesellschaftlichen Frieden. Die Analyse moderner Konzepte von Dialog, Toleranz,
Pluralismus, Wahrheit und Gerechtigkeit durch den Vf. zeigt, wie sehr diese
im Westen aus der christlichen Tradition heraus gewachsenen Vorstellungen von
den muslimischen Sichtweisen abweichen, auch wenn Muslime heute in ihrer
Da’wa die westliche Begrifflichkeit benutzen. Wrogemann hofft aber, dass
christliche Mission und islamische Da’wa in einer offenen und pluralistischen
Gesellschaft nebeneinander existieren und sogar miteinander einen Betrag zu
gesellschaftlicher Gerechtigkeit leisten können. Dabei redet er nicht einer
Harmonisierung von „Letztbegründungsansprüchen“ das Wort, sondern sucht nach
Schnittmengen, die Koexistenz, Verstehen und begrenzte Zusammenarbeit
ermöglichen. Er sieht Ansätze dafür, dass auch unter muslimischen Gelehrten
ein Prozess der kritischen Selbstreflexion und des Verzichts auf religiöse
Eigenmächtigkeit in Gang gekommen ist. Das Buch ist detailliert gegliedert und lässt sich deshalb
auch als Nachschlagewerk benutzen. Ebenso hilfreich ist die umfangreiche
Bibliographie (S.451-500) aus Primär- und Sekundärquellen. Bei allen Fragen,
die zum Teil IV bleiben, ist das Buch ein wertvolles Arbeitsmittel zum Thema
„Da’wa“. Eberhard Troeger, em 2006-4. |
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Yamamori, Tetsunao. Unerreichte Völker. Neue Strategien für einen großen Auftrag. [God’s Special Envoys:
Penetrating Missions’ Final Frontier],
Neuhausen: Hänssler, 1994. Der Präsident der
christlichen Hilfsorganisation „Food
for the Hungry“ entwickelt in seinem Buch
„Unerreichte Völker“ ein neues Missionskonzept mit der Überzeugung,
daß bisherige evangelistische Bemühungen nicht in der Lage sind, auf die
heutigen Entwicklungen einzugehen. Das Erfüllen des missionarischen biblischen
Auftrages kann laut Yamamori mit „Gottes Sonderbotschaftern“ geschehen. Die Sonderbotschafter (SB) sind intelligente, finanziell
gesicherte, beruflich erfolgreiche Jünger
Jesu, die sich durch eine hohe Flexibilität und kulturelle Anpassungsfähigkeit in wirtschaftlich und geistlich armen Ländern einsetzen.
Der SB ist eine Mischung aus Entwicklungshelfer, Zeltmacher und
traditionellem Missionar. In der Vielfalt
der Anforderungen, die an den SB gestellt werden, zeigt sich eine Schwäche des Buches. Lesenswert ist das Buch, weil es eine Fülle von praktischen, biblischen
und missionstheologischen Ansätzen beschreibt
und den Fokus der „Unerreichten“ nie
verliert. Nebst dem 10/40 Fenster von Bush sind im Anhang die
Kontinentkarten des Adopt-A-People-Clearinghouse
mit dazugehörenden Statistiken
vorgestellt. Leider weicht anderes
Zahlenmaterial seines Buches zum Teil erheblich von bekannten Angaben
ab. So wird z.B. der Anteil der bibelgläubigen Christen an der Weltbevölkerung des Jahres 1992 mit 14,7% angegeben (S.50). Im Vergleich dazu gibt
Johnstone ohne evankelikale und charismatische
Katholiken 8,7% an (Gebet für die Welt; 1994). Ähnliches gilt für
Yamamoris Aussage, daß nur gerade ein Tausendstel aller Missionsarbeit für die „Unerreichten Völker“
getan wird (S.47). Yamamori weist auf die vielfältigen Möglichkeiten
hin, die sich durch die aktuellen Kriegs-
und Katastrophenherde ergeben. Er
wünscht sich eine agierende und nicht nur reagierende Missionsbewegung.
Yamamori bedient sich soziologischer Erkenntnisse
für missionsstrategische Überlegungen.
Seine Analyse basiert auf dem Erforschen des von ihm benannten
„Assimilations- und Identifikationsfaktors“ einer ethnischen Gruppe oder des „Gastfreundschaftsindex“. Die
durch Umfragen ermittelten Werte sensibilisieren die SB für den eigentlichen Auftrag. Von der neutestamentlichen Missionstheologie her beurteilt
fehlt jedoch in seinem Buch die Sicht für den apostolischen,
gemeindegründenden Pionierdienst. Sein
Aufruf zur Sendung von 600 000 SB
darf nicht überhört werden. Marco Gmür, em 1995-4. |
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Yang, Nak Heong. Reformed Social Ethics and the
Korean Church. Asian Thought and Culture
21. Peter Lang: New York, 1997. Im Peter Lang Verlag (hier: New York) sind mittlerweile
erfreulich viele evangelikale Dissertationen erschienen, so auch die
vorliegende Dissertation am Fuller Theological Seminary von Nak Heong Yang,
Assistenzprofessor für Ethik und Kirchengeschichte am Korea Theological
Seminary. Auf den ersten 100 Seiten gibt Yang einen guten Überblick über die
reformierte politische Ethik von Calvin, Knox und Beza aus der Vergangenheit
und vier niederländisch-reformierten, einem anglikanisch-reformierten (John
Stott) und einem methodistisch-reformierten (Stephen Mott) Theologen der
Gegenwart. Dabei stellt er besonders den Gegensatz einer bewußten Veränderung
und Gestaltung der Gesellschaft auf der reformierten und die reine Beschränkung
auf Evangelisation in manchen anderen evangelikalen Richtungen heraus. Im zweiten Teil des Buches stellt Yang die Geschichte des
Verhältnisses der Kirchen – vor allem der evangelikalen presbyterianischen
Kirchen – zum koreanischen Staat seit 1884 und besonders seit 1945 dar. Er
kommt zu dem Schluß, daß die liberalen Kirchen so auf Politik konzentriert
waren, daß das christliche Zeugnis kaum mehr erkennbar war, während andererseits
evangelikale Gemeinden passiv blieben. Wenn überhaupt, dann unterstützten
sie nur die vielen christlichen Politiker des Landes, Auch wenn man sich gewünscht hätte, daß der Verfasser am
Ende etwas deutlicher skizziert, was er denn von den evangelikalen Kirchen
in Korea nun erwartet, ist das Buch nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Situation
in Korea, sondern zur Frage des Verhältnisses von Evangelisation und
gesellschaftlicher Verantwortung überhaupt. Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-4. |
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Yohannan, K. P. Weltmission auf neuen Wegen. Kreuzlingen:
Dynamis Verlag, 1994. Yohannan, Leiter von „Gospel for Asia“, beschreibt seinen
Werdegang als Missionsleiter und die Missionssituation in seinem Heimatland
Indien. Seine Hauptthese lautet: „Millionen von Menschen könnten das Evangelium
in den nächsten Jahren hören und annehmen, falls indische Missionare von
westlichen Finanzgebern unterstützt würden.“ Die Beispiele aus der
Geschichte der 7000 einheimischen Missionare von ‚Gospel for Asia’, die
Yohannan in seinem 1994 in deutscher Sprache übersetzten Buch vorlegt, sind
erfrischend und glaubwürdig. Der Leser wird immer wieder auf die eigene
Hingabe an Christus angesprochen. Diese Botschaft braucht der Westen.
Yohannan kritisiert die westliche „Missionsindustrie“ (insbesondere die
USA), weil sie mehrheitlich den Schwerpunkt des Auftrages Gottes, nämlich
Menschen zu Christus führen und den damit verbundenen Gerneindebau zu
Gunsten von sozialen Arbeiten aufgegeben hat. Es stört Yohannan, daß „Unterm
Strich … ein westlicher Missionar dreissig bis vierzigmal mehr Geld benötigt
als der einheimische“ (S.171) und er fordert eine Umverteilung der Gelder. Seine Anklagen sind teilweise berechtigt, Der informierte
Leser fragt sich jedoch, inwiefern es sich um „neue Wege“ handelt. Die
Frage, ob es „noch Platz für westliche Missionare in Asien gibt“,
beantwortet Yohannan damit, daß es nur noch zwei Länder für den Einsatz
westlicher Missionare gibt, Afghanistan und die Malediven (S.167). Mit seiner
Aussage „die Zeit ist vorbei, wo westliche Missionare in noch nicht
evangelisierte Länder gingen. Ein neues Zeitalter hat angefangen – Gott
wird durch einheimische Leiter in jeder Nation die Aufgabe weiterführen“
grenzt er jede personelle Zusammenarbeit aus. Zusammenfassend müssen sich westliche Missionare und
Missionsorganisationen sagen lassen, daß sie sich noch mehr auf ihre Stärken
besinnen müssen und nicht mehr für alle Dienste gefragt sind. Yohannan muß
entgegengehalten werden, daß der biblische Auftrag der Weltmission für die
europäischen Nationen bestehen bleibt und sich nicht auf eine finanzielle
Dimension reduzieren läßt. Marco Gmür, em 1996-2. |
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Yohannan, K.P. The Coming Revolution in World Missions. God’s
Third Wave. Creation House, 1986. Manche Buchtitel
gefallen mir nicht. Wenn man von Gottes dritter Welle spricht, sagt
man, daß sich zwei verlaufen haben, nimmt die dritte für sich selbst in
Anspruch und denkt nicht an eine vierte. Ich mag auch nicht, wenn ein Buch über die eigene Lebensführung und die von einem
selbst gegründete Mission gleich eine „Revolution
der Weltmission“ für sich in Anspruch
nimmt. Trotz des mir zu hoch
greifenden Titels ist das Buch
eine Auseinandersetzung wert. In ihm beschreibt K.P. Yohannan seine
(und seiner deutschen Frau Gisela) Lebensgeschichte. Er begann als reisender
OM Evangelist in Nordindien, stellte nach
sieben Jahren fest, daß die Einsätze
bei großen Opfern zwar allerhand Bekehrungen, aber wenig bleibende Frucht hervorgebracht hatten, weil man den Aufbau von
Gemeinden vergessen hatte, ging zum Studium
ans Criswell Bible Institute in Dallas/Texas, war dort einige Jahre
Pastor einer Gemeinde und gründete dann
1983 „Gospel for Asia“, eine
nordamerikanische Mission, die keine amerikanischen Missionare
aussendet, sondern nur (inzwischen über
3500) asiatische Missionare,
die in ihren eigenen (inzwischen 10)
Ländern als Evangelisten und Gemeindegründer arbeiten. Yohannans Position ist klar: Die Missionare des Westens (1. Welle: Zeit des NT und danach;
2. Welle: William Carey 1792 bis ca. 1950) waren nötig, um die Botschaft Jesu
nach Asien zu bringen, und manche tun (meist als Spezialisten, z.B. als Bibelübersetzer) noch heute einen guten
Dienst. Aber jetzt ist nicht mehr die Zeit der amerikanischen und europäischen
Missionare. Wenn der Auftrag der Weltmission erfüllt werden soll, ist jetzt
die Zeit der (einfachen) asiatischen Missionare gekommen. In Asien leben die meisten Menschen, die keine Christen
sind. Asiatische Missionare können in vielen
Ländern frei arbeiten (z.B. in Indien), die keine ausländischen
Missionare einreisen lassen. Sie brauchen keine lange Ausbildung, können ihre
Arbeit „on the job“ lernen, die nötigen Zehntausende von Evangelisten sind
vorhanden. Und da sie so ähnlich leben wie die Menschen, unter denen sie missionieren, arbeiten sie billig (vielleicht brauchen sie zusätzlich noch ein Fahrrad und einen Lautsprecher).
Was dieser ständig wachsenden Missionsbewegung fehlt, ist Geld. Der beste Dienst, den Christen im Westen tun können, ist der,
asiatische Evangelisten (30 solcher Evangelisten kosten weniger als ein
westlicher Missionar) zu finanzieren. Yohannan vertritt genau
das Gegenteil der sich auf Roland Allen berufenden „Indigenous Church
Principles“, die besagen, daß die junge Kirche für ihre Missionsarbeit selbst
aufzukommen habe. Genauso widerspricht Yohannan der weitverbreiteten
Ansicht, daß die Mission wohl Material
und „Projekte“ bezahlen dürfe, aber auf keinen Fall Personal in
geistlicher Arbeit. Außerdem sind für Yohannan „Projekte“ nicht Aufgabe der
Mission. Es ist nicht Mission, wenn es in Nordindien z.B. ein
Missionshospital gibt, aber in 75 Jahren in der Umgebung von dort aus noch
keine einzige Gemeinde gegründet worden ist. Yohannans Definition
von Mission ist eng und klar: Verkündigung des Evangeliums, Gründung von Gemeinden. Deswegen sind 80 oder
90% aller westlichen „Missionare“ keine Für einen „westlichen Missionar“ liest sich Yohannans Buch, wenn auch freundlich geschrieben,
nicht gut, und gewiß ist es einseitig. Es
gibt aber Antwort auf Fragen, die wir ernst nehmen sollten: (1) Wie
können die Millionen Indiens (und anderer asiatischer Länder) in
überschaubarer Zeit mit dem Evangelium erreicht
werden? (2) Ist es zu begründen, westliche (teure) Missionare zu finanzieren, zugleich aber (sehr genügsamen) asiatischen
Missionaren die finanzielle Unterstützung zu verweigern? (3) Yohannan weist auf die „Welle der einheimischen Missionare“ hin. Wie nehmen
wir diese Bewegung wahr, und wie stellen wir
uns zu ihr? Ich bin in Asien nie
weiter gekommen als bis Baghdad. Ich wünsche mir, daß ein Missionar
mit Asienerfahrung dieses Buch noch einmal
rezensiert oder auch direkt zu den angeschnittenen Fragen Stellung
nimmt. Dr. Klaus Fiedler, em 1993-3. |
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Zacharias, Ravi. Jesus - der einzig wahre Gott?
Christlicher Glaube und andere Religionen. Gießen: Brunnen, 2002. In den Vereinigten Staaten ist der gebürtige Inder Ravi Zacharias
ein gefragter Redner und inzwischen auch ein bekannter Autor. Mit dem ersten
Buch, das von ihm nun in deutscher Sprache erscheint, will Zacharias nach
eigenen Worten eine „Verteidigung der Einzigartigkeit der christlichen
Botschaft“ (S.7) vorlegen. Er wählt dafür den Weg, die Antworten Jesu auf
wesentliche menschliche Fragen (z.B. etwa die Frage nach dem Leid in der
Welt) mit Antworten anderer Religionen zu vergleichen. Dabei werden zwar
einzelne Details aus Islam, Hinduismus und Buddhismus beschrieben, zu einem
zusammenhängenden Bild dieser Religionen kommt es jedoch nicht. Zur
Illustration seiner Gedanken verwendet Zacharias eine Fülle von Beispielen
aus seinem eigenen Erleben, sowie Beispiele aus Kunst, Philosophie und
Literatur. Seit seinem Erscheinen hat das Buch bereits begeisterte
(christliche) „Fans“ gefunden, die die Argumente des Autors für absolut
brillant und stichhaltig halten (vgl. die Leser-Rezensionen bei
www.amazon.de). Dabei sind die Ausführungen von Zacharias für einen
kritischen Leser nicht immer überzeugend. So z.B. wenn Zacharias
unterstreicht, dass Jesus einen anderen Anspruch gehabt habe, als die
verschiedenen Religionsstifter: Jesus wollte nicht nur die Wahrheit lehren,
sondern er nahm (im Gegensatz etwa zu Mohammed) für sich in Anspruch, selbst
die Wahrheit zu sein (S. 114f). Zacharias weiß also, dass Jesus und Mohammed
mit unterschiedlichem Anspruch und Selbstverständnis auftraten, behauptet
dann aber trotzdem: „Islam und Christentum … sehen die Wahrheit zuletzt in
zwei verschiedenen Personen offenbart … Das macht einen Vergleich dieser
beiden Personen notwendig“ (S. 199). Trotz solcher argumentativer Unschärfen
enthält das Buch jedoch eine Fülle von interessanten und hilfreichen
apologetischen Gedankengängen. Andreas Baumann, em 2002-4. |
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Zaretsky, Tuvya (Hg.). Das Evangelium − auch
für Juden. Basel: Brunnen
Verlag, 2006. Das Evangelium -
auch für Juden ist das Abschlussdokument der Arbeitsgruppe Nr. 60
„Evangelisation unter Juden” des Lausanner Forums 2004 in Pattaya. Das Thema
des Fo-rums war „Eine neue Vision, ein neues Herz und eine erneuerte
Berufung”. Diese Thematik zieht sich durch die sechs Kapitel hindurch und ist
mit den Anhängen belegt. Die Frage der Evangelisation der Juden wird aus den
verschiedensten Gesichtspunkten beleuchtet und dokumentiert. Das erste
Kapitel ist dem Bundesschluss Gottes mit seinem Volk gewid-met. Wie gehen wir
heute damit um in unserem persönlichen Denken, in unserer Theologie? Können
wir uns auf die biblische Wahrheit berufen oder sind wir einfach Mitläufer einer der vielen Strömungen? Fragen wie „Wenn Gott seinen Bund mit
dem Volk Israel nicht aufgehoben hat, brauchen Juden zur Erlösung dann noch
Jesus?” werden nicht ausgeklammert. Die Legitimität des Dialogs wird
diskutiert und verschiedene Abhandlungen, welche die Evangelisation der Juden
bejahen, respektive ablehnen, werden aufgeführt und beurteilt, bis hin zur
heutigen Toleranzfrage und dem Wahrheitsanspruch der Christen wie auch der
Juden. Obwohl es weltweit nur vierzehn Millionen Juden gibt, sind
diese eine sehr divergierte Gesellschaft bezüglich ihrer Heimatländer,
Kulturen, und ihrer religiösen und philoso-phischen Überzeugungen. Ihre Gemeinsam-keiten
nebst der Wanderschaft und dem Opferschicksal sind die Identifikation mit
Israel und der Hunger nach Spiritualität. In Israel bekehren sich mehr
Nichtjuden zum Judentum als zu Christus. Schätzungen reden von 50 000 bis 332
000 jüdischen Jesusgläubigen weltweit, wovon ungefähr 5 000 in Israel wohnen
und eine der 100 messianischen Gemeinden besuchen. Sie haben die Möglichkeit
eine theologische Ausbildung in Israel zu erhalten. Diese Ausbildungsstätten sind zusammen mit den Gemeinden
herausgefordert, den Jesus-gläubigen zu helfen, ihre Identität sowohl im
Leibe Christi wie in der israelischen Gesell-schaft zu finden und zu
definieren. Versöhnung und Eschatologie können Ermutigung zur Evangelisation
sein. Christen benötigen jedoch Weisheit und Taktgefühl in ihren
evange-listischen Bemühungen. Im Speziellen wird auf die Situation der Juden
in Russland, der ehemaligen Sowjetunion, Deutschland und Nordamerika
eingegangen. Verschiedene Fallstudien zeigen, wie einzelne jüdische
Gesellschaftsgruppen mit dem Evangelium erreicht werden können. Speziell wird
darauf hingewiesen, dass theologische Ausbildungsstätten in den USA die
Möglichkeit anbieten, bestimmte Studienfächer in Israel zu belegen. Leider
hätten dabei nur wenige in ihrer Ausbildung die Betonung auf die
Evangelisation der Juden gelegt. Hier könnten die Mitglieder des Lausanner Kommittees für Evangelisation
unter Juden (LCJE) durch Vorlesungen und Diskussionsgruppen die theologischen
Ausbil-dungsstätten unterstützen, bis hin zu spezi-fischen
Leiterschaftskursen für die heutige Situation in
der Evangelisation der Juden. Das sechste und letzte Kapitel schließt mit dem
Gebet für ein neues Herz, eine neue Vision und eine erneuerte Berufung der
Kirche. In den fünf Anhängen wird das LCJE vorgestellt,
verschiedene Erklärungen der LCWE zusammengefasst und statistische Zahlen der
jüdischen weltweiten Bevölkerung aufgelistet. Im Besonderen wird noch einmal
auf die Mischehen eingegangen. Die Bibliographie enthält ausschließlich
englische Titel. Sowohl der englischen wie der deutschen Ausgabe kann der
interessierte Leser gut folgen. Die Schrift gibt einen ausgewogenen
Überblick, weckt das Interesse zum Weiterstudium und gibt Anregung zu kultur-
und religionsübergreifender Kontextualisierung. Dr. Philipp
P. Schmuki,em 2007-1. |
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Zehnder, Markus. Umgang mit Fremden in Israel: Ein Beitrag zur
Anthropologie des „Fremden“ im Licht antiker Texte. BWANT N.F. 8,
Stuttgart: Kohlhammer, 2005. Bei der anzuzeigenden Arbeit handelt es sich um die
Habilitationsschrift von Dr. Markus Zehnder, Privatdozent an der Universität
Basel. Die Monografie untersucht in einer knappen Einleitung die ethnische
Fremdheit in soziologischer Sicht (S.21-47), behandelt im ersten Hauptteil den Umgang mit Fremden in
Assyrien (S.48-278), im zweiten den Umgang mit Fremden im biblischen Israel
(S.279-541). Abschließend wird ein zusammenfassender Vergleich gezogen, der
die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Assyrien und Israel in Form von
49 Thesen herausarbeitet (S.542-554). Ein Abkürzungsverzeichnis, Namens- und
Stellenregister sowie eine 40-seitige Bibliografie helfen das umfangreiche
Werk zu erschließen. Beim methodischen Vorgehen fällt auf, dass Zehnder nicht
auf literarkritischen Hypothesen aufbaut, sondern grundsätzlich von einer
„kanonischen“ Perspektive ausgeht und von einer historischen Einordnung der Gesetzessammlungen
absieht. Ob B.S. Childs, auf den Zehnder sich dabei beruft (S.12, vgl. 12-14,
288, 311), mit diesem Vorgehen einverstanden wäre, scheint fraglich, da sich
bei Childs viel Redaktionsgeschichtliches findet und infolge dessen viele
biblische Schriften von ihm und anderen Vertretern des kanonischen Ansatzes
spät datiert werden. Die soziologische Untersuchung des Fremden bietet eine
allgemein verständliche, meist thesenartige Einführung in die Problematik der
ethnischen Fremdheit und definiert sinnvollerweise die wirkungsgeschichtlich
belasteten Begriffe wie „Ethnie“, „Rasse“, „Rassismus“, „Nation“,
„Nationalismus“, „Multikulturalität“ usw. Hier finden sich auch mancherlei
Anregungen für die Missionswissenschaft und für die aktuelle politische
Debatte über Immigranten und deren Integration. Die Habilitationsschrift bietet die diskutierten
assyrischen Quellen in (nicht eigener) Übersetzung. Daneben werden bildliche
Darstellungen einbezogen, im Buch aber nicht abgebildet. Für Kapitel 3, das
sich mit dem biblischen Israel beschäftigt, werden Hebräisch-Kenntnisse
vorausgesetzt. Die Patriarchenzeit wird ausgeklammert. Aus der Fülle der Textbeobachtungen und Ergebnisse kann
hier nur einiges wiedergegeben werden: Im alten Israel begegne keine ethnisch
oder rassisch begründete Fremdenfeindlichkeit; das Vernichtungsgebot (Ex 23;
34; Num 33; Dtn 7) gelte nicht grundsätzlich, sondern nur bestimmten Völkern
und nur in einer historisch einmaligen Situation (S.401). Aufgrund der
Expansionspolitik der Assyrer, die in Israel ohne Parallele ist, gehe es in
Assyrien vorwiegend um unterworfene Fremde und kaum um Immigranten. Fremde
würden im „Kerngebiet“ der beiden Staaten weitgehend assimiliert, was
Assyrien in den eroberten Gebieten jedoch nicht gelang. Im Gegensatz zu Assyrien
genießen Fremde in Israel einen besonderen Rechtsstatus; allerdings werde in
Israel eine religiöse Integration erwartet. Auch finde sich nur bei den
Propheten Israels eine eschatologische Perspektive für den Fremden. Vor uns liegt ein anspruchsvolles und stattliches Werk auf
hohem wissenschaftlichen Niveau, das sich durch große Sorgfalt, präzise
Argumentation und vorbildlichen Umgang mit den Primärquellen auszeichnet.
Nicht für jeden Leser von Evangelikale
Missiologie wird es die geeignete Lektüre darstellen. Aber mit gutem
Grund hat die Arbeit den Dr. |
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Ziefle, Helmut. Gegen Hitler und das Reich.
Erinnerungen an eine glaubensstarke Mutter. Mit einem Geleitwort von Dr. Rolf Hille. Ernst
Franz Verlag: Metzingen, 2000. Mutter Ziefle ist die Heldin dieses Buches. Mit vielen
sehr persönlichen Äußerungen und Gebeten weist sie auf ihren Herrn und
Heiland Jesus Christus hin, mit dessen Kraft und Beistand sie dem Führer das
„Heil Hitler“ versagte. Die Familie erlebte alle denkbaren Facetten dieser
unheilvollen Zeit, vom Sanitätsdienst im Inferno des brennenden Heilbronn
über den Militärdienst der beiden Ältesten bei der Luftwaffe und in der
Waffen-SS bis hin zur siebenjährigen Kriegsgefangenschaft eines Sohnes.
Ziefles erlebten die brutale, menschenverachtende Ideologie, die auch gegen
die eigene Verwandtschaft gerichtet war, den Fanatismus im Opportunismus primitivster
Prägung, den Kampf ums tägliche Brot und um das nackte Leben ebenso wie die
wunderbaren Zeiten der Bewahrung Gottes. Helmut Ziefle gewährt uns als Jüngster der vier Kinder
einen Blick in seine Familiengeschichte, die erschütternd und mutmachend
zugleich zum Zeugnis für manchen Spötter und zur Stärkung für Gläubige gewordenist.
Es ist ein Buch, das sich inhaltlich zunächst an überzeugte Christen wendet
und darum vom Vokabular her dem Glauben Fernstehende nicht ohne weiteres
erreicht. Trotzdem eignet es sich als Gesprächsgrundlage für Hauskreise, wo
es eine Brücke darstellen kann zur gegenwärtigen „braunen Gefahr“ in unserem
Land. Es beleuchtet anschaulich die Hintergründe eines Regimes, das leider
bis heute seine Anhänger hat. Konrad Brandt, em 2000-4. |
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Zimmerling, Peter. Die charismatischen Bewegungen: Theologie
– Spiritualität – Anstöße zum Gespräch. Vandenhoeck & Ruprecht:
Göttingen, 2001. Eine Habilitationsschrift eines deutschen lutherischen
Landeskirchlers, der in der evangelikalen Welt im weiteren Sinne beheimatet
ist, und das zu einem der theologisch brisantesten Themenbereich der
Gegenwart – das verspricht interessant zu werden. Zimmerling, längere Zeit
als Pfarrer in Bensheim bei der Offensive Junger Christen tätig, kommt zwar
immer wieder einmal auf die historische Entwicklung zu sprechen, will aber
vor allem erheben, was den charismatischen Bewegungen – er spricht bewußt in
der Mehrzahl – theologisch wichtig ist. Mit souveräner Quellenbeherrschung und
gut lesbar stellt er jeweils das Anliegen der klassischen Pfingstbewegung,
der charismatischen Bewegung innerhalb der bestehenden Kirchen (katholisch,
evangelisch, freikirchlich) und der sog. Dritten Welle dar. Dabei bewegt ihn
jedoch kein rein kirchengeschichtliches oder beschreibendes Interesse,
sondern die kritische Würdigung. Unabhängig von den klassischen Streitfeldern
der Thematik versucht er jeweils zu würdigen, welches Defizit der Kirchen die
Charismatiker aufgezeigt oder gefüllt haben und wo ihre Stärken und ihre
Schwächen liegen. Das tut er nicht pauschal, sondern für jedes Thema einzeln,
so etwa zu Geistestaufe, Zungenrede, Prophetie, Heilung,
Gottesdienst-gestaltung, Liedgut, Geistliche Kampfführung, innere Heilung,
Gebetsbewegungen, Wohl-standsevangelium. Seine jeweiligen Empfeh-lungen an
die Kirchen und an die Charismatiker sind sehr ausgewogen und sollten für das
Gespräch – auch weltweit – beherzigt werden. Dabei wird besonders auch
versucht, die jeweilige Kritik oder gar Warnung gründlich biblisch-exegetisch
und besonders syste-matisch-theologisch zu begründen. Auch wenn der Autor vor
allem die deutsche Situation im Blick hat und internationale Vertreter vor allem
aufgrund ihres Einflusses dort in den Blick nimmt, gibt es derzeit meines Wissens
keine vergleichbare Studie, die dem Missionar oder christlichen Weltbürger
einen sachlichen Einblick in das theologische Anliegen der verschiedenen
charismatischen Strömungen gibt und hilfreiche Anstöße für ein fruchtbares
Gespräch vermittelt. Ohne Namen, em
2002-2. |
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Zimmerling, Peter. Pioniere der Mission im älteren Pietismus. Gießen:
Brunnen-Verlag, 1985 (Theologie und Dienst
47). Auch angelsächsische Missionswissenschaftler (z.B. Kane,
A Global View of Christian Missions, S.76.77),
sprechen davon, daß die Die Darstellung erschließt, wie die Dänisch-Hallesche
Tranquebar-Mision „einen missionsmethodischen
Maßstab setzte, der nicht mehr überboten wurde“ (S.19). So ist die Dänisch-Hallesche Mission sowohl was die sie tragenden Kreise als auch die Arbeit vor Ort betrifft, international (S.18.21.26 ff.)
und in gewissem Sinne auch überkonfessionell (S.20.26 ff). Ziel Ziegenbalgs war
von Anfang an der Aufbau einer selbständigen einheimischen Kirche (S.21) mit einheimischen Mitarbeitern (S.21). Diesem Ziel diente die Arbeit an
der Bibelübersetzung (S.19), zu der die Erforschung
der einheimischen Sprache notwendig
war, und der Aufbau von Bildungseinrichtungen
bis hin zum Seminar (S.21). Auch die Erforschung des religiösen und kulturellen
Umfeldes nahm in der Arbeit Ziegenbalgs
einen wichtigen Platz ein (S.20). In der Heimat wurde der Blick für
die Verantwortung von Kirche und Gemeinde für
die Mission geöffnet (Missionskollekten, Patenschaften, erste
evangelische Missionszeitschrift). Hatte so die Dänisch-Hallesche Mission fast alle Defizite
(S.8.9) der evangelischen Kirchen auf dem
Gebiet der Weltmission beheben können, stand doch ein entscheidender Schritt noch aus, den Zimmerling bei der Darstellung der Herrnhuter Mission anhand
der Missionstheologie Zinzendorfs belegt: Die Verantwortung der ganzen Gemeinde für die Weltmission wieder aufzudecken
(S.33). Dabei war das Missionsziel Herrnhuts
„im Grunde kein anderes als das Halles:
Es ging darum, Heiden zu Jüngern Jesu zu machen“ (S. 34). Für die
Herrnhuter Mission traten dabei die
Menschen in den Mittelpunkt, „an die sich sonst niemand machen würde“ (S.36), in heutiger Terminologie:
die „Unerreichten“ (S.40). Wichtigste
Missionsmittel sind die christozentri-sche Missionspredigt (S.39) und „Wandel
und Gebet der Missionare“ (S.41). So stellt die
Herrnhuter Mission nicht nur wegen ihrer raschen weltweiten Ausdehnung (S. 42-44) Fragen an das Missionsengagement
der heutigen evangelischen Christenheit in Deutschland. Leider kann
Zimmerling wegen des beschränkten Umfangs viele Fragen nur kurz ansprechen.
Überhaupt hätte man sich manche Darstellung und manches Zitat ausführlicher
gewünscht. Die Kürze tut aber der Wirkung des
Bandes als Anfrage und Motivation im Blick
auf den gegenwärtigen missionstheologischen Aufbruch keinen Abbruch. Klaus Wetzel, em 1988-2. |
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Zirker, Hans. Der Koran. Zugänge und Lesarten. Primus Verlag: Darmstadt, 1999. Hans Zirker ist Professor für katholische Fundamentaltheologie
an der Gesamthochschule Essen und legt hier ein weiteres Buch zum Thema
„Islam“ vor. Er versteht es, in fünf Kapiteln sowohl Nichtfachleute in das
nicht leicht durchschaubare Ausgangswissen zum Thema „Koran“ einzuführen, als
auch Insidern einiges Lesenswerte und interessante Betrachtungsweisen des
Themas zu vermitteln. Hervorzuheben ist zum einen Zirkers Bemühen, den Koran selbst
in vielen Selbstzeugnissen zu Wort kommen zu lassen, als auch sein Ansatz,
die orthodoxe muslimische Position der nichtmuslimischen Betrachtungsweise
gegenüberzustellen, anstatt sofort Darstellung und (Be)Wertung zu vermischen.
Auf diese Weise wird der unterschiedliche Blickwinkel von Muslimen und
Christen in Bezug auf die Beurteilung des Korans gut deutlich: Wenn es z. B.
um die Beurteilung der christlichen Überlieferung geht, so ist für Muslime
der Islam die einzig wahre Offenbarung, die von Adam an bestand und
abschließend verkündet wurde und daher das, was der Koran über das
Christentum sagt, ultimativ und nicht zu hinterfragen. Christen können
dagegen mit dieser verkürzenden und engführenden Darstellung ihres Glaubens
natürlich nicht zufrieden sein. Zirker untersucht vor allem das muslimische,
kontrastierend dazu aber auch das christliche Selbstverständnis ihrer
jeweiligen Offenbarungsschrift, ihrer beider Struktur, Aufbau und Inhalt.
Der Autor zeigt auf diese Weise Grundlinien zum Verständnis des Korans auf,
für die besonders der dankbar sein wird, der bereits ohne umfangreiche
Kenntnis der frühislamischen Geschichte, Personen und theologischen
Fachtermini versucht hat, den Koran einmal am Stück zu lesen und zu verstehen.
Viele übergreifende Aussagen vermitteln Einsichten in die koranische
Theologie: „Am häufigsten bitten die Gebete des Koran um Vergebung
angesichts der eigenen Verfehlung“ (86), „Der Koran kennt nicht wie die neutestamentliche
Bergpredigt das Gebot der Feindesliebe“ (146), oder „Für den Koran ist es
nicht denkbar, daß sich die gläubigen Menschen klagend oder gar anklagend
gegen Gott wenden, wie es in biblischen Zeugnissen der Fall ist“ (165). Und schließlich verhehlt Zirker auch nicht, daß für ihn am
Ende eine Reihe Fragen an den Koran offen bleiben: Nirgends erhält der muslimische
Theologe (geschweige denn, der ‘einfache’ muslimische Gläubige) klare Anweisung,
welche Koranverse durch die Abrogation (Auffassung, daß bestimmte Koranverse
durch andere ungültig wurden) „aufgehoben“, also heute nicht mehr gültig sind
und welche Verse andere Verse „aufheben“. Auch die Tatsache, daß viele
Anweisungen des Korans ohne umfangreiches extra-koranisches Hintergrundwissen
nicht zu verstehen sind, ist eine Anfrage an den alleinigen und historisch umfassenden
Wahrheits- und Allgemeingültigkeitsanspruches des Korans. Ein aufschlußreiches Buch zum Koran also, das dem Leser
hilft, Strukturen und Schneisen im koranisch-muslimischen theologischen
Denken zu finden. Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-4. |